Beiträge von milkysilvermoon

    Bois-des-Val im Elsass: Schon immer hat Marie-Anne Nanon in dem Dorf am Fuß des Sonnenbergs gewohnt. Mit ihrem bereits verstorbenen Mann Bernard hat sie vier Töchter bekommen. Nun ist Madame Nan, wie sie liebevoll genannt wird, 92 Jahre alt und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Zum Beispiel auf die Zeit, als die älteste Tochter mit einer Erfindung der Familie Ansehen und Geld beschert und die Dorfbewohner in einen Liebestaumel versetzt hat. Und dann ist da noch die Sache mit Monsieur Boberschram, ihrem Nachbarn, in den sich Madame Nan verliebt - ohne zu ahnen, dass sie eine Vergangenheit haben, die alles andere als verbindet...


    „Wie uns die Liebe fand“ ist der Debütroman von Claire Stihlé.


    Meine Meinung:

    Der Roman ist nicht in Kapitel, sondern nur in Abschnitte unterteilt, was das Buch etwas unübersichtlich macht. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Madame Nan erzählt. Die Handlung spielt größtenteils in der Vergangenheit, zum Teil aber auch in der Gegenwart.


    Der Schreibstil gefällt mir gut. Er ist anschaulich und - dank viel wörtlicher Rede - lebhaft. Immer wieder fließen elsässische Wörter ein, was ich schön finde.


    Im Mittelpunkt stehen die alte Dame und ihre Töchter. Die Protagonistin wird warmherzig dargestellt. Auch die übrigen Charaktere finde ich interessant.


    Die romantische Liebe steht nicht so sehr im Fokus, wie der Titel vermuten lässt. Tatsächlich ist die Geschichte vielfältig und überraschend facettenreich. Humorvolle Episoden und fantastisch anmutende Elemente sind unter anderem enthalten. Leider hat mir ein wenig der rote Faden gefehlt und die Geschichte mit ihren knapp 270 Seiten weist ein paar Längen auf.


    Ein nettes Extra ist die Sammlung mit rund 20 elsässischen Rezepten, die am Ende des Buches zu finden ist.


    Das Cover ist ein hübscher Hingucker. Der Titel ist ein wenig irreführend und passt meiner Ansicht nach daher nicht so gut.


    Mein Fazit:

    „Wie uns die Liebe fand“ von Claire Stihlé ist ein unterhaltsamer Roman mit kleineren Schwächen, der nicht nur dem Liebesgenre zugeordnet werden kann.


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    Italien zu Anfang des 16. Jahrhunderts: Der Maler Raffael Sanzio gilt schon mit 20 Jahren als neuer Stern am Himmel der Renaissance. Von Urbino kommt er über Siena und Florenz schließlich bis nach Rom. Dort malt der junge Künstler für Kardinäle, Könige und sogar den Papst;. Er wird Baumeister des Petersdoms. Doch Raffael hat auch mit Widrigkeiten zu kämpfen und gerät in Machtkämpfe hinein. Er ist mit der Tochter eines mächtigen Mannes verlobt. Sein persönlichstes und zugleich skandalträchtigstes Bild zeigt allerdings eine andere Frau, eine junge Bäckerin, nackt: Margherita Luti.


    „Raffael - Das Lächeln der Madonna“ ist der historische Debütroman von Noah Martin.


    Meine Meinung:

    Der Roman beginnt mit einem Prolog und endet mit einem Epilog. Er besteht außerdem aus 54 Kapiteln mit einer angenehmen Länge, die sich über zwei Teile erstrecken. Die Handlung spielt an unterschiedlichen Orten in Italien und umfasst die Jahre 1494 bis 1520. Einheitliche Orts- und Zeitangaben erleichtern die Orientierung. Auch eine Karte von Italien anno 1500 ist ein sinnvolles Extra. Der Aufbau des Romans funktioniert ganz gut.


    Der Schreibstil ist anschaulich und - dank viel wörtlicher Rede - lebhaft. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven.


    Im Mittelpunkt der Geschichte steht natürlich Raffael, der authentisch wirkt. Aber auch eine Vielzahl weiterer Charaktere taucht im Roman auf, die sich nicht so leicht überblicken lässt. Hilfreich ist daher die Übersicht über die Figuren, die historische Personen als solche ausweist.


    Die Idee, einen Roman zum 500. Todestag von Raffael zu schreiben, finde ich schön. Ich habe gerne mehr über das Leben und Schaffen des bekannten Malers erfahren. Dem Autor gelingt es, Wissenswertes über die Persönlichkeit und ihr Umfeld auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Das Nachwort klärt darüber auf, welche Teile auf wahren Begebenheiten basieren und welche fiktiven Anteile der Roman enthält. Es dokumentiert die fundierte Recherche des Autors.


    Auf mehr als 600 Seiten ist die Geschichte kurzweilig und abwechslungsreich. Nur an wenigen Stellen empfinde ich die Handlung als ein wenig übertrieben und überfrachtet.


    Das Cover, das Raffaels Madonna-Gemälde zeigt, passt sehr gut zum Roman. Auch der Titel ist treffend.


    Mein Fazit:

    „Raffael - Das Lächeln der Madonna“ von Noah Martin ist ein gelungener Roman, der mir schöne Lesestunden beschert hat. Eine empfehlenswerte Lektüre nicht nur, aber vor allem von Fans historischer Schmöker.


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    Völlig überraschend kommt für Julia Hirschfeldt der Tod ihres Vaters Ralf. Von ihm erbt die 35-jährige Architektin ein Haus auf Sylt. Mit ihren Tanten Christiane und Annegret sowie Mutter Beate macht sie sich auf den Weg auf die Insel. Eigentlich bräuchte Julia dringend eine Auszeit. Aber die Reise entpuppt sich als wenig erholsam. Denn die Frauen liegen im Dauerclinch. Und dann ist da noch der Besitzer der Pension, in der die Damen unterkommen. Er ist ganz schön nervig und läuft ihr ständig über den Weg...


    „Ein Sommer auf Sylt“ ist ein Roman von Lena Wolf.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 31 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Julia. Der Aufbau ist einfach, aber funktioniert gut.


    Der Schreibstil ist schnörkellos und unspektakulär, allerdings auch anschaulich und - dank viel wörtlicher Rede - lebhaft. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.


    Im Fokus steht Protagonistin Julia, mit der ich meine Probleme hatte. Sie ist zwar sympathisch, kommt aber immer wieder unreif und naiv rüber. Die Nebenfiguren sind teils interessant gezeichnet, teils recht klischeehaft.


    Positiv aufgefallen ist mir, dass die Liebe zwar viel Raum in der Geschichte einnimmt, aber auch andere Themen auftauchen. Zudem kommt auch der Humor nicht zu kurz. Jedoch konnte mich die Geschichte emotional weniger berühren als gehofft.


    Darüber hinaus ist die Handlung nicht durchweg fesselnd, da die Geschichte im Großen und Ganzen unterhaltsam, aber eben auch ziemlich vorhersehbar ist.


    Ich habe die Geschichte mit einem ungekürzten Hörbuch verfolgt. Sprecherin Sandra Voss macht dabei einen guten Job.


    Das Cover gefällt mir. Auch der Titel ist passend gewählt.


    Mein Fazit:

    „Ein Sommer auf Sylt“ von Lena Wolf ist ein heiterer Roman, der mich nicht in Gänze überzeugt hat, aber durchaus unterhalten kann.


