Beiträge von Aladin1k1

    ### Inhalt ###
    Bei "Phoenix Project" handelt es sich um einen Roman über die Firma Parts Unlimited und ihrer IT-Mitarbeiter, denen die Aufgabe zufällt, ein wichtiges IT-Projekt namens Phoenix zum Abschluss zu bringen. Von dessen Erfolg hängt das Überleben der Firma ab. Viel Zeit und Geld und Mitarbeiter (=Entlassungen) hat dieses Projekt bereits gefordert und für Bill Palmer, einen IT-Abteilungsleiter, kommt es wie ein Paukenschlag: Steve Masters, der CEO, will ihn so mir nichts dir nichts zum Vice President von IT Operations machen. Wenn Bill in dieses Angebot einwilligt ist er verantwortlich für den stabilen unterbrechungsfreien Betrieb der Parts Unlimited Softwarelandschaft. Zusätzlich hätte er die strikte Vorgabe dem Phoenix Projekt auf keinen Fall Ressourcen zu entziehen. Bill willigt mehr überrumpelt als überlegt in das Angebot ein und steht vor einem Scherbenhaufen: Im laufenden Softwarebetrieb hagelt es Ausfälle, niemand scheint in der Lage zu sein, die Probleme zu lösen, außer Brent Geller, ein Senior-Entwickler, doch sobald Bill auf seine Hilfe zurückgreifen will, donnert es von der Chefetage her, dass Brent auf keinen Fall von Phoenix abgezogen werden darf, da dieses Projekt höchste Priorität hat. Doch das sind nicht die einzigen Probleme: Chris Allers, der Leiter der Anwendungsentwicklung, überhäuft Bills Team mit immer neuen Features und Tools, die mehr schlecht als recht funktionieren und zu immer mehr Ausfällen führen, John Pesche, der Sicherheitschef streift mit Argusaugen durch die Gänge und fordert rigide die von gesetzlicher Seite geforderten Sicherheitsvorgaben beim Umgang mit Kundendaten ein. Zu allem Überfluss ist in Kürze eine Prüfungsgesellschaft auf dem Weg, die die Sicherheitsmaßnahme beim Umgang mit den Daten überprüfen möchte. Und aktuell wären die Erkenntnisse, die daraus gewonnen würden, verheerend. Bill sieht nur noch eine Möglichkeit, den Notstop: Alle Entwicklung soll eingefroren werden bis ein Weg gefunden wird wieder einen unterbrechungsfreien Betrieb zu gewährleisten. Doch da hat Bill nicht mit Sarah Moulton gerechnet, die Chefin, die für den Betrieb der Ladengeschäfte zuständig ist. Sie scheint Bill in allem, was er tut, untergraben zu wollen. Parts Unlimited scheint vor dem Abgrund zu stehen: Vielleicht kann Erik Reid Bill helfen. Erik ist Anteilseigner von Parts Unlimited und ehemaliger sehr erfolgreicher Fabrikleiter. Doch was haben die Vorgänge in einer Fabrik mit der Entwicklung und dem Betrieb von Software zu tun? Wie es scheint sehr viel...


    ### Meinung ###
    Ich arbeite selber in der IT und die geschilderten katastrophalen Missstände beim managen von IT-Projekten sind mir auch schon begegnet (jedoch nicht so heftig wie in diesem Roman). Als Betroffener weiß ich wie schlimm es ist in Projekten zu arbeiten, die falsch geführt werden. Das kann einen ganz schnell an den Rand des Burnouts führen. Von daher war ich sehr gespannt welche Erkenntnisse die Roman-Protagonisten beim Umgang mit dieser Krise gewinnen würden.

    Die Autoren haben selber viele Jahre als leitende Angestellte in der IT gearbeitet und verarbeiten in diesem Roman ihre Erkenntnisse. Zusätzlich bündelten sie diese in einem weiteren Werk, dem „Devops Handbook“, dessen erste vier Kapitel ebenfalls dem Roman angefügt sind. Im Kern geht es in „Phoenix Project“ und dem „DevOps Handbook“ um die Beantwortung der Frage wie man Software Entwicklung und den IT Betrieb effektiver und menschlicher gestalten kann. Gerade diese beiden Bereiche stehen sich in ihren Zielen oft diametral gegenüber, weswegen ein neuer Begriff „DevOps“ geprägt wurde, der eine neue Art zu denken und zu arbeiten in den Mittelpunkt stellt, die diese beiden Bereiche als ein Ganzes sieht. Dabei beziehen sich die Autoren auch auf Arbeiten anderer Autoren, die in angrenzenden anderen Bereichen Erkenntnisse zutage gefördert haben:


    "DevOps relies on bodies of knowledge from Lean, Theory of Constraints, the Toyota Production System, resilience engineering, learning organizations, safety culture, human factors, and many others.

    […]

    Lean principles focus on how to create value for the customer through systems thinking by creating constancy of purpose, embracing scientific thinking, creating flow and pull (versus push), assuring quality at the source, leading with humility, and respecting every individual.“


    Es ist wirklich sehr viel, was einem hier an Wissen und Erkenntnis aufgetischt wird und man kann Seiten mit den Themen in dem Zitat oben füllen. Im Kern sehe ich zwei Punkte als wesentlich:

    1. DevOps ist eine Teamleistung, nur in einem funktionierenden auf Vertrauen basierenden Team aus Entwicklern und Managern kann Software hoher Qualität geschaffen werden
    2. Drei Prinzipien: the principles of Flow, Feedback, and Continual Learning and Experimentation können als Anker dienen, auf die man sich bei der Arbeit in der IT immer wieder rückbesinnen sollte.


    ### Fazit ###
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    Der Roman handelt von Softwareentwicklung und IT-Betrieb, die schlecht geführt werden und wie man es besser machen kann. Für mich persönlich sind die Erkenntnisse interessant und wertvoll, da sie einen Bezug zu meiner Arbeit haben, das Lesen des Romans an sich war für mich jedoch eher Pflicht als Freude. Ich empfand das Lesen oft eher als zäh und langweilig.

