Bücherwichteln im BücherTreff

Beiträge von Aleshanee

    Die Fortsetzung zu "Die Spur der Bücher"

    Eine intensive magische Atmosphäre und atemlose Spannung - großartiges Finale!


    Klappentext


    Londons Straße der Buchhändler – Labyrinthe aus Regalen, Läden voller Geschichten auf vergilbtem Papier. Mercy Amberdale führt hier das Antiquariat ihres Stiefvaters und praktiziert die Magie der Bücher.


    Als man sie zwingt, das letzte Kapitel des verschollenen Flaschenpostbuchs an den undurchsichtigen Mister Sedgwick zu übermitteln, gerät das Reich der Bibliomantik aus den Fugen. Vergiftete Bücher und nächtliche Rituale, ein magisches Luftschiff und ein mysteriöser Marquis reißen Mercy in einen Strudel tödlicher Intrigen. Denn wer alle Kapitel des Flaschenpostbuchs vereint, kann die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion niederreißen. Wenn Mercy ihre Gegner nicht aufhält, droht ihrer Welt der Untergang – und die Invasion der Antagonisten.


    Meine Meinung


    "In der Straße der Buchhandlungen, einer schmalen Schlucht aus Schaufenstern, hinter denen die Wunder aller Welten auf Entdecker warteten, drang der Duft von Papier bei Tag und Nacht unter den Türen hervor." Erster Satz


    Schon den ersten Satz kann man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn er stimmt wunderschön ein auf diese magische Welt der Bibliomantik, der Magie der Bücher an sich und den Zauber, den Kai Meyer hier wieder mit einer wunderbaren Atmosphäre entstehen lässt.


    Die Fortsetzung setzt eine Weile nach den Ereignissen aus "Die Spur der Bücher" ein und während sich in der ersten Hälfte alles entwickelt viele Entscheidungen anfallen, zieht in der zweiten Hälfte das Tempo an und die Spannung wird immer wieder gesteigert.

    Die Sichtweisen wechseln sich ab, was auch gut so ist, denn obwohl sich scheinbar der Aufruhr gelegt hat, gibt es im Hintergrund natürlich immer jemanden, der nach mehr Macht strebt und der versucht, die Figuren nach seiner Melodie tanzen zu lassen.


    Mercy Amberdale hat kaum eine Chance, sich dem zu entziehen - sie muss harte Entscheidungen treffen und wieder stehen Menschenleben auf dem Spiel. Aber auch Cedric de Astarac, gefangen in seiner Verpflichtung gegenüber der Adamistischen Akademie, muss einen Weg wählen, den er mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

    Ich mag die beiden wie auch die anderen Figuren sehr gerne. Der Fokus liegt aber hier eher auf der Handlung, den Intrigen und Verwicklungen, den Abenteuern und der Magie der Geschichten und hier beweist der Autor wieder seine unerschöpfliche Quelle an Ideen. In anderen Rezensionen hab ich gelesen dass es zuviel war, zuviel Action, zuviel Gewalt, aber das hab ich gar nicht so empfunden. Es war ein gutes Gleichgewicht zwischen dieser berührenden, faszinierenden Ausstrahlung, die wohl jeder Leser in einem Raum voller Bücher empfindet. Ich kann das nicht in Worte in fassen, denn schon das Gefühl alleine ist schwer zu beschreiben, aber hier durchzieht diese Stimmung jede Zeile und jedes Kapitel.


    Dazu kommen die vielen genialen Erfindungen wie die bibliomantische Lupe, mit der man die Intentionen des Autors herausfinden kann, die bibliomantischen Seidenhandschuhe, mit denen man jeden Inhalt jedes Buches verinnerlicht, das man jemals gelesen hat oder die riesigen Refugien, geheime Orte geschaffen mit Buchmagie, die nur Auserwählte betreten dürfen. Das ist nur eine Auswahl aber zeigt sehr schön, mit wie viel Liebe zum Detail die Buchwelt zum Leben erwacht.

    Auch das Flaschenpostbuch spielt eine wichtige Rolle - der Comissioner Sedgwick hatte im ersten Band schon nach den Kapiteln gesucht und Mercy soll ihm nun endlich auch das letzte besorgen. Welches Geheimnis sich dahinter verbirgt und welches Experiment Sedgwick damit plant, könnte einigen zum Verhängnis werden und es kommt auch zu einem spannungsgeladenen Showdown.


    Eine kleine, aber wichtige Rolle hat auch ein Mitglied der Faerfax Familie. In "Die Seiten der Welt", der Trilogie die zu einer späteren Zeit spielt, lange nach diesen Ereignissen, steht diese Familie im Mittelpunkt und ich bin schon gespannt, welche Verbindungen es hier geben wird. Genauso wie die Anfänge der Auflehnung gegen die Adamitische Akademie beschrieben werden, die in der Zukunft entscheidend sind. Ich bin ja eine der wenigen - wahrscheinlich - die "Die Seiten der Welt" noch nicht kennt, aber ich wollte erst die beiden Bände zur Vorgeschichte lesen. Und jetzt freu ich mich schon sehr auf die Trilogie und wie es in der Bibliomantischen Welt weitergeht.


    Mein Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Der junge Anwalt Arthur Kipps reist in eine gottverlassene Gegend, um den Nachlass einer verstorbenen Klientin zu ordnen. In dem Haus mitten im Moor stößt er auf lang gehütete Geheimnisse und begegnet immer wieder einer mysteriösen Frau in Schwarz. Als er dann auch noch geheimnisvolle Stimmen hört, ahnt er, dass er einem grauenvollen Geschehen auf der Spur ist...


    Wurde 2012 unter der Regie von James Watkins verfilmt - in der Hauptrolle als Arthur Kipps: Daniel Radcliffe


    Meine Meinung


    Das Buch ist eine der wenigen Ausnahmen, bei dem ich zuerst den Film gesehen habe - darüber wurde ich überhaupt erst auf die Geschichte aufmerksam. Und wenn es Buch und Film gibt, mag ich mir gerne von beidem einen persönlichen Eindruck machen.

    Der Film hatte mir wirklich gut gefallen, auch wenn es mir immer noch schwer fällt, Daniel Radcliffe in einer anderen Rolle zu sehen als Harry Potter - aber da werden wir uns schon noch dran gewöhnen!


    Das Buch hat eine sehr ruhige, fast schon trostlose Atmosphäre. Dabei fängt es mit einem sehr vergnüglichen Anlass an, dem Heiligabend für Arhur Kipps, zusammen mit seiner zweiten Frau und deren erwachsenen Kindern. Deren Tradition, sich in dieser besonderen Nacht Geistergeschichten zu erzählen, entflieht Arthur recht schnell und die ersten Andeutungen steigen auf, dass es in seiner Vergangenheit ein grauenvolles Erlebnis gab, das er bis heute nicht wirklich verarbeiten konnte.

    Demzufolge erzählt er dann, wenn auch nur schriftlich um sich davon zu befreien, die Ereignisse, die er damals, als 24jähriger Gehilfe einer Anwaltskanzlei in London, erfahren musste.


    Es wirkt ein bisschen wie ein Monolog, weil Arthur Kipps zu einer verstorbenen Klientin in eine sehr abgelegene Ortschaft muss und sich die Gesellschaft oder Gespräche auf sehr wenige Anwohner beschränken. Die Stimmung nimmt aber an Intensität zu, je mehr er sich mit den Hinterlassenschaften der Dame kümmern muss und bringt dabei ein grauenvolles Schicksal zu Tage.


    Ich hätte mir (mal wieder) etwas mehr Grusel gewünscht - irgendwie scheine ich da bei den meisten Horrorgeschichten nicht so wirklich anzuspringen, denn obwohl viele Details dazu beitragen, die unheimliche Atmosphäre zu unterstreichen, geht auch mit zu vielen Details über Nebensächlichkeiten verloren.

    Vor allem da es insgesamt mit 200 Seiten ja eh nicht so lang ist, hätte man da ruhig noch etwas mehr Nervenkitzel herausholen können, indem man noch mehr schauerliche Momente einbaut oder es eher auf eine Kurzgeschichte reduziert. Trotzdem ist es für einen stürmischen Abend eine passende Unterhaltung.


    Fazit: 3.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Klappentext


    Das älteste Spiel der Welt ist das Spiel um deine Seele ...


    1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …


    Meine Meinung


    Natürlich kenne ich "Faust", also irgendwie, zumindest hab ich davon gehört - leider hab ich es nie gelesen oder als Aufführung gesehen - deshalb weiß ich an sich nur, dass es um das Schicksal eines Mannes geht, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat.

    Aus dem Grund kann ich auch nicht genau sagen, inwieweit hier der Autor Parallelen gezogen hat, aber was ich sagen kann ist: die Geschichte ist grandios umgesetzt und hat eine große Spannbreite an Gefühlen, Spannung und Dramatik, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat!


    Es beginnt mit dem 8jährigen Johann Georg Gerlach, von seiner Mutter liebevoll "Faustus" (der Glückliche) genannt, weil er scheinbar an einem ganz besonderen Tag geboren wurde. So richtig glücklich ist der junge Faustus allerdings nicht, denn auch wenn versucht, das beste aus seiner Situation zu machen, bedrückt ihn die Krankheit seiner Mutter und die ständigen Erniedrigungen seines Vaters und seiner älteren Brüder sehr. Einzig Margarethe, seine Spielgefährtin und beste Freundin, lässt ihn die Sorgen vergessen. Das ändert sich mit seiner ersten Begegnung mit dem Zauberer und Astrologen Tonio del Moravia, dessen Tricks und seine unheilvolle Aura in wie magisch in den Bann ziehen.

    Doch erst Jahre später schlägt das Schicksal mit einer Härte zu, die Johann aus seinem Leben reißt und zu einem umtriebigen, ständig Suchenden werden lässt, der den Verlockungen des Bösen kaum widerstehen kann.


