Beiträge von buecherwand13

    Komplexer, aber auch verwirrender als die bisherigen Kate Morton-Bücher


    Wie bei den Romanen von Kate Morton entdeckt auch hier eine Protagonistin aus der Jetzt-Zeit hinweise auf ein Familien-Mysterium im 19. Jahrhundert. Es ist verbunden mit dem Nachlass von James Stratton sowie dem Haus Birchwood Mannor, das ihr seltsam vertraut vorkommt.


    Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich ein großer Fan von Kate Morton bin. Ihre Romane fand ich bisher immer sehr spannend und gut geschrieben. Auch wenn sie vom Ansatz her immer sehr ähnlich waren. Daher war ich erst einmal positiv überrascht, dass in diesem Buch die Handlung nicht nur in zwei Zeiten und aus zwei Perspektiven berichtet wurde, sondern in mehreren Zeiten spielt. Die Protagonistin, die die Handlung aus der Neuzeit heraus bildet, war mir leider etwas unsympathisch, aber ich finde, Kate Morton (und Dank an die super tolle Übersetzerin) schreibt so gut, dass ich die ersten Seiten verschlungen habe. An den häufigen Zeitenwechsel war ich von früheren Büchern der Autorin ja schon gewöhnt und es machte mir nichts aus, hier in mehrere Zeitabschnitte zu springen. Im Gegenteil, dies machte die Geschichte für mich noch einmal besonders. Das Buch ein paar Tage wegzulegen, erschwerte allerdings den Wiedereinstieg - am Stück lesen wäre auf jeden Fall empfehlenswert.


    Allerdings muss ich ebenfalls sagen, dass die Anzahl der Handlungen mir gegen Ende auch zu viel wurde. Immer wieder werden neue Handlungsstränge aufgegriffen und man fragt sich, wie diese Protagonisten am Ende alle zusammenkommen. Leider lösen sich nicht alle der aufgeworfenen Fragen am Ende, was dann meine ursprünglich angedachte Bewertung von fünf Sternen auch auf drei reduziert hat. Schade um den aus meiner Sicht sehr guten ersten Teil des Buches.


    Mein Fazit :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Eine erste Liebe besonderer Art

    „Can you help me find …“ ist ein therapeutisches Spiel, das Evie von ihrer Therapeutin als Kind zur Therapie ihrer Sozialphobie verordnet bekam. Mit ihrem Freund Caleb ging sie dann in die Bibliothek und musste nach einem von Caleb ausgesuchten Buch fragen. Mittlerweile sind beide 17, auf einem naturwissenschaftlichen College und Evie ist ein Mathecrack geworden. Die Liebe zur Mathematik gibt ihr Sicherheit – und Caleb. Aber dieser ist heimlich in Evie verliebt. Evie jedoch, scheint noch nicht bereit für eine Liebe zu einem Jungen. Alle bisherigen Versuche von Jungs aus ihrer Klasse hat sie mit ihrer direkten, ehrlichen Art und einem fehlenden Verständnis für die wahren Interessen der Jungen abgebügelt. Caleb aber kann warten. Irgendwann wird Evie bereit für ihre erste Liebe sein und in wen, wenn nicht in ihren besten Freund, der immer für sie da ist, sollte sie sich dann verlieben?


    Doch dann kommt Tom neu in die Klasse. Er ist der einzige, der Evie im Hinblick auf Mathematik das Wasser reichen kann und macht dadurch Evie auf sich aufmerksam. Plötzlich spürt sie etwas in sich, das sie noch nicht zuvor gekannt hat. Caleb beobachtet die beiden argwöhnisch. Wie soll er sich verhalten? Und kann er Evie dennoch für sich gewinnen?


    Die Geschichte von Evies erster Liebe und ihrer Beziehung zu Tom und Caleb ist sehr schön geschrieben und liest sich sehr gut. Dass die Kapitel abwechselnd aus Sicht von Evie und Caleb geschrieben sind, erfordert immer wieder eine kurze Phase des Umdenkens, ist mir dann aber doch meist recht schnell gelungen. Die Figuren sind sehr gut beschrieben und die Handlung eine gute Mischung aus spannend, interessant und unterhaltsam. Die verarbeiteten mathematischen Aufgaben und Theorien lassen die Liebesgeschichte vor einem besonderen Hintergrund geschehen. Auch wenn ich nicht jedes Detail davon verstanden habe und manches vereinfacht dargestellt wurde, konnte ich auch diesem Teil der Geschichte gut folgen. Ob dies auch ohne ein gewisses naturwissenschaftliches Interesse möglich ist, kann ich nicht beurteilen – mir hat auch dieser Teil der Geschichte sehr gut gefallen. Herzhaft gelacht habe ich auch über die an einigen Stellen eingestreuten Witze über Mathematiker und Physiker.


    Mir hat diese etwas andere Liebesgeschichte sehr gut gefallen. Sie ist sehr gut geschrieben und an den fachlichen Bezügen wird die Liebe der Autorin zu Mathematik deutlich. Ich denke das Buch wird daher auch Lesern gefallen, die zwar keine Mathematik aber romantische Liebesgeschichten lieben.


    Mein Fazit::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Nicht ganz einfach, aber absolut lesenswert!


    Joe Hammond ist junger Familienvater und lebt mit seiner Familie in Portugal als er die Diagnose Motoneuronenkrankheit erhält. Eine Krankheit, die zunächst mit Bewegungsstörungen beginnt und dann zu einem schnellen körperlichen Abbau und zu einem baldigen Tod führt. Wie er diese Zeit erlebt und wie er neue Seiten des Lebens kennen und wertschätzen lernt, davon erzählt dieses autobiographische Buch.


