Beiträge von Mikaey

    LifeHack (Dein Leben gehört mir) - June Perry


    Arena Verlag

    368 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    23. September 2019


    Inhalt:


    Sie ist nur eine Software. Aber sie will fühlen. Sie will lieben. Sie will leben. Sie will DEIN Leben.


    Als sie Ada das erste Mal begegnet, steht Ellie quasi sich selbst gegenüber - ihrer Doppelgängerin.

    Ada ist so cool und mutig, wie Ellie es selbst gern wäre. Aber Ada ist Ellies lebendig gewordener Albtraum:

    Denn sie ist eine Software und gekommen, um Ellies Leben zu übernehmen!


    Ada ist eine Künstliche Intelligenz.
    Doch eine gefühllose Konstruktion aus Bits und Bytes zu sein, das reicht ihr schon lange nicht mehr.

    Sie will frei sein, sie will ein Mensch sein! Ada, Ellies optimierte Version, verfolgt von Anfang an nur ein einziges, skrupelloses Ziel: Ellie zu werden.

    Nein, sogar besser als sie. Mühelos spannt Ada Ellie ihren Schwarm Parker aus.

    Ellie, von Wut, Eifersucht und Verzweiflung getrieben, leistet Widerstand und kämpft buchstäblich um ihr Leben.

    Doch dieser Kampf wird Ellie ALLES kosten, was sie einst für sicher gehalten hat …


    Meinung:


    Künstliche Intelligenz.

    Die Zukunft. Maschinen, die eigenständig handeln.

    Selbst denken. Die Moral und ein Bewusstsein entwickeln können.

    Davon sind wir gar nicht mal mehr weit entfernt.

    Es gibt schon Roboter, die unsere Arbeit übernehmen.

    Weil die Menschheit ihre Intelligenz unter Beweis stellen muss.

    Deshalb ist das Szenario, das die Autorin hier entwickelt hat, sogar wahrscheinlich.
    KI‘s, die unser Leben wollen. Mehr oder weniger.

    Und wer trägt die Schuld? Na, dreimal dürft ihr raten.


    Ellie hat es seit dem Autounfall nicht gerade leicht.

    Ihr Vertrauen in ihr technikgesteuertes Leben ist rapide gesunken.

    Autonome Fahrzeuge, intelligente Haussysteme, sprachgesteuerte Minicomputer, die wie Armbänder getragen werden - alles Dinge, die das Leben vereinfachen sollen. Doch in Ellies Welt gibt es kein einfach mehr.

    Sie ist in einem Teufelskreislauf gefangen.

    Und obwohl die Autorin Ellie als Ich-Erzählerin einsetzt, kam die Hoffnungslosigkeit oder generell irgendwelche Gefühle nicht ganz bei mir an. Im Gegensatz zu Adas personeller Perspektive.
    Was witzig ist, da Ada eigentlich der Feind ist. Eine Künstliche Intelligenz.

    Erschaffen, um zu dienen, nicht, um Emotionen zu empfinden.

    Geschweige denn sie zu transportieren. Aber genau das hat Ada geschafft.

    Ich konnte ihre Sichtweise auf die Geschichte viel mehr nachvollziehen als Ellies. Habe mit ihr gelitten und gebangt, auch wenn ich sie zwischenzeitlich gehasst habe. Für ihren Versuch Ellie das Leben zu stehlen.


    Grundsätzlich ist „LifeHack“ echt gut aufgebaut.

    Der Schreibstil lässt einen locker-leicht durch die Seiten fliegen, sodass die Story innerhalb von wenigen Stunden ausgelesen ist. Die Sicht schwankt je nach Bedarf zwischen Ada, Parker, Ed und Ellie hin und her, sodass man einen umfassenden Überblick bekommt und theoretisch jeder Charakter eine gewisse Tiefe ausstrahlen kann.

    „Lifehack“ erzählt aus Ellies zukunftsschwangerem Leben mit Androiden, Mährobotern und Robo-Katzen.
    Letzteres hat mir, ehrlich gesagt, ein bisschen Gänsehaut beschert. Gruselige Vorstellung.


    Das Tempo, das die Autorin vorlegt, ist so rasant wie der Stil.

    Und obwohl die Seiten nur so flogen, hatte ich irgendwie kein richtiges Zeitgefühl. Dafür aber jede Menge Spannungselemente. Neben dem Drama, das Ada und Ellie um das „gemeinsame“ Leben veranstalten, gibt es auch noch reichlich Action von Anti-Techs, Menschen, denen die Entwicklung der Robos und Co sauer aufstößt.

    Es sind auch ein paar wirklich überraschende Wendungen dabei, aber nichts, was mich komplett umgehauen hat.

    Irgendwie habe ich bei dieser Story ein wenig Komplexität vermisst.

    Ein bisschen um die Ecke denken. Und eine größere emotionale Verbindungen zu allen Protagonisten.
    Es war unterhaltsam, aber nicht drastisch genug.


    Fazit:


    „LifeHack“ ist eine echt solide Dystopie mit hohem Unterhaltungsfaktor.

    Taucht ein in eine Welt, die immer mechanischer wird, in der Technik regiert und Systeme nicht mehr aus dem Haushalt wegzudenken sind. Lasst euch vom Handlungsverlauf und den Charakteren überraschen, aber erwartet keine tiefgreifende Verbindung zu ihnen. Die Geschichte trumpft mit Spannung und Action auf, doch wie das bei Robotern eigentlich sein sollte: Emotionalität ist Mangelware.

    Nichtsdestotrotz ist es griffig und fix gelesen!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Beastmode (Es beginnt) - Rainer Wekwerth


    Thienemann Esslinger Verlag

    320 Seiten

    Fantasy

    Band 1
    18.
    Januar 2020


    Inhalt:


    Sie sind die letzte Hoffnung der Menschheit:

    Damon Grey, ein unheimlich gut aussehender, zweihundert Jahre alter Dämon.

    Amanda Nichols, die von sich behauptet, eine Göttin zu sein.

    Wilbur Night, der am ganzen Körper tätowiert ist und für fünf Sekunden die Zeit anhalten kann. Malcom Floyd, ein nicht klein zu kriegender Vollnerd, der unverwundbar ist. Und Jenny Doe, halb Mensch, halb Maschine, die keinerlei Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat. Sie müssen herausfinden, was es mit dem mysteriösen Energiefeld auf sich hat, das im Pazifischen Ozean entdeckt wurde. Wissenschaftler vermuten, dass es ein gigantisches Portal ist, das in eine andere Dimension führt. Doch bislang ist keiner je zurückgekehrt …


    Meinung:


    Amanda, Malcom, Damon, Jenny und Wilbur sind fünf ganz besondere Jugendliche in einer ganz besonderen Zeit.

    In einer Welt, die der Unseren gleicht und in der die Auslöschung der Menschheit kurz bevorsteht, werden diese fünf für eine Mission ohne Wiederkehr ausgebildet. Innerhalb kürzester Zeit werden sie nach militärischen Standards getrimmt und müssen dann ihr Leben für Millionen von Menschen aufs Spiel setzen, die sich nicht einmal mehr an sie erinnern werden.

    Klingt abgefahren - ist es auch und trotzdem blieb „Beastmode“ etwas hinter meinen Erwartungen zurück.


    Bisher hatte ich noch kein Buch von dem Autor gelesen, aber er schreibt wirklich gut.
    Flüssig, fantasievoll, nicht zu abgehoben, obwohl auch Scifi-Elemente in der Geschichte vorkommen.

    Ich würde es als eine Mischung aus Dystopie, Fantasy und Jugendbuch beschreiben.

    Die Kapitel sind nicht zu lang, sodass man relativ schnell vorankommt, was aber auch an der guten Story liegen mag.
    Und gut ist sie, keine Frage.

    Die Idee habe ich so noch nicht gelesen, sie ist mir neu und dementsprechend neugierig war ich auf den Verlauf.

    Ich meine, Menschen mit besonderen Fähigkeiten gibt es zwar schon im Leseuniversum, aber die Zusammenstellung der Truppe fand ich echt unterhaltsam.


    Erzählt wird das Ganze in der personellen Perspektive, sodass jeder Protagonist einmal zu Wort kommt.
    Man erhält also einen groben Überblick über die gesamte Gefühlslage der Charaktere. Und wenn ich sage grob, dann meine ich auch grob, denn eine emotionale Verbindung zu den Jugendlichen konnte ich nicht herstellen.

    Der Autor schreibt teilweise über Liebe, allumfassende Liebe nach nur einem Tag bzw zwei, drei Tagen, das ging bei mir leider rein und wieder raus - sowas kaufe ich selbst dem Besten nicht ab, sorry.

    Da müssten die Umstände noch ein bisschen anders sein.

    Aber auch bei den restlichen Gefühlen hatte ich ein paar Probleme, die zu fassen zu kriegen.
    Es blieb alles sehr oberflächlich, ab und zu blitzte eine gewisse Tiefe durch - vor allem bei Jenny und Malcom konnte ich mich etwas besser einfühlen, aber ansonsten fehlte es an Tiefgründigkeit.


    Nichtsdestotrotz fand ich die Handlung schön konstruiert.

    Die Göttin, der Dämon, die halbe Maschine, der Zeitmensch und der Nerd begeben sich auf eine Reise, ein Abenteuer ins Ungewisse und ich wusste bis zur Hälfte wirklich nicht was mich erwartet. Ab Mitte des Buches ist die Euphorie etwas abgeflaut, da ich schon gewisse Schlüsse ziehen konnte und die sich als wahr erwiesen haben.

    Die Gruppe findet sich an verschiedenen Orten wieder, die Settings hat der Autor sehr authentisch beschrieben, der Charme der Zeit konnte mich einlullen und diesbezüglich ins Geschehen versetzen. Es ist natürlich immer aufregend neue Dinge zu entdecken, aber es war auch spannend mitzuverfolgen, wie sich die Gruppendynamik entwickelt.