    "Der Drang nach Wissen war stärker als die Freundschaft. Und so nahm das Schicksal - jener Fluch, von dem Johann gesprochen hatte, erneut seinen Lauf." Kap 22


    Oliver Pötzsch hat hier die damalige Zeit mit vielen authentischen Hintergründen und farbenprächtigen Details geschmückt, die das Leben und Wirken der Figuren echt und anschaulich miterleben lassen. Vor allem die Rolle der Gaukler, Scholasten und selbsternannten Zauberer wirkte sehr überzeugend; sie waren ja eine gern gesehene Unterbrechung des anstrengenden Alltags, mussten aber auch mit vielen Vorurteilen kämpfen, gerade was die Ansichten der Kirche anbelangt.

    Auch Johan Faustus geht hier auf einem schmalen Grad, denn sein unbändiger Drang nach Wissen macht ihn blind für das wahrhaft richtige und führt ihn zu Entscheidungen, die folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen.


    "Er hatte wirklich geglaubt, dass ein neues Zeitalter anbrechen würde - eigene Gedanken statt Dogmen, die Welt vom Menschen ausgedacht, und nicht von einem zornigen Gott, dessen verstaubte Regeln auf ewig festgeschrieben waren." Kap 28


    Der Pakt mit dem Teufel, Dämonen und Rituale, dieses Böse, dass sich in die Welt und die Herzen der Menschen schleicht ist hier wirklich großartig umgesetzt. Es gibt einige fast schon gruselige Szenen, aber interessanter fand ich vor allem auch die ständige unterschwellige Existenz und die ständigen Verführungen, denen Johan Faustus immer wieder unterliegt. Sich das Leben mit kleinen Lügen einfacher zu machen ist sicher jedem bekannt, aber durch das Bündnis, das er eingegangen ist, hat er mehr als jeder andere damit zu kämpfen. Er wird rastlos, hochfahrend und jähzornig und verliert dabei mehr und mehr sich selbst.

    Diese Entwicklung erstreckt sich über mehrere Jahre und ich habe mit ihm gebangt, mitgelitten, ihn mit Vorwürfen überhäuft und ihn doch ins Herz geschlossen. Überhaupt sind alle Figuren sehr greifbar und prägnant, egal ob sie eine wichtige oder nur eine Nebenrolle einnimmt.


    Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und an die historische Zeit angepasst - schön fand ich auch die Unterteilung der Kapitel in Akte. Während man mit Faustus quer durch Deutschland bis nach Italien reist, lernt man viel über die damaligen Umstände und Hintergründe. Bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte tauchen auf, Erfindungen der damaligen Zeit oder auch Orte, wie die Geburtsstätte des tatsächlichen Johan Georg Faust in Knittlingen, auf die der Autor tatsächlich zufällig gestoßen ist. Hier sollte man unbedingt das Nachwort lesen, denn hier gibt es einige Infos wie Oliver Pötzsch zum Thema des Buches kam, einen kleinen Reiseführer der Schauplätze und einige Zitate aus Goethes "Faust", die man aus dem Alltag sicher kennt.


    Ich bin absolut begeistert von der Geschichte die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Es gibt viel Abwechslung, außergewöhnliche Figuren, authentische Hintergründe, eine durchgehende Spannung und ein dramatisches Finale mit einigen Überraschungen und ich bin jetzt schon mega gespannt, wie die Reise des Faustus weitergeht. Band 2 erscheint ja im Herbst 2019 ;)


    Mein Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Am 1. Oktober erscheinen dann die Fortsetzungen, für die man sich entscheiden kann, drei parallele und eigenständige Geschichten: drei Türen, die sie öffnen können und jede von ihnen verbirgt eine

    Jetzt muss ich mal dumm fragen weil mich das doch interessiert.

    Diu schreibst es sind drei parallele und eigenständige Geschichten und hier sind sie in einer Reihenfolge von Band 1 bis 3 aufgelistet. Das verwirrt mich etwas.

    Ist es dann egal mit welchem Band man "weitermacht" oder muss man diese Reihenfolge wie sie hier genannt werden, dann auch einhalten ? Wer hat diese Reihenfolge überhaupt festgelegt ? Eigentlich gäbe es ja keine. ich hab nen Knoten im Gehirn, sorry :totlach:

    Ja, wie man das am besten listet ist natürlich etwas schwierig.


    Der Anfang ist "Der Beginn" und ist bei allen Geschichten gleich. Aber wie es weitergeht ist eben unterschiedlich. Bei jedem der drei Fortsetzungen geht die Geschichte anders weiter. Mit welchem man anfängt ist egal, da jede Fortsetzung eigentständig zu lesen ist.

    Die wundersame Welt des Jahrmarkts, dramatische Zeiten und eine Liebe, die auch die größte Dunkelheit erhellt …


    Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten und in der auch er einen Platz haben will. Zusammen mit den Schaustellern begibt sich Mathis auf eine außergewöhnliche Reise.


    Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt – einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf …


    Meine Meinung


    Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch nicht so ganz warm geworden bin. Woran das genau lag kann ich gar nicht so genau festmachen, denn die Autorin hat hier die damalige Zeit gerade aus der Sicht der Schausteller und Künstler wirklich sehr gut wiedergegeben. Man entdeckt bekannt Namen und unbekannte, die man sich aber durch Google leicht erklären lassen kann, alle aus der damaligen Zeit und alle in die willkürlichen Handlungen der Justiz und der "Mächtigen" involviert.

    Über die Jahrmärkte und Kuriositätenschauen hört man ja doch immer wieder mal etwas, über die Darstellung mysteriöser Schaubudenzauber, über das Präsentieren von körperlichen Behinderungen oder Anomalien, die zu dieser Zeit eine gewisse Sensationslust ausgelöst haben. Aber so richtig bekannt scheint nicht zu sein, wie es gerade diesen Menschen damals erging und die Idee, auch diese Seite ins Licht zu rücken, finde ich wirklich toll!

    Oftmals vergisst man dabei ja die menschliche Seite, denn jede der Personen hat genauso viele Hoffnungen und Sehnsüchte in sich getragen wie alle anderen. Sie haben ihr möglichstes aus ihrem Leben gemacht und doch wurden sie meist als "zweitrangig" angesehen.


    Die Autorin erwähnt im Nachwort, dass nicht alle Personen real waren und auch die Zeiten ihrer Erlebnisse teilweise an die Handlung angepasst worden ist. Im großen und ganzen wirkt es aber sehr gut recherchiert und man konnte sehr genau nachempfinden, welche schwerwiegenden Folgen diese Menschen zum tragen hatten. Über geschichtliche Hintergründe kann man hier jedenfalls noch einiges dazulernen, worüber man in sonstigen Büchern und Rückblicken kaum hört.


    Es gibt ja zwei Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden aus der Sicht von Mathis: zum einen wie er als Kind zum Jahrmarkt kam und zum anderen, wie er später mit seiner Gefährtin Meta am Rande Berlins gewohnt hat. Er ist es auch, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Buch gegen das Vergessen zu schreiben, denn das Verschwinden seiner Kollegen und Freunde hinterlässt bei ihm nicht nur Lücken, sondern ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Um diesem entgegen zu wirken versucht er deshalb, ihre Geschichten für die Nachwelt festzuhalten.

    Beides hatte seinen gewissen Reiz und Momente, die mir gut gefallen haben und die ich sehr unterhaltsam fand, aber oft auch etwas zähe Längen, über die ich lieber hinweg geblättert hätte. Mathis mochte ich eigentlich schon, auch wenn er mich gerade als Erwachsener durch seine Zurückhaltung oft etwas genervt hat und mit seiner Partnerin Meta konnte ich überhaupt nicht warm werden. Das lag nicht daran, dass sie unsympathisch waren oder nicht gut dargestellt wurden, ich hab einfach keinen Draht zu ihnen gefunden.

    Auch die anderen Figuren waren mir allesamt fremd bzw. blieben immer etwas auf Abstand, wodurch ich mich nicht so gut einfühlen konnte, wie es die Handlung eigentlich vorgesehen hatte.

    Vom Schreibstil her war es angenehm zu lesen und hatte teilweise auch wirklich schöne Passagen und Metaphern, die etwas bewegt haben - leider wurde das für mich durch die Handlung immer wieder ausgebremst, weil sie mich nicht so recht packen konnte. Das ernste Thema wird immer wieder durch eine kleine Prise Humor gewürzt, die erst recht verdeutlichen, wie hart der Überlebenskampf tatsächlich war.


    Ich kann das Buch wirklich schwer einschätzen, wie es anderen gefallen würde - ob ich es weiterempfehlen kann für Fans, die gerne mehr aus dieser Zeit erfahren - für mich war es eher ein gemischtes Vergnügen. Um sich einen Einblick zu verschaffen ist es aber auf jeden Fall lesenswert, denn gerade über die Artisten und Künstler aus dieser Zeit ist viel zu wenig bekannt und hält damit die Erinnerung aufrecht.


    Fazit: 3 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Großartige Fortsetzung! Die Geschichte ist wirklich der Hammer!!! Fantasyliebhaber sollten das unbedingt ausprobieren!


    Klappentext von Amazon


    James hat die Nase voll von Salkurning und allem, was dort Jagd auf ihn macht. Obwohl er beim Stern von Montagu Freunde gefunden hat, will er jetzt endlich nach Hause zurück und seine Zukunft wiederhaben. Um geldgierige Schlepper für den Rückweg bezahlen zu können, geht er auf Schatzsuche. Was er dabei findet, ist die Wahrheit über sich selbst.


    Realistische Fantasy, die besonders an der Entwicklung der Figuren interessiert ist; dazu eine Messerspitze Steampunk, eine Prise Romance, und das Ganze flambiert mit ein, zwei Tropfen Mystery.