    Ich fand das Buch sehr berührend, interessant und vor allem durch den Humor des Autors auch sehr unterhaltsam. Dass ein Leben, das sich von einem Moment auf den anderen so radikal ändert und mit ständig fortschreitenden körperlichen Einschränkungen verbunden ist, auch schöne Seiten haben kann, ist eine wichtige Botschaft von Joes Geschichte. Diese Haltung, die in allen Abschnitten deutlich wird, hat mich sehr beeindruckt. Immer weniger kann er selbst machen, aber umso mehr schätzt er kleine Dinge und schöne Augenblicke. Einige Situationen sind auch mit unterhaltsamer Selbstironie beschrieben und regen an, über Gesundheit und Krankheit und das häufig damit verbundene schwarz-weiß Denken nachzudenken. Einige Zwischenpassagen über Erlebnisse vor seiner Krankheit, fand ich nicht so interessant und habe sie teilweise eher überflogen. Allerdings schrieb Hammond das Buch ja auch in erster Linie für seine Söhne und erst in zweiter Linie für ein breites Publikum. Ich finde es dennoch sehr wertvoll, dass er diese zum Teil sehr intimen Schilderungen auch anderen Interessierten zugänglich macht.


    Ich finde das Buch empfehlenswert für jeden, der sich mit Leben und Tod auseinandersetzen möchte. Man sollte aber bereit und offen dafür sein, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und den teilweise sehr bildlich beschriebenen Gedanken des Autors zu folgen, auch wenn sie sich teilweise etwas unsortiert aneinanderreihen und nicht immer einem eindeutigen roten Faden folgen. Dennoch ist das Buch sehr gut geschrieben und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

    Meine Bewertung: 4 von 5 Sterne:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Spannende Suche nach der eigenen Identität


    Äußerlich ist Nadja eine gewöhnliche Frau Anfang vierzig
    mit einem Mann und einer pubertierenden Tochter. Allerdings weiß sie, dass sie
    adoptiert wurde. Ihre genaue Herkunft und die Umstände ihrer Adoption sind ihr
    nicht bekannt, da die wenigen Versuche, mehr zu erfahren von ihrer
    (Adoptiv-)Mutter stets abgeblockt wurden. Als sie eines Tages jedoch die Stimme
    einer Frau im Radio hört, die der eigenen und der ihrer Tochter ungewöhnlich
    ähnlich zu sein scheint, ist ihre Neugier geweckt und sie versucht Kontakt mit
    der Frau aufzunehmen. Schon bald stellt sich heraus, dass diese Frau nicht nur
    mit ihr verwandt, sondern sogar ihre Zwillingsschwester ist. Die Begegnung mit
    Pia sorgt bei Nadja zwar für das Gefühl, ein wichtiges, fehlendes Puzzleteil in
    ihrem Leben gefunden zu haben, weckt aber zunehmend wieder die Frage nach ihrer
    Herkunft. Nadja lässt sich bei ihren Nachforschungen auch nicht davon abhalten,
    dass sich auch Pia und ihre Ziehmutter, die sich als Schwester der leiblichen
    Mutter herausstellt, allen Fragen im Hinblick auf Nadjas Mutter in Schweigen
    hüllen.

    Ich wollte dieses Buch vor allem deshalb unbedingt lesen,
    weil es mich interessierte, wie das wohl sein mag, plötzlich zu erfahren, dass
    man eine Zwillingsschwester hat. Zu spüren, dass ein Puzzleteil, das das ganze
    Leben – meist unbewusst – gefehlt hat, plötzlich auftaucht, Fragen beantwortet
    und die eigene Person vervollständigt. Ich fand es daher etwas schade, dass
    diese Erfahrung in dem Buch vergleichsweise wenig thematisiert wird. Der Roman
    handelt überwiegend von der Suche der Protagonistin nach ihrer Herkunft, nach
    ihrer Mutter und den Umständen und Gründen ihrer Adoption. Prinzipiell hätte
    diese Geschichte also auch ohne das Zwillingsthema geschrieben werden können.
    Es war jedoch sehr gut zu lesen und recht spannend geschrieben. Daher habe ich
    es insgesamt doch sehr gerne gelesen und als gut zu lesen und interessant
    erlebt. Phasenweise hat es mich ein wenig an die Romane von Kate Morton
    erinnert, bei denen die Protagonistinnen ja auch häufig auf der Suche nach
    Antworten auf ihre Herkunft oder Rätsel in der Familie sind. Auch wenn diese
    Familiengeschichte nicht ganz so komplex war und nicht ganz so weit
    zurückreichte, war sie spannend und unterhaltsam zu lesen.

    Mein Fazit: Im Vergleich zum Titel zu wenig
    Zwillingsthema, aber trotzdem eine spannende Geschichte über die Suche nach der
    eigenen Herkunft
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bülent Rambichler ist zwar aus Prestigegründen Kommissar
    geworden, hält aber nichts von praktischer Aufklärungsarbeit, sondern hängt
    lieber ungestört an seinem Schreibtisch ab. Und in sein verrücktes Heimatdorf
    Strunzheim, in dem sein Vater Erkan Gemeinderat ist, will er schon dreimal
    nicht zurück. Liebt er doch die etwas gehobenere, geordnete Lebensweise. Als
    seine Mutter ihn morgens am Telefon mit den Worten „Bub, Du musst sofort
    heimkommen“ unsanft aus dem Schlaf reißt, ist er daher nicht begeistert. Noch
    weniger schmeckt ihm die mögliche Rückkehr in sein Heimatdorf, als er den Grund
    für den morgendlichen Anruf seiner Mutter erfährt: Der Bürgermeister wurde tot
    im Fischteich gefunden und es wird vermutet, dass es sich um einen Mord
    handelt. Einzig die Tatsache, dass es sich bei seinem Vater um einen möglichen –
    und im Moment einzigen – Tatverdächtigen handelt, lässt Bülents Zurückhaltung
    dann doch weichen, und er macht sich wohl oder übel mit seiner ebenfalls etwas
    speziellen Kollegin Astrid „Sunshinchen“ Weber auf den Weg nach Strunzheim.

    Der zweite Roman der Bülent Rambichler Reihe beginnt mit
    gewohnt fränkisch-herber Situationskomik. Mit den Walderzwillingen und dem „Dampfer“
    Franz spielen die schon aus dem ersten Band bekannten Strunzheimer Uniken
    wieder eine tragende Rolle. Und wieder ermittelt Bülent zunächst in seiner
    gewohnt unerfolgreichen Art. Das Wort „störrisch“ trifft hier nicht nur auf den
    im Titel genannten Karpfen, sondern auf die meisten Bewohner Strunzdorfs zu,
    die Bülent zu vernehmen versucht, einschließlich seines Vaters. Die Handlung ,
    fränkisch-deftig erzählt und mit einiger Situationskomik ausgestattet, kommt so
    zunächst nicht wirklich in Fahrt. Erst als Bülent mit seinem engsten Kumpel
    Franz eine Wette eingeht, packt ihn der Ehrgeiz und die Ereignisse überschlagen
    sich.

