Beiträge von Lelo2

    Ich bin da ganz bei dir, was das angeht. Da der dunkle Lord mein Erstlingswerk ist, kann ich natürlich nicht sagen, ob sich das Verhältnis Beteiligung/Nichtbeteiligung grundsätzlich in diesem Rahmen bewegt. Was ich aber gehört/gelesen habe, trifft das in etwa zu. Dagegen tun kann man nicht viel. Ich habe die, die sich nicht beteiligt haben, höflich angeschrieben. Eine Gewinnerin hat zurückgeschrieben, dass sie sich beteiligen wird, hat es aber nicht getan, von den anderen kam keine Rückmeldung. Ich könnte sie natürlich jetzt noch von den Administratoren diesbezüglich anschreiben lassen, aber ganz ehrlich: Wenn man jemand nur mit Druck zur Teilnahme bewegen kann, dann hat es meiner Meinung nach eh keinen Sinn. Ich habe also für mich entschieden, mich über die engagierten Teilnehmer, die ja deutlich in der Überzahl sind, zu freuen und die anderen, die nur das Buch mitgenommen haben, auszublenden. Funktioniert soweit ganz gut :lol:

    Das ist eine tolle Einstellung, mit der du dir selbst doch deine Freude bewahrst.

    Mir hat diese Leserunde auf jeden Fall Freude bereitet und deshalb nochmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

    "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens ist eins meiner persönlichen Buchhighlights in diesem Jahr!



    Ich habe lange überlegt, wie ich die Rezension so schreiben kann, dass sie diesem besonderen Werk gerecht wird. Fünf Punkte erscheinen mir hier nicht genug, ich hätte gern mehr vergeben. Klare Leseempfehlung schon an dieser Stelle!


    Delia Owens hat einen Roman voller wunderschöner - fast schon poetischer - Sprachbilder geschaffen, dem trotzdem eine gewisse Spannung anhaftet und das Lesen zu einem besonderen Ereignis macht. Die Autorin versteht es wirklich mit Sprache umzugehen und prägt wunderschöne Sätze. Auch die beiden Übersetzer, die diesen Roman aus dem amerikanischen Englischen übersetzt haben, scheinen sehr gute Arbeit geleistet zu haben.


    "Irrationales Verhalten, um eine Leere zu füllen, bringt keine wirkliche Erfüllung. Wie viel gibst du auf, nur um nicht einsam zu sein?"

    Vor dieser Frage sieht sich, Kya - das Marschmädchen - immer wieder. Mit sechs Jahren wird sie von ihrer Mutter bei ihrem gewalttätigen, alkoholkranken Vater zurückgelassen. Nachdem auch er eines Tages nicht mehr zurück kommt, ist Kya in den Weiten des Marschlandes ganz auf sich allein gestellt. Kann sie anderen Menschen vertrauen? Nähe zulassen? Gar jemanden lieben? Es ist wunderschön, emotional und bewegend Kya aufwachsen zu sehen und dieses besondere, starke und intelligente Mädchen dabei zu begleiten, wie sie versucht ihren Platz in der Welt zu finden. Dabei werden die Tiere und die Pflanzen des Marschlandes sehr detailliert und intensiv beschrieben. Es ist leicht, sich selbst darin wiederzufinden und mit Kya durch diese Wildnis zu streifen. Besonders ist auch, wie Kya Parallelen aus dem Verhalten der Tiere für sich ableitet und von diesen lernt, wie sie sich verhalten sollte. Sie entwickelt eine berührende, beeindruckende Nähe zu den Tieren in ihrer Umgebung, sorgt sich rührend um sie und bekommt von diesen dafür viel zurück.


    Während der Leser in den detaillierten Bildern abtaucht und Kya immer besser kennenlernt, wird gleichzeitig von Beginn an ein zweiter Handlungsstrang entwickelt. Chase Andrews wird von zwei kleinen Jungen Tod in der Marsch aufgefunden. Kya gerät schnell in den Fokus des Dorfgetratsches. Voller Spannung wartet man beim Lesen darauf, wie diese beiden Geschichten zusammenhängen und ob Kya wirklich etwas damit zu tun hat.


