Beiträge von Mikaey

    Dry - Neal & Jarrod Shusterman


    Fischer Verlag

    448 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    22. Mai 2019


    Inhalt:


    Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.

    Niemand glaubte, dass es soweit kommen würde.

    Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts.

    Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn.

    In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden.

    Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr.

    Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.


    Meinung:


    Apokalyptisch anmutende und trotzdem realitätsnahe und authentische Darstellungen von Katastrophen waren schon immer voll mein Ding.

    Und da ich noch nichts in Richtung Wasserknappheit gelesen habe, weil Wasser immer ein Gut war, das den stabilen Ländern ausreichend zur Verfügung steht, musste ich „Dry“ einfach dringend lesen.


    Als Leser beginnt alles bei Tag eins.

    Die Wasserzufuhr in Südkalifornien versiegt. Sie wird abgestellt aus diversen Gründen, die ich hier nicht näher benennen will. Und auf einen Schlag wird jeder Tropfen Wasser überlebenswichtig.

    Man kennt das aus anderen Katastrophenfilmen. Supermärkte werden geplündert. Vorräte gehortet und jeder bereitet sich auf den Ernstfall vor. Leider kommt diese Erkenntnis bei den meisten Menschen zu spät.

    So auch bei Alyssa Morrow und ihrer Familie. Der Rasen wird nicht mehr gesprengt, die Kühlschränke laufen auf Hochtouren, jeder mit Verstand versucht das verbliebene Wasser einzuteilen.

    Denn man weiß ja nie, wie lange dieser Zustand anhält.


    Die Geschichte wird aus fünf verschiedenen Sichtweisen erzählt und nur von Sondermeldungen, sogenannten „Snapshots“ unterbrochen, die aus allen Ecken des betroffenen Gebiets zu kommen scheinen.

    Sie lesen sich wie Newsmeldungen im Fernsehen und berichten von unterschiedlichen Menschen - solchen, die noch Wasser haben oder eben nicht.

    Der mehr oder weniger neutrale erzählende Tonfall unterstreicht nochmal die Brisanz der Lage und verleiht der Situation extreme Authentizität.

    Es war tatsächlich so, als würde ich zusehen, wie eine waschechte Katastrophe ihren Lauf nimmt.

    Mit all den destruktiven Dingen, die Menschen in Ausnahmefällen tun. Plünderungen, Mord, Gewalt, Chaos und nur vereinzelt Leute, die einen kühlen Kopf bewahren.

    Doch wenn der Körper am Abgrund steht, stellt der Kopf irgendwann das Denken ein.


    Alyssa und Kelton sind Nachbarn und so verschieden wie Tag und Nacht.

    Alyssa ist beliebt, freundlich, altruistisch und Kelton ist einfach nur seltsam.

    Was vielleicht daran liegen könnte, dass die McCrackens die Einzigen in der Straße sind, die Panikräume, endlose Vorräte, Waffen und Schutzzäune haben.

    Sie sind für bevorstehende Weltuntergangsszenarien gewappnet.

    Und das rettet vermutlich ihr Leben.


    Die Ich Perspektive aus der die fünf Charaktere ihre Geschichte abwechselnd erzählen, ermöglichte es mir zumindest ansatzweise mit ihnen mitzufühlen. Die Verzweifelung, das Dehydrieren ihrer Körper konnte ich miterleben.

    Doch andere Gefühle wie Angst oder Emotionen, die den Verstand in Schockstarre versetzen, die blieben außen vor. Nicht, dass sie in solch einer apokalyptisch anmutenden Welt nicht da wären, nein.

    Sie kamen einfach nur nicht bei mir an. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen, aber es war eine Hemmschwelle mit der ich bei der Story zu kämpfen hatte.

    Mir fehlte eine gewisse Nähe, irgendwie das Herzklopfen, das mich voll in der Geschichte hätte aufgehen lassen.


    Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe.

    Atmosphärisch hat das Autorenduo, bestehend aus Vater & Sohn, den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Es ist endzeitlich, düster, hoffnungslos, birgt Lichtblicke und weist so viele Möglichkeiten auf in welche Richtungen es sich entwickeln kann - so viele wie ich glaube, dass sie auch in der Realität auftreten könnten.

    Es gibt kranke Psychopathen, Kurzschlussreaktionen, Aufstände, Evakuierungsgebiete und unterlassene Hilfeleistungen. Trümmer, Feuer, Straßenkämpfe, Raubzüge.

    Alles, was zu Wasserknappheit dazu gehört.


    Fazit:


    „Dry“ ist erschreckend realitätsnah aufgebaut. Und vielleicht konnte ich gerade deswegen keinen wirklichen emotionalen Bezug zur Geschichte finden. Es ist nicht so, dass ich sie apathisch erlebt hätte, ganz im Gegenteil.

    Trotzdem fehlte mir eine gewisse Nähe.

    Der Rest allerdings - der ist bombastisch. Fesselnd und unheimlich authentisch erzählt das Duo was passiert, wenn jemand den Hahn zudreht. Im wahrsten Sinne.

    Stellt euch Wasser bereit, denn diese dystopische Reise wird euch bis auf die Knochen austrocknen lassen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️(4/5)

    One Exit (Verloren im Untergrund) - Darkviktory


    Loewe Verlag

    400 Seiten

    Jugendbuch/Dystopie

    Einzelband

    11. März 2019


    Inhalt:


    Ein entgleister, brennender Zug. Irgendwo im Londoner Tunnelsystem.

    Zusammen mit acht anderen Jungen kommt der 15-jährige Fabiu verwirrt zu Bewusstsein.

    Die Jungen kennen sich nicht und haben keinerlei Gemeinsamkeiten, bis auf eine Information:

    Sie alle sind Teil der Evakuierungsmaßnahme SEED, in der die britische Regierung Kinder und Jugendliche im Untergrund vor dem großen Krieg in Sicherheit bringt, um sie dort vor den atomaren Folgen des Dritten Weltkrieges zu schützen. Die Plätze – limitiert und nur für die Reichen und Mächtigen reserviert.

    Umso mehr verwundert es Fabiu, einen verwaisten rumänischen Jungen, sich selbst inmitten dieser Operation wiederzufinden. Als sich der Tunnel immer mehr mit Rauch füllt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

    Verzweifelt suchen die dort gefangenen Jungen nach Antworten.

    Warum und von wem wurden sie wirklich hergebracht – und wie kommen sie hier wieder lebend raus?

      

    Sie kann nur noch eins retten: ein Ausweg!


    Meinung:


    Tjaaaaa alsooooo... hm. Ja, was soll ich von dieser Geschichte bloß halten?

    One Exit spielt in Ubahntunneln, in einem Netz aus Gängen tief unter der Erde und die Protagonisten sind zwischen 13 und 15 Jahre alt. Und allesamt männlich.

    Und zum ersten Mal bin ich wirklich ratlos, wie ich hier für und gegen die Story argumentieren soll.

    Zum Einen hatte es einen gewissen fesselnden Aspekt und zum Anderen war dieses dauerhafte „nicht wissen, wohin das jetzt führt oder was für einen Sinn das macht“ doch ganz schön verwirrend.


    Die Geschichte startet mitten im Getümmel ohne einen klaren Rädelsführer.

    Neun Jungs unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Herkunftsgrundlagen wachen in einer umgekippten, brennenden Lok in einem unterirdischen Tunnelsystem auf - und wissen eigentlich nichts.

    Sie scheinen sich nur flüchtig zu kennen, es bestehen keine familiären Bindungen und nur einige von ihnen scheinen zu ahnen was zukünftig zu tun ist.


    Mal ganz davon abgesehen, dass mich die völlige Abwesenheit von Mädchen irritiert hat - auch in Bezug auf den Verlauf der Geschichte - war beim Erzählstil nicht wirklich ein klarer Faden zu erkennen.

    Es war wie eine Art Mischmasch aus Beobachtungen und Gedanken aller Charaktere, die sich dort im Tunnel befanden, auch wenn sich die Erzählung oft auf Fabiu konzentrierte.

    Einen richtigen Durchblick über die Geschehnisse bekam ich im gesamten Verlauf der Story nicht, obwohl ich im Laufe der Zeit den Sinn einigermaßen erahnen konnte. Die Idee hinter „One Exit“ ist nicht schlecht.

    Aber bei solchen endzeitlichen Szenarien oder auch beengtem Bewegungsspielraum brauche ich dringend ein bisschen mehr Struktur.


    Atmosphärisch gesehen bewegt sich die Geschichte irgendwo in düsteren, leicht erdrückenden Gefilden und die Ungewissheit liegt wie eine Decke über allem.

    Über den unterirdischen Räumen, die die Jugendlichen erkunden, über ihren Erinnerungen zu denen sie keinen Zugang haben und über der merkwürdigen Gesellschaft, die sich dort unten gebildet hat.

    Eine gewisse Spannung baut sich während ihrem Aufenthalt in den sogenannten „SEEDS“ - also fluchtbunkerähnlichen Höhlen - durch die Gruppendynamik auf.

    Die Jungs versuchen eine Lösung für ihr Dilemma zu finden, das durch manch gewalttätigen Akt aus den Fugen gerät.

    Es gibt einen Verräter unter ihnen, der genau weiß, was das ganze Spektakel ums Überleben soll und den gilt es zu finden.


    Mal abgesehen davon, dass ich die unterschwellig eingebauten Themen zu Rassismus und Toleranz echt schön umgesetzt fand - Nähe zu den Charakteren und eine emotionale Achterbahnfahrt wären mir lieber gewesen.

    Diesbezüglich fielen die Protagonisten aber für meinen Geschmack einfach sehr flach aus.

    Natürlich hat jeder seinen persönlichen Hintergrund und die Schicksale von Fabiu, Aziz oder auch Lucas sind tragisch und rufen ein bisschen Mitleid hervor. Neben Angst vor dem Unbekannten und ein wenig Neugier auf den Verlauf und die Auflösung der Story, waren das nur leider die einzigen Gefühle, die beim Lesen aufkamen.


    Fazit:


    „One Exit“ ist eine schön illustrierte Ausgabe rund um das Überleben von neun Jugendlichen im Untergrund. Während die Atmosphäre mich bei Stange hielt und ich mehr an den Strukturen und der Umgebung der Ubahntunnel interessiert war, kann man das von der recht chaotischen Geschichte nicht behaupten.

