Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Mikaey

    Mordslust (Ein Kurpfalz-Krimi) - Klaus Maria Dechant


    SWB Media Entertainment

    302 Seiten

    Krimi

    Band 1

    25. Februar 2019


    Inhalt:


    Eigentlich hat Michi Cordes dienstfrei.

    Eigentlich sollte jetzt der Kollege Ackermann hier im Swingerclub vor der erdrosselten Frau stehen, der der Mörder die Scham zu einem bizarren Korsett zusammengenäht hat. Und eigentlich müsste sich die junge Oberkommissarin jetzt nicht die schalen Witze ihres vorgesetzten Hauptkommissars anhören.

    Also eigentlich dürfte sich Michis Leben heute nicht ändern. Eigentlich!

    Aber diese Nacht ändert alles.


    Meinung:


    Mein erster bewusst gelesener Krimi und ich muss sagen:

    So schlimm war’s gar nicht. Zumindest nicht von diesem Autor.

    Was vermutlich aber auch daran liegen mag, dass das Thema interessant gewählt war und das Drumherum mich ebenfalls angesprochen hat.

    Die Fortsetzung „Mordseier“ wird definitiv einziehen dürfen.


    Michaela Cordes, genannt Michi, 34-jährige Oberkommissarin bei der Kripo in Schwetzingen und ihre Kollegen sind just in einen Swingerclub gerufen worden, weil man dort eine Frauenleiche mit zugenähtem Genitalbereich gefunden hat.

    Die Ermittlungen diesbezüglich wurden bereits aufgenommen, doch der Fall erweist sich schwieriger als gedacht. Als dann auch noch eine zweite Leiche auftaucht, verrennt sich das Kommissariat in Verdächtigungen, Verhaftungen und anwaltlichem Chaos.
    So weit, so schön. Oder auch unschön, wenn man die Gründe bedenkt.


    Der Kurpfalz-Krimi spielt fast ausschließlich in Schwetzingen und Umgebung und die Hauptakteure sind die oben erwähnte Michi und ihr Kollege Guido Ruck.

    Den Schreibstil des Autors zu beschreiben ist ein bisschen vertrackt.

    Aufgebaut ist die Geschichte in unterschiedlich lange Kapitel, die von Ort zu Ort springen. Mal werden die Geschehnisse in Michis Wohnung beschrieben, mal die bei Guido, mal im Park oder auf der Kripostation.

    Alles folgt einer zeitlichen Reihenfolge samt Uhrzeit, was die Orientierung theoretisch erleichtert hätte, wenn mich nicht die vielen Polizeibegriffe, Ränge und salopp hingeworfenen Fachbegriffe aus dem Lesefluss gerissen hätten.
    Aber das nur am Rande. Denn eigentlich fand ich die Story echt gut, obwohl sie natürlich nicht in der Ich-Perspektive verfasst ist.


    Für einen Krimi wurde ich nämlich ziemlich gut unterhalten.

    Mal abgesehen vom erotischen Touch, den der Autor bei einigen Protagonisten einbaut, gab es auch einen tierischen Begleiter, der es mir angetan hat.

    Außerdem sprechen ein paar der Charaktere mit pfälzischem Dialekt, was sie irgendwie liebenswürdig macht und die Handlung zeitgleich etwas auflockert.

    Keine Sorge - es nimmt nicht überhand und ist relativ verständlich gehalten.

    Einzig der Gerichtsmediziner spricht ausschließlich mit Dialekt.

    Das tut der Story an sich jedoch recht gut.


    Normalerweise laufen Krimis ja immer nach Schema A-F ab und das, womit man hier überhaupt nicht rechnet, sind krasse, den Gedankenfluss unterbrechende, Überraschungen und Wendungen im Geschehen.

    Aber genau das bietet mir der Autor hier zum Ende hin an und ich bin davon echt begeistert, obwohl ich mich noch immer im falschen Genre bewege.

    Dafür ist die Spannung während des eigentlichen Verlaufs nicht ganz so breit gestreut und packend, aber immerhin neugierig machend.


    Fazit:


    „Mordslust“ ist mal eine andere Art von Krimi.

    Die Charaktere sind wunderbar real und teilweise liebenswürdig, durch den Kurpfälzerdialekt wird die, doch schon leicht blutige, gewaltige Handlung, etwas aufgelockert und es bleibt dennoch verständlich.

    Einzig die vielen Fachbegriffe, der Wechsel von hier nach dort, bringen einen ein wenig aus dem Lesefluss, aber die überraschenden Wendungen und das kaum durchschaubare Täterprofil, machen das einigermaßen wieder wett.

    Unterhaltsam, leicht unspannend im bürokratischen Bereich, aber durchaus lesenswert!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    The Grace Year (Ihr Widerstand ist die Liebe) - Kim Liggett


    Dressler

    416 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    24. Februar 2020


    Inhalt:


    „Niemand spricht über das Gnadenjahr. Es ist verboten.“

    In Garner County heißt es, dass junge Frauen die Macht besitzen, Ehemänner aus ihren Betten zu locken und Jungen in den Wahnsinn zu treiben.

    Um diese Kräfte zu verlieren, werden sie für ein Jahr in die Wildnis verbannt.
    Wer zurückkommt, wird verheiratet oder ins Arbeitshaus geschickt.

    Aber es kommen nie alle lebend zurück.

    Nur in ihren Träumen ist Tierney James frei, umgeben von Rebellinnen.

    Doch als ihr Gnadenjahr beginnt, spürt sie erst, wie tief verwurzelt der Hass ist. Denn nicht die Natur oder die tödlichen Wilderer, die ihnen auflauern, sind die größte Gefahr. Es sind die Mädchen selbst.


    Meinung:


    Der Ton macht die Musik.

    Und der von „The Grace Year“ ist nüchtern.

    Emotionslos. Ein wenig berechnend.

    So, als wäre jeder Funken Hoffnung gestorben. Er ist wie Eis, das erst langsam von einer aufgehenden Sonne angetaut wird. So verhielt es sich auch mit meinen Gefühlen in Bezug auf diese Geschichte. Ja, sie ist schockierend.

    Ja, sie erinnert ein wenig an den Widerstand von Panem. Es ist eine Rebellion.

    Aber wie bei jeder Rebellion muss erst ein Samen anfangen zu keimen, bis er den Boden durchbrechen kann. Dementsprechend bin ich auch nur langsam mit der Story warm geworden. Aber dann... dann ist sie über mich hereingebrochen wie die Flutwelle, die sie auszulösen versucht.


    Tierney James ist ein Gnadenjahrmädchen.

    Auf einer Insel inmitten eines großen Sees verbringen junge Frauen ein Jahr in Angst, Schrecken und Gefangenschaft.
    Ohne Hilfe. Ohne Mitgefühl.

    Nur um ihren Willen, ihre männerbezirzende Magie zu brechen.

    Es ist ein Kampf ums Überleben. Tag für Tag, Monat für Monat.

    Gegen das Wetter. Gegen die Wilderer. Gegen die Mädchen und gegen sich selbst.

    Und obwohl das Ganze, rückblickend betrachtet, enorm viel Kraft und Stärke besitzt, obwohl so viel Leidenschaft zwischen den Seiten steckt, war ich nicht gleich am Anfang mit dem Herzen dabei.


    Tierney ist eine ungewöhnliche junge Frau in einem absolut verachtenswerten System.
    Die Frauen von Garner County sind im Grunde Ware, die auf einem Marktplatz feilgeboten wird.

    Sobald sie ins heiratsfähige Alter kommen, werden sie auf diverse Weise markiert und gedemütigt.
    Was an sich schon schlimm genug ist. Freiheit. Liebe. Mitgefühl. Zusammenhalt... Gnade... all diese Emotionen kennen Mädchen und Frauen nur von ihrer Familie.

    Das System selbst vergisst und vergibt nichts.

    Und die Autorin hat das ab circa der Hälfte des Buches gnadenlos in mein Herz geprügelt.

    Doch bis dahin konnte mich die Gefühlswelt von Tierney, trotz dessen, dass die Geschichte in der Ich-Perspektive verfasst ist, nicht ganz mitreißen, obwohl ich es mir gewünscht hätte.


    Gerade zu Beginn wäre das so wichtig gewesen. Aber ich saß vor dem Buch und dachte mir nur: „Okay. Wo genau sind die Emotionen?“ Ich habe Wut vermisst. Hass auf die Welt in der Tierney aufgewachsen ist.
    Bekommen habe ich mehr oder weniger Resignation. Akzeptanz. Angst vor dem Unbekannten.

    Dem Gnadenjahr. Dabei ist der Schreibstil wirklich gut. Einfach zu lesen und dennoch plastisch.

    Greifbar. Fesselnd. Aber irgendwie... ich weiß auch nicht.

    Es fiel mir schwer Tierney als etwas Anderes zu sehen, als das Mädchen, das aufgegeben hat, wo ich mir doch schon anderes erwartet hatte.

    Doch als das Gnadenjahr begann... änderte sich alles.


    Das war wie der Startschuss für eine geballte Ladung Verzweiflung, Hoffnung, Hass, Erkenntnis, Überlebensinstinkt. Manchmal wusste ich nicht genau:

    Ist das jetzt Traum oder Wirklichkeit, aber genau diese Mischung hat mich gepackt und mitgerissen, wenn auch die Emotionen definitiv ausbaufähig waren. Beim Gnadenjahr gibt es keine Regeln.
    Nur Flucht und Jagd, Glaube und Gewalt, Bedeutungslosigkeit und Machtmissbrauch.

    Die Atmosphäre schwankt zwischen dunkel, düster, fassungslos, verwirrt und hoffnungsfroh, naturverbunden - mit starken weiblichen Charakteren - hin und her. Die Spannung und Neugier sind ab der zweiten Hälfte kaum auszuhalten.

    Hinter jeder Seite, so kam es mir vor, lauerte entweder ein Geheimnis oder die Autorin hielt eine atemberaubende Wendung bereit.


    Allerdings...

