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    Buchmeinung zu Volker Kutscher – Der stumme Tod

    „Der stumme Tod“ ist ein Kriminalroman von Volker Kutscher, der 2010 bei KiWi-Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der zweite Band um den Kommissar Gereon Rath.


    Zum Autor:
    Volker Kutscher wurde 1962 in Lindlar geboren und ist in Wipperfürth aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wuppertal und Köln. Er arbeitete als Lokalredakteur in Wipperfürth. Seit 2004 lebt er als freier Autor und Journalist in Köln.


    Klappentext:
    März 1930: Der Tod einer Schauspielerin führt Gereon Rath in die Studios der Filmmetropole Berlin. Der junge Kommissar lernt die Schattenseiten des Glamours kennen und erlebt eine Branche im Umbruch. Der Tonfilm erobert die Leinwände, und dabei bleiben viele auf der Strecke: Produzenten, Kinobesitzer – und Stummfilmstars.


    Meine Meinung:
    Gereon Rath ist ein Protagonist mit Ecken und Kanten. Er ist jemand, mit dem man nicht unbedingt zusammen arbeiten möchte, aber auch jemand, dem man anmerkt, dass er die Mörder überführen will. Er ist immer noch mehr Einzelkämpfer als Teamplayer und sein Assistent muss das mehrfach ausbaden. Aus dem ersten Band hat er ein paar Schulden mitgebracht, die ihn wieder einmal einholen. Ein Höhepunkt ist seine Beziehung zu Marlow, dem Berliner Unterweltboss. Wieder steht er in dessen Schuld und es wird ihn irgendwann einholen. Natürlich hat er noch einen Nebenjob, den er für seinen Vater und den Kölner Bürgermeister Adenauer erledigen muss. Dazu ist sein Privatleben wieder in Unordnung und er kämpft mit einer ungewollt anhänglichen Freundin. Die politischen Ereignissen spielen diesmal eher eine untergeordnete Rolle und Gereon möchte davon nichts wissen. Er bleibt seinem Wesen treu und handelt manchmal nicht gesetzeskonform. Diesmal muss er sich vom Polizeichef persönlich die Ohren langziehen lassen. Gereon Rath suhlt sich manchmal in dem Schlamassel, das er selbst verursacht hat. Er verfolgt seine Ideen konsequent und vertraut auf sein Näschen. Dabei kommt er dem Täter näher als er selber ahnt. Aber noch hat er Freunde, die zu ihm stehen und ihn unterstützen. Beeindruckend ist wieder die Darstellung der historischen Fakten und des Lebens zu dieser Zeit. Der Aufstieg des Tonfilms wird thematisiert und damit die Auswirkungen auf Schauspieler und Produzenten.
    Der Plot ist gelungen und die Spannung ist jederzeit gegeben, auch wenn sie von vielen Faktoren lebt. Manchmal fragt man sich, ob Gereon Rath mit seinen Tricksereien durchkommt oder ob es ihn in den Abgrund stürzt. Das Szenario mit vielen Nebenhandlungen ist äußerst komplex und fordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Überrascht war ich über die sehr kurze Betrachtung der Ereignisse um Horst Wessel, der einerseits zum Märtyrer und andererseits zum Kriminellen gemacht werden soll. Vielleicht ist es aber die angemessene Behandlung dieser Geschehnisse, gerade aus der Sicht der unpolitischen Hauptfigur.
    Es gibt Figuren, die uneingeschränkt sympathisch sind, Gereons Assistenten und Charlotte Ritter, die wieder einmal zeigt, was in ihr steckt. Selbst Gereon sammelt Sympathien, die er aber auch immer wieder wegwirft. Er ist kein strahlender Held aber doch jemand, der sein Leben leben will und dem es egal ist, was andere über ihn denken, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Es ist ein Ritt auf der Rasierkante und Gereon muss seinen Preis zahlen.


    Fazit:
    Gereon Rath ist ein vielschichtiger Charakter mit Ecken und Kanten, der mir trotz oder gerade wegen diverser negativen Attribute sehr gut gefällt. Plot und Spannung sind überdurchschnittlich und deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Alex Wagner – Tödliche Freuden

    „Tödliche Freuden“ ist ein Kriminalroman von Alex Wagner, der 2018 im Eigenverlag erschienen ist.

    Zum Autor:
    Alex Wagner, geb. 1972, lebt und arbeitet in Wien, ist aber ebenso gerne auf Reisen.
    Ursprünglich Betriebswirtin, experimentierte sie sich durch die Jobwelt – von Private Banking und Versicherungsvertrieb über Coaching und Hypnose bis zu Weltretten bei Greenpeace.
    Sie lebt gerne aus dem Koffer und erkundet den Kosmos, per Zug oder im Cyberspace, aber vor allem natürlich auf dem Papier.

    Klappentext:
    Nach einem Theaterabend in der Kurstadt Baden, bei dem Sofie Winter die Bekanntschaft eines charismatischen Fremden macht, flattert ihr ein Erpresserbrief ins Haus: Dreißigtausend Euro, oder ein Video ihres nächtlichen Abenteuers landet im Internet. Der Briefschreiber will im Besitz erotischen Materials sein, das Sofie in aller Öffentlichkeit bloßstellen würde. Nur dass er sich das falsche Opfer ausgesucht hat. Denn Sofie ist keine gewöhnliche Frau und schon gar nicht wehrlos. Ihre Vergangenheit hat sie gelehrt, sich zu verteidigen, auch wenn sie dabei selbst zum Angriff übergehen muss. Wer aber ist dieser verführerische Fremde wirklich, den sie an jenem Abend in Baden traf, und der in Sofie längst verloren geglaubte Gefühle wiedererweckt? Ein Verbündeter, den sie dringend braucht? Oder ein skrupelloser Verbrecher, der selbst vor Mord nicht zurückschreckt? In einem luxuriösen Hoteldorf in den Alpen kommt es zur tödlichen Begegnung …

    Meine Meinung:
    Im Mittelpunkt dieses Thrillers steht mit Sofie Winter eine starke Frau, die sich sehr engagiert für misshandelte Frauen einsetzt. Sie agiert ganz im Stile eines hardboiled Detektivs und wirkt oftmals etwas engstirnig. Für sie scheinen alle Männer Schweine zu sein und die Frauen in deren Umfeld brauchen Sofies Unterstützung. Die Figur konnte meine Sympathien nur sehr bedingt gewinnen. In diesem Fall begegnet sie dem Gigolo Aslan, der auch Sofie nicht kalt läßt. Aslan entwickelt sich während der Erzählung weiter und hat durchaus meine Sympathie gefunden. Sofie scheint in einem starren Käfig in Bezug auf ihrem Verhältnis zu Männern erstarrt zu sein. Sowohl Aslan als auch Sofie haben ihre Quellen, um an Informationen über andere Personen zu gelangen. Beide hüten auch je ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, welches Auswirkungen bis auf den heutigen Tag hat. Beide misstrauen einander sehr, arbeiten aber in einem gewissen Umfang zusammen. Die Geschichte ist geprägt durch eine dunkle Atmosphäre einerseits, einer durchaus spannenden Geschichte und den Anzeichen einer sich anbahnenden Liebesbeziehung. Gemeinsam lösen Sofie und Aslan die Rätsel um mehrere Toten und greifen dabei auch zu grenzwertigen Methoden. Leider findet der Roman nur schwer zu einem Ende, obwohl eigentlich keine Fragen mehr offen waren. Auf der Habenseite stehen einige gelungene Einfälle und die konsequente Vorgehensweise der Sofie Winter.

    Fazit:
    Ein spannender Kriminalroman mit viel düsterer Atmosphäre im Umfeld misshandelter Frauen, der mich aber mit einer wenig sympathischen Hauptfigur und einem zu langen Abschluss nicht fesseln konnte. So gibt es nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Wolf Heichele – Mord am Gardasee

    „Mord am Gardasee“ ist ein Kriminalroman von Wolf Heichele, der 2018 im Selbstverlag erschienen ist. Dies ist der zweite Kurzkrimi um Commissario Montebello.

    Zum Autor:
    Wolf Heichele ist ein deutscher Schriftsteller, der im Süden Deutschlands aufgewachsen ist und dort auch lebt.