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    Europa zu der Zeit des Nationalsozialismus: In Berlin wird das Leben für Juden immer schwieriger. Etliche sind 1939 bereits geflohen. Ihr Mann Julius wird ins Lager Sachsenhausen gebracht. Nun beschließt auch endlich Amanda Sternberg, ihre Töchter Viera und Lina in Sicherheit zu bringen. Sie will die Kinder mit dem Schiff nach Kuba schicken. Während sie die sechsjährige Viera in der Obhut eines Paares überlässt, damit die Kleine in Übersee Rettung findet, bringt sie die Trennung von Lina nicht über sich. Mit der Jüngsten flieht Amanda nach Frankreich. Auch dort drohen jedoch die Gefahren, sie einzuholen...


    „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ ist ein Roman von Armando Lucas Correa.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus sechs Kapiteln. Diese wiederum erstrecken sich über sechs Teile. Es gibt dabei mehrere Erzählstränge. Der erste beginnt im Jahr 2015 in New York. Zudem spielt die Handlung in den Jahren 1933 bis 1947 an wechselnden Orten. Zeit- und Ortsangaben erleichtern die Orientierung. Zwischendurch werden Briefe eingestreut. Der Aufbau des Romans wirkt gut durchdacht.


    Der Schreibstil ist angenehm und anschaulich. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven.


    Wieder einmal hat der Autor einen Roman auf der Basis wahrer Begebenheiten geschaffen. In seiner Anmerkung am Ende des Buches dokumentiert er, woher die Idee zu der Geschichte stammt, in der eine Menge Potenzial steckt. Zudem liefert der Schriftsteller einige interessante Zusatzinformationen. Das belegt seine fundierte Recherche. Anders als bei seinem empfehlenswerten Debüt, „Das Erbe der Rosenthals“, hatte ich beim Lesen des Romans allerdings nicht das Gefühl, viel Wissen über die Historie zu erfahren, denn die geschichtlichen Hintergründe sind in seinem neuesten Werk weniger prominent eingeflochten und weniger fesselnd.


    Die wohl größte Schwäche des Romans sind für mich die Charaktere, dabei ist die Grundkonstellation durchaus spannend. Leider blieben mir die Protagonisten weitgehend fremd und machen größtenteils sogar einen unsympathischen Eindruck. Einige Verhaltensweisen erschließen sich mir nicht und erscheinen wenig authentisch, obwohl der Leser Einsichten in das Denken und Fühlen der Personen erhält.


    Auch inhaltlich kann mich der Roman nur bedingt überzeugen, denn trotz teils recht dramatischer Ereignisse konnte mich die Geschichte emotional nicht so recht erreichen. Zum Teil verliert die Handlung ihren Fokus, schneidet mal dieses und jenes an und macht etliche Sprünge, was den Lesegenuss erschwert hat. Zwar ist die Geschichte durchaus unterhaltsam. Eine richtige Sogwirkung wollte sich bei mir aber nicht einstellen.


    Das Cover ist ansprechend gestaltet und passt gut zur Geschichte. Der englischsprachige Originaltitel („The lost daughter“) wurde übernommen und ergänzt, was ebenfalls keine schlechte Entscheidung war.


    Mein Fazit:

    Anders als bei „Das Erbe der Rosenthals“ hat mich Armando Lucas Correa dieses Mal nicht begeistern können. In mehrfacher Hinsicht kommt „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ nicht an sein anderes Buch heran. Wer jedoch nicht mit allzu hohen Erwartungen in die Lektüre startet, hat auch damit kurzweilige Lesestunden.


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    Der kleine Ort Pengelly in Cornwall: May Rosevere ist zwar schon 110 Jahre alt, doch immer noch sehr rüstig und geistig fit. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, noch mindestens ein weiteres Jahr zu schaffen. Gute Gene sind aber nicht ihr Geheimnis. Sie hat eine ganz besondere Gabe: Über die Erinnerungen von anderen Menschen gelingt es ihr, ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Meist lebt sie recht einsam in einem Cottage am Meer. Doch ihr sonst sehr ruhiger Alltag wird ein wenig turbulent, als die 33-jährige Emily Lovell, die Enkelin ihrer Nachbarin Julia, anreist. Mit der jungen Frau versteht sich May seit Jahren sehr gut. Nur mit Julia hatte sie in der Vergangenheit so ihre Schwierigkeiten. Denn seit einem tragischen Vorfall vor ein paar Jahrzehnten, in den die Familien beider Frauen verwickelt waren, fühlt sich die Seniorin gegenüber Emilys Familie schuldig. Nun hat May einiges wiedergutzumachen. Aber zunächst sorgt sie für weitere Probleme…

    „Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ ist ein Roman von Celia Anderson.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 46 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird im Präsens in chronologischer Reihenfolge aus wechselnden Perspektiven. Eingestreut sind Ausschnitte aus Briefen. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

    Der Schreibstil ist unauffällig, aber anschaulich und einfühlsam. Die Beschreibungen der Landschaft sind bildhaft und machen Lust auf einen Besuch in Cornwall. Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht.

    Eine Stärke des Romans sind die Charaktere. Allen voran ist May eine sehr ungewöhnliche Protagonistin, die zwar durchaus liebenswürdig ist, allerdings ihre Ecken und Kanten hat. Auch Julia, Emily, Andy und die übrigen Bewohner des charmanten Örtchens werden vielschichtig und authentisch dargestellt. Durch die Perspektivwechsel lassen sich die Gedanken und Gefühle der Personen sehr gut nachvollziehen.

    Die Geschichte verfügt über ein fantastisches Element in einem ansonsten realitätsnahen Setting. Die Idee der Autorin, wie es May gelungen ist, so lange am Leben zu bleiben, ist in sich schlüssig und trägt zum Reiz des Romans bei. Ich war anfangs ein wenig skeptisch, ob mich diese Komponente überzeugen würde, wurde aber nicht enttäuscht.

    Zwar spielt die romantische Liebe keine unwichtige Rolle im Roman. Darüber hinaus ist die Geschichte thematisch aber recht facettenreich. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Schuld und Vergebung, das Altern, Lebensentscheidungen und Familiengeheimnisse. All diese Punkte werden auf gelungene Weise miteinander verknüpft.

    Die Geschichte nimmt zu Beginn nur langsam Fahrt auf. Allmählich tauchen aber Fragen und Unklarheiten auf, sodass man beim Lesen gespannt ist, was hinter den Geheimnissen steckt. Einige Verbindungen werden nach einiger Zeit deutlich. Auf den mehr als 470 Seiten kommt dennoch keine Langeweile auf, da die Geschichte auch ein paar Überraschungen parat hat. Vor allem zum Ende hin wird die Handlung in Teilen überzogen und unglaubwürdig. Das schmälert den ansonsten sehr positiven Eindruck jedoch nur geringfügig.

    Als kleines Extra ist am Ende des Buches ein Rezept für würzige Fischpastete abgedruckt. Eine schöne Idee, wobei sich mir der Bezug nicht so recht erschließt, weil diese Speise keine besondere Rolle in der Geschichte einnimmt.

    Das ansprechende Cover wirkt ziemlich verspielt, passt aber zum Inhalt und Genre. Der deutsche Titel weicht stark vom englischen Original („59 Memory Lane“) ab, wobei beide Formulierungen in Ordnung sind.

    Mein Fazit:
    „Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ von Celia Anderson ist ein vielschichtiger und unterhaltsamer Roman mit reizenden Charakteren. Empfehlenswert für alle, die mehr als nur eine Liebesgeschichte erwarten.