    ### Inhalt ###

    Die Handlung spielt um 1194. Richard Löwenherz ist aus dem 3. Kreuzzug noch nicht zurückgekehrt, da er gefangengenommen wurde. Prinz Johann, der Bruder von Richard Löwenherz will das Machtvakuum nutzen, um König von England zu werden. Durch die unermüdliche abtrünnige Arbeit von dessen Kanzler Fitzurse gelingt es Johann immer mehr die Fürsprache der Adeligen an sich zu reißen, obwohl diese nur widerwillig Johann die treue schwören möchten, da Johann ein linker, heißsporniger Prinz ist ohne Ehre und Gewissen und Richard Löwenherz, der wahre König, großes Ansehen bei seinen Untertanen genießt. Auf einem Ritterturnier, was zur Belustigung Johanns und zur Stärkung der Band zwischen ihm und seinen Anhängern veranstaltet wird, erscheint ein unbekannter Ritter auf dem Kampfgelände, der großen Geschick und Kampfeslust an den Tag legt. Er geht am Ende als Sieger aus dem Turnier hervor und da er verletzt wird Johann seiner Identität gewahr, die der Ritter bis dahin geheim halten wollte. Es ist Ivanhoe, ein treuer Anhänger Richard Löwenherz. Johann ist außer sich. Wo Ivanhoe ist kann Richard, der eigentliche König nicht weit sein...


    ### Meinung ###

    Hundert Seiten sollte man der Geschichte schon geben, Scott informiert und beschreibt auf den ersten Seiten den geschichtlichen Kontext wie mir scheint recht genau. Die Erzählkunst Scotts ist toll und die Übersetzung ins Deutsche ist gut gelungen. Die Geschichte hat vieles, was mich begeistert: Ein farbenfrohes Turnier, die Erstürmung einer Burg oder die fadenscheinige Prozess, der der schönen Jüdin Rebecca im Namen des Glaubens gemacht wird, sind Highlights. Aber auch die Sitten und die Umgangsformen scheinen gut durch. Anstand und Gewissen waren hohe Ideale, wobei diese jedoch häufig an allzu Menschlichem zerschellen. Die Dialoge und Handlungen zwischen Rebecca und ihrem Entführer Bois-Gilbert, dem Ritter des Templerordens, fand ich in dieser Hinsicht besonders beeindruckend: Rebecca, die ihrem jüdischen Glauben bis in den Tod treu bleibt und Bois-Gilbert, dessen Prinzipientreue bis zum nächsten Rock reicht. Wobei ich als Leser Bois-Gilbert gerade deswegen jedoch eine erstaunliche geistige Freiheit von religiösem Fanatismus zugestehe. Die Figuren und deren Verhaltensweisen sind nicht schwarz-weiß. Viele andere interessante Figuren kommen in diesem Roman zu Wort alle mit ihrem besonderen Eigenheiten, Episoden und Geschichten als da wären: Cedric, der stolze Angelsachse, der sein Geschlecht tapfer gegen herrschenden Normannen verteidigt, Robin Hood, Bruder Tuck und natürlich Richard Löwenherz. Ich würde mal vermuten, dass ein guter Kern Wahrheit in den Schilderungen bzgl. Charakter und Eigenheiten der Protagonisten liegt.


    ### Fazit ###

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    Wenn man Lust auf Ritter, Burgen, Ladies und Turniere hat, dann ist man hier richtig. Anfangs etwas zäh, später dann sehr spannend.

    Mein Lesemonat Juni 2020 war solide bis großartig :)


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    Clara Paul - Gedichte, die glücklich machen -> Rezi

    Umberto Eco - Der Name der Rose -> Rezi

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    Daniel Kehlmann - Die Vermessung der Welt -> Rezi

    Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray -> Rezi

    Voltaire - Candide oder der Optimismus -> Rezi

    Alfred Andersch - Sansibar oder der letzte Grund -> Rezi

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    Johann Wolfgang von Goethe - West-oestlicher Divan -> Rezi

    ### Inhalt ###
    Im Jahre 1327 reißt William von Baskerville, ein Franziskaner-Mönch zusammen mit seinem Adlatus Adson von Melk zu einer Abtei im Nordwesten Italiens. Als Gesandter des Königs hat er die Aufgabe ein Treffen zu begleiten zwischen der Gesandtschaft des Papstes und den Anhängern des Benedektiner-Ordens, um eine wichtige Frage des Glaubens zu klären. Nebenbei hat ihn der dortige Abt mit der Aufgabe betraut den Mord an dem Miniaturenmaler Adelmus aufzuklären. Doch es bleibt nicht bei diesem Mord. Im Laufe der kommenden sieben Tage geschehen weitere Morde. Diese scheinen alle im Zusammenhang zu stehen mit Gottes Strafen aus Johannes Offenbarung. William stellt mit Adson weitere Untersuchungen an und es ergeben sich immer wieder Hinweise durch Befragung der Mönche, dass der Wissensdurst der Mönche nach einem verbotenen Buch aus der Bibliothek der Abtei die Ursache für all die Tode sein könnte. Die beiden Ermittler müssen in die Bibliothek, um mehr über das Buch und sein Geheimnis herauszufinden, doch der Zutritt zur Bibliothek wurde vom Abt für alle strengstens verboten.


    ### Meinung ###
    Ein toller Kriminalroman! Die Abtei irgendwo versteckt in den Ausläufern des Apennin, die Gebäude und die dort lebenden Mönche, die umliegenden Dörfer und die dort lebenden Menschen treten plastisch zutage. Viele Dialoge der Figuren treiben die Handlung spannend voran, auch immer wieder durchsetzt mit Darstellungen des damaligen religiösen Glaubens und der vielen Geschehnisse und Auseinandersetzungen der Anhänger verschiedener Glaubensrichtungen, was zu Ketzer-Verfolgungen durch Inquisitoren führte. Vieles im Roman dreht sich um die Bibliothek, sodass die Erwähnung vieler damaliger Bücher Eingang in die Geschichte finden. Auch fand ich die Hinweise Williams über die geistigen Errungenschaften seines Vorbildes Francis Bacon, einem Mönch des vorigen Jahrhunderts, der die Brille erfand und Flugmaschinen prophezeit hat , immer wieder spannend. Diese eingestreuten Darstellungen über die damalige Geschichte sind zahlreich, ich weiß nicht, was davon alles wissenschaftlichen Tatsachen entspricht, in jedem Fall ruht der Roman auf einem enormen geistigen Unterbau, was mich zum Teil manchmal abgeschreckt hat, da ich die Fülle an dargestellten Akteuren und Geschehnissen nicht gänzlich erfassen konnte, mich aber insgesamt sehr beeindruckt hat.

