Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Buchdoktor

    Klappentext (hinteres Cover)

    Damals lag die Zukunft noch in vager Ferne,

    und für meine Träume wusste ich noch keinen Namen.

    Oft ging ich weite Wege allein, und wenn ein Wind aufkam, fühlte ich mich wie ein abgefallenes Blatt.

    Beim Blick zum Sternenhimmel fragte ich mich: Ist von irgendwoher auf der Welt gerade jemand unterwegs zu mir?

    So wie das Licht eines Sterns zu einem anderen Stern.

    Dann bist du gekommen. Und wieder gegangen.

    In Erwartung der Jugend haben wir uns verpasst.

    Ein Blick zum Sternenhimmel, und die Welt wird ungeheuer groß …

    Wo es Schatten gibt, da gibt es Licht.


    Die Sternennacht ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Ein einsames junges Mädchen trifft auf einen schweigsamen Jungen. Beide sind keine glücklichen Kinder, in ihren Elternhäusern mangelt es an Wärme und Zuwendung, in der Schule sind beide Aussenseiter.Eines Tages beschließen die beiden, gemeinsam die Stadt zu verlassen und damit dem schulischen Druck und der Enge des Elternhauses für eine Weile zu entfliehen und in die Berge zu fahren, wo das Mädchen bei ihren verstorbenen Großeltern die ersten Lebensjahre verbracht hatte. In einer Nacht in den Bergen sehen die beiden den allerschönsten, strahlenden Sternenhimmel. Wieder zurück in der Stadt wird das Mädchen krank, und der Junge zieht mit seiner Familie aus der Stadt weg. Das Mädchen wird den Jungen nie wieder sehen, aber ihre Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit bleiben - den strahlenden Sternenhimmel, den sie in jener Nacht erlebten, wird sie nie vergessen.


    Dieses Buch ist allen Kindern gewidmet, die der Welt fremd gegenüber stehen.



    Der Autor

    Jimmy Liao (chinesisch 廖福彬/Liào Fúbīn, geboren am 15. 11.1958 in Yilan/Taiwan) ist ein taiwanischer Illustrator und Bilderbuchautor. Jimmy entspricht phonetisch seinem chinesischen Künstlernamen 幾米 (Jǐmǐ). Jimmy Liao veröffentlichte 1998 im Alter von 40 Jahren seine ersten Werke. Auslöser für sein kreatives Schaffen war ein Kampf gegen Leukämie, den er nur knapp überlebte. Sein erstes Bilderbuch sollte eigentlich bloß ein Abschiedsgeschenk an seine Familie sein, bildete aber den Start für eine fulminante Karriere. Häufige Themen in seinen Büchern sind Einsamkeit, Isolation, Abschiednehmen, ungestillte Sehnsucht nach Glück und die Flüchtigkeit jeden menschlichen Glücks. Die Figuren sind oft Kinder, die entfremdet sind von ihrer Umgebung. Seine Bilderbücher für Erwachsene sind in viele Sprachen übersetzt worden. Viele seiner Werke sind zu Musicals, Fernsehspielen oder Filmen umgeschrieben worden. Der Zeichentrickfilm Der lächelnde Fisch auf der Grundlage seines gleichnamigen Bilderbuchs gewann auf der Berlinale 2006 den Spezialpreis des Deutschen Kinderhilfswerks. 2003 wurde er von der Zeitschrift Studio Voice zu einem der „55 kreativsten Köpfe Asiens“ gewählt. 2007 widmete ihm der Discovery Channel als einer von sechs herausragenden Persönlichkeiten Taiwans ein Porträt.


    Inhalt

    Die kleine Icherzählerin mit dem gerade geschnittenen Pony lebte als kleines Kind bei ihren Großeltern in den Bergen und vermisste ihre Eltern, die in der Stadt arbeiteten. Sie hat eine blühende Fantasie, die offenbar von den Großeltern gefördert wird. Das Betrachten des Bilderbuchs wird so zu einer Reise durch eine fantastische Welt, in der sich ein Elefant hinter einem Vorhang versteckt, farbenfrohe Reptilien herum klettern und ein Orca durch eine Schüssel pflügt, während Opa und Enkelin ungerührt in Zeitung und Comic blättern. Auf den zweiten Blick entdeckt man auf jeder Seite weitere farbenfrohe Details, bis der Blick auf die Gemälde an den Wänden fällt … oder auf die Fußböden … Eine wichtige Rolle spielen wildwuchernde Pflanzen, Blicke aus dem Fenster und eine fantastische Tierwelt, in die sich die Kleine wegzaubert. Die Konzentration auf das Mädchen vermittelt eine Atmosphäre der Einsamkeit und der Distanz zur beschäftigten Mutter.


