Wahl der besten Bücher im BücherTreff

Beiträge von Mikaey

    Die Buchspringer - Mechthild Gläser


    Loewe Verlag

    384 Seiten

    Fantasy

    Einzelband

    11. März 2019


    Inhalt:


    Während des Sommerurlaubs auf einer vergessenen Shetlandinsel erfährt Amy, dass sie als Mitglied der Familie Lennox of Stormsay über die Fähigkeit verfügt, in Bücher zu reisen und dort Einfluss auf die Geschichten zu nehmen.

    Schnell findet Amy Freunde in der Buchwelt: Schir Khan, der Tiger aus dem Dschungelbuch, hat stets wertvolle Ratschläge für sie, während Goethes Werther zwar seinen Liebeskummer in tintenhaltigen Cocktails ertränkt, Amy aber auch ein treuer Freund ist,

    seit sie ihn vor den Annäherungsversuchen der Hexen aus Macbeth gerettet hat.

    Lediglich die Idee, Oliver Twist Kaugummi zu schenken, war nicht die beste …

    Doch bald merkt Amy, dass die Buchwelt nicht so friedlich ist, wie sie zunächst scheint.

    Erst verschwindet Geld aus den Schatzkammern von Ali Baba, dann verletzt sich Elizabeth Bennet auf dem Weg zum Ball mit Mr Darcy, sodass eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur im Keim erstickt wird.

    Für Amy ist klar: Sie muss den Störenfried stellen!

    Doch erst, als sich die Zwischenfälle auch auf die Realität auswirken und schließlich sogar ein Todesopfer fordern, wird Amy klar, wie ernst die Bedrohung ist. Worauf hat es der geheimnisvolle Attentäter wirklich abgesehen?


    Meinung:


    Die Fähigkeit in Bücher zu reisen, wünscht sich wohl ein jeder Leser, Blogger, Büchernerd, der auch nur ansatzweise bei klarem Verstand ist. Deshalb war es keine wirkliche Frage, dass ich dieses Buch mit diesem vielversprechenden Inhalt einfach lesen musste.

    Gut, ich konnte nicht reinspringen und die Geschichte miterleben wie Amy, aber es geht ja auch noch auf die gute alte herkömmliche Weise.


    Bereits der Anfang begann vielversprechend.

    Man begleitet Amy und ihre Mutter Alexis bei einer überstürzten Flucht aus Deutschland - auf einem Boot über stürmische See - hin zu Alexis Heimatinsel Stormsay. Dort ist sie auf einer kleinen Burgidylle, dem Lennox Anwesen aufgewachsen.

    Und man merkt sofort die Liebe zur Literatur, nicht nur an den hunderten von Büchern, die sich dort tummeln, sondern auch an den unzähligen Buchanspielungen und dem ausladenden, fantastischen Schreibstil der Autorin.

    Ich konnte das Papier quasi riechen, die Hügel der Insel vor meinen Augen visualisieren und das launische Wetter auf meiner Haut spüren. Es war großartig. Und das verlor sich auch erstmal nicht.


    Im Laufe der Geschichte findet Amy heraus, wie schon im Klappentext erwähnt, dass sie eine Buchspringerin ist und die überaus verantwortungsvolle Aufgabe hat die literarische Welt zu schützen.

    Dabei ist sie auch nicht alleine, sondern agiert zusammen mit zwei weiteren Springern aus einem unterirdischen Klassenzimmer heraus. So weit, so schön. Doch wie bei allem, was Spaß macht, existieren hier ebenfalls Regeln.

    Die sich von selbst erklären und irgendwo logisch sind.

    Die Handlung nicht beeinflussen. Sich raushalten.

    Aufpassen, dass die Figuren auch das machen, was sie sollen.

    Einfach zu befolgen. Aber nur, wenn die Buchwelt in Ordnung ist.


    Amy ist so eine typische Außenseiterin. Schlaksig und dürr, ein Rotschopf und eine kleine Streberin.

    Ich mochte sie aufgrund dieser Eigenschaften sofort.

    Das Buch ist außerdem in der Ich Perspektive verfasst, sodass ich mich direkt in sie hineinversetzen konnte.

    Ebenfalls gut gewählt fand ich die Atmosphäre der Geschichte. Schön geheimnisvoll, aufgelockert durch eine Reise in bereits bekannte literarische Welten. Das Dschungelbuch. Ein Sommernachtstraum.

    Peter Pan. Rapunzel. Alice im Wunderland. Die Geschichten so miteinander zu verbinden, dass eine große ganze Welt entsteht, fand ich super.


    Irgendwann setzte dann auch der spannende Teil der Story ein und hier kommt mein erster Kritikpunkt ins Spiel.

    Amy lernt das Buchspringen, reist durch die Welten und entdeckt gemeinsam mit einem Buchcharakter, dass jemand durch die Geschichten reist und sie von innen heraus zerstört.

    Die zu Beginn aufgebaute Verbindung, die ich zur Protagonistin hatte, begann ab diesem Zeitpunkt ein wenig zu bröckeln.

    Es war, als wäre es ihr in der Buchwelt nicht mehr möglich mich so stark emotional zu beeinflussen und das fand ich schade.

    Ich folgte nur noch, ich fühlte nicht mehr mit.

    Dabei waren die Ermittlungen von Amy, der Buchfigur und ihren Freunden in der Draußenwelt durchaus spannend und haben zum Mitraten animiert.


    Erst zum Ende hin setzte der Sog der Geschichte wieder ein.

    Die Idee und wie das Ganze Chaos in der Buchwelt aufgelöst wurde, fand ich wiederum echt cool.

    Vor allem auf welche Gestalten man so zwischen den Zeilen trifft. Nur der Schluss kam, wie so oft, einfach zu schnell und fühlte sich etwas gepresst und gezeitraffert an.


    Fazit:


    „Die Buchspringer“ entführt uns in eine Welt, in der die Menschen, die Leser - die Beschützer der Literatur sind.

    Die Geschichte verbindet Realität mit Fiktion in einer interessanten, authentisch Handlung, der es allerdings ein wenig an Tiefe und Gefühl fehlt. Vor allem ab der zweiten Hälfte des Buches.

    Nichtsdestotrotz ist es auf jeden Fall eine Reise wert, gerade diejenigen, die gern durch mehrere Buchwelten gleichzeitig gehen möchten, werden begeistert sein. Ein Abenteuer für Jung und Alt, für Schottlandfans und Rätselrater.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Elesztrah 4 (Dunst und Schimmer) - Fanny Bechert


    Sternensand Verlag

    454 Seiten

    Fantasy

    Band 4

    22. März 2019


    Inhalt:


    Nach dem Bruch mit Sedan scheint Fayoris ganze Welt zusammenzustürzen. Doch anstatt zu verzweifeln, hält sie an dem Einzigen fest, das noch für sie zählt: Lysannas Rettung. Immer tiefer gerät sie in den Strudel ihrer eigenen Gabe und schlägt einen Weg ein, der entweder mit der Befreiung ihrer Mutter enden wird oder mit ihrem eigenen Tod.

    Gleichzeitig führt Sedan nicht nur einen Kampf gegen sich selbst, sondern auch gegen das Heer Elesztrahs.

    Um den Clan, der ihnen Zuflucht gewährt, vor der dunklen Fürstin zu beschützen, reift unter seiner Führung ein riskanter Plan heran, dessen Umsetzung mehr als nur ein Leben fordern wird.

    Meinung:


    Wisst ihr, es fällt mir eigentlich immer super schwer nach längerer Zeit wieder in eine Geschichte zurückzufinden.

    Vor allem, wenn sie im letzten Band viele ungeklärte Komponenten enthielt und mehr Fragen als Antworten hinterließ.

    Normalerweise müsste ich dann den Vorgängerband nochmal lesen, doch das mache ich grundsätzlich nicht, einfach, weil ich nicht nur mich, sondern auch die Autoren testen will. Ich finde es nämlich ganz besonders wichtig, dass man auch ohne Probleme mehrere Monate verstreichen lassen kann, bevor man den nächsten Teil liest. Und das ist Fanny Bechert bei Elesztrah 4 definitiv gelungen.


    Hatte ich vorher alles rund um Fayori, Sedan, die Seelenlosen, Rawena und die dunkle Fürstin vergessen (gut, bis auf ein paar Namen), so war bei „Dunst und Schimmer“ schon nach wenigen Seiten jede Information wieder da.

    Hatten mich Atmosphäre, Gefühle und Fakten verlassen - die Autorin brauchte hier gar nicht viel Platz, um mich das wieder spüren zu lassen, bei dem der letzte Teil aufgehört hatte. Und sogar noch viel mehr.

    Direkt zu Beginn des vierten Bandes merkte ich, dass sich irgendwas verändert hatte.

    Der Schreibstil war ja vorher schon gut, aber jetzt... zog mich die Geschichte Fayoris genauso an, wie bereits der erste Band um Lysanna. Es ging locker, flockig, fast schwebend durch die Seiten.

    Ich spürte den lang vermissten Sog... hin zu Elesztrah, zu den Elfen, zu Kampf, Blut und Action.

    Mit dem vierten Band hat Fanny nochmal alles rausgehauen was sie hatte. Die Geschichte um Fayoris Weg und Lyannas Rettungsversuche kam bei mir so authentisch rüber, so gefühlsmäßig intensiv - viel besser als bei den Vorgängern.


    Es wird auch nicht lang gefackelt, sondern man macht direkt bei dem riesen Schockmoment des letzten Bandes weiter.

    Keine Eingewöhnungsphase, kein Herantasten, aber das braucht es auch nicht. Konnte ich mich vorher nicht so ganz in Fayori einfühlen, ging ich nun vollends mit ihr konform. Sie war für mich zwar auch vorher schon greifbar und angenehm, aber in „Dunst und Schimmer“ macht sie nochmals eine Verwandlung durch, die eingeschlagen hat wie eine Bombe.

    Viel wichtiger war mir allerdings auch, dass es keine Stellen mehr gab, wo ich großartig nachdenken musst. Fragen, die ich zur Zwischenwelt oder dem, ich nenne es liebevoll „Seelendingsbums“ hatte, sind verständlich aufgedröselt worden und die Story drumherum hat ihr Übriges getan, um mich mitzureißen und bei Laune zu halten.


    Irgendwie ist das auch dem größtenteils gleichbleibenden Standort der Handlung zu verdanken.

    Dadurch, dass sich mehr als die Hälfte davon in der Unterkunft der Rebellengruppen abspielte, konnte ich es besser visualisieren.

    Ja, ich sag’s wies ist: Band 4 hat einfach Spaß gemacht. Sedans Zwist mit anzusehen, Fayoris Geheimnis zu ergründen, Pläne mit den Spatzen zu schmieden, zu trainieren und somnitieren und die Charaktere von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

    Natürlich gab es auch einige Knalleffekt, geniale Action- und Taktikszenen zu verzeichnen, die dem Ganzen den nötigen Pfiff verschafften.


    Fazit:


    „Dunst und Schimmer“ ist nicht nur der längste Band der Reihe, sondern für mich - soweit ich mich erinnern kann - bisher auch der Beste. Die Geschichte rund um Fayori und Sedan hat mich irgendwie aufgeputscht, ich habe mitgelitten, gerätselt und bin voller Angst und Zuversicht zwischen den Welten gereist. Band 4 ist emotional ausgereifter, intensiver und das Abenteuer in Elesztrah auch diesmal spannend mitzuverfolgen.