    Klappentext:
    Am idyllischen Gardasee wird eine ermordete Frau aufgefunden.
    Sie gilt zunächst als Vollwaise, doch Commissario Montebello will nicht daran glauben und
    recherchiert in eine ungewöhnliche Richtung.
    Vor der atemberaubenden Kulisse des Gardasees kommt es am Ende zu einem gewohnt spannenden Showdown.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich zu keiner Zeit gefangen genommen, obwohl es sich leicht und flüssig lesen lässt. Mein Problem war, dass sowohl die Charaktere als auch die Handlung frei von Ecken und Kanten sind. Mauro und seine Kollegin sind hübsche Menschen fast ohne Sorgen, denen ihr Job als Ermittler kaum Stress bereitet. Der Fall hat eine persönliche Note und die Ermittler sind hoch motiviert. Alles läuft schnurgerade auf einen Showdown zu, in dem Mauro Montebello einen James Bond alt aussehen lässt. Danach gibt es noch ein Stück heile Familie und das war es dann. Spannung kam so gut wie gar nicht vor, dafür heile Italienwelt aus dem Urlaubskatalog. Für mich war es kein Kriminalroman.

    Fazit:
    Eine leicht zu lesende Geschichte mit glatten Figuren und kaum Spannung, die das Label Kriminalroman nicht verdient hat. Somit vergebe ich zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Arnaldur Indridason – Graue Nächte

    „Graue Nächte“ ist ein Kriminalroman von Arnaldur Indridason, der 2018 bei Bastei Entertainment in der Übersetzung von Anika Wolff erschienen ist. Der Titel der isländischen Originalausgabe lautet „Petsamo“ und ist 2016 erschienen. Dies ist ein weiterer Fall für die Ermittler Flovent und Thorson.

    Zum Autor:
    Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute ist er der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane erobern stets Platz 1 der isländischen Bestsellerliste und stehen auch bei uns nach ihrem Erscheinen immer auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie werden in 40 Sprachen übersetzt und sind mit renommierten Krimipreisen ausgezeichnet worden.

    Klappentext:
    Frühling 1943. In Reykjavik ist die Lage angespannt, Island ist von den Amerikanern besetzt. In diesen unruhigen Zeiten wird eine Leiche an einem Strand, nahe des Stadtzentrums, entdeckt. Der Mann, ein Soldat, wurde offenbar ermordet. Ein weiterer Fall beschäftigt Kommissar Flóvent und seinen Kollegen Thorson von der Militärpolizei: Eine Frau, die oft mit Soldaten gesehen wurde, verschwindet spurlos. Stehen der Mord und das Verschwinden der Frau im Zusammenhang? Die Kommissare ermitteln in einem heiklen Umfeld ...

    Meine Meinung:
    Dieser Roman lebt fast allein von der dichten Atmosphäre, die der Autor gekonnt aufbaut. Er schildert die Verhältnisse im besetzten Island und das schwierige Miteinander von Einheimischen und Soldaten. Die Geschichte wird aus einer Reihe von unterschiedlichen Perspektiven erzählt und es ist lange unklar, ob und wie die einzelnen Passagen zusammen hängen. Die Ermittler werden nur grob skizziert, und doch wirken sie sympathisch. Fast alle anderen Figuren bleiben gewollt schwammig, um den düsteren Gesamteindruck zu verstärken. Bei ihren Ermittlungen geraten Flovent und Thorson in gefährliche Situationen und müssen einiges einstecken. Niemand scheint ein wirkliches Interesse an der Auflösung zu haben, denn Unterstützung erfahren die beiden Ermittler kaum. Die Thematik der sexuellen Beziehungen, auch gleichgeschlechtlicher Art, ist heikel, insbesondere für das Militär. Dabei ist es durchaus spannend, wenn auch auf eigene Art. Die Auflösung ist vollständig und ganz im Sinne der düsteren Grundstimmung. Es gibt Täter, die mehr wie Opfer wirken und mir fast leid getan haben. Und es gibt ein Vorgehen des Militärs, dass Fragen aufwirft, aber für mich war es passend.

    Fazit:
    Atmosphärisch dicht mit einer komplexen Handlung, die aber nicht auserzählt wirkt. Ein Kapitel isländischer Geschichte mit vielen Verlierern, das viele Fragen stellt. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu Mac P. Lorne – Das Blut des Löwen


    „Das Blut des Löwen“ ist ein historischer Roman von Mac P. Lorne, der 2018 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der dritte Band in der Serie um Robin Hood.


    Zum Autor:
    Mac P. Lorne ist Jahrgang 1957.
    Aufgewachsen in der ehemaligen DDR studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin.
    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik.
    Gemeinsam mit seiner Familie baute er einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, aus dem sich auch Olympiareiter ihren Nachwuchs sicherten.
    Heute lebt er zu Füßen einer mittelalterlichen Burg in einem der größten Waldgebiete Europas.
    Er ist Co-Autor mehrerer Fach- und Sachbücher aus den Gebieten Veterinärmedizin und Pferdezucht.
    Englische Geschichte ist die große Leidenschaft des Autors und seine Romanreihe rund um Robin Hood begeistert zahlreiche Leserinnen und Leser.

    Klappentext:
    England im Mittelalter:
    Viele Jahre lebten Robin Hood und seine Frau Marian auf Geheiß Königin Eleonores unerkannt in der Gascogne, um König Richards illegitimen Sohn Fulke zu schützen. Als England in Gefahr ist, ruft William Marshal die Verbannten zurück. Doch bevor Robin wieder durch seinen geliebten Sherwood Forest streifen darf, muss er zuerst in Spanien gegen die Mauren in den Kampf ziehen. Zu Hause in England treibt derweil König John weiter ungehindert sein Unwesen. Noch.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch beschreibt die ersten Jahre von Robin Hood nach dem Tod von Richard Löwenherz. Wie in den Vorgängerbänden ist es ein ständiger Wechsel von ruhigen und kampfgeprägten Szenen. Diese Mischung sorgt für die notwendige Beruhigung nach den oft recht rauen Kämpfen der damaligen Zeit. Auch humorvolle Szenen sind wieder zu finden, aber insgesamt fand ich diesen Band etwas dunkler als die Vorgänger. Vor allem das Verhalten König Johns ist erschreckend und doch in dieser Zeit verbreitet. Ganz unauffällig fließen historischen Informationen in das Buch ein und der Leser wird angeregt, dazu weitere Informationen zu suchen. So ging es mir bei dem Kampf der Spanier gegen die Mauren, dessen Bedeutung mir völlig unbekannt war. Auch entwickeln sich die Figuren weiter und zeitweilig nahm Robin eine beängstigende Richtung. Marian bleibt eine starke Frau, die aber mittlerweile ein ruhiges Leben ohne Kämpfe herbei sehnt und sogar ohne Robin nach Frankreich heimkehren will. Ein neuer Charakter ist Fulke, der Ziehsohn von Marian und Robin. Er bringt neues Leben in die Geschichte. Robin bleibt seiner Rolle als Rebell treu und kämpft für die Gleichheit aller Menschen, wenn auch vorerst nur die Männer gemeint sind. Es ist interessant zu verfolgen, welche Probleme selbst reformbereite Adlige mit dieser Forderung haben. Zu sehr ist das Standesdenken in ihren Köpfen verfestigt. Eine sehr interessante Figur ist weiterhin William Marshall, der trotz aller Widerstände und Zweifel fest zum Königshaus steht.
    Wie auch in den vorigen Bänden mutiert Robin in den Kampfsituationen zu einem Superhelden, dessen Taten Leser nur staunend verfolgen können.
    Die Zeittafel und die Anmerkungen des Autors sind eine gelungene Ergänzung, die zudem einen Einblick in den Schaffensprozess des Autors geben.


    Fazit:
    Wieder eine aufregend gestaltete Abenteuergeschichte mit sympathischen Helden und meist unglücklich agierenden Bösen. Die Mischung aus Historie und Fiktion ist gelungen. Der dritte Band in einem Jahr läßt bei mir ein Gefühl von Wiederholung anklingen. So vergebe ich diesmal nur vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Stefan Nowicki – Die Stadt der Lügen


    „Die Stadt der Lügen“ ist ein Historischer Roman von Stefan Nowicki, der 2018 beim dotbooks Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Band der Trilogie „Tochter des Gauklers“.