    Die Liebesgeschichte, die essentiell für den Verlauf der Handlung ist, kam zwar glaubwürdig rüber, war aber zeitgleich auch nur so daher erzählt. Da wurde nichts vertieft, nichts intensiviert, die Verbindung zwischen mir als Leser und den Protagonisten war einfach zu schwach für Highlight-Jubelrufe.

    Und auch die Zeitsprünge, die innerhalb der Story gemacht werden, haben mir ein wenig zu schaffen gemacht.
    Ich mag klare Strukturen, was das angeht.

    Die Autorin hat es zwar ermöglicht, dass es den Lesefluss nicht stört, aber dadurch verschwimmt die Handlung ein wenig zu einem farbigen Daumenkinostreifen, der zu schnell überblättert wird.

    Nichtsdestotrotz hat es „The Grace Year“ in sich.


    Fazit:


    Obwohl mich „The Grace Year“ nicht von Anfang an mitreißen konnte, ist es doch ein Buch, das nachhallen wird.

    Es ist ausdrucksstark und herzergreifend, selbst wenn die Emotionen einen nicht direkt anspringen.
    Allein das Thema und die starke Umsetzung, die vor allem in der zweiten Buchhälfte viele Überraschungen bereithält, lässt die Geschichte hervorstechen.

    Die dystopisch angehauchte Handlung überzeugt mit physischen Gefahren, Wendungen, bei denen man nach Luft schnappt und der metaphorischen Brechstange, die bei Moral und Gewissen ansetzt.

    Tierney James Gnadenjahr verändert alles. Erlebt es selbst.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️💫 (4,5/5)

    Vortex (Der Tag, an dem die Welt zerriss) - Anna Benning


    Fischer Verlag

    496 Seiten

    Dystopie

    Band 1

    04. März 2020


    Inhalt:


    „Die Vortexe zerstörten unsere Welt. Wir lernten in ihnen zu laufen.
    Doch niemand ahnte, was sie in uns entfachen würden …“


    Für Elaine ist es der wichtigste Tag ihres Lebens: In Neu London findet das spektakuläre Vortexrennen statt, und sie ist eine der Auserwählten. Hunderte Jugendliche jagen bei dem Wettkampf um den Globus – doch nicht zu Fuß.

    Sie springen in die Energiewirbel, die die Welt vor Jahrzehnten beinahe zerstört haben. Der Sprung in einen Vortex ist lebensgefährlich, doch gelingt er, bringt er einen wie ein geheimes Portal in Sekunden von einem Ort zum anderen.

    Elaine will das Rennen um jeden Preis gewinnen.
    Doch mitten im Vortex erwacht eine Macht in ihr, die die Welt erneut erschüttern könnte.

    Und der Einzige, der Elaine nun zur Seite stehen kann, ist ein Junge, der nichts mit ihr zu tun haben will …


    Meinung:


    Das Erste, was mir zu Vortex einfällt?

    Cool. Es ist ein verdammt cooles Buch.

    Im Sinne von: Wie genial abgefahren ist bitte dieses Worldbuilding?

    In der Zukunft. In der Vergangenheit. Mit riesigen Wurmlöchern, mit denen man von Ort zu Ort reisen kann.

    I mean, hallooooo?

    Ich fühlte mich wie in einem abgespaceten Scififilm.

    Nur, dass es sich nicht wie Scifi angefühlt hat, sondern eben wie die coole, die lesbare Variante davon.
    Ohne viel unverständlichen Technik-Weltraum-Schnickschnack. Kaum zu glauben, dass das ein Debüt ist.


    Was für ein unglaublicher Schreibstil.

    Diese Geschichte übt einen absoluten Sog auf den Leser aus.

    Was möglicherweise an den Vortexen selbst liegen könnte oder eben daran, dass die Autorin die Welt drumherum so real, so authentisch, emotional und greifbar gestaltet hat. Die Protagonisten sind sensationell gezeichnet.

    Mit Ecken und Kanten. Mit Höhen und Tiefen. Und erst diese Idee.

    Wer das Computerspiel „Portal“ kennt, der wird Vortex auf jeden Fall lieben.


    Wir schreiben das Jahr 2099, in dem Kuratorien die Städte beherrschen und die Läufer ständig im Einsatz sind, um die Menschheit vor den Splits zu schützen. Elaine steht vor der letzen großen Prüfung, dem Vortexrennen, das sie zu einer Läuferin machen wird, sollte sie es mindestens auf Platz 10 ins Ziel schaffen.

    Das ist, worauf sie ihr Leben lang gewartet hat, denn eine Stellung als Läuferin verschafft ihr nicht nur Ansehen und Ehre, sondern auch die Möglichkeit zur Rache an denen, die ihr das Wichtigste auf der Welt nahmen.


    Und mehr kann ich eigentlich auch gar nicht zum Inhalt sagen.

    Die Welt von Vortex gleicht der unseren. Bis auf die Tatsache, dass die Menschheit sich aufgespalten hat.
    In „Normale“ und „Splits“.

    Nimmt man das zusammen, kann das eine explosive Mischung sein, denn irgendjemand muss ja die Vorherrschaft haben.

    Und solange das nicht geklärt ist, kann es keinen Frieden geben.

    Elaine hat anfangs nur ein Ziel. Bis sich herausstellt, dass ihr Ziel nur eine gut getarnte Lüge ist.

    Wie in jedem guten Buch gibt es auch bei Vortex eine Macht, die es zu zerstören gilt. Nur ist es unklar, welche das ist.

    Und das macht das Ganze so spannend.


    Elaines Weg durch die Vortexe ist rasant.
    Sie ist wie ein Wirbelwind, gefühlt unaufhaltsam, genau wie Bale, der zweite Spieler auf dem Feld.

    Es ist ein Abenteuer, ein actionreiches, aufregendes Abenteuer, bei dem wir die Protagonisten begleiten dürfen und durch die Ich Perspektive aus Elaines Sicht, wirkt alles unheimlich einnehmend.

    Das Vortexspringen, die Energiewirbel, die Pläne der Gegner, die Wunder der Welt.

    Alles ist bunt und vielschichtig und man kann sich gar nicht daran satt sehen.

    Immer wenn ich dachte, ich hätte schon alles gesehen, kommt die Autorin mit etwas Neuem um die Ecke und überrascht mit teilweise hoffnungsvollen, aber auch brutalen Wendungen. Was Spannung angeht, ist dieses Buch unberechenbar.
    Die Luft flirrt und sirrt beim Lesen wie ein sich gerade öffnender Vortex. Und das ist beeindruckend.


    Fazit:


    Vortex zu lesen, ist wie mit dem Strom zu schwimmen.

    Es geht leicht von der Hand, weil man immer irgendwas hat, was einem den Rücken stärkt und einen vorantreibt.
    Diese Geschichte ist wie ein großer Abenteuerspielplatz - überraschend, fesselnd, teilweise gefährlich.

    Mit einem bombastischen Setting, raffinierten Charakteren und unerwarteten Wendungen überzeugt Vortex in jeder Hinsicht. Ob Grunder, Zünder oder Rifts, ob eine Stadt in den Bäumen, wunderschöne Landschaften oder die harte Realität - Vortex saugt dich ein und spuckt dich an den spektakulärsten Orten wieder aus. Großartig!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Schatten über Whitechapel - Sandra Binder


    Digital Publishing

    340 Seiten

    Crime Fantasy

    Einzelband

    20. Februar 2020


    Inhalt:


    1888 versetzte ein unbekannter Serienmörder das Londoner East End in Angst und Schrecken – heute setzt er sein grausiges Werk fort.

    Während der Mord an einer Prostituierten die Polizei vor ein Rätsel stellt, erkennt Privatdetektivin Maxine Atwood in der abscheulichen Tat die Handschrift eines alten Bekannten: Jack the Ripper.

    Die in die Menschenwelt verbannte Gefallene hofft zunächst auf einen Zufall, doch ›Saucy Jacky‹ meldet sich bald schon persönlich bei seiner einstigen Rivalin: Wie damals schreibt er ihr Briefe, führt sie mit echten Informationen und falschen Hinweisen in die Irre und hetzt die Detektivin kreuz und quer durch ganz London. Maxine verfolgt jede noch so winzige Spur, überprüft alle dämonischen Zweige der Stadt, aber sie scheint ein Phantom zu jagen.

    Und der Ripper droht, ihr ein zweites Mal zu entkommen ...


    Meinung:


    Dämonen. Engel. Und Jack the Ripper.

    Alkoholikerinnen. Prostituierte. Zehn Morde und eine aussichtslose Jagd.

    Habt ihr Lust auf Irrungen und Wirrungen in den Straßen Londons?

    Maxine Atwood auf jeden Fall nicht.

    Dumm nur, dass ihre Vergangenheit das anders sieht.


    Habt ihr euch eigentlich schon mal in einen Säufer hineinversetzt?

    In jemanden, der die Vergangenheit in Alkohol ertränken will?

    In einen gefallenen Engel, der unschuldig verbannt wurde?

    Falls nicht, habt ihr mit „Schatten über Whitechapel“ die Möglichkeit dazu.

    Denn Maxine Atwood ist keinesfalls direkt zu Beginn die schillernde Heldin, die jeden Fall im Handumdrehen löst und nur mit den Fingern zu schnippen braucht, wenn sie Fakten und Daten zu einem großen Ganzen verbinden will.

    Seit knapp 130 Jahren lebt Maxine nun schon unter Menschen und die anfänglichen Euphorie, ihr Tatendrang, ihr Verständnis für das Gute im Menschen ist ihr im Laufe der Zeit abhanden gekommen. Verständlicherweise.


    Den Schreibstil der Autorin kannte ich schon aus anderen Geschichten, er ist flüssig, peppig, frisch und trägt viel dazu bei, dass man sich trotz grausiger Begebenheiten beim Lesen wohl fühlt.
    Was ich allerdings noch nicht von ihr kannte, war die Ich-Perspektive und ich bin ja bekanntermaßen Fan davon.

    Die Autorin hat es hierbei geschafft, dass ich mich direkt in Maxines Gedanken vergraben konnte und trotzdem nicht alle Details ihrer Pläne zu Gesicht bekam.

