Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Snowbell

    Bonjour, Paris!

    In ihrem Roman "Sommerzauber in Paris" entführt die britische Autorin Sarah Morgan ihre Leserinnen in die französische Metropole.

    Grace kann es nicht fassen, als ihr Ehemann ihren gemeinsamen Jahrestag nicht in Paris feiern, sondern sich stattdessen scheiden lassen will. Doch weil Grace gern alle Fäden in der Hand hält, macht sie den Urlaub prompt alleine. Auch Audrey reist mit einem gebrochenen Herzen in die Stadt der Liebe. Ein Job als Buchhändlerin könnte ihre Rettung sein. Aber ohne Französischkenntnisse? Keine Chance! Bis sie ihre Nachbarin Grace kennenlernt. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Schicksalsgemeinschaft. Im Lauf eines magischen Sommers lernen sie, die Welt aus den Augen der anderen zu sehen. Nur welche Wendung nimmt ihr Leben, wenn sie einen Blick auf sich selbst wagen?

    Das schlichte Cover atmet den Charme von Paris. Man blickt direkt auf einen altmodischen runden Tisch mit zwei Stühlen, den man in einem typischen Bistro in jedem Viertel findet. Auch der stilisierte Eiffelturm gibt einen klaren Hinweis auf das romantische Setting dieses Romans.

    Die Spezialität von Sarah Morgan sind humorvolle, zeitgenössische Romanzen. Auch in diesem Werk enttäuscht sie uns nicht. Ihre Protagonistinnen Grace und Audrey sind zwei Frauen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Grace lebt in den USA und st eine engagierte, korrekte Lehrerin mittleren Alters, die pünktlich zu ihrer Silberhochzeit vor den Scherben ihrer Ehe steht. Ihr Mann steckt in einer Midlife-Crisis, hat sie mit einer wesentlich jüngeren Frau betrogen und wünscht die Scheidung. Audrey stammt aus Großbritannien und hat gerade mit Ach und Krach ihre schulische Ausbildung beendet. Als Legasthenikerin kämpft sie mit vielen Problemen, ihre geschiedene, alleinerziehende Mutter bietet ihr keinerlei Rückhalt, sondern flüchtet sich in eine Liebesaffaire nach der nächsten und zwingt ihr die Verantwortung für ihre Alkohol-Abhängigkeit auf. Ihr Lebensweg kreuzt sich in Paris, wo Grace den geplanten Luxus-Urlaub mit ihrem Mann allein verbringen muss, während Audrey ihren desolaten Familienverhältnissen entfliehen wollte und eine Stelle in einem Antiquariat angenommen hat. Gemeinsam erleben sie einen zauberhaften Sommer, der ihr Leben total auf den Kopf stellen wird.

    Sarah Morgan hat uns ein heiteres Buch voller Lebensfreude und Optimismus geschenkt, das die Freundschaft von Frauen gleich welchen Alters und welcher Nationalität feiert. Es ist ein schöner Wohlfühl-Roman mit ganz viel Herz - und damit das Beste, was ihren Leserinnen in Zeiten des Corona-Virus passieren kann.

    "Schweigende See" ist der 6. Band der beliebten Reihe "Hauptkommissar John Benthien - Nordsee-Krimi", der auf der beliebten Ferieninsel Sylt spielt. Die einzelnen Bände dieser Reihe sind in sich abgeschlossen. Zum besseren Verständnis sollten jedoch die zuvor erschienenen Bücher gelesen worden sein.

    in dem Krimi "Schweigende See" wird die Leiche einer Frau am Strand von Sylt gefunden, die erst seit Kurzem auf der Insel lebte. Wer könnte ihr nach dem Leben getrachtet haben, fragt sich Hauptkommissar John Benthien. Denn schon einmal wurde ein Anschlag auf sie verübt. Benthiens Ermittlungen werden komplizierter als gedacht, denn der Mord führt ihn zu einem bislang unbekannten Ereignis der deutsch-deutschen Vergangenheit, das manche Menschen gerne für immer verbergen würden. Und zu seinem Entsetzen spielt auch sein Vater dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

    Das schlichte Cover ist eher unspektakulär, auch wenn es perfekt auf den Inhalt des Krimis abgestimmt ist. Denn es zeigt ein kleines Boot, das verlassen auf dem Wasser treibt. Eine Möve zieht einsam ihre Kreise. Von den Insassen ist keine Spur zu entdecken. Was mag hier geschehen sein?

    Auch der 6. Teil dieser beliebten Regio-Krimi-Reihe bietet wieder gute, spannende Unterhaltung. Das Geschehen wird aus mehreren Perspektiven geschildert, zudem arbeitet Nina Ohlandt mit Rückblenden in Form von Tagebucheinträgen, die von zwei Schwestern erzählen. Der zugrunde liegende Fall ist kompliziert gestrickt; es gibt viele Verdächtige, und das Ermittler-Team tappt lange im Dunkeln.

    Alles in allem ist Nina Ohlandt ein ruhiger, verhaltener Krimi mit einem sympathischen Ermittler-Team gelungen, der aufgrund seines Lokalkolorits vor allem Sylt-Liebhaber begeistern wird.

    Graf Dracula ist bekannt, Erzebét Bathory nicht. Dabei ist die ungarische Gräfin aus dem Hause der Báthory von Ecsed als berühmt-berüchtigte "Blutgräfin", als bekannteste Serienmörderin aller Zeiten, in die Geschichte eingegangen. War sie tatsächlich schuldig an den ihr zur Last gelegeten Verbrechen oder das Opfer einer politischen Intrige?

    Mit dem historischen Roman "In Dienst der Gräfin" entführt Tereza Vanek ihre Leser in eine düstere Epoche. Durch eine Seuche zur Waise geworden, gelangt die 17-jährige Emilia um 1606 in die Dienste der Gräfin Elisabeth Bathory, der mächtigsten Frau Ungarns. Emilia ist glücklich über die Möglichkeit ihrer Berufung zur Gewandschneiderin folgen zu können, doch schon bald überschatten Todesfälle und Misshandlungen das Leben am Hof. Obwohl Emilia in der Gunst der Gräfin steht, die ihre Fähigkeiten schätzt und ihr vertraut, erkennt sie eine dunkle Seite an ihrer neuen Dienstherrin. Als sie sich in Istvan verliebt, der ebenfalls schicksalshaft mit Elisabeth verbunden ist, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu und Emilia gerät in einen lebensgefährlichen Strudel aus seelischen Abgründen und politischen Ränkespielen.

    Das Cover zeigt eine attraktive junge Frau mit langen roten Haaren, die einen scheuen, misstrauischen Blick über ihre Schulter wirft und durchaus mit Emilia oder einer anderen Bediensteten am Hof der Gräfin gleichgesetzt werden kann.

    Der historische Roman "Im Dienst der Gräfin" ist eine perfekte Mischung aus Fakten und Fiktion, die eine längst vergangene Epoche zum Leben erweckt. Er spielt von 1609 bis 1611 und deckt eine wichtige Zeitspanne im Leben der vermögenden verwitweten ungarischen Gräfin ab, deren Gedanken um die bevorstehende Vermählung ihrer jüngsten Tochter mit Georg Drugeth von Homonna kreisen. Deshalb engagiert sie die mittellose Waise Emilia, welche das Hochzeitsgewand und die Kleidung der Brautjungfern entwerfen und nähen lassen soll. Emilia tritt in den Dienst der Gräfin und lebt bis zum 29. Dezember 1610 auf dem Schloss von Čachtice, welches auf Befehl des Königs Matthias II. (ung. Mátyás) von Ungarn Graf Georg Thurzo von Bethlenfalva, seit 1609 Palatin von Ungarn und Vetter von Báthory, gestürmt und durchsucht wird.

    Das Geschehen wird überwiegend aus der Sicht von Emilia, einer fiktiven Protagonisten, dargestellt, hin und wieder wechselt die Perspektive zu historisch verbürgten Figuren, die in enger Verbindung mit der ungarischen Adeligen stehen. Emilia ist eine sympathische Heldin, die sich gut in den Haushalt der Gräfin integriert, aber ihren Lebenstraum niemals aus den Augen verliert. Aufgrund ihres starken Charakters gewinnt sie die Achung und das Vertrauen ihrer Herrin und schafft den Aufstieg in der sozialen Hackordnung, setzt sich aber weiterhin für ihre Näherinnen ein, die - wie alle Untergebenen - unter dem Joch der herrschsüchtigen, grausamen Aufseherinnen Dorottya Szentes und deren Freundin Helena Jó leiden.

    Erzsébet Báthory wird von Tereza Vanek differenziert dargestell. Sie ist eine kalte, strenge Frau, die schwere Schicksalsschläge ertragen musste und in ihrer kurzen Ehe nicht glücklich geworden ist. Nach dem Tod ihres Mannes hält sie die Macht in ihren Händen, sie verfügt über ein riesiges Vermögen und kämpft gegen ihre politischen Feinde, die sie kaltstellen wollen.

