Beiträge von Aleshanee

    Klappentext


    Was man im Leben will, ist nicht immer das, was man braucht.

    „Meine Oma sagte immer, ich sei wie zu heißes Essen, du pustest drauf, nimmst einen Bissen und verbrennst dir das Maul bis runter ins Mark.“

    Elise ist von je her bissig, sarkastisch, auffahrend und jähzornig. Als sie Wieland begegnet, weiß sie sofort, dass sie mit ihm ihre große Liebe gefunden hat, und dass alles in ihrem Leben gut werden muss, wenn er dieses Gefühl nur erwidert. Nur dass Leben und Liebe leider anderen Gesetzen folgen, und es manchmal mehr als einen Schicksalsschlag braucht, bis sich die Weisheit dessen, was passieren muss, selbst Elise offenbart.


    Vom langen Weg zu sich selbst, von Lebensträumen und tiefer Freundschaft, vor allem aber von der Liebe, wozu sie da ist und wozu nicht.


    Meine Meinung


    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, wie ich anfangen soll. Das war wohl bisher das emotionalste Buch, das ich gelesen habe; nicht weil es so todtraurig gewesen wäre, sondern weil es so tief in die menschlichen Gefühlsebenen eintaucht.


    Im Mittelpunkt steht Elli, aus deren Sichtweise man erlebt, wie sehr sie sich aus ihren Erfahrungen in der Vergangenheit freikämpfen will. Sie nimmt meist kein Blatt vor den Mund, eckt an und provoziert auch mal gerne. Das resultiert aus der bitteren Wut, die sie in sich trägt und einer Angst, die sich schon in jungen Jahren bei ihr eingenistet hat.

    Ihre Liebe zu Wieland führt sie über die Jahre zu einem Scheidepunkt, auf den man schon gleich zu Anfang im Prolog hingewiesen wird, der aber noch nichts über die Umstände verrät, sondern einfach neugierig macht, wie es wohl dazu kommt.


    "Beziehungen sind keine Konflikte, sie bringen nur die Konflikte hoch, die sowieso in einem drin sind." Zitat


    Es wird recht schnell klar, dass Wieland auch kein einfacher Charakter ist, aber was tatsächlich hinter den Fassaden der Figuren steckt, entwickelt sich erst mit der Zeit, genauso, wie sie sich selbst weiterentwickeln.

    Dann gibt es noch die beiden Freundinnen von Elli: Gwen und Kasia. Eigentlich wirkt es zwischen den dreien eher wie eine Zweckgemeinschaft, weil sie so extrem unterschiedlich sind und auf eher ungewöhnlichem Weg zusammen gefunden haben. Da sind Konflikte vorprogrammiert, aber gerade diese durchzustehen, macht eine gute Freundschaft aus.


    "Wenn Elli also so viel Glück hat, dann will ich mich für sie freuen. Denn genau dafür sind Freunde normalerweise da, weißt du?" Zitat


    Die Art und Weise, wie die Autorin erzählt, entwickelt einen ganz intensiven Sog. Die ganzen Verwicklungen, die sich durch die Gefühle und Erwartungen ergeben, lassen immer wieder Spannung und Spannungen aufkommen, dabei lockert sich das ganze auch zwischendurch mit den Dialogen auf, die an einigen Stellen erfrischend witzig sind, aber auch ernste Problematiken zur Sprache bringen. Gerade Ellis Gedanken wirken hier so lebensnah und ehrlich, dass ich immer mit ihr mitfühlen konnte. Auch wenn ich nicht mit jeder Reaktion von ihr einverstanden war, habe ich doch immer wieder erkannt wie gefangen sie in ihren Erfahrungswerten ist, aus denen sie zwar auszubrechen versucht, sich aber doch ein gewisser Automatismus einschleicht, der sehr schwer zu bezwingen ist. Vor allem auch die Normalität negativer Gefühle, die man in sich spürt, die einfach da sind, in jedem von uns und auch ihre Berechtigung haben!


    "Er lenkt seine Wut , so dass sie zu einer Kraft wird. Und schafft es so, sie zu benutzen, statt von ihr benutzt zu werden." Zitat


    Man selbst merkt ja doch desöfteren, dass man anders reagiert, dass bestimmte Situationen einen auf eine ganz spezielle Art herausfordern und man dem immer gleichen Verhaltensmuster darauf folgt. Wie man versucht, andere einzuschätzen, sich überlegt wie man auf andere wirkt und dabei leider oft vergisst, dass natürlich auch die anderen in solchen Mustern festhängen - und zwar in anderen als man selbst!

    Gerade die Zweifel, Ängste und Überlegungen zu Beginn einer Beziehung, die Hoffnungen und Träume und der starke Wunsch, dass diese sich zusammen mit dem anderen erfüllen mögen. Das langsame Herantasten, das sich verändern, weil man den anderen ja liebt und der Moment, in dem man sich auf einmal völlig fremd geworden ist, wird hier sehr schön dargestellt.


    "Beziehungen entwickeln sich nun mal, genauso wie Gefühle. Man kann ihnen nicht befehlen und sie lassen sich auch nicht in starre Formen pressen, die sich nie wieder verändern dürfen." Zitat


    Sich für jemanden zu verändern den man liebt, oder es gar von jemand anderem zu fordern, ist für mich ja ein sehr verqueres und ja, auch unlogisches Verhalten. Hat man sich denn nicht gerade in den Menschen verliebt, so, wie er genau zu Anfang war? Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man nicht Rücksicht nehmen und jeder beim Zusammensein/Zusammenleben sich aufeinander einlassen muss: also ein Weg gefunden werden sollte, bei dem man zusammen glücklich ist, sich jeder aber auch selbständig entwickeln und "er selbst" bleiben darf. Sich immer zu verbiegen hält keiner lange aus und das sollte auch nicht der "Sinn" einer Beziehung sein. Wie weit kann man Kompromisse eingehen, ohne sich selbst zu verlieren?


    "Gwen war überzeugt, dass niemand sein Wesen und seine Bedürfnisse auf lange Sicht verleugnen konnte und dass wir einen Tod auf Raten lebten, während Kasia meinte, dass neue Erfahrungen unsere früheren Prägungen mit der Zeit schon überlagern würden, und wir uns irgendwann schon automatisch in der Mitte treffen würden, wenn wir unserer Liebe nur genug Zeit ließen." Zitat


    Das alles zu wissen heißt natürlich noch lange nicht, das auch umsetzen zu können und diesen Prozeß muss Elli hier mit allen Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen durchleben, die sie bis an ihre Grenzen bringen. Sie zu der Entscheidung führen, die im Prolog erwähnt wird und der ein langer Weg voransteht, auf dem es viele überraschende Wendungen gab. Manche Entwicklungen hab ich geahnt, andere wiederum haben plötzlich völlig neue Perspektiven eröffnet.


    Gerade wenn wir etwas durchleiden, schlimme Erfahrungen machen, sehen wir oft nicht, wozu das gut ist - natürlich sperrt man sich dagegen, eine ganz normale Reaktion, denn man will nicht, dass dieses schrecklich Gefühl tatsächlich für etwas gut sein kann; aber alleine schon etwas überstanden zu haben und vielleicht auch noch etwas daraus zu lernen, lässt uns wachsen - wenn man es zulässt.

    Erwähnen möchte ich auch, dass der Rahmen, in dem die Geschichte spielt, sehr gut gewählt ist und jeder Moment perfekt in Szene gesetzt wurde. Auch im kleinen Detail findet man Verbindungen zu den Sehnsüchten der Figuren, in ihrer Lebensart, ihrem Umgang und auch ihrem Beruf.


    Diese intensive Auseinandersetzung mit Elli fand ich einfach großartig gemacht: ehrlich, tiefgründig und mit vielen kleinen Botschaften durch ihre Freundin Kasia, die mich immer wieder zum innehalten und nachdenken gebracht haben. Hier bedient sie sich großartiger Metaphern und originellen, sehr anschaulichen Relationen, die einem viel mit auf den Weg geben. Es hat mich zutiefst berührt und ich empfinde diese Geschichte als wahren Schatz, um andere, sich selbst und das Leben besser zu verstehen.


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Band 3 der Reihe Orphan X


    Klappentext


    Als »Nowhere Man« wird Evan Smoak von Verbrechern auf der ganzen Welt gefürchtet; für die, die ihn jagen, ist er »Orphan X«, ein abtrünniger Regierungskiller mit eigenem Moralkodex. Um seine früheren Taten zu sühnen, nutzt er seine Fähigkeiten nun, um den Verzweifelten zu helfen. Doch Evan wird von seinen ehemaligen Auftraggebern gejagt. Da er bislang immer entkommen konnte, fordern sie ihn nun heraus: Sie attackieren den Menschen, der Evan am meisten bedeutet. Und ihr Plan scheint aufzugehen - denn Evan geht zum Gegenangriff über und schreibt dafür sein geheiligtes 4. Gebot um: Diesmal ist es persönlich.


