Beiträge von Andreas Rüdig

    Johannes Düchting: Die Kinder des Engel Pfau Religion und Geschichte der kurdischen Yezidi; Selbstverlag Köln 2004; 708 Seiten; ISBN: 3-927213-23-3


    Durch ihren Kampf für ihren eigenen, unabhängigen Staat sind die Kurden immer wieder auch in unserer Tagespresse vertreten. Die Yeziden (als eigenständige Gruppe) dürften dabei allerdings ziemlich unbekannt sein. Ein Umstand, dem dieses Buch entgegenwirken möchte.


    Der Komkar - Verband der Vereine aus Kurdistan tritt als Herausgeber des Buches auf.


    Sehr kenntnisreich, umfangreich und detailliert wird dem Leser eine durchaus interessante Kultur nähergebracht. Leider nur als Bleiwüste angelegt, ist der inhaltliche Tiefgang doch erstaunlich. Über den Autoren sind im Buch zwar keine biographischen Daten enthalten; einen ethnologisch-wissenschaftlichen beruflichen Hintergrund darf man aber schon vermuten.


    Wer denkt, Kurden und Yeziden würde es nur in der heutigen Türkei geben, wird hier eines besseren belehrt. Inhaltlich schlägt das Buch allgemein und kulturgeschichtlich einen Bogen vom historischen Zweistromland = Mesopotamien bis in unsere heutigen Tage. Hier wird Fachwissen vermittelt, das deutlich über Schulbildung und Allgemeinbildung hinausgeht.

    Irmgard Wolf / Manfred Engelhardt: Kleine Geschichte der Rheinlande; Selbstverlag Bonn 1995; 232 Seiten, ohne ISBN


    Das Rheinland erstreckt sich von der deutsch-schweizerischen bis zur deutsch-niederländischen Grenze. Unterteilt in Oberrhein, Mittelrhein, Rheinland und Niederrhein, ist es an vielen Stellen deutsches Grenzgebiet zu einem westlichen Nachbarland.


    Wolf ist Jahrgang 1913. Sie lebt seit 1915 in Bonn. Nach Abitur und Handelsschule arbeitet sie ab 1937 freiberuflich als Journalistin beim Bonner General-Anzeiger, der Kölnischen Volkszeitung und der Deutschen Allgemeinen Zeitung in Berlin. 1944 schließt sie ihr Studium der Geschichte und Kunstgeschichte mit der Promotion ab.


    Engelhardt erblickt 1924 in Düsseldorf das Licht der Welt. Nach dem Abitur 1943 (in Berlin) arbeitet er ab 1946 als selbständiger Versicherungskaufmann, Autor und Publizist.


    Inhaltlich ist das Werk dreigeteilt. Zuerst werden bedeutsame historische Persönlichkeiten, dann geschichtliche Ereignisse und zuletzt Ausflugsziele mit Vergangenheitsbezug vorgestellt.


    Die Texte sind relativ kurz und geben einen guten und angenehm lesbaren Überblick über das jeweilige Thema. Historische Zeichnungen und Schwarzweißfotographien illustrieren die Ausführungen.


    Bonn, Köln, Düsseldorf, Aachen, Dormagen-Zons, Koblenz, Xanten, Neersen - schwerpunktmäßig liegt das Rheinland hier im nördlichen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.


    Die Geschichten sind nicht chronologisch angeordnet, sondern so, wie die beiden Autoren sie für interessant und wichtig halten. Der Leser kann so selbst herauspicken, was er lesen möchte. Eine gut gemachte Einführung nicht nur in regionale, sondern auch in allgemeine deutsche Geschichte (Politik, Kultur u. v. m.) ist das Buch auf jeden Fall.

    Desirée Hoese: Sherlock Holmes und die Loge der Wiederkehr; Fabylon-Verlag Markt Rettenbach 2015; 220 Seiten; ISBN: 978-3-927071-68-1


    Ein anonymer Brief sorgt dafür, daß der Meisterdetektiv Sherlock Holmes sich mit seinem lange zurückliegenden, mysteriösen Fall beschäftigt. Der Verfasser des Briefes belastet den angesehenen Kaufmann und Altertumsforscher Edward Bellingham schwer. Bellingham scheint in kriminelle Machenschaften, in deren Mittelpunkt ein ominöser Kult steht, verwickelt zu sein. Besitzt Bellingham die Macht, Tote wieder auferstehen zu lassen?


    Hoese ist Jahrgang 1973. Sie lebt und arbeitet im Ruhrgebiet. Seit dem Jahre 2003 veröffentlicht sie phantastische Kriminalgeschichten. Dies hier ist Band 6 der Meisterdetektive-Buchreihe.


