Beiträge von hennie

    SCHLÜSSELFIGUR


    Mit großer Erwartung ging ich an dieses Thrillerdebüt heran. Nicht ganz unschuldig daran waren die Worte, mit denen das Buch der Tochter von Bestsellerautorin Viveca Sten beworben wurde. "Stranger Things meets Scandinavian Crime".


    Alice Lindstedt, die Ich-Erzählerin, die gerade ihren Abschluß der Stockholmer Filmhochschule erhalten hatte, wollte sich einen lang gehegten Traum erfüllen und einen Film über Silvertjärn drehen. Als Projektleiterin begibt sie sich mit ihrem vierköpfigen Team in den entlegenen Grubenort im dünn besiedelten Waldgebiet von Norrland. Durch ihre Großmutter, die kurz zuvor von dort weggezogen war, erfuhr sie von dem mysteriösen Fall, der sich dort vor 60 Jahren zugetragen hatte. Die Einwohner verschwanden spurlos. Nur ein weiblicher Säugling blieb schreiend zurück und eine grausam zugerichtete Leiche hing an einem Pfahl.


    Mit dieser Ausgangssituation wurden bei mir schon klare, fesselnde Spannung und eine gesicherte Hoffnung auf eine interessante Geschichte aufgebaut. Ich wollte natürlich wissen, was es mit den Verschwundenen auf sich hat. Doch der gesamte Ablauf der Handlung ist für meinen Lesegeschmack zu langatmig geraten. Vor allem der Teil aus der Gegenwart ("Heute"), der sich zudem ständig mit dem "Damals" Strang abwechselte, geriet zu ausschweifend, dümpelte zu lange vor sich hin, verharrte im Übernatürlichen. Die Querelen, die Alice mit Emmy, der ehemaligen Freundin hatte, empfand ich als uninteressant. Was nun eigentlich in ihrer gemeinsamen Vergangenheit passiert war, warum die Beziehung kompliziert war, erschloß sich mir nicht. Auch die anderen Charaktere des Teams blieben blaß und waren für mich nicht mehr als Staffage. Ein Knistern im Walkie-Talkie, eine scheinbar fremde Gestalt im Schatten, ein Fußabdruck, leere, dunkle Fensterhöhlen. Das und noch weitere unerhebliche Gruselelemente, selbst die Todesfälle erzeugten bei mir kaum Spannung, höchstens Verwunderung. Um das zu erklären, müsste ich spoilern!


    Die Ereignisse des Jahres 1959, das Jahr des geheimnisvollen Verschwindens der Bewohner, werden dramatischer erzählt und ich erhielt bald eine Ahnung, worauf es hinauslaufen würde. Es gibt eine Schlüsselfigur, die die Geschicke des Ortes lenkte. Bis Bewegung in die Geschichte kommt, dauerte es leider viel zu lange. Das geschah erst um S. 250 herum bei meinem 333 Seiten umfassenden ebook. Das Ende überraschte mich nicht sonderlich.


    Die Autorin verfügt über Schreibtalent. Das möchte ich ihr nicht absprechen. Das Debüt von Camilla Sten besitzt großes Potential, was leider unzureichend und nicht schlüssig umgesetzt wurde. Für mich war vor allem das abrupte Ende mehr Fantasy als Thriller!

    Da kann ich dir sehr das verlinkte Buch empfehlen, einschließlich diesen Film über Hannah Arendt.

    Ich danke dir für deine Empfehlungen!


    Irgendwie fühle ich mich gerade wieder sehr jung :lol: Bei mir ist es so, dass ich dieses Genre relativ spät -durch den Büchertreff- entdeckt habe und schon ein paar hervorragende Graphic Novels bzw. Comics gelesen und entdeckt habe.

    Darf ich fragen was dich daran gestört hatte, dass du es eher für die jüngere Generation empfiehlst?

    Mich stört eher gar nichts an der Graphic Novel bzw. an Comics! Es ist einfach nicht mein Genre. Ich konnte nie viel damit anfangen, auch in meiner Jugend (ich bin Ostdeutsche) nicht. Da haben sich eher die Jungs dafür interessiert und z. B. das "Mosaik" mit den Digedags rauf- und runtergelesen.

    Ken Krimstein - Die drei Leben der Hannah Arendt


    Inhalt (nach amazon)

    Am Leben zu sein und zu denken ist ein und dasselbe

    Hannah Arendt: streitbare Jahrhundertdenkerin, zu früh, zu wütend, auf so einschüchternde Weise klug, zu jüdisch, nicht jüdisch genug. 1933 floh sie aus Nazi-Deutschland ins Exil, über Tschechien, Italien und die Schweiz zunächst nach Paris. Später dann in die USA. Von dort aus avancierte sie zu einer der großen Ikonen unserer Zeit. ›Die drei Leben der Hannah Arendt skizziert rasant und liebevoll ihren Lebensweg.

    Mit einem Nachwort von Ken Krimstein



    Meine Rezension


    FREIHEIT DES DENKENS

    - „Die drei Leben der Hannah Arendt“ Graphic Novel von Ken Krimstein, übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Hanns Zischler -

    Für mich war dieses Buch die erste Bekanntschaft mit dem Genre. Diese Graphic Novel zeichnet die Lebensgeschichte (im wahrsten Sinne des Wortes) einer bedeutenden Frau. Hannah Arendt war eine der größten Denkerinnen, eine bedeutende politische Philosophin des 20. Jahrhunderts.

    Die Vorstellung beginnt mit der kleinen Hannah, die ihre ersten unangenehmen Erfahrungen als Jüdin machen muss. Doch das sind nur Momentaufnahmen, denn es geht schnell weiter im Lauf der Zeit. Ich empfand die Darstellung der drei Leben der Hannah Arendt, die identisch dargestellt werden mit ihren drei Fluchten, zu skizzenhaft, zu flüchtig. Ihrer komplexen Bedeutung kann das Buch nicht gerecht werden. Doch diese Kunstgattung macht mit den illustrierten Texten einen leichteren Zugang in historische Zusammenhänge möglich. Hannah Arendt erscheint in den Zeichnungen stets als einzige Person in Grün, sehr oft auch mit Zigarette. Ihre Gegenüber sind in der überwiegenden Mehrzahl berühmte Männer, die mir oft zu viel Bedeutung bekommen. Da möchte ich nur Martin Heidegger nennen, ihren Lehrer und langjährigen Geliebten. In der männlich geprägten Umgebung muss sie eine sehr starke Frau gewesen sein.

    Das Genre besitzt viele künstlerische Freiheiten durch die Art der eigenwilligen Darstellung und nutzt besondere Stilmittel. Mir gefiel der humorige Umgang mit Hannah Arendt, z. B. sei hier ihre Unterhaltung mit dem Wasserfleck an der Decke in der Gestalt Walter Benjamins genannt. Das war eine Superidee!

    Weiterhin erhielt ich Einblicke in die Ursprünge des Arendtschen Denkens (eine Überschrift) auf S. 168, die mich in der Kürze und der Radikalität betroffen machten.

    Für ein neues Phänomen im Weltgeschehen findet sie ein neues Wort: TOTALITARISMUS. Ihre Einsichten, Erkenntnisse empfinde ich brennend aktuell. Hier nur ein Zitat:

    S. 169 „Bevor totalitäre Herrscher die Realität an ihre Lügen anpassen können, bestehen ihre Signale aus einer unerbittlichen Missachtung der Fakten.“ – Hier drängt sich mir sofort ein ganz bekannter Zeitgenosse mit seiner selbstgefälligen, eitlen Mimik und Gestik auf. –

    Hannah Arendts lebenlange Suche nach dem Sinn des Lebens, ihr Kampf für die Wahrheit, ihre Analysen zum Nationalsozialismus und zur totalen Herrschaft kamen für mich informativ an.

    Am Ende des Buches befindet sich ein aussagekräftiges, umfangreiches Personenverzeichnis. Mit vielen berühmten Zeitgenossen hatte sie persönlich Kontakt.