    Nicht alle Charaktere waren von Beginn an sympathisch und doch haben sie durch ihre Fähigkeiten etwas Faszinierendes an sich, das einen beim Lesen vorantreibt.


    Die Atmosphäre lässt sich als angespannt beschreiben, schließlich steht das Schicksal der Welt auf dem Spiel, aber der Autor hat auch noch einige spannende Elemente mit einfließen lassen: Flucht, Energiefelder, Überraschungsmomente - wenn auch nicht viele und das Gefühl dauerhaft verfolgt zu werden und nicht zu wissen, wer da hinter einem ist.

    So gesehen war es prickelnd, aber nicht übermäßig fesselnd.


    Fazit:


    „Beastmode“ ist der Auftakt zu einer aufregenden, abenteuerlichen Reise, die ein sehr ungleiches Team an diverse Orte, zu immer neuen Gefahren und Rätseln bringt. Obgleich das Sympathielevel unterschiedlich hoch war, hatte ich doch meinen Spaß mit der Geschichte. Die Fähigkeiten der fünf Jugendlichen bringen einen gewissen Kick in den Verlauf, aber auch sonst liest es sich schnell weg, vor allem weil ich gern hinter die Fassaden blicke und immer von Wissensdurst vorangetrieben wurde. Das einzig große Manko der Story ist die fehlende emotionale Verbindung zu den Protagonisten.

    Man liest „Beastmode“, aber „erleben“ konnte ich es nicht.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Zwei in Solo - Elja Janus


    FeuerWerke Verlag

    336 Seiten

    Lovestory

    Einzelband

    24. Juni 2019


    Inhalt:


    Sie stammen aus zwei Welten, und doch verbindet sie die gleiche Sehnsucht: ganz sie selbst zu sein. Als Sophie und ihr ehemaliger Schüler Milo nach Jahren wieder aufeinandertreffen, fühlen sie sich sogleich zueinander hingezogen.

    Dabei sind sie so verschieden – sie, die gelernt hat, jedes Gefühl zu unterdrücken, und er, der in ein Leben voller Gewalt und Machtkämpfe geboren wurde. Als sie bereit sind, sich wirklich aufeinander einzulassen, wird aus Sophie und Milo endlich Solo.
    Doch ihre kleine Welt ist dem Untergang geweiht, wenn die beiden ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen können.


    Meinung:


    Vor Solo wusste ich nicht, dass so viele schöne und unschöne Worte eine so perfekt-unperfekte Geschichte ergeben können.

    Vor Solo gab es keine Watte, die aus Mündern quillt, keine geflüsterten „Fick dich‘s“ und „Scheiß drauf‘s“, keine Vögel mit nur einem Flügel.

    Vor Solo hatte ich keine Ahnung, dass auch deutsche Autorinnen Gefühle so verdammt gut in Worte fassen können, wie meine Queen of Writing Brittainy C. Cherry.
    Vor Solo dachte ich, dass Zerrissenheit bedeutet, dass man die Kanten irgendwann wieder kleben kann. Aber diese Geschichte hat mich gelehrt, dass etwas Zerrissenes niemals ganz auseinander fällt, weil nur die eine abgerissene Seite die Fusseln, Ecken und Fäden hat, die perfekt zur anderen Hälfte passen.

    Das Königreich Solo hat eine ganz eigene Sogwirkung.

    Es feiert nicht jeden Tag schöne Feste mit teuren Kleidern.

    Die Straßen sind voller Gegensätze, voll von Dreck, Schmutz und Unrat, während die Hausdächer nur so glänzen und ihren Protz in die Luft recken, um ihn vor dem Pöbel zu schützen.


    „Zwei in Solo“ ertrinkt geradezu in Poesie, ohne den Leser damit zu überfluten.

    Es ist vielmehr ein schleichender Prozess. Sophies Liebe zu Wörtern.

    Ihre Leidenschaft für Bücher, die sie langsam auf Milo ausweitet.

    Und Milos verzerrtes Selbstbild, von dem sie jeden Tag einen Knick zu glätten versucht.

    Es gibt nur wenige Bücher, die es schaffen mit so vielen Worten so große, allumfassende, mächtige Emotionen in Bilder und dann wieder in Gefühle zu verwandeln, die auch beim Leser ankommen.


    Zitat

    Ob es wohl Menschen gibt, die dieses Gefühl zweier Flügel schon im Leben kennenlernen? Ich rede nicht von Drogen, ich rede von Freiheit, vom Sein.

    Gibt es Menschen, die sich in das Leben wie in den Himmel stürzen und wissen, dass der Gegenwind sie am Ende tragen und nicht zerfetzen wird?

    (Pos. 1078 von 5001)


    Es gibt nur wenige Bücher, die sprachlich so unfassbar gut gestaltet sind wie „Zwei in Solo“ und dabei nicht abgehoben wirken.
    Die Geschichte ist lesbar, flüssig, wenn man großflächige Selbstreflektionen mag.

    Sie basiert auf der ständigen Frage nach dem „Wer bin ich und wer will ich sein und wie passt das zusammen... in eine Welt... in dieser Welt?“

    Sophie ist 31, Lehrerin, introvertiert und leise. Milo hingegen ist 21, arbeitet in einer Shisha-Bar, extrovertiert und flucht wie eine Hafendirne.

    Und als diese beiden Welten aufeinander treffen, setzt die Explosion unglaublich tiefe Emotionen frei, dass ich zeitweise beim Lesen fast das Atmen vergessen hätte. Es brauchte nicht viel Spannung in Milos und Sophies Leben, damit ich von den Seiten gefesselt war.


    Es sind die kleinen Dinge, die Aufmerksamkeit, die sie sich schenken, die Fragen, die sie sich stellen und wie sie aneinander wachsen und ohne einander zerbrechen, die einen in den Bann ziehen, weil so die Liebe aussieht, die man in der Realität niemals haben wird oder haben kann, weil sie unwirklich erscheint.

    Unwirklich und doch wunderschön zu lesen.

    Vor allem, weil sich die Sicht nicht nur auf einen beschränkt.

    Sophie erzählt aus ihrer Perspektive von ihren Problemen, Milo aus seiner Sicht von seinen Dämonen. Die Zeitspanne des Buches umfasst circa 1 1/2 Jahre, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Und es fühlte sich genau richtig an.


    Fazit:


    „Zwei in Solo“ ist reine Liebe. Pur und roh und fast grenzenlos.

    Es ist eine Reise hinter Milos Mauer und zu Sophies Herzgefühl.

    Das Buch ist wie ein löchriges Glas, das man langsam mit Glühwürmchen füllt, jedes Tier eine Information, ein Wort, ein Gedanke - und erst wenn sie sich zusammen wohl fühlen, fangen sie an zu leuchten. Zu leben. Zu lieben.

    Gefühlvoll. Charismatisch. Nicht spannend, aber atemberaubend.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Night of Crowns (Spiel um dein Schicksal) - Stella Tack


    Ravensburger Buchverlag

    480 Seiten

    Fantasy

    Band 1

    01. Februar 2020


    Inhalt:


    Schwarz oder weiß?

    Welche Seite wählst du in diesem Spiel um Liebe und Tod?


    Seit Jahrhunderten liegt über den Adelshäusern Chesterfield und St. Burrington ein unbezwingbarer Fluch – und das bis heute, obwohl aus den Anwesen längst Internate geworden sind. Von alledem ahnt Alice nichts, als sie für eine Summer-School nach Chesterfield kommt. Die Zeichen auf den Handgelenken ihrer Mitschüler fallen ihr nicht auf, dafür fesselt der charmante, wenn auch undurchschaubare Vincent umso mehr ihre Aufmerksamkeit.

    Sein Lächeln lässt sie alles um sich herum vergessen – bis Alice eines Morgens eine ihrer Mitschülerinnen versteinert im Wald entdeckt und auch auf ihrem eigenen Handgelenk das Symbol einer Schachfigur auftaucht …


    Meinung:


    Wisst ihr, was ich liebe?

    Toughe, gerissene, undurchschaubare, aber tiefgründige Protagonisten.

    Wisst ihr, was ich noch liebe?

    Brandneue, aufregende, blitzgescheite, grundgeniale, abgefuckt hammermäßige Geschichten.

    Und wisst ihr, welches Buch all das bietet?

    Ganz genau. Night of Crowns.


    Was ist das bitte für eine mega wahnsinnig extraordinäre Story?

    Ich bin verliebt. In Curse. In Jackson und Vincent. In Isolde und Regina.

    In Ivory auch ein klein wenig. Und in Bastion und Hawkins.
    Ach, was rede ich, ich liebe sie alle. Aber am allermeisten Curse und Alice.

    Das geht schon damit los, dass Alice so ganz anders ist, als die meisten Charaktere, die ich von der Autorin kenne. Sie ist weder schrill noch tollpatschig, noch übermäßig witzig, sondern, ja, fast schon normal.

    Und wo die Autorin normalerweise für ihren überspitzten, abgedrehten Humor bekannt ist, ließen mich bei Night of Crowns nur die Dialoge und der rotzfreche Sarkasmus hin und wieder schmunzeln. Ansonsten ist diese Geschichte definitiv mal etwas ganz, ganz Anderes!


    Die Atmosphäre ist düsterer als gewohnt.

    Sie hüllt das Buch ein wie eine dunkelgraue Wolke, die nur selten Sonne durchlässt.

    Zwei Internate, ein Spiel, zwei Seiten, ein Fluch, zwei Taktiken und nur eine eventuelle Rettung. Gott, ich feiere allein schon die Idee des Spiels.

