Beiträge von Louisa

    Naja, Jane Austen und Charles Dickens sind im englisch-sprachigen Raum zwei DER klassischen Autoren, noch dazu aus unterschiedlichen Genres. Aus diesem Grund habe ich sie genannt - aber nicht als Referenzpunkte, sondern weil die beiden wirklich außergewöhnliche Autoren waren, die auch heute noch Leute auf der ganzen Welt begeistern und kritisch literarisch wirklich hervorragende Arbeiten abgegeben haben.


    Das ist mir schon klar, dass das die Klassiker sind. Nur für mich wirkt das ein bisschen so als würde man sagen: Naja, Robbie Williams kann mit Mozart und Beethoven nicht so richtig mithalten.. :mrgreen:

    Ich bin bekennender Fan der Reihe wie man weiß, aber auch ich sage, dass man das alles mit Vorsicht genießen muss. Verglichen mit Jane Austen, Charles Dickens etc. ist das, was Stephenie Meyer da abgeliefert hat, wirklich nichts Weltbewegendes und der Schreibstil lässt überdies eindeutigerweise erkennen, dass sie keine "gelernte" Autorin ist. Das alles ist aber nur bis zu einem gewissen Maße wichtig, denn es muss neben den seit hunderten von Jahren bekannten Büchern (die auch aus gutem Grund so bekannt und beliebt sind) auch leichtere Kost geben, die vielleicht nicht hoch literarisch, aber unterhaltsam, belustigend oder auch so einfach nur schön ist!
    Dennoch muss auch ich sagen, dass Stephenie Meyer wirklich ein komischer Kauz ist. Ich mag ihre Bücher sehr, aber ihre Reaktion auf negative Kritik macht sie mir teilweise direkt unsympatisch, da ich sowohl positive als auch negative Kritik wichtig finde, um mir über ein Buch/einen Film oder sonstwas eine richtige Meinung bilden zu können. Und ich mag Leute nicht, die sich Kritik (von beiden Seiten) nicht stellen können. Es gibt auch andere umstrittene Bücher und da werden die negativen Meinungen auch nicht als "fies", "unmöglich" oder sonstwas bezeichnet, sondern eben hingenommen bzw. einige Autren nehmen sogar sachlich dazu Stellung!


    Ich stimme dir zu, nur wo du ausgerechnet Jane Austen und Charles Dickens als Referenzpunkte hernimmst, ist mir ein wenig schleierhaft..

    Mir erscheint es auch ein wenig so wie Julebule. Natürlich ist es erstmal verständlich, dass man sich lieber mit Lob als mit Kritik schmückt, allerdings gibt der Erfolg ihr ja ohnehin mehr oder weniger recht und ihr Schäfchen hat sie schon lange im Trockenen, so dass sie mit Kritik eigentlich ganz unverkrampft umgehen könnte..


    Diese Erwachsenenkritiken, die du angesprochen hast, Julebule, wären übrigens auch etwas, wofür ich mich interessiere, also wenn du weißt, wo ich noch etwas finden könnte.. :D

    Hallo allerseits,


    ich bin gerade auf der Suche nach englischsprachigen Reviews zu Twilight (Buch, nicht Film!), die in Zeitungen oder Zeitschriften erschienen sind. Die Suche über die Homepages entsprechender Kandidaten bringt micht meist nur zu Filmreviews, aber leider zu keinen Buchkritiken.
    Hat hier vielleicht jemand Links, die mir weiterhelfen könnten?
    Danke, würde mich sehr freuen!

    Ich habe das Buch hier im Büchertreff gewonnen. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!


    Im Verlauf des Lesens hat das Buch in meinen Augen deutlich gewonnen. So kamen mir zu Beginn die Charaktere ein bisschen wie Abziehbilder vor (perfekter Bruder - chaotische Schwester), aber im Verlauf wurden sie deutlich runder und menschlicher. Was mir zu Beginn auch etwas schwer gefallen ist, ist die (ich nenne es mal) Patchwork-Struktur des Romans. So kommt es immer wieder zu Zeitsprüngen zwischen der nur sehr marginal dargestellten Gegenwarts- / Rahmenhandlung und den Rückblicken der Ich-Erzählerin. Wenn ich genügend Zeit gehabt hätte, das Buch wirklich in einem Rutsch zu lesen (was aufgrund des gut lesbaren und recht humorvollen Stils sicher kein Problem ist), hätte es da wohl auch keine Probleme gegeben. So musste ich mich manchmal schon fragen "Wer war nochmal xyz?", wenn ich erst am nächsten Tag weiter lesen konnte, und dann nochmal zurückblättern.
    Aber gut, am Ende macht eigentlich alles Sinn und das ist ja die Hauptsache.


