Beiträge von eigenmelody

    216. Welches Buch habt Ihr als letztes spontan beim Stöbern in einer Buchhandlung/einem Onlinehändler entdeckt und gekauft?


    Ich hatte soeben London. The Biography von Peter Ackroyd beendet und dachte, dass ich gern etwas Ähnliches über Berlin lesen würde. Da fiel mir dieses Buch beim Online-Shoppen in die Hände.

    215. Welches Buch möchtest du als nächstes lesen?


    Zitat Goethe:

    „Die Deutschen sind wunderliche Leute! Sie machen sich durch ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen und überall hineinlegen, das Leben schwerer als billig. Ei, so habt doch endlich einmal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben, euch ergötzen zu lassen, euch rühren zu lassen, euch erheben zu lassen. Da kommen sie und fragen, welche Idee ich in meinem ‚Faust’ zu verkörpern gesucht. Als ob ich das selber wüsste!“

    Zitatende


    In den letzten Tagen war im Forum so oft die Rede vom Faust-Mythos, dass ich Goethes Beitrag zum Thema mal wieder lesen muss. Aber ich glaube, ich werde es auch diesmal nicht lassen können, mich und ihn nach der Idee dahinter zu fragen.

    214. Ein Buch, das du zur Zeit liest


    Theodor Fontane hat sechzig Jahre lang in Berlin gelebt und den Aufstieg zur Haupt- und Weltstadt miterlebt. Er war trotzdem nicht immer begeistert von Berlin und den Berlinern. In vielen Texten, Briefen, Essays, Erzählungen oder Theaterkritiken, hat er über Berlin geschrieben. Dieses Buch versammelt eine große Anzahl solcher Äußerungen und gibt damit einen wunderbaren Überblick, wie man "damals dort so lebte".

    213. Welcher Charakter (m/w/d) war dir diesen Monat am unsympathischsten?


    Der historische Athanasius Kircher war ein deutscher Universalgelehrter des 17. Jahrhunderts.


    In Tyll tritt er als erbarmungsloser Hexenverfolger und Drachenjäger auf. Während es ihm niemals gelingt, einen Drachen auch nur zu sichten, lässt er zahlreiche unschuldige Menschen als Hexen töten.

    212. Welcher Charakter (m/w/d) war dir diesen Monat am sympathischsten?


    Die zentrale Figur aus diesem Buch: Alicia Gris. Sie arbeitet als Agentin bei einer Behörde von zweifelhaftem Ruf und hat sich viele Meriten verdient, weil sie ebenso klug wie stark ist. Aber auch sie kommt in diesem Fall an ihre Grenzen.

    211. Ein Titel, der aus 5 Wörtern besteht


    Ein sehr witziges Buch.


    Zitat Amazon:

    Ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines »Zeit-Reise-Kompasses« in die heutige Zeit. Er überspringt nicht nur tausend Jahre, sondern landet auch in einem völlig anderen Kulturkreis: in einer modernen Großstadt, deren Name in seinen Ohren wie Min-chen klingt und die in Ba Yan liegt.

    Zitatende



    203. Welches Buch hat Dich 2019 völlig überrascht – gleich ob positiv oder negativ?


    Von den französischen Klassikern lese ich manche extrem ungern: Balzac und Stendahl z. B. werden mir für immer fremd bleiben. Und so bin ich auch an Guy de Maupassant nur mit Zögern herangegangen. Dieser Novellen-Band stand ewig lang auf dem Regal meiner ungelesenen Bücher, bis ich ihn letztes Jahr dann doch einmal herausgenommen habe. Und das war dann eines meiner großen Überraschungserlebnisse. Die Geschichten sind originell, haben Charakter und Kraft. Die Sprache ist klar und unzweideutig.

    Ich habe nur diesen Band IV, aber die anderen werde ich auch irgendwann kaufen.

    Was mich an dem Buch beeindruckt, ist die Tatsache, dass Eugen Ruge niemals urteilt. Die Episode des 90. Geburtstages seines Stief-Großvaters wird mehrmals geschildert, jeweils aus einer anderen Perspektive. Und jedesmal gesteht er dem jeweiligen "Erzähler" zu, dass seine Wahrheit möglicherweise die richtige ist. Aber Ruge weiß, dass es weniger die Wahrheit ist, die Menschen schildern, sondern immer nur Wahrnehmungen. Wahrnehmungen, die sich noch dazu über die Jahre oder Jahrzehnte hinweg verändern, bis der Kern des Erlebten oder Wahrgenommenen nur noch ein Trugbild zu sein scheint. Dadurch kann etwas Neues, Vages entstehen, das z. B. aus einem feigen Beobachter einen wichtigen Handelnden werden lässt, der mit einer zentralen historischen Lichtgestalt wie Liebknecht im Beiwagen Motorrad gefahren ist und die DDR mitbegründet hat.

    Durch einen derart souverän erzählten Roman lerne ich mehr über die frühere DDR als durch jedes der vielen Sachbücher, die ich zu dem Thema gelesen habe. Was diese Wirkung betrifft, erinnert er mich an "Der Turm" von Uwe Tellkamp, dem Wenderoman schlechthin - wie ich finde. Nur dass der sperriger zu lesen ist, aber nicht weniger brillant.