    In der Literaturwissenschaft gibt es den Begriff des Pastiche. Dies ist ein Werk in Literatur, Film, Musik oder Architektur, das offen das Werk eines vorherigen Künstlers imitiert, entweder als Hommage oder als Parodie. In vielen Fällen ist der Pastiche aber einfach nur ein Zitat.


    Dies hier ist ein Pastiche im guten Sinne. Geschichte und Handlung werden ganz im Sinne eines Sir Arthur Conan Doyle geschildert.


    Dr. Watson ist der Ich-Erzähler. Die Geschichte beginnt in der Londoner Wohnung von Holmes und Dr. Watson, wo sie ein Kunde aufsucht. Daraus entwickelt sich eine spannende Geschichte, in der auch Inspektor Lestrade, Mrd. Hudson (die Vermieterin) sowie die Baker-Street-Boys kommen, Mycroft Holmes (der Bruder von Sherlock) und Prof. Moriarty seltsamerweise aber fehlen.


    Die Handlung ist natürlich eine Detektivgeschichte und Kriminalroman. Es gibt den kriminalliterarischen Dreisprung Aufgabenstellung - Ermittlungstätigkeit des Detektivs. Am Ende kommen aber ungewöhnliche Elemente hinzu. Holmes gerät in Gefangenschaft und muß von seinem Adlatus befreit werden. Dr. Watson ist auch über das gewohnte Maß hinaus an der Aufklärung des Verbrechens beteiligt.


    Ist es Phantasy, Horror oder ein anderes literarisches Genre, in dem Untote / Zombies vorkommen? Keine Ahnung. Ist aber auch egal. Sie sind jedenfalls eine Bereicherung, da sie sich nicht mit Logik und Deduktion, der bevorzugten Vorgehensweise von Holmes, erklären lassen.


    Ein Buch wie dieses ist ein absolutes "Muß" für jeden Krimi-Fan.

    "Die Glocke" heißt ein kleines Büchlein, das der Heimatbund Wülfrath ohne Jahresangabe herausgegeben hat. Der Umfang beträgt 55 Seiten. Willi Münch macht hier "ortsgeschichtliche Bemerkungen zu einem alten Haus am Kirchplatz in Wülfrath".


    Vor Ort ist Münch ja als eifriger Heimatforscher, Autor und Publizist bekannt. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß er Textmaterial und zahlreiche Schwarzweißfotographien zusammengetragen hat und hier veröffentlicht.


    Nun ja, warum sich mit einem einzelnen Gebäude beschäftigen? So könnte der unbefangene, weil ortsunkundige Leser nun fragen. Ganz in der Nähe der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf gelegen, ist Wülfrath überregional sicherlich unbedeutend. Für eine örtliche Leserschaft kann ein solches Büchlein unter heimatkundlichen und ortsgeschichtlichen Geschichtspunkten informativ und interessant sein. Gut gemacht und lesenswert ist es auf jeden Fall.

    Janusz Biene / Christopher Daase / Julian Junk / Harald Müller (Hrsg.): Salafismus und Dschihadismus in Deutschland Ursachen, Dynamiken, Handlungsempfehlungen; Campus Verlag Frankfurt / Main 2016 / Bundeszentrale für politische Bildung Bonn 2017 (Lizenzausgabe); 301 Seiten; ISBN: 978-3-7425-0123-3


    Rund 9.000 Personen gehören in Deutschland zur Salafisten-Szene. Überaus heterogen strukturiert, spielt sie eine Schlüsselrolle im gewaltbereiten islamistischen Spektrum. Viele spätere Dschihadisten radikalisierten sich im salafistischen Spektrum. Salafismus und Dschihadismus sind trotz vieler Schnittmengen aber nicht deckungsgleich.


    Dies ist Band 10123 der Schriftenreihe, die von der Bundeszentrale herausgegeben wird. Die Autoren stammen alle aus einem fachwissenschaftlich-universitären Umfeld. Dies ist dem Buch auch überdeutlich anzumerken.


    Wissenschaftstheorie, Politikwissenschaften, Theologie und Sozialwissenschaften sind heir eng miteinander verwoben, die wissenschaftliche Theorie steht im Vordergrund. Nicht der konkrete Einzelfall wird beschrieben, sondern die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihm.


    Die Zielrichtung des Buches wird damit auch offentlichtlich. Es wendet sich an eine interessierte akademische Öffentlichkeit, die sich mit der angesprochenen Thematik beschäftigt und sich daher mit ihr auskennt. Für Otto Normalverbraucher, der eine allgemein-beschreibende und anschauliche Einführung in den Salafismud und Dschihadismus sucht, wird eine andere Literatur empfehlenswert sein.