    Die Charaktere entwickeln sich in eine großartige Richtung und auch die Kampfszenen haben hervorragend funktioniert.

    Für mich definitiv ein Muss.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Die Gescannten - Robert M. Sonntag


    Fischer KJB

    192 Seiten

    Scifi/Dystopie

    Einzelband

    27. Februar 2019


    Inhalt:


    2048. Die Menschen leben in einer hochdigitalisierten und vernetzten Stadt.

    Als der 15-jährige Jaro dort ankommt, ist er völlig fasziniert.

    Doch das alles hat seinen Preis: Der Konzern Ultranetz kontrolliert jeden bis in seine geheimsten Gedanken hinein.

    Nur Jaro kann sich gegen den Konzern auflehnen. Zusammen mit der gleichaltrigen Nana soll er geheime Informationen beschaffen. Doch Ultranetz ist ihnen auf der Spur, und sie sind in allerhöchster Gefahr …


    Meinung:


    Die Welt in der Jaro lebt ist aufgeteilt in Technik und Wildnis.

    Jaro kommt von der anderen Seite der Mauer, die die Stadt umgibt. Abgeschottet von jeglichem Fortschritt, wurde er von seinen Eltern, Flüchtlingen der Generation der Ultranetzrebellen, auf einer Art Bauernhof großgezogen.

    Sie sind Selbstversorger, essen noch richtiges Essen und hüten Schafe. Den Geschichten aus vergangenen Zeiten über die große, glitzernde Stadt voller Wunder lauscht Jaro trotzdem gerne.

    Bis er eines Tages selbst dort hin darf. Jedoch nicht zum Vergnügen.

    Und jeder seiner Schritte, jeder Gedanke bedeutet für ihn Gefahr.

    Denn Ultranetz sieht alles.


    Ich weiß ehrlich gesagt gerade gar nicht genau, wo ich anfangen soll.

    Das einzig Positive an dieser Geschichte rund um die Gescannten, war für mich die Idee. Ich liebe grundsätzlich alles was mit Technik im Kopf und diesen digitalisierten Zukunftsszenarien zu tun hat. Und die Idee von einem alles kontrollierenden Netz an Daten und Informationen hat mich schon fasziniert, auch wenn „Die Gescannten“ sozusagen eine kleine Fortsetzung zur Story rund um „Die Scanner“ ist. Allerdings kann man beide Geschichten unabhängig voneinander lesen - die Welt in der Jaro lebt ist nicht sonderlich schwer zu verstehen, auch wenn die Umsetzung in meinen Augen nicht ganz gelungen ist.


    Auf 192 Seiten wird also die Story von Jaro und Nana erzählt.

    Ich war aufgrund der Seitenanzahl auch relativ fix durch mit dem Buch.

    Das ist aber nicht dem Inhalt zu verdanken, denn der war mir persönlich viel zu flach.

    Man begleitet als Leser Jaro, schwenkt zu Nana und hat hin und wieder mal Gedanken von anderen Charakteren mit eingebaut, doch die Linie ist eigentlich klar. Die Charaktere sind jedoch sehr eindimensional beschrieben.

    Ich konnte weder eine Verbindung zu Jaro fassen, noch zu den anderen und so fühlte sich die ganze Geschichte an wie eine Aneinanderreihung von Informationen. Einfach nur so daher erzählt. Für mich war weder ein Spannungsbogen zu erkennen, noch irgendwelche Tiefen im Bereich Figurenaufbau. Dort, wo sich normalerweise zumindest ein atmosphärisches Zukunftsfeeling einstellt - zwischen all den Robotern, Drohnen, Netzwerken, Kabeln etc. pp. - fühlte ich gar nichts.

    Jaros Begeisterung für die Technik der großen Stadt konnte ich aufgrund von seinen, ja fast schon „hoppsenden“ Gedankensprüngen, auch nicht nachvollziehen. Zum Einen findet er es ganz toll in die Welt der Daten einzutauchen, sich mit seinem Denkerkopfstöpsel zu verbinden und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Zum Anderen dachte ich manches Mal, dass er Angst hat, nur um im nächsten Moment festzustellen, dass er doch ganz anders reagierte.

    Das war mitnichten ziemlich verwirrend. Ich bin kaum schlau geworden aus dem 15jährigen Jungen, der für mich teilweise wie ein 10jähriger agierte.


    Und auch die gesamte Ultranetz-Denker-Welt war mir suspekt.

    Klar, das ist vermutlich das Gefühl, das sie auslösen soll, wo sie doch so gefährlich ist. Mit ihren ganzen Animationen, Codes und Verschlüsselungen und dass man nicht mehr weiß, was echt und fake ist. Eine künstliche Intelligenz, die Menschen vereinnahmt, ohne dass sie es merken. Aber so eine richtige Freude kam da beim Lesen leider nicht auf. Es war vielmehr sehr bedrückend und die paar eingebauten „Actionszenen“ konnten durch den sehr kurz und einfach gehaltenen Schreibstil ebenfalls nicht glänzen.


    Fazit:


    Alles in allem kann ich mich nicht für „Die Gescannten“ aussprechen.

    Eine dystopische Welt, die in Technik ertrinkt und von zwei Jugendlichen gerettet werden soll, die sich für mich eher wie Kinder angefühlt haben. Für mich gab es kaum einen positiven Punkt an dieser Geschichte.

    Weder die Charaktere konnten mich begeistern, noch fand ich großartig Höhepunkte oder authentische, greifbare Spannung.

    Einzig die Idee dieser digitalisierten, verkabelten Umgebung, die sich wie Tentakel um alles Lebendige legen, fand ich sehr ansprechend - nur leider nicht gut umgesetzt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️ (2/5)

    Du bringst mein Leben so schön durcheinander - Claire Christian


    Thienemann Esslinger

    320 Seiten

    Lovestory

    Einzelband

    11. Februar 2019


    Inhalt:


    „Weißt du, was die Japaner mit zerbrochenen Dingen machen?

    Sie setzen sie wieder zusammen. Aber die Lücken füllen sie mit Gold.

    Sie gehen davon aus, dass diese Risse eine Sache nur noch schöner und wertvoller machen, weil sie ein Teil ihrer Geschichte sind.“

    Als Ava und Gideon sich beim Nebenjob im Schnellrestaurant kennenlernen, vermutet keiner von beiden, dass diese Begegnung alles verändert.

    Das beliebte Mädchen und der schüchterne Poetry-Slammer könnten nicht unterschiedlicher sein.

    Gemeinsam haben sie nur, dass Schicksalschläge etwas in ihnen haben zerbrechen lassen.

    Schnell entsteht zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft, in der sie sich gegenseitig Halt geben.

    Immer intensiver werden die Gefühle, aus der Freundschaft wird mehr.

    Doch so viel Nähe sind beide nicht gewöhnt, ob ihre Liebe das aushalten wird?


    Meinung:


    Lieber Gideon,


    du bist wichtig. Du bist leise, verrückt, komisch, magst keine Bananen - wie kann man Bananen nicht mögen? - aber das ist nur ein kleiner Teil von dir. Und die ergeben ein Ganzes. Und das Ganze ist wichtig. Immer. Überall.

    Ob in der Luft oder auf dem Boden. Deine Gefühle zählen.

    Vielleicht nicht für alle, für jeden Menschen dieser gottverdammten Welt, aber für deine Familie schon.

    Es ist egal, dass du zwei Mütter hast, dass deine Schwester so weit weg wohnt, dass du eine schwere Krise hinter dir hast.

    Was zählt ist immer das Jetzt.

    Du hast mir eine andere Welt gezeigt, eine ruhige, poetry-slam, angstgebundene Welt mit Intelligenz und komischen Worten, die doch irgendwo dann einen Sinn ergeben. Hast mir gezeigt, dass jeder auf seine Weise besonders ist. Hast mich fühlen und mitleiden lassen, eine Tür zu deinen Gedanken geöffnet, mir deinen Wandel gezeigt und wie du die Dinge siehst - mal panisch, mal erstarrt, mal gefühlvoll, mal nicht. Alles, jede Bewegung war Überwindung, alles war neu, anders, ein schwerer Brocken auf deinem Weg. Und doch hast du ihn gemeistert. Auf deine unvergleichliche Art.

    Mit Briefen und Kängurus und Pinguinen. Danke dafür.

    Danke für die Hoffnung und den Einblick in deine Krankheit.


    Liebe Ava,


    Trauer ist, wie du sagst, ein ganz beschissenes Gefühl.

    Und ich habe dich verstanden. Deine Wut auf die Welt, auf dich, auf Lincoln, auf das Leben an sich.

    Du bist nicht schuld, aber sie wird immer fehlen.

    Das wird nie ganz aufhören. Man muss nur akzeptieren, dass es okay ist, muss seinen eigenen Weg durch den Trauerdschungel finden. Tu, was dich glücklich macht. Finde heraus, was es ist und halte daran fest.

    Gideon ist so ein Beispiel. Zusammen seid ihr wie Feuerwerk, das direkt in meinem Herzen explodiert.

    Eure Geschichte ist das Leben in all seinen Facetten. Den Guten und den Schlechten, aber vor allem den Schlechten.

    Man muss nicht immer verstehen, manchmal reicht es auch zu fühlen.

    Und gefühlt habe ich bei euch ganz viel. Bei deinem kaputten Leben, das aus den Fugen gerissen wurde und bei Gideons kaputtem Verstand, der ihm oftmals Dinge sagt, Dinge, die die zerbrochenen Stellen in ihm kitten, die aber manchmal einfach nicht gut sind.

    Und dann habt ihr euch gefunden und es wurde besser. Nicht gut, aber besser.

    Mit viel Lachen, Weinen und Gefühlswelten ausleben.

    Denn Gefühle sind niemals falsch. Sie sind deine Freunde, sagen dir, was gerade los ist, wenn du es selbst nicht mehr kannst.

    Sie führen dazu, dass du Gedichte schreibst, dass du loslassen willst, nicht mehr kannst und dann schenken sie dir den Mut weiterzumachen. Ob gemeinsam oder getrennt, ob oben oder unten, Gefühle bringen das Leben so schön durcheinander.

    Sie sind wie Wasser, das dich umspült, frieren dich innerhalb von Sekunden ein oder lassen brodelnde Hitzeblasen auf deiner Haut und in deinem Kopf zerplatzen. Sie verwirren, verwirblen, betäuben in anderer Form, spielen verrückt und verschaffen dir den Durchblick. Es ist an dir sie zu akzeptieren Ava.


    Fazit:


    Liebe Kelly,


    ich durfte dich nicht kennenlernen, aber glaub mir, das hätte ich gern.

    Du schienst wie ein hell strahlender Stern am Firmament des Lebens.

    Rückblickend hattest du bestimmt auch deine schlechten Tage, aber wenn man gegangen ist, erinnert sich jeder nur an die Guten.

    Das ist so das Problem mit dem Vermissen.

