Beiträge von kfir

    Ich kenne nur die alte Walter-Brumm-Übersetzung und das englische Original, wobei ich es zunächst auf Deutsch gelesen habe und dann später im Original. Das Buch ist in der Tat sehr anspruchvoll. Dennoch bin ich der Meinung, dass man nicht immer jedes Wort und manchmal auch nicht unbedingt den Sinn eines jeden Satzes verstehen muss. Ich finde, das Buch hat mir am meisten Spass bereitet und ich habe die besten Eindrücke von den Teilen, bei denen ich beim Lesen richtig im "Flow" drinnen war.


    Muss das Buch unbedingt mal wieder lesen ... der Herbst/Winter ist wie gemacht dafür! :study:

    Nahe Mitternacht auf dem Heidelberger Bergfriedhof. Ausgerechnet diesen Ort hat sich der neue Mandant des frischgebackenen Privatdetektivs Max Koller zum ersten Treffen ausgesucht. Doch als die beiden dort ebenfalls eine Leiche auf einem Grab vorfinden, möchte es der geheimnisvolle und betagte Auftraggeber am liebsten dabei beruhen lassen. Das angebotene Schweigegeld macht den chronisch misstrauischen Max Koller jedoch nur noch neugieriger. Nicht nur dass die Leiche kurz darauf verschwindet, die Nachforschungen führen Koller zu einem Großindustriellen, dessen Wurzeln bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges zurückreichen. Je mehr Informationen Koller ans Licht bringt, desto mehr versucht man ihn davon abzubringen. Und es bleibt nicht nur bei einer Leiche ...


    Marcus Imbsweiler führt uns hier in die Welt des kauzigen Ermittlers Max Koller ein. Der Privatdetektiv ist nicht nur dem Alkohol nicht eben abgeneigt, er scheut auch vor keinen Handgreiflichkeiten zurück, ist bekennender Radfahrer und Gerechtigkeitsfanatiker, missachtet hingebungsvoll neben der Polizei auch so ziemlich jede andere Autorität und hat seine liebe Not mit dem Establishment. Zeigt er einerseits überaus feine Antennen, mit denen er jede Ungereimtheit wittert, so tolpatschig und hemmungslos direkt geht er oft zu Werke. So schlingert Max Koller scheinbar ziellos zwischen den Extremen hin und her, stets begleitet von seinem scheinbar unerschütterlichen Humor. Was für den Leser ein Quell steter Freude ist, ihm und seinem Wortwitz zu folgen, bringt ihn bei seinen Ermittlungen nicht nur Freude ein. Der vorlaute Privatflic, der immer das letzte Wort haben will, lässt kein Wortduell aus, auch wenn er dafür schon einmal Schläge einstecken darf. Doch Koller ist hart im Nehmen. Sei es bei Prügel oder beim Kater am Morgen nach einer durchzechten Nacht. Da mag es verwundern, dass Max Koller auch zum eigentlichen Ermitteln kommt. Doch Koller bleibt unbeirrt und Stück für Stück nähert er sich der Lösung. Kommt er wider Erwarten einmal nicht zu neuen Erkenntnissen, so kann er auf eine Vielzahl Freunde und Bekannte zurückgreifen, die den chronisch abgebrannten Ermittler mit Informationen, Essen und Spirituosen versorgen.


    Mit viel Liebe zum Detail setzt Marcus Imbsweiler den Max Koller in Heidelberg in Szene, ohne den Leser mit zu viel Selbstverliebtheit je zu langweilen. Mit gleicher Hingabe skizziert der Autor seine Charaktere, kantige und lebendige Typen, die der Handlung immer neue Impulse verleihen und doch nie zu viel preisgeben, um die Spannung zu erhalten. Ist die flotte Schreibe ein Garant für gute Spannung, so sind es die vielen kleinen Details, die dem Buch seinen Charakter und seine Eigentümlichkeit des Lokalkolorits geben. Abgerundet wird der überaus amüsante Krimi durch seine Sprache. Der wunderbare Wortwitz des Privatdetektivs Max Koller in seinen Dialogen und Selbstreflexionen mit unzähligen Anspielungen und Seitenhieben rundet das Lesevergnügen auf jeder Seite ab.


    Viel buntes Lokalkolorit, eine abwechslungsreiche und spannende Geschichte vor geschichtlichem Hintergrund, ein sehr vielversprechender Einstand in die deutsche Krimi-Landschaft.

    Der Klappentext:
    Zwei Tote in einer Woche. Einer mit durchtrennter Kehle, ein anderer von einem Fabrikregal erschlagen. Beide waren im beschaulichen Maschen bei Hamburg zu Hause, und beide wurden nach Eintritt des Todes grausam verstümmelt. Kommissarin Greve ist ratlos. Bis auf eine ominöse, unauffindbare Frau gibt es keine Spur. Doch dann ereignet sich ein dritter Mord, und mit ihm findet sich der erste Hinweis: Die Opfer gingen alle in dieselbe Schulklasse. Was haben sie sich nur einst zuschulden kommen lassen, dass nach so langer Zeit derart grausam Rache geübt wird?
    (blanvalet)


    Die Autorin:
    Christine Westendorf wurde 1960 in Hamburg geboren, wo sie nach einem Lehramtsstudium und einer Ausbildung zur Goldschmiedin auch langjährig freiberuflich tätig war. Heute lebt sie im Landkreis Harburg, wo sie an einem privaten Bildungsinstitut für Orthographie und Schreibtechnik arbeitet. Dabei kümmert sie sich vor allem gezielt um die Förderung und Motivierung von Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche.
    (blanvalet)


    Meine Meinung:
    Binnen kurzer Zeit ereignen sich in dem kleinen hamburger Vorort Maschen zwei recht ähnliche Morde: beide Männer wurden nach der Tat verstümmelt. Bis auf den Umstand, dass es sich bei dem Täter um eine Frau handeln muss gibt es keinerlei Hinweise. Erst als ein drittes Opfer auftaucht, scheint sich das Umkreis auf die ehemalige Schulklasse der drei einzuengen. Doch während Kommissarin Anna Greve weiterhin im Unklaren tappt und sich mit interenen Querelen herumärgern muss, verdichten sich erste Verdachtsmomente im direkten Umfeld des Mörders. Rache für längst vergangene Taten scheinen das Motiv zu sein...


    Kommissarin Anna Greve ermittelt ihren zweiten Fall. Doch kommt sie über weite Strecken nicht wirklich zum Ermitteln. Private Sorgen und Probleme im Büro überschatten ihren Beruf und führen sie und den Leser zu immer neuen Nebenschauplätzen, die letztlich zwar das Bild einer menschlichen und lebendigen Kommissarin zeichnen, allerdings nicht wesentlich Einfluss auf die eigentliche Kriminalgeschichte haben. Vielmehr wird der Leser dadurch immer wieder in seinem Lesefluss ausgebremst. Viele Themen wie Untreue in der Ehe, Drogen und Gewalt auf dem Schulhof oder die Polizeipolitik der ehemaligen Schill-Partei in Hamburg verdienen sicherlich Beachtung und können so manchen Roman inhaltlich bereichern. Doch dieses zuviel lenkt den Leser leider oft vom eigentlichen Plot und den liebevoll gezeichneten Charakteren ab.


    Der Dreh- und Angelpunkt von Christine Westendorfs Krimi ist jedoch eine unverarbeitete Kindheit mit traumatischen Erlebnissen und die daraus resultierende Rache. Eine Geschichte, welche viel Potential beinhaltet und sicherlich auch für genügend Spannung gesorgt hätte. Leider offenbart die Autorin bereits in den ersten Seiten die Identität des Mörders. Der Leser kann jetzt nur noch mit den anderen potentiellen Opfern mitfiebern und sich die für einen Krimi gewünschte Spannung aus der Mutmaßung der Motive und der früheren Ereignisse ziehen. Diese werden glücklicherweise nur häppchenweise in den vielen kleinen Einschüben und auf den letzten Seiten offenbar. Hat man den Umstand, den Mörder bereits früh zu kennen erst einmal verdaut, steigt die Spannung zwar langsam, aber doch bis zum Schluss an.