    Das Ende bleibt trotz der umfangreichen Hinweise bis zum Schluß unvorhersehbar und offenbart eine zeitlose Erkenntnis, die nichts an Aktualität verloren hat.


    ### Fazit ###
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    William von Baskerville klärt als Sherlock Holmes des Mittelalters Mordfälle einer Abtei in Italien auf, die sich alle um ein mysteriöses verbotenes Buch aus der Bibliothek der Abtei ranken, dass eine gefährliche Wahrheit enthält.

    Einstieg in die Welt der Lyrik

    Und welches Gedicht hat Dir am besten gefallen?

    1. Stufen von Hermann Hesse
    2. Du musst das Leben nicht verstehen von Rainer Maria Rilke
    3. Es kann die Ehre dieser Welt von Theodor Fontane
    4. Sei ganz ruhig von Angela Krauß
    5. Er ist's von Eduard Mörike


    Das sind alles Gedichte, die ich sehr mag. Das Erste poste ich hier mal [1]. Ich finde hier wird es ganz gut vorgetragen: Stufen von Hermann Hesse


    [1]

    ### Inhalt ###

    Ein Gedichtband, herausgegeben von Clara Paul. Es sind 114 Gedichte enthalten von folgenden Autoren:

    Andreas Gryphius, Angela Krauß, Barbara Köhler, Bertholt Brecht, Christian Morgenstern, Durs Grünbein, Eduard Mörike, Elisabeth Borchers, Else Lasker-Schüler, Erich Fried, Erich Kästner, Ernst Jandl, Eva Strittmatter, Frederike Mayröcker, Friedrich Nietzsche, Gerald Schorsch, Gotthold Ephraim Lessing, Hans Magnus Enzensberger, Hans-Ulrich Treichel, Helmut Krasser, Hermann Hesse, Hilde Domin, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Johann Wolfgang von Goethe, Joachim Ringelnatz, Johann Gottfried Herder, Joseph von Eichendorff, Karl Kraus, Kurt Tucholsky, Marie Luise Kaschnitz, Marie von Ebner-Eschenbach, Mascha Kaléko, Meret Oppenheim, Michael Buselmeier, Paul Celan, Peter Handke, Peter Huchel, Peter Rühmkopf, Peter Turrini, Rainer Maria Rilke, Ralf Rothmann, Reiner Kunze, Ricarda Huch, Robert Gernhardt, Robert Walser, Rose Äusländer, Theodor Fontane, Thomas Brasch, Thomas Rosenlöcher, Ulla Hahn, Wolf. Es befindet sich des Weiteren am Ende des Buches ein Quellennachweis und ein Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte im Anhang.


    ### Meinung ###

    Ich hatte bisher wenig Kontakt mit Gedichten und wollte einen leichten schönen Einstieg, den ich mit diesem Buch bekommen habe. Es enthält eine große Anzahl sehr kurzer bis mittellanger Gedichte von den verschiedensten Autoren. Das Spektrum reicht von Spaßgedichten bis schönen, klugen und tiefsinnigen Gedichten. Eine gute Möglichkeit wie ich finde dort den ein oder andern Lieblingsdichter zu finden. Nach der Lektüre dieses Buches werde ich mir gerne weitere Gedichte von Hermann Hesse, Theodor Fontane, Eduard Mörike und Rainer Maria Rilke ansehen.


    ### Fazit ###


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    Ein schöner Gedichtband für Leute, die einen Einstieg in die Welt der Lyrik suchen. Es macht Spaß immer wieder mal darin zu lesen.

    ### Inhalt ###
    1937 in Rerik, ein kleines Dorf an der Ostseeküste ist Schauplatz einer Begegnung von fünf völlig verschiedenen Menschen mit einem Ziel: Nicht unter die Räder zu geraten im Machtkampf zwischen „der Partei“, dem kommunistische Zentralkomitee, und „den Anderen“, vermutlich den Nazis. Die Protagonisten: Gregor, der intelligente unauffällige Parteiabtrünnige, der endlich alles lesen können möchte, was er will, die Jüdin Judith, die auf der Flucht ist, nachdem der Selbstmord ihrer Mutter ihr dadurch den letzten Grund gab zu fliehen, der Pfarrer Helander, der seine heilige Figur, den lesenden Mönch, unbedingt vor dem Zugriff der Anderen schützen will, Knudsen, der alte Fischer, der einfach nur in Ruhe gelassen werden will, um seine geisteskranke Frau pflegen zu können und der Schiffsjunge, der raus will aus dem langweiligen Rerik und die Welt sehen will.


    ### Meinung ###
    Das Büchlein liest sich relativ flüssig. Mir gefällt der stete Wechsel der Perspektiven zwischen den Protagonisten. Ein Buch, das die bedrückenden Lebensumstände unter der Herrschaft totalitärer Systeme aufzeigt, ein Kaleidoskop der Gefühls - und Wahrnehmungswelt verschiedenster betroffener Menschen. Es werden die Fragen beantwortet:

    Wie verhalten sich Menschen in einem solchen System?

    Welche Menschentypen sind besonders betroffen?


    Als Leser stellt man sich selber die Frage:


    Wie verhält man sich unter diesen Lebensumständen richtig?

    Gibt es in so einer Situation ein Richtig und Falsch?


    Der Autor liefert meiner Meinung nach mit Gregor einen Wink: Im Kleinen und unauffällig können (und sollten) wir gegen „die Anderen“ wirken, was natürlich nicht möglich ist, wenn man nicht unabhängig ist, wenn man sich um andere sorgt.

    Ich sage, am besten lassen wir es nie soweit kommen: Nie sollte es zu Machtkonzentrationen und damit Willkür kommen.


    ### Fazit ###


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Die Gefühlswelt von Menschen, die in totalitären System leben müssen. Ein düsteres unüberwindbares graues Bild der Allmacht mit kleinen Lichtpunkten hier und da.