    Hans-Peter Siebenhaar: Österreich Die zerrissene Republik; Olaf Füssli Verlag Zürich / Schweiz 2017 / Bundeszentrale für politische Bildung Bonn 2017 (Lizenzausgabe); 271 Seiten; ISBN: 978-3-71125-0113-4


    Das Jahr 2016 war für die Alpenrepublik ein ganz besonderes: International war es in den Medien präsent wie schon lange nicht mehr. Die chaotisch verlaufene Präsidentschaftswahl sowie der abrupte Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik irritierte viele Beobachter. Was läuft da gerade ab? Das vorliegende Buch möchte eine kenntnisreiche Analyse bieten.


    Siebenhaar ist Jahrgang 1962. Der Politikwissenschaftler, Buchautor und Journalist lebt ab 2013 als Korrespondent für Österreich und Südosteuropa des Handelsblattes in der österreichischen Hauptstadt Wien.


    Berichten deutsche Medien über den südlichen Nachbarn, steht dabei die FPÖ (und Kritik an ihr) im Vordergrund. Hintergrundwissen und Zusammenhänge werden vernachlässigt, etwa zur österreichischen Innen-, Außen-, Europa- und Wirtschaftspolitik. Siebenhaar beschreibt hier die tagesaktuellen Geschehnisse der Zeit (großzügig gerechnet) ab 2010. Dem (deutschen) Leser wird hier also vieles bekannt und vertraut sein.


    Auch wenn illustrierende Fotos fehlen, ist das Buch gut gemacht und interessant geschrieben. Man lernt hier so manches Detail kennen, das man ansonsten leicht übersieht. Literatur wie diese ist durchaus empfehlenswert.

    Ulrich Söbbing: St. Jakobus in Oeding; Selbstverlag Münster 2012; 32 Seiten; ISBN: 0930-3952



    Das Dorf Oebing gehört zur Gemeinde Südlohn. Aus dem Jahre 1911 stammt die katholische Kirche St. Jakobus. Sie liegt nur 1 Kilometer von der deutsch-niederländischen Grenze entfernt.


    Dies ist Heft 111 aus der Schriftreihe "Westfälische Kunststätten", die bekanntlich vom Westfälischen Heimatbund - mit Unterstützung der NRW-Stiftung Natur Heimat Kultur und dem Landschaftsverband Westfalen - Lippe - herausgegeben wird.


    Hinsichtlich Aufbau und Gestaltung folgt das Heft dem bekannten Muster: Teilweise großformatige Farbfotos und (teilweise auch farbige) Zeichnungen illustrieren den Textteil.


    Inhaltlich geht es um die allgemeine und Baugeschichte, Architektur und Innenausstattung - auch das sind wir aus der Schriftenreihe gewohnt. Genauso den sachlichen und faktenorientierten Schreibstil.


    Es ehrt den Heimatbund sicherlich, diese interessante Kirche einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

    Mirko Krüger: Thüringen. Die KriminalakteThüringer Geschichte, erzählt in 20 Kriminalgeschichten; Klartext Verlag Essen2017; 191 Seiten; ISBN: 978-3-8375-186-2


    Thüringenist eines jener fünf neuen Bundesländer, die 1990 der alten Bundesrepublikbeigetreten sind. Einst der Ostzone zugehörig, war es nicht nur ein Land derDichter und Denker, sondern auch der Richter und Henker. Dieses Buch vereint 20authentische Kriminalfälle. Die Geschichte des Landes wird hier mit denBiographien berühmter Zeitgenossen verknüpft. Johann Sebastian Bach gerät ineine Schlägerei. Wir lernen das Geheimnis um Schillers falschem Schädel kennenund sehen, wie Richard Wagner - steckbrieflich gesucht - in Weimarunterschlüpft.
    Über den Autoren
    Krügerarbeitet als Journalist für die "Thüringer Allgemeine". Seit über 20Jahren recherchiert er auch historische Kriminalfälle. Daneben arbeitet er alsAutor und Herausgeber verschiedener Bücher über Thüringen.
    Überdie Buchreihe
    Die Thüringen Bibliothek möchte eigenen Angaben zufolge Historisches undAktuelles, Unterhaltsames und Wissenswertes über Thüringen präsentieren. DieMenschen im Lande gehören also zur Zielgruppe.
    Die eigentliche Buchbesprechung
    Das Buch ist reichlich und farbige bebildert.Dies fällt schon beim ersten Durchblättern auf. Dazu gehört auch derTotenschädel. der den ansonsten weißen vorderen Buchdeckel ziert.
    Diejenigen Texte, die historischeTatsachen vermitteln sind mit einem grünen Rand umrundet und werden auchoptisch gekennzeichnet.
    Die eigentlichen Kriminalfälle werden sehr anschaulich und lebendigbeschrieben. In dieser Hinsicht haben sie nicht nur zeitgeschichtlich,informierenden, sondern auch unterhaltenden Charakter. Wer - unterregionalwissenschaftlichen Gesichtspunkten - ehe ein Einsteiger ist, dem drängtsich hier ganz schnell der Eindruck auf, daß hier historischePhantasieprodukte, daß hier Belletristik veröffentlicht wird - zu unbekanntsind die geschichtlichen Ereignisse, als daß sie zur Allgemeinbildung gehörenwürde.
    Die Seitengestaltung (auch Layout genannt) mag ein wenig übertrieben sein.Hinsichtlich Inhalt und Schreibweise gefällt das Buch, weil gut lesbar undbelletristisch angehaucht.