    Schade, die auf den Kopf gestellte Handlung wäre bestimmt reizvoll gewesen, die bisweilen stockende Spannung ernüchtert jedoch das eine ums andere Mal.

    Der Klappentext:
    Bilodo, ein junger Postbote aus Montreal mit einer Vorliebe für Kalligraphie, geht seinem Beruf voller Leidenschaft nach: Heimlich öffnet er abends über Wasserdampf handgeschriebene Briefe und träumt sich in fremde Lebenswelten. Eines Tages stößt er auf die ungewöhnliche Korrespondenz zwischen Professor Grandpré und Ségolène, einer Lehrerin aus Guadeloupe, die sich Gedichte schicken. Bilodo verliebt sich in Ségolène. Als Grandpré bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ersinnt Bilodo einen waghalsigen Plan: Will er den Kontakt zu Ségolène nicht abreißen lassen, muss er in die Identität des anderen schlüpfen und lernen, wie man mit siebzehn Silben die Ewigkeit einfängt ...
    (dtv)


    Der Autor:
    Denis Thériault wurde 1959 in Sept-Îles an der Nordküste des Sankt-Lorenz-Golfs geboren. Er studierte Psychologie in Ottawa und arbeitete als Schauspieler, Conférencier und Regisseur am Theater, bevor er erfolgreich als Drehbuchautor tätig wurde und Romane zu schreiben begann. "Siebzehn Silben Ewigkeit" ist sein zweiter Roman, er wurde mit dem Prix littéraire Canada-Japon 2006 ausgezeichnet. Denis Thériault lebt in Montreal.
    (dtv)


    Meine Meinung:
    Bilodo ist ein junger Briefträger aus Montreal, den man allenfalls als Eigenbrötler bezeichnen möchte. Seine distanzierten sozialen Kontakte begnügen sich auf einen Kollegen und seine schüchterne Mittagstisch-Kellnerin. Die einzigen Vergnügen in seinem kargen Leben sind Computerspiele, seine Leidenschaft zur Kalligraphie und das Mitlesen fremder Post. Bilodo hat ein Gespür entwickelt, interessante Briefe zu erkennen und öffnet diese abends heimlich unter Wasserdampf. So liest er schon seit Monaten die Korrespondenz von Grandpré aus Montreal und Ségolène aus Guadeloupe mit, die sich in ihren Briefen ausschließlich über Haikus austauschen. In diesen kurzen, dreizeiligen, nach japanischen Vorbild verfassten Gedichten taucht er in eine andere, fremde Welt ein, verliebt sich irgendwann sogar in Ségolène. Als eines Tages Grandpré vor Bilodos Augen stirbt, sieht Bilodo den Quell seiner verliebten Träumereien abrupt beendet. Aber dann bietet sich ihm die einmalige Gelegenheit, in die Rolle Grandprés zu schlüpfen und die Korrespondenz mit selbst verfassten Haikus an fremder statt fortzusetzen. Doch lange währt sei Glück nicht ...


    Denis Thériault erschafft ein in mehrfacher Hinsicht überaus poetisches Buch. Als zentrales Objekt hat er die japanische Dichtkunst mit ihren dreizeiligen Haikus und fünfzeiligen Tankas gesetzt, mit denen Bilodo und Ségolène ihre Korrespondenz führen. Auch wenn man selber bislang keine Zugang zur Lyrik gefunden haben mag, so zieht einen Thériaults Liebeserklärung auf diese kurzen und aufs Wesentliche gebrachten Dreizeiler doch unfehlbar in ihren Bann. Besonders die aufeinander folgenden Haikus der beiden Hauptcharaktere lassen schnell erahnen, wie sich Bilodo in Ségolène verlieben konnte und wie tief seine Empfindungen zu ihr wurden. Personen entstehen, die der Leser hautnah und transparent nachfühlen kann. Dennoch halten sich die Passagen mit den Haikus gegenüber der eigentlichen Geschichte doch eher im Hintergrund, bilden nur immer wieder kleine poetische Höhepunkte in der Handlung. So bleibt der Lesefluss erhalten und man wird als Laie in Sachen Lyrik nicht überfordert.
    So sehr ein Haiku auf den Punkt gebracht ist und einen Augenblick konzentriert wiedergibt, so sehr schmückt Denis Thériault die Geschichte mit all seinen Kleinigkeiten und großen Gefühlen aus. Diese Detailfreude zieht einen förmlich in die Geschichte hinein, die präzise und doch schön formulierte Erzählfreude zwingt einen dann aber doch immer wieder zum Langsamlesen und Verweilen, so schön und ausdrucksstark sind viel Formulierungen. Ein kleines Büchlein, das man in zwei Stunden durchlesen könnte, man sich dann aber später um so mehr freut, wenn man sich einen ruhigen Nachmittag lang Zeit gelassen hat. Ein großer Verdienst und besonderer Dank gebührt hier sicherlich auch der Übersetzerin Saskia Bontjes van Beek.
    Wer sich jetzt auf eine rein gefühlsbetonte Liebesgeschichte freut, der darf sich auch auf ein paar spannende Momente gefasst machen, denn die Geschichte nimmt auch einige plötzliche und dramatische Wendungen. In zwei Szenen habe ich mich sogar ein wenig an Stephen King erinnert gefühlt, wie sich eine Person und ihr Handeln mit dem Geschehen entwickelt. Eine Geschichte also, die einerseits ein sehr entspanntes und gefühlsbetontes Lesevergnügen verspricht, andererseits aber auch einen gewissen Spannungsbogen bis zu den letzten Sätzen aufbaut. In vielerlei Hinsicht hat mich dieses Buch positiv überrascht und erfreut.


    Ein überaus poetisches und mitreißendes Buch mit einer besonderen und anrührenden Geschichte.

    Der Klappentext:
    Mia liebt laute Partys. Tanzen, saufen, Drogen und Sex. So hurt sie sich durch ihre Kleinstadt, wie es ihr gefällt. Doch klar, Männer sind toll! Aber für Mia haben sie eine sehr kurze Haltbarkeit, meist nur eine Nacht – das gibt ihr den Kick. Die Gewöhnlichkeit einer Beziehung will sie sich lieber nicht vorstellen. Gähn! Langweilig!
    Doch dann lernt sie Noah kennen. Der gibt ihr zu denken, und schließlich muss Mia erkennen, dass selbst Kleinstadtschlampen zu echten Gefühlen fähig sind ...
    (ubook)


    Die Autorin:
    Mirjam Dreer erblickte am gleichen Tag wie Jimi Hendrix das Licht der Welt – nur etwa 44 Jahre später. Sie kann zwar keine legendären Gitarrensolos spielen, verbringt aber ihre Freizeit gern auf matschigen Festivals. Neben der Musik ist das Schreiben ihre große Leidenschaft. In der Schule begeisterte sie mit ihren Aufsätzen und schrieb immer wieder Kurzgeschichten für ihre Freunde. In der Pubertät entwickelte sich das Schreiben zu einem Akt der Befreiung; was eine weitaus schmerzfreiere Problembewältigung war als sich ins Koma zu saufen. Vermeiden ließ es sich ab und zu trotzdem nicht. Irgendwann fing sie dann an, seitenweise über Jungs zu schreiben, die ihr gefielen. Und für den ein oder anderen war es ein kleiner Schock zu erfahren, dass man auf ein ganz normales Mädchen eine solche Faszination ausüben kann. Sie wollte aber nur, dass diese Jungs wussten, was sie von ihnen hielt. Mit 19 Jahren begann Mirjam mit ihrem ersten Roman, „Kleinstadtschlampe.“ Inspiriert von Melissa P’s „Mit geschlossenen Augen“ und Rocko Schamonis „Dorfpunks“ machte sie sich ans Werk. Sollte ihr der Verkauf ihrer eigenen Bücher nicht genügend Geld einbringen, so tut es zumindest der Verkauf von Büchern anderer. Mirjam hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet in ihrem absoluten Traumjob als Buchhändlerin in München. (ubook)