    Die Protagonisten bereiteten mir Schwierigkeiten, weil sie schwer auseinanderzuhalten sind und die Gespräche, sowie der Spannungsaufbau eher schleppend erfolgte. Wenn man irgendwann den Durchblick hat und die Idee begeistert nochmal überdenkt, ist das Buch auch schon wieder vorbei.


    Empfehlen würde ich es Dystopiefans, die sich von wirren Verläufen nicht aus der Bahn werfen lassen, auch wenn die Umsetzung mich selbst nicht gepackt hat.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️(3/5)

    Everqueen (Das Tor zur Geisterwelt) - Nika S. Daveron


    Verlag in Farbe und bunt

    336 Seiten

    Urban Fantasy

    Band 1

    22. Mai 2018


    Inhalt:


    Ludmillas Leben steht Kopf! Nicht genug, dass sie mit ihrer Mutter aufs Land ziehen und sich nun in einer neuen Schule zurechtfinden muss.

    Nein, nach dem Tod ihrer Tante sieht sie plötzlich Geister!

    Schnell erfährt sie von ihrem durchsichtigen neuen Freund Albert, dass dies nicht die Seelen von Verstorbenen sind, sondern Manifestationen starker Gefühle, Wünsche und Gedanken. Von nun an ist es Ludmillas Aufgabe, sich um diese Wesen zu kümmern, denn sie ist die nächste Everqueen.


    Meinung:


    Ja, ich weiß nicht so genau, was ich erwartet hatte.

    Geister, Jugendliche, eine Jagd, Highschool und mehr. Klang genau nach mir.

    Und ist es irgendwie auch. Aber auf eine abstruse Art und Weise.

    Ich mochte die Geschichte. Allerdings ist sie sehr ausbaufähig und zwar aus vielerlei Gründen.

    Das fängt mit diesen unmöglichen Namen an. Sorry, meine Meinung. Jana, Susanna, Marcus und vielleicht Albert.

    Das geht noch in Ordnung. Aber Ludmilla, Silberlinde und Siegfried? Come on!

    Wir sind in der Neuzeit, nicht irgendwo im alten Preußen oder so.

    Ich hatte jedoch Glück, denn im Laufe der Geschichte gewöhnt man sich daran, zumal sie teilweise auch zu den jeweiligen Protagonisten passen.

    Dennoch ist das für mich schon ein großer Knackpunkt gewesen.


    Nun zur Story selbst.

    Ludmilla ist sechzehn Jahre jung, gerade mal wieder umgezogen, befindet sich im typischen Teenagermodus - alles scheiße, Eltern doof, Schule doof - und lässt aber hin und wieder eine gewisse Reife durchblitzen.

    Die Erzählung erfolgt in der personellen Perspektive, untermalt mit ein wenig... ja, jugendlichem Trotzkopfhumor, der mich schon schmunzeln ließ und das, obwohl ich keinen Bezug zu den Charakteren aufbauen konnte. Nach dem Tod ihrer Tante Nike fällt ihr ein Erbe zu, das sie sich nicht merkwürdiger hätte vorstellen können.

    Sie ist die Everqueen und soll zukünftig die Geister aus der Geistersuppe lenken, kontrollieren und ja... eigentlich weiß sie selbst nicht so genau was sie da zu tun hat. Erst einmal muss Ludmilla dafür sorgen, dass sie Anschluss in der Schule findet und nicht direkt als Verrückte mit Selbstgesprächsdrang durchgeht.

    Gar nicht so einfach, wenn die Geister ihrer Tante an ihr kleben wie Kaugummi.


    Würde ich die Geschichte mit einfachen Worten erzählen, würde ich sagen „Everqueen“ ist ein typisches Teenagerdrama mit Geisterzuschuss, aber ohne greifbare Spannung. Für mich war das leider nur so dahin erzählt, auch wenn sich die Story unheimlich schnell lesen ließ.

    Ludmilla braucht nicht viel Zeit, um mit dem Geistersehen klar zu kommen, auch wenn noch einige Fragen offen sind. Gemeinsam mit Albert geht sie der Vergangenheit der Everqueens auf den Grund, nähert sich dem Feind - denn was wäre so eine Welt bloß ohne Widersacher?

    So richtig verstanden habe ich die Aufgaben der beiden Kontrahenten immer noch nicht, auch wenn ich Ludmillas Part wesentlich interessanter fand.

    Doch sie stellt im Laufe der Geschichte leider nicht viel mit ihrer Fähigkeit an, außer, dass sie ein paar Geister herumscheucht. Da fehlte mir die Gefahr.

    Und eine gewisse Portion Mut. Und ganz, ganz viele Emotionen.


    Ein weiterer Punkt, über den ich gestolpert bin, war, dass es keine klar erkennbare Zeitlinie gibt. Ludmilla geht zur Schule, ist zuhause, trifft sich mit Freunden, es ist Sonntag, Freitag, Sommer, Herbst und zack ist sie siebzehn ohne überhaupt gefeiert zu haben.

    Es kam mir so vor als ginge die Zeit vorüber ohne, dass ich es bemerke. Was an sich ja gut ist, aber andererseits auch an der Authentizität der Protagonistin kratzt, wenn sie sich sonst wie ein Teenager verhält, aber nicht mal den eigenen Geburtstag feiert.


    Kurz gefasst ist diese Geschichte etwas chaotisch. Es gibt viele gute Ansätze, viele Rätsel, wo der Leser hätte selbst nachdenken können, wo man sich einbringen könnte, aber die Lösung folgt meist auf dem Fuße. Emotional gesehen bleiben die Charaktere recht oberflächlich, Ludmillas Schwärmerei für den einen und dann für den anderen kann ich leider absolut nicht nachvollziehen. Ein paar Spannungsspitzen sind dank der Geistersuppe dann doch noch vorhanden, aber nichts, was mich aus dem Stuhl gerissen hätte.


    Fazit:


    „Everqueen“ ist der Auftakt zu einer Trilogie (soweit ich weiß), die ich nicht weiter verfolgen werde.

    Die Idee fand ich echt schön, während des Lesens gibt es einige humorvolle Momente und auch Ludmillas Ansichten waren teilweise echt amüsant.

    Doch von einer Geistergeschichte erwarte ich mir einfach mehr, selbst wenn sie in der realen Welt spielt.

    So war es für mich nur eine nette Abendunterhaltung, die sich gut weglesen lässt. Leider reicht das oberflächliche Geplänkel nicht aus, um mich zu fesseln und in die Geisterwelt zu entführen - trotzdem verabschiede ich mich mit einem guten Gefühl von Ludmilla.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️(3/5)

    Side Effect - Lukas Erler


    Arena Verlag

    272 Seiten

    Thriller

    Einzelband

    18. Februar 2019


    Inhalt:


    Plötzlich war sie weg. Kaum hat Ben begriffen, dass die faszinierende Nesrin mit den blauen Haaren auch etwas für ihn empfindet, ist sie verschwunden. Hinterlassen hat sie nur einen Zettel mit einer Adresse in Amsterdam.

    Ben reist ihr nach und muss feststellen, dass sie dort niemals angekommen ist. Als er beginnt nach ihr zu suchen, überschlagen sich die Ereignisse.

    Ein Junkie rät ihm dringend, aus Amsterdam zu verschwinden, dann wird er überfallen, und plötzlich taucht Erol auf, ein ominöser Bekannter aus Nesrins Vergangenheit. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach ihr und geraten in einen Sumpf aus krimineller Forschung, Menschenversuchen, legalen Drogen und großen Geschäften. Im Mittelpunkt: ein skrupelloser Konzern und ein Mädchen mit blauen Haaren. Ob Nesrin noch zu retten ist?


    Meinung:


    Also, ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber diese Geschichte auf jeden Fall nicht. Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich an skrupellose Verbrecher, einen Aufenthalt in einer Klinik, vielleicht Einblicke in Nesrins Sichtweise, irgendwie mehr arzneimittelbezogene Fachbegriffe.

    Eine große Verschwörung mit viel Taktik und Drogenmissbrauch in vielerlei Hinsicht.


    Was ich dann bekommen habe, war aber etwas gänzlich anderes, nämlich eine Art Abenteuer-Detektiv-Spiel und das meine ich keinesfalls negativ.

    Direkt am Anfang durfte ich innerlich jubeln, denn dieses Buch ist in der Ich Perspektive verfasst - was ich vor allem bei Thrillern sehr schätze, da es einem die Charaktere noch näher bringt. Der Leser begibt sich also zu Ben in die Schule, es ist der letzte Tag vor den Sommerferien und seine einzige Chance nochmal mit seinem heimlichen Schwarm Nesrin zu reden.

    Ben scheint ein Durchschnittstyp zu sein, denn er gehört weder zu den Strebern, noch zu den Schlägern, die alles und jeden anpöbeln müssen.

    Seine Art und Weise und auch wie die Geschichte erzählt wird, kam mir erfrischend normal vor. So als sei absolut selbstverständlich, wenn man mit 17 in den Sommerferien mit Kumpels drei Wochen eine Interrailtour macht und dabei allerdings auf der Suche nach seinem Mädchen ist.


    Ben ist selbstbewusst genug, um auf eigenen Beinen zu stehen, kam mir aber manchmal auch leicht kopflos vor.

    Nichtsdestotrotz ist Nesrin dann verschwunden und ein Wettlauf gegen die Zeit und durch drei verschiedene Länder beginnt.

    Und das war unheimlich aufregend, obwohl in der Summe gar nicht so viel passiert ist.

    Allerdings hat der Autor das Talent einen zu fesseln, denn ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

    Es ist definitiv das erste Mal, dass mich ein männlicher Autor mit seinem Schreibstil direkt zu Beginn so mitreißt.

    Es war einfach locker, flockig und ich kam mir vor wie in einem hübschen Spionagefilm - dabei sind die Protagonisten gerade mal erwachsen oder sogar nur kurz davor. Jeder Schritt wirkte auf mich zwar gut überlegt, aber gleichzeitig auch, als würde das Duo diese ganze Operation jährlich mindestens fünf Mal durchführen. Professionell und authentisch.


    Ben und Erol sind kein eingespieltes Team und gerade das macht die Zusammenarbeit recht amüsant.

    Die Spannung ist alleine schon durch die unbekannte Komponente Nersin und deren Aufenthaltsort gegeben.