    Ein neuer Junge scheint ebenfalls ein Einzelgänger und so einsam zu sein wie sie. Beide Kinder würden gern vor dem Druck der Schule und dem Spott anderer Kinder flüchten und durchqueren mit dem Rucksack auf dem Rücken eine märchenhafte Welt. Gemeinsam erleben sie einen fantastischen Sternenhimmel vor atemberaubendem Blau. In dieser Szene könnte man die Kinder für die letzten Menschen dieser Welt halten. Als der Junge längst weggezogen ist, enthüllt sein Zimmer im Haus der Großmutter eine riesige handfeste Überraschung: Er war die ganze Zeit ein Zauberer.


    Fazit

    Jimmy Liaos Bilderbücher sind von gewaltiger Farbkraft, „Die Sternennacht“ beeindruckt damit, dass sich beim wiederholten Betrachten stets Neues entdecken lässt.


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    ... Wie sie uns durchs Leben dirigieren, wie sie Stimmung machen und wie wir damit umgehen


    Klappentext/Verlagstext
    Von Pubertät bis Wechseljahre - die Macht der Hormone

    Hormone dirigieren den Menschen, seinen Kopf und seinen Körper, ein Leben lang und insbesondere in Umbruchphasen: vom Kind zum Erwachsenen, von der Frau zur Mutter, von der Fruchtbarkeit in die Wechseljahre. Hormone steuern aber auch unsere Stimmungen. Und besonders zu schaffen machen sie uns, wenn sie zusammen mit anderen Faktoren Krankheiten wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder gar Depressionen erzeugen.

    Die Journalistin Nataly Bleuel hat den Hormonen nachgespürt. Sie hat Frauen (aber auch Männer) aller Altersgruppen nach ihren Erfahrungen befragt und Ärzte und Fachbücher zu den Fakten: Welche Botenstoffe gibt es, wie funktionieren sie, wie wirken sie auf uns – und vor allem: Wie machen wir uns frei von dem, was ihnen kulturell und gesellschaftlich zugeschrieben wird? Denn, so die These, die Bleuel aufstellt und mit neuesten Forschungsergebnissen unterfüttert: Hormone sind auch ein soziales Konstrukt. Entstanden ist eine unterhaltsame wie anregende Anleitung zum kritischen Beobachten und Lesen dessen, was in unseren Körpern und Köpfen passiert, und wie wir damit umgehen.


    Die Autorin
    Nataly Bleuel, geboren 1967, war nach dem Studium an der Henri-Nannen-Schule für Journalismus und bei Spiegel Online. Sie ist freie Reporterin und Autorin und schreibt u.a. für Zeit, Geo, Brigitte, Stern, Merian und die Süddeutsche Zeitung. Für ihre Recherchen zum Thema Organspende wurde sie mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Sozialpreis.

    Inhalt

    Die Journalistin Nataly Bleuel steigt im Vorwort auf kürzestem Weg ins Thema ein: Sie selbst reagiert in der Konfrontation mit einem Pubertierenden gereizt. Mutter und Jugendlicher müssten sich eigentlich im genervten Gegenüber wiedererkennen können. Diese Erschöpfung kombiniert mit Traurigkeit und einer Prise Euphorie können Betroffene oft selbst nicht ausstehen und leiden daran, ihr ausgeliefert zu sein.


    Bleuel legt ihr Sachbuch an wie eine Talkshow aus Laien und Experten. In unterschiedlicher Besetzung treffen sich betroffene Gesprächspartner/innen verschiedener Generationen zu einem moderierten Austausch eigener Erfahrungen und Einschätzungen. Die Autorin trägt anschließend Fakten zum Thema bei. Themen der Diskussionen sind weiblicher Hormonzyklus, die Umbruchphasen in Pubertät, Schwangerschaft, Mutterschaft, den Wechseljahren und männliche Hormone. Die Moderatorin steuert die Gespräche dahin, dass Hormone als Botenstoffe und Informationsträger nicht „schuld“ an Beschwerden sein könnten, dass Interessierte demnach lernen müssen, hormonelle Vorgänge als diffiziles System zu begreifen. „Hormone sind der Teppich“, der unter einem ausgelegt wird. Weil man einen Sündenbock braucht, schiebt man es auf die Hormone. (Seite 159) „Die Hormone“ seien ein soziales Konstrukt, das im Kopf entsteht. In der Summe der Gespräche wird deutlich, wie stark unsere Entscheidungen und Einstellungen beeinflusst werden vom vorherrschenden Bild zu einem Thema, von dem, was darüber so geredet wird. Das aktuelle Image eines Sachthemas steuert häufig Entscheidungen, Fakten oder Risikoabwägung können dagegen in den Hintergrund treten. Die Botschaft des Buches lautet: nichts ist monokausal. Daraus folgt, dass es gegen körperliche Beschwerden keine Patenrezepte geben kann.


