Beiträge von hennie

    HERZFELD ERNEUT IN BEDRÄNGNIS


    Das ist der zweite Band aus einer Reihe um den Rechtsmediziner Paul Herzfeld.


    „...weit weg von diesen ganzen Irren, die du ja scheinbar anziehst wie ein Kuhfladen die Fliegen,...“ [S. 319] – diese Worte sprach Herzfelds Lebensgefährtin zu ihm, nachdem er den Anschlag auf sein Leben so gerade überstanden hatte. Das waren auch meine Gedanken, die mir beim Lesen dieses Thrillers öfter in den Sinn kamen.


    Kurz zum Inhalt:

    Eigentlich sollte sich Paul von den Strapazen des letzten Falles erholen. Deshalb versetzte ihn sein Chef auf den vermeintlich ruhigen Posten in der Pathologie, von Kiel nach Itzehoe. Doch weit gefehlt! Auch da warten auf ihn unerklärliche Vorgänge. Sein Vorgänger verstarb unter sehr mysteriösen Umständen. Er verbrannte im Archivgebäude des Klinikums mit samt den Akten und den Gewebeproben. Herzfeld beginnt mit seinen Nachforschungen, macht sich bei mehreren Leuten unbeliebt und bringt sich in den Fokus einer skrupellosen Killerin...


    Meine Meinung:

    Das alles liest sich sehr spannend und unterhaltend. Herzfeld ist ein sehr aktiver, scharfsinniger Rechtsmediziner, der ungeklärten, zweifelhaften Dingen sofort auf den Grund gehen muss und dabei wiederholt in prekäre, lebensgefährliche Situationen gerät.

    Dem Autor Michael Tsokos gelingt es hervorragend kriminalistische Tathergänge und medizinische Beschreibungen in einen ansprechenden Kontext zu bringen. Obwohl Fachtermini Anwendung finden, konnte er mir grundlegende Einblicke in die Arbeit eines Rechtsmediziners/Pathologen vermitteln. Die Erklärungen erfolgten verständlich, obwohl detailreich und wie nebenher in der Handlung. Für mich wirkte es nicht aufgesetzt oder dozierend. Der klare, schnörkellose Schreibstil, die kurzen Kapitel, die mit Datum, Uhrzeit, Ort gekennzeichnet sind, machten es möglich, dass ich sehr schnell mit dem Lesen fertig war.

    „Abgefackelt“ bringt alle Elemente des Thrillers ins Geschehen ein. Die Charaktere der einzelnen Personen gefallen mir gut, auch wenn z. B. der Kriminalkommissar Dennecke und die Auftragskillerin ab und an leicht überzogen auf mich wirkten. Ich finde, das darf in dem Genre so sein!

    Der aus einem Wort bestehende Titel wurde gut gewählt, fügt sich sinnentsprechend ins Geschehen ein.

    Am Ende des Buches kommt ein fieser alter Bekannter aus der Versenkung und Michael Tsokos verspricht: "Im nächsten Buch muss Herzfeld das Unvermeidliche erleben...“

    Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.


    Fazit:

    Die Handlung bleibt Fiktion, wenn sie auch sehr glaubwürdig und wissenschaftlich fundiert daherkommt. Es ist eine Geschichte, die aus realen Vorkommnissen mit verschiedenen Sachverhalten verflochten wird. Dazu sollte man die aufschlussreichen Bemerkungen des Autors im Anhang aufmerksam lesen und eigene Schlüsse ziehen.


    Michael Tsokos als Profi der Rechtsmedizin bekommt von mir die Höchstbewertung und ich empfehle diesen Thriller sehr gern!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    MONIKA HELFER
    DIE BAGAGE


    INHALT (lt. amazon)

    „Von uns wird man noch lange reden.“ Monika Helfers neuer Roman „Die Bagage“ – eine berührende Geschichte von Herkunft und Familie


    Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.


    Über die Autorin (entnommen von Lovelybooks)

    Monika Helfer, 1947 in Au / Bregenzerwald geboren, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Köhlmeier veröffentlichte sie 2010 »Rosie und der Urgroßvater«. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Robert-Musil-Stipendium (1996) und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur (1997) ausgezeichnet. Bei ars vivendi wirkt sie als Autorin an der Sechs Sterne-Reihe mit, 2015 erschien der erste Band zum Thema Reisen. Mit "Schau mich an, wenn ich mit dir rede!" ist sie 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert.



    Meine Rezension:

    SCHÖNHEIT - FLUCH UND SEGEN

    Auf nur 159 Seiten präsentiert Monika Helfer die einzigartige, ungewöhnliche Lebensgeschichte ihrer Familie mütterlicherseits. Die Hauptperson ist ihre Großmutter Maria, die permanent über ihre große Schönheit definiert wird und die ihr mehr Fluch als Segen ist.


    Was will mir das Geschehen sagen? Über 100 Jahre ist das her. Da ereignen sich die Dinge um die „Bagage“. Maria und Josef (wie aus der Bibel!) leben mit ihren noch vier Kindern außerhalb eines Bergdorfes in ärmlichen Verhältnissen. Sie werden gemieden, fast geächtet von den Bewohnern. Die Eltern indes scheinen sich selbst genug, obwohl von Liebe nie die Rede ist. Josef ist ein wortkarger Mann, kann gut mit Zahlen umgehen und macht sich beim Bürgermeister nützlich.

    Man schreibt das Jahr 1914, der erste Weltkrieg beginnt, und Josef Moosbrugger als alleiniger Ernährer der Familie wird in die Armee einberufen. Das ist der alles entscheidende Ausgangspunkt für die darauf folgenden Situationen. Maria bleibt mit ihren Kindern allein zurück. Sie sollen auf Josefs ausdrücklichem Wunsch vom Bürgermeister beschützt werden. Dann kommt ein gutaussehender, charismatischer Deutscher ins Dorf und mit Maria und ihrer Bagage in Kontakt. Wie alles in dem Büchlein werden die Begebenheiten sehr komprimiert erzählt. Die zeitlichen Abfolgen zwischen Josefs Fronturlaub, die Besuche von Georg legen Vermutungen nahe. Maria wird schwanger mit Grete, der Mutter der Autorin. Die Gerüchte kochen hoch und das Leben für die Familie wird noch härter.


    Erzählt wird skizzenhaft, auch mal zwischen den Zeilen, verschwommen wie das Cover, dass ein Gemälde des bekannten Malers Gerhard Richter zeigt.

    Nur in Andeutungen werden immer wieder die gleichen Aspekte der Familienmitglieder beleuchtet und doch ist es sehr komplex, was die Autorin über ihre Ahnen preisgibt. Von den Geschwistern ihrer Mutter erzählt sie, aber die Grete bleibt wie ein Phantom. Doch ist das weiter nicht verwunderlich, da sowohl sie als auch schon Mutter Maria jung sterben. Josef ebenso.

    Aus der Ich-Perspektive und im auktorialen Stil erfolgen die Abläufe in der Geschichte, wobei die Erzählstile auch des öfteren innerhalb eines Satzes wechseln. Das erforderte Aufmerksamkeit beim Lesen.


    Monika Helfer erzählt sehr speziell von ihrer eigenen Herkunft und führt den Leser von 1914 bis in die Gegenwart.


    Ich empfehle „Die Bagage“ und bewerte mit vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    MORDERMITTLUNG ZWISCHEN WEIHNACHTEN UND DREIKÖNIGSTAG


    „Doggerland - Tiefer Fall“ ist der zweite Band zu einer Krimi-Trilogie von Maria Adolfsson.