    Der Untertitel lautet ja "Ein Familienroman" und nach solch abstrusen Familienverhältnissen muss man sicher lange suchen. Hier kommt recht viel Komik ins Spiel, die sich allerdings in meinen Augen auch relativ schnell abnutzte, da die Absurdität oft mit recht dickem Pinsel aufgetragen wird.
    Ein bisschen schade fand ich auch, dass manche Familienmitglieder (wie z.B. der Vater) nur schemenhafte Randfiguren blieben, während ich andere Charaktere (wie Onkel Ray) bildhaft vor mir sehen konnte.


    Alles in allem jedoch eine unterhaltsame Lektüre, die mir ein paar entspannende angenehme Stunden beschert hat.
    Dreieinhalb Sterne von mir!


    Kurzbeschreibung von amazon.de:


    Zitat

    Körpersprachliche Fertigkeiten sind für jeden Unterrichtenden von unschätzbarem Wert - nicht nur, um einer Klasse oder Kursteilnehmern die Unterrichtsinhalte optimal zu vermitteln, sondern auch, um die nonverbalen Botschaften zu verstehen, die die Lernenden aussenden. Und je stärker die Lehrenden daran interessiert sind, ihre Fähigkeiten im Unterricht zur Geltung zu bringen, desto mehr sollten sie über den Einsatz von Gestik, Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Tonfall der Stimme wissen. An jedes Kapitel dieses Buches schließen sich Übungsaufgaben an; die Antworten finden sich dann am Ende des jeweiligen Kapitels. Der letzte Abschnitt richtet sich speziell an diejenigen, die für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern, Dozenten oder Kursleitern verantwortlich sind; dort finden sich zudem Vorschläge für die Gestaltung halb- und ganztägiger Fortbildungsseminare zum Thema Körpersprache. Chris Caswell (*1950) ist Mitglied der Schulleitung der Myton School in Warwick/Mittelengland. Er hat an zahlreichen Schulen und anderen Einrichtungen Kurse zum hier behandelten Thema durchgeführt. Sean Neill (*1945) befaßt sich seit über zehn Jahren an der Universität Warwick mit der Erforschung der nonverbalen Kommunikation; auch er gibt hierzu Kurse und hat zahlreiche Forschungsarbeiten und eine wissenschaftliche Studie (Classroom Nonverbal Communication) veröffentlicht.


    Eigene Meinung:


    Zuerst muss ich anmerken, dass ich nicht die angegebene Auflage gelesen habe, sondern die erste, 7 Jahre ältere.
    Diese ( ISBN 3891260598 ) konnte ich aber weder hier im Büchertreff eingeben, noch fand ich sie bei amazon.


    Ich habe das Lesen dieses Buches als mehr oder minder große Enttäuschung empfunden.
    Auf 234 Seiten aufgebläht sind einige wenige Kerngedanken, die eigentlich jedem Leser, der sich auch nur im entferntesten mit Pädagogik beschäftigt hat (im Grunde reicht auch schon die Existenz gesunden Menschenverstandes dazu), selbstverständlich erscheinen sollten.
    Beispiele gefällig? Erfolgreiche Lehrer stellen Aufmerksamkeit her und vermitteln Begeisterung, außerdem variieren sie ihre Mimik, Gestik sowie Intonation. Wow. Was für eine Erkenntnis!


    Desweiteren hat mich gestört, dass das eigentliche Thema "Körpersprache" im Gesamtverhältnis viel zu wenig thematisiert wurde. Dafür, dass es im Titel ja so eine exponierte Stellung einnimmt, wird im eigentlichen Buch viel zu viel banales Drumherum behandelt, bis endlich mal auf den Punkt gekommen wird. Ist es dann soweit, ist in ein paar Zeilen schon alles gesagt und das Gelaber geht wieder los.