    Meine Meinung:
    Mia ist ein selbstbewusstes Mädel aus einem Provinzkaff im bayrischen Pfaffenwinkel und lebt für Partys, Alkohol, Drogen und schnellen Sex. Für gewöhnlich bekommt sie auch was sie will und hat meist ihren Spaß dabei. Gelegentliche Momente der Reue und Selbstreflexion vergehen schnell und sie lebt ihre Neigungen weiter aus.
    Bis da dieser Kerl auftaucht, Noah. Klar will sie mit ihm ins Bett. Doch könnte sie sich mehr als eine Nacht mit ihm vorstellen, eine Beziehung mit ihm erscheint erstmalig interessant. Doch Noah widersteht auch über längere Zeit all ihren Annäherungsversuchen, hält sie auf Distanz und irgendwann spricht er dann sogar von Freundschaft. Dermaßen gekränkt sucht Mia das Weite und fällt in alte Gewohnheiten zurück. Ein plötzlicher Unglücksfall bringt Mia und Noah einander wieder näher, doch finden sie diesmal ihr Glück?


    Mirjam Dreer beschreibt mit klaren und spritzigen Worten das schnelle Leben der Jugendlichen. Mit welchem Selbstverständnis und gleichzeitiger Hilflosigkeit sie Halt, Nähe, Wärme und Liebe suchen. Ganz offen und unverblümt wird mit der offen ausgelebten weiblichen Sexualität umgegangen, die Promiskuität nicht verherrlicht, aber auch nicht verteufelt. So provokativ das Buchcover auch sein will, so wenig hat mich der Inhalt schockiert. Kenne ich doch aus dem Freundeskreis einige Frauen, die sehr genaue Vorstellungen von ihrem Sexualleben haben und das auch für sich passend gestalten – das gehört zum heutigen Leben dazu. Interessanter als eine wild ausgelebte Sexualität ist in diesem Buch jedoch das teilweise Unvermögen, sich seiner Gefühle klar zu werden und diese nach außen hin in eine Beziehung einzubringen. Zu groß der öffentliche Druck und der eigene Wunsch nach Mr. und Mrs. Right und noch größer die Versagensängste. So treten am Ende die sexuellen Eskapaden in den Hintergrund und man stellt sich die Frage, wo in den jeweiligen Abschnitten dieser Geschichte die Weichen richtig oder falsch gestellt wurden.


    So offen, spötisch und ungefiltert Mirjam Dreer so manche Szene ganz treffend beschreibt, so hölzern und gestelzt wirken leider manche Dialoge, wenn sie versucht, zu viele Aussagen in knappe Jugendsprache zu verpacken. Dennoch bleibt sie an vielen Punkten authentisch und sorgt für ein flottes und humorvolles Lesen. Manchen mögen diverse sexuelle Beschreibungen zu explizit sein, sie verdeutlichen jedoch, dass Sex eben manchmal nichts mit Romantik zu tun haben muss um trotzdem schön zu sein. Sehr schön sind auch die diversen Songs gewidmeten Kapitel - einfach eine Playlist aus allen Titeln erstellen, es wirken manche Begebenheiten mit Musikuntermalung noch realistischer. Wenn ich auch Weilheim nicht kenne, so sind mir doch die hier genannten Clubs und das jeweilige Publikum in München bestens bekannt. Diese realen Orte geben der Geschichte einen zusätzlich authentischen Anstrich, machen die Charaktere noch lebendiger.


    Ein offenes Buch über die heutige Jugend und ihrer Suche nach sich selbst und der richtigen Beziehung, eine aufrichtige Momentaufnahme des Hier und Jetzt. Ein gutes Debüt.

    Jerusalem's Lot, Maine: Nach vielen Jahren kehrt junge Schriftsteller in seinen Heimatort zurück um sich seinen Ängsten zu stellen. Als Kind hat er mit angesehen, wie sich ein Bewohner im Marsten-Haus erhängte. Jetzt möchte er das Haus anmieten und ein Buch über die vergangenen Ereignisse schreiben. Doch das über Jahrzehnte leer gestandene Haus ist bereits seit kurzem an zwei finstere Gestalten verkauft. Eine sehr große und modrig riechende Kiste wird ins Haus getragen und schon bald ereignen sich mysteriöse Dinge. Ein Hund wird am Friedhofzaun aufgespießt aufgefunden, ein Kind verschwindet und die ersten Einwohner von Salem sterben an Blutarmut ...


    Wie bei Stephen King gewohnt geht es in dem verschlafenen Jerusalem's Lot anfangs noch sehr geruhsam zu, eine verschlafene Kleinstadt in der Provinz eben. Doch mit dem Erscheinen diverser Charaktere nehmen die Dinge seinen Lauf und der Horror hält Einzug.
    Obwohl dieses Buch erst nach Carrie erschien, ist dieses Buch, aus einer Kurzgeschichte entwickelt, schon vorher entstanden. Wer sich ein wenig mit dem Stephen-King-Cosmos auskennt, der findet auch hier schon Orte und Personen, die in späteren Werken wieder auftauchen.
    Wendet sich der Autor in seinen späteren Thrillern mehr übernatürlichen Phänomen zu, so ist hier der blanke Horror allgegenwärtig. Stephen King bedient sich der Elemente der klassischen Vampir-Geschichten und verpflanzt sie auf die ihm eigene Weise in das beschauliche Maine der 1970er Jahre. Wie so oft ist es die friedliche Alltäglichkeit, die sich bald ins puren Grauen verwandelt und im Gegensatz zu manchen Spätwerken kommt Stephen King hier sehr schnell auf den Punkt. Und wieder sind es weniger die spannenden Handlungen, die den Thrill ausmachen, sondern die meisterlich gezeichneten Personen, die den Leser an ihren Ängsten teilhaben lassen.
    Hat mich dieses sehr düstere Buch als Jugendlicher das Gruseln gelehrt, so hat es auch nach über zwanzig Jahren nichts von seiner Wirkung verloren.


    Ein absoluter Horror-Klassiker des Altmeisters, der schon in sehr frühen Tagen seine Klasse erahnen ließ.

    Der Klappentext:
    Paris 1926. Das Ehepaar Kampf plant einen großen Ball, der ihren Aufstieg in die feine Pariser Gesellschaft besiegeln soll. Seit die Familie unerwartet zu Reichtum gekommen ist, will Madame ihr Leben endlich in vollen Zügen genießen. Ihre halbwüchsige Tochter, die lebenshungrige 14-jährige Antoinette, ist ihr dabei nur im Weg. Sie darf an dem großen Fest nicht teilnehmen. Antoinette grollt ihren Eltern, bis sich plötzlich die Gelegenheit zur subtilen Rache auftut … (btb)


    Die Autorin:
    Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman "David Golder", der sie schlagartig zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als „Suite française“ veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde. (btb)


    Meine Meinung:
    Paris Ende der 1920er Jahre: Eine kleinbürgerliche Familie mit jüdischer Abstammung ist durch Börsenspekulationen sehr schnell zu sehr viel Geld gekommen. Die 14-jährige Tochter empfindet den Reichtum eher als Belastung denn als Segen. Während der Vater vornehmlich um gesellschaftlicher Anerkennung ringt, sehnt sich die Mutter nach der Süße des Lebens und Aufnahme in die gehobenen Kreise. Ein großer Ball soll ausgerichtet werden. Doch als die Tochter um Teilnahme an diesem Ball bittet, um sich als Teil der Familie zu fühlen, empfindet die Mutter sie als Kontrahentin und schließt sie kategorisch aus. Durch Zufall ergibt sich ihr jedoch die Möglichkeit schmerzlicher Rache.