    Außerdem lockert sie die Handlung zwischendurch mit der Vergangenheit 1888 auf und lässt ein paar Szenen zu diversen Ripper-Opfern einfließen.


    Wie schon erwähnt, war die Protagonistin nicht direkt zu Beginn sympathisch, sondern eher bemitleidenswert.

    Eine Privatdetektivin, die sich aufgegeben hat, planlos und pleite ist. Ohne Einkommen oder Zukunftsperspektive.

    Bis eines Tages ein Päckchen vor der Tür liegt und selbst ihr Suff-vernebeltes Hirn die Zusammenhänge nicht mehr ignorieren kann. Jack the Ripper ist zurück. Und er will sein Spiel mit ihr fortsetzen.

    An dieser Stelle sei gesagt, dass das hier eine Fantasy-Crime Story ist.

    Eine mögliche Lösung für das Mysterium, das Englands bekanntesten Serienkiller umgibt.
    Und es ist eine, die mir sehr gefällt.


    Jeder, der sich ansatzweise mit dem Thema „Jack the Ripper“ beschäftigt, kennt zumindest die Grundzüge seiner Morde: Frauen, Prostituierte, im Schutz der Nacht, sehr blutig. Diese Umstände macht sich die Autorin hier zunutze und webt Maxines Story geschickt mit ein. Es ist eine Jagd nach dem Unbekannten.

    Nach der Lösung für das Verbrechensproblem. Es ist aufregend und für Zartbesaitete zugleich abstoßend. Aber spannend.

    Ich konnte meine eigenen Schlüsse ziehen, Maxines Charakterentwicklung mitfühlen und war für jeden Hinweis, jeden Beweis dankbar. Am allermeisten gelungen fand ich jedoch die Darstellung von Saucy Jack.

    Seine Verrücktheit ist mir förmlich aus dem Buch entgegengesprungen.

    Mit seinen Briefen und Geschenken, seinen entgleisenden Buchstaben - auch wenn ich ihn selbst (zum Glück) nicht kannte und auch nur von Erzählungen her kenne - kam mir das sehr authentisch vor.

    Dementsprechend düster, chaotisch drückend und rätselhaft war auch die Atmosphäre.


    Fazit:


    Fans von „Jack the Ripper“ bekommen hier eine neue Verschwörungstheorie aufgetischt. Neulinge erhalten einen ersten Einblick in sein krankes Hirn und lernen seine Gräultaten mit einem fantastischen Hintergrund kennen.

    Und Menschen, die im Allgemeinen gern Rätselhaftes lesen und ihren Verstand anstrengen wollen, die werden bestens unterhalten. „Schatten über Whitechapel“ bietet blutige Spuren, übelkeitserregende Briefe, übersinnliche Fähigkeiten, Fallenstellereien, Gefahren hinter jeder Ecke und eine Protagonistin, die dank Saucy Jack einen kalten Entzug macht.

    Aber auch ein - Überraschung! - kleines Drama, Tiefgründigkeiten und Nervenflattern.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Trügerisch - Megan Miranda


    Carlsen Verlag

    368 Seiten

    Thriller

    Einzelband

    29. November 2019


    Inhalt:

    Seit einem Monat ist Caleb tot. Alle geben Jessa die Schuld an dem Unfall.

    Und Calebs Mutter verlangt, dass sie seine Sachen wegpackt.

    Jessa hofft einfach, dass sie so endlich abschließen kann.

    Doch als sie Calebs Zimmer ausräumt, fallen ihr Dinge in die Hände, die sie ins Grübeln bringen.

    Die alles infrage stellen, was sie von ihrem Exfreund zu wissen glaubte.

    Caleb hatte Geheimnisse. Ihre gemeinsame Zeit – und sein Tod – rücken plötzlich in ein neues Licht.
    Jessa will die Wahrheit wissen.

    Unbedingt. Und auf eigene Gefahr …


    Meinung:


    Ein Karton voller Erinnerungen. Randvoll von der Person, die einmal gewesen ist.

    Klamotten, Bücher, Schuhe, Trophäen.

    Zettel, Papierkram, zerbrochenes Glas, ein Brillenetui.

    Gestapelt in einem Karton, in einem Zimmer, das einem Geist gehört.


    Megan Miranda weiß definitiv mit Worten umzugehen.

    „Trügerisch“ war mein erstes Buch der Autorin und es hat mich etwas rat- und rastlos zurückgelassen.
    Denn es ist eine gute, packende Geschichte, aber es fehlt trotzdem irgendwie an Spannung.

    Die Autorin übermittelt Emotionen, sie kamen an, aber ich fühlte sie nicht.

    Nicht direkt zumindest. Es war ein großer Drahtseilakt.

    Aber auch ein langatmiges Rätselraten.


    Das Buch beginnt mit Calebs Zimmer. Caleb, der seit Ewigkeiten tot zu sein scheint, ein immer mehr verblassendes Bild, wie Jessamyn, seine Exfreundin feststellt. Da die Geschichte in der Ich-Perspektive verfasst ist, hatte ich direkt zu Anfang eine Verbindung zu ihr. Ich habe ihre Trauer gefühlt, aber sie hat mich nicht erfasst. Ich habe ihre Scham gespürt.

    Ihre Wut, aber nichts von all dem ging mir nahe. Es war, als würden die Gefühle ungefiltert durch mich hindurchrasen und nichts hinterlassen, außer einem Hauch von Schatten.

    Dabei hätte Jessas Verzweiflung eine richtig gute, herzzerreißende Story aus der Sache machen können.
    Leider war das Ganze mehr Schein als Sein.


    Die Idee an sich ist nicht schlecht. Jessas Aufräumaktion ist wie eine Reise in die Vergangenheit.

    Man erlebt die Beziehung von Caleb und ihr - aber nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern durcheinander - erfährt Jessas Emotionen in dieser und jener Situation und kommt schlussendlich dem wahren Caleb auf die Schliche.
    Dem, in den sich Jessa damals verliebte.

    Und der von der Flut mitgerissen wurde. Ich glaube, der Grund, warum keine richtige Spannung aufkommen wollte, war, dass ich automatisch wusste, dass das nicht alles sein kann. Hinzu kommt, dass die Haupthandlung, nämlich Jessa in Calebs Zimmer, immer wieder von eben jenen Erinnerungen unterbrochen wird, die zeitweise, durch die undurchsichtigen Emotionen, eben etwas langatmig waren. Es gehört zur Geschichte dazu, um den passenden Eindruck zu vermitteln... aber es passte nicht in mein Bild des großen Rätsels.


    Der Schreibstil der Autorin ist einfach zu lesen und doch gleichzeitig ein wenig poetisch angehaucht.

    Sie schreibt tiefgründig, hinterfragt, nutzt all die ihr gegebenen Mittel, um dem Leser zu vermitteln, dass man vor einem riesigen Fragezeichen steht. Bis kurz vor dem Ende wusste ich nicht was Sache ist.

    Wer hinter all dem steckt und was dieses „all das“ überhaupt ist.

    An sich ist das ein guter Handlungsaufbau, doch ich glaube, wenn das in chronologischer Reihenfolge abgehandelt worden wäre und vielleicht in abwechselnden Kapiteln, dann wäre die Wirkung des Ganzen einprägender gewesen.
    So allerdings war die Atmosphäre zwar drückend und trauergeschwängert, aber gleichzeitig auch nicht greifbar.


    Ich konnte zu Jessa eine Verbindung aufbauen, aber eine richtige Sympathie kam irgendwie nicht auf. Ich wusste nicht wirklich, was ich von den Charakteren halten soll. Sie hatten Ecken und Kanten, waren jedoch nur ansatzweise tiefgründig. Ja, das ist alles sehr poetisch und hinterfragend verfasst, doch irgendwie schwingt überall ein „Aber“ mit, sodass schlussendlich auch die einigermaßen spannende Auflösung nicht mehr viel retten konnte.


    Fazit:


    „Trügerisch“ ist ein wortgewaltiger Thriller, dessen geladene Emotionen jedoch mit solcher Wucht auf den Leser abgefeuert werden, dass nur Schmauchspuren an den Fingern haften bleiben.

    Die Autorin spielt mit Erinnerungen, die Protagonistin puzzelt und rätselt sich durch und am Ende ergibt sich ein überraschendes Bild. Doch der Weg dorthin ist chaotisch und stellenweise langatmig, sodass ich zwar leicht berührt, aber nicht gut unterhalten wurde, was schade ist, da so viel Potenzial in dieser Geschichte steckt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️💫 (3,5/5)

    Forever (Solange wir uns halten) - Tommy Herzsprung


    Emo Media GmbH

    419 Seiten

    LGBTQ

    Einzelband

    08. November 2018


    Inhalt:


    »Mit Entscheidungen verhält es sich wie mit Tattoos.

    Einmal getroffen, wirst du sie nie wieder los.

    Nicht die guten, aber vor allem nicht die schlechten.

    Sie verfolgen dich ein Leben lang.«


    Ausgerechnet während eines One-Night-Stands ereilt Brian die Nachricht, dass seine Mutter gestorben ist.
    Er hatte sie längst aus seinem Leben gestrichen, doch ihr Tod reißt alte Wunden auf. Als er überstürzt von New York nach Kopenhagen reist, um mit der Vergangenheit abzuschließen, stellt sich ihm der ehemalige Rocker Leif in den Weg.

    Der ebenso finstere wie anziehende Typ hat Furchtbares erlebt und hält andere auf Abstand.

    Doch als die beiden sich näherkommen, spüren sie, dass ihre Gefühle füreinander stärker sind als ihre Angst, ein weiteres Mal verletzt zu werden …


    Meinung:


    Eigentlich passte dieses Buch überhaupt nicht in meine Leseplanung hinein.

    Aber aus „Ich wollte nur mal kurz reinlesen“ wurde ein schwuppppss, sorry, da musst du jetzt durch.
    Es war mein erstes Buch des Autors und ich finde, er schreibt richtig gut.