    Fazit:

    Für mich als ältere Person ist das Genre Graphic Novel nichts, aber für junge Menschen finde ich es als Einstieg für die weitere Beschäftigung mit ernsten Themen empfehlenswert. Mich machte es wissensdurstig. Ich wollte trotz (oder wegen?) der skizzenhaften Darstellung mehr über Hannah Arendt erfahren. Ken Krimsteins Anliegen sollte Wirklichkeit werden. Er sagt im Nachwort: „Ich hoffe, dass es eine neue Leserschaft an Hannah Arendts bewegtes Leben heranführt und dass es sie dazu einlädt, sich direkt mit ihrem Denken auseinanderzusetzen.“

    Ich frage: Wer war diese Frau? Warum sind ihre Erkenntnisse auch heute noch so aktuell? Deshalb halte ich weiter Ausschau nach Lektüre über Hannah Arendt. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Adeline Dieudonné - Das wirkliche Leben


    Zum Inhalt (übernommen von amazon)

    Die geheime Macht der Beute


    Eine Reihenhaussiedlung am Waldrand, wie es viele gibt. Im hellsten der Häuser wohnt ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Familie. Alles normal. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters, der neben TV und Whisky vor allem den Rausch der Jagd liebt.

    In diesem Sommer erhellt nur das Lachen ihres kleinen Bruders Gilles das Leben des Mädchens. Bis eines Abends vor ihren Augen eine Tragödie passiert. Nichts ist mehr wie zuvor. Mit der Energie und der Intelligenz einer mutigen Kämpferin setzt das Mädchen alles daran, sich und ihren Bruder vor dem väterlichen Einfluss zu retten. Von Sommer zu Sommer spürt sie immer deutlicher, dass sie selbst die Zukunft in sich trägt, wird immer selbstbewusster – ihr Körper aber auch immer weiblicher, sodass sie zusehends ins Visier ihres Vaters gerät.


    MEINE REZENSION


    DAS LACHEN DER HYÄNE

    Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass Adeline Dieudonnés Romandebüt in Frankreich so erfolgreich angenommen und mit Preisen überhäuft wurde. Das einzigste, was mich an dem Buch stört, ist die Tatsache, dass es nur 239 Textseiten hat.

    Zum Inhalt:

    Aus der Sicht des namenlosen Mädchens erfolgt die Erzählung über einen ungefähren Zeitraum von fünf Jahren. Zu Beginn ist sie 10 Jahre alt und der kleine Bruder Gilles vier Jahre jünger. Mit ihren Eltern bewohnen sie ein schönes Haus am Waldrand. Rein äußerlich erscheint ihr Leben normal. Doch hinter der Fassade herrscht alles andere als Idylle. Es sind sehr schlimme Verhältnisse, in der die Geschwister aufwachsen.

    Da ist zum einen der gewalttätige, sauffreudige Vater mit seinem rauschhaften Hang zur Jagd und auf der anderen Seite die stoische, duldsame und unscheinbare Mutter, die ihre uneingeschränkte Gunst nur den Haustieren widmet! Das Mädchen nennt sie die Amöbe.

    Mit dem schrecklichen Unfall des Eismannes, der vor den Augen der beiden Kinder geschieht, erlischt die Lebensfreude des kleinen Jungen. Sein herzliches „Milchzahnlachen“ verstummt und nur seine Schwester kämpft für ihn. Sie will die Zeit überlisten, eine Zeitmaschine bauen und tut alles in ihrer kindlichen Auffassung dafür. Mit großem Eifer und mit immer stärker werdenden Selbstbewußtsein beginnt sie Wissen in sich aufzusaugen, auch noch, nachdem sie von einer vermeintlich Verbündeten schwer enttäuscht wird. Die Zeit vergeht und wendet sich gegen das Mädchen. Ihr Bruder nimmt die brutalen Verhaltensmuster des Vaters an und sie erregt immer öfter die Aufmerksamkeit des Vaters, der seine Wutausbrüche nicht mehr nur gegen die Mutter wendet. Die Katastrophe kündigt sich an...

    Meine Meinung:

    Von Beginn an spürt man das Bedrohliche, das Düstere. Die Geschichte fesselt mich von der ersten Seite an. Ich bin sehr beeindruckt von der Schreibweise und der Erzählung aus der Sichtweise des Mädchens. Ich fühlte mich in ihre Gefühlswelt vollkommen hineingezogen. Wie ein roter Faden zieht sich die ausgestopfte Hyäne aus dem furchteinflößenden Trophäenzimmer des Vaters durch ihre Vorstellung. Sie ist regelrecht davon angefixt und verbindet das Tier mit dem Bruder und seiner negativen Entwicklung, seiner sichtbaren Wesensänderung seit dem Unglück.

    In einer wunderbaren, klaren und einfachen Sprache wird die dramatische Familiensituation plastisch und nachvollziehbar dargestellt. Die Erzählweise erfolgt sehr eindringlich, ohne Schönfärberei, sehr authentisch und ließ bei mir ein ums andere Mal Bilder im Kopf entstehen, die sicher noch lange nachwirken werden. Dabei drückt sich die Autorin hin und wieder in einer poetischen Art und Weise aus, die ich bei dem erdrückenden Thema der häuslichen Gewalt so nicht erwartet hatte. Also: Die Macht der Sprache haut mich wirklich um. Viele einprägsame Sätze habe ich in meine Zitatensammlung aufgenommen.

    Ihre Stärke, die psychische Widerstandskraft des Mädchens, ihre Fähigkeit sich in schwierigsten Familiensituationen zu behaupten, sich nicht verbiegen zu lassen, wird eindrucksvoll über den gesamten Roman beschrieben. Sie ist die Hauptperson, aber am Ende geht sie trotzdem nicht als Siegerin hervor. Es gibt keine Gewinner! Wie erwartet eskaliert die Situation in der Familie schließlich aufs Äußerste. Die Gewalt wird mit Gewalt beantwortet. Übrig bleiben drei Menschen, die mit ihrem weiteren Leben klarkommen müssen. Es endet hoffnungsvoll, aber läßt offen, ob und wie sie es schaffen werden.

    Das Monster, die Hyäne wurde besiegt.


    Fazit:

    „Das wirkliche Leben" ist eine Geschichte, die betroffen macht und mich nachdenklich zurückließ. Es ist ein wichtiges Buch und macht aufmerksam auf gewalttätige Situationen in Familien, die leider aktuell und tatsächlich Alltag sind. Es erhält von mir das Prädikat "besonders wertvoll"!

    Ich kann die Lektüre allen empfehlen und bewerte dieses außergewöhnliche Buch mit fünf von fünf Sternen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:und bedenke es zusätzlich mit vielen Herzchen.:love:

    Thomas Gottschalk - Herbstbunt


    Inhaltsangabe zu "Herbstbunt" (Quelle: Lovelybooks)

    Forever young?

    Immer lief alles glatt in seinem Leben. Warum sollte sich daran etwas ändern, bloß weil Thomas Gottschalk eines Tages 60 wurde? Für die Figur gibt’s die Mayr-Kur, und Workouts gibt’s für die Fitness. Doch in der zweiten Hälfte der Sechziger wird es unerwartet rumpelig: Der Oberschenkelmuskel gibt den Geist auf; das Haus brennt ab; und nach über 40 Jahren Ehe ist das Zusammenbleiben plötzlich nicht mehr selbstverständlich…

    Thomas Gottschalk erzählt vom Älterwerden – nachdenklich, mit viel Humor und großer Offenheit. Seine Botschaft? Optimistisch!

    »Ich im Kampf gegen die Vergreisung. Das ist meine letzte große Herausforderung. Ich werde sie bewältigen – top, die Wette gilt!« Thomas Gottschalk



    MEINE REZENSION

    Kurzmeinung:

    Einblicke in ein prominentes Leben - Gottschalk überwiegend nachdenklich über Sinn des Daseins, der Existenz und das Älterwerden


    DER WEISSE ALTE MANN AUS OBERFRANKEN

    Da ich nur drei Jahre jünger bin als er, kann ich in Thomas Gottschalks Buch einzelne Parallelen zu meinem Leben finden. Ich bin zwar in Ostdeutschland aufgewachsen, trotzdem erscheinen mir meine Erlebnisse in den Kindheits- und ersten Jugendjahren (geboren in einer sächsischen Großstadt, aufgewachsen in der Provinz) nicht so weit von den seinen entfernt zu sein. Auch die Musik ist die, die auch mich seit meiner Jugend begleitet und mich von Beginn an bis heute begeistert.


    Nun zu „Herbstbunt...“ selbst:

    T. G. vermittelt nachvollziehbar, selbstkritisch, selbstreflektierend, in leichter, gewandter Sprache seinen Lebensweg. In angenehmen Plauderton (fast glaubte ich ihn zu hören, wie auf dem Bildschirm) führte er durch seine Erlebnisse in der Kindheit, Jugend, im Rundfunk, beim Fernsehen. Dabei gibt er Einblicke in die Familiengeschichte. Sogar Ahnenforschung ist dabei. Ich fühlte mich von der ersten bis zur letzen Seite gut unterhalten. Abwechslungsreich und amüsant Schreiben und dabei noch wichtige Botschaften vermitteln, das kann „der weiße, alte Mann aus Oberfranken“ also auch. Besonders gefielen mir dabei die oft feinsinnigen, ab und zu melancholischen Gedanken zum Alter.