    Irène Némirovsky beschreibt in diesem szenischen Sittengemälde auf eindrucksvolle Weise, wie sich durch plötzlichen Reichtum eine Familie von sich selbst entfremdet. Eine Familienvater, dem das Geldverdienen der einzige Lebensinhalt zu sein scheint. Eine Mutter, die sich, am Ziel ihre Träume angekommen, endlich ausleben möchte. Und eine pubertierende Tochter, die in ihrer Suche nach Halt, Weisung und Liebe nichts von allem erhält, doch erfährt, wie machtvoll die Rache sein kann.
    Die Autorin hält der feinen Pariser Gesellschaft, speziell den Neureichen, mit viel Ironie den Spiegel vor. Auf die Spitze getrieben und in seinen Auswüchsen pervertiert wird die ganze Dekadenz in den spitzen Dialogen, wenn die Handelnden gar nicht so schnell ihre Gedanken umkehren können, um sie ihren Gegenüber mit feinen Worten mitzuteilen. Auch wenn die mögliche Auflösung schnell auf der Hand liegt, es ist ein Genuss die Auswirkungen zu lesen. Dafür entschädigt eine feine und auf den Punkt gebrachte Sprache.
    Ein bitterer Beigeschmack bleibt jedoch, dass die jüdische Autorin Mitte der 1920er bis in die 1930er Jahre hinein auch mit dieser Novelle dem Antisemitismus unfreiwillig Schützenhilfe geleistet hat. Hat sie aus ihrem eigenen Umfeld heraus begründet ihren Geschichte Akteure mit jüdischem Hintergrund gegeben, so wurde dieses Bild eines reich gewordenen Kleinbürgers für die Nazis eine willkommene Schilderung des raffgierigen Juden an sich. Die Autorin erkannte bereits Mitte der 1930er Jahre das Wesen des Nationalsozialismus und bedauerte, ihren Büchern diese überspitzten Charaktere gegeben zu haben. Irène Némirovsky starb 1942 an Typhus erkrankt in Auschwitz.


    Eine ironische kleine Geschichte für einen entspannten Nachmittag, wenn auch mit bitterem Beigeschmack.

    In einem kleinen Kaff im letzten Zipfel von Missouri werden zwei Mädchen ermordet und grausam verstümmelt, scheinbar die Tat eines Serienmörders. Die Journalistin Camille Preakers wird von ihrem Chef aus Chicago in ihren Heimatort geschickt, um von dort die Story zu recherchieren.
    Für Camille ist es jedoch zugleich eine Reise in eine schmerzhafte Vergangenheit mit einer verstorbenen kleinen Schwester, einer übermächtigen und alles beherrschenden Mutter und einer exzessiv gelebten eigenen Jugend. Schnell findet sie heraus, dass ihr eigenes Vorleben unlösbar mit den aktuellen Morden verknüpft ist.


    Gillian Flynn erzählt die Geschichte einer labilen jungen Journalistin, die mit den Recherchen zu einer Story ihre eigene Vergangenheit an Licht holt und alte Wunden wieder auf reißt. Betroffen muss man dabei lesen, wie eine Mutter mit Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom die eigene Familie tyrannisiert und wie die Kinder damit umgehen. Camilles Körper ist von zahllosen Narben durch das Ritzen entstellt. Die eindringlichen und plastischen Darstellungen sind teilweise recht drastisch und in ihrer Wirkung aufrüttelnd und betroffen machend. Diese recht persönlichen Begebenheiten stehen im starken Kontrast zu den Recherchen an den Mädchenmorden.
    Die eigentlichen Morde erfährt der Leser nur aus Erzählungen, wenn Camille bei der Polizei, alten Bekannten und ehemaligen Schulfreundinnen ihre Story auskundschaftet. Man bekommt so nach und nach viele kleine Puzzle-Stücke, die allerdings schon ab Mitte der Geschichte ein Ende erahnen lassen. Die Spannung hält sich so relativ in Grenzen, erst gegen Schluss nehmen die Ereignisse noch einmal ein wenig Fahrt auf. Die wirklich interessanten Aspekte dieser Geschichte sind auch weniger in einer einem Ziel zustrebenden Handlung begründet, sondern in der Reflexion der eigenen traumatischen Vergangenheit und die grausamen Auswirkungen auf die heutigen Ereignisse. Dies ist auch recht interessant und kurzweilig umgesetzt, die direkte und unverblümte Sprache setzt zusätzliche Akzente. Dennoch wirkt die Übersetzung bisweilen ein wenig holperig. Die akzentuierten Charaktere beherrschen mit ihren aufgestauten Konflikten klar die Story, die hohe Dichte an Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigen ist jedoch des Guten zu viel. Es verdeutlicht jedoch die aufgestauten Sehnsüchte und enttäuschten Hoffnungen in einer Kleinstadt im tiefsten mittleren Westen.


    Ein aufrüttelnder und betroffen machender Thriller mit einer unverbrauchten Geschichte, leider ein wenig vorhersehbar.

    Der Klappentext:
    In zahlreichen Geschichten und Texten taucht Andy Strauß in den nur vordergründig normalen, meist sehr skurrilen Alltag seiner Protagonisten ein, beobachtet und seziert sie, bis der Wahnsinn aus ihnen heraus tropft. Das sammelt er dann ein und zeigt es herum. (ubooks)


    Der Autor:
    Andy Strauß, seines Zeichens erfolgreicher Poetry Slammer, Musiker, Künstler und charismatischer Gedankenverdreher. Mit seinen Texten, Lesungen und Aktionen würde er Kafka begeistern, begeistert stattdessen aber ein stetig wachsendes Publikum.(ubooks)


    Meine Meinung:
    Viele Geschichten schreibt das Leben. Manche Geschichten sind bei ihrer Entstehung schon eine Anekdote. Manche Geschichten muss man dagegen näher betrachten, die Story fortspinnen, auseinander nehmen, neu zusammen setzen, überzeichnen oder schlicht auf den Punkt bringen.
    Andy Strauß hat viele kleine und große Begebenheiten beobachtet und die Essenzen dessen zu Papier gebracht. Manches lässt einen laut auflachen, manches wiederum lässt einen das Lachen im Halse stecken bleiben, denn political correctness ist die Sache des Autoren nicht. Doch immer lohnt es sich, genau hinzusehen und die eigenen Gedanken dazu schweifen zu lassen, den Kern der Geschichte zu suchen. Oft erkennt man sich selber wieder, in seinem eigenen Tun, in seinen eigenen Wünschen oder Ängsten. Manchmal verlässt uns der Autor jedoch auch, sucht nach neuen Horizonten und bricht auf zu neuen Ufern. Aber gerade hier lohnt sich ein zweiter und dritter Blick, vielleicht erkennt man ihn und auch sich selbst etwas später.
    Der Sinn des Lebens wird hier zwar nicht geklärt, doch wurde danach auch nicht gesucht. Vielmehr bleiben die Geschichten verwurzelt im Alltäglichen, greifbar für den Betrachter und voll Vergnügen lesbar.


    Viele kleine Dosen pralles und lautes Leben, mal humorvoll, mal nachdenklich. Toll! Sollte man mal lesen.



    Zitat

    Unmittelbar neben diesem Berg wohnten die zwei stotternden Zwillinge, und es war klar, dass sie stotterten, denn wenn da, wo eigentlich nur Platz für ein Kind ist, zwei entstehen sollen, muss irgendwas auf der Strecke bleiben. Zudem hatten sie bereits in ihren jungen Jahren unproportionale Doppelkinns. Doppelkinndoppelkinder mit mit Silbendopplungssprachproblemen. Damit ich sie nicht verprügelte, haben sie mir immer jeder ein Eis gekauft, und eines von den beiden Eis gab ich direkt weiter an ihren großen Bruder, damit dieser mich nicht zwang, Sachen zu machen, die ich nicht wollte. Später, als der große Bruder aus dem Haus war, konnte ich dann beide Eis essen.