    Man vermisst die kleinen Eigenheiten, das, was dich zu der Person machte, die sich in der Erinnerung festgesetzt hat.

    Fakt ist aber: Du bist nicht mehr da.

    Das tut mir leid. Nicht nur für dich, sondern auch für die Lücken, die du hinterlassen hast, die Personen, die du dadurch zerrissen hast, aber am allermeisten immer noch für dich. Das Leben ist kein Ponyhof, doch jede grausame Situation hallt nach - und in diesem Fall hat der Schall zumindest zwei Menschen einander näher gebracht, die sich brauchten, ohne es zu wissen.

    Du hast von deiner Wolke dort oben Skittles auf Ava und Gideon regnen lassen und es hat weh getan, es war überraschend, kosmisch-komisch und dann war es einfach wunderschön durcheinander. Danke.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)


    So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt - Maike Voß


    Dtv Bold

    300 Seiten

    Lovestory/New Adult

    Einzelband

    28. Februar 2019


    Inhalt:


    Viola und Leon sind beste Freunde – bis sie nach einem gemeinsamen Konzertbesuch die Nacht miteinander verbringen.

    Für Leon ist dies die Erfüllung all dessen, was er sich heimlich ersehnt hat. Doch Viola packt die Panik, dass sie wie früher wieder nur auf jemanden hereingefallen sein könnte. Am Morgen verlässt sie deshalb ohne Nachricht Leons Wohnung.

    Doch Leon kann und will Violas Verschwinden nicht so einfach hinnehmen und versucht herauszufinden, warum sie vor ihm wegläuft.


    Meinung:


    „So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt“ ist die Geschichte von Viola und Leon und kaputten Leben, flackernden Lichtern, Gedankenkreiseln, Alkohol und Drogen.


    Ich kann es nicht anders beschreiben, als dass die Geschichte wirklich schwer im Magen liegt.

    Es ist das Debüt der Autorin und es wiegt so unendlich viel.

    Dieses Buch ist randvoll mit Gefühlen, sie türmen sich auf und flachen wieder ab, nur um dann mit ganzer Wucht und Schwere in die Herzen der Leser zu krachen. Und dabei geht es nur um Verletzlichkeit.

    Um die erste Liebe, die zweite und die dritte. Um gebrochene Herzen, um Bindungsängste und Fluchtgedanken.

    Es ist ein hin und her und hin und her und ganz oft habe ich durch die Intensität der Emotionen selbst nicht mehr verstanden, wo genau jetzt das Problem von Viola liegt.

    Ganz im Gegensatz zu Leon. Den habe ich irgendwie immer verstanden.


    Die Story ist in zwei Sichten aufgeteilt, jeweils in der Ich Perspektive geschrieben, die mich sofort für sich eingenommen und in die Geschichte gezogen hat. Alleine schon dieser Schreibstil war für mich Fluch und Segen zugleich.

    Dass es ein Debüt auf diese Weise schafft mich so in meiner Meinung zu zerreißen, hätte ich nie für möglich gehalten.

    Emotional hat die Autorin den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Innerlich habe ich absolut mit den Protagonisten mitgelitten, geschrien, geweint, gelacht, gekämpft und den Kopf geschüttelt.

    Diesbezüglich wäre es ein Highlight gewesen.


    Doch der Segen des Schreibstils war gleichzeitig auch der Fluch.

    Er ist poetisch, verschachtelt, unheimlich schön - malt die Gefühle großflächig in den Kopf anstatt sie zu zeigen und doch hatte ich hin und wieder meine Probleme damit. Ob es in Kombination mit Violas Ängsten geschah oder ich einfach nicht so leicht durch die Seiten flog, wie ich wollte, weil das Verarbeiten mancher Stellen länger dauerte? Ich weiß es nicht.

    Zwischenzeitlich habe ich inne halten müssen, musste Sätze mehrfach lesen, weil ich die Schönheit der Worte in mich aufnehmen wollte und gleichzeitig weil ich sie nicht ganz verstanden hatte. Es trieb mich achterbahnfahrtmäßig dahin.


    Viola und Leon kennen sich schon eine ganze Weile.

    Sie ziehen sich gegenseitig an und stoßen sich ab.

    Sie ist die Dunkelheit, er das Licht. Sie kehren ihre Pole im Sekundentakt um.

    Sie brauchen und zerfetzen sich. Er will nicht, sie will. Sie will nicht, er will.

    Wer hier keine starken Nerven beweist, braucht gar nicht erst anfangen.

    Das ist keine gewöhnliche Lovestory.


    Fazit:


    „So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt“ kehrt das Innerste zweier Menschen nach Außen.

    Als Leser wird man von Gefühlen überflutet und umspült, darin eingeschlossen und die eigentliche Storyline rückt in den Hintergrund. Zwei Menschen, jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, doch nur gemeinsam schaffen sie es den Berg hinauf.

    Doch das müssen sie erstmal erkennen. Viola und Leon sind wirklich herzzerreißend, allerdings wurde es mir irgendwie irgendwo zu viel und die Authentizität, die ich von Beginn an gespürt hatte, verflüssigte sich zwischen meinen Fingerspitzen.


    Ein einfühlsames und fesselndes Debüt - wenn man damit umgehen kann.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Adular (Schutt und Asche) - Jamie L. Farley


    Sternensand Verlag

    372 Seiten

    Fantasy

    Band 1

    15. März 2019


    Inhalt:


    Als Dunkelelf im Kaiserreich Adular zu leben, bedeutet, weniger wert zu sein als Straßendreck. Dûhirion ist einer von ihnen und musste früh lernen, dass das Leben nicht fair spielt, insbesondere dann nicht, wenn man mit grauer Haut geboren wird. Menschen, Zwerge, Waldelfen und Hochelfen blicken auf ihn und seinesgleichen herab wie auf Ungeziefer.

    Als Kind wurde er an die Assassinengilde Umbra verkauft und dort unter grausamen Bedingungen zum Meuchelmörder ausgebildet.

    Eigentlich hatte er nicht geplant, sich in die beginnenden Aufstände seitens der Dunkelelfen einzumischen, auch wenn er die Unterdrückung seines Volkes nicht gutheißt. Doch da ist seine verbotene Liebe zur Waldelfin Elanor.

    Die Beziehung zu ihr lässt Dûhirion unfreiwillig ins Zentrum der Unruhen rücken – und dabei wird nicht nur sein Leben in Gefahr gebracht.


    Meinung:


    Seit ich die Kurzgeschichte des Autors in der Anthologie „Winterstern“ gelesen hatte, war ich hin und weg von seinem Schreibstil und auch von der Story an sich. Schon damals konnte er mich mit seinen Charakteren Dûhirion und Elanor einnehmen und selbst in der Rezension hatte ich geschrieben, wie sehr ich mir eine eigene Story für den Dunkelelfen wünsche.

    Jetzt, knapp zwei Jahre später, veröffentlicht der Autor nun mit Adular sein Debüt und es ist der düster, dunkle Auftakt zu etwas viel Größerem.


    Das Kaiserreich „Adular“ ist die Heimat von Elfen aller Art, sowie Zwergen und Menschen. Die Rangfolge ist dabei klar definiert.

    Hochelfen stehen über allem, Dunkelelfen liegen in Seitengassen in einem Haufen Scheiße, wo sie hingehören.

    Auch Dûhirion hat unter den brutalen, menschenunwürdigen Umständen der elfischen Unterdrückung zu leiden.

    Doch er wird, als Assassine von Umbra, zumindest noch ein wenig gefürchtet, während andere mit dunkler Hautfarbe nicht so viel Glück haben. Die Szenarien, die der Autor hier beschreibt sind rückwirkend nicht nur echt hart zu schlucken, sondern, so man denn will, auch gesellschaftskritisch.

    Aber das ist ein anderes Thema, über das man stundenlang philosophieren könnte.


    Als Leser geht es direkt hinein in den dreckigen, schmutzigen Graben, wo die Dunkelelfen leben.

    Man begleitet Dûhirion bei seiner Arbeit als Assassine, sieht Blut, Action und unsägliches Leid. Das alles verpackt in einen wirklich schönen Schreibstil, der locker von der Hand geht und gleichzeitig die Bilder hervorragend in den Kopf katapultiert.

    Die Lebenssituationen, denen die Dunkelelfen ausgesetzt sind, sind nicht einfach, doch was kann man schon dagegen tun?

    Die regierende Hand ist in der Überzahl und durch die Foltermethoden und dass niemand die große Moralkeule schwingt, ist auch die Bevölkerung Adulars dementsprechend eingeschüchtert. Nicht alle, aber die meisten.


    Elanor, die zweite, wohlgemerkt sehr sympathische Protagonistin, gehört nicht dazu. Von Haus aus Waldelfin und Schneiderin blickt sie mit Missachtung auf die Zustände ihrer Heimat und wünscht sich etwas dagegen tun zu können.

    Ich bin ehrlich, diese kleine Rebellion, die im Laufe der Geschichte startet, hat mir sehr gut gefallen.

    Neben den Charakteren, die sehr vielfältig sind - vor allem in ihren Ansichten - hat mir auch die Düsterkeit, dieser Hauch der Gefahr, dieses „bei jedem falschen Augenaufschlag kannst du schon im Kerker landen oder direkt sterben“ extrem zugesagt.

    Atmosphärisch gesehen hat der Autor hier eine Grube der Hoffnungslosigkeit geschaffen, die nur von den Lichtblicken zwischen Elanor und Dûhirion, sowie ein paar lauteren Stimmen durchbrochen wird.


    Der Verlauf der Story beschränkt sich erstmal nur auf die Städte Malachit und Orlean, durch die sich die Schere zwischen Arm und Reich zieht, wie man es aus mittelalterlichen Gegenden kennt.

    Hohe Mauern, um die Reichen zu schützen, während man den „Armen“ Pest und Cholera an den Hals wünscht.

    Diese Strukturen werden zwar durch Umbras Assassinengilde respektiert, aber wohin die Aufträge Dûhirion führen ist ihm einerlei.

    Um das Ganze ein wenig „aufzulockern“, sorgt der Autor hin und wieder für bizarre Massaker, explosive Begegnungen und - etwas verstreut - auch ein wenig Humor bei den Protagonisten. Damit, zumindest die männliche Gattung, nicht so düster ausfällt, wie beschrieben.


    Ich war wirklich echt begeistert von der Geschichte, den Figuren und dem Handlungsstrang, von der Spannung und dem Mitgefühl.

    Das alles abwechslungsreichs aus Elanor und Dûhirions Sicht erzählt.

    Und dann... dann... kam das. DAS!

    Ich kann es nicht benennen, aber es war für mich einfach das Klischeehafteste was hätte passieren können und aaaargh, neeeein. Wieso denn bloß!? Grundlegend echt... toll, aber ich hab einfach nur die Augen verdreht.

    Diesen Schock musste ich dann erstmal überwinden, nur um zum Ende hin den komplett gegenteiligen Stich versetzt zu bekommen, der die abstruse Situation wieder einigermaßen wettmachte. Und das führt mich zum...


    Fazit:


    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

    Der Assassine ist’s, kommt leis‘ und geschwind.

    Wer tötet ganz skrupellos, trotz Herz und Verstand?

    Ein Dunkelelf; die Rebellion, hoffentlich noch unerkannt.