    Wie die beiden Jungs allerdings dahin kommen, was es mit Nesrins Abtauchen auf sich hat und welche Steine ihnen bis dato in den Weg gelegt werden - das hat der Autor extrem unterhaltsam und mit erhobenem Zeigefinger dargestellt.


    Einziges Manko an der Sache: Gegen Ende ging mir alles ein wenig zu schnell.

    Klar, das Tempo der Geschichte ist sowieso rasant, sonst hätte man den Leser nicht so mitziehen können. Aber die Auflösung des Ganzen war zu einfach.

    Ohne viel Schwierigkeiten. Als würde man ein Kartenhaus einfach zusammenplumsen lassen - Zack und weg.

    Das war ein bisschen schade, denn gerade weil ich anfangs gedanklich in Richtung Drogen/Pillenmissbrauch gegangen bin, hätte ich mir zumindest über die Umstände noch ein wenig mehr Informationen gewünscht.

    Dennoch bin ich positiv überrascht von dieser reichlich unblutigen Geschichte.


    Fazit:


    „Side Effect“ ist ein ziemliches Überraschungspaket.

    Es sieht aus wie ein Thriller, klingt wie einer, ist aber irgendwie keiner und ist trotzdem richtig gut und teilweise spannend, sowie lehrreich.

    Ich würde die Geschichte unter „Hetzjagd mit Spionageanteil“ verbuchen.

    Fügt man dann noch ein paar kriminelle staatliche Machenschaften hinzu, verbotene Tests und einen packenden Stil, hat man echt gutes Unterhaltungsmaterial. Nur das Tempo hätte der Autor zum Ende drosseln können.


    Empfehlenswert für Computernerds, Verschwörungstheoretiker und militärbegeisterte Tarnfarbenträger.

    Aber auch für alle anderen, die sich einfach nur auf ein kleines Abenteuer einlassen wollen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️💫

    Endland - Martin Schäuble


    Hanser/dtv Verlag

    224 Seiten

    Endzeitroman

    Einzelband

    31. Januar 2019 (TB)


    Inhalt:


    Der junge Soldat Anton bewacht die Grenzmauer, die Deutschland umschließt.

    Er ist begeistert von der Nationalen Alternative, der neuen Regierungspartei, und vom Selbstbewusstsein seines Landes.

    Seinem besten Freund Noah dagegen ist diese Politik verhasst.

    Er ist weder für Atomkraft und die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, noch findet er es richtig, dass Flüchtlingen kein Schutz geboten wird.

    Menschen wie Fana, die nach ihrer Flucht aus Äthiopien im letzten Flüchtlingslager Deutschlands auf Anton trifft und sich mit ihm anfreundet.

    Als Anton einen tödlichen Anschlag ausführen soll, ist er gezwungen, sich zu entscheiden:

    für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde – und ein freies Leben.


    Meinung:


    Zuerst einmal: Ich lese gern hin und wieder mal Bücher mit krassen politischen Themen, wenn sie denn gut verpackt sind.

    Mich hat die Extreme zwischen Rechts- und Linkspopulismus schon immer interessiert.

    Nein, ich bin nicht politisch engagiert, aber eine Meinung zu gewissen Themen habe ich schon. So auch zu dem hier vom Autor aufgearbeiteten Szenario.

    „Endland“ erschien erstmalig im Sommer 2017, wo die „Alternative für Deutschland“ kurz AfD, gerade im Aufschwung war.

    Dass der Autor genau diese Situation genommen und verarbeitet hat, wurde mir bereits durch den Klappentext klar.


    Die Geschichte wird aus drei unterschiedlichen Sichten erzählt, von denen zwei überwiegen, die man schon namentlich kennt.

    Anton, ein Elitesoldat an der Grenzmauer.

    Und Fana, angehende Medizinerin in Äthopien, ihrem Heimatland.

    Ich muss gestehen, ich habe meine Zeit gebraucht, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Ich kannte diese Art des Schreibens.

    Aber eher von Liebesgeschichten, die Tiefgründigkeit vermitteln wollen.

    An dieser Stelle ging es dem Autor wohl eher um Authentizität - was bei mir leider komplett ins Gegenteil umschlug.

    Abgehackte Sätze, die Gedanken darstellen sollen. Wörter, geschrieben wie gesprochen. Nicht, dass Rechtschreibfehler drin sind, nein.

    Es ist viel eher so, dass naja, dass es mir vorkam, als würde der Autor die tatsächlichen Gedanken der jeweiligen Charaktere aufschreiben wie sie kommen.

    Nach dem Motto „Oh, ein Schmetterling... ach warte. Ich wollte duschen. Geh jetzt ins Bad! Los. Auf, auf!“ Schwierig.

    Nichtsdestotrotz kam ich irgendwann klar und hätte theoretisch in die Tiefe der Materie eintauchen können. Hätte.


    Wisst ihr, wenn ich Bücher über kritische Themen lese, dann können die ruhig sachlich und erzählend sein, so als wenn man außen vor steht. Aber dann sollten sie auch nicht als naja, Zukunftsszenario aufgemacht sein. Bei solchen Dingen will ich mitgerissen zu werden. Ich muss die Hoffnungslosigkeit fühlen.

    Will ganz in die Gedanken der jeweiligen Protagonisten eintauchen und fühlen was sie erleben und durchmachen.

    Das ist bei „Endland“ leider nicht eingetreten. Die Ideen, die der Autor eingebracht und entwickelt hat, die Themen, für die er einstehen wollte, fühlen sich an wie dahin geklatscht. Nicht, dass es ihm nicht wichtig gewesen wäre, aber sie sind gefühllos heruntergeschrieben.

    Sie sind einfach da und man denkt sich: „Aha, mhm. Ja okay.“

    Man akzeptiert und wird nicht zum Nachdenken angeregt.


    Natürlich ist das mit den Flüchtlingen eine brisante, schlimme Sache, die nicht totgeschwiegen werden sollte. Aber man hätte sie mit viel mehr Leben füllen können. Hier ein Detail mehr, da ein bisschen weniger vage sein - das hätte das Lesen und Verstehen einfacher gemacht.

    Die Protagonisten Fana und Anton laufen in einer Zickzacklinie aufeinander zu und treffen sich in der Mitte. Dass es beim Zusammenprall kracht, war mir klar.

    Der Fremdenhass, das, was der Autor bei seinem Szenario in den Vordergrund stellen wollte, ist greifbar. Atmosphärisch gesehen ist diese Geschichte gut aufgemacht. Man spürt den militärischen Drill, man weiß, dass in Fanas Heimatland eine gewisse Hilflosigkeit herrscht, das Leben stagniert und sie muss dort ausbrechen, wenn sie voran kommen will. Genauso wie Anton etwas tun muss, um seine Dienstzeit durchzustehen.


    Das Land in dem Anton seinen Militärdienst antritt will sich retten.

    Muss sich retten. Doch leider macht es das auf die völlig falsche Weise und die Parallelen zur Gegenwart sind erschreckend.

    Vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Europawahl.


    Fazit:


    Ich sehe in „Endland“ ein mahnendes Beispiel, eine mögliche Perspektive, etwas das eintreten kann, sollten rechtspopulistische Parteien mehr Macht erhalten.

    Die Gegensätze sind hier recht gut dargestellt, aber die Umsetzung des Ganzen, sowie der Schreibstil sorgen dafür, dass nichts im kollektiven Gedächtnis hängen bleibt - was sehr schade ist, denn dieses Ausrufezeichen in der Geschichte könnte so viel mehr.

    Andere Zielgruppen aufrütteln zum Beispiel. So aber ist „Endland“ leider nur ein emotional unausgereiftes Endzeitszenario mit minimalem Warneffekt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️(3/5)

    Banshee Livie 4 (Seelensorge für Debütanten) - Miriam Rademacher


    Sternensand Verlag

    350 Seiten

    Urban Fantasy

    Band 4

    17. Mai 2019


    Inhalt:


    Ein einziges Pokerblatt verändert das Leben auf Schloss Harrowmore.

    Hilflos müssen Walt und Livie mit ansehen, wie sich der Südflügel in ein Heim für ruhelose Seelen verwandelt.

    Verantwortlich für diese unerwünschte Entwicklung scheint ihnen die junge Zeitreisende Allison zu sein.

    Und so setzt Livie alles daran, sowohl den neuen Mitbewohnern als auch dem jüngsten Spross der Harrowmores ihre Geheimnisse zu entreißen.


    Meinung:


    Ein neues Abenteuer für Livie und ihre Freunde steht an.

    Und ich habe mich so darauf gefreut endlich wieder zu den Harrowmores zu reisen. Zu Sniff, Millie und Walt und der neuen Mitspielerin.

    Aber ich muss zugeben, dass ich meine Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte wieder einzusteigen.

    Irgendwie war es, als würde mich ein unsichtbares Band zurückhalten und mich daran hindern voll in der Story aufzugehen.


    Banshee Livie und ihr Todesbote sind dafür zuständig die Familie Harrowmore zu beschützen und bevorstehende Unfälle zu verhindern.

    In Millicent Harrowmore haben die beiden eine Freundin gefunden, die zumindest auch mit ihnen kommunizieren kann und das Leben in der Dachkammer des Schlosses etwas erträglicher macht. Während Livie das Chaos um sich herum mittlerweile akzeptiert hat, tun sich andere viel schwerer mit Veränderungen.

    Die Schlossherren selbst erwarten ungebetene Gäste und auch der Rest der Geschichte spielt sich fast nur auf dem harrowmorschen Anwesen ab.

    Was ich erst irgendwann ab der Hälfte zu schätzen wusste, denn so durfte ich noch tiefer in den Aufbau und die Geschichte des Hauses eintauchen.

    In den vorherigen Bänden ist Livie, bis auf Band eins, immer ins Weltgeschehen hinausgezogen, bei Band 4 sind die Kreise enger gesteckt.


    Natürlich trifft man auch hier wieder auf alte Bekannte, magische Wesen und allen voran lernt man etwas über Geister und deren Abstufungsformen.

    Das war es, was mich schlussendlich gepackt und doch noch für Livies Abenteuer hat - kein Wortspiel beabsichtigt - begeistern können.

    Obwohl der Wirkungskreis kleiner ist, sind die Reisen in die Vergangenheit und Zukunft, von denen das Rätsellösen um Familie Harrowmore ja lebt - zumindest wenn es um Geheimnisse geht - immer wieder eine tolle Abwechslung.

    Es geht in den Zirkus, zu alten Bahnhöfen und in einen neuen, faszinierenden Teil des Schlosses: Den Südflügel.