    Die Zusammensetzung der Gesprächsrunden bildet unterschiedliche Lebensphasen ab, wie auch Einstellungen verschiedener Generationen. So wird deutlich, dass eine Generation, die Zyklus-Apps nutzt, eher zwischen populärer Annahme und Fakten differenzieren kann als frühere Generationen. Eine Zyklus-App könnte theoretisch auch zeigen, dass eine Frau nicht unter PMS leidet und ihre vermutete Gereiztheit vor der Menstruation andere Gründe haben kann.


    Fazit
    Die Talkshow-Struktur des Buches lässt vielfältige Stimmen zu Wort kommen. Der Tenor der Gespräche war mir jedoch teils zu populistisch und verallgemeinernd, während in den Abschnitten zur Sache Fakten, Fachbegriffe und Zusammenhänge m. A. nach im Layout deutlicher hervorgehoben werden sollten. In „Das sind die Hormone“ dominieren Frauenthemen. Das sehr kurze Kapitel über verantwortlich Kinder betreuende Väter und ihren Hormonhaushalt macht allerdings neugierig, wie sich das Image des Themas durch gesellschaftliche Veränderungen weiter entwickeln wird.


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    Verlagstext/Klappentext

    Jimmy Liao über seine Beweggründe und Inspiration zu diesem Buch:

    Ich liebe das Kino.Wenn man alle Tränen des Kummers im menschlichen Leben im Kinosaal ausweinen könnte, wäre das wunderbar.

    Im Frühling des Jahres 2005 entschloss ich mich dazu, ein Buch zu malen, um mich vor dem Kino, das ich innig liebe, zu verneigen.Ich bin ihm dankbar dafür,dass es mir in Momenten meines Lebens, in denen ich nicht wusste, wohin, vorübergehende Orte der Zuflucht verschafft und unerschöpfliche Kraft gegeben hat. “


    Ein junges Mädchen, das im Kino nach ihrer Mutter sucht. Eine junge Büroangestellte, die nach einem Kinobesuch Freud und Leid in der Liebe erfährt und aus dem Kino Trost für ihr Leben schöpft. Eine Mutter, die ihre junge Tochter ins Kino mitnimmt, um dort ihre Jugendjahre wiederzufinden. Diese Erzählstränge werden zu einer berührenden Lebensgeschichte verwoben, in der das Leben sich im Kino spiegelt und in der Reisen durch die Zeit und in die Erinnerung unternommen werden.


    Der Autor

    Jimmy Liao (chinesisch 廖福彬/Liào Fúbīn, geboren am 15. 11.1958 in Yilan/Taiwan) ist ein taiwanischer Illustrator und Bilderbuchautor. Jimmy entspricht phonetisch seinem chinesischen Künstlernamen 幾米 (Jǐmǐ). Liao studierte an der Fakultät der Schönen Künste in Taipeh/Taiwan. Nach seiner Leukämie-Erkrankung schlug er einen neuen Berufsweg ein und begann als als Illustrator und Schriftsteller. Seine Themen sind Verlust, Angst und Einsamkeit von Kindern, besonders beim Übergang ins Erwachsenenalter. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erreichten weltweit ein Millionenpublikum. 2003 wurde Jimmy Liao von der Zeitschrift Studio Voice zu einem der „55 kreativen Köpfe Asiens“ gewählt. Jimmy Liao wurde bislang viermal für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. (angelehnt an Wikipedia)