    „Adular“ wäre ein Glanzstück an apokalyptisch, unterjochendem Feeling geworden - ein Debüt, das mich vollends überzeugen konnte - wenn da nicht diese eine Szene bzw Begebenheit einen mittelgroßen Knacks reingehauen hätte.

    Lässt man das jedoch außer Acht, hat man eine einnehmende, fesselnde Geschichte voller Blutrausch und Hoffnung, Rebellion und friedlichen Momenten, Folter und Magie, spannend und erschütternd zugleich.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ 💫 (4,5/5)

    Whitehill Mysteries 1 (Puppenspiel) - Thalea Storm


    Selfpublishing

    160 Seiten

    Mystery/Young Adult

    Band 1

    13. März 2019


    Inhalt:


    Glaubst du eigentlich an Geister?

    Jeder kennt sie, die unheimlichen Geschichten, die sich um das verlassene Herrenhaus Whitehill Manor ranken.

    Die Bewohner der Kleinstadt Little Ivy meiden diesen Ort – er soll verflucht sein und Unglück bringen.

    Doch ausgerechnet dorthin muss Callie mit ihren Eltern ziehen.
    Ein uraltes Puppenhaus, das sie in dem Anwesen entdeckt, ist das schaurige Ebenbild des riesigen Gebäudes, und schon bald scheinen die Dinge aus dem Ruder zu laufen. Callie stößt auf die schockierende Geschichte eines kleinen Mädchens, das einst auf Whitehill Manor lebte, und bringt sich und ihre Familie damit in Lebensgefahr.
    Denn in dem alten Gemäuer sind dunkle Mächte erwacht, vor denen es kein Entkommen gibt…


    Meinung:


    Bäääm. Eine kurze Geschichte, die mir zum Ende hin richtiggehend Gänsehaut beschert hat. Wahnsinn. Halleluhja.

    Mehr fällt mir dazu grade nicht ein. Hui.


    Als ich gelesen habe, dass Thalea Storm in Zusammenarbeit mit Birgit Otten eine düster, dunkle Mystery Serie rausbringt, war ich sofort Feuer und Flamme. Auch, wenn die erste Folge davon „Puppenspiel“ heißt.

    Ich bin absolut gefestigt was Horror angeht, nur beim Paranormalen stoße ich an meine Grenzen.

    Und wenn das dann auch noch mit Puppen zu tun hat, ahhh, da kriege ich schon beim Gedanken daran das Gruseln.


    Die Serie umfasst 12 Folgen, immer abwechselnd geschrieben von den beiden Autorinnen und alle sind in sich abgeschlossen.

    Der Haupttatort des Ganzen: Das beschaulich, schaurige Anwesen Whitehill Manor.

    Die erste Folge erzählt die Geschichte von Callie, ihrer Familie und ihren Freunden.

    Eigentlich ist sie ein ganz normales Mädchen, hat einen cool-verrückten Dad und eine relativ konservative Mutter.

    In den Sommerferien kommt ihr Vater mehr oder weniger unverhofft zum Whitehill Manor Anwesen und kurzerhand ziehen sie an den Ort, über den sich jeder in Little Ivy die schrägsten und schaurigsten Geschichten erzählt.


    So wenige Seiten dieses Buch auch hat, so fesselnd ist es in seinem Inhalt.

    Die Autorin verstehst sich einfach auf einen flüssigen, angenehmen Schreibstil, sehr jugendlich angehaucht, verständlich und einnehmend. Ich lese wirklich einige Horror- und Mysterygeschichten, bin dahingehend theoretisch auch abgehärtet, aber Whitehill Mysteries hat mir hin und wieder Schauer über den Körper gejagt. Durch die Ich Perspektive ist man nah am Geschehen, Callie nimmt den Leser mit in ihr Gefühlsleben, stellt Fragen, wirkt an den richtigen Stellen panisch und verängstigt und das schwappt wie eine Welle auf einen über. Dieses Talent haben nicht viele Autoren.


    Die Atmosphäre wankt von sommerlich leichten Gefühlen über jugendliche Liebeleien bis hin zu verstörenden, panisch machenden Fluchtgedanken. In Whitehill Manor selbst wirkt alles etwas beklemmend, einengend, egal ob Tag oder Nacht - die Spannung ist jederzeit greifbar. Wenn mich Callie und das Puppenhaus schon so überraschen konnten, bin ich nun umso gespannter, was das Haus noch für Geheimnisse und Geschichten bereithält und ob es genauso gänsehautverursachend wird wie in dieser ersten Folge.


    Fazit:


    Ihr sucht einen kleinen Schauer Kick für zwischendurch?

    Mit einer Prise Lovestory, urbanem Charme und alten, johlenden Gemäuern?

    Mit bedrückender Atmosphäre und unheimlicher Story?

    Whitehill Mysteries bietet genau das.

    Ein kleiner, verrückter Ausflug ins zerfallene Anwesen mitten im Wald kurz vor der Küste von Little Ivy.

    „Puppenspiel“ nimmt euch mit in die Welt der Geister und füttert euch mit dunklen Geheimnissen.

    Lasst euch nicht vom Kinderlachen in die Irre führen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Land of Stories 1 (Die Suche nach dem Wunschzauber) - Chris Colfer


    Fischer Sauerländer

    592 Seiten

    Kinderbuch/Märchen

    Band 1

    13. März 2019


    Inhalt:


    Als Alex und ihr Zwillingsbruder Conner ein altes Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen, ahnen sie nicht, dass der dicke Schmöker ein Portal in ein magisches Reich ist. Sie geraten in eine Welt, in der es nicht nur gute Feen und verwunschene Prinzen gibt, sondern auch ein böses Wolfsrudel und eine noch viel bösere Königin. Doch ganz so einfach ist die Sache mit Gut und Böse leider nicht. Denn in all den Jahren nach dem Happy End haben die Märchenwesen einige Marotten entwickelt, was die Zwillinge in so manche verzwickte Lage bringt. Außerdem haben sie nicht den blassesten Schimmer, wie sie wieder nach Hause finden sollen.

    In einem geheimnisvollen Tagebuch steht die Lösung - doch hinter dem ist auch die böse Königin her ...


    Meinung:


    600 Seiten an einem Tag? Aufgeteilt auf vielleicht 20 Stunden?

    Bisher haben das nicht viele Bücher geschafft. Doch mit „Land of Stories“ ist das überhaupt kein Problem.

    Dieses Büchlein ist wie Disneyfilme im Hirn.

    Aber nicht einzeln, nein. Sondern alle zusammen und auf einmal.

    Als hätte man sie in einen Topf geworfen und daraus eine ganz eigene Welt erschaffen - das ist „Land of Stories“.

    Groß, gewaltig, magisch, eigenartig, mit hilfreichen und weniger hilfreichen Kreaturen, aber vor allem eins: wunderschön.


    Die Zwillinge Alex und Conner könnten unterschiedlicher nicht sein.

    Bis auf ihre kupferfarbenen Haare und ihre Liebe zu guten Geschichten scheinen sie nichts gemeinsam zu haben.

    Alex ist leicht zu begeistern, sie liebt Bücher und ist eine kleine Streberin, denn sie hat mehr Wissen angehäuft als so manch andere 12 Jährige. In der Schule ist Märchenkunde ihr Lieblingsfach, während Conner hierbei regelmäßig in Tiefschlaf fällt.

    Er ist der faule, chaotische Typ, was ihn anscheinend cool macht und hinkt oft und gerne mit allem hinterher.

    Die beiden Zwillinge sind so speziell, so gegensätzlich und doch so gleich, dass ich sie direkt ins Herz geschlossen habe.

    Aber nicht nur das, denn das Abenteuer, das sie erleben, ist eins der schönsten von denen ich je im Kinderbuchbereich gelesen habe - mal abgesehen von Harry Potter.


    Den meisten Menschen werden Cinderella, Schneewittchen und Co hoffentlich ein Begriff sein.

    Sie sind die Traumfiguren der Kinder, die Märchen, die man abends im Bett von den Eltern vorgelesen bekommt.

    Sie alle wurden beschönigt und mit Happy End ausgestattet - denn von grausigen Toden und schlimmen Dingen will keiner lesen. Die Kinder sollen schließlich etwas lernen und das geht viel besser mit positiven Gefühlen, als mit negativen.

    Die Happy Ends geben Hoffnung. Was aber passiert danach?


    Diese Frage haben sich Alex und Conner zwar noch nie gestellt, aber sie sind im Begriff es herauszufinden, als sie schwuppdiwupp kopfüber ins Abenteuer ihres Lebens stürzen. Schon beim Anlesen habe ich gemerkt, wie einfach mir der Schreibstil von der Hand ging und wie großartig er ohne Probleme Bilder in die Köpfe zaubert. „Land of Stories“ erzählt von bösen Königinnen, von Racheplänen, von Dornenhecken und Meeresschaum.

    Es nimmt den Leser mit ins Land der Trolle und Kobolde, hetzt ihn durch die Zwergenwälder und gefühlt durch alle sieben Königreiche. Das Lesen selbst fühlte sich wie Fliegen an.

    Als würde ich über dem magischen Land auf einem Teppich liegen und die Zwillinge auf ihrer Reise begleiten.

    Zeitweise habe ich sogar ihr Kichern und ihre Schreie im Ohr gehabt, wenn sie auf der Flucht waren.

    Es war alles unheimlich greifbar und so authentisch, wie ein Märchenland nur sein kann. Ich bin echt begeistert.


    Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings, auch wenn der, in Anbetracht der stimmigen, restlichen Geschichte, nicht der Rede wert ist: Die Zwillinge begegnen auf ihrer Suche nach den Zutaten für den Wunschzauber sonderbaren und gefährlichen Kreaturen. Sie wissen nicht wer Freund oder Feind ist und geraten hier und da in ausweglose Situationen.

    So viel Glücksgefühl und Hoffnung diese Geschichte auch vermitteln mag - manch eine dieser Situationen war mir einfach zu schnell gelöst. Es erschien mir als wollte der Autor Spannung an diese Stellen setzen, hat sich beim Schreiben selbst dann aber eines besseren belehrt und das Ganze fix wieder aufgelöst. Das war ein bisschen schade, da ich irgendwie gern noch mehr von Alex klugem Köpfchen und Conners Tapferkeit gesehen hätte.

    Aber vielleicht lag auch gerade darin der Zauber der Geschichte, ich bin mir nicht sicher.

    Für meinen Geschmack hätten die Zwillinge gern noch mehr an ihre Grenzen geführt werden können.


    Fazit:


    „Die Suche nach dem Wunschzauber“ ist ein grandioser Auftakt für das „Land of Stories“ Universum.

    Ein Märchenbuch in einem Märchenbuch - nur besser irgendwie, denn die Geschichten von Rapunzel, Rotkäppchen und Co sind nach dem Happy End noch lange nicht zu Ende.

    Entdeckt mit Alex und Conner die magische Welt hinter den Buchstaben, die so fesselnd und faszinierend ist, dass man nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Springt von einem Abenteuer ins nächste, begrüßt Feen und laufende Fische, lasst euch einlullen von romantischen Szenarien und fürchtet euch vor dem großen bösen Wolfsrudel.


