Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von mapefue

    Seiten 146-292

    Fiktion-Realität-Dilemma: Fiktion gibt dem Autor völlige Freiheit für das Script, gemäß dem Motto: „Personen und Handlung sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Es gibt für den Leser nicht den geringsten Grund den Inhalt des Romans zu kritisieren. Es ist, wie es geschrieben ist. Eine Handlung mit Realitätsbezug lässt sich vom Leser genau recherchieren und kontrollieren, der Autor hat keine schriftstellerische Freiheit und muss sich an die Fakten halten. Es ist, wie es geschehen ist. In Richtung Sachbuch mit Quellenverzeichnis.


    Bemerkung zur Leserunde

    In dieser LR gibt es Teilnehmer, die sehr wenige Rezensionen geschrieben haben, aber dafür ein Vielfaches an Beträgen geschrieben haben. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, "ich möchte mich mit anderen Lesern (zu irgendeinem Thema) austauschen." Für mich steht im Vordergrund die Auseinandersetzung mit dem Buch, sprich die Rezension. Ich habe es einmal versucht, mir zu jeder Seite Notizen zu machen und der LR mitzuteilen und bin mir vorgekommen wie ein Besserwisser, der nur sein Mitteilungsbedürfnis befriedigen will. Dabei geht der Lesegenuss verloren. Wenn dann andere eine andere Meinung zum Buch haben, dann ist es so, ich will nicht bekehren, bin kein Missionar.

    Für die ersten 145 Seiten 9 Seiten (und ein Ende ist nicht abzusehen) an Beiträgen und ein Autor, der antwortet, das ist phänomenal. Es ist sehr zeitaufwendig, manchmal verwirrend, alle Beiträge zu lesen. Wollte man wirklich durchgehend alle Beiträge aller 10 Teilnehmer lesen, könnte man am Ende die Argumentationslinie der einzelnen Teilnehmer erkennen.

    Bin längst fertig, weil ich der Einzige bin, der das Buch gekauft hat und frühzeitig zu lesen bebonnen habe. Das Buch weglegen war für mich schwierig. Eigentlich hätte ich erwartet, dass man für die Leseabschnitte eine Zeitvorgabe erhält, dann wären die verfrühten Kommentare ausgeschaltet gewesen. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich frühzeitig den Epilog gelesen (mehrfach), es war ja nicht zum aushalten, wie es für manche endet und darauf fast 600 Seiten zu warten war eine Herausfordrung. Hat aber dem spannungsreichen Lesen keinen Abbruch getan. Für die LR lese ich das Buch noch einmal.


    S. 60ff Marie und Karl

    Eine jüdische und ein muslimischer Bewährungshelfer/in mit dem NeoNazi Karl. Ein bisschen viel Religion dabei. Ich glaube auch ohne diesen Konnex käme die Glaubwürdigkeit der Problematik der Bewährungshilfe rüber. Mit ‘“Scheiße“, murmelt Karl und stellt damit sein ganzes Leben infrage‘. Hier auf S. 81 wird dem Leser noch nicht klar, welche wahre Bedeutung dieser Satz am Ende haben wird.


    S. 87ff Karl

    Grandl lässt im NeoNazi Karl das Gute entdecken.


    S. 100ff Marie
    Seltsames Zusammentreffen zwischen Karl und Marie. Sollte hier Maries Mitschuld am Folgenden konstruiert werden?


    Erster Abschnitt beendet. Pro Abschnitt mindestens vier Beiträge, damit ich das SOLL einer "Aktiven Teinahme" erfülle (Gruß an die Regie).

    Zum Prolog:

    „Moral Bombing“ ist eine "beliebte Spielart" der Kriegsparteien, speziell im II. WK. Wenn ich an Dresden verspielen die Allierten jegliche "Sympathie", dazu muss ich kein NeoNazi sein. Dass die Briten für London Rache genommen haben ist "veständlich". Wieviel Leid und Verwüstung haben die Amerikaner über Japan (Hiroshima und Nagasaki "atom bombing") und über Vietnam ("Agent Orange") gebracht. Gegen diesen Antiamerikanismus ist schwer anzukommen. Auch die NATO mit ihrem "Serbia Bombing" aus über 10.000 m Höhe, aus Angst vor der serbischen Luftabwehr haben ihre Ziele nicht getroffen und nur die Zivilbevölkerung musste leiden. Ich selbst war Jahre nach dem Krieg in Serbien und immer noch wurde der Strom zeitweise abgeschalten. Dazu muss man kein Serbenfreund sein, denn man lernt sowieso nur einzelne kennen und verstehen. Das treibt einem die Tränen in die Augen.