    Meine Meinung


    Endlich mal ein Klappentext, der nicht zu viel verrät aber sehr gut umschreibt, worum es bisher ging und was man hier erwarten darf - muss ich auch mal positiv erwähnen :)


    Die ersten beiden Bände fand ich ja schon richtig gut, aber der dritte topt das ganze meiner Meinung nach noch! Ich war recht schnell wieder in der Geschichte drin, was auch an den kleinen Infos zu den Vorgängern lag, die der Autor mit eingeflochten hat.

    Es geht rasant vorwärts mit vielen Spannungsmomenten und ich fand es genial wie ich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite total gebannt war von den vielen Ereignissen, die das Leben von Evan Smoak auf den Kopf stellen.


    Ich denke ich verrate nicht zuviel wenn ich sage, dass Evan, alias Orphan X, alias der Nowhere Man, dieses Mal jemanden an seiner Seite hat - siehe Cover. Gerade er, der sich als Waffe bezeichnet, als Maschine, die nur auf bestimmte Aufgaben ausgerichtet ist, muss sich vielleicht nicht zum ersten Mal mit einem anderen Menschen auseinandersetzen. Aber es war wohl noch nie in seinem Leben so intensiv, dass es seine Gefühle in Aufruhr bringt.

    Ich mag ihn ja als Charakter total gerne, auch wenn er brutal ist, ein "Mörder", ein indoktriniertes Element der Regierung, der sich aber mittlerweile zurückgezogen hat, um mit seinen Fähigkeiten und auf seine Weise Menschen zu helfen; auf die einzige Art, die er gelernt hat. Natürlich spielt da Mitgefühl eine große Rolle, denn er kann ja kaum anders handeln durch das, was er erlebt hat. Gerade die Wandlung, die sich zwar sehr langsam, aber doch vollzieht, hat mich hier schon sehr berührt!


    Insgesamt ist es aber ein Thriller, der diese Genre-Bezeichnung tatsächlich mal verdient. Ständige Flucht, actionreiche Schießereien, brutale Gangs, schlagkräftige Kämpfe, alles ist wohldosiert und in einer guten Mischung vereint und wirkt trotz der surrealen geballten Ladung immer authentisch. Ein bisschen merkt man wohl auch den Filmcharakter, da der Autor ja auch Drehbücher schreibt, denn ich hatte die Szenen immer sehr gut vor Augen und könnte mir gut vorstellen, das ganze auch mal verfilmt zu sehen!


    Vom Schreibstil her ist es eher nüchtern, geht zügig voran, ohne sich mit zu vielen unwichtigen Details aufzuhalten. Mal abgesehen von den technischen Einzelheiten zu Waffen oder Überwachungsmöglichkeiten, die immer wieder einfließen; von denen versteh ich zwar nicht viel, lassen das ganze aber umso realistischer wirken!

    Evans Vorliebe für Wodka erhält übrigens auch wieder Raum für ein paar ruhige Momente, aber in diesem Band hat sich der Autor zu dem Thema doch etwas mehr zurückgehalten :D


    Interessant sind auch seine Gegenspieler und wie immer mehr aufgedeckt wird, was tatsächlich hinter dieser vehementen Verfolgung von Evan steckt. Hier ist noch viel Potenziel für die Fortsetzung vorhanden und ich freu mich schon, wenn sie hoffentlich bald auf deutsch erscheint!


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Schussenried, anno 1616

    Der Prior Kaspar Mohr im Kloster zu Schussenried ist ein sehr aufgeklärter Geistlicher. Als ihm sein Abt aufträgt, eine entflohene Hexe wieder aufzuspüren ist er wenig begeistert. Möchte er doch viel lieber an seiner Apparatur weiterbasteln, einer Idee, die er aus seinem Studium in Rom mitgebracht hat und die seinen Traum, fliegen zu können, immer näher bringt.

    Aber nicht nur die Hexenjagd macht ihm zu schaffen - immer mehr Aufgaben und Probleme häufen sich an, die er kaum zu bewältigen weiß und so gerät immer tiefer in das Netz aus Intrigen ...


    Meine Meinung


    Bei historischen Romanen ist es schwer, meinen Nerv zu treffen, aber diese Geschichte hat mich total gefesselt. Es ist relativ einfach geschrieben, übermittelt aber trotzdem sehr anschaulich die damalige Zeit.


    Im Mittelpunkt steht natürlich der Prior Kaspar Mohr; ein sehr ungewöhnlicher Mönch, der für die damalige Zeit recht unkonventionelle Ideen hat, die ihm aber auch eine gewisse Bewunderung und Sonderstellung eingebracht haben. Vor allem die Haltung gegenüber der Hexenjagd, die gerade zu der Zeit gar nicht mehr üblich war und sogar auch von der Kirche als haltlos gesehen wurde, hat mich sehr überrascht. Ich kenne zwar viele historische Romane, aber so explizit hab ich mich mit der Hexenverfolgung im Mittelalter auch noch nicht auseinander gesetzt.

    Interessant fand ich ebenso die Einflechtung der Entdeckungen von Galileo Galilei, Kopernikus und Giordano Bruno. Letzteren Namen hab ich hier zum ersten Mal gehört, aber auch sein Dasein ist belegt. Er wurde im Februar 1600 wegen Ketzerei zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und erst vor 18 Jahren, im Jahr 2000, erklärte der Papst diese Hinrichtung als Unrecht. Mehr dazu kann man übrigens auch im Nachwort des Autors nachlesen.


    Aber zurück zur Geschichte: Erzählt wird sie aus verschiedenen Perspektiven, so dass man einen guten Überblick über die Ereignisse erhält. Nicht immer weiß man sofort, welche Bedeutung dahintersteckt, aber es gibt einen roten Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Durch den ständigen Wechsel der Sichtweisen wirkt es abwechslungsreich und dabei sehr fesselnd durch kleine geschickt gesetzte Cliffhanger.


    Die Figuren sind durchweg authentisch und - wenn auch nicht immer sympathisch - ein zwar oberflächlicher, aber durchaus beispielhafter Querschnitt über die damalige Lebensweise mit all ihren Problemen, Hoffnungen und Träumen.


    Die Spannung baut sich langsam, aber stetig auf und ich hab mich durchweg sehr gut unterhalten gefühlt. Am Schluss hat sich alles aufgeklärt und zu einem gelungenen Ende gefunden.

    Für Fans von historischen Romanen kann ich es auf jeden Fall empfehlen!


    Fazit: 4.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Verlagsinfo


    Road Novel von Antonia Michaelis über zwei ungleiche Helden und sehr viele Kühe.


    In einer Sommernacht lernen sie sich kennen: Sean, Student aus dem Iran, seit zwei Monaten in Deutschland, und Davy, aus dem Heim abgehauen, auf der Suche nach einem Freund. Beide werden Zeugen eines Überfalls. Von nun an verfolgt von Verbrechern und Polizei türmen sie zusammen quer durch Deutschland: über Erdbeerfelder, unter dunklen Gewitterwolken, durch Biergärten, im Heißluftballon, mit der Bahn und auf dem Moped. Immer wieder werden sie dabei von Kühen umzingelt, das scheint ihr Schicksal zu sein. Warum sonst sollte der Wagen mit Sean und dem Abschiebebescheid ausgerechnet auf dem Weg zum Flughafen in einer Kuhherde stecken bleiben?


    Klug, skurril und komisch nimmt Antonia Michaelis ihre Leser mit auf eine Deutschlandreise aus Sicht eines Flüchtlings und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.


    Meine Meinung


    Ich bin ja ein großer Fan von den Büchern der Autorin - selbst Themen, die mich eigentlich nicht so reizen, verpackt sie mit ihrem besonderen Schreibstil und ihrer eigenwilligen Sichtweise in ein außergewöhnliches Leseerlebnis.


    Aber ich möchte kurz noch auf die "Buch Verpackung" zum sprechen kommen, denn ich liebe es, wenn ich den Schutzumschlag abnehme und dann auf eine originelle Idee und Gestaltung treffe. Was es ist verrate ich nicht, da müsst ihr schon selber nachschauen! Das Cover an sich find ich jetzt nicht "schön", aber auf jeden Fall auffällig und mal etwas völlig anderes.