    Was dort entsteht ist großartig und irgendwie gruselig, aber vor allem großartig, denn es eröffnet so viele Möglichkeiten wie die Geschichte weitergehen kann.

    Angesichts dieser Auswahl bin ich gespannt, um was sich Band 5 drehen mag.


    Die Autorin schreibt wirklich kinderleicht, zumindest hat es sich beim Lesen so angefühlt und trotzdem ist es am Ende immer, als hätte man gerade ein geniales Abenteuer hinter sich gebracht und seine Liebsten zurückgelassen. Atmosphärisch schwankt „Seelsorge für Debütanten“ zwischen dem Film „Die Geistervilla“ und „Sherlock Holmes“ gespickt mit amüsantem Kontext. Spannend wird es dadurch, dass sich die Zeiten hier vermischen.

    In der Gegenwart kennt man die Zukunft ein wenig, weiß von der Vergangenheit und bewegt sich dennoch irgendwie zwischen den Stühlen.

    Und obwohl man dadurch, auch als Leser, allwissend scheint, weiß man letztendlich gar nichts, es sei denn man zieht die richtigen Schlüsse.

    Ein schönes Versteck-, sowie Katz- und Maus Spiel.


    Fazit:


    Das vierte Abenteuer von Livie startet für mich etwas holprig, irgendwie fühlte sich alles ein wenig unbedarft an, aber zum Glück nimmt es noch richtig Fahrt auf und das Gefühl des Heimkommens stellt sich ein.

    Die Charaktere sind gleichbleibend sympathisch, eine direkte Entwicklung ist zwar nur angedeutet, aber das nimmt der Geschichte auf keinen Fall ihren Charme. Und der setzt sich zusammen aus spannenden Rätselelementen, Zukunftsreisen, unsichtbaren und sichtbaren Geistern und einem Funken Situationskomik, die den ganzen Staub der harrowmorschen Familienbande gehörig durcheinanderwirbelt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️💫(4,5/5)

    Kiss me once - Stella Tack


    Ravensburger Buchverlag

    512 Seiten

    Lovestory

    Einzelband

    13. Mai 2019 (Ebook)

    25. Mai 2019 (TB)


    Inhalt:


    Sein geheimer Auftrag: Dich zu beschützen.

    Das einzige Verbot: Sich in dich zu verlieben.


    Nie hätte Ivy Redmond damit gerechnet, bereits am ersten Tag an der University of Central Florida ihrem Traumtypen über den Weg zu laufen.

    Ryan MacCain ist nicht nur frech, sexy und geheimnisvoll tätowiert, sondern bekommt im Wohnheim auch noch das Zimmer direkt neben ihr.

    Jeder Blick aus Ryans grünen Augen, jede zufällige Berührung bringt ihr Herz zum Stolpern.

    Doch genau wie Ivy ist Ryan nicht, wer er zu sein vorgibt.

    Denn Ivy ist als Tochter aus reichem Haus inkognito an der Uni.

    Und Ryan ist ihr Secret Bodyguard.


    Meinung:


    Hachja. Herzklopfen, Schmerz und das Leiden eines zuckersüchtigen Rich Kids liegen oft sehr nah beieinander.

    Stella Tack schlägt mit Kiss me once eine neue Richtung ein.

    Und die hat mir einfach mal richtig gut gefallen.

    Generell bin ich ja großer Fan von diesen Bodyguard - Schützling Geschichten.

    Ivy und Ryan hatten also relativ leichtes Spiel, auch wenn ich einige Erwartungen hatte, da die Autorin ja sonst nur Fantasy schreibt.


    Zuerst einmal muss ich sagen, dass Kiss me once mein Fluchvokabular um einige interessante Ausrufe erweitert hat. Holy moly war mir nicht neu, „Oh Shrimp“ hingegen schon. Das hat mich ein ums andere Mal schmunzeln lassen, weil es teilweise echt nicht in mein Bild von der freiheitsliebenden Studentin gepasst hat. Von ihrer Kleiderwahl mal ganz abgesehen. Die ich übrigens genial finde, weil es im absoluten Kontrast zu ihrem eigentlichen Leben steht.

    Ivy Redmond vereint in vielerlei Hinsicht krasse Gegensätze.

    Deshalb und wegen der Lovestory, die sie umgibt, bin ich ihr vom ersten Moment an verfallen.

    Ihr und dem Gatorade Wahnsinn, der mir tatsächlich ein Begriff ist.


    Der Schreibstil der Autorin hat sich unheimlich flott weggelesen.

    Jugendlich, frisch, humorvoll und doch irgendwie ausgereift - vor allem die sarkastische Note in Zusammenarbeit mit einer gewissen Verletzlichkeit, haben die Geschichte spielend leicht vermittelt. Außerdem schreibt die Autorin in meiner heißgeliebten Ich Perspektive und zwar abwechselnd aus Ryans und Ivys Sicht.

    Viel näher dran an Ryans Waschbrettbauch konnte man also nicht sein. Oder vielleicht doch, wenn man Ivy heißt. Oder Jeff.

    Oder einen Kunstkurs besucht.


    Was soll ich sagen? Crazy Ivy möchte eigentlich nur leben und zwar ohne von irgendwelchen Zwängen eingeengt zu werden.

    Kann ich voll verstehen, wenn man zwischen Champagner, Hosenanzügen und politischem Getuschel aufwächst.

    Kein Wunder also, dass sie sich, kaum auf der, wohlgemerkt öffentlichen, Uni in alle Freiheiten stürzt, die sie kriegen kann.

    Den Bodyguard hat sie stillschweigend akzeptiert, mit dem emotionalen Gefühlschaos, das damit einhergeht, hat sie nicht gerechnet.

    Trotzdem hat sie das, meiner Meinung nach, relativ gut gemeistert und mich definitiv unterhalten und abgeholt.

    Aber nicht nur sie, auch die Nebencharaktere hatten die nötige Tiefe, um als angenehm lesbar durchzugehen. Ich liebe Jeff und Alex.

    Und Ivy und Ryan natürlich auch.


    Was erwartet man eigentlich an Spannung in einer Lovestory?

    Ehrlich gesagt habe ich mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht - hier geht es eher um fesselnde Gefühle. Aber bitte nicht zu klischeehaft und kitschig.

    „Kiss me once“ hat meine Erwartungen diesbezüglich erfüllt und auch ein paar Wendungen hervorgebracht, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe.

    Chapeau! :)


    Fazit:


    Von liebevoll, emotional und ein wenig unbedarft bis hin zu heißen Küssen, hitziger Action und überraschenden Party- äääähm Pageturnern hat „Kiss me once“ alles, was es für eine gute Lovestory braucht.

    Die Gefahr des Bodyguard Seins, die „Goldener Käfig“ Momente, das Prickeln unter flüchtigen Blicken und das ganz normale Lernstressleben von Studenten in Hörsälen mit teuflischen Professoren.

    Die Charaktere waren mir allesamt sympathisch, die Atmosphäre eine Mischung aus „angespannt mit Herzchenaugen“ und skurriler „I don’t give a fuck“ Einstellung.


    Herzschmerz, Angst, Humor und ein bisschen Young Adult - willkommen in Ivy Redmonds Leben.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Vielen Dank für Deine Meinung Mikaey !

    Seitdem ich zum ersten Mal von dem Buch gehört habe bin ich hin- und hergerissen ob ich das Buch lesen soll oder nicht. Mit Deiner Rezension steht fest: ich werde muss es lesen, darf es mir nicht entgehen lassen. Gespannt freue ich mich auf das Buch!

    Bitte gern! :)

    Wenn du seine Danksagungen magst, machst du auf gar keinen Fall etwas falsch. :)

    Fische, die auf Bäume klettern - Sebastian Fitzek


    Droemer Knaur

    256 Seiten

    Sachbuch

    Einzelband

    20. März 2019


    Inhalt:


    Bestsellerautor Sebastian Fitzek stellt sich in diesem Buch den existentiellen Fragen:

    Was zählt im Leben? Wie findet man sein Glück?

    Welche Lebensziele sind richtig? Was lernt man aus Niederlagen?

    Und wie geht man mit seinen Mitmenschen um?

    In spannenden persönlichen Episoden erzählt er, was im Leben wichtig ist und wie ein glücklicher Lebensweg gelingen kann.

    Inspiriert wurde Sebastian Fitzek zu diesem Buch durch seine Rolle als Vater – und die Frage, was er seinen Kindern für das Leben mitgeben würde, wenn ihm nicht mehr viel Zeit bliebe. Und so ist „Fische, die auf Bäume klettern" das sehr persönliches Vermächtnis eines Vaters an seine noch jungen Kinder – und ein Buch für alle, die Halt suchen und sich der Werte, die ihnen wichtig sind, vergewissern möchten.


    Meinung:


    „Fische, die auf Bäume klettern“ ist wohl das persönlichste Buch, das Herr Fitzek jemals schreiben wird.

    Und allein das reicht schon aus, um den Inhalt lesen zu wollen. Zumindest bei mir. Ich bin wirklich ein großer Fan seiner Thriller.

    Aber noch mehr liebe ich seine Danksagungen und ich bin ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht, dass es hier keine gibt.

    Doch die ist auch nicht nötig, denn ich denke, alleine die Tatsache, dass es dieses Buch gibt, ist Danke genug.

    Ein Danke an seine Kinder, seine Frau, seine Katzen, seine Freunde.

    Ein Dank an alle, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist - auch wenn man niemals vollkommen sein wird. Nicht er, nicht du, nicht ich.

    Und genau diese Reise zu sich selbst und seinen Prinzipien beschreibt er hier.

    „Fische, die auf Bäume klettern“ liest sich für mich wie der Wegweiser, der er ist.

    Es ist unbeständig und widersprüchlich. Das ist nichts Schlechtes. Denn nichts im Leben wird sich jemals nicht nicht widersprechen.

    Wenn ihr wissen wollt, warum das so ist, dann nehmt euch das Buch vor und fangt an zu lesen.

    Denn der Herr Autor vertritt viele Prinzipien, die ich im Leben für richtig halte. Teilweise kam es mir vor wie ein Tagebuch.

    Dass Herr Fitzek Fan von Kinderriegeln ist, werde ich wohl genauso wenig vergessen können, wie die Tatsache, dass er einen Summa cum laude in Urheberrechtsform hat.