    Schön beschwingt, auch wenn die Emotionen noch ein wenig ausbaufähig sind.
    Nichtsdestotrotz mag ich die Geschichte, die zwischen New York und Kopenhagen, Leif und Brian hin und her pendelt.


    Brian führt ein ziemlich beschauliches Leben. Mitte 20, solider Job im Museum, nur beim Liebesleben hapert es ein wenig. Allerdings mangelt es nicht an Angeboten, denn Brian sieht nicht schlecht aus.

    Und der Einstieg in diese Story war wirklich amüsant. Und heiß.

    Ein One-Night Stand mit einem Millionärssöhnchen, dessen Ende Brian nach Dänemark führte.

    Das Warum ist traurig, aber das was in diesem neuen Land folgte, war überraschend. Erschreckend. Und irgendwie schön.

    Auf eine spezielle Art und Weise. Ich bin mir nämlich nach wie vor nicht sicher, ob ein autonomer Staat wie der, den Brian erkunden darf, in Dänemark so existiert. Es war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung und das Ambiente lässt sich eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: Freiheit.


    Vom Setting einmal abgesehen geht es in Dänemark hoch her.

    Die oben genannte Freiheit wird nämlich von einigen, meiner Meinung nach, zu sehr ausgekostet.
    Drogenhandel, Gewalt, Sexpartys, Bandenkriminalität.

    Das, was der Autor hier in einen Top wirft, ist explosiv.

    Aber nicht nur die Handlung ist aufregend - auch zwischen Brian und Leif geht es heiß her. Sehr heiß.

    Anschaulich heiß. Ein bisschen sabberwürdig.


    Was, außer den äußerst erotischen Darstellungen, lässt sich sonst noch zu den Charakteren sagen?
    Es wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Brian und Leif erzählt, was bereits zu Beginn eine emotionale Brücke geschlagen hat. Allerdings nicht so intensiv wie ich es gern gehabt hätte.
    Ich konnte die Gefühle der Protagonisten nachvollziehen, aber so ganz drin war ich nicht.

    Obwohl Leif diesbezüglich sogar noch verschlossener war als Brian.

    Für den Verlauf der Handlung wäre eine starke Bindung zwar schön gewesen, doch im Endeffekt war die restliche Geschichte auch so faszinierend.


    Ein weiteres Manko war für mich das Ende, allerdings ist das Geschmackssache. Mag sein, dass das schon Drama genug war, aber ich hätte mir ein wenig mehr Widerstand, mehr Kampf gewünscht.

    Eine andere Richtung, denn auch in New York standen die Türen offen.


    Fazit:


    „Forever“ ist emotional nicht der Burner, schlägt jedoch handlungsmäßig und atmosphärisch voll ein.

    Es trumpft auf mit sympathischen und hin und wieder tiefgründigen Protagonisten, einer aufregenden, traurigen Story und hocherotischem LGBTQ Touch. Hinzu kommt ein neues, interessantes Setting, das durch den Wechsel zwischen den Städten keine Langeweile entstehen lässt.

    Die Lovestory von Brian und Leif ist definitiv mal was Anderes und perfekt für alle, die etwas länger in einer New Adult Geschichte versinken wollen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    LifeHack (Dein Leben gehört mir) - June Perry


    Arena Verlag

    368 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    23. September 2019


    Inhalt:


    Sie ist nur eine Software. Aber sie will fühlen. Sie will lieben. Sie will leben. Sie will DEIN Leben.


    Als sie Ada das erste Mal begegnet, steht Ellie quasi sich selbst gegenüber - ihrer Doppelgängerin.

    Ada ist so cool und mutig, wie Ellie es selbst gern wäre. Aber Ada ist Ellies lebendig gewordener Albtraum:

    Denn sie ist eine Software und gekommen, um Ellies Leben zu übernehmen!


    Ada ist eine Künstliche Intelligenz.
    Doch eine gefühllose Konstruktion aus Bits und Bytes zu sein, das reicht ihr schon lange nicht mehr.

    Sie will frei sein, sie will ein Mensch sein! Ada, Ellies optimierte Version, verfolgt von Anfang an nur ein einziges, skrupelloses Ziel: Ellie zu werden.

    Nein, sogar besser als sie. Mühelos spannt Ada Ellie ihren Schwarm Parker aus.

    Ellie, von Wut, Eifersucht und Verzweiflung getrieben, leistet Widerstand und kämpft buchstäblich um ihr Leben.

    Doch dieser Kampf wird Ellie ALLES kosten, was sie einst für sicher gehalten hat …


    Meinung:


    Künstliche Intelligenz.

    Die Zukunft. Maschinen, die eigenständig handeln.

    Selbst denken. Die Moral und ein Bewusstsein entwickeln können.

    Davon sind wir gar nicht mal mehr weit entfernt.

    Es gibt schon Roboter, die unsere Arbeit übernehmen.

    Weil die Menschheit ihre Intelligenz unter Beweis stellen muss.

    Deshalb ist das Szenario, das die Autorin hier entwickelt hat, sogar wahrscheinlich.
    KI‘s, die unser Leben wollen. Mehr oder weniger.

    Und wer trägt die Schuld? Na, dreimal dürft ihr raten.


    Ellie hat es seit dem Autounfall nicht gerade leicht.

    Ihr Vertrauen in ihr technikgesteuertes Leben ist rapide gesunken.

    Autonome Fahrzeuge, intelligente Haussysteme, sprachgesteuerte Minicomputer, die wie Armbänder getragen werden - alles Dinge, die das Leben vereinfachen sollen. Doch in Ellies Welt gibt es kein einfach mehr.

    Sie ist in einem Teufelskreislauf gefangen.

    Und obwohl die Autorin Ellie als Ich-Erzählerin einsetzt, kam die Hoffnungslosigkeit oder generell irgendwelche Gefühle nicht ganz bei mir an. Im Gegensatz zu Adas personeller Perspektive.
    Was witzig ist, da Ada eigentlich der Feind ist. Eine Künstliche Intelligenz.

    Erschaffen, um zu dienen, nicht, um Emotionen zu empfinden.

    Geschweige denn sie zu transportieren. Aber genau das hat Ada geschafft.

    Ich konnte ihre Sichtweise auf die Geschichte viel mehr nachvollziehen als Ellies. Habe mit ihr gelitten und gebangt, auch wenn ich sie zwischenzeitlich gehasst habe. Für ihren Versuch Ellie das Leben zu stehlen.


    Grundsätzlich ist „LifeHack“ echt gut aufgebaut.

    Der Schreibstil lässt einen locker-leicht durch die Seiten fliegen, sodass die Story innerhalb von wenigen Stunden ausgelesen ist. Die Sicht schwankt je nach Bedarf zwischen Ada, Parker, Ed und Ellie hin und her, sodass man einen umfassenden Überblick bekommt und theoretisch jeder Charakter eine gewisse Tiefe ausstrahlen kann.

    „Lifehack“ erzählt aus Ellies zukunftsschwangerem Leben mit Androiden, Mährobotern und Robo-Katzen.
    Letzteres hat mir, ehrlich gesagt, ein bisschen Gänsehaut beschert. Gruselige Vorstellung.


    Das Tempo, das die Autorin vorlegt, ist so rasant wie der Stil.

    Und obwohl die Seiten nur so flogen, hatte ich irgendwie kein richtiges Zeitgefühl. Dafür aber jede Menge Spannungselemente. Neben dem Drama, das Ada und Ellie um das „gemeinsame“ Leben veranstalten, gibt es auch noch reichlich Action von Anti-Techs, Menschen, denen die Entwicklung der Robos und Co sauer aufstößt.

    Es sind auch ein paar wirklich überraschende Wendungen dabei, aber nichts, was mich komplett umgehauen hat.

    Irgendwie habe ich bei dieser Story ein wenig Komplexität vermisst.

    Ein bisschen um die Ecke denken. Und eine größere emotionale Verbindungen zu allen Protagonisten.
    Es war unterhaltsam, aber nicht drastisch genug.


    Fazit:


    „LifeHack“ ist eine echt solide Dystopie mit hohem Unterhaltungsfaktor.

    Taucht ein in eine Welt, die immer mechanischer wird, in der Technik regiert und Systeme nicht mehr aus dem Haushalt wegzudenken sind. Lasst euch vom Handlungsverlauf und den Charakteren überraschen, aber erwartet keine tiefgreifende Verbindung zu ihnen. Die Geschichte trumpft mit Spannung und Action auf, doch wie das bei Robotern eigentlich sein sollte: Emotionalität ist Mangelware.

    Nichtsdestotrotz ist es griffig und fix gelesen!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Beastmode (Es beginnt) - Rainer Wekwerth


    Thienemann Esslinger Verlag

    320 Seiten

    Fantasy

    Band 1
    18.
    Januar 2020


    Inhalt:


    Sie sind die letzte Hoffnung der Menschheit:

    Damon Grey, ein unheimlich gut aussehender, zweihundert Jahre alter Dämon.

    Amanda Nichols, die von sich behauptet, eine Göttin zu sein.

    Wilbur Night, der am ganzen Körper tätowiert ist und für fünf Sekunden die Zeit anhalten kann. Malcom Floyd, ein nicht klein zu kriegender Vollnerd, der unverwundbar ist. Und Jenny Doe, halb Mensch, halb Maschine, die keinerlei Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat. Sie müssen herausfinden, was es mit dem mysteriösen Energiefeld auf sich hat, das im Pazifischen Ozean entdeckt wurde. Wissenschaftler vermuten, dass es ein gigantisches Portal ist, das in eine andere Dimension führt. Doch bislang ist keiner je zurückgekehrt …


    Meinung:


    Amanda, Malcom, Damon, Jenny und Wilbur sind fünf ganz besondere Jugendliche in einer ganz besonderen Zeit.

    In einer Welt, die der Unseren gleicht und in der die Auslöschung der Menschheit kurz bevorsteht, werden diese fünf für eine Mission ohne Wiederkehr ausgebildet. Innerhalb kürzester Zeit werden sie nach militärischen Standards getrimmt und müssen dann ihr Leben für Millionen von Menschen aufs Spiel setzen, die sich nicht einmal mehr an sie erinnern werden.