    Karen Eiken Hornby ist noch nicht vollständig genesen, als sie von ihrem Chef gebeten wird, die Ermittlungen eines Todesfalls auf Noorö, der nördlichsten Insel von Doggerland, aufzunehmen. Obwohl Weihnachten ist, begibt sie sich umgehend dorthin, stürzt sich in die Arbeit. Bald stellt sich heraus, dass der Tote, ein pensionierter Hochschullehrer, ermordet wurde. Mitten in den Untersuchungen passiert ein weiterer Mord in der Nähe einer Whiskybrennerei. Karen steht vor großen Herausforderungen. Auf dieser Insel lebt ein Teil ihrer Familie. Sie schwelgt in Kindheitserinnerungen und gleichzeitig muss sie zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Verwicklungen bestehen...


    Im Verlaufe der 415 Textseiten mit 86 Kapiteln, dem Pro- und Epilog wurde ich solide in einem angenehmen Erzählstil unterhalten. Wie schon im vorigen Band ist die gründliche Charakterzeichnung der Personen der Autorin sehr wichtig. Die Charaktere sind ausgefeilt bis hin zu den Nebenfiguren. Der Autorin sind ebenfalls die Lebensumstände der Menschen sehr wichtig. Deshalb erfährt der Leser eine Menge von Karens Umfeld, ihren Befindlichkeiten, ihrer Haltung zu anderen Personen. Das nimmt einen breiten Raum ein und wird ausführlich erzählt. Die Morde erscheinen aus diesem Aspekt gesehen beinahe wie Nebensache. Aus diesem Grunde ist das Buch für mich weniger ein Krimi als ein Spannungsroman. Am packendsten fand ich die Nebenhandlung um Aylin, der Freundin von Karen. Da kam richtig Gruselstimmung auf. Trotzdem fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten.


    Schön finde ich die Karte im Umschlag des Buches, die die Lage des fiktiven Doggerlandes sehr schön nachvollziehbar macht. Dazu noch der vergrößerte Auszug des Inselstaates mit seiner Hauptstadt Dunker und den anderen Handlungsorten.


    Gelernt habe ich, was man sich unter Schiffssetzung vorzustellen hat. Das hörte ich noch nie. Laut Wikipedia ist das eine bootumrissförmige Steinsetzung, die primär im skandinavischen Ostseeraum vorkommt und Brand- oder Urnengräber markiert.


    Fazit:

    Der Krimi verfügt über einen abwechslungsreichen Plot mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren. Den meisten Personen möchte ich im Teil 3 wiederbegegnen. Verzichten kann ich auf den fiesen Chef Karens, aber vielleicht erlebt man da noch eine Überraschung!?


    Meine Bewertung: Vier von fünf Sternen! Ich empfehle das Buch als unterhaltsame Lektüre. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    DER LEOPARD MIT DEN EISBLAUEN AUGEN


    Im Mittelpunkt der Geschichte steht Noël, der zum großen Teil unverschuldet von einem Schlamassel ins nächste gerät und von seiner Adoptivmutter schließlich keinerlei Unterstützung mehr erhält und sie sich von ihm abwendet. Seine Lage erscheint ihm aussichtslos. Der Junge ist verzweifelt. So nimmt er das Angebot einer sprechenden Ratte an, die ihn auf ein Containerschiff lockt mit einem sonderbaren Versprechen. Das Ende seiner Reise sollen die Inseln der bösen Tiere sein, wo immer die sein mögen.


    Im besonderen Maße fällt das wunderschöne Cover ins Auge. Das ist ein absoluter Eyecatcher und zieht sofort die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Es wird den Kindern gefallen! Ein blauäugiger Leopard schaut aus dem Buchdeckel und gleichzeitig aus einer kaputten Mauer auf den Betrachter. Schlägt man das Buch auf, sieht man das schöne Tier in grüner Natur, umgeben von dichtem Blattwerk und Paradiesvogelblumen.

    Die fantastische Geschichte um Noël ist spannend und abwechslungsreich. Sie steigert sich immer weiter über die drei Teile. Gemeinsam mit ihm wird der Leser in eine Welt hineingezogen, die seltsam, fremd und sehr exotisch ist. Die Tiere auf den sechs Inseln bedienen sich alle einer Gedankensprache und kommunizieren problemlos miteinander. Sie haben das im „Internat der bösen Tiere" gelernt. Der Junge ist auserwählt und soll das auch lernen, bevor er sich einer gefährlichen Prüfung unterziehen muss. Die Prüfung wird hier im ersten Teil (Untertitel „Die Prüfung“) vollzogen und der kleine Leser darf gespannt sein, welchen Gefahren er sich aussetzen muss und wie es für ihn ausgehen wird.


    Als Erwachsene empfand ich die Tiere, mit denen Noël auf der Insel zu tun hatte, nicht als böse. Gefährlichkeit und Bösartigkeit liegen im Fokus des Lesenden, finde ich. Spielerisch leicht werden die Rollen der unterschiedlichsten Spezies vorgestellt, z. B. Mrs. Moa eine Riesenschlange als Schuldirektorin oder die Krankenschwester Liubu, eine Gorilladame. Haie werden als Retter dargestellt und Delphine sind angriffslustig – entgegen ihrer tatsächlichen Erscheinungsform und unserer Wahrnehmung in der Natur.


    Ich bin mir sicher, dass meiner Enkelin dieses Buch gefallen wird und sie recht schnell die Fortsetzung lesen möchte. Allerdings ist sie gerade acht Jahre alt geworden und vielleicht noch etwas zu jung für diese Geschichte. Das Lesealter wird mit 10 Jahren empfohlen. Dem stimme ich zu. Vielleicht wird der zweite Band zum Ende des Jahres erscheinen, so dass ich dann beide Bücher zum Weihnachtsfest an sie verschenken kann.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    LEBEN ZWISCHEN DEN WELTEN


    „Ich schreibe dir, weil ich nicht derjenige bin, der geht, sondern jener, der mit leeren Händen wiederkommt.“


    Das sind einige der Worte, die der vietnamesische junge Mann – im Roman als „Little dog“ bezeichnet - an seine Mutter formuliert, die der englischen Sprache nur bruchstückhaft mächtig und außerdem Analphabetin ist. Er schildert seine Gedankenwelt in chronologischer Unordnung zu allen denkbar möglichen Themen meistens in der Ich-Form. Dadurch ergibt sich für mich ein fragmentarisches Gesamtbild, dem ich oft nur schwer folgen konnte und das ich erst zum Ende des Buches in seiner ganzen Tragweite erfaßte und zusammensetzen konnte. Es macht Mühe diesen Roman zu lesen, aber es lohnt sich. Da ich dieses Buch als ebook las, fiel es mir außerdem schwerer als sonst der Geschichte zu folgen.

    Nur langsam entwickeln sich die Zusammenhänge, die im wesentlichen die Lebensgeschichten von Mutter Rose, Großmutter Lan sowie die des Jungen abbilden. Die Mutter ist das Produkt eines vergessenen Krieges, die Großmutter wurde krank an Körper und Geist über die Jahre und der Junge versucht seine Rolle in dem Chaos zu finden. Er schreibt auch, um seine eigenen traurigen, schlimmen Erlebnisse für sich zu verstehen. Zum Beispiel sterben viele seiner Freunde an den Folgen der Drogensucht. Besonders tragisch schildert "Little dog" immer wieder den Tod seines Freundes, mit dem ihm eine innige, intime Liebe verband.


    „Man sagt nichts hält ewig, dabei hat man nur Angst, dass es länger hält, als man es lieben kann.“


    Ich erfuhr hier eine Geschichte, die sich zwischen den Welten von Amerika und Vietnam bewegte, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Es wird philosophiert, analysiert, nach Erklärungen gesucht, vieles angerissen, aber in der Schwebe gehalten, mal laut und gewaltig, mal leise und voller Harmonie... Zuviel für dieses eine Buch? Meine Antwort lautet: Ja! Ich hätte definitiv mehr Zeit gebraucht, um alles zu verstehen. Doch ich hatte mir das ebook nur ausgeliehen in der Bibliothek.