    Die Handlung an sich war jetzt von der Idee her auch nicht so meins - solchen Geschichten und Themen gehe ich eher aus dem Weg, weil ich da im Alltag schon genug darüber höre, aber mich hat es interessiert, wie die Autorin das umsetzen wird.


    Das Thema ist Flucht und wird auch auf vielerlei Arten in Szene gesetzt: Shayan, genannt Sean, flüchtet aus seinem Land Teheran, der kleine Davy flüchtet aus einem Heim und beide flüchten vor der deutschen Polizei, weil ihnen eine Menge an Missverständnissen passieren, die auf keine Kuhhaut passen :D Ja das Sprichwort ist extra gewählt, denn Kühe kommen recht häufig vor und sind mehr als einmal ein Hindernis, das die beiden aufhält bzw. weitertreibt. Irgendwie hab ich in Erinnerung, dass das öfter in den Büchern der Autorin vorkommt: also Tiere die immer wieder mal auftauchen.

    Aber gerade Shayan flüchtet auch noch vor sich selbst. Es dringt immer wieder die Erwartungen der Familie durch, vor allem seines Vaters, "etwas aus sich zu machen und kein Versager zu sein." Dabei prallen dann auch sehr häufig die Kulturen aufeinander, die oftmals mit Humor gegenüber gestellt werden und dabei aufmerksam machen auf einen wichtigen Punkt: eine andere Gesellschaft, eine andere Lebensweise ist nicht so einfach zu verstehen, wenn man nicht damit aufgewachsen ist. Man verinnerlicht so viele festgefahrene Dogmen, dass es einfach schwerfällt, andere Sitten und Gebräuche und ja, auch Menschen, zu verstehen.


    Humor ist ja bei mir immer ein etwas schwieriges Thema, aber ich fand es teilweise schon recht amüsant, teilweise konnte ich aber auch vieles nicht nachvollziehen. Zum einen weiß ich darüber einfach zu wenig Bescheid und manches hab ich im Zusammenhang wohl auch einfach nicht verstanden.

    Das Buch hat definitiv einen ernsten Hintergrund, sollte aber schon mit Augenzwinkern gelesen werden, denn sie nimmt hier schon viel auf die Schippe. Überhaupt passiert den beiden Flüchtigen so immens viel und sie geraten von einer schwierigen Situation in die nächste, dass man hier über Logik oder Sinn nicht streiten braucht: diese Geschichte lebt einfach davon.


    Der Held für mich war allerdings nicht Shayan, sondern Davy. Der Junge ist 8 oder 9 Jahre alt und muss ziemlich viel hinter sich haben. Viel erfährt man nicht, aber das wenige reicht eigentlich schon um zu wissen, dass es großen Mut erfordert für das, was er auf sich nimmt. Sein Ziel, seine Freiheit, lässt er dabei nie aus den Augen und klammert sich dabei sehr an seinen neuen großen Freund "Sean". So ein liebenswerter Kerl, der jeden zum Lächeln bringt und trotz seines Defizits ein absolut schlaues Kerlchen ist.

    Davy hat nämlich ein kleines Problem mit der Sprache - er hat scheinbar nie so wirklich deutsch gelernt und alles nur aufgeschnappt, was an einen Jugendslang erinnert, vor allem durch das Verschlucken von Buchstaben.


    Anfangs war das sehr ungewohnt zu lesen, vor allem auch, weil Shayan (Sean) im Dialog auch nur sehr gebrochen deutsch spricht und man hier etwas im Lesefluss gebremst wird. Allerdings hat mich das nicht lange gestört, weil ich dadurch einfach genauer und intensiver gelesen habe.


    Wie oben gesagt gibt es logische Knackpunkte und ein Sammelsurium an kuriosen Zufällen, aber das ist eben auch das, was die Geschichte ausmacht. Shayan wirkte auf mich zuerst konfus, ängstlich, wirklich auch extrem naiv, aber durchaus liebenswert. Seine Suche nach einem Platz in Leben ist geprägt durch seine (der Erziehung geschuldete?) Vorstellung, dass jede Frau die er trifft eine potenzielle Heiratskandidatin ist und er sich alleine damit - plus einem Job und 10 Kindern - ein perfektes Leben haben wird. Diese Blauäugigkeit war mir an manchen Stellen etwas zu dick aufgetragen, aber es war auch insgesamt alles etwas überzogen dargestellt, was aber auch gewollt war, denke ich mal.


    Es war für mich ein interessanter Ausflug zu diesem Thema dass mich zum großen Teil auch wirklich gut unterhalten hat. Vor allem bei den vielen Ideen war Antonia Michaelis hier sehr einfallsreich.


    Fazit: 4 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Ein wirklich tolles Setting, eindrucksvolle Charaktere, eine spannende Handlung und wichtige Botschaften: großartiger Auftakt!


    Gleich zu Beginn wird das Schema der Cantharischen Jagd vorgestellt - der Jagd auf die Wyvern: drachenähnlichen, Säure spuckenden Geschöpfen, die von mehreren Jägern in einem Verbund mit verschiedenen Aufgaben gefangen und zur Strecke gebracht werden.


    Perfekt für den Einstieg, denn man erlebt sofort eine Jagd auf eines der mächtigen Tiere, die in Lyth ´Ayrin schon seit Generationen als böswillige Kreaturen verschrieen sind. Allerdings lebt das Land auch von der Verarbeitung der Schuppen, der Knochen und dem Fleisch dieser Tiere - und es geistern auch alte Überlieferungen in den Köpfen der Menschen, die ein friedliches Zusammenleben unmöglich machen.


    Das ist einer der wichtigen Hintergründe, die die Autorin in ihre Geschichte mit einbaut: Das ein festgefahrenes Verhaltensmuster, das seit Generationen weiterlebt, kaum eine Chance hat, durch neue Erfahrungen verändert und andere Methoden abgelöst zu werden. Ich denke, das kann man auf vielen Ebenen anwenden und die Menschen auf die ein oder andere Art dazu bewegen, neue Wege zu sehen und umdenken zu können.

    Die zweite Botschaft ist mir auch sehr zu Herzen gegangen: das Mitfühlen mit Tieren, wilden Tieren, die auch nur um ihr Überleben kämpfen und die so oft dem Missverständnis, der Habgier und dem projizierten Hass von Menschen gegenüberstehen. Gerade hier hat die Autorin einen großartigen Spagat geschafft, beide Seiten zu zeigen und warum manche Verhaltensweisen wie ein Stein ins Rollen kommen, der kaum mehr aufzuhalten ist.


    Im Mittelpunkt stehen die Brüder Tarik und Quirin. Ihre Familie verbindet außergewöhnliche Ereignisse mit der Wyvernjagd in der Vergangenheit, die es dem 20jährigen Tarik allerdings erheblich erschweren, in die Jägergilde aufgenommen zu werden. Tarik scheint mir sehr gefangen genommen von dem gesellschaftlichen Druck, der auf ihm lastet und da er seit Jahren seine Gefühle unterdrückt und nur irgendwie versucht, sein Leben für sich und seinen 10jährigen Bruder Quirin auf die Reihe zu bekommen, hat er den Blick verloren auf das, was er tatsächlich empfindet. Allerdings alles nachvollziehbar, denn er hatte es wahrlich nicht leicht.

    Unterstüzung bekommt er von seinem Mentor Khaled, der vom Hass auf die Wyvern zerfressen ist und der seinem Schützling endlich zu den verdienten Prüfungen zulassen möchte.

    Quirin war mir ganz besonders sympathisch. In seiner teils noch kindlichen, aber durchaus auch erwachsenen Art zu Denken sieht er die Dinge, wie sie tatsächlich sind und scheut sich nicht, alles aufs Spiel zu setzen, um den für ihn "richtigen" Weg zu gehen.

    Ebenfalls eine sehr warmherzige Person die ich sehr ins Herz geschlossen habe ist Fahjet. Als Tochter des Bürgermeisters hat sie viele Pflichten, die sie lernen muss - was sie nicht nur mit Verstand, sondern auch mit viel Mitgefühl zu bewerkstelligen weiß.


    Aber es gibt noch einige Figuren mehr, vor allem auch zwei Barden, die hier eher noch eine untergeordnete Rolle spielen, später aber sicher noch wichtig werden. Die Abschnitte der beiden hat mich unvorbereitet getroffen und ich fand es zuerst etwas "deplaziert". Ich weiß auch nicht, wie ich es anders nennen soll - es fühlte sich komplett aus dem Zusammenhang gerissen an, wobei ihr Schicksal auch noch interessant zu werden scheint.