    Meine Meinung


    Nachdem mich der erste Band schon so geflasht hatte waren meine Erwartungen wirklich hoch - und sie wurden noch übertroffen! Ich bin wirklich ein riesengroßer Fan dieser Geschichte geworden, die mich so völlig in ihren Bann ziehen kann! 890 Seiten scheinen lang und ich fühlte mich auch auf einem langen Weg - genauso wie die Protagonisten, und trotzdem sind sie viel zu schnell vorbei!


    Wir befinden uns hier in Salkurning, einer Art Parallelwelt, in die es James, Carmino, Pix und Kate verschlagen hat. Sie wollen wieder in unsere Welt zurück, doch das ist nicht so einfach, wie sie gehofft hatten. Selbst der pfiffige Erfinder Dorian Inglewing, der dem Rätsel schon länger auf der Spur ist, glaubt nicht an eine Rückkehr und die Geheimnisse von Ghist enthüllen zwar vieles, ohne ihnen jedoch wirklich weiterhelfen zu können.

    Die Gauklertruppe der Montagus, mit denen sie Richtung Winterlager in den Norden ziehen, ist mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen - wie überhaupt alle Figuren, die hier so spürbar beschrieben sind, dass ich sie immer ganz genau vor mir sehen und ihre Gedanken nachvollziehen konnte. Dabei entwickeln sie sich alle weiter, erkennen die tieferen Schichten in sich selbst und geben an manchen Stellen mehr preis, als man erwartet hätte.


    Anfangs hab ich einige Seiten gebraucht, um wieder reinzukommen - die Autorin schmeißt einen regelrecht ins Geschehen, das ziemlich nahtlos an den ersten Band anschließt. Aber genau dieses Gefühl, dieses mittendrin sein, hat man die ganze Zeit und die besondere Atmosphäre ist immer spürbar - ganz gleich, um welchen Anlass es sich handelt. Vor allem die Dialoge finde ich extrem gut gemacht, das wirkt nie aufgesetzt oder gestelzt, sondern wie man eben redet, in einer Gruppe, unter vier Augen oder auch im Zwigespräch mit sich selbst. Dieses "Echtheit" Gespür hab ich in solch einem Ausmaß selten in Büchern erlebt!


    Das Augenmerk liegt wirklich sehr auf den Figuren und für jeden entwickelt man eine ganz eigene Verbindung, ganz gleich ob es sich um einen Hauptprotagonisten oder um Nebendarsteller handelt: sie sind alle sorgfältig ausgearbeitet und so greifbar, das alles immer echt und lebendig wirkt. Auch wenn die Welt Salkurning eine ganz andere ist: natürlich ähnlich der unseren, aber doch so ihre Eigenheiten hat, fühlte ich mich durchweg komplett dorthin versetzt und konnte mir jeden Schauplatz, jede Szene direkt vorstellen.


    Unterschwellige Spannung ist auf allen Ebenen durchweg vorhanden, vor allem aber natürlich auch durch die drohende Erfüllung der Prophezeiung, eine Apokalypse, die das Ende der Welt immer näher bringt, und mit der James auf verworrene und höchst mysteriöse Weise verbunden ist. Hier erfährt man immer mehr was dahinter steckt und auch hier ein großes Kompliment, wie die komplexen Hintergründe auf anschauliche Weise verknüpft wurden!


    Trotz der detaillierten Entwicklung der Figuren erlebt man auch die Welt, ihre Bewohner, ihre Kulturen und ihre Hoffnungen hautnah mit und ich wollte gar nicht mehr auftauchen aus diesem düsteren und doch farbenfrohen Lebenswandel, den ich hier begleiten durfte. Auch der Schreibstil ist großartig - ich kann es gar nicht genau festmachen, aber er ist anspruchsvoll und sehr flüssig zu lesen gleichzeitig. Wieder mal ein perfekter Beweis, dass auch Selfpublisher auf hohem Niveau schreiben können und das auch über so viele Seiten lang halten!

    Ich bin einfach nur begeistert und werde den dritten und letzten Band bald lesen - die vielen Verwicklungen und Entwicklungen entfalten eine große innere Spannung, der man sich kaum entziehen kann!


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Verlagsinfo


    Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien - und deren totale Überwachung?


    Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet ...


    Meine Meinung


    Ich mag ja die Bücher von Andreas Eschbach immer sehr und mache können mich so richtig begeistern - und mit diesem hier ist ihm mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen!

    Es beginnt in Weimar im Jahr 1942. Die NSA ist an sich eine eher kleine, wenig beachtete Anlage im Deutschen Reich, die sich auf die Programmierung und Auswertung von Daten per Komputer spezialisiert hat. Ja, Komputer. Denn der Autor hat hier das Konstrukt gezeigt wie es hätte sein können, wenn es damals schon dieses Medium gegeben hätte. Und verbindet damit unsere aktuellen Bedenken der Datensammlung in Bezug auf die Auswirkungen, die das ganze in Kriegszeiten gegeben haben - und eben auch in Zukunft geben könnte!


    Denn natürlich kann man mit den Daten der Menschen eine Menge herausfinden und welche schlimmen Folgen das hat zeigt er gleich zu Beginn mit einem ganz einfachen Experiment.

    Danach geht es aber erstmal zurück in die Vergangenheit von Helene Bodenkamp. Sie wird später eine große Rolle spielen in der NSA als eigentlich "kleine" Programmstrickerin, denn die Programmierungen sind in dieser Zeit den Frauen vorbehalten - warum das so ist erklärt er übrigens sehr anschaulich und mit amüsanter Überzeugung.


    "Die Frau, deren naturgegebene Aufgabe die Sorge für die Familie ist, muss hierzu eine Vielzahl von sich immer wiederholenden Arbeiten verrichten, und je besser es ihr gelingt, diese in zweckdienlicher Weise zu organisieren, desto mehr erleichtert sie sich den Alltag.
    Daher ist jede Hausfrau und Familienmutter von Natur aus eine Programmierin, sie weiß es meist nur nicht, denn es ist nicht ein Komputer, den sie programmiert, vielmehr programmiert sie sich selbst."
    S. 157


    Ebenfalls zeigt er das Leben von Eugen Lettke, der auch eine wichtige Stellung im Nationalen Sicherheits-Amt haben wird und der Lebensweg von ihm sind machen sehr deutlich, wie sich in diesen Zeiten negative Auswirkungen entwickeln können.


    "Stärke war sein eigener Beweis und seine Rechtfertigung, denn stark war er, der sich nehmen konnte, was er begehrte, und es schaffte, der Welt seinen Willen aufzuzwingen ..." S. 106


    Diese beiden Gegensätze ergeben ein sehr gutes Bild von der mitfühlenden Helene, die sich immer wieder sträubt, den Judenhass zu unterstützen und dem machtbesessenen Eugen, der seinen Kontrolltrieb mit allen möglichen perfiden Mitteln auslebt. Sie stehen auch im Mittelpunkt der Geschichte, die natürlich auch den Aufstieg Hitlers und die vielen großen wie kleinen Konsequenzen aufzeigt, die damals den Lauf der Dinge beeinflusst haben.

    Es gibt viele bekannte Details im Rahmen von Namen, prägnanten Ereignissen und Erfindungen die man kennt und einen Bezug dazu schaffen; eben mit der Besonderheit der fortschrittlichen Technik, die er perfekt mit eingebaut hat. Wie eben die Komputer, Elektrobriefe (Emails), bewegliche Telephonie (Handys), Parolen (Passwörter) oder das Weltnetz (Internet).


    Die Sammlung von Daten und was damit gemacht wird und werden kann ist ja schon lange ein aktuelles Thema - und auf welche Ideen Eschbach hier kommt lassen einem wirklich die Haare zu Berge stehen vor allem wenn man daran denkt, dass diese Möglichkeiten mit Sicherheit schon irgendwo genutzt werden! Ich frage mich dann wirklich welche kranken Köpfe tatsächlich Gebrauch davon machen und den Menschen an sich auf diese Informationsquellen reduzieren, denn Helene hat hier eine ganz eigene, wichtige Einsicht dazu:


    "Wahrscheinlich, dachte sie, liegt es daran, dass man einen Menschen, egal, wie viele Daten man über ihn sammelt, doch niemals wirklich erfasst, sodass immer Unklarheiten und Widersprüche bleiben, ja, womöglich sogar erst durch den Umstand der Zergliederung in Daten entstehen." S. 364


    Man trifft ja tagtäglich unzählige Entscheidungen, die meist nur kleine Auswirkungen haben, manche aber dann plötzlich ungeahnte Dimensionen annehmen. Auch ein Punkt der hier sehr klar hinterfragt wird und die beiden Charaktere, wie auch die Nebenfiguren, sind sehr klar strukturiert aber auch in ihren Feinheiten sehr gut gezeichnet. Ängste, Hoffnungen, Ohnmacht und Tatendrang, das alles im Wechselspiel der Gefühle macht sehr deutlich, wie schwierig es oft ist, sich für "das Richtige" zu entscheiden.


    "Wenn es um wichtige Dinge geht, wählt man nicht , sondern man wählt die Option, die man für die bessere hält - und das Problem ist, dass man das meistens nicht weiß." S. 552


    Insgesamt war es immer flüssig zu lesen und es wechselte zwischen den Perspektiven von Helene und Eugen, so dass man beide Werdegänge und die Zusammenhänge sehr gut verfolgen konnte. Es entstand eine große Intensität zur Handlung und eine ununterbrochene Spannung ohne große Dramatik, aber mit einer fesselnden Anspannung, die mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat.


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Band 2 und Abschluss der Dilogie "Königreich der Wälder"


    Zum Inhalt


    Ein Monat ist vergangen, nachdem Tessa den Verrat an König Aodren verhindern konnte und beide haben Zeit gebraucht, um sich von den Ereignissen zu erholen. Doch der Friede währt nicht lange, denn Tessa entdeckt ein altes Geheimnis, das ihr ganzes Leben durcheinander bringt.