    Ulrich Reinke / Ursula Brebaum: Kath. Propsteikirche St. Remigius Borken; Selbstverlag Münster 2008; 24 Seiten; ISSN 0930-3952


    Borken heißt ein Ort in Westfalen. Die Propsteikirche St. Remigius ist die älteste Kirche vor Ort. Sie liegt mitten im Stadtzentrum und ist eine katholische Pfarrkirche.


    Dies ist Heft 107 aus der Schriftenreihe "Westfälische Kunststätte", die vom Westfälischem Heimatbund herausgegeben wird. Das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe sowie die NRW-Stiftung Natur Heimat Kultur unterstützen diese Schriftenreihe.


    Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß das Heft den gewohnten Trampelpfaden folgt. Farbige, zum Teil großformatige Fotographien und einige wenige Zeichnungen ergänzen den Textteil. Allgemeine und Baugeschichte, Architektur sowie Innenausstattung stellen die beiden Autoren hier vor. Die Publikation wendet sich an eine kultur- und ortsgeschichtliche Leserschaft, die genügend Interesse und Vorbildung mitbringt, um den sachlichen und faktenorientierten Ausführungen zu folgen.


    Auf Heimatbund und Kunststätten-Schrifenreihe soll hier nicht weiter eingegangen werden; das ist an anderer Stelle ausführlich genug geschehen. Es ehrt die Herausgeber auf jeden Fall, sich hier um ein Thema zu kümmern, das vermeintlich abseitig liegt.

    Willi Münch: Niederbergisches Museum Wülfrath; Rheinland Verlag Köln 1988; 48 Seiten; ISBN: 3-7927-1033-1


    Das Niederbergische Museum Wülfrath ist eines der touristischen Höhepunkte vor Ort. Der Autor stellt es mittels eines Rundganges und scharzweißem Bildmaterial vor.


    Inhaltlich ist diese Veröffentlichung leicht veraltet. Sie stammt noch aus einer Zeit, als sich das Museum noch in städtischer Trägerschaft befand, noch nicht verkauft war und seitdem von einem privaten Trägerverein betrieben wird.


    Wirklich schlimm ist dies aber nicht. Was den Aufbau des Museums anbelangt, hat sich seitdem nichts verändert. Die einzelnen Stationen werden wiedererkennbar aufgelistet und ansprechend vorgestellt. Der Leser hat also auch heute noch einen konkreten Nutzen von der Lektüre. Bei einem Besuch erhält er viele nützliche Hintergrundinformationen, die das Verstädnis des Gesehenen verstärken.

    Willi Münch: Die Bergische Kaffeetafel; Rheinland-Verlag Köln 1990; 28 Seiten, ISBN: 3-7927-1196-6


    Korinthenweißbrot, Milchreis, Bienenhonig, Schwarzbrot, Quark, Butter, Waffeln, Zuucker und Zimt sind die Zutaten der Bergischen Kaffeetafel. Sie gehört zu den kulinarischen Höhepunkte des Bergischen Landes. Im Niederbergischen Museum Wülfrath gibt es immer wieder die Möglichkeit, sie auf Anmeldung hin kostengünstig kennenzulernen.


    Der Autor stellt hier nicht nur die Köstlichkeit als solche vor. Auch Tischgeschirr wie die Döppelmina, Kaffeetassen, Kaffeemühlen, Rezepte, Schleifkannen, Hartwaffeleisen u. v. m. werden dem Leser präsentiert. Schwarzweißfotographien ergänzen den Textteil


    Über den Autoren


    Willi Münch wurde am 24. Dezember 1934 geboren. Er machte zunächst die Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) und war dann in der Stadtkasse Wülfrath angestellt. Danach war er im Bauverwaltungsamt und übernahm 1957 die Museumsleitung des Niederbergischen Museums. Dort im Museum hat er nicht nur die Bergische Kaffeetafel eingeführt, sondern auch die Dauerausstellung um wichtige Bereiche wie die Bedeutung des Kalkabbaus für Wülfrath ergänzt. Später wurde er zum Kulturamtsleiter und Leiter der Unteren Denkmalbehörde bestellt.