    Insgesamt habe ich das Buch als sehr redundant empfunden. Das liegt wohl daran, dass trotz der Einteilung in thematisch unterschiedliche Kapitel eine wirkliche Struktur nicht erkennbar ist bzw. durchgehalten wird. So werden die gleichen Sachverhalte an diversen Stellen immer wieder erneut angesprochen. Symptomatisch ist wohl das Vorgehen der Autoren ein Thema kurz anzureißen und dann die Bemerkung hinzuzufügen "darauf werden wir aber in Kapitel 8 nochmal eingehen" - wobei Kapitel 8 sich dann leider nur als aufgeblähte Version des bereits Angesprochenen herausstellt. Diese ständigen Verweise auf noch folgende "Vertiefungen" sind mir extrem oft aufgefallen.
    Leider ist dieses Buch deshalb für mich ein Musterbeispiel des Typus von pädagogischer Literatur "Viel Lärm um nichts"!


    Trotz aller Kritik möchte ich auch noch etwas Positives erwähnen. Offensichtlich liegen diesem Buch empirische Studien zugrunde (die aber mitnichten hinreichend beschrieben wurden, so dass ich hier nur aus ein paar Randinformationen schließen kann), die unter anderem in den praktischen Teil dieses Buches eingeflossen sind. So schließen sich an jedes Kapitel Übungen in Form von gezeichnetem oder dekriptivem Situationsmaterial an, die vom Leser interpretiert werden sollen. Darauf folgen Lösungsvorschläge der Autoren. Immerhin wenigstens ein handfester Ansatz, auch wenn man über die Lösungen sicher diskutieren kann.


    Interessant fand ich auch einen kleinen Einblick in die englische Pädagogik zu bekommen. Während in aktueller deutschsprachiger Literatur ja geradezu eine Verhätschel-Rohe-Eier-Schiene gefahren wird, scheint es in England okay zu sein Schüler schon mal präventiv einzuschüchtern. Außerdem werden Gesten bewusst eingesetzt (da wären wir wenigstens mal wieder beim Thema Körpersprache), die in vergleichbaren deutschen Büchern zum Thema verpönt sind (z.B. mit dem Finger auf Schüler zeigen, Hände in die Hosentaschen stecken). Die Bewertung dessen bleibt natürlich jedem einzelnen belassen.



    Insgesamt für mich 2 Sterne, weil mir 1 doch zu grausam bewertet erscheint.

    Klappentext

    Zitat

    Die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation hat etwas anzubieten, wenn wir persönlich und sachlich besser miteinander klarkommen wollen. "Miteinander reden 1" enthält das Handwerkszeug dafür: Analysen typischer Störungen und Anleitungen zur Selbstklärung, zur Sach- und Beziehungsklärung.


    Aufbau und Inhalt


    Ausgehend vom quadratischen Nachrichtenmodell beleuchtet der Autor jede der vier Komponenten (Sachaspekt, Selbstoffenbarungsaspekt, Beziehungsaspekt und Appellaspekt) näher. Dabei geht er sowohl auf den Empfänger und dessen mögliche individuelle Befindlichkeiten, als auch auf die jeweiligen Probleme und Kommunikationsstörungen, die sich aufgrund einzelner Aspekte ergeben können, ein. Wichtige Themen sind z.B. Selbstoffenbarungsangst, Selbstdarstellung und Authenzität oder auf der Sachseite Sachlichkeit und Verständlichkeit (dabei stellt Schulz von Thun Kriterien vor, die sich für jegliche Textproduktion anbieten um deren Verständlichkeit zu erhöhen). Ein weiteres zentrales Thema spinnt sich rund um das Feld "Beziehungen", z.B. Grundarten von Beziehungen (symmetrisch oder komplementär), Beziehungsstörungen sowie die Prägung des Selbstkonzeptes. Der vierte Block thematisiert die Kommunikationkomponente des Appells und schließt Betrachtungen zum Thema Manipulation und reverse psychology mit ein.



