Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von tom leo

    Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

    Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich."

    Bernhard von Clairvaux 1090-1153

    tom leo
    Ist dies die deutsche Version?

    Nein, dies ist nicht die deutsche Version des von mir vorgestellten Buches, aber quasi die Version des Photographen Munier von dieser Reise. Die Priorität liegt also auf den Photos und einigen lyrischen Begleittexten von Tesson. Der stolze Preis mag einige abhalten...


    Der renommierte Naturfotograf Vincent Munier (Im eisigen Weiß) nimmt uns in diesem Bildband mit auf die Spuren des seltenen Schneeleoparden in die schwer zugängliche, majestätische Bergwelt Tibets. Aber nicht nur den scheuen Schneeleoparden hat Munier aufgespürt und in atemberaubend ästhetischen Bildern festgehalten, er ist auch anderen Bewohnern der Berge begegnet: den kleinen Pikas, Tibetfüchsen, wilden Yaks und großen Raubvögeln. Auf seiner beschwerlichen Reise begleitete ihn der erfolgreiche Autor Sylvain Tesson, dessen Gedanken und Erinnerungen die poetischen Bilder Muniers ergänzen.

    Den Schneeleoparden in Tibets Bergen zu finden gilt als das höchste Ziel und ist Erfüllung für viele Reisende und Naturfotografen. Die Suche ist beschwerlich und gefährlich zugleich: geblendet vom Licht der Höhe, muss man ihn zwischen Felsen, Eis und Schnee entdecken, den Rücken jedes Berges erklettern, in der steten Hoffnung ihn zu entdecken. Nur kleinste Bewegungen enthüllen den gut getarnten König der Berge, wenn er die Felsen hinuntersteigt, um kurz darauf wieder zu verschwinden.

    Dieses fotografische Meisterwerk kommt in bibliophiler Luxus-Ausstattung: Ein Fotografie-Band in höchster Qualität, gedruckt auf ausgesuchtem Papier mit zusätzlichem Reisejournal im Schuber. Das perfekte Geschenk für Tibet-Fans und Fotografie-Begeisterte zugleich!

    Zahlreich sind eigentlich die Buchreferenzen, die Zitate und Querverweise. "Historisch" relevant hielte ich persönlich vor allem dieses Buch, der Erfahrungsbericht von Peter Matthiessen


    Auf der Spur des Schneeleoparden: Die Reise in ein vergessenes Land - eine Expedition in Grenzbereiche der Erfahrung


    Es wird (auch) dort deutlich, wie sehr es nicht nur um eine wissenschaftliche Expedition handelt, sondern diese Suche nach dem ach so sich entziehenden Wildtier noch ganz woanders hinführt und eine spirituelle Erfahrung wird.


    Seltsamerweise ist der vielleicht garnicht so uneitle Tesson darauf bedacht, sich hier aber ganz schön abzugrenzen und so zu tun, als ob sein Unterfangen ganz anders wäre...

    Original : Französisch, 2019


    INHALT :

    « Tesson ! », sagte Munier, « ich bin auf der Spur eines Tieres seit sechs Jahren. Es versteckt sich auf den Hochebenen Tibets. Diesen Winter kehre ich dorthin zurück ; ich nehme dich mit ! » « Und um wen geht es ? » « Den Schneeleoparden. Ein magischer Schatten ! » « Ah, ich dachte, dass er verschwunden wäre », sagte ich. « Ja, das macht er uns glauben ! »


    BEMERKUNGEN :

    Sylvain Tesson läßt sich hier mitreißen von einem bedeutenden Tierphotographen, seinem Freund Vincent Munier (geboren 1976). Das Buch fängt quasi mit einem Vorkosten an : das abendliche Beoabchten einer Dachsfamilie aus nächster Nähe. Das aber kann nur bei absoluter Ruhe und Stillhalten gelingen. Neue Erfahrung für den eher dynamischen und quirligen Tesson… Und dahinein kommt die Einladung nach Tibet : sich auf die Spuren des Schneeleoparden begeben!