    ### Inhalt ###

    Aus Wikipedia:


    "West-östlicher Divan (erschienen 1819, erweitert 1827) ist die umfangreichste Gedichtsammlung von Johann Wolfgang von Goethe. Sie wurde durch die Werke des persischen Dichters Hafis inspiriert. Durch die Aufnahme des Goethe-Schiller-Archivs der Klassik-Sammlung Weimar im Jahr 2001 ist Goethes Reinschrift des Werkes Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.“


    Das Buch besteht weiterhin aus einem Verzeichnis der Bücher (Sammlungen von inhaltlich zusammengehörenden Gedichten), einem recht umfangreichen Glossar, einer Goethe-Zeittfafel, einem Nachwort und einem alphabetischen Verzeichnis jedes Gedichtes mit Seitenangaben.


    ### Meinung ###

    Tja, was soll ich zu diesem Werk sagen. Zu allererst: Als ich mir das Buch besorgt habe, wusste ich nicht, dass es sich um eine Gedichtsammlung handelt - mach ich manchmal: Hören, dass ein Buch hoch gelobt wird und dann blind zuschlagen. Dementsprechend überrascht war ich. Ich habe mich dann aber ans Werk gemacht und alle Gedichte mehr oder weniger aufmerksam gelesen. Aus meiner Sicht verarbeitet Goethe in diesen Gedichten manchmal Konkretes wie die Liebe, manchmal Orientalisches und Religiöses. Laut Wikipedia bringt er in diesen Gedichten seine Ehrerbietung gegenüber dem Persischen Dichter Hafis und sein philosophisches Interesse dem Islam gegenüber zum Ausdruck. Für mich erschließen sich die Gedichte kaum. Manchmal habe ich einen Zugang, wenn es um Konkreteres Allgemeingültiges wie die Liebe, das Trinken oder die Schönheit der Natur geht. Oft sind die Gedichte für mich aber einfach Kauderwelsch. Dem Nachwort des Buches zufolge hat Goethe diesem Werk nach der Drucklegung nochmal die gleiche Anzahl an Seiten spendiert, in denen er Erläuterungen zu seinen Gedichten ergänzt. Die braucht es auch dringend, um mit den Gedichten was anfangen zu können.


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5:

    Fazit: Für Fans von Goethes Gedichten, die möglicherweise mit viel Hintergrundwissen einen Zugang zu den Gedichten erhalten.

    ### Inhalt ###

    Candide, „der Reine“, ist der Neffe eines Barons in Westfalen, der in einem Schloss namens Thundertentronckh wohnt. Da er es gewagt hat in einem Anfall jugendlichen unschuldigen Leichtsinns dessen Tochter Kunigunde zu küssen, wird er vom Baron mit einem Arschtritt aus dem Schloss befördert. Sein Hauslehrer Pangloss hat ihn während seiner Ausbildung gelehrt, dass die Welt, in der die Menschen leben, die beste aller Welten ist und das sich alles immer zum Besten fügt. Mit dieser Einstellung zieht er nun los und versucht sein Glück in der Welt. Nachdem er eine Nacht in einer Ackerfurche nächtigen muss, wird er von zwei bulgarischen Soldaten zum Essen eingeladen und Candide ist begeistert von der Liebenswürdigkeit dieser beiden. Pangloss' Lehren bestätigen sich hier seiner Meinung nach aufs Beste. Nachdem Candide sich verabschieden möchte, wird er von den beiden Soldaten grob überwältigt und zwangsrekrutiert. Da er sich aus Soldatensicht ungehörig benimmt wird er vor die Wahl gestellt: 12 Bleikugeln in den Kopf oder 36 Mal Spießruten laufen à 2000 Soldaten. Candide wählt das zweite und schafft zwei Durchgänge. Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende entkommt Candide den Bulgaren schwer geschunden und tritt seine unfreiwillige Reise durch die Welt an, bei der er von einem Ort zum nächsten befördert wird, immer auf der Suche nach Bestätigung der Lehren seiner Hauslehrers Pangloss’ und natürlich seiner Geliebten Kunigunde.


    ### Meinung ###

    Voltaires Antwort auf Leibniz „Beste aller möglichen Welten“, die er aufgrund eigener Lebenserfahrungen lächerlich fand und dementsprechend drastisch fallen die Abenteuer des Candide aus, in denen viel geköpft, gehängt, erstochen, verstümmelt, bestohlen und betrogen wird. Candide muss schnell einsehen, dass es mit dem Pangloss'schen Optimismus nicht weit her ist. Immer wieder bestätigt sich die Schlechtigkeit der Menschen. Martin, ein befreundeter mitreisender Philosoph glaubt sogar, dass Gott die Welt einem bösartigen Wesen überlassen hätte. Und wenns gut läuft? Auch blöd, da der Mensch ein rastloses schnell gelangweiltes Wesen ist. Die einzige Lösung? Arbeit: Sie bewahrt uns vor Langweile, Laster und Not. Eine philosophische Gesellschaftssatire, die für das 18. Jh erstaunlich klar und schnörkellos daherkommt, fast schon modern.

    Candides Episoden an sich sind natürlich hanebüchen und konstruiert: Es passieren laufend höchst unwahrscheinliche Dinge, von daher war das Lesevergnügen in puncto Spannung nicht ganz so berauschend, der Leser weiß bereits früh, das ein Unglück das nächste jagen wird. Nichtsdestotrotz glaube ich wohl, dass die geschilderten Verhältnisse nicht weit von der damaligen Realität entfernt sind. Der Roman enthüllt daher so manches Wichtige über die menschliche Natur, sodass ich als Philanthrop zu der Aussage gelange: Liebe die Menschen, aber aus sicherer Entfernung ;-D


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Ein satirischer Beitrag eines philosophischen Streites des 18. Jahrhunderts, für das 21. Jahrhundert daher nicht mehr ganz so relevant. Die ein oder andere gedankliche Perle, ein erstaunlich moderner lockerer Schreibstil und nur 160 Seiten lassen einen darüber hinwegsehen.