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    Ein kleines Café in Amsterdam im Jahr 2011: Die 30-jährige Valerie aus München begegnet zufällig dem gleichaltrigen Holländer Ted. Er lädt sie zu sich an seinen Tisch ein. Sie sind sich auf Anhieb sympathisch und tauschen sich über ihre Sehnsüchte aus. Dabei entsteht spontan die Idee, sich in zehn Jahren, also am 24. Juni 2021, am selben Ort wieder zu treffen. Ob sich ihre Träume bis dahin erfüllt haben? Doch beide merken nach einiger Zeit, dass sie sich jeweils in den anderen verliebt haben. Ted will nicht mehr lange warten und beginnt, nach Valerie zu suchen. Nur wie soll er bloß eine Person finden, von der er nur den Vornamen und den Wohnort kennt?


    „Rendezvous in zehn Jahren“ ist ein Roman von Judith Pinnow.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 18 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Die Handlung erstreckt sich über die Jahre 2011 bis 2021 und spielt an unterschiedlichen Schauplätzen. Erzählt wird vorwiegend abwechselnd aus der Sicht von Valerie und von Ted, allerdings auch aus der weiterer Personen. Der Aufbau funktioniert ganz gut.


    Der Schreibstil ist schnörkellos, schlicht und unspektakulär, aber dank viel wörtlicher Rede lebhaft. Der Einstieg in die Geschichte fällt nicht schwer.


    Valerie und Ted sind die beiden Protagonisten. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich. Sie kommen sowohl sympathisch als auch authentisch rüber. Zudem tauchen mehrere interessante Nebenfiguren auf.


    Die Grundidee der Geschichte ist zwar nicht sonderlich originell, hat mich aber dennoch sofort angesprochen. Inhaltlich spielen Liebe und Freundschaft eine große Rolle. Dabei ist die Geschichte sehr gefühlvoll, jedoch auch etwas nah am Kitschigen. Der Humor kommt nicht zu kurz.


    Die Handlung wirkt an einigen Stellen reichlich überzogen und arg konstruiert. Allerdings kommt aufgrund von etlichen Wendungen beim Lesen der rund 260 Seiten keine Langeweile auf.


    Das genretypische Cover gefällt mir sehr gut, auch wenn es ein wenig uninspiriert erscheint. Der Titel passt zum Inhalt und ist aussagekräftig.


    Mein Fazit:

    „Rendezvous in zehn Jahren“ von Judith Pinnow ist ein Roman, der vor allem denjenigen Freude bereitet, die sich gerne auch Liebeskomödien anzuschauen. Eine kurzweilige Geschichte, die für unterhaltsame Lesestunden sorgt.


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    Die Kleinstadt Miracle Creek im US-Bundesstaat Virginia: Mit dem Umzug in die Vereinigten Staaten erhofft sich der koreanische Einwanderer Pak Yoo mit seiner Frau Young und seiner Tochter Mary ein neues Leben. Er bietet in einer Scheune eine Sauerstofftherapie an. Doch an einem Tag im August geht ein Tank plötzlich in Flammen auf. Menschen werden verletzt. Zwei Personen sterben sogar: Kitt Kozlowski und Henry, der achtjährige Sohn von Elizabeth Ward. Die Mutter wird angeklagt, die Beweise scheinen erdrückend. Ihr werden Brandstiftung, Körperverletzung, Mord und versuchter Mord vorgeworfen. War es ein tragischer Unfall? Oder hat sie wirklich ihren eigenen Sohn umgebracht? Während des Prozesses, in dem verschiedene Zeugen aussagen, wird zunehmend klar: Jeder von ihnen etwas zu verbergen…


    „Miracle Creek“ ist der Debütroman von Angie Kim.


    Meine Meinung:

    Der Aufbau des Romans wirkt gut durchdacht und funktioniert hervorragend. Er besteht aus mehreren Teilen und beginnt mit dem „Vorfall“ am 26. August 2008, der in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Young erzählt wird. Dann gibt es einen Zeitsprung von einem Jahr und der Roman teilt sich auf vier Prozesstage auf, die aus der Sicht unterschiedlicher Personen erzählt werden. Zum Schluss gibt es mit „Danach“ eine Art Epilog, der im November 2009 spielt und wieder die Sicht von Young wiedergibt. Eingestreut sind zwischendurch mehrere Grafiken und Listen.


    Sprachlich ist der Roman zunächst nicht besonders auffällig. Dennoch ist der Schreibstil eindringlich. Detailreiche Beschreibungen machen den Roman anschaulich.


    Die Charaktere sind gleichzeitig interessant, vielschichtig und authentisch gestaltet. Die Protagonisten sind keine klassischen Sympathieträger, doch ihre Gedanken und Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Trotz der Fülle an unterschiedlichen Personen fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten.


    Auf fast 500 Seiten ist das Tempo – trotz mehrerer Wendungen – zwar nicht durchgängig hoch. Dennoch kommt keine Langeweile auf, denn es ist spannend, die Charaktere zu ergründen und ihren Lügen und Geheimnissen auf die Spur zu kommen.


    Inhaltlich ist der Roman sehr facettenreich und komplex, denn es geht um weitaus mehr als nur ein Gerichtsdrama. Ich fand es interessant, etwas über die hyperbare Oxygenierung zu erfahren, die vorab erklärt wird und die ich bisher nicht kannte. Mit den Geheimnissen und Problemen der verschiedenen Protagonisten sowie ihre Schicksalen kommt darüber hinaus eine Vielfalt an Themen in die Geschichte, die mich emotional berühren konnte und mich immer wieder zum Nachdenken angeregt hat.


    Das atmosphärisch starke Cover mit dem Feuerschein gefällt mir außerordentlich gut. Positiv anzumerken ist, dass nicht nur die Optik der amerikanischen Originalausgabe übernommen wurde, sondern auch der passende Titel.


    Mein Fazit:

    Mit „Miracle Creek“ ist Angie Kim ein beeindruckender Debütroman gelungen, der mich sowohl bewegen als auch fesseln konnte. Eine Lektüre, die ich wärmstens empfehlen kann.


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    Mit einem Mal ist Mattias weg, tot. Und er lässt Familie und Freunde einfach zurück. Sein schicksalhaftes Verschwinden reißt eine Lücke in das Leben seiner Partnerin Amber, seiner Mutter Kristianne und seines Kumpels Quentin, die nun mit dem Verlust klarkommen müssen. Auch die Wege fünf weiterer Menschen haben sich vor seinem Tod mit Mattias gekreuzt. Was ist mit dem jungen Mann passiert? Und wie geht es für die Hinterbliebenen weiter?


    „Nach Mattias“ ist ein Roman von Peter Zantingh.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus neun Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird im ersten und letzten Kapitel aus der Sicht von Amber und ansonsten aus der Sicht von acht weiteren Personen, teils in der Ich-Perspektive und immer im Präsens. Die Handlung spielt an unterschiedlichen Orten in der Niederlande, die nicht näher bezeichnet werden. Dieser Aufbau wirkt gut durchdacht.


    Dem Autor ist es ausgezeichnet gelungen, den Stil jeweils an die unterschiedlichen Charaktere anzupassen. Eine Gemeinsamkeit ist es, dass er jeweils recht nüchtern daherkommt, aber dennoch eindringlich ist. In vielen der Kapitel tauchen schöne Sprachbilder auf. Manche Formulierungen kommen jedoch etwas seltsam daher, manche Wörter sind unverständlich, weshalb ich davon ausgehe, dass die Übersetzung leider Schwächen hat.


    Die Protagonisten sind authentisch und stellen eine interessante Auswahl an Personen dar. Es gibt nicht nur Menschen, die Mattias sehr nahestanden, sondern auch solche, mit denen die Verbindung nur lose oder weniger direkt war. So ergibt sich mehr und mehr ein Bild des Verstorbenen. Als Leser taucht man in die jeweiligen Leben der unterschiedlichen Personen ein, sodass fast der Eindruck einer Sammlung an Kurzgeschichten entsteht, die für sich allein jedoch keinen Sinn ergeben und nur durch das gemeinsame Element, also Mattias, verstanden werden können. Beim aufmerksamen Lesen sind auch Verknüpfungspunkte untereinander erkennbar, die der Autor geschickt – mal auffällig, mal weniger prominent – in den Roman eingeflochten hat und die sich am Ende vollständig erschließen.


    Die Thematik von Tod und Trauer macht die Lektüre sehr berührend, wobei mich jedoch nicht alle Kapitel emotional erreicht haben. Da der Roman inhaltlich auch zu anderen Themen wie Fußballsimulationen abdriftet, habe ich den Mittelteil als ein wenig langatmig empfunden. Eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt außerdem die Musik. Eine schöne Idee ist daher die Playlist mit passenden Titeln zum Roman.


    Die unterschiedlichen Schicksale und Lebensgeschichten der Protagonisten sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern regen auch zum Nachdenken an. Dabei blitzt im Roman immer wieder auf recht dezente Art Gesellschaftskritik durch.


    Das für den Verlag typische Cover passt gut zum Roman, vor allem zum letzten Kapitel. Der knackige Titel ist treffend gewählt und erfreulicherweise wortgetreu aus dem niederländischen Original („Na Mattias“) übernommen worden.


    Mein Fazit:

    „Nach Mattias“ von Peter Zantingh ist ein raffiniert konstruierter Roman darüber, welche Spuren ein Mensch nach seinem Tod hinterlässt. Eine berührende, aber nicht kitschige Lektüre.


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    Lange Zeit hat Michèle Seld, genannt Michka, alleine gelebt. Sie ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Bisher hat sie ein unabhängiges Leben geführt. Nur ab und zu hat sich Marie Chapier, eine junge Frau, um die alte Dame mit dem Habitus eines jungen Mädchens gekümmert. Doch nun, mit Mitte 80, braucht die Seniorin eine ständige Betreuung, denn sie wird immer wackeliger auf den Beinen. Zudem leidet sie an Aphasie und verliert immer mehr Wörter. In einem Altersheim macht sie die Bekanntschaft mit dem Logopäden Jérôme. Und sie fasst einen Plan: Sie will endlich das Ehepaar finden, dem sie ihr Leben zu verdanken hat…


    „Dankbarkeiten“ ist ein Roman von Delphine de Vigan.


    Meine Meinung:

    Der Roman ist in etliche, meist kurze Abschnitte unterteilt. Erzählt wird im Präsens in der Ich-Perspektive - abwechselnd aus der Sicht von Marie und aus der von Jérôme, was insgesamt recht gut funktioniert, aber nicht immer ideal ist.


    Der Schreibstil ist besonders. Er wirkt nur auf den ersten Blick recht reduziert, ist aber sehr eindringlich, einfühlsam, intensiv und stellenweise sogar poetisch. Der Roman ist geprägt von vielen Dialogen und gelungenen Sprachbildern. Sehr gut gefallen haben mir die vielen kreativen Wortneuschöpfungen, die durch Michkas Gedächtnisverlust herrühren. Ungewöhnlich ist auch der Einstieg, in dem die Erzählerin den Leser direkt anspricht.


    Mit Michka steht eine interessante Protagonistin im Vordergrund. Auch Marie und Jérôme waren mir gleich sympathisch. Die Figuren wirken realitätsnah, ihr Denken und ihr Fühlen sind nachvollziehbar.


    Obwohl der Roman weniger als 170 Seiten umfasst, steckt inhaltlich eine Menge in der Geschichte. Es geht um Tod, Trauer, das Altern, Einsamkeit und Krankheit, aber auch einiges mehr, denn der Roman enthüllt die nicht immer schöne Vergangenheit der alten Dame. Neben diesen ernsten und traurigen Themen gibt die Geschichte Trost und Hoffnung, da Freundschaften, Menschlichkeit, Liebe und eben Dankbarkeit auch eine Rolle spielen. Durch die gelungene Mischung konnte mich der Roman emotional berühren und zum Nachdenken anregen.


    Das moderne Cover passt stilistisch gut zum Roman. Positiv anzumerken ist außerdem, dass der treffende französische Originaltitel („Les gratitudes“) ziemlich wortgetreu ins Deutsche übernommen wurde.


    Mein Fazit:

    Zwar konnte mich Delphine de Vigan dieses Mal nicht so restlos begeistern wie mit „Loyalitäten“. Aber auch „Dankbarkeiten“ ist ein facettenreicher Roman, der mir aus sprachlicher und inhaltlicher Sicht wieder sehr gut gefallen hat und den ich daher ebenfalls wärmstens empfehlen kann.


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    Minsk im Jahr 2001: Kaum ist der 30-jährige Alexander in die neue Wohnung eingezogen, da lernt er bereits seine Nachbarin kennen. Die 91-jährige Tatjana Alexejewna ist körperlich zwar ansonsten noch ganz fit, doch ihre Alzheimer-Krankheit raubt ihr mehr und mehr ihre Erinnerungen. Dabei hat sie viel zu erzählen, was nicht in Vergessenheit geraten soll. In der Vergangenheit hat die Seniorin ein Leben voller Schrecken geführt. Sie beschließt, ihre Geschichte ihrem Nachbarn anzuvertrauen, ohne zu wissen, dass der junge Fußballschiedsrichter selbst ein trauriges Schicksal zu verarbeiten hat…


    „Rote Kreuze“ ist ein Roman von Sasha Filipenko.


    Meine Meinung:

    Der Roman ist lediglich in Abschnitte, nicht jedoch in Kapitel eingeteilt. Erzählt wird im Präsens in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Alexander. Darüber hinaus gibt es aber immer wieder lange Monologe von Tatjana, wobei die Wechsel oft plötzlich kommen, was den Roman vor allem zu Beginn nicht so gut lesbar macht. Außerdem sind zwischendurch Gedichte, Briefe, Telegramme und sonstige Dokumente eingefügt. Diese wiederholen sich zum Teil inhaltlich und bremsen den Lesefluss, sodass ich es vorgezogen hätte, diese stärker komprimiert präsentiert zu bekommen oder sie in einem Anhang zu finden.


    Der Schreibstil ist recht nüchtern und schnörkellos, aber dennoch eindringlich. Es gibt viel wörtliche Rede und wenige beschreibende Passagen. Wie Alexander selbst wird der Leser sehr direkt in die Erzählungen Tatjanas geworfen. Dennoch lässt sich die Geschichte gut nachverfolgen.


    Mit Alexander und Tatjana stehen zwei gegensätzliche Protagonisten im Vordergrund, die zwar sehr reizvoll ausgestaltet sind, mir aber nicht gleich sympathisch waren. Mit der unhöflichen, abweisenden Art des jungen Mannes und dem penetrant aufdringlichen Verhalten der alten Frau hatte ich zu Beginn so meine Probleme. Später erfährt der Leser jedoch ihre Beweggründe und kann die Gedanken und Gefühle der beiden sehr gut nachvollziehen. Nur in einem Punkt erscheint mir das Denken Tatjanas ziemlich naiv und unlogisch.


    Ein großes Plus des Romans ist seine wichtige Thematik. Mit der Geschichte Tatjanas lenkt der Autor die Aufmerksamkeit auf die unmenschlichen Schrecken und Grausamkeiten des Sowjetregimes zu der Zeit Stalins. Er betreibt damit Aufklärung und Aufarbeitung zugleich, indem er ein Kapitel der russischen Historie wieder in den Fokus rückt, das bei vielen seiner Landsleute bereits verdrängt worden ist. Ich selbst konnte durch die Lektüre vieles über die Vergangenheit der damaligen UdSSR lernen. Sie hat mich erschüttert und zum Nachdenken angeregt. Die sehr fundierte Recherche des Autors ist dem Roman an vielen Stellen anzumerken. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir, dass sich das Motiv des Kreuzes immer wieder in sprachlicher und inhaltlicher Sicht durch den Roman zieht.


    Das für den Verlag typische Cover passt gut zum Roman. Den knappen Titel, der mehrdeutiger ist als zunächst gedacht, finde ich sehr gelungen.


    Mein Fazit:

    Mit „Rote Kreuze“ hat mich Sasha Filipenko zwar nicht in allen Aspekten gänzlich überzeugt. Dennoch wird sein Roman noch lange Zeit in mir nachhallen. Eine empfehlenswerte Lektüre.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Nach dem Selbstmord eines Mandanten ist die erfolgreiche Anwältin Solène mit den Nerven am Ende. Die 40-Jährige erleidet einen Zusammenbruch, der sie ihr Leben infrage stellen lässt. Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kommt sie, noch immer nicht ganz von ihrer Depression geheilt, in Kontakt mit einem Pariser Wohnheim für Frauen. Ehrenamtlich soll sie die Bewohnerinnen bei deren Korrespondenzen unterstützen. Im Haus der Frauen erhält das Leben für Solène nicht nur einen neuen Sinn, sondern sie erfährt auch Zusammenhalt. Sie beschließt nachzuforschen, was die 58-jährige Begründerin Blanche Peyron vor 100 Jahren dazu bewog, das Frauenheim trotz aller Widerstände zu schaffen…


    „Das Haus der Frauen“ ist der zweite Roman von Laetitia Colombani.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 28 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Es gibt zwei Stränge: Einerseits befinden wir uns mit Solène im Paris der Gegenwart und andererseits mit Blanche Peyron in den 1920er-Jahren, jeweils erzählt im Präsens. Dieser Aufbau funktioniert gut.


    Bereits bei ihrem Debütroman hat mir der Schreibstil der Autorin gefallen. Auch dieses Mal ist die Sprache klar, aber schafft es, viele Bilder hervorzurufen. Obwohl im Roman auf direkte Rede verzichtet wird, ist der Erzählton erneut einfühlsam und warmherzig.


    Wie schon in „Der Zopf“ stehen auch dieses Mal starke Frauen im Vordergrund. Sowohl Solène als auch Blanche wirken authentisch. Ihre Gedanken und Gefühlen sind gut nachvollziehbar, ihre Geschichten habe ich gerne verfolgt.


    Toll finde ich, dass der Roman auf wahren Begebenheiten beruht. Fakten und Fiktionen werden so gekonnt miteinander verwoben. Das „Palais de la Femme“ in Paris existiert wirklich. Es ist interessant, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron zu erfahren. Schön, dass ihr Engagement nun literarisch bearbeitet wurde. Die fundierte Recherche ist dem Roman anzumerken.


    Auf rund 250 Seiten werden mehrere bedrückende Frauenschicksale dargestellt, was den Roman zugleich abwechslungsreich und berührend macht. Langeweile kommt beim Lesen nicht auf, obwohl die schlüssige Handlung nur wenige Überraschungen bieten kann.


    Das Cover, das stilistisch an den Vorgängerroman der Autorin erinnert, ist nicht nur thematisch passend, sondern auch wieder hübsch anzuschauen. Leider orientiert sich der deutsche Titel dieses Mal nicht so nah am französischsprachigen Original („Les Victorieuses“), was ich schade finde.


    Mein Fazit:

    Mit „Das Haus der Frauen“ legt Laetitia Colombani wieder einen empfehlenswerten Roman vor, der zwar nicht ganz an „Der Zopf“ heranreicht, aber mich ebenfalls überzeugt hat. Die Geschichte sorgt für schöne Lesestunden.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Während die 39-jährige Dunja Lenzing mit ihren Kindern Jules und Augusta in der Großstadt lebt und dort Deutschkurse gibt, ist ihre Zwillingsschwester Saphie in einem Hotel in einem thüringischen Dorf an der ehemals deutsch-deutschen Grenze heimisch. Dann schlägt der Zufall auf irrwitzige Weise zu: An ein und demselben Tag sterben ihre langjährigen Lebenspartner. Restaurator Winne, der Vater von Jules und Augusta, kommt bei einem Sturz ums Leben. Hotelchef Gilbhart stirbt durch einen Schlaganfall. Obwohl sich Dunja bereits von Winne getrennt hatte und der alkoholabhängige Gilbhart es Saphie zuletzt schwergemacht hat, leiden die beiden Schwestern unter dem Verlust und nähern sich einander wieder an. Dunja entscheidet sich, in Saphies Hotel zu ziehen und somit in die Heimat ihrer Kindheit zurückzukehren. Dort werden beide mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.


    „Die Glasschwestern“ ist ein Roman von Franziska Hauser.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 40 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Jedes ist mit einem anderen Sprichwort überschrieben – eine sehr schöne Idee. Erzählt wird im Präsens zunächst nur aus der Sicht von Dunja, später auch aus der von Saphie. Der Roman ist chronologisch aufgebaut, aber es gibt immer wieder kurze Rückblenden in die Vergangenheit in Form von Erinnerungen. Der Aufbau ist sehr durchdacht und funktioniert gut.


    Auch in sprachlicher Hinsicht hat mir der Roman sehr gut gefallen, denn sein Stil ist besonders. Ungewöhnliche Bilder und Vergleiche konnten mich begeistern. Dabei wirkt der Schreibstil eindringlich und stellenweise poetisch, aber nicht blumig oder gekünstelt. Der Roman ist unaufgeregt und atmosphärisch recht dicht.


    Die zu Beginn ziemlich unterschiedlichen Zwillingsschwestern, die ich als interessante Charaktere empfunden habe, stehen im Vordergrund. Beide machen eine Entwicklung durch. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich. Allerdings habe ich mit den meisten Figuren zunächst gefremdelt, denn viele der Personen erscheinen etwas seltsam. Dazu passen die ausgefallenen Namen in der Geschichte, die nicht nur die Protagonisten, sondern auch einige der Nebenfiguren tragen.


    Die Handlung braucht ein wenig, um Fahrt aufzunehmen. Dennoch konnte mich die Geschichte von Anfang an fesseln. Zwischendurch gibt es auf den mehr als 400 Seiten zwar einige kleinere Längen. Im Großen und Ganzen bleibt die Geschichte aber abwechslungsreich und unterhaltsam.


    Inhaltlich ist der Roman sehr vielschichtig. Es geht um die Zeit vor der Wende und die Vergangenheit der Protagonisten, um Tod und Trauer, um wichtige Entscheidungen und die Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Zugleich ist es aber auch eine Familiengeschichte und ein Generationen umfassender Roman, der Geheimnisse und Lügen beinhaltet. Eine Lektüre, die Fragen aufwirft und dazu einlädt, das Buch immer wieder zur Seite zu legen, um eigenen Gedanken nachzuhängen.


    Toll finde ich auch das ansprechende Cover, denn es greift die melancholische Stimmung der Geschichte auf und symbolisiert durch die Spiegelung die Zwillingsschwestern. Auch der Titel, der sich schon nach wenigen Kapiteln erklärt, aber auch mehrdeutig interpretiert werden kann, passt sehr gut.


    Mein Fazit:

    Mit „Die Glasschwestern“ ist Franziska Hauser ein ungewöhnlicher, komplexer Roman gelungen, der mich sprachlich beeindrucken konnte. Das lesenswerte Buch ist nicht nur unterhaltsam, sondern bietet auch eine Menge Denkimpulse.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bibliothekarin Nina Redmond liebt Literatur. Bisher hat sie in der städtischen Bücherei bei Birmingham gearbeitet, doch nun verliert die 29-Jährige ihren Job, weil die Einrichtung schließen wird. Was soll jetzt nur aus ihr werden? Eigentlich würde sie gerne eine eigene Buchhandlung eröffnen, aber dafür fehlt ihr das Geld. Dann bekommt sie den Tipp, mit einem Lieferwagen einen mobilen Buchladen zu betreiben. Mit einem Bücherbus kutschiert sie also durch die schottischen Highlands, um Menschen mit Lektüre zu versorgen. Ob sie sich auch noch weitere Träume erfüllen kann?


    „Happy Ever After – Wo das Glück in Büchern wohnt“ ist der Auftaktband der mehrteiligen „Happy-Ever-After“-Reihe, im Original auch als „Scottish Bookshop“-Reihe bekannt, von Jenny Colgan.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 36 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird aus der Sicht von Nina in chronologischer Reihenfolge. Der Aufbau ist recht einfach, funktioniert aber gut.


    Der Schreibstil ist locker, bildhaft, anschaulich und – dank viel wörtlicher Rede – ziemlich lebhaft. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir nicht schwer.


    Mit Nina steht eine sympathische Protagonistin im Mittelpunkt. Sie ist unsicher, schüchtern und wenig selbstbewusst, wirkt zum Teil sogar etwas naiv. Aber ihre Begeisterung für Bücher und ihr großes Herz machen sie zu einem liebenswürdigen Charakter. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich gut nachvollziehen. Auch die Nebenfiguren sind interessant dargestellt.


    Das Setting finde ich klasse. Gut gefallen hat mir auch, dass inhaltlich die romantische Liebe nicht im Vordergrund steht. Zwar taucht auch dieser Bereich im Roman auf. Aber andere Themen wie die Leidenschaft für Bücher, Freundschaft und Vertrauen nehmen viel Raum ein. Dadurch wird die Geschichte facetten- und abwechslungsreich und läuft nicht Gefahr, zu seicht zu werden.


    Auf mehr als 400 Seiten kommt beim Lesen keine Langeweile auf, obwohl die Handlung nicht mit mehreren Überraschungen auftrumpfen kann. Allerdings trifft die Mischung aus emotionalen und humorvollen Momenten meinen Geschmack.


    Ein Pluspunkt des Romans sind auch die witzig formulierten Tipps der Autorin, wo es sich am besten liest, verknüpft mit persönlichen Ausführungen. Sie sind der eigentlichen Geschichte vorangestellt.


    Das Cover passt perfekt zum Inhalt und spricht mich sehr an. Der deutsche Titel ist etwas sperriger und ein wenig kitschiger als das englischsprachige Original („The Little Shop of Happy Ever After“), aber nicht mehr oder weniger treffend.


    Mein Fazit:

    „Happy Ever After – Wo das Glück in Büchern wohnt“ von Jenny Colgan ist ein unterhaltsamer Wohlfühlroman, der vor allem Bibliophilen schöne Lesestunden beschert und sich angenehm von anderer Frauenliteratur abhebt.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Tim, der kleine Bruder von Paula, ist tot. Schon zwei Jahre ist der Unfall auf Mallorca her, doch noch immer ist die Doktorandin in ihrer Trauer gefangen. Sie ist depressiv und nimmt die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch – bisher mit mäßigem Erfolg. Auf dem Friedhof trifft die junge Frau zufällig den 83-jährigen Helmut, der dort gerade die Urne seiner Freundin Helga ausgraben möchte, um die Asche woanders hinzubringen. Der Rentner plant eine abenteuerliche Reise und Paula besteht darauf mitkommen zu dürfen…


    „Marianengraben“ ist der Debütroman von Jasmin Schreiber.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus einigen Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Sie sind jeweils mit einer stetig kleiner werdenden Zahl überschrieben – von 11.000, der Tiefe des Marianengrabens, bis 0. Eine originelle Idee. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Paula, wobei die Erzählerin immer wieder direkt den toten Bruder anspricht. Dieser Aufbau gefällt mir sehr gut.


    Auch sprachlich finde ich das Buch gelungen. Der Stil des Romans ist geprägt von vielen Metaphern und sonstigen Bildern, von Wortspielen und von kreativen Formulierungen. Viele Dialoge lassen ihn zudem lebhaft erscheinen. Die Geschichte nimmt erst im dritten Kapitel so richtig Fahrt auf. Dennoch hat mich der Einstieg überzeugt.


    Mit Paula und Helmut stehen zwei ungleiche Protagonisten im Vordergrund, die ich beide sympathisch finde – nicht nur wegen ihrer Ecken und Kanten, sondern gerade deswegen. Beide Charaktere wirken authentisch und sind reizvoll gestaltet.


    Inhaltlich geht es um Verlust und Trauer, die beide Protagonisten betreffen. Bei Paula kommt die Depression hinzu. Diese Themen bringen traurige Komponenten in die Geschichte. Die Gefühle werden eindringlich geschildert, was die Lektüre sehr berührend, aber nicht kitschig macht. Gleichzeitig ist der Roman sehr humorvoll und bittersüß, sodass eine ausgewogene Mischung entsteht.


    Auf rund 250 Seiten kommt keine Langeweile auf. Einige Einfälle sorgen für genügend Abwechslung. Zwar ist die Handlung stellenweise ein wenig skurril, aber nicht in übertriebener Weise.


    Der prägnante, ungewöhnliche Buchtitel greift ein wiederkehrendes Bild auf und passt daher sehr gut zum Roman. Damit harmoniert die ansprechende Gestaltung des Covers perfekt.


    Mein Fazit:

    „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber ist ein anrührender, tiefgründiger und unterhaltsamer Roman, der eine ernste Thematik gekonnt mit Humor kombiniert. Eine besonders empfehlenswerte Lektüre.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Berlin im Jahr 1918: In der Stadt tobt die Novemberrevolution und das Land leidet unter den Folgen des Ersten Weltkriegs. Der Matrose Benno Funke trifft zufällig auf die Schneiderstochter Vera Ingeborg Novak. Die junge Frau gewährt dem Fremden Unterschlupf in der ehemaligen Werkstatt ihres Vaters. Beide verlieben sich ineinander. Dann taucht plötzlich Veras Bruder, Kriegsheimkehrer Georg, wieder auf. Auch Benni wird schon vermisst. Friederike Lieselotte Petersen, genannt Fritzi, sucht ihn, denn er ist der Vater ihrer gemeinsamen Tochter Christel. Aus ihrem Heimatdorf bei Eckernförde macht sich die junge Mutter auf den Weg in die Großstadt. Auch die 20-jährige Hanna Münchow, eine reiche Fabrikantentochter, kehrt nach ihrem Dienst als Hilfsschwester im Lazarett nach Berlin zu ihrer Familie zurück. Ihren Eltern muss sie erklären, dass sie eine Ausbildung zur Krankenschwester machen möchte – und dass sie Cora, also eine Frau, liebt…


    „Die Frauen vom Alexanderplatz“ ist ein historischer Roman von Elke Schneefuß.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus acht Kapiteln, die für meinen Geschmack viel zu lang sind. Erzählt wird aus der Sicht der drei Frauen. Die Handlung spielt im Jahr 1918. Leider gibt es keine einheitlichen Angaben zu Orten, Zeiten und Personen, die die Sprünge zwischen den einzelnen Erzählsträngen vereinfacht hätten. Der Aufbau funktioniert allerdings ganz gut.


    Der Schreibstil ist anschaulich, bildhaft, einfühlsam und angenehm zu lesen. Viel wörtliche Rede führt zu einem schnellen Lesefluss. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht.


    Im Vordergrund stehen drei starke Frauen, die mir bereits nach kurzer Zeit sympathisch waren. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt wird sehr gut deutlich. Obwohl ich nicht jedes Verhalten in Gänze nachvollziehen konnte, wirken die Charaktere realitätsnah. Ihre Schicksale habe ich gerne verfolgt. Auch die übrigen Personen sind interessant.


    Das historische Setting gefällt mir sehr. Es erscheint stimmig. Die politische Unruhe kurz nach dem Ersten Weltkrieg wird spürbar. Dennoch hätte ich mich gefreut, mehr über die Umstände jener Zeit zu erfahren, denn der geschichtliche Kontext tritt oft in den Hintergrund. Ein Pluspunkt des Romans ist eine Stadtkarte von Berlin.


    Trotz der mehr als 400 Seiten hat der Roman nur wenige Längen. Die Handlung bleibt - dank mehrerer Wendungen - überwiegend kurzweilig und abwechslungsreich.


    Das stimmungsvolle Cover passt gut zum Genre und ist nach meinem Geschmack. Der Titel wirkt dagegen etwas uninspiriert und weniger treffend.


    Mein Fazit:

    „Die Frauen vom Alexanderplatz“ von Elke Schneefuß ist ein historischer Roman, der für unterhaltsame Lesestunden sorgt.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Berlin in den 1930er Jahren: Nach dem Tod ihrer Mutter Anna zieht Alice, eine junge Kunststudentin, von Wien in die deutsche Hauptstadt. Die uneheliche Tochter von Maler Heinrich Lux meldet sich bei ihrer Großmutter Helena Waldmann und sucht Anschluss an ihre Familie, ehemals angesehene Kunsthändler, die sie nie kennengelernt hat. Alice fordert mit Mitte 20 den ihr zustehenden Platz in der Familie und der Kunsthandlung ein. Doch zunächst erfährt sie nur Ablehnung. Dann jedoch entdeckt sie ihr Talent als Fotografin und verliebt sich in den Deutsch-Iren John Stevens. Trotz der Widerstände ihrer Großmutter will sie mit ihren Onkeln die Galerie der Familie am Potsdamer Platz wiedereröffnen. In den unruhigen Zeiten, in denen die Nationalsozialisten zunehmend das Sagen haben, droht große Gefahr für ihre Liebe, die Galerie und ihre Familie...


    „Die Galerie am Potsdamer Platz“ ist zugleich der Debütroman von Alexandra Cedrino und der Auftaktband einer neuen Trilogie.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus vier Teilen, die wiederum in kurze Kapitel untergliedert sind. Die Handlung umfasst die Jahre 1930 bis 1933. Die Orientierung fällt dank der Zeitangaben nicht schwer. Erzählt wird aus der Sicht von Alice. Dieser Aufbau funktioniert ganz gut.


    Der Schreibstil ist leicht verständlich, aber ein wenig hölzern und unelegant. Einfache Sätze wechseln sich ab mit viel wörtlicher Rede.


    Im Mittelpunkt des Romans steht Alice, die mir eher unsympathisch war. Ihre Gedanken und Gefühle werden allerdings gut deutlich. Viele der übrigen Figuren bleiben recht blass und wirken schablonenhaft.


    Viel versprochen hatte ich mir davon, von einer Insiderin über die Familie Gurlitt und die Berliner Kunstszene in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg zu lesen. Tatsächlich merkt man dem Roman die Fachkenntnisse der Autorin an. Dadurch erhält der Leser interessante Einsichten.


    Auch das Thema Familiengeheimnisse macht den Roman reizvoll. Auf knapp 400 Seiten gibt es jedoch mehrere Längen. Zudem sind am Ende nicht alle Fragen beantwortet, was wohl daran liegt, dass es sich um eine Reihe handelt. Den Hinweis, dass der Roman Teil einer Trilogie ist, hätte ich mir prominenter gewünscht.


    Das Cover gefällt mir sehr gut. Auch der Titel passt zum Roman.


    Mein Fazit:

    „Die Galerie am Potsdamer Platz“ von Alexandra Cedrino ist ein unterhaltsamer Auftaktband, der sein Potenzial leider nicht in Gänze ausschöpft. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Mit ihrem langjährigen Verlobten Raffaele kommt Ester von Sardinien nach Genua aufs italienische Festland. Lange hat sie sich danach gesehnt, die Insel zu verlassen. Doch, in der Stadt angekommen, wünscht sie sich nach Sardinien zurück. Sie zieht schließlich wieder auf die Heimatinsel, aber auch dort wird sie nicht glücklich. Ihrer Tochter Felicita soll es besser ergehen. Im Hafenviertel der sardischen Hauptstadt Cagliari fertigt sie Schmuck aus Weggeworfenem. Dort zieht sie ihren Sohn Gregorio groß, dem das Leben seiner Mutter bald zu eng wird und der als Pianist hinaus in die weite Welt will.


    „Eine fast perfekte Welt“ ist ein Generationenroman von Milena Agus.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus drei Teilen, die wiederum in 50 kurze Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird chronologisch und aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Handlung umfasst mehrere Jahrzehnte, wobei es immer wieder Zeitsprünge gibt. Dieser Aufbau funktioniert gut.


    Der Schreibstil ist sehr nüchtern, aber gut verständlich. Der Roman hat eine poetische Note, ist allerdings von einer eher düsteren, melancholischen Stimmung geprägt. Der Einstieg fiel mir leicht.


    Die Idee, drei Generationen zu begleiten, hat mir gut gefallen. Ester, Felicita und Gregorio sind reizvolle Charaktere. Sie werden als Menschen mit Ecken und Kanten dargestellt und erscheinen realitätsnah. Dennoch fiel es mir schwer, Sympathie für die Protagonisten zu empfinden, denn der Roman bleibt auf Distanz zu ihnen.


    Thematisch spricht mich der Roman sehr an. Es geht um Sehnsuchtsorte, die Suche nach Glück und Perfektion, den Wert der Familie und die Liebe in unterschiedlichen Ausprägungen. Daher bietet das Buch eine Menge Stoff zum Nachdenken. Auch die gesellschaftskritischen Komponenten, die zwischendurch auftauchen, sind ein inhaltlicher Pluspunkt.


    Obwohl der Roman nur 200 Seiten umfasst, wirkt die Geschichte stellenweise monoton und langweilig. Sie plätschert vor sich hin und schafft es nicht, mich emotional zu erreichen. Das mag auch daran liegen, dass die Geschichte oftmals an der Oberfläche bleibt, vieles nur skizziert und nicht sehr detailreich ausgestaltet ist. Auch das Ende konnte mich nicht begeistern.


    Das Cover ist ansprechend. Den deutschen Titel finde ich nicht so passend wie das Original („Terre promesse“).


    Mein Fazit:

    Leider schöpft der Roman „Eine fast perfekte Welt“ von Milena Agus sein großes Potenzial nicht aus. Die Geschichte konnte mich zwar unterhalten, aber nicht fesseln.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Die englische Stadt Winchester in den 1930er-Jahren: Nach ihrem Auszug aus dem mütterlichen Zuhause stößt die Schreibkraft Violet Speedwell in der Kathedrale zufällig auf die Gruppe der Broderinnen. Die 38-Jährige mag die Abende mit den ungewöhnlichen Frauen, an denen sie zusammen unter Anleitung von Louisa Pesel Stickereien für das Gotteshaus anfertigen. Die Treffen sind für Violet der Aufbruch in eine neue Welt. Nach dem Tod ihres Verlobten Laurence während des Ersten Weltkrieges ist sie allein geblieben und hat wenig Anschluss. Bei den Abenden in der Kathedrale lernt sie nun nicht nur das Kunsthandwerk kennen, sondern von Arthur auch das Läuten der Kirchturmglocken. Kann sie durch die Freundschaft zwischen den Frauen und die wachsende Nähe zu Arthur ein neues Leben in Winchester beginnen?