    Bin zwar mit dem Buch fertig, bleibe bei meiner bereits kuntgegebenen Meinung, dass TURMSCHATTEN - für mir - ein Thrillerhighlight ist. Nun gehe ich das Buch nochmals durch und teile meine Impressionen in der Leserunde. An der Rezension wirde ich noch Tage zu arbeiten haben.

    alle bisher vorgestellten Personen kommen mir bekannt vor, vielleicht weil ich mich schon mehr mit dem Thema NeoNazis beschäftigt habe

    die Mischung aus Fiktion und Realität lässt sich gut lesen

    Mein Problem hier ist, ich bin eine Schnellleserin und bin weit voraus

    Bin ebenfalls Schnellleser (fast fertig), aber nach den Kapiteln muss ich das Gelesene erst sacken lassen. "Turmschatten" nimmt einen sehr emotional her.

    Das Thema NeoNazis in Deutschland war sicher für Grandl ausschlaggebend, diesen Thriller zu schreiben, auch ohne dieses Thema fände ich den Thriller sehr gut.
    Es gibt sehr viel KrimiLiterartur zum Thema NeoNazis, wobei "Turmschatten" mM. nach die beste ist. Ein sehr

    negatives Beispiel ist DER PATRIOT von Pascal Engman. "Turmschatten" ist aber immerhin Belletristik, wenn auch laut Grandl mit großem Realitätsbezug. Die nächste Stufe wäre ein Sachbuch, ohne Fiktion. Wie zB. BLOKADA - DIE BELAGERUNG VON LENINGRAD von ANNA REID. Was ist spannender als Geschichte?

    Noch ein Buchtipp:

    Größenwahn selbst in Niederlagen

    Ein Diktator in Kinderschuhen, als zur Selbstüberschätzung neigender Jugendlicher und als junger Mann: Ein neues Buch analysiert Adolf Hitlers frühe Jahre in Oberösterreich und Wien.

    Sachbuch

    Hannes Leidinger, Christian Rapp: Hitler. Prägende Jahre. Kindheit und Jugend 1889-1914. Residenz Verlag, 224 S., 24 Euro

    Ich hoffe ich habe dich nicht gelangweilt.

    Vor zwei Wochen:

    Plastifizierter Karton-Papier-Brocken. Impulskauf. Ohne auch nur eine Seite gelesen zu haben, muss ich diesem Druckwerk „Alleinstellungsmerkmal“ zubilligen. Das Hardcover umfasst fast 600 Seiten, kommt ohne Buchstützen aus, steht von alleine -ein Solitär. Auch literarisch?

    Heute:

    Bin fast durch und sehr angetan, für mich jetzt bereits ein Litaraturhighlight. Gratuliere dir.

    Der Titel des Buches lässt noch nicht erahnen, welche Wissensfülle den Leser im Inneren erwartet. Zu Beginn legt Beiser den Grundstein für sein Buch indem er die Geschichte der Hecken durchläuft. Danach folgen 30 Portraits von Sträuchern, die in Hecken zu finden sind.

    Den einzelnen Sträuchern sind mehrere Seiten gewidmet, die Wissenswertes, Mythen und Geschichten, Heilanwendungen, Verwendung in der Küche oder besondere Anwendungen beinhalten. Beim Lesen überraschen vor allem die Geschichten aus früheren Zeiten. Ligusterbeeren beispielsweise wurden lange Zeit als Grundlage für die Tintenherstellung verwendet, die Ruten des Schneeballs gaben wunderbare Pfeile ab und die stachligen Schlehenzweige halfen beim Kampf gegen Hexen, welche die Milch der Bauern klauen wollten.

    Das Buch von Rudi Beiser eignet sich besonders für jeden, der sich für die medizinische, kulinarische und ökologische Verwendung von Heckenpflanzen interessiert.

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    Klappentext

    Gerade entdeckt Toby Fleishman mit 40 Jahren ein aufregendes neues Leben als heiß begehrter Single, als seine Exfrau Rachel mitten in der Nacht die gemeinsamen Kinder bei ihm ablädt und verschwindet. Solly und Hannah haben Terminkalender wie Topmanager, im Job häufen sich die Probleme - und bei den Frauen, die er über Dating-Apps trifft, findet er statt Trost und Nähe nur unverbindlichen Sex. Und Rachel meldet sich einfach nicht. Weil sie die Karriere über ihre Kinder stellt. Weil ihr der Lebensstil an der Upper East Side immer schon wichtiger war als die Familie. Zumindest ist das die Geschichte, die Toby sich erzählt.


    Pressestimmen

    "'Fleishman steckt in Schwierigkeiten' ist ein höchst unterhaltsamer Roman über die Marotten von 40-Somethings, aber ist auch ein durchdringender Blick darauf, dass Vieles in einer Beziehung anfällig für Fehlinterpretationen ist." 'USA Today'


    "Mörderisch witzig, fieberhaft klug, herzzerreißend und wahr." Cynthia D'Aprix Sweeney