    So gelangen wir hinaus aus Europa und nähern uns nach und nach, über Chengdu in China, Tibet. Dort geht es von einem Basislager in andere. Man bleibt einige Tage, zieht von da ausgehend seine Kreise und legt sich auf die Lauer. Diese Habachtstellung, nahe der Unbeweglichkeit, einer Lauerhaltung, ja, die Tesson gar mit der Situation eines Snipers vergleicht, steht mE inhaltlich fast im Mittelpunkt. Das grenzt an eine Haltung, die aber eben nicht nur diesen Bereichen eigen sein könnte, sondern die der Autor durchaus auch übertragen wissen will. Nun, neben der Unentgeltlichkeit – die unsereins schwer ertragen kann – kommt aber doch der Wunsch nach Späherfolgen hinzu…


    Diese Passagen gehören zu den Stärken des Buches, und sicherlich hat Tesson viel zu erzählen über die Lebenswelt der Tiere. Oft landet er dann bei der Verurteilung des Menschen… Wenn er es doch bei diesen besten Elementen es dabei belassen könnte, auch oft mit einer poetischen Sprache ! Aber leider kommt der Unruheherd und eine gewisse prätentiöse, überhebliche Stimme ihm selbst, und uns dem Leser, immer wieder durch die Quere. Leider passen plötzlich gewählte Vergleiehce oder Begriffe nicht. Als ob er ausrutscht, ausgleitet. Schade, schade.


    Im Übrigen kann es sehr gut sein, dass vielen Lesern dies garnicht auffällt, und dieser Eindruck mir eigen ist. Erhielt dieses Buch doch den Renaudot und viel beifälliges Klatschen hier in Frankreich. Muss ja nicht allen gleich gefallen… Bei mir langt es nicht für mehr als drei Sterne.


    AUTOR :

    Sylvain Tesson, geboren 1972 in Paris, ist Schriftsteller, Filmemacher und Reisender. Von der Ausbildung her ist er Geograph und schrieb eine Arbeit über Geopolitik. Seit 1991 bereist er auf verschiedenste Weise die Welt: Er fuhr mit dem Fahrrad um die Welt und unternahm viele monatelange Expeditionen - durch den Himalaya, von Sibirien nach Indien zu Fuß und immer wieder nach Zentralasien. Für seine Reisebeschreibungen und Essays wurde er 2009 mit dem Prix Goncourt de la nouvelle ausgezeichnet. „In den Wäldern Sibiriens“ erhielt 2011 den Prix Médicis. Das hier vorgestellte Buch bekam den Prix Renaudot. Auch Besteigungen von Kathedralen und diversen Monumenten stehen auf seiner Aktivliste.

    (mehr auch auf Französisch unter: https://fr.wikipedia.org/wiki/Sylvain_Tesson )



    Broché : 176 pages

    Editeur : Gallimard; Édition : 01 (10 octobre 2019)

    Collection : Blanche

    Langue : Français

    ISBN-10 : 2072822327

    ISBN-13 : 978-2072822322

    Hubert Mingarelli und Antoine Choplin halte ich für elegante Schreiber, aber nicht schwierige Sprachbenutzer. Da könnte ich fast alles empfehlen (auf Französisch).


    Auf Portugiesisch konnte mich Miguel Torga begeistern. Vielleicht zugänglich...

    Danke für die interessante Rezi!

    Hier nun also ein Versdrama, bzw ein Theaterstück, dass 1935 der damalige Bischof George Bell «in Auftrag gab», um die christliche Gemeinschaft gegen den aufkeimenden Faschismus und den Diktatoren zu verteidigen und den Glauben über die Vaterlandsliebe zu stellen.

    ... womit auch die Verbindung zu Deutschland ziemlich klar wird: Bischof Bell war privilegierter Freund von Dietrich Bonhoeffer, der ihn seit Beginn der 30iger Jahre auf dem Laufenden hielt über die Entwicklungen in Deutschland. In der Biographie von Eberhard Bethge taucht Bell sehr häufig auf.

    Danke für Deine Eindrücke; ich hatte das Buch schon im Visier!