    Zum Autor:

    Stefan Nowicki wurde 1963 in Würzburg geboren. Er wuchs in Südhessen, Flensburg und dem Münsterland auf. Anschließend studierte er in Münster, Eichstätt und Marburg vor allem Germanistik, Politische Wissenschaften und Kunstgeschichte, aber auch einige Semester Katholische Theologie und Philosophie.


    Klappentext:

    Wer kaum noch Hoffnung hat, muss größten Mut beweisen …

    Unter der friedlichen Oberfläche Hamels beginnt es im Jahre 1284 zu brodeln: Lorenz, der Sohn des Steinmetzen, und die anderen jungen Leute wollen sich nicht länger den starren Regeln ihrer Eltern beugen und hoffen auf ein neues, freies Leben. In dieser aufgeheizten Stimmung kommen zwei Männer in die Stadt: Notger, der im Auftrag seines Grafen nach Siedlern für Ländereien im Osten sucht, und der Mönch Odo, der einen Kreuzzug ins Heilige Land führen will. Wer wird sich ihnen gegen den Willen der Stadtältesten anschließen? Lorenz hat indes aber ein noch viel drängenderes Problem: Er muss um das Leben seiner Geliebten Uta fürchten – und schmiedet einen kühnen Plan, um die schöne Rattenfängerin zu schützen.

    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen. Flüssig, fundiert und mit vielen Hintergrundinformationen wird die Geschichte junger Menschen im Hameln des Jahres 1284 erzählt. Im Mittelpunkt steht die Liebesbeziehung zwischen Lorenz, dem Sohn des Steinmetzes, und Uta, Tochter eines Gauklers. Die Liebe befindet sich in großer Gefahr, da es mehrere Parteien auf die Trennung der beiden abgesehen haben. Aber auch andere junge Menschen fühlen sich in ihrer Heimatstadt nicht wohl, teils wegen fehlender Zukunftschancen, teils wegen arrangierten Heiratsplänen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, wenn auch der ein oder andere Grauton wünschenswert wäre. Bei den bösen Menschen ist es umgekehrt, sie sind zu dunkel. Lorenz und Uta sind einfallsreich und scheuen kaum ein Risiko, um ihrer Liebe einen Weg zu ebnen. Eine Stärke des Buches ist die Darstellung der Strukturen einer mittelalterlichen Stadt und das Leben der Menschen in fest vorgegebenen Rahmen. Diese Schilderungen fließen unauffällig in die Geschichte ein und stören den Lesefluss in keinster Weise. Die Schilderungen wirken auch lebendig und manchmal hatte ich das Gefühl vor Ort zu sein. Den sympathischen Figuren bin ich gerne gefolgt und werde mir auch die anderen Bände der Trilogie zulegen. Den ersten Band nicht zu kennen war überhaupt kein Problem.



    Fazit:

    Ein überraschend guter Roman mit sympathischen Figuren, vielen Hintergrundinformationen und interessantem Setting. Leichte Schwächen wies die Tiefe der Figuren auf. So vergebe ich vier von fünf Sternen und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Liliane Fontaine – Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard


    „Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard“ ist ein Kriminalroman von Liliane Fontaine, der 2018 bei Piper Spannungsvoll erschienen ist.


    Zum Autor:
    Liliane Fontaine ist der Geburtsname der Krimiautorin und Kunsthistorikerin Liliane Skalecki, geboren in Saarlouis im Saarland, der deutsch-französischen Grenzregion. Nach einer Banklehre studierte sie Kunstgeschichte, Klassische und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes mit Abschluss zum Dr. phil. Seit 2001 lebt sie mit ihrer Familie in Bremen. Liliane Fontaine besitzt französische Wurzeln und lebt viele Wochen des Jahres in der Nähe von Nîmes, kennt Kultur, Land und Leute und das savoir-vivre. Sie veröffentlichte zahlreiche Fachartikel rund um die Pferdekultur, zur Kunst und Architektur, sowie Unternehmerdarstellungen und Chroniken. Zusammen mit Biggi Rist hat sie mehrere Kriminalromane geschrieben, die in Bremen und am Bodensee angesiedelt sind.


    Klappentext:
    Vor dem Palais de Justice in Nîmes wird auf die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt nach einem Strafprozess ein Attentat verübt. Mathilde überlebt schwerverletzt und ist sich sicher, dass hinter diesem Anschlag ein Pädophilen-Zirkel steckt, dessen Mitglieder aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft stammen. Um sich von ihren Verletzungen zu erholen, zieht sich Mathilde auf das Weingut ihres Großvaters im Languedoc zurück. Von dort ermittelt sie gemeinsam mit Rachid Bouraada, Commandant der Police judicaire mit algerischen Wurzeln, und sagt den Tätern den Kampf an.
    Während die beiden das Netz um die Verdächtigen immer enger ziehen, ist der deutsche Reiseschriftsteller Martin Endress in Südfrankreich auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was mit seiner jüdischen Großmutter geschah, die 1941 nach einem Fluchtversuch durch einen vermeintlichen Unfall ums Leben kam. Die Wege von Mathilde de Boncourt und Martin Endress kreuzen sich auf schicksalhafte Weise, und Rémy de Boncourt, Mathildes Großvater, und seine Freunde wissen mehr über das Schicksal von Martins Großmutter, als sie zugeben wollen…


    Meine Meinung:
    Dieses Buch widmet sich auch den historischen, kulturhistorischen und landschaftlichen Aspekten dieser Region. Das Buch liest sich flüssig und man spürt die Liebe aller Beteiligten zu ihrer Region. Dabei bleibt der bzw. die Kriminalfälle etwas auf der Strecke. Im Gegensatz zu den Nebenschauplätzen wird die Kriminalhandlung nur recht kurz dargestellt. Es gibt einen Kriminalfall, der auf Vorgängen während des Krieges basiert, und einen dazu unabhängigen aus der heutigen Zeit. Über die beteiligten Personen entstehen Verbindungen, die die Ermittlungen etwas behindern. Generell sind alle Beteiligten wenig auskunftfreudig und es geht nur langsam voran. So nebenbei erhält man einen Einblick in die Entwicklung von Beziehungen und vor allem welchen Belastungen diese widerstehen können. Offene Worte hätten die ein oder andere Leiche verhindern können. Im zweiten Fall erweisen sich die Ermittlungen als noch schwieriger, weil Mächtige und Wohlhabende mit Einfluss betroffen sind. Die Hauptfiguren sind differenziert gestaltet und wirken sympathisch. Man leidet mit der Untersuchungsrichterin, dem Polizisten und dem Urlauber mit. Im Laufe der Ermittlungen wird die Tragweite des zweiten Falles deutlich und welche Gefahren sich daraus auftun. Leider bleibt die Spannung in weiten Teilen übersichtlich und manche Wendung in den Kriminalfällen kommt recht überraschend daher. Eine stärkere Konzentration auf die Kriminalfälle wäre wünschenswert gewesen.


    Fazit:
    Ein Kriminalroman mit Atmosphäre aber zu vielen Nebenhandlungen und Beschreibungen, der die Brisanz der Kriminalfälle verschenkt. So gibt es drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Andrè Milewski – Die Unerbittliche

    „Die Unerbittliche“ ist ein Thriller von Andrè Milewski, der 2018 im Eigenverlag erschienen ist. Dies ist der dritte Band in der Serie um die New Yorker Ermittlerin Heather Bishop.

    Zum Autor:
    André Milewski ist ein aufstrebender Autor von Action- Thrillern. Obwohl er schon immer eine lebhafte Fantasie hatte, entschloss er sich erst 2010 dazu, seinen ersten Roman zu schreiben. Im Dezember 2012 wurde „Geheimakte Labrador“ schließlich veröffentlicht. Seither folgten in regelmäßigen Abständen weitere Romane und im Jahr 2017 wurde das Schreiben schließlich auch zu seiner alleinigen, hauptberuflichen Tätigkeit.