    Zitat

    Es war laues Frühlingsklima, obwohl es Herbst war, und mein Vater erhoffte sich, von den gesammelten Pilzen ein schönes Mittagessen machen zu können. Mich nahm er nur mit zum Pilzesammeln, damit er sich nicht bücken musste und um zu testen, ob die gesammelten Pilze gesundheitsschädlich sind oder nicht. Als ich nur sieben Jahre alt war, waren die Augen von meinem Vater noch sehr gut und er ließ mich selten giftige Pilze probieren. Doch die Zeit riss ihm die Haare aus dem Kopf und auch seine Sehkraft nahm ab, sodass ich häufiger an einem Sonntagabend im Krankenhaus landete, als ich den Tatort schauen konnte.

    Der Klappentext:
    Verschwörung in Magnusstad: Der junge Lars Holmqvist soll um sein Erbe gebracht werden. Seine Freunde, Justus, Bob und Peter wollen ihm helfen, geraten dabei aber selbst in eine gefährliche Lage: plötzlich ist die legendäre silberne Spinne, die für Lars und ganz Magnusstad eine besondere Bedeutung hat, in ihrem Zimmer. Die Feinde von Lars möchten den drei ??? offensichtlich einen Raub in die Schuhe schieben. Eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt. Schaffen es die drei Freunde auch diesmal wieder?
    (franckh)


    Der Autor:
    Dieser 1967 erschienene Band stammt von dem 1969 verstorbenen Schöpfer der drei ??? Robert Arthur.


    Meine Meinung:
    Bei einem Beinahe-Unfall ihrer beiden Luxus-Karossen lernen sich die drei ??? und der junge Erbe eines Industrie-Imperiums Lars Holmqvist kennen und werden schnell Freunde. Nach einigen Wochen lädt Lars Holmqvist die drei zu sich nach Texas ein, wo er die Amtsgeschäfte seines Unternehmens übernehmen soll. Es ist eine kleine Stadt, in der das Erbe seiner schwedischen Vorfahren hoch gehalten wird und einen ganz besonderen Stellenwert genießt. Doch Lars Holmqvist hat Feinde im Unternehmen, die die Amtsübergabe mit allen Mitteln verhindern wollen. Da kommen Justus, Peter und Bob als mögliche Sündenböcke gerade recht ...


    Die drei ??? recherchieren dieses mal nicht in Rocky Beach, sondern in Magnusstad, einer nach mittelalterlichem schwedischem Vorbild gestalteten Stadt in Texas. Das alleine gibt der Geschichte schon einen sehr schönen exotischen Anstrich, wenn Justus, Peter und Bob durch ein nachgebautes Schloss, tiefe Kanäle und eine mittelalterliche Kirche jagen. Leider kommen die Ermittlungen dieses mal schon sehr kurz, vielmehr werden sie als Opfer einer Intrige pausenlos gejagt und müssen am Ende ihre Unschuld beweisen. Mittelpunkt dieses Falles ist hier ganz klar Bob, wenn er auch unglücklicherweise kurzfristig sein Gedächtnis verliert und so erst das ganze Unheil herauf beschwört. Peter und Justus spielen eher Nebenrollen, Peter kann zwar durch einige sportliche Leistungen glänzen und Justus hat mal wieder die rettenden Idee zum Schluss.
    Wenn es bei weitem nicht der kniffeligsten Fall der drei ??? ist, so fasziniert er mich doch seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder durch seine rasante Handlung und seine pittoreske Szenerie in einer schwedischen Stadt mitten in Texas.


    Einer meiner Lieblings-Bände der drei ???, auch nach vielen Jahren immer wieder irre spannend.

    Der Klappentext:
    Deutschland 2019: Der Sozialstaat steht kurz vor dem Zusammenbruch. Eine inoffizielle Organisation hat begonnen, angebliche Sozialschmarotzer zu töten. Der ehemalige Kundenberater Volker Kühn wird im Krankenhaus zum Opfer dieser "Behandlung". Als er erfährt, dass er nur noch wenige Stunden zu leben hat, flüchtet er und versucht – verfolgt von den Agenten des mörderischen Systems –, die ungeheuerliche Wahrheit publik zu machen. Ein spannender Thriller, der hoffentlich niemals Wirklichkeit werden wird.
    (dtv)


    Der Autor:
    Andreas Laudan, geboren 1967 in Lüneburg, ist promovierter Musikwissenschaftler und lebt heute als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Seinen Lebensunterhalt verdiente er fünfzehn Jahre lang mit Gelegenheitsjobs am Rande der Armutsgrenze, bis er eine Festanstellung als Kartenverkäufer erhielt. Mit „Pharmakos" legt Laudan erstmals einen utopischen Thriller vor, weitere Thriller sind in Vorbereitung.
    (dtv)


    Meine Meinung:
    Pharmakos ist ein im alt-griechischen Kulturraum bekanntes Menschenopfer, in dem meist aus niederem Stand stammende Menschen geopfert wurden, um ein Unglück oder Unheil von der Allgemeinheit abzuwenden.


    Deutschland im Jahr 2019: Zehn Millionen Arbeitslose lassen die sozialen Sicherungssysteme zusammenbrechen. Die Reichen verschanzen sich zunehmend in privat gesicherten Anlagen, die Arbeitslosen, Kranken und Alten werden in eigens angelegten Bezirken zusammengepfercht. Die Arbeitenden gehen in ihrer Wut wegen rasant steigender Sozialabgaben mit viel aufgestauter Aggression und verbrämt mit religiösen Phrasen gegen die ausgegrenzten "Asozialen und Schmarotzer" vor.


    Für Volker Kühn beginnt mit einer Krebserkrankung sein sozialer Abstieg: Verlust des Arbeitsplatzes, Zwangsumsiedlung in eine Arbeitslosenwohnheim, gesundheitliche Behandlung zweiter Klasse. Im Krankenhaus erzählt ihm ein anderer Patient das Unglaubliche: angeblich werden Kranke, denen man keine Chance auf Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zutraut, mit einem Medikament unauffällig getötet. Als Volker Kühn die beschriebenen Symptome am eigenen Leib bemerkt, tritt er die Flucht nach vorne an. Er muss an das Gegenmittel gelangen, doch ihm bleiben nur knappe zwölf Stunden Zeit ...


    Andreas Laudan zeichnet ein überaus düsteres und sozialkritsiches Bild unserer Gesellschaft in zehn Jahren. Nicht nur, dass unser Staat die sozialen Probleme nicht in den Griff bekommen hat. Sondern auch, dass 75 Jahre nach dem Dritten Reich Euthanasie wieder denkbar ist und dass Menschen ihn scheinbar im großen Stil anwenden, um ihre Vorstellungen einer gesunden Gesellschaft umzusetzen.
    Neben den gesellschaftspolitischen Auswirkungen beschreibt Andreas Laudan die von Todesangst und scheinbarer Aussichtslosigkeit gezeichnete Flucht eines Mannes, der das Unglaubliche zunächst nicht fassen mag und dann mit letzter Energie das Gegenmittel auftreiben möchte. Diese rasante Jagd führt Volker Kühn binnen weniger Stunden von Freiburg nach Hamburg. Für einen Mann, der ansonsten eher als Langweiler charakterisiert wird, erlebt er dabei allerdings zu viele mit Action aufgeladene Ereignisse. Dass ein Mann, der sich an den letzten Strohhalm klammert, bis ans Äußerste geht, scheint noch nachvollziehbar. Doch zu viele zufällig herumliegende Waffen und Verfolgungsjagden sind dann irgendwann einfach des Guten zu viel. Statt dessen hätte ich mir etwas mehr Visionen und Aussichten auf unseren Staat und unsere Gesellschaft in zehn Jahren gewünscht – mehr George Orwell und weniger Ian Fleming.
    Im gleichen Masse mitreißend wie die Geschichte ist Andreas Laudans Schreibstil. Mit einfachen und treffenden Worten zeichnet er präzise, klare und doch schonungslose Bilder. Mit denselben Worten transportiert er aber auch das hohe Tempo der Flucht/Jagd quer durch Deutschland. Der Leser ist sofort mitten in einer Geschichte, die einen bis zum Schluss zu sehr fesseln vermag. Der durchgängige Spannungsbogen wird immer wieder mit kurzen Einschüben aus Volker Kühns Vergangenheit unterbrochen, die das Puzzle der gesellschaftlichen Umstände erst erkennbar machen. Leider kratzen die sozialkritischen Erkenntnisse um Gesundheitswesen, soziale Sicherung und Leistungsgesellschaft nur an der Oberfläche.