    Der Roman wird erzählt mit einer unglaublichen, literarischen Wucht. Ocean Vuong beschreibt das Leben des vietnamesischen jungen Mannes und das Drumrum in einer erzählerischen Dichte, mit unglaublicher Poesie und Empfindsamkeit und einer Wortwahl zwischen zart und brutal. Da sind plötzlich Gedichte, wie aus dem Zusammenhang gerissen und immer wieder spielen Monarchfalter eine sinnbildliche Rolle für verschiedene Attribute im menschlichen Leben.


    Einen Bezug zum Titel „Auf Erden sind wir nur kurz grandios“ lieferte der Autor über den gesamten Roman. Das Cover mit dem Reh ist sehr passend.


    Fazit:

    Wenn es Vuong gelingt mehr Struktur in seine künftigen Erzählungen zu bringen, kann er ein großer Schriftsteller werden.

    Das Debüt ist ihm gelungen. Er erzielte meine Aufmerksamkeit.


    Ich bewerte mit vier von fünf Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    LEBEN IM EINKLANG MIT DER NATUR


    “Ein schmerzlich schönes Debüt, das eine Kriminalgeschichte mit der Erzählung eines Erwachsenwerdens verbindet und die Natur feiert.” The New York Times


    Dieser Aussage möchte ich mich anschließen. Delia Owens erzählt in ihrem Debüt eine berührende, eindrucksvolle Geschichte vom besonderen Schicksal des "Marschmädchens“.

    Catherine Danielle Clark, genannt Kya, das Marschmädchen, lebt im Marschland (daher auch der Name) an der Küste von North Carolina. Ihr Lebensraum ist voller seltener Tier- und Pflanzenarten, die sie ein Leben lang begleiten und beschäftigen werden.

    Bereits mit 6 Jahren wird sie nach und nach von allen verlassen, von der Mutter und ihren vier älteren Geschwistern. Nur der gewalttätige, heruntergekommene Vater bleibt zurück, der allerdings ein verwahrlostes Alkoholikerleben führt. So ist die Kleine auf sich allein gestellt, mit 10 Jahren vollkommen nach dem endgültigen Verschwinden des Vaters.


    Vom ersten Moment an war ich von der unglaublichen Persönlichkeit Kyas in den Bann gezogen. Es ist erstaunlich wie weit es dieses naturverbundene Mädchen gänzlich ohne Schulbildung bringt, wie sie sich ihre Welt erobert, zum Teil der sie umgebenden Natur wird.

    Sie liebt diese Marschlandschaft mit ganzer Kraft und, nachdem sie von ihrem Kindheitsfreund Tate lesen und schreiben gelernt hatte, auch Gedichte. Kya lebt ihr Leben in Einsamkeit, sie meidet den Kontakt mit den Bewohnern von Barkley Cove, nachdem sie unliebsame Erlebnisse erdulden musste. Ihre einzigen Verbündeten sind Jumpin und Mabel, die selbst am Rande der Gesellschaft, in der Schwarzensiedlung, leben.

    Kya wird enttäuscht von Menschen, denen sie sich geöffnet hatte, wird verspottet, diskriminiert, in ihren intimsten Gefühlen verletzt, verraten und betrogen. Sie zieht sich im Laufe der Jahre immer mehr zurück. In eine sehr prekäre Lage gerät Kya, als die Leiche eines jungen Mannes in der Marsch gefunden wird. Die junge Frau kommt vor Gericht und der Prozeß vor einem voreingenommenen Publikum beginnt. Wie Delia Owens die Geschichte um Kya weitererzählt, war für mich ergreifend zu lesen. Die Auflösung gefiel mir sehr. Die Beschreibung der Handlung erfolgt in zwei Zeitebenen, 1952 und 1969. Die beiden Handlungsstränge fügen sich fabelhaft und gut nachvollziehbar ineinander.


    Fazit:

    Ich habe „Der Gesang der Flusskrebse" als ebook gelesen.


    Die Hauptperson Kya ist eine starke, ungewöhnliche Figur in extremer Einsamkeit, die die Natur als Ersatz für menschliche Bindungen erfährt. Sie hat ihre eigene Lebensrealität fernab von einer snobistischen, kaltherzigen Gesellschaft in der kleinen Stadt, die das Mädchen verachten. Ich empfand ihre Lage nie als zu traurig, beileibe nicht als zu melancholisch, obwohl sie sehr oft allein ist. Das alles hat Delia Owens zusammen mit wunderbaren Naturbeschreibungen in einen sprachlich gewandten Kontext gebracht. Sie fügte mehreres (Krimi, Liebesgeschichte, Gerichtsschauspiel) zu einem glaubhaften, wenn auch manchmal etwas zu idealisiertem Ganzen zusammen.

    Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, vermute allerdings, dass dieses Buch eher die weibliche Leserschaft begeistern wird.


    Das mich emotional stark berührende Werk bereitete mir viel Freude und spannende Lesestunden.

    Es war für mich ein Lesehighlight 2019!


    Deshalb bewerte ich mit fünf von fünf Sternen und gebe gern die Lese- und Kaufempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    STOCKHOLM: ENDE DES 18. JH.


    „Schreckliches ist geschehen, doch es wird noch grausamer."


    Rund ein Dreivierteljahr nach „1793" habe ich nun den Folgeband gelesen. Niklas Natt och Dag gelang es nach seinem hervorragenden Debüt, mit „1794“ eine weitere hochbrisante Geschichte zu erzählen. Hier wie da überzeugte mich der 40jährige Autor.


    Nachdem Jean Michael Cardell (genannt Mickel) im Jahr zuvor durch die Ermittlungen zu dem männlichen Torso einer sinnvollen Tätigkeit nachging, ist er nun wieder ganz unten. Der einarmige Stadtknecht und Häscher hat resigniert bis zu dem Tag, als ihn eine Frau aufsucht. Sie wendet sich an ihn, da die Tochter in ihrer Hochzeitsnacht auf bestialischste Art und Weise ums Leben kam, angeblich von Wölfen so zugerichtet, die aber in der Gegend gar nicht heimisch sind. Von der Schuld des frisch angetrauten, jungen Ehemanns, der im Tollhaus sein Dasein fristet, ist sie in keinster Weise überzeugt. Und wieder geht ein Duo Cardell/Winge auf Spurensuche. Dieses Mal ist es nicht Cecil, der inzwischen der Tuberkulose erlag, sondern sein verstörter Bruder Emil Winge.

    Stockholms knallharte, rücksichtslose Realität im Machtvakuum Schwedens geht weiter. Es herrschen anarchische Zustände in einer vor stinkendem Unrat strotzenden Stadt! Viele Menschen leben in unbeschreiblicher Armut, in unhygienischen Verhältnissen mit Ungeziefer aller Art. Krankheiten, Siechtum, Tod sind an der Tagesordnung, ebenso wie Trunksucht, Hurerei, rohe Gewalt bis hin zu Totschlag und Mord...


    In vier Teilen folgen die Begebenheiten den Jahreszeiten, allerdings auch hier wieder wie im vorigen Band nicht in ihrer natürlichen Abfolge. In kurzen Kapiteln zeichnet Natt och Dag ein dichtes, kompakt erzähltes Sittengemälde, das mir ab und zu wegen der unvorstellbaren Grausamkeiten und der allgemein herrschenden, unmenschlichen und gesetzlosen Zustände den Atem raubte. Die Atmosphäre ist vorherrschend düster und zumeist äußerst brutal. Und trotzdem wirken die Szenarien und die Charaktere so realistisch, so greifbar. Die Geschichte der Anna Stina Knapp wird weitererzählt und bringt damit eine weibliche Note ins Bild samt der Rolle der Frau Ende des 18. Jahrhunderts. Nicht vorstellbar, was dieses junge Mädchen durchmacht.