    Klappentext:
    Der neue Fall für Heather Bishop und ihrem Partner Ruben Santiago beginnt mit einem ungewöhnlichen Fundort der Leiche einer jungen Frau. Die Unbekannte hing unter der Brooklyn Bridge und stürzte von dort auf das Deck eines der beliebten New Yorker Ausflugsschiffe. Erste Ermittlungen führen zu einer Verbindung zwischen der namenlosen Toten und der wenige Tage zuvor verstorbenen Tochter eines Filmmoguls mit zwielichtiger Vergangenheit.
    Heather und ihr Partner geraten in die schmutzige Scheinwelt von New Yorks Filmbranche und treffen dabei auf erfolgreiche Schauspieler, cholerische Regisseure und halbseidene Gangster. Aber als ein weiterer Mord geschieht und sich die Hinweise auf den Täter verdichten, nehmen die Ereignisse eine tragische Wendung …

    Meine Meinung:
    Es ist ohne Frage ein Thriller und es geht auch ordentlich zur Sache. Aber trotzdem wurde ich mit dem Buch nicht so recht warm. Und je weiter die Geschichte voran ging, desto weniger konnte es mir gefallen. Die Geschichte spielt in New York, aber merken konnte man das kaum. Atmosphäre fehlt an allen Ecken, es gibt sie einfach nicht. Dazu mit Heather Bishop eine Hauptfigur, die mir fern blieb trotz diverser Eigenschaften einer Superheldin. Dazu ein Schauspieler, dem es schwer fiel, Realität und Filmgeschehen auseinander zu halten. Dann erlebte die einzige Figur, die mir sympathisch war, auch das Ende nicht. Die Charaktere blieben flach und viele Stereotypen fanden Eingang in das Buch. Manchmal wirkte es, als ob man Versatzstücke aus einem Thrillerbaukasten unglücklich zusammen gesetzt hatte. Manchmal schimmerte ein Funken Humor auf und trotz aller negativen Punkte machten manche Szenen sogar Spass beim Lesen. Die Actionszenen waren lesenswert, aber der Rest war nicht gelungen.

    Fazit:
    Ein Thriller mit einigen unterhaltsamen Szenen, dem aber Atmosphäre und Charaktere fehlen. So kann ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten) vergeben.

    Buchmeinung zu Alexander Lorenz Golling – Und es wurde finster

    „Und es wurde finster“ ist ein Kriminalroman von Alexander Lorenz Golling, der 2018 bei Midnight erschienen ist.

    Zum Autor:
    Alexander Lorenz Golling wurde 1970 in Augsburg geboren. Nach einem Musikerdasein in Augsburg und erfolgter Berufsausbildung in Schwäbisch Gmünd ließ er sich in Oberhausen bei Neuburg nieder, um seiner Arbeit im sozialen Bereich nachzugehen. Im Februar 2012 begann er, Romane und Kurzgeschichten des Genres Horror und Mystik zu schreiben.

    Klappentext:
    Kriminalhauptkommissar Brauner aus Ingolstadt hat einen schwierigen Fall zu lösen: Im Dorf Moosbach wurde auf dem heruntergekommenen Bauernhof Finsterholz ein schrecklicher Mehrfachmord verübt und eine ganze Familie ausgelöscht. Die Ermittlungen verlaufen stockend, denn die Dorfbewohner vertrauen eher Gott als der Polizei und ein landwirtschaftlicher Helfer scheint seit der Tat wie vom Erdboden verschluckt. Die einzige Zeugin ist Amelie, doch das 14-jährige Mädchen hat Trisomie 21 und kann nicht sprechen. Wenn Brauner und sein Team doch nur ihre Zeichnungen erkennen könnten … Je weiter das Team ermittelt, desto mehr offenbart sich die Ähnlichkeit zu einem bis heute nicht aufgeklärtem Verbrechen. Ein schlechtes Omen für Brauner und sein Team. Meine Meinung:
    Der Titel ist prägend für die Atmosphäre. Diese ist sehr düster, manchmal schon etwas horrorartig. Was sich in dieser Gemeinde auf den Höfen abspielt erinnert an Beschreibungen aus dem finstersten Mittelalter. Dazu eine Prise religiöser Extremisten und Satanskultanhänger, das war schon starker Tobak, aber nicht so unbedingt meins. Der Kommissar und sein Team waren mir sympathisch und strahlten auch Fachkompetenz aus. Der Erzählstil hat mir hingegen weniger gefallen. Einerseits wirkte es nüchtern wie aus einem Polizeibericht und dann recht gefühlsbetont, wenn die Szene aus der Sicht Kommissar Brauners geschildert wurde. Auch empfand ich einige blutige Szenen als zu detailverliebt und teilweise eklig. Der Plot mit den archaischen Strukturen und Verhaltensweisen wirkte auf mich überzogen und zu extrem.

    Fazit:
    Mein Lesevergnügen blieb gering, weil es mir schlicht zu horrorlastig war. So bleibt es bei zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Brigitte Riebe – Jahre des Aufbaus

    „Jahre des Aufbaus“ ist ein Roman von Brigitte Riebe, der 2018 bei Wunderlich erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Trilogie „Die Schwestern vom Ku‘damm“.

    Zum Autor:
    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt. "Jahre des Aufbaus" ist der Auftakt ihrer großen 50er-Jahre-Trilogie über drei Schwestern und ihr Kaufhaus am Ku'damm. Band 2, "Wunderbare Zeiten", erzählt die Geschichte der mittleren Schwester Silvie, der dritte Teil, "Tage der Hoffnung", widmet sich Nesthäkchen Florentine. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

    Klappentext:
    Berlin im Mai 1945: Es ist die Stunde Null, die Stadt liegt ebenso in Trümmern wie die Seelen der Menschen. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku'damm ist zerstört. Fassungslos stehen die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine vor der Ruine des einst so stolzen Familienunternehmens. Doch Rike, die Älteste, hat einen Traum: Sie will das Kaufhaus wieder aufbauen und mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe in das triste Nachkriegsberlin bringen. Nach der Währungsreform scheint es tatsächlich aufwärts zu gehen, die Menschen hungern nach Konsum und schönen Dingen. Doch die neuen Zeiten bringen neue Probleme. Als ein dunkles Geheimnis zutage tritt, das ein unrühmliches Licht auf das Kaufhaus und seine Geschichte wirft, müssen die Schwestern erkennen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist…

    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich ins Berlin der frühen Nachkriegszeit geführt. Mit viel Sachverstand und historischen Wissen ist diese Geschichte gespickt, ohne aber dabei langweilig zu werden. Der Leser begleitet Ulrike Thalheim, genannt Rike, die mit ihren Schwestern Silvie und Florentine versucht, im Nachkriegsberlin Fuß zu fassen. Sie erweist sich als starke und durchsetzungsfähige junge Frau, der aber auch nicht alles gelingt. Sie muss auch den ein oder anderen Rückschlag verkraften, bleibt aber die Chefin unter den Geschwistern. Die zurückkehrenden Männer wollen später die Führungsrolle übernehmen, was zu einigen Komplikationen führt. Eingefügt in das Schicksal der Thalheim-Schwestern sind eine Vielfalt von Themen und Ereignissen, teils real und teils fiktiv. Ein wichtiges Thema des Buches ist die Frage der Schuld und der Mittäterschaft der deutschen Bevölkerung, welche die Autorin gerade an der Gründergeneration des Kaufhauses festmacht. Erfreulich ist, dass einige Figuren sind deutlich weiterentwickeln und teils einen überraschenden Weg einschlagen. Natürlich spielen auch Zufälle eine Rolle und Rike erfährt Unterstützung von vielen Seiten. Sehr gelungen sind die Beschreibungen der Lebenssituation der Menschen, die deutlich machen, wie schwer es die Menschen damals hatten. An manchen Stellen hat mich das Buch angeregt, mir weitere Informationen im Internet zu suchen, so z. B. zum ersten russischen Stadtkommandanten, der mir völlig unbekannt war, aber für die Stadt Berlin ein unglaublicher Glücksfall gewesen ist. Der Fokus liegt schon auf Rike, aber man erfährt auch viel von Personen aus ihrem Umfeld. Ein weiteres Highlight des Buches sind die Zeittafel und die Anmerkungen der Autorin.
    Auch der Schreibstil ist gelungen und ermöglicht eine flüssige Lektüre. Auch ein wenig Herzschmerz ist in die Geschichte eingearbeitet, auch weil sich nicht alle Wünsche und Hoffnungen der einzelnen Menschen erfüllen.

    Fazit:
    Mir hat die Lektüre des Buches viel Vergnügen bereitet. Gerade die vielen historischen Informationen sind das Salz in der Suppe. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Alex Wagner – Die Toten von Vindobona


    „Die Toten von Vindobona“ ist ein historischer Kriminalroman von Alex Wagner, der 2018 im Eigenverlag erschienen ist.