    „Land of Stories“ ist unglaublich magisch, für Märchenfans ein Muss, aber auch für alle, die schon immer davon geträumt haben mitten in die Geschichten hineinspringen zu können.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Clans von Cavallon 1 (Der Zorn des Pegasus) - Kim Forester


    Arena Verlag

    320 Seiten

    Kinderbuch Fantasy

    Band 1

    04. Februar 2019


    Inhalt:


    Die erbitterten Feindschaften zwischen den Clans von Cavallon kennt Sam Quicksilver nur aus alten Legenden. Mit seinen Einhorn- und Zentaurenfreunden lebt er friedlich in der Freien Stadt. Kriegerische Einhornherden oder gar einen blutrünstigen Pegasus hat er noch nie gesehen. Unvorstellbar, dass sich die Einhörner der Schwarzhornwälder Menschen als Sklaven halten! Doch am Jubiläumstag des Friedenspakts kommt es zur Katastrophe:

    Albtraumhafte Kreaturen attackieren die Stadt!

    Sie sehen aus wie Pegasus – dabei gelten diese als ausgestorben!

    Sam bleibt nur die Flucht und er muss erkennen, dass all die Gefahren und düsteren Legenden über Cavallon wahr sind …


    Meinung:


    Was haben Einhörner, Menschen, Kelpies und Zentauren gemeinsam?

    Sie leben fast alle friedlich zusammen in der Freien Stadt im Herzen von Cavallon.

    Doch manche der Kreaturen, die man sonst nur aus Mythen und Legenden kennt, haben sich dazu entschieden getrennt von den anderen Völkern ihren Ritualen zu frönen.

    Außerhalb der Freien Stadt gelten Kelpies als listig und grausam.

    Sie werden verantwortlich gemacht für Schiffsunglücke aller Art und sind die Ungeheuer der Meere. Die kriegerischen Einhornclans sind die Herrscher über die Wälder.

    Menschen sollten sich nicht dorthin verirren.

    Die allwissenden, weisen Zentauren bewahren die Chroniken Cavallons in Coropolis am Rande des Meeres auf. Sie sind die Hüter des Wissen, so sagt man sich.


    Das alles kennt Sam Quicksilver jedoch nur aus Erzählungen.

    Denn in der Freien Stadt sind alle gleich und leben in Eintracht.

    Bis es am Tag des Friedensabkommens zu einem überraschenden Angriff kommt, er die Flucht antreten muss und sich damit in das Abenteuer seines Lebens stürzt.


    Zuallerallererst: Ich liebe diese Aufmachung. Es gibt direkt zu Beginn nicht nur eine wunderschöne Karte, mit der man sich einen Überblick über Cavallon verschaffen kann, nein, zur besseren Orientierung wird man auch gleich in die verschiedenen Clans eingeführt.

    Das fand ich alleine schon mal mega genial.

    Ja, ich kann es nicht oft genug erwähnen: Ich bin kein Fan von Büchern, die für jüngere Generationen gemacht sind. Aber beim „Clans von Cavallon“ hat sich die Ausnahme definitiv gelohnt. Ich bin begeistert von der Idee einfach mal alle möglichen legendären Geschöpfe, die man nicht so oft in Büchern antrifft, in einen Topf zu werfen und daraus ein Land zu machen, in dem alle Seite an Seite leben. Grandios.

    Deshalb ging mir der Rest der Geschichte auch echt fix von der Hand und das obwohl das Ganze in der personellen Erzählperspektive gehalten ist.


    Das Abenteuer beginnt mit Sams Geschichte in der Freien Stadt, aber dabei bleibt es nicht.

    Die Charaktervielfalt fand ich enorm gut gewählt, es wirkt nicht chaotisch und man kann als Leser fast in jeden Clan seine Fühler ausstrecken.

    Insgesamt gibt es vier Charaktere, die immer abwechselnd ihre Sicht der Story erzählen bzw das, was sie eben gerade in ihrem Teil des Landes erleben.

    Zusammengenommen ergibt das dann ein atemberaubendes Bild von dem die Autorin uns hier berichtet.


    Im Grunde genommen steht der Frieden in Cavallon auf recht wackligen Beinen.

    Jedes Volk hat theoretisch Gründe, auf die es einen Krieg bauen könnte.

    Aber die Pegasus, die seit Jahren als verschollen gelten, sind der Auslöser dafür, dass alle die Hufe, Beine und Flossen still halten - denn nur von ihnen droht scheinbar Gefahr.

    Ich wusste zu Beginn nicht so recht, worauf ich mich einlasse, aber die Geschichte rund um Sam und seine Mitstreiter hat mich schnell gefesselt und für sich eingenommen.

    Die Autorin hat es geschafft eine ganz eigene Story zur Entstehung des Friedens - oder eben nicht - zu entwickeln. Während im Vordergrund alles friedlich zu sein scheint, werden im Hintergrund dubiose Geschäfte abgewickelt, damit das auch so bleibt.

    Verträge und Abkommen, Machtspielchen und Lügen bewahren den Sonnenschein in Cavallon. Doch mit dem Angriff auf die Freie Stadt wird das Lügenkonstrukt eingerissen und beginnt zu bröckeln. Und hier beginnt dann die interessante und spannende Geschichte rund um Sam, Nixi, Lysander und Aquilla.


    Wie hängen sie zusammen? Wohin führt das Ganze?

    Sind die Pegasus wirklich so böse?

    Halten sich Einhörner menschliche Sklaven?

    Und für wie erhaben halten sich die Zentauren?

    Das und mehr gibt’s in Cavallon.


    Fazit:


    Mit dem ersten Teil von „Clans von Cavallon“ konnte mich die Autorin voll für sich gewinnen.

    Ich mag keine Kinderbücher, aber das hier ist einfach absolut genial. Ich liebe den Weltenentwurf, die Umstrukturierung der verschiedenen Völker, die man eigentlich ganz anders kennt. Die Storyline ist vielleicht durch den Angriff ein wenig düster angehaucht, für die, die es brauchen ist reichlich Action vorhanden, aber auch Listen und Lügen stehen an der Tagesordnung.

    Alles in allem hat das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon darauf nach Cavallon zurückkehren zu können, um zu erfahren, wie die Sache ausgeht.


    Klare Leseempfehlung für Abenteurer, ohne Liebesschnickschnack, mit ungewöhnlichen Geschöpfen und außergewöhnlichen Ereignissen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Wenn die Nacht erwacht - Nala Layden


    Selfpublishing

    350 Seiten

    New Adult/Fantasy

    Einzelband

    09. März 2019


    Inhalt:


    Linea hat Hals über Kopf die Polizeiakademie geschmissen und ist wenige Wochen danach vor allem eins: pleite.

    Da kommt es ihr gerade recht, dass Darren Carter, Eigentümer des berühmten Nachtclubs Toxic, einen gut bezahlten Job zu vergeben hat: Er sucht jemand, der auf seine Schwester Serena aufpasst, wenn diese um die Häuser zieht.

    Obwohl Darren Lin mit seiner unverschämten Art zu Anfang auf die Palme bringt, ist sie dringend auf das Geld angewiesen und fängt bei ihm an. Jetzt gilt es, eine berufliche Distanz aufzubauen.

    Gar nicht so einfach, wenn Serena alles daran setzt, Lin wieder loszuwerden, der Bruder ihres Chefs ihr jedes Mal halbnackt gegenüber tritt und Darren selbst ein Kribbeln bei ihr auslöst, das nicht da sein dürfte.


    Je mehr Lin sich in die Familiengeheimnisse der Carters verstrickt, desto misstrauischer wird sie. Warum fühlt Serena sich eingesperrt, obwohl sie alle Freiheiten genießt? Vor was möchten ihre Brüder sie so dringend beschützen?

    Und was ist es nur, dass sie an Darren so anzieht, obwohl er sie jedes Mal von sich stößt?


    Meinung:


    Ein neues Werk von einer meiner Lieblingsautorinnen und was soll ich sagen?

    Es klang absolut genial. Nach Romantasy, New Adult, nach Geheimnissen und Action.

    Die Autorin schafft es immer wieder mich direkt beim Inhalt zu ködern und vom Cover will ich gar nicht erst anfangen.

    Also auf in die Welt von Linea und Darren!


    Linea Johnson ist eigentlich eine toughe junge Frau.

    Doch momentan steht sie am Rande eines Nervenzusammenbruchs, den ihre beste Freundin mit ein paar Drinks im Nachtclub „Toxic“ kitten will. Lin ist nämlich pleite und braucht einen neuen Job. Und da kommt der äußerst heiße, interessante und imposante Clubbesitzer Darren nicht ganz ungelegen. Allerdings ist die Bezeichnung „Babysitter/Bodyguard“ nicht ganz das, was sich Linea unter einem Job vorgestellt hat. Aber es hilft ja alles nichts.

    Der Schritt hin zu Serena Carter, der aufmüpfigen, schnippischen Schwester ihres Chefs bringt allerdings ihre bisher gerade Welt gehörig in Schieflage. Und das, Ladies und Gentleman, das mitzuverfolgen war so aufregend!


    Ich kann es nicht oft genug betonen. Ich liebe den Schreibstil der Autorin.

    Sie schreibt rasant, gewandt, begabt, ich finde kaum noch Worte dafür.

    Das geht direkt vom Buch ins Hirn bis hinunter zu den Zehen.

    Der Sog jeder ihrer Geschichten ist enorm.

    Egal wie spannend oder unspannend sie sind.

    Allein durch ihren Stil fesselt sie mich jedes Mal aufs Neue.

    Zum Glück hat Frau Layden aber auch unheimliches Storyline Talent.

    „Wenn die Nacht erwacht“ bietet ein bisschen was aus drei verschiedenen Genres. Linea und Darrens Begegnungen bringen heiß knisternde Erotik mit sich. New Adult, spricht nicht jugendfrei, versteht sich.

    Gebaut auf einem naja, mehr oder minder romantischem Konstrukt - denn ja, man stolpert beim Lesen über das ein oder andere Klischee, aber das macht überhaupt nichts! Punkt Romantik wäre, gewürzt mit einer Prise Situationskomik, damit auch abgeharkt.

    Das tragende Element ist für mich hierbei allerdings das Fantasygenre.

    Nicht jeder Autor schafft es so eine gute Mischung zu kreieren.

    Was es damit auf sich hat, das müsst ihr aber selbst herausfinden.

    Ich kann euch nur sagen: Es ist düster, geheimnisvoll und sooooo verdammt cool.

    Es ist hm, nichts Neues, zumindest könnte man davon schon mal irgendwo gelesen haben - die Atmosphäre, die die Autorin mit diesen einzelnen Bausteinen jedoch schafft ist einfach zum Dahinschmelzen.


    Aber auch die Protagonisten waren mir sofort sympathisch.

    Darren, Mr. Badass Badboss und seine Brüder Hot und Hotter, sowohl als auch seine Schwester Serena, deren Beschützerin Lin spielen soll. Die Komplikationen und Geheimnisse dieser Familie machen „Wenn die Nacht erwacht“ zu einem spannend-prickelnden Abenteuer.