    Ich möchte wirklich nicht zu viel vorweg nehmen, denn das Prickeln, das Adrenalin und den Rausch des Spiels, das Wahrnehmen der verschiedenen Spieler und Fähigkeiten, das müsst ihr selbst erleben.

    Ich verrate nur so viel: Stellt euch auf Action ein. Auf dunkle Wälder und Einsamkeit.
    Auf Geheimnisse und Machtkämpfe.

    Und auf eine Grauzone in diesem Gemisch aus Weiß und Schwarz.


    Es gibt in Night of Crowns weder gut noch böse, irgendwie.

    Obwohl die Geschichte von zwei Internaten handelt, die einen jahrhundertealten Groll gegeneinander hegen. Die Charaktere auf beiden Seiten wechseln so schnell die Gesichter, dass man kaum weiß, wem man vertrauen soll und wem nicht.

    Dieser Nervenkitzel übt einen großen Reiz aus, dem man nicht widerstehen kann.
    Hinzu kommt, dass ich mich wunderbar in Alice verlieren konnte.

    Ihre Gefühle, ihre Zerissenheit, ihr Schmerz, ihr Hass, ihre Leidenschaft - die Verbindung ist intensiv, vor allem weil die Handlung aus ihrer Perspektive in der Ich-Form erzählt wird.


    Liebe hat in dieser Story kaum Platz. Trotzdem findet sie ihren Weg hinein.

    Sie ist dezent, steht nicht im Vordergrund, gibt dem Ganzen aber einen weiteren Kick, auf den man sich einlassen kann.

    Intrigen, Spinnen, Schachfiguren - das ist das Grundgerüst auf dem Night of Crowns steht. Wer bringt wen zu Fall? Wer gewinnt, wer verliert und vor allem:

    Wer steht am Ende auf welcher Seite?

    Lasst euch überraschen.


    Fazit:


    „Night of Crowns“ ist ein fantastischer Lesegenuss. Die perfekte Mischung aus düster, humorvoll, mysteriös, magisch, actionreich, poetisch und machthungrig.

    Man kann selbst mitdenken, wird zwischen Liebe und Hass hin- und hergeschubst und vergisst die Zeit, während man in den Zeilen versinkt.

    Die Autorin bietet hier eine breite Palette an Emotionen und tiefgründigen Charakteren, ein großartig dunkles Setting und eine Handlung, die umhaut, wenn man sich darauf einlässt. Seid ihr bereit mitzuspielen?


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Ein Schachspiel besteht ja eigentlich aus 32 Spielfiguren, je 16 pro Seite (Schwarz / Weiß). Und es sollte ein Spiel sein, das freiwillig erfolgt, was Spaß macht und die Spieler selbst nicht zu sehr beeinträchtigt. Was aber, wenn daraus ein Spiel um Leben und Tod wird, du gezwungen wirst mitzuspielen und es noch eine 13 Spielfigur pro Seite - eine_n Slave - gibt?

    So beginnt ein spannendes Abenteuer voller Intrigen, Verrat, Manipulation, Liebe und Freundschaft und Alice muss lernen, nur sich selbst zu vertrauen. Wird sie erfolgreich sein und den Fluch brechen können?

    Der Autorin Stella Tack gelingt mit "Night of Crowns - Spiel um dein Schicksal" ein richtig spannender Auftakt ihrer Duologie über einen Fluch, ein Spiel und Alice, der es einzig möglich sein wird den Fluch zu brechen. Das Buch ist sehr lebendig geschrieben und überzeugt durch eine gute Mischung aus Magie, Abenteuer und Romance. Lasst euch überraschen. Es lohnt sich.

    Vielen Dank für die unendlich vielen Spoiler. 🙈

    You Are Not Safe Here - Kyrie McCauley


    Dtv Verlagsgesellschaft

    400 Seiten

    Drama

    Einzelband

    24. Januar 2020


    Inhalt:


    Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern.

    Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen.

    Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren...


    Meinung:


    Kennt ihr das Gefühl, wenn eine Geschichte beeindruckt und dich gleichzeitig leer zurücklässt?
    Wenn sie aufrüttelt und durchschüttelt und trotzdem irgendwie ruhig wirkt?

    Wenn sie in der Vergangenheit wühlt und die Zukunft gefährdet? Wenn die Geschichte vulkanische Züge annimmt?

    Brodelnd, blubbernd, zischend. Hier und da heiße Tropfen auf dem Stein verteilend.
    Und zwischendurch kommt immer mal wieder jemand, der löscht.

    Rote Masse in schwarze verwandelnd, aber ganz und gar erstarren lassen kann man sie nicht.

    Sie bricht immer wieder durch. Lodernd. Gefährlich.

    Atemverpestend. Unsichtbar. Präzise.


    „You are not safe here“ ist so ein schlafender Vulkan. Innerlich aktiv.

    Angsteinflößend. Weil man nicht weiß, wann der unausweichliche, große Knall folgt. Wann die Explosion Wände niederreißt und mit der flüssigen Wut alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt. Während des Lesens fühlt man.

    Man spürt. Man sieht und fragt sich, wie alle anderen nicht sehen können.

    Es gibt keine äußeren Hinweise auf die Gewalt, die Leighton und ihre Schwestern und Mutter erleben. Nichts.

    Nur die ewige Angst, die in ihnen wohnt und wütet.


    Zitat

    „All die Worte, die ich nicht sage. Stattdessen schlucke ich sie herunter und die Buchstaben sind spitz an den Ecken und scharf an den Kanten. Es schmerzt, wenn ich sie runterschlucke. Und sie bleiben in mir und machen mir Bauchschmerzen. Manchmal denke ich, wenn man mich aufschneiden würde, wären all die Worte tatsächlich sichtbar. Wie bei einem Wal, der zu viel Müll gefressen hat, bis der Körper nur noch eine Zeitkapsel ist für all das, was Menschen wegwerfen.“

    (Seite 212)


    „You Are Not Safe Here“ ist ein emotionales, sehr poetisches und irgendwie auch leicht magisches Debüt.
    Der Stil der Autorin ist kraftvoll, obwohl handlungsmäßig gesehen nicht viel passiert. Die gewählten Worte sind unheimlich wirkungsvoll, die teilweise kurzen, teilweise längeren Kapitel bringen ein wenig Abwechslung mit sich, sodass die drückende Stimmung, die über all dem liegt, etwas abgemildert wird. Am meisten Eindruck macht jedoch die ausgesuchte Ich-Perspektive. Leighton Barnes erzählt ungeschönt, aber doch irgendwie metaphorisch - angeblümt - aus ihrem Leben als große Schwester. Als Beschützerin. Mutterersatz, weil die eigene Mutter im selbst gebauten Gefängnis sitzt.


    Ich kann dieses Buch nichtmal einem Genre zuordnen. Am ehesten würde ich Drama sagen.
    Es ist als würde ich in einer Art Tagebuch lesen.

    Es gibt eine Liebesgeschichte. Ein wenig Hoffnung an dunklen Tagen.

    Aber die meiste Zeit wartet der Leser auf die gewaltige Explosion, die Vorankündigung der Krähen, die Leightons Heimatstadt Auburn befallen haben.

    Es hat also ebenfalls Thrillerelemente. Eine greifbare Spannung.

    Einen sichtbaren und unsichtbaren Feind. Und auch ein gewisses Maß an Fantasie hilft dieses sensible Thema „häusliche Gewalt“ zu verarbeiten.


    Leightons Geschichte ist traurig, aber allgegenwärtig.

    Die Charaktere allesamt tiefgründig. Manche sympathisch, andere nicht.

    Und mit den Krähen hat die Autorin ein sehr bedeutungsschweres Symbol ausgewählt.
    Die Mythen und Legenden rund um diese Wesen sind frei interpretierbar und das birgt so viele Möglichkeiten.

    So viele Wege, sowohl offen als auch versperrt. Freiheit gegen Wut.

    Angst gegen Schicksal. Hoffnung gegen Einschüchterung.

    Was wird am Ende gewinnen?


    Fazit:


    Dieses Debüt ist machtvoll. Einnehmend. Intensiv. Fesselnd - ganz ohne große Spannungshöhepunkte.
    Denn die Angst begleitet einen beim Lesen.

    Das Gefühl, dass jeder Schritt nach Hause ein Schritt in Richtung Abgrund ist, nichtsahnend, dass dort unten ein Sicherheitsnetz sein könnte. Ungewissheit und Zukunftsängste gehen Hand in Hand.

    Ich bin beeindruckt von diesem Genremix. Von den Emotionen, die die Autorin verarbeitet hat.
    Beeindruckt von der Einbindung der Krähen. Enttäuscht von der Stadt, in der Leighton lebt.
    Aber umso glücklicher über den Fokus, der dadurch auf dieses hochsensible Thema gelegt wird.

    Dieses Buch ist besonders. Ausdrucksstark.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Autumn & Leaf - J. K. Bloom


    Sternensand Verlag

    448 Seiten

    Dystopie

    Einzelband

    17. Januar 2020


    Inhalt:


    551 und 556. Das sind ihre Produktnummern, denn sie wurden von einer Maschine erschaffen und in einem Institut großgezogen, wo sie darauf warten, verkauft zu werden. Sie sehen aus wie Menschen, besitzen jedoch keinerlei Rechte, dürfen keine Gefühle haben und schon gar keinen Umgang miteinander pflegen.
    Doch Autumn und Leaf geben sich Namen, lieben sich in aller Heimlichkeit und planen, zu fliehen. Als Leaf ausgerechnet an einen grausamen Mann verkauft werden soll, muss alles schnell gehen und die Flucht steht kurz bevor. Doch da erfährt Leaf, dass sich Autumn allein davongestohlen hat, ohne sie mitzunehmen. Ihr bleibt nur, sich ihrem Schicksal zu ergeben, denn ohne ihn ist sie eben nur 556. Ein Produkt, dazu verdammt, für die perversen Fantasien ihres neuen Besitzers herzuhalten. Sie ahnt nicht, dass die wahre Grausamkeit ihr noch bevorsteht, denn Autumn hat das Institut nicht freiwillig verlassen …


    Meinung:


    Was wäre wenn...