    Zum Autor: Alex Wagner, geb. 1972, lebt und arbeitet in Wien, ist aber ebenso gerne auf Reisen. Ursprünglich Betriebswirtin, experimentierte sie sich durch die Jobwelt – von Private Banking und Versicherungsvertrieb über Coaching und Hypnose bis zu Weltretten bei Greenpeace. Sie lebt gerne aus dem Koffer und erkundet den Kosmos, per Zug oder im Cyberspace, aber vor allem natürlich auf dem Papier.


    Klappentext: Vindobona, römisches Legionslager und Zivilstadt an der Grenze zum Barbaricum, im 2. Jahrhundert nach Christus. Thanar, Sohn eines germanischen Stammesfürsten und zwielichtiger Händler, wird des Mordes an einem römischen Offizier beschuldigt. Damit nicht genug, wird er kurz darauf auf nächtlicher Straße selbst Zielscheibe eines Attentäters. Die Spur führt zum "Griechen", einem stadtbekannten Sklavenhändler, in dessen Villa sich die Reichen und Mächtigen von Vindobona dem Luxus hingeben – und den schönsten Mädchen der Provinz. Und schon bald sterben weitere angesehene Einwohner der Stadt …


    Meine Meinung: Dieses Buch überzeugt durch die Darstellung des historischen Hintergrundes und seine gelungene Figurenzeichnung. Der germanische Händler Thanar und der römische Soldatenführer Marcellus sind sehr interessante Charaktere, aber getoppt werden sie durch Layla, Thanars Lieblingssklavin, die die beiden männlichen Ermittler unterstützt. Gerade durch Layla erhält man einen gelungenen Einblick in die Welt der Sklaven zu dieser Zeit. Auffallend ist, dass die beiden Männer kaum etwas aus dieser Welt wissen, während Layla vor allem die Kontakte der Sklaven untereinander nutzt. Erzählt wird aus der Sicht Thanars, so dass man auch seine Hoffnungen und Befürchtungen jederzeit miterleben kann. Die Handlung ist verzwickt und die Anzahl der Toten steigt permanent und auch die Ermittler müssen um ihr Leben fürchten. So bleibt es spannend und mit vereinten Kräften kommen die drei Ermittler langsam aber stetig voran. Der Leser kann miträtseln, aber ich wurde durch die Auflösung überrascht, obwohl sie überzeugt und nachvollziehbar ist. Gerne würde ich mehr von diesen Figuren lesen und hoffe, dass es noch mehrere Nachfolgebände geben wird.


    Fazit: Der Kriminalfall aus der Römerzeit hat mich überzeugt und gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Natürlich gibt es auch eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Kriminalromane.

    Buchmeinung zu Isabel Bernsmann – Kommissarin Moll und die Tote vom Grindel

    „Kommissarin Moll und die Tote vom Grindel“ ist ein Kriminalroman von Isabel Bernsmann, der 2018 im Eigenverlag erschienen ist. Dies ist der Debutroman der Autorin.

    Zum Autor:
    Isabel Bernsmann wurde 1967 als Tochter eines Rheinländers und einer Norddeutschen geboren. Und als wäre das nicht schon anstrengend genug, wurde sie kurze Zeit später von selbigen ins Ausland verschleppt.
    Ihr Studium der Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte hat sie wiederum in Deutschland abgeschlossen. Sie arbeitet als Personalerin und lebt mit ihrem Mann und keinen Katzen in Hamburg.

    Klappentext:
    Eine junge Frau wird tot in ihrer Badewanne gefunden.
    Selbstmord.
    Was zunächst wie eine Routineuntersuchung aussieht, entpuppt sich für die Hamburger Kommissare Frederica Moll und Christian Lauterbach jedoch bald als ein Sumpf aus Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch.
    Und während sich Frederica im Zuge der Ermittlungen auch noch den Geistern ihrer Vergangenheit stellen muss, hat Christian von Anfang an seine eigene Agenda.
    Am Ende muss Frederica eine Entscheidung treffen, die ihrer beider Leben auf immer verändern wird.

    Meine Meinung:
    Fangen wir mit dem Positiven an. Der Plot war durchaus interessant, aber dann gab es noch das Personal des Krimis. Mit der Hauptfigur Frederica Moll bin ich zu keiner Zeit klar gekommen. Sie ist gelernte Psychologin und doch wird sie von psychischen Problemen heimgesucht, die sie während dieses Buches nicht in den Griff bekommt. Zu ihr konnte ich weder Sympathie noch Antipathie entwickeln. Sie ist jemand, der mir das ganze Buch über egal blieb. Ihr Verhalten blieb für mich nicht nachvollziehbar und ihre Gedanken blieben mir fremd. Dazu agiert sie zu keiner Zeit als Teamplayer, sondern hängt einen Alleingang an den nächsten. Ihre Glaubwürdigkeit ist nicht gegeben. Sie ist bemüht, Licht in das Dunkel zu bringen, aber fast alles ist nicht mit ihren Kollegen abgesprochen. Ihr Kollege Christian Lauterbach ist ein glaubwürdiger bodenständiger Kommissar, der versucht das Team zusammen zu halten. Dazu kommt eine Gruppe von sehr dunklen Gegenspielern, denen ein paar positive Charakterzüge gut zu Gesicht stünden. So steuert es auf einen Showdown zu, der dieser Geschichte einen weiteren Tiefschlag versetzt. Ein Kleinkrimineller zeigt den Ermittlern ihre Grenzen schonungslos auf und vernichtet auch den letzten Gedanken daran, der geplanten Serie weiter zu folgen.

    Fazit:
    Für mich gab es wenig positives, allein der Plot hatte einige gute Ansätze. Deshalb vergebe ich zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten), verzichte aber auf eine Leseempfehlung.

    Buchmeinung zu Evelyne Weissenbach – Tod eines Weinbauern


    „Tod eines Weinbauern“ ist ein Kriminalroman von Evelyne Weissenbach, der 2018 im Prolibris Verlag erschienen ist. Dies ist der zweite Band um die kauzige Ermittlerin Luise Pimpernell.

    Zum Autor:


    Evelyne Weissenbach, geboren in Wien, lebt mit ihrem Ehemann, dem Maler Heinz Spicka, seit 2006 im österreichischen Burgenland. Seit Jahrzehnten schreibt und veröffentlicht sie Texte und Bücher zu Themen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Vom Sachbuch bis zur Lyrik. Je nachdem, was sie gerade beschäftigt und wie es sie emotional berührt. Und deshalb eben manchmal sachlich, manchmal poetisch, auch satirisch, experimentell und erotisch. Ihre neueste Schreiblust gilt dem Regionalkrimi. Land und Leute ihrer neuen Heimat geben ihrem Leben besondere Qualität, und sie möchte etwas davon zurückgeben, indem sie ihren liebevollen Blick darauf in authentische, aber vor allem auch humorvolle Krimis packt.


    Klappentext:
    "Einen Toten haben wir schon länger keinen mehr gehabt. Vielleicht wird's spannend", freut sich die Büroassistentin, als Oberst Doktor Luise Pimpernell zu Ermittlungen in ihren Heimatort am Neusiedlersee aufbricht. Beim Anblick des Opfers erschrickt die liebenswert-schrullige Ermittlerin: Es ist der alte Emser! Sein Weinkeller in den Rieden ist ihr oft Zufluchtsort an anstrengenden Tagen gewesen. Zwei Wochen lag der erschlagene Weinbauer unter den Schneemassen, erst das Tauwetter hat die Leiche freigegeben. Die Pimpernell schaut dem alten Mann noch einmal zärtlich ins Gesicht und verspricht ihm, seinen Mörder zu finden. Sie beginnt die Suche in der Familie, die den Vater und Großvater nicht einmal vermisst hat. Aber nun ist bei allen das Interesse an dem Erbe groß: neben einer großen Summe Bargeld vor allem der Hof und die Weinberge, die der Emser verpachtet hatte. Alle haben schon Pläne für den Nachlass und Luise reiht sie unter die Verdächtigen ein. Dazu gesellen sich der Pächter, dem der Emser sein Land nicht mehr geben wollte. Und die Honoratioren des Ortes, die aus dem Hof gern eine Touristenattraktion machen wollen. Die Pimpernell deckt mit ihrem Scharfsinn die möglichen Motive für einen Mord auf und auch ihre Intuition führt sie schließlich zum Mörder