    Die Autorin baut die Geschichte um die beiden Brüder herum auf und während man ihre Entwicklung verfolgt, wird die Welt, das Leben und die Legenden erklärt. Man lernt die verschiedenen Figuren näher kennen, auch indem die Perspektiven immer wieder wechseln, aber auch die Natur, die in diesem fremden Land eine besondere Flora und Fauna zu bieten hat. Obwohl es ein eher ruhiges Erzähltempo ist, war ich ganz gefesselt von dem anschaulichen Schreibstil, mit dem alles wunderschön beschrieben und erzählt wird. Gerade im letzten Drittel zieht die Spannung immer mehr an und obwohl ich einige Vermutungen hatte, was passieren könnte, wurde ich doch immer wieder überrascht.


    Das Ende weckt jedenfalls meine Neugier wie es weitergehen wird und ich freu mich schon auf die Fortsetzung!


    Fazit: 4.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Düster, dramatisch, spannend, ein großartiges Finale!


    Der mittlerweile 12jährige Gregor hat ja schon einige Abenteuer im geheimnisvollen Unterland bestehen müssen: Tief unterhab New York in einem weitläufigen Höhensystem, wo sich einige Menschen schon vor Jahrhunderten niedergelassen und die Stadt Regalia geschaffen haben. Zusammen mit riesenhaften, tierischen Bewohnern wie Fledermäusen, Ratten und Kakerlaken leben sie teils in Freundschaft, tragen aber auch erbitterte Kämpfe aus, denn die Ressourcen und die Gebiete sind in diesem unterirdischen Land natürlich beschränkt.


    Der fünfte Band setzt direkt am Ende der Ereignisse des Vorgängers an. Dieser hatte die Weichen gelegt für den großen Krieg, in dem sich Gregor jetzt seiner größten Herausforderung stellen muss. Er verabscheut Krieg und Gewalt und ist dennoch gezwungen, das "Schwert des Kriegers" zu führen, denn die uralten Prophezeiungen des Gründers von Regalia haben in den letzten Monaten sein Leben bestimmt - bestimmen sie jetzt auch seinen Tod?

    Eine Frage, die hier am Rande aufgeworfen wird, denn Prophezeiungen oder das Schicksal, inwieweit sollte man darauf vertrauen? Sind unsere Wege vorherbestimmt oder können wir selbst entscheiden, in welche Richtung wir gehen? Und vor allem: kann man verhindern, was wie ein Damoklesschwert über einem hängt?


    Suzanne Collins hat es geschafft, trotz einigen, durchaus brutalen Kampfszenen auch viele andere spannende Elemente mit einzubauen. Gregor muss nicht nur das Unterland vor einem Fluch befreien, er muss sich auch gegen eine gerissene Kriegstreiberin behaupten und ein wichtiger Code muss geknackt werden, damit die Regalianer überhaupt eine Chance haben, in diesem Krieg zu bestehen!

    Es ist nicht ganz so düster wie der vierte Band, trotzdem fordert die Handlung wieder viele Opfer auf die unterschiedlichste Weise und es gibt einige traurige und zu Herzen gehende Momente, die mich sehr berührt haben.


    Der Schreibstil bleibt klar, einfach und flüssig zu lesen, wie man es aus den Vorgängern gewöhnt ist. Ich bin wieder regelrecht durch die Seiten geflogen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Kapitel haben auch oft kleine Cliffhanger am Ende und überraschen mit Wendungen und vielfältigen Ideen, die sich perfekt eingefügt und die Spannung vorangetrieben haben!


    Viele Leser haben "beanstandet", dass hier viel Gewalt mit im Spiel ist. Das ist schon richtig, aber die Autorin schafft hier ein ausgleichendes Verhältnis und man muss sich mal überlegen, wie viel Gewalt Kinder in den Medien heutzutage ausgesetzt sind, wo sie es nicht verarbeiten können. Die Botschaft hier ist ganz klar: Gewalt ist keine Lösung und einen gemeinsamen Frieden zwischen Völkern, Arten und Rassen werden wir nur ohne Gewalt finden: in uns selbst!


    "... aber überall auf der Welt gab es Menschen, die leiden mussten, die hungerten, flohen,

    einander im Krieg töteten. Wie viel Energie sie darauf verwendeten, einander zu schaden.

    Wie wenig darauf, sich gegenseitig zu beschützen. Würde sich das je ändern?" Zitat S. 350


    Mein Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer


    Klappentext


    April 2012 - die Mount-Everest-Saison hat begonnen.


    Vor Ort: Ärztin Clementine, die schon auf dem Trek zum Basecamp alle Hände voll zu tun hat, sich um die Verletzten und Höhenkranken zu kümmern, welche die Region auf dem Weg zum höchsten Berg der Erde unterschätzt haben.

    Ebenfalls mit von der Partie ist der russische Auftragskiller Alexej, der sich als Bergsteiger ausgibt und bloß einen Auftrag hat: Clementine zu töten. Dumm nur, dass sie bereits tot ist.


    Meine Meinung


    Ich bin eher zufällig über das Buch gestolpert und hab durch Neugier in die Leseprobe reingelesen: das war mal ein ganz neuer Ausflug in ein eher unbekanntes Genre für mich: eher leicht, locker, witzig, prickelnd und mit Spannungselementen. Grade die ersten Kapitel haben mir richtig Lust darauf gemacht, auch wenn es nicht die ganzen Seiten hindurch angehalten hat.


    Clementine ist Ärztin in Hamburg und auf der Suche nach "dem Richtigen". Dass sie ihn durch One-night-Stands nicht finden wird ist ihr klar, aber wenigstens kann sie damit für ein paar Stunden das Gefühl von Nähe bekommen, das ihr so sehr fehlt. Die Tour auf den Mount Everest wird für sie zu einer harten Probe nicht nur im körperlichen Sinn. Irgendwie war sie mir auf jeden Fall sympathisch durch ihre konsequente Offenheit, denn durch die Ich-Perspektive wusste man immer ganz genau, was sie denkt. Dabei war sie manchmal etwas inkonsequent, was ich ihr aber durch ihre verwirrten Gefühle und den "Höhenrausch" aber durchaus nachsehen kann ;)


    Die Kapitel sind sehr kurz und wechseln immer zwischen Clementine und Alexej, dem Auftragskiller, den die Russen losgeschickt haben - und der sein eigenes, tief verborgenes Leid in sich trägt, mit dem er auf seine Art versucht, fertig zu werden. Der Kontrast zwischen dem "starken Macker", für den er sich gibt, und den sehr weichen Gefühlsmenschen war interessant, hab ich ihm aber nicht so ganz abnehmen können.

    Richtig nahe gekommen bin ich keinem der beiden so wirklich, auch wenn sie gut skizziert wurden und an sich glaubwürdig rüberkommen. Insgesamt wirkt aber dennoch alles sehr konstruiert und etwas oberflächlich - was ich einfach nicht so in der Art gewöhnt bin. Es geht sehr flott voran mit der Handlung, mit der Beziehung der beiden, aber auch mit dem Aufstieg dieses einzigartigen Berges. Inwieweit hier die Details zum Bergsteigen der Wahrheit entsprechen weiß ich nicht, aber es fühlte sich auf jeden Fall gut recherchiert an, genauso wie die eingeflochtenen Einblicke in die Kultur des Landes; nebenher erwähnt gaben sie dem Abenteuer einen authentischen Anstrich.


    Gerade dieser lockere Ton, der mir anfangs wirklich gut gefallen hatte, wurde mir auf die Dauer zu viel. Ein Stück weit konnte man immer vorausahnen, was passiert, aber es gab auch Überraschungsmomente. So richtig darauf einlassen konnte ich mich leider nicht, während mir die erste Hälfte noch gut gefallen hat, war die zweite nicht mehr so packend und auch die Dramatik am Ende konnte mich nicht so mitreißend wie gehofft.


    Für Fans leichter Romane mit ein bisschen Erotik, einer Portion Spannung und dem Flair des sagenumwobenen Mount Everest sei es aber auf jeden Fall empfohlen.


    Mein Fazit: 3 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Klappentext


    Huxleys schöne neue Welt reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim "Circle", einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz - so ein Ziel der "weisen drei Männer", die den Konzern leiten - wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden.

    Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles ...


    Meine Meinung


    Als erstes muss ich ganz kurz auf das Cover eingehen, das mit der Schlichtheit und dem Firmenlogo des "Circles" eine gute Wahl getroffen hat, die Farbe aber einem deart ins Auge sticht, dass man es kaum anschauen kann.

    Aber man soll ja nicht das Innere nach dem Äußeren beurteilen - übrigens habe ich mir direkt nach dem Lesen auch die Verfilmung dieser Geschichte angeschaut, bei der einiges an der Umsetzung besser war, vieles aber leider zwecks der Kürzungen unter den Teppich gekehrt wurde. Die Bewertung dazu fällt ähnlich aus, nur aus anderen Gründen.


    Wir befinden uns mit der Protagonistin Mae Holland in Kalifornien. Sie bekommt durch ihre Freundin Annie einen der begehrtesten Arbeitsplätze beim Circle (wenn man hier übrigens schon das englische Wort beim Titel übernimmt, sollte man auch "the" davorsetzen) und kann ihr Glück kaum fassen. Ja sie ist schier überwältigt von den vielen Möglichkeiten, die eine weltweite Vernetzung bieten und vor allem die Transparenz und das Weitergeben von Wissen. Das Konzept der Firma ist in einigen Teilen ja auch sehr auf die Mitarbeiter zugeschnitten und bietet eigentlich alles, was das Herz begehrt, ein Rundum Programm mit allem was man braucht plus Freizeitaktivitäten und Wochenendpartys - so dass man eigentlich ein Leben außerhalb des Circles gar nicht mehr nötig hätte - oder?


    Jetzt hat der Autor die liebe Mae mit ihren 24 Jahren wirklich extrem naiv dargestellt, ich würde sogar sagen: dumm. Das hat mich eine zeitlang ein bisschen geärgert, wobei ich mittlerweile zu der Auffassung gelangt bin: vielleicht hat er das extra so ins Extreme gezogen, um auch wirklich JEDEM klarzumachen, was er mit diesem Buch aussagen möchte. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, gerade weil Mae so doof ist und man denken könnte, nur "solche Menschen" lassen sich so einfach einer Gehirnwäsche unterziehen.

    Wir alle, also Menschen an sich, sind beeinflussbar und lassen uns leicht lenken, überzeugen, wenn der richtige Ansatz da ist und es uns etwas gibt, was uns fehlt.

    Ich denke, deshalb kommt überhaupt alles, was er hier beschreibt, sehr überzogen vor, seien es die Charaktere, aber auch das Zukunftsszenario dieser alles registrierenden und überwachenden Präsenz des "Circles", das an sich gar nicht so weit hergeholt scheint. Vieles davon kann man schon jetzt beobachten und Dave Eggers hat hier so unendlich viele Ansätze und Umsetzungen angesprochen, die möglich sind, dass ich hier nur auf einige eingehen werde.


    "Würden Sie also ganz allgemein sagen, dass Sie sich anders verhalten,
    wenn Sie wissen, dass Sie beobachtet würden?"
    S. 320


    Na klar, wird jeder sagen. Es geht bei dem Zitat im Buch darum, etwas verbotenes zu tun oder nicht. Das Abhalten von illegalen Handlungen: an sich ein guter Vorsatz. Keine kriminellen Handlungen mehr, wenn jeder weiß, dass er beobachtet wird: schöne heile Welt. Aber immer und überall beobachtet werden - wer würde das wollen?


    Die Gehirnwäsche, die Mae Holland erlebt, seit sie beim Circle arbeitet, kann man sehr schön verfolgen. Sie wird langsam herangeführt und immer tiefer hineingezogen, dabei an ihr "minderes" Selbstwertgefühl appelliert und gleichzeitig an ihren Egoismus, nicht alles für sich zu behalten. Teilzunehmen - und vor allem andere teilnehmen zu lassen - an allem was sie denkt und tut. Privatsphäre? Wozu, wieso soll man anderen sein Wissen und seine Erlebnisse vorenthalten? Hat nicht jeder ein Recht darauf zu erfahren, welche Hobbys man hat, wo man im Urlaub ist, was man einkauft ... ja, und natürlich interessiert das ja schließlich auch den Rest der Welt, oder?

    Klicks, Smileys, Daumen hoch, alle Welt zeigt wie wichtig jeder Post, jeder Tweet, jede Meinung ist und das ist im Endeffekt ja auch das, was zählt. Die realen sozialen Kontakte haben keinen großen Stellenwert mehr, man wird ja schließlich von so vielen fremden Freunden auf der ganzen Welt gesehen und gemocht, oder?

    Ganz bezeichnend fand ich hier auch, wie enttäuschend und vorwurfsvoll reagiert wird, wenn nicht prompt auf eine Email oder ähnliches reagiert wird. Ein quit pro quo gefordert wird für jedes Like, das man gibt.


    Die Handlung bezieht sich im Grunde darauf, wie spielerisch so etwas seinen Anfang nimmt und wie schnell und enger der Kreis sich zieht. Es gibt natürlich auch positive Ansätze in dem ganzen die tatsächlich sinnvoll erscheinen. Das Vernetzen an sich hat durchaus Züge, die auch ich gut finde, aber genau da setzt es an und vor allem setzt sich fort, wenn plötzlich die negativen Aspekte überwiegen.

    Der "Circle" nimmt sich dementsprechend die Themen vor, die allen Menschen am Herzen liegen:

    Die Sicherheit der Kinder, die Verbrechensbekämpfung, die Liebe, und der Wunsch, "gesehen" und akzeptiert zu werden - hier natürlich á la Ranking. Wer hat die meisten Klicks und wie hoch ist mein Engagement gegenüber anderen: alles öffentlich einsehbar, na klar. Man will ja zeigen wie toll und engagiert man ist.

    Mercer, Maes Exfreund, ist eigentlich der einzige Charakter, der mir sympathisch war, aber selbst er wird etwas seltsam dargestellt, wie eigentlich alle Figuren. Auch der mysteriöse Freund, der auch im Klappentext erwähnt wird, aber hier möchte ich nicht spoilern.


    Wie viel wissen will ich denn in der Öffentlichkeit preisgeben? In der Familie, bei Freunden, bei Bekannten, im Internet ... gibt es hier Grenzen? Hat jeder das Recht auf die uneingeschränkte Wahrheit oder hab ich das Recht auf Privatsphäre? Muss ich alles wissen über mir wildfremde Menschen oder sollte ich nicht lieber denjenigen Menschen näher kommen, vertrauter werden, die mir wirklich nahestehen?


    "Kein Mensch braucht diese Menge an Kontakt, die ihr ermöglicht. Das verbessert nichts.
    Es ist nicht gesund. Es ist wie Junkfood."
    S. 156


    Es ist ein wirklich sehr weit umfassendes Thema, über das ich sicher noch länger nachdenken werde und einige der Gedankengänge des Autors sicher (leider) in der Zukunft zum Problem werden könnten. Denn es gibt solche Menschen wie Mae und den vielen Massen, die den "Circle" in dieser Geschichte unterstützen und bejubeln, weil sie das naheliegende aus den Augen verloren haben.


    Auch wenn es mir in der Umsetzung nicht wirklich gefallen hat bin ich doch froh, das Buch gelesen zu haben, denn manche angesprochene Dinge haben mich dazu gebracht, auch über mein eigenes Verhalten nachzudenken, was meinen Umgang mit den Social Media Kanälen betrifft.


    Mein Fazit: 3.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Klappentext


    Warum kommt es uns manchmal so vor, als ob die Zeit unterschiedlich schnell vergeht? Ophelia hat sich darüber nie wirklich Gedanken gemacht, bis sie eines Tages beginnt, die Zeit zu sehen. Denn Ophelia ist eine Zeitlose und besitzt die seltene Gabe, die Zeitströme zu beeinflussen. Doch kaum hat sie von diesen Fähigkeiten erfahren, spielt die Zeit plötzlich überall auf der Welt verrückt. Gemeinsam mit dem mysteriösen Leander muss Ophelia die Ursache für das Zeitchaos finden. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Welt der Zeitlosen auf den Kopf stellen wird.


    Meine Meinung


    Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen des Buches wie die Protagonisten auch etwas mit der Zeit gehadert habe, die vergeht, denn manche Stellen zogen sich ganz schön dahin und es kam mir vor, als käme ich in der Geschichte nur langsam voran. So sehr das Cover mich in den Bann gezogen hat: das Buch hat es leider nicht geschafft.

    Natürlich muss man das Lesealter berücksichtigen, allerdings fand ich es dabei schon seltsam, dass die Protagonistin Ophelia 16 Jahre alt ist. Was zwar zur Bewältigung der Aufgaben, die sie lösen muss, passt, aber ihr Verhalten aber einfach tatsächlich eher einer 12jährigen gleicht. Ich weiß, jeder Mensch und jeder Jugendliche ist anders, aber das war mir teilweise dann doch zu albern.


    Dabei hat der Prolog wirklich vielversprechend angefangen und ich hab mich schon sehr auf die Geschichte gefreut, vor allem, was es mit den Zeitströmen auf sich hat und wie man sie beeinflussen kann. Das alles wurde zwar teilweise erklärt, aber nicht wirklich hinterfragt. Ich weiß natürlich, dass bei Themen über die Zeit bzw. deren Manipulation nicht mit Logik beizukommen ist, trotzdem bin ich immer wieder über Szenen gestolpert, die mir innerhalb des ganzen keinen Sinn ergeben haben.

    Die Informationen kamen tröpfchenweise, was ja meistens gut für den Spannungsaufbau ist, mich aber eher genervt hat. Wiederkehrende Situationen, in denen man einfach miteinander hätte sprechen können, es aber nicht gemacht hat. "Keine Zeit" als Ausrede kann da bei mir ehrlich gesagt nicht gelten, wenn man die Zeit anhalten kann ;)


    Aber es gab auch andere kleine Unstimmigkeiten und ich kam einfach nicht in einen Lesefluss. Dabei ist es an sich recht einfach und flott geschrieben, wechselt dabei ab mit der Ich-Perspektive von Ophelia und dem Part von Leander, der aus der dritten Person erzählt wird.

    Leander ist ja ein sehr undurchsichtiger Charakter, dessen Hintergründe man nur nach und nach erfährt - und da muss ich sagen, hat die Autorin wirklich gute Ideen gehabt. Überhaupt gibt es viele richtig tolle Ansatzpunkte, die mir einfach in der Umsetzung nicht so gut gefallen haben. Der Fokus lag immer genau da, was mich weniger interessiert hat und das, worüber ich gerne mehr gewusst hätte, blieb außen vor: das war etwas frustrierend.


    Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für so eine Zeitreise? Ob es am Schreibstil lag, am Aufbau, an der Umsetzung des Themas ... ich kann auch nicht so genau sagen, warum es mich nicht so packen konnte. Ich hab einfach kein Gespür für diese Geschichte bekommen. Aber es gab auch Momente, die ich spannend fand, vor allem auch die kleinen Cliffhanger an den Kapitelenden, die immer wieder eingebaut wurden.


    Mein Fall war es leider nicht so, aber es gibt ja einige, denen es richtig gut gefallen hat: also probiert es einfach selbst aus ;)


    Mein Fazit: 2.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer


    Spannende und auch etwas ungewöhnliche Abenteuer mit d´Artagnan und den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis. Hat mir sehr viel Spaß gemacht!


    "Einer für alle, alle für einen!"


    Diesen Spruch kennen wahrscheinlich alle oder? :) Über die Drei Musketiere kommt man wahrscheinlich einfach nicht drum herum ... oftmals verfilmt und in zahlreichen Versionen veröffentlicht hat zumindest jeder schonmal von ihnen gehört. Ich selber hatte in meiner Kindheit eine Kassette - ja, so alt bin ich schon - mit der Geschichte um die Diamantspangen und ihre unglückliche Rolle in der Liaison der Königin von Frankreich und dem Herzog von Buckingham.


    Das erste Drittel des Buches war für mich also ein Eintauchen in meine Kindheitserinnerungen und somit hatte ich richtig viel Spaß. Selbst die ausführlichen Beschreibungen und detaillierte, ausschweifende Erzählweise hat mich nicht gestört, denn obwohl es recht langsam voranging war ich von der Handlung sehr eingenommen.

    An die Sprache hab ich mich recht schnell gewöhnt. Der alte Stil hatte seinen ganz eigenen Charme und ich konnte mich recht schnell einfinden. Ich war ja früher ein großer Fan von Mantel-und-Degen Filmen und hier den berühmten d´Artagnan und seine drei besten Freunde, die Musketiere Athos, Portos und Aramis zu begleiten, war ein großes Vergnügen.

    Der Mittelteil war dann etwas zäher weil mich die Handlung nicht mehr so mitgerissen hat; was aber im letzten Drittel mit der Belagerung von La Rochelle und der Suche nach d´Artagnans Geliebten dann wieder an Spannung gewonnen hat.


    Als übergeordneter Erzähler berichtet der Autor hier von der Begegnung des heißspornigen Gascogners d´Artagnans mit den drei Musketieren, die auf sehr ungewöhnliche Weise zusammenfinden. Der Hauptmann der Musketiere Treville spielt eine zeitlang eine wichtige Rolle, genau wie der König Ludwig XIII und natürlich Kardinal Richelieu, der im Hintergrund immer wieder Intrigen spinnt. Wir schauen beim Lesen verschiedenen Figuren immer wieder über die Schulter und begleiten sie alle bei ihren Abenteuern. Bekannt ist sicher auch die Rolle der Lady de Winter und des Grafen Rochefort, durch deren perfide Pläne sich immer wieder gefährliche Situationen ergeben.


    Aber auch das "ganz normale" Leben der damaligen Zeit wurde anschaulich wiedergegeben. Für mich manchmal etwas zu weitschweifig, aber auch interessant wenn man sieht, welche Rollen damals Männer und Frauen eingenommen haben und wie sie sich gegeneinander Verhalten haben.

    Zum Beispiel dass das Anlächeln anderer schon als Affront angesehen werden konnte, was leicht zum Duell führte - und damit zum Tod, dass das Lügen beim "normalen" Volk hingenommen, für Edelleute aber absolutes Tabu angesehen wurde. Die Ehre war das höchste Gut des Mannes und ein gegebenes Wort gleich einem Eid, gleichzeitig war es aber ebenso normal, sich als Mann von seiner Geliebten geldtechnisch aushalten zu lassen.

    Ein sehr bizarres Bild wenn man sich das aus heutiger Sicht anschaut, aber interessant auf jeden Fall und vor allem von Alexandre Dumas mit einem gewissen Witz und Ironie begleitet, was immer wieder für gute Unterhaltung gesorgt hat.


    Insgesamt hat es mir auf jeden Fall gefallen und ich hab mir vorgenommen, auch die zwei weiteren Bände aus d´Aragnans Erinnerungen zu lesen. Vor allem der tiefere Einblick in die Figuren war schon erstaunlich, denn die Denkweise war manchmal schon etwas befremdlich :)


    Fazit: 4 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Les Mémoires de d’Artagnan

    1 - Die drei Musketiere
    2 - Zwanzig Jahre danach
    3 - Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später



    Band 3 war die Vorlage zahlreicher Verfilmungen zu "Der Mann in der eisernen Maske"


    198. Welches Buch hast Du Dir aufgrund einer gelesenen Rezension gekauft?


    Aufgrund der Rezensionen von Aleshanee zu der Serie "Die Brücke der Gezeiten" habe ich mir diese Reihe ebenfalls zugelegt.

    Bisher habe ich die ersten drei Bände gelesen, die mir allesamt sehr gut gefallen haben.

    Das freut mich aber sehr!!! :)

    Jetzt ist ja auch endlich der letzte Band erschienen - da bin ich schon mega gespannt drauf!

    Was für ein tolles Buch!!! Nachdem der Klappentext zum Glück nicht zu viel verrät werde ich euch auch Spoiler ersparen. Dass Gregor wieder ins Unterland muss ist klar, denn obwohl er das Kämpfen und Kriege hasst, scheint er unabdinglich zu sein, um die alten Prophezeiungen zu erfüllen, die der Gründer der Unterstadt Regalia vor langer Zeit niedergeschrieben hat.

    Und dieses Mal geht es um mehr: alle Warmblüter sind in Gefahr, denn eine schreckliche Krankheit breitet sich aus.


    Gregor muss sich auf die Suche nach einem Heilmittel begeben und seine neue Fähigkeit spielt ein große Rolle - damit kann er sich nur schwer anfreunden, aber er lernt auch, dass es Situationen gibt, in denen man sich verteidigen, in denen man um sein Leben kämpfen muss. Ich hab desöfteren gelesen, dass gerade dieser Aspekt vielen auf den Magen schlägt, weil es ja ein "Kinderbuch" ist. Doch ich finde, dass die Autorin sehr schön ausgearbeitet hat, dass gerade Kriege, wie sie die Menschen und Ratten im Unterland führen, wirklich schlimm und meist eben auch sinnlos sind.


    Gerade Vikus, der Großvater von Luxa, der zukünftigen Königin von Regalia, ist immer bemüht Frieden herzustellen und ein Zusammenleben zwischen den Geschöpfen zu ermöglichen, bei dem man sich mit gegenseitigem Respekt und Toleranz behandelt.

    Ganz im Gegensatz zu Solovet, Vikus Frau, für die Gewalt und Gleichgültigkeit das Maß aller Dinge ist. Diese Kluft wird gerade im dritten Teil sehr deutlich!

    In diesem Band zeigt sich ebenso sehr nachdrücklich, wie sehr die ständigen Kämpfe die Menschen im Unterland an sich und auch Einzelne beeinflussen können, wie sie ihr Denken verdrehen und keinen anderen Ausweg mehr zulassen können.


    Aber auch, das man zusammenhalten muss, einander helfen und beistehen und eine Klärung oftmals ganz einfach ohne Gewalt vonstatten gehen kann. Genauso wie Mitgefühl und der Appell, andere nicht vorschnell zu verurteilen.

    Viele wichtige Botschaften verstecken sich hier in einer Geschichte, die das dritte große Abenteuer einleitet und natürlich ist auch Gregors kleine Schwester Boots mit von der Partie. Was für ein süßer Fratz! Genauso wie Temp, der Kakerlak, der mir sehr ans Herz gewachsen ist und natürlich wie Ripred, ohne den diese Reihe nur halb so gut wäre - ein großartiger Charakter! Sie alle müssen stark und mutig sein und haben es wahrlich nicht leicht; und ja, es wird auch wieder Verluste geben. Mehr verrate ich aber an dieser Stelle nicht.


    Es liest sich sehr flüssig und wie gewohnt findet man Ende der Kapitel meist kleine Cliffhanger, die einen zum weiterlesen antreiben und ich kann bei diesen Büchern kaum aufhören zu lesen. Es passiert viel zwischen den Figuren, es gibt viele neue Herausforderungen zu lösen und man lernt auch wieder neue Leute kennen, die eine wichtige Rolle spielen werden. Hamnet ist zum Beispiel einer davon, der mit seiner Einstellung eine bedeutende Überzeugung vertritt.


    Anschaulich aber mit gutem Tempo ergibt es insgesamt eine sehr unterhaltsame, teils lustige, aber auch traurige Geschichte, die mich wieder wunderbar mitgenommen und unglaublich gut unterhalten hat. Ins Unterland zu reisen ist für mich fast schon wie ein "nach Hause kommen" und ich hab beim Lesen jeden Moment bildlich vor Augen: ich würde das ja zu gerne mal als Verfilmung sehen!

    Ich kann die Reihe jedem nur ans Herz legen :)


    Fazit: 5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Die Altersangabe fällt mir hier schwer, muss man aber angeben ... ob das jetzt schon für 10jährige was ist kann ich schlecht beurteilen, aber 14-16 fand ich dann auch irgendwie nicht richtig.

    Die Protagonistin ist 12, es geht aber eben um Mord, also müsst ihr da selber entscheiden ;)


    Klappentext


    Wie sieht für Sie der typische Ermittler aus? Männlich, mittelalt, ein bisschen brummig, mit einer aufgeweckten jungen Kollegin an seiner Seite? Denken Sie um! Denn kaum jemand hat eine so hohe Erfolgsquote, was die Lösung von Kriminalfällen betrifft, wie Flavia de Luce: zwölf Jahre alt, auf liebenswerte Weise ein bisschen naseweiß, begnadete Chemikerin, an ihrer Seite nur ihr treues Fahrrad Gladys. Auch in diesem ungewöhnlich heißen Sommer in England kreuzt während eines Bootsausflugs mit ihrer Familie eine Leiche Flavias Weg. Der tote Mann ist in blaue Seide gehüllt und trägt einen einzelnen roten Ballettschuh. Als auch noch drei Klatschtanten in der ortsansässigen Kirche dran glauben müssen, läuft Flavias zauberhafte Spürnase erneut zu Hochtouren auf.


    Meine Meinung

    Mittlerweile ist es ja schon der neunte Band zu der Reihe und ich bin immer noch begeistert von diesem genialen Charakter der Protagonistin Flavia de Luce! Dieses Mal war es nicht ganz so mitreißend wie so mancher Vorgänger, aber trotzdem wieder eine - sehr akribische - aber dennoch spannende Jagd nach dem Mörder.

    Der Tote taucht wortwörtlich schon auf den ersten Seiten auf und Flavia erhält überraschend von Dogger viel Unterstützung zur Aufklärung des Mordes. Dogger gehört ja schon zum Inventar des Blackshaw Anwesens, wobei wir dieses Mal in dem kleinen Örtchen Volesthorpe ermitteln. Eigentlich waren hier für die drei Schwestern ein paar ruhige Tage vorgesehen, die natürlich wieder in äußerst prekäre Situationen geraten.


    Entgegen den vorigen Bänden wird nicht viel auf die familiäre Entwicklung in der Familie de Luce eingegangen - eine kleine Entwicklung kann man in Flavias Beziehung zu ihrer Schwester sehen, aber lasst euch da selber überraschen!

    Dafür hat sich die Handlung größtenteils auf die Ermittlungen konzentriert. Es gibt dabei wieder viele Experimente und Erklärungen aus dem chemischen Bereich, da Flavia einiges nachzuweisen versucht, aber auch ganz andere Theorien und Hinweise, die es zu verfolgen gilt. Das ist man ja mittlerweile gewohnt und es gibt dabei einige Entdeckungen, die ich interessant fand. Es gab allerdings auch 2-3 Stellen, die das ganze unnötig in die Länge gezogen haben und ich nicht jedes Detail wissen muss. In Chemie reinzuschnuppern macht zwar neugierig, aber es sollte in Grenzen sein.

    Ich fand es dieses Mal etwas zusammenhanglos, was Flavias Nachforschungen betrifft. Ich als Leser möchte ja doch mitraten, aber so ganz ist mir das nicht gelungen. Ob es jetzt an der Art und Weise lag, wie der Autor vieles nur oberflächlich angekratzt hat oder ich selber einfach nicht durchgeblickt habe, kann ich nicht sagen ... manches war mir aber zu sehr an den Haaren herbeigezogen bzw. konnte ich einige Erkenntnisse nicht so recht nachvollziehen.


    "Manchmal genügt es nicht, Augen und Ohren offen zu halten.

    Manchmal muss man in sich hineinhorchen, muss dem Raunen

    seiner inneren Stimmen lauschen, die einen zwar manchmal

    erschrecken, aber sich kaum je irren." Pos 3867


    Ja, Flavia wirkt oft in sich gekehrt und reifer - ist ja auch natürlich nach 8 Bänden mit allerlei Mordfällen, wobei sie ja nicht recht viel älter ist als in Teil 1. Das empfand ich hier zum ersten Mal widersprüchlich bzw. ist es mir einfach aufgefallen. Vor allem die Herangehensweise an die Aufklärung erschien mir manchmal etwas entrückt.

    Dogger mag ich ja total gerne - er ist eine Art "Mädchen für alles" und hat schon immer einen sehr guten Draht zu dem Mädchen. Dass er Flavia hier so bereitwillig Hilfe zugesteht und sie sogar anregt, ihre Ermittlungen aufzunehmen, war etwas seltsam. Die Zusammenarbeit war irgendwie auch etwas undurchsichtig, vor allem weil ich seine Beweggründe nicht nachvollziehen konnte; deshalb hab ich es dann einfach so hingenommen. Am Ende wird es dann klarer und es scheint ein neuer Wind nach Bradshaw zu kommen.


    Insgesamt konnte mich dieser Fall nicht ganz so mitreißen wie in den Vorgänger Geschichten, nicht alles war rund für mich und erschien mir zu konstruiert. Trotzdem war ich gerne wieder mit Flavia unterwegs und hoffe, dass mich der nächste Band wieder mehr begeistern kann.


    Fazit: 3 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    "Liebe das, was du in diesem Moment vor dir siehst, denn der Moment ist alles, was du hast." S. 506



    Das Inselreich Kelanna ist in fünf Reiche aufgeteilt. Um die Macht über all diese Ländereien zu erhalten hat "die Wache" einen perfiden Plan ausgearbeitet, der sich auch nach und nach zu Erfüllen scheint.

    Mittendrin durchkreuzt jedoch Sefia diese Pläne, das Mädchen mit dem unscheinbaren Schatz in ihren Händen, einem Buch, dessen Geheimnis sie endlich entschlüsseln konnte. Das war nicht leicht, denn in Kelanna kennt niemand das schriftliche Wort. Geschichten wandern von Mund zu Mund, von Dorf zu Dorf und so gerät vieles leicht in Vergessenheit.


    Um dem zu Entkommen hat Käpt´n Lees auf dem Schiff Strömung der Zuversicht einen heroischen Lebenswandel gewählt, um in den Köpfen der Menschen immer in Erinnerung zu bleiben. Doch die neuen Entwicklungen bringen seine Absicht ins wanken.


    Hauptsächlich geht es in diesem zweiten Teil aber um Archer; einen Charakter der auf eine der schlimmsten Arten missbraucht und damit verändert wurde und damit alles, was er einmal war, zurücklassen musste. Welche Intentionen hinter all dem stecken, wird uns in diesem Band erzählt ...


    Meine Meinung


    Zuerst möchte ich kurz auf das Cover eingehen, was entgegen dem ersten Band in Gold nun in Silber glänzt und auch wieder wunderschön anzusehen ist. Aber auch hier wurde unter dem Schutzumschlag ein Symbol versteckt, dieses Mal mit einem wunderschönen Spruch, der in der Geschichte natürlich auch noch seine Bedeutung finden wird.


    Gleich zu Beginn erfährt man auf einem handgeschriebenen Zettel den verräterischen Plan der "Wache", die durch den Roten Krieg die fünf Inselstaaten einen und damit Macht über ganz Kelanna erlangen wollen. Im ersten Teil war es ja noch sehr offen, worum es überhaupt geht - hier wirkt die ganze Handlung zielgerichteter und die Hintergründe zu den Beweggründen der einzelnen Charaktere werden mehr belichtet.

    Das reicht sogar in die Vergangenheit und Zukunft, denn die Frage nach einem festgeschriebenen Schicksal und der Möglichkeit, dieses zu ändern, bestimmt das Leben aller Figuren.


    "Bei den schwierigen Fragen gibt es kein Richtig. Da gibt es nur das, womit du am besten leben kannst." S. 307


    Im Mittelpunkt steht unter anderem hauptsächlich Archer, dessen jüngste Vergangenheit so schlimme Narben auf seiner Seele hinterlassen hat, dass er kaum mehr weiß, wer er tatsächlich ist. Ich muss dazu sagen dass es teilweise sehr brutal ist, sei es mit roher Gewalt, aber auch mit den Gefühlen, mit denen jeder in der Geschichte umgehen muss. Denn wenn man um sein Leben kämpft, wenn der Tod nur davon abhängt, was du zu tun bereit bist, ist kaum zu begreifen, zu was man alles fähig ist. Kein leichtes Thema und dadurch auch oftmals ein sehr bedrückendes Bild, dennoch hat es die Autorin geschafft, ein großes Bedürfnis an Verständnis zu wecken und hinzusehen. Es gibt prägende Momente im Leben, die man nicht so leicht abstreifen kann, selbst wenn man es möchte, und damit fertig zu werden - und weiterzuleben - ist eine Kunst für sich.


    Die Liebesgeschichte die sich hier einreiht ist umso bewegender und zeigt, wie sehr wir auf andere Menschen angewiesen sind, die uns stützen und akzeptieren und lieben, so wie wir sind.


    "Sie musste nicht die Wache besiegen, sondern das Schicksal selbst." S. 502


    Sefia, deren Flucht scheinbar kein Ende nimmt, macht eine große Entwicklung durch, die aber eher leise vonstatten geht. Das Leben ihrer Eltern, die Vorgehensweise der Wache und das Schicksal,

    das sie bei und in sich trägt - das alles lastet schwer auf ihren jungen Schultern. Jeder Schritt ist zaghaft, jeder Weg beschwerlich und trotzdem bleibt sie sich selbst treu und tut alles, um das Verhängnis, das über ihnen allen schwebt, abzuwenden.

    Durch ihre Gabe sieht sie mehr als andere, doch die Frage nach dem Schicksal und ob man es abwenden kann, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Diese Magie der Worte, der Zauber einer Prophezeiung und auch die Macht der Selbstbestimmung liegen wohl immer im Widerstreit.


    "Dass du dir eine bessere Welt wünschst, macht dich nicht zu einem schwachen Menschen.

    Es macht dich zu einem Menschen, den die Welt braucht." S. 110


    Es gibt so viele schöne Metaphern und die bildgewaltige Sprache entwickelt einen Sog, von dem ich mich gerne hab treiben lassen. Eine dichte Atmosphäre voll düsterer Gedanken, zärtlicher, verborgener Liebe und der Angst vor dem Tod: Traci Chee schafft neben der brutalen Realität so sanfte Schwingungen, so feine Nuancen, die mich sehr berührt haben und die vor allem eine ganz besondere Wahrnehmung der verschiedenen Charaktere bewirkt haben.


    Käpt´n Lees und seine Mannschaft zum Beispiel, deren Wege klarer und dadurch noch unergründlicher geworden sind, aber auch der König von Corabel, Edouar, der der Wache schon länger ein Dorn im Auge ist; jedes der Kapitel ist durch die Intensität sowohl spannend als auch ergreifend und das alles, ohne künstliche aufzupuschen oder durch konstruierte Naivität eine erzwungene Dramatik einzubringen.


    Ich war wieder von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, überrascht von den vielen Wendungen, den unerwarteten Reaktionen, die sich aber alle wunderbar in die Handlung eingefügt haben, die Stück für Stück aufgedeckt wird, ohne jedoch alles zu verraten. Der dritte Band steht noch aus und ich freu mich schon sehr darauf, denn das Ende verspricht einen neuen Anfang und den großen Kampf um Worte und Magie.

    Wunderschön auch wieder innen die hochwertige Aufmachung und die kleinen Verspieltheiten mit dem Text und den Wörtern.


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    Bayerische Mythen verwoben in einem Fantasy Thriller mit regionalem Touch


    "Glauben ist ein Geschenk, das man nicht leichtfertig gibt." S. 46


    Und genau das ist der Knackpunkt, der das Leben von Hias, einem jungen Mann aus Bayern, völlig aus den Fugen bringt.

    Es beginnt ganz profan mit toten Hühnern auf dem Rosnerhof, wo die junge, eher widerwillige Bäuerin Franziska versucht, den geerben Hof irgendwie aufrecht zu erhalten. Doch es wird nicht bei den gefiederten Leichen bleiben.


    Gekonnt verflicht Hubertus Hinse alte Sagen und Bräuche und lässt Hias plötzlich Moosleute, den Schnitter und andere "Geister" sehen - doch reicht allein der Glaube, um sie für uns Menschen sichtbar zu machen? Und wieso tauchen sie plötzlich rund um den Rosnerhof auf und versetzen alle in Angst und Schrecken?

    Der Grund liegt weit in der Vergangenheit und es gibt auch einige Passagen, die uns zurück bis ins 17. Jahrhundert führen. Nach und nach erkennt man dann auch die Ursachen; kann aber noch bis zum Ende Miträtseln, bis alle Puzzlestückchen ein komplettes Bild ergeben. Wobei ich schon oft am überlegen war, was das eine mit dem anderen zu tun hat und wie das zusammenhängt, aber es ergab am Ende auf jeden Fall einen runden Abschluss. Ein bisschen Krimi, ein bisschen Mystik und sympathische Charaktere, die für die ein oder andere Überraschung sorgen.

    Der Wechsel zwischen den Passagen ist meistens richtig gut gelungen mit abgestimmten Übergängen, solche kleinen Details find ich immer sehr schön und fallen mir positiv auf!


    Insgesamt ist der Schreibstil schon sehr ungewöhnlich und für manche sicher gewöhnungsbedürftig. Ich hätte mir allerdings noch etwas mehr Mundart erwartet und gewünscht, gerade in den Dialogen. Da werden zwar manchmal bayerische Begriffe mit eingeworfen, aber an sich hält sich der Autor hier dann doch ans hochdeutsche. Das war fast ein bisschen schade, denn es hätte die Atmosphäre noch mehr unterstrichen. Man ist ja doch im Regensburger Umfeld unterwegs und die Schauplätze werden auch sehr anschaulich beschrieben - über etwas mehr Dialekt hätte ich mich deshalb gefreut.


    Ich bin mit keiner Erwartung an das Buch herangegangen und war deshalb positiv überrascht, dass es mir doch so gut gefallen hat. Der Stil sticht auf jeden Fall aus der Masse und auch wenn es nicht durchweg immer fesselnd war, gab es immer wieder Motivation und Überraschungen, die zum weiterlesen animiert haben.


    Ein zweiter Band scheint bisher nicht veröffentlich zu sein, vielleicht kommt das ja noch, denn das Ende klärt zwar alle Fragen, hätte aber noch Potenzial für eine Fortsetzung.


    Fazit: 3.5 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer


Anzeige