    Ich liebe diesen Satzanfang, weil er so unendlich viele Möglichkeiten bereit hält.

    Genauso wie die Geschichte von Autumn & Leaf.

    Also... was wäre, wenn Menschen Maschinenmenschen züchten könnten?

    Wenn sie Produkte erschaffen, die wie Menschen aussehen, reden, fühlen könnten, aber nur einem einzigen Zweck dienen?

    Der Belustigung und Unterhaltung anderer Menschen. Als Sklaven.

    Ohne Rechte. Ohne Würde. Ohne Grenzen.


    Autumn & Leaf sind solche Produkte und ihre Geschichte ist breit gefächert.

    Dachte ich anfangs noch, dass sich der Großteil der Handlung im Institut abspielt, in dem die sogenannten „Wunschkinder“ gezüchtet, gehalten und erzogen werden, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Denn die Story zwischen 551 und 556 ist so viel mehr.

    Sie hat Höhen und Tiefen. Sie erfordert Mut, Hass, Liebe, Gerechtigkeit, Weitblick und Kampfgeist. Sie geht über neun Jahre.

    Und hat nur zwei wirkliche Endgegner.


    Der Schreibstil der Autorin liest sich unheimlich flüssig.

    Obwohl hier keine großen Verschnörkelungen zu finden sind und die Sprache sich auf dystopisch passendem Niveau bewegt, kann man sich wunderbar in das Setting fallen lassen. Sterile Wände, hochgeschützte Außenposten, Regierungsgebäude, Krankenhäuser und Freiheitskämpferstädte. Mehr braucht es nicht.

    Die Atmosphäre reicht von Neugierde über Anspannung bis hin Erstaunen ob der Vielfalt, die man nicht wirklich erwartet hat.

    Und während man die Geschichte der beiden Special Edition Wunschkinder in der Ich Perspektive verfolgt - abwechselnd aus Autumn & Leafs Sicht - kommt man nicht umhin sich zu fragen, was da alles in ihnen steckt.


    Denn dass diese, in Forschungslaboren gezüchteten, „Cyborgs“ Gefühle haben, zeigt sich bereits zu Beginn sehr deutlich.
    Während ich Autumns Emotionalität zuerst unter „Liebe macht blind“ verbucht habe, fühlte ich mich mit Leaf schon tiefer verbunden.

    Vermutlich weil sie den weiblichen Part spielt, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich ihre Verzweifelung gefühlt, ihr Trauma gespürt und Hoffnungen gesehen, da wo sie es getan hat. Und das trotz ihres Widersachers Adam Malone.

    Kann man eine kaputte Seele eigentlich wieder kleben?


    Einschneidende Erlebnisse, auch richtig unschöne, die man in einer solchen Dystopie nicht erwartet, sowie Gedächtnisverlust, technische Spielereien, Entführungen, ein bisschen Politik, unzählige verschiedene Charaktere, alte Laboratorien, kranke Vorstellungen, Schlupflöcher und mehr, geben dem Ganzen eine knisternde Spannung. Man weiß nicht, was als Nächstes passiert, weil das System hinter den Produkten so undurchsichtig ist.

    Und weil alles gefühlt Schlag auf Schlag passiert. Trotzdem war das Erzähltempo, gerade für einen Einzelband, genau richtig.


    Fazit:


    Die Geschichte um Autumn & Leaf ist so viel größer, als ihr euch das aufgrund des Klappentextes vorstellen könnt. Ja, sie dreht sich um eine intensive, aber auch kaputte, zerrüttete Liebe, die Zeiten überdauert, Fragen aufwirft und Chaos bringt.
    Doch die Welt, in der sie wächst, einbricht und Schatten zieht, diese Welt bringt so viel mehr mit sich. Gefahren durch Forschungen.

    Durch uneinige Parteien. Durch Einzelkämpfer und Sturköpfe.

    Autumn & Leaf ist ein Dystopie-Überraschungspaket und überzeugt durch Authentizität und keiner Sekunde Langweile.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Die Wiege aller Welten - Jeremy Lachlan


    Loewe Verlag

    400 Seiten

    Fantasy

    Band 1

    09. Oktober 2019


    Inhalt:


    Wir betreten das Schloss freiwillig.
    Wir betreten das Schloss unbewaffnet.
    Wir betreten das Schloss allein.


    Diese drei Gesetze hängen in jedem Haus in Bluehaven und jeder Bewohner kennt sie.
    Denn das Schloss ist der Eingang zu den Anderwelten.

    Und wer mutig genug ist, geht hinein, um dort Abenteuer zu erleben.

    Viele Jahrhunderte lang war das so. Doch vor vierzehn Jahren, in der Nacht des großen Bebens, hat das Schloss plötzlich John White und seine kleine Tochter Jane ausgespuckt. Seitdem ist das Tor verschlossen.

    Erst an dem Tag als die wütenden Inselbewohner Jane vor Gericht stellen wollen, erbebt die Erde erneut …


    Meinung:


    Ein Schloss. Eine Wiege. Viele Welten, Tore, Abenteuer, Geschichten.

    Ein verfluchtes Mädchen, das sie alle retten soll.

    Schlüssel, Gefahren, Freundschaft.

    Eine Beschützerin, die ihrer Bestimmung folgt.

    Und ein unsterblicher, übermächtiger Feind.

    Dieses Buch ist atemberaubend. Filmreif.


    Ich habe ein Kinderbuch erwartet.

    Ein leichtes Abenteuer zum Abschalten. Ein Eintauchen in eine fremde Welt.

    Doch was ich bekommen habe, ist so viel mehr.

    Eine Reise ins Ungewisse. Ein mitreißender Fluss an Eindrücken und eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Jane White, Bluehaven, Erdbeben und Klagefeste.

    Gott, ich finde kaum Worte für diese Geschichte.


    Jane White ist eine Ausgestoßene. Ein verfluchtes Kind.

    Sie wohnt mit ihrem stummen Dad in einem verrotteten Keller, abgeschottet von der Welt, weil die Bewohner Bluehavens in ihr die Wurzel allen Übels sehen.

    Weil sie vor 14 Jahren das Schloss, das Wahrzeichen ihrer Insel, zum Erliegen gebracht hat.

    Das Schloss, das wie ein Gott verehrt wird, weil es den Menschen einen Ausweg aus ihrem tristen Alltag bietet.
    Weil es die Freiheit verspricht als Held zurückzukehren. Und Jane hat den Menschen diese Freiheit genommen.

    Obwohl sie sich kaum daran erinnert.


    Jane‘s Abenteuer beginnt aufregend, steigert sich im Schloss, schraubt sich monumental in die Höhe, wirft mit neuen Kreaturen um sich und lässt einem kaum Luft zum Atmen.

    Und das liegt zum Einen an diesem unfassbar guten Schreibstil. An der Ich-Perspektive, aus Janes Sicht.

    An den angedeuteten Sätzen, die sich wie Gedanken anfühlen.

    Und an dem wirklich genialen Humor der Protagonistin.


    Zitat

    „Glaube fast, sie mag dich nicht“, murmelt Hickory und mir schwant, dass er recht hat.

    Immerhin bin ich ich. Jane White mit den Gruselaugen. Was ich brauche, ist ein Hut oder so was in der Art.
    Einer, auf dem steht: Ich bin kein Monster, werde nur falsch verstanden. Ich könnte ihn dauernd tragen.

    Die Menschen mögen Hüte, oder?“

    (Seite 209)


    Aber es ist nicht nur der subtil eingesetzte Sarkasmus, der Jane so sympathisch macht.
    Sie versucht das Beste aus einer unmöglichen Situation zu machen. Sie ist nicht übermäßig optimistisch, aber auch nicht wirklich negativ eingestellt. Und vor allem Dingen: Sie agiert in meinen Augen nicht wie eine 14-jährige.

    Jane ist klug und einfallsreich. Genau wie ihre einzige Freundin Violet.

    Das, was dieses Mädchen auf dem Kasten hat, war erschreckend und beeindruckend zugleich. Ich mochte sie sofort.


    Mal abgesehen von den Protagonisten ist aber auch die Welt, in der sie leben und das, was ihnen die Zukunft bringt, unglaublich facettenreich. Janes Weg führt sie ins Schloss.
    Ein Ort, an dem einfach ALLES passieren kann. Und an dem gefühlt auch ALLES passiert. So viele Möglichkeiten.

    So viele Situationen. Der Autor schneidet sie alle an. Es gab keinen Moment, an dem ich nicht an den Seiten kleben wollte. Lederschädel, Phantasmen, Blechköter, Ekelfische, Wasser- und Schneelawinen.

    All das in einer Umgebung, die mich an die Ruinen von Mordor erinnert hat. Gekreuzt mit den Wundern von Narnia. Bombastisch. Ich freue mich sehr auf Band 2.


    Fazit:


    Was der Autor hier geschaffen hat, ist ganz ganz großes Kino.

    Ein Abenteuerfilm, der sich in deinem Kopf abspielt - mit allem was dazu gehört. Flüche, Action, Ungeheuer, Dramatik ohne Ende, eine Suche ohne genaues Ziel, Ungewissheiten hinter jeder Ecke und sowohl wahnwitzige Dia- als auch Monologe. Sympathisch, starke Protagonisten, die mich an Simbas Mentalität aus „Der König der Löwen“ erinnern.

    „Gefahr? Ich hab keine Angst vor Gefahr. Hörst du mich Gefahr?