    Währenddessen ist Cohen auf der Jagd nach den Verrätern und deckt im fernen Shaerdan eine neue Hinterlist auf, die die beiden Reiche doch noch in einen Krieg verwickeln könnten ...


    Meine Meinung


    Ich wusste leider nicht mehr viel von der Handlung des ersten Bandes, da es doch schon eine Weile her ist; aber ich habe mich ganz gut wieder zurechtgefunden, auch weil die Autorin kleine Details aus der Vorgeschichte eingeflochten hat.


    Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, teilweise fast schon recht kurz angebunden, aber es war trotzdem durchaus sehr flüssig zu lesen. Schön waren die verschiedenen Sichtweisen zwischen Tessa, Cohen und Aodren, die abwechselnd die Handlung fortlaufend erzählt haben. Durch die Ich-Perspektive konnte man bei jedem genau spüren, was in ihm vorgeht, was auch die verzwickten Beziehungen zwischen ihnen sehr deutlich gemacht hat. Zuerst hatte das auch noch seinen gewissen Reiz, aber irgendwann kam für mich schon der Punkt, wo es etwas zu "typisch" war und die Reaktionen nur darauf hinausliefen, neue Konflikte zu schaffen, die gar nicht hätten sein müssen. Also die üblichen Schablonen, die man aus ähnlichen Gechichten kennt.

    Gerade gegen Ende z. B. reagiert Cohen sehr erwachsen und einfühlsam: Tessas Reaktion darauf hat mich aber ehrlich gesagt ziemlich genervt und war an sich unnötig - aber das wird eben einfach oft benutzt, um neue Spannungen zu schüren.

    Romantik mag ich ja meist nicht so gerne, aber hier hat es mir größtenteils tatsächlich gefallen.


    Während man sich am Anfang in einer Entwicklungsphase befindet, die auf die kommenden Ereignisse vorbereitet, kommt dann plötzlich immer mehr Spannung auf und es geht Schlag auf Schlag. Leider wurde das Tempo immer wieder gebremst durch unnötige Wiederholungen von Gedanken und Gefühlen, die schon mehrfach deutlich gemacht wurden - das hat die Handlung leider immer wieder aufgehalten und in die Länge gezogen. Dafür gab es aber auch sehr oft passende Cliffhanger an den Kapitelenden.

    Trotzdem war es insgesamt fesselnd und auch die Art der Magie, die die Animistinnen hier beherrschen, war schön beschrieben; auch wenn ich mir noch etwas mehr darüber gewünscht hätte.


    Gut gefallen hat mir vor allem, dass Tessa (zwar teilweise trotzköpfig wie ein kleines Kind) eine starke Frau darstellt, die für sich selbst einsteht und ihre eigenen Entscheidungen treffen möchte. Wie sie dem König gegenüber tritt wirkt zwar nicht sehr glaubhaft, aber unterstützt natürlich den Eindruck, den man von ihr hat. Wenn man sich bewusst macht, dass es ein Jugendbuch ist, war das schon in Ordnung, denn diese Geschichte empfand ich doch eher für jüngere Leserinnen geeignet, da fühlte ich mich dann teilweise doch zu alt dafür :)

    Eine andere Botschaft fand ich ebenso wichtig: Die Beziehung zu den Eltern ist ja bei vielen Jugendlichen (zum Glück) sehr ausgeprägt, aber wenn es darum geht, dass andere einen an dem Verhalten oder den Taten der Eltern messen, muss man klare Grenzen setzen. Niemand ist für die Handlungsweise anderer verantwortlich, auch nicht für seine Eltern und es ist auch nicht vorbestimmt, so zu werden wie sie. Jeder ist selbst für seinen Weg verantwortlich und kann seine eigenen Entscheidungen treffen.

    Man übernimmt ja vieles ganz unbewusst von seinen Eltern, ich denke mal, da geht es jedem so - aber falls das ein negatives Muster ist, kann man durchaus daraus ausbrechen, man muss es sich nur bewusst machen.


    Insgesamt konnte die Fortsetzung mich nicht ganz so sehr fesseln wie Band 1 - trotzdem war es ein unterhaltsamer Abschluss mit schönen und bedeutungsvollen Aussagen am Ende, die man sich für jedwede Beziehung zu Herzen nehmen sollte.


    Fazit: 3.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Cato Censorius Vielen Dank erstmal :)


    Ja, ich fand tatsächlich, dass das der Beste Band war von allen bisher :D Und natürlich liebe ich auch den Wortwitz in den Dialogen - aber da gibt es so vieles, von dem man schwärmen könnte, da sind schon viele spezielle Details, die der Autor da einbaut und das ganze zu etwas besonderem machen :D


    Ich hoffe, es geht bald weiter - "Auferstehung" hab ich ja auch schon gelesen ;)

    Klappentext


    Wer geht, kommt bei sich selbst an


    Das Gehen und Wandern ist die ursprünglichste Bewegungsform des Menschen und eine Form von Lebenskunst. Wer geht, kommt ins Sinnieren und läuft auch durch seine eigene Denk- und Seelenlandschaft. Ob entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, auf Don Quijotes Spuren in der spanischen La Mancha oder im Mittleren Westen der USA – überall erlief sich Achill Moser ungeahnte Einsichten und erlebte, wie das Gehen den Blick auf die Welt und sich selbst verwandelt.


    Meine Meinung


    Also erstmal: ich hab ja schon lange keine "Sachbücher" gelesen oder etwas in der Richtung wie dieses hier. Dabei mag ich Bücher über Lebensphilosophien sehr gerne, bin da aber eben recht wählerisch, da natürlich nicht jeder Autor auf meiner Wellenlänge liegt. Aber Bücher in diesem Bereich müssen mich innerlich ansprechen, eine Saite zum klingen bringen, sonst hab ich nach dem Lesen das Gefühl, meine Zeit verschwendet zu haben.


    Das Buch von Achill Moser hat mich vom Titel her angesprochen, denn eine Reise alleine und zu Fuß, nur mit Rucksack und mir selber irgendwo in der weiten Welt ist schon lange ein sehr großer Wunsch von mir. Durch die Kinder war das aber bisher leider nicht umsetzbar und mittlerweile hab ich auch ein bisschen den Mut dafür verloren. Gerade deshalb, und weil der Autor auch so unglaublich sympathisch auf den Fotos aussieht, wollte ich wieder ein bisschen in dieses Gefühl so einer Reise reinschnuppern.


    Das Buch ist aufgeteilt in verschiedene Reisewege, die der Autor teils alleine, teils zusammen mit seinem Sohn Aaron unternommen hat. Dabei geht es quer durch die ganze Welt. Dabei beschreibt er nicht nur das visuelle Erlebnis, sondern verknüpft seine Routen auch mit geschichtlichen Ereignissen, die ihn gerade zu diesen Wegen inspiriert haben. Zum Beispiel die Indianer in den USA, die Geschichte um Don Quijote in Spanien oder Gustave Flauberts Reiseberichte aus Ägypten entlang des Nils. Außerdem hat es Achill Moser auch einige Male in die großen Wüsten verschlagen, ob ins Sandmeer oder in die größte Lavawüste der Welt, nach Island - aber auch quer durch Deutschland war er unterwegs.


    Bei diesen Berichten seiner Reisen geht er sehr ins Detail, was seine visuellen Eindrücke angeht, aber auch die Flora und Fauna, die Gerüche, die Gefühle und Gedanken, die auf ihn einwirken. Das ergab ein anschauliches Bild, allerdings hätte ich mir mehr über das praktische gewünscht. Ziemlich am Ende gibt er zwar grob einen Einblick über sein Gepäck, aber da ich selbst auch gerne so etwas machen würde, hätten mich ein paar Tipps und Einblicke in die Praxis noch gefreut.

    Dafür gibt es viele geschichtliche Details. Das Wissen hat er sich schon vorher über Bücher angeeignet, aber eben auch durch die Wanderungen und direkte Kennenlernen von Land und Leuten.

    Zwischen den Kapiteln der Reiserouten gibt es jedes Mal eine kleine Pause mit teils schon philosophischen Gedanken. Sein Trieb, immer wieder seine Wanderschuhe und seinen Rucksack zu packen, zeigt ihm, wie sehr die Hektik und der Stress uns Menschen in der heutigen Zeit zusetzen.


    "Denn der Mensch ist Nomade, und die Natur hat uns

    seit Jahrtausenden das Unterwegssein vorgegeben." S. 21


    Das sesshaft werden ist auch für mich ein Knackpunkt in der Menschheitsgeschichte. Denn mal ehrlich: wie viel bewegen wir uns denn tatsächlich noch? Und wenn wir Sport machen, dann auf einem stahlgestützten Laufband ... Wer geht denn noch raus in die Natur, einfach nur so, um die Zeit und die Natürlichkeit zu genießen. Ohne Sinn oder Ziel, sondern einfach nur, weil es guttut? Mentale Stärke durch Entschleunigung - ich denke das trifft es sehr gut. Denn die Schnelligkeit, mit der sich um uns herum alles auf der Technikebene weiterentwickelt, damit konnte unsere Seele einfach nicht mitwachsen.


    Achill Moser hat nie viel mehr im Gepäck als Kleidung, Handtuch, Waschzeug, Schlafsack, Isomatte, Proviant und Wasser - mehr scheint es nicht zu brauchen, oder? Wir sind mittlerweilse so an die "Helferlein" und "Gebrauchsgegenstände" gewöhnt, dass wir gar nicht mehr wissen, wie wenig eigentlich zum Leben nötig ist.