    Sämtliche Protagonisten sind vielschichtig dargestellt, sie wirken lebendig und agieren glaubhaft. Auch die schwierigen Lebensumstände der Menschen im 17. Jahrhundert und die gefährdetee Position von alleinstehenden (verwitweteten) adligen Frauen, die über ein großes Vermögen verfügen, in einer von Männern dominierten Welt werden anschaulich wiedergegeben.


    Alles in allem ist dieser farbenprächtig erzählte, hervorragend recherchierte historische Roman von Tereza Vanek eine spannende Lektüre für alle Menschen, die sich für die ungarische Geschichte interessieren und mit dem Mythos von Erzsébet Báthory auseinandersetzen wollen.

    Literarisches Können liegt in dieser Familie. "Das Dorf der toten Seelen" ist das erste Buch von Camilla Sten, der Tochter der Bestsellerautorin Viveca Sten.



    Alice Lindstedt hat gerade die Filmhochschule in Stockholm abgeschlossen und plant, ihren ersten Dokumentarfilm zu drehen: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland. Vor 60 Jahren verschwanden unter ungeklärten Umständen alle Bewohner von einem Tag auf den anderen. Kurz zuvor zog ihre Großmutter von dort weg. Alice will herausfinden, was damals geschehen ist. Mit ihrem Team bricht sie zu dem einsamen Ort auf. Doch bald geschehen seltsame Dinge. Die Handys haben keinen Empfang, im Walkie-Talkie ist ein heiseres Lachen zu hören. Und kurz darauf ist der erste aus dem Team tot. Wer ist außer ihnen noch in Silvertjärn? Was ist damals passiert? Und vor allem: Werden sie diesen grausamen Ort lebend verlassen?


    Das in dunklen Tönen gehaltene Cover zeigt mehrere verlassen wirkende Holzhäuser und spiegelt eine düstere, gespenstische Atmosphäre.


    Das Setting in Silvertjärn, einer (fiktiven) abgelegenen Bergarbeitersiedlung im Wald von Norrland, dem nördlichsten der heutigen drei schwedischen Landesteile Götaland, Norrland und Svealand, ist überzeugend. Norrland wird als letzte Wildnis Europas bezeichnet, und Silvertjärn macht einen gottverlassenen Eindruck, auch wenn es nicht ganz von der Zivilisation abgeschnitten ist.



    Der Psychothriller spielt auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen. In der aktuellen Gegenwart rollt die Handlung wie in einem Film innerhalb einer kurzen Zeitspanne (fünf Tage) ab. In der Vergangenheit (1959) erstreckt sich die erzählte Zeit über einen weitaus längeren Zeitraum von mehreren Monaten.


    Das Geschehen wird aus verschiedenen Erzählperspektiven geschildert. Die aktuelle Gegenwart erleben wir aus der Ich-Perspektive von Alice LIndstedt, die soeben ihr Studium an der Filmhochschule von Stockholm abgeschlossen hat. Sie ist eine psychisch angeschlagene Persönlichkeit, deren verstorbene Großmutter aus dem Dorf Silvertjärn stammt. Nun möchte sie ihren ersten Dokumentarfilm über den "cold case" drehen und das Rätsel des verlassenen Dorfes lösen.


    Für die Vergangenheit ist ein personaler Erzähler gewählt worden. Elsa ist die zentrale Protagonistin, die wir durch das Dorf Silvertjärn begleiten. Sie ist eine Frau mittleren Alters, verheiratet mit Staffan und Mutter von zwei Töchtern, von denen die Ältere bereits verheiratet in Stockholm lebt, wo sie ihr erstes Baby erwartet. Elsa ist ein sympathischer Mensch mit einem stark ausgeprägten sozialen Gewissen, sie fühlt sich an ein Versprechen auf dem Sterbebett gebunden und kümmert sich um eine autistische junge Frau, die von den anderen Bewohnern des Dorfes ausgegrenzt wird. Bedingt durch eine wirtschaftliche Krisensituationen haben die Einwohner ihre Arbeitsplätze und ihre Lebensperspektive verloren. Wenige Menschen verlassen das Dorf, die anderen harren verzweifelt aus und suchen im Alkohol Trost. Ihr Lebenswille ist längst erloschen, sie vegetieren haltlos vor sich hin und gleichen toten Seelen, wie Elsa treffend bemerkt. Deshalb sind sie anfällig für die gezielte Manipulation durch einen charismatischen Mannes, der sie mit fanatischen Predigten in seinen Bann schlägt, die Hoffnung auf ein neues Leben in ihren Herzen entzündet und sie auf die Vernichtung eines dämonischen Sündenbocks einschwört, der mitten unter ihnen lebe und um jeden Preis vernichtet werde müsse.


    Stranger Things meet Scandinavian Crime - dieses besondere Gänsehaut-Feeling hat mich überzeugt. Camilla Sten ist ein beeindruckendes literarisches Debüt gelungen. "Das Dorf der toten Seelen" ist ein erschütterndes Buch über einen lange zurückliegenden, ungeklärten Fall. Gleichzeitig ist es eine bittere Lehrstunde über menschliche Schwäche, die zu religiösen Fanatismus, Wahn und Mord führen kann.

    Wenn man nicht auf die Trauminsel reisen darf, holt man sie sich eben nach Hause. In ihrem Glücksroman "Sylt oder Sahne" entführt Claudia Thesenfitz ihre Leserinnen auf die beliebte friesische Insel in der Nordsee.


    Die Liebe prallt an Nele ab wie ein Flummi an einer Betonwand. Schuld daran ist ihr Gewicht – denkt Nele. Und meldet sich auf Sylt zu einer Fastenkur an. Die soll Körper und Seele angeblich auf Werkseinstellung resetten und dadurch ein vollkommen neues Lebensgefühl schaffen. Doch kann Verzicht wirklich Veränderung bewirken? Auf Sylt kommt alles anders als erwartet. Nele begreift: Perfekt aussehen muss man nur, wenn man sonst nichts kann. Ein turbulenter Smoothie aus Kalorien, Kulinarik, Chaos, Genuss und Leidenschaft...

    Das hübsche Cover zeigt zwei Frauen mittleren Alters, die ausgelassen am Strand herumtoben. Mit der nötigen Phantasie kann man sie mit den Heldinnen des Glücksromans gleichsetzen, die sich eine persönliche Auszeit auf Sylt gönnen.

    Nele Rickmers ist eine bodenständige, sympathische Protagonistin, mit der man sich leicht identifzieren kann. Als 52jährige Single-Frau glaubt sie nach einigen bitteren Enttäuschungen nicht mehr an die Liebe und hat sich in ihrem Dasein als Couch-Potatoe gemütlich eingerichtet. Bis ein Schlüsselerlebnis im Zug für sie zur Fahrkarte in ein neues Leben wird. Sie macht sich auf den Weg nach Sylt, um eine Fastenkur in einem angesagten Hotel zu probieren. Nele probiert vieles aus - und findet sich selbst. Es macht einfach Spaß, ihre Entwicklung von einem Trauerkloß zu einem Pfundsweib zu verfolgen!

    Claudia Thesenfitz hat einen humorvollen, locker-leichten Roman für Frauen in den besten Jahren geschrieben, dem es jedoch nicht an Tiefgang fehlt. Es ist ein Buch über starke Frauen - und ein sinnliches Erlebnis. Wer will, kann in die kulinarischen Fußstapfen von Nele treten und ihre besten Rezepte ausprobieren. Ich wünsche guten Appetit! Aber nicht vergessen: Nur die LIebe ist kalorienfrei!

    "Mordseeluft" ist der Auftakt zu einer neuen Borkum-Krimi-Reihe von Emmi Johannsen, die vielen Leserinnen als Christine Drews bekannt ist.

    Eine perfekt gegarte Leiche in der Strandsauna? Nicht gerade das, was Caro Falk sich von ihrer Kur auf der Insel Borkum erwartet hat. Wattspaziergänge, Robbengucken und jede Menge erholsame Langeweile waren ihr eigentlicher Plan. Trotzdem ist sie empört, als die örtliche Polizei den Fall einfach zu den Akten legen will. Zusammen mit Türsteher Jan und Schwiegervater Hinnerk beginnt Caro notgedrungen selbst zu ermitteln. Und schon bald müssen Polizei und Mörder sich verdammt warm anziehen ...

    Als ich das schräge Cover gesehen habe, konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Der witzige Kontrast zwischen dem Leuchtturm vor dem strahlendblauen Himmel und der Möwe auf einem schwimmenden Eimer, die auf ihrem Kopf einen Südwester balanciert, ist genau nach meinem Geschmack. Auch der kurze, knackige Titel ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

    Dieser Krimi bietet viel Lokalkolorit und ist ganz leicht und locker geschrieben, mit einem großen Sinn für Humor und einem leicht feministischen Touch. Dabei ist er spannend geschrieben, mit vielen Überraschungen und einem tollen Show-Down. Genau das Richtige für einen Schmöker-Nachmittag auf der Couch, mit leckeren Keksen und einer großen Kanne Friesentee!