    Mir haben beim zweiten Band wieder die reichlich fränkische
    Schnoddrigkeit und die mit viel Situationskomik ausgestattete Erzählweise
    gefallen. Zwischendurch war ich mal versucht, das Buch beiseite zu legen, doch
    das Ende, das wieder deutlich mehr Fahrt aufnahm und mit einigen Überraschungen
    aufzuwarten hatte, hat den Durchhänger in der Mitte wieder mehr als wett
    gemacht. Der Krimi ist eine Empfehlung
    für Freunde bayrischer Provinzkrimis, die auch vor einer etwas deftigeren
    Sprache nicht zurückschrecken.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Etwas schneller als der erste Band, aber immer noch sehr „slow“


    Im zweiten Band der Jackson Lamb Reihe erhält die Mannschaft
    der Slow Horses zwei Neuzugänge, Marcus Longridge und Shirley Dander. Aus ihrer
    Perspektive werden zunächst noch einmal die „alten“ Slow Horses vorgestellt.
    Parallel dazu entwickeln sich zwei Handlungsstränge. Jackson Lamb ermittelt im
    Fall eines in einem Bus an einem Herzinfarkt verstorbenen ehemaligen Spions,
    während Min Harper und Louisa Guy vom MI5 zu einer Überwachungsmission
    eingeteilt werden. In der Hoffnung, wieder in den alten Kreis „der Firma“
    aufgenommen zu werden, ermitteln Min und Louisa die Hintergründe des zu
    überwachenden Treffens eines russischen Industriellen mit einem Mitglied des
    MI5.

    Trotz des negativen Eindrucks vom ersten Band der Jackson
    Lamb Reihe, habe ich mich auf diesen zweiten Band der als so hochkarätig
    beworbenen Serie eingelassen. Grundsätzlich fand ich den zweiten Band deutlich
    besser als den ersten. Auch wenn der Autor – nach der sehr langatmigen
    Vorstellung der Slow Horses im ersten Band – diese auch in diesem Band noch
    einmal aus der Sicht der Neulinge vorstellt, ist die Handlung von Anfang an
    deutlich bewegter gestaltet. So richtige Spannung und Interesse auf die Lösung
    des Falls kam bei mir dennoch nicht wirklich auf. Die Handlungsstränge plätschern
    eher so nebeneinander her beziehungsweise werden in ständigen Szenenwechseln
    parallel entwickelt. Auch die Charaktere der Slow Horses und nicht zuletzt
    ihres Chefs Jackson Lamb sprechen mich nicht wirklich an, fokussiert der Autor
    doch überwiegend auf deren negative Eigenschaften. Positiv im Vergleich zum
    ersten Band empfand ich, dass hier nur zwei Handlungsstränge zu verfolgen und
    die Wechsel somit gut nachzuvollziehen sind. Schade nur, dass der Autor seinen
    interessanten Schreibstil, der die Bücher schon zu etwas Besonderem macht, für
    vergleichsweise uninteressante und wenig fesselnde Geschichten nutzt. Am Anfang
    führt er beispielsweise in die Szene ein, indem er eine fiktive Katze durch die
    Räume des Slough House schleichen lässt – eine nicht ganz gewöhnliche Idee.

    Die Aufmachung der Bücher gefällt mir gut und die
    schriftstellerischen Gestaltungsideen des Autors ebenfalls. Die Handlung und
    die Charaktere haben mich jedoch auch bei diesem zweiten Band nicht überzeugt.
    Weitere Bände der Reihe werde ich daher vermutlich nicht lesen.

    Gesamtbewertung::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Vielschichtige Charaktere vor einer paradiesischen Inselkulisse

    Toni ist eine geschundene Seele. Vor zwei Jahren verlor sie ihren Mann bei einem Unfall, für den sie sich eine Mitschuld gibt. Sei dem
    hängt sie in einem tiefen Loch, aus dem sie nicht herausfindet. Auch bei einem Job in England, bei dem sich die Gärtnerin um die Gewächse eines alten englischen Herrschaftshauses kümmert, findet sie keinen neuen Anschluss, sondern zieht sich immer mehr in sich zurück. Als sie eines Tages das Angebot bekommt, als Gärtnerin auf einer einsamen privaten Insel anzufangen, scheint sie nicht viel zu verlieren zu haben und nimmt den Job an. Absehen davon, dass die Bewohner der Insel nur aus einer Handvoll Angestellter bestehen, die alle ihre eigene Geschichte haben, liegt über der Insel eine geheimnisvolle Atmosphäre. Diese rührt daher, dass sich der Besitzer nur wenige Tage im Jahr dort aufhält und ein nicht gerade angenehmer Charakter zu sein scheint. Aber wie passt dieser paradiesische Ort zu einem angeblich so unsympathischen Besitzer? Und ist er wirklich so, wie ihn die anderen beschreiben? Trotz dieser Fragen macht Toni sich mit Eifer an ihre Aufgabe und gestaltet die umfangreichen Gärten mit Engagement und Sachverstand, als wären es ihre eigenen. Bis es nach einigen Wochen eines Tages tatsächlich so weit ist und der Besitzer auftaucht. Ängstlich, aber doch selbstbewusst schaut Toni dieser Begegnung entgegen. Leider bestätigt diese die düsteren Vorhersagen der anderen Bewohner vollends. Max Bror begegnet Toni unfreundlich und hat nur Kritik für ihre Arbeit übrig. Doch Toni lässt sich
    nicht durch die negative Reaktion des Besitzers entmutigen, sondern stachelt sie in ihrer Neugierde auf. Sie möchte diesen abweisenden Menschen näher
    kennenlernen, verstehen, warum er so ist und ihn aus der Reserve locken.