    Natürlich muss niemand in die Einöde ziehen, aber ich denke, so ab und an mal innehalten und sich selbst zu genügen, die Gedanken mal nach innen und nicht nach außen schweifen zu lassen, würde sich sicherlich positiv auswirken. Ich werde mir jedenfalls vornehmen, wieder öfter mal zu Fuß zu gehen. Keine Weltreise, aber auch im Kleinen kann man anfangen - und wer weiß, wohin der Weg mich führen wird :D

    Die Zitate vor jedem neuen Kapitel sind perfekt ausgewählt und haben mir sehr gut gefallen, auch die vielen schwarz-weiß Bilder, die den Autor auf seinen verschiedenen Reisen zeigen.


    Mein Fazit: 4 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Das find ich mal ein ziemlich cooles Projekt, man kann sich entscheiden, wie die Geschichte weitergehen soll, da es verschiedene Möglichkeiten gibt, aus denen man wählen kann. Auf der Verlagsseite sehr schön beschrieben:


    DOORS - Der Beginn


    Der schwerreiche Vater der vermissten Anna-Lena van Dam schickt ein sechsköpfiges Team aus, um seine Tochter zu finden – darunter einen Ex-Militär, eine Höhlenkletterin und einen Parapsychologen. Jeder der sechs ist ein Experte auf seinem Gebiet, jeder von ihnen hat etwas zu verbergen. Und keiner von ihnen wird das gigantische Höhlensystem unter dem Anwesen der van Dams unverändert verlassen.


    Denn in der Dunkelheit entdeckt das Team geheimnisvolle Türen, und muss sich dahinter auf Pfade jenseits aller Wissenschaft und Vernunft einlassen, um Anna-Lena zu retten.


    Am Ende der Pilotfolge wirst du vor die Wahl gestellt: drei Türen, drei Bücher - durch welche Tür sollen die Helden treten?


    Greife zu dem DOORS-Band deiner Wahl und erfahre, was hinter den Symbolen steckt.


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    Meine Meinung


    Gleichvorweg: Mich reizen natürlich alle drei möglichen Entwicklungen und ich war vor allem gespannt auf das Team, dass der Milliardär für die Suche zusammengestellt hat. Einen groben Umriss der Situation bekommt man ja schon durch die Verlagsinfo, aber es gibt noch ein paar andere kleine Konflikte und Entdeckungen, die interessante Entwicklungen versprechen.


    In diesem kurzen Pilot begleitet man zum einen die verschwundene Anna-Lena, die nicht mehr aus dem Labyrinth herausfindet - ein bisschen zum Einstimmen, was dort unten in diesen Höhlensystemen vorgehen könnte, aber nichts konkretes, so dass man gespannt auf die Retter wartet.


    Das 6köpfige Team besteht aus einem Anfang 20 jährigen Höhlenkletterer, einem schon älteren Herrn Professor der Geologie und Höhlenforschung, der Hellseherin "Coco Fendi", dem Doktor der Physik und zugleich Parapsychologen Ingo Theobald, der Freeclimberin Dana Rentski, die auch Kampfsport beherrscht und dem Personenschützer Carsten Spanger.

    Viele Namen und "Funktionen", die sich alle aber sehr schnell einprägen, weil sie sehr treffend beschrieben werden und jeder von ihnen anscheinend auch ein Geheimnis birgt. Kleine Andeutungen wurden dazu schon gemacht, aber noch stehen da viele Fragezeichen. Das Zusammenspiel des Teams wird sicherlich einige Konflikte herausfordern und schon der kurze Ausflug in die unterirdischen Grotten zeigt, dass sich dem Rettungsteam einige Probleme in den Weg stellen werden: bedrohlich auf die verschiedenste Art und Weise.


    So richtig das Gefühl für die angespannte Atmosphäre hatte ich jetzt noch nicht. Dafür war es mir auch einfach zu kurz, um richtig eintauchen zu können, aber ich hoffe natürlich, dass dann in den Fortsetzungsromanen mehr Spannung aufkommt. Sicher schon alleine durch die Figuren, denn man merkt schon jetzt, dass da ein bunt gemischter Haufen zusammenkam, der sich gerade in gefährlichen oder Stresssituationen sicher in die Haare kriegen wird.


    Vor allem auf die Auflösung bin ich gespannt, was sich hinter diesen altertümlichen und mystischen Türen verbirgt - denn wie es scheint existieren sie schon mehrere Jahrhunderte und das macht mich schon sehr neugierig!


    Diese "Pilotfolge" hat 97 Seiten und gibt es zurzeit nur als EBook!


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    Am 1. Oktober erscheinen dann die Fortsetzungen, für die man sich entscheiden kann, drei parallele und eigenständige Geschichten: drei Türen, die sie öffnen können und jede von ihnen verbirgt eine


    Verlagsinfo dazu:


    DOORS ? - Kolonie


    ...führt Sie mitten in die 40er Jahre. Doch in dieser Zeitlinie hat Nazi-Deutschland früh kapituliert, die USA haben die Kontrolle über Europa übernommen und drohen dem Widerstand, angeführt von Russland, mit einem Atomschlag. Will das Team überleben, müssen sie diesen Wahnsinn stoppen – um jeden Preis!


    DOORS ! - Blutfeld


    ...bringt Sie ins frühe Mittelalter des 9. Jahrhunderts. Doch anders als in den Geschichtsbüchern wird hier die Herrschaft nicht nur von Männern ausgeübt. Während sich machtbewusste Kaiserinnen bekriegen, planen männliche Verschwörer das Ende des Matriarchats. Auf der Suche nach Anna-Lena ist das Team mittendrin, als Europa auf eine gigantische Schlacht zusteuert …


    DOORS X - Dämmerung


    ... lässt das Team unerwartet in die eigenen Albträume blicken, ohne dass es ein Entkommen gibt. Wissen Sie, wie man die eigenen Dämonen besiegt? In dem unterirdischen Reich des Höhlensystems existiert zudem noch viel mehr, das nicht von dieser Welt ist. Und der einzige Fluchtweg führt in eine bedrohliche Zukunftsvision ...

    Verlagsinfo


    Sechs unberechenbare Außenseiter - ein unerreichtes Ziel - Rache! Das Abenteuer geht weiter!


    Ein Dieb mit der Begabung, die unwahrscheinlichsten Auswege zu entdecken

    Eine Spionin, die nur »das Phantom« genannt wird

    Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache

    Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben

    Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann

    Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff


    Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie nach Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon, dafür gerät allerdings einer von ihnen in Gefangenschaft.

    Doch Kaz trägt seinen Spitznamen »Dirtyhands« nicht ohne Grund – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um seinen Komplizen zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten.


    Das sensationelle Finale von Leigh Bardugos Fantasy-Bestseller um den tollkühnsten Coup der Fantasy-Geschichte


    Meine Meinung


    Ich habe diese Fortsetzung sehnsüchtig erwartet, denn der erste Band hatte mich absolut begeistert! Diese Art der Abenteuer in einer fernen, magischen Welt, das Planen von gerissenen Coups und die Rivalität der Straßengangs - das war doch mal etwas völlig neues!

    Leider hab ich jetzt anfangs ein bisschen gebraucht, um wieder in die Geschichte zu finden. Den ersten Band hab ich ja vor einem Jahr gelesen und dadurch doch das ein oder andere Detail vergessen - aber die Autorin flicht immer wieder kleine Erinnerungen ein, die mir alles wieder ins Gedächtnis gerufen haben.


    Was für ein Abenteuer! Die Bande um Kaz Brekker steht wahrlich vor einem riesigen Haufen Herausforderungen, aber Kaz wäre nie soweit gekommen, wenn er nicht für jedes Problem zig Lösungen und Wege bereit hielte, ihnen zu entkommen. Und es gibt wirklich viele Pläne, die geschmiedet und ausgeführt werden müssen und mich hat das total fasziniert, denn natürlich läuft alles nie so wie gedacht und das heizt die Spannung immer wieder an!


    Der Rahmen zur Handlung hält auch einige dramatische Kernpunkte bereit: Zum einen sind viele hinter dem Geheimissen der Droge "Parem" her, die die magiebegabten Grischa nahezu unbesiegbar und unaufhaltsam machen. Aber die Handelsstadt Ketterdam hat auch einige mächtige Krämer zu bieten, die für einen hohen Gewinn alles tun würden und Bandenführer in den slumigen Barrels, die jede Gelegenheit nutzen, um Kaz Brekker endlich von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

    Die Atmosphäre war wieder großartig eingefangen - gerade die Stadt mit den reichen Vierteln und den heruntergekommenen Barrels, die ein bisschen an Amsterdam erinnert gemischt mit dem Flair mittelalterlicher Merkmale hat eine tolle Kulisse abgegeben. Der ständige Kampf ums Überleben auf der Seite der Armen; der verlassenen Kinder, die auf sich allein gestellt irgendwie durchhalten müssen und die Oberschicht, die aus dem Elend anderer Kapital schlagen will.


    Erzählt wird jedes Kapitel aus einer anderen Perspektive der verschiedenen Figuren, was einem nur einen kurzen Einblick in die jeweilige Gemütsverfassung gibt und dennoch sehr genau zeigt, wie sehr sie sich seit dem Abenteuer im Eistribunal verändert haben. Manche Momente sind sehr traurig, manche witzig - gerade was die Dialoge betrifft ist es oft einfach köstlich und von trockenem Humor gespickt - aber auch voller Liebe und Verzweiflung, was mich sehr hat mitleiden lassen.

    Gerade die Härte, die sie schon so früh lernen mussten, macht die Figuren alle auf verschiedene Art empfindlich; doch diese "Schwäche" dürfen sie nie zeigen, um sich nicht verletzlich zu machen. Und trotzdem haben sie ihre Werte, ihre Verbundenheit, die ihre Stärke ausmacht. Sehr schön fand ich die kleinen Abschweifungen in die Vergangenheit, durch die man jeden nochmal besser kennenlernt und sehr gut verstehen kann, warum sie so sind, wie sie sind. Jeder von ihnen hat schwere Zeiten hinter sich, die man zwar nicht vergleichen kann, aber durch ihren seelischen Schmerz einen ganz besonderen Zusammenhalt finden.