    Ich finde den Gedanken, den Kindern ein Buch mit an die Hand zu geben, in dem man seine Lebensstrategien und Grundsätze festhält echt schön.

    Und genau so hat der Autor die Geschichte auch gestaltet.

    Mit ein bisschen Witz und dem typischen fitzekschen Humor, den man in seinen Danksagungen immer findet, hat er mit diesem Buch für seine Kinder, an die er sich auch richtet, ein Manifest geschaffen. Ein Manifest, nach dem sie und andere sich richten können - oder eben nicht.

    Die einzige Absicht, die hinter dieser Geschichte steckt, ist die Darlegung seiner Lebensausrichtung.

    Nicht mehr und nicht weniger. Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich gehe mit 80% des Inhalts konform und würde jeden Satz so unterstreichen. Zum Beispiel:



    In diesem Buch, das der Autor selbst als Sachbuch bezeichnet - hier geht meine Meinung in eine andere Richtung - dreht sich alles ums Leben und leben lassen. Ich applaudiere lautstark zu Fitzeks Thesen über Mobbing, Toleranz und Respekt und feiere seine Ansicht zum Thema Ignoranz und Vergebung.

    Durch die vielen Beispiele aus seinem eigenen Dasein, die er eingestreut hat, hat er ein Stück weit blank gezogen - und seine Seele offenbart.

    Der Schritt der Veröffentlichung muss ein großer gewesen sein.

    Aber genau das ist ein Punkt, den er vertritt: Trau dich. Bleib in Bewegung. Mach weiter, selbst wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist.

    Die Reise dorthin ist die Erfahrung, die du sammelst, absolut wert.


    Solche und noch viel mehr kleine Sätze und naja, Anleitungen, findet man in diesem Buch. Ich mag es. Das ist einfach so. Stellenweise wurde es etwas trocken, wenn sätzelang immer wieder das Gleiche umschrieben wurde - das passiert nur ein, zwei Mal, deswegen kann ich darüber hinwegsehen beziehungsweise denke ich mir dann, dass der Autor ja nur möchte, dass seine Kinder, oder eben die Leser, seinen Standpunkt verstehen.

    Ich hatte also Verständnis dafür, weil ich mich spielend leicht in die Lage des liebenden Vaters hineinversetzen konnte, der für seine Sprösslinge den Weg in die Zukunft ebnen will. Mental, psychisch, lebenswegweisend halt.


    Und die Moral von der Geschicht‘?

    Man tangiert immer das Leben von jemand anderem.

    Ein Stein oder eine Fliege allein können dein Leben schon in andere Bahnen lenken. Es liegt aber nur an dir, was du daraus machst.


    Fazit:


    Ich habe ein Ziel. Es schadet mir nicht, es schadet keinem anderen und ich behalte meine Freiheit und eigene Meinung:

    Ich möchte, wenn ich alt und grau bin, auf mein Bücherregal schauen und dieses Buch dort stehen sehen.

    Warum? Weil es 80% meiner persönlichen Ansichten widerspiegelt und mich daran erinnert, warum ich Sebastian Fitzek als Autor so mag.

    Weil er für das einsteht, woran er glaubt und zumindest laut seinen Angaben im Buch, jeden Tag versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen - egal ob es gelingt oder nicht. Ob sich Erfolg zeigt oder nicht.

    Ob man Geld dafür bekommt oder eben nicht.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Wenn Donner und Licht sich berühren - Brittainy C. Cherry


    Lyx Verlag

    384 Seiten

    Drama

    Einzelband

    29. April 2019


    Inhalt:


    Sich in Jasmine Green zu verlieben, fühlte sich an wie ein warmer Sommerregen. Leicht und unbeschreiblich schön.

    Als wir uns nach all den Jahren wiedersahen, war alles anders. Alles zwischen uns fühlte sich an, wie der düsterste Sturm.


    Elliot und Jazz könnten unterschiedlicher nicht sein. Eigentlich passen sie nicht zusammen, doch was sie verbindet ist Musik - und ihre Einsamkeit.

    Mit Jazz fühlt sich das Leben für Elliot das erste Mal unbeschwert und leicht an.

    Doch ausgerechnet dann, als Elliot Jazz am meisten braucht, ist sie plötzlich verschwunden. Als sie sich Jahre später in New Orleans wieder begegnen, hat Jazz sich verändert. Genau wie Elliot. Das Leben hat sie härter gemacht. Eiskalt. Doch die zerbrochenen Scherben ihrer Seelen erkennen noch immer die Traurigkeit des anderen - und die Liebe zueinander. Und Elliot weiß, dass er seinen Fehler nicht noch einmal machen wird, dass er Jazz diesmal nicht mehr gehen lassen wird!


    Meinung:


    Wenn die Hände nach einem Buch noch so zittern, dass man es kaum schafft, die Buchstaben daraus fließen zu lassen.

    Wenn die Worte einer Geschichte einen beim Lesen ununterbrochen Gänsehaut verursachen.

    Wenn die Musik der Story dich mit in die Welt von New Orleans und Liedklängen und Lachen und Weinen nimmt, sodass du nicht mehr weißt, dass du zuhause auf dem Sofa sitzt und liest.

    Wenn das passiert, dann ist hält man ziemlich sicher ein Buch von Brittainy C. Cherry zwischen den Fingern.


    Musik. Jazz und Soul. Harmonie und Disharmonie.

    Gefühle, die überquellen. Gefühle, die wie Wellen durch den Körper rauschen.

    Liebe, die abwechselnd kalt und warm durch die Blutbahn jagt.

    Und Tränen. Viele, viele Tränen. Und Ecken, die man ins Buch macht, weil man diesen Moment nicht vergessen will, weil man ihn braucht, weil er so schön oder so grausam ist, dass man nicht nach anderen Hilfsmitteln greifen kann.

    Es gibt keine Autorin auf der Welt, in der Buchwelt, die solche Emotionszustände spielend leicht hervorrufen kann. Keine.

    Ich sitze hier und meine Hände zittern im Einklang mit meinem Körper.

    Vor Adrenalin. Weil ich vier Stunden gelesen habe. 375 Seiten. Pures Gefühl.



    Dies‘ ist die Geschichte von Jasmine und Elliott. Von Jazz und Soul.

    Von Musik und Leben. Von Hoffnungen und Schicksalsschlägen.

    Solchen, die dich so fest ins Gesicht treffen, dass du danach nur noch Blut spuckst und auf der Straße im Dreck liegen bleiben willst, weil du denkst, dass du genau dort hingehörst. Elliott hatte es nicht leicht in der Schule.

    Aber er hatte eine Familie, die ihn liebt. Jasmine hatte es äußerlich leicht in der Schule. Aber die Familie, die hatte sie nicht.

    Ich kann mit Worten nicht beschreiben, wie unglaublich schön und traurig diese Geschichte ist. Ich fasse es einfach nicht, wie die Autorin es immer wieder schafft solche Gegensätze zusammenzubringen und es annähernd normal aussehen zu lassen. Obwohl nichts an ihren Geschichten normal ist.


    „Wenn Donner und Licht sich berühren“ wütete durch meinen Kopf und versenkte sich wie ein Blitz in meinem Herzen bis die Geschichte mich schließlich mit den Füßen erdete. Jedes Wort, jede Seite, jeder Satz schreit Emotionen in den Himmel. Ich liebe es, ich fühle es.

    Es schmerzt, es rüttelt an mir, es zehrt an meinen Nerven, aber es ist gottverdammtnochmal ein Highlight.


    Wie Jasmine und Elliott Halt in der Musik finden. Wie sie sich den Tönen, den Diskrepanzen hingeben ob crescendo oder decrescendo.

    Diese Geschichte erzählt von so viel Leid, mehr als Menschen je erfahren sollten. Sie erzählt von Akzeptanz. Von Schmerz und Vergebung.

    Vom sich abschotten und einigeln. Von Hoffnung auf Liebe, vom Zerschlagen des Herzens, wenn diese Liebe vergebens gesucht wird.

    Aber vor allem sagt die Musik dieses Buches mehr als Worte es je könnten.


    Fazit:


    „Wenn Donner und Licht sich berühren“ ist ein wahrer Emotionstornado.

    Ein Gefühlshurrikane, der, wie Katrina, durch New Orleans fegt und dabei nicht nur die Stadt, sondern eine ganze Familie und andere Leben in Schutt und Asche legt. Er reißt Menschen und Herzen auseinander, sodass sie schlussendlich nur noch durch die Trümmer blinzeln können.

    Mit Staub auf den Lungen und in den Augen ist die Hoffnung unsichtbar.

    Und nur die Musik vermag es, mit ihren Tönen und Noten und Rhythmen, den Schmerz von jeder Seele zu vertreiben.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Die vergessenen Sieben (Grimm-Chroniken 13) - Maya Shepherd


    Sternensand Verlag

    270 Seiten

    Märchenadaption/Fantasy

    Band 13 (Staffelfinale)

    03. Mai 2019


    Inhalt:


    Wenn der Teufel die letzte Hoffnung darstellt, kann das Gute dann überhaupt existieren?

    Der vermeintliche Weg zur Rettung Engellands beruht auf einem Zauber, der ein Herz unter sieben Personen aufzuteilen vermag.

    Die Vergessenen Sieben, an die sich Jahrhunderte später niemand mehr erinnern wird, nehmen ihren Platz in der Geschichte ein.

    Sie sind es, die über den Lauf des Schicksals entscheiden werden.

    Sie werden die Welt retten oder deren Untergang sein.

    Es ist alles eine Frage der Perspektive, denn das Böse ist Ansichtssache.


    Meinung:


    Eine Jagd. Viele Opfer. Zwei Zeiten. Ein Geheimnis.

    Das gesponnene Stroh der letzten Folgen türmt sich zu einem Haufen und explodiert in einem großen Wirrwarr an Fäden.

    Willkommen zum Finale der Grimm Chroniken Staffel 1.


    Ein Jahr und ein paar Monate begleite ich die Grimm Chroniken nun schon.

    Die Autorin hat mich und viele andere durch einige Höhen und Tiefen geschickt.

    Spannungen, Enthüllungen, Machthunger, Blutbäder, Gewalt und die etwas andere Darstellung diverser Märchenfiguren sind verschmolzen zu einer großen, genialen Geschichte. Empfand ich Band 12 noch irgendwie als „außen vor“, fügt es sich mit dem Ende der ersten Staffel ins Geschehen ein.


