Wahl der besten Bücher im BücherTreff

Beiträge von SiriNYC

    taliesin: Ja, ich denke, ich weiß, was Du meinst. Ich lese seit einigen Wochen „Die Göttliche Komödie“ und dabei wurde mir auch wieder klar, wie sehr die Erlebnisse, Erfahrungen bzw. Erinnerungen und damit die Geschichte/n unserer Vorväter die Kultur bis heute speisen.

    So bin ich dort gestern im „Fünfzehnten Gesang“ dem guten alten Fuchur begegnet, wie er Atreju aus den Sümpfen der Traurigkeit rettet :shock::wink:.


    Edit: Natürlich muss es weiter oben „neuer Wein in alten Schläuchen“ heißen.

    "A clockwerk orange" kenne ich nicht. Dystopien und Sci Fi sind fremde Genre für mich.

    Ich erinnere mich, dass Du zu der ersten Geschichte sagtest: „Doch nur Wein in alten Schläuchen ?“. So geht es mir momentan mit dieser.


    Alles, was ich mir an Deutungsmöglichkeiten aufgeschrieben habe, läuft auf die o.a. klassischen Dystopien heraus.

    Allerdings muss ich zugeben, dass ich „A clockwerk orange“ am Samstag erst zu Ende gelesen habe. Vielleicht bin ich zu sehr davon beeinflusst.


    Ich warte mal ab, welche Ideen von Euch kommen. Die Spinne von taliesin geht ja schon etwas in eine andere Richtung.

    Es sieht so aus, als ob Saunders hier bewusst Motive aus verschiedene Dystopien benutzt.


    An „1984“ musste ich auch spontan denken.


    Außerdem an „A clockwerk orange“, wo der Verbrecher Alex durch Manipulation/medizinische Versuche seitens der Regierung nicht mehr in der Lage ist, Gewalt auszuüben, sondern sich stattdessen von anderen verletzen lässt, ohne sich zu wehren. Auch er hat ein Medikament bekommen und musste sich schreckliche Dinge ansehen.


    Das Gefängnis befindet sich zudem in einer Art spinnenförmigen Gebäude(?), das in mir Assoziationen zu Raumschiffen weckt (z.B. Lems „Solaris“).

    Ich hätte es nicht gedacht, aber nach der Hälfte der Lektüre, würde ich behaupten, dass dies ein 4,5 - bis 5 - Sterne - Buch wird.


    Die Bedenken, dass die benutzte Jugendsprache den Lesefluss hemmt, haben sich recht schnell zerstreut. Im Gegenteil, sie gibt der Geschichte einen besonderen Rhythmus.


    Und sorgt für Distanz zu den Gewaltszenen. Vor einigen Jahren hätte ich übrigens gesagt, dass Buch ist sehr gewalttätig. Inzwischen würde ich behaupten, dass es einen „geübten“ Thriller-Leser auch nicht mehr besonders schocken kann. So ändern sich die Zeiten (hierzu gab es mal einen sehr interessanten Thread von Sylli: Link)...


    Mal schauen, was ich berichten kann, wenn ich es fertig gelesen habe.

    Zitat von drawe

    sondern wir sehen plötzlich ihre Grausamkeit, ihre Mitleidlosigkeit.

    Zitat von Marie

    Für Callie habe ich mehr Verständnis.

    Zitat von tom leo

    Ich finde dahingegen eine gewiße Ärmlichkeit bei Carrie irgendwie verständlicher und bewohnter von einem echten Willen zu lieben? Oder nicht?


    Ich beginne gerade, Marie mehr Verständnis entgegen zu bringen.


    Zitat von Mojoh

    Manchmal frage ich mich in der Erziehung auch, wo genau ziehst du jetzt die Grenze, welche Auseinandersetzung verspricht einen erfolgreichen Lernzuwachs und wo zeige ich meinem Kind einfach nur, dass ich mich nicht provozieren lasse und erziele genau dadurch ein Nachdenken. Natürlich nicht in so extremen Situationen wie der Ohrfeige - da wäre bestimmt früher schon eine Notbremse angesprungen - Computer aus und zur Rede gestellt - aber das Prozedere in kleiner gibt es sicherlich in jeder Familie.

    Genau. Unsere Marie zog einen Vergleich mit Callies Situaton, aber ich hätte jetzt die meisten (Durchschnitts-)familien inkl.der eigenen eher mit Marie verglichen. Diese größeren oder kleineren Auseinandersetzungen; Familienmitglieder, die von der Arbeit nach Hause kommen und nur noch ein „Ho ho!“ herausbringen; Wünsche wie PC -Spiele oder Haustiere, usw.