    Gerade Kaz ist ja ein sehr brutaler Typ, berechnend und immer auf seinen eigenen Vorteil aus und der Wert der Menschen um ihn herum scheint er alleine an deren Nutzen zu messen. Doch wie jeder, solch eine Schonungslosigkeit zeigt, hat eben auch er eine empfindsame Seite - die jedoch schon so tief verschüttet ist, dass er sie kaum noch erreichen kann. Aber auch alle anderen, jeder der Krähen, ist ein ganz besonderer Charakter und ich hab sie alle ins Herz geschlossen!

    Sie wollen eigentlich alle "nur" heil aus dieser Sache herauskommen, dabei ist es ungewiss ob sie tatsächlich alle überleben werden, denn die Feinde scheinen an Macht zu gewinnen. Es braucht das ganze ausgeklügelte Talent von Kaz, das Geschick von Inej, das Glück von Jesper, die Kraft von Matthias, die Kunst von Nina und die Klugheit von Wylan, um den Stein, den sie ins Rollen gebracht haben, endlich in die richtige Bahn zu lenken.


    Ein spannendes Katz und Maus Spiel mit immer neuen Herausforderungen, Überraschungen und Wendungen, die mich großartig unterhalten haben. Eine faszinierende Welt hat die Autorin hier geschaffen mit einer brutalen Gesellschaft, waghalsigen Abenteuern und den "Krähen", die sich durch nichts unterkriegen lassen - und dadurch eine tief verbundene Freundschaft entsteht und auch zarte Band der Liebe, die immer wieder zu zerreißen drohen.

    Ich würde wirklich gerne noch mehr Geschichten aus der Grischa Welt lesen!


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Mit historischen Krimis die in London spielen kann man mich ja immer schnell ködern! Auch das Cover gefiel mir hier sehr gut und vor allem auch der blaue Buchschnitt, solche kleinen Details machen Bücher immer besonders :)


    Ansonsten, muss ich leider gestehen, war nicht viel besonderes an der Geschichte. Ich empfand es als soliden Krimi mit Charakteren, die nicht wirklich herausgestochen sind. Dass der Autor hier bekannte Persönlickeiten wie Oscar Wilde und Arthur Conan Doyle mit eingebaut hat ist eine schöne Idee (die er in den Fortsetzungen auch fortführt, wie ich gesehen habe) mir kam das aber leider eher etwas gezwungen vor. Auch wenn es gut in den Handlungsverlauf mit eingeflochten war, hat es mich irgendwie gestört, ich kann allerdings nicht ganz festmachen, woran es jetzt lag.


    Die Jagd nach dem Mörder war an sich spannend, aber auch nicht so fesselnd, wie erwünscht. Vielleicht lag es auch daran, dass diese Atmosphäre aus der viktorianischen Epoche nicht rüberkam. Dabei hat Robert C. Marley alles wirklich toll beschrieben und jede Menge Details aus dieser Zeit mit eingebracht. Zum Beispiel das Auftauchen des Henkers James Berry, dessen Figur historisch belegt ist (wie auch viele andere), was ich sehr kurios fand zu einer Zeit, in der sich das Telefon in die Häuser geschlichen hat und schon die ersten "Busse" herumgefahren sind.


    Ebenfalls die Neuerungen und Fortschritte bei den Ermittlungsmethoden, wie die "neue" Entdeckung der Fingerabdrücke und überhaupt der Wichtigkeit von Tatortspuren fand ich sehr interessant. Trotzdem hab ich nie so wirklich das Gefühl für diese Zeit bekommen.

    Vielleicht lag es am Schreibstil an sich, der trotz vieler alter Begriffe eher unserer Zeit angepasst war, mit den Dialogen und Benehmen der Charaktere hat er sich aber schon an die viktorianische Zeit orientiert. Ich kann es nicht genau ausmachen, aber die Geschichte und ich haben wohl einfach nicht so recht zueinander gefunden.


    Die Ermittlungen waren trotzdem für mich als Leser irreführend, was natürlich meine Lust zum Rätseln geweckt hat und auch die Aufklärung war stimmig mit einem guten Schluss! Insgesamt hat es mir ganz gut gefallen, aber vom Gefühl her nicht genug, um die Fortsetzungen auch zu lesen.


    Fazit: 3.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Verlagsinfo


    Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich – und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Deutsche Revolution miterleben …


    Meine Meinung


    Das ist ja ein ganz schön dicker Schinken! Aber es erstreckt sich ja auch über einen langen Zeitraum denn es beginnt im Jahr 955 in der Nähe von Augsburg und endet in Berlin in der Mitte des 19. Jahrhunderts.


    An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen: er fühlte sich etwas umständlich an und hat mir dadurch einen langsamen Rhythmus fast schon aufgezwungen. Das war sehr ungewohnt, aber nach einiger Zeit passt man sich automatisch diesem Tempo an und es las sich auch flüssiger.


    Allerdings kam ich mit dem Aufbau und der Umsetzung nicht so ganz klar. Es gibt ja fünf Abschnitte, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Es beginnt mit Arnulf und Hedi, die in der Schlacht um Augsburg durch die Ungarn zueinander finden, dann geht es mit den Brüdern Arnulf und Gero und ihrem Schwager Erik weiter, die durch einen schweren Schicksalsschlag ums Überleben kämpfen müssen. Danach macht es einen größeren Sprung ins Jahr 1647 mitten in den 30jährigen Krieg und den Feldhauptmann Ewalt und schließlich ins Jahr 1813 in die Zeit Napoleons zu Hedwig und ihrer weiteren Entwicklung im Jahr 1848.


    An sich ein schöner Querschnitt durch die Zeit und die Veränderungen in Deutschland, die wirklich mit vielen Fakten und Details belegt ist, allerdings ohne rechten Zusammenhang zueinander. Mir kam es eher so vor, als würde ich vier einzelne Bücher lesen, die einfach aneinander gereiht wurden, weil ich keinen Bezug dazwischen erkennen konnte - bis auf die letzten beiden Abschnitte, in denen es um Hedwig und die Fortschritte in ihrer Familie geht. Natürlich war mir bewusst, dass man mit einem so langen Zeitraum keine großen Verbindungen schaffen kann, aber ich hatte mir einfach doch mehr erhofft. Mir kam es eher wie eine Geschichts-Stunde vor mit ein bisschen Rahmenhandlung, die mich aber eben leider gar nicht fesseln konnte.

    Das einzige, das sich als Verbindung zu den Figuren durch jede Geschichte zieht sind der Beruf des Schmieds, die Vornamen die sich immer wiederholen, die in der Familie typischen strahlend blauen Augen und der ungarische Säbel, der in ihren Besitz gelangt und geblieben ist. Ja, prinzipiell schon viele Details, aber trotzdem kam ich mit der Verbindung über die Jahrhunderte nicht so gut zurecht.


    In den einzelnen Abschnitten lernt man die Charaktere zwar schon gut kennen, trotzdem bin ich nicht so recht mit ihnen warm geworden. Mit Arnulf und Hedi gleich zu Beginn hatte es gut angefangen, aber dann verlor es sich komplett in der Schlacht um Augsburg, die wirklich sehr in die Länge gezogen wurde und endete mit einer recht kurzen Zusammenfassung ihrer Schicksale.

    Der zweite Teil, in dem vor allem Gero und Erik eine tragende Rollen spielen, war mir zu sehr auf Einzelheiten fixiert, die zwar einen guten Einblick auf einen Lebensabschnitt von ihnen gegeben, aber mir kein Gefühl für diese Zeit gegeben haben und für mich nur eine Momentaufnahme waren, die nicht wirklich etwas ausgesagt oder mir etwas gegeben hat, bei dem ich mitfiebern konnte.

    Weiter ging es mit 1647 mit Ewalt, einem Feldhauptmann, mitten im 30jährigen Krieg. Ein Verrat bringt ihn zu einer unbedachten Handlung, die sein Schicksal komplett wendet und auch wenn hier wieder viele Details herausgearbeitet wurde, empfand ich die Ereignisse nicht wirklich spannend.

    Leider ging es mir ebenso mit Hedwig und ihrem Bruder Gero zur Zeit von Napoleon 1813 in Berlin, deren Geschichte dann 1848 weitergeführt wird, in der es hauptsächlich um ihre Fabriken, die Entwicklung der Industrie und die Einführung der Demokratie geht.


    Die Glaubwürdigkeit hat mich vor allem in Bezug auf die Figuren nicht erreichen können. Ihr Handeln passte mir nicht in die Zeit und ihre Reaktionen waren zum Teil sehr naiv und passte mir nicht so recht zu dem Eindruck, dass ich mir von ihnen gemacht hatte. Auch der Stil, der zwar schon an das historische Setting angepasst ist, mir in den Dialogen aber zu sehr in der heutigen Zeit.


    Vor allem war es aber leider die Handlung, die sich zu sehr in unnötige Details verloren hat, aber trotzdem kein anschauliches Bild zeigen konnte bzw. hab ich mir kein Gesamtbild so richtig vorstellen können. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber mich hat einfach keiner der Zeitabschnitte wirklich fesseln können.

    Positiv zu nennen sind auf jeden Fall die sicher sehr authentischen Informationen zu den jeweiligen Jahrhunderten, die politischen Einflüsse und auch die vielen bekannten Namen und Reformen, die sich entwickelt haben. Hier hat der Autor viel Wissen weitergegeben und das mag für interessierte Leser sicher ein faszinierender Einblick in die damaligen Ereignisse sein. Meins war es leider nicht.