    Jimmy Liao in manhua


    Inhalt

    Ein Vater und seine kleine Tochter gehen gemeinsam ins Kino, immer wenn das Mädchen seine verstorbene Mutter vermisst. In einem gedeckten herbstlichen Szenario blickt die kleine Mädchenfigur in strahlenblauer Kleidung in die Baumkronen zu den fallenden Herbstblättern. Vater und Tochter und auch andere Menschen wirken neutral, beinahe europäisch, als wären sie bewusst für ein Publikum auf der ganzen Welt gezeichnet. Die beiden Personen sind im vollbesetzten Kino zu beobachten, aber auch allein, wenn sie nach dem Abspann noch einen Moment im leeren Kinosaal sitzen bleiben. Die Kinobesuche bringen Vater und Tochter einander nahe, können den Verlust der Mutter jedoch nicht heilen. Manchmal versucht die Kleine, dem Duft ihrer Mutter auf einem hinterlassenen Seidenschal nachzuspüren. Mit 14 trifft sie einen Jungen, der ihre Liebe zum Kino teilt, doch die beiden müssen sich trennen, als die Familie fortzieht. Das Mädchen wächst heran und bleibt mit Fragen an die Mutter zurück, auf die es keine Antworten gibt. Die Filme bleiben ihr länger in Erinnerung als die Begleiter, mit denen sie sie ansah. Auch als Erwachsene bleibt das Kino ihre Zuflucht, wenn sie mit Problemen zu kämpfen hat. Die Erzählerin bekommt selbst eine Tochter, Xinxin, die im Kino einen Vater sucht. Der Kreis schließt sich, als der Vater des kleinen Mädchens in Blau älter und gebeugter wird und sie unter dem Baum der Anfangsszene noch immer gemeinsam ins Kino gehen – auf der Suche nach der lange verstorbenen Mutter.


    Fazit

    Jimmy Liaos Bücher entstanden ursprünglich aus einer schweren Erkrankung heraus als Nachlass für seine Familie. Seine Illustrationen beeindrucken durch die ungeheure Strahlkraft der Farben, als hätte Farbe in seinen Büchern auf einer eigenen Spur eigene Sprache.


    "Das Kino des Lebens" ist seine Verneigung vor dem Kino. Die Darstellung von Tod und Trauer im Buch richtet sich eher an Erwachsene.


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    Erscheinungstermin vorgezogen


    Klappentext/Verlagstext

    Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.


    Der Autor

    Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine Romane hat er mehrere Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.


    Inhalt

    Robert Appleyards Lebensweg schien vorgezeichnet. Wie alle Männer in seinem nordenglischen Heimatort würde er nach der Schule im Bergwerk arbeiten. Doch der Zweite Weltkrieg weckt Roberts Fernweh und seine Abenteuerlust: 1946 will er endlich zur See fahren. Er macht sich zu Fuß mit dem Rucksack auf den Weg Richtung Süden, entlang Englands Ostküste. Der Icherzähler, der sich an das erste Nachkriegsjahr erinnert, steht offensichtlich am Ende seines Lebens, seine Pflichten sind ihm zur Last geworden.


    Schon als Jugendlichen drängte es Robert aus den Grenzen seines Bergarbeiterdorfs hinaus. Nach Kriegsende war er ständig hungrig, wie viele Menschen zu der Zeit, auch hungrig auf das Leben. Als Birder, der Vögel beobachtet und zeichnet, fand Robert die Ahnung seines wahren Ichs schon als Kind nur in der Natur. Weil viele Männer gar nicht oder versehrt aus dem Krieg zurückkehrten, findet er auf seinem Weg problemlos Arbeit. Robert trifft unterwegs Tagelöhner und Kesselflicker, er lernt die Kunst des Smalltalks, etwas, das bisher niemand von ihm erwartet hatte. Als Robert auf Dulcie trifft, hat er seine Zukunft unter Tage bereits abgelegt, die wie ein dunkles Tuch auf ihm gelastet hatte. Dulcie lebt allein auf einem imposanten wie idyllischen Grundstück, auf dem einiges zu reparieren ist. Dulcies Verhalten wirkt auf Robert unerhört, sie trägt eine Hose, spricht selbstbewusst über Dinge von denen er noch nie gehört hat – und sie scheint die Deutschen nicht zu hassen. Robert und Dulcie wirken wie füreinander geschaffen; Robert kann nahezu alles reparieren, Dulcies Lebensmittelvorräte scheinen so unerschöpflich wie ihr Wissen. Zwischen kritischer Mentorin und lernbegierigem Schüler entwickelt sich ein enges, stets platonisches Verhältnis. Immer wieder schnürt Robert seinen Rucksack und immer wieder hält ihn etwas bei Dulcie zurück. Er muss in der Auseinandersetzung mit ihr sein Weltbild neu ordnen, Religion, Krieg, die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit, die englische Klassengesellschaft, in der „Leute wie er nicht studieren“. Als Robert ein kleines Cottages auf Dulcies Grund zu renovieren beginnt, nimmt sein Leben eine erstaunliche Wende.