    Der historische Roman "Ein Traum vom Glück" bildet den ersten Teil der Ruhrpott-Saga von Eva Völler, der mitten ins Revier, nach Essen, im Jahre 1951 führt.

    Nach der Flucht aus der Kriegshölle Berlin hat die junge Katharina Unterschlupf bei der Familie ihres verschollenen Mannes gefunden. Aber das Zusammenleben mit der barschen, zupackenden Schwiegermutter auf engem Raum fällt der lebenshungrigen Frau schwer. Sie will ein besseres Leben für sich und ihre beiden Töchter. Mit trotziger Entschlossenheit versucht sie, ihrem ärmlichen Umfeld zu entfliehen. Doch dann begegnet sie dem traumatisierten Kriegsheimkehrer Johannes ...

    Das schlichte Cover ist überwiegend in verschiedenen Grau-Tönen gehalten und führt jedem Betrachter vor Augen, in welcher Epoche dieser historische Roman spielt. Es ist Nachkriegszeit, das Dritte Reich liegt in Schutt und Asche, und alle Überlebenden des Zweiten Weltkriegs müssen sich ein neues Leben inmitten von Ruinen aufbauen. Eine unbekannte Frau mit einem kleinen Mädchen an der Hand macht sich symbolisch auf den Weg, Sie wendet dem Betrachter den Rücken zu, hält sich aufrecht und geht unbeirrbar vorwärts. Vielleicht ist es die Hoffnung, sich ihren persönlichen Traum vom Glück erfüllen zu können, wie der aussagekräftige Titel nahelegt.

    Es ist ein entbehrungsreiches, hartes Leben von mehreren Generationen in engen Siedlungshäuschen im Schatten der Zechen, wo die meisten heimgekehrten Männer ihr Auskommen finden, während ihre Frauen sich um ihre Kinder kümmern und alle häuslichen Pflichten übernehmen müssen. Die Arbeit unter Tage ist anstrengend und gefährlich, bleibende gesundheitliche Schäden und schwere Unfälle gehören zum täglichen Leben. Dennoch ist der erste Aufschwung der Wirtschaftswunderjahre zu spüren, die Menschen wollen wieder das Leben genießen und träumen vom sozialen Aufstieg.

    Dies gilt auch für Katharina, die nach der Flucht aus Berlin mit ihren zwei Töchtern in dem kleinen Haus ihrer Schwiegermutter in Essen untergekommen ist und ihren Lebensunterhalt mit ihren Nähkünsten bestreitet. Ihr Mann ist vermisst, sie weiß nichts über sein Schicksal, kann nicht mit ihrer Ehe abschließen und ist in dieser schwierigen Situation gefangen. Sie möchte unbedingt auf ihren eigenen Füßen stehen und ihren Wunsch nach einem eigenen Modeatelier verwirklichen, um ihren zwei Töchtern eine gute Ausbildung zu sichern. Katharina ist eine kämpferische, sympathische junge Frau, die viele harte Schicksalsschläge ertragen musste, aber ihre Lebenslust und ihren Mut nicht verloren hat.

    Dieser historische Roman von Eva Völler hat mich von der ersten Seite an gefangengenommen. Nicht zuletzt dank der direkten, unverfälschten Sprache fühlt man sich mitten ins Revier versetzt. Alle Protagonisten wirken lebendig und vertraut und wachsen jedem Leser im Laufe des Geschehens ans Herz. Exemplarisch möchte ich zwei Figuren erwähnen. Katharinas verwitwete Schwiegermutter Mine ist eine patente Frau, die unermüdlich für ihre Lieben sorgt und hinter einer herrischen Art ein riesengroßes Herz verbirgt. Auch der Kriegsheimkehrer Johannes ist durch seine Erlebnisse in der russischen Kriegsgefangenschaft schwer traumatisiert, kämpft sich ins normale Leben zurück und unterstützt den gemeinsamen Haushalt dank seines handwerklichen Geschicks.

    "Ein Traum vom Glück" ist eine mitreißend erzählte, packende Lektüre mit viel Lokalkolorit, die mir aufgrund der emotionalen Achterbahnfahrt sehr nahe gegangen ist. Sie erzählt nicht nur eine anrührende Familien - und Liebesgeschichte, sondern spiegelt ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Ich bin von diesem gelungenen Auftakt der Ruhrpott-Saga begeistert und freue mich auf die weiteren Teile!

    "Tage wie Seeglas" ist der zweite Roman von Lurleen Kleinewig. Als die 29-jährige Liv eine Stelle als Verkäuferin in einem kleinen Laden für Surfbedarf auf der Ostseeinsel Fährlangen ergattert, geht für sie ein Traum in Erfüllung. Den Neuanfang hat sie nach allem, was sie durchgemacht hat, auch dringend nötig. Gemeinsam mit ihrem Hund bezieht sie ein zauberhaftes kleines Loft direkt am Strand. Auch mit ihrem neuen Chef Dan, einem leidenschaftlichen Surfer, versteht sie sich sofort. Die beiden verbindet mehr als nur die Narben aus der Vergangenheit. Gegen Livs Willen entwickeln sich zwischen ihnen Gefühle. Doch kann Liv ihre Ängste überwinden und ihrem neuen Leben eine Chance geben?

    Das Cover ist ein Hingucker. Man sieht einen kleinen Hund auf dem Fensterbrett sitzen, direkt neben einem großen Glas, das bis über den Rand mit vielen Muscheln gefüllt ist. Von dort aus genießt man einen herrlichen Blick auf einen weiten Sandstrand, und im Hintergrund kann man das Meer erkennen.

    Wenn man so will, erfüllt dieser Insel-Roman alle Voraussetzungen für eine heitere Auszeit an der Ostsee. Tatsächlich bietet er wesentlich mehr. Lurleen Kleinewig nimmt ihre Leser mit auf eine Achterbahnfahrt an Emotionen. Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, nämlich aus der Sicht von Liv und Dan, die sensible Menschen mit schweren Traumata oder - schlicht formuliert - zwei "völlig kaputte Typen" sind, wie es Dan selbst ausdrückt. Liv stammt aus desolaten Verhältnissen, ihre alleinerziehende Mutter war psychisch krank und mit ihrer Erziehung überfordert. Liv kam in die Obhut von Pflegefamilien, ihren leiblichen Vater hat sie niemals kennengelernt. Ihre Beziehung zu ihrem Freund war von Gewalt geprägt. Nach dem Tod ihres gemeinsamen Kindes ist sie in ein tiefes Loch gefallen. Liv hat ihre Wurzeln verloren, Halt gibt ihr nur ihr Hund Bradley Cooper und ihre enge Freundschaft mit Sandra, einer alleinerziehenden Mutter von zwei Töchtern, die ihr ein Zimmer zur Untermiete geboten hat. Auch Dan hat schwere Verluste ertragen müssen. Nach dem Tod seines Vaters hatte seine Mutter eine tiefe Depression entwickelt. Ihr Freitod ließ Dan jeglichen Halt verlieren. Sein weiteres Leben war von Exzessen aus Alkohol, Drogen und Partys geprägt; nur das Eingreifen seiner Geschwister konnte ihn vor dem völligen Absturz retten.

    Können sich zwei seelisch schwer angeschlagene Menschen gegenseitig Halt geben und eine Beziehung miteinander eingehen? Das ist die zentrale Frage, um die der Insel-Roman "Tage wie Seeglas" kreist. Dan und Liv schleppen eine Menge Ballast aus ihrer Vergangenheit mit sich, und sie brauchen extrem viel Zeit, um Vertrauen zueinander aufzubauen. Es ist eine berührende Geschichte, die Trauer und Verlust spiegelt, aber auch Hoffnung und Zuversicht.

    Mit "Tage wie Seeglas" hat Lurleen Kleinewig viel Fingerspitzengefühl bewiesen, was die glaubhafte Darstellung ihrer seelisch angeschlagenen Helden angeht. Darüber hinaus spricht sie wichtige Themen wie aktiven Tierschutz und Vegane Lebensweise an. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern ganz locker nebenbei, was mir persönlich sehr gefallen hat. Deshalb gibt es eine klare Lese-Empfehlung!

    Häusliche Gewalt ist immer noch ein Tabuthema, das ängstlich totgeschwiegen wird. Sie umfasst verbale, psychische und physische Attacken und beginnt nicht mit Schlägen, sondern meistens mit der großen Liebe. Deshalb finde ich gut, dass Bianka Echtermeyer sich in ihrem Krimi "Tödliche Treue" mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzt.

    Die Hamburger Journalistin Charlotte Schmidt ist für ihre kritischen Texte bekannt. Ein neuer Auftrag führt sie in eine Idylle, die trügt. Charlotte recherchiert über häusliche Gewalt und interviewt zwei Frauen einer Beratungsstelle. Doch am nächsten Morgen wird eine ermordet aufgefunden. Die Journalistin hat offenbar in ein Wespennest gestochen. Aber warum – und ist sie auch in Gefahr? Welche Rolle spielt außerdem der LKA-Kommissar Daniel Zumsande, der die Tote kannte und nun von den Ermittlungen ausgeschlossen wird? Ausgerechnet Daniel, für den Charlotte längst mehr empfindet als journalistisches Interesse! Als die beiden auf eigene Faust ermitteln, geraten sie bald ins Visier des Täters …

    "Tödliche Treue" ist bereits der zweite Fall für Charlotte Schmidt und Daniel Zumsande, kann aber ohne Kenntnisse des ersten Bandes gelesen werden. Er spielt wieder in der Hansestadt Hamburg. Die Journalistin und der LKA-Kommissar sind sympathische Figuren, die selbst in ihrer Kindheit und Jugend negative Erfahrungen machen mussten, die ihre Spuren in ihrem Leben hinterlassen haben. Charlotte Schmidt konnte die hohen Erwartungen ihrer ehrgeizigen Mutter nicht erfüllen, die sie lieber in einer soliden Beamtenlaufbahn gesehen hätte und ihre Erfolge als freiberufliche Journalistin ignoriert. Daniel Zumsande stammt aus einer dysfunktionalen Familie, die ihm keine Stabilität und Wärme vermitteln konnte, und hat sich einen anspruchsvollen Beruf gewählt, der ihn an seine Grenzen bringt.

    Der packende Fall weist weit in die Vergangenheit zurück. Er ist gut erzählt; ich habe das 240 Seiten umfassende Buch nicht aus der Hand legen können. Bianka Echtermeyer wartet mit unerwarteten Wendungen und einem furiosen Show-Down an einem ungewöhnlichen Ort auf. Auf weitere Bücher aus dieser Reihe bin ich gespannt.

    Manche Geheimnisse sind unausgesprochen. Andere sind unaussprechlich.


    Mit "Die stummen Wächter von Lockwood Manor" hat Jane Healey einen interessanten Roman vorgelegt, der im Jahr 1939, kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs spielt. Hetty Cartwright muss eine Sammlung des Londoner Natural History Museum vor dem heraufziehenden Krieg in Sicherheit bringen – ins verfallene Herrenhaus Lockwood Manor. Doch das Haus wirkt auf Hetty wie verflucht: Ihre geliebten Exponate, der ausgestopfte Panther, die Kolibris und der Eisbär, verschwinden, werden zerstört und scheinen nachts umherzuwandern. Zusammen mit der Tochter des tyrannischen Hausherrn, Lucy Lockwood, versucht Hetty, die nächtlichen Geschehnisse zu ergründen, und bringt ein tragisches Geheimnis ans Licht. Eine fesselnde und betörende Geschichte über eine große Liebe und den Wahnsinn einer Familie, ihre lang vergrabenen Geheimnisse und versteckten Sehnsüchte.

    Das aufwendig gestaltete Cover erinnert an eine feine Stickerei und wirkt wie ien Relikt aus einer längst vergangenen Epoche. Zwei exotische Tiere sind in den zarten Reigen aus Rosen und Früchten integriert worden. Ein Kolibri, dessen Gefieder in allen Farben des Regenbogens schillert, und ein schwarzer Panther, der gleichermaßen majestätisch wie einschüchternd wirkt. Auf diese Weise wird eine Brücke zu den ausgelagerten Exponaten des Natural History Museums in London geschlagen, die in Lockwood Manor vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs geschützt werden sollen..

    Das Setting in einem halb verfallenen Herrenhaus ist gut gewählt. Ebenso wie die schadhaften Ausstellungsstücke ist Lockwood Manor sichtbar angeschlagen. Seine ruhmreiche Vergangenheit liegt lange zurück; nun bröckelt die glanzvolle Fassade und viele streng gehütete Geheimnisse kommen nach und nach ans Tageslicht.

    Der Roman spielt 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das Geschehen wird von zwei verschiedenen Personen, jeweils aus der Ich-Perspektive, erzählt. Bei der ersten Ich-Erzählerin handelt es sich um Hetty Cartwright, welche als Direktorin der Sammlung die Verantwortung für alle ausgelagerten Ausstellungsstücke trägt, die von ihrem Standort in der Metropole London evakuiert und aufs Land in Sicherheit gebracht werden sollen, um sie vor einer möglichen Zerstörung durch die Bomben der deutschen Luftwaffe zu schützen. Als Waise hat Hetty niemals die Stabilität einer intakten Familie erfahren; sie ist zwar von einer gutbürgerlichen Familie adoptiert worden, konnte aber nicht die Leerstelle füllen, die der Tod der leiblichen Kinder ihrer Adoptiveltern hinterlassen hatte.

    Die zweite Ich-Erzählerin ist Lucy Lockwood, die einzige Tochter des Hausherrn, die vor wenigen Monaten ihre Mutter und ihre Großmutter durch einen tragischen Auto-Unfall verloren hat. Sie ist eine attraktive junge Frau, die ihr Elternhaus bis auf einen kurzen Aufenthalt in einem Internat nie verlassen hat und einen psychisch labilen Eindruck vermittelt. Ihr Elternhaus war zerrüttet, ihr sensible Mutter litt an Wahnvorstellungen, während ihr cholerischer Vater ein chronischer Fremdgänger ist. Ihre in kursiver Schrift gestalteten Erinnerungen reichen weit in die Vergangenheit zurück und spiegeln ihre tief in ihrer Kindheit verwurzelten Ängste.

    Hetty und Lucy stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, sind in dysfunktionalen Familien aufgewachsen und werden von ihren Mitmenschen aus verschiedenen Gründen ausgegrenzt. Dennoch entwickelt sich zwischen den zwei Außenseiterinnen eine enge Bindung, die von einer losen Freundschaft zu einer intimen Beziehung (Queer-Love) führt.

    Während ihres Aufenthaltes auf Lockwood Manor häufen sich unerklärliche Ereignisse, die Hetty und Lucy an ihrem Verstand zweifeln lassen. Von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges ist auf Lockwood Manor wenig zu spüren, das alltägliche Grauen zeigt sich auf einer anderen Ebene. Nach und nach kommen die schrecklichen Geheimnisse von Lockwood Manor ans Tageslicht. Was hinter den dicken Mauern vor sich gegangen ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Jane Healey hat einen düsteren, verstörenden Roman geschaffen, der mich tief erschüttert hat. Dieses Buch ist nicht leicht zu lsen, mitunter etwas langatmig und sperrig. Dennoch gibt es eine klare Empfehlung von mir!

    Oma-Kuchen ist der Beste! Könnt ihr euch noch an eine Kalte Schnauze erinnern? Früher gab es diesen Kuchen zu jedem Kindergeburtstag. Wenn die Erwachsenen ihre Buttercremetorte genossen haben, durften wir uns über diese andere Kalorienbombe freuen. Meine schönsten Erinnerungen sind mit ihr verbunden. Blinde Kuh, Eierlaufen, Sackhüpfen, Stelzenlaufen..

    Die Liebe zu Oma-Kuchen hat Tanja Janz in ihrem neuen Wohlfühl-Roman "Dünentraumsommer" zu einer zuckersüßen Geschichte verarbeitet Er lässt sich auf eine einfach Formel bringen: eine Backstube im Reetdachhaus und eine neue Familie


    Marieke zieht mit ihrem Sohn von der Großstadt ans friesische Meer. Für beide ist es eine Wohltat, einmal tief durchzuatmen, und die gemütliche Einliegerwohnung im Reetdachhaus von Berta Tetens wird ihnen ein neues Zuhause. Als Marieke die kleine Friesenküche betritt, kommt ihr eine Idee: Um die Senioren in St. Peter-Ording zusammenzubringen, gründet Marieke einen Kuchen-Club. Bald werden die »Oma-Kuchen« zum Kassenschlager, aber Marc Velthuisen, dem die hiesige Cafébar gehört, stört sich daran …

    Das hübsche Cover lädt zum Traumen ein. Am liebsten möchte man sich selbst auf den Weg machen und das nostalgische Reetdach-Haus direkt am Strand besuchen, das so viel Liebe und Wärme atmet.

    Über das Setting brauchen wir gar nicht sprechen. St. Peter-Ording ist die größte Sandkiste in Deutschland. Alle Romane von Tanja Janz spielen hier, und ihre Leser können sich immer auf ein Wiedersehen mit vertrauten Protagonisten freuen. Der Plot ist klar von dem erfolgreichen Start-up "Kuchen-Tratsch" inspirierit, das die Zuschauer aus der "Höhle der Löwen" im Privatfernsehen kennen.

    Im Mittelpunkt steht Marieke Schepat, eine sympathische, bodenständige alleinerziehende Mutter aus Herne, die sich große Sorgen um ihren fast zehnjährigen Sohn Emil macht, der an Asthma leidet. Seit dem Tod ihres Mannes schlägt sie sich mehr schlecht als recht mit einem Aushilfs-Job in einem Café durch; eine abgeschlossene Ausbildung kann sie nicht vorweisen. Nach langem Zögern bewirbt sie sich auf eine freie Stelle als Alltagsbegleiterin in einem ambulanten Pflegedienst und ergattert durch einen glücklichen Zufall eine gemütliche Wohnung in einem Reetdach-Haus unweit des herrlichen Strandes von St. Peter-Ording, die von der patenten alten Dame Berta Tetens angeboten wird. Als alleinstehende alte Dame freut Berta sich über ihre liebenswerten Mieter und entwickelt sich zu einer begeisterten Ersatz-Oma für Emil. Auch ihre sozialen Kontakte werden dank Mariekes Einsatz für einen Back-Club für alle interessierten Senioren wieder aufgefrischt, der für frischen Wind in St. Peter Ording sorgt.

    Zugegeben, es sind schon einige glückliche Zufälle, die in diesem Roman bemüht werden. Heile Welt ist eben nicht jedermanns Geschmack. Dennoch war ich über diese heitere, unbeschwerte Lektüre sehr glücklich, die mich von den deprimierenden Nachrichten in Zeiten des Corona-Virus im Fernsehen abgelenkt hat. Denn sie vermittelt eine wichtige Botschaft: Soziales Miteinander ist das Wichtigste, was es auf der Welt gibt!

    Abgerundet wird der lebensbejahende, zuckersüße Nordsee-Roman von zwei bewährten Kuchen-Rezepten. Oma Friedels Käsekuchen und Karottenkuchen mit Frischkäse, wie er von "Kuchen-Tratsch"zum Verkauf angeboten wird, stehen garantiert auf meiner Kaffeetafel zum Osterfest. Wetten, dass sich die ganze Familie darüber freuen wird?

    Aus der deutschen Unterhaltungsliteratur ist Corinna Bomann nicht mehr wegzudenken. Ihr historischer Roman "Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung" ist der erste Band der Reihe "Die Farben der Schönheit". Er bildet den Auftakt zu einer Trilogie, um Sophia Krohn, die hart für ihre Karriere in der Kosmetikindustrie des 20. Jahrhunderts kämpfen muss.

    Sophia Krohn steht mit zwanzig vor einem Scherbenhaufen. Ihre erste große Liebe ist in einem Skandal geendet, ihr Vater will sie nicht mehr sehen, das Studium kann sie sich nicht mehr leisten. Ihre Träume zerplatzen, und Sophia flüchtet nach Paris. Doch sie gibt nicht auf. Schon immer wollte sie die Frauen in ihrer Schönheit erstrahlen lassen. Helena Rubinstein erkennt Sophias Talent und gibt ihr eine Chance. Mutig folgt Sophia der Beauty-Pionierin nach New York, wo sie Erfolg und Glück findet. Aber Helena Rubinstein verlangt von ihr, zehn Jahre lang unverheiratet zu bleiben. Ein hoher Preis, denn gerade hat Sophia ihr Herz wieder geöffnet.

    Das geschmackvolle Cover zeigt die Rückenansicht einer dunkelhaarigen Frau, die ein elegantes Kleid trägt, das wie eine edle Rose schimmert. Ihr Haar ist zu einem edlen Chignon frisiert; sie bewegt sich in gutsituierten Kreisen, die eine attraktive äußere Erscheinung zu würdigen wissen..

    Das Setting wechselt zwischen Berlin, Paris und New York. Allesamt Metropolen, die für Glanz und Glamour stehen. Der historische Roman spielt in den wilden Zwanziger Jahren, die sich momentan großer Beliebtheit in der Unterhaltungsliteratur erfreuen.

    Das Geschehen wird aus der Ich-Perspektive von Sophia geschildert. Sie ist eine begabte und ehrgeizige Studentin der Chemie, die aus einem gutbürgerlichen Elternhaus stammt. Ihr Vater führt eine Drogieriekette in Berlin, ihre Mutter ist Hausfrau. Als einziges Kind soll Sophia in die Fußstapfen ihres Vaters treten, auch wenn sie sich selbst für dekorative Kosmetik begeistert und ihren beruflichen Schwerpunkt in der Kosmetikindustrie sieht. Leider verstrickt sie sich in eine Affaire mit ihrem verheirateten Dozenten und nach ihrer ungeplanten Schwangerschaft ist ihr der Weg zu einer akademischen Laufbahn an der Universität verbaut. Auch ihre Eltern verzeihen ihr ihren Fehltritt nicht; sie muss künftig für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Sophia ist eine mutige Frau, die ihr Glück in Paris und - nach ihrer folgenschweren Begegnung mit Helena Rubinstein - in New York versucht. Leider ist es mir nicht gelungen, mit dieser literarischen Figur wirklich warm zu werden. Sie wirkt sehr beherrscht und kühl; ihre Handlungsweisen lassen sich nicht immer logisch nachvollziehen.

    Corinna Bomann schreibt in einem angenehmen, gut lesbaren Stil. Leider benötigt dieser historische Roman eine gewisse Anlaufzeit, um in Fahrt zu kommen. Lange plätschert die Handlung vor sich hin, die Spannung wird erst im letzten Drittel aufgebaut, der mit einem klassischen Cliffhanger endet.

    Für meinen persönlichen Geschmack hat Corinna Bomann etwas zu viel Drama in die Handlung eingebaut. Trotzdem halte ich diesen historischen Roman für eine empfehlenswerte Lektüre, die interessante Einblicke in die Welt der Kosmetikindustrie des 20. Jahrhunderts vermittelt. Von nun an werde ich die Marken Helena Rubinstein und Elizabeth Arden mit anderen Augen sehen!

    "Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen" von Caren Benedikt ist der erste Band einer opulenten Familiensaga, die um die erfolgreiche Geschäftsfrau Bernadette von Plesow kreist.


    Rügen, 1924. Weiß und prächtig steht es an der Uferpromenade von Binz: das imposante Grand Hotel der Familie von Plesow. Vieles hat sich hier abgespielt, und es war nicht immer einfach, trotzdem blickt Bernadette voller Stolz auf ihr erstes Haus am Platz. Hier hat sie ihre Kinder großgezogen: den ruhigen Alexander, der einmal der Erbe des Grand Hotels sein wird; Josephine, die rebellische Künstlerin, die ihren Weg noch sucht; und den umtriebigen Constantin, der bereits sein eigenes Hotel, das Astor, in Berlin führt. Alles scheint in bester Ordnung. Natürlich gibt es hier und da Streitigkeiten mit ihrer Tochter, und irgendetwas stimmt auch nicht mit dem sonst so fröhlichen Zimmermädchen Marie –, aber all das ist nichts gegen das, was der unangekündigte Besuch eines Mannes auslösen könnte, der Bernadette damit droht, ihr dunkelstes Geheimnis aufzudecken …

    Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet worden. Der feine Sand und die weitläufige Dünenlandschaft vermitteln das Inselflair, und im Hintergrund ist ein imposantes Hotelgebäude zu erkennen, das gehobenen Ansprüchen gerecht wird. Der Titel des Romans ist in goldenen Lettern gehalten worden, während der Untertitel perfekt auf den nächtlichen Sternenhimmel abgestimmt worden ist. Man fühlt sich ans Meer versetzt und glaubt das leise Rauschen der Wellen zu hören.

    "Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen" spielt in den Goldenen Zwanziger Jahren, genauer gesagt: 1924, an zwei verschiedenen Schauplätzen, nämlich in Binz, dem größten Seebad auf der insel Rügen, und in Berlin, wobei das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird. An beiden Standorten begegnen wir vielen interessanten Protagonisten, Hauptfiguren wie Bernadette von Plesow und ihrem Sohn Constantin und Nebenfiguren wie Josephine von Plesow , der künstlerisch begabten einzigen Tochter von Bernadette, und dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Zimmermädchen Marie, die gut ausgearbeitet worden sind.

    Zentrale Figur ist die erfolgreiche verwitwete Geschäftsfrau Bernadette von Plesow, welche das noble Grand Hotel in dem ruhigen Ostseebad Binz mit strenger Hand führt und die Geschicke ihrer Familie in ihrem Sinne lenkt. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die stets kühl kalkulierend agiert und ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit zu verbergen sucht.

    In Berlin wiederum steht ihr Sohn Constantin im Mittelpunkt, der nicht nur das luxuriöse Hotel Astor mit einem angeschlossenen Variété betreibt, sondern auch in der Unterwelt die Fäden zieht. Er ist ein knallharter Geschäftsmann, der im echten Sinne des Wortes über Leichen geht.