    Ein sehr spannender Action-Thriller mit nachdenklich stimmenden gesellschaftspolitischen Hintergründen, ein furioses Debüt.

    Dieses Kuschelbuch ist nicht nur ein wunderschönes Geschenk, wenn ein Büchernarr und eine Leseratte Nachwuchs bekommen. Auch das Kind wir seine Freude daran haben. Die Größe und das Gewicht sind für das erste Greifen ab 3 Monate gerade recht. Der orange Plüscheinband besteht aus kuschelig weichem Material und zeigt vorne wie hinten einen süßen kleinen Teddy. Die acht Innenseiten sind aus weichem weißen Stoff und zeigen Gegenstände, die auch in Babys täglichem Leben eine Rolle spielen: Ball, Fläschchen, Quietsche-Ente, Keks. Sehr interessant ist auch der Knistereinsatz auf der Titelseite, da hat Baby auch was fürs Ohr.
    Das Büchlein macht einen sehr solide verarbeiteten Eindruck, hat keine scharfen oder spitzen Teile, riecht bei Kauf nicht nach irgendwelchen Chemikalien, entspricht den europäischen Spielzeugnormen und ist bis 30 Grad waschbar.
    Ein wunderschönes kleines Spielzeug für Kind und Eltern.

    Der Klappentext:
    Der britische und der amerikanische Geheimdienst sind in einer verzweifelten Lage. Die Sowjetunion hat ein neues Kampfflugzeug mit erschreckend verheerender technischer Möglichkeit gebaut. Es ist der westlichen Rüstung um Jahre voraus und wird von der NATO unter dem Codenamen "Firefox" geführt.
    Es gibt nur eine Möglichkeit, die Gefahr abzuwenden: Eines dieser Flugzeuge muß in den Westen gebracht werden. Und es gibt nur einen Mann, der dazu in der Lage ist: Mitchell Gant. Im härtesten Training lernte er fliegen und wurde ihm beigebracht, russisch zu sprechen und zu denken.
    Einmal in der Sowjetunion eingeschleust, steht er allein zwischen den Fronten der westlichen und östlichen Nachrichtendienste. Beide Seiten sind ohne zu Zögern bereit, ihre Männer zu opfern, sollte irgend etwas schief gehen.
    (heyne)


    Der Autor:
    Der britische Autor Craig David Thomas wurde 1942 in Cardiff, Wales geboren. Das seinem Studium am dortigen College lehrte er noch einige Jahre englische Sprache und Literatur. Er wird in einem Atemzug neben Tom Clancy als einer der Begründer des Techno-Thrillers genannt. Neben seinem berühmtesten Roman "Firefox" wurde er mit "See-Leopard" und "Wolfsjagd" bekannt.


    Meine Meinung:
    Ende der 1970er Jahren auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges: Die Sowjetunion hat eine völlig neues Kampfflugzeug entwickelt, sehr schnell, für das Radar des Gegner unsichtbar und mit einem neuen, gedankengesteuerten Waffensystem ausgerüstet. Schnell wird den NATO-Staaten klar, dass sie weder die Mittel noch die Zeit haben, um ein ähnliches Flugzeug zu bauen. Da nicht durch Spionage an die Konstruktionspläne zu kommen ist, bleibt nur ein Ausweg: Das Flugzeug, der "Firefox" muss gestohlen werden. Mitchell Gant, ein unter einem unverarbeiteten Kriegstrauma aus Vietnam leidender Flieger-Veteran, wird auserkoren und nach Moskau eingeschleust. Durch einige Undercover-Agenten und Kollaborateure unterstützt, muss Mitchell Gant zu dem streng geheimen und abgeschirmten Militärflugplatz in den Weiten Russlands gelangen. Doch er bleibt nicht lange unentdeckt und schnell ist ihm der KGB auf den Fersen...


    Obwohl dieses Buch in seinen politischen Dimensionen und den technischen Details vielfach schon überholt ist, bleibt es dennoch ein überaus spannender und mitreißender Thriller. In sehr vielen Details wird die Situation in der damaligen Sowjetunion geschildert, mit allen seinen Schwierigkeiten eines westlichen Agenten, nicht aufzufallen. Dies wird ebenso glaubhaft geschildert wie die innere Zerrissenheit der Kollaborateure, die dem Westen in die Hände spielen. Immer vor Augen, dass ein solches Waffensystem im alleinigen Besitz der UdSSR einen Krieg erst möglich und gewinnbar machen würde. Ebenso gut in Szene gesetzt ist die enorme nervliche Belastung des Mitchell Gant, der durch seine Angstzustände immer wieder an sich selber zu scheitern droht. Doch durch sein Können, seine Mitstreiter und maßvoll eingesetzte glückliche Umstände ist Mitchell Gant lange Zeit seinen Verfolgern eine Spur voraus.


    Der Story des gleichnamigen Films von und mit Clint Eastwood wurde sehr nahe am Buch adaptiert, sehr spannend umgesetzt und ist ebenfalls absolut empfehlenswert. Die Tricks sind zwar auch schon etwas antiquiert, sie wirken aber dennoch nicht billig. Wie alle späteren Clint Eastwood Filme in seiner Wirkung nicht übertrieben, nimmt der Film seine Spannung aus dem Aufbau der Geschichte, den Charakteren, sowie den gezielt eingesetzten Effekten.


    Ein Thriller-Klassiker, in manchen Details schon von der Wirklichkeit ein- und überholt, dennoch durch die spannende Story und die differenzierten Charaktere immer noch eine Empfehlung.

    Der Klappentext:
    Nach seiner auf haarsträubende Weise erzwungenen Landung liegt das entführte Überschallflugzeug in einem zugefrorenen See begraben – 20 Meilen von der norwegischen Küste entfernt. Sein Pilot, Mitchell Gant, rennt um sein leben, verfolgt von Spürhunden und Helikopter-Patrouillen des KGB: Als das internationale Spannungsbarometer gefährlich ansteigt, beginnt hinter den Kulissen ein verzweifeltes Tauziehen: ein aberwitziges Wettrennen zur Rettung von Firefox ...
    (heyne)


    Der Autor:
    seinem Studium am dortigen College lehrte er noch einige Jahre englische Sprache und Literatur. Er wird in einem Atemzug neben Tom Clancy als einer der Begründer des Techno-Thrillers genannt. Neben seinem berühmtesten Roman "Firefox" wurde er mit "See-Leopard" und "Wolfsjagd" bekannt.