    Eigene Meinung

    Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Prüfungsvorbereitung mit großem Genuss und fast in einem Rutsch gelesen! Sehr angenehm aufgefallen ist mir die Sprache des Autors, die sich dadurch auszeichnet, dass er die selbst geforderte Verständlichkeit bestens umsetzt. Dies ist eine unglaublich angenehme Abwechslung im Vergleich zu anderen Werken dieses Faches! Die Erkenntnisse werden aus zahlreichen Alltagsbeispielen entwickelt und oft auch in graphischer Form nochmals verdeutlicht. Diese graphische Darstellung ist für meinen persönlichen Geschmack zwar nicht unbedingt nötig (zumindest nicht im vorliegenden Ausmaß), dennoch trägt auch sie zum Gesamteindruck bei, dass hier nicht von toter dröger Wissenschaft, sondern von etwas durchaus Lebendigem berichtet wird - und das ist die Kommunikation ja an allererster Stelle! Demnach halte ich dieses Buch auch für den Alltagsgebrauch für empfehlenswert. Wer immer schon mal wissen wollte, wie ein Missverständnis eigentlich funktioniert bzw. zustande kommt oder was der Knackpunkt misslungener Kommunikation in Beziehungen sein könnte, kann hier durchaus das eine oder andere Aha-Erlebnis erfahren. Und das ganz ohne den in meinen Augen oft fragwürdigen pseudo-wissenschaftlichen Stil vieler sogenannter Lebensratgeber.


    Von mir 5 Sterne!

    Dieses Thema wurde schon einmal diskutiert:
    Fehler in Büchern


    Fehler in Büchern


    Sogar schon zweimal :wink:
    LG
    Serjena

    Oh, ich habe nach "Druckfehler" gesucht, bevor ich den Thread hier aufgemacht habe, bin auch auf eines der beiden Themen gestoßen, allerdings schien es mir da hauptsächlich um inhaltliche Fehler zu gehen und ich wollte einfach mal meinen Unmut über schlampige Arbeit in puncto Druckfehlern ausdrücken, da ich diese im Moment pfundweise eintüten könnte..

    In letzter Zeit lese ich wieder vermehrt Fachliteratur aus dem psychologisch- / pädagogischen Bereich und muss mich immer wieder über eine Menge von Druckfehlern aufregen! Das ärgert mich wirklich extrem! Wenn man bedenkt, dass diese Schmöker teilweise 50 Euro und mehr kosten und man findet im Durchschnitt auf jeder zehnten Seite einen Fehler oder noch häufiger.. :thumbdown:


    Mir fällt das verstärkt bei Neuauflagen aus der Gegenwart auf. Werden die Lektoren da immer schlampiger, oder was?
    Mittlerweile habe ich es auch schon aufgegeben, diese Fehler auszubessern, weil ich sonst überhaupt nicht mehr weiterkomme. Normalerweise mache ich das nämlich immer (Stichwort Lesemacken :mrgreen: ).


    Wie geht es euch damit? Findet ihr auch so viele Druckfehler in den Büchern, die ihr lest? Wenn ja, was denkt ihr darüber?

    Rechtzeitig vor Urlaubsbeginn bin ich nun auch fertig geworden.
    Das Buch hat in meinen Augen in den letzten zwei Dritteln wieder einiges gut gemacht, was mir zu Beginn störend aufgefallen ist (Tendenz zum überladenen Schreibstil, Sentenzenhaftigkeit, zu große Distanz, klischeehaftes Männer- / Frauenbild).
    Somit wurde auch mein Lesefluss gegen Ende hin immer besser, was ich aufgrund des schleppenden Beginns nie vermutet hätte.


    Für mich ist die von Zweig angestrebte Sachlichkeit und Unparteilichkeit größten Teils gelungen, auch wenn es für mich ein bisschen wirkt als würde er unterbewusst doch Maria Stuart bevorzugen (wäre ein schöner Ansatz zur Dekonstruktion, fällt mir da gerade auf).
    Ich habe jetzt nach Abschluss der Lektüre ein recht lebendiges Bild von diesem Abschnitt britischer Geschichte, der so von Intrigen und Doppelzüngigkeit geprägt war.
    Nach Zweigs Geschlechtsauffassung sind dies ja typisch weibliche Charakterzüge (was ich natürlich ablehne). Besonders abstoßend hat sich aber doch auch Marias Sohn James in diesen "Disziplinen" profiliert.