    In einer kritischen Selbstreflexion, die in der Art so nur Thomas Gottschalk hinbekommt, betrachtet er alle Abschnitte seines Lebens bis hin zum Ende seines gemeinsamen Weges mit Ehefrau Thea und der neuen Liebe an seiner Seite. Da ist er gerade mittendrin und ich bemerkte, wie sehr ihn das beschäftigt und, wie er bemüht ist, das Neue in der Beziehung zu verarbeiten, das Alte einzuordnen. Das alles erzählt er sympathisch, authentisch, meistens locker, aber auch ernsthaft und gefühlsbetont. Ab und zu wird auch mal philosophiert in der erfrischenden Gottschalkschen Art!

    Mit genauer Abwägung, wie mir es scheint, berichtet er von privaten Dingen und läßt mit Überlegung ausgewählte Einblicke zu. Gesellschaftspolitisch äußert er sich in direkter Weise auf dem Gebiet, das er am besten kennt. Er spricht sachkundig vom Wandel in den Medien. Seine Sichtweise zu den Social Medias fand ich sehr aufschlussreich, besonders sein kurzes Verhältnis zu Twitter.

    Die Kapitel/das Vorwort sind ausnahmslos mit Songs (insgesamt 21) aus den 60er, 70er Jahren und bis 2000 überschrieben wie z. B. Stayin`Alive (The Bee Gees), My Generation (The Who), When i´m sixty-four (The Beatles), Son of a Preacher man (Dusty Springfield) oder It´s my life (Bon Jovi), die Thomas G. exzellent in Situationen seines Lebens einbaut.

    Sie weckten auch bei mir Erinnerungen. Mir hat nichts gefehlt bei seinen Einsichten. Genauer hätte ich es auch nicht wissen wollen.

    Mein ganz persönliches Resümee: Ich bin froh, nicht prominent zu sein.


    Kurzes Fazit:

    Es ist ein ehrliches Buch, unterhaltsam sowie lesenswert geschrieben. Der Optimismus überwiegt! Auch beim Älterwerden!


    Ich vergebe gern meine Leseempfehlung mit fünf von fünf Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    KLEINER HENGST IN GROSSER GEFAHR


    „Pferdeflüsterer Academy - Calypsos Fohlen“ ist schon der 6. Band aus der Reihe, geschrieben von Gina Mayer.


    Der Leser begegnet wieder mit wenigen Ausnahmen den gleichen Personen. Neben den wunderschönen Pferden ist erneut das Mädchen Zoe die Hauptperson. In einer herrlichen Gegend Kanadas besucht sie Snowfields, eine Schule, in der sie lernt, wie man traumatisierte, mitunter schwer mißhandelte Pferde heilt. Sie überschreitet in bester Absicht ihre Kompetenzen und das neue Problempferd Macareno geht ihr prompt durch. Daraufhin bekommt Zoe Ärger mit ihrem Lehrer Caleb. Eclipse, der Apaloosa-Hengst von ihrem Freund Cyprian hat sich noch immer nicht von seinen Qualen, den schlechten Haltungsbedingungen erholt. Auch ein ganz neuer Handlungsstrang wird eingeführt. Die wertvolle Stute Calypso, deren Besitzerin die strenge, unsympathische stellvertretende Direktorin Mrs. de Cesco ist, bekommt bald ein Fohlen. Und bevor dieses das Licht der Welt erblickt, passiert einiges und erst recht danach...

    Es geht also sehr spannend weiter. Die jungen Leser*innen erwartet erneut ein Krimi!


    Das Buch ist in 17 Kapitel unterteilt. Sie haben eine angenehme Länge und enden oft mit einem kleinen Cliffhanger, so dass man gerne schnell weiterliest. Unterbrochen werden die Kapitel von wenigen kursiv geschriebenen Zeilen. Was es mit diesen "Gedanken" auf sich hat, erfährt der Leser kurz vor dem Ende. Der Schluß ist optimistisch für Mensch und Pferd und macht schon neugierig auf den Fortgang der Geschichte.

    Die Charaktere konnte ich mir gut vorstellen, wobei einige doch recht holzschnitt- und schablonenartig daherkommen. Doch das ist mein subjektives Empfinden aus der Sicht meiner reichlichen Lebenserfahrung. Hier handelt es sich ja um ein Jugendbuch und da darf es vielleicht auch so sein.


    Das Cover fügt sich wunderbar in die Reihe ein. Wieder ist im Vordergrund ein junges Mädchen und im Hintergrund Pferde. Eine Leseprobe im Anhang weist mit Band 7 auf die Fortsetzung der Pferdeflüsterer Academy-Reihe hin. Das Lesealter ab 10 Jahre finde ich in Ordnung.


    Ich hoffe, dass meine 15jährige Enkelin, die kleine Pferdenärrin, ebensolche Lesefreude hat an diesem Buch wie ich.

    Meine Bewertung aus Sicht der Erwachsenen: Vier von fünf Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    GEWALT UND GIER


    Der dritte Band „Die Herren der Zeit“ von Eva García Sáenz aus Vitoria, der Hauptstadt des Baskenlandes, begeisterte mich genauso wie seine Vorgänger - "Die Stille des Todes" und "Das Ritual des Wassers".


    Hier ist nun meine Rezension zum alles abrundenden letzten Band der Trilogie um Inspektor Unai López de Ayala, genannt Kraken. Die Autorin bleibt sich im Aufbau ihrer Geschichten treu. Auch beim abschließenden Geschehen spielt die fesselnde Handlung in verschiedenen Zeitebenen. Da ist zum einen das gegenwärtige Geschehen, zum anderen die Ereignisse im 12. Jahrhundert. Der Erzählstrang aus der Vergangenheit stammt aus einem geheimnisumwitterten, historischen Roman, dessen Titel „Die Herren der Zeit“ lautet. Es passieren in Vitoria wieder eine Serie von unglaublich grausamen Morden, die in diesem Buch ebenfalls eine Rolle spielen. Und Kraken ist erneut mittendrin.

    Eva García Sáenz beschreibt in spannender, einfallsreicher Art und Weise die Beziehungen, Verflechtungen ihrer Romanfiguren, während die Handlung abwechselnd zwischen den Jahrhunderten hin- und herspringt. Sie konstruiert durch den Wechsel der Zeiten zusätzlich eine Spannung in den Thriller, der mich zwang, schnell weiter zu lesen. Dabei bringt sie eine Menge an spanischer Historie ein, dazu seltene Krankheitsbilder, die Prinzipien der kriminalistischen Arbeit (z. B. Die Locard’sche Regel, nach der ich wie zu einigen anderen Begriffen googelte), die alten Traditionen und vieles andere mehr. Nicht nur Band drei, nein, die gesamte Trilogie ist so dicht, aufschlussreich und sehr unterhaltsam erzählt auch dank einer gründlichen Recherche durch die Autorin. Im Anhang erfährt man etwas mehr darüber. Unvorstellbar grausam sind die Tötungsarten, die die Opfer erleiden und schon im 12. Jahrhundert angewandt wurden. Auf S. 221 wird mit einem Satz deutlich gemacht, dass die Menschen schon immer gewaltbereit waren.


    „Es hat schon immer eine Kette der Gewalt gegeben, die bis in die ersten Menschenzeitalter zurückreicht.“


    Hervorhebenswert finde ich, dass man am Ende des Buches einen Überblick über die handelnden Personen in den verschiedenen Zeiten bekommt und so auch leicht die fremd klingenden Namen auseinanderhalten kann. Dazu gibt es noch ein umfangreiches Glossar von A bis Z. In den Umschlagseiten befinden sich Karten von Vitoria aus Gegenwart und Vergangenheit, die bekannte Örtlichkeiten bezeichnen.


    Obwohl die Bücher der Trilogie eigenständige in sich geschlossene Fälle sind, sollte man sie chronologisch lesen. Die Hauptcharaktere Unai und Alba machen eine interessante Entwicklung durch, überraschten mich am Schluss mit ihrer von mir nicht erwarteten Entscheidung. Eine wunderbare Ausnahme in seiner Beständigkeit bildet eine meiner Lieblingsfiguren, der fast 100jährige Großvater von Unai. Er ruht in sich, ist eine urwüchsige, tatkräftige, lebenstüchtige und pragmatische Person.


