Beiträge von Emma Winter

    erinnert auf erschreckende Weise an eine reale Tat aus 1993. Damals wurde in Großbritannien ein zweijähriger Junge aus einem Einkaufszentrum entführt und von zwei Zehnjährigen umgebracht.

    Das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber bezieht sich der Fall nicht eher auf das Mädchen Mary Bell, das 1986 gemordet hat?


    erinnert auf erschreckende Weise an eine reale Tat aus 1993. Damals wurde in Großbritannien ein zweijähriger Junge aus einem Einkaufszentrum entführt und von zwei Zehnjährigen umgebracht.

    Das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber bezieht sich der Fall nicht eher auf das Mädchen Mary Bell, das 1986 gemordet hat?

    Du hast recht! Ich kannte die Geschichte um Mary Bell nicht. Die Entführung aus dem Einkaufszentrum habe ich dagegen noch vor Augen. Es gab das Video einer Überwachungskamera. Das lief damals pausenlos im Fernsehen. Beides ganz schreckliche Taten.

    Kann als Thriller nicht überzeugen


    Leider hat mich das Buch sehr enttäuscht. Der Klappentext klingt großartig, aber die reißerische Ankündigung der Serienmörderjagd verpufft nach kurzer Zeit.

    Das Cold Case- Team um Tess Hjalmarsson ist in die Suche nach einem Serientäter, dem Valby-Mann, involviert. Da taucht ein winziger Hinweis auf einen 16 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall auf. Hängen die Taten zusammen und ist der Täter in beiden Fällen die gleiche Person?

    Nachdem ich den ersten Abschnitt mit dem rasanten Einstieg wirklich noch prima fand und dem Mittelteil noch wohlwollend gegenüberstand, bin ich vom letzten Drittel des Buches enttäuscht.
    Für mich ist hier überhaupt keine Spannung mehr aufgekommen, dabei kann ein Krimi (denn um den handelt es sich hier größtenteils) oft zum Schluss hin noch mal richtig aufdrehen. Das ist aber hier nicht geschehen. Gerade im letzten Teil hat es für mich viele geradezu verschenkte Szenen gegeben.

    Am Schreibstil kann man nichts aussetzen, denn lesen kann man das Buch flott. Die Spannungskurve bricht aber völlig weg, sowohl im Cold Case-Fall als auch beim Valby-Mann. Insgesamt ist die Verbindung der beiden Fälle auch recht dünn und konstruiert. Inhaltlich lief irgendwie soviel ins Leere, als ob versehentlich zu viel gestrichen worden wäre. Zahlreiche Personen treten in Erscheinung, nur um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Bei einigen hat man das Gefühl, sie sind zum Ende hin einfach vergessen worden. Im Stamm-Team der Ermittler gibt es beim Personal gute Ansätze, das Potential wird aber nicht genutzt. Da hilft es auch nicht, dass ein nächster Teil erscheint. Ich möchte ein Buch einigermaßen zufrieden weglegen, nachdem ich es gelesen habe. Hier bleibt zu viel offen und unbeantwortet, außerdem trüben einige Logikfehler die Lesefreude zusätzlich.

    Das Buch wird - als Krimi- sicherlich seine Leser finden, die Geschmäcker sind verschieden. Allerdings verspricht der Klappentext einen Thriller, den ich nach dem ersten Viertel des Buches vergeblich gesucht habe.
    Für erfahrene Thriller- und Krimileser kann ich daher keine Leseempfehlung aussprechen.

    Deswegen gibt es Sperrfristen, damit genau das nicht passiert. Wenn sich jeder daran halten würde, würden die Rezensionen genau dann erscheinen, wenn die Bücher offiziell erscheinen.

    Wenn sich jeder dran halten würde, mann, wäre das schön. Aber man liest anscheinend das Buch, nicht aber das Mail (z.B. bei Netgalley) mit dem man das eBook bekommt, in dem die Verlage klar schreiben, dass nicht vor ET veröffentlicht werden darf.

    Bei vorablesen.de steht dazu folgendes:

    Es gibt Rezensionsexemplare, um die man sich bewerben kann. Da kann sich jeder beteiligen, z.B. bei LovelyBooks. Sofern keine Sperrfrist angegeben wird, darf man die Rezension auch schon vorab veröffentlichen.

    Es heißt ja nicht, dass hier etwas „beworben“ wird, was nicht sorgfältig gelesen wurde. Ich gebe mir da schon Mühe und schreibe sicherlich nicht aus Gefälligkeit etwas anderes als meine ehrliche Meinung.

    Nach einigen Mogelpackungen (Super Klappentext und nichts dahinter) in letzter Zeit lohnt sich dieses Buch wirklich.

    Verhängnisvolles Gerücht setzt dramatische Ereigniskette in Gang - hochspannend


    Ein wirklich spannendes Erstlingswerk hat die Britin Lesley Kara hier vorgelegt. Ihre Geschichte über die Kindermörderin Sally McGowan, die als zehnjährige einen fünfjährigen Jungen getötet hat, erinnert auf erschreckende Weise an eine reale Tat aus 1993. Damals wurde in Großbritannien ein zweijähriger Junge aus einem Einkaufszentrum entführt und von zwei Zehnjährigen umgebracht.