    Und als wäre das nicht genug hat die gegnerische Seite, die es in jeder dieser Geschichten gibt, auch noch so einiges auf dem Kasten. Es wird blutig, actionreich, es fliegen Fäuste und Fetzen.

    Hin und wieder auch Klamotten...


    Lin wird in eine Hetzjagd verwickelt, bei der nicht ersichtlich ist ob sie auf der guten oder bösen Seite steht.

    Ist sie Opfer oder Jägerin?

    Und wer, wenn nicht die Carters, können Licht ins Dunkel bringen?


    Fazit:


    Mit „Wenn die Nacht erwacht“ hat die Autorin einfach mal wieder bewiesen, dass sie absolut fesselnde, schnelllebige, aufregende Geschichten in petto hat und die gut und gerne mal mit knisternder Erotik in einen Topf werfen kann.

    Diese Story lässt einen kaum zu Atem kommen, auf jeder Seite passiert entweder etwas Spannendes, Heißes oder Witziges, es ist ein Auf und Ab und das dunkle Geheimnis der Familie Carter ist auch nicht zu verachten.

    Bei Frau Laydens Stil wird das Lesen einfach nie langweilig, sie schüttelt immer irgendwo einen Plottwist aus dem Ärmel, mit dem man einfach nicht mehr rechnet und das macht sie so einzigartig.


    Empfehlenswert für Fans von Fantasy in urbanem Setting, die nix gegen einen Ausflug in erotische Gefilde haben und Wert auf eine gute, actionreiche Story legen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)


    Junge ohne Namen - Steve Tasane


    Fischer Sauerländer

    144 Seiten

    Lebensbuch

    Einzelband

    27. Februar 2019


    Inhalt:


    So nennen sie uns – Kind A, Kind E, Kind I usw.

    Weil wir nicht nachweisen können, wie wir richtig heißen. Ich bin Kind I.


    I hat weder Familie noch Papiere, das Einzige, was er hat, ist ein Buchstabe, I – so wird er genannt.

    Er lebt in einem Camp für Flüchtlinge, und als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling gehört er zu jenen, deren Zukunft am unsichersten ist. Doch die Kinder halten zusammen, und jeder Tag ist eine Zukunft für sich. Und I hofft.

    Auf einen neuen Namen oder sogar – einen Platz im Leben.


    Meinung:


    Uff. Ich gestehe, ich habe irgendwie mehr erwartet als das, was mir „Junge ohne Namen“ erzählt hat.

    Und trotzdem gab mir diese Schlichtheit, diese kindliche Geschichte ohne viel Schnickschnack doch irgendwie viel.

    Schwer zu beschreiben was ich davon halten soll.


    I ist 10. Glaubt er zumindest. Genau weiß er es nicht.

    Er erinnert sich noch an die Namen seiner Eltern und Geschwister, an ein paar schöne Zeiten.

    Doch das Leid, die Bomben, die Schreie, der Krieg sind ihm ebenfalls geblieben. Aber I lebt jetzt woanders.

    Zusammen mit L, V und E in einem Lager, das man kaum Zuhause nennen kann.

    Und sie kommen dort nicht fort. Stecken fest im braunen Schlamm, der jetzt ihr Leben ist, weil sie keine Pässe haben.

    Keine Papiere. Keine Familie.


    Der Autor erzählt eine wahre Geschichte.

    Und wahre Geschichten haben oft keine Spannungsbögen, keine aufregenden Kicks, keine ruhigen Minuten.

    I ist und bleibt ein Kind und so wird dieses Buch auch erzählt.

    Da findet man keine sprachlich gewieften Formulierungen, keine großen Gesten, keinen „gewollten“ Entwicklungsstrang.

    „Junge ohne Namen“ ist eine der Geschichten, die man direkt aus dem Leben gegriffen und aufgeschrieben hat.

    Einfach so. Zack, da. Und das Leben als Flüchtlingskind ist hart.


    Ich weiß, dass Kinder in solchen Lagern leiden.

    Dass sie hoffen und bangen. Dass sie hungern und weinen.

    Was ich aber nicht wusste - und das spricht für das Buch, weil ich es dem Autor, I, voll abgenommen habe - ist, dass die Kinder ja noch nicht viel von der Welt um sie herum verstehen.

    I weiß, was richtig und falsch ist, gut und böse und er ist trotz seiner recht ausweglosen Situation optimistisch.

    Spielen und Lachen sind gut.

    Hunger und Gestank sind es nicht.

    Also wird Ersteres bevorzugt und Letzteres versucht zu vermeiden.

    So einfach ist das. Und doch so schwer zu begreifen.


    Fazit:


    Ich will jetzt nicht sagen, dass mich das Buch über die Maßen berührt hat.

    Das wäre gelogen. Aber es hat irgendwas getan und sei es nur mich mit seiner Authentizität zu überzeugen. „Junge ohne Namen“ lässt den Leser einen Blick in das Leben von Kindern werfen, die kaum noch Perspektiven haben.

    „Junge ohne Namen“ urteilt nicht. Es zeigt nur auf. Es ist.

    Bar jeder Wut, aber mit den Augen eines Kindes.

    Ich konnte den Funken für die fünf Sterne nicht finden, aber vielleicht hätte ich einfach tiefer in dem braunen, stinkigen Brackwasser buddeln müssen.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    Elayne 2 (Rabenherz) - Jessica Bernett


    Sternensand Verlag

    476 Seiten

    historische Fantasy

    Band 2

    08. März 2019


    Inhalt:


    Welche Möglichkeit bleibt dir, wenn eine Prophezeiung dein ganzes Leben überschattet?

    Du suchst einen Weg, Licht zu finden.

    Elayne von Corbenic führt dieser Weg nach Camelot, zur legendären Festung von König Artus.

    Hier muss sie erkennen, dass ihr Herz noch immer an jenen Mann gebunden ist, der es einst zerbrach.

    Und dass nicht nur ihr eigenes Leben im Schatten einer finsteren Weissagung steht …


    Meinung:


    Was kann es Schöneres geben, als mit den Rittern der Tafelrunde in Camelot zu verweilen?

    Das Leben dort zu genießen, über Wald und Wiesen, Stock und Feuer zu tanzen und die ganz eigene magische Atmosphäre Britanniens auf sich wirken zu lassen? Genau. Nichts. Und das war mir bis jetzt auch noch nicht ganz klar, aber es ist so.

    Und zwar ganz ohne Schnickschnack und Fantasy.

    Aus meinem Mund ist das schon echt eine Seltenheit, denn ich habe nicht viel für Historisches übrig. Eigentlich.

    Aber wenn es so charmant, emotional stark und wunderschön verpackt ist, wie bei der Reihe um Elayne, dann mache selbst ich eine Ausnahme. Denn es lohnt sich. Auch beim zweiten Teil.


    Ich gestehe, so ganz hatte ich nicht mehr vor Augen, was in Band eins passiert war.

    Ich wusste nur, dass Elayne mit zwei Begleitern ihre Heimat Corbenic unter erschwerenden Umständen verlassen hat und nun in das Abenteuer aufbrach, das sich Leben nennt. Gemeinsam mit ihrem treuen Diener Liam und ihrem kleinen Sohn Gal, reitet sie durch die Landschaft Britanniens und muss während ihres Aufenthalts hier und dort einige Widrigkeiten überstehen.

    Der erste Weg war etwas holprig, vor allem was die Verwandtschaftsverhältnisse angeht, die in der Vergangenheit doch recht weit verzweigt waren. Zum Glück gibt es dafür im vorderen Teil eine Karte, sodass ich direkt nach Entdeckung den Überblick hatte.


    Die Protagonistin Elayne kennt man ja bereits aus Band 1, schließlich ist es ihre Geschichte, die hier erzählt wird.

    Ich komme nicht umhin zu sagen: Ich liebe ihre Persönlichkeit. Selten ist mir so eine charakterstarke, mutige und unabhängige Frau untergekommen wie Elayne - und das zu Zeiten, in denen Frauen noch als Handelsware angesehen wurden - zumindest innerhalb der Familie und die zu nichts weiter zu gebrauchen waren als zum Kinder gebären und Haushalt schmeißen.

    Zum Glück denken nicht alle Männer und Könige Britanniens so engstirnig. Die oben angesprochene Charaktervielfalt bringt auf jeden Fall eine gewisse Spannung mit sich, die sich um Elaynes Weiterkommen rankt. Ganz besonders lieb gewonnen habe ich hierbei Teagan, Liam und Gawain. Doch nicht nur diese Protagonisten sind mir im Gedächtnis geblieben.


    In „Rabenherz“ feiern wir das Wiedersehen von Lancelot und Elayne.

    Man begegnet König Artus und Gwenhwyfar (was für ein Name *Schweiß von der Stirn streich*), Mordred und Morgaine - wirklich bekannte Figuren, wenn man die Artus Sage um Excalibur kennt. Ich kenne sie und ich werde sie nie wieder anders sehen können als durch Elaynes Augen. Der heilige Gral ist vergessen, Camelot und seine Großzügigkeit stehen im Fokus.

    Die Atmosphäre ist so großartig, nahezu einnehmend, dass ich mich kaum von der Geschichte losreißen konnte.

    Und während der erste Band eher ruhig war und sich um Elaynes Entwicklung zur Frau drehte, darf man im zweiten Band auf ein paar Überraschungen hoffen. Einige Twists sah ich kommen, andere wiederum hätte ich gefühlsmäßig gern übersprungen.

    Die Geschichte von Lancelot und Elayne ist noch nicht zuende erzählt und ich freue mich darauf noch mehr Bekanntes und Neues in dieser Reihe vereint zu sehen.


    Historisch gesehen kann ich sagen: Es wird wunderschön.

    Auf emotionaler Ebene erwartet euch eine Achterbahn.

    Machtspielchen, Kriege und freundschaftliche Wettkämpfe sind an der Tagesordnung. Der Kopf darf auch mal angestrengt werden.

    Elayne wird auf ihrer weiteren Reise die eroberten Herzen fest bei sich halten können, dessen bin ich mir gewiss.



    Fazit:


    „Rabenherz“ hat mich positiv überrascht und beeindruckt.

    Ich habe nicht erwartet, dem Zauber dieser Welt noch einmal so stark zu erliegen.

    Es ist fesselnd in seiner Ruhe, man fühlt sich wie im Auge des Sturms - hypnotisiert von allem was um einen herum geschieht.

    Obwohl man die meisten Charaktere vom Name her kennt, ist es schön, dass die Autorin ihnen endlich Leben eingehaucht und eine Stimme gegeben hat. Jeder Charakterzug wird gewürdigt, aber nicht zu sehr ausgeführt, es hält sich alles in Waage und das Gefühl beim Lesen ist eigentlich unbeschreiblich.


    Für mich bleibt Elayne weiterhin eine Herzensreihe und ich empfehle sie jedem, der starke Frauen mag, die ihren eigenen Weg gehen und all jenen, die ihr Herz an die Artus Sage verloren haben.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)


    Die unendliche Geschichte - Michael Ende


    Thienemann Esslinger

    480 Seiten

    Fantasy

    Einzelband/Jubiläumsausgabe

    15. Januar 2019


    Inhalt:


    Bastian Balthasar Bux entdeckt in einer Buchhandlung ein geheimnisvolles Buch, „Die unendliche Geschichte“. Begeistert liest er von den Abenteuern des Helden Atréju und seinem gefährlichen Auftrag: Phantásien und seine Herrscherin, die Kindliche Kaiserin, zu retten. Zunächst nur Zuschauer, findet er sich unversehens selbst in Phantásien wieder.