    ### Inhalt ###
    Basil Hallward wohnt im London des 19. Jh. (?), ist Künstler und begeistert von seiner neuen Vorlage Dorian Gray, einem Jungen aus aristokratischem Hause, der den Künstler zu ungeheurer Schaffenskraft anregt. Dorian ist aus Basils Sicht der Inbegriff der Schönheit und Reinheit. Lord Henry Wotton pflegt Kontakt mit Basil und die Schwärmerei seines Bekannten macht ihn neugierig, daher möchte er Dorian unbedingt kennenlernen, was Basil jedoch verhindern möchte, da er einen schlechten Einfluss aus der Richtung des Lords befürchtet. Die Begegnung lässt nicht lange auf sich warten und eines Tages als Dorian dem Künstler wieder als Vorlage dient und Wotton ebenso zugegen ist, lernen sich die beiden kennen und sprechen miteinander. Basil beendet währenddessen das Porträt von Dorian, es wird ein Meisterwerk! Dorian reizt Lord Henry ungemein. Er will mit ihm ein Experiment anstellen: Kann er diesen schönen Jungen verführen, diesen Inbegriff der Reinheit und Schönheit? Kann er erreichen, dass der Junge der Lust am Genuss, an der Sünde und der Schönheit erliegt? Nachdem das Bild fertig gestellt ist, zeigt Basil es Dorian. Diesem schwirrt bereits der Kopf von den Einflüsterungen Wottons und verfällt in einen Wutausbruch, in dem er seine Eifersucht gegenüber diesem Bild zum Ausdruck bringt, das ewig schön sein wird, während seine Schönheit mit dem Alter dahinwelken wird. Seine Raserei lässt ihn zu dem Spruch hinreißen: „Oh, wäre es doch umgekehrt! Veränderte sich doch das Bild und bliebe ich immer, wie ich jetzt bin!“ Wird sein Wunsch in Erfüllung gehen?


    ### Meinung ###
    Eine personale Erzählerstimme erzählt den Plot. Es ist eine Mischung aus inneren Monologen und Direkter Rede. Der Sprachstil ist wie ich finde geradezu barock, ganz passend für das gebildete stets gelangweilte, stets nach dem nächsten Kick suchende Aristokratentum. Man spricht über große Künstler, Filosofen, Schriftsteller und Kunstgegenstände, über alles was schön ist und die Langeweile vertreiben kann, denn die sei laut Wotton die größte Sünde.

    Der erste Satz im Buch stimmt direkt auf alles ein, was kommt:

    „Das Atelier war erfüllt vom starken Geruch der Rosen, und wenn der leichte sommerliche Wind durch die Bäume des Gartens rauschte, wehte durch die offene Tür der schwere Duft des Flieders, oder der feinere Hauch des blühenden Rotdorns“.

    Ich finde das gelangweilt aristokratische kommt in diesem Buch wunderbar zum Ausdruck. Man sorgt für immer wiederkehrende Gesellschaften, in denen man der aristokratischen Leichtigkeit frönt, süffisant über die „Wohltätigkeitsfanatiker“ schmunzelt, die geistlose rohe Vernunft, über Frauen, das dekorative Geschlecht, die Treue, die ja nur ein Bekenntnis des Mangels sei, und über die Farblosigkeit selbstloser Menschen.

    Auch die Episode, in der sich Gray stürmisch und nachhaltig in die arme Schauspielerin Sibylle Vane verliebt und er sie dann am Ende kalt fallen lässt, da das schleichende Gift der Worte seines großen Freundes Wotton immer mehr Wirkung zeigt, sind großartig. Sein Konterfei zeigt daraufhin einen grausamen fiesen Zug um die Mundwinkel >:->

    Streckenweise ist mir der Roman viel zu verästelt und langatmig. Seitenweise widmet der Erzähler der Hinwendung Grays den schönen Dingen, den Düften, der Musik und den Musikinstrumenten, den Edelsteinen und edlen Stickereien. Der Anteil an inneren Monologen, in denen ausführlichst über die Geschehnisse und Wandlungen palavert wird ist groß.


    ### Fazit ###
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Fazit: Das Äußere und das Innere sind zwei völlig verschiedene Dinge.

    Außen kann es schön sein, innen völlig verdorben.

    ### Inhalt ###
    Kehlmann läßt uns in diesem Buch teilhaben am Leben zweier großer Naturforscher, dem „Fürsten der Mathematiker“ Carl Friedrich Gauß“ und dem Erforscher der Welt „Alexander von Humboldt“. In vielen einzelnen Episoden erfahren wir abwechselnd von ihren Lebensereignissen, ihren Entdeckungen, ihren Errungenschaften, aber auch von ihren Meinungen und Ansichten über das Leben. Die beiden kennen sich, haben Briefkontakt, sehen sich auch auf bestimmten Veranstaltungen und blicken teilweise interessiert, teilweise amüsiert, aber doch immer teilnehmend auf das Leben des anderen.


    ### Meinung ###
    Am Anfang war die Sprache des Romans recht gewöhnungsbedürftig für mich. Ich bin fast gar nicht reingekommen, am Ende fand ich die permanente indirekte Rede und die Ansprache in der dritten Person sogar sehr amüsant. Zum Beispiel dieser Wortwechsel:


    „Er [Dr Weber aus Halle, 24] habe viele Fragen. Es sei sein größter Wunsch, sie Professor Gauß vorzutragen.

    Er habe wenig Zeit, sagte Gauß.

    Das möge sein, sagte Weber. Aber in aller Bescheidenheit, es sei nötig, und er sei nicht irgendwer.

    [...]

    Er solle ihn morgen nachmittag besuchen, sagte Gauß. Eine Stunde bekomme er, dann müsse er sich trollen“.


    Ich habe es jetzt nicht 100%ig überprüft, nur hier und da mal, aber aus meiner Sicht sind die geschilderten Erlebnisse und Charaktereigenschaften der Hauptpersonen authentisch. Gauß, der die Mathematik, die Wissenschaft, das Gescheite Verehrende, das unzulängliche Leben und die Dummheit Verachtende, der, der das Gefühl hat in der falschen Zeit zu leben. Humboldt, der Rastlose, allen Widerständen Trotzende, das Leben in allen seinen Facetten Verehrende. Ich hatte sie schon erwähnt: Die aberwitzige Sprache über die Absurditäten des Lebens. Wenn Gauß und Humboldt sich trocken wissenschaftlich über so manches Lebensdetail äußern ist das schon zum Lachen. Gauß regt sich über die langsam sprechenden Menschen auf, sie machten so viele Pausen beim Sprechen. Und er regt sich über seinen dummen Sohn Eugen auf, für dessen Gefangennahme aufgrund einer verbotenen Versammlung er nicht mehr übrig hat als ein Schulterzucken.