    Wenn man so will, hat Caren Benedikt die perfekte Mischung für eine packenden Familiensaga in der Goldenen Zwanziger Jahren gefunden: ein elegantes Hotel an der Ostsee, ein verruchtes Varieté in Berlin, eine starke Frau, die ihren Weg geht, und ein Geheimnis, das alles in Gefahr bringt. "Das Grand Hotel - Die nach den Sternen greifen" ist nicht nur ein interessanter historischer Roman, sondern enthält viele Elemente eines Krimis. Die vornehme Familie von Plesow ist tief in dunkle Geschäfte verstrickt; Bandenkriminalität, Drogen, Schutzgelderpressung, Korruption, Prostitution und Mord gehören zu ihrem täglichen Leben. Auf den zweiten Band darf man gespannt sein!

    "Nur wenn Liebe im Vertrauen wurzelt, kann sie zum Himmel wachsen."

    "Sternenblütenträume" ist der vierte Roman der deutschen Schriftstellerin Ulrike Sosnitza, der im Heyne-Verlag erscheint. Diesmal dreht sich alles um die Hochzeitsfotografin Nina braucht eine neue Wohnung und einen neuen Mann. In dieser Reihenfolge. Seit sie wieder Single ist, lebt sie notgedrungen bei ihren Eltern, und das hält sie einfach nicht aus. Da trifft sie auf einer sonnendurchfluteten Lichtung im Wald auf den Schulsozialarbeiter Felix, der so gerne Bäume umarmt. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Und er in sie. Alles ist perfekt. Sogar die riesige Narbe auf ihrem Bauch stört ihn nicht. Doch dann entdecken die beiden, welch schreckliches Geheimnis sie verbindet.

    Wie immer fühlte ich mich von den wunderschönen Cover des neuen Romans von Ulrike Sosnitza magisch angezogen. Eine köstliche Beerentorte ist mit frischen Früchten (Brombeeren unde Heidelbeeren) auf einem kostbaren Porzellanteller angerichtet worden. Der liebevoll gedeckte Tisch ist mit feinen weißen Holunderblüten (den sogenannten 'Sternenblüten') und grünen Blättern geschmückt worden, als ob man ihn für eine künstlerische Fotografie in Szene setzen wollte.

    "Sternenblütenträume" spielt in Talburg, einem fiktiven Ort. Dennoch ist es Ulrike Sosnitza gelungen, alle Schauplätze der Handlung lebensecht zu gestalten. Hierbei nimmt eine Lichtung mitten im Wald eine entscheidende Rolle ein. Nach der Lektüre des Romans verspürt man den Wunsch, selbst einen langen Spaziergang zu unternehmen, um die Schönheit der Natur mit allen Sinnen genießen zu können.

    Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, nämlich aus der Sicht von Nina und Felix. Auf diese Weise kann man tief in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten eintauchen. Nina ist eine begabte Fotografin, die ihren künstlerischen Schwerpunkt auf die Hochzeitsfotografie gelegt hat. Nach ihrer Trennung von ihrem Freund lebt sie wieder bei ihren Eltern. Auch beruflich ist sie eng mit ihnen verbunden. Ihr Vater Charlie leitet das altmodische Fotoatelier, in dem sie nach einem schweren Verkehrsunfall arbeitet. Dagegen arbeitet Felix als Übergangsmanager an einer weiterführenden Schule und engagiert sich für seine Schützlinge, die ihre ersten praktischen Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums sammeln sollen.

    Nina und Felix sind sympathische Protagonisten, die durch eine schicksalhafte Begegnung miteinander verbunden sind. Sie besitzen viele Ecken und Kanten und haben zahllose bittere Erfahrungen in ihrem Leben machen müssen. Gemeinsam ist ihnen eine starke Liebe zur Natur, die sie an einem magischen Ort mitten im Wald zusammenführt. Als seelenverwandte Menschen verstehen sie sich ausgezeichnet und träumen von einer gemeinsamen Zukunft, bis sie von ihrer traumatischen Vergangenheit eingeholt werden.

    Alles in allem ist Ulrike Sosnitza ein leiser, tiefgründiger Roman gelungen, der von Wahrheit und Lüge, Schuld und Sühne, Missverständnissen und Sprachlosigkeit erzählt. Ich habe diese Lektüre sehr genossen und empfehle ihr neues Buch gern weiter.

    "Verliebt im Café Inselglück" ist die Fortsetzung des Romans "Ein Jahr Inselglück", mit dem sich die deutsche Autorin Susanne Oswald in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben hat.

    Seit Langem träumt Hannah davon, ihre kleine Pension auf Amrum in ein Café umzubauen. Sie weiß auch schon genau, wie es aussehen soll. Das Café Inselglück soll der perfekte, unverwechselbare Wohlfühlort sein. Und dazu gehören natürlich auch süße Köstlichkeiten. Da kann es nur Schicksal sein, dass Hannah beim Aufräumen ein altes Backbuch ihrer Urgroßmutter hinter dem Bücherregal findet. Sofort wird sie vom Kuchenfieber gepackt, und ist von da an kaum aus der Küche fortzubekommen. Doch ausgerechnet jetzt, wo alles so perfekt läuft, bekommt Hannah von ihrem Verlobten Lennard nicht die Unterstützung, die sie sich erhofft hat. Mit einem Mal ist Hannah sich nicht mehr sicher, ob sie wirklich den richtigen Mann an ihrer Seite hat.

    Das in sanften Tönen gehaltene Cover ist sehr stimmig ausgewählt worden. Denn es zeigt einen romantischen Sonnenuntergang am Meer. Der Strandhafer wiegt sich im leichten Wind und eine gemütliche Bank lädt jeden Betrachter zum Verweilen ein. Inselfeeling pur!

    Susanne Oswald hat einen angenehmen Wohlfühl-Roman geschrieben, der jedem Leser eine erholsame Auszeit auf der nordfriesischen Insel Amrum beschert. Dank ihrer ausführlichen Beschreibungen kann man sich alle malerischen Schauplätze der Handlung vorstellen. Auch die sympathischen Protagonistinnen wachsen jedem Leser ans Herz. Es sind starke Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und den Mut besitzen, ihre Träume zu leben; angefangen von Finja, die sich in einem ererbten Haus eine neue Existenz aufgebaut und ein eigenes Mode-Label gegründet hat, über Elisabeth, die sich aus einer von Gewalt geprägten Ehe gelöst hat, bis hin zu Hannah, die eine verstaubte Pension gegen ein gemütliches Café eintauscht, das einem reizenden Vorbild in Kopenhagen nachempfunden ist. Besonders gut gefallen hat mir, dass Susanne Oswald aktuelle poltische Themen in diesen unbeschwerten Liebesroman einfließen lässt, in dem sie von Tahmineh erzählt, die aus dem Iran flüchten musste und eine neue Heimat (und gute Freundinnen) auf der Nordsee-Insel findet

    Wer nach dieser stimmungsvollen Lektüre auf den Geschmack gekommen ist, kann die köstlichen Kuchen und Tortenträume aus dem Café Inselglück für seine Lieblingsmenschen nachbacken. Ausgewählte Rezepte runden die schöne Geschichte ab, die Lust auf einen erholsamen Urlaub am Meer macht. Vielleicht sieht man sich im Café Inselglück?

    "Die Liebe gibt Pfötchen" ist bereits der 4. Band aus der "Lichterhaven"-Reihe der deutschen Schriftstellerin Petra Schier, die sich nicht nur durch ihre maritimen Wohlfühl- und romantischen Weihnachtsromane, sondern auch durch ihre historischen Romane und (unter dem Pseudonym Mila Roth) ihre packenden Krimis einen festen Platz in den Buchhandlungen meines Vertrauens gesichert hat. Streng genommen, ist es sogar der 6. Denn wir dürfen die Ebooks "Auf den Wellen des Glücks" und "Hundeherz und Liebesglück" nicht vergessen, welche die Wohlfühlromane mit Herz und Hund vervollständigen.

    In dem maritimen Lichterhaven hat Thorsten ein Zuhause gefunden. Gemeinsam mit seinem Halbbruder baut er in der Familienwerft hochwertige Holzboote - und erfüllt sich damit einen lang gehegten Traum. Alles, was ihm jetzt noch zu seinem Glück fehlt ist ein Date mit Martina. Doch seit ihrer ersten Begegnung weiß er: Er wird kämpfen müssen, wenn er diese umwerfende Frau für sich gewinnen will. Aber er scheint einen Verbündeten zu haben. Martinas vierbeiniger Begleiter, der ungarische Hirtenhund Capone, schafft es irgendwie immer wieder, dass die beiden sich wie zufällig treffen

    Ehrlich gestanden, sind es die wunderschönen Cover der "Lichterhaven"-Reihe, die mein Herz sofort höher schlagen lassen. Auf dem Roman "Die Liebe gibt Pfötchen" sieht man einen entzückenden Hund mit einem hellem Fell, einen ungarischen Mudi, wie ich im Laufe dieses Romans gelernt habe. Das quirlige Fellbündel hört (mal mehr, mal weniger) auf den schönen Namen "Capone", stammt aus dem Tierschutz, passt auf die verwitwete Geschäftsfrau Martina Claussen und ihre Kinder Annika und Basti auf und spielt in diesem Roman eine wichtige Rolle.