    [S. 95] „Der Mensch ist dazu gedacht, frei zu sein, und doch liegt er in Ketten, wo immer man hinsieht.“ Es sind Sätze wie dieser, ausgesprochen von einem Sklavenhalter, die mich immer mal wieder verwirrten. Am Ende sind sie bezeichnend für die abgrundtiefe Bosheit, Verdorbenheit, Unmenschlichkeit der betreffenden Person.


    Zum Finale hin eskaliert es nochmal, obwohl das kaum möglich erschien. Der letzte Teil ist mit „Minotaurus“ untertitelt und ich meinte wirklich, dass ein Ungeheuer die bösartigen Taten auslöste. Die Menschen wurden zu seinem Opfer und verfielen zum Schluß der (vorläufigen) Orientierungslosigkeit. Ich bin nun sehr gespannt auf „1795“! Kann es noch grausamer werden?


    Fazit:

    Das Buch ließ sich hervorragend lesen. Der Sprachstil des Autors scheint durch die Übersetzerin Leena Flegler exzellent ins Deutsche übertragen worden zu sein.

    Allerdings warne ich zartbesaitete, sehr empfindliche Menschen vor der Lektüre!


    Ich vergebe fünf von fünf Sternen und meine Lese-/Kaufempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    EIN ÜBER GENERATIONEN WIRKENDER FLUCH


    Der dritte Teil aus der Zons-Reihe hat mich nicht so überzeugt. Die Geschichte ist zwar spannend, aber es gibt einiges, was mir nicht schlüssig erscheint. “Kalter Zwilling“ lag mir als Hörbuch vor.


    Der Sprecher Wolfgang Berger verfügt über eine markante Stimme, mit der er akzentuiert, klar und deutlich den Protagonisten Leben einhaucht.


    Es ist eine Menge an Fakten, die man auf die Ohren bekommt. Ich musste konzentriert zuhören. Es spielt ja nicht nur in Gegenwart und Vergangenheit, sondern hat in beiden Handlungsebenen noch verschiedene Erzählstrukturen, viele Personen, die involviert sind. Trotzdem glaubte ich bald zu wissen, wer die Täter in der jeweiligen Zeit sind.

    Catherine Shepherd versteht es wieder ausgezeichnet den Spannungsbogen hoch zu halten und immer neue Aspekte in die Handlung einzubeziehen. Vielleicht waren es auch zu viele? Zum Ende blieben bei mir einige Ungereimtheiten stehen. Zwei Dinge fand ich ganz und gar unglaubwürdig bei allen schriftstellerischen Freiheiten. Da ist zum einen die Bestrafung für Oliver und Klaus, die Versetzung von Neuss nach Frankfurt/Oder. Das finde ich total überzogen. Eine Versetzung über eine so weite Entfernung? Ist das realistisch? Zum anderen irritierten mich die Träume von Anna und Bastian. Das ist ja total schräg! Diese Verbindung zwischen Anna und Bastian über einen Zeitsprung von 500 Jahren hat mich schon beim vorherigen Thriller "Sündenkammer" gestört, zumal beide Personen in glücklichen Beziehungen verbandelt sind. Das ist zuviel des Guten - das braucht es meiner Meinung nach nicht. Ist mir zu mysteriös, unglaubwürdig.

    Sowohl in Gegenwart und Vergangenheit werden die Ereignissse um die brutalen Morde ausgiebig erzählt. Wie alles zusammenhängt? Das erklärt sich zum Schluss.


    „Kalter Zwilling" ist das bis jetzt für mich in sich am wenigsten logisch nachvollziehbare Werk von Catherine Shepherd. Die Begeisterung wie sonst, erfaßte mich hier leider nicht.


    Empfehlung für Thrillerfans, die an Spannung verbunden mit brutalen Morden und detaillierter Schilderung von Tierquälereien interessiert sind.


    Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Florapis - Welt der Pflanzen und Bienen


    Dieses als Märchenroman deklarierte Kinderbuch war für mich auch als erwachsene Person, als Mutter und Großmutter, eine vergnügliche und lehrreiche Lektüre.

    In einem wunderschönen fiktiven Land, das sich Florapis nennt, regiert Florobert der 7. Die Bewohner sind heiter und glücklich unter seiner Regentschaft. Alles grünt und blüht. Jeder geht zufrieden seiner Arbeit nach. Sie leben in Wohlstand.

    S. 30 „Es entsprach der Natur der Bürger von Florapis, sich nicht zu sorgen.“

    Das ändert sich schlagartig als der König beschließt, seinem Sohn die Amtsgeschäfte zu überlassen. Da der Prinz als Kind von einer Biene gestochen wurde, entwickelte er im Laufe der Zeit eine krankhafte Angst vor allem und jedem. Er war sehr wunderlich geworden. Inzwischen hatte er Angst vor der Angst. Als er die Regierungsgeschäfte übernimmt, verlangt er den Bau einer Mauer um das gesamte Reich. Das bis dahin so friedliche, ruhige Land wird durch die lärmenden, dreckverursachenden Arbeiten empfindlich in seinen Grundfesten gestört. Das Getöse lockt Pankratz, einen Tatzelwurm an. Er sieht aus wie ein Drache, kann sich unsichtbar machen durch Ideenklau – Ideen sind seine liebste Nahrung. Sie schmecken ihm besonders gut. Von nun an geht es mit Florapis bergab. Die einzigste, die die Zusammenhänge erkennt, ist die hübsche Ava, die Tochter des Imkers...

    „Zauberschön“ wurde fabelhaft und kindgerecht von Irene Matt erzählt und durch die farbig angenehm gestalteten teilweise ganzseitigen Zeichnungen von Silvia Paparella unterstützt.

    Ich bewerte mit funkelnden fünf von fünf Sternen und empfehle das Buch für Groß und Klein!


    Zusammenfassung:

    179 Textseiten (gesamt 184)

    7 Kapitel mit passenden Überschriften

    Märchenroman

    Hardcover

    Illustrationen von Silvia Paparella


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    BITTE WEITER MIT KLUFTINGER!


    Um es ganz kurz und schmerzlos zu formulieren: „Draussen“ hat mich enttäuscht. Ich las den ersten Thriller von Klüpfel/Kobr zunächst mit voller Wissbegierde und einer gewissen Erwartungshaltung. Mein Interesse ließ aber leider schnell nach. Die Geschichte des Hauptcharakters Stephan hat ihren Ursprung in dessen Vergangenheit, ist auf seine Zeit in der Fremdenlegion beschränkt. Darauf bezieht sich die ganze Story mit ihren Charakteren.

    Hier nur ein Zitat:


    S. 125 „...Gewalt ist die Währung, mit der an diesem Ort bezahlt wird.“


    Was für eine Aussage! Das gab mir sehr zu denken. Die Konflikte, die Zustände, der Alltag sind einfach nur furchtbar und menschenunwürdig. Es scheint nur harte, regelrecht entmenschte, emotionslose Männer dort zu geben.

    Was vorher war und wie er dahin kam, wird nicht thematisiert. Ich empfand Stephan als äußerst seltsamen, lebensfernen, überdrehten Typ. Für mich ergründete sich nicht, warum er die beiden Jugendlichen, Joshua (15) und Cayenne (17), einem dermaßen kompakten, überaus harten, isolierten Überlebenstraining in den deutschen Wäldern unterzieht. Auch zu Ende des Buches nicht. War er auf persönlichem Rachefeldzug? Wenn es so sein sollte, warum zog er die Kinder da mit rein? Vollkommen unnötig! Die Gründe, die letztendlich angeführt werden, können dafür nicht herhalten. Um das darzulegen, müßte ich spoilern. Meine Begründung hat mit Stephans Fremdenlegionärszeit zu tun und den schrecklichen Geschehnissen dort. Diese lag aber schon einige Zeit zurück.