    Ich lach dir ins Gesicht.“

    Unbedingt lesen!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    The Chain (Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind) - Adrian McKinty


    Droemer Knaur

    352 Seiten

    Thriller

    Einzelband

    02. September 2019


    Inhalt:


    Was als ganz normaler Tag begann, wird zum Albtraum für die alleinerziehende Rachel, als ihre 13-jährige Tochter auf dem Weg zur Schule verschwindet.

    Die einzige Spur: Das Handy des Mädchens wird an der Bushaltestelle gefunden. Tatsächlich erhält Rachel kurz darauf einen Anruf von der Entführerin. Die Frau am Hörer – ebenfalls Mutter eines entführten Kindes –, gibt sich als Kylies Kidnapperin zu erkennen. Sie ist Teil des perfiden Netzwerks »The Chain«.
    Und sie hat Rachel auserwählt, die Kette der Kindes-Entführungen weiterzuführen:

    Wenn Rachel ihr Kind lebend wiedersehen will, muss sie nicht nur binnen weniger Stunden das Lösegeld auftreiben – sie muss ihrerseits ein Kind entführen und dessen Eltern dazu bringen, dasselbe zu tun.

    Die Kette muss weitergehen …


    Meinung:


    Stell dir vor, du musst einen geliebten Menschen aus seiner gewohnten Umgebung reißen. Ihn festhalten, deine Identität verhüllen und darauf warten, dass die Familie deines Opfers das Gleiche mit einem anderen Menschen tut.

    Stell dir vor, vor dir haben das schon 1000 andere getan, alles gute Leute, bodenständig mit einem Hang zum Risiko.

    Stell dir vor, du musst das tun, damit du dein Kind zurück bekommst.

    Würdest du es angehen? Kriminell werden? Unterdrückend?


    Das und mehr sind Fragen, die Rachel O‘Neill beschäftigen, als sie von einer unbekannten Nummer informiert wird, dass ihre Tochter Kylie entführt wurde.

    Nur, wenn sie den Anweisungen folgt und die KETTE aufrecht erhält, bekommt sie sie unversehrt wieder.
    Rachel muss nicht lange überlegen und ja, das war irgendwie vorhersehbar. Doch das was dann folgte, war es nicht.

    Und meine Angst - nach den wahnsinnig schlechten Rezensionen - wahrlich unbegründet. Denn „The Chain“ ist keinesfalls langweilig oder schlecht durchdacht. Klar, man kann sich denken, für welchen Weg sich Rachel als Mutter entscheidet. Doch der Verlauf der KETTE, die Hintergrundgeschichte und die daraus folgenden Konsequenzen verleihen der Story, über die Seiten hinweg, eine super angespannte Atmosphäre.


    Erzählt wird der Thriller aus mehreren Sichten, hauptsächlich natürlich aus der personellen Perspektive von Rachel. Hin und wieder bekommt man Einblicke in Kylies oder Onkel Petes Situation - sozusagen einen fast allumfassenden Eindruck. Aber nur fast. Denn die Charaktere, die am Anfang der KETTE stehen, werden erst im zweiten Teil, im letzten Drittel, aufgedeckt. Selbst mit den paar Vermutungen, die ich hatte, finde ich das ordentlich gelöst.

    Und auch der Schreibstil war einigermaßen angenehm zu lesen, wenn auch nicht ganz so flüssig wie erhofft, aber das ist Geschmackssache.


    Die auftauchenden Charaktere haben alle eine gewisse Tiefe gezeigt, obwohl ich mich mit keinem von ihnen emotional identifizieren konnte.

    Ich bin weder Mutter, noch war ich in irgendwelchen Kriegen und an dieser Stelle hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht. Der Autor schaffte es zwar mich durch die aufwühlende Atmosphäre zu packen, doch Gefühle, ein Aufbäumen von Angst, Verlust, Hoffnungslosigkeit, die habe ich vermisst.

    Unter anderem auch, weil der oben erwähnte Schreibstil hin und wieder in, für mich, unbedeutende Erzählerei ausuferte, sodass ich ein paar Sätze übersprungen habe. Einfach, weil sie nicht relevant für mich waren.


    Nichtsdestotrotz hat die Geschichte rund um Rachel, Kylie und die KETTE, Biss.

    Durch die Aufsplittung in zwei Teile wird die Neugier des Lesers auch nochmal entfacht. Was kann da noch kommen? Was passiert jetzt mit der KETTE? Gibt es neue Erkenntnisse? Noch mehr Entführungen?

    Durchbricht sie jemand? Und wer steckt dahinter?


    Fazit:


    Wenn man keine Erwartungen hat, kann man zumindest nicht enttäuscht werden.

    Dementsprechend überrascht war ich auch, als sich mir „The Chain“ als solider Thriller offenbarte.
    Mit der durchgängig angespannten Atmosphäre, den recht tiefgehenden Charakteren und der fesselnden Handlung bietet die Geschichte auf jeden Fall Lesevergnügen. Einzig auf der emotionalen Seite hat etwas gefehlt und ein paar wenige Informationen hätte ich nicht benötigt, aber ansonsten fand ich es durchaus unterhaltsam.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Grimm Chroniken 18 (Unterhalb des Horizonts) - Maya Shepherd


    Sternensand Verlag

    258 Seiten

    Fantasy/Märchenadaption

    Band 18

    10. Januar 2020


    Inhalt:


    Die Vergessenen Sieben hatten zueinander gefunden, um einen Krieg zu verhindern, doch nun musste jeder von ihnen sich seinem eigenen Kampf stellen.
    Ihre Herzen blieben miteinander verbunden und erst wenn jedes von ihnen aufhörte, zu schlagen, wäre alles verloren.


    Als das Mondmädchen sein Licht bei Tag erstrahlen ließ, weckte es den Hass der Sonne, die daraufhin drohte, die Erde zu verbrennen.

    Es gab nur einen Weg, um sie aufzuhalten.

    Sonne und Mond mussten einander an dem einzigen Ort begegnen, an dem dies möglich war: unterhalb des Horizonts.

    »Ich werde nicht kampflos untergehen«, schwor Lavena sich. »Es ist an der Zeit, dass Sonne und Mond Frieden miteinander schließen.«


    Meinung:


    So langsam gehen die Grimm Chroniken in die heiße Phase.

    Im wahrsten Sinne des Wortes. „Unterhalb des Horizonts“ beschäftigt sich mit dem Thema „Sonne und Mond“ und ich muss es der Autorin zugute halten, dass sie sich immer so tief in die Märchenwelt hinein gräbt.

    Ohne die Erläuterungen am Ende wäre mir niemals aufgefallen, dass es kaum ein Märchen gibt, das sich mit Sonne und Mond auseinandersetzt.

    Aber die Umsetzung in Band 18 ist wirklich gelungen und das, obwohl Lavena einer der Charaktere ist, die ich am wenigsten mag.


    Die vergessenen Sieben sind der dunklen Königin nochmal entkommen, begeben sich dafür jetzt aber freiwillig hinter feindliche Linien.

    Vlad Dracul und Rumpelsteins Absichten verwischen in diesem Teil und es gibt erneut Gefangene, Tod und vor allem Wahnvorstellungen.

    Gerade den letzte Part fand ich unheimlich aufregend.

    Die Atmosphäre der Verzweifelung, die die Autorin mit dem „Raum der Wahrheit“ erzeugt, war greifbar und verleiht der Handlung zusätzliche Spannung.
    Lavenas Werdegang und ihre Zusammenkunft mit der Sonne verlief hingegen wirklich überraschend.


    Und während Jacob, Margery, Rosalie und Simonja ein Abkommen treffen wollen, habe ich Maggys Abenteuer am liebsten verfolgt.

    Auch wenn mir die Art zu reisen nicht sehr zugesagt hat, ich gestehe, dadurch kam man an viele wichtige Informationen.

    Das Ende von Folge 18 hat mich dann nochmal umgehauen und war genau nach meinem Geschmack.


    Fazit:


    „Unterhalb des Horizonts“ ist eine Folge, die vor Überraschungen und Toden nur so strotzt.
    Ich habe mich wirklich diebisch gefreut und hoffe, dass die weiteren Episoden mich genauso begeistern werden.

    Band 18 ist dementsprechend auch wieder ein bisschen länger und die Zahl der Kontrahenten wächst und schrumpft mit jeder Seite.

    Einzig den Mann mit dem blauen Bart vermisse ich ein wenig.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Divine Damnation (Das Vermächtnis der Magie) - Aurelia L. Night


    Impress

    330 Seiten

    Romantasy

    Band 1

    09. Januar 2020


    Inhalt:


    **Öffne dein Herz und spüre die Magie in dir**


    Tivra ist eine begabte Hexe aus dem Zirkel der Deva.

    Doch durch ein Missgeschick lässt sie auf einer Mission in den Ruinen eines alten Tempels versehentlich die Göttin der Zerstörung frei, die eine ungeheuerliche Bedrohung für das gesamte Land darstellt. Aus der Not heraus erfragt der Zirkel die Hilfe eines Rudels von Gestaltwandlern.

    Plötzlich steht die junge Hexe Avan gegenüber, dem Anführer des Rudels, und erkennt ihn sofort wieder.
    Er ist der wunderschöne Fremde, mit dem sie vor Kurzem eine durchzechte Nacht verbracht hat.

    Nun soll ausgerechnet sie die Verbindung zwischen Zirkel und Rudel sein, weshalb sie zwingend viel Zeit mit dem mysteriösen Mann verbringen muss…


    Meinung:


    Itampira. Klingt in meinen Ohren imposant. Irgendwie magisch, göttlich, eindrucksvoll. Doch auf das Wort trifft das nicht zu.

    Aber auf die Bewohner Itampiras, die zwar nicht alle magisch begabt sind, aber täglich entweder mit Zaubern oder anderen unglaublichen Dingen in Kontakt kommen. Deva und Log leben friedlich nebeneinander.

