Beiträge von Sweetybeanie

    Zum Inhalt: Lydia verliert ihre große Liebe Freddy bei einem tragischen Verkehrsunfall. Ihr gemeinsamer bester Freund Jonah überlebt den Unfall leicht verletzt, doch kommt mit seinen Schuldgefühlen nicht zurecht. Und so verliert Lydia nicht nur ihre große Liebe, sondern auch ihren besten Freund.


    Sie igelt sich ein. Der einzige Trost für sie liegt in den Schlaftabletten, mit denen sie Freddie im Traum besuchen kann. Doch das reale Leben wartet auch auf Lydia….


    Meine Meinung:


    Die Geschichte wird aus Lydias Sicht erzählt und ist sowohl mit Datum als auch der jeweiligen Realität (wach / im Schlaf) erzählt. So weiß man immer, wo genau sich Lydia gerade befindet.


    Die Geschichte ging mir ans Herz. Ich musste sie immer wieder für einen Moment zur Seite legen, weil ich weinen und einen Moment tief durchatmen musste. Die Vorstellung, das Liebste auf der Welt so früh zu verlieren, ist mir unerträglich. Und weitermachen zu müssen, auch wenn man das Gefühl hat, das das Wichtigste fehlt.


    „Wird es immer so bleiben, was denkst du?“, frage ich. Sie drückt den Arm an ihre Seite. „Dein Leben ist immer noch dein Leben, Lydia. Du bist noch da, du atmest, ob du es willst oder nicht. Du siehst, wie die Sonne untergeht und wie der Mond aufgeht, egal, wie unverschämt es dir erscheinen mag, dass er jeden Tag sein strahlendes Gesicht zeigt.“ – Seite 63


    Lydias Familie hat mein Herz im Sturm erobert. Es ist herzzerreißend, wie liebevoll sie sich immer wieder um sie kümmern. Und auch an Freddie denken. Für Lydia das Beste wollen. Immer wieder für sie da sind. Großartig. So eine Familie sollte jeder von uns haben. Auch wenn sie nichts anderes tun können, als einfach nur da zu sein. Immer wieder.


    „Elle hält meine Hand. Tränen laufen auch über ihre Wangen. Sie ist eine Macherin, ich kann mir vorstellen, wie sehr sie darunter leidet, dass sie das hier nicht für mich in Ordnung bringen kann“ – Seite 195


    Jonah hat mir sehr leidgetan. Er fühlt sich unendlich schuldig, weil er überlebt hat und Freddie nicht. Das er Gefühle für Lydia hat, macht die ganze Sache unendlich komplizierter. Also tut er das Einzige, was ihm bleibt, um zu überleben. Er zieht sich zurück.


    „Unsere Freundschaft ist wie ein kleines Holzboot, dass seit dem Unfall Stürme und hohe Wellen überstanden hat, immer wieder erschüttert durch Wut, Trauer und unendliche Verzweiflung. Manchmal sind wir oben auf einer Welle geschwommen und haben uns fest aneinandergeklammert, manchmal wurden wir in die Tiefe gerissen und haben uns gefragt, ob wir den anderen über Bord werfen. Heute Abend kommt es mir vor, als hätte Jonah eine Entscheidung getroffen: Solange wir beide an Bord sind, wird das Boot nicht sicher den Hafen erreichen“ – Seite 203


    Die Autorin versteht es, den Leser mit ihren eindrucksvollen Worten und ihrem berührenden Schreibstil im Innersten zu erschüttern. Ohne Taschentücher kommt man beim Lesen der Geschichte nicht aus.


    Lydia dabei zu begleiten, wie sie zaghaft versucht, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und die Kontrolle zurück zu erlangen, hat mich fasziniert. Sie ist so tough. Sie macht weiter und schafft es Stück für Stück, sich von Freddy zu verabschieden und neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Auch wenn es dunkle Tage gibt, an denen sie meint, keinen Schritt weiter gehen zu können, so rappelt sie sich mit Hilfe ihrer Freunde und Familie immer wieder auf und geht einen Schritt nach dem anderen. Langsam, in ihrem eigenen Tempo. Und das ist etwas, was wir uns alle verinnerlichen müssen. Trauer braucht Zeit. Und zwar bei jedem unterschiedlich lang. Da gibt es kein richtig oder falsch. Kein schwarz oder weiß.


    „Man kann Trauer nicht in Ordnung bringen, sie dauert so lange, wie sie dauert“, sage ich. „Mein Arzt hat mir erklärt, man müsste die Trauer durchleben, um auf der anderen Seite wieder herauszukommen.“ – Seite 276


    Der Wechsel zwischen Realität und Traum ist faszinierend. Die unterschiedlichen Leben driften immer weiter auseinander und Lydia wird das immer mehr schmerzlich bewusst. Irgendwann – so wird ihr klar – muss sie sich für eine Welt entscheiden. Und welche das sein muss, steht eigentlich schon fest. Das weiß sie. Es gibt keine andere Möglichkeit.


    Lydia nimmt sich spontan eine radikale Auszeit und reist nach Kroatien, um sich selbst wiederzufinden und um sich für immer von Freddy zu verabschieden. Ein trauriger und schmerzhafter, aber doch notwendiger Prozess beginnt.


    „Als ich die Augen schließe und das Gesicht in die Sonne halte, mach ich mir bewusst, dass ich noch da bin. Meine Füße stehen in Sneakers auf dieser trockenen staubigen Erde, mein Körper sitzt auf dieser schlichten Holzbank. Mein Herz mag unberechenbar sein, unsicher, ob es jemandem gehört, aber ich bin noch da.“ – Seite 396


    Und irgendwann wird ihr klar, worum es wirklich geht:


    „Es ging nie darum, über Freddie Hunter hinwegzukommen. Ganz gleich, was mein Arzt sagt, so funktioniert das nicht. Man kommt nicht in einem halben Jahr oder in zwei oder in zwanzig Jahren darüber hinweg, dass man einen geliebten Menschen verloren hat. Vielmehr muss man herausfinden, wie man weiterlebt, ohne das Gefühl zu haben, alles was danach kommt, sei nur zweite Wahl. (..) Jeder muss seinen eigenen Weg finden, und wenn man Glück hat, gibt es Menschen, die einen lieben und einem dabei die Hand halten“ – Seite 440


    Und das ist für mich einer der wichtigsten Absätze in dieser Geschichte. Er gibt soviel Mut und Kraft, das Leben wieder anzupacken. Okay zu sein mit der Trauer, die immer da sein wird. Vielleicht nicht immer so tief, aber sie ist da. Manchmal leise. Manchmal laut. Manchmal begleitet von Erinnerungen, die einen lächeln lassen. Manchmal begleitet von Momenten, die zu Tränen rühren.


    Mein FAZIT:


    Auch ich den Klappentext etwas irreführend finde – denn schließlich steht nicht die Liebe zwischen Jonah und Lydia im Vordergrund, sondern tatsächlich nimmt der Abschied von Freddie und das Verarbeiten der Trauer den größten Raum der Geschichte ein - begeistert mich das Buch. Es hat mich Schmetterlinge fühlen lassen und gleichzeitig zu Tränen gerührt. Eine wundervolle Geschichte.


    Für Fans von Büchern wie „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ oder „Ein ganzes halbes Jahr“.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:


    Liz war immer die bessere Hälfte von ihnen als Paar. Davon ist Danny schon immer überzeugt. Doch nun ist Liz gestorben und plötzlich ist Danny alleinerziehender Vater eines kleinen Jungen. Seit seine Mutter gestorben ist, spricht Will kein einziges Wort mehr und Danny dringt nicht mehr zu ihm durch. Als ob die Trauer um seine Frau und die Sorge um seinen Sohn nicht genug wären, verliert Danny auch noch seinen Job und sein korrupter Vermieter droht ihm, sollte er nicht binnen zwei Wochen die ausstehenden Mieten bezahlen. Danny ist verzweifelt. Er weiß nicht mehr, was er tun soll. Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe und er beschließt, als Kleinkünstler im Park sein Geld zu verdienen. Ein Pandakostüm ist jedoch das einzige Kostüm, dass er sich leisten kann.


    Eines Tages hat Will Ärger mit einem Klassenkameraden und Danny, der alles in seinem Pandakostüm beobachtet, eilt Will zu Hilfe. Das Unglaubliche geschieht: Will fasst Vertrauen zu dem Panda und beginnt zu sprechen….


    Meine Meinung:


    Was für eine wunderbare Vater-Sohn-Geschichte.


    Am Anfang konnte ich Danny nicht besonders gut leiden. Er wirkte auf mich, wie jemand, der es einfach nicht schaffen will, sein Leben in den Griff zu kriegen. Er schien talent- und einfallslos. Der ewige Verlierer. Und das ist auch das, was ihm seine Firma, seine Schwiegereltern, sein Vermieter immer wieder unter die Nase reiben. Er kann nichts und er wird niemals mit irgendetwas Erfolg haben. Das Beste, was er im Leben je hatte erreichen können, ist mit Liz gestorben. Und Danny ist sich mehr als bewusst, dass sie recht haben.


    Dass Will nicht mehr spricht, macht ihm sehr zu schaffen. Es bringt ihn zur Verzweiflung. Aber neben Job und der Trauer um die große Liebe seines Lebens, fehlt es ihm schlichtweg an Kraft, auch noch dieses Problem zu lösen.


    Als er sich das Pandakostüm kauft, ist es nur noch der Gedanke an Will, der ihn aufrecht hält. Dieses Kostüm ist die letzte Chance, die fehlende Miete aufzutreiben und zu überleben. Doch zu Beginn ist er mehr schlecht als recht und es ist ein sehr schwerer Weg, den er begonnen hat, zu gehen. Doch Danny gibt nicht auf. Er sucht sich Hilfe (wenn diese in Form von Krystal ihm zu Beginn auch zuerst nur sehr, sehr wiederwillig hilft). Und er findet Freunde. Und als Will plötzlich mit dem Panda spricht, schöpft Danny endlich wieder Hoffnung, dass alles gut werden könnte und er fängt an, über sich hinauszuwachsen.


    Das war der Moment, an dem das Buch anfing, mich wirklich zu berühren. Danny, der alles versucht, um endlich wieder zu leben und seinem Sohn ein guter Vater sein zu können. Danny, der nicht aufgibt und weitermacht. Egal, wie aussichtslos alles scheint.


    Wills Gespräche mit dem Panda haben mir beim Lesen das Herz gebrochen. Ein kleiner Junge voller Trauer und Sehnsucht nach seiner Mutter. Mit einem Vater, der es kaum schafft, sich um sich selbst zu kümmern. Ich hätte ihn am liebten in meine Arme geschlossen und getröstet. Doch Will liebt seinen Vater trotz allem. Und als ihm klar wird, dass sein Vater der Panda ist, haben die beiden eine echte Chance wieder zueinander zu finden. Und diesmal ergreift Danny sie.