    Ich habe die ganze Geschichte als nicht schlüssig empfunden. Es wird eine Menge angedeutet, vor allem aus der Ich-Perspektive aus der Zeit in der Fremdenlegion. Mehrere Erzählstränge werden eingeführt, die dann am Ende zwar zusammenführen, aber für mich in ihrer brutalen Härte nicht logisch und nachvollziehbar sind. Den Blackout (Stromausfall) in weiten Teilen Deutschlands fand ich für den Fortgang ebenfalls unnötig.


    Die Auflösung war am Schluss spannend gestaltet, aber auch da wurde überspitzt gehandelt. Die Geschichte an sich mit ihren profillosen, klischeehaften Charakteren, teilweise langatmig erzählt, überzeugte mich nicht. Mir fehlte der Thrill. Unglaubwürdig, konstruiert, too much.


    „Draussen“ ist kein herausragendes Werk von Klüpfel und Kobr. Sie sollten bei ihrem humorigen Kluftinger weitermachen!


    Ich bewerte mit 2,5 Sternen, die sich auf den meisten Portalen als drei Sterne darstellen. Empfehlen kann ich die Geschichte als begeisterte Thrillerleserin leider nicht! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    DAS WUNDERKIND UND DER APPALOOSA-HENGST


    Vom Titelbild schaut den Betrachter ein junges, hübsches Mädchen mit selbstbewußtem Blick an. Im Hintergrund ist ein rassiges Pferd zu erkennen. Das ist ein Appaloosa, ein Pferd für Freizeit und Sport gezüchtet, das besonders durch das charakteristische Farbfleckenmuster auffällt. Beide, das Mädchen (Zoe) und das Pferd (Appaloosa-Hengst Eclipse), spielen in diesem fünften Band eine wesentliche Rolle. Da die Geschichte in sich abgeschlossen ist, muss man die vorherigen Bände nicht unbedingt kennen, um folgen zu können. Doch sicher werden besonders die jungen Pferdeliebhaber*innen die Bücher auch lesen wollen, am besten von Band 1 beginnend.


    Gina Mayer schreibt so, dass man unbedingt dem Geschehen weiter folgen möchte. Ihre Hauptfigur Zoe Deventer war ein Wunderkind, das mit ihrer Querflöte in den größten Konzerthäusern der Welt aufgetreten ist. Sie gab das alles auf, um in Snowfields das Pferdeflüstern zu erlernen. Bevor die Schüler des Reitinternats ihre achtwöchigen Ferien antreten, werden in einem Festprogramm die Fortschritte präsentiert. Zoes Freund Cyprian nimmt nicht daran teil. Sie geht der Ursache auf den Grund. Es ist interessant zu verfolgen, was wirklich passiert ist und welche Konflikte sich anbahnen. Der Leser erfährt einiges zum Thema Reitsport und den Machenschaften, um ans große Geld zu kommen. Von den Quälereien, die man den Tieren antut, wird außerdem in kursiver Schrift berichtet, hervorgehoben aus der Ich-Perspektive des Pferdes. Das hat mich berührt. Wunderbar sind dessen Gedanken und Empfindungen dargestellt.


    Ansonsten musste ich feststellen, dass die sehr jungen Leute schon ganz schön dominant auftreten. Es handelt sich ja wohl um 14/15jährige, aber sie fliegen große Strecken in den USA ohne Wissen der Eltern. Auch Geld scheint keine Rolle zu spielen. Ja, ich fand so manches etwas überspannt.


    Fazit:

    Außer um die Themen Reitsport und Tierquälerei geht es in Band fünf „Pferdeflüsterer – Academy: Zerbrechliche Träume“ um große Gefühle zwischen Mensch und Tier, um Freundschaft und Zusammenhalt. Den Zusatztitel „Zerbrechliche Träume" konnte ich allerdings nicht nachvollziehen.


    Ich möchte dieses Jugendbuch empfehlen und bewerte mit vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Spezialeinheit "Landfrieden" im zweiten Einsatz


    „Bülent Rambichler und der störrische Karpfen" ist der zweite Fall für den Kommissar, den er in seiner Heimatgemeinde Strunzheim aufklären muss. Muss deshalb, weil er das mit absolutem Widerwillen tut.

    Der Erzählstil mit dem fränkischen Dialekt (- ich bin Sächsin und hatte trotzdem keinerlei Schwierigkeiten es zu verstehen - Fußnoten zur Erklärung sind zudem vorhanden) ist für mich besonders. Schon der Vorgängerband gefiel mir sehr und hier war ich von Anfang an gleich mittendrin. Die handelnden Personen sind zum größten Teil vertraut. Ich habe mehrmals herzlich gelacht, sehr amüsante, zuweilen skurrile Typen! Die alten, winzigen Walder-Zwillinge sind so herrlich verschrobene, wirklich sehr putzige Weiber. Und ausgerechnet sie finden auch hier wieder eine Leiche!

    Es liest sich leicht und vor allem schnell.


    Ich lese alle Krimis, die in Deutschland spielen, da sind mir die Örtlichkeiten relativ egal. Das sind für mich interessante Zutaten. Für mich ist die Story an sich ausschlaggebend. Ich habe den ersten Rambichler gelesen und habe mich trotz des ernsten Hintergrundes auch da schon köstlich amüsiert. Im vorliegenden Band erging es mir genauso. Dieser unterhaltsame schwarze Humor, diese urigen Typen, diese komischen Zufälle und die überzeichneten, herrlichen Charaktere.


    Die Kommissare kommen beide arg ins Strudeln bei ihren Ermittlungen und in reichlich absurde Situationen. Bülent ist zudem immer wieder persönlich involviert, sein türkischstämmiger Vater Erkan gilt als verdächtig. Neue Informationen kommen ans Licht; Bülent und seine Assistentin Astrid kommen arg ins „Schwimmen“. Vieles ist wunderbar verwirrend und die Ermittlungsmethoden sind schon arg seltsam. Trotzdem führen sie am Ende zum Erfolg. Die Sprache bleibt über die gesamte Geschichte sehr derb, eben volkstümlich und meist den Kern der Sache treffend. Also, nichts für empfindsame Leser*innen. Das sollte man schön mögen. Ich genoß die lustige Lektüre!


    Mehr durch Zufall und dadurch, dass in Strunzheim jeder jeden kennt, kommt am Ende eine traurige Wahrheit ans Licht und der Fall wird aufgeklärt. Bülent und Astrid kommen sich näher und werden vielleicht doch noch ein Paar. Alles in allem ein versöhnliches Ende, gut und witzig erzählt. Eine herrliche Krimikomödie!


    Ich empfehle den Krimi für alle, die Regionalkrimis lieben und bewerte mit fünf von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Jessica Barry - Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod


    Klappentext (Quelle: amazon):

    Wenn dein Leben eine Lüge ist, kann die Wahrheit dich töten

    Als Einzige überlebt die 30-jährige Ally einen Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains. Völlig auf sich gestellt kämpft sie sich durch die Wildnis. Doch jemand ist ihr auf den Fersen – jemand, der sicherstellen will, dass niemand das Unglück überlebt. Tausende von Kilometern entfernt kann Allys Mutter Maggie nicht glauben, dass ihre Tochter tödlich verunglückt sein soll. Jahrelang hatte sie keinen Kontakt zu ihr, jetzt setzt sie alles daran, mehr über ihre Tochter zu erfahren: Ally führte ein glamouröses Leben – aber wie viel davon war echt? Während sie in die Vergangenheit ihrer Tochter eintaucht, gerät Maggie selbst in größte Gefahr.