    Mit Martina Claussen hat Petra Schier eine starke Frauengestalt in den Mittelpunkt ihres neuen Romans gestalt. Sie ist 33 Jahre alt, hat ihren Mann vor einigen Jahren durch einen tragischen Unfall verloren und die Liebe nach diesem Schicksalsschlag aus ihrem Leben gestrichen. Sie lebt für ihre Kinder und das Lebenswerk ihres Mannes, das sie um jeden Preis fortführen möchte. Wie für alle Allelinerziehenden ist es für Martina nicht einfach, Beruf, Haushalt und Kinderziehung zu wuppen. Auf den ersten Blick scheint sie eine erfolgreiche kluge Geschäftsfrau zu sein, die ihre Interessen vertreten kann. Hinter dieser Maske verbirgt sich eine sensible Frau, die starke Minderwertigkeitskomplexe wegen einer kurvigen Figur und ein nicht bewältigtes Trauma mit sich herum schleppt.

    Nach und nach gelingt es Thorsten Brunner den eisernen Panzer, mit dem Martina sich vor allen Versuchungen schützt, mit seinem behutsamen Werben zu durchbrechen. Auch er hat es nicht leicht gehabt; als unehelicher Sohn eines gutsituierten Geschäftsmannes ist er in ärmlichen Verhältnissen bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und hat sich seine berufliche Karriere aus eigener Kraft aufgebaut. Seit zwei Jahren lebt er in Lichterhaven und führt eine Werft in Lichterhaven mit seinem Halb-Bruder Lars, den er zufällig in den USA kennen- und schätzen gelernt hat. Thorsten ist ein attraktiver, sympathischer, tierlieber Mann, der sich in Lichterhaven gut eingelebt und durch seine ausgeprägte Hilfsbereitschaft viele Freude gewonnen hat.

    Wieder ist es Petra Schier gelungen, mich mit einer glaubhaft erzählten, charmanten, mit einer feinen Prise Erotik gewürzten Geschichte mit erwachsenen Protagonisten, die Ecken und Kanten besitzen und sich auf Augenhöhe begegnen, einzufangen. Dank ihres bildhaften, mitreißenden Erzählstils fühlte ich mich gleich in den idyllischen (fiktiven) Ort Lichterhaven an der Nordsee versetzt und konnte ein Wiedersehen mit vielen lieb gewonnen Figuren (und ihren Haustieren!) aus den zuvor erschienen Bänden feiern.

    Für mich ist dieses wunderschöne Buch mein klares Highlight im Monat Februar, das mein Herz in der kalten Jahreszeit gewärmt und die kräftigen Sturmböen weit weggeweht hat!

    Wieder einmal bin ich durch einen Hype auf Social Media auf ein Buch aufmerksam geworden. Diesmal handelt es sich um den erotischen Roman "One hundred lovers" von Nicole Obermeier, einer Autorin für fantastische und realistische Liebesgeschichten. Eigentlich gehört dieses literarische Genre gar nicht zu meiner bevorzugten Lektüre, aber ich war neugierig auf dieses Werk geworden und wollte es unbedingt lesen - und ich habe meine Entscheidung keine einzige Sekunde lang bereut.


    Tagsüber wahrt Robyn Ward ihr Image als pflichtbewusste Schulsekretärin, nachts schläft sie als Samantha Bane mit den heißesten Männern Kaliforniens ...

    Nach den traumatischen Erlebnissen in ihrer Jugend hat Robyn der Liebe abgeschworen. Schneller Sex hingegen verschafft ihr für kurze Zeit Selbstbestätigung und die Anerkennung, die sie so dringend braucht. Was jedoch niemand dieser Männer weiß: Robyn betreibt den berüchtigten Blog One Hundred Lovers, auf dem sie über jedes ihrer heißen Abenteuer berichtet. Als eine große Tageszeitung ihre Kolumnen veröffentlicht, will plötzlich ganz Amerika wissen, wer hinter den verruchten Sexstorys steckt.

    Während Robyn allmählich die Kontrolle über den Blog verliert und anfangen muss, ihr Leben zu hinterfragen, taucht plötzlich Ethan auf – der Junge, der ihr einst das Herz brach und für ihre dunkelsten Stunden verantwortlich war. Gibt es für die Liebe eine zweite Chance?


    Das edel und geschmackvoll wirkende Cover des Romans ist in Schwarz-Weiß-Tönen gehalten, während der aussagekräftige Titel "One hundred lovers" in golden schimmernden Großbuchstaben plakativ in Szene gesetzt wird.


    "One hundred lovers" spielt in der aktuellen Gegenwart in einer fiktiven Kleinstadt in den USA. , wo Robyn nach den traumatischen Erlebnissen in ihrer Teenager- und Studentinnen-Zeit lebt und als (überqualifizierte) Sekretärin in einer Schule arbeitet. In ihrer Freizeit führt sie einen Blog, in dem sie von ihren erotischen Abenteuern in Kalifornien erzählt. Umrahmt wird die Geschichte von einem kurzen Epilog, der einige traumatische Ereignisse in der Vergangenheit von Robyn näher beleuchtet, und einem kleinen Ausblick in das weitere Leben von Robyn.


    Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Robyn vermittelt. Sie führt ein Doppelleben und setzt auf One Night Stands mit attraktiven Männern setzt, die sie garantiert niemals wiedersehen wird, um sexuelle Erfüllung zu finden und ihr angeknackstes (geringes) Selbstwertgefühl aufzupolieren. Die Liebe hat sie ganz aus ihrem Leben gestrichen. Sie ist eine gebrochene, sensible Persönlichkeit, die man am liebsten in den Arm nehmen und trösten möchte. Deshalb verfolgt man ihren weiteren Lebensweg mit angehaltenem Atem.


    "Jeder Mensch hat es verdient, zu lieben und geliebt zu werden. Doch bevor man sich einem anderen Menschen öffnen kann, muss man lernen, sich selbst zu lieben." So lautet die klare Botschaft des erotischen Romans "One hundred lovers", der ein Zeichen gegen Bodyshaming und (Cyber-) Mobbing setzen will, wie es uns in unserer heutigen Zeit tagtäglich begegnet.


    Stilistisch hat mich dieser erotische Roman überzeugt. Nicole Obermeier hat alle "eindeutigen" Szenen plastisch ausgemalt, ohne ein einziges Mal ins Ordinäre zu gleiten. Auch sprachlich gesehen bewegt sie sich auf einem hohen Niveau. Sie schreibt in einem flüssigen, gut lesbaren Stil, man wird von diesem Buch gefangen genommen und taucht tief eine bewegende Lebensgeschichte. Alles in allem ist Nicole Obermeier ein berührender, traurig und hoffnungsvoll zugleich stimmender tiefgründiger erotischer Roman gelungen, den man allen Leserinnen ans Herz legen möchte.


    Leider ist das Happy-End etwas zu gewollt ausgefallen. Robyn findet nicht nur den Mann ihrer Träume und unterzieht sich einer dringend notwendigen Therapie, sondern sie gewinnt (nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung ihrer vermögenden jüngeren Schwester, einer berühmten wunderschönen Schauspielerin) eine gerichtliche Auseinandersetzung gegen Star-Anwälte, bezwingt sämtliche Widersacher, landet einen Bestseller auf dem hart umkämpften Buchmarkt und wird zum gefeierten Star, der sich für alle Mobbing-Opfer in den USA einsetzt. Es ist nicht so, dass man ihr das große Glück nicht gönnen würde, nur: Muss ihr weiteres Leben komplett in rosaroten Farben gemalt werden? Hätte eine realistischere Version nicht auch gereicht?

    Nein, ich habe das Erscheinungsdatum dieses Buches nicht in den Sternen gesehen. Endlich ist es soweit: Mit der Ruhrpott-Krimödie "Sonne, Mord und Sterne" hat Lotte Minck den dritten Band ihrer erfolgreichen Reihe um die Astrologin Stella Albrecht vorgelegt.

    Beim Bochumer Astrologiekongress versammelt sich alles, was in der Branche Rang und Namen hat, vom Geistheiler über den Engelsbotschafter bis zum Jenseitsmedium. Um zu erkennen, dass Marlene Silberstein tot ist, braucht man allerdings weder hellseherische Fähigkeiten noch muss man des Auralesens mächtig sein: Der Star der Astrologenszene wurde erschlagen, und zwar mit dem ihr gerade erst verliehenen "Saturn". Während der zunehmend genervte Kommissar Arno Tillikowski bei seinen Befragungen mit Engelskontakten als Alibi konfrontiert wird, begibt sich Stella auf die Suche nach dem Täter - wie immer mit himmlische Hilfe, aber auch ganz bodenständig unterstützt von ihren Freunden.