    Eine wirklich schöne Geschichte. Traurig und liebevoll und lustig zugleich. Die Tanzszene am Schluss hätte ich allzu gern mitangesehen. Von mir gibt es für Pandatage eine Leseempfehlung.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:


    Berlin in den 30iger Jahren. Das Leben für Amanda und Julius Sternberg wird immer schwieriger. Zuerst werden die Bücher aus Amandas geliebten Buchladen „Büchergarten“ verbrannt, dann werden in der Reichspogromnacht alle jüdischen Geschäfte und Synagogen zerstört. Selbst sein Beruf als anerkannter Kardiologie kann Julius nicht mehr davor retten, nach Sachsenhause deportiert zu werden. Amanda ist verzweifelt. Sie bleibt mit den beiden zwei kleinen Mädchen zurück. Gelähmt vor Angst weiß sie nicht, was sie nun tun soll. Eines Tages klingelt ein ehemaliger deutscher Patient ihres Mannes an ihrer Tür und überreicht ihr Unterlagen und einen Fluchtplan. Und einen Brief ihres Mannes, der mittlerweile in Sachsenhause verstorben ist. Er hat es geschafft, für die beiden Mädchen eine Schiffspassage nach Kuba zu organisieren. Doch in Hamburg angekommen, schafft es Amanda nicht, sich von der vierjährigen Lina zu trennen. So übergibt sie die sechsjährige Viera einem mitreisenden Ehepaar und flieht mit Lina nach Frankreich. Doch auch da sind sie nicht sicher….


    Meine Meinung:


    Das Cover stimmt einem gleich auf die Geschichte ein. Man sieht ein kleines Mädchen mit dem Rücken zum Leser allein an einem einsamen Ort stehen. Vermutlich würde mich das Cover in Verbindung mit dem Titel in einem Buchladen sofort ansprechen. Es ist für die Geschichte definitiv gut gewählt.


    Der Schreibstil ist wirklich gut. Der Autor versteht es, mit wenigen Worten und seiner klaren Sprache uns Leser direkt zu Beginn der Geschichte für die Lektüre zu interessieren.


    Ich musste die Geschichte zwischendurch immer wieder zur Seite legen, weil ich die Grausamkeit, die Amanda und ihrer Familie widerfahren ist, kaum aushalten konnte. Immer in dem Wissen, dass diese Geschichte so ähnlich oder anders tausendfach wirklich passiert ist und viele Menschen ihr Leben und ihre Liebsten in dem grausamen Krieg verloren haben.


    Die Vorstellung, eines meiner beiden geliebten Kinder auf eine so gefährliche Reise in ein fernes Land schicken zu müssen und nicht zu wissen, ob ich es jemals wieder in meine Arme schließen kann, ist mir unerträglich.


    Der Schreibstil ist wortgewaltig und Armando Lucas Correa lässt in den Köpfen seiner Leser die Schrecken der Naziherrschaft in detailliert beschriebenen Bildern entstehen. Die einzelnen Charaktere sind lebensnah beschrieben. Die Angst, die Trauer, die Grausamkeiten des Krieges – all das spürt der Leser beim Eintauchen in dieses Buch. Ich vermochte nicht, die Geschichte aus der Hand zu legen.


    Ein wirklich sehr ergreifendes Buch – nicht nur, was die Geschichte betrifft, sondern auch die geschichtlichen Hintergrundinformationen, die dieser fiktiven Geschichte zugrunde liegen.


    Eine sehr ergreifende Familiengeschichte aus einer dunklen Zeit.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.de

    Warnung: Ich möchte vor dem Lesen der Rezension eine Warnung aussprechen. Die Rezension und auch das Buch können Opfer von Gewalttaten triggern. Bitte lest die Rezension und / oder das Buch nur, wenn Ihr Euch wirklich dazu in der Lage fühlt. Danke.


    Zum Inhalt:


    Die junge Irin Emma ist bildhübsch und die Jungs fliegen auf die 18jährige. Eigentlich kann sie sich aussuchen, mit wem sie was anfängt und das weiß sie auch. Aber festlegen möchte sie sich nicht. Sie steht gerne im Mittelpunkt und unterstreicht ihre Schönheit gerne mit sexy Outfits. Sie weiß, dass sie viel hübscher ist als ihre Freundinnen und manchmal lässt sie sie das auch spüren.


    Doch auf der letzten Party verliert Emma die Kontrolle über sich selbst. Sie betrinkt sich und konsumiert Drogen. Danach: Filmriss. Als sie am nächsten Tag vor ihrer Haustür aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Doch dann tauchen Bilder in den sozialen Netzwerken auf. Bilder, die sie entblößt und ohne Bewusstsein beim Sex mit vier Jungs zeigen. War das einvernehmlich? Ist Emma selber schuld? Hat sie das Verhalten der Jungs mit ihrem Auftreten provoziert? Als Emma die Jungs wegen Vergewaltigung anzeigt, spaltet das Verfahren nicht nur die irische Kleinstadt, in der Emma und ihre Familie leben….


    Meine Meinung:


    Das Buch ist definitiv keine leichte Kost und polarisiert. Emma ist kein Charakter, den ich wirklich sehr sympathisch finde – ungeachtet dessen, was ihr im späteren Verlauf der Geschichte widerfährt.


    Sie ist oberflächlich, will permanent im Mittelpunkt stehen und ist oftmals unfreundlich zu ihren Freundinnen – wenn man die Mädchen überhaupt als Freundinnen bezeichnen kann. Sie will, dass jeder Junge sie hübsch findet und sich am besten nur in sie verliebt. Das unterstreicht sie mit gewagten Outfits. Und sie macht auch vor dem jeweiligen Schwarm ihrer Freundinnen keinen Halt. Das macht es schwer, Emma zu mögen. Tatsächlich fand ich sie und ihre Clique zu Beginn sehr, sehr nervig. Ich glaube, dass ist von der Autorin so gewollt.


    Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, wobei mir der Mangel an Sympathie für die Protagonistin das Ankommen in der Geschichte sehr erschwert hat und ich mich ziemlich lange durchkämpfen musste.


    Die Geschichte ist in zwei Zeiten unterteilt. Die erste Hälfte der Geschichte spielt zum Zeitpunkt der Tat, bzw. ein paar Tage davor und nach „dem Vorfall“. Die zweite Hälfte spielt ein Jahr nach dem Geschehen und kurz vor der Anklageerhebung.


    Für Emma ist nach der Tat nichts mehr, wie es einmal war. Nicht nur, dass sie die Vergewaltigung und das Trauma verarbeiten muss – nein – ihre Freundinnen wenden sich von ihr ab, ihre Nachbarn, ja die ganze Kleinstadt fällt ein Urteil und ein „Victim blaming“ allererster Güte beginnt.


    „Victim blaming“ bedeutet Schuldumkehr – d. h. nicht mehr die Täter sind schuld an der Tat, sondern eben das Opfer. Durch sein eigenes Verhalten, durch seine Kleidung, durch seine freizügige Art hat das Opfer eben die Tat provoziert und die Täter sind schuldlos. Sie konnten gar nicht anders handeln. Woher sollten sie wissen, dass – in dem Fall hier – Emma keinen Geschlechtsverkehr mit vier Jungen wollte? Sie hätte ja „nein“ sagen können. Das sie durch Drogen und Alkohol eben genau dazu nicht mehr Lage war – ja zeitweise auch bewusstlos war – spielt für die Gesellschaft in dem Fall keine Rolle. Abgesehen davon war sie ja sehr aufreizend angezogen. Wofür, wenn nicht für Sex? Hätte sie halt nicht tun dürfen. Dann wäre das eben nicht passiert. Und wieder geschieht an dieser Stelle die Schuldumkehr. Das auf den Bildern klar ersichtlich war, dass Emma bewusstlos ist, bleibt unbeachtet. Dafür ist Emmas Ruf allen zu bekannt. Für mich nicht nachvollziehbar.


    Auch wenn Emma nicht ausdrücklich „Nein“ gesagt hat, so hat sie eben aber auch nicht ausdrücklich „Ja“ gesagt.


    Bedeutet „kein Nein“ dann automatisch ein „ja“?


    Das kann ich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Nur „Ja“ bedeutet „Ja“.


    Und damit ist es in meinen Augen eben völlig egal, ob Emma nicht „nein“ gesagt. Sie hat eben nicht „ja“ gesagt, sie war dazu auch nicht mehr in der Lage und für mich ist und bleibt die Verantwortung und somit auch die „Schuld“ auf Seiten der Jungs.


    Sicherlich hat sich Emma nach der Tat sich nicht so verhalten, wie man das von Vergewaltigungsopfern allgemeinhin erwartet. Was auch immer diese Erwartung beinhaltet. Das erschüttert die ohnehin schon geringe Glaubwürdigkeit des Mädchens gewaltig und bringt das Leben von Emma und ihrer Familie zu einem tiefen Fall von gesellschaftlichem und beruflichem Ansehen. Die Tat zieht weite Kreise. Und nichts ist mehr wie zuvor.


    Emma will mutig sein. Sie will, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und als die Staatsanwaltschaft Anklage erheben will, ist sie zuerst dazu bereit. Doch sie und ihre Familie stehen allein da. Der Fall zieht nationale Kreise. Emmas Eltern kommen mit ihrer Tochter nicht mehr zurecht.


    Tatsächlich ist das, das nächste, das mich fassungslos zurücklässt: Emmas Eltern, die sie lieben und schützen sollen, die für sie da sein sollen, kommen mit der Situation überhaupt nicht zurecht. Sie ziehen sich von ihr zurück. Sprechen kaum noch mit ihr. Geben ihr das Gefühl, dass sie „falsch“ ist. Dass sie „schuld“ ist. Nur ihr Bruder ist für Emma da und bekräftigt sie immer wieder, die Stärke zu haben, das Ganze durchzustehen, damit es Gerechtigkeit gibt. Das war schwer auszuhalten für mich.


    Aber – Achtung Spoiler – irgendwann hat Emma keine Kraft mehr. Keine Kraft, die Bedrohungen, die Häme, die Erniedrigungen, den Spießrutenlauf im Dorf und in den sozialen Netzwerken, im Radio und Fernsehen zu ertragen. Sie gibt auf. Zieht die Anzeige zurück.


    Auch wenn ich weiß, dass diese Geschichte im speziellen fiktiv ist, so weiß ich doch auch, dass so etwas in der Realität viel zu häufig geschieht. Sei es auf Partys oder aber auch im häuslichen Bereich. In Partnerschaften. Ehen. Und viel zu oft wird den Frauen die Schuld dafür gegeben.


    Und wenn eine Frau den Mut findet, doch die Wahrheit zu sagen, Anzeige zu erstatten oder damit an die Öffentlichkeit zu gehen, dann geschieht in viel zu vielen Fällen diese Schuldumkehr. Dann werden Gründe gesucht, warum die Frau eben selbst schuld ist an der Situation. Sie hat den Mann provoziert. Sie hat sich aufreizend angezogen. Sie ist seine Frau, er hat das Recht dazu. Die Liste der Gründe für die Schuld des Opfers – und damit die Unschuld des Täters ist schier endlos.


    Seit 2017 gilt in Deutschland die Istanbul-Konvention. Um Frauen vor Gewalt zu schützen. Doch das interessiert die offiziellen Stellen und die Gesellschaft eher wenig.


    Versteht mich bitte nicht falsch. Es gibt sicherlich auch den Fall, dass Männer zu Unrecht beschuldigt werden, aus Hass, Habgier, oder, oder, oder….


    Die Wahrheit zu erkennen ist mitunter sehr, sehr schwer. ABER das gibt niemandem das Recht, die Frauen von vorneherein durch ihr Auftreten oder ihre Kleidung als „Schuldige“ darzustellen. Und das geschieht in unserer Gesellschaft viel zu oft. Die Statistiken sprechen für sich.


    Abschließend kann ich sagen: ein Roman, der eben nicht „schön“ ist. Der nah geht. Zum Nachdenken anregt. Über uns, die Gesellschaft, das eigene Verhalten. Die Frage nach „falsch“ und „richtig“. Nach „Schuld“ und Unschuld“. Mich wird dieses Buch jedenfalls noch eine Weile beschäftigen.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:


    Kurz vor seinem 13. Geburtstag erhält Jeremy von seinem eine rätselhafte Kiste. Sein Vater hat diese für ihn kurz vor seinem Tod mit dem Sinn des Lebens gefüllt. Doch die vier dazugehörigen Schlüssel scheinen verschwunden zu sein. Doch aufgeben ist für Jeremy keine Option. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Lizzy beginnt für die beiden eine rasante Jagd quer durch New York, die ihr Leben verändern wird….


    Meine Meinung:


    Wirklich unterhaltsame Jugendlektüre. Jeremy ist ein lieber Junge, der seinen Vater sehr vermisst und versucht, seiner Mutter keinen Kummer zu machen. Er ist ein wenig spleenig. Aber auf eine sympathische Art. So isst er z.B. nur bestimmte Speisen (mit Ausnahme von Süßigkeiten) und legt für interessante Dinge, wie z. B. Fehlproduktion von Süßigkeiten Sammlungen an. Gleichzeitig ist er hochgradig interessiert an Astronomie und Zeitreisen. Er liebt Bücher und schenkt seiner besten Freundin Lizzy jedes Jahr ein Buch, das er dann letztendlich selbst liest.


    Lizzy ist das Gegenteil von Jeremy. Sie hat es faustdick hinter den Ohren und überredet ihren besten Freund zu allerlei Abenteuern. Dabei hat sie das Herz am rechten Fleck.


    Ganz klar, dass sie ihren besten Freund, mit ihren Ideen unterstützt und dabei reichlich Chaos anrichtet. Zumindest auf den ersten Blick. Letztendlich sorgt ihr Chaos dafür, dass Lizzy und Jeremy auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens ein ganzes Stück weiterkommen und sich Jeremy seinem Vater wieder näher fühlen kann und schließlich irgendwann das Geheimnis der Kiste lüftet.


    „Nur weil Leute aus unserem Leben verschwunden sind, heißt das noch nicht, dass sie nicht mehr an uns denken – und umgekehrt“ – Seite 166


    Das Buch ist witzig und temporeich geschrieben und es enthält gleichzeitig so viel Wahrheit, die einen während des Lesens immer wieder innehalten und nachdenken lässt.


    „Ihr müsst nur ihr selbst sein, und zwar so gut ihr irgend könnt. Findet heraus, wer ihr wirklich seid, findet heraus, warum ihr hier seid, und ihr werdet euer Ziel erkennen. Und damit letztendlich den Sinn des Lebens.“ – Seite 195


    Vielleicht sollten wir das alle tun. Rausfinden, wer wir eigentlich sind. Unabhängig davon, wie die anderen uns wahrnehmen. Sondern uns wirklich auf uns besinnen. Auf unser ganz eigenes Ich. Ich versuch das jetzt mal….


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:


    Eigentlich wollte Lili Fotografie in New York studieren, doch die Krebserkrankung macht den Traum der jungen Powerfrau zunichte. Stattdessen leitet sie gemeinsam mit ihrem Vater das italienische Familienrestaurant. Schnell wird ihr klar, dass das Konzept des Restaurants aufgefrischt werden muss, um weiterhin existieren zu können. Ihr Vater ist von den möglichen Neuerungen und modernem Schnickschnack nicht besonders angetan. Doch als die Möglichkeit besteht, in einem Kochduell gegen den derzeit angesagtesten Fernsehkoch anzutreten, willigt ihr Vater ein. Und Lilis Leben stürzt sich ins Chaos. Denn Frauenschwarm Jack Killroy sieht nicht nur verboten gut aus, sondern hat auch Köpfchen und Herz. Und als Lili das klar wird, ist es bereits zu spät und ihr Herz steht lichterloh in Flammen…


    Meine Meinung:


    Sehr, sehr unterhaltsamer Plot mit wahnsinnig sympathischen und lebendigen Protagonisten. Das Setting ist großartig. Der Schreibstil ist mal lustig, mal romantisch, mal tiefgründig – also alles was das Leserherz gerne mag.


    Lili ist eine großartige junge Frau. Sie ist als Kind wegen ihrem Übergewicht gehänselt worden. Das hängt ihr – verständlicherweise – manchmal noch nach und macht es ihr schwer, zu vertrauen.


    Sie ist immer für alle anderen da. Sie stehen stets an erster Stelle. Oftmals vergisst Lili darüber sich selbst. Jack wird das ziemlich schnell bewusst. Ungefähr genauso schnell, wie ihm klar wird, das Lili anders ist, als die langbeinigen, dürren Models, die er sonst in seinem Bett willkommen heißt.


    Er verknallt sich dermaßen in Lili, dass ihm schnell klar wird, das er nicht mehr ohne sie leben möchte.


    Zum Dahinschmelzen. Jack ist soooo toll. Er sieht gut aus, ist erfolgreich und hat Verstand und Herz. Quasi ein Sechser im Lotto. Doch Lili braucht ein wenig, bis ihr das klar wird.


    Dazu die italienische Familie von Lili und Jacks bester französischer Freund. Das Buch ist eine Sammlung von unterhaltsamen und lustigen Charakteren. Es macht großen Spaß, Teil von Lilis italienischer Familie zu werden.


    Mein Fazit: Ein wahnsinnig unterhaltsamer Liebesroman. Die Seiten fliegen nur so dahin. Wer also mal wieder Lust hat auf eine lockere und romantische Liebesgeschichte, der ist mit „Love Recipes“ wirklich gut beraten. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:


    An einem trüben Wintertag begegnet Jonas in der Berliner Ringbahn ein unbekanntes Mädchen, dass sein Herz im Sturm erobert. Sie verbringen eine Stunde zusammen und diese Stunde verändert sein Leben. Er will sie unbedingt wiedersehen. Doch zum verabredeten Treffen eine Woche später zur gleichen Zeit am gleichen Ort taucht sie nicht auf…


    Meine Meinung:


    Achtung Spoileralarm!


    Jonas ist für sein Alter ein beeindruckender junger Mann. Dadurch, dass er nach dem Weggang seines Vaters früh die Verantwortung für die Familie übernommen hat, ist er viel erwachsener als andere Jungs in seinem Alter. Er unterstützt seine Mutter wo er nur kann. Gleichzeitig frisst es ihn auf. Er ist mental und physisch erschöpft. Er hat keinen wirklichen Plan, wo er mal hinwill. Das Leben erscheint ihm hoffnungslos. Doch da begegnet ihm in der U-Bahn dieses unbekannte, wunderschöne, traurige Mädchen und sie fasziniert ihn. Jonas nimmt all seinen Mut zusammen und die gemeinsam verbrachte Stunde in der Berliner Ringbahn wird sein Leben verändern. Ihr glaubt nicht an Liebe auf den ersten Blick? In Jonas Fall passiert jedoch genau das. Doch obwohl sich die beiden für die nächste Woche verabreden, taucht sie nicht auf. Jonas kann sie nicht vergessen. Jeden Tag denkt er an das unbekannte Mädchen, dass sein Herz im Sturm erobert hat.


    Ein halbes Jahr vergeht. Auf dem Kliniksommerfest, zu dem er seine kleine Schwester – die seit einem Unfall behindert ist – hinbringt, trifft er die Unbekannte wieder. Und erfährt endlich ihren Namen: Josephine.


    Doch das Leben ist nicht mehr so, wie es war. Sie hatte einen Unfall. Sitzt ebenfalls im Rollstuhl und kann sich an Jonas und ihre Begegnung vor sechs Monaten nicht mehr erinnern. Doch Jonas gibt nicht auf. Nicht, nachdem er sie endlich wiedergefunden hat.


    "Wir standen also wieder am Anfang. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass ich für sie immer und immer wieder bei null beginnen würde" - Seite 128


    Josephine macht ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Sie weist ihn zurück. Immer wieder. Zu sehr ist sie verletzt. Durch den Unfall. Sie kann sich nicht vorstellen, dass er sie wirklich will. Und gleichzeitig will sie, dass er wirklich bleibt. Sie hat alles verloren, wofür sie gekämpft hat. Ihr Vertrauen in sich selbst. In andere Menschen. Ihre Ziele. Ihre Träume.


    Doch waren es wirklich ihre eigenen Ziele und ihre eigenen Träume? Eigentlich nicht. Es waren die Ziele und Träume ihrer Eltern. Und wer ist Josephine eigentlich? Wer will sie sein? Was erwartet sie vom Leben? Das weiß sie selbst nicht mehr. Und sie traut sich nicht mehr, es herauszufinden. Es ist viel einfacher, alle wegzustoßen und sich im Selbstmitleid zu suhlen, als das Leben wieder anzupacken. Denn das ist schmerzhaft. Es tut weh. Sehr weh. Und dazu fehlt ihr der Mut. Sie hat sich selbst verloren.


    Doch Jonas fehlt er nicht. Und weil er sie von ganzem Herzen liebt, fängt er an, Josephine an die Hand zu nehmen. Ihr zu zeigen, dass er da ist und dableibt. Egal, wie schwierig es ist. Ihr Mut zu machen, das Leben anzupacken. Und er gibt nicht auf.


    „…und dann kamst du. Und mit Dir ist alles so leicht. Mit dir scheint dieses verkorkste Scheißleben so einfach zu sein.“ – Seite 296


    Doch die Veränderung in Josephines Leben kann nicht von Jonas kommen. Sie muss von ihr selbst kommen. Josephine muss den Mut finden, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sie muss dafür kämpfen, wieder ins Leben zurückzufinden. Das kann niemand sonst für sie tun. Nur sie selbst…


    Mein Fazit: ein wirklich großartiger Roman einer tollen Berliner Autorin. Der Schreibstil ist klasse, die Dialoge sind witzig und tiefgründig. Die Charaktere sind warmherzig. Sie alle haben mit etwas zu kämpfen, aber gemeinsam sind sie füreinander da. Sie unterstützen sich gegenseitig. Jeder so, wie er kann.


    Eine Geschichte, die Mut macht, Veränderungen anzugehen. Die zeigt, dass es auch ok ist, mal nicht ok zu sein. Aber dass man sich nicht aufgeben darf. Dass es immer etwas gibt, für das sich lohnt, zu kämpfen. Wieder aufzustehen und weiterzumachen. Auch wenn Träume und Ziele von einst verloren zu sein scheinen. Es werden neue Träume kommen. Wir müssen nur den Mut haben, sie wahrzunehmen.


    Liebe Anna Rosina Fischer: ich danke Dir von ganzem Herzen für diese wunderbare Geschichte. Danke, dass ich sie lesen durfte.


    Meine Rezension findet Ihr auch auf http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:

    Ambers Leben war bislang niemals einfach: seit ihr Vater ihre Mutter im Drogenrausch getötet hat, wurde sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben. Nähe kann sie nur dann zu lassen, wenn sie mit jemandem ins Bett geht. Doch nun auf dem College soll sich alles ändern. Endlich beginnt mit dem Psychologiestudium ein neues Leben. Sie will sich auf ihre Ausbildung konzentrieren und sonst auf nichts.

    Doch schon am ersten Tag gerät ihr Entschluss ins Wanken. Sie stolpert buchstäblich über Ryder und der Mädchenschwarm berührt etwas in ihr. Doch dann lernt sie Brock kennen und er schleicht sich ebenfalls ins ihr Herz. Doch Brock ist Ryders bester Freund. Amber verliebt sich in ihn. Doch immer, wenn ihr Ryder begegnet, hüpft ihr Herz. Das ist doch verrückt. Irgendwann wird ihr klar, sie liebt beide, doch sie will sich nicht entscheiden müssen….


    Meine Meinung:

    Selten ein Buch gelesen, das für mich so ambivalent ist. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, der Prolog und die ersten Kapitel haben mich berührt. Amber hat so viel durch gemacht, ihr Leben war dramatisch und traurig. Doch dann trifft sie gleich zwei Menschen, die sie lieben und berühren. Und natürlich sind Dreiecksbeziehungen nicht einfach. Sie sind harte Arbeit, man muss sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen, man muss sich klar sein, dass der andere auch einen anderen Menschen von ganzem Herzen liebt.

    Also war meine Erwartungshaltung an diese Geschichte ziemlich hoch. Und gleich der Prolog war ein wunderbarer Einstieg in diese Geschichte:


    „Ich war neunzehn, als ich die beiden Lieben meines Lebens traf. Richtig, die Lieben. Plural. Mehr als eine. Unmoralisch? Vielleicht. Ich würde sagen, unumgänglich. Unkontrolliert.“ – Seite 5


    Amber ist ein toughes Mädchen, dass trotz aller Schicksalsschläge für das kämpft, was ihr etwas bedeutet. Schon auf den ersten Seiten, begann ich, ihr Respekt zu zollen:


    „Unsere Vergangenheit ist das, was uns prägt. Die Narben, die sie hinterlässt, formen uns, und was wir mit dem miesen Rest, der übrig bleibt, tun, ist das, was uns definiert.“ – Seite 25


    Die Dialoge mit Ryder und Brock sind witzig geschrieben, das Knistern zwischen ihnen war beim Lesen förmlich greifbar. Ein toller Roman, dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch. Ich war gespannt, wie die Geschichte weiterging, war auf die Dynamik zwischen den drei Hauptprotagonisten neugierig. Darauf, ob sie es schaffen, sich ihrer Liebe und Zuneigung zueinander sicher zu sein. Ob sie frei lieben können. Und die Schwierigkeiten, die Eifersucht und Besitzanspruch hervorrufen, lösen können.


    „Und trotzdem lässt man nicht los. Man bleibt dran und kämpft gegen die schlimmen Gedanken an, die einem den Kopf verseuchen. Die ganze Zeit lang klammert man sich an das kleine bisschen Hoffnung, dass man für sich und diese Person hat. Die Hoffnung, dass die Sache gut gehen wird und man es mit dem oder der anderen bis zum Ende schafft. Die Hoffnung, dass es nie eine andere Person geben wird, die einem über den läuft. Dass diese Person für Dich gemacht ist und Du für sie. Dass man mit ihr zusammen sein wird…für immer“ – Seite 480

    „Aber wie wählt man zwischen seinem linken oder rechten Arm? Wie wählt man zwischen der Fähigkeit, laufen oder sehen zu können? Wie wählt man zwischen Tag und Nacht, zwischen Essen und Trinken? Das geht nicht. Unser natürlicher Instinkt lässt uns an allem festhalten, was wir zum Leben brauchen“ – Seite 567


    Also: wir sind uns einig: Die Geschichte hatte alles, was ein großartiges Buch ausmacht: tolle Protagonisten, eine dramatische und tiefe Liebe und Freundschaft. Das ist die eine Seite dieser Geschichte. Der Teil, von dem ich gerne viel, viel mehr gelesen hätte.

    Und jetzt kommt das große Aber:

    Relativ schnell kristallisiert sich heraus, dass sowohl Brock und Ryder nicht die tollen Sunnyboys sind, die sie vorzugeben scheinen, sondern mit Drogen dealen. Und von da an wird diese Geschichte mehr und mehr zu einer Geschichte, die ich nicht leiden kann. Schon beim zweiten Date (oder war es gleich das erste?) bietet Brock Amber einen Joint an und von da an, sind sie die meiste Zeit entweder betrunken oder bekifft. Oder landen im Bett. Versteht mich nicht falsch, ich finde Sex großartig und lese ihn auch gerne in Büchern und prickelnde Liebesszenen mag ich besonders gerne.

    Aber alle aufkommenden Probleme mit Drogen, Alkohol oder Sex lösen zu wollen, funktioniert nicht. Und so verschwindet das Potential dieser Menage a trois immer mehr in einem Strudel aus Drogen, Alkohol, Sex und Gewalt. Den größten Teil der Geschichte ist irgendwer betrunken oder bekifft.

    Und obwohl ich mir bisher immer gesagt habe: „Es ist die Geschichte des Autors, es ist seine Fantasie. Das kann man nicht bewerten“ habe ich in diesem speziellen Fall meine Meinung dazu revidiert. Denn die Zielgruppe dieses Buches sind in der Regel junge Leser, die gerade am Anfang ihres erwachsenen Lebens stehen. Die gerade dabei sind, ihre Persönlichkeit zu entdecken. Und da wird es für mich persönlich bedenklich. Denn das, was in dieser Geschichte den jungen Leuten vorgelebt wird, ist einfach: „Drogen und Alkohol sind cool. Probleme können wir durch wildes herumvö…. lösen. Oh, ihr habt einen Drogendealer getötet? Ungünstig. Lasst uns zu dritt ins Bett gehen, dann wird das schon wieder.“


    Auch wenn ich das Ganze gerade vielleicht ein klein wenig überspitzt dargestellt habe, ist das so mehr oder weniger der Tenor, der in dieser Geschichte permanent vorherrscht. Und das ist etwas, was mir wirklich sauer aufstößt. Denn irgendwie finde ich, dass auch der Autor eine gewisse Verantwortung dafür trägt, was er seinen Lesern für Werte vermittelt.


    Die Story endet mit einem wirklich üblen Cliffhanger und trotzdem will ich nicht wissen, wie die Geschichte weitergeht. Also, tatsächlich ist das eines der wenigen Bücher, für das ich trotz vielversprechendem Start mal so überhaupt keine Leseempfehlung geben kann. Schade. Denn das Potential war da.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:

    Schon ihr ganzes Leben verbringt Stella zum größten Teil im Krankenhaus. Sie leidet an Mukoviszidose. Unheilbar. Ihre einzige Chance auf eine bessere Lebensqualität und eine Verlängerung ihrer Lebenserwartung ist eine Spenderlunge. Darauf hofft sie und ist ausgesprochen akribisch, was die Einhaltung der Regeln bezüglich ihrer Krankheit ist. Ihr bester Freund im Krankhaus ist Poe, der ebenfalls an Mukoviszidose leidet. Auch wenn sie ihm nie näher als 2 Meter gekommen ist, ihn niemals umarmen kann, sind die beiden die besten Freunde.

    Doch bei diesem Krankenhausaufenthalt ist alles anders. Ein neuer Junge ist auf der Station. Und bringt das Leben von Stella durcheinander. Denn seine Prognose ist noch viel schlechter, als die von Stella. Er kann es kaum erwarten, volljährig zu sein, um die Behandlung abbrechen zu können und die ihm verbleibende Zeit mit Reisen zu füllen. Doch als ihm Stella begegnet, ändert sich alles. Für beide. Und plötzlich ist die Regel, den anderen niemals berühren zu dürfen, unerträglich….


    Meine Meinung:

    *Schnief* Ein wunderbares, aber auch trauriges Buch. Stella ist so mutig und macht aus ihrer Lebenssituation das Beste. Niemals gibt sie die Hoffnung auf. Kämpft für sich, für ihre Eltern, für ihren besten Freund und schließlich auch für Will. Und verliebt sich ihn. Und Liebe ändert immer alles. Immer. Das Leben. Die Träume. Die Hoffnungen. Die Ängste. Es verändert die Parameter und auch Stellas Parameter verschieben sich.


    Denn wieso soll sie Hoffnung auf ein Leben haben, wenn dieses eine Leben bedeutet, Will niemals nah sein zu dürfen? Ihn niemals berühren, niemals küssen zu können. Als ihr das klar wird, bricht eine Welt in ihr zusammen….


    Will hat eigentlich schon aufgegeben. Seine Prognose ist mehr als schlecht. Vielleicht ein paar Jahre noch. Vielleicht aber auch nicht. Denn für eine Lungentransplantation ist er nicht mehr geeignet. Doch diese paar Jahre möchte er nicht in einem Krankenhaus gefangen sein. Er will die Welt entdecken, solange er noch kann. Doch Stella berührt etwas in ihm und plötzlich will er leben. Für Stella. Für ihn. Weil er sich nicht vorstellen kann, sie zu verlassen…


    Diese Geschichte kann kein wirkliches Happyend haben. Es sei denn, es gebe eine Art Wunderheilung. Das ist ein Gedanke, der einen die ganze Geschichte über begleitet. Die Tatsache, dass das Ende der irdischen Liebe von Stella und Will bereits in greifbarer Nähe ist. Und sie niemals die Chance haben, ein halbwegs normales Leben miteinander zu führen. Wie denn auch, wenn der Mindestabstand 1,5 Meter betragen muss?


    Das Wissen, dass Du die Liebe Deines Lebens töten könntest, wenn Du sie berührst, muss die Hölle sein. Es ist einfach nur grausam, jemanden zu lieben, ohne ihm wirklich ganz nah sein zu können. Dieser Gedanke bringt mich zum Weinen, denn er ist einfach unfassbar traurig.

    Doch Will und Stella dabei zu begleiten, wie sie die Liebe, die zwischen ihnen wächst, annehmen, wie sie die beiden wachsen lässt, Veränderungen in ihr Leben bringt, war herzergreifend. Die Geschichte ist – trotz aller Traurigkeit – wirklich wunder-wunderschön. Eines dieser seltenen Bücher, bei denen man traurig ist, wenn man sich am Ende von den Protagonisten verabschieden muss, weil man das Gefühl hat, Freunde zu verlassen.


    Also ganz klare Leseempfehlung von mir für Freunde von Büchern mit emotionalem Tiefgang!


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:

    Nela hat ihrem Vater Hannes nie verzeihen können, dass er sie und ihre Mutter in ihrer Kindheit verlassen hat. Von einem Tag auf den anderen war er plötzlich einfach weg. Das hat ihr ganzes Leben verändert. Eine Aussprache war nie möglich. Ein paar Jahre später stirbt Hannes durch einen Verkehrsunfall...


    Nun ist Nela erwachsen. Sie lebt ein zurückgezogenes Leben, das eigentlich nur aus Arbeit besteht. Eines Tages erhält sie ein Päckchen mit lauter Briefen. Briefe, die Ellen an Hannes geschrieben hat. Und einen Brief an Nela. Ellen war Hannes zweite Frau. Nela hadert mit sich, ob sie den Brief an sich überhaupt Lesen soll. Was das alles für einen Sinn hätte. Doch irgendwann siegt die Neugier. Sie liest ihn und erfährt, dass das Herz ihres Vaters gespendet wurde. Und wer der Empfänger ist. Sie beschließt spontan Urlaub zu nehmen und ans Meer zu reisen, um ihm zu begegnen. Dem Menschen, der das Herz ihres Vaters in sich trägt. Vielleicht kann sie dann endlich damit abschließen…


    Meine Meinung:

    Als ich das Buch in die Hand nahm, steckte ich gerade in einer üblen Leseflaute drin und die ersten Seiten schienen mir nicht wirklich dazu geeignet, diese Flaute zu überwinden. Doch dann las ich den ersten Brief, den Ellen an Nela geschrieben hat und mein Herz fing an zu weinen. Und von da an konnte ich die Geschichte nicht mehr aus der Hand legen.


    Und ich warne Euch vor. Diese Geschichte steckt so voll wunderbarer Worte, dass ich vermutlich nicht umhinkommen werde, dass ein oder andere der Geschichte in dieser Rezension zu verraten.


    Nela hat nie verwunden, dass ihr Vater sein Meermädchen verlassen hat. Sie wusste nicht warum. Dieses Verlassenwerden hat sie geprägt. Sie konnte keine Menschen mehr an sich heranlassen. Ein einsames und trostloses Leben, dass irgendwie nur aus Arbeit und ihrer Wohnung besteht. Alles geordnet, denn darüber hat sie zumindest die Kontrolle. Doch dann – gerade als ihr das Zuhause aufgrund von Eigenbedarf gekündigt wird, beschließt sie, einmal in ihrem Leben etwas Ungeplantes zu tun. Sie wird ans Meer fahren und sie wird den Menschen suchen, der das Herz ihres Vaters trägt. Und vielleicht, ganz vielleicht wird sie den Mut haben und Ellens Briefe lesen….


    Nela: „Und überhaupt sprachen hundert Gründe gegen eine solche Reise. Sie wäre spontan, viel zu spontan, zu teuer, zu unpassend, zu nahe dran an meinem Vater, das ging einfach nicht, das war alles nicht geplant. Und dieses eine Mal warf ich das alles in den Wind.


    Mutige Nela. So eine Entscheidung kostet Mut. Viel Mut. Aus dem Altbekannten, Vertrauten, Sicheren ausbrechen und sich auf eine Reise wagen, die alles irgendwie verändert. In Kauf nehmen, dass man sich mit seinen Gefühlen, seiner Angst und seiner Trauer auseinandersetzen muss, das ist unfassbar mutig.


    Von diesem Moment an war mir klar, dass ich Nela begleiten muss, dass ich dabei sein muss, wenn sie anfängt, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.


    Nela: „Dann stand ich im Türrahmen und tat den letzten Schritt, der mich auf den Bahnsteig führte und somit unwiederbringlich an einen Ort am Meer, das ich nie mehr hatte besuchen wollen.

    Aber nie mehr war nun nur noch Vergangenheit.


    Sie reist ans Meer und findet bei Henrietta, einer bezaubernden älteren Pensionswirtin eine Unterkunft. Drei Wochen kann sie bleiben. In einem kleinen Naturschutzgebiet. Direkt am Meer. An der rauen See, die ihr und ihrem Vater einst so viel bedeutet hat. Und in der Nähe von Maximilian, der als Teenager das Herz ihres Vaters bekommen hat.


    Sie beginnt, sich nach und nach einzuleben und hat irgendwann auch den Mut, Ellens Briefe an Hannes zu lesen. Ihren Vater kennenzulernen.

    Ellen erzählt in ihren Briefen vom Beginn ihrer Beziehung, von Hannes Dämonen und von ihrem Abschied. Und sie tut das auf eine unfassbar berührende Weise. Die Liebe, die die beiden füreinander empfinden, ist in jedem Wort spürbar.

    Diese Briefe haben mich zu Tränen gerührt. Jeder einzelne Brief:


    Ich wusste, alles würde besser werden. Mit Dir würde die Welt aufhören, sich rückwärts zu drehen.

    Ich war Schritt für Schritt an meine Grenzen gelangt, und ich wusste, dass ich noch weit darüber hinausgehen musste. Es gab keine Wahl, keinen Weg, der zurückführte oder der leichter war. Es gab nur das Vorwärts, das sich an den wenigen Stützpunkten Entlanghangeln.


    Doch ich weiß, wie weh Trennungen sein können. Trennungen, die man nicht erwartet hat, die einen mitten aus dem Leben reißen, die Wunden schlagen, die immer wieder aufgehen und sich nur notdürftig stopfen lassen.


    Diese Briefe und Ellens Worte verändern Nela. Sie beginnt, ihren Vater zu verstehen und vor allen Dingen, ihm zu verzeihen. Die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und wieder Menschen in ihr Herz zu lassen. Nähe zuzulassen, obwohl immer die Gefahr besteht, wieder verletzt zu werden. Und zu kämpfen. Für sich, für ihr Leben, für die Menschen, die ihr etwas bedeuten. Nicht aufgeben. Weiter machen. Jeden Tag als Geschenk ansehen. Leben. Einfach nur leben.


    Nela: „Kämpfer fühlen sich nie wie Kämpfer“, sagte ich, „weil sie nicht mit Fanfaren und Trompeten durch die Straßen ziehen und ihre Siege in die Welt hinausschreien. Wahre Kämpfer sind leise und vernarbt und die Siege, die sie errungen haben, haben ihnen einen Preis abverlangt.

    Vielleicht konnte man nie, niemals vergessen. Aber verzeihen und vergeben, das konnte man, wenn man über seine Schatten sprang und sein Herz öffnete, egal wie ramponiert und zerkratzt es war. Denn das war es, was Verzeihen ausmachte: Man vergab eine zweite Chance, obwohl uns die erste so sehr verletzt hatte, wir öffneten uns neu, wo wir wund waren und der Schorf wieder aufbrechen konnte. Wir gingen dieses Risiko bewusst ein, weil es das manchmal wert war.“


    Die Geschichte um Nela hat sich in mein Innerstes gebrannt. Sie hat mich zu Tränen gerührt und mir wieder einmal mehr bewusst gemacht, dass wir nur ein Leben haben und dieses Leben mit den Menschen teilen sollten, die uns wichtig sind, die wir lieben. Denn Zeit ist endlich.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.de

    Zum Inhalt:

    Rachel und Henry sind schon immer beste Freunde. Am liebsten hängen sie zusammen in der Buchhandlung von Henrys Eltern rum und schwelgen in den Buchschätzen. Irgendwann stellt Rachel fest, dass sie Henry liebt, doch er entscheidet sich für Amy und dann, dann zieht Rachel mit ihrer Familie weg….

    Das wars. Denkt sie. Kein Henry mehr. Nie mehr. Doch dann stirbt ihr Bruder bei einem tragischen Unglück und Rachel kehrt zurück in die kleine Buchhandlung und in Henrys Leben…

    Meine Meinung:

    Bezaubernd! Einfach nur bezaubernd. Ich wünschte, ich könnte die Buchhandlung von Henrys Familie einmal in Wirklichkeit besuchen. Wisst Ihr warum? Nein? Ok, ich verrate es Euch: es gibt in dieser Buchhandlung eine Abteilung namens „Briefbibliothek“, in der die Menschen über die Bücher miteinander kommunizieren. Sei es in Form von Randbemerkungen auf den Seiten oder in Form von Briefen, die zwischen den Seiten versteckt werden. Das ist so eine wundervolle Idee.

    Rachel ist mittlerweile nur noch ein Schatten des einst fröhlichen Mädchens. Sie kommt nicht damit zurecht, ihren geliebten Bruder verloren zu haben und als sie in ihre Heimatstadt zurückkehrt, verschweigt sie, dass Cal nicht mehr da ist. Sie versucht weiterzumachen – mit was eigentlich? Sie will Henry nicht verzeihen, denn der hängt immer noch an Amy. Aber Rachel hat niemals aufgehört ihn zu lieben und auch Henry kann nicht leugnen, dass etwas zwischen ihm und Rachel ist. Und so nähern sich die beiden wieder an. Doch Rachel hat Angst, sich selber noch mehr zu verlieren, wenn sie sich auf Henry einlässt. Sie ist so verletzlich, so zerbrechlich, ich wollte sie beim Leben am liebsten die ganze Zeit in den Arm nehmen.

    Und Henry? Henry ist so gefangen in dem verzweifelten Versuch, mit Amy glücklich zu werden und sie zurückzugewinnen, dass er zuerst überhaupt nicht wahrnimmt, dass da jemand ganz Besonderes direkt vor ihm steht. Da hätte ich ihm manchmal wirklich gerne in den Hintern getreten. Wie kann man(n) nur so blind sein???? Doch als es fast schon zu spät ist, lernt er, dass es sich lohnt zu kämpfen für das was man liebt.

    Die Art, wie Autorin Cath Crowley Geschichten erzählt, geht direkt ins Herz. Die Geschichte und der Ort, an dem sie spielt, berührt beim Lesen. Ich wünschte wirklich, ich könnte diesen Buchladen und all die Menschen, die ihm in dieser Geschichte Leben einhauchen, wirklich erleben.

    Wenn wir alle Dinge, die wir lieben, aufgeben würden, sobald es schwierig, wäre es eine schreckliche Welt – Seite 87

    FAZIT: Eine berührende Geschichte über Liebe, Freundschaft, Familie und die Macht der Wörter. Denn Wörter können die Welt verändern. Aber das wissen wir ja bereits….

    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Ich habe das Buch letze Woche beendet. Hier kommt meine Rezension:


    Zum Inhalt:

    Seit die neue Regierung an der Macht ist und der Präsident mehr oder weniger von dem ultrarechten Reverend Carl gelenkt wird, sind die Rechte aller Frauen in Amerika komplett beschnitten. Kein Wahlrecht, keinen eigenen Beruf mehr, kein eigenes Konto. Für alles brauchen sie die Erlaubnis ihres männlichen Vormundes. Entweder Mann oder Vater oder Bruder oder Onkel. Nicht nur dass, sie werden alle mit sogenannten „Wortzählern“ ausgestattet. Das Kontingent von 100 Wörtern pro Tag für jede weibliche Person darf nicht überschritten werden, sonst bekommen die Frauen die Folgen in Form eines immer stärker werdenden Stromschlags zu spüren. Folgsame Ehefrauen, die sich nur um Haushalt und Kindererziehung kümmern und ansonsten still und brav ihren Männern folgen, ist das erklärte Ziel der „Reinen“. Männer und Frauen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen pflegen, kommen in Internierungslager, bis sie sich freiwillig der Bewegung anschließen und der Homosexualität abschwören.

    Jean war vorher eine bekannte und talentierte Wissenschaftlerin. Jetzt ist sie nichts mehr. Nur noch Ehefrau und Mutter ohne eigene Stimme. Ihren Mann scheint sie nicht mehr zu kennen. In seiner Tätigkeit in hohen Regierungskreisen ist es für ihn zwingend notwendig, sich keine Feinde zu machen und so scheint er dem Regime widerstandslos zu folgen. Doch Jean will nicht kampflos aufgeben. Soll ihre kleine Tochter Sonia niemals frei reden dürfen? Niemals lesen dürfen oder die Chance auf einen Beruf und freie Entscheidung erhalten?

    Als der Präsident der vereinigten Staaten in einer persönlichen Angelegenheit dringend ihren Expertenrat und ihr Wissen braucht, sieht Jean ihre Chance, für sich, für ihre Tochter und für alle Frauen Amerikas zu kämpfen….

    Meine Meinung:

    Meine Meinung:

    VOX – #100 Wörter – Was für ein beklemmendes, aufwühlendes Buch!

    Zumindest in der ersten Hälfte. Die hat mich wirklich aufgeregt. Danach *hmmm* ich will nicht vorweggreifen….

    Die knapp 400 Seiten starke Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Jean erzählt, die sich nicht erklären kann, wie es wirklich so weit im Amerika des 21. Jahrhunderts kommen konnte. Doch rückblickend betrachtet ist genau das passiert, vor dem ihre politisch engagierte lesbische beste Freundin sie immer gewarnt hat. Eben diese Freundin, die nun in einem Internierungslager ein stummes Dasein fristet.

    Schon auf den ersten Seiten habe ich begonnen, fassungslos den Kopf zu schütteln beim Lesen und mich zu fragen, aus welchem Grund Männer auf diese abgrundtief entsetzliche Idee kommen, Frauen so dermaßen in ihren Grundrechten zu beschneiden…

    Doch so spannend und so unbegreiflich, wie das Buch begonnen hat, umso mehr tauchten bei Fortschreiten der Lektüre Fragen auf, die leider für mich während des ganzen Romans unbeantwortet blieben. Das ist etwas, was ich in der Geschichte tatsächlich vermisse: die Erklärung für den ganzen Wahnsinn, der dort passiert. Warum. Wieso. Weshalb. Mit welcher Intention.

    Nun habe ich in diesem Jahr auch von Margret Atwood „Der Report der Magd“ gelesen und muss sagen, dass sich für mich in „Vox“ viele Parallelen zu Atwoods 1985 erschienenen Roman ergeben haben. Und im Gegensatz zu „Vox“ entwirft Margret Atwood ein für mich sehr stimmiges und ausgesprochen detailliertes Szenario, während „Vox“ zwar ein wahnsinniges Tempo beim Fortschreiten der Geschichte an den Tag legt, aber dafür so viel in die 400 Seiten reinquetscht, dass es sich irgendwann von einem dystopischen Science Fiction-Roman in einen Verschwörungsthriller verwandelt und das eigentliche Thema – der Kampf um die Rechte der Frauen – für meinen Geschmack nach mehr und mehr in den Hintergrund gelangt. Ehrlich gesagt bin ich mir am Schluss überhaupt nicht mehr sicher, worum es wirklich in der Geschichte ging: um die Feminismus-Debatte und die Rechte der Frauen oder darum die amerikanische Bevölkerung am liebsten komplett zum Verstummen zu bringen, um das Machtstreben einer ultraradikalen Minderheit zu fördern?

    Ich mag nicht spoilern, deswegen werde ich Euch nichts weiter zur Handlung verraten.

    Aber trotzdem – auch wenn der Roman jetzt in einigen Bereichen nicht meine Erwartungen erfüllt hat, so macht er doch sehr nachdenklich. Zumindest die erste Hälfte der Geschichte, in der es um die Machtergreifung der Radikalen und den Rechteverlust der Frauen geht, finde ich sehr, sehr wichtig.

    Ich sehe durchaus gewisse Parallelen zur aktuellen politischen Lage hier in Deutschland.

    Es gibt da diese kleine Partei, die bei der letzten Bundestagswahl knapp 13 % Stimmen bekommen haben (siehe meinen Blogbeitrag vom September 2017) und die ein umfangreiches Wahlprogramm haben, bei dem mir schon beim Lesen so richtig schlecht wird. Ich bin immer wieder fassungslos, wenn ich sehe, wie viele Menschen von dieser Partei überzeugt sind und sie wählen wollen. Sei es aus Überzeugung oder aus Protest den Altparteien gegenüber.

    Sollte diese Partei jemals an die Macht kommen (was ich nicht hoffe), so werden wir vermutlich – wenn es auch nicht explizit auf Frauen bezogen ist – mitbekommen, wie Christina Dalchers Roman „Vox“ auch in Deutschland zum Teil Realität werden könnte. Und alleine, um jedem Einzelnen die Augen zu öffnen, wie schnell so etwas passieren kann, wie wichtig es ist, seine eigene Stimme zu erheben und „NEIN“ zu sagen, ist das Buch absolut lesenswert und wichtig. Also lest es bitte.

    #wirsindmehr #100wörter

    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.de

    Ich habe von dem Buch auch etwas anderes erwartet, als ich letztlich gelesen habe.


    Meine Rezension:


    Zum Inhalt: Susan ist anders als andere Menschen. Zum einen neigt sie zu übertriebener Korrektheit, sie mag keine körperliche Nähe (bis auf wenige Ausnahmen), sie mag Zahlen und ist sehr akkurat, sie mag keine Gefühle oder Zuneigungsbekundungen und sie kommt ganz wunderbar alleine zurecht.

    Schließlich sind andere Menschen viel zu kompliziert und sie ist ja nicht einsam. Sie hat ja schließlich ihre Kakteensammlung. Ein wunderbar geordnetes Leben ohne Chaos. Ruhig, sortiert und perfekt.

    Doch dann stirbt ihre Mutter und Susan entgleitet daraufhin ihr sorgsam gehütetes Leben schneller, als sie gucken kann. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und Susan ist schließlich gezwungen, ihr Leben komplett neu zu überdenken…

    Meine Meinung:

    Ich war total gespannt auf dieses Buch und meine Erwartungen dementsprechend hoch. Ich mag ja grundsätzlich nerdige Charaktere ziemlich gerne. Wer mich näher kennt, weiß warum *grins*.

    Und so haben mich die ersten drei Sätze vom Klappentext: „Susan mag keine Überraschungen. Oder Emotionen. Oder Menschen.“ sofort angesprochen.

    In meiner Vorstellung war Susan ein wenig wie Sheldon aus „Big Bang Theory“. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich total auf Sheldon Cooper stehe….

    Aber fangen wir mal von vorne an.

    Zuerst mit dem Cover. Jaaahaaa, ich weiß, dass ich normalerweise nichts zum Cover schreibe, weil es für mich total irrelevant ist und nichts über das Buch aussagt.

    Es sei denn, das Cover ist besonders erwähnenswert. Und das ist das Cover in diesem Fall. Es ist nämlich wunderwunderhübsch. Jedenfalls für mich. Und dabei habe ich überhaupt keine Affinität zu Blumen. In meiner Wohnung findet sich genau 1 Pflanze: eine Orchidee, die mein Papa mir im Februar als Willkommensgruß auf den Tisch gestellt hat, nachdem die Kinder und ich wieder aus der Kur gekommen sind… und sie lebt noch…. Erstaunlicherweise…. Normalerweise tun Pflanzen das hier nämlich überhaupt nicht lange …. Deswegen habe ich keine…. Aber ich schweife ab….

    Also: Das Cover ist wunderschön – ein richtiger „Bücherregal-Blickfang“. Das muss auf jeden Fall erwähnt werden.

    Nun zur Geschichte: Susan ist ein ziemlich komplexer Charakter. Auf den ersten Blick wirkt sie sehr, sehr spröde. Verklemmt. Spießig. Pedantisch. Unfreundlich. Als wenn sie niemals in ihrem Leben Freude verspürt. Eigentlich – wenn man den Erzählungen über ihren Alltag glauben schenkt, dann hat sie tatsächlich nichts, was sie wirklich von Herzen erfreut. Das finde ich sehr traurig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jemals aus tiefstem Herzen lacht.

    Aber das ist auch kein Wunder. Ihre Familie ist – gelinde gesagt – sehr gruselig. Mit ihrem Bruder Edward verbindet sie Nichts, außer eine geschwisterliche Rivalität, die auch nach dem Tod der Mutter kein Ende findet – ganz im Gegenteil. Die Rivalität wächst sich zu einem Erbschaftsstreit aus, in dessen Verlauf Susan so manchen weiteren Schicksalsschlag einstecken muss.

    Die Geschichte fing sehr vielversprechend an, aber ich habe die ersten 250 Seiten überhaupt keine Verbindung zu Susan aufbauen können. Sie blieb seltsam distanziert für mich. Ich konnte mich in sie nicht reinversetzen. Ich fand sie hölzern, stocksteif und oftmals auch brüsk und sehr unfreundlich.

    Natürlich hat sie ihre Gründe dafür. Vielschichte Gründe. Traurige Gründe, die mich manchmal fassungslos den Kopf haben schütteln lassen. Es ist traurig, wenn Kinder in solchen Familien wie Susans Familie aufwachsen müssen. So konnte ich mit zunehmender Seitenzahl Susans Verhalten nachvollziehen. Und mich auch ihren Charakter verstehen lassen. Grundsätzlich würde ich gerne näher darauf eingehen, warum Susan so ist, wie sie ist, aber dann würde ich zu viel verraten und ich mag nicht spoilern.

    Die letzten 80 Seiten haben dann doch noch so manche Wendung in die Geschichte gebracht und haben mich Susan nähergebracht und mich mit der Geschichte versöhnt.

    Auch verändert sie sich im Lauf der Geschichte – sie wird zugänglicher. Lässt zunehmend andere Menschen in ihr Leben. Am Anfang meist ungewollt und aus reinem Pragmatismus. Aber immerhin.

    Ich finde, die Geschichte und der Charakter „Susan“ hätte ein Wahnsinnspotential gehabt, was meines Erachtens nach nur zum Bruchteil ausgeschöpft worden ist. Ich hätte mich gerne während des Lesens mit ihr angefreundet und sie in mein Herz geschlossen, aber das hat sie einfach nicht zugelassen.

    Das finde ich sehr schade. Es wäre schön gewesen, ein wenig mehr mitzuerleben, wie Susan „aufblüht“ und ihre letzten „Kaktus-Stacheln“ verliert.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.wordpress.com

    Zum Inhalt: Seit ihr Bruder starb, ist in Luises Leben nichts mehr so wie es war. Ihr ganzes Leben scheint seinen Sinn verloren zu haben. Am Tag der Beerdigung rasiert sie sich die Haare ab, lässt sich piercen und versucht, ein Leben ohne Kristopher zu führen. Was nicht geht.

    Gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Haarpracht, zieht Luise sich von allem zurück und errichtet eine Mauer um sich herum. Niemand scheint mehr an sie heranzukommen. Ihr Leben besteht aus Trauer und Vermissen.

    Eines Tages begegnet ihr Jacob. Jacob ist von Luise fasziniert. Das stille Mädchen mit den unendlich traurigen Augen zieht ihn an. Aber Luise braucht Zeit, bis sie sich traut, Jacob an sich ranzulassen.

    Als Luise am Morgen ihres 16. Geburtstags eine Email von ihrem toten Bruder erhält, wirft sie das aus der Bahn. Doch da ist Jacob, der ihr hilft, in ihrem neuen Leben ohne Kristopher wieder Fuß zu fassen und endlich sich selber zu finden….

    Meine Meinung:

    Eigentlich könnte ich sie ganz kurz zusammenfassen: LEST DIESES BUCH! ES IST FANTASTISCH!

    Aber es ist nicht nur fantastisch und dann wäre diese Rezension auch viel zu kurz. Das Buch ist mehr. Es ist traurig. Es ist berührend. Es ist einfach wundervoll.

    Danke, liebe Anne Freytag für diese wundervolle Geschichte! Danke, dass ich Luise und Jacob kennenlernen durfte und sie mich ein Stück weit begleitet haben – oder ich sie. Je nachdem.

    Ich hatte in letzter Zeit oftmals eine Leseflaute. Mein Leben hat sich im letzten Jahr – wie auch das Leben von Luise um 180 Grad gedreht. Sich komplett geändert. Wenn auch aus anderen Gründen. Aber auch ich bin in dieses tiefe traurige Loch gefallen, in dem Luise sich nach dem Selbstmord ihres Bruders wiederfindet. Und so hat mich Luise schon auf den ersten Seiten mitten im Herz berührt. Ich hatte das Gefühl, verstanden zu werden. Luise zu verstehen. Schon da habe ich begonnen, die ersten Tränen zu vergießen. Und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

    Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Luise und aus der Sicht von Jacob erzählt. Beide haben keine leichte Zeit hinter sich.

    Luise ist so unfassbar traurig. So einsam. Ein Leben ohne Kristopher ist nicht vorstellbar. Anne Freytag gelingt es, Luises Gefühle in wunderbare Worte zu verpacken. Ich habe beim Lesen förmlich gespürt wie Luise fühlt. Wer sie ist. Was sie ausmacht.

    Jacob ist leise. Nachdenklich. Ein ernster Charakter. Und ein begnadeter Koch. Von Luise ist er fasziniert und aus dem ersten gemeinsamen Nachmittag wächst eine leise, stille Verbindung.

    Jacob ist es nicht gewohnt, wirklich Zeit mit einem Mädchen zu verbringen. Ein Mädchen an sich ran zu lassen. Doch mit Luise ist das anders. Luise gehört zu ihm. Das ist ihm fast sofort klar. Zwischen den beiden besteht eine Verbindung. Ob sie das wollen oder nicht. Doch bis sie Vertrauen fassen, bis sie sich eingestehen, dass sie zusammengehören, passieren eine Menge trauriger und wunderbarer Dinge. Luise schafft es, mit Hilfe von Jacob, sich selbst wiederzufinden – bzw. sich selbst neu zu finden. Ohne Kristopher. Und sich von ihm zu verabschieden. Und Jacob schafft es, wirklich Vertrauen zu einem Menschen zu fassen.

    Anne Freytag erzählt diese Geschichte in ihrer ganz eigenen Art. Ihr gelingt es, auf einfühlsame Weise den Leser die Trauer, den Zorn und die beginnende tiefe Verbindung spüren zu lassen. Tief im Herzen. Luises und Jacobs Gedanken und Gefühle sind authentisch erzählt, so dass man nicht mehr das Gefühl hat, ein unbeteiligter Zuschauer zu sein. Sondern ein Freund, der sie begleitet.

    Die Geschichte hat eine wundervolle Sprache, sie ist mit Liebe zum Detail geschrieben. Und ich liebe sie schon jetzt. Und kann sie Euch nur empfehlen.

    Natürlich mag ich Euch auch nicht meine Lieblingsstellen vorenthalten:

    Jacob: „Sei einfach so, wie Du immer bist. Das macht Menschen glücklich.“ – Seite 195

    Kristopher: „Ich glaube, irgendetwas bleibt. Und dieses Etwas von mir ist immer bei Dir. Und das wird es immer sein.“ – Seite 205

    „They tried to bury us. They didn't know we were seeds“ – Mexikanisches Sprichwort – Seite 473

    FAZIT: Ein Buch, das die Seele streichelt und das Herz berührt. Unbedingte Leseempfehlung.

    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.wordpress.com

    Zum Inhalt:

    England in der Zukunft: Rea Emris lebt in einer Welt, wie sie für uns unvorstellbar wäre: Berührungen sind strengstens verboten. Denn es gibt in dieser Welt Menschen – sogenannte „Magdalenen“, die die Erinnerungen und Gefühle von Menschen lesen oder beeinflussen können. Rea ist eine von ihnen. Sollte sie entdeckt werden, droht ihr der Tod.

    Als sie als Leibwächterin für den Sohn des Königs engagiert wird, wird es für Rea lebensgefährlich. So dicht an einem Menschen zu sein, verstärkt den Drang ihn zu berühren ins Unermessliche. Doch nicht nur das. Rea verliebt sich in ihn. Und er sich in sie. Doch immer noch trachtet ihm jemand nach dem Leben und Rea setzt ihr Leben aufs Spiel, um herausfinden, wer….

    Meine Meinung:

    Ich habe ungefähr ein Drittel des Buches gebraucht, um wirklich in der Geschichte anzukommen, aber dann hat sie mich ziemlich in ihren Bann gezogen und ich konnte sie nicht mehr aus der Hand legen. Mit jeder Seite nahm die Spannung und das Tempo der Geschichte zu.

    Rea ist eine junge Frau, die schon früh gelernt hat, dass Berührungen Sünde sind. Dass es gefährlich ist, andere Menschen berühren zu wollen. Lebensgefährlich. Vielleicht wären Berührungen nicht ganz so gefährlich, wenn sie nicht zu den Magdalenen gehören würde. Doch Rea kann die Gedanken und Erinnerungen von anderen Menschen lesen, wenn sie sie berührt. So wie ihre Mutter. Und ihre Mutter existiert nicht mehr.

    Reas Drang, andere Menschen berühren zu wollen, wird jeden Tag stärker, besonders, als sie sich in den Kronprinzen verliebt.

    Am Anfang der Geschichte lernt man ein junges Mädchen kennen, das niemandem vertraut, das versucht, sich und ihren Bruder zu schützen und niemals etwas von sich preisgibt. Ihr Geld verdient sie als Schneiderin und beim Faustkampf. Da kommt ihr ihre Gabe praktischer Weise zur Hilfe. Sie versucht unauffällig und unsichtbar zu sein… doch das funktioniert nur solange, bis sie ins Visier des britischen Geheimdienstes gelangt, der einen Leibwächter für den Kronprinzen braucht.

    Ich fand Rea am Anfang sehr sympathisch, gradlinig und ehrlich. Als sie sich in den Kronprinzen verliebt, hatte ich ein wenig Schwierigkeiten damit, dass sie sich plötzlich dreht, ihre Vorsicht für meinen Geschmack ein wenig zu viel außer Acht lässt, um ihn zu berühren und ihm nah zu sein. Aber sie ist zum ersten Mal verliebt und jeder von uns weiß, dass man dann plötzlich sowieso nicht unbedingt mit dem Verstand agiert.

    Sie findet im Könighaus Freunde. Besonders der weiße Ritter Blanc und die PR-Agentin und Französin Ninon steht ihr zur Seite und glauben an Rea. Am Anfang konnte ich Ninon nicht einschätzen – und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich am Ende immer noch nicht sicher bin, wie ich sie wirklich einschätzen soll. Ich denke, sie empfindet etwas für Rea.

    Kronprinz Robin versucht, sich gegen seinen Vater durchzusetzen, was ihm nicht immer gelingt. Irgendwann stellt er fest, dass ihm Rea etwas bedeutet. Das macht die Situation für ihn nicht einfacher. Selbst wenn der Attentäter gefasst wird und er überlebt, haben die beiden keine Zukunft, schließlich ist Rea keinesfalls adelig.

    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen – genau wie das wunderschön gestaltete Cover. Das London, was optisch der viktorianischen Zeit entspricht, aber doch über die moderne Technik wie Autos und Mobiltelefone verfügt, ist ein sehr ungewöhnlicher Schauplatz, der von der Autorin mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt worden ist. Die Mode, die von Schleiern, Handschuhen und Kummerbund geprägt wird, beschreibt sie sehr anschaulich. Die Vorstellung, selbst bei einem „Date“ sein Gegenüber nicht berühren zu dürfen, finde ich offen gestanden sehr gruselig. Eine grausame Vorstellung.

    Ich finde nämlich, dass Berührungen und Umarmungen und Nähe die Welt zu einem viel besseren Ort machen!

    Mein Fazit:

    Ein spannender Auftakt der Trilogie mit starken Charakteren! Für Fans von Urban Fantasy und Dystopien ein Muss.