    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Schon das Cover mit seiner Mischung aus bunten, südländischen Blumen und Pflanzen und dem
    eingeprägten Titel hat mich angesprochen. Und das Buch enttäuschte keinesfalls, was das Cover versprochen hat: die Liebe und Leidenschaft der Gärtnerin, die
    Landschaft der Insel und das Arbeiten mit und gegen die Natur wird von der Autorin sehr atmosphärisch beschrieben und machte für mich einen wichtigen Teil
    der Qualität des Buches aus. Von einer unerwarteten Tiefe und Faszination war dann aber auch die Beziehungsgeschichte der Protagonisten. Die
    Vielschichtigkeit des Max Bror, aber auch die unterschiedlichen Wesenszüge von Toni und den anderen Angestellten der Insel haben mich sehr überzeugt. Als
    Leserin habe ich das Hin- und Hergerissensein der Protagonistin gegenüber dem Besitzer zwischen Anziehung und Abstoßung in allen Phasen miterlebt und
    mitgelitten. Es fiel mir sehr schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen.


    Tiefe, Faszination und Vielfältigkeit sowohl in der Charakterisierung der Protagonisten als auch der Beschreibung der Landschaft,
    in der die Handlung spielt kennzeichnen dieses Buch. Gleichzeitig regt es auch zum Nachdenken über das eigene Leben und das Leben anderer, von uns vielleicht vorschnell negativ beurteilter Menschen an. Aus meiner Sicht, ein durch und durch empfehlenswertes Buch für Leser, die nicht den einfachen Weg mögen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Berührend, erschütternd, aber trotzdem unterhaltsam

    Rahel wacht eines Tages auf und befindet sich an einem unerwarteten Ort. Nach und nach erkennt sie, dass es die Intensivstation eines
    Krankenhauses ist und rekonstruiert aus den Informationen der Ärzte und ihrer Familie, was passiert ist. Ihren eigenen Körper muss sie erst wieder
    kennenlernen und lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Neben den Einschränkungen, mit denen sie zu kämpfen hat steht immer die Unsicherheit,
    wann und ob überhaupt sie vollständig gesund werden wird. Dazu stellt sich das Gefühl ein, dass es irgendetwas in ihrer Beziehung gibt, das zwischen ihr und
    ihrem Freund steht.

    Das Buch von Anika Decker fand ich sehr spannend zu lesen. Durch die Ich-Erzählung nimmt sie die Leser direkt hinein in die Erlebniswelt der Protagonistin, in ihre Herausforderungen, ihre Verwirrungen und ihre Fragen. Trotz der schweren Situation, in der sich Rahel befindet, geschieht dies aber immer auch auf eine unterhaltsame, teilweise lustige Art und Weise und hat mich als Leser zwischen Trauer, Bestürzung und Belustigung schwanken lassen. Nur an einzelnen Stellen fand ich die Handlung etwas unlogisch oder nicht ganz nachvollziehbar. Auf jeden Fall regt das Buch dazu an, das Leben und die eigene Gesundheit nicht als selbstverständlich zu nehmen und auch einmal darüber nachzudenken, was im eigenen Leben wichtig ist. Dies aber immer auf eine angenehme, unterhaltsame Art und Weise.

    Ich finde das Buch empfehlenswert für alle, die sich auf unterhaltsame Art und Weise mit einer etwas anderen Lebenswelt auseinandersetzen wollen und bereit sind, Krankheit nicht nur als Katastrophe, sondern als neue Chance zu betrachten.:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Liebesschmonzette mit Längen und vorhersehbarer Handlung

    Marie lebt in Berlin und hat es in ihrem Leben bisher nicht einfach gehabt. Sie hat drei Kinder von zwei verschiedenen Männern, beide Beziehungen haben nicht gehalten. Mit ihrem Hobby Töpfern, das sie zum Beruf gemacht hat, bringt sie sich und ihre Kinder gerade so über die Runden. Eine Vermutung, warum sich alles in Maries Leben so entwickelt hat, kommt bereits am Anfang des Buches auf: Sie scheint vom Pech verfolgt zu sein. Auch ein Angebot, das besser zu sein scheint, als sie es sich erträumt hätte, kann sie wohl nicht annehmen, als das Dach ihrer Werkstatt einbricht. Mit der Überzeugungskraft ihrer Freundinnen schafft sie es dann doch, den Schritt zu einem Neuanfang zu wagen, auch wenn dies heißt, mit der ganzen Familie nach Rügen umzuziehen.

    Genauso unwirklich wie die vielen Missgeschicke am Anfang, wirkt der (nahezu) perfekte Anfang auf Rügen, bei dem Marie – warum erstaunte mich das nicht? – gleich am Anfang ihren Traummann kennenlernt. Natürlich gibt es noch einige Verwicklungen, bis beide zusammenkommen, aber auch diese sind vorhersehbar. Die nicht unerhebliche Zeit, in der sich die beiden Protagonisten aufgrund von Missverständnissen aus dem Weg gehen, wird mit Beschreibungen von Ereignissen gefüllt, die ich nicht besonders spannend fand.  Zeitweilig kam deshalb beim Lesen etwas Langeweile auf und ich habe einige Seiten überblättert.

    Evelyn Kühne scheint einige Anhängerinnen zu haben, mich hat dieses Buch nicht überzeugt, weitere Romane von ihr zu lesen. :bewertung1von5::bewertung1von5:

    Fesselnder Einblick in die Erlebniswelt und Entwicklung eines Kindes mit Asperger-Syndrom

    Das Buch beginnt mit der Situation einer Fahrstunde einer jungen Frau. Sie hat bereits überdurchschnittlich viele Fahrstunden hinter sich gebracht, reagiert aber immer noch wie ein Anfänger. Zu überfordert von den vielen auf sie einströmenden Eindrücke und Informationen in der Verkehrssituation, kann sie die Aufgaben eines Fahrers nicht bewältigen. Schon hier wird deutlich, dass es sich bei der Protagonistin um eine Person handelt, die Informationen anders verarbeitet als der Durchschnittsmensch.