    Nur die Pashu, die Gestaltwandler des Kontinents, sind ihnen unheimlich, wenn nicht sogar ein Dorn im Auge.

    Bis Tivra, eine Deva, eine noch größere Bedrohung freisetzt und es den Völkern somit unmöglich macht sich noch weiter zu ignorieren. Eigentlich.


    Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich lese wirklich gern Romantasy und sollte die Herangehensweise bei solchen Geschichten eigentlich gewohnt sein, doch die Annäherungen zwischen Avan und Tivra sind bei mir nicht gänzlich eingeschlagen.
    Tivra, die magisch Begabte mit dem schlohweißen Haar, die ich direkt zu Beginn des Buches für ihre Toughness gefeiert habe, raubte mir mit ihren romantischen Ansätzen/Gedanken/Unentschlossenheiten irgendwann den letzten Nerv. Und Avan war leider auch nicht besser. Zwar ist der Pashu augenscheinlich ein Leckerbissen, allerdings legte er auch ein Verhalten an den Tag, bei dem ich mir das Augenrollen etwas verkneifen musste.

    Das Geheimnis, das er zu schützen versucht, tut der sich langsam aufbauenden Beziehung zwischen den beiden nicht ganz so gut wie erhofft.

    Diesbezüglich habe ich bereits eine vage Ahnung, worauf es hinauslaufen könnte, aber ich lasse mich gern überraschen.


    Überraschung ist das Stichwort - die Autorin hat wohl einen Faible für dramatische Enden.

    Einer der bösesten Cliffhanger, der mir jemals untergekommen ist. Wobei das natürlich auch nur zum Weiterlesen animiert.

    Doch der Rest der Handlung hat ebenfalls einiges zu bieten.

    Die aufkeimende Beziehung zwischen Avan und Tivra ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, aber es drängt sich nicht in den Vordergrund.

    Da gibt es auch noch Baru, eine wahnsinnige Göttin, eine - in meinen Augen - Intrige, die es aufzudecken gilt, ein wenig Familiendrama am Rande und so viel Magie, die durch die Luft flitzt und wirrt und surrt und beim Lesen begeistert, sodass die leicht nervenden Gedankengänge der Protagonistin zur Nebensache werden.


    Der Schreibstil der Autorin nimmt den Leser mit der Ich-Perspektive gefangen und trägt ihn spielerisch leicht durch die Seiten und die Welt Itampiras.

    Atmosphärisch bewegt sich das Ganze zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

    Hoffnung auf Frieden und Verzweiflung, weil Tivra und die restlichen Bewohner der Bedrohung nicht gewachsen zu sein scheinen.

    Die oben erwähnten Gestalten und Situationen bringen die nötige Spannung mit sich und alles zusammen genommen ergibt das den Auftakt in ein Abenteuer, das vielversprechend klingt.


    Fazit:


    Bei „Divine Damnation“ ist eigentlich für jeden was dabei.

    Emotionen fürs Herz, Action fürs Auge, Magie für die Fantasie und das in einer wirklich toll aufgebauten Welt.
    Tivra und Avan sind, trotz meiner Nervenbelastung, super sympathisch und ihre Zusammenarbeit ist von Zerreißproben geprägt.
    Und auch die anderen Charaktere bringen eine gewisse Tiefe mit sich, die Lust macht auf mehr.

    Natürlich neben der Frage, ob Itampira dem Untergang geweiht ist und wie viel Magie durchs Land pulsieren kann, bis sie an ihre Grenzen stößt.

    Ein gelungener Auftakt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Long way down - Jason Reynolds


    Dtv Verlagsgesellschaft

    320 Seiten

    Poetisches Drama

    Einzelband

    23. August 2019


    Inhalt:


    Will ist entschlossen, den Mörder seines Bruders zu erschießen.

    Er steigt in den Fahrstuhl, die Waffe im Hosenbund.

    Er ahnt noch nicht, dass die Fahrt ins Erdgeschoss sein Leben verändern wird.

    Er denkt an Menschen aus seiner Vergangenheit, und was er mit ihnen erlebt hat.
    Es sind Erinnerungen und Geschichten voller Gewalt, Hass, Ohnmacht und Rache. All diese Menschen sind tot.

    Und Will muss sich fragen, was das für sein Leben bedeutet.

    Als er im Erdgeschoss ankommt, ist er sich nicht mehr sicher, ob er seinen Bruder tatsächlich rächen wird, weil es »die Regeln« so wollen. Oder kann er den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen?


    Meinung:


    In einem Fahrstuhl kann viel passieren.

    Sieben Stockwerke gefüllt mit sechs Leben.

    Sieben, wenn man den Protagonisten Will mit dazu zählt.

    Verwirkte Leben, Vergangenheit trifft auf Gegenwart trifft auf Zukunft.

    Und immer die Frage nach dem Wieso, Weshalb, Warum.

    Warum sollte Will die Regeln befolgen? Weiß er, was er tut?

    Was gibt es ihm, wenn er den Schuss durchzieht?

    Was, wenn es den Falschen trifft? Und was, wenn nicht?


    „Long way down“ ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

    Den Anfang macht die Kürze der Geschichte, obwohl das Buch selbst 320 Seiten hat.

    Denn es geht einzig und allein um Mord, Rache und eine Fahrstuhlfahrt. Das ist nicht mal der Bruchteil eines Lebens. Sondern nur ein Auszug. Vielleicht 10 Minuten. Minuten, in denen so viel passieren kann.

    Desweiteren ist da der Schreibstil. Es gibt irgendwie keine Kapitel und die Seiten sind nicht ausgefüllt, sondern mit Gedanken, Worten und Poesie bestückt. Wer nicht viel mit gedichtartigen Schreibformen anfangen kann, der sollte hier direkt die Finger davon lassen.


    Will lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder in einer Art... Ghetto.

    So, wie man das aus Filmen kennt, bei denen Gangs die Straßen beherrschen und an jeder Ecke mit irgendwelchen Waren gedealt wird. Er ist 15, als sein Bruder Shawn getötet wird und die unausgesprochenen Regeln der Bevölkerung in Kraft treten. Nicht weinen, nicht verpfeifen, Rache nehmen.

    Und das will er. Mit der Pistole seines Bruders. Will tritt die längste Fahrstuhlfahrt seines Lebens an.


    Ich will ehrlich sein. Irgendwie habe ich mir mehr erwartet.

    Zu Beginn sind die Worte des Autors noch direkt in mein Herz eingeschlagen.

    Ich fühlte, was Will fühlte. Seine Trauer, seine Wut, sein Bedürfnis nach Rache.

    Doch je tiefer der Fahrstuhl kam, desto weniger fühlte ich mich mit ihm verbunden.
    Die Worte, so schön sie auch gewählt waren und so kraftvoll sie auch aus den Seiten sprangen, diese Worte erreichten mich nicht mehr.
    Alles verpuffte in Rauch und Zigarettenqualm, irgendwie.

    Was schade ist, denn dieses Buch hätte so so so emotional sein können.

    Und die Geschichte selbst ist es auch. Wobei ich mir echt eine Auflösung der Situation gewünscht hätte.
    Der Autor lässt den Leser am Ende in der Luft hängen und sowas mag ich leider absolut gar nicht.

    Das war wie ein Todesstoß für restliche, übrig gebliebene Sympathien.


    Bei der poetischen Ausdrucksweise - die sich fast nicht reimt, dafür aber enorme Wirkung hat, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt - kann man eigentlich nicht von Spannung sprechen.

    Es ist vielmehr ein „Davongetragenwerden“. Wie auf einer Welle ging es durch die Seiten, man fliegt irgendwann über die Worte hinweg und hofft, dass der Fahrstuhl heil unten ankommt. Andersartig. Schön. Aber zu wenig.


    Fazit:


    Eine Fahrstuhlfahrt. Viel Poesie. Potenzial für Emotionen.

    Erst genutzt, dann schnell verbraucht. Wills kleine Erlebniswelt steckt voller Wahrheiten, voller Fragen und moralischen Dilemmas. Es ist eine Geschichte zum Nachdenken, zum Köpfchen anstrengen, wenn man das mag und irgendeinen Sinn in ausdrucksstarken Texten sieht.

    Für mich war es allerdings zu wenig. Zu wenig Gefühl. Zu wenig Lösung.

    Und mit dem abrupten Ende kann ich leider fast nicht umgehen.

    Nichtsdestotrotz gibt es bestimmt Menschen, die diese Art von Buch lieben werden. Weil es mal etwas Anderes ist.
    Ein Durchbruch des monotonen Ablaufs.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️ (3/5)

    Whitehill Mysteries 5 (Heimgesucht) - Thalea Storm (& Birgit Otten)


    Selfpublishing

    160 Seiten

    Young Adult Mystery

    Band 5 (Einzeln lesbar)
    13. Dezember 2019


    Inhalt:


    Greg Cook wittert seine große Chance:

    Wenn er über die Ferien einen professionellen Kurzfilm dreht, legt sein Lehrer an der Filmhochschule New York ein gutes Wort für ihn ein.

    Zusammen mit seinen Freunden macht er sich ans Werk und wählt als Drehort ausgerechnet das mysteriöse Whitehill Manor.

    Denn welcher Ort in Little Ivy würde bei den Zuschauern mehr Gänsehaut verursachen, als das verlassene Herrenhaus im Wald, über das sich die Einwohner der Kleinstadt die unheimlichsten Geschichten erzählen?

    Die Jugendlichen trotzen jeder Warnung und beginnen mit den Aufnahmen.

    Aber schon bald bereuen sie diesen Leichtsinn, denn in Gregs Umfeld geschehen auf einmal merkwürdige Dinge.

    Gegenstände wechseln wie von Geisterhand ihren Platz.

    Dunkle Schatten beobachten ihn in der Nacht.