    Meine Rezension findet Ihr auch unter http://www.buchspinat.wordpress.com

    Zum Inhalt: Berlin 1938: Otto Silbermann ist ein jüdischer Geschäftsmann und mit einer Deutschen verheiratet. Durch die Rassengesetze und die Reichsprogromnacht ändert sich das Leben von Otto Silbermann und tausenden anderen Juden aufs Unvorstellbare.


    Eigentlich will Otto nur noch ein letztes Geschäft abschließen und dann mit seiner Frau Deutschland endgültig den Rücken kehren, doch dazu kommt es nicht mehr. Sein Sohn, der bereits in Frankreich lebt, schafft es nicht, gültige Ausreisegenehmigungen zu erwirken.


    Als Otto Silbermann Zuhause fast verhaftet wird, gelingt ihm in letzter Sekunde die Flucht. Seine Frau flieht zu ihrem Bruder und ist dort als Nichtjüdin in Sicherheit. Otto Silbermann weiß nicht, wohin er gehen soll. Seine Freunde haben sich von ihm abgewandt, Hilfe hat er dort keine mehr zu erwarten. In heutigen Zeiten will niemand mehr mit einem Juden befreundet sein. Also setzt er sich in den Zug und reist quer durch Deutschland….


    Meine Meinung:


    Das Buch, welches zwar schon 1939 in England und 1940 in Amerika erschienen ist, ist nun erstmals lektoriert und auf Deutsch erschienen. Der Autor Ulrich Alexander Boschwitz hat es mit gerade 23 Jahren geschrieben, zum Teil sind seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen in der Geschichte von Otto Silbermann mit eingeflossen.


    Ein erschütterndes Zeitdokument, dass dem Leser ganz klar vor Augen führt, wie sich das „normale“ Leben der jüdischen Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit zu einem Leben ohne Rechte und Perspektiven gewandelt hat. Otto Silbermann verliert nicht nur seine Firma, sein Haus, seine Familie, seine Rechte, sondern – am Schluss – auch seinen Verstand. Was vielleicht auf eine gewisse Art und Weise sogar barmherzig sein mag. Denn anders hätte man den Wahnsinn, der damals in Deutschland Einzug hielt, vermutlich nicht ertragen können. Denn er übersteigt - meiner Meinung nach - jeden gesunden Menschenverstand.


    Es war auf eine sehr traurige Art faszinierend, mitzuerleben, wie Silbermann sich vom rechtschaffenden Unternehmer, vom unbescholtenen Bürger, vom Familienvater, vom Kriegshelden zu einem Menschen gewandelt hat, wandeln musste, der unter der Flucht teilweise die gleichen erschreckenden Verhaltensmuster an den Tag gelegt hat, die er den Menschen, die ihm Hilfe verweigerten, vorgeworfen hat. Durch den Verlust jeglicher Rechte und Perspektiven, durch diese „Vogelfreiheit“ hat er ungewollt seine eigene Rechtschaffenheit, seine Werte und Prinzipien verloren. Nur noch das Überleben zählt. Verständlich. Natürlich. Und dennoch erschreckend.


    Die Geschichte endet bereits kurze Zeit später. Die wirklichen Gräueltaten gegen die jüdische Bevölkerung haben gerade erst ihren Anfang gefunden.


    „Der Reisende“ besticht durch seine Schlichtheit. Jeder Leser kann sich vorstellen, wie die Geschichte enden könnte, denn wie das Leben der meisten Juden nach der Reichsprogromnacht weiterging, ist uns allen hinlänglich bekannt.


    Die Geschichte ist ein Plädoyer gegen das Vergessen. Ein Mahnmal dafür, was niemals mehr geschehen sollte. Wir dürfen nicht vergessen. Niemals!




    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.wordpress.com

    Zum Inhalt:


    Scotia hat eigentlich alles, was das Herz begehrt: sie entstammt einer reichen Adelsfamilie, genießt Ansehen, arbeitet im erfolgreichen Familienimperium mit – eigentlich müsste sie glücklich sein. Aber „eigentlich“ ist eine Einschränkung. Denn glücklich ist Scotia nicht. Nicht mal annähernd….


    In ihrem Leben spielt nur die Firma eine Rolle. Freizeit ist mittlerweile ein Fremdwort für sie geworden, schließlich soll „Lush Chocolates“ eine führende Rolle auf dem Pralinenmarkt in Großbritannien einnehmen. Ihre Familie verlangt vollsten Einsatz von Scotia. Egal, was es kostet. Die Firma ist das Wichtigste.


    Als Scotia den erfolgreichen Architekten und Besitzer des BDSM-Clubs „Taboo“ kennenlernt, ist sie von ihm gleichermaßen angezogen, wie abgestoßen. Doch schließlich siegt die Neugier. Als sie eine exklusive Einladung ins „Taboo“ erhält, nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und lässt sich auf das Abenteuer ein – ihr Gesicht hinter einer Maske verborgen.


    Sie lässt sich von Aidan einführen in die ihr fremde Welt aus Lust und Schmerz. Nur einmal jemand anders sein. Doch sie hat nicht damit gerechnet, ihr Herz an ihn zu verlieren….


    Meine Meinung:


    Scotia ist eine junge Frau, die um die Anerkennung ihres Vaters kämpft und ihm beweisen will – beweisen muss – dass sie dafür geschaffen ist, das Familienimperium „Lush Chocolates“ zu leiten und an die Spitze der britischen Chocolatiers zu führen. Scotia liebt ihren Job, doch die Verantwortung für ihn lässt nicht zu, dass Scotia wirklich lebt. Sie kennt keinen Feierabend, keine Freizeit. Nur die Firma zählt.


    Als sie Aidan trifft und sich endlich eingesteht, dass sie so nicht weiterleben kann, weiterleben will, dass ihr etwas Existenzielles zum Glücklichsein fehlt, fasst sie sich ein Herz und springt ins kalte Wasser. Und findet endlich sich selbst.


    Sie ist ein starker Charakter, mutig und tough. Bewundernswert. Auch wenn sie eine Weile braucht, zu erkennen, dass man nicht glücklich wird, wenn man immer nur versucht, es anderen recht zu machen.


    Aidan fand ich sehr sympathisch. Ich habe manches Mal gerätselt, ob er von Anfang wusste, dass Scotia hinter der Maske verborgen ist. Er ist ein guter Dom. Er weißt, worauf es ankommt, was zählt. Er hat Charakterstärke und einen starken Willen. Scotia ist bei ihm in guten Händen.


    „Genieße das Hier und Jetzt. Nochmals“, sagte er geduldig, „ich behalte die Kontrolle, damit Du Dich fallen lassen kannst.“ – Seite 149


    Abschließend kann ich sagen: ein wunderschöner Liebesroman mit ansprechenden BDSM-Elementen. Sandra Henke versteht es, die erotischen Liebesszenen geschmackvoll zu umschreiben und so die Fantasie des Lesers anzufeuern.


    Doch das Buch ist nicht nur ein Erotikroman. Es ist auch eine Geschichte, die einem einmal mehr zeigt, dass man immer man selbst sein soll und sein Leben nicht damit verbringen soll, es immer nur anderen recht zu machen. Denn irgendwann verliert man dabei sich selbst.




    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.wordpress.com

    Jürgen Ehlers - Der Tod von oben
    Books on Demand
    360 Seiten


    Zum Inhalt:
    Niederlande 1941: Der deutsche Gerhard Prange wird während seines Studiums in England vom englischen Geheimdienst angeworben und soll in den Niederlanden Spionagedienste leisten. Die Engländer sind dabei nicht ganz ohne Hintergedanken. Schließlich ist Gerhard ein sehr guter Bekannter von Arthur Seyß-Inquart – dem Reichskommissar der Niederlande. Gerhard willigt ein und im Juli 1941 landet er in den Niederlanden und wird direkt von der Polizei festgenommen. Er willigt ein, für die Deutschen Doppelagent zu werden, um nicht hingerichtet zu werden.
    Sofieke ist Jüdin. Mit falschen Papieren gelingt es ihr, in den besetzen Niederlanden ein halbwegs humanes Leben zu führen. Doch Lebensmittel und Geld sind knapp. Sie entschließt sich, ein Zimmer unterzuvermieten. So begegnet sie Gerhard. Die beiden verlieben sich ineinander…. Doch hat ihre Liebe in diesen schlimmen Zeiten überhaupt eine Chance?


    Meine Meinung:
    Das Cover finde ich phänomenal und es passt sehr gut zur Geschichte. So sieht man auf dem Cover Gerhard, der mit dem Fallschirm landet und Sofieke, die seine Landung beobachtet. Wirklich ein wunderschönes Cover. Mag ich gern. Hübsch.


    Die Geschichte nimmt uns mit in die besetzten Niederlande der Jahre 1941/1942. Die niederländische Bevölkerung hat sich teilweise an die Besetzung gewöhnt, das Leben ist weiterhin einigermaßen normal möglich. Zumindest wenn man kein Jude ist oder dem niederländischen Widerstand angehört. Oder englischer Spion.


    Gerhard entschließt sich schnell, dem Angebot seines „Onkels“ Folge zu leisten und Doppelagent zu werden. Seine einzige Möglichkeit, der Exekution zu entkommen. Ich mochte Gerhard als Charakter ziemlich gerne, er versucht mit allen Mitteln, das Richtige zu tun und. Was gefährlich ist in dieser Zeit. Man kann darüber streiten, ob es noch „richtiger“ gehen würde oder nicht. Aber darüber kann niemand urteilen, der nicht genau in seiner Lage gewesen ist.


    Sofieke hat keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie und hofft einfach, mit falschen Papieren die Zeit bis zum Kriegsende unentdeckt zu überstehen. Dass sie „den Deutschen“ lieber mag, als sie eigentlich wollte, macht ihr Leben nicht gerade leichter. Im Gegenteil.


    Die Geschichte enthält viele historisch korrekte Fakten und lässt den Leser teilhaben an diesem düsteren Stück Geschichte. Viele in der Geschichte aufgeführten Personen, wie z.B. Seyß-Inquart sind historisch korrekt dargestellt. Ein Personenverzeichnis mit den wichtigsten Informationen zu den einzelnen Personen ist zu Beginn des Buches vorhanden. Das fand ich ziemlich wichtig, denn ab und an bin ich doch mit den einzelnen Personen und ihren Positionen durcheinandergekommen und konnte so jederzeit schnell nachschlagen, wenn mir etwas unklar war. Das hat mir sehr geholfen, nicht den roten Faden der Geschichte zu verlieren.


    Der Schreibstil ist klar und direkt, keine unnötige Gefühlsduselei und geht dennoch nah. Die Geschichte nimmt relativ schnell an Tempo auf und ist spannend geschrieben.
    Für Leser, die großes Interesse an diesem Stück Zeitgeschichte haben und Wert auf gut recherchierte historische Fakten legen, ist dieser spannende Roman definitiv empfehlenswert.
    Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.wordpress.com