    Einige der Nebenfiguren sind ebenfalls toll beschrieben und charakterisiert. Auf eine unaufdringliche, zurückhaltende Art unterstützen sie Kya beim Erwachsenwerden und stehen auch später zu ihr, als viele sie für eine Mörderin halten. Es hat mich sehr berührt, wie sie leise für das Gute einstehen und das, ohne sich selbst in den Vordergrund zu rücken. Sie machen großen Mut und helfen den Glaube an Mitmenschlichkeit und Selbstlosigkeit zu bewahren.


    Dieses Buch ist ein schillerndes, facettenreiches Buchjuwel, das berührt und die Natur feiert. Wunderschön und für jeden zu empfehlen.

    "Der dunkle Lord vom Kinderhort" von Andreas Langer ist ein Buch, das sich an Kinder im Grundschulalter zwischen 8 bis 10 Jahren richtet.


    Bereits das Cover macht neugierig und stimmt gut auf die Geschichte ein. Die Zeichnungen sind sehr vereinfacht, aber dennoch detailliert. Es gibt einiges zu entdecken und durch die Klobürste am oberen Rand ist der Leser gleich gespannt, was es damit wohl auf sich hat. Zusammen mit dem Titel ist gleich klar, dass im Hort was nicht stimmt.


    Für den potentiellen Leserkreis hätte ich es gut und passend gefunden, wenn auch in der Geschichte selbst Zeichnungen vorhanden wären. Die Handlung bietet sich dafür an und der Lesegenuss und das Interesse für die Geschichte hätte dadurch um ein vielfaches gesteigert werden können.


    Der Text ist im Flattersatz geschrieben und verzichtet bewusst auf Worttrennungen, um Neulesern das Erfassen des Textes zu erleichtern. Leider hat der fehlende Blocksatz das Lesen sehr erschwert und teilweise ist man in den Zeilen verrutscht. Kinder- und Jugendbücher mit einem ruhigen, klaren Schriftbild sagen mir mehr zu. Aber dies hängt mit den persönlichen Vorlieben zusammen und schmälert den Wert der Geschichte nicht im Geringsten.


    Ich habe den Schreibstil als sehr passend für den potentiellen Leserkreis empfunden. Kinder im Grundschulalter können die Sprache gut lesen und auch für Eltern ist es eine angenehme Sprache, da sie die Geschichte fantasievoll und lebhaft vorlesen können.


    Die vier Hauptpersonen - Lukas, Jakub, Gabriele und Selim -, die auch auf dem Cover wiederzufinden sind, werden sehr gut beschrieben. Es wird den jungen Lesern leicht gemacht, sich alle Vier genau vorzustellen. Dadurch besteht die Möglichkeit sich mit einem oder mehreren von ihnen zu identifizieren, weil Gemeinsamkeiten entdeckt werden können. Gerade ihre Unterschiedlichkeit finde ich wunderbar, da so jeder der jungen Leser einen Bezug zu einem der Vier entwickeln kann und sich so in die Geschichte hinein versetzen kann.


    Fridolin Dunkel, den Neuen in der Hort-Gruppe, finde ich ebenfalls gut dargestellt. Der Name ist Programm, Er wird wunderbar als Anti-Held heraus gearbeitet, der mit seinem Verhalten Unruhe in die Hort-Gruppe bringt und dabei auch zu ganz schön drastischen Mitteln greift.


    Das Buch nimmt trotz vieler Differenzen ein versöhnliches Ende. Ich bin der Meinung, dass Kinder im Grundschulalter noch nicht zwingend mit der Realität von fehlenden HappyEnds konfrontiert werden müssen und deshalb hat mir dies gut gefallen.


    Die Geschichte selbst bietet gute Ansätze, um mit seinen Kindern ins Gespräch zu kommen und dabei über Mobbing, die richtigen Ansprechpartner bei der Bitte um Unterstützung, das Vergelten von Unrecht mit eigenem Unrecht, den Wert von Freundschaft und Kommunikation und Verständnis für andere und Vergebung zu sprechen. Aus meiner Sicht ist diese Geschichte weniger zum Selbstlesen geeignet, da die Vier aus dem Hort selbst nicht alles richtig angehen und es deshalb eine kindgerechte Reflexion der Geschehnisse geben sollte.