    Die eigentliche Literaturbesprechung


    Trotz des überschaubaren Inhalts geht die Broschüre weit über den Inhalt eines Kochbuches hinaus. Es hat auch kulturgeschichtlichen und regionalkundlichen Charakter. Und kann damit auch einen Beitrag zur Wülfrather Lokalhistorie bieten.


    Das ehrenamtliche Engagement, mit dem diese Publikation erstellt wurde, ist schon beachtlich. Wer sonst interessiert sich sonst schon für die (Alltags-)Kultur einer Region, die so abseits des großen Weltgeschehens liegt?

    Christian Holl: Dorma Hauptverwaltung Ennepetal; Stadtwandel Verlag Berlin 2005; 24 Seiten; ISBN: 3-937123-36-9


    Firmenzentralen gelten als Visitenkarten von Unternehmen. Insbesondere traditionsreiche Firmen, deren Wurzeln bis in die `50er und `60er Jahre (oder noch länger) zurückreichen, stehen heute vor der Aufgabe, ihre Firmenzentralen (als Gebäude) auch optisch aufzupeppen. Für Architekten hat sich so ein neues Aufgabengebiet aufgetan.


    Die Firma Dorma ist in Ennepetal angesiedelt. Der Umbau der Hauptzentrale gilt hier als besonders gelungen.


    Über die Schriftenreihe


    Dies ist Heft 65 der Schriftenreihe „Die Neuen Architekturführer“. „Architekturführer und Zeitschriften nehmen viel Platz weg,“ findet der Verlag. Sie sind seiner Meinung nach keine idealen Begleiter für unterwegs. Die Architekturführer, die von diesem Verlag herausgegeben werden, sollen demgegenüber in einer Jackentasche Platz finden und dennoch in komprimierter Form alle erforderlichen Informationen enthalten.


    Die Besprechung


    Jedes Jahr erscheinen nach Verlagsangaben zehn neue Bände: „Jeder Bau wird durch begeisternde Fotos und kompetente Texte vorgestellt, mit Fakten und Plänen,“ wie der Verlag betont.


    Die hier vorliegende Ausgabe steht ganz in der Tradition der Buchreihe. Es gibt viele, zum Teil ganzseitige Farbfotos. Und tatsächlich: Die Architektur steht hier eindeutig im Vordergrund. Kunstführer fügen in der Regel noch Themen wie allgemeine und Baugeschichte oder die Innenausstattung hinzu; sie fehlen hier völlig.


    Sachlich und faktenorientiert sind die Ausführungen, bestenfalls einordnen, keinesfalls kommentierend – für eine allgemeine Öffentlichkeit ist eine solche Publikation keinesfalls, sondern ganz eineindeutig für eine Fachöffentlichkeit. Dafür sind sowohl Ennepetal wie auch Dorma als Unternehmen zu unbedeutend.

    Kevin W: Plaxco / Michael Groß: Astrobiologie für Einsteiger; Wiley-VCH Verlag Weinheim 2012; 324 Seiten; ISBN: 978-3-41145-0
    Leben gibt es nur bei uns auf der Erde. Oder? Zumindest ist es uns nur hier bekannt. Das vorliegende Buch bietet ein einführendes Kapitel über die Definition von Leben. Die Umstände, die die Enwicklung von Leben ermöglicht haben, werden dabei besonders berücksichtig. Wie konnte es entstehen? Wie sich ausbreiten und mehr als 3 Milliarden Jahre lang überleben? Welche seiner Eigenschaften sind Zufall, welche Notwendigkeit?


    Im letzten Drittel des Buches werden die Erkenntnisse aus der irdischen Biologie auf die Suche nach Leben im übrigen Sonnensystem und nach lebensfreundlichen Planeten im Rest des Universums angewandt.


    Einfach nur naturwissenschaftlich ist das vorliegende Buch. Insbesondere biochemisch und astrophysikalisch wird hier argumentiert - von Science-Ficktion-Literatur, Raumschiff Enterprise und Phantasie ist hier nichts zu spüren. Was schon ein wenig enttäuschend ist.


    Wer sich für Astrobiologie begeistern kann, möchte nicht chemisch Strukturen erklärt bekommen. Ein wenig Phantasie ist da schon im Spiel, auch Kultur- und Literaturgeschichte, keinesfalls nüchterne wissenschaftliche Logik.


    In dem Buchtitel taucht das Wort "Einsteiger" auf. Es ist hier etwas irreführend, weil einfach zu viel Vorwissen vorausgesetzt wird.