    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist anders als viele moderne Krimis und das ist gut so. Wer lärmende Handlungen, blutige Gewaltbeschreibungen und atemberaubende Verfolgungsjagden mag, sollte sich ein anderes Buch suchen. Dieser Krimi ist ein ganz leiser, der durch Atmosphäre und Milieubeschreibung besticht. Oberst Doktor Luise Pimpernell, die Hauptfigur, ermittelt am Neusiedlersee. Sie ist ein Kind dieser Region, kennt Opfer und Verdächtige und sorgt sich um ihre Region und die dort wohnenden Menschen. Sie ist eine engagierte und fähige Polizistin, die nicht so sehr auf Technik, dafür aber auf Empfindungen, Beobachtung und ihr berühmtes Bauchgefühl vertraut. Sie ist keine Wunderfrau, manchmal etwas grantig und ganz sicher nicht vollkommen, aber sie ist sehr sympathisch. Sie agiert mit der Kraft einer in sich ruhenden Persönlichkeit, befragt die Verdächtigen und die Verwandten des Opfers. Dies wird in einigen Szenen recht persönlich und fällt der Luise nicht leicht. Im Vergleich zur Ermittlerin sind die übrigen Figuren weniger ausführlich beschrieben und doch sind es komplexe Charaktere. Sie wirken durch die Bank glaubwürdig und manch einer von ihnen wird auf den ersten Blick unterschätzt. Allen voran trifft dies auf das Opfer zu, den Luise Pimpernell schon Jahre kennt, und doch neue Aspekte an ihm während ihrer Ermittlungen bemerkt. Thema ist auch das Aufeinandertreffen gewachsener Strukturen auf moderne Entwicklungen. Das Beziehungsgeflecht ist nicht leicht zu durchschauen, aber Luise Pimpernell ist hartnäckig. Der hintergründige Humor kommt nicht zu kurz und die Liebe zu den alten Traditionen und einer gewachsenen Dorfgemeinschaft wird von der Autorin deutlich gemacht. Dabei werden auch Probleme ländlicher Gebiete aufgezeigt und keine Schönfärberei betrieben. Auch der Plot ist durchaus anspruchsvoll. Der Schreibstil der Autorin hat mich von Anfang an gefangen genommen und die Thematik hat mich angesprochen. Auch ist die Geschichte auf ihre Art spannend. Nicht allein die Mördersuche, sondern auch die vom Opfer eingeleiteten Prozesse sorgen dafür.


    Fazit:
    Dieser Kriminalroman besticht durch Atmosphäre, eine bodenständige und sympathische Ermittlerin und der Liebe der Autorin zu dieser Region am Neusiedlersee. Es ist ein Krimi der leisen Töne, der mich jederzeit gefangen genommen hat. Er ist auf das Opfer und die Ermittlerin fokussiert und entwickelt einen ungewöhnlichen Reiz auf den Leser. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für die Freunde leiser Kriminalromane aus.

    Buchmeinung zu Andreas Gruber – Rachewinter


    „Rachewinter“ ist ein Thriller von Andreas Gruber, der 2018 bei Goldmann erschienen ist. Dies ist der dritte Band in der Serie um den Leipziger Kommissar Walter Pulaski und die Wiener Anwältin Evelyn Meyers.


    Zum Autor:

    Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie und fünf Katzen in Grillenberg in Niederösterreich. Seine Bücher wurden u.a. für den Friedrich-Glauser-Krimi Preis nominiert, mit der Herzogenrather-Handschelle, dem Skoutz-Award, dem Leo-Perutz-Krimi-Preis, dreimal mit dem Vincent Preis und dreimal mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Mehrere Männer im besten Alter, erfolgreich und vermögend, werden grausam ermordet – und obwohl sie in verschiedenen Städten lebten, haben sich alle kurz vor ihrem Tod mit einer geheimnisvollen dunkelhaarigen Frau getroffen. Doch diese bleibt ein Phantom. Das müssen auch Kommissar Walter Pulaski in Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers in Wien feststellen, die beide in die Fälle verwickelt werden. Anders als die Polizei lassen sie sich jedoch nicht entmutigen, erst recht nicht, als sie erkennen, dass sie die Mordserie nur gemeinsam lösen können. Allerdings ist der Täter raffinierter, als sie denken – und spielt auch mit ihnen sein gefährliches Spiel ...


    Meine Meinung:

    Dieses Buch besticht durch die sympathischen Ermittler, die trotz aller Widerstände ihren Weg geradlinig gehen. Ihre Figuren sind glaubhaft gezeichnet mit Stärken und mit Schwächen. Auch ihre Gegenspieler sind komplex gestaltet, auch wenn sie noch die ein oder andere positive Komponente vertragen könnten. Wie in den Vorgängern üblich entwickeln sich die Dinge zuerst unabhängig voneinander in Wien bzw. in Leipzig. Beide Ermittler erhalten neue Unterstützung. In Wien ist es der neue Assistent der Anwältin, der sich einfallsreich und nicht immer gesetzeskonform einbringt. Seine Figur gefällt mir sehr. In Leipzig wird Pulaski von seiner Tochter und deren Freundin, der Tochter eines Opfers, begleitet. Die beiden jungen Damen sind sich des Risikos nicht bewusst und agieren etwas unbeholfen, aber mit Leidenschaft. Der Plot ist wieder ausgeklügelt und hält bis zum Ende die ein oder andere Überraschung bereit. Nicht gefallen hat mir die ein oder andere Gewaltdarstellung, die meiner Meinung nach nicht in dieser Deutlichkeit nötig gewesen wäre. Auch das Ende mit einem zum Supermann mutierenden Helden war mir zu übertrieben, auch wenn es um seine Tochter ging. Trotzdem war die Spannung während des gesamten Buches gegeben und der Stil des Autors regte zum Mitfiebern an.


    Fazit:

    Ein spannender Krimi mit überzeugenden Figuren, einem ausgeklügelten Plot und einer für mich zu ausführlichen Gewaltdarstellung, die die Höchstwertung verhindert. So vergebe ich gute vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus, sofern man mit der Gewaltdarstellung keine Probleme hat.

    Eine Hauptfigur, die mir fern blieb


    „Harte Landung“ ist ein Roman von Simon Tanner, der 2018 im Unikat Verlag erschienen ist. Es ist der Debutroman des Autors.


    Zum Autor:
    Simon Tanner studierte Jura und arbeitete als Journalist, bevor er eine Managementkarriere begann.
    Er kennt das kunstvolle Geflecht aus Intrigen und Eitelkeiten in den Machtzentralen großer Konzerne aus eigener Anschauung.


    Klappentext:
    Heiko Anrath, Familienvater, leidenschaftlicher Schachspieler und erfahrener Manager der Nerma AG, ist so sagt man es ihm eine der großen Hoffnungen des Konzerns.
    In der Welt des Top-Managements kann das zweierlei heißen: Sein Rausschmiss steht unmittelbar bevor oder man macht sich Sorgen, dass er plötzlich zu einem anderen Unternehmen verschwindet.
    Kaum fragt sich Anrath, was von Beidem wohl die bessere Alternative ist, wird sein geordnetes Managerleben mit einem Schlag auf den Kopf gestellt: Da ist seine Kollegin Alexandra Keres, zu der er sich umso stärker hingezogen fühlt, je mehr sie ihn zurückweist. Dazu kommen die dubiosen Anrufe eines Headhunters, der ihm den Job seines Lebens anbieten will.
    Anrath ist hin und her gerissen. Eine neue Liebe, ein neuer Job - mit einem Wort ein neues Leben - das klingt fast zu verlockend, um wahr zu sein. Ist er wirklich bereit, sein ganzes Leben umzukrempeln? Anrath ahnt nicht, dass er nicht der König in seinem Spiel, sondern der Bauer in der Partie eines anderen sein wird.