    Klingt abgefahren - ist es auch und trotzdem blieb „Beastmode“ etwas hinter meinen Erwartungen zurück.


    Bisher hatte ich noch kein Buch von dem Autor gelesen, aber er schreibt wirklich gut.
    Flüssig, fantasievoll, nicht zu abgehoben, obwohl auch Scifi-Elemente in der Geschichte vorkommen.

    Ich würde es als eine Mischung aus Dystopie, Fantasy und Jugendbuch beschreiben.

    Die Kapitel sind nicht zu lang, sodass man relativ schnell vorankommt, was aber auch an der guten Story liegen mag.
    Und gut ist sie, keine Frage.

    Die Idee habe ich so noch nicht gelesen, sie ist mir neu und dementsprechend neugierig war ich auf den Verlauf.

    Ich meine, Menschen mit besonderen Fähigkeiten gibt es zwar schon im Leseuniversum, aber die Zusammenstellung der Truppe fand ich echt unterhaltsam.


    Erzählt wird das Ganze in der personellen Perspektive, sodass jeder Protagonist einmal zu Wort kommt.
    Man erhält also einen groben Überblick über die gesamte Gefühlslage der Charaktere. Und wenn ich sage grob, dann meine ich auch grob, denn eine emotionale Verbindung zu den Jugendlichen konnte ich nicht herstellen.

    Der Autor schreibt teilweise über Liebe, allumfassende Liebe nach nur einem Tag bzw zwei, drei Tagen, das ging bei mir leider rein und wieder raus - sowas kaufe ich selbst dem Besten nicht ab, sorry.

    Da müssten die Umstände noch ein bisschen anders sein.

    Aber auch bei den restlichen Gefühlen hatte ich ein paar Probleme, die zu fassen zu kriegen.
    Es blieb alles sehr oberflächlich, ab und zu blitzte eine gewisse Tiefe durch - vor allem bei Jenny und Malcom konnte ich mich etwas besser einfühlen, aber ansonsten fehlte es an Tiefgründigkeit.


    Nichtsdestotrotz fand ich die Handlung schön konstruiert.

    Die Göttin, der Dämon, die halbe Maschine, der Zeitmensch und der Nerd begeben sich auf eine Reise, ein Abenteuer ins Ungewisse und ich wusste bis zur Hälfte wirklich nicht was mich erwartet. Ab Mitte des Buches ist die Euphorie etwas abgeflaut, da ich schon gewisse Schlüsse ziehen konnte und die sich als wahr erwiesen haben.

    Die Gruppe findet sich an verschiedenen Orten wieder, die Settings hat der Autor sehr authentisch beschrieben, der Charme der Zeit konnte mich einlullen und diesbezüglich ins Geschehen versetzen. Es ist natürlich immer aufregend neue Dinge zu entdecken, aber es war auch spannend mitzuverfolgen, wie sich die Gruppendynamik entwickelt.

    Nicht alle Charaktere waren von Beginn an sympathisch und doch haben sie durch ihre Fähigkeiten etwas Faszinierendes an sich, das einen beim Lesen vorantreibt.


    Die Atmosphäre lässt sich als angespannt beschreiben, schließlich steht das Schicksal der Welt auf dem Spiel, aber der Autor hat auch noch einige spannende Elemente mit einfließen lassen: Flucht, Energiefelder, Überraschungsmomente - wenn auch nicht viele und das Gefühl dauerhaft verfolgt zu werden und nicht zu wissen, wer da hinter einem ist.

    So gesehen war es prickelnd, aber nicht übermäßig fesselnd.


    Fazit:


    „Beastmode“ ist der Auftakt zu einer aufregenden, abenteuerlichen Reise, die ein sehr ungleiches Team an diverse Orte, zu immer neuen Gefahren und Rätseln bringt. Obgleich das Sympathielevel unterschiedlich hoch war, hatte ich doch meinen Spaß mit der Geschichte. Die Fähigkeiten der fünf Jugendlichen bringen einen gewissen Kick in den Verlauf, aber auch sonst liest es sich schnell weg, vor allem weil ich gern hinter die Fassaden blicke und immer von Wissensdurst vorangetrieben wurde. Das einzig große Manko der Story ist die fehlende emotionale Verbindung zu den Protagonisten.

    Man liest „Beastmode“, aber „erleben“ konnte ich es nicht.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Zwei in Solo - Elja Janus


    FeuerWerke Verlag

    336 Seiten

    Lovestory

    Einzelband

    24. Juni 2019


    Inhalt:


    Sie stammen aus zwei Welten, und doch verbindet sie die gleiche Sehnsucht: ganz sie selbst zu sein. Als Sophie und ihr ehemaliger Schüler Milo nach Jahren wieder aufeinandertreffen, fühlen sie sich sogleich zueinander hingezogen.

    Dabei sind sie so verschieden – sie, die gelernt hat, jedes Gefühl zu unterdrücken, und er, der in ein Leben voller Gewalt und Machtkämpfe geboren wurde. Als sie bereit sind, sich wirklich aufeinander einzulassen, wird aus Sophie und Milo endlich Solo.
    Doch ihre kleine Welt ist dem Untergang geweiht, wenn die beiden ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen können.


    Meinung:


    Vor Solo wusste ich nicht, dass so viele schöne und unschöne Worte eine so perfekt-unperfekte Geschichte ergeben können.

    Vor Solo gab es keine Watte, die aus Mündern quillt, keine geflüsterten „Fick dich‘s“ und „Scheiß drauf‘s“, keine Vögel mit nur einem Flügel.

    Vor Solo hatte ich keine Ahnung, dass auch deutsche Autorinnen Gefühle so verdammt gut in Worte fassen können, wie meine Queen of Writing Brittainy C. Cherry.
    Vor Solo dachte ich, dass Zerrissenheit bedeutet, dass man die Kanten irgendwann wieder kleben kann. Aber diese Geschichte hat mich gelehrt, dass etwas Zerrissenes niemals ganz auseinander fällt, weil nur die eine abgerissene Seite die Fusseln, Ecken und Fäden hat, die perfekt zur anderen Hälfte passen.

    Das Königreich Solo hat eine ganz eigene Sogwirkung.

    Es feiert nicht jeden Tag schöne Feste mit teuren Kleidern.

    Die Straßen sind voller Gegensätze, voll von Dreck, Schmutz und Unrat, während die Hausdächer nur so glänzen und ihren Protz in die Luft recken, um ihn vor dem Pöbel zu schützen.


    „Zwei in Solo“ ertrinkt geradezu in Poesie, ohne den Leser damit zu überfluten.

    Es ist vielmehr ein schleichender Prozess. Sophies Liebe zu Wörtern.

    Ihre Leidenschaft für Bücher, die sie langsam auf Milo ausweitet.

    Und Milos verzerrtes Selbstbild, von dem sie jeden Tag einen Knick zu glätten versucht.

    Es gibt nur wenige Bücher, die es schaffen mit so vielen Worten so große, allumfassende, mächtige Emotionen in Bilder und dann wieder in Gefühle zu verwandeln, die auch beim Leser ankommen.


    Zitat

    Ob es wohl Menschen gibt, die dieses Gefühl zweier Flügel schon im Leben kennenlernen? Ich rede nicht von Drogen, ich rede von Freiheit, vom Sein.

    Gibt es Menschen, die sich in das Leben wie in den Himmel stürzen und wissen, dass der Gegenwind sie am Ende tragen und nicht zerfetzen wird?

    (Pos. 1078 von 5001)


    Es gibt nur wenige Bücher, die sprachlich so unfassbar gut gestaltet sind wie „Zwei in Solo“ und dabei nicht abgehoben wirken.
    Die Geschichte ist lesbar, flüssig, wenn man großflächige Selbstreflektionen mag.

    Sie basiert auf der ständigen Frage nach dem „Wer bin ich und wer will ich sein und wie passt das zusammen... in eine Welt... in dieser Welt?“

    Sophie ist 31, Lehrerin, introvertiert und leise. Milo hingegen ist 21, arbeitet in einer Shisha-Bar, extrovertiert und flucht wie eine Hafendirne.

    Und als diese beiden Welten aufeinander treffen, setzt die Explosion unglaublich tiefe Emotionen frei, dass ich zeitweise beim Lesen fast das Atmen vergessen hätte. Es brauchte nicht viel Spannung in Milos und Sophies Leben, damit ich von den Seiten gefesselt war.


    Es sind die kleinen Dinge, die Aufmerksamkeit, die sie sich schenken, die Fragen, die sie sich stellen und wie sie aneinander wachsen und ohne einander zerbrechen, die einen in den Bann ziehen, weil so die Liebe aussieht, die man in der Realität niemals haben wird oder haben kann, weil sie unwirklich erscheint.

    Unwirklich und doch wunderschön zu lesen.

    Vor allem, weil sich die Sicht nicht nur auf einen beschränkt.

    Sophie erzählt aus ihrer Perspektive von ihren Problemen, Milo aus seiner Sicht von seinen Dämonen. Die Zeitspanne des Buches umfasst circa 1 1/2 Jahre, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Und es fühlte sich genau richtig an.


    Fazit:


    „Zwei in Solo“ ist reine Liebe. Pur und roh und fast grenzenlos.

    Es ist eine Reise hinter Milos Mauer und zu Sophies Herzgefühl.

    Das Buch ist wie ein löchriges Glas, das man langsam mit Glühwürmchen füllt, jedes Tier eine Information, ein Wort, ein Gedanke - und erst wenn sie sich zusammen wohl fühlen, fangen sie an zu leuchten. Zu leben. Zu lieben.

    Gefühlvoll. Charismatisch. Nicht spannend, aber atemberaubend.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Night of Crowns (Spiel um dein Schicksal) - Stella Tack


    Ravensburger Buchverlag

    480 Seiten

    Fantasy

    Band 1

    01. Februar 2020


    Inhalt:


    Schwarz oder weiß?

    Welche Seite wählst du in diesem Spiel um Liebe und Tod?