    Zu lesen ist über die ungewöhnliche Beziehung durch die Erzählstimme eines Menschen, der in seiner Erinnerung noch jung ist. Sehr früh habe ich mich gefragt, wie ein Bergarbeiterjunge, geboren um 1930, zu einem so sensiblen Blick auf die Welt und zu dieser ungewöhnlichen Ausdrucksfähigkeit kommt. Robert schien mir ein wenig zu reif und zu intelligent für jemanden, der gerade aus dem Ei geschlüpft war. Das Geheimnis um das überwucherte Cottage und Dulcies zugewachsenen Blick aufs Meer steigert die Spannung, wie sich das Verhältnis zwischen der lebenserfahrenen Frau und dem 16-jährigen Robert entwickeln wird.


    Fazit

    Die Kombination aus Bildungs- und Entwicklungsroman, Nature-Writing und Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg scheint beinahe zu viele Themen zu verarbeiten. In der Summe wird dieser stilistisch beeindruckende Roman jedoch getragen von der sensibel beobachteten Gemütslage eines 16-Jährigen nach einem Krieg. Ein Roman, aus dem ich am liebsten jeden Absatz vorlesen würde …


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    79. Ein Buch, das du vor ca. einem Jahr gelesen hast?

    Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen. Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere An-wesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

    3,49€

    Havanna, 27. Mai 1939: Die MS St. Louis fährt im Hafen ein. An Bord: 937 jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Daniel Kaminsky wartet an Land auf Eltern und Schwester. Doch die Einreise wird allen verweigert, das Schiff fährt zurück nach Europa. Amsterdam, 1648: Elias, ein Schüler Rembrandts, wird vom mächtigen Rabbinerrat aufgrund seiner Malerleidenschaft aus der Stadt verstoßen. Der Meister selbst gibt ihm sein Porträt mit auf den Weg ins Exil. London, 2007: Sensation auf dem Kunstmarkt. Ein bislang unbekanntes Christusporträt von Rembrandt taucht bei einer Auktion auf. Wer ist der Eigentümer? Mario Conde macht sich auf die Suche nach den Geheimnissen des Christusbildes und der Familie Kaminsky. Der Fall führt ihn durch die Jahrhunderte. Die Spur zieht sich um die halbe Welt.

    3,99€


    Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst.

    Klappentext/Verlagstext
    Unsere Erde ist geprägt von einzigartigen, faszinierenden Landschaften, doch bleiben den meisten von uns große Teile davon unzugänglich und verborgen. In ›Der Blick von oben‹ nehmen uns Drohnen-Fotografen mit auf Reisen zu entlegenen Inseln, in scheinbar endlose Gebirgsketten, unbesiedelte Wälder oder dicht bebaute Städte – und ermöglichen uns, diese aus einer verblüffenden Perspektive zu betrachten. Mal aus unglaublicher Nähe, mal aus großer Entfernung und mit enormem Weitblick eröffnen sich spektakuläre Ansichten unseres Planeten: Riesige Eisberge in Grönland und tropische Regenwälder auf Puerto Rico. Wild zerklüftete Felsküsten im Atlantik und geometrisch angelegte Salinen im Mittelmeer. Pulsierende Metropolen und ihre Wahrzeichen. Die Gegenüberstellung von Aufnahmen weitgehend unberührter Natur und von Menschen geprägter Gebiete macht einmal mehr deutlich, wie sehr sich unsere Welt durch zunehmende Eingriffe verändert, neue Landschaftsbilder geformt, aber auch Ökosysteme gefährdet werden. Kurze Begleittexte zu jedem Foto liefern nähere Angaben zu den abgebildeten Orten und heben spannende Naturphänomene hervor


    Die Autoren
    Agata Toromanoff ist Kunsthistorikerin. Sie hat zunächst als Beraterin und Projektleiterin für Kunstsammler und Galerien gearbeitet. Als solche kuratierte und leitete sie zahlreiche Projekte im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Sie schreibt regelmäßig für die Kunstpresse und ist Autorin mehrerer Bücher über Kunst, Design, Architektur und Fotografie. 2014 gründete sie die Buchagentur Fancy Books, die sie heute zusammen mit ihrem Mann Pierre leitet. Ihre Publikationen wurden bisher in 10 Sprachen veröffentlicht.