    Die alleinerziehende Joanna lebt in dem beschaulichen Küstenort Flinstead. Zufällig hört sie vor der Schule ihres Sohnes von dem Gerücht, dass die Kindermörderin Sally McGowan ausgerechnet hier mit einer neuen Identität leben soll. Eigentlich will Joanna von dem Gerücht nichts hören. Allerdings trägt gerade sie kurz darauf dazu bei, dass es sich rasch weiter verbreitet. Ganz schnell wird jede ältere Dame mit anderen Augen betrachtet. Ist sie es oder nicht? Misstrauen und Spekulationen heizen die Stimmung in Flinstead an.

    Kara erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Joanna. Durch ihre inneren Dialoge erfährt man, warum sie wie handelt. Das ist immer nachvollziehbar, aber gelegentlich auch etwas naiv. Ihr Charakter ist mir nicht ganz zu 100% sympathisch gewesen. Dennoch habe ich mit ihr mitgefiebert.
    Es dauert nicht lange, bis die Autorin etliche Damen in der Handlung auftauchen lässt, die alle die Gesuchte sein könnten. Das ist ziemlich raffiniert gemacht. Joannas Neugier lässt sie im Internet nach Informationen suchen und die gefundenen Artikel, die auch als solche abgedruckt sind, bringen den Lesern zusätzliches Hintergrundwissen.

    Die Geschichte liest sich leicht und flüssig. Kein hochkomplexer Schreibstil aber optimal an Zweck und Zielgruppe ausgerichtet.
    Wer eine wirklich spannende Geschichte lesen möchte und sich von einem sehr gut durchdachten Schluss überraschen lassen möchte, kann mit „Das Gerücht“ nichts falsch machen.
    Ich kann das Buch nur empfehlen und vergebe vier sehr gute Spannungssterne.

    Vincent, leider nur eine Halb-Geisterfledermaus, sucht für ihren geräumigen Dachboden einen Freund und Mitbewohner, um es gemeinsam gegen die hässliche Katze aufzunehmen und in die Geisterwelt zu reisen. Bis ein akzeptabler Freund anklopft, stehen ganz schön schräge Typen bei Vincent vor der Dachluke.

    Die Autorin Sonja Kaiblinger hat dem kleinen, drolligen Vincent ein eigenes Abenteuer geschenkt. Viele Kinder kennen ihn schon aus den Scary Harry-Büchern, wo er bisher rumgeflattert ist.

    Hier steht er im Mittelpunkt, umringt von zahlreichen skurrilen Tieren und einem Poltergeist. Das Buch habe ich meinem fast siebenjährigen Sohn in einem Rutsch vorgelesen. Er war gleich vom Beginn des Buches gefangen, da fielen die Begriffe “Geisterhaus“ und „geheimes Portal in der Schornsteinklappe“ und dann kam die hässliche Katze. Ihm hat die Geschichte sehr gut gefallen, vor allem die lustigen Szenen und Figuren. Einige Stellen musste ich mehrfach vorlesen.

    Die großzügigen, detailreichen und liebevollen Zeichnungen haben ihm auch gefallen und unterstützen den Text hervorragend. Auf Nachfrage hätte er sich die Geschichte aber auch ohne Bilder angehört.

    Die Textdarstellung ist besonders, da sie sich an Comics anlehnt. Es gibt kleine, ergänzende Beschriftungen der großflächigen Zeichnungen, verschiedene Schrifttypen und -größen, um zu unterscheiden, wer gerade spricht. Kleine Textabschnitte, die optisch an Sprechblasen erinnern. Dies schafft kleine Leseeinheiten für noch ungeübte Leser, für die die Bücher zum Selbstlesen gedacht sind. Die verschiedenen Schrifttypen und -größen lockern das Schriftbild für diese Zielgruppe auf. Beim Vorlesen war es für mich an wenigen Stellen etwas verwirrend, wer gerade spricht und was zuerst gelesen werden sollte.

    Das gebundene Buch ist hochwertig ausgestattet, mit einem farbigen Buchblock und festen, griffigen Seiten.

    Insgesamt eine lustige Geschichte zum Vor- und Selbstlesen mit winzigen Gruselspritzern, coolen Sprüchen, einer tollen Aufmachung für junge Leser und wunderschönen Zeichnungen.

    Berührendes Frauenschicksal in England zwischen den Weltkriegen


    Zunächst klang der Klappentext etwas dröge, da Stickarbeiten für die Kathedrale von Winchester und Glockenläuten wesentliche Aspekte des Romans sind.