    In Taffy Brodesser-Akners erstem Roman „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“ (im engl. Original „Fleishman Is In Trouble“) steht wahrlich alles auf dem Kopf. Wenn Brodesser-Akner für den amerikanischen Lesermarkt schreibt, im speziellen für NY und über NYer, dann muss das Leben, die Leute und eben alles andere unbedingt auf diese Art beschrieben werden. Für europäische Leser ist das einfach ein „Käfig voller Narren“. Der gute Toby, leidenschaftlicher und engagierter Hepatologe, leider nur 168 cm groß leidet an Minderwertigkeitskomplexen, war mit Rahel 176 cm groß verheiratet, die ein Vielfaches von Tobys Gehalt verdient, seinen Status verachtet und zu den beiden Kindern keine emotionale Bindung aufbauen kann. Bei der Geburt von Hannah konnte sie sich erst nach einem Tag dazu durchringen, ihr Neugeborenes auf ihre Brust zu legen. Hannah, noch keine 12 Jahre alt, schwer gezeichnet von der Pubertät; Der Prototyp eines unausstehlichen Kindes. Scheidung. Rachel lädt die beiden Kinder bei ab und verschwindet. Tony lebt auf mit Hilfe eines Hr App. Die Erzählpositionen wechseln, das ist immerhin bemerkenswert.


    Taffy Brodesser-Akners verfolgt den Selbstfindungstripp von Rachel oder deren Selbstzerstörungsprozess derart obsessiv, dass Rachel einem leid tun kann.


    „Die Erkenntnis, dass das Leben ein Krebs war, der so langsam metastierte, dass man nur hin und wieder die leise Ahnung bekam, dass man im Sterben lag?“ (from toughy Taffy).

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    „Dunkelheit, nimm meine Hand“ (früher: „Absender unbekannt“, original „Darkness Take My Hand“) ist der zweite Band in der Kenzie/Gennaro-Reihe von Dennis Lehane.

    Sofern man das Detektivpärchen Kenzie & Gennaro bereits kennt, ist der Leser nach den ersten Seiten sofort wieder in der gewohnten angenehmen Lesestimmung. Wohltuend die köstlichen Dialoge zwischen Patrick und Angela, witzig schlagfertig ironisch mit Charme, aber nie dumpf und verletzend.

    Patrick schaut Grace anders an als andere Frauen, heiratet er sie? Nur Angela weiß es besser.

    „…ein Feuer muss man in den unteren Etagen löschen, sonst gerät es außer Kontrolle…“ sagte der Bostoner Feuermann Kenzie, Vater von Patrick und Anführer einer Nachbarschafts-Bürgerwehr vor 25 Jahren. Metaphorisch mag dieser Satz vielleicht der Auslöser einer unglaublichen Mordserie zu verstehen sein, die an Grausamkeit, List und Tücke kaum zu überbieten ist und unendlichen Schmerz und Verlust bringt.

    Angela Gennaro legt einen glanzvollen Auftritt hin, indem sie Fat Freddy (Bostoner Mafioso) die Mafia-Rangordnung erklärt: Imbruglias – Moliachs – Patrisos (Großvater von Angela).

    „…nach und nach kam ein Puzzelteil nach dem anderen zusammen, doch immer ergab das Ganze kein Bild.“ (Zitat S. 329). Das ist das Grundschema von Lehanes Erzählstil, dem Leser verschieden Ausgänge anbieten, die sich immer wieder als Sackgassen herausstellen und damit bis zum Finale die Spannung hochhält.

    Der Hauptteil der Handlung spielt Mitte der Neunzigerjahre in Boston, aber die Vorgeschichte reicht 25 Jahre zurück in die Jugendzeit von Patrick und seiner Nachbarschaft.

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    Hallo Ele,

    danke für deine Wortspende. Marie hat sich als Fußballkennerin geoutet.

    Zurück zu "auktorial". In den Archiven gibt es 320 Beiträge mit "auktorial", davon sind 104 von dir, als fast ein Drittel, unbestritten bei deinen 187 Rezensionen eine häufig verwendete Beschreibung.

    Wenn ich also an meine Rezensionen denke, so ist mir nie in den Sinn gekommen, den Autor das Atribut "allwissend" zuzuschreiben. Höchstens scheinbar, dann ist da noch die Frage, subjektiv oder objektiv allwissend.

    Mach´s gut.