    Pierre Toromanoff hat Mathematik und Slawistik in Paris studiert. Von 1991 bis 1994 arbeitete er in der Kulturabteilung der französischen Botschaft in Russland, bevor er in die Buchbranche wechselte, wo er über 20 Jahre als internationaler Vertriebsleiter und dann als Geschäftsführer für mehrere Kunstverlage tätig war. Seit 2016 hat er verschiedene Publikationen über bildende Kunst und Popkultur geschrieben.


    Inhalt
    Luftaufnahmen haben lange allein durch ihren ungewöhnlichen, für Hobbyfotografen schwer einzunehmenden Aufnahmestandpunkt fasziniert. Drohnenfotografie ermöglicht den Blick von oben nicht nur einem größeren Anwenderkreis. Drohnen können sich darüber hinaus wendig in schroffe Täler und Straßenschluchten schrauben, ohne dass Fotografen sich z. B. im Ballon über ihr Motiv hinweg fliegen lassen und dabei in Gefahr bringen müssen. Drohnenflüge hinterlassen keine Fußabdrücke.


    Ein Blick aus der Luft auf unsere Welt zeigt auf einzigartige Weise Strukturen von Fels, Wüste oder Eis. Proportionen von Festungsanlagen und Monumenten werden aus dieser Perspektive deutlich, aber auch der Maßstab von Bauwerk und dem Menschen als Architekt und Handwerker. Luftbildfotografie bedient menschliche Neugier mit Blicken auf Dachterrassen und in Hinterhöfe, sie trägt den Betrachter jedoch auch über schwer zugängliche Wüstengebiete, Wasserfälle, Vulkane und schroffe Klippen hinweg. Das Wesen von Wasser, Eisflächen, Sand oder Sumpf wird anschaulich durch Farbe und Struktur vermittelt. Übergänge zwischen Land und Ozean oder Natur und kultivierter Fläche markieren menschliche Eingriffe in gefährdete Ökosysteme. Die Fotos können für die Zerstörung von Natur sensibilisieren, sie zeigen aber auch, wie Wracks allmählich zerfallen und Natur Bauwerke wieder überwuchert. Als Betrachter erlebt man Menschen, die Terrassen anlegen, Früchte anbauen und ihr Siedlungsgebiet bis in Sümpfe und auf Gewässer ausdehnen.


    Fazit

    Der Bildband der Toromanoffs versammelt zum großen Teil Stockfotos ohne technische Details zur jeweiligen Aufnahme. Fotografen werden im Anhang genannt, treten jedoch hinter ihre Aufnahmen zurück. Das Buch und das Bildverzeichnis sind systematisch nach Kontinenten und Regionen geordnet, am Ende jedes Kapitels finden sich unter Thumbnails der Aufnahmen Kurztexte zum Aufnahmeort. Der Band spricht eher meine Reiselust als meinen Blick als Fotografin an. Für deutsche Sehgewohnheiten finde ich die Farbwahl einiger Aufnahmen etwas zu bunt.


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    29.7.2020

    Der investigative Journalist Ilija wird innerhalb weniger Minuten von zwei Whistleblowern des amerikanischen und des russischen Geheimdienstes kontaktiert. Ein großer Coup? Eine Falle? Er lässt sich auf das Spiel ein, zusammen mit Boris, einem amerikanischen Kollegen, folgt er der doppelten Spur nach Hongkong, Wien, New York und Moskau.

    Die geleakten Dokumente eröffnen einen Abgrund von Korruption und Betrug, von üblen Verstrickungen krimineller Oligarchen und Mafiosi. Auch die Staatspräsidenten Russlands und Amerikas sind involviert. Was darf man glauben? Mit welcher Absicht werden Lügen verbreitet? Sind die beiden Reporter nur ein Spielball der Geheimdienste?

    Literarisch virtuos wie kein anderer spielt Ilija Trojanow in diesem Roman mit Fakten und Fiktionen und führt uns wie nebenbei vor Augen, wie sehr wir durch Fake News zu Komplizen der Macht werden.