    Die Cover der Trilogie gefallen mir sehr. Sie stellen durch ihre Gestaltung, der Darstellung alter Bauwerke und der unterschiedlichen Farbigkeit der einzelnen Bände einen wunderbaren Bezug zueinander her. Eine absolut stimmige Reihe und ich bedaure es sehr, dass sie ausgelesen ist. Hoffentlich gibt es bald wieder Neues von Eva García Sáenz!


    Fazit:

    Ich kann das Buch empfehlen, weil es die Kriterien eines Thrillers voll erfüllt. Ich wurde sehr gut unterhalten und erfuhr noch nebenbei Interessantes aus Spaniens Geschichte. Deshalb gibt es von mir die Höchstbewertung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    HAARMANN UND SEINE PUPPENJUNGS


    Von Haarmann erfuhr ich als kleines Kind von meiner Großmutter. Sie ist Jahrgang 1907 und der Prozeß um den Serienmörder und die Anzahl seiner Opfer waren ganz sicher eine der schrecklichsten Nachrichten in ihrer Jugend. Der große Hype um diesen Mann drang damals natürlich auch nach Sachsen.

    Im Laufe der Jahre vergaß ich den Fall wieder, aber die schlimmen Fakten seiner Taten waren mir durch das „Warte, warte nur ein Weilchen..."-Lied immer gegenwärtig.


    Dirk Kurbjuweit schrieb nun mit „Haarmann“ einen Kriminalroman. Ich erwartete eine packende Lektüre und wurde enttäuscht. Der Autor stellte nicht den Mörder in den Vordergrund. Kommissar Lahnstein, der leitende Ermittler, spielt die Hauptrolle.

    Obwohl er ein dichtes, sehr authentisches Bild der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zeichnet, ich ein sehr genaues Gefühl anhand der geschichtlichen Details dafür bekam, warum Haarmann so viele sehr junge Männer abschlachten konnte, blieb die Spannung für mich auf der Strecke. Warum? Weil immer wieder die Geschichten von Robert Lahnstein in den Vordergrund gerückt werden. Das kommt eine ganze Menge zusammen:

    das Kriegstrauma ums Fliegen, die geringe Anzahl seiner Abschüsse, die politische Zugehörigkeit zur SPD, seine Rolle bei der Polizei in Hannover und wiederholt seine Alpträume um Frau Lissy und Sohn August, die er verlor (den Grund erfährt der Leser fast zum Schluß) und nicht zuletzt die quälenden Gedanken um seine sexuelle Orientierung, Gedanken darüber ob er nicht auch ein am 17.5. Geborener sei (17.5. stand für den § 175 StGB).


    Über 10 ausgiebige Kapitel und 316 Textseiten entwickelt sich die Ermittlungsarbeit um die zahlreichen, verschwundenen männlichen Teenager verhältnismäßig zäh. Kursiv geschriebene Seiten aus der Sicht von Haarmann oder eines seiner Opfer wechseln sich ab. Die Art und Weise der Erzählung allerdings fand ich interessant. Die fehlenden Anführungszeichen der wörtlichen Rede störten mich nicht. Es behinderte meinen Lesefluß nicht.

    Auch die grusligen Fakten der Todesumstände der vielen jungen Opfer werden ausführlich dargestellt. Über die merkwürdige Verbindung Fritz Haarmanns mit Hans Grans hätte ich gern mehr erfahren.


    Fazit:

    Dirk Kurbjuweit recherchierte für sein Buch gut und sehr präzise. Es ist besonders für die Leser interessant, die den Fall Haarmann so gründlich mit den realistischen Aspekten der Zeitgeschichte verknüpft sehen wollen. Er verband die wahre Kriminalgeschichte Haarmanns mit der fiktiven Lebensgeschichte Lahnsteins und gewährte intensive Einblicke in die Realität der damaligen Zeit.


    Dabei empfand ich es leider mehr als ein spannendes Sachbuch als einen fesselnden Krimi. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    WERTVOLLE ERINNERUNGEN


    Die eindrucksvoll geschilderte Lebensgeschichte der 96jährigen Schwedin Doris Alm nahm mich gefangen. In einfachen Worten läßt die Autorin Sofia Lundberg ihre Protagonistin anhand des roten Adressbuches zu Wort kommen.


    Doris erinnert sich...


    S. 275 „ Ich wollte nicht mit all den Geschichten im Kopf sterben."


    Sie hat alles aufgeschrieben für ihre Großnichte Jenny, die mit drei Kindern und Mann in den USA lebt. Über Skype hält sie von Schweden aus Kontakt mit der einzigen Verwandten.


    Das rote Adressbuch bekommt Doris, Jahrgang 1918, als Zehnjährige von ihrem Vater zum Geburtstag geschenkt. Der hatte eine eigene Tischlerwerkstatt, war mit seinen Gedanken in der ganzen Welt unterwegs und teilte diese mit seiner älteren Tochter. Mit ihm beginnt die Handlung aus dem Büchlein mit der Überschrift A. ALM, ERIC - . Nur wenig später erscheint sein Name wieder, nun allerdings durchgestrichen mit dem Zusatz TOT. Damit beginnt Doris Lebensweg unter denkbar schlechten Voraussetzungen. Der Vater war ihre Leitfigur, ihr Vorbild und der Halt der Familie. Erst 13 Jahre alt, wird sie von der Mutter in Stellung geschickt zu einer Dame, die einen Salon betreibt. Das ist der Ausgangspunkt für alle ihre Lebensstationen in verschiedenen Ländern und auf einem anderen Kontinent. Einen Beruf lernte sie nie, war immer auf sich allein gestellt. Doris war eine zarte, schöne Person, die über sehr viel Stärke und Überlebenswillen auch in aussichtslosen Situationen verfügte. Dabei forderte sie nie etwas von anderen.

    Es ist berührend, wie die alte, gebrechliche Frau aus ihrem langen Leben erzählt und wie sie ihre einzige große Liebe beschreibt. Eine Liebe, die keine Erfüllung erfährt.

    Die kurzen Kapitel aus dem Adressbuch in der Ich-Perspektive und die ebenfalls kurzen Kapitel vom Jetzt über Doris und Jenny, ließen sich sehr schnell lesen. Das war ein schöner unterhaltsamer Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Zu den Erinnerungen für die Großnichte fügt sie in ihren letzten Zeilen noch liebevolle Ratschläge hinzu:


    S. 341 „Hab keine Angst vor dem Leben, Jenny...Nutze die Chancen, wenn sie sich bieten, und mach etwas Gutes daraus...“


    Zum Schluß hin fand ich die Story zu sentimental, zu gewollt. Das war mir persönlich zuviel des Guten und hat meinen Gesamteindruck dann doch etwas geschmälert.

    Sofia Lundberg gelang ihr Debüt gut und ich freue mich schon auf ihr neues Buch „Ein halbes Herz“, erschienen am 02. März 2020.

    (Das Buch gibt es mit verschiedenen Titelbildern, in rot mit Zweigen und Vögeln als HC und eine junge Frau an einem weit geöffneten Fenster als TB)

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    GUTE ENTSCHEIDUNGEN


    „Ein Sommer auf Sylt" war für mich eine gefällige, angenehme Geschichte nach der vielen Lektüre von Thrillern und Krimis. Ganz schnell wurde ich warm mit der Hauptperson Julia, die in Hamburg lebt mit ihrem Freund Jo. Gemeinsam betreiben sie ein Architekturbüro, welches das Leben der Beiden voll in Beschlag nimmt.


    Julias Vater verstarb plötzlich und hinterläßt ihr überraschend ein Haus auf Sylt. Mit ihrer Mutter und deren zwei Schwestern fährt sie auf die Insel, um die Erbschaftsangelegenheit umgehend zu klären. Doch schnell ist überhaupt nichts zu regeln. Ziemlich vorhersehbar entwickelt sich das Geschehen in Richtung Liebesgeschichte/Romanze mit einigen Verwicklungen, die erst zum Ende hin aufgelöst werden.

    Julia möchte es gern allen recht machen, was natürlich mit Komplikationen verbunden ist. Dadurch kommt es zu einigen Längen beim Fortgang der Handlung. Die junge Frau ist unentschlossen, sehr leicht lenkbar und sehr harmoniebedürftig, mag keinen Streit. Einige „Probleme" hätten schon im Vorfeld ausgeräumt werden können, wenn mehr miteinander geredetet, diskutiert, gestritten worden wäre. Das trifft sowohl auf das Miteinander der drei Schwestern als auch auf Julia und das Verhältnis zu ihren Eltern zu.