    Meine Meinung:
    Ende der 1970er Jahren auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges: Der amerikanische Pilot und Agent Mitchell Gant konnte in "Firefox" den Sowjets ein völlig neues Kampfflugzeug entwenden und damit in Richtung Westen flüchten. In einem Luftkampf beschädigt, kann Mitchell Gant den Flieger auf einem zugefrorenen See norwegisch-sowjetischen Grenzgebiet notlanden. Der "Firefox" bricht durch das Eis und versinkt im See. Seine sowjetischen Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen, der Weg in den Westen ist ihm unmöglich. Mitchell Gant beschließt, sich in die Höhle des Löwen nach Moskau zu flüchten um dort Hilfe für seine Rettung zu bekommen. Beide Seiten setzen alle Hebel in Bewegung, um Kenntnis des genauen Absturzortes zu gelangen


    Der Thriller knüpft nahtlos an "Firefox" an, kann ihm allerdings nicht in allen Belangen das Wasser reichen. Wie in seinem Vorgänger wird die Spannung langsam erhöht und durch geschickt eingesetzte Knalleffekte werden immer wieder Akzente gesetzt. Dabei bleibt man weiterhin im glaubhaften Rahmen, das Glück wird nicht allzu oft strapaziert. Einige Gedankengänge mag man jedoch schon aus dem ersten Band kennen, auch wirken manche Szenen bemüht konstruiert. Beeindruckend sind die geschilderten Methoden, mit denen die Agenten des KGB Aussagen aus Leuten zu bekommen versuchten. Hat der erste Band noch eine gewisse Leichtigkeit, so sind die Effekte sowie die gesamte Story der Agenten in Moskau dieses Buches wesentlich härter und zugleich holpriger. Dennoch schafft das Buch zum Ende hin wieder gut den Bogen und findet einen spannenden und glaubwürdigen Abschluss.


    Da der kommerzielle Erfolg des Filmes "Firefox" hinter seinen Erwartungen zurück blieb, wurde dieses Buch nicht mehr verfilmt.


    Ein spannender und guter Abschluss des Thrillers "Firefox".

    Der Klappentext:
    In dem sonst so idyllischen Vorort Seven Pines droht ein Nachbarschaftskrieg auszuarten. Die aufgebrachten Anwohner bitten die drei ??? um Hilfe. Doch Bob wird bei einer nächtlichen Beschattungsaktion verletzt und verliert das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, weiß er nicht mehr, wer er ist! Das nutzt ein alter Feind der drei ??? gnadenlos aus. Während der dritte Detektiv nun auf unerwartete Abwege gerät, bekommen Justus und Peter es mit einem gefährlichen Gegner zu tun. Schnell wird aus einem scheinbar harmlosen Routinefall eine harte Probe für das berühmte Trio aus Rocky Beach – womöglich die härteste, die es für sie geben kann ... (kosmos)


    Der Autorin:
    Kari Erlhoff (geb. Ehrhardt) wurde 1979 in Hamburg geboren. Sie studierte Anglistik und arbeitet als freie Texterin, Onlineredakteurin und auch als Autorin für Horoskope, redaktionelle Texte, Hörstück-Skripte, Gutachten und seit neuestem für ???-Bücher. Ihr dritter Band soll noch 2009 erscheinen.
    (kosmos)


    Meine Meinung:
    "Wir übernehmen jeden Fall" prangt groß und breit auf der Visitenkarte der drei ???. An sich klingt eine Nachbarschaftstreitigkeit doch reichlich banal für Justus, Peter und Bob, als dass sie sich mit so etwas herum schlagen wollten. Doch wenn jemand in einem gut situierten Vorort mit verwüsteten Gärten und Kleindiebstählen Unruhe stiftet, muss es einen guten Grund dafür geben. Anlass genug, der Sache auf den Grund zu gehen. Und wenn zu allem Überfluss auch noch der alte Bekannte Skinny Norris auftaucht, ist doppelt Vorsicht geboten.


    Die drei ??? geraten dieses Mal an einen Fall, der sich recht harmlos angeht, doch dann sehr rasant mit einem Knalleffekt endet. Tiefere Recherchen oder Kombinationsgabe ist dieses Mal eher nicht gefordert, dafür aber das richtige Gespür für die Situation und körperliches Durchsetzungsvermögen. Hier kann Peter wieder einmal kräftig punkten und Akzente setzen. Justus hat wie immer den richtigen Riecher und behält fast immer den nötigen Durchblick, bleibt jedoch ein wenig farblos. Dafür hat Bob dieses Mal scheinbar alles Pech der Welt an seinen Hacken kleben, wird aber dennoch zum Dreh- und Angelpunkt dieses Falles. Man darf gespannt sein, was alles passieren muss, dass sich Peter und Bob bis auf Blut miteinander prügeln.


    Ein an Action reicher und spannender Fall für die drei Fragezeichen, bei dem manch einer bislang ungewohnte Seiten zeigen darf.

    Die alten Maya sagten an Hand ihrer Kalender und Orakel für den 21.12.2012 das Ende aller Zeiten voraus. Der Tag, an dem die Erde untergehen wird?
    Jed DeLanda ist ein unmittelbarer Nachfahre der Maya und bekam bereits in jungen Jahren von seiner Mutter ein Spiel beigebracht, mit dem es möglich ist, künftige Ereignisse voraus zu sehen. Als Erwachsener nutzt er dieses Spiel überaus gewinnbringend für seine Börsenspekulationen. Kurz vor dem vermeidlichen Weltuntergang tritt ein scheinbar allmächtiger Konzern mit er Frage an ihn heran, ob es nicht möglich sei, gemeinsam mit dem Spiel und uralten Maya-Manuskripten die Ereignisse des 21. Dezember 2012 vorher zu sagen. Schnell stößt Jed an seine Grenzen, seine Fähigkeiten sind zu limitiert. Ihm wird klar, für die wahre Meisterschaft des Spieles muss er von seinen verstorbenen Vorfahren lernen. Eine Reise zurück in die Zeit scheint die einzige Möglichkeit zu sein.


    Brian D'Amato verknüpft geschickt Motive eines Endzeit- und Techno-Thrillers mit historischen Elementen der alten Mayas. Dabei weiß er es geschickt, die vorhanden Mythen und das fehlende allgemeine Wissen über die Mayas mit der aktuell latenten Angst vor Terror in den USA zu vereinen. Abgerundet wird dies mit beschriebenen Technologien, wie sie bereits in einigen wenigen Jahren möglich erscheinen. Für die Zeitreise hat sich D'Amato einen ganz besonderen Clou ausgedacht, der den Leser sehr direkt in die Handlung einbindet.
    Überhaupt fühlt sich der Leser direkt in die Handlung hinein gesogen. Zum einen reflektiert die Hauptperson Jed immer wieder auf teils sehr skurrile und unterhaltsame Art das soeben Erlebte, zum anderen finden die Passagen des Opferspieles oftmals unter Einwirkung bewusstseinserweiternder Substanzen statt. Das Erzählte erfährt ein zusätzliches Tempo, die Schilderungen werden bunter und teilweise recht abgedreht. Aber auch abseits der Drogenerfahrungen erfährt man zahllose kleine Details aus dem Leben und der Kultur der alten Mayas.
    Leider hemmt dieses Kaleidoskop an Erfahrungen und Begebenheiten ein wenig die Entwicklung der eigentlichen Geschichte. Hat man die Möglichkeit, sich ungestört über Stunden in das Buch hinein saugen zu lassen, so hat man ein überaus schönes Leseerlebnis. Ein Buch für den täglichen Arbeitsweg in der U-Bahn oder als 30 minütige Einschlaflektüre ist es allerdings nicht, es fehlen die gleichmäßig verteilten Anknüpfpunkte, um immer wieder in die Geschichte zu finden.
    Obwohl dieses Buch in sich abgeschlossen ist, bildet das Ende doch den Cliffhanger für einen kommenden zweiten Band. Leider ist der hier erzählte Schluss für den sehr langen Anlauf doch viel zu kurz erzählt, er wirkt auch arg konstruiert und ist, weil unvorhersehbar, auch einigermaßen unbefriedigend. Sollte einem das Buch an sich gefallen haben, weiß man jedoch sehr genau, worauf man sich im zweiten Teil freuen kann.
    Völlig unverständlich ist mir allerdings, wieso dieses mit fast 900 Seiten sehr umfangreiche Buch nur als Taschenbuch erschienen ist. Entschädigt wird man allerdings durch ein wunderschönes Art-Work sowie zahlreiche Karten und erklärenden Skizzen.