    Meine Meinung:
    Der Prolog bildet auch den Abschluss des Buches, wird vom Leser aber sicherlich anders interpretiert. Eine interessante Idee des Autors, die mir gefallen hat. Ahnlich ist es mit dem Wechsel zweier Erzählstränge, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spiegeln. Die kürzeren Kapitel spielen zu einer späteren Zeit und in ihnen reflektiert der Protagonist Heiko Anrath das Geschehen der Hauptebene. Zwischen den beiden Zeitebenen liegen einige Monate und das Leben von Heiko Anrath hat sich massiv geändert. Dies klingt spannend, ist es aber leider nicht. Heiko Anrath ist eine Figur, die mich völlig kalt gelassen hat. Die Geschichte wird weitgehend aus seiner Sicht erzählt und doch konnte ich weder Sympathie noch Antipathie entwickeln. Dies liegt zum Teil sicherlich daran, dass viele Aspekte nur angedeutet werden, insbesondere wenn es um die Personen geht, die mit ihm spielen. Gerade hier gibt es nur ein paar Andeutungen und es bleibt sehr vage. Auch die Gefühle Anraths harmonieren nicht mit seinem Handeln. Er trifft Entscheidungen, die schlicht nicht nachvollziehbar sind und auch nicht zu seiner Position im Unternehmen passen. Man spürt, dass Heiko Anrath den Boden unter den Füßen verliert, erkennt aber nicht wirklich warum. In den kurzen Kapiteln der späteren Zeitebene erfährt man mehr über die Figur Anrath. Diese fand ich recht gelungen, weil man versteht, was mit ihr geschieht und wie sie auf die Änderungen reagiert.


    Fazit:
    Dieses Buch hat mich enttäuscht, weil sich kaum Bindung zur Hauptfigur einstellte und auch das Geschehen oft hinter den Kulissen blieb. So kann ich nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten) vergeben.

    Buchmeinung zu Anna Tell – Vier Tage in Kabul


    „Vier Tage in Kabul“ ist ein Thriller von Anna Tell, der 2018 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Ulla Ackermann erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „Fyra dagar i Kabul“ und ist 2017 erschienen. Die ungekürzte Hörbuchfassung ist im Audiobuch Verlag erschienen und wird durch Svenja Pages vorgetragen.


    Zum Autor:

    Anna Tell lebt in Stockholm und ist Politologin und Kriminalkommissarin. Sie verfügt über zwanzig Jahre Polizei- und Militärerfahrung und war sowohl in Schweden als auch im Ausland im Einsatz. «Vier Tage in Kabul» ist ihr Debütroman und Auftakt zu einer Reihe um die schwedische Unterhändlerin Amanda Lund.


    Klappentext:

    Die schwedische Polizeiausbilderin und Verhandlungsführerin Amanda Lund ist für ein Jahr in Afghanistan stationiert, sie soll die Sicherheitskräfte vor Ort schulen. Gerade erst hat die 35-Jährige einen Angriff der Taliban überlebt, da erhält sie einen neuen heiklen Auftrag: In Kabul wurden zwei Diplomaten der schwedischen Botschaft entführt, Amanda soll als Unterhändlerin fungieren. Der Druck ist immens, denn in Schweden erwartet man afghanischen Staatsbesuch …

    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist sehr spannend und gut konstruiert, aber was die Heldin aushalten muss, ist derart übertrieben, dass es den guten Gesamteindruck schmälert. Bei einem Einsatz in Afghanistan erschießt sie wohl einen Angreifer, hat es mit Leuten zu tun, die sie betrügen und stellt dann auch noch fest, dass sie schwanger ist. Der Mann ist verheiratet und zieht sich aus der Verantwortung. Zugesagte Verstärkungen verzögern sich, ihr Vater ist dement und auch ihre Auftraggeber und Ansprechpartner vor Ort haben eigene Interessen. Allein ihr Einsatzpartner in Stockholm ist eine verlässliche Größe. Aber auch in Stockholm gibt es Leute, die nicht an der Wahrheit interessiert sind. Amanda Lund ist eine hochqualifizierte Polizistin, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlt und sich auch durchsetzen kann.
    Sie ist intelligent und gut vernetzt, so dass sie viele Informationen erhält und diese auch in einen Zusammenhang stellen kann. Es werden viele Punkte thematisiert und auch hier war mein Eindruck, weniger wäre mehr gewesen. Entführung, Rauschgift, sexuelle Ausrichtung, politische Rücksichten und Einmischung in die Ermittlungsarbeit, Vertuschungen und …

    So entsteht ein Bild einer unwirklichen Protagonistin, die mehr einer Comicfigur als einer realen Ermittlerin gleicht. Amanda arbeitet in einem dunklen Loch und doch lässt sie sich nicht einschüchtern und ermittelt furchtlos weiter. Das Bild der schwedischen Gesellschaft ist dunkel und das Bild Afghanistan ist noch mehr als eine Spur dunkler. Die Handlung wechselt zwischen ruhigen Phasen und Kommandoeinsätzen ohne dabei an Spannung zu verlieren. Mühsam lüftet Amanda die Geheimnisse und am Ende gibt es noch eine große Überraschung.



    Sprecher:

    Svenja Page überzeugt. Sie gibt jeder Figur eine erkennbare Stimme und verzichtet auf übertriebene Darstellungen, so dass das Buch auch unterwegs gut verständlich ist. Ihre Stimme ist angenehm und ihre Aussprache lässt keine Wünsche offen.

    Fazit:

    Eigentlich ist es ein sehr guter Thriller, der sehr spannend und interessant ist. Allein die Übertreibungen hinsichtlich der Hauptfigur und dem Umfeld schmälern das Lesevergnügen deutlich. In beiden Fällen wäre weniger mehr gewesen. So reicht es zu dreieinhalb Sternen, die ich diesmal aufrunde (70 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Paula McLain – Hemingway und ich

    „Hemingway und ich“ ist ein Roman von Paula McLain, der 2018 im Aufbau Verlag in der Übersetzung von Yasemin Dincer erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „Love and Ruin“ und ist 2018 erschienen.

    Zum Autor:
    Paula McLain, geboren 1965, studierte an der University of Michigan Kreatives Schreiben und lebte in den Künstlerkolonie Yaddo und MacDowell. Paula McLain lebt mit ihrer Familie in Cleveland.

    Klappentext:
    Eine große Liebe vor der bedrohlichen Kulisse des Zweiten Weltkriegs: Meisterhaft inszeniert Paula McLain die außergewöhnliche Geschichte von Ernest Hemingway und seiner dritten Frau, der berühmten Kriegsreporterin Martha Gellhorn.
    Als Martha sich haltlos in den zehn Jahre älteren Ernest verliebt, ist sie gerade achtundzwanzig Jahre alt. An seiner Seite legt sie den Grundstein für ihre Karriere als Autorin. Doch als Ernest immer größere Erfolge feiert, muss Martha sich entscheiden: Möchte sie die Frau eines weltberühmten Mannes sein oder ihren eigenen Weg gehen?

    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Eindrucksvoll wird der Aufstieg der Hauptfigur geschildert, die ohne Frage eine starke Frau ist. Es ist eine Hommage an Martha Gellhorn und ich muss sehr aufpassen, nicht Fiktion und Wirklichkeit zu vermischen. Obwohl die Geschichte fast ausschließlich als Ich-Erzählung Marthas erfolgt, ist sie mir fremd geblieben. Man erfährt viel von Begebenheiten aus Friedens- und Kriegszeiten, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es fast immer an der Oberfläche blieb. Deutlich wurde, dass Martha einen starken Willen und den festen Vorsatz hat, als eigenständige Schriftstellerin anerkannt zu werden. Nicht deutlich wurde, was sie ausgerechnet an der Figur Hemingway so angezogen hat. Einerseits ist Martha eine Frau der nüchternen Analyse, aber im Umgang mit Hemingway ist sie seltsam inkonsequent. Dazu kommen die Stellen, die nicht in der Ich-Form erzählt werden. In ihnen kommt Hemingway sehr schlecht davon und so fand ich es nicht in Ordnung und wirkte wie billige Stimmungsmache. Positiv empfand ich, dass Martha auch Schwächen zugestanden worden. In vielen Bereichen sind sich Martha und Ernest sehr ähnlich. Sie sind beide Alphatiere, die ein Leben nach eigenen Maßstäben führen und denen die öffentliche Meinung relativ egal. Natürlich ist es aber bei Martha etwas Besonderes, weil sie es sich als Frau einfach herausnimmt. Bei beiden Figuren wird der Konflikt zwischen persönlichem Glück und beruflichem Erfolg herausgearbeitet. Bei beiden Figuren ist der Erfolgswille dominant und so können sie nicht über längere Abschnitte gemeinsam glücklich sein. Keiner von beiden kann oder will sich dem Partner unterordnen.