    TU WAS DU WILLST lautet die Inschrift auf dem Symbol der unumschränkten Herrschaftsgewalt.

    Doch was dieser Satz in Wirklichkeit bedeutet, erfährt Bastian erst nach einer langen Suche. Denn seine wahre Aufgabe ist es nicht, Phantásien zu beherrschen, sondern wieder herauszufinden.

    Wie aber verlässt man ein Reich, das keine Grenzen hat?


    Meinung:


    Mein erstes Mal Phantásien.

    Mein erstes Mal Fuchur, Atréju und Bastian.

    Mein erstes Mal, weil ich weder den Film kenne, noch das Buch anderweitig vorher gelesen habe. Und so konnte ich ganz ungefiltert und die großen Gefilde Phantásiens eintauchen und alles mit der eigenen Vorstellungskraft erleben.

    Einzig den Trailer zum Film hatte ich damals gesehen und ich glaube, das hat mir auch ein wenig durch die Geschichte geholfen, denn sie ist aufgrund des Schreibstils von Michael Ende für mich nicht leicht verdaulich gewesen.

    Aber von vorn.


    Michael Ende ist nicht ohne Grund einer der bekanntesten, deutschen Kinderbuchautoren. Seine Werke sind legendär, seine Fantasie und wie er sie zu moralisch angehauchten, ich möchte fast schon sagen „Lehrgeschichten“ umsetzt, ist einzigartig.

    Ob Momo, Jim Knopf oder der Wunschpunsch, buchbegeisterte Leseratten in jedem Alter kennen zumindest eins seiner Werke beim Namen. Ich bin wahrlich kein Fan von Kinderbüchern, aber Bastian Balthasar Bux konnte ich mir nicht entgehen lassen.


    Und so begab ich mich in Bastians Welt. Eine Welt, in der er ein kleiner, dicklicher, schüchterner, ja fast unsichtbarer Junge ist, dem niemand Glauben schenken will.

    Doch dann fällt ihm „die Unendliche Geschichte“ in die Hände und er nahm mich mit auf ein unglaubliches Abenteuer.


    Ich will hier nichts beschönigen und sag euch wie es ist: „Die Unendliche Geschichte“ teilt sich für mich in drei Sparten auf. Den Part, den ich sehr mochte, nämlich den Anfang, bei dem der Leser Bastian kennenlernt. Seine Liebe zu Büchern spricht mir aus der Seele.

    Die vielen kleinen Begebenheiten in denen er an Geschichten denkt, wie er mit Atréju und Fuchur mitfiebert, hofft, bangt und Tränen vergießt. Das alles hat mich gefangen genommen und ich wollte die Geschichte in der Geschichte schnellstmöglich beenden, weil sie aufregend und spannend war und ich mir das Abenteuer gut vorstellen konnte.

    Atréjus Suche nach Antworten. Die Atmosphäre.

    Die Geschöpfe, die er dort trifft und Phantásien im Allgemeinen waren wundervoll beschrieben und gestaltet.


    Doch irgendwann im Mittelteil, als Bastian beginnt sich zu verändern, als er nach Wünschen sucht, wo keine sein sollten, wurde der Schreibstil immer verschachtelter und altertümlicher, wenn man das so sagen kann.

    Klar, das Buch ist schon etwas älter und damit hätte man rechnen können, aber es hat mich wirklich teilweise gehemmt in meiner Fantasie.

    Dadurch wurde alles schwerfälliger, ich kam nicht mehr so gut vorwärts und auch Bastians Reise durch Phantásien konnte mich nicht mehr über die Maßen begeistern.

    Die Charaktere, die der Autor geschaffen hat, sind durchaus sehr vielfältig, aber irgendwann gab es so viel zu sehen und zu entdecken, dass ich nicht mehr wusste was ich mir denn nun vorstellen soll und wohin mit meinen Gedanken.


    Erst zum Ende hin, als Bastian in den letzten Abschnitt seines Abenteuers eintritt, wurde es wieder besser. Der Schreibstil blieb der Gleiche, aber die Geschichte schmeckte nicht mehr so schwer und wurde durch kindliches Denken entwirrt und entschleunigt.

    Der Ausgang des Ganzen, der Wandel, den Bastian durchlebt, die Moral, die der Autor mit eingebaut hat, all das sind wirklich schöne Monumente für Vielleser. Für Fantasiebegeisterte. Für Geschichtenerzähler. Für klein und groß.

    Doch der Weg dorthin, durch die „Unendliche Geschichte“ und wieder zurück, war für mich nicht so phänomenal wie erhofft.


    Fazit:


    Eigentlich ist „Die Unendliche Geschichte“ das perfekte Buch für Buchliebhaber und Menschen, die gern und oft ihre Fantasie benutzen.

    Es erzählt von Abenteuern, von Rätseln, von fernen Welten in denen alles möglich ist und in denen doch alle gleich sind. Es beflügelt und fördert, es hilft und tröstet und ist, wie der Name schon sagt: gefühlt unendlich.

    Unendlich wertvoll für die Welt der Träumer, Denker, Kinder und Narren.

    Mir persönlich hat einzig und allein der Schreibstil ein paar Schwierigkeiten bereitet und die Entwicklung Bastians hat mir ebenfalls Bauchschmerzen beschert, aber das muss jeder selbst beurteilen. Eine Leseempfehlung kann ich auf jeden Fall geben!


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

    I am Unicorn (Einhorn wider Willen) - Dominik A. Meier


    Selfpublishing

    328 Seiten

    Komödie/Parodie

    Einzelband

    07. Dezember 2018


    Inhalt:


    Alissa Neumann hat ein Problem. Sie verwandelt sich fast jede Nacht in den glitzernden Traum kleiner Kinder: Ein Einhorn.

    Mal ganz davon abgesehen, dass sie mit ihrem Zustand alles andere als glücklich ist, bringen ihre Verwandlungen auch jede Menge Probleme mit sich. So muss sie nicht nur eine geplante Weltreise ausfallen lassen, sondern hat auch mit den Tücken des Alltags zu kämpfen und muss letzten Endes sogar als Geburtstagsgeschenk für ihre Cousine Lina herhalten.

    Beim Versuch, mit ihrem gehörnten zweiten Ich klarzukommen und gleichzeitig eine Heilung für ihren Zustand zu finden, gerät sie in immer kuriosere und wahnwitzigere Situationen. Und als sie schließlich erfährt, was hinter ihren Verwandlungen steckt, nimmt das Chaos endgültig seinen Lauf.


    Meinung:


    Spontan würde ich „I am Unicorn“ jetzt unter „ganz nett“ verbuchen.

    Es lässt mich nicht mit einem unendlichen Glücksgefühl zurück oder verursacht mir dieses Kribbeln im Magen, das ich nach manchen humoristisch angehauchten Büchern oftmals habe, sondern ist einfach nur eine süße Geschichte für zwischendurch.


    Alissa ist unsere Hauptperson, die Story dreht sich um sie und ihr Leben als Wereinhorn. In der personellen Erzählperspektive berichtet uns der Autor von ihren Problemen, Lügen und Situationen, in die sie gerät.

    Ich gebe zu, dass ich mich stellenweise echt gekringelt habe vor Lachen - das Lesen aber trotzdem irgendwie anstrengend war und ich kann nicht mal sagen woran das genau lag, denn der Schreibstil liest sich gut.

    Alissa hatte eigentlich große Pläne für ihre Zukunft: Eine Weltreise, dutzende Orte sehen und danach ein Studium mit ihrer besten Freundin Sandra. Doch seit sie sich immer mal wieder in den Traum jedes kleinen Mädchens auf zwei Beinen verwandelt, ist da nicht mehr viel mit weggehen und sich in der Öffentlichkeit bewegen. Zumal sie weder den Auslöser kennt, noch einen Sinn dahinter sieht, geschweige denn die Kontrolle über ihr inneres Einhorn behält.


    Die Protagonisten sind ganz süß erdacht, leider mangelte es ihnen in meinen Augen etwas an Tiefe.

    Das mag zum Einen an der leidigen Perspektive liegen, zum Anderen daran, dass sich fast alles nur um Alissa und ihre Sorgen drehte. Was das anging, war das ein wenig overloaded.

    Alissa ist eine recht interessante Persönlichkeit, sehr emotional, sie steigert sich binnen Sekunden in Dinge hinein - sei es nun eine Schwärmerei oder das Nachdenken darüber, was in ihrem Leben so schief gelaufen ist.

    Jetzt, wo ich so darüber schreibe, war es, glaube ich, diese extreme Sprunghaftigkeit, ihr niemals „festes“ Wesen, was sich so anstrengend hat lesen lassen. Unausgeglichen und ein wenig labil, wenn man so sagen darf.

    Wie ein kleiner Vulkan, bei dem man nie weiß, was da gleich kommt.

    Auf der anderen Seite zeigte sich Alissa allerdings äußerst loyal und als große Träumerin, ein Freigeist, was mir wiederum sehr gefiel. Ihr schwieriger Charakter hat mich also zweigespalten.


    Die Story an sich hatte auch so ihre Tücken.

    Grundlegend finde ich die Idee, dass man sich in der heutigen, modernen Welt in Glitzer pupsende und nach Zuckerwatte riechende, Regenbögen kotzende Einhörner verwandelt, erstmal ganz cool. Sowas gab es noch nicht, zumindest habe ich nicht davon gelesen. Einfach vorzustellen, weil die Industrie sich ja mittlerweile sehr darauf eingeschossen hat.

    Dass der Leser zu Beginn mit Alissa gemeinsam das Chaos bekämpft, das ihre Verwandlungen hinterlassen, hat mir gut gefallen. Dass man sich mit Sandra und ihr versucht ein relativ „normales“ Leben aufzubauen, auch.

    Dann wird es jedoch etwas kurios, als man anfängt der Frage nach dem „Warum“ auf den Grund zu gehen.


    Hach, ich würde gern sagen, dass das bombastische Gründe sind, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Ich würde echt gern ausflippen vor Freude, weil das so abstrus kurios ist, dass es schon wieder genial ist. Geht aber leider nicht, weil ich mir für den Auslöser einer kleinen, menschlichen Einhornepedemie wirklich etwas Spektakuläreres vorgestellt hatte, etwas Aufregenderes als das, was ich bekommen habe. Die Lösung des Problem bzw. der Frage war in meinen Augen wie schon gesagt nur ganz nett, nicht überwältigend, aber auch nicht schlecht.


    Es juckt mich echt in den Fingern abschließend noch irgendwas Positives zu sagen, aber aaaaargh, selbst das Ende wirkte leicht erzwungen. Der Autor hat zwischenzeitlich immer mal wieder versucht die urbane, einhornmäßige Atmosphäre durch kleine Spannungskurven aufzulockern, geschafft hat das aber schlussendlich viel eher der recht humorvolle, verbale Schlagabtausch unter den Protagonisten.