    Manfred

    Weiße Fracht - Lost III


    Lost in Fuseta III –Weiße Fracht, Portugal-Krimi von Gil Ribeiro, 390 Seiten, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
    Der Hamburger „Austausch-Kriminaler“ Leander Lost ermittelt in seinem 3. portugiesischen Fall.
    Leander Lost ist etwas Besonderes, ein Asperger-Autist, Eidetiker, liebenswerter Hamburger Kommissar in Diensten der portugiesischen Policia Judicária. Zusammen mit Sub-Inspektor Graciana Rosado und Carlos Esteves ermittelt er in seinem neuesten Fall. In Fuseta wird die Leiche des deutschen Aussteigers Uwe Ronneberg gefunden. Im nahegelegenen Tavira ereignet sich ein weiterer Mord an der Lehrerin Isamara Alves, stehen die Taten miteinander in Verbindung und hat das etwas mit einer gigantischen Drogenlieferung, die in Kürze die portugiesische Küste erreichen soll, zu tun? An der Algarve wird wieder auf Hochtouren ermittelt.
    Ich habe Lost in Fuseta I und II gelesen und mich schon sehr auf den neuen Band gefreut. Durch meine Vorkenntnisse war ich mit „Land und Leuten“ schon vertraut und konnte mich von Anfang an auf den neuen Fall einlassen, zwar ist es nicht zwingend notwendig, die Vorgängerbände zu kennen, aber es erleichterte mir die Lektüre enorm. Ribeiro spart nicht mit kursiv gedruckten portugiesischen Redewendungen, Straßen, Landschaften Speisen und Namen. Die Handlung geht über einen Zeitraum von fünf Tagen, die auf 41 Kapitel aufgeteilt sind, das war hilfreich, weil sehr übersichtlich. Die handelnden Personen waren hervorragend charakterisiert und liebevoll gezeichnet. Natürlich war Leander meine Lieblingsperson, der Protagonist ist wirklich ein sehr liebenswerter Mensch, der so offen und ehrlich und in manchen Situationen auch mal unbeholfen agiert, woraus sich so manche nette Situationskomik ergab. Er kann z.B. nicht lügen. Auch in seiner Beziehung zu Soraia, der Schwester von Graciana Rosado steht er sich hier gerne selbst im Wege. Mit seiner Inselbegabung, seinem fotografischen Gedächtnis konnte er wieder einmal viel zur Lösung des Falls beitragen. Der Plot ist in auktorialer Erzählweise verfasst. Die einzelnen Bedrohungen waren für meinen Geschmack immer etwas zu schnell „entschärft“ und gelöst , aber es gibt auch immer wieder neue Wendungen, die überraschen, deshalb ist stets für Spannung gesorgt. Die beiden Ermittler M&M aus Deutschland haben die Erzählung humorvoll belebt. Nicht gefallen, hat mir bei diesem Fall, dass sich der Protagonist gerne eine „Nase voll“ von der „weißen Fracht“, dem Kokain gönnt, das hätte sich der Autor sparen können, Die Figur Leander ist m. M. nach interessant genug. Der Handlung konnte ich zu jederzeit gut folgen, die Charaktere agierten nachvollziehbar und größtenteils logisch.
    Zum Ende wurde es noch einmal richtig spannend und es sieht so aus als ob der „Alemao“ nun endgültig in Fuseta und in der Familie Rosado angekommen wäre. Deshalb hoffe ich auch auf eine Fortsetzung der Reihe, durch einen vierten Band. Von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Neueinsteiger und die Fans der Reihe.:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Ich streue auch gern mal ein Fremdwort in meine Rezension, gibt so einen "intellectual touch".

    Bei "auktorialer Erzählweise" hat mich meine Bildung im Stich gelassen. :lechz:LOL. Der Rest deiner Rezension ist ziemlich normal.

    Schwarzer August
    Lost in Fuseta. Ein Portugal-Krimi
    Leander Lost ermittelt Band 4

    Erscheinungsdatum 10.06.2020

    Die nächste, die dritte Liebeserklärung an die Algarve von Gil Ribeiro. Er hat sich in die portugiesische Algarve verliebt und damit zu seiner zweiten Heimat gemacht. Er schildert die Landschaft, die Menschen, das Essen mit einer grenzenlosen Euphorie und es wunderte mich nicht, wollte der Provinzgouverneur ihn zum Ehrenbürger auf Lebenszeit ernennen. Seine Schilderungen könnten eins zu eins in einen Reisführer übernommen werden. Doch sind die touristischen Erfahrungen im Ausland und ein jahrelanges Leben dort zwei völlig verschiedene Dinge. Ich bin mir sicher, viele werden dem zustimmen.

    Saudade: Das portugiesischste aller Gefühle gehört zu den „schönsten Wörtern der Welt“. Saudade ist mehr als ein Wort. Der Begriff steht auf Portugiesisch für ein unübersetzbares Gefühl aus Sehnsucht, Melancholie, Schmerz, Nostalgie und Einsamkeit – und doch ist die Saudade so wunderschön.

    Zara: [ˈθaɾa] mit dem stimmlosen dentalen Frikativ: Lege die Zungenoberfläche gegen den unteren Teil der Rückseite der oberen Zähne und produziere einen Luftstrom. Lass deine Stimmbänder nicht vibrieren.

    Das sind sie wieder, die Darbietungen von gastronomischen Leckerbissen der portugiesischen Küche: Bifana, Pastéis de Nata, Frango piri piri,…

    Ich habe einen Vorschlag für die Besetzung des Sub-Inspektors Miguel Duarte sollte die „Weiße Fracht“ verfilmt werden: Louis de Funès.

    Leander und Soraia haben „Schmetterlinge im Bauch“. Leander wollte sagen: „Von anthropologischen und biologischen Standpunkt kann das nicht sein, zudem bin ich kein Lepidopterologe.“

    Ein Gericht mit regionalen Zutaten „Südost-Algarve“ plus dem Leben und Treiben der Portugiesinnen und Portugiesen, der portugiesischen Polícia Judicária, einer fortgeführten Aufklärung über berufliche und private Aspekte eines Aspi, Leander Lost und einer kriminalistischen Zutat: Kokain mit allen nicht gesetzlichen Fassetten.