    "Der dunkle Lord vom Kinderhort" ist ein gelungenes Buch für Kinder im Grundschulalter. Die große Stärke liegt für mich darin, dass auf angenehm zu lesende Weise das Thema Mobbing aufgegriffen und gleichzeitig der Wert von Freundschaft und auch Verzeihen verdeutlicht wird

    Bei meiner Leserunde bei Lovely Books war es so, dass sich zwei Drittel der (dort 15) Gewinner fleißig beteiligt haben, vom restlichen Drittel kam nichts... Mal sehen, was hier noch passiert.

    Kann man da als Autor nichts machen? Ich habe dies auch schon ein paar Mal beobachtet und finde dies ausgesprochen schade, wenn nicht fast respektlos. Immerhin nehmt ihr euch die Zeit mit uns über eure Werk, die Entstehungsgeschichte und Hintergründe zu sprechen. Es ist jedes Mal sehr interessant und eine große Bereicherung. Zudem erhält der Leser ein kostenloses Exemplar, da sollte es doch selbstverständlich sein, als Dank eine Rezension zu verfassen und an der Leserunde teilzunehmen.

    Zu den Nebenfiguren :

    Frau Jeske finde ich gut herausgearbeitet. Sie scheint eine junge, motivierte Erzieherin zu sein. Ich finde es schön, dass sie eine gute Basis zu den Hortkindern hat. Sie ist empathisch, sympathisch und versucht wirklich einen guten Job zu machen und mit den gegebenen Möglichkeiten (Personalmangel, Finanzprobleme) den Kindern eine schöne Zeit im Hort zu bieten.


    Frau Matz hingegen bildet ein stückweit den Gegenpart. Sie trägt eine größere Verantwortung, ist schon dienstälter und dadurch etwas strenger mit den Kindern. Es wäre schön gewesen, wenn sie etwas mehr auf die Schwierigkeiten zwischen Fridolin und dem Vierer-Gespann geachtet hätte. Dennoch bildet es wohl die Realität ab und ist für die Geschichte stimmig.

    Zu den Hauptfiguren:

    Lukas, Jakub, Gabriele und Selim sind sehr gut beschrieben. Zusätzlich zu der Zeichnung auf dem Cover, vermittelt auch der Text ein Bild von ihrem Aussehen und natürlich auch von ihren Charakteren, das es leicht macht, sich alle vier genau vorzustellen. Dadurch besteht die Möglichkeit sich mit einem oder mehreren von ihnen zu identifizieren, weil Gemeinsamkeiten entdeckt werden können. Gerade ihre Unterschiedlichkeit finde ich wunderbar, da so jeder der jungen Leser einen Bezug zu einem der Vier entwickeln kann und sich so in die Geschichte hinein versetzen kann.


    Fridolin Dunkel finde ich ebenfalls gut dargestellt. Der Name ist Programm, wie auch von Lukas bemerkt wird. Er wird wunderbar als Anti-Held heraus gearbeitet, der mit seinem Verhalten Unruhe in die Hort-Gruppe bringt und dabei auch zu ganz schön drastischen Mitteln greift. Große Teile des Buches habe ich mich gefragt, wann es eine plausibel Erklärung für sein Verhalten gibt und war dann sehr erleichtert über das versöhnliches Ende. Ich bin der Meinung, dass Kinder im Grundschulalter noch nicht zwingend mit der Realität von fehlenden HappyEnds konfrontiert werden müssen und deshalb hat es mir gut gefallen, dass es eine Entschuldung durch Fridolin und ein langsames Annähern mit der Vierer-Truppe gab.

    Mit etwas Abstand zu den vorherigen Beiträgen, möchte ich jetzt abschließend meine Gedanken zusammenfassen und dann im Anschluss auch die Rezension veröffentlichen.

    Zum Schreibstil:

    Ich habe den Schreibstil als sehr passend für den potentiellen Leserkreis empfunden. Kinder im Grundschulalter können die Sprache gut lesen und auch für Eltern ist es eine angenehme Sprache, da sie die Geschichte fantasievoll und lebhaft vorlesen können. Aus meiner Sicht ist der Schreibstil gut gelungen.