    Meine Rezension

    Mutter-Tochter-Konflikt mit unvorhersehbaren Folgen
    Diese Geschichte empfand ich nicht als Thriller. Es war allenfalls ein Spannungsroman, wobei die dramatischen Momente sehr auf sich warten ließen. Über weite Strecken zog sich die Handlung wie Kaugummi. Immer wieder erfuhr ich von den gleichen Problemen, die die 31jährige Hauptperson Ally bewegten. Auch ihre Mutter Maggie wälzt fortgesetzt die gleichen Themen. Dadurch kommt die Story schwer in Schwung. Das wird allerdings in gewisser Weise im Laufe der Story dynamischer durch die kurzen Kapitel, die zwischen Ally und Maggy wechseln.

    Gleich zu Beginn hatte ich ein komisches Gefühl, das da irgendetwas gar nicht rund ist. Die abgestürzte und verletzte Ally funktioniert mir viel zu abgebrüht, sehr rational. Das machte mich mißtrauisch. Ich hatte da schon eine Ahnung, die sich am Ende des Buches als richtig erwies.

    Der gesamte Thriller wird mir zu flüchtig erzählt, die Charaktere erhalten dadurch keine Tiefe, die meisten bleiben konturenlos. Probleme werden angesprochen, Figuren ins Geschehen gebracht, aber bald wieder fallengelassen. Der Leser erfährt nur aus der Ich-Perspektive Allys, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat. Allein Maggie hat etwas „Biß". Die ältere Frau konnte ich mir gut vorstellen und die meisten ihrer Gedanken waren für mich nachvollziehbar. Sie bleibt hartnäckig und recherchiert die letzten zwei Jahre im Leben ihrer Tochter, die sie ohne Kontakt miteinander verbrachten und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Dabei bringt sie sich selbst in Gefahr. Der Countdown kommt schnell, sehr aktionsreich und blutig. Er endet unerwartet.

    Der Pharmaskandal, das schlimme Schicksal der Betroffenen, die Rolle des Ehemannes Ben u.v.mehr bleiben als Behauptungen Allys stehen.


    Fazit:

    Für mich war die Handlung von „Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod“ weitgehend vorhersehbar. Mein Anspruch an einen Thriller wurde zu großen Teilen nicht erfüllt und ließ mich irgendwie unzufrieden zurück. Die Idee fand ich super, aber wurde leider nicht konsequent genug erzählt. Vieles blieb im Dunklen und wurde nicht schlüssig ins Geschehen einbezogen.

    Die euphorischen Bemerkungen von namhaften Autoren wie A. J. Finn, Karen Slaughter, Liv Constantine im Klappentext kann ich nicht teilen.


    In Anbetracht dessen, dass es das Debüt von Jessica Barry ist, sie über einen guten Sprachstil verfügt und ich viel Potential in der jungen Autorin vermute, möchte ich mit drei von fünf Sternen bewerten. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    EMOTIONAL TIEF BERÜHRENDES MÄDCHENSCHICKSAL


    Mit dieser außergewöhnlichen, äußerst ergreifenden Geschichte hat mich Astrid Korten erneut überrascht. Wieder etwas vollkommen anderes erwartet einen. Das Besondere besteht darin, das dieser Psychothriller, den man eigentlich als Psychodrama bezeichnen sollte, authentisch ist. Es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb. Mit „Poppy“ kommt eine reale Person zur Sprache und die Autorin hat es hervorragend verstanden, ihr Martyrium zu beschreiben.

    Poppy ist erst sechs Jahre alt als ihre Mutter Patricia den bereits im Großvateralter befindlichen „Pick-up“ ehelicht. Er holte beide aus ihren ärmlichen Verhältnissen und versprach durch seinen Reichtum ein sorgloses, angenehmes Leben. „Onkelmann" wie Poppy ihn zunächst nennt, kümmert sich überaus liebevoll nur um sie, ihr gilt seine ganze „Aufmerksamkeit". Er macht mit ihr Dinge, die schon der sehr jungen Poppy suspekt vorkommen. Doch der Mutter kann sie sich nicht anvertrauen, weil die lieber die Augen und Ohren verschließt und shoppen geht...

    Der Sprachstil ist den jeweiligen Altersstufen des Mädchens angepaßt. Diese Art der Schilderung, aus der Sicht des Kindes, hat mich sofort in den Bann gezogen. Einfach, aber unheimlich wirkungsvoll und ergreifend! Unglaublich, was da in der luxuriösen Villa hinter verschlossenen Türen abgeht. Der Kindesmißbrauch kommt explizit nicht zur Sprache, aber durch die Art und Weise des Umgangs und der Beschreibung der Szenen wird deutlich, was da abgeht. Der alte Mann manipuliert das kleine Mädchen von Anfang an.

    Und die Mutter Patricia ist so komplex in der Verdrängung der offensichtlichen Tatsachen. Ich konnte es nicht fassen. Sie hat ein dermaßen schlichtes Gemüt, benutzt Poppy, um ein sorgloses Leben führen zu können! Für mich stellt sie sich als eine total selbstbezogene, egoistische, lebensuntüchtige, dumme Person dar. Das Kind ist vollkommen schutzlos den beiden Erwachsenen ausgeliefert! Ich bewunderte ihre innere Stärke und wie sie immer wieder für sich einen Weg fand, mit der Situation in ihrem Elternhaus zurecht zu kommen.

    Das Schicksal von Poppy wurde von der Autorin sehr gut beschrieben. Die teilweise erschütternden Zusammenhänge stellte sie sehr klar dar, ohne in Details abzudriften. Behutsam und sehr feinfühlig erfolgte die Beschreibung des Leidensweges des kleinen Mädchens!


    Fazit:

    Die letzten Seiten des Buches inklusive der Danksagung haben mir sehr geholfen. Mich berührte dieses Schicksal sehr. Die Zeilen machten mir klar, dass Poppy für sich einen Weg aus der ganzen Misere gefunden hat. Was für eine riesige Kraftanstrengung dahinter stecken mag, kann ich nur erahnen! Ihr wünsche ich von ganzem Herzen, dass sie ihr Leben weiterhin erfolgreich meistert.

    Mein Dank geht an Astrid Korten für das Niederschreiben der ergreifenden, authentischen Geschichte. Mein nachdrücklichster Wunsch:

    Viele Menschen sollen dieses Buch lesen und aufmerksamer ihre Umwelt betrachten, sensibler werden für das Thema Kindesmißbrauch!

    Von mir gibt es die Höchstbewertung!

    EIN ERMITTLER MIT HANDICAP


    „Keltische Opferrituale, eine Mordserie und das Erbe der Schuld"


    „Das Ritual des Wassers" ist genauso ein ungewöhnlicher Thriller wie der erste Teil „Die Stille des Todes“.


    Der zweite Fall für Inspector Unai López de Ayala , genannt Kraken, beginnt mit einer schwangeren Toten, die kopfüber ertränkt in einem historischen Wasserkessel, einem keltischen Bronzekessel, hängt. Die junge Frau war seine erste Liebe. Wieder bedeutet das für den Inspector, dass er sehr persönlich involviert ist und die weiteren Todesfälle eng mit seiner Vergangenheit in Verbindung stehen. Es wird höchst spannend auf dem Weg zur Lösung der Zusammenhänge. Zudem ist Kraken durch seine Broca-Aphasie (eine Sprachstörung, die von einer Schußverletzung herrührt), schwer gehandicapt...


    Eva García Sáenz beschreibt in spannender Art und Weise die Beziehungen, Verflechtungen ihrer Romanfiguren. Sie läßt sie auf zwei wesentlichen Schauplätzen agieren und zu verschiedenen Zeiten. Da ist zum einen die Stadt Vitoria im Baskenland (wie auch schon in Band 1) im Jahr 2016 und zum anderen ein Ort in Kantabrien 1992. Im Sommer 1992 befinden sich Unai und seine drei besten Freunde dort, um an einem archäologischen Projekt teilzunehmen. Nacheinander verlieben sich alle vier in die rätselhafte Annabel Lee.