    Die vergessenen Sieben haben Margerys Herz geteilt und sich damit zur Zielscheibe gemacht.

    Engellands Boden wird mit Blut getränkt, die Luft wird mit Flüchen und Bosheit verpestet, Hoffnung und Liebe gehen Hand in Hand mit Verrat und Lüge.

    Im Finale trifft man nochmal auf fast alle Charaktere der vergangenen Folgen und das baut unheimlich Spannung auf.

    Es geht kreuz und quer durch dunkle Wälder, vom Schloss bis an die Dornenhecke, die Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart verbinden sich, die Bewusstsein verschmelzen und auf einmal ergibt alles Sinn.

    Auch wenn Margery das Ganze nur so halb mitbekommt, ist es aufregend zu sehen, wie weit Freunde bereit sind für einen zu gehen, wenn die Welt am Abgrund steht.


    Jeder der Protagonisten hat in Engelland seinen Platz - aber nicht jeder wird es in die Zukunft schaffen. Wer lenkt, wer führt, wer stirbt, wer flieht?

    Das Finale beantwortet es euch.


    Fazit:


    „Die vergessenen Sieben“ mag jetzt nicht meine Lieblingsfolge sein, dafür wurden in Band 6 und 10 einfach zu große Bomben zum Platzen gebracht, aber es ist ein würdiges Finale. Die Flucht bringt Spannung, die Opfer sind überraschend und auch emotional verlangt das Ende von Staffel eins dem Leser einiges ab.

    Doch dieses Finale ist zeitgleich auch der Anfang von etwas Neuem. Und ich brenne darauf zu lesen, wie es mit allen weitergeht.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Evig Roses 5 (Liebe will gelernt sein) - Jasmin Romana Welsch


    Sternensand Verlag/Selfpublishing

    310 Seiten

    New Adult

    Band 5

    27. April 2019


    Inhalt:


    Lügen sind verwerflich. Sie stiften Chaos, verletzen Gefühle und errichten Luftschlösser, die einen nach dem Verpuffen im freien Fall aus allen Wolken fallen lassen. Mein Luftschloss ist der Hammer.

    Geräumig, schick, voller charakterstarker, witziger Menschen - und einer von ihnen ist auch noch der schönste Mann der Welt.

    Während um mich herum die Kirchenglocken eine Traumhochzeit einläuten und Liebe so beschwingt durch die Luft schwirrt, als hätte Amor einen in der Krone, versinke ich immer tiefe in einer Parallelwelt, die nicht meine ist.

    Nein, mein Leben wird zu keinem Urban-Fantasy-Roman - dafür vögeln wir alle noch immer zu wild rum und reißen zu viele bescheuerte Witze.

    Aber ein wenig wie im Märchen ist es plötzlich doch.

    Doof nur, dass Märchen zwar immer schön, aber nie wahr sind ...


    Meinung:


    Nein, nein, nein, nein, nein.

    Ich will nicht, dass es vorbei ist!

    Das ist mein blöder roter Powerranger!

    Rück ihn wieder raus, du doofe, gemeine Eisprinzen brechende Autorin!

    Oder gib mir wenigstens auch ein Sakko!

    *wein*


    Ich liebe dich, Emma!

    Ja, ich liebe dich auch, mein Eisprinz!

    Irgendjemand muss es ja sagen. Bevor wir alle platzen.

    Und ich spreche einfach mal im Namen der gesamten Leserschaft von Evig Roses. Dieser fünfte Band hat mal wieder an meinen Nerven gezerrt.

    Ich schwanke zwischen hysterischem Schluchzen und hyperventillierendem Lachanfall hin und her und weiß zwischendurch gar nicht mehr, wie man artikuliert. Für diesen Satz brauchte ich fünf Mal die Löschen Taste.


    Ich bin Emma. Mittlerweile.

    Ich brauche nur ein paar Sätze und schon bin ich wieder die unsichere, loyale, ergebene, rothaarige Schönheit mit dem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn.

    Ich habe Gänsehaut, während ich diese Worte formuliere. Ich habe kein Gefühl mehr, gar keine Buchstaben mehr, um zu beschreiben, wie sehr ich Emma und Pascal und Remo und die Clique liebe. Ich will nicht dauernd wiederholen, wie unglaublich intensiv diese wortwörtliche Achterbahnfahrt für mich ist.

    In einem Moment glaubst du, dass dir fast das Herz bricht, weil ein Herr Eisprinz so schutzlos und herzblank vor einem steht, mit gebeugtem Haupt, nicht wissend, wohin mit seinen Gefühlen, nur um im nächsten Moment ein erotisches Dauerprickeln durch die Adern gejagt zu bekommen.

    Von dem absoluten Dauerlachanfall kurz darauf, weil die Clique im betrunkenen Zustand so äußerst mitteilungsbedürfig ist, mal ganz zu schweigen.

    Nur Jasmin schafft es, dass ich in einem Zug lachen will, während mir Tränen über die Wangen laufen vor Rührung.

    Ich liebe dein Hirn, Frau Autorin.


    Jetzt, wo dieses Gefühlschaos wieder etwas geordnet ist, nachdem ich mein Innenleben beschrieben habe, kann ich nur sagen: Heartbreaking Highlight.

    Emma ist so authentisch, zerbrechlich, durchgeknallt, verrückt, peinlich, liebevoll, rührend, zurückhaltend und alles komische zugleich - ich will sie retten und Pascal gleich mit. Das ist direkt in mir drin und ich finde keine Worte mehr. Ich kann nicht... ich, nein. Ende. Wirklich nicht.


    Apropos Ende.

    Auf Herzen rumtrampeln macht anscheinend Spaß.


    Fazit:


    Band fünf ist mehr.

    Mehr Lachen, mehr Weinen. Mehr Gefühl. Mehr Hin und Her. Mehr Liebe und Leidenschaft. Mehr Verzweiflung. Mehr Panikattacken-Chaos-Modus.

    Mehr hirnverbrannten Blödsinn murmeln Modus. Mehr Emma, mehr Pascal.

    Mehr Momente, die im Sternenlicht glitzern und schimmern. Mehr Geheimnisse.

    Mehr Zusammenhalt. Mehr Wut. Mehr Eifersucht. Mehr Sehnsucht.

    Mehr Peinlichkeiten. Mehr Offenbarungen.

    Es ist ein Band, der nach Lavendel schmeckt.


    „Mach die Augen zu und küss mich!“


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Stoneheaven - Tanja Heitmann


    Piper Verlag

    480 Seiten

    Jugendbuchfantasy

    Einzelband

    01. März 2019


    Inhalt:


    Mariella will bloß eins: Spaß haben. Nur ihre Familie will das nicht, da sie die Infantin der mächtigen Rosaliken ist.

    Nach einem Fehltritt landet sie in der Zitadelle Stoneheaven, wo der in Ungnade gefallene Nachwuchs geradegebogen werden soll. Für Mariella ist es die Hölle, alles muss erkämpft werden, sogar der Platz in ihrer Einheit, die aus dem von Schuldgefühlen zerfressenen Lyon, dem mental begabten Xiu, der Attentäterin Syke und dem unnahbaren Aidan besteht. Ausgerechnet letzterer weckt Mariellas Interesse, obwohl er einen schweren Verrat begangen hat. Aber als Mariella tatsächlich die Gelegenheit zur Flucht erhält, ist sie unsicher, ob sie noch aus Stoneheaven fort will. Vielleicht ist die Zitadelle ja doch die Chance, die sie braucht?


    Meinung:


    Astrallis, Tannin, Auren, Quellenversieglungen, Verwandelte und Unlichter.

    Alles Dinge, die euch nichts sagen, richtig?

    Ist aber auch überhaupt nicht wichtig, denn Stoneheaven lehrt euch mit diesen Begriffen umzugehen. Und zwar auf die eher unkonventionelle Weise.


    Ehrlich gesagt wusste ich nicht direkt, wie ich mit dieser Geschichte umgehen soll. Man wird zu Beginn gleich ins Geschehen geworfen und macht Bekanntschaft mit Mariella, der Hauptfigur. Sie ist mit ihrem Aufpasser auf dem Weg an eine Steilküste, hin zu ihrem Gefängnis für die nächsten paar Monate.

    Stoneheaven ist eine Art Besserungsanstalt für jugendliche Tannin mit Problemen.

    Und dass Mariella ein Rebellenkind ist, das hat man sofort an ihrem fließenden Sarkasmusumgang gemerkt. Aber auch die restlichen Charaktere scheinen damit kein Formulierungsschwierigkeiten zu haben, was auch einer der Gründe ist, warum ich schlussendlich so gut in die Geschichte reinkam.


    „Stoneheaven“ hat mich ziemlich unerwartet getroffen.

    Der Schreibstil der Autorin ist locker, flockig und auf eine gewisse Art und Weise leicht - aber so richtige Verbindungen zu den Protagonisten wollten bei mir nicht aufkommen, denn sie schreibt in der personellen Erzählperspektive, lässt aber zwischendurch Mariellas Gedanken in Ich Form einfließen.

    Das ließ mich anfangs etwas im Lesefluss straucheln, doch die Story ist wirklich extrem gut und hat mich fast instant wieder aufgefangen.

    Einzig und allein ein paar Worte haben mich irritiert, die ich erst für Übersetzungsfehler hielt, wobei die Autorin allerdings Deutsche ist.

    Nachdem ich mich damit dann auch angefreundet hatte, war ich vollends gefesselt von der Geschichte.


    Die Tannin sind sowas wie eine magische Rasse, die allerdings nicht über unendliche Magie verfügen und immer nur auf ein Gebiet spezialisiert sind.

    Es gibt Illusionisten, Assassinen, Schlossknacker und vieles mehr. Diejenigen, die vom vorgeschriebenen Hierarchie/Etepetete Weg der Tannin abgekommen sind, landen also in Stoneheaven, wobei es hier auch nochmal Abstufungen gibt. Das müsst ihr allerdings selbst erleben, nur so viel:

    Es geht auf allen Ebenen hoch her!


    Mariella, ihrerseits eigentlich eine heißblütige Spanierin mit hochrangiger Mutter, hat sich zu ihren Partyzeiten etwas geleistet und davon soll sie in Stoneheaven reingewaschen werden. Dass sie dabei mit einer durchgeknallten Assassine, einer nicht auf den Mund gefallenen Schnepfe, einem kleinen Elitesoldaten und einem aufmüpfigen Pubertier in einer Einheit landet und mit ihnen wohnen und leben muss, hat ihr keiner vorher gesagt.

    Und dann wäre da noch Aidan, die meistgehasste Person der Zitadelle in der so viele Ungläubige ihr Dasein fristen.


    Was soll ich sagen?

    Ich bin von den Charakteren total mitgerissen worden, habe niemals eine solche Vielfalt - sowohl bei der Story als auch bei den Schauplätzen, der Atmosphäre und Co erwartet und ich mag vor allem diesen dunkel, düster angehauchten Unterton, der sich über die gesamte Geschichte legt.

    Sobald Mariella die Zitadelle betritt wird es eigentlich niemals langweilig.

    Es gibt immer was zu tun oder zu bestaunen. Sei es auf Nachttauchgängen, bei Kantinenrevolten oder dem Alphatiergehabe der männlichen Charaktere.

    Es gibt Geheimnisse, die gelüftet werden wollen, Streithähne, die man auseinander bringen muss, Astralliskannalisationen, die aus dem Ruder laufen und vor allem eins: Den leichten, luftigen Geschmack der Freiheit, wenn die Fluchtgedanken mal wieder Überhand nehmen.


    Was mir trotz fehlender, tieferer Verbindung zu den Charakteren gut gefallen hat, ist, dass sie fast alle eine Vergangenheit haben.

    Sie wird thematisiert, nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Intensität der Geschichte kann man fast schon schmecken - hinzu kommt dann noch der recht actionreiche, schlagfertige Verlauf der Story und ein paar winzige gefühlsmäßige Ausbrüche.

    Stoneheaven soll die Tannin brechen und neu formen.

    Ob das bei Mariella funktioniert bleibt abzuwarten.


    Fazit:


    „Stoneheaven“ ist anders. Es gehört für mich ins Genre der Jugendbuchfantasy, ist aber auch zeitgleich schon etwas zu krass dafür.

    Man spürt als Leser regelrecht die aufgeputschte Energie, die das Gefängnis umgibt. Und das kommt der Geschichte unheimlich zu gute.

    Schlagfertigkeit wird groß geschrieben, die Protagonisten sind wahnsinnig charakterstark, die Story nur so durchzogen von Magie und Action.

    Das Ganze in einer dunklen, machtunterdrückten aber schon irgendwie genialen Atmosphäre. „Stoneheaven“ hat zwar ein paar Fehler hinsichtlich der emotionalen Verbindungen, doch ansonsten finde ich die Geschichte, um es einfach auszudrücken, ziemlich cool.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️(4,5/5)

    Dark Palace 2 (Die letzte Tür tötet) - Vic James


    Fischer FJB

    496 Seiten

    Dystopie

    Band 2

    24. April 2019


    Inhalt:


    Wer überlebt, und wem kannst du trauen?

    Englands magischer Adel schreckt bei seinen Intrigen vor keiner Brutalität zurück. Luke wurde unschuldig verurteilt und ist der Gefangene eines besonders grausamen Lords. Seine Schwester Abi versucht verzweifelt, ihn zu befreien. Wird sie es schaffen, bevor sein Willen vollständig gebrochen ist?


    Ein atemberaubender Kampf um die Macht, bei dem unvorhersehbar bleibt, wer welches Spiel spielt und wer gewinnt.


    Meinung:


    Puhhhhh.

    Also. Ja...

    Hm.


    Das war also der zweite Teil der dystopisch angehauchten Dark Palace Reihe.

    Leider muss ich sagen, dass er absolut nicht mit seinem Vorgänger mithalten kann. Ich habe mich so sehr auf die Fortsetzung gefreut, auf neue Action, ein bisschen Liebe, Schmerzen und vor allem Rebellion und Geschick, dass ich direkt nach Ankunft angefangen habe zu lesen. Fast eine ganze Woche saß ich daran und das bedeutet oftmals nichts Gutes. Highlights sauge ich auf, doch wenn es länger dauert... habe ich meist einiges auszusetzen.


    Der erste Teil endete mit einer „Geschick“ Explosion.

    Habe ich mich zuvor noch am Schreibstil der Autorin erfreut, muss ich jetzt sagen, dass mich die tieferen Emotionen in dieser neuen Situation einfach gefehlt haben. Bis zum Ende von Teil eins war alles noch spannend, neu, aufregend - das setzt sich auch fort, aber nicht so groß ausgeprägt wie im Auftakt. Die Erzählperspektive schwankt auch in Teil zwei von Abi zu Luke zu Gavar Jardine oder Mistress Bouda, die hier eine breiter gefächerte Rolle einnimmt.

    Der Grundgedanke der Rebellion der Sklaven gegen die „Ebenbürtigen“ - also diejenigen mit Geschick/Magie - bleibt bestehen. Auch die dunkel, düstere Atmosphäre zieht sich konstant durch die Geschichte.

    Allerdings kam in Band 2 noch ein Hauch Beklemmung und Verwirrung hinzu.


    Natürlich ist die Ausgangslage nach dem Ende von Band 1 sehr politisch geprägt.

    Es geht schließlich um die Regierungsnachfolge der Ebenbürtigen.

    Ich habe jedoch nicht damit gerechnet, dass sich dieses Hin und Her, das Abwägen und Glätten von Plänen, das Ausführen und Taktieren, sowie die grausigen Ränkespiele der Jardines über die Hälfte des Buches füllen.

    Wirklich nicht. Das was die Autorin mit dem zweiten Teil gemacht hat, war mir in Verbindung mit dem bereits eher unpersönlichen Schreibstil einfach zu trocken. In Band 1 hat sie es mit den Handlungen der Charaktere und dem Kleinhalten des Protagonistenkreises noch geschafft, dass ich diverse Gefühle in mich aufnehmen und verarbeiten konnte - hier lag ich einzig und allein mit Gavar Jardine auf gleicher Wellenlänge.


    Die Geschichte hat ihren roten Faden nicht verloren, nur weil die Beschreibungen sehr politisch geprägt sind, keinesfalls. Für die Ängstlichen unter euch: Es wird blutig. Und das nicht nur einmal.

    Allerdings kann ich euch versichern - so schnell wie es kommt, so schnell ist es auch wieder vorbei.

    Dass den Verschiedenen kaum einer nachtrauert war auch so eine Sache, die mir das vollkommene Abhandensein von Gefühlen nochmal vor Augen geführt haben. Selbst die mutige, kleine Abigail und ihre Liebelein haben mich nicht mehr berührt. Das vorherrschende Gefühl war tatsächlich:

    Bitte, bitte, lass es mit einem großen Knall enden.


    Um der Rezension noch einen Hauch positive Energie zu geben - folgende Punkte fand ich wirklich gut: Man reist als Leser jetzt in ganz Großbritannien umher und sieht mehr als die Sklavenstädte, nämlich auch die Herrensitze von residierenden Parlamentsmitgliedern und anderen wichtigen Ebenbürtigen.

    Die vorherrschenden Geschicksicherheitsmaßnahmen der diversen Burgen und Inseln fand ich faszinierend.

    Auch das Gefängnis, in dem sich ein Teil der Geschichte abspielt. Leider wurde dieser Part für meinen Geschmack zu wenig ausgeführt. Abigails und Gavars charakterliche Entwicklungen haben auch große Sprünge in die richtige Richtung gemacht.

    Die Autorin hat versucht durch blutige, gewaltige, magische Aktionen Spannung in den zweiten Band zu bringen.

    Das hat nur teilweise funktioniert, aber die Kälte, die manch ein Charakter dabei ausgestrahlt hat, ist ihr gut gelungen. Alles in allem ein durchwachsener zweiter Teil.


    Fazit:


    Angesichts der vielen geschickgierigen Machtspielchen, die sich in Band 2 zu einem großen politischen Knäul verwirren und nur hier und da einzelne Fäden ausspucken, denen man folgen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Ganze unter dem Punkt „intrigenreiches, emotionsloses Chaos“ zu verbuchen.

    Was schade ist, denn für mich hatte die Story mit den Herrschern und Unterdrückern so viel Potenzial.

    Ich werde den dritten Teil noch lesen, weil mich der erste so begeistert hat und ich wissen möchte, ob die Rebellion Erfolg hat und wann Silyen Jardines Macht expandiert und explodiert - aber dieser zweite Teil war für mich zu kalt, zu politisch und hatte definitiv, trotz einigen grandiosen Momenten, den falschen Fokus gesetzt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️(3/5)

    Cat & Cole 2 (Ein grausames Spiel) - Emily Suvada


    Thienemann Esslinger

    464 Seiten

    Dystopie

    Band 2

    11. April 2019


    Inhalt:


    Die Seuche ist vorüber, aber der Kampf hat gerade erst begonnen!


    Cat ist erschöpft, verwundet und schockiert über die grausame Entdeckung über ihren Vater. Sein Plan: die komplette Menschheit nach seinen Wünschen umzuprogrammieren. Cat und Cole müssen ihn aufhalten und dafür eine Allianz mit dem Feind eingehen.

    Aber überall warten Lügen und Betrug. Cat muss alles und jeden, dem sie vertraut, infrage stellen.

    Und während ihr Vater immer zwei Schritte voraus ist, stellen sich Cats Geheimnisse, versteckt in ihrem eigenen Kopf, als größte Bedrohung heraus ...


    Meinung:


    Wenn sich dein ganzes Leben auf zwei Jahre beschränkt,

    wenn da ein riesen großes Loch in deinem Erinnerungsvermögen klafft,

    wenn du nicht mehr weißt, ob du agierst oder jemand anders dich steuert,

    wenn du das alles nicht mehr auseinander halten kannst -

    woher willst du dann wissen was richtig und was falsch ist?

    Ob das, was du tust echt ist oder nur virtuelle Realität?


    In einer Welt, in der Technik und Genmanipulation die höchsten Güter sind, in der Daten und Codes wertvoller sind als Diamanten, in der fast jeder mit einem Panel im Arm ausgestattet ist - in dieser Welt versuchen Catarina und Cole, sowie einige andere Blackout Agenten gegen den größten Feind der Menschheit vorzugehen. Nicht etwa die von Menschen entfesselte Seuche, die alle dahinraffen und explodieren lassen könnte, nein, die scheint besiegt.

    Sondern diejenigen, die versuchen Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen.