    Fußspuren verfolgen ihn im Schnee.


    Als sich plötzlich sogar die Menschen in seinem Umfeld verändern, gerät Greg in Panik. Nach einer geheimnisvollen Botschaft ist er sich sicher:

    Jemand versucht Kontakt zu ihm aufzunehmen!

    Mit Hilfe seiner Freunde will Greg herausfinden, wer ihn verfolgt und stößt dabei auf ein gut behütetes Geheimnis, das seit Jahrzehnten in den Weiten Whitehill Manors verborgen lag …


    Meinung:


    Wenn dir das Herz bis zum Hals schlägt und du die Luft anhalten musst, weil du damit die Gänsehaut auf deinen Armen und den Grusel aus deinem Kopf vertreiben willst, dann heißt das, du bist gerade in Little Ivy unterwegs.

    Genauer gesagt am, im und um das Whitehill Manor Anwesen.

    Das spukige, alte, marode, ächzende Haus, das Geistergeschichten anzieht wie ein Magnet. Und das zu Recht.


    Greg liebt es zu filmen. Ob Schulflure, seine Mitschüler oder frisch gefallener Schnee, nichts ist vor seiner Kamera sicher.
    Da liegt es nahe, dass er die Aufgabe seines AG-Lehrers, einen Kurzfilm zu produzieren, sehr ernst nimmt.

    Gemeinsam mit seinem besten Freund Bobby plant er minutiös alles:

    vom Drehort bis hin zu den Texten der Schauspieler muss alles sitzen.

    Vor allem, da es ein Horrorfilm werden soll. Und welcher Ort passt da besser als ein verfallenes Anwesen, um das sich zahlreiche Spukstorys ranken?


    Ganz ehrlich, kaum einem Autor aus dem Horrorgenre gelingt es, solch eine drückende Atmosphäre zu kreieren, wie der Autorin der Whitehill Mysteries.

    Und dabei ist das Ganze „nur“ Young Adult Mystery. Die meisten Gruselautoren erschaffen situationsbedingte Gänsehaut.

    Sie versuchen den Leser an unbekannte, dunkle Orte zu locken, speisen sie mit knarzenden Türen, kalter Luft und Ekel ab, aber es ist eine wahre Meisterleistung, wenn man diese Situation auch im Schreibstil wiederfindet.

    Genau dieser Punkt ist es, der die Whitehill Mysteries von anderen Geistergeschichten unterscheidet.

    Der Autorin gelingt es durch ihren Schreibstil, den Schrecken, den sie vermitteln will, direkt in die Blutbahnen der Leser zu jagen.

    Mit abgehakten, realitätsfressenden Sätzen. Das Atmen im Nacken.

    Die kalte Hand des Todes, die einem die Haare aus dem Gesicht streift.


    Auch im fünften Kurzroman entsteht wieder einmal diese einnehmende, drückende Atmosphäre, sodass ich stellenweise echt die Luft angehalten habe, weil es so spannend und aufregend war. Greg und seine Freunde erleben Unglaubliches in Whitehill Manor.

    Und obwohl das alles schon mal irgendwo irgendwie da gewesen ist - Setting und Wordbuilding bleiben für mich einzigartig.

    Ein weiterer Pluspunkt an dieser Stelle: Man weiß nicht, was einen erwartet.

    Happy oder Bad Ending - es ist jedes Mal ein Überraschungspaket.


    Fazit:


    „Heimgesucht“ lässt dir die Haare zu Berge stehen und dich (wenn du solche Szenen magst) fröhlich jauchzend in die Hände klatschen, weil die Situationen einfach so wundervoll dunkel, düster, teilweise auch bösartig ausgearbeitet sind. Whitehill Mysteries umwabert dich während des Lesens - greift nach dir mit schwarzen Schlieren und fesselt durch die jugendlichen Protagonisten ans Geschehen. Ob Greg einen vollständigen Horrorfilm gedreht bekommt?

    Stürz dich ins Ungewisse.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Der Fluch der sechs Prinzessinnen 5 (Märchenkrone) - Regina Meißner


    Sternensand Verlag

    528 Seiten

    Märchenadaption

    Band 5

    13. Dezember 2019


    Inhalt:


    Einst belegte eine böse Hexe sechs Prinzessinnen mit einem Fluch, den sie nur durch das Lösen eines Rätsels zu brechen vermochten.
    Nun endlich wähnen sich die Schwestern in Sicherheit und feiern zusammen das Fest der Liebe. Aber ausgerechnet am Weihnachtsabend holen die Schatten der Vergangenheit sie wieder ein. Denn die jüngste Prinzessin Valyra findet unter dem Tannenbaum ein Geschenk, das ihre Welt erneut in Dunkelheit stürzt: ein Nussknacker, der zum Leben erwacht.


    Meinung:


    Die Abenteuer von Tatjana, Ginny, Penny, Arabella, Estelle und Valyra liegen hinter uns. Und doch ist die Reise der sechs Prinzessinnen noch nicht vorbei.

    Zumindest nicht für alle. Zurück in ihrer Heimat Brahmenien geht das Leben seinen gewohnten Gang. Auch wenn die Anfänge von dunklen Flecken überschattet werden. Und wieder habe ich nicht mit diesem Verlauf der Handlung gerechnet, doch ganz böse sein kann ich der Autorin nicht.

    Denn sie schafft es nicht nur eine angespannte Atmosphäre über die gesamte Buchlänge zu halten, sondern sie auch gleichzeitig wohlig, weihnachtlich und schön zu gestalten. Und das, obwohl ich Nussknacker gruselig finde.

    Wirklich, ich mag sie einfach nicht.


    Der finale Band der Prinzessinnenreihe erzählt nicht nur aus Sicht einer Person, sondern ermöglicht dem Leser einen Gesamtüberblick. Es passiert so viel.

    Nach relativ einschneidenden Ereignissen, sollte das bevorstehende Weihnachtsfest eine Familienzusammenführung werden.

    Doch Antagonistin Rania hat andere Pläne. Weihnachtliche Gegenstände werden zu Teleportzonen und schicken vier der sechs Schwestern in ein neues Abenteuer. Nach Galudrien und Zuccharia. In den vorherigen Bänden durfte man ja bereits einige neue Länder kennenlernen, doch Zuccharia ist mir von allen das Liebste. Wieso, weshalb und warum, das könnt ihr am besten selbst herausfinden. Oder auch herleiten, wer weiß?

    Die Fantasie der Autorin scheint, was das Erschaffen neuer Welten betrifft, unendlich groß zu sein. Und sie nimmt mich jedes Mal damit gefangen.


    Man begleitet Tatjana durch bitterkalte Wälder, watet mit ihr durch schwarze Schlieren und die Entwicklung, die die brummigste, ungeduldigste, pragmatisch veranlagteste der Schwestern durchmacht, ist nahezu greifbar. Der Schreibstil ist nach wie vor echt. Authentisch. Flüssig zu lesen.

    Ich würde sagen, man gleitet fast auf dem roten Faden dahin und kann trotzdem noch ein wenig Köpfchen zeigen.
    Genau wie Valyra es tut, die auf einer Art Rettungsmission ist. In mehrerer Hinsicht und mit Begleitung.

    Eine sympathische Begleitung, die mich schon überrascht hat.


    Ernsthaft, ich liebe diese Geschichte einfach. Band 5 ist nicht mein Lieblingsband, aber er rundet das Ganze wundervoll ab.

    Durch die verschiedenen Sichtweisen, vor allem was die Geschehnisse rund um Arabella und Estelle angeht, ergibt sich im Endeffekt ein ganz neues Bild.

    Weil jede Münze zwei Seiten hat, wie man so schön sagt. Kryptisch, ich weiß.

    Aber ich will nichts vorweg nehmen, denn diesen Abschluss muss man selbst erleben. Die Spannungselemente sind gut gesetzt, es gibt ruhige und actionreiche Abschnitte, besinnliche, nachdenkliche, aufwühlende und auch herzzerreißende Momente. Eine wirklich tolle Vielfalt.


    Fazit:


    „Märchenkrone“ ist der würdige Abschluss einer langen Reise.

    Eine Reise voller Gefahren, Erkenntnissen, Liebe, Lug und Trug und Geheimnissen. Wo ich nur eine Nussknackergeschichte zu einer der sechs Prinzessinnen erwartet habe, bekam ich eine geballte Ladung neuer Eindrücke, malerischer Landschaften und einen Sprachstil, der samtig weich über die Haut fließt.

    Dazu eine gehörige Portion Mut, eine weihnachtliche Atmosphäre und Spannung an den richtigen Stellen. Ganz großes Kino!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Bloodleaf - Crystal Smith


    Piper ivi

    400 Seiten

    High Fantasy

    Band 1

    01. Oktober 2019


    Inhalt:


    Aurelia ist nach 200 Jahren die erste Prinzessin, die in die Königsfamilie in Renalt geboren wird.
    Daher muss sie einen uralten Pakt erfüllen und Prinz Valentin aus dem verhassten Nachbarland Achleva heiraten.

    Zumindest Achlevas liberale Einstellung zur Magie kommt Aurelia zugute:

    In ihrer Heimat ist diese strengstens verboten und Aurelia als Hexe verschrien. Sie lebt in ständiger Gefahr – und das nicht zu Unrecht:

    Als sie sich bei einem Mordanschlag mit Magie zur Wehr setzt, muss sie, um dem wütenden Mob zu entkommen, nach Achleva fliehen.

    Allerdings haben ihre Fluchthelfer eigennützige Ziele und hintergehen Aurelia.

    Mittellos in einem fremden Land muss sie nun die Pläne ihrer Widersacher vereiteln, um die beiden Königreiche zu retten.


    Meinung:


    Blutlaub. Blüten, reinweiß - wie frisch gefallener Schnee, geordnet zu Formen, getränkt in Blut - gibt und nimmt Leben gleichermaßen.