    Zitat

    Ich habe das Buch so empfunden, dass es eine ganze Weile Möglichkeiten gab, Hilfe bei Erwachsenen zu finden in der schwierigen Situation und dass die Chance an einem bestimmten Punkt vorbei war. Das Thema "Hilfe holen ist kein Petzen" und "schlechte Geheimnisse" durchzieht ja ein ganzes Kinderleben seit der Kindergartenzeit. Interessant wird es, wenn Kinder das Gehörte umsetzen sollen.


    Welchen Punkt sehen denn die anderen als "No-Return"?

    Ich habe es nicht so empfunden, dass irgendwann keine Hilfe von Erwachsenen mehr möglich war. Die Vier haben sich anders entschieden. Vielleicht auch, weil sie bisher nicht viele Erfahrungen gemacht haben, wie Streit und Mobbing begegnet werden kann. Ich bin überzeugt, dass man vieles mit seinen Kindern bewältigen kann, wenn man im offenen Austausch bleibt und auf Zwischentöne, leichte Verhaltensänderungen achtet.

    Für mich gibt es immer die Möglichkeit Hilfe zu suchen.

    "Die englische Fürstin - Zwischen Glanz und Rebellion" ist der beste historische Roman, den ich seit langem gelesen habe.


    Man merkt deutlich mit wieviel Hingabe und Einsatz die Autorin Sabine Weigand Recherchen für diesen Roman betrieben hat. Dieser Einsatz hat sich gelohnt und zu einem wundervollen und würdigen Roman über das Leben der Fürstin Daisy von Pless beigetragen. Mich begeistert zudem der Sprachstil der Autorin und ihre Fähigkeit geschichtliches von der ersten bis zur letzten Seite spannend, mitreißend und berührend darzustellen.


    Sabine Weigand verwendet verschiedene Stilmittel, um die Geschichte zu erzählen.

    Die Handlung wird immer wieder ergänzt durch Passagen im Tagebuchform, wo Daisy selbst zu Wort kommt, Zeitungsausschnitte, Briefe und Telegramme. Das gefällt mir besonders gut, weil es verschiedene Perspektiven und Sichtweisen ermöglicht, Zeugnis über den damaligen Zeitgeist gibt und die Handlung auffrischt und vorantreibt.


    Toll ist auch, dass parallel zu Daisys Leben auch die Geschichte von Joschi erzähl wird. Er ist ein Kind aus einer Stollenarbeiterfamilie, der mit 9 Jahren Verantwortung für seine vierköpfige Familie übernehmen muss, nachdem sein Vater bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen ist. Dieser zweite Handlungsstrang zeigt feinsinnig die Unterschiede zwischen dem Leben der Adels- und der Arbeiterklasse.

    Die zeithistorischen Lebensbedingungen für Frauen, für Dienstboten, für die nichtadelige Bevölkerung finde ich wunderbar in den Roman eingeflochten und ist sehr interessant dargestellt.


    Außerdem erfährt der Leser interessante Hintergründe über den 1. Weltkrieg, durch die ich mein Wissen noch erweitern konnte. Trotz der schrecklichen Zustände während des Krieges hat Daisy von Pless sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf beeindruckende Weise eingesetzt, um etwas von dem großen Leid abzumildern. Dieser Roman hat ein bewegendes Persönlichkeitsportrait geschaffen. Die Autorin selbst prägt in ihrem Werk folgenden Satz:


    "Diesen Weg vom unbedarften jungen Mädchen hin zu einer reifen Frau, die weiß, was sie will und das auch durchsetzt, habe ich verfolgt und dabei Hochachtung vor der Persönlichkeit Daisy von Pless gewonnen."


    Die von Sabine Weigand ausgedrückte Hochachtung vor der Persönlichkeit Daisy von Pless empfinde ich ganz genau so. Und ich bin sehr froh, dass diese in diesem Roman gewürdigt wurde.


    Sabine Weigand ist ein ganz besonderes Werk gelungen, das ein wahrer Lesegenuss ist und mich tief bewegt hat. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch lesen durfte und habe ebenfalls Hochachtung vor der schriftstellerischen Leistung der Autorin.


    "Die englische Fürstin - Zwischen Glanz und Rebellion" kann ich jedem Leser historischer Romane, aber auch jedem der ein Werk sucht, dessen Hauptfigur bewegt, mitreißt und bleibenden Eindruck hinterlässt, empfehlen. Es ist ein ganz besonderer Roman, den es lohnt zu lesen!