    Das Einzige, was die Sache für mich noch abgerundet hätte, wäre die Einführung eines persönlichen Rent-a-Unicorn Service gewesen.


    Fazit:


    „I am Unicorn“ ist definitiv was für Liebhaber von „Einhornsen“ - um es mal mit den Worten der kleinen Lina zu sagen.

    Dieser ständige Wechsel von Gestalt und Persönlichkeit hat mir zwar zugesagt, war aber auf Dauer echt anstrengend zu lesen, obwohl der Humor da hin und wieder Lücken reißt und das Herz erleichtert.

    Die Umsetzung der Wereinhörner ist nicht so gut angekommen, wie ich mir das erhofft hatte, die Idee dafür umso mehr.


    Entweder man mag es ein Einhorn wider Willen zu sein oder eben nicht.

    Ich bin eher so die Fraktion dazwischen. Bin unentschlossen.

    Wie das Buch. Das hat sich, glaube ich, auch noch nicht entschieden, ob es frech und witzig sein will oder lieber spannend und die Mischung, die daraus entsteht ist zwar unterhaltsam, für mehr reicht es leider nicht.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️ (3/5)

    Die Grimm Chroniken 11 (Träume aus Gold und Stroh) - Maya Shepherd


    Sternensand Verlag

    Fantasy/Märchenadaption

    194 Seiten

    Band 11

    01. März 2019


    Inhalt:


    In Träumen ist nichts unmöglich:

    Tote können wieder ein Teil unseres Lebens sein, wir erreichen die Ziele, von denen wir nicht einmal zu hoffen wagen, und wir sind mit den Menschen zusammen, nach denen wir uns sonst nur aus der Ferne sehnen.
    Ich bin in der Lage, Träume zu schenken.
    Meine Begabung hat sich herumgesprochen und dadurch wurde die böse Königin auf meine Familie aufmerksam. Sie nennt mich Rapunzel. Manchmal frage ich mich, ob es nicht eher ein Fluch ist, anders zu sein.


    Meinung:


    Die 11te Folge der Grimm Chroniken und nur noch zwei Folgen bis zum großen Finale.

    Diese Fortsetzung ist auch wieder genau nach meinem Geschmack, denn in Träume aus Gold und Stroh geht es ausnahmsweise mal nicht um Königin Mary oder Margery, sonder um die Gestalten der Realität.

    Also um Joe, der im Jahr 2012 in Berlin zurückgeblieben ist und sich jetzt auf die Suche nach jemandem macht, der seiner Schwester helfen kann. Es war irgendwie wie ein kleines Durchatmen, eine Pause von der spannenden Vergangenheit. Was nicht heißt, dass die „Gegenwart“ weniger spannend war.


    Man begleitet aber nicht nur Joe auf seiner Reise, sondern erfährt auch endlich das große Geheimnis rund um die Erdenmutter und Rumpelstein. Ich bin immer wieder unendlich verblüfft darüber wie viele verschiedene Fäden die Autorin spinnt und zusammenlaufen lässt. Die Grimm Chroniken sind allgemein gesagt so facettenreich wie ich es noch nie zuvor irgendwo gelesen habe. Und das ganz ohne chaotisch zu wirken. Alles fügt sich und ich liebe es.

    Eine riesen große Welt in der sich Märchen an Märchen reiht.

    Diesmal mit dabei sind „Des Kaisers neue Kleider“, „Peter Pan“, „Rapunzel“ und so viele mehr.

    Wirklich unglaublich wie das verarbeitet wurde.


    Natürlich trifft man auch alte Bekannte wieder. Embers Geschichte wird weitererzählt, der Teufel hat eine kleine Nebenrolle und ein neues Gesicht sorgt für einige Furore in der Realität.

    Im Gegensatz zu den Vorgängern ist die Atmosphäre angenehmer, weniger blutig, es geht mehr um das Lösen des Rätsels der Vergessenen Sieben und das Finden einer Lösung für Margerys bevorstehenden Geburts- und Todestag.

    Ich habe jede der Zeiten wieder genossen, sowohl die um 1812, als auch die im Jahr 2012 und möchte nun natürlich eine Antwort auf die am Ende gestellte Frage: Warum setzte sich die Geschichte erst zweihundert Jahre später fort?


    Fazit:


    „Träume aus Gold und Stroh“ kann zwar nicht mit meinen Lieblingsfolgen konkurrieren, ist es atmosphärisch doch ruhiger und ja, tatsächlich träumerischer. Aber mir gefällt es, dass auch die Nebenfiguren nun eine bedeutungsschwere Vergangenheit bekommen und aufgeschlüsselt werden.

    Engelland und die Realität sind so miteinander verwoben wie ich es nicht für möglich gehalten hätte und würde es nicht schon ein gesplittetes Herz in der Geschichte geben - meins könnte bei so vielen tollen Charakteren definitiv auch für ein paar Splitter herhalten.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

    Einer wird sterben - Wiebke Lorenz


    Fischer Scherz

    352 Seiten

    Psychothriller

    Einzelband

    27. Februar 2019


    Inhalt:


    Sie ist allein im Haus. Allein mit ihrer Angst.

    Sie kann mit niemandem sprechen. Nicht einmal mit ihrem Mann.

    Was wissen die Leute im Auto?

    Und vor allem, was werden sie tun?

    Eines Morgens steht es plötzlich da. Das schwarze Auto.

    Mitten in der ruhigen Blumenstraße in einem gehobenen Wohnviertel.

    Darin ein Mann und eine Frau, die reglos dasitzen.

    Stundenlang, tagelang.


    Nach und nach macht diese stumme Provokation die Anwohner nervös.

    Allen voran Stella Johannsen, die sich immer und immer wieder die eine Frage stellt:

    Was wissen sie? Über die schreckliche Nacht vor sechs Jahren, als Stella und ihr Mann Paul einen schweren Unfall hatten.

    Einen Unfall, bei dem ein Mensch starb.

    Sind sie deswegen hier? Was werden sie tun?

    Und wie viel Zeit bleibt Stella noch?


    Meinung:


    Also zuallerallererst muss ich sagen: Alleine schon dieser Klappentext hat mich soooo heiß gemacht auf dieses Buch, dass ich extrem hohe Erwartungen hatte.

    Was mich dann aber noch viel mehr geflasht hat, wo ich Gänsehaut bekommen habe und das direkt am Anfang: Der Prolog. Was für ein wahnsinns Einstieg.

    Ich kann das gar nicht in Worte fassen. Nur zwei Seiten, in der Ich Perspektive verfasst, die mich richtiggehend gefesselt haben. Schsch, schweig still mein Herz.

    Hat mich direkt an diesen einen Song erinnert und eine Art Stalkerfeeling hervorgerufen.


    Die Ernüchterung folgte direkt auf Fuß. Der Prolog war ein Anfüttern, ein Heiß-machen auf die Story, die da folgte. Leider in der personellen Erzählperspektive, die den Leser ein wenig auf Distanz hielt, aber das war erstmal nur Nebensache.

    Wie das halt bei Thrillern ist, wird man langsam an die Geschichte herangeführt.

    Es gibt auch Thriller, die direkt rasant starten, aber nicht so bei „Einer wird sterben“ - hier lag der Fokus mehr darauf, dass die Atmosphäre gut ankam.


    Stella Johannsen führt von außen betrachtet ein relativ glückliches Leben, mal abgesehen von der Tatsache, dass sie ihren Traumberuf aufgrund eines Unfalls nicht mehr ausüben kann.

    Sie hat einen Mann, der zwar viel unterwegs ist, sie aber abgöttisch liebt. Sie wohnt in einer schicken Gegend, zwar mit seltsamen Nachbarn - aber wer hat die nicht?

    Es gibt keine Geldsorgen und auch ihr Kater ist immer da, wenn ihr Mann in der Luft ist.

    Und obwohl sie wusste, worauf sie sich bei der Hochzeit einlässt, zieht der Adler der Einsamkeit seine Kreise immer enger. Ein großes Haus, ein traumatisches Erlebnis, kaum Freunde - Stella fühlt sich mehr und mehr wie eine Fremde in ihrem eigenen Leben.

    Als dann auch noch an einem bedeutungsschweren Tag ein Auto in ihrer Straße parkt und sich weder Insassen noch Karosse lange Zeit vom Fleck bewegen, fängt sie an paranoid zu werden.


    Ich gestehe, ich wusste ehrlich nicht worauf das hinauslaufen könnte.

    Man begleitet Stella bei ihren täglichen Aufgaben, zum Therapeuten, zu den Nachbarn und versinkt immer tiefer in ihrem Gedankenkarussell.

    Man erfährt schon relativ früh, welch tiefe Schuld auf Stellas Gewissen lastet, was an ihr und ihrem Mann nagt und weshalb sie eigentlich relativ abgeschieden leben.

    Natürlich dachte ich, dass das schon alles war.

    Das Buch hat mich diesbezüglich also an der Nase herum geführt, was eindeutig ein Pluspunkt ist.


    Aber trotzdem war da irgendwie ein Aufhänger, etwas das mich zum Schluss gehemmt hat, ganz in der Geschichte aufzugehen. Ich fand den Verlauf echt super, dennoch gab es zwischenzeitlich Dinge, Gespräche, Gefühlsausbrüche von Stella, die mich haben stocken lassen und wo ich etwas aus dem Lesefluss rausgerutscht bin.

    Das wird sich bei euch aber beim Lesen zeigen, das kann ich jetzt hier nicht näher ausführen.

    Spannend waren Stellas Ups und Downs definitiv.

    Dieses schleichende Gefühl, dass dich jemand beobachtet.

    Dass jemand Dinge über dich weiß, die dir zum Verhängnis werden könnten.

    Dass deine Vergangenheit auf leisen Sohlen ankommt, nur um dann ruckartig über dich herzufallen. Diese Paranoia hat auch mich gepackt und ich habe bis zum Ende mitgerätselt und wollte wissen: War es der unheimliche Nachbar?

    Der skurrile Nachbarsjunge? Was verbirgt das Prunk und Protz Paar von nebenan?

    Und vor allem: Wann kommt mein Mann endlich heim, um mich zu unterstützen in meinem Wahn?


    Einzig die Auflösung des Ganzen fand ich leicht unbefriedigend.

    Es kam überraschend, keine Frage, aber war mir doch etwas zu schnell abgewickelt.

    Da hätte ich mir ein bisschen mehr Emotionen gewünscht, so wie den Prolog zu Beginn.

    Das wäre bombastisch gewesen.


    Fazit:


    „Einer wird sterben“ ist eine interessante Thrillerumsetzung, die ohne viel Gewalt und Action auskommt und sich vielmehr auf die Psyche konzentriert.

    Stellas Leben ist auch so schon eher ruhig und gesittet und mitzuerleben, wie ein einziges Paar in einem Auto, eine Lawine an Verfolgungswahn und Chaos lostritt, war einfach aufregend.

    Die Autorin spielt ganz gut mit den Gefühlen der Leser, trotz der Anfangsdistanz und der Plottwist ist wunderbar durchdacht.

    Es ist jetzt nicht so, dass ich an den Seiten klebte, aber spannend ist die Story allemal.

    Ein Thriller mit kleinen Stolpersteinen, aber hohem Unterhaltungsfaktor.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)