    Marie versucht dieses Mittelschichts-Durchschnittsleben beinahe zwanghaft durchzusetzen, weil sie sich selbst und ihrer Vergangenheit beweisen will, dass sie raus ist aus dem alten Milieu, dass sie es besser hinbekommt als ihr Eltern. Nicht, weil sie grausam ist, finde ich, sondern weil sie Angst hat, es nicht zu schaffen.


    Zitat von drawe

    Und Marie, die Reklame-Zahnpasta-Vorzeigemutter, ist indirekt grausam, wenn sie den Welpen ablehnt. Sie lehnt ihn ab, weil sie "zu einer solchen Situation nicht das Geringste beitragen" (S. 47) will. Was heißt das? Sie will nicht helfend eingreifen, und ich habe die Vorstellung, dass sie sehr wohl weiß, dass damit der Welpe keine Lebenschancen mehr hat.

    Ich glaube nicht, dass sie in dem Moment noch an den Welpen dachte. Ihr ist die Situation von Anfang an unangenehm. Ich habe versucht, mich ihn sie hinein zu versetzen. Wenn ich diesen Jungen im Garten angeleint gesehen hätte (inkl. Wassernapf - auch er ein Welpe), muss das doch einen Schock auslösen. Ich glaube, Marie will aus dieser Gesamtsituation raus, komplett aus solch einem Leben herausgehalten werden, nicht damit verbunden sein, auch nicht durch einen geschenkten Hund.

    Ich frage mich, ob ich anders reagiert hätte?

    freddoho : Manchmal ist es einfach nicht die richtige Lektüre. Vielleicht bald mal in einer anderen MLR:winken:.


    Zitat von Conor

    Ich habe spaßeshalber mal "Mais als Symbol" gegoogelt und Mais hat tatsächlich eine Bedeutung in der Traumanalyse


    Ich musste bei den ersten Sätzen direkt an Stephen King denken. Von ihm gibt es eine Kurzgeschichte „Kinder des Mais“, in der Kinder Erwachsene in ein Maisfeld locken und dort umbringen.


    Schön, übrigens, Dich zu lesen, Conor .

    Zitat von drawe

    Ich sehe es aber eher als ein Nebeneinanderstellen der beiden Mütter und wir dürfen entscheiden, welche grausamer ist.

    Oder anders ausgedrückt:

    Wir dürfen entscheiden, welche ihre Kinder mehr liebt?

    Makaber, der Gedanke, aber davon sind beide überzeugt.


    Marie, u.a. weil sie gemeinsam lachen, weil sie ihrem Jungen das schräge Brot-PC-Spiel gekauft hat, mit dem sie sich selbst auskennt (Zitat Marie S.40: „Diese Kinder wurden nicht verzogen. Diese Kinder wurden richtig geliebt.“).


    Oder Callie, weil sie ihrem Jungen, den sie anscheinend nicht im Zaum halten kann, einen Tag im Freien „ermöglicht“ (Zitat Callie S.50: „Wer liebte ihn mehr als irgendwie sonst auf der Welt? Sie. Sie war das.“).

    77. Ein Buch eines italienischen Autors


    Dieses Buch war in den frühen 90ern auf den Beststeller - Listen.


    Inhalt laut „wasliestdu.de“:

    Lara Cardella beschreibt exemplarisch den sizilianischen Macho und die Ausbeutung und Unterdrückung der (sizilianischen) Frau. Sie zeichnet die archaischen und derben Bräuche ihrer Heimat nach - und kam dadurch in große Schwierigkeiten: Ihrem Vater, Versicherungsvertreter, blieben plötzlich die Kunden weg; die Mutter, Stationsschwester in einem Krankenhaus, mußte sich von ihrer Stelle beurlauben lassen, die jüngere Schwester die Schule wechseln. Sogar der Bürgermeister ihrer Heimatstadt Licata trat zurück.

    Heute morgen wurde ich an „Das kalte Herz“ erinnert, die Geschichte über den Holländer-Michel. Ich hatte als Kind eine Schallplatte von Europa, die kann man sogar bei YouTube anhören: Link.

    Auch, wenn ich den Sprecher Hans Paetsch (hier spricht er) lieber mochte, ist mir die Geschichte in Erinnerung geblieben.