    Die Leseprobe zu diesem Buch hat mich aber überzeugt. Die achtunddreißigjährige Violet hat im Ersten Weltkrieg ihren Verlobten und ihren geliebten Bruder verloren. Um nicht noch länger bei ihrer ewig nörgelnden Mutter leben zu müssen, zieht sie von Southampton nach Winchester. Ihr mageres Gehalt als Schreibkraft reicht gerade für ein Zimmer zur Untermiete und einmal wöchentlich für eine warme Mahlzeit. Bei den jüngeren Kolleginnen gilt sie bereits als alte Jungfer. Als Violet sich den Broderinnen anschließt, die mit ihren kunstvollen Stickarbeiten Kissen für die Kathedrale anfertigen, scheint es, als bestätige diese Beschäftigung noch das altjüngferliche Dasein.

    Das Gegenteil tritt aber ein, denn Violet findet Bestätigung, Anerkennung und Freunde. Ein neues Selbstbewusstsein nimmt von ihr Besitz, das sie auch nach und nach auf die anderen Bereiche ihres Lebens ausweitet.


    Der Autorin ist ein berührendes Frauenporträt gelungen, das stellvertretend für eine ganze Generation steht. Die Abhängigkeit alleinstehender Frauen vom Wohl und Wollen der Familie, der Arbeitgeber, ja sogar von der Vermieterin, wird hier anschaulich geschildert. Violets Schicksal zeichnet nach, wie schwer es damals war, selbstbestimmt zu leben.

    In einer bildreichen Sprache erfährt der Leser Details über die Künste des Stickens von Kniekissen und das Läuten der Kirchenglocken. Harmonisch hat Tracy Chevalier historische Personen und Begebenheiten in ihrer Geschichte verwoben und damit Louisa Pesel, der Initiatorin der Winchester Broderinnen, ein Denkmal gesetzt.

    Über das hoch komplizierte Wechselläuten der Kirchenglocken, das über mehrere Stunden dauern kann, hatte ich vor Jahren bereits gelesen - in einem Krimi. Tatsächlich wird „Der Glocken Schlag“ von Dorothy L. Sayers auch bei den Quellen zu dem vorliegenden Buch genannt.


    Der Roman hat mich sehr gut unterhalten. Er ist atmosphärisch geschrieben und hat die Zeit der dreißiger Jahre vor meinen Augen aufleben lassen. Violet ist ein sympathischer Charakter, mit dem man mitgefiebert hat. Einzig die Figur des Jack Wells erschien mir etwas konstruiert.

    Dass der englische Titel „A Single Thread“ (Ein einzelner Faden) wesentlich besser zu der Geschichte passt, werden alle erkennen, wenn er auf Seite 295 zitiert wird. Er bezieht sich auf wesentlich mehr als das Sticken.

    Nervenzerfetzender zweiter Teil um FBI-Agentin Sayer Altair


    Der zweite Band der Serie schließt nahtlos an den Vorgänger an. Die FBI-Agentin und Neurowissenschaftlerin mit speziellem Interesse an den Gehirnen von Serienmördern, Sayer Altair, ist gerade wieder von ihrem letzten Einsatz genesen, als sie in den Shenandoah Nationalpark in Virginia beordert wird. Dort hat der Spürhund des Agenten Max Cho zufällig eine Höhle mit zahlreichen Jahrzehnte alten Knochen entdeckt. Nicht genug des Grauens, finden die Bundesbeamten zwei weitere Leichen, die dort erst seit wenigen Tagen liegen. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn weitere Opfer werden vermisst ...

    Mit dem Fund der Knochen gelingt der Autorin ein rasanter und spannender Einstieg. Die privaten Hintergründe der Charaktere werden nach und nach erzählt. Der Spannungsbogen bleibt während des ganzen Buches konstant hoch und immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die die Handlung interessant halten. Stückchen für Stückchen nähert sich das Team dem Täter, um dann wieder Rückschläge hinnehmen zu müssen oder Puzzleteile zu entdecken, die so gar nicht passen wollen. Die Handlung wird chronologisch erzählt und springt zwischen den Ermittlern und den Opfern in übersichtlich langen Kapiteln hin und her. Dies und die flotte Schreibe der Autorin lassen die Seiten nur so dahin fliegen.

    „Knochengrab“ ist ein fieser Thriller, nichts für zu zart besaitete Leser/innen, aber mega spannend. Er bietet mehrere Ansatzpunkte, um die Serie weiter fortzusetzen. Da ziehen sich Fragen durch das Buch, die bereits in Teil eins ihren Anfang nahmen. Den ersten Teil kannte ich nicht und man kann dieses Buch auch gut ohne das Vorwissen lesen. Allerdings - und dafür gibt es einen Punktabzug - will man es auch gar nicht mehr lesen, da man im zweiten Teil erfährt, wer der Täter im ersten ist und was den Ermittlern und auch einem Opfer widerfahren ist. Das nimmt leider alle Spannung.
    Dass die Autorin selbst promovierte Anthropologin und Mordermittlerin ist, merkt man, wenn sie detailreich (und verständlich) die Abgründe der menschlichen Psyche erklärt. Die Hintergründe, die zu den Morden führten, fand ich ein klein wenig zu konstruiert und theoretisch.