    Jochen Schwabedissen: Erlöserkirche am Markt in Detmold; Selbstverlag Detmold 2015; 32 Seiten; ISBN: 978-3-941726-45-1 / ISSN 1863-0529


    Detmold ist ein Zentrum der Lippe-Region und kann diverse kulturgeschichtlich interessante Gotteshäuser aufweisen. Die Erlöserkirche ist eine davon.


    Schwabdedissen ist Pfarrer im Ruhestand. Dies hier ist Heft 31 der Lippischen Kulturlandschaften, die vom Lippischen Heimatbund herausgegeben werden.


    Religiöse Gedanken vermittelt das Heft, Regional- und Heimatgeschichte, aber auch eine Beschreibung der Kirche: Allgemeine und Baugeschichte, Architektur und Baugeschichte. Inhaltlich bewegt das Heft auf dem gewohnt guten Niveau, das wir aus der Schriftenreihe kennen. Das Heft ist reichlich illustriert; die Ausführungen sind sachlich und faktenorientiert und gut verständlich, also angenehm zu lesen.

    Roland Linde: Evangelisch-reformierte Kirche Heiligenkirche; Selbstverlag Detmold 2015; 32 Seiten; ISBN: 978-3-941726-44-4 / ISSN: 1863-0529


    Detmold ist einer der größeren und wichtigeren Hauptorte im Lipper Land, dem kleinsten Teil des westdeutschen Bindestrich-Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Die evangelisch-reformierte Kirche in Heiligenkirche ist eine der künstlerisch und kulturgeschichtlich interessanten Kirchen vor Ort.


    Sie wird in Heft 30 der Schriftenreihe "Lippische Kulturlandschaften", die vom Lippischen Heimatbund herausgegeben wird, vorgestellt.


    Linde ist freiberuflicher Historiker und Autor. Er lebt in Münster.


    Reichlich mit Farbfotos und Zeichnungen ausgestattet, folgt das Heft dem gewohnten und vertrauten Aufbau. Inhaltlich geht der Autor auf allgemeine und Baugeschichte, Architektur und Innenausstattung ein. Inhaltlich gibt es aber auch einen Ausflug in die Ortsgeschichte im Frühmittelalter, was eine deutliche Erweiterung des inhaltlichen Rahmens ist.


    Als Leser muß man sich also schon sehr deutlich für die heimatkundliche Ortsgeschichte interessieren, um zu diesem Heft zu greifen.

    Roland Linde / Julia Schafmeister: Stätten der Reformation; Selbstverlag Detmold 2017; 32 Seiten; ISSN: 1863 – 0529 / ISBN: 978-3-941726-57-4


    Man schreibt das Jahre 1517, als der Mönchen Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche nagelt. Und damit die Reformation einleutet. Grund genug für die evangelische Kirche von heute, diesen runden Geburtstag groß zu feiern.


    Dies ist Band 36 der Schriftenreihe „Lippische Kulturlandschaften“, die vom Lippischen Heimatbund herausgegeben wird.


    Bemerkenswert hierbei: Es wird mal kein einzelnes Ziel angesteuert und herausgehoben. Lemgo und Blomberg kommen genauso vor wie Detmold, Bad Salzuflen, Sonneborg, Horn, Barntrup und FAlkenhagen, um nur einige Beispiele zu bringen. Die Reformation muß offensichtlich eine große Resonanz bei den Menschen damals gefunden haben – es gibt heute noch zahllose regional- und kulturgeschichtlich interessante Kirchen, die auch heute noch eine Beschreibung wert sind.


    Jedes angesteuerte Gotteshaus wird mittels Farbfoto vorgestellt. In der Regel kommen dann Texte zur Geschichte des jeweiligen Gebäudes hinzu. Auf Themen wie Architektur und / oder Innenausstattung wird hier nicht weiter eingegangen. Macht aber nichts. Die relativ kurzen Texte stellten die Kirchen auch so gut vor und hinterlassen einen guten Eindruck.


    Über die beiden Autoren


    Linde ist freiberuflicher Historiker und Publizist in Detmold.


    Schafmeister arbeitet als Historikerin in Bielefeld.


    Hier sind also ausgewiesene Fachleute am Werke.


    Über die Lippischen Kulturlandschaften


    Bei den Lippischen Kulturlandschaften handelt es sich um eine Schriftenreihe, die seit dem Jahre 2004 vom Lippischen Heimatbund in Detmold herausgegeben wird.


    In den einzelnen, zumeist 32 Seiten umfassenden Heften werden bedeutende Kultur- und Naturdenkmäler des Kreises Lippe eingehend beschrieben. Sie sind mit zahlreichen Plänen und Abbildungen versehen. Regional bedeutsame Kirchen sind immer wieder ein Thema, das gerne genommen wird.