    Auf Sylt müssen sich alle mit ihren Lebensläufen auseinandersetzen. Besonders Julia bekommt von Mats Christensen, dem jungen Besitzer des Hotels, ihre Lektion. Er zeigt ihr „sein“ Sylt.


    "Sylt ist ein Lebensgefühl", so lautet eine der 31 passenden Kapitelüberschriften.

    Julia und damit der Leser lernt die vielfältige Natur der schönen Insel, die nicht nur aus Sand und Dünen besteht, kennen. Mats auf S. 125:


    „Mach dich darauf gefasst, dich zu verlieben."


    Das tut Julia dann auch.


    Fazit:

    Eine leichte, vergnügliche Lektüre mit dem typischen Inselfeeling.

    Ernste Themen u.a., die Immobiliensituation auf Sylt betreffend, werden ebenfalls erwähnt.

    Das Buch thematisiert eine Familien- und Liebesgeschichte.


    Ich empfehle es als typischen Frauenroman und bewerte mit vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    IST DAS UNSERE ZUKUNFT?


    Tom Hillenbrand - Qube

    Thriller

    Aus der Welt der Hologrammatica, Band 2


    Um mir die Bewertung von „QUBE" etwas leichter zu machen und, um das komplexe Geschehen in dem Thriller besser einordnen zu können, habe ich mir vorher nochmals meine Rezension zu "Hologrammatica“ durchgelesen. Immerhin las ich den Vorgängerband bereits im Februar 2018. Er war mir nicht mehr so präsent.


    Es sind drei Jahre vergangen, seitdem die KI der Menschheit entkommen konnte. Die KI befand sich damals in einem Quantencomputer, einem sogenannten Qube. Was geschah damit? Wo befindet sich diese? Gibt es mittlerweile sogar mehrere dieser Würfel?

    Im London des Jahres 2091 wird dem Investigativjournalisten Calvary Doyle auf offener Straße in den Kopf geschossen. Er war in seinen Recherchen zum Thema Künstliche Intelligenz einer neuen Spur nachgegangen und mit großer Wahrscheinlichkeit fündig geworden. Sein Leben geht aber weiter als „Hohlkopf“, d. h. er wird zum „Quant“ mit digitalem Gehirn, wobei allerdings die entscheidenden Informationen seiner Arbeit verlorengingen. Die erfahrene UNO-Agentin Fran Bittner beginnt mit ihren Ermittlungen...


    Mit scheinbar unerschöpflichen Phantasiereichtum, mit vor allem technischer Raffinesse, mit unvorhersehbaren Wendungen, führte mich der Autor durch sein neues Werk. Die zahlreichen Handlungsstränge mit verschiedenen Personen laufen parallel und führen in fremde Welten ein. Eine der Protagonisten ist erneut Fran Bittner, der in „Hologrammatica“ der Klimacomputer Æther entwischte. Für die Darstellung ihres Charakters verwendete der Autor viel Sorgfalt. Sie wechselt öfter den Körper als andere Menschen ihre Schuhe, auch das Geschlecht dank der neuartigen Techniken wie bspw. Holonet und Mind Uploading. Es scheint inzwischen alles möglich zu sein. Nur auf die Frage nach der Unsterblichkeit des Menschen gibt es noch keine Lösung. Oder doch? Und da kommt ein fieser Milliardär (Clifford Torus) in die Geschichte und es wird noch spannender. Durch seine Figur kam ich auf die Idee mir Infos zu „Descartes“ einzuholen. René Descartes war ein französischer Forscher (1596 – 1650), der zunächst alles in Frage stellte (Gibt es möglicherweise gar nichts wirklich?). Von ihm stammt der Spruch: „Cogito ergo sum: Ich denke, also bin ich!“

    Für mich war es äußerst hilfreich, nicht über alles in dem Thriller zu intensiv nachzudenken. Der Handlungsstrang mit dem Jungen Franek, Marya, dem Gelben und dem Blauen Zauberer hat sich mir noch nicht erschlossen. Vielleicht sehe ich da im nächsten Band durch?

    Die Darstellung des superintelligen Computers als menschlich fühlendes Etwas fand ich gut gelungen. Nur ein Zitat als Beispiel:


    S. 345 „Ich mag keine Menschen sterben sehen,...“ Diese Aussage läßt mich für eine Welt mit KI hoffen!


    Fazit:

    Die gesamte Geschichte ist nicht einfach zu lesen, nicht zuletzt wegen der vielen technischen Begriffe, aber letztendlich hat es mich gut unterhalten. Ein Glossar befindet sich am Ende des Buches. Ich habe sie mir vorher schon mal angeschaut und wieder ins Gedächtnis gerufen.

    „QUBE“ ist ein ideenreicher Sci/Fi-Thriller mit Geschehnissen, die mich manchmal überforderten.


    Ich empfehle das Buch Fans des Genres und bewerte mit vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    HERZFELD ERNEUT IN BEDRÄNGNIS


    Das ist der zweite Band aus einer Reihe um den Rechtsmediziner Paul Herzfeld.


    „...weit weg von diesen ganzen Irren, die du ja scheinbar anziehst wie ein Kuhfladen die Fliegen,...“ [S. 319] – diese Worte sprach Herzfelds Lebensgefährtin zu ihm, nachdem er den Anschlag auf sein Leben so gerade überstanden hatte. Das waren auch meine Gedanken, die mir beim Lesen dieses Thrillers öfter in den Sinn kamen.


    Kurz zum Inhalt:

    Eigentlich sollte sich Paul von den Strapazen des letzten Falles erholen. Deshalb versetzte ihn sein Chef auf den vermeintlich ruhigen Posten in der Pathologie, von Kiel nach Itzehoe. Doch weit gefehlt! Auch da warten auf ihn unerklärliche Vorgänge. Sein Vorgänger verstarb unter sehr mysteriösen Umständen. Er verbrannte im Archivgebäude des Klinikums mit samt den Akten und den Gewebeproben. Herzfeld beginnt mit seinen Nachforschungen, macht sich bei mehreren Leuten unbeliebt und bringt sich in den Fokus einer skrupellosen Killerin...


    Meine Meinung:

    Das alles liest sich sehr spannend und unterhaltend. Herzfeld ist ein sehr aktiver, scharfsinniger Rechtsmediziner, der ungeklärten, zweifelhaften Dingen sofort auf den Grund gehen muss und dabei wiederholt in prekäre, lebensgefährliche Situationen gerät.

    Dem Autor Michael Tsokos gelingt es hervorragend kriminalistische Tathergänge und medizinische Beschreibungen in einen ansprechenden Kontext zu bringen. Obwohl Fachtermini Anwendung finden, konnte er mir grundlegende Einblicke in die Arbeit eines Rechtsmediziners/Pathologen vermitteln. Die Erklärungen erfolgten verständlich, obwohl detailreich und wie nebenher in der Handlung. Für mich wirkte es nicht aufgesetzt oder dozierend. Der klare, schnörkellose Schreibstil, die kurzen Kapitel, die mit Datum, Uhrzeit, Ort gekennzeichnet sind, machten es möglich, dass ich sehr schnell mit dem Lesen fertig war.

    „Abgefackelt“ bringt alle Elemente des Thrillers ins Geschehen ein. Die Charaktere der einzelnen Personen gefallen mir gut, auch wenn z. B. der Kriminalkommissar Dennecke und die Auftragskillerin ab und an leicht überzogen auf mich wirkten. Ich finde, das darf in dem Genre so sein!

    Der aus einem Wort bestehende Titel wurde gut gewählt, fügt sich sinnentsprechend ins Geschehen ein.

    Am Ende des Buches kommt ein fieser alter Bekannter aus der Versenkung und Michael Tsokos verspricht: "Im nächsten Buch muss Herzfeld das Unvermeidliche erleben...“

    Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.


    Fazit:

    Die Handlung bleibt Fiktion, wenn sie auch sehr glaubwürdig und wissenschaftlich fundiert daherkommt. Es ist eine Geschichte, die aus realen Vorkommnissen mit verschiedenen Sachverhalten verflochten wird. Dazu sollte man die aufschlussreichen Bemerkungen des Autors im Anhang aufmerksam lesen und eigene Schlüsse ziehen.


    Michael Tsokos als Profi der Rechtsmedizin bekommt von mir die Höchstbewertung und ich empfehle diesen Thriller sehr gern!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    MONIKA HELFER
    DIE BAGAGE


    INHALT (lt. amazon)

    „Von uns wird man noch lange reden.“ Monika Helfers neuer Roman „Die Bagage“ – eine berührende Geschichte von Herkunft und Familie


    Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.


    Über die Autorin (entnommen von Lovelybooks)

    Monika Helfer, 1947 in Au / Bregenzerwald geboren, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Köhlmeier veröffentlichte sie 2010 »Rosie und der Urgroßvater«. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Robert-Musil-Stipendium (1996) und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur (1997) ausgezeichnet. Bei ars vivendi wirkt sie als Autorin an der Sechs Sterne-Reihe mit, 2015 erschien der erste Band zum Thema Reisen. Mit "Schau mich an, wenn ich mit dir rede!" ist sie 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert.



    Meine Rezension:

    SCHÖNHEIT - FLUCH UND SEGEN

    Auf nur 159 Seiten präsentiert Monika Helfer die einzigartige, ungewöhnliche Lebensgeschichte ihrer Familie mütterlicherseits. Die Hauptperson ist ihre Großmutter Maria, die permanent über ihre große Schönheit definiert wird und die ihr mehr Fluch als Segen ist.


    Was will mir das Geschehen sagen? Über 100 Jahre ist das her. Da ereignen sich die Dinge um die „Bagage“. Maria und Josef (wie aus der Bibel!) leben mit ihren noch vier Kindern außerhalb eines Bergdorfes in ärmlichen Verhältnissen. Sie werden gemieden, fast geächtet von den Bewohnern. Die Eltern indes scheinen sich selbst genug, obwohl von Liebe nie die Rede ist. Josef ist ein wortkarger Mann, kann gut mit Zahlen umgehen und macht sich beim Bürgermeister nützlich.

    Man schreibt das Jahr 1914, der erste Weltkrieg beginnt, und Josef Moosbrugger als alleiniger Ernährer der Familie wird in die Armee einberufen. Das ist der alles entscheidende Ausgangspunkt für die darauf folgenden Situationen. Maria bleibt mit ihren Kindern allein zurück. Sie sollen auf Josefs ausdrücklichem Wunsch vom Bürgermeister beschützt werden. Dann kommt ein gutaussehender, charismatischer Deutscher ins Dorf und mit Maria und ihrer Bagage in Kontakt. Wie alles in dem Büchlein werden die Begebenheiten sehr komprimiert erzählt. Die zeitlichen Abfolgen zwischen Josefs Fronturlaub, die Besuche von Georg legen Vermutungen nahe. Maria wird schwanger mit Grete, der Mutter der Autorin. Die Gerüchte kochen hoch und das Leben für die Familie wird noch härter.


    Erzählt wird skizzenhaft, auch mal zwischen den Zeilen, verschwommen wie das Cover, dass ein Gemälde des bekannten Malers Gerhard Richter zeigt.

    Nur in Andeutungen werden immer wieder die gleichen Aspekte der Familienmitglieder beleuchtet und doch ist es sehr komplex, was die Autorin über ihre Ahnen preisgibt. Von den Geschwistern ihrer Mutter erzählt sie, aber die Grete bleibt wie ein Phantom. Doch ist das weiter nicht verwunderlich, da sowohl sie als auch schon Mutter Maria jung sterben. Josef ebenso.

    Aus der Ich-Perspektive und im auktorialen Stil erfolgen die Abläufe in der Geschichte, wobei die Erzählstile auch des öfteren innerhalb eines Satzes wechseln. Das erforderte Aufmerksamkeit beim Lesen.


    Monika Helfer erzählt sehr speziell von ihrer eigenen Herkunft und führt den Leser von 1914 bis in die Gegenwart.


    Ich empfehle „Die Bagage“ und bewerte mit vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    MORDERMITTLUNG ZWISCHEN WEIHNACHTEN UND DREIKÖNIGSTAG


    „Doggerland - Tiefer Fall“ ist der zweite Band zu einer Krimi-Trilogie von Maria Adolfsson.


    Karen Eiken Hornby ist noch nicht vollständig genesen, als sie von ihrem Chef gebeten wird, die Ermittlungen eines Todesfalls auf Noorö, der nördlichsten Insel von Doggerland, aufzunehmen. Obwohl Weihnachten ist, begibt sie sich umgehend dorthin, stürzt sich in die Arbeit. Bald stellt sich heraus, dass der Tote, ein pensionierter Hochschullehrer, ermordet wurde. Mitten in den Untersuchungen passiert ein weiterer Mord in der Nähe einer Whiskybrennerei. Karen steht vor großen Herausforderungen. Auf dieser Insel lebt ein Teil ihrer Familie. Sie schwelgt in Kindheitserinnerungen und gleichzeitig muss sie zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Verwicklungen bestehen...


    Im Verlaufe der 415 Textseiten mit 86 Kapiteln, dem Pro- und Epilog wurde ich solide in einem angenehmen Erzählstil unterhalten. Wie schon im vorigen Band ist die gründliche Charakterzeichnung der Personen der Autorin sehr wichtig. Die Charaktere sind ausgefeilt bis hin zu den Nebenfiguren. Der Autorin sind ebenfalls die Lebensumstände der Menschen sehr wichtig. Deshalb erfährt der Leser eine Menge von Karens Umfeld, ihren Befindlichkeiten, ihrer Haltung zu anderen Personen. Das nimmt einen breiten Raum ein und wird ausführlich erzählt. Die Morde erscheinen aus diesem Aspekt gesehen beinahe wie Nebensache. Aus diesem Grunde ist das Buch für mich weniger ein Krimi als ein Spannungsroman. Am packendsten fand ich die Nebenhandlung um Aylin, der Freundin von Karen. Da kam richtig Gruselstimmung auf. Trotzdem fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten.


    Schön finde ich die Karte im Umschlag des Buches, die die Lage des fiktiven Doggerlandes sehr schön nachvollziehbar macht. Dazu noch der vergrößerte Auszug des Inselstaates mit seiner Hauptstadt Dunker und den anderen Handlungsorten.


    Gelernt habe ich, was man sich unter Schiffssetzung vorzustellen hat. Das hörte ich noch nie. Laut Wikipedia ist das eine bootumrissförmige Steinsetzung, die primär im skandinavischen Ostseeraum vorkommt und Brand- oder Urnengräber markiert.


    Fazit:

    Der Krimi verfügt über einen abwechslungsreichen Plot mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren. Den meisten Personen möchte ich im Teil 3 wiederbegegnen. Verzichten kann ich auf den fiesen Chef Karens, aber vielleicht erlebt man da noch eine Überraschung!?


    Meine Bewertung: Vier von fünf Sternen! Ich empfehle das Buch als unterhaltsame Lektüre. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    DER LEOPARD MIT DEN EISBLAUEN AUGEN


    Im Mittelpunkt der Geschichte steht Noël, der zum großen Teil unverschuldet von einem Schlamassel ins nächste gerät und von seiner Adoptivmutter schließlich keinerlei Unterstützung mehr erhält und sie sich von ihm abwendet. Seine Lage erscheint ihm aussichtslos. Der Junge ist verzweifelt. So nimmt er das Angebot einer sprechenden Ratte an, die ihn auf ein Containerschiff lockt mit einem sonderbaren Versprechen. Das Ende seiner Reise sollen die Inseln der bösen Tiere sein, wo immer die sein mögen.


    Im besonderen Maße fällt das wunderschöne Cover ins Auge. Das ist ein absoluter Eyecatcher und zieht sofort die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Es wird den Kindern gefallen! Ein blauäugiger Leopard schaut aus dem Buchdeckel und gleichzeitig aus einer kaputten Mauer auf den Betrachter. Schlägt man das Buch auf, sieht man das schöne Tier in grüner Natur, umgeben von dichtem Blattwerk und Paradiesvogelblumen.

    Die fantastische Geschichte um Noël ist spannend und abwechslungsreich. Sie steigert sich immer weiter über die drei Teile. Gemeinsam mit ihm wird der Leser in eine Welt hineingezogen, die seltsam, fremd und sehr exotisch ist. Die Tiere auf den sechs Inseln bedienen sich alle einer Gedankensprache und kommunizieren problemlos miteinander. Sie haben das im „Internat der bösen Tiere" gelernt. Der Junge ist auserwählt und soll das auch lernen, bevor er sich einer gefährlichen Prüfung unterziehen muss. Die Prüfung wird hier im ersten Teil (Untertitel „Die Prüfung“) vollzogen und der kleine Leser darf gespannt sein, welchen Gefahren er sich aussetzen muss und wie es für ihn ausgehen wird.


    Als Erwachsene empfand ich die Tiere, mit denen Noël auf der Insel zu tun hatte, nicht als böse. Gefährlichkeit und Bösartigkeit liegen im Fokus des Lesenden, finde ich. Spielerisch leicht werden die Rollen der unterschiedlichsten Spezies vorgestellt, z. B. Mrs. Moa eine Riesenschlange als Schuldirektorin oder die Krankenschwester Liubu, eine Gorilladame. Haie werden als Retter dargestellt und Delphine sind angriffslustig – entgegen ihrer tatsächlichen Erscheinungsform und unserer Wahrnehmung in der Natur.


    Ich bin mir sicher, dass meiner Enkelin dieses Buch gefallen wird und sie recht schnell die Fortsetzung lesen möchte. Allerdings ist sie gerade acht Jahre alt geworden und vielleicht noch etwas zu jung für diese Geschichte. Das Lesealter wird mit 10 Jahren empfohlen. Dem stimme ich zu. Vielleicht wird der zweite Band zum Ende des Jahres erscheinen, so dass ich dann beide Bücher zum Weihnachtsfest an sie verschenken kann.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    LEBEN ZWISCHEN DEN WELTEN


    „Ich schreibe dir, weil ich nicht derjenige bin, der geht, sondern jener, der mit leeren Händen wiederkommt.“


    Das sind einige der Worte, die der vietnamesische junge Mann – im Roman als „Little dog“ bezeichnet - an seine Mutter formuliert, die der englischen Sprache nur bruchstückhaft mächtig und außerdem Analphabetin ist. Er schildert seine Gedankenwelt in chronologischer Unordnung zu allen denkbar möglichen Themen meistens in der Ich-Form. Dadurch ergibt sich für mich ein fragmentarisches Gesamtbild, dem ich oft nur schwer folgen konnte und das ich erst zum Ende des Buches in seiner ganzen Tragweite erfaßte und zusammensetzen konnte. Es macht Mühe diesen Roman zu lesen, aber es lohnt sich. Da ich dieses Buch als ebook las, fiel es mir außerdem schwerer als sonst der Geschichte zu folgen.

    Nur langsam entwickeln sich die Zusammenhänge, die im wesentlichen die Lebensgeschichten von Mutter Rose, Großmutter Lan sowie die des Jungen abbilden. Die Mutter ist das Produkt eines vergessenen Krieges, die Großmutter wurde krank an Körper und Geist über die Jahre und der Junge versucht seine Rolle in dem Chaos zu finden. Er schreibt auch, um seine eigenen traurigen, schlimmen Erlebnisse für sich zu verstehen. Zum Beispiel sterben viele seiner Freunde an den Folgen der Drogensucht. Besonders tragisch schildert "Little dog" immer wieder den Tod seines Freundes, mit dem ihm eine innige, intime Liebe verband.


    „Man sagt nichts hält ewig, dabei hat man nur Angst, dass es länger hält, als man es lieben kann.“


    Ich erfuhr hier eine Geschichte, die sich zwischen den Welten von Amerika und Vietnam bewegte, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Es wird philosophiert, analysiert, nach Erklärungen gesucht, vieles angerissen, aber in der Schwebe gehalten, mal laut und gewaltig, mal leise und voller Harmonie... Zuviel für dieses eine Buch? Meine Antwort lautet: Ja! Ich hätte definitiv mehr Zeit gebraucht, um alles zu verstehen. Doch ich hatte mir das ebook nur ausgeliehen in der Bibliothek.


    Der Roman wird erzählt mit einer unglaublichen, literarischen Wucht. Ocean Vuong beschreibt das Leben des vietnamesischen jungen Mannes und das Drumrum in einer erzählerischen Dichte, mit unglaublicher Poesie und Empfindsamkeit und einer Wortwahl zwischen zart und brutal. Da sind plötzlich Gedichte, wie aus dem Zusammenhang gerissen und immer wieder spielen Monarchfalter eine sinnbildliche Rolle für verschiedene Attribute im menschlichen Leben.


    Einen Bezug zum Titel „Auf Erden sind wir nur kurz grandios“ lieferte der Autor über den gesamten Roman. Das Cover mit dem Reh ist sehr passend.


    Fazit:

    Wenn es Vuong gelingt mehr Struktur in seine künftigen Erzählungen zu bringen, kann er ein großer Schriftsteller werden.

    Das Debüt ist ihm gelungen. Er erzielte meine Aufmerksamkeit.


    Ich bewerte mit vier von fünf Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    LEBEN IM EINKLANG MIT DER NATUR


    “Ein schmerzlich schönes Debüt, das eine Kriminalgeschichte mit der Erzählung eines Erwachsenwerdens verbindet und die Natur feiert.” The New York Times


    Dieser Aussage möchte ich mich anschließen. Delia Owens erzählt in ihrem Debüt eine berührende, eindrucksvolle Geschichte vom besonderen Schicksal des "Marschmädchens“.

    Catherine Danielle Clark, genannt Kya, das Marschmädchen, lebt im Marschland (daher auch der Name) an der Küste von North Carolina. Ihr Lebensraum ist voller seltener Tier- und Pflanzenarten, die sie ein Leben lang begleiten und beschäftigen werden.

    Bereits mit 6 Jahren wird sie nach und nach von allen verlassen, von der Mutter und ihren vier älteren Geschwistern. Nur der gewalttätige, heruntergekommene Vater bleibt zurück, der allerdings ein verwahrlostes Alkoholikerleben führt. So ist die Kleine auf sich allein gestellt, mit 10 Jahren vollkommen nach dem endgültigen Verschwinden des Vaters.


    Vom ersten Moment an war ich von der unglaublichen Persönlichkeit Kyas in den Bann gezogen. Es ist erstaunlich wie weit es dieses naturverbundene Mädchen gänzlich ohne Schulbildung bringt, wie sie sich ihre Welt erobert, zum Teil der sie umgebenden Natur wird.

    Sie liebt diese Marschlandschaft mit ganzer Kraft und, nachdem sie von ihrem Kindheitsfreund Tate lesen und schreiben gelernt hatte, auch Gedichte. Kya lebt ihr Leben in Einsamkeit, sie meidet den Kontakt mit den Bewohnern von Barkley Cove, nachdem sie unliebsame Erlebnisse erdulden musste. Ihre einzigen Verbündeten sind Jumpin und Mabel, die selbst am Rande der Gesellschaft, in der Schwarzensiedlung, leben.

    Kya wird enttäuscht von Menschen, denen sie sich geöffnet hatte, wird verspottet, diskriminiert, in ihren intimsten Gefühlen verletzt, verraten und betrogen. Sie zieht sich im Laufe der Jahre immer mehr zurück. In eine sehr prekäre Lage gerät Kya, als die Leiche eines jungen Mannes in der Marsch gefunden wird. Die junge Frau kommt vor Gericht und der Prozeß vor einem voreingenommenen Publikum beginnt. Wie Delia Owens die Geschichte um Kya weitererzählt, war für mich ergreifend zu lesen. Die Auflösung gefiel mir sehr. Die Beschreibung der Handlung erfolgt in zwei Zeitebenen, 1952 und 1969. Die beiden Handlungsstränge fügen sich fabelhaft und gut nachvollziehbar ineinander.


    Fazit:

    Ich habe „Der Gesang der Flusskrebse" als ebook gelesen.


    Die Hauptperson Kya ist eine starke, ungewöhnliche Figur in extremer Einsamkeit, die die Natur als Ersatz für menschliche Bindungen erfährt. Sie hat ihre eigene Lebensrealität fernab von einer snobistischen, kaltherzigen Gesellschaft in der kleinen Stadt, die das Mädchen verachten. Ich empfand ihre Lage nie als zu traurig, beileibe nicht als zu melancholisch, obwohl sie sehr oft allein ist. Das alles hat Delia Owens zusammen mit wunderbaren Naturbeschreibungen in einen sprachlich gewandten Kontext gebracht. Sie fügte mehreres (Krimi, Liebesgeschichte, Gerichtsschauspiel) zu einem glaubhaften, wenn auch manchmal etwas zu idealisiertem Ganzen zusammen.

    Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, vermute allerdings, dass dieses Buch eher die weibliche Leserschaft begeistern wird.


    Das mich emotional stark berührende Werk bereitete mir viel Freude und spannende Lesestunden.

    Es war für mich ein Lesehighlight 2019!


    Deshalb bewerte ich mit fünf von fünf Sternen und gebe gern die Lese- und Kaufempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    STOCKHOLM: ENDE DES 18. JH.


    „Schreckliches ist geschehen, doch es wird noch grausamer."