    In wechselnden Perspektiven – in der Gegenwart aus der Sicht von Kraken, in der Vergangenheit auktorial – wurde immer weiter Spannung aufgebaut und verschiedene Verdächtige präsentiert. Es gab viele überraschende Wendungen bis hin zum Schluß. Die engsten Vertrauten von Kraken wie sein Bruder und sein Großvater oder seine wunderbare Kollegin Esti spielen auch hier wieder eine herausragende, wichtige Rolle für ihn.

    Das Verbindende bei den Morden ist, dass die Menschen bald entweder Mutter oder Vater werden. Die Subcomisaria Alba Díaz de Salvatierra erwartet auch ein Kind und, indem sich Kraken zu seiner Vaterrolle bekennt, unterschreibt er sein Todesurteil. Es wird sehr emotional in dieser Geschichte, vom Anfang bis zum Ende.


    Auch der zweite Teil ist in sich abgeschlossen, sehr unterhaltsam und intensiv erzählt. Trotzdem empfehle ich chronologisch zu lesen.


    Hervorhebenswert finde ich, dass man am Ende des Buches nochmal einen Überblick über die handelnden Personen bekommt. Es gibt ein Glossar. In den Umschlagseiten befinden sich Karten über die Lage der Orte, die eine wichtige Rolle spielen. Die Leseprobe im Anhang gibt einen kleinen Einblick in den dritten Fall „Die Herren der Zeit“ (erscheint im März 2020).


    Ich kann das Buch empfehlen, weil es die Kriterien eines Thrillers voll erfüllt. Ich wurde sehr gut unterhalten und erfuhr noch nebenbei Interessantes aus Spaniens Geschichte. Deshalb gibt es von mir die Höchstbewertung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    SCHRÄGE ERMITTLER IM SUMPFGEBIET AUSTRALIENS


    Ich möchte eigentlich zu diesem dritten Band nicht allzu viele Worte verlieren. Ohne die beiden vorherigen Bände wirklich zu kennen, denn ich las nur die Leseproben, muss ich sagen der Thriller begeisterte mich.


    Wie der Titel schon verrät, wird ein Junge vermißt. Die Ausgangslage erscheint mysteriös. Der achtjährige Richie Farrow bleibt trotz intensivster Suche spurlos verschwunden. Es gibt keinerlei Spuren von ihm.


    Candice Fox hat einen ganz eigenen fesselnden Schreibstil, den sie versteht mit ihren außergewöhnlichen Charakteren so zu verbinden, dass ich glaubte die Figuren werden lebendig. Sie gestaltet herrliche Charakterstudien. In der kurzen Vorstellung der Autorin im Klappentext wird von exzentrischen Menschen in ihrer unmittelbaren, familiären Umgebung geschrieben. Fox hat in der Geschichte einiges an Skurrilitäten aufgeboten. Die Eigenschaften der schrägen Ermittlerin Amanda Pharrell kann man nicht so erfinden. Mir gefiel allerdings diese Frau in ihrer total verrückten Art, so quirlig und abgedreht, mit ihrer Phobie gegen Kinder und gegen jegliche fremde Berührung. Sie mag keinen engen Kontakt mit anderen Menschen. Durch ihr äußeres Erscheinungsbild fällt sie total aus dem Rahmen. Sie ist ein ganz besonderer Mensch.

    Ted Conkaffey, der mit Amanda gemeinsam nach dem Kind sucht, war notgedrungen zum Sonderling geworden durch den ständigen Kampf gegen die Vorurteile der Leute.


    Auch berührende Szenen liefert die Autorin, ohne kitschig zu werden. Ted Concaffey, ihr gestrafter Protagonist berührte mich durch den fürsorglichen Umgang mit seinen Tieren (die Gänse und der Hund Celine) sowie durch seine behutsame, zärtliche Fürsorge für die kleine Tochter Lillian.

    Das Ende überrascht, wie es sich für einen ordentlichen Thriller gehört. Es gibt viele unerwartete Wendungen.

    Die ersten beiden Bände muss ich nun unbedingt noch lesen, um den vollständigen Durchblick zu haben.


    Trotzdem bewerte ich mit fünf von fünf Sternen und empfehle „Missing Boy" gern. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    EIN PACKENDES FAMILIENSCHICKSAL


    „Es geht um ein dunkles Kapitel aus meinem früheren Leben.“ [S. 8]


    An ihrem 90. Geburtstag entscheidet Helene, der Enkelin Selina von ihrer bewegten und leidvollen Vergangenheit zu erzählen. Sie ist 17 Jahre alt, als sie im Frühjahr 1945 mit der Mutter und dem kleinen Bruder die Heimatstadt Brünn aus Angst vor Übergriffen der Roten Armee verlässt. Nach Kriegsende, kurze Zeit später, kehren sie zurück und müssen feststellen, dass sie nichts mehr besitzen. Als Angehörige der deutschen Minderheit werden sie ausgegrenzt und erniedrigt. Nach außen hin sind sie gekennzeichnet mit dem „N“ für Němec (Deutsche) an ihrer Kleidung. Neben dem Verlust der schönen Wohnung müssen sie Zwangsarbeit und die schrecklichen Zustände im Krankenhaus sowie die Ungewissheit über das Schicksal des Vaters ertragen. Dazu kommt für Helene, dass ihre innige Beziehung, die Liebe zu Jan nun eine verbotene ist...

    Nachvollziehbar werden anhand des Schicksals Helenes und ihrer Familie die Ereignisse um die kollektive Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Mähren geschildert. In die Geschichte ging es ein als der Brünner Todesmarsch.


    Was für eine berührend geschriebene Geschichte! Sofort war ich mittendrin im Geschehen. Das Thema hatte mich sofort im Griff. Ich konnte mich dem elementaren, mit einfachen treffenden Worten agierenden Schreibstil nicht entziehen. Ich habe schon einige Bücher gelesen, die sich mit Flucht und Vertreibung beschäftigten. Sehr anschaulich beschreibt Peter Mainka in was für einer rasanten Geschwindigkeit sich die ohnehin schon schwierigen Verhältnisse im Leben der Menschen änderten. Das Verhalten und der Umgang zwischen Deutschen und Tschechen wandelten sich radikal. Die vorherige scheinbare Normalität brachte die negativsten Erscheinungsformen des gesellschaftlichen Umgangs zu Tage. Da waren tiefe Hassgefühle, Verachtung, Demütigung, Geringschätzung bis hin zu Gewalt und Mord. Das Unheil bricht massiv über die deutsche Bevölkerung herein, was schließlich in der Vertreibung gipfelt.

    Mainkas Hauptperson, die Ich-Erzählerin Helene, ist ein starkes Mädchen, gesund an Seele und Geist. Sie versucht immer wieder das Beste aus den scheinbar ausweglos erscheinenden Situationen zu machen und zieht gedanklich oft ihre Kraft aus ihrem intakten, innigen Verhältnis zu den Eltern oder aus der Zuwendung ihr wohl gesonnener Personen.


    S. 85 „Wer seinem Herzen folgt, wird auf seinem Lebensweg fast immer richtig liegen.“ (Dr. Pokorná, der tschechische Arzt zu Helene)


    Da kann sie auch der böse Vojtêch nicht aus dem Gleichgewicht bringen. In dem riesigen Elend begegnet ihr hin und wieder uneigennützige Menschlichkeit, die Helene nicht verzweifeln und zum Ende ihren Weg finden lassen.

    Ich lernte einen bewegenden, zu Herzen gehenden Bericht einer Flucht aus der Heimat ins Ungewisse kennen.