    Lost 3 ist nicht aller Tage Abend, Lost kommt wieder, keine Frage.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Vier Tote, davon zwei Kinder, faustgroße Einschusslöcher – so beginnen skandinavische Krimis, nicht alle, aber viele.

    Die fünfte Person, die 10jährige Nicole, die im Haus die Tat mitbekommen hat und wahrscheinlich den Täter gesehen hat, ist verschwunden.

    „Dass sie nichts gesehen hatte, musste nicht bedeuten, dass sie IHN nicht gesehen hatte,“ denkt der Mörder.

    Amüsant, aber mit der Häufung enervierend, die kleinen Animositäten zwischen den Mitgliedern der Reichsmordkommission, deren persönlichen Befindlichkeiten und einem paranoiden Sadisten mit Freude am Töten. Es sind auch bei der Polizei nicht alle normal.

    Da ist er wieder, der Konflikt zwischen Vanja und ihrer Mutter und ihrem Ziehvater Valdemar und die selbstzerstörerische Fixierung von Valdemar auf Vanja; man hat ihr den leiblichen Vater verschwiegen. Auch Sebastian hat einen starken Fokus auf Vanja.

    Verstehe die Aufregung der Kollegen von Sebastian nicht über die Vielzahl seiner sexuellen Kontakte mit Frauen. Schließlich waren sie alle volljährig und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und jeder Geschlechtsverkehr ging im Rahmen des Einwilligungsgesetzes zur Zustimmung beim Sex vor sich: „…bei dem beide Partner ausdrücklich und klar erkennbar dem Geschlechtsverkehr zustimmen müssen …“, zumindest ist uns nichts Gegenteiliges bekannt.

    Etwas viel sentimentales Rumgesülze von Sebastian mit seiner Ersatzfamilie, irgendwie müssen die fast 600 Seiten zusammenkommen.

    Ja, ja eine Krimihandlung gibt es auch noch mit Einblick in die schwedische Politik: Was macht ein Bergbauunternehmen, wenn es eine Mine ausbeuten will, dafür fünf Grundstücke braucht und nur vier Eigentümer verkaufen? Nicht dass sie jetzt glauben das Unternehmen schickt einen Killer los, nein wir sind in Schweden. Es wartet, den „Geld korrumpiert.“ Warum der Titel „Das Mädchen, das verstummte“? Weil das Mädchen nicht spricht, sondern nur zeichnet und dafür braucht man den Psychologen Sebastian.

    Ich habe alle 6 Bände der Sebastian Bergman-Reihe gelesen, zwar nicht der Reihe nach und war am Anfang begeistert, doch dieser Band hat mich genervt.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Cover: „Keiner schreibt wie Bernhard Aichner. Ganz toll. Unverwechselbar!“ von Sebastian Fitzek. Soll ein zusätzliches Kaufargument sein, nicht für mich, braucht Aichner nicht.

    Wenn das Schicksal dir alles nimmt, alle deine Träume vergraben werden, dein Leben ein einziges Dahinvegetieren ist, du ganz unten angekommen bist, dann bist du bereit. volles Risiko einzugehen - wie Rita, die 53-jährige Supermarktverkäuferin, sie sagt „all in“.

    In einer Bananenkiste aus Kolumbien findet Rita nicht nur Bananen, sondern auch 12,75 Kilogramm Kokain. Sie nimmt den „Fund“ mit nach Hause und versteckt ihn bei, der alten totkranken Gerda, für die sie sorgt. Beide trinken Tee mit Kokain und beiden geht es danach besser. Doch nun beginnt für Rita die unerwartete Achterbahnfahrt ihres Lebens.

    Rita, eine Krankenschwester, eine Kassiererin in einem Supermarkt, trotz abgebrochener Schauspielausbildung spielt sie die Rolle ihres Lebens, bis sie als verkohlte Leiche endet.

    Ein Kommissar nach Poirot- oder Colombo-Art mit grandiosen Dialogen will die Wahrheit herausfinden. Der Plot erinnert mich an Akiro Kuroasawas Meisterwerk „Rashomon“, nur diesmal sind es mehr als drei Personen, die jeweils unterschiedliche Versionen in den Verhören erzählen.

    Aichners Art Schreibstil fesselt mit kurzen Sätzen, die eine Spannung erzeugen, der man sich nicht entziehen kann. Es besteht die Gefahr des Durchlesens. Mit großer Empathie sind die Charaktere aller Personen gezeichnet. Der Leser will wissen, ob die verkohlte Leiche wirklich Rita - unsere heimliche Heldin - ist.

    Das Schicksal scheint doch nicht so grausam zu sein…

    Der Schluss endet ähnlich wie bei Roald Dahl mit einer völlig unerwarteten Pointe.