    Über den Lippischen Heimatbund


    Den Lippischen Heimatbund gibt es seit dem Jahre 1908. Er ist in Detmold ansässig. Als Hauptaufgaben sieht der ausschließlich gemeinnützig tätige lippische Heimatbund dabei den Schutz von Umwelt und Natur, die Pflege der lippischen Kultur und ihre Bindung an Heimat, Geschichte und Brauchtum sowie die Mitwirkung an der sinnvollen Ausgestaltung des Heimatraumes, wie es in der Sekundärliteratur so schön heißt. Der Verein mit seinen mehr als 10.000 Mitglieder ist einer der größten der innerhalb des Deutschen Heimatbundes organisierten Landesverbände.

    Kirsten Püttjer / Volker Bleeck: Das letzte Hemd Niederrhein-Krimi; Hermann-Josef Emons Verlag Köln 2012; 255 Seiten; ISBN: 978-3-95451-010-8


    Kurz vor der Landtagswahl wird einer der Hoffnungsträger einer der beiden Regierungsparteien schwer verletzt in einem Hotelzimmer in Düsseldorf aufgefunden.


    In Mönchengladbach brennen Nacht für Nacht Autos. Dann explodiert auch noch eine Lagerhalle.


    Das braucht den pensionierten Richter Max Rosenmair eigentlich überhaupt nicht interessieren - wäre da nicht seine Putzfrau, die sich um ihren Ehemann kümmern muß, der seit der Explosion im Koma liegt Rosenmair beschließt, selbst zu ermitteln.


    Über die beiden Autoren


    Püttjer stammt aus Hamburg. Sie hat dort Geschichte und Germanistik studiert und arbeitet seit dem Jahre 2008 als freiberufliche Texterin und Autorin


    Bleeck stammt vom Niederrhein. Er hat in Düsseldorf benefalls Geschichte und Germanistik studiert, arbeitet aber seit 1992 als Journalist und Autor in Hamburg.


    Beide sind miteinander verheiratet. Dies hier ist ihr zweiter gemeinsamer Krimi.


    Eine Besprechung


    Der Roman ist ein Regionalkrimi. Von Abstechern nach Krefeld und Berlin am Ende abgesehen spielt die Handlung fast ausschließlich in Mönchengladbach, und zwar in den Stadtteilen Waldniel und Rheindahlen. Dabei wird auch ein tagesaktuelles örtliches Ereignis berücksichtigt, nämlich der Abzug der englischen Rheinarmee.


    Die Geschichte wird nicht wirklich stringent erzhählt. Der Schwerpunkt verlagert sich zwischendurch vom Politik-Thriller zum Agenten-Thriller (kann man diesen Ausdruck hier wirklich so benutzen?). Es laufen einfach zu viele Handlungsstränge nebeneinander. Es gibt den kriminalliterarischen Dreisprung Aufgabenstellung - Ermittlungsarbeit des Detektivs - Präsentation der Lösung. Formal wird dies hier zwar eingehalten. Dies geschieht aber so oberflächlich, daß die Lösung fast schon untergeht, weil eher nebenbei erzählt.


    An einigen Punkten schreitet die Handlung auch gemächlich und behäbig voran. Nur ein Beispiel: Die Charakterisierung Rosenmair nimmt breiten Raum ein. Diverse Absätze und Kapitel hätten auch komplet weggelassen werden können, ohne daß es der Spannung geschadet hätte.

    Thomas Brezina: Im Tal der Donnerechsen; Neuer Breitschopf Verlag Wien 1995; 141 Seiten; ISBN: 3-7004-1210-X


    "Das Tal der Donnerechsen" ist ein neuer Vergnügungspark irgendwo in Japan. Er bietet bewegliche Plastiksaurier in Überlebensgröße. Im Auftrag von Onkel Arthur, dem Reporter, testen Axel, Lieselotte, Paula und Dominik, die "Knickerbocker"-Band, die Freizeiteinrichtung.


    Anfangs sieht alles noch nach großem Spaß aus. Doch dann verschwindet ein Japaner und bald darauf auch Axel. Die 3 übriggebliebenen Juniordetektive nehmen die Ermittlungen auf.


    Einordnung und Besprechung


    Dies ist Band 27 der "Die Knickerbocker"-Jugendbuchreihe. Zumindest in Deutschland war sie nicht sehr erfolgreich und ist dementsprechend auch ziemlich unbekannt. Die Gründe dafür werden auch in diesem Band offensichtlich.


    Schon allein die Grundvoraussetzungen für die Handlung sind unrealistisch und unglaubwürdig. Vier Kinder um die 10 Jahre reisen ohne ihre Eltern in ein fernöstliches Land, ohne die Landessprache zu beherrschen. Trotzdem können sie erfolgreich ein Abenteuer bestehen und einen fiesen, gemeinen Ganovenplan vereiteln.