    Fazit: 2.5 Sterne


    © Aleshanee

    Das Buch könnte eins meiner Jahreshighlights werden! <3


    Klappentext


    Gehst du in die Irre, dann hat dein Herz vielleicht ein anderes Ziel als dein Kopf


    So steht es auf einer Bronzeplakette im Irrgarten von Wokenduna Hall, in dem an einem Augusttag 2011 vier junge Londoner spurlos verschwinden.


    Nur ein Schritt vom Weg ab, und für den Medizinstudenten James, die beiden Schüler Pix und Carmino und die Übersetzerin Kate beginnt eine Odyssee. Ohne Zahnbürste und Rückfahrkarte in einem Land, das gar nicht sein kann – auf dem Bildschirm oder zwischen Buchdeckeln ist das vielleicht unterhaltsam. Im realen Leben gibt es nur ein Ziel: Zurück nach Hause!

    Aber den Weg einfach zurückzugehen, stellt sich als unmöglich heraus.


    Der Anfang der Salkurning-Reihe.

    Roadtrip in eine Nachbarwelt, mit Elementen aus Fantasy, Mystery und Steampunk; im Kern ein Entwicklungsroman.


    Meine Meinung


    Hinter diesem unscheinbaren Cover steckt eine geradezu überwältigende Geschichte und grandiose Ideen, die ich eigentlich mit nichts vergleichen kann! Mit ihren über 800 Seiten hatte es zwar zwischendurch einen kleinen Durchhänger in der Mitte, aber insgesamt ist das eigentlich kaum ins Gewicht gefallen.


    "Das Gehirn ist eine Insel im Nichts, welches es mit der Vielfalt der Erscheinungen bevölkert," ... Pos 6136


    Es beginnt ganz harmlos mit einem Ausflug einer Jugendgruppe, der sich der 20jährige James Barret als Fahrer anschließt, um seiner Freundin Alice einen Gefallen zu tun. Doch in dem Irrgarten von Wokenduna Hall in der Nähe von London verschlägt es ihn und zwei seiner Schützlinge in eine Welt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

    Diese Welt, Salkurning, entspricht einem mittelalterlichen Charakter mit kleinen Steampunk Details: dem typischen Flair altertümlicher Dörfer, einer regierenden Oberschicht, lebhaften Marktplätzen, kleinen technischen Feinheiten und frivolen Gauklertruppen, die durchs Land ziehen.


    Zusammen mit James, Carmino und Pix sowie der unnahbaren Kate, die sich alle vier in diesem unbekannten Land wiederfinden, lernt man nach und nach die Besonderheiten kennen und wie sie sich mit den außergewöhnlichen Umständen zurecht finden müssen.

    Die vier Reisenden wollen natürlich unter allen Umständen zurück in unsere Welt, aber da niemand weiß, wie sie überhaupt hier landen konnten, stellt sie das vor ein fast unlösbares Problem. Hilfe erhoffen sie sich von Dorian Inglewind, einem Erfinder und Forscher und ein großartiger Charakter, der jedoch selber vor nicht minderen Problemen steht. Denn Salkurning selbst hat mit einem drohenden Unheil zu kämpfen und die Vorboten einer dunklen Zeit schüren tiefgehende Ängste.


    Grund sich zu fürchten hat man hier vor vielerlei Dingen, z. B. auch vor dem "Gelichter", das allerdings nur in einem bestimmten Gebiet zu finden ist. Magische Geschöpfe oder auch böswillige Geister in vielerlei Arten und Erscheinungsformen: Empusen, Cabbacubbs, Schrillwürmer sind nur einige davon. An den Namen sieht man schon, es gibt viele fremdklingende Bezeichnungen, wie z. B. auch "Gilloc" für ein eselähnliches Zugtier oder auch "Wolkensammler" für Wahrsager.


    Zu Anfang dauert es etwas, bis man sich mit all den Begriffen zurecht findet, aber es hat das fremdländische, in der die Protagonisten gestrandet sind, sehr gut unterstrichen.

    Der Weltenaufbau ist wirklich phänomenal, denn während dem Lesen hab ich alles vor mir gesehen und war immer mitten im Geschehen. Loons Geringer hat eine herausstechende Art, die Dinge zu beschreiben und sie lässt sich genau die Zeit, die sie dafür braucht - und das ist nicht wenig: es geht somit in einem eher gemächlichen Tempo voran, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, sondern das ich genossen habe, denn bis auf ein paar wenige Stellen, die sich etwas gezogen haben, war es ein absolutes Vergnügen in diese befremdliche Welt einzutauchen.


    Wie nun Salkurning und unsere Welt zusammenhängen könnten bzw. warum James, Kate, Carmino und Pix überhaupt dorthin gelangen konnten, wird hier in Band 1 natürlich noch nicht geklärt. ABER es gibt einige Hinweise und Andeutungen, ziemlich abgefahrene Einblicke und Verbindungen, die mich total begeistert haben. Sie streifen immer nur das, was dahintersteckt, aber man merkt, wie man immer näher dran kommt, ohne es aber genau fassen zu können. Dabei eröffnen sich sehr geniale Impulse und ich hoffe sehr, dass Loons Geringer das in den Fortsetzungen auch genauso gut auflösen wird, wie sie es hier begonnen hat!

    Der Weg ist das Ziel - und man darf hier wirklich nicht eine schnelllebige, actionreiche Handlung erwarten, sondern eine intensive Faszination von einer völlig fremden Welt, in der man komplett eintauchen und sich verlieren kann!


    Erzählt wird hauptsächlich aus James Perspektive, zwischendurch aber auch mal aus der Sichtweise der anderen, so dass man einen immer tieferen Eindruck bekommt. An Kate kommt man nie so wirklich ran, aber je näher ich sie kennengelernt habe, umso sympathischer war sie mir. Carmino ist ein Freigeist und eine erfrischend positive Kraft, während Pix ein echt unausstehlicher Teenager ist, für die ich aber nach etwas mehr Einblick in ihre Vergangenheit auch Mitgefühl aufbringen konnte. Auf ihre weitere Entwicklung bin ich immens gespannt! Vor allem aber James hat einige Überraschungen parat, die eine mysteriöse Verbindung zu Salkurning herstellen, die noch einiges an Aufklärung bedarf.

    "Treppenstufen schlafen nie" - ein seltsames und scheinbar orakelhaftes Fragment, das ihm z. B. immer wieder durch den Kopf schießt und das eine tiefergelegene Bedeutung offenbaren wird, die ich super originell fand, wie überhaupt alles, was mit Salkurning zusammenhängt. Ob es die mysteriöse Prophezeiung betrifft, das Leben dort, die Tiere und Gelichter, der Glaube und Aberglaube oder "Racht", das Schicksal, das die Fäden spinnt.


    "Es ist Racht. Der große Teppich, dessen Muster wir nicht erkennen können, weil jeder von uns nur ein Fädchen darin ist." Pos 10234


    Es werden aber auch einige aktuelle Themen aufgegriffen, wie die Flüchtlingskrise oder die Rangordnung verschiedener Gesellschaftsklassen. Und es wird auch eine Lebensart gezeigt, die zwar nicht nur positive Seiten hat, durchaus aber seinen Reiz oder auch die Suche eines Einsamen, das Glück auf eigenem Weg zu finden. Wie Dorian Inglewing, der sich sein eigenes Nest gebaut hat und seine Freiheit genießt, soweit es ihm nur möglich ist.


    "Aber schon als Kind hatte er täglich beobachten können, dass die Angst, wenn man sich ihr überließ, das Leben verdammt eng und langweilig machte - und das wollte er auf keinen Fall. Deshalb hatte er sich angewöhnt, Beängstigendes einfach zu ignorieren." Pos 3654


    Anspruchsvoll und nichts leichtes für zwischendurch, dafür umso bewegender und eindrucksvoller - ein Buch das genau meinen Nerv getroffen hat und mich jetzt einfach nur auf die Fortsetzung freuen lässt!


    Fazit: 5 Sterne - Highlight


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Klappentext


    Willkommen in London! Wenn Sie diese großartige Stadt bereisen, versäumen Sie auf keinen Fall einen Besuch im Emporium Arcana. Hier verkauft der Besitzer Alex Verus keine raffinierten Zaubertricks, sondern echte Magie. Doch bleiben Sie wachsam. Diese Welt ist ebenso wunderbar wie gefährlich. Alex zum Beispiel ist kürzlich ins Visier mächtiger Magier geraten und muss sich alles abverlangen, um die Angelegenheit zu überleben. Also halten Sie sich bedeckt, sehen Sie für die nächsten Wochen von einem Besuch im Britischen Museum ab und vergessen Sie niemals: Einhörner sind nicht nett!


    Meine Meinung


    Ich könnte mir gut vorstellen, dass Fans von Ben Aaronovitc Reihe "Die Flüsse von London" hier auch Gefallen daran finden könnten! Mich hat die Begeisterung leider nicht gepackt, obwohl ich es stellenweise wirklich gut fand - letztendlich ist aber der Funke nicht so recht übergesprungen.


    Alex Verus lebt als Magier mitten in London und ist vor dem Rat und seinem ehemaligen Mentor untergetaucht, in dem er in Camden in London einen Laden für Zauberartikel aufgemacht hat. Alleine das war für mich schon gleich zu Beginn etwas zweifelhaft, denn wirklich praktisch scheint mir das als Versteck nicht zu sein. Es gab während der Geschichte mehrere solche kleinen Details, die mir nicht so recht ins logische Bild gepasst haben.

    Alex jedenfalls findet sich in seinem kleinen Reich recht gut zurecht und hat nur wenige und sehr ungewöhnliche Freunde. Eine davon ist Luna. Sie gehört zwar nicht in die Riege der Magier, aber dafür hat sie einen Familienfluch geerbt - und diese Idee zu dem Fluch fand ich sehr genial! Auch wie dieser die Beziehung zu Alex beeinflusst und überhaupt die Entwicklung der beiden zueinander fand ich erfrischend anders und hat mir richtig gut gefallen!