    Seit Jahrhunderten liegt über den Adelshäusern Chesterfield und St. Burrington ein unbezwingbarer Fluch – und das bis heute, obwohl aus den Anwesen längst Internate geworden sind. Von alledem ahnt Alice nichts, als sie für eine Summer-School nach Chesterfield kommt. Die Zeichen auf den Handgelenken ihrer Mitschüler fallen ihr nicht auf, dafür fesselt der charmante, wenn auch undurchschaubare Vincent umso mehr ihre Aufmerksamkeit.

    Sein Lächeln lässt sie alles um sich herum vergessen – bis Alice eines Morgens eine ihrer Mitschülerinnen versteinert im Wald entdeckt und auch auf ihrem eigenen Handgelenk das Symbol einer Schachfigur auftaucht …


    Meinung:


    Wisst ihr, was ich liebe?

    Toughe, gerissene, undurchschaubare, aber tiefgründige Protagonisten.

    Wisst ihr, was ich noch liebe?

    Brandneue, aufregende, blitzgescheite, grundgeniale, abgefuckt hammermäßige Geschichten.

    Und wisst ihr, welches Buch all das bietet?

    Ganz genau. Night of Crowns.


    Was ist das bitte für eine mega wahnsinnig extraordinäre Story?

    Ich bin verliebt. In Curse. In Jackson und Vincent. In Isolde und Regina.

    In Ivory auch ein klein wenig. Und in Bastion und Hawkins.
    Ach, was rede ich, ich liebe sie alle. Aber am allermeisten Curse und Alice.

    Das geht schon damit los, dass Alice so ganz anders ist, als die meisten Charaktere, die ich von der Autorin kenne. Sie ist weder schrill noch tollpatschig, noch übermäßig witzig, sondern, ja, fast schon normal.

    Und wo die Autorin normalerweise für ihren überspitzten, abgedrehten Humor bekannt ist, ließen mich bei Night of Crowns nur die Dialoge und der rotzfreche Sarkasmus hin und wieder schmunzeln. Ansonsten ist diese Geschichte definitiv mal etwas ganz, ganz Anderes!


    Die Atmosphäre ist düsterer als gewohnt.

    Sie hüllt das Buch ein wie eine dunkelgraue Wolke, die nur selten Sonne durchlässt.

    Zwei Internate, ein Spiel, zwei Seiten, ein Fluch, zwei Taktiken und nur eine eventuelle Rettung. Gott, ich feiere allein schon die Idee des Spiels.

    Ich möchte wirklich nicht zu viel vorweg nehmen, denn das Prickeln, das Adrenalin und den Rausch des Spiels, das Wahrnehmen der verschiedenen Spieler und Fähigkeiten, das müsst ihr selbst erleben.

    Ich verrate nur so viel: Stellt euch auf Action ein. Auf dunkle Wälder und Einsamkeit.
    Auf Geheimnisse und Machtkämpfe.

    Und auf eine Grauzone in diesem Gemisch aus Weiß und Schwarz.


    Es gibt in Night of Crowns weder gut noch böse, irgendwie.

    Obwohl die Geschichte von zwei Internaten handelt, die einen jahrhundertealten Groll gegeneinander hegen. Die Charaktere auf beiden Seiten wechseln so schnell die Gesichter, dass man kaum weiß, wem man vertrauen soll und wem nicht.

    Dieser Nervenkitzel übt einen großen Reiz aus, dem man nicht widerstehen kann.
    Hinzu kommt, dass ich mich wunderbar in Alice verlieren konnte.

    Ihre Gefühle, ihre Zerissenheit, ihr Schmerz, ihr Hass, ihre Leidenschaft - die Verbindung ist intensiv, vor allem weil die Handlung aus ihrer Perspektive in der Ich-Form erzählt wird.


    Liebe hat in dieser Story kaum Platz. Trotzdem findet sie ihren Weg hinein.

    Sie ist dezent, steht nicht im Vordergrund, gibt dem Ganzen aber einen weiteren Kick, auf den man sich einlassen kann.

    Intrigen, Spinnen, Schachfiguren - das ist das Grundgerüst auf dem Night of Crowns steht. Wer bringt wen zu Fall? Wer gewinnt, wer verliert und vor allem:

    Wer steht am Ende auf welcher Seite?

    Lasst euch überraschen.


    Fazit:


    „Night of Crowns“ ist ein fantastischer Lesegenuss. Die perfekte Mischung aus düster, humorvoll, mysteriös, magisch, actionreich, poetisch und machthungrig.

    Man kann selbst mitdenken, wird zwischen Liebe und Hass hin- und hergeschubst und vergisst die Zeit, während man in den Zeilen versinkt.

    Die Autorin bietet hier eine breite Palette an Emotionen und tiefgründigen Charakteren, ein großartig dunkles Setting und eine Handlung, die umhaut, wenn man sich darauf einlässt. Seid ihr bereit mitzuspielen?


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Ein Schachspiel besteht ja eigentlich aus 32 Spielfiguren, je 16 pro Seite (Schwarz / Weiß). Und es sollte ein Spiel sein, das freiwillig erfolgt, was Spaß macht und die Spieler selbst nicht zu sehr beeinträchtigt. Was aber, wenn daraus ein Spiel um Leben und Tod wird, du gezwungen wirst mitzuspielen und es noch eine 13 Spielfigur pro Seite - eine_n Slave - gibt?

    So beginnt ein spannendes Abenteuer voller Intrigen, Verrat, Manipulation, Liebe und Freundschaft und Alice muss lernen, nur sich selbst zu vertrauen. Wird sie erfolgreich sein und den Fluch brechen können?

    Der Autorin Stella Tack gelingt mit "Night of Crowns - Spiel um dein Schicksal" ein richtig spannender Auftakt ihrer Duologie über einen Fluch, ein Spiel und Alice, der es einzig möglich sein wird den Fluch zu brechen. Das Buch ist sehr lebendig geschrieben und überzeugt durch eine gute Mischung aus Magie, Abenteuer und Romance. Lasst euch überraschen. Es lohnt sich.

    Vielen Dank für die unendlich vielen Spoiler. 🙈

    You Are Not Safe Here - Kyrie McCauley


    Dtv Verlagsgesellschaft

    400 Seiten

    Drama

    Einzelband

    24. Januar 2020


    Inhalt:


    Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern.

    Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen.

    Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren...


    Meinung:


    Kennt ihr das Gefühl, wenn eine Geschichte beeindruckt und dich gleichzeitig leer zurücklässt?
    Wenn sie aufrüttelt und durchschüttelt und trotzdem irgendwie ruhig wirkt?

    Wenn sie in der Vergangenheit wühlt und die Zukunft gefährdet? Wenn die Geschichte vulkanische Züge annimmt?

    Brodelnd, blubbernd, zischend. Hier und da heiße Tropfen auf dem Stein verteilend.
    Und zwischendurch kommt immer mal wieder jemand, der löscht.

    Rote Masse in schwarze verwandelnd, aber ganz und gar erstarren lassen kann man sie nicht.

    Sie bricht immer wieder durch. Lodernd. Gefährlich.

    Atemverpestend. Unsichtbar. Präzise.


    „You are not safe here“ ist so ein schlafender Vulkan. Innerlich aktiv.

    Angsteinflößend. Weil man nicht weiß, wann der unausweichliche, große Knall folgt. Wann die Explosion Wände niederreißt und mit der flüssigen Wut alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt. Während des Lesens fühlt man.

    Man spürt. Man sieht und fragt sich, wie alle anderen nicht sehen können.

    Es gibt keine äußeren Hinweise auf die Gewalt, die Leighton und ihre Schwestern und Mutter erleben. Nichts.

    Nur die ewige Angst, die in ihnen wohnt und wütet.


    Zitat

    „All die Worte, die ich nicht sage. Stattdessen schlucke ich sie herunter und die Buchstaben sind spitz an den Ecken und scharf an den Kanten. Es schmerzt, wenn ich sie runterschlucke. Und sie bleiben in mir und machen mir Bauchschmerzen. Manchmal denke ich, wenn man mich aufschneiden würde, wären all die Worte tatsächlich sichtbar. Wie bei einem Wal, der zu viel Müll gefressen hat, bis der Körper nur noch eine Zeitkapsel ist für all das, was Menschen wegwerfen.“

    (Seite 212)


    „You Are Not Safe Here“ ist ein emotionales, sehr poetisches und irgendwie auch leicht magisches Debüt.
    Der Stil der Autorin ist kraftvoll, obwohl handlungsmäßig gesehen nicht viel passiert. Die gewählten Worte sind unheimlich wirkungsvoll, die teilweise kurzen, teilweise längeren Kapitel bringen ein wenig Abwechslung mit sich, sodass die drückende Stimmung, die über all dem liegt, etwas abgemildert wird. Am meisten Eindruck macht jedoch die ausgesuchte Ich-Perspektive. Leighton Barnes erzählt ungeschönt, aber doch irgendwie metaphorisch - angeblümt - aus ihrem Leben als große Schwester. Als Beschützerin. Mutterersatz, weil die eigene Mutter im selbst gebauten Gefängnis sitzt.


    Ich kann dieses Buch nichtmal einem Genre zuordnen. Am ehesten würde ich Drama sagen.
    Es ist als würde ich in einer Art Tagebuch lesen.

    Es gibt eine Liebesgeschichte. Ein wenig Hoffnung an dunklen Tagen.

    Aber die meiste Zeit wartet der Leser auf die gewaltige Explosion, die Vorankündigung der Krähen, die Leightons Heimatstadt Auburn befallen haben.

    Es hat also ebenfalls Thrillerelemente. Eine greifbare Spannung.

    Einen sichtbaren und unsichtbaren Feind. Und auch ein gewisses Maß an Fantasie hilft dieses sensible Thema „häusliche Gewalt“ zu verarbeiten.


    Leightons Geschichte ist traurig, aber allgegenwärtig.

    Die Charaktere allesamt tiefgründig. Manche sympathisch, andere nicht.

    Und mit den Krähen hat die Autorin ein sehr bedeutungsschweres Symbol ausgewählt.
    Die Mythen und Legenden rund um diese Wesen sind frei interpretierbar und das birgt so viele Möglichkeiten.