    Nachdem Cat ihrem Vater nur knapp entkommen konnte, muss sie jetzt alles daran setzen ihn zu finden und aufzuhalten. Dabei taucht sie nicht nur extrem tief in die Materie der Technik und andere Dimensionen ein, sondern findet ebenfalls ein gefährliches Geheimnis, das sie in sich verborgen trägt.


    Und dieses Geheimnis lässt mich an jeder Handlung, an jedem Atemzug, an jedem virtuellen, gedachten Angriff zweifeln, den die Protagonisten vorgenommen haben. „Cat & Cole“ ist ein wahres, absolut verwirrendes, aber zeitgleich doch glasklares Meisterwerk. Und das, obwohl ich so verdammt wenig mit den biotechnischen, hochentwickelten Begriffen und Denkmustern anfangen kann. Doch die Autorin hat es geschafft, dass sich die Worte in meinem Gehirn von losen Stücken zu einem großen Ganzen haben zusammenschließen können. Im Ernst, ich liebe den zweiten Teil genauso sehr wie den ersten und das will schon was heißen. Normalerweise sind die Fortsetzungen immer etwas schwächer, egal ob von den Charakteren oder der Atmosphäre. Nicht so bei Cat & Cole.


    Der Schreibstil ist gleichbleibend. Die Ich Perspektive ermöglicht mir das extrem tiefe Eintauchen und Vernetzen mit Catarina.

    Es ist schwer diesen Zustand zu beschreiben. Grundsätzlich fiebere ich mit, fühle mit den Charakteren, versetze mich in ihre Figur, doch hier bei Cat war das nochmal ein ganz neues Level. Die komplette Geschichte ist so verschlungen, so wirr, so voller Technikdatengesäuseltransfer, so erfüllt von verschiedenen Denkmustern, dass mir eigentlich der Kopf schwirren sollte. Und genau dafür, dass das nicht passiert, bewundere ich die Autorin.

    Sie hat eine enorm komplexe, hochentwickelte Dystopie erschaffen, ich will mir nicht mal ansatzweise vorstellen wie schwierig es war sowas zu plotten, und mich damit voll abgeholt.


    Ging es im ersten Teil noch um die Entwicklung und Verbreitung eines Impfstoffes gegen die kannibalistisch angehauchte, explosive Seuche, dreht sich der zweite Band um so viel mehr als das. Catarina, Cole, Leoben und Co sind auf der Flucht, laufen blindlings in Fallen, weil sie keine Wahl haben, fügen sich freiwillig Schmerzen zu, um Mauern einzureißen - sie sind Helden und Antihelden in eins. Sie wollen verhindern, dass die Menschen in willenlose Zombies verwandelt werden und müssen jede Möglichkeit austesten.

    Wäre da nicht diese Stimme in Catarinas Kopf, die ihr Impulse schickt, Cartaxus - den Feind - einfach machen zu lassen.


    Es ist ein Hin und Her. Ein Aufwallen von Emotionen und Entsetzen am Ende eines jeden Kapitels. Nicht nur das Ende der Geschichte hat einen kleinen Aussetzer - jedes verdammte Kapitelende lässt dem Leser keine andere Wahl, als weiterzulesen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich irgendwann angefangen habe, die letzte Kapitelseite mit der Hand zu bedecken, weil ich sonst direkt auf den Schockmoment umgesprungen wäre.

    Was Genkits, Technik, Heilteks, Zerstörer, Drohnen, Bunker, Glaspanels, Gesichtsmanschetten, Kabel, die in Muskel dringen, Wände im Gehirn, Fraktionierungen, kobaltblaue Bersterwolken und Millionen von Codezeilen in der richtigen Zusammensetzung mit mir gemacht haben, ist unglaublich, unbeschreiblich.


    Fazit:


    Die Geschichte hält genau das, was sie verspricht. Es ist ein verdammt grausames Spiel, das die Menschen in der Welt dort treiben.

    Technik gegen Mensch, Mensch gegen Natur, Natur gegen Technik oder alles zusammen.

    Wenn die klügsten Köpfe der Wissenschaft beschließen nach der Unsterblichkeit zu greifen, kann eigentlich niemand die Konsequenzen auch nur ansatzweise erahnen. Der zweite Teil von Programmiererin Cat & Soldat Cole ist nervenaufreibend. Die Luft überladen von Wissen und Mechanik.

    Es ist der Kampf gut gegen böse - aufgefächert in Machtgier, Reinigungsprotokolle, Gedächtnisverlust und unendlich viele Möglichkeiten.

    Die Spannung und den Sog in Worte zu fassen übersteigt meine Fähigkeiten.


    Eine der besten Dystopiereihen, die ich bisher gelesen habe.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)

    Summer Lessons - Penny L. Chapman


    Selfpublishing

    380 Seiten

    New Adult

    Einzelband

    17. März 2019


    Inhalt:


    Hunter


    Der Plan schien simpel.

    Sie zieht bei uns ein und spart Geld, bis sie sich etwas Eigenes leisten kann. Doch Stück für Stück schleicht sie sich in meine Gedanken.

    Es ist nur ein Spiel und trotzdem schlägt mein Herz schneller, wenn wir uns nachts am Pool begegnen.

    Alles könnte einfach sein, wäre ich nicht der Vater ihrer besten Freundin.

    Ich darf dich nicht wollen …


    Jayden


    Ich dachte, sobald meine Mutter auf Entziehungskur ist, wird es leichter.

    Ich hatte gehofft, die nächsten drei Monate einfach neunzehn sein zu dürfen.

    Zu feiern, mich mit Freunden zu treffen und für die Uni zu lernen.

    Ich habe mich geirrt. Ich hätte nicht bei ihm einziehen dürfen.

    Aber es ist zu spät. Ich habe eine Grenze überschritten, die mein ganzes Leben verändern wird.


    Meinung:


    Pennys Bücher sind pure Lust.

    Ein Prickeln und Kribbeln. Ein Summen und Brummen.

    Ein Knistern, das durch Mark und Bein geht.

    Sie steht nicht umsonst auf meiner Liste der Autorinnen, die New Adult auf eine neue Ebene heben und ich bin so verdammt froh, dass ich sie entdeckt habe.


    Jedes ihrer Worte scheint wie für mich gemacht.

    Sie gehen mir direkt ins Blut, lassen es schneller zirkulieren, vernebeln mir die Sinne und schenken mir einen Rausch, der mit fast nichts zu vergleichen ist.

    Bücher sind wie Drogen. Einmal angefangen, kommt man schlecht davon los.

    Und in Pennys Fall stimmt das zu 100%.


    Egal ob düster, dunkel und gefährlich oder licht, leidenschaftlich und von der Gesellschaft als unmoralisch abgestempelt - die Authentizität, die ihre Geschichten ausstrahlen, so als würden die Charaktere leibhaftig existieren, atmen, lachen und weinen - fesselt mich jedes Mal aufs Neue.

    Ja, ich gebe zu, auch ich hatte meine Bedenken als ich vom Thema in „Summer Lessons“ erfahren habe. Zumal es meinen persönlichen Umkreis auch betrifft und ich hier schon etwas Zeit brauchte es zu akzeptieren.


    Aber im Endeffekt spielt es keine Rolle, denn die Autorin schafft es den Altersunterschied von ein paar mehr Jahren als üblich innerhalb eines Wimpernschlags zu minimieren, ja, sogar fast auszulöschen. Als wäre er nichtexistent. Hunter und Jayden sind wie jedes ihrer anderen Protagonistenpaare.

    Es ist nur ein wenig aufregender ihre Geschichte zu verfolgen, weil man das so nicht gewohnt ist. Aber mal ehrlich.

    Was ist in unserer Welt schon normal? „Normal“ definiert jeder für sich.

    Es hätten auch Mister X und Misses Y oder Misses Y und Misses X sein können, ich hätte die Geschichte trotzdem geliebt und verschlungen.

    „Summer Lessons“ hat mir eine schöne, berauschende, kribbelige Lesenacht beschert.


    Zitat

    „Träume sind nichts weiter als eine Illusion, bis du sie einfängst und zu deinem Leben machst.“

    (Seite 362)


    Jaydens Leben verläuft nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie träumt von einem Häuschen mit weißem Gartenzaun, Hund und Familie.

    Doch ihre Realität wird begleitet von einer alkoholkranken Mutter, Geldproblemen und einer Anziehung, die sie sich nicht leisten kann.

    Schneller als sie gucken kann, steckt sie mit ihrem losen Mundwerk und dem erwachsenen Selbstbewusstsein in Problemen, die nicht nur ihr Herz, sondern auch ihre Freundschaft und die Grundfeste ihres Lebens erschüttern. Ich kann’s ihr nicht verdenken, wenn der Typ doch aussieht wie John Winchester.


    In den Büchern der Autorin kann ich versinken. Jede noch so kleine Verbindung zu den Protagonisten ist mit einem einfachen „Klick“ vorhanden.

    Die Ich Perspektive reißt mich jedes Mal direkt mit und die unterschiedlichen Charaktere machen es einem unheimlich leicht, sie zu mögen.

    Aber nicht nur das. Durch das Versteckspiel, das Geheimnisvolle, das Verbotene, das, ja, das Erotische, kommt so wahnsinnig viel Spannung in die Story.

    In jede Story. Die Atmosphäre in „Summer Lessons“ setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Hitze. Kühles Wasser. Kurze Kleidung. Collegefeeling.

    Wer New Adult liebt und Penny nicht kennt, hat selber schuld.


    Fazit:


    „Summer Lessons“ mag anders erscheinen und es schlägt definitiv einen neuen Weg im New Adult Genre ein.

    Nichtsdestotrotz bannt die Autorin nach wie vor Emotionen wie keine andere aufs Papier. Welle um Welle schlägt über einem zusammen.

    Furcht, Erregung, Liebe, Zügellosigkeit, Adrenalin, Gefahr, Berauschung, Aufregung, Kraft, Wut und vor allem prickelnde Anziehung dominieren die sommerlich angehauchte Geschichte. Mit starken, sturen und eigensinnigen Charakteren zeigt Chapman auf, dass es sich immer lohnt, um die Liebe zu kämpfen.

    Egal ob du 20, 40, 60 oder 80 bist.


    Eine heiße, erotische Geschichte, die zum Nachdenken anregt und zeitgleich da moralische Werte aufzeigt, wo man sie als Leser nicht erwartet.

    Absolute Leseempfehlung!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(5/5)