    Bemerkenswert fand ich auch die Tatsache, dass Gauß in seinen Schriften viel mathematisches Wissen aufgeschrieben hat, was er gar nicht veröffentlichte. Später erwiderte er auf die Mitteilung anderer Wissenschaftler, sie hätten XY rausgefunden, dass er das schon vor Jahren entdeckt hätte (was nachweislich stimmt!). Sein Lieblingsspruch: „Das sollen die Dummköpfe rausfinden“.

    Im Allgemeinen erfahren wir viel über die Ansichten dieser beiden großen Männer, darüber welche Meinung sie hatten über die Wissenschaft, die Notwendigkeit der Arbeit, den Krieg und das Reisen. Folgender Dialog über unterschiedliche Ansichten darüber, was Wissenschaft sei - zum Schießen:


    „Ach, rief Humboldt, was sei Wissenschaft denn dann?

    Gauß sog an der Pfeife. Ein Mann allein am Schreibtisch. Ein Blatt Papier vor sich, allenfalls noch ein Fernrohr, vor dem Fenster der klare Himmel. Wenn dieser Mann nicht aufgebe, bevor er verstehe. Das sei vielleicht Wissenschaft.

    Und wenn dieser Mann sich auf Reisen mache?

    Gauß zuckte die Schultern. Was sich in der Ferne verstecke, in Löchern, Vulkanen oder Bergwerken, sei Zufall und unwichtig. Die Welt werde so nicht klarer.“


    Die Schreib - und Erzählweise ist zwar komisch, schafft aber auch eine gewisse Distanz. Teilweise wirkt die Erzählung dokumentarisch, hier ein Erlebnis, da eine Äußerung, dort eine Episode, manchmal wirkt die Erzählung leer und zusammenhanglos.


    ### Fazit ###
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Fazit: Aus dem Leben zweier großer Naturforscher. Wie waren sie? Was haben sie geleistet? Wie haben sie die Welt gesehen?

    Zitat

    Er [Dr Weber aus Halle, 24] habe viele Fragen. Es sei sein größter Wunsch, sie Professor Gauß vorzutragen.

    Er habe wenig Zeit, sagte Gauß.

    Das möge sein, sagte Weber. Aber in aller Bescheidenheit, es sei nötig, und er sei nicht irgendwer.

    [...]

    Er solle ihn morgen nachmittag besuchen, sagte Gauß. Eine Stunde bekomme er, dann müsse er sich trollen

    Haha, "trolle er sich" :totlach:

    Zitat

    Ach, rief Humboldt, was sei Wissenschaft denn dann?

    Gauß sog an der Pfeife. Ein Mann allein am Schreibtisch. Ein Blatt Papier vor sich, allenfalls noch ein Fernrohr, vor dem Fenster der klare Himmel. Wenn dieser Mann nicht aufgebe, bevor er verstehe. Das sei vielleicht Wissenschaft.

    Und wenn dieser Mann sich auf Reisen mache?

    Gauß zuckte die Schultern. Was sich in der Ferne verstecke, in Löchern, Vulkanen oder Bergwerken, sei Zufall und unwichtig. Die Welt werde so nicht klarer.

    Der Fürst der Mathematiker zu Humboldt, Bescheidenheit habe man ihn wohl nicht gelehrt ;-D

    Zitat

    Einen ganzen Tag hatte er da gehangen [am Schiffsbug angebunden], von der Morgenstunde bis in die Nacht, das Okular des Sextanten vor dem Gesicht. Danach war er zwar leicht durcheinander, aber auch rot, erfrischt und fröhlich gewesen und hatte nicht begreifen können, warum die Matrosen im von da an für den Teufel gehalten hatten.

    😂

    ### Inhalt ###

    Es ist 1956, Walter „Homo“ Faber ist Ingenieur, Mitte 50 und arbeitet bei einem Unternehmen, die Turbinen einbauen, für deren Montage er verantwortlich ist. Zu diesem Zweck reist er viel zwischen Europa, Nord- und Südamerika. Auf einer spontanen Reise über den Atlantik von New York nach Europa lernt er eine dreißig Jahre jüngere Frau namens Sabeth kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und verbringen anschließend als Liebespaar Zeit zusammen, indem sie durch Südeuropa bis nach Griechenland reisen. Mittendrin in dieser ganzen Zeit hat er ein Gefühl, er sieht eine Ähnlichkeit zwischen Sabeth und Hannah, seiner ehemaligen Jugendfreundin, die er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Das letzte Mal als er sie beinahe geheiratet hätte, wenn sie nicht kurz vor der Trauung geflohen wäre. Ist Sabeth seine Tochter?


    ### Meinung ###

    Den Namen Homo Faber hat ihm seine Jugendfreundin Hannah gegeben. Er ist durch und durch Techniker, alles Emotionale, Lebendige, Mystische ist ihm zuwider. Alles, was sich nicht technisch kontrollieren lässt macht ihm geradezu Angst. Stellt er im Nachhinein fest, dass er sich mal emotional verhalten hat, schämt er sich dafür. Das Buch ist als Bericht verfasst aus der Sicht von Walter Faber verfasst, die Darstellung des Geschehens erfolgt in vielen Zeit- und Ortssprüngen, sodass sich zum Ende hin ein immer genaueres Bild ergibt. Als Leser nehmen wir quasi durchgehend an seinen Überlegungen teil, an seinem rationalen Verstand, der sich oft aus Langeweile an den Erscheinungen der Natur, den Verhaltensweisen der Menschen und des Lebens im Allgemeinen abarbeitet. Dabei ist es interessant, was er so denkt, die Erzählstimme, das Rationale, das umfassende Beschreiben, jedoch nicht Ausschweifende, kommt gut zum Ausdruck. Der Erzähler spricht viel, aber nicht langweilig. Teilweise ist es aber schon zum Lachen absurd, was er so denkt. Die Naturerscheinungen im mexikanischen Dschungel sind „klebrig" und „schleimig“. Oder über die Molche sagt er: „Was mir auf die Nerven ging: die Molche in jedem Tümpel in jeder Eintagspfütze ein Gewimmel von Molchen - überhaupt diese Fortpflanzerei überall, es stinkt nach Fruchtbarkeit, nach blühender Verwesung“ und über den menschlichen Körper spricht er als eine „Fehlkonstruktion“. Ein anderes Mal äußert sich Hannah nochmal wie ich finde geistreich und charakterisierend über Walter, der die "Technik als Kniff sehe, "um die Welt zu verdünnen", damit er sie "nicht erleben müsse", "die Weltlosigkeit des Technikers“.