    Ohne sich lange mit der Vorgeschichte aufzuhalten, geht der Autor gleich in medias res und fängt gleich mit der Hauptgeschichte an. Dies schafft bei Lesern jedweden Alters Verwirrung, da nicht klar ist, worum es in der Handlung überhaupt geht.


    Werfen wir einen Blick auf die Formalitäten, wie sie für die Serie üblich sind. Zuerst gibt es das Knickerbocker-Lied inklusive Noten (1 Seite). Dann werden die vier Kinder auf 2 Seiten mittels Bild und Steckbrief kurz vorgestellt. Die beiden Mottos und Entstehungshandlung des Namens "Knickerbocker-Bande" (= 1. Band) werden auf einer weiteren Seite benannt.


    Dann folgt - quasi als Hauptteil - die eigentliche Geschichte. Der Textteil wird durch großformatige Tuschezeichnungen ergänzt. Was in den `80er / `90er Jahren populär war, ist heute etwas aus der Mode gekommen.


    Über den Autoren



    Brezina ist Österreicher. Er wurde 1963 in Wien geboren. Er arbeitet als Schriftsteller, Drehbuchautor, sowie TV- und Radiomoderator und Produzent. Den Durchbruch schaffte er 1990 mit den Knickerbockern.


    Abschließende Gedanken


    Die Handlung ist actionreich, wirkt aber auch oberflächlich. Die Geschichten spielen nicht nur in der Heimat Österreich, sondern auch in fernen Ländern (wie Ägypten, Japan, USA, Niederlande, Deutschland, China). Ist das ein gewisses Fernweh bei Brezina zu spüren? Gewisse Anleihen bei erfolgreicheren Jugendbuchreihen sind spürbar - vier Kinder (ohne Haustier) sind ohne Erwachsene erfolgreich, mysteriöser weil undurchsichtiger Beginn mit vermeintlich realistischer Auflösung seien hier als Beispiele genannt.


    Aus einer Idee wie dieser hätte mehr gemacht werden können. Die Geschichte wirkt ein wenig zu irreal.

    Magnus Brechtken ist Jahrgang 1964. Er wurde in Olsberg, einem Ort in Nordrhein-Westfalen, geboren. Er ist stellvertretender Direktor beim Institut für Zeitgeschichte in München, von daher auf Themen des 20. Jahrhunderts spezialisiert. Außerdem ist er außerplanmäßiger Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Josef Kreiner: Geschichte Japans; Philipp Reclam jun. Verlag Stuttgart 2012; 522 Seiten; ISBN: 978-3-15-018961-0


    Japan heißt ein Kaiserreich in Ostasien. Die Geschichte des Inselstaates ist für viele Europäer ein Buch mit 7 Siegeln; bestenfalls der Atombombenabwurf von Hiroshima und Nagasaki 1945 ist dann noch vertraut. Zu weit weg, zu fremdartig ist das Land dann doch, um im täglichen Lebenm relevant zu sein.


    In chronologischer Reihenfolge beschreiben die siehen Autoren des Buches die Geschichte Japans. Angesichts des heinheitlichen Schreibstils fällt es allerdings überhaupt nicht auf, wer welchen Text beigesteuert hat. Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es einen sogenannten "Epochenüberblick". Hier werden alle wichtighen Daten und Ereignisse in tabellarischer Form aufgeführt. Erst dann folgt die umfangreiche Beschreibung.


    Die politischen Ereignisse und Strukturen stehen inhaltlich im Vordergrund. Sie werden sachlich und faktenorientiert in diesem "Reclam Sachbuch" geschildert. Hinsichtlich des Umfanges geschieht dies in gründlicher, detaillierter und umfangreicher, als man bei diesem Buchformat germuten könnte. Trotz der Allgemeinverständlichkeit könnte man dieses Werk als ein geschichtswissenschaftliches Buch einstufen.


    Ein paar wenige Sachen ließen sich bemängeln, etwa daß es keine (Schwarzweiß-)Fotos gibt. In dieser Hinsicht ist der Informationsgehalt etwas zu kurz gekommen.


    Es hätten auch die Biographien historisch wichtiger Persönlichkeiten (wie z. B. Kaiser Hirohito) eingefügt werden können.


    Hätten Themen wie Kultur oder Religion stärker hervorgehoben werden können? "Ja, auf jeden Fall," sagen Idealisten. "Schwer umzusetzen," halten Realisten dagegen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird zu anderer Literatur greifen müssen.


    Das Buch ist offensichtlich für eine interessierte Fachöffentlichkeit geschrieben. Für den interessierten Laien, der auf Allgemeinbildung bedacht ist, ist das Buch dann doch zu umfangreich und tiefgründig.