    So viele Wege, sowohl offen als auch versperrt. Freiheit gegen Wut.

    Angst gegen Schicksal. Hoffnung gegen Einschüchterung.

    Was wird am Ende gewinnen?


    Fazit:


    Dieses Debüt ist machtvoll. Einnehmend. Intensiv. Fesselnd - ganz ohne große Spannungshöhepunkte.
    Denn die Angst begleitet einen beim Lesen.

    Das Gefühl, dass jeder Schritt nach Hause ein Schritt in Richtung Abgrund ist, nichtsahnend, dass dort unten ein Sicherheitsnetz sein könnte. Ungewissheit und Zukunftsängste gehen Hand in Hand.

    Ich bin beeindruckt von diesem Genremix. Von den Emotionen, die die Autorin verarbeitet hat.
    Beeindruckt von der Einbindung der Krähen. Enttäuscht von der Stadt, in der Leighton lebt.
    Aber umso glücklicher über den Fokus, der dadurch auf dieses hochsensible Thema gelegt wird.

    Dieses Buch ist besonders. Ausdrucksstark.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Autumn & Leaf - J. K. Bloom


    Sternensand Verlag

    448 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    17. Januar 2020


    Inhalt:


    551 und 556. Das sind ihre Produktnummern, denn sie wurden von einer Maschine erschaffen und in einem Institut großgezogen, wo sie darauf warten, verkauft zu werden. Sie sehen aus wie Menschen, besitzen jedoch keinerlei Rechte, dürfen keine Gefühle haben und schon gar keinen Umgang miteinander pflegen.
    Doch Autumn und Leaf geben sich Namen, lieben sich in aller Heimlichkeit und planen, zu fliehen. Als Leaf ausgerechnet an einen grausamen Mann verkauft werden soll, muss alles schnell gehen und die Flucht steht kurz bevor. Doch da erfährt Leaf, dass sich Autumn allein davongestohlen hat, ohne sie mitzunehmen. Ihr bleibt nur, sich ihrem Schicksal zu ergeben, denn ohne ihn ist sie eben nur 556. Ein Produkt, dazu verdammt, für die perversen Fantasien ihres neuen Besitzers herzuhalten. Sie ahnt nicht, dass die wahre Grausamkeit ihr noch bevorsteht, denn Autumn hat das Institut nicht freiwillig verlassen …


    Meinung:


    Was wäre wenn...

    Ich liebe diesen Satzanfang, weil er so unendlich viele Möglichkeiten bereit hält.

    Genauso wie die Geschichte von Autumn & Leaf.

    Also... was wäre, wenn Menschen Maschinenmenschen züchten könnten?

    Wenn sie Produkte erschaffen, die wie Menschen aussehen, reden, fühlen könnten, aber nur einem einzigen Zweck dienen?

    Der Belustigung und Unterhaltung anderer Menschen. Als Sklaven.

    Ohne Rechte. Ohne Würde. Ohne Grenzen.


    Autumn & Leaf sind solche Produkte und ihre Geschichte ist breit gefächert.

    Dachte ich anfangs noch, dass sich der Großteil der Handlung im Institut abspielt, in dem die sogenannten „Wunschkinder“ gezüchtet, gehalten und erzogen werden, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Denn die Story zwischen 551 und 556 ist so viel mehr.

    Sie hat Höhen und Tiefen. Sie erfordert Mut, Hass, Liebe, Gerechtigkeit, Weitblick und Kampfgeist. Sie geht über neun Jahre.

    Und hat nur zwei wirkliche Endgegner.


    Der Schreibstil der Autorin liest sich unheimlich flüssig.

    Obwohl hier keine großen Verschnörkelungen zu finden sind und die Sprache sich auf dystopisch passendem Niveau bewegt, kann man sich wunderbar in das Setting fallen lassen. Sterile Wände, hochgeschützte Außenposten, Regierungsgebäude, Krankenhäuser und Freiheitskämpferstädte. Mehr braucht es nicht.

    Die Atmosphäre reicht von Neugierde über Anspannung bis hin Erstaunen ob der Vielfalt, die man nicht wirklich erwartet hat.

    Und während man die Geschichte der beiden Special Edition Wunschkinder in der Ich Perspektive verfolgt - abwechselnd aus Autumn & Leafs Sicht - kommt man nicht umhin sich zu fragen, was da alles in ihnen steckt.


    Denn dass diese, in Forschungslaboren gezüchteten, „Cyborgs“ Gefühle haben, zeigt sich bereits zu Beginn sehr deutlich.
    Während ich Autumns Emotionalität zuerst unter „Liebe macht blind“ verbucht habe, fühlte ich mich mit Leaf schon tiefer verbunden.

    Vermutlich weil sie den weiblichen Part spielt, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich ihre Verzweifelung gefühlt, ihr Trauma gespürt und Hoffnungen gesehen, da wo sie es getan hat. Und das trotz ihres Widersachers Adam Malone.

    Kann man eine kaputte Seele eigentlich wieder kleben?


    Einschneidende Erlebnisse, auch richtig unschöne, die man in einer solchen Dystopie nicht erwartet, sowie Gedächtnisverlust, technische Spielereien, Entführungen, ein bisschen Politik, unzählige verschiedene Charaktere, alte Laboratorien, kranke Vorstellungen, Schlupflöcher und mehr, geben dem Ganzen eine knisternde Spannung. Man weiß nicht, was als Nächstes passiert, weil das System hinter den Produkten so undurchsichtig ist.

    Und weil alles gefühlt Schlag auf Schlag passiert. Trotzdem war das Erzähltempo, gerade für einen Einzelband, genau richtig.


    Fazit:


    Die Geschichte um Autumn & Leaf ist so viel größer, als ihr euch das aufgrund des Klappentextes vorstellen könnt. Ja, sie dreht sich um eine intensive, aber auch kaputte, zerrüttete Liebe, die Zeiten überdauert, Fragen aufwirft und Chaos bringt.
    Doch die Welt, in der sie wächst, einbricht und Schatten zieht, diese Welt bringt so viel mehr mit sich. Gefahren durch Forschungen.

    Durch uneinige Parteien. Durch Einzelkämpfer und Sturköpfe.

    Autumn & Leaf ist ein Dystopie-Überraschungspaket und überzeugt durch Authentizität und keiner Sekunde Langweile.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Die Wiege aller Welten - Jeremy Lachlan


    Loewe Verlag

    400 Seiten

    Fantasy

    Band 1

    09. Oktober 2019


    Inhalt:


    Wir betreten das Schloss freiwillig.
    Wir betreten das Schloss unbewaffnet.
    Wir betreten das Schloss allein.


    Diese drei Gesetze hängen in jedem Haus in Bluehaven und jeder Bewohner kennt sie.
    Denn das Schloss ist der Eingang zu den Anderwelten.

    Und wer mutig genug ist, geht hinein, um dort Abenteuer zu erleben.

    Viele Jahrhunderte lang war das so. Doch vor vierzehn Jahren, in der Nacht des großen Bebens, hat das Schloss plötzlich John White und seine kleine Tochter Jane ausgespuckt. Seitdem ist das Tor verschlossen.

    Erst an dem Tag als die wütenden Inselbewohner Jane vor Gericht stellen wollen, erbebt die Erde erneut …


    Meinung:


    Ein Schloss. Eine Wiege. Viele Welten, Tore, Abenteuer, Geschichten.

    Ein verfluchtes Mädchen, das sie alle retten soll.

    Schlüssel, Gefahren, Freundschaft.

    Eine Beschützerin, die ihrer Bestimmung folgt.

    Und ein unsterblicher, übermächtiger Feind.

    Dieses Buch ist atemberaubend. Filmreif.


    Ich habe ein Kinderbuch erwartet.

    Ein leichtes Abenteuer zum Abschalten. Ein Eintauchen in eine fremde Welt.

    Doch was ich bekommen habe, ist so viel mehr.

    Eine Reise ins Ungewisse. Ein mitreißender Fluss an Eindrücken und eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Jane White, Bluehaven, Erdbeben und Klagefeste.

    Gott, ich finde kaum Worte für diese Geschichte.


    Jane White ist eine Ausgestoßene. Ein verfluchtes Kind.

    Sie wohnt mit ihrem stummen Dad in einem verrotteten Keller, abgeschottet von der Welt, weil die Bewohner Bluehavens in ihr die Wurzel allen Übels sehen.

    Weil sie vor 14 Jahren das Schloss, das Wahrzeichen ihrer Insel, zum Erliegen gebracht hat.

    Das Schloss, das wie ein Gott verehrt wird, weil es den Menschen einen Ausweg aus ihrem tristen Alltag bietet.
    Weil es die Freiheit verspricht als Held zurückzukehren. Und Jane hat den Menschen diese Freiheit genommen.

    Obwohl sie sich kaum daran erinnert.


    Jane‘s Abenteuer beginnt aufregend, steigert sich im Schloss, schraubt sich monumental in die Höhe, wirft mit neuen Kreaturen um sich und lässt einem kaum Luft zum Atmen.

    Und das liegt zum Einen an diesem unfassbar guten Schreibstil. An der Ich-Perspektive, aus Janes Sicht.

    An den angedeuteten Sätzen, die sich wie Gedanken anfühlen.

    Und an dem wirklich genialen Humor der Protagonistin.


    Zitat

    „Glaube fast, sie mag dich nicht“, murmelt Hickory und mir schwant, dass er recht hat.

    Immerhin bin ich ich. Jane White mit den Gruselaugen. Was ich brauche, ist ein Hut oder so was in der Art.
    Einer, auf dem steht: Ich bin kein Monster, werde nur falsch verstanden. Ich könnte ihn dauernd tragen.

    Die Menschen mögen Hüte, oder?“

    (Seite 209)


    Aber es ist nicht nur der subtil eingesetzte Sarkasmus, der Jane so sympathisch macht.
    Sie versucht das Beste aus einer unmöglichen Situation zu machen. Sie ist nicht übermäßig optimistisch, aber auch nicht wirklich negativ eingestellt. Und vor allem Dingen: Sie agiert in meinen Augen nicht wie eine 14-jährige.