    Unterm Strich wirkt das Buch so nüchtern wie die Hauptperson. Ein rationaler Mann, der sich zufällig ohne dass er es weiß in seine Tochter verliebt und dabei elaboriert er ausführlich im Geist über alles, was ihm begegnet.


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Fazit: Flotter kompakter Schreibstil über das Denken und Fühlen eines rationalen Mannes. Am Ende legt man das Buch zur Seite wie einen Homo-Faberschen Gedanken, um zum nächsten überzugehen.

    ### Inhalt ###

    André Heller, laut Wikipedia ein österreichischer Künstler und Kulturmanager, hat in diesem Buch insgesamt 18 Gesprächsprotokolle zwischen ihm und seiner Mutter Elisabeth Heller in ihrem 102. Lebensjahr kurz vor ihrem Ableben aufgeschrieben. Es geht in den Gesprächen um Rückblicke über das gemeinsam Erlebte, über die Familie, die Menschen, die die Familie kannte, über den Wandel von Kultur und Umgangsformen, die die alte Dame erlebt hat, einfach um alles Ungesagte und Bedeutende, was noch einmal gesagt werden muss, damit seine Mutter gelassen sterben kann.


    ### Meinung ###

    Ich interessiere mich schon länger für das Denken und Fühlen von sehr alten Menschen kurz vor ihrem Ableben. Dieses Buch ist eine reiche Fundgrube darüber, worauf es ankommt, wenn man zurückblickt. In dem Buch sind Fotos der Familie Heller, die meisten von Elisabeth Heller. In dem Buch unterhalten sich Mutter und Sohn. Das Buch ist teilweise ein Frage-Antwort-Spiel, teilweise ein Dialog, in dem beide ihre Gedanken zum Ausdruck bringen. Es scheint es Wort-für-Wort-Aufzeichnung zu sein. Im Allgemeinen kann man sagen, dass diese Gespräche zwischen Mutter und Sohn auch ein Abschiednehmen und ein Begleiten sind, bei dem Ungeklärtes und Ungesagtes nochmal ans Licht kommt und auch damit die Mutter nicht alleine ist in ihren letzten Tagen.

    Das Buch umfasst gerade mal um die hundert Seiten, aber es stecken so viele wichtige Ideen und Gedanken drin auch zwischen den Zeilen, dass es unmöglich ist, hier einen umfassenden Überblick zu geben. Ich gehe hier nur auf wenige interessante Einsichten ein, teilweise zitiere ich:


    Frau Heller hat mit Gott abgeschlossen, da er Kriege zugelassen hat. Das Feuer und der Lärm und die Explosionen hallen in ihr immer noch nach.

    Sie schämt sich, nichts gegen den Krieg gemacht zu haben. Sie erinnert sich an einen Fall, bei dem sie einem sterbenden Soldaten einen Kuss verweigert hat. Das wäre eine Geste gegen den Krieg und für den Frieden gewesen.


    Ihre Gebrechlichkeit ist sehr deprimierend für sie.


    Was würde sie anders machen, wenn sie nochmal am Anfang stünde? Arbeiten! Unabhängig, selbstbestimmt und frei von einem Mann sein.


    Nachrichten sind nur Wiederholungen von Dummheit und Hass und Neid.


    "Zum Altwerden braucht man Disziplin. Richtig schlamperte und unachtsame Leute werden nicht alt. Die Disziplin ist eine Paketschnur, die einen zusammenhält, vor allem die Gesundheit."


    "Man soll überhaupt sehr dankbar sein, dem Regen, dass er regnet, den Vogerln, dass sie fliegen und zwitschern, den Kastanienbäumen, dass sie so schön blühen, ist doch alles nicht selbstverständlich. Eigentlich ist gar nichts selbstverständlich."


    "Ich glaube Verständnis wäre gut, man ist oft unverständig."


    "Genießen ist gescheit, das Schöne auskosten"


    "Gütig sollte man sein, aufmerksam auch und sich nie für was besseres halten."


    "Stil und Manieren sind fast gänzlich abgeschafft"


    Was müssten Menschen dringend lernen: Bescheidenheit und Güte


    "Konsequent umzusetzen, was man bereits zutiefst als richtig und notwendig erkannt hat, ist oft sehr schwierig."


    "Es ist schrecklich wie manche Leute sich gehen lassen."


    Ihre Geliebten haben sich nie zu ihr bekannt. Sie hatte nie vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen. Aus ihrer Sicht ein bedauerliches Versäumnis.


    "Ich war zu wenig eigenständig sichtbar."


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Eine reiche Fundgrube tiefer Einsichten einer Frau, die über hundert Jahre gelebt hat.

    ### Inhalt ###
    Die Canary Road in Montary in der Nähe von Salinas in Kalifornien wird bewohnt von Menschen am Rande der Gesellschaft als da wären: Mack und seine Bande Herumtreiber, aber mit Herz für ihre Freunde, Lee Chong, der einzige Ladenbetreiber in der Straße und daher wichtigster Mann im Dorf, der klügste von allen, der Doc, der selten die Nase aus seinem Labor streckt und wenn dann nur um in tagelangen Streifzügen das Meer nach allerhand Getier abzusuchen, um es in seinem Labor zu präparieren, der Künstler Henri, der schon seit Jahrzehnten an seinem Boot rumzimmert, Dora, die Dirnenhausbetreiberin und die Ströme von Fischersleuten und Soldaten, die beizeiten die Straßen auf - und abschwappen. Mack hat einen Plan: Er will Doc eine Freude machen. Eine Party zu seinen Ehren soll es werden, weil Doc so ein feiner Kerl ist, der jedem in der Straße schonmal aus der Patsche geholfen hat. Doch der Versuch geht gründlich in die Hose und der Haussegen in der Straße hängt gehörig schief. Schaffen es die Einwohner der Ölsardinenstraße doch noch ein Lächeln auf Docs Gesicht zu zaubern?