    Ich werde demnächst nun mal Schillers "Maria Stuart" angehen und dann will ich noch herausfinden, was es mit Walter Scotts Darstellung auf sich hat. Weiß jemand ob das nur eine Ballade ist, die Zweig da kurz angesprochen hat?
    Achja, Elisabeth ist natürlich auch ein sehr interessanter Charakter. Gerne würde ich auch etwas mehr über sie lesen, kann jemand dazu Titel empfehlen?


    Kritisch möchte ich noch die Behandlung der fremdsprachigen Zitate anmerken, die zumindest in der SZ-Ausgabe nicht konsequent übersetzt werden (eigentlich nur die Sonette an Bothwell und ein paar kurze englische Zitate). Verstanden habe ich den Tenor zwar immer, aber die Details blieben mir aufgrund meiner leider nur grundständigen Französischkenntnisse fremd - noch dazu sind sie teilweise in altfranzösischer Schreibweise abgedruckt, was das Verständnis nicht gerade erleichtert. Ich denke es wäre kein zu großes Zugeständnis an den Leser an den entsprechenden Stellen Fußnoten mit Übersetzungen anzubringen.


    Insgesamt gebe ich Zweigs "Maria Stuart" drei Sterne, wobei wie gesagt in meinen Augen das Buch erst im Verlauf gewinnt.

    Mit der ihr eindoktrinierten Überzeugung von ihrer "göttlichen Sendung" im Hintergrund handelt sie wie ein kleines Kind, dass - ohne an irgendwelche Konsequenzen denken zu müssen - alles machen darf, was in ihren Sinn kommt.

    Dieses Selbstverständnis Maria Stuarts hat mich auch seltsam berührt. Es ist einfach so wahnsinnig schwer aus der heutigen Perspektive solche Gedankengänge nachzuvollziehen. Also mir geht es zumindest so.


    Die Männer- / Frauenbild-Geschichte ging mir in diesem Abschnitt nicht so sehr auf die Nerven wie im ersten. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass Bothwell und Marias Abhängigkeit so im Zentrum stehen und meine Aufmerksamkeit ziemlich absorbiert haben. Ich glaube das Wort krankhaft ist hier schon mal diesbezüglich gefallen und dem kann ich mir nur anschließen. Ich habe mich beim Lesen mehrmals beim ungläubigen Kopfschütteln "ertappt". Psychologisch fand ich diesen Abschnitt hochinteressant, auch wenn ich Marias Psyche persönlich nicht nachvollziehen kann, aber es muss einem wohl selbst passiert sein, damit man es verstehen kann :wink:
    Ich vermute, dass die Krankhaftigkeit auch noch ganz beträchtlich durch die Einseitigkeit dieser "Beziehung" genährt wurde, da Maria stets die junge hübsche Gattin Bothwells (die sie ihm ironischerweise ja selbst ausgesucht hatte) als Konkurrentin vor sich sah und Bothwell auch darüber hinaus kein Kind von Traurigkeit war.


    Darnley hat mich zuerst sehr abgestoßen, wie abscheulich fand ich sein Verhalten in der Rizzio-Affaire. Dennoch hat sich bei mir beim Lesen im Verlauf auch etwas Mitleid eingestellt, als klar wurde, wie sehr er an Maria hängt und wie leicht sie ihn - von Bothwell instrumentalisiert - wieder "einfangen" konnte...


    Zweigs Zusammenfassung der Kontroverse über die Echtheit der Kassetten-Briefe fand ich ganz einleuchtend dargestellt.


    Insgesamt war meine Lesefreude bei diesem Abschnitt weitaus größer als beim ersten und ich bin gespannt, wie es nun zu Ende gehen wird..

    Spät aber doch noch habe ich heute endlich nach einem Neustart vor ein paar Tagen Kapitel 8 zuende gelesen.
    Auch wenn diese Leserunde ja eigentlich schon vorbei ist, will ich noch kurz meinen Leseeindruck zu diesem ersten Abschnitt festhalten:


    Ich habe mittlerweile ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu Zweigs Schreibstil.