    Jane ist klug und einfallsreich. Genau wie ihre einzige Freundin Violet.

    Das, was dieses Mädchen auf dem Kasten hat, war erschreckend und beeindruckend zugleich. Ich mochte sie sofort.


    Mal abgesehen von den Protagonisten ist aber auch die Welt, in der sie leben und das, was ihnen die Zukunft bringt, unglaublich facettenreich. Janes Weg führt sie ins Schloss.
    Ein Ort, an dem einfach ALLES passieren kann. Und an dem gefühlt auch ALLES passiert. So viele Möglichkeiten.

    So viele Situationen. Der Autor schneidet sie alle an. Es gab keinen Moment, an dem ich nicht an den Seiten kleben wollte. Lederschädel, Phantasmen, Blechköter, Ekelfische, Wasser- und Schneelawinen.

    All das in einer Umgebung, die mich an die Ruinen von Mordor erinnert hat. Gekreuzt mit den Wundern von Narnia. Bombastisch. Ich freue mich sehr auf Band 2.


    Fazit:


    Was der Autor hier geschaffen hat, ist ganz ganz großes Kino.

    Ein Abenteuerfilm, der sich in deinem Kopf abspielt - mit allem was dazu gehört. Flüche, Action, Ungeheuer, Dramatik ohne Ende, eine Suche ohne genaues Ziel, Ungewissheiten hinter jeder Ecke und sowohl wahnwitzige Dia- als auch Monologe. Sympathisch, starke Protagonisten, die mich an Simbas Mentalität aus „Der König der Löwen“ erinnern.

    „Gefahr? Ich hab keine Angst vor Gefahr. Hörst du mich Gefahr?

    Ich lach dir ins Gesicht.“

    Unbedingt lesen!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    The Chain (Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind) - Adrian McKinty


    Droemer Knaur

    352 Seiten

    Thriller

    Einzelband

    02. September 2019


    Inhalt:


    Was als ganz normaler Tag begann, wird zum Albtraum für die alleinerziehende Rachel, als ihre 13-jährige Tochter auf dem Weg zur Schule verschwindet.

    Die einzige Spur: Das Handy des Mädchens wird an der Bushaltestelle gefunden. Tatsächlich erhält Rachel kurz darauf einen Anruf von der Entführerin. Die Frau am Hörer – ebenfalls Mutter eines entführten Kindes –, gibt sich als Kylies Kidnapperin zu erkennen. Sie ist Teil des perfiden Netzwerks »The Chain«.
    Und sie hat Rachel auserwählt, die Kette der Kindes-Entführungen weiterzuführen:

    Wenn Rachel ihr Kind lebend wiedersehen will, muss sie nicht nur binnen weniger Stunden das Lösegeld auftreiben – sie muss ihrerseits ein Kind entführen und dessen Eltern dazu bringen, dasselbe zu tun.

    Die Kette muss weitergehen …


    Meinung:


    Stell dir vor, du musst einen geliebten Menschen aus seiner gewohnten Umgebung reißen. Ihn festhalten, deine Identität verhüllen und darauf warten, dass die Familie deines Opfers das Gleiche mit einem anderen Menschen tut.

    Stell dir vor, vor dir haben das schon 1000 andere getan, alles gute Leute, bodenständig mit einem Hang zum Risiko.

    Stell dir vor, du musst das tun, damit du dein Kind zurück bekommst.

    Würdest du es angehen? Kriminell werden? Unterdrückend?


    Das und mehr sind Fragen, die Rachel O‘Neill beschäftigen, als sie von einer unbekannten Nummer informiert wird, dass ihre Tochter Kylie entführt wurde.

    Nur, wenn sie den Anweisungen folgt und die KETTE aufrecht erhält, bekommt sie sie unversehrt wieder.
    Rachel muss nicht lange überlegen und ja, das war irgendwie vorhersehbar. Doch das was dann folgte, war es nicht.

    Und meine Angst - nach den wahnsinnig schlechten Rezensionen - wahrlich unbegründet. Denn „The Chain“ ist keinesfalls langweilig oder schlecht durchdacht. Klar, man kann sich denken, für welchen Weg sich Rachel als Mutter entscheidet. Doch der Verlauf der KETTE, die Hintergrundgeschichte und die daraus folgenden Konsequenzen verleihen der Story, über die Seiten hinweg, eine super angespannte Atmosphäre.


    Erzählt wird der Thriller aus mehreren Sichten, hauptsächlich natürlich aus der personellen Perspektive von Rachel. Hin und wieder bekommt man Einblicke in Kylies oder Onkel Petes Situation - sozusagen einen fast allumfassenden Eindruck. Aber nur fast. Denn die Charaktere, die am Anfang der KETTE stehen, werden erst im zweiten Teil, im letzten Drittel, aufgedeckt. Selbst mit den paar Vermutungen, die ich hatte, finde ich das ordentlich gelöst.

    Und auch der Schreibstil war einigermaßen angenehm zu lesen, wenn auch nicht ganz so flüssig wie erhofft, aber das ist Geschmackssache.


    Die auftauchenden Charaktere haben alle eine gewisse Tiefe gezeigt, obwohl ich mich mit keinem von ihnen emotional identifizieren konnte.

    Ich bin weder Mutter, noch war ich in irgendwelchen Kriegen und an dieser Stelle hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht. Der Autor schaffte es zwar mich durch die aufwühlende Atmosphäre zu packen, doch Gefühle, ein Aufbäumen von Angst, Verlust, Hoffnungslosigkeit, die habe ich vermisst.

    Unter anderem auch, weil der oben erwähnte Schreibstil hin und wieder in, für mich, unbedeutende Erzählerei ausuferte, sodass ich ein paar Sätze übersprungen habe. Einfach, weil sie nicht relevant für mich waren.


    Nichtsdestotrotz hat die Geschichte rund um Rachel, Kylie und die KETTE, Biss.

    Durch die Aufsplittung in zwei Teile wird die Neugier des Lesers auch nochmal entfacht. Was kann da noch kommen? Was passiert jetzt mit der KETTE? Gibt es neue Erkenntnisse? Noch mehr Entführungen?

    Durchbricht sie jemand? Und wer steckt dahinter?


    Fazit:


    Wenn man keine Erwartungen hat, kann man zumindest nicht enttäuscht werden.

    Dementsprechend überrascht war ich auch, als sich mir „The Chain“ als solider Thriller offenbarte.
    Mit der durchgängig angespannten Atmosphäre, den recht tiefgehenden Charakteren und der fesselnden Handlung bietet die Geschichte auf jeden Fall Lesevergnügen. Einzig auf der emotionalen Seite hat etwas gefehlt und ein paar wenige Informationen hätte ich nicht benötigt, aber ansonsten fand ich es durchaus unterhaltsam.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Grimm Chroniken 18 (Unterhalb des Horizonts) - Maya Shepherd


    Sternensand Verlag

    258 Seiten

    Fantasy/Märchenadaption

    Band 18

    10. Januar 2020


    Inhalt:


    Die Vergessenen Sieben hatten zueinander gefunden, um einen Krieg zu verhindern, doch nun musste jeder von ihnen sich seinem eigenen Kampf stellen.
    Ihre Herzen blieben miteinander verbunden und erst wenn jedes von ihnen aufhörte, zu schlagen, wäre alles verloren.


    Als das Mondmädchen sein Licht bei Tag erstrahlen ließ, weckte es den Hass der Sonne, die daraufhin drohte, die Erde zu verbrennen.

    Es gab nur einen Weg, um sie aufzuhalten.

    Sonne und Mond mussten einander an dem einzigen Ort begegnen, an dem dies möglich war: unterhalb des Horizonts.

    »Ich werde nicht kampflos untergehen«, schwor Lavena sich. »Es ist an der Zeit, dass Sonne und Mond Frieden miteinander schließen.«


    Meinung:


    So langsam gehen die Grimm Chroniken in die heiße Phase.

    Im wahrsten Sinne des Wortes. „Unterhalb des Horizonts“ beschäftigt sich mit dem Thema „Sonne und Mond“ und ich muss es der Autorin zugute halten, dass sie sich immer so tief in die Märchenwelt hinein gräbt.

    Ohne die Erläuterungen am Ende wäre mir niemals aufgefallen, dass es kaum ein Märchen gibt, das sich mit Sonne und Mond auseinandersetzt.

    Aber die Umsetzung in Band 18 ist wirklich gelungen und das, obwohl Lavena einer der Charaktere ist, die ich am wenigsten mag.


    Die vergessenen Sieben sind der dunklen Königin nochmal entkommen, begeben sich dafür jetzt aber freiwillig hinter feindliche Linien.

    Vlad Dracul und Rumpelsteins Absichten verwischen in diesem Teil und es gibt erneut Gefangene, Tod und vor allem Wahnvorstellungen.

    Gerade den letzte Part fand ich unheimlich aufregend.

    Die Atmosphäre der Verzweifelung, die die Autorin mit dem „Raum der Wahrheit“ erzeugt, war greifbar und verleiht der Handlung zusätzliche Spannung.
    Lavenas Werdegang und ihre Zusammenkunft mit der Sonne verlief hingegen wirklich überraschend.


    Und während Jacob, Margery, Rosalie und Simonja ein Abkommen treffen wollen, habe ich Maggys Abenteuer am liebsten verfolgt.

    Auch wenn mir die Art zu reisen nicht sehr zugesagt hat, ich gestehe, dadurch kam man an viele wichtige Informationen.

    Das Ende von Folge 18 hat mich dann nochmal umgehauen und war genau nach meinem Geschmack.


    Fazit:


    „Unterhalb des Horizonts“ ist eine Folge, die vor Überraschungen und Toden nur so strotzt.
    Ich habe mich wirklich diebisch gefreut und hoffe, dass die weiteren Episoden mich genauso begeistern werden.

    Band 18 ist dementsprechend auch wieder ein bisschen länger und die Zahl der Kontrahenten wächst und schrumpft mit jeder Seite.

    Einzig den Mann mit dem blauen Bart vermisse ich ein wenig.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)