    Auf den weiteren 600 Seiten des Romans schildert Jasmijn viele kleine Erlebnisse ihres Lebens aus ihrer Sicht, vom Beginn als Kleinkind über ihre Erfahrungen in der Schulzeit bis hin zur jungen Frau. Wir werden hineingenommen in die Erlebnis- und Gedankenwelt eines Kindes, das Eindrücke schlechter verarbeiten und organisieren kann als andere Menschen, und für das zu starke Sinneseindrücke mit Überforderung und Schmerzen verbunden sind. Diese Erfahrungen und Gedanken lassen verstehen, warum sie so anders reagiert als „normale“ Menschen. Warum sie sich abkapselt, soziale Situationen meidet und eine enge Beziehung nur zu dem Hund der Familie aufbaut.

    Zunächst war ich überrascht, dass das Buch so dick ist. Dann haben mich die Schilderungen aber so gefesselt, dass ich den Roman an einem Wochenende hintereinander weg durchgelesen habe. Auch wenn sich zwischenzeitlich Ereignisse und Situationen ähneln, so fand ich es doch sehr spannend zu sehen, wie das Kind mit seiner Art zu Denken und den Anforderungen der Umwelt kämpft, den Wunsch, normal zu sein verspürt, immer wieder scheitert, aber doch nicht aufgibt. Ich fand das Buch absolut lesenswert und es hat mich auch ein wenig zum Nachdenken gebracht, was „normal“ ist und was möglicherweise dahinter steckt, wenn Menschen anderes reagieren als die Umwelt von ihnen erwartet. Auch die Frage, in welchem Maße man sich an die Erwartungen der Umwelt anpassen oder lieber ganz sich treu bleiben sollte, hat mich nach dem Lesen weiter beschäftigt.

    Wer ist die Liebe und wer ist Marie? Was ist Realität, was Phantasie?

    Ein Anrufer bei einer Sexhotline, der so gar nicht in das übliche Schema zu passen scheint? „Ich bin Yvonne und ich werde mich jetzt um dich kümmern“, so leitet die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung das Gespräch ein. Doch anstatt dass sich beide Gesprächspartner anonym bleiben und das Gespräch mit der Befriedigung der männlichen Bedürfnisse endet, werden hier auch persönliche Informationen ausgetauscht. Das Gespräch endet, ohne dass es zum Höhepunkt kommt. Doch im Laufe der Geschichte bzw. der einen Nacht, ruft der Mann immer wieder an und die aus verschiedensten Gründen getrennten Gesprächsfäden werden immer wieder aufgenommen. Dabei versuchen sich Mann und Frau gegenseitig kennenzulernen, fragen den anderen, erzählen von sich. Doch was ist Wahrheit, was Phantasie? Und was hat es mit der geheimnisvollen Marie auf sich, in die der Mann sich verliebt hat und die ihm – angeblich – die Nummer dieser Sexhotline gegeben hat?

    Eine Liebesgeschichte als Dialog zwischen Anbieterin und Anrufer einer Sexhotline zu erzählen, ist auf jeden Fall eine außergewöhnliche Idee, die mich von Anfang an neugierig gemacht hat. Auch wenn sich die Informationen der Gesprächspartner immer wieder als (möglicherweise) unwahr herausgestellt haben, so blieb doch bis zum Ende die spannende Frage: Was ist Realität und was Phantasie, die mich das Buch bis zum überraschenden Ende in einem Rutsch hat durchlesen lassen. Da es nicht allzu dick ist, ist dies auch problemlos möglich. Durch immer neue Wendungen und die beiläufige Berührung moralischer Fragen (z.B. Gibt man einen gefundenen Lottoschein zurück, der einen Millionengewinn enthält?) bleibt es bis zum Schluss spannend, auch wenn es durchgängig „nur“ aus dem Dialog der Protagonisten besteht.

    Eine angenehme, unterhaltsame Lektüre für alle, die sich auch gern mal auf etwas Ungewöhnlicheres einlassen.

    Meine Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Endloses Geschmachte ohne wirkliche Handlung


    Auf einer Party trifft Caro, 35 und Single, auf einen Mann, der sie den ganzen Abend mit Blicken verfolgt. Als sie ins Gespräch kommen, behauptet er, sie von irgendwoher zu kennen. Auch Caro kommt er seltsam vertraut vor, obwohl sie keine Ahnung hat, wer es sein könnte. Ohne dass sie wissen, wer der andere ist, landen sie am Ende des Abends gemeinsam bei Caro im Bett. Bald klärt sich auch auf, woher sie sich kennen, doch mit dieser Erkenntnis ist nichts mehr so unbeschwert wie vorher. Obwohl beide sich stark zu dem anderen hingezogen fühlen, beschließen sie „nur befreundet“ zu sein. Für beide beginnt eine endlose Zeit der Sehnsucht nach dem anderen und des dennoch einander auf Distanz Haltens.

    Eigentlich hätte mich der Einstieg in das Buch schon abgeschreckt. Mehrere Seiten sehnsüchtige Berührungen, Vorspiel und Sex der Protagonisten, ohne dass man diese wirklich kennengelernt hat, finde ich nicht wirklich prickelnd. Der Rest des Buches lässt sich mit zwei Sätzen zusammenfassen: Ich fühle mich so toll bei ihm/ihr und habe solche Sehnsucht nach ihm/ihr, aber ich darf keine Beziehung zulassen. (Ich merke gerade, das war sogar nur ein Satz). Warum dies so ist und was sich daran im Laufe der Zeit ändert, wird nur in so homöopathischen Dosen erzählt, dass ich viele Seiten überblättert habe (immer noch dasselbe Geschmachte, das dem anderen gegenüber nicht zugegeben werden kann) und es mich am Ende auch nicht mehr wirklich interessiert hat. Ich habe mich beim Lesen selten so gelangweilt. Schade eigentlich für die wenigen Passagen, in denen Personen oder Situationen interessant beschrieben werden und doch ein wenig Handlung passiert.

    Vielleicht gibt es ja romantischere Mädels als mich, die gerne ein paar Stunden mit der ununterbrochen schmachtenden Sehnsucht zweier Protagonisten verbringen. Wer, so wie ich, auch bei seichter Literatur etwas mehr Handlung oder Entwicklung erwartet, für den ist das Buch eine absolute Enttäuschung.