    Fazit:
    Eine Hommage an die Schriftstellerin Martha Gellhorn, aber auch ein unglücklicher Versuch, ihre Beziehung zu Ernest Hemingway zu beschreiben und zu analysieren. Gerade hier blieb vieles blass. Deshalb vergebe ich drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Buchmeinung zu Oliver Pötzsch – Der Spielmann

    „Der Spielmann“ ist ein Roman von Oliver Pötzsch, der 2018 bei List Hardcover erschienen ist. Dies ist der erste Band der Serie um Johann Georg Faustus.

    Zum Autor:
    Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt. Er fand außerdem heraus, dass das Richtschwert der Familie in den 70ern des letzten Jahrhunderts aus einem Heimatmuseum gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Sein 2008 erschienener Roman „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Der Autor arbeitet für den Bayrischen Rundfunk und lebt in München.

    Klappentext:
    1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …

    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurück gelassen. Der Anfang und das Ende haben mir vorzüglich gefallen und mich regelrecht mitgerissen. Aber die Zeit als Gaukler und als Student in Heidelberg haben mich nicht gepackt. Sie waren mir zu ausführlich und ich hatte stellenweise das Gefühl, in eine Abart von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geraten zu sein. Die Besuche der Privatbibliothek in Venedig oder die wiederkehrenden Treffen mit Margarethe sorgten für wenig Spannung und brachten kaum etwas Neues. Kein Vergleich mit den wirklich gelungenen Erzählungen aus Knittlingen oder Nürnberg. Diese Passagen hatten Atmosphäre, Tempo und Spannung. Dort zeigte der Autor seine Extraklasse.
    Die Figur des Johann Georg hat mir sehr gut gefallen. Anfänglich ein sympathischer Junge, der ob seines Verstandes und seiner Herkunft als Bastard sehr häufig gemoppt wurde, entwickelte er sich zu einem intelligenten, aber nur auf den eigenen Vorteil ausgerichteten Menschen, der so gut wie keine Freunde hatte und selbst diese betrog. Einzig Margarethe und sein Hund Satan bedeuteten ihm etwas. Faustus ist ein Mensch mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, der unentwegt nach mehr Wissen verlangt. Sein Gegenpart Tonio del Moravia ist aus ähnlichem Holz gestrickt und wirft seine Erfahrung und seine Kontakte in die Waagschale. Dieser Zweikampf zieht sich durch das ganze Buch, auch wenn es längere Passagen gibt, in denen Tonio im Hintergrund bleibt. Man leidet mit Faustus, der alles versucht, um in diesem ungleichen Kampf zu bestehen. Unterstützt wird er von nur wenigen, die zudem von viel geringerem Kaliber sind. So ganz nebenbei erfährt man viel über den Stand der Wissenschaft, das an den Hochschulen gelehrte Wissen und die Gefahr, der sich forschende Geister ausgesetzt sahen. Diese Darstellungen sind faszinierend.

    Fazit:
    Dieser Roman ist in einigen Teilen faszinierend und fesselnd, verliert aber zwischenzeitlich an Spannung und Tempo. Deshalb vergebe ich (nur) vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten), spreche aber eine Leseempfehlung aus, weil besonders der Anfang und das Ende herausragend sind.

    Buchmeinung zu Rainer Krämer – Sasquatch

    „Sasquatch“ ist eine Kurzgeschichte von Rainer Krämer, die 2018 bei booksnacks.de erschienen ist.
    Zum Autor:
    Rainer Krämer veröffentlicht als Archäologe und Autor seit 2001 überwiegend Sachtexte zu den Themen Archäologie und alte Geschichte. Im Jahr 2009 erschien beim Twilight-Line-Verlag das Buch Atlantis: Das Rätsel des Aristokles. Darauf folgte 2013 bei Books on Demand Die Kelten: Geschichte-Religion-Mythos und 2015 Von Schwarzen Pyramiden und anderen Rätseln. Die Kurzgeschichte Sasquatch ist sein erstes belletristisches Werk.

    Klappentext:
    In der Wildnis kannst du nie wissen, was dich erwartet ...
    Der Vertreter Richard Anderson hatte heute keinen guten Tag. Zu allem Überfluss baut er in den Rocky Mountains einen Unfall. In der einsamen Gegend ist weit und breit keine Hilfe in Sicht. So macht er sich zu Fuß auf den Weg in ein Abenteuer, das unerwartete Begegnungen zur Folge hat. Dabei taucht er in eine Welt ein, die schon längst untergegangen zu sein schien.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch nimmt sich des Themas Grenzerfahrung an. Mit einer Prise Mystik werden die Erlebnisse eines Vertreters nach einem schweren Autounfall in abgelegener Gegend beschrieben. Die Erzählweise ist nüchtern, aber auch interessant und am Ende fragt man sich, wie es wirklich war. Dies alles ist als Kurzgeschichte verpackt und durchaus lesenswert und regt zum Nachdenken an.

    Fazit:
    Von mir gibt es drei von fünf Sternen (65 von 100 Punkten). Empfehlenswert als Booksnack für zwischendurch.

    Buchmeinung zu Ralf Kramp – Aus finsterem Himmel


    „Aus finsterem Himmel“ ist ein Kriminalroman von Ralf Kramp, der 2018 bei KBV erschienen ist.
    Dies ist der achte Band um Herbie Feldmann.


    Zum Autor:
    Ralf Kramp, geboren 1963 in Euskirchen, lebt in einem alten Bauernhaus in der Eifel. Für seinen Debütroman »Tief unterm Laub« erhielt er 1996 den Förderpreis des Eifel-Literaturfestivals. Seither erschienen mehrere Kriminalromane und zahlreiche Kurzgeschichten.


    Klappentext:
    Ein Spinner, ein Familiengeheimnis und ein uraltes Schauermärchen …
    Ein Fall für Herbie und Julius
    Es ist Sommer in der Eifel, die Zeit der Straßenbaustellen und Umleitungen. Hätte Herbie nicht den Versuch unternommen, einen Schleichweg zu benutzen, wäre ihm nicht dieses Tier vors Auto gelaufen. Die Schadenfreude bei seinem allgegenwärtigen Begleiter Julius ist groß.
    Das Rind gehört dem Marshal, einem Bauern, der seinen Hof zur waschechten Ranch umfunktioniert hat und Herbie dazu verdonnert, den Schaden abzuarbeiten. Herbie verstrickt sich dabei unmerklich in ein Netz von Verpflichtungen und gerät zudem in eine alte Fehde, die mindestens einer der Beteiligten gerne nach echter Wildwestmanier beenden würde.
    Mitten hinein in das bedrohliche Szenario platzt die Nachricht vom Verschwinden eines jungen Rucksacktouristen, der an der Grundstücksgrenze des Marshals campiert hat. Ist er womöglich ebenfalls zwischen die Fronten geraten? Oder hat ihn der Ginstermann geholt, eine finstere Eifeler Sagengestalt, die in Gewitternächten ihr Unwesen treiben soll?


    Meine Meinung:
    Dieses Buch lebt von seinen Hauptfiguren, dem etwas chaotischen Herbie Feldmann und seinem nur für ihn sichtbaren aber allgegenwärtigen Begleiter Julius. Um diese Beiden herum agiert eine Schar meist recht skurriler Figuren, die meist deutlich überzeichnet sind. Julius ist ein unermüdlicher Kritiker von Herbies Tun. Was auf den Leser lustig wirkt muss für Herbie die Hölle sein. Der Kriminalfall ist kaum mehr als Beiwerk für das Figurenensemble und bleibt lange Zeit im Hintergrund. Am Ende entwickelt Herbie durchaus Ermittlerqualitäten, auch wenn er mit seinen Vermutungen nicht immer richtig liegt. Herbie ist kein absoluter Sympathieträger, weil er schon mal Fremde schamlos ausnutzen möchte. Wenn es nicht klappt, ist ihm die Schadenfreude des Lesers sicher. Gefallen hat mir bei Herbie, dass er niemals aufgibt und versucht mit all den Unbillen, die ihn treffen, zu recht zu kommen. Der Schreibstil ist angenehm und die Geschichte kann flüssig gelesen werden. Auch die Figuren haben ihren Reiz und auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt so aussieht, so sind sie doch liebevoll beschrieben.


    Fazit:
    Ein Kriminalroman mit vielen skurrilen Figuren und einem für die Welt unsichtbaren Helden. Mir war es etwas überzogen und so bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Buch, wenn einem diese Art des Humors mit den etwas abgedrehten Figuren zusagt.