    ### Meinung ###
    Die personale Erzählerstimme ist voller Liebe für ihre Gestalten, von denen sie erzählt. Der Schreibstil ist speziell, ich würde ihn wohl unter vielen anderen wiedererkennen. Teilweise bodenständig raubeinig, teilweise lyrisch poetisch spricht sie von den Bewohnern der Canary Road, von vielen kleinen Ereignissen, die sich um die Haupthandlung, der Organisation einer Feier für Doc, spinnen, von Episoden aus dem Leben der Bewohner, sogar den Bemühungen irgendeines Eichhörnchens eine Familie zu gründen ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Es ist zum Beispiel die Rede von einem Doktor in der Nähe in einer anderen Stadt, der gut zahlende Kundschaft einbalsamiert und deren Gedärme in einen Wasserschacht schmeißt, von Flaggemastläufern zu Werbezwecken. Steinbeck liebt das skurrile fantastische wie „Bier-Milchshakes“, die der Doc liebt, sich aber nicht traut zu bestellen. Seine Gestalten und deren Verhalten sind meiner Meinung nach oft komödiantisch überzeichnet, da wird nicht geweint, sondern geheult wie ein Hofhund. Es gibt witzige Wortspiele wie "Wellen die lind den Strand lecken“ oder „Ehekrüppel", die sich für die Ehe immer wieder aufs neue ruinieren. Das alles macht den Roman besonders.

    Mack und seine Truppe bekommt es auf Teufel komm raus nicht hin, einen einfachen Auftrag auszuführen. Trotzdem bezeichnet Doc sie als die wahren Filosofen mit Herz, die verstanden hätten wie die Welt funktioniert: „Mack und die Jungens - Glückseligkeiten und Schönheit und Tugenden“. Auf eine der ersten Seiten lässt sich der Erzähler seitenweise lyrisch kryptisch über die Mackbande aus, was für feine Leute das doch im Geiste sind. Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Mack und seine Kumpels würden heute wahrscheinlich als Punks auf der Straße rumlungern, hätten keine Lust auf Arbeit, nähmen sich was und von wem sie wollten und betrügten, wo sie könnten und das mit sorgloser Leichtigkeit. Es ginge schließlich darum für einen Freund was zu erledigen.


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Abbild des bunten vielseitigen Treibens der Bewohner am Rande der Gesellschaft in einer Straße in Montary, die am Ende des Tages zusammenhalten und füreinander da sind. Mir persönlich ist der Lobgesang auf das Gammlertum etwas zu huldvoll.

    ### Inhalt ###

    Nellie Cathey lernt durch ihre Tante Lydia als kleines Kind Myra Henshawe, geborene Driscoll kennen, nachdem diese sich für einen zweitägigen Besuch angemeldet hat. Aus Erzählungen weiß Nellie, dass Myra von allen im Dorf Pathia im Süden von Illionois bewundert wird und wurde. Sie kommt aus reichem Hause und hat sich gegen den Wunsch ihres Großonkels John Driscoll für Oswald Henshawe entschieden, der aus Sicht Johns ein Verlierer ist. Infolgedessen enterbt John sie. Nellie beschreibt in der Folge die Entwicklung der der beiden Hauptpersonen Oswald und Myra und deren Ehe, die sie durch Besuche in New York und nachfolgende Begegnungen im Westen der USA mitbekommt.


    ### Meinung ###

    Als Leser erfahren wir viele Details über die Hauptcharaktere durch die Erlebnisberichte Nellies. Wir erleben in einigen eindrücklichen Szenen und Dialogen, was für Menschen Oswald und Myra sind. Die junge leidenschaftliche Liebe hat sie in die Ehe geführt, in der am Ende Myra zu ersticken droht. Myra liebt die Künstlerszene, die Schauspieler, Schriftsteller, Maler, mit denen sie sich gerne in ihren Hausparties umgibt. Oswald zuliebe akzeptiert sie auch Zusammenkünfte mit reichen Geschäftsleuten aus dessen Umfeld. Nicht direkt, aber durch ihr äußeres Gebaren, ihre Mimik und Sprechweise stellt sie ihre Abneigung diesen Kreisen gegenüber eindrücklich zur Schau. Vor den Augen des Leser entsteht das Bild einer Frau, die zutiefst zerrissen und unzufrieden ist. Sie kann nicht das Leben führen, dass sie leben will, ein Leben in dem sie frei von äußeren materiellen Zwängen wäre, ein Leben in dem sie die Menschen um sich haben kann, die sie liebt. Im Laufe der Geschichte verarmt das Ehepaar, da Oswald immer schlechtere Stellen annehmen muss. Eine zentrale Rolle des Romans scheint mir die Beziehung und ihre Entwicklung zwischen Oswald und Myra zu sein. Einerseits stellt sich früh heraus, dass die beiden nicht zueinander passen, was die Protagonistin auch in einer Stelle des Romans zum Ausdruck bringt, in dem sie sagt: "Es hat uns beide zerstört. Wir haben uns gegenseitig vernichtet. Ich hätte bei meinem Onkel bleiben sollten. Geld und Reichtum, das brauche ich. Wir haben unser beider Leben weggeworfen." und "Ich war schon immer eine habgierige oberflächliche Frau; ich war nie zufrieden". Oswald hingegen betont die unglaublich schönen Jahre, die sie miteinander hatten und das er sich keine andere Frau hätte vorstellen können.


    Der Titel ist für mich nicht ganz schlüssig. Wer ist der ärgste Feind, von dem Myra spricht? Der Ehepartner? Sie selbst?


    ### Fazit ###

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Das Leiden der Menschen, die an der Bildung, den Ideen und der Kunst hängen und darüber vergessen, dass ein Großteil des Lebens darin besteht auch für das Materielle zu sorgen.