    Schreiben kann er, der B. Aichner. Großartig und wie sagt Fitzek: „Ganz toll.“

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    Ein 17 Jahre alter Fall soll wieder aufgerollt werden; Kommissar William Wisting hatte angeblich einen wichtigen Beweis gefälscht. Suspendierung und Einvernahme. Die Zeiten werden ungemütlich für den so rechtschaffenen Kriminalhauptkommissar.

    Unfassbar die Frage eines Journalisten an den Kommissar: „Stimmen die Verwürfe, wurden Beweise gefälscht?“ Unfassbar deshalb, weil Jørn Lier Horst mit William Wisting eine sehr sympathische Romanfigur geschaffen hat, mit der der Leser „mitleidet“ und natürlich Wisting für unschuldig hält.


    Ein aktueller Mord, eine 18 Jahre zurückliegende unaufgeklärte Entführung und eine 17 Jahre zurückliegende Entführung, die mit dem Tod des Mädchens endete und der Entlassung eines (vermutlich) zu Unrecht verurteilten Täters. Der suspendierte Wisting inmitten eines „Cold Cases“, einem Wiederaufnahmeverfahrens mit Vernehmung durch die ‚Interne‘ und dem aktuellen Fall, 18 Jahre auseinander, mit der Unterstützung seiner cleveren Tochter, der Journalistin Line.


    Jørn Lier Horst ist es gelungen, mit Kommissar Wisting eine Romanfigur zu schaffen, in die sich der Leser hineinfühlen kann, gefüllt mit Empathie. Der Leser lässt sich gerne in die hintersten Winkel des Menschen und Polizisten Wisting, beruflich, wie privat führen.


    Die ruhigen, für norwegische Krimis eher untypisch und doch zielstrebigen viertägigen Ermittlungen lesen sich sehr authentisch, war doch Jørn Lier Horst ein Kommissar der norwegischen Polizei. Er lässt die Fäden sehr geschickt und behutsam zusammenlaufen, hält mit einem angenehmen Schreibstil die Spannung bis zum Finale sehr hoch.


    Einziger Kritikpunkt: Es gibt keine „fristlose Kündigung“ (Kündigung ist die normale Beendigung eines Dienstverhältnisses, sie ist immer mit einer Frist verbunden), im Roman sollte es heißen: Fristlose Entlassung (Grund zB: Schwerwiegende Dienstverfehlung).


    Dieser, mein zweiter Wisting Kriminalroman hat alle meine Erwartungen übertroffen, mein dritter Wisting wartet bereits im SUB.


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    Bereits September 2009 bei Sutton Verlag erschienenen unter dem Titel „Faltenfrei“. 10 Jahre später wird das eBook unter dem Titel „Narbenfrau“ veröffentlicht.

    Der legendäre Kriminalpsychologe Dr. Nick Stein, alias „Nicki“, alias „Stoni“, Womanizer, Whiskyliebhaber und trinkt nur stark gezuckerten Mokka trifft Porsche Cayenne Turbo Fahrer, Rechtsmediziner Dr. Hofer, unsympathisch eitel und arrogant; fehlt nur noch das Powerwife, die superschlanke Mitvierzigerin mit dem Ledermini, zwanzig Zentimeter über den Knien endend, in schwarzen lichtdichten und nahtlosen Feinstrumpfhose GARCIA von Wolford, rote High Heels von DEVIUS, die sie um 15,2 cm größer machen, die Staatsanwältin.

    „Old fashioned” Krimi im „Agatha Christie”-Style. Ein tougher Ermittler im Kreise der Verdächtigen, seiner ehemaligen Clique. Lokalkolorit, mit etwas mehr Modernität und Sex.

    Gerlinde Friewald nimmt Anleihen an österreichischen Krimiserien, was die schnoddrigen Dialoge, die männlichen und weiblichen Polizeibeamten betrifft. Der Bürgermeister kommt direkt aus dem „Weißen Hai 1“.

    Routinierte Schreibkunst, die Spannung vermittelt, flutscht hinunter wie Öl.

    Die „Danksagungen“ animieren zu einem Besuch in Perchtolsdorf. Vielleicht gibt es eines Tages Führungen „Auf Stonis Spuren“ á la „Rosenheim Cops“ in RO. Aufschlussreich die "Routine bei Mordermittlungen" im Anhang.

    :bewertung1von5::bewertung1von5:

    Denis Scheck hat in seiner Literatursendung DRUCKFRISCH das MESSER von Jo Nesbø über die schiefe Ebene in den Abfalleimer rutschen lassen. Was Juckt mich das. Was jucken mich die wahnsinnig "analytischen" Rezensionen, die den Thriller heruntermachen. Ich lese alles von Jo Nesbø, auch alle Romane der Harry-Hole-Serie. Das MESSER ist das beste Stück aus dieser Serie. Was soll ich Jo Nesbø kritisieren, wenn er als Autor mit literarischer Freiheit den Hole so beschreibt, wie er ihn beschreibt. Soll ich Jo Nesbø vorschreiben, dass ein 77jähriger nicht klettern kann. Das ist absolut lächerlich. Aber ich nehme zur Kenntnis, dass jemand mit solchen Krimis nichts anfangen kann, Geschmäcker sind halt verschieden.