    Rund ein Dreivierteljahr nach „1793" habe ich nun den Folgeband gelesen. Niklas Natt och Dag gelang es nach seinem hervorragenden Debüt, mit „1794“ eine weitere hochbrisante Geschichte zu erzählen. Hier wie da überzeugte mich der 40jährige Autor.


    Nachdem Jean Michael Cardell (genannt Mickel) im Jahr zuvor durch die Ermittlungen zu dem männlichen Torso einer sinnvollen Tätigkeit nachging, ist er nun wieder ganz unten. Der einarmige Stadtknecht und Häscher hat resigniert bis zu dem Tag, als ihn eine Frau aufsucht. Sie wendet sich an ihn, da die Tochter in ihrer Hochzeitsnacht auf bestialischste Art und Weise ums Leben kam, angeblich von Wölfen so zugerichtet, die aber in der Gegend gar nicht heimisch sind. Von der Schuld des frisch angetrauten, jungen Ehemanns, der im Tollhaus sein Dasein fristet, ist sie in keinster Weise überzeugt. Und wieder geht ein Duo Cardell/Winge auf Spurensuche. Dieses Mal ist es nicht Cecil, der inzwischen der Tuberkulose erlag, sondern sein verstörter Bruder Emil Winge.

    Stockholms knallharte, rücksichtslose Realität im Machtvakuum Schwedens geht weiter. Es herrschen anarchische Zustände in einer vor stinkendem Unrat strotzenden Stadt! Viele Menschen leben in unbeschreiblicher Armut, in unhygienischen Verhältnissen mit Ungeziefer aller Art. Krankheiten, Siechtum, Tod sind an der Tagesordnung, ebenso wie Trunksucht, Hurerei, rohe Gewalt bis hin zu Totschlag und Mord...


    In vier Teilen folgen die Begebenheiten den Jahreszeiten, allerdings auch hier wieder wie im vorigen Band nicht in ihrer natürlichen Abfolge. In kurzen Kapiteln zeichnet Natt och Dag ein dichtes, kompakt erzähltes Sittengemälde, das mir ab und zu wegen der unvorstellbaren Grausamkeiten und der allgemein herrschenden, unmenschlichen und gesetzlosen Zustände den Atem raubte. Die Atmosphäre ist vorherrschend düster und zumeist äußerst brutal. Und trotzdem wirken die Szenarien und die Charaktere so realistisch, so greifbar. Die Geschichte der Anna Stina Knapp wird weitererzählt und bringt damit eine weibliche Note ins Bild samt der Rolle der Frau Ende des 18. Jahrhunderts. Nicht vorstellbar, was dieses junge Mädchen durchmacht.


    [S. 95] „Der Mensch ist dazu gedacht, frei zu sein, und doch liegt er in Ketten, wo immer man hinsieht.“ Es sind Sätze wie dieser, ausgesprochen von einem Sklavenhalter, die mich immer mal wieder verwirrten. Am Ende sind sie bezeichnend für die abgrundtiefe Bosheit, Verdorbenheit, Unmenschlichkeit der betreffenden Person.


    Zum Finale hin eskaliert es nochmal, obwohl das kaum möglich erschien. Der letzte Teil ist mit „Minotaurus“ untertitelt und ich meinte wirklich, dass ein Ungeheuer die bösartigen Taten auslöste. Die Menschen wurden zu seinem Opfer und verfielen zum Schluß der (vorläufigen) Orientierungslosigkeit. Ich bin nun sehr gespannt auf „1795“! Kann es noch grausamer werden?


    Fazit:

    Das Buch ließ sich hervorragend lesen. Der Sprachstil des Autors scheint durch die Übersetzerin Leena Flegler exzellent ins Deutsche übertragen worden zu sein.

    Allerdings warne ich zartbesaitete, sehr empfindliche Menschen vor der Lektüre!


    Ich vergebe fünf von fünf Sternen und meine Lese-/Kaufempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    EIN ÜBER GENERATIONEN WIRKENDER FLUCH


    Der dritte Teil aus der Zons-Reihe hat mich nicht so überzeugt. Die Geschichte ist zwar spannend, aber es gibt einiges, was mir nicht schlüssig erscheint. “Kalter Zwilling“ lag mir als Hörbuch vor.


    Der Sprecher Wolfgang Berger verfügt über eine markante Stimme, mit der er akzentuiert, klar und deutlich den Protagonisten Leben einhaucht.


    Es ist eine Menge an Fakten, die man auf die Ohren bekommt. Ich musste konzentriert zuhören. Es spielt ja nicht nur in Gegenwart und Vergangenheit, sondern hat in beiden Handlungsebenen noch verschiedene Erzählstrukturen, viele Personen, die involviert sind. Trotzdem glaubte ich bald zu wissen, wer die Täter in der jeweiligen Zeit sind.

    Catherine Shepherd versteht es wieder ausgezeichnet den Spannungsbogen hoch zu halten und immer neue Aspekte in die Handlung einzubeziehen. Vielleicht waren es auch zu viele? Zum Ende blieben bei mir einige Ungereimtheiten stehen. Zwei Dinge fand ich ganz und gar unglaubwürdig bei allen schriftstellerischen Freiheiten. Da ist zum einen die Bestrafung für Oliver und Klaus, die Versetzung von Neuss nach Frankfurt/Oder. Das finde ich total überzogen. Eine Versetzung über eine so weite Entfernung? Ist das realistisch? Zum anderen irritierten mich die Träume von Anna und Bastian. Das ist ja total schräg! Diese Verbindung zwischen Anna und Bastian über einen Zeitsprung von 500 Jahren hat mich schon beim vorherigen Thriller "Sündenkammer" gestört, zumal beide Personen in glücklichen Beziehungen verbandelt sind. Das ist zuviel des Guten - das braucht es meiner Meinung nach nicht. Ist mir zu mysteriös, unglaubwürdig.

    Sowohl in Gegenwart und Vergangenheit werden die Ereignissse um die brutalen Morde ausgiebig erzählt. Wie alles zusammenhängt? Das erklärt sich zum Schluss.


    „Kalter Zwilling" ist das bis jetzt für mich in sich am wenigsten logisch nachvollziehbare Werk von Catherine Shepherd. Die Begeisterung wie sonst, erfaßte mich hier leider nicht.


    Empfehlung für Thrillerfans, die an Spannung verbunden mit brutalen Morden und detaillierter Schilderung von Tierquälereien interessiert sind.


    Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Florapis - Welt der Pflanzen und Bienen


    Dieses als Märchenroman deklarierte Kinderbuch war für mich auch als erwachsene Person, als Mutter und Großmutter, eine vergnügliche und lehrreiche Lektüre.

    In einem wunderschönen fiktiven Land, das sich Florapis nennt, regiert Florobert der 7. Die Bewohner sind heiter und glücklich unter seiner Regentschaft. Alles grünt und blüht. Jeder geht zufrieden seiner Arbeit nach. Sie leben in Wohlstand.

    S. 30 „Es entsprach der Natur der Bürger von Florapis, sich nicht zu sorgen.“

    Das ändert sich schlagartig als der König beschließt, seinem Sohn die Amtsgeschäfte zu überlassen. Da der Prinz als Kind von einer Biene gestochen wurde, entwickelte er im Laufe der Zeit eine krankhafte Angst vor allem und jedem. Er war sehr wunderlich geworden. Inzwischen hatte er Angst vor der Angst. Als er die Regierungsgeschäfte übernimmt, verlangt er den Bau einer Mauer um das gesamte Reich. Das bis dahin so friedliche, ruhige Land wird durch die lärmenden, dreckverursachenden Arbeiten empfindlich in seinen Grundfesten gestört. Das Getöse lockt Pankratz, einen Tatzelwurm an. Er sieht aus wie ein Drache, kann sich unsichtbar machen durch Ideenklau – Ideen sind seine liebste Nahrung. Sie schmecken ihm besonders gut. Von nun an geht es mit Florapis bergab. Die einzigste, die die Zusammenhänge erkennt, ist die hübsche Ava, die Tochter des Imkers...

    „Zauberschön“ wurde fabelhaft und kindgerecht von Irene Matt erzählt und durch die farbig angenehm gestalteten teilweise ganzseitigen Zeichnungen von Silvia Paparella unterstützt.

    Ich bewerte mit funkelnden fünf von fünf Sternen und empfehle das Buch für Groß und Klein!


    Zusammenfassung:

    179 Textseiten (gesamt 184)

    7 Kapitel mit passenden Überschriften

    Märchenroman

    Hardcover

    Illustrationen von Silvia Paparella


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