    Erzählt wird die Handlung ja aus Sicht von Alex, und er wirkt eigentlich recht humorvoll und so, als hätte er in seinem Leben mittlerweile alles unter Kontrolle. Aber dieser Eindruck täuscht, denn er hat einige dunkle Geheimnisse aus seiner Vergangenheit, die er bisher gut verdrängen konnte, die sich aber durch die neuen Ereignisse wieder an die Oberfläche kämpfen und er sich ihnen endlich stellen muss.

    Diesen Spagat zwischen dem lockeren, humorvollen Schreibstil und den doch teilweise grausamen Hintergründen und Praktiken mancher "Parteien", fand ich nicht so ganz gelungen. Dadurch hab ich dem Autor beides nicht so richtig abnehmen können.


    Es geht ja um einen uralten Clinch zwischen den Weiß- und den Schwarzmagiern. Solche Konflikte kennt man, aber ich fand die Erklärung wenn auch nicht neu, trotzdem gut umgesetzt: Die Weißmagier sind (natürlich) die guten, wobei es hier auch einige schwarze Schafe gibt, und die Schwarzmagier kennen zwar die Regeln, sehen das "Böse" aber nicht als grundweg schlecht an, sondern als Ergebnis aus dem Auge des Betrachters. Das ist ja eine ewige Streitfrage, inwieweit die "persönliche Freiheit" durchzusetzen ist, solange sie anderen nicht schadet ... Hier heißt das konkret, wenn die Schwarzmagier etwas für sich tun, was ihnen guttut oder ihnen Macht bringt, ist alles erlaubt, ganz einfach weil es sich auf sie selbst positiv auswirkt.

    Die "Schule", durch die sie als Lehrlinge gehen müssen, bereitet sie genau darauf vor und deshalb wundert es nicht, dass sie sehr brutale Methoden anwenden, um in diesem ewigen Machtkampf zu bestehen.


    "... und soweit es sie betrifft, bedeutet Moral das,

    was auch immer in einer Situation gerade bequem ist." Pos 1275


    Die Handlung an sich geht zwar gut vorwärts, aber so richtig in Schwung kam sie für mich erst ab der Hälfte. Leider war das ganze drumherum nicht so wirklich fesselnd für mich und erst am Ende, als ich wusste, was dahintersteckt, fand ich die Idee schon sehr cool. Leider kam das eben auf den vorherigen Seiten nicht so gut rüber, weshalb ich nicht immer mit großer Lust weitergelesen hab.


    Alex hat während dem erzählen immer gleich Erklärungen geliefert wenn es um Zauber und sonstige Hintergründe ging, was gut war, da man dadurch nicht so lang in der Luft hing und alles schnell verstehen konnte - andererseits wurde dadurch auch öfter etwas wiederholt, was wiederum etwas nervig war.

    Die Fähigkeit von Alex Verus selbst fand ich sehr schön dargestellt: er kann in die Zukunft sehen und hat dadurch natürlich immer einen immensen Vorteil. Durch die verschiedenen Szenarien, die sein Verhalten auslösen können, kann er sich sehr oft für den einen Weg entscheiden, der ihn aus einem gefährlichen Moment herausbringt; aber auch im Alltag hat sich das bei ihm schon so eingeschlichten, dass diese Art der Voraussicht schon ganz normaler Bestandteil ist. Das war wirklich gut integriert!


    Ihr seht, ich war hier sehr zwiegespalten, da es für mich einige negative wie auch positive Punkte gab. Insgesamt konnte es mich aber leider nicht so ganz mitreißen, wie erhofft, obwohl ich es im Rückblick doch gut fand; während dem Lesen selbst aber nicht so reingefunden hab.


    Fazit: 3,5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Danke für eure Rezensionen :flower:.

    Da ich besonders die Jugendbücher von Ursula Poznanski sehr gerne lese, ist Thalamus gleich auf der Wunschliste gelandet :).


    Ich frage mich gerade, warum bereits so viele BTler das Buch besitzen, wo es doch im August erst erschienen ist :-k?

    Ist es jetzt als Taschenbuch rausgekommen oder hat die Autorin so viele Fans, die sich jedes Buch von ihr umgehend zulegen?

    Ich hab es als Bloggerin schon ein paar Tage vorab zum Rezensieren erhalten ;)

    Verlagsinfo


    Eine abgelegene Rehaklinik ist Schauplatz des neuesten Thrillers von Bestseller-Autorin Ursula Poznanski. Diesmal denkt die ehemalige Medizinjournalistin Chancen und Gefahren der modernen Hirnforschung konsequent weiter und trifft wieder einmal einen Nerv – buchstäblich!


    Ein schwerer Motorradunfall katapultiert den siebzehnjährigen Timo aus seinem normalen Leben und fesselt ihn für Monate ans Krankenbett. Auf dem Markwaldhof, einem Rehabilitationszentrum, soll er sich von seinen Knochenbrüchen und dem Schädelhirntrauma erholen. Aber schnell stellt Timo fest, dass sich merkwürdige Dinge im Haus abspielen: Der Junge, mit dem er sich das Zimmer teilt, gilt als Wachkomapatient und hoffnungsloser Fall, doch nachts läuft er herum, spricht – und droht Timo damit, ihn zu töten, falls er anderen davon erzählt.


    Eine Sorge, die unbegründet ist, denn Timos Sprachzentrum ist schwer beeinträchtigt, seine Feinmotorik erlaubt ihm noch nicht niederzuschreiben, was er erlebt. Und allmählich entdeckt er an sich selbst Fähigkeiten, die neu sind. Er kann Dinge, die er nicht können dürfte. Weiß von Sachen, die er nicht wissen sollte …


    Meine Meinung


    Mal ganz abgesehen davon, dass mir die Jugendthriller der Autorin bisher gut gefallen haben und ich das neue auf jeden Fall lesen wollte, finde ich das Cover hier total klasse! Ich bin sofort daran hängengeblieben und auch der Klappentext klang interessant - und dieses Mal konnte mich die Autorin voll und ganz überzeugen! Bisher waren ihre Bücher ja immer extrem spannend, nur das Ende wirkte oft sehr konstruiert und irgendwie zusammen gepfriemelt. Dieses Mal war alles stimmig und sie konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite packen!


    Der Verkehrsunfall von Timo und die Verlegung vom Krankenhaus in die mysteriöse Klinik Markwaldhof wird zum Glück recht kurz, aber trotzdem prägnant. So konnte man die Entwicklung gut nachvollziehen ohne ewige Vorgeschichte und die Ereignisse bekamen dann auch langsam, aber stetig, einen rätselhaften Anstrich.


    Man erlebt ja alles aus Timos Perspektive, der mehr oder weniger in seinem Körper gefangen ist, ohne sich austauschen zu können. Eine wirklich schreckliche Vorstellung, wenn man nichts sagen, nichts fragen oder sich anderen mitteilen kann. Dazu kommen die Veränderungen, die er in sich spürt und die er sich nicht erklären kann - und seine logische Konsequenz, an sich selbst zu zweifeln, denn er weiß genau, dass nach den schweren Hirnverletzungen die Möglichkeit besteht, dass seine Wahrnehmung nicht mehr an die Realität gebunden ist.


    An sich kann man die Handlung kurz zusammenfassen: Timo sucht nach der Quelle, die sein Bewusstsein beeinflusst. Aber die Autorin hat das sehr raffiniert aufgebaut und ich hab durchweg mit Spannung verfolgt, wie immer mehr Fragen und merkwürdige Situationen entstanden und gleichzeitig meine Ahnung wuchs, was tatsächlich dahinter stecken könnte.

    Um Spoiler zu vermeiden kann ich darauf nicht näher eingehen, aber sie hat da eine sehr originelle Idee eingebaut, die mich sehr fasziniert hat. Eine Entwicklung, die einerseits große Hoffnungen verspricht, andererseits auf mich aber eine sehr gruselige Perspektive hat - denn bei Fortschritten bleibt ja meist etwas zurück, das ursprüngliche, vielleicht auch das menschliche ... mehr möchte ich dazu nicht verraten.


    Was mir besonders positiv aufgefallen ist sind auch die anderen Charaktere, die Jugendlichen und zum Teil auch Erwachsenen, die ebenfalls am Markwaldhof stationär behandelt werden. Jeder von ihnen hat durch einen Unfall eine schwerwiegende Behinderung und wie sie damit umgehen bzw. lernen, damit zurecht zu kommen, ist ein wichtiger Einblick. Herausgestochen ist hier Carl, der durch seine humorvolle und sehr direkte Art, jeden ein bisschen auf die Schippe zu nehmen, sehr deutlich zeigt, dass diesen Menschen mit der Mitleidstour nicht immer geholfen wird. Natürlich empfindet man Mitleid, aber dass dieses Gespür nicht immer mit positiven Entwicklungen einhergeht und dass Humor an manchen Stellen eben nicht verletzend, sondern aufbauend sein kann, wird hier sehr schön gezeigt. Lachen tut immer gut, gerade in schwierigen und scheinbar ausweglosen Situationen muss man sich den Lebenswillen behalten. Gerade Carl ist hier das beste Beispiel, der mit seiner guten Laune immer versucht, die anderen aufzubauen ohne dabei seine Herzlichkeit zu vergessen.

    Vor allem auch die gegenseitige Hilfestellung, die Scheu auf der einen, der Frust auf der anderen Seite, das alles fließt mit ein und zeigt, wie schwierig das Verständnis ist und wie einfach man aber auch damit umgehen kann, wenn man sich dafür sensibilisiert.


    Insgesamt kann ich nur sagen: ich war begeistert! Spannend von Anfang bis zum Ende, stimmig aufgebaut und aufgelöst und mir ist nichts negativ aufgefallen, weil ich durchweg gefesselt war - und mehr hab ich hier nicht erwartet :)


    Meine Bewertung: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

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