    Harry Hole, verheiratet mit Rakel, ist nicht geschaffen für eine dauerhafte Zweierbeziehung, ein hoffnungsloser Fall, dem auch eine Paartherapie nicht helfen könnte; Weil es ihm nicht gelingt und er es auch gar nicht willentlich versucht. Eine Prophezeiung wird für Hole wahr: „Du wirst schon sehen, du wirst ein paar Frauen glücklich machen. Und andere unglücklich.“

    Sollte man Alkoholiker, wie Hole einer ist, ernst nehmen? Eigentlich ja, denn Alkoholismus ist eine Krankheit. Dann ist nur noch die Frage zu beantworten, ‚saufen zu Hause oder öffentlich?‘ Hole säuft öffentlich, er ist ein exhibitionistischer Trinker mit masochistischen Zügen. Er will von seiner Umwelt bedauert und gleichzeitig verachtet werden.


    Krasser Plot:

    Also wenn sich Finne, der von Hole „auserwählte“ Mörder seiner Frau bereits im ersten Drittel zu einem Geständnis „überreden“ lässt, muss etwas „faul“ sein, mit anderen Worten, Svein Finne kann nicht der Mörder seiner Frau sein. Für den Leser wirft das wieder die Frage auf, wer hatte welches Motiv und welche Motivation, war es vielleicht doch eine Frau.

    „Die Sonne ging langsam auf. Diese Stadt (Oslo) war genau wie manche Frauen. Im richtigen Licht war sie plötzlich unglaublich attraktiv, um im nächsten Augenblick schon wieder so gewöhnlich, ja gerade spröde zu wirken, dass sie in der Mittelmäßigkeit versank“ (Zitat Nesbø, S. 455).

    Nesbøs Cleverness als Plot-Konstrukteur ist kaum zu überbieten und das in der 12ten Fortsetzung: Nachdem alle Mordverdächtigen, einer nach dem anderen ausscheiden, bleibt nur noch – wie sollte es anders sein – Harry Hole übrig. Aber ist er der Mörder?

    Dieser Mordfall sollte als der Harry-Hole-Fall in die Annalen der norwegischen Kriminalpolizei eingehen. Alle vom Staatsanwalt abwärts klopfen sich auf die Schulter. Endlich haben sie den verhassten und doch erfolgreichsten Ermittler am Hacken, auch wenn er tot? Ist.

    Katrin Bratt, Leiterin der Osloer Polizei und erbitterte Konkurrentin des Osloer Kriminalamtes über ihre Situation: „Sie hatte gesehen, wie einige Frauennach der Geburt zu Depotinnen geworden waren, davon überzeugt, dass sie die Sonne und alle Planeten des Himmels nur um Mutter und Kind drehten. Und wie sie ihre Ehemänner plötzlich mit Verachtung begegneten...“ (Zitat Nesbø, S. 473).

    „Love Hurts“ von den Everly Brothers “as Tribute for” Bjørn Holm.

    Zum Showdown mit genialem Winkelzug passt 5. Mose 32:25 „Die Rache ist mein; ich will vergelten.“

    Nochmal Katrin: „Was weiß man eigentlich über die Menschen, mit denen man Tisch und Bett teilt.“ Wie wahr.


    HARRY HOLE zum 12ten. Jo Nesbø hat von seiner brillanten Erzähltechnik nichts eingebüßt. „Messer“, der beste Thriller aus der Harry-Hole-Serie.

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    Zum 30. Todestag ( 12. Februar 1989) von THOMAS BERNHARD hat André Heller einen Band zusammengestellt, der sich mit dem Hab & Gut des „Erregungshochleistungsvirtuosen“ beschäftigt.



    BERNHARDS STIL



    AUSNAHMEWESEN. Am 12. Februar, drei Monate nachdem die Uraufführung seines Stückes „Heldenplatz“ am Burgtheater ganz Österreich auf den Kopf gestellt hatte, starb Thomas Bernhard. Rechtzeitig zu seinem 30. Todestag (an den auch im Akademietheater zwischen 11. Und 20. 2. mit einem Leseprogramm erinnert wird) bringt der Brandstätter Verlag einen sehr feinen Band zu ,,Hab und Gut" und Stilbewusstsein des ewigen Provokateurs auf den Markt. Initiiert und zusammengestellt hat ihn André Heller, nachdem er den sorgfältig inszenierten Privatkosmos im ehemaligen Wohnhaus des Autors in Ohlsdorf betreten hatte. Beeindruckt von diesem durchkomponierten Haus hat Heller dann Experten versammelt, um sich mit den Wohnstätten Bernhards zwischen Obernathal und Ottnang zu beschäftigen. So schreibt u. a. Dietmar Steiner als Architekturexperte über die Häuser und Räume und die Modehistorikerin Barbara Vinken über Bernhard als ,,Dandy im Hause Österreichs“, der die Krachlederne als sein ländliches Verkleidungsritual schätzte. Die Fotos aufgenommen von Hertha Hurnaus.