    7.4.2020

    Zum ersten Mal erzählt der Whistleblower des Datenanalyse-Unternehmens Cambridge Analytica die Insider-Geschichte des Data Mining und der psychologischen Manipulation hinter der Wahl von Donald Trump und dem Brexit-Referendum. Er gibt dem Leser einen höchst anschaulichen Einblick in die besorgniserregenden Verstrickungen von Facebook, WikiLeaks, russischen Geheimdiensten und internationalen Hackern.

    Mindf*ck taucht tief in die »amerikanische Operation« von Cambridge Analytica ein, die von Trumps Berater und Chefstratege Steve Bannon und dessen Alt-Right-Vision eines neuen Amerika gelenkt wurde. Finanziert wurde das Ganze vom Hedgefond-Milliardär Robert Mercer.

    Cambridge Analytica hat die Daten von mehr als 87 Millionen Einzelpersonen gesammelt und analysiert, um diese dann im US-Wahlkampf gezielt beeinflussen zu können. Aber auch bei anderen scheinbar demokratischen Entscheidungen, etwa der Brexit-Abstimmung oder den Wahlen in Nigeria, wurde diese Form der Manipulation genutzt.

    Der Kanadier und politisch liberale Christopher Wylie stand im Zentrum dieser Operation, er hat als Profiler daran gearbeitet »zornige junge Männer« zu manipulieren und zu mobilisieren. Erst vierundzwanzigjährig hatte er einen Job bei einer Londoner Firma angeboten bekommen, die mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammenarbeitete. Angeblich waren sie mit dem Aufbau eines Teams von Datenwissenschaftlern beauftragt, um neue Strategien zur Identifizierung und Bekämpfung von radikalem Extremismus zu entwickeln. In kurzer Zeit wurden dieselben digitalen Werkzeuge für manipulative Zwecke eingesetzt, und Cambridge Analytica war geboren.

    Wylies Entscheidung, ein Whistleblower zu werden, führte zur größten Datenkriminalitätsuntersuchung der Geschichte. Seine Enthüllungen aber gehen weit über diesen Fall hinaus. Sie zeigen, wie Data Mining funktioniert, und warum die Arbeit von Cambridge Analytica eine Blaupause für künftige Manipulation von Meinungen ist – auch im deutschen Wahlkampf.

    Christopher Wylies Buch zeigt nicht nur die bedenkliche Sorglosigkeit der sozialen Medien, sondern auch die tiefe Verwundbarkeit der Demokratie selbst. Durch digitale Propaganda von Firmen wie Cambridge Analytica werden vermeintlich freie Wahlen bereits online für denjenigen entschieden, der mit genügend finanziellen Mitteln die Ängste und Hoffnungen der Wähler beeinflusst.

    Was bei Cambridge Analytica geschah, war nur ein Probelauf. Rücksichtslose Akteure bemächtigen sich unserer Daten, und sie wollen kontrollieren, was wir denken.

    25.3.2020


    Die berührende Biographie des Engländers Collingwood »Cherry« Ingram, der Japans Kirschblüte rettete

    Ihr Blick auf die Kirschblüte, im Japanischen »sakura«, wird nach der Lektüre ein anderer sein: Collingwood Ingram (1880-1981), ein junger Botaniker, reist 1902 von Großbritannien nach Japan, um dort neben Tokyo auch Berge und Wälder, geheime Palastgärten und Klöster zu erkunden. Vor allem aber ist er auf der Suche nach wilden Kirschbäumen, denen seine ganze Leidenschaft gehört. In der überhasteten Modernisierung Japans im 20. Jahrhundert werden diese jedoch rücksichtslos abgeholzt.

    Ingram gelingt es, eine einzigartige Sammlung von Japans wertvollstem Kulturgut zusammenzutragen und nach England zu schmuggeln, um die Kirschblüten dort in einem bezaubernden Garten in Sicherheit zu bringen. Er schwört, diese Bäume einst ihrer Heimat zurückzugeben – ein Unterfangen, das ihn bis an das Ende seines hundertjährigen Lebens umtreibt.

    In »Hanami« verbindet Naoko Abe kunstvoll die Biographie des englischen Exzentrikers mit der Geschichte Japans und der kulturellen Bedeutung der Kirschblüte, die sich in Kirschblütenfesten auf der ganzen Welt spiegelt. Ein faszinierendes Abenteuer der Reiseliteratur und ein spannendes Stück Zeitgeschichte für alle Fans des Naturewriting!