    Was mir sehr unangenehm aufstößt sind die Herabsetzungen des weiblichen Geschlechts, die sich wie ein roter Faden durch die bisherigen Kapitel zogen.


    Beispiele gefällig?

    Zitat
    • Selbst ein energischer, entschlossener Mann, die Faust mit Eisen bewehrt, könnte auf die Dauer hier nicht Ruhe erzwingen, und wie erst eine neunzehnjährige, dem eigenen Lande entfremdete und im Herrschen so ungeübte Frau!(SZ 61)
    • Denn als reifer Mann gehorcht er nicht wie seine Schwester heftigen, nervösen romantischen Impulsen (SZ 64 f.)
    • ... in ihrer Klugheit nur oft durch weibliche Launen und Leidenschaften gehemmt... (SZ 88 )
    • Denn trotz ihrem überragenden Format bleiben diese beiden Frauen immerhin Frauen, sie können die Schwäche ihres Geschlechts nicht überwinden... (SZ 97)

    Irgendwann habe ich aufgehört mir diesbezüglich Notizen zu machen, weil es mich nur noch geärgert hat.


    Desweiteren gefällt mir das oft Sentenzenartige in Zweigs Sprache nicht besonders. Er wirkt auf mich wie auf einem Podest stehend und begütigend auf den kleinen Leser herabsehend.. Diese Sentenzen erzeugen meiner Meinung nach auch die Distanz zwischen Leser und Figuren, die Zweig nur teilweise überwinden kann. (Vielleicht war es aber auch nie seine Absicht, aber das ist eine andere Frage)


    Eine der Fragen, die hier vertieft diskutiert wurde, war ja, ob Zweig wertet oder nicht. Für meinen Geschmack tut er dies klar und deutlich und leider auch zu sehr.


    Positiv hervorheben will ich die Charakterisierungen Morays und Knox' in Kapitel 4, die ich beeindruckend und plastisch fand.
    Auch sehr lesenswert finde ich Kapitel 6, in dem Zweig Maria und Elisabeth gegenüberstellend charakterisiert. Ich habe dadurch eine klare Vorstellung dieser beiden Frauen erhalten.
    Außerdem gefallen mir seine Anmerkungen zum geistes- und zeitgeschichtlichen Hintergrund, die das Geschehen oft in ein anderes Blicklicht rücken als das unseres modernen Standpunktes (z.B. die Bemerkung zur noch nicht erwachten Nationalismus-Bewegung, die Marias Verhältnis gegenüber Schottland erklärt).
    Achja, auch Kapitel 8 fand ich erzählerisch sehr überzeugend.. ich konnte Marias Ohnmachtgefühl so gut nachvollziehen und konnte anhand der Schilderung dieser Szene auch endlich das Zitat Thomas Manns nachvollziehen, welches auf der Rückseite des Einbands der SZ-Ausgabe gedruckt ist:

    Zitat

    Was ich am meisten an ihm bewunderte, war die Gabe, historische Epochen und Gestalten psychologisch und künstlerisch lebendig zu machen.

    Seid ihr schon zu Ende mit Maria Stuart?

    Also ich ganz und gar nicht. Im Gegenteil, hab gestern nochmal von vorne angefangen, weil ich mich an den Anfang schon gar nicht mehr erinnern konnte. Nachdem ich jetzt wieder ein bisschen mehr Luft habe, will ich das Buch auf alle Fälle noch fertig lesen und werde dann noch ein paar Eindrücke festhalten, auch wenn die Leserunde ja eigentlich nur für Juli angesetzt war.

    Mit dem Twilight-Zitat hast du natürlich recht. Ist jetzt auch schon ein Weilchen her, dass ich die anderen Bände gelesen habe, deshalb ist mein Eindruck jetzt auch nicht mehr so frisch.. Dennoch mutet mich die Motivation ihrer Namensgebung seltsam an.


    Ich wollte übrigens nicht den Namen "Carlie" an sich kritisieren! Den finde ich eigentlich auch ganz hübsch. Ich finde nur die Erklärung ein bisschen lächerlich, da halt auch noch die Väternamen mitzuverwurschten..
    Carlachie :mrgreen:

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