    Eine intelligente, überaus spannende und bisweilen unorthodox erzählte Geschichte, die manch unterschiedliche Genres geschickt mit einander verbindet und ein lang anhaltendes Lesevergnügen bereitet.


    Eben das Gegenteil von Zimt ... ;)

    Ich (und als Geschenk auch meine Eltern) habe schon seit viiiiieeeelen Jahren immer wieder Kalender aus dem Hause Knesebeck. Sie sind nicht nur schön, auch die Qualität von Papier und Druck stimmen. Viele Motive haben wir später als Poster gerahmt zweitverwendet und auch nach einigen Jahren verblassen die Farben bei weitem nicht so stark wie bei vielen anderen Kalendern. Wenn man sich also ein paar schöne Motive zulegt, kann man auch über Jahre etwas davon haben.


    Und zu den Bildbänden kann ich nur sagen: Ja, sie sind teuer, doch werden sie in wesentlich kleineren Auflagen hergestellt als Belletristik und Papier und Druck sind auch sehr viel teurer. Da muss man dann immer überlegen, ob einem ein Bildband das wert ist und wie oft man sich diesen dann ansieht. Manche muss ich einfach haben, die kaufe ich mir neu, manche versuche ich als Mängelexemplare oder über amazon/eBay günstiger zu ergattern. 8-[

    Der Klappentext:
    Wellendingen, ein idyllisches Dorf im Südschwarzwald: Hans Seger ist beruflich in Schweden unterwegs, seine Frau Eva hat Frühdienst im Donaueschinger Krankenhaus. Ihre Tochter, die siebenjährige Lea, ist bei Nachbarn. Eigentlich scheint alles in bester Ordnung ... bis am Morgen des 23. Mai plötzlich der Strom ausfällt. Der Verkehr bricht zusammen, Telefone und Computer stehen still, Kühlschränke verweigern ihren Dienst, Supermarkttüren öffnen sich nicht mehr. Der wirksamste Computervirus, der je ersonnen wurde, schleudert die Welt zurück ins tiefste Mittelalter. Als der erste Jumbojet vom Himmel fällt, dämmert der Dorfgemeinschaft, dass nichts mehr so sein wird wie es einmal war ...
    Innerhalb weniger Stunden zerbricht das so stabil erschienene Gerüst unserer modernen Gesellschaft. Jeder ist sich plötzlich selbst der Nächste. Eine Schlacht bahnt sich an, in der alle bisherigen Werte nicht mehr zählen. Für Eva und Hans Seger beginnt ein Überlebenskampf, auf den sie niemand vorbereitet hatte. Alles andere wird unwichtig, tritt hinter dem einen Ziel zurück: Heimkehr nach Wellendingen, zu ihrer Tochter Lea. Der Weg nach Hause entpuppt sich sowohl für Eva als auch für Hans als Trip durch die Hölle ...



    Der Autor:
    Michael Tietz ist gelernter Krankenpfleger und lebt mit Frau, Sohn und Hund im Südschwarzwald.


    Meine Meinung:
    Was passiert, wenn weltweit der Strom ausfällt, es kein Telefon und kein fließend Wasser mehr gibt? Alle staatliche Ordnung nicht mehr existent ist? Diese Frage hat Michael Tietz aus der Sicht der Bewohner eines kleines Dorfes im Südschwarzwald eindrucksvoll beantwortet.


    Eines morgens um Punkt 7:00 Uhr fällt weltweit der Strom aus, die Telekommunikation bricht zusammen, die Flugzeuge fallen vom Himmel. Ein Computervirus hat global alle Computer befallen und zeitgleich irreparabel lahm gelegt. Was nun folgt, ist ebenso unfassbar wie doch logisch nachvollziehbar: Die selbstverständlichsten Dinge des alltäglichen Lebens funktionieren nicht mehr: Alle bislang bekannte Ordnung geht binnen kürzester Zeit verloren, die Angst umschleicht die Menschen und der Kampf ums nackte Überleben beginnt.


    Michael Tietz beschreibt die endzeitlichen Geschehnisse an Hand der Schicksale eine kleinen Dorfes in der Schwäbischen Alp zwischen Donaueschingen und der Schweizer Grenze. Eine große Vielzahl an Charakteren zeigt die gesamte Vielfalt an Reaktionen, mit denen die Menschen mit den schlagartigen Veränderungen ihres Lebens umgehen müssen. Wie ihr bisheriges Lebenmittelpunkte nicht mehr vorhanden sind und sie in einem Existenzkampf ihren Platz in einer radikal veränderten Gesellschaft finden müssen. Manche resignieren und hoffen auf Hilfe eines nicht mehr bestehenden Staatsapparates. Andere versuchen brutal und hemmungslos die Macht an sich zu reißen oder intrigieren gegen den Rest. Doch ein kleiner Teil behält sich ihre Menschlichkeit und versucht ein neues kleines Gemeinwesen zu bilden. Und gerade weil der eigene Horizont sich nur mehr bis zu den direkten Nachbarsorten erstreckt, müssen früher alltägliche Dinge wie Nahrungsbeschaffung und Energieversorgung wieder selbst gelöst werden. Doch der verzweifelte Versuch eines Familienvaters, zu Fuß aus Schweden zurück nach Hause in den Schwarzwald zu gelangen, zeigt auf, dass ein globaler Zusammenbruch überall zu den selben Erscheinungen und Problemen führt – Chaos, Gewalt und Tod!


    Auch wenn in diesem Buch sehr viele Personen ihre Geschichten erzählen dürfen, der Autor beleuchtet selbst seine Randfiguren sehr detailliert und gibt dem Buch so ein allumfassendes und menschliches Gesicht. Sehr sympathisch ist, dass Michael Tietz nicht einige "Helden" in dieses Buch einbaut, sondern es bei handfesten Charakteren belässt, die allesamt ihre Stärken und Schwächen eines normalen Menschen ausweisen. Und halten sich ihr Siege und ihr Scheitern auf nachvollziehbare Art stets die Waage. Gerade die schmerzhaften Rückschläge und die oft aussichtslosen Situationen geben der Geschichte einen sehr realen Anstrich.
    Leider erfährt man nicht von allen Personen ihr letztliches Schicksal und in manchen Fällen ist die eigene Fantasie wohl grausamer als es der Autor jemals sein könnte. Wirklich schade ist allerdings, dass man nicht erfährt, wie die Erschaffer des Virus ihre selbst ausgelöste Katastrophe erleben und damit umgehen müssen.


    Trotz der gehörigen Länge dieses Buches und der teilweise sehr umfangreichen Beschreibungen und Charakterisierungen legt Michael Tietz einen sehr flüssig zu lesenden Erstling vor, der sowohl von der Thematik, der Umsetzung als auch der Schreibe sehr zu überzeugen weiß. Der dramaturgische Aufbau zieht den Leser sofort mitten in die Geschichte und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los, einen Spannungsabfall gibt es nicht. Und obwohl das Thema so vielschichtig ist, Tietz bleibt in seinen Schilderungen schlicht und überschaubar und schafft es so spielend, logische Fehler zu vermeiden. Das Thema einer endzeitlichen Dystopie schreit förmlich nach Vergleichen zu anderen Büchern, doch hat Michael Tietz etwas komplett eigenständiges erschaffen. Ein bemerkenswerter und spannender Erstling, eine absolute Empfehlung.

Anzeige