    Meine Bewertung: 2/5 Sternen:bewertung1von5::bewertung1von5:

    Interessante Charaktere und spannende Handlung vor historischem Hintergrund

    Ilse wächst Anfang des 20. Jahrhunderts als Tochter eines Architekten in Thüringen auf und interessiert sich selbst zunehmend für Architektur. Doch kann sie ihren Traum von diesem Beruf verwirklichen, in einer Branche, die von Männern dominiert wird? Der zeitliche Schwenk in die 1950er Jahre zeigt, dass Ilse es trotz des Kriegs geschafft hat, Architektur zu studieren und sich für ein Großprojekt in Ost-Berlin, den Wiederaufbau der Stalinallee zu bewerben. Doch vor Ort nimmt ihr Vorsprechen eine ganz neue Wendung. Die Leser erfahren, dass sie sich nicht als Ilse, sondern als deren Schwester Marga beworben hat. Unerwartet wird die Situation vor allem dadurch, dass sie plötzlich vor deren Mann Helmut steht, der – wie seine Frau Marga – eigentlich in Russland bei einem Unfall ums Leben gekommen sein sollte. Ilse steht vor der Entscheidung, die Wahrheit auf den Tisch zu legen und damit ihren Traum von dem Entwurf eines ganz neuen Wohnviertels aufzugeben oder einen Deal mit Helmut einzugehen.

    Das Buch ist sehr gut geschrieben und recherchiert. Die Stalinallee und die Träume und Vorstellungen der Protagonisten sind so anschaulich beschrieben, dass ich als Leserin das Bedürfnis verspürte, dies mit der Realität abzugleichen und die jetzige Karl-Marx-Allee und das Café Sylvia in Berlin demnächst einmal vor Ort zu besuchen. Nur am Anfang tat ich mich etwas schwer, in die Handlung und die Charaktere hineinzukommen. Häufig werden vorangehende Ereignisse angedeutet und erst viel später erklärt. In meinen Augen unnötig und teilweise etwas nervig. Warum im ersten Teil des Buches die Handlung immer zwischen 1940 und 1950 hin- und hersprang blieb mir ebenso ein Rätsel und verwirrte mich zunehmend, so dass ich nach der Hälfte beschloss, zunächst den älteren Handlungsstrang und dann erst den jüngeren zu lesen. Dies machte das Nachvollziehen der Charaktere, ihrer Erlebnisse und Motive deutlich einfacher und tat m.E. der Spannung keinen Abbruch. Erleichtert stellte ich fest, dass der zweite Teil des Buches chronologisch aufgebaut und zu lesen war. Bis zum Ende blieb allerdings die Frage, warum am Anfang jedes Kapitels eine Kurzzusammenfassung des Inhalts steht. Auch diese habe ich nach drei Kapiteln einfach ignoriert, um mir nicht die Spannung beim Lesen zu nehmen.

    Mein Fazit: Interessante Charaktere in spannender, angenehm zu lesender Schreibweise vor gut recherchiertem historischem Hintergrund, was über die einzelnen für mich unverständlichen und überflüssigen Stilmittel hinwegsehen lässt.


    Meine Bewertung: 4/5 Sterne :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Goldige Weihnachtsgeschichte aus ganz anderer Perspektive

    Die Schafe der Herde fühlen sich sicher, weil sie sich immer von ihren Hirten beschützt wissen. Fühlt sich ein Schaft nicht wohl, so kann es sich immer zu den Hirten ans Feuer flüchten und weiß, dass es dort getröstet wird. Doch eines Tags sehen die Schafe in der Nacht plötzlich grelle Lichter und komische Flugobjekte und ausgerechnet in dieser Nacht sind die Hirten verschwunden! Was sollen sie nun tun? Was bedeuten die Lichter und warum haben sie die Hirten gerade jetzt, wo sie sie so dringend bräuchten, verlassen? Die Schafe sind verwirrt und aufgeregt und machen sich auf eine abenteuerliche Reise, um den Ereignissen auf den Grund zu gehen.

    Das Hörbuch ist wirklich sehr hörenswert. Die verschiedenen Schafe sind sehr gut charakterisiert und werden vom Autor mit sehr passenden und individuellen Stimmen gesprochen. Dadurch wird die Geschichte mehr zu einem Hörspiel als zu einem reinen Hörbuch. Es entwickelt sich eine Geschichte, die durch die liebevolle und goldige Handlung, aber auch durch die tolle Vertonung nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in ihren Bann zieht und mit den Schafen auf ihrer abenteuerlichen Reise mitfiebern lässt.

    Ein sehr schönes Hörbuch, das aus einer ganz eigenen Perspektive auch von Weihnachten, aber vor allem von Gemeinschaft und Zusammenhalt und dem individuellen Beitrag eines jeden Mitglieds handelt.

    Meine Wertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Nicht das, was ich erwartet hatte – eher im Stil eines Sophie Kinsella-Romans

    Die Autorin ist Ende 20 und auf der Suche nach einem Job, als sie zufällig an die Möglichkeit gerät, als Stenografin für Präsident Obama zu arbeiten. Welche Erlebnisse sie dabei in den nächsten fünf Jahren ihrer Arbeit für das Team von Obama hat, welche Freundschaften sie schließt sowie ihr Liebesleben sind Inhalt der nächsten 460 Seiten des Buches. Der Name Obama kommt dabei – gefühlt – ungefähr fünfmal vor, politische Gegebenheiten werden in wenigen Nebensätzen abgehakt. Primär berichtet das Buch ähnlich eines Tagebuchs davon, welche Orte Beck bereist, welche Erlebnisse sie dort an den Bars und im Flieger der Air-Force One hat und – last but not least – von ihrer Hin- und Hergerissenheit zwischen zwei Männern.