    „Das Barackenmädchen“ bezeichne ich als zeitgeschichtlich wichtiges Werk über eine brisante Zeit, gegen das Vergessen und als Mahnung an uns Nachgeborene. Es ist realistischer Geschichtsunterricht! Die finsterste deutsche Geschichte wurde in einem gut erzählten Roman gepackt. Das Wissen um die Vorgänge in der Zeit des Deutschen Reiches und unmittelbar danach muss wach gehalten werden. Gerade jetzt , wo die braune Gefahr wieder heraufzieht, sichtlich an Macht gewinnt. So etwas darf niemals wieder passieren! Ich möchte Bertolt Brecht zitieren:


    „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“


    Wir alle müssen wachsam bleiben und gegen menschenverachtende Tendenzen in der Gesellschaft angehen.


    Ich vergebe sehr gern fünf von fünf Lesesternen und meine Lese-/Kaufempfehlung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    AURORAS SPURLOSES VERSCHWINDEN


    Sechs Freunde. Ein Mörder. Wem vertraust du? (Untertitel)


    Der Titel (im Original „She Lies in Wait“), das geheimnisumwobene Cover, die Leseprobe und nicht zuletzt die lobenden Worte von dem englischen Autoren-Ehepaar Nicci French, dem amerikanischen Schriftsteller A.J. Finn...weckten in mir große Erwartungen an dieses Debüt von Gytha Lodge.


    Bei diesem Krimi handelt es sich um einen Cold Case. Nach 30 Jahren werden durch einen Zufall die Überreste der 14jährigen Aurora Jackson gefunden. Sie verschwand nach einer sommerlichen Zeltnacht mit den Freunden ihrer Schwester Topaz, ohne eine Spur zu hinterlassen. Detective Chief Inspector Jonah Sheens untersucht mit seinem Team den Fall noch einmal und beginnt die Ermittlungen mit der erneuten Befragung der sechs Freunde...


    Ja, was soll ich schreiben? Es fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer, meine unzähligen Gedanken in passende Worte zu kleiden. Die teilweise euphorischen Beurteilungen zu diesem Buch kann ich leider überhaupt nicht teilen. Es fehlte mir zu vieles in dieser Geschichte. Zunächst haperte es an der durchgehenden Spannung. Mich trieb ständig die Frage beim Lesen weiter: “Wann passiert endlich was?“ Die eingestreuten Rückblenden in das Jahr 1983 mit Aurora in der Hauptrolle trugen bei mir auch nicht zur Erhellung bei.


    "Ein dunkler, tiefgehender, grandioser Krimi - das flammende Porträt einer Freundschaft und ihres Verrats." Nicci French


    Was sind das für große Worte! Absolut nichts von dieser Aussage kann ich bestätigen. Für mich waren die sechs angeblichen Freunde eine seltsame Gemeinschaft von jungen Menschen, die nichts weiter verband als belangloser Sex, Eifersüchteleien und eine Unmenge an Drogen.

    Mich störten außerdem als Vielleserin von Krimis und Thrillern die mangelhafte Logik in den Handlungsabläufen und die häufigen Banalitäten. Genannt sei hier Jonahs Geheimnis aus der Jugend. Das spielte am Ende eine untergeordnete Rolle, muss aber zum Schluß als Erkenntnisgewinn und zur Entlarvung des Täters herhalten. Seine guten privaten Verbindungen von der Schule her und als Polizeianfänger wirken für den Fall zu konstruiert. Insgesamt gesehen wären für die Story weniger Zufälle besser gewesen. Die Vorgänge um die Ermittlungen nehmen zu viel Raum ein, waren mir zu langatmig. Dahinter blieben die Charaktere zu blass, zeigten zu wenig Profil. In der Jugend mag das ja noch angehen, aber 30 Jahre später? In der Ausformung der Figuren liegt noch viel Potential für den Folgeband.


    Würde ich weniger kritisch an dieses Werk herangehen, bleibt eine Erzählung über einen lang zurückliegenden Vermißtenfall, der sich leicht lesen läßt. Als Kriminalroman bezeichne ich „Bis ihr sie findet“ nicht. Eine weitere Folge werde ich voraussichtlich nicht lesen.


    Ich bewerte das Debüt der jungen Autorin mit gutgemeinten 3 von 5 Sternen und vergebe eine eingeschränkte Empfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    SCHLESISCHE FAMILIENGESCHICHTE


    „Heimat ist ein Sehnsuchtsort" erzählt eine dramatische, schicksalhafte Geschichte, die 1928 in einem kleinen schlesischen Örtchen in der Nähe von Gleiwitz, ihren Anfang nimmt. Die Chronik des Vorkriegs- und Kriegsgeschehens erfolgt insbesondere anhand der Personen, die mit der Bauernfamilie Sadler zu tun haben.


    Laurenz Sadler lernt seine Annemarie durch einen unachtsamen Zusammenstoß auf der Straße kennen. Der verträumte Musikstudent verliebt sich Knall auf Fall. Allerdings verhindern mehrere Tragödien auf dem elterlichen Bauernhof seine Komponistenkarriere. Laurenz muss den Hof tatkräftig und in voller Verantwortung übernehmen. In großem Abstand bekommen sie zwei außergewöhnliche Töchter. Die erstgeborene Katharina ist hoch begabt, vielseitig talentiert. Franziska leidet unter einer seltenen Erkrankung, die sie zu einer hochsensiblen, empfindsamen Seele macht. Die Gemeinschaft auf dem Sadlerhof ist geprägt von einem harmonischen Zusammenspiel in den Verantwortlichkeiten für Mensch und Tier, von gegenseitigem Respekt, Fürsorglichkeit, Liebe und Verständnis. Bevor die braune Gefolgschaft Hitlers von der dörflichen Idylle Besitz ergreift, sorgt eine Bewohnerin mit ihrem abgrundtief schlechten Charakter, ihrem Haß und Neid für ständigen Unfrieden. Auf die Familie Sadler hat sie es im besonderen Maße abgesehen und ihre giftigen Attacken finden einen guten Nährboden bei den Nazis. Das Unheil nimmt seinen Lauf...


    Ich fand es sehr beeindruckend, wie die Autorin Hanni Münzer ihre Protagonisten durch die Handlung führt und mit den relevanten, geschichtlichen Ereignissen in Verbindung bringt. Da wären der Überfall auf Polen, die geheimen Forschungen an der V2-Rakete, die polnische Widerstandsbewegung, Agententätigkeit u.v.mehr. Daraus entstand ein unglaublich lebendig wirkender Ablauf, in dem sich alle Personen bewegen. Bis in die kleinste Nebenrolle erfahren die Akteure eine detailreiche Zeichnung ihrer Charaktere. Auch die Handlungsabläufe sind sorgfältig erdacht. Nichts scheint mir dem Zufall überlassen. An einigen Stellen ist es mir etwas zu viel des Guten (z. B. die Umstände, um Kathi als Hochbegabte nach Berlin zu holen oder die Wandlung des Fräulein Liebig, die Verhörmethoden im Hause Sadler...). Die tragischen Momente überwiegen und doch gibt es immer wieder Hoffnung, kleine Lichtblicke im immer trister werdenden Alltag. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Dieser Humor und der Zusammenhalt läßt die Menschen vieles ertragen und immer wieder nach Auswegen in dieser trostlosen, vom Werteverfall, Tod und Verderben gekennzeichneten Zeit suchen.


    Fazit:

    Es ist trotz der angesprochenen Kritikpunkte ein lesenswertes, bewegendes Buch mit starken Charakteren, das mich neugierig macht auf die Fortsetzung. Ich möchte gern verfolgen, wie es im zweiten Band der epischen Saga mit der Familie Sadler weitergeht.

    Erwähnenswert ist die Karte von Schlesien in den Grenzen von 1914 vorn im Buch. Eine ausführliche „Dramatis Personae" gibt Auskunft über die Personen.


    Ich bewerte diesen Roman mit fünf von fünf Sternen und empfehle ihn für alle Leser, die es lieben, historische Fakten fantasiereich verpackt zu erleben. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: