Beiträge von drawe

    Klingt nach Wittgenstein.

    Diese Stelle ist mir auch aufgefallen. Da denke ich zunächst, ich habe mich verlesen, und dann liest man diese Stellen nochmals.

    Ja, klingt nach Wittgenstein und Erkenntnisphilosophie, wir werden sehen. Auch das sich ständig wiederholende Wort "schauen" und "Ausschau halten" klingt nach Wittgenstein.


    Zunächst mal habe ich den Eindruck, dass alles verschwimmt.


    Diese Uhren, die Ihr schon angesprochen habt: sie besitzt sie zunächst in Überzahl und trennt sich dann in einem rituell anmutenden Akt von diesen Geräten, die sie an die Zeit binden, ihr das Vergehen der Zeit vor Augen halten und die sie auch einbinden in die alltäglichen Dinge.

    Statt dessen verlässt sie sich nun auf die Natur; so vermutet sie z. B. aufgrund des Windes, dass es ca. August sein könnte. "Möglicherweise" (S. 28). Sie hat keinen Kalender, keine Uhr und lebt offenbar sehr animalisch.

    Auch ihr eigenes Alter verschwimmt und lässt sich nicht mehr genau messen.

    Die Zeit verschwimmt also, und die Orte sowieso, und auch ihre Erinnerungen, die aber nur teilweise: "Ich bin mir im Grunde sicher, dass mein Ehemann Adam hieß" (S. 30). Im Grunde sicher...

    Wenn ich so etwas sagen würde, würde die Familie mich als dement betrachten, zu Recht.


    Anderes verschwimmt nicht. Z. B. ihre "Gerätschaften" und ihr "Gepäck", von dem sie sich Stück für Stück befreit (beneidenswert...). Gehören zum "Gepäck" auch Erinnerungen, die man loslassen kann? Die Erinnerung an den Tod des 7jährigen Kindes ist jedenfalls noch da, alles andere verschwimmt irgendwie.


    Ihre Gedankensprünge sind für mich kaum nachzuvollziehen. Es sind vielleicht assoziative Reihungen, die sie vornimmt, aber ich als Leser kann die Verbindungen oft nicht erkennen. Beispiel S. 39: sie beginnt mit Schwarzbeeren, springt über zum Sonnenuntergang, weiter zu Turner (na ja, da kann man ja eventuell noch folgen) und landet beim Masturbieren. Wie mag das alles zusammenhängen in ihrem Kopf?

    Ihre Sprache spiegelt dieses Sprunghafte sehr schön wieder. Jeder Satz bekommt seinen eigenen Absatz, es wirkt sehr abgehackt, so wie ihre Assoziationen eben auch sind.

    Auffallend finde ich diese dem Satz nachgestellten Wörter wie "Tatsächlich." "Allerdings." "Natürlich." Als ob sie sich ständig der Dinge bzw. ihrer Aussagen vergewissern müsste!


    Eines ist mir aber grundsätzlich unklar. Die Welt ist menschenleer wie nach einem globalen Desaster, Kate sitzt in ihrem Strandhaus und schreibt. Für wen schreibt sie denn? Das kann sich doch nur an andere Menschen richten?

    oder dient das Schreiben auch der Selbstvergewisserung? Ich schreibe, also bin ich?


    So, jetzt muss ich mein Köfferchen für New York packen.

    52. Ein Buch, in dem die Justiz eine wichtige Rolle spielt (kein Krimi oder Thriller)


    Darum geht es:

    Grundlos wird Josef K. an seinem 30. Geburtstag verhaftet und verhört. Die Umstände sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das Gericht bleibt anonym. Die 'Schuld', erfährt Josef K., haftet ihm an, ohne dass er dagegen etwas tun könnte. Verbissen, aber erfolglos versucht er, sich gegen die zunehmende Absurdität und Verstrickung zu wehren, schlägt jede Warnung vor weiterer Gegenwehr in den Wind und wird schließlich ein Jahr später vor den Toren der Stadt exekutiert. Franz Kafka hat mit diesem Roman ein Jahrhundertwerk geschaffen, das auf beispielhafte Weise die wesentlichen Existenzfragen des modernen Menschen neu formuliert.

    Das Katzenbild

    … hat hier auch anrührende Seiten, finde ich. Ich meine die Szene, wie sie im Kolosseum GLAUBT eine Katze gesehen zu haben und Verbindung zu ihr sucht. Eine Einsame, die Verbindung zu einer anderen einsamen Seele sucht; der Mensch ist halt doch ein soziales Wesen. Aber hätte sie die Verbindung gefunden, wäre die Katze also real, nicht nur als Illusion, aufgetaucht und eine Gefährtin geworden (wenn vielleicht auch nur kurzzeitig) - ja, was wäre dann?

    Ich bin nicht so weit wie ihr, habe eure Posts gerade aufmerksam gelesen und traue mich kaum, etwas zu sagen.

    Ich bin erst einige Seiten in dieses Buch bzw. in den Kopf dieser merkwürdigen Frau eingetaucht. Ein ständiger stream of Consciousness! Bis zum Ende des Buches! Insofern erinnert es mich sehr an "Ulysses".

    Aber was sie erzählt, sind fragmentarische irreale Aneinanderreihungen von Namen und Orten; es kann sich nicht um reale Reisen handeln, daher meine ich, dass ich als Leser in ihrem Kopf bin.


    Zur Katze: ich habe im Fachbuch nachgeschlagen und gelesen, dass Katzen in der sakralen Kunst oft als Symbol des Bösen gesehen werden. In der profanen Kunst aber tauchen sie als eine Art Spiegelbild der dargestellten Frau auf. Und das würde gut zu dem Bild passen, das Farast gezeigt hat. Wenn ich das richtig sehe, spielt die Katze mit einem Garnknäuel und spiegelt damit Penelopes "Spiel", ihr Webstück jeden Tag aufs Neue aufzuziehen. Die Gemeinsamkeit von Frau und Katze, allgemein gesprochen, liegt vermutlich darin, dass sie beide Haustiere sind (pardon).

    Und Kate - ist sie nicht auch eine streunende Katze? Jedenfalls kommt sie mir so vor. Wenn ich das nach den wenigen Seiten schon sagen darf..

    zu 4. Ein russischer oder polnischer Klassiker


    Dostojewski, Christbaum und Hochzeit. Aus den Aufzeichnungen eines Unbekannten.

    Darum geht es:

    In dieser Novelle erzählt F. M. Dostjewski die tragische Geschichte einer Ehe zwischen einer jungen schönen Frau aus reichem Elternhaus und einem älteren Mann, der sie lediglich wegen ihres Geldes heiratet. Die kritische Position des Autors in diesem Einzelfall lässt sich auf die Sitten und die moralische Werte der ganzen russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts übertragen.

    Zu 4. Ein russischer oder polnischer Klassiker


    Dostojewskij, Ein schwaches Herz.


    Ein Roman über den psychischen Zusammenbruch eines jungen Mannes.


    Darum geht es:

    Ein schwaches Herz handelt von den beiden Freunden Arkádij Iwánowitsch Nefédjewitsch und Wássja Schúmkoff; letztgenannter plant eine Hochzeit, wird jedoch durch finanzielle Probleme bedrückt. Als Wássja am Vortag des Neujahrstages zu seinem Freund und Mitbewohner Arkádij heimkehrt, offenbart er ihm, sich verlobt zu haben. Voll Überschwang besuchen die beiden Freunde die zukünftige Braut und ihre Mutter. Zuvor kommt jedoch bereits der kritische Aspekt der Finanzen zur Sprache. Wássja verlässt sich in dieser Hinsicht voll auf seine Arbeit als Abschreiber; besonders bei Julián Mastákowitsch - einem seiner Auftraggeber - sieht er eine glänzende Zukunft. Bei der geliebten Lisanka eingetroffen, verbringen die beiden Freunde einen netten Abend. Auch Arkádij schließt Lisanla direkt ins Herz. Wieder zu Hause angekommen, setzt Wássja sich direkt an den Berg von Arbeit, der noch auf ihn wartet. Auch den kommenden Tag arbeitet er nahezu durch. Er kündigt an, die Einladung Julián Mastákowitschs - seines "Wohltäters" - nicht wahrnehmen zu wollen. Stattdessen soll Arkádij seinen Namen auf die Liste der Gratulanten schreiben; als er jedoch Wássjas Namen eintragen möchte, sieht er, dass dieser selber schon seine Signatur hinterlassen hat.

    Ein Update!

    Ich habe einiges von Dostojewskij gelesen, eher kleinere Werke.



    1. Ein bisher unbekannter oder bereits seit der Kindheit / Jugend geliebter Kinder- oder Jugendbuch-Klassiker

    ------

    2. Eine antike Tragödie oder Komödie, gerne auch verbunden mit einer modernen Adaption

    Aristophanes, Lysistrate


    3. Ein deutscher, französischer oder englischer Klassiker

    Charles Dickens, Die Pickwickier.


    4. Ein russischer oder polnischer Klassiker


    Dostojewskij, Weiße Nächte. Ein empfindsamer Roman.

    Mir war er bisschen zu empfindsam und entschieden zu langatmig.

    Darum geht es:

    'Es war eine wundervolle Nacht, eine solche Nacht, wie sie vielleicht nur vorkommen kann, wenn wir jung sind, lieber Leser.' Mit diesem Satz eröffnet Dostojewski seine Geschichte einer beginnenden Liebe, die aus der zufälligen Begegnung zwischen dem einsamen Erzähler und der jungen Nastenka entsteht. In vier Nächten offenbaren sich die beiden ihre Ängste und Sehnsüchte. Doch Nastenkas Herz gehört einem anderen. Ebenso ergreifend wie einfühlsam erzählt Dostojewskis 'empfindsamer Roman' von der unerfüllten Liebe." (Amazon)

    Dostojewskij, Ein schwaches Herz.

    Dostojewskij, Christbaum und Hochzeit. Aus den Aufzeichnungen eines Unbekannten.

    Bittersüß, wie so manche Novellen des Realismus.


    5. Ein Klassiker aus einem skandinavischen Land

    ----

    6. Ein Klassiker aus Asien

    Robert van Gulik, Richter Di bei der Arbeit.


    7. Ein Klassiker der Kriminalliteratur

    Agatha Christie, Der Stein des Anstoßes.

    Robert van Gulik, Richter Di bei der Arbeit.

    Welche Museen hast du eingeplant?

    Also:

    - das Guggenheim-Museum, allerdings nur von außen: ein Bau von Frank Lloyd Wright (endlich sehe ich mal was von ihm in echt!)

    - das Whitney-Museum, ein Bau von Renzo Piano, von innen und außen

    - natürlich das MoMa, auch von innen und außen, ein Bau von Tanaguchi

    - die Frick-Collection, von innen und außen

    - das Metropolitan Museum natürlich, wir wissen aber noch nicht, welche Abteilung (mein Mann will die Ägypter, ich lieber Malerei des Expressionismus o. ä.)

    - und The Cloisters.


    … und dann bin ich schon zufrieden!

    Wo ist übrigens drawe . :-k Wäre schön wenn sie noch zu uns stößt.

    Vielen Dank fürs Nachfragen!

    Die wird gerade vom realen Leben überrollt, ist aber jetzt für zwei halbe Tage zuhause und wird sich heute Abend mit der Mätresse

    amüsieren. Und dann Eure Posts nachlesen.


    Nächste Woche bin ich nicht da, ich belohne mich selber und erfülle mir einen Traum und besuche New Yorks Museen:bounce: . Die Mätresse darf mit!

    Ich finde ihn überhaupt ganz goldig, so verliebt wie er ist

    Da wirkt er jünglingshaft-unbelastet, da komme ich mir vor wie eine alte Tante, die wohlwollend der Jugend zuschaut!


    Zu II. Kapitel 8 - 15

    Die Verliebtheit hat Konsequenzen für Barbarotti: er überlegt den Wohnort zu wechseln, den Beruf zu wechseln - ob da nicht auch ein allgemeiner Frust dahintersteckt?


    Was ich schade finde: Borgsen/Sorgsen erkennt auf einem Foto die beiden ersten Mordopfer gemeinsam auf einem Foto, und er erkennt auch, dass das Foto nicht in Schweden aufgenommen wurde.

    Herrje, wieso wird in diese Richtung nicht weiter ermittelt?


    Hans Andersson ist das angekündigte nächste Opfer. Da werden wir als Leser wieder in die Irre geleitet, denn wir müssen davon ausgehen, dass das der Name des ich-Erzählers aus den "Aufzeichnungen" ist.


    Ich habe inzwischen weitergelesen, das Buch ist einfach zu spannend.


    Ein bisschen Genöle muss aber trotzdem sein:

    - Das "Allright" Barbarottis stört mich, aber ich weiß natürlich, dass das eben der Sprachgebrauch ist. Wäre das Buch jünger, würde er wohl das langgezogene "okeeeeey" sagen.

    - Die ständige Verwechslung von "dasselbe" und "das gleiche" kann ich auch nicht ausstehen. Barbarotti will im gleichen Bett wie seine Marianne schlafen - gemeint ist natürlich dasselbe Bett. Und das ist ein Unterschied. Kann aber auch ein Übersetzungsfehler sein.

    - Wie im 1. Band werden auch Dialoge gelängt durch wiederholtes Nachfragen. Muss das sein?


    Trotzdem: spannend und süffig zu lesen!

    47. Ein Buch über die indigenen Völker Amerikas


    Muss es der Plural sein - in diesem Klassiker sind es "nur" die Azteken.

    Das Buch habe ich während des Studiums gelesen und mir daraufhin im Münchner Museum der Fünf Kontinente die Federkrone Montezumas angeschaut, das war für mich damals ein Blick in eine andere Welt, und drum ist mir dieses Buch unvergesslich.


    Darum geht es:

    "Das Gold von Caxamalca" ist eine historische Erzählung von Jakob Wassermann, die 1923 in Wien in dem Buch Der Geist des Pilgers erschien. Erzählt wird von der Gefangenschaft und dem Sterben des Inka-Herrschers Atahuallpa während eines Feldzugs unter General Francesco Pizarro gegen die Peruaner in den Jahren 1532 und 1533 aus der Perspektive des Ich-Erzählers Domingo de Soria Luce. Als Quelle diente Wassermann das Buch Conquest of Peru von William Hickling Prescott aus dem Jahr 1847. In Wassermanns Darstellung der Ereignisse stehen die maßlose Goldgier der Spanier sowie die Unreinheit, die mit ihnen über das Land gekommen ist und Atahuallpa lähmt, im Mittelpunkt.


    46. Ein Buch über eine historische Persönlichkeit

    Heute habe ich die Qual der Wahl - es darf ja eine Biografie sein, ein Ausstellungskatalog, oder ein Roman...

    Ich nehme dieses Buch, einen richtig dicken opulenten Wälzer, der das Leben Heinrichs VIII. aus einer originellen Perspektive erzählt, aber - und ohne das geht es nicht: exakt recherchiert.