    „Violet“ ist ein historischer Roman von Tracy Chevalier.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 25 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird aus der Sicht von Violet in chronologischer Reihenfolge, allerdings mit einigen Rückblenden. Der Aufbau des Romans funktioniert gut.


    Der Schreibstil ist anschaulich, einfühlsam, atmosphärisch und unaufgeregt. Dank viel wörtlicher Rede und gelungenen Beschreibungen ist er allerdings auch recht lebhaft. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Sie nimmt jedoch nur langsam Fahrt auf.


    Mit Violet steht eine interessante Protagonistin im Vordergrund, deren Gedanke und Gefühle ich gut nachvollziehen konnte. Sie wird realitätsnah dargestellt. Trotzdem wurde ich nicht sofort mit ihr warm, da sie manchmal einen etwas unnahbaren und nüchternen Eindruck macht. Auch die übrigen Personen wirken authentisch.


    Der Roman ist vor allem als Porträt von Violet angelegt. Aber der Leser erhält zudem ein gutes Bild der damaligen Zeit und Stimmung. Der Frauenüberschuss, die gesellschaftliche Stellung unverheirateter Damen und einige Themen mehr werden auf unterhaltsame Weise vermittelt. Dies macht die Lektüre tiefgründig. Gut gefallen hat mir auch, dass das Sticken so präsent in der Geschichte ist und dieses besondere Kunsthandwerk viel Aufmerksamkeit erhält. Auf rund 350 Seiten hat der Roman allerdings auch stellenweise Längen.


    Das stimmungsvolle, nostalgisch anmutende Cover der deutschen Ausgabe gefällt mir sehr gut. Auch der Titel ist passend, obgleich ich die englischsprachige Originalversion („A Single Thread“) kreativer finde.


    Mein Fazit:

    „Violet“ ist ein unterhaltsamer Roman von Tracy Chevalier. Eine Geschichte, die mir schöne Lesestunden bereitet hat, aber mich nicht durchgängig berühren konnte.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Mit ihrer Tochter Lena und ihrem Mann Ralph führt Nadja Kleman im Taunus eigentlich ein zufriedenes Leben. Doch schon seit Längerem hat die 41-Jährige das Gefühl, dass ihr etwas Entscheidendes fehlt. Und dann hört sie im Radio eine merkwürdig bekannte Stimme. Sie gehört der Steuerberaterin Pia Albrecht. Durch Zufall erfährt sie so, dass sie eine Zwillingsschwester hat. Nadja wusste schon immer, dass sie adoptiert ist, aber kennt nicht die genauen Umstände und die Geschichte ihrer leiblichen Eltern. Durch die Neuigkeit ändert sich ihr Leben nun mit einem Schlag. Eine Menge neuer Fragen und schmerzhafte Erkenntnisse stürzen auf sie herein. Gemeinsam mit ihrer Schwester will Nadja die gemeinsame Vergangenheit aufarbeiten. Können sie zusammen die Wunden der Kindheit zu heilen?


    „Geteilt durch zwei“ ist ein Roman von Barbara Kunrath.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus neun Kapiteln, die wiederum in mehrere Abschnitte unterteilt sind. Eingerahmt werden sie von einem Pro- und einem Epilog. Erzählt wird vorwiegend in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Nadja, zum Teil aber auch aus der Sicht weiterer Personen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: einerseits in der Gegenwart, also in den Jahren 2017 und 2018, und andererseits in der Vergangenheit, in den 1970er-Jahren. Einheitliche Angaben zu den Zeiten und zur jeweiligen Erzählperspektive sorgen dennoch dafür, dass die Orientierung nicht schwierig ist. Der Aufbau funktioniert gut.


    Der Schreibstil ist schnörkellos, aber anschaulich und angenehm. Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht.


    Im Vordergrund des Romans steht vor allem Nadja. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich, ihr Charakter wirkt authentisch. Dennoch wurde ich nicht so richtig mit ihr warm. Die übrigen Figuren erscheinen ebenfalls realitätsnah.


    Thematisch dreht sich die Geschichte um die Themen Familie, Adoption, Geheimnisse und einiges mehr. Inhaltlich ist der Roman tiefgründig und regt zum Nachdenken an. Emotional konnte mich die Geschichte berühren, allerdings nicht so sehr wie gehofft.


    Auf annährend 400 Seiten bleibt der Roman abwechslungsreich. Er hat mehrere Wendungen zu bieten. Die Handlung wirkt schlüssig und nachvollziehbar.


    Das Cover mit der Spiegelbild-Metapher passt gut zum Inhalt. Auch am Buchtitel habe ich nichts auszusetzen.


    Mein Fazit:

    „Geteilt durch zwei“ ist ein unterhaltsamer Roman von Barbara Kunrath, der mich zwar nicht völlig begeistern konnte, mir aber schöne Lesestunden beschert hat.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Sommer 1997: Nach seinem Schulabschluss hat es Charles Lewis nicht leicht. Seine Eltern haben sich getrennt. Der Teenager lebt nun mit seinem depressiven, arbeitslosen und alkoholkranken Vater. Als er zufällig in die Proben zu einer Theateraufführung von „Romeo und Julia" hineinstolpert, will er nicht bleiben. Doch Fran Fisher, die im Stück die Julia spielt, überredet ihn. Sie macht es zur Bedingung für weitere Treffen, dass er sich mit ihr der Laientheatergruppe anschließt. Mit Fran macht er die schönsten, peinlichsten und aufregendsten Erfahrungen seines Lebens. 20 Jahre später steht Charlie vor der Entscheidung, ob er seine erste große Liebe wiedersehen will.


    „Sweet Sorrow“ ist ein Roman von David Nicholls.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus vier Teilen, die wiederum in mehrere Kapitel mit einer angenehmen Länge und kurzen Überschriften untergliedert sind. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Charlie. Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart werden leider nicht gekennzeichnet.


    Der Schreibstil ist anschaulich und dank viel wörtlicher Rede lebhaft. Sprachlich ist der Roman dem Alter der Protagonisten angepasst. Der Einstieg fiel mir leicht. Allerdings nimmt die Geschichte nur langsam Fahrt auf.


    Die Charaktere und ihr Verhalten erscheinen durchweg authentisch. Mit Charlie steht ein besonderer und interessanter Protagonist im Fokus des Romans. Allerdings muss ich zugeben, ich wurde nicht sofort mit ihm warm.


    Thematisch steht natürlich die Liebe im Vordergrund. Dem Autor gelingt es jedoch, nicht ins Kitschige und Überdramatische abzudriften. Stattdessen stecken viel Witz und Tiefgründigkeit in der Geschichte, was zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.


    Mit mehr als 500 Seiten ist der Roman recht umfangreich. Zwar kann die Geschichte größtenteils unterhalten, aber es gibt auch einige Längen.


    Die Gestaltung der deutschen Hardcover-Ausgabe, die in zwei farblich unterschiedlichen Versionen erhältlich ist, wirkt zwar sehr verspielt und ohne direkten Bezug zum Inhalt. Dennoch gefällt mir die Optik sehr gut. Der passende Titel wurde vom Original übernommen.


    Mein Fazit:

    Mit „Sweet Sorrow“ konnte mich David Nicholls gut unterhalten. Der Roman sorgt für schöne Lesestunden. An sein bereits verfilmtes Buch „Zwei an einem Tag“, das mich fesseln und begeistern konnte, kommt sein neuestes Werk aber leider bei Weitem nicht heran.


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