    Das Cover von Ommo Wille ist wieder eine Klasse für sich. Der Betrachter schaut in ein Hotelzimmer, das in völlige Dunkelheit getaucht und lediglich von dem schwachen Licht mehrerer Kerzen erhellt wird. Im angrenzenden Badezimmer mustert sich eine junge Frau selbstgefällig im Spiegel und zieht sich sorgfältig die Lippen nach. Offensichtlich erwartet sie Besuch; denn sie ist aufreizend mit knallroten Dessous bekleidet. Auf einen Eindringling, der sich mit einem schweren Gegenstand in der Hand auf leisen Sohlen ins Badezimmer scheint, kann sie kaum vorbereitet sein. Auch der Titel "Sonne, Mord und Sterne" ist schlichtweg genial. Denn er nimmt das zentrale Motiv "Astrologie" auf eine lässige, selbstironische Art auf, in dem er ein bekanntes Kinderlied kurzerhand umdichtet.

    Wie die Vorgänger "Planetenpolka" und "Venuswalzer" spielt das Buch "Sonne, Mord und Sterne" wieder mitten im Ruhrpott. Lotte Minck, die ungekrönte Queen of Crimedy, hat sich ein ausgefallenes Setting einfallen lassen. Sie gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen eines Astrologie-Kongresses in Bochum, zu dem die seriöse Astrologin Stella Albrecht und ihre flotte Oma Maria Schmidt, besser bekannt als geheimnisumwitterte "Madame Pythia", geladen sind. Dort lernen sie Marlene Silberstein, den atraktiven, berühmt-berüchtigten Star der Astrologie-Szene, kennen, die sich weniger durch Fachwissen denn durch Cleverness auszeichnet. Sie ist sehr geschäftstüchtig, manipuliert ihre Mitmenschen nach Belieben, hat einige Leichen im Keller und ist mit allen Wassern gewaschen. Demzufolge ist es keine große Überraschung, das sie den ersten Preis des Events abräumt und mit dem "Saturn" für ihre Verdienste ausgezeichnet wird. Dass sich diese Statue als Tatwerkzeug entpuppt, mit dem sie selbst hinterrücks in ihrem Badezimmer erschlagen wird, dürfte sie nicht vorhergesehen haben. Verdächtige gibt es mehr als genug. Statt das schillernde Event in ihrer Heimatstadt zu genießen, steckt Stella Albrecht mitten in einem komplizierten Mordfall und unterstützt ihren Freund, Kommissar Arno Tillikowski, auf der Suche nach dem Täter...

    Wieder einmal bin ich restlos begeistert von dem neuen Buch meiner Lieblingsautorin Lotte Minck. Es ist witzig-spritzig geschrieben und bietet vergnügliche, spannende Unterhaltung mit viel Lokalkolorit und tollen, schrägen Protagonisten, die jeden Leser in ihren Bann schlagen wird. Einfach eine großartige Mischung aus Krimi und Kömodie! Bitte mehr davon!

    Mit dem Roman "Das kleine Haus in den Dünen" hat Julia Rogasch ihr fünftes Buch vorgelegt, das auf der größten nordfriesischen Insel Sylt spielt.

    Im Mittelpunkt steht die Erzieherin Clara, die mit ihrer Kraft so gut wie am Ende ist. Seitdem beim gemeinsamen Sohn eine schwere Atemwegserkrankung festgestellt wurde, stehen sie und ihr Mann Paul unter Druck. Finanziell ist es eng, da Clara weniger arbeitet, um ganz für ihren Sohn da zu sein. Sie und Paul streiten viel. Da tritt von einem auf den anderen Tag ihr alter Jugendfreund, ihre erste große Liebe Max wieder in ihr Leben. Max, der sein Leben lang nichts anbrennen ließ, erfolgreich im Job ist und der damals nach einer gemeinsamen Nacht mit Clara den Kontakt zu ihr abbrach. Er bietet der erschöpften Familie völlig überraschend sein Ferienhaus auf Sylt an, um dort wieder zu Kräften zu kommen. Clara nimmt widerwillig an, um der Gesundheit ihres Sohnes Willen. Doch kaum auf Sylt angekommen, bemerkt sie, dass ihre Gefühle für Max immer noch stark sind. Aber ist es mehr als Freundschaft? Und sie ahnt: Max‘ Sinneswandel und Großzügigkeit müssen einen Grund haben …

    Das ansprechende Cover lässt gleich eine heitere, gelöste Urlaubsstimmung aufkommen. Man sieht eine dunkelhaarige Frau auf einem Strandspaziergang in den Dünen. Im Hintergrund ist ein gemütliches Reetdachhaus zu erkennen, das durchaus für das "kleine Haus in den Dünen" Pate gestanden haben könnte.

    Das Geschehen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert; nämlich aus der Sicht von Max, einem gutsituierten Mann in den besten Jahren, der auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen scheint, bis er eine niederschmetternde medizinische Diagnose erhält, die sein ganzes Leben infrage stellt, und aus der Sicht von Clara, seiner ehemaligen besten Freundin aus Kindertagen, die durch die schwere Krankheit ihres einzigen Sohns Lennart an ihre Grenzen gekommen ist.

    Wenn man sich auf einen oberflächlichen, heiteren Wohlfühl-Roman vor einer malerischen Kulisse eingestellt hat, wird man enttäuscht sein. Julia Rogasch nimmt ihre Leser mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und erzählt eine hochemotionale, ernste und tiefgründige Geschichte mit authentisch agierenden, sympathischen Protagonisten, die mich hin und wieder zu Tränen gerührt hat. Wirklich lesenswert!

    "Der Tag, an dem Theo starb. Ein Krimi mit Hund" ist das Krimi-Debüt von Mara Uhlen, die in Berlin lebt und arbeitet. Ihr Roman führt mitten in eine trügerische Idylle in der Lüneburger Heide.


    Seit Jahren schon lebt Tilda in Berlin ihren Einheitstrott. Da kommt ihr das Erbe ihrer Tante gerade recht. Endlich kann sie die Hektik der Großstadt hinter sich lassen und in die beschauliche Lüneburger Heide ziehe. Und bei einer Tasse Tee im eigenen Garten und langen Spaziergängen mit Hündin Susi muss sie einfach zur Ruhe kommen. Doch nicht alles scheint so idyllisch zu sein, wie Tilda auf den ersten Blick vermutet hat. Auf ihrer Morgenrunde mit Susi, findet sie den Dackel Theo an einem Baum erhängt. Sachbeschädigung, meint die hinzugerufene Polizei bloß, aber Tilda will sich damit nicht zufriedengeben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Schließlich ist sie Journalistin. Außerdem will ihr das Bild des armen Hundes einfach nicht aus dem Kopf gehen. Verdächtige scheinen schnell gefunden, doch für eine Anzeige braucht es bekanntlich Beweise …

    Wie es sich für cosy crime gehört, ist das Setting auf dem Lande angesiedelt. Mara Uhlen hat das dörfliche Leben gut eingefangen; man hat das Gefühl, die Protagonisten auf ihren Ausflügen in die Natur zu begleiten und alles mit eigenen Augen zu sehen.

    Im Mittelpunkt steht Tilda, eine etwas ausgebrannte Journalistin in der Midlife-Crisis, die sich dem Klatsch und Tratsch verschrieben hat und von einer neuen beruflichen Herausforderung träumt. Die unerwartete Erbschaft ist für sie, eine willkommene Gelegenheit, einen Strich unter ihr Leben in Berlin zu ziehen und auf dem platten Land in dem beschaulichen Dorf Ahrensbostel am Rande der Südheide ihre Mitte zu finden und zur Ruhe zu kommen. Stattdessen stößt sie auf einem Spaziergang auf einen brutal erhängten alten Dackel, dessen gewaltsamer Tod von den Polizisten als "Sachbeschädigung" eingestuft und zu den Akten gelegt wird. Tilda kann die schrecklichen Bilder nicht mehr aus ihrem Kopf verbannen und ermittelt auf eigene Faust, unterstützt von der weißen Terrier-Mischlings-Hündin Susi und dem unkonventionellen Naturschützer Ludwig Grunenberg, der in einem Bauwagen haust und nicht wohlgelitten bei den "mordsanständigen" bürgerlichen Nachbarn ist.

    Ich bin etwas zwiegespalten, was eine gerechte Beurteilung dieses Buches angeht. Es liest sich leicht und flüssig, und wie es sich für einen cosy crime gehört, kommt der Humor nicht zu kurz. Leider ist der Krimi mässig spannend und recht vorhersehbar, so dass man dem Täter relativ schnell auf die Schliche kommt. Auch die Zeichnung der Charaktere ist nicht vollständig gelungen. Mara Uhlen hat einige Bewohner des Dorfes sehr anschaulich und realistisch wiedergegeben,, während andere Personen absolut überzeichnet und ihre Handlungsweisen nicht logisch nachvollziehbar sind.

    Alles in allem bietet dieser Krimi nette Unterhaltung für zwischendurch, genau das Richtige für verregnete Nachmittage. Empfindsamen Tierfreunden möchte ich ihn nicht empfehlen, weil die dargestellten Morde an Haustieren grausam und schwer zu verdauen sind.