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    Lesetipp:

    Anneliese Botond - Briefe an Thomas Bernhard


    Habe viel von Thomas Bernhard gelesen, aber lange von meiner "Büchertreff"-Zeit.

    Spitzenliteratur

    Thomas Bernhard kann man lieben oder hassen, ich liebe und verehre ihn. Wer die österreichischen Zustände derart drastisch literarisch "behandelt", dem muss man Respekt entgegenbringen, ob man will oder nicht. Dass Kritik nicht jedem passt ist verständlich. Kritik muss man annehmen und mit ihr umgehen können.

    Allein dieser Briefverkehr von Botond mit Bernhard ist Literatur der Spitzenklasse. Diese gewählte Ausdrucksweise gepaart mit den beruflich bedingten Pflichten ist grandios.
    Lesenswert.


    Klappentext:

    Bekanntlich eröffnete Wieland Schmied seinem Freund Thomas Bernhard die Chance, mit „Frost“ den ersten Roman zu veröffentlichen. Bekanntlich erschien dieser im Jahr 1963 im Insel Verlag und begründete dessen Prosakarriere. Bekanntlich begleitete Anneliese Botond, Lektorin im Insel (und im Suhrkamp) Verlag, sein Werk bis zum Jahr 1970. Bekanntlich schätzte Bernhard Botond („hier wäre allerhand Grundsätzliches über die ungeheure Qualität dieser Frau als Institution anzuschließen“). Unbekannt ist, dass Anneliese Botond zwischen1963 und 1970 annähernd 150 Briefe an Bernhard schrieb (die Gegenbriefe haben sich nicht erhalten). Sie zeigen exemplarisch, welche Funktion einem kompetenten, auf die Manuskripte eingehend und zugleich Distanz wahrenden Leser, sprich in diesem Fall: der Lektorin, für die Fertigstellung eines Buches zufällt. Hier ist zu erfahren, wie „Amras“ sich nach und nach aus dem Typoskript herausschälte, welche Irritationen das erste Theaterstück Bernhards auslöste, wie es zum Titel „Verstörung“ kam. Deutlich wird: Eine funktionierende Beziehung Autor-Lektor erfordert, dass der Autor sich in der Auseinandersetzung innerhalb des Verlags, mit den Rezensenten und der größeren Öffentlichkeit selbst bei Privatangelegenheiten, auf den Rückhalt des Lektors verlassen kann.


    Anneliese Botond (1922 - 2006), zwei fache Doktorin, arbeitete seit Beginn der Sechzigerjahre als Lektorin im Insel Verlag, ab 1963 zugleich als Lektorin im Suhrkamp Verlag. Im Jahr 1970 gab sie diese Tätigkeit auf, übersetzte anschließend literarische und theoretische Texte aus dem Französischen und (vorwiegend lateinamerikanischen) Spanischen. 1984 erhielt sie den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzungen.

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    Entgegen aller skandinavischen Krimitradition mit blutig abgeschlachteten Opfern, psychopatischen Tätern und durchgedrehter Kommissare, startet der Kriminalroman „Die Stille bringt den Tod“ von Karin Fossum komplett anders.

    Ragna Riegel sitzt im Gefängnis - wir wissen lange nicht warum - und wird von Kommissar Konrad Sejer verhört. Anscheinend hat der Kommissar noch nie einen derart seltenen kriminellen Vogel wie Ragna in die Finger bekommen. Ragna, ein Untersuchungsobjekt für mindesten zehn Psychiater, hat sie doch so ziemlich alle paranoide Persönlichkeitsstörungen, die man sich vorstellen und nicht vorstellen kann. Vom Verfolgungswahn bis zur Todessehnsucht:

    Sie hat Angst vor ihrer eigenen Furcht.
    Ihr Gehirn traf oft seltsame Entscheidungen.

    Kann tatsächlich jeder Mensch zum Mörder werden? Diese Frage auf dem Buchrücken, die mehr verspricht, als der „Kriminal“-Roman Antworten geben kann. Wenn die Frage an eine paranoide schizophrene Persönlichkeit, wie Ragna gerichtet ist, dann mit „Ja“. Gerichtet an den durchschnittlichen Leser, der weder paranoid, noch schizophren ist, bleibt die Frage offen.

    Karin Fussum, vielfach ausgezeichnet, viel gelesen, verfilmt und vertont, schreibt mit einem außerordentlichen Stil. Der aktuelle Sejer-Roman ist die Nr. 13. Das Hörbuch wollte ich Autofahrern nicht empfehlen, aber als Hörspiel kann ich mir „Die Stille bringt den Tod“ sehr gut vorstellen.

    Kein Krimi im eigentlichen Sinn, sondern eine Psychostudie, die dem Leser einiges an Einfühlungs- und Durchhaltevermögen abverlangt.

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