    Ich gebe zu, ich habe nur etwa ein Drittel des Buches – plus die letzten drei Kapitel – gelesen. Bereits nach 60 Seiten fing ich mich an zu fragen, ob denn irgendwann auch noch Obama, das politische Klima im Weißen Haus oder politische Ereignisse thematisiert würden. Ich begann mich zu langweilen, da sich die Darstellungen immer wieder um dieselben Themen drehten: „Liebe ich und bleibe ich bei Sam, wann meldet Jason sich wieder und für wen entscheide ich mich? Und: was habe ich als völlig unpolitisch Denkende und Uninteressierte graue Maus eigentlich im Weißen Haus zu suchen?“ Das Buch ist zwar sprachlich gut zu lesen, erinnerte mich aber von der Erzählung her leider allzu oft an Tagebucheinträge von Teenagern. Präsident Obama, von dem ich (offensichtlich völlig zu Unrecht) erwartete, vielleicht interessante Interna zu erfahren, tritt in dem Buch nur nebenbei als neckender Mann im Fitnessstudio auf.

    Wer Romane von Sophie Kinsella liebt, bei denen sich die Protagonistinnen häufig auch am falschen Platz fühlen und Orientierung im Leben suchen, dem könnte das Buch gefallen. Für alle die sich einen Einblick hinter die politischen Kulissen der amerikanischen Präsidentschaft erhoffen, absolut enttäuschend.


    Meine Wertung: :bewertung1von5:

    Alte Liebesbriefe mit Auswirkung in die Gegenwart

    Die eher chaotische Christine zieht zurück in ihren eher übersichtlichen, biederen Herkunftsort. Vor allem will sie dort näher bei ihrem Freund Stefan sein und damit auch Ordnung und Sicherheit in ihr eigenes Leben bringen. Tatsächlich bekommt sie von Stefans Eltern das Angebot, als Bürokraft in ihrem großen Möbelhaus zu arbeiten und somit auch berufliche Sicherheit. Doch gleichzeitig beginnt sich auch das Chaos wieder in ihrem Leben auszubreiten. Ihre Großmutter, bei der sie praktisch aufgewachsen war und mit der sie ebenfalls mehr Zeit verbringen will, stirbt plötzlich und hinterlässt ihr Liebesbriefe an einen Christine dahin bisher völlig unbekannten Mann. Mit diesen verbunden ist die Bitte, dieses unvollendete Kapitel zu schließen, indem Christine sie zum Adressaten bringen soll. Christine ist hin und her gerissen, zwischen dem geordneten Leben mit ihrem Freund einschließlich sicheren Job und dem abenteuerlich anmutenden Auftrag ihrer Großmutter, für den sie nach Kanada reisen muss. Doch dieses Buch wäre kein Liebesroman, wenn Christine in der Sicherheit verbleiben würde und so reist sie natürlich nach Kanada und begibt sich auf die Suche nach der angeblich großen Liebe ihrer Großmutter.

    Der Anfang des Buches erschien mir ein wenig sprachlich schlicht geschrieben (und warum muss Christines Heimatort ausgerechnet den plakativen Namen „Schutzingen“ tragen?), doch mit der Zeit schaffte es die Autorin, mich mit ihrer Geschichte in den Bann zu ziehen. Die abwechselnde Handlung zwischen Briefen einer längst vergangenen Zeit und dem, was Christine auf ihrer Reise erlebt, hat mir gut gefallen. Weniger spannend fand ich allerdings, dass die aktuelle Geschichte von Christine doch etwas klischeehaft und sehr vorhersehbar war. Spannend machte das Buch eigentlich nur die Liebesgeschichte ihrer Großmutter.

    Angenehme Lektüre für einen gemütlichen Nachmittag, die aber keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Meine Wertung: Durchschnittliche :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Spannender, nicht gerade einfacher Krimi in ungewöhnlichem Schreibstil

    Nach dem (freiwilligen?) Tod des Vorbesitzers Ambrosius Wells ziehen Anfang November der junge A. und seine jugendliche Begleiterin in das große victorianische Herrenhaus Axton House ein, in dem es angeblich spukt. Von den Gerüchten scheinbar gänzlich unbeeindruckt, erkunden sie nach und nach das große Haus und entdecken dabei seine Geheimnisse, die in einem großen Geheimnis münden. Dieses scheint mit einer Zusammenkunft seines Vorbesitzers mit neunzehn weiteren Männern jeweils kurz vor Weihnachten verbunden zu sein. Doch welche Rolle spielen sie nun als neue Besitzer selbst in dem Spiel? Die Frage wird umso drängender, je mehr A. von Träumen heimgesucht wird, die bedrohlich und anziehend zu gleich sind.

    Bereits die Aufmachung des Buches – Titelblatt, Trennseiten, unterschiedliche Dokumente – verspricht, dass es sich hier nicht um den üblichen 08-15-Krimi handelt. Auch bei den Hauptcharakteren A. und Niamh (spricht sich Nief) handelt es sich um besondere, etwas mysteriöse Personen, die aufgrund der Stummheit von Niamh eine ganz eigene Art der Kommunikation verwenden. Und wer ist die immer wieder in Briefen von A. adressierte Tante Liza? Existiert sie überhaupt oder dient sie nur als ein Mittel zur Reflexion von A.s Gedanken?

    Die Aufmachung des Buches, die geheimnisvollen Charaktere und die spannende Story des Buches ergänzen sich meiner Meinung nach perfekt. An die Nutzung unterschiedlicher Dokumente (Briefe, Tagebucheinträge, Tonaufnahmen, Videoaufnahmen) muss man sich als Leser klassischer Krimis zunächst gewöhnen, dann üben sie aber einen starken Sog aus, der mich sehr gefesselt hat. Die Geschichte ist komplex, spannend und kreativ und nimmt zunehmend – bis zur letzten Seite an Fahrt auf.

    Empfehlenswert für nicht allzu zart besaitete Fans besonderer Literatur. Ein Mystery-Fan muss man dabei nicht unbedingt sein, aber aufgeschlossen für Ideen des (noch) nicht Erklärbaren.

    4,5 von 5 Sternen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Olivia Birch ist Ärztin und war die letzten Monate in Liberia im Einsatz bei der Behandlung von Opfern des Haag-Virus. Nun ist sie auf dem Weg, sieben Tage um Weihnachten mit ihrer Familie in deren englischem Ferienhaus zu verbringen. Aufgrund der Ansteckungsgefahr müssen diese Tage gemeinsam, ohne Kontakt zur Außenwelt verbracht werden, um sicherzustellen, dass Olivia sich nicht mit dem Virus infiziert hat. Je näher wir die einzelnen Familienmitglieder kennenlernen, umso klarer wird, dass jeder Geheimnisse mit sich trägt, die er aus den unterschiedlichsten Gründen vor den anderen verbergen möchte. Dass dies in einer solch intensiven gemeinsamen Zeit nur für eine gewisse Zeit gelingen wird, ist recht bald absehbar. Doch wie werden sich die Tage für diese vier Personen entwickeln, die eher wie eine Zweckgemeinschaft als wie eine Familie wirken?

    Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen, weil es schön gestaltet ist und dabei die Situation der Familie sehr gut verbildlicht. Das „Wir“ im Titel ist allerdings für den überwiegenden Teil des Buches unpassend – aber vielleicht auch gerade deshalb gewählt. Dass jedes Familienmitglied vor allem um sich selbst und seine eigene Welt kreist, verbildlicht die Autorin sehr schön auch dadurch, dass jeweils kapitelweise aus der Perspektive einer Person geschildert wird. Das Buch ist insgesamt gut zu lesen, berührt hat es mich allerdings nie wirklich. Dies mag einerseits an der geringen Emotionalität der Familienmitglieder liegen (mit Ausnahme des unehelichen Sohns Jesse), die sich allesamt in sich zurückgezogen zu haben scheinen. Aber auch das Innenleben der handelnden Personen hätte von der Autorin mehr ausgeschrieben werden können. So konnte ich mich mit keinem von ihnen wirklich identifizieren oder irgendwie mitfiebern.

    Empfehlenswert, um für ein paar gemütliche Stunden in die Probleme und Beziehungen einer fiktiven Familie einzutauchen. Wer mitleiden oder mitfiebern will oder psychologisch oder gesellschaftlich herausfordernde Literatur erwartet, sollte – trotz der vielfältigen angerissenen Themen wie humanitäre Einsätze, Gesellschaftsstellung, Krebserkrankung, Homosexualität oder Fremdgehen (und diese Liste ist keinesfalls vollständig) – lieber zu etwas anderem greifen.

    Liebesroman mit Sogcharakter

    Hanna ist eine erfolgreiche Designerin. Hart hat sie gearbeitet, um an den Punkt zu kommen, an dem sie am Beginn des Buches steht: Sie erhält einen begehrten Preis und in der Folge eine Reihe von Anfragen für lukrative Projekte. Doch schnell wird deutlich, dass Hanna diesen Erfolg nicht wirklich genießen kann, weil sie die zielstrebige Arbeit und den unermüdlichen Einsatz in den letzten Jahren vor allem einem Grund verdankt: In Wahrheit hat sie vor allem deshalb so viel gearbeitet, um ihre wahren Gefühle nicht zuzulassen und eine Verletzung zu überdecken, die ihr in ihrer Jugend zugefügt wurde und die sie bis heute nicht wirklich überwunden hat. Als ihr früherer Ziehvater sie zu seinem 65. Geburtstag einlädt, sucht sie zunächst Ausreden. Sie ist sich bewusst, dass ein Besuch der Feier damit verbunden sein könnte, dass sie Josh, ihre damalige Liebe und der Grund für ihre tiefe Verletzung, dort treffen und damit gezwungen sein könnte, sich mit ihm und der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

    Für mich war die Geschichte von Hanna und Josh ein intensives Eintauchen in die Gefühle und Erfahrungen der beiden Protagonisten. Die Autorin beschreibt Situationen, Gedanken und Emotionen auf eine intensive Art und Weise, die es mir schwer gemacht hätten, das Buch zur Seite zu legen, bevor es zuende war. So habe ich es an einem Stück innerhalb eines Tages gelesen und mit Hanna mitgelitten und mitgefiebert.

    Ein empfehlenswertes Buch, um es sich an einem regnerischen Tag auf der Couch gemütlich zu machen und von wahrer Liebe zu träumen, die trotz Hindernissen Jahrzehnte überdauert.

    Fazit: Geschmackssache, mir waren es zu viele bekannte Wortspiele


    Wer denkt nicht auch manchmal, dass er es nicht leicht mit sich selbst hat? Mich hat der Titel des Buches von Anne Vogd jedenfalls direkt angesprochen, zumal ich in einem ähnlichen Alter bin wie sie und leider das Leben manchmal viel zu schwer und zu ernst nehme. Daher habe ich mir ein paar vergnügliche Stunden erhofft, die mir einen etwas humorvolleren und distanzierteren Blick auf die kleinen Herausforderungen des Alltags verschaffen.

    Im Großen und Ganzen schafft es dieses Buch auch, Dinge etwas leichter und mit einem etwas entspannteren Blick zu betrachten. Daher war es ganz unterhaltsam zu lesen. Lustig wird es aber bekanntermaßen bei Dingen, die mit Überraschung verbunden sind. Davon bietet das Buch leider aus meiner Sicht insgesamt zu wenig. Wirklich laut gelacht habe ich nur an einzelnen Stellen – durchaus ein paar Sätzen, von denen es sich lohnt, sie zu unterstreichen und noch einmal zu lesen, wenn es zu ernst oder stressig wird (z.B. ihr Hinweis, dass sie als Passwort nur noch „falsch“ wählt, weil ihr dann das Programm beim Eintippen eines anderen Wortes immer den hilfreichen Hinweis gibt: „Ihr Passwort ist falsch“). Der überwiegende Teil der Witze oder Wortspiele, mit denen das Buch in einer zugegebenermaßen großen Zahl aufwartet war mir allerdings bereits bekannt (wie z.B. die Aussage: „Wer immer scheitert, ist doch auch zuverlässig“), so dass mich das Buch insgesamt nicht wirklich vom Hocker gerissen hat.

    Das Cover ist übrigens Geschmacksache. Meine Tochter erlaubte mir das Buch in ihrer Anwesenheit nur zu lesen, indem ich es in ein anderes Papier hüllte. Der Anblick machte sie aggressiv. Ich selbst fragte mich nur die ganze Zeit, warum die Autorin über weite Strecken über ihre angeblich zu vielen Pfunde, schlechtes Aussehen und Cellulite philosophiert, wenn sie auf dem Cover doch eher als Hungerhaken rüberkommt.