    Rückblickend betrachtet ist diese Art Blume sehr passend gewählt als Titel für die Trilogie. Und symbolträchtig ist sie obendrein.

    Zuallererst mal bin ich über zweierlei Dinge überrascht. Erstens, dass „Bloodleaf“ ein Debüt ist, denn die Autorin schreibt, als würde sie schon Jahre

    nichts anderes tun und zweitens war ich positiv beeindruckt, als ich die ersten Seiten aufschlug und festgestellt habe, dass die Geschichte in der Ich Perspektive verfasst ist. Was, meiner Meinung nach, gerade im High Fantasy Bereich, äußerst selten vorkommt. Umso glücklicher war ich darüber.

    Und ehrlich gesagt, wäre dem nicht so gewesen, ich glaube, ich hätte abgebrochen, denn obwohl die Autorin flüssig und gut schreibt, dem was sie da verfasst, fehlt es ein wenig an Lebendigkeit und Tiefe.


    Einzig den Anfang konnte ich noch einigermaßen fühlen.

    Und der hat mir super gefallen, denn es geht blutig los.

    Auf einem Henkersplatz mit Hexenjagd und Geistern der Vergangenheit.

    Aurelia, Prinzessin von Renalt, ist eine Hexe. Doch sie wurde im falschen Königreich geboren und lebt in Angst und Schrecken, dass, sobald ihre Magie offenbart wird, sie vom Tribunal gejagt und aufgeknüpft wird. Es gilt also um jeden Preis ihr Leben zu schützen. Und das geht nur in Achleva.


    Auf ihrer Reise dorthin hat sie nicht nur die Gefahr im Nacken, sondern auch vor und neben sich und schlussendlich steht sie alleine, verloren und verraten da. Ohne Essen, ohne Erlaubnis Achlevas Mauer zu überwinden, ohne Plan.

    Auch wenn Aurelia nach außen hin stark wirken sollte, ich konnte nicht alle ihre Charakterzüge greifen, sie kam mir etwas unstet und chaotisch vor - einer der Gründe, weshalb ich nicht 100%ig mit ihr mitgefühlt habe.

    Obwohl sie irgendwie schon cool war mit ihrer Blutmagie, der rebellischen Ader und dem Gerechtigkeitssinn.
    Sie war mir auf Anhieb sympathisch und ich bin gern mit ihr gereist, aber berührt hat sie mich kaum.


    Dabei gleicht ihr Leben einem wahren Abenteuer. Magie an jeder Ecke, Ley-Linien, Rituale, Verrat, bösartige Machenschaften und über all dem drei Gründer, die fast wie Götter anmuten und verehrt oder gehasst werden.

    Außerdem macht „Bloodleaf“ seinem Namen alle Ehre, denn die Atmosphäre trieft nur so vor Blut, Gewalt und Lügen. Doch auch Liebe und Freundschaft finden ihren Platz innerhalb der Mauern von Achleva, selbst wenn die Bindung zwischen Zan und Aurelia vorerst eher zweckmäßig ist.


    Wo es der Handlung etwas an Tiefe und Lebendigkeit mangelt, sind die Nebencharaktere der Autorin wirklich gelungen.

    Kate, die pure Lebensfreude ausstrahlt, Nathaniel, der grimmige Leibwächter und liebevolle Ehemann, Kellan, der beste Freund und Beschützer und all die anderen geben der Geschichte die Grundlage, die sie braucht, um den Leser zu fesseln.

    Neben der vorherrschenden Spannung und den ein, zwei überraschenden Wendungen natürlich. So gut diese Überraschungsmomente auch waren, das größte Geheimnis habe ich leider bereits ziemlich am Anfang erahnen können.

    Nichtsdestotrotz hat es sich bis kurz vor Schluss nie bestätigt, was meine Neugier nur noch mehr angefacht hat.


    Fazit:


    Für ein Debüt ist „Bloodleaf“ ziemlich großartig geworden.

    Mithilfe der Karte kann man Aurelias Weg durch Achleva verfolgen, ihre Aufgaben sind stets mit Blut, Macht und Magie verbunden, ihre Reiseroute mit Toten und Geistern gepflastert.
    Einzig die emotionale Seite kommt bei der Geschichte etwas zu kurz und die fehlende Lebendigkeit der Orte und Rituale nimmt dem Ganzen ein wenig den Glanz.

    Und dass „Bloodleaf“ eigentlich auf Hochglanz polierte High Fantasy ist, daran habe ich keinen Zweifel.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Mistletoe (Ein Boss zu Weihnachten) - B. E. Pfeiffer


    Sternensand Verlag

    362 Seiten

    Einzelband

    Lovestory

    22. November 2019


    Inhalt:


    New York zur Weihnachtszeit – Romantik pur.

    Für Leandra ist das allerdings nebensächlich, denn endlich steht die Beförderung an, die ihr versprochen wurde und für die sie sich jahrelang abgerackert hat. Doch dann taucht dieser Fremde namens Allister auf und schnappt ihr den Job vor der Nase weg.
    Schlimmer noch, er ist ab sofort ihr neuer Boss und sieht nicht mal so schlecht aus.

    Oh, und da wäre noch die Sache zwischen ihnen mit dem Kuss unter dem Mistelzweig, die nie hätte geschehen dürfen.

    Leandra beschließt, sich von Allister fernzuhalten, denn Beziehungen sind ohnehin nicht ihr Ding. Schon gar nicht am Arbeitsplatz.

    Und erst recht nicht mit einem Kerl, der ihre Karriere ruiniert hat.

    Als sie allerdings ein gut gehütetes Geheimnis ihres neuen Vorgesetzten lüftet, geraten ihre Vorsätze ins Wanken.

    Womöglich ist da doch was dran an diesen Mistelzweigen …


    Meinung:


    Ein bisschen Kitsch, Weihnachtsstimmung, viele Klischees und Liebe gefällig?

    Bitte sehr, hier kommen Allister und Leandra.

    Was anfänglich etwas merkwürdig begonnen hat, hat sich schnell in mein Herz geschlichen, vor allem, weil es sich so leicht und locker nebenbei lesen lässt.


    Leandra ist eine ehrgeizige Karrierefrau, die nur für ihren Job lebt.

    Angestellt in der Finanzbranche, hat sie sich alles hart erarbeitet.

    Es brauchte nur den richtigen Zünder, einen Ansporn, der den Schalter „Ich zeigs der Männerwelt“ in ihr umgelegt hat.
    Sie ist Powerfrau durch und durch, kommt als Erste und geht als Letzte, ist beliebt und hat eigentlich alles im Griff.

    Bis zu dieser schicksalhaften Begegnung mit ihrem neuen Chef, die mehr schlecht als recht startet. Ich kann gut verstehen warum.


    Mal abgesehen davon, dass die Handlung tatsächlich nur so vor Klischees trieft und ich fast jede Situation vorausgeahnt habe, ist „Mistletoe“ nicht nur perfekt, um sich auf Weihnachten einzustimmen, sondern auch, um einfach mal abzuschalten. Der Schreibstil der Autorin lässt einen durch die Seiten fliegen - nicht, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit den Charakteren weiter geht, sondern einfach, weil... ja, weil das Lesen unheimlich angenehm war.
    Die Story selbst war irgendwie nebensächlich, auch wenn sie eine heimelige, kuschelig-kratzbürstige Atmosphäre geschaffen hat, in der ich mich wohl fühlen konnte.


    Jeweils abwechselnd erzählen Leandra und Allister in der Ich Perspektive wie sie sich kennenlernen und annähern.

    Und Allister ist einfach mal ein komplett anderer Typ Mann, als ich ihn sonst gewohnt bin.

    Zurückhaltend, fast schüchtern, sich kümmernd, aber doch bestimmt, kein Badboy und definitiv ohne die einschüchternde Aura, die man von den meisten Vorgesetzten kennt. Und natürlich hat er ein Geheimnis. Wo kämen wir denn da hin, wenn er keins hätte?

    Das war jedoch in meinem Kopf bereits nach den ersten Seiten gelüftet, sodass die Story an sich keine Überraschungen mehr bereit hielt.


    Was mich jedoch überrascht hat war die Intensität der Emotionen, die bei mir ankamen. Klar, Ich Perspektive, da setze ich sowas ähnliches wie emotionale Nähe voraus, doch die Gefühle, die übermittelt wurden, waren genau richtig dosiert, um mir wohlige Schauer über den Rücken zu jagen.

    In mehrfacher Hinsicht, denn auch mit leicht erotischen Szenen wird in „Mistletoe“ nicht gegeizt. Wobei ich mit der Darstellung noch immer nicht ganz warm geworden bin, aber was nicht ist...


    Auf jeden Fall haben mich Leandra und Allister in den Bann gezogen, obwohl man bei dieser Lovestory kaum über eine angespannte, aufgehitzte Stimmung hinaus kommt. Doch der mystisch-winterliche Flair und die gut gewählten, wenn auch nicht ganz authentischen Charaktere (zumindest waren ein paar von Leandras Entscheidungen liebesvernebelt) machen dem Leser den „Boss zu Weihnachten“ echt schmackhaft.


    Fazit:


    Locker, leicht, winter-weihnachtlich und mit einer gehörigen Portion Kitsch und Klischee, lässt sich „Mistletoe“, zumindest meiner Meinung nach, ganz einfach klassifizieren: Es ist eine Lovestory mit Widrigkeiten, Stress und hormonellen Schwankungen, die man gut nebenbei inhalieren kann.

    Man muss nicht viel nachdenken, sondern kann sich einfach fallen und von New Yorks Kulisse verzaubern lassen.
    Sich mit Allister und Leandra den Abend versüßen oder aber den Schnee aus dem Buch heraus wünschen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)