    Man muss sich ebenso mal vor Augen führen, dass die Zeit der Indianerkriege/ die Zeit der Massaker an der indianischen Urbevölkerung erst Ende des 19. Jahrhunderts zu Ende gegangen ist. Die Zeit der Diskriminierung aber nicht! Indianerkinder wurden noch sehr lange den Eltern weggenommen und in Internate gesteckt, um sie zu entindianisieren, was für ein Wort, indianische Sprache und indianische Kultur waren den Kindern hier bei Strafe untersagt, dies ging in einigen Teilen Amerikas(Kanada) bis fast Ende des zwanzigsten Jahrhunderts hinein so, dies muss man sich mal vorstellen! Dies ist eine gewollte Entwurzelung und macht natürlich etwas mit den Betroffenen!

    Darf ich Dir - wenn Du ihn nicht schon kennen solltest - bei Deinen Interessen Richard Wagamese nahelegen? Schau mal in meine Rezi, bzw im Net, und was es so von ihm gibt... Toller Autor, Ojibwe.

    Kazuo Ishiguro - Als wir Waisen waren

    Ich fand dieses Buch sehr interessant und auch spannend gemacht, es hat einen recht starken Sog in meinen Augen und ich habe es sehr gern gelesen und bin gespannt auf weiteres aus der Feder Ishiguros.

    Wenn Du diesen vielleicht nicht besten Roman von Ishiguro schon gemocht hast, kannst Du Dich auf die anderen freuen. Da ist eine ganz eigene Schreibe an der Mache. Ich habe quasi alles von ihm gemocht!

    Ich hatte wirklich einen unverschämt guten Lesemonat Januar. Eigentlich ohne Ausrutscher, ab vier Sterne aufwärts.


    1 Richard Wagamese – Medecine Walk 256 S ***** Entdeckung für mich eines Schriftstellers der Ojibwes (Canada) : ein Sohn begleitet seinen bis dato eher nicht sehr zuverlässigen und alkoholabhängigen Vater zum Sterben in die Einsamkeit. Endliches Kennenlernen, endlich erklärende Worte…


    2 David van Reybrouck – Zink 76 S ****/* Essay des belgischen Autors über Neutral-Moresnet, einem Kuriosum, das als Kleinststaat über ein Jahrhundert existierte und später noch in diesem Grenzgebiet zwischen Belgien, Holland und Deutschland eine wechselhafte Geschichte hatte.


    3 Hartmut Lange – Die Selbstverbrennung 192 S **** Verzweifelt dieser Pfarrer an sich und seinem Glauben ? Im Grenzgebiet an der Elbe, in der ehemaligen DDR. Lebend in anderen, « geistigen » Grenzgebieten...


    4 gehört : Manfred Hausmann - Martin. Geschichten aus einer glücklichen Welt ****

    Als Aufnahme eines Freundes gehört. Teils naiv daherkommende Kindergeschichten über Sohn Martin des Autors.


    5 Nastassja Martin – Croire aux fauves 150 S ***** Sehr originell und auch… : beunruhigend. Im fernen Kamschatka von einem Bären angegriffen schildert die Ethnologin und Anthropologin von ihrem Genesungsprozess, aber auch den Gedanken über die Non-Dualität zwischen Tier und Mensch. Gedanken aus der Schamanenwelt sind nahe.


    6 Jorge Semprun, Elie Wiesel – Schweigen ist unmöglich/Se taire est impossible 47 S Dialog der zwei KZ-Überlebenden (Buchenwald, Auschwitz). Schweigen ist unmöglich und Reden so schwer… ?!


    7 J.M.Coetzee – Warten auf die Barbaren/Waiting for the barbarians 288 S ****/* Wir wähnen uns als Vorreiter einer höheren Zivilisation und werden doch selbr zu « Barbaren »… Hat mir sehr gut gefallen !


    8 Aurélien Delsaux – Pour Luky 279 S **** Ein Schuljahr dreier Jugendlicher in der Provinz, abgeschieden. Ist die Zukunft vorbestimmt ? Neben den « dramatischen », aber nicht fatalen, Ereignissen in diesen Umbruchsjahren, viel Humor und fast Zärtlichkeit für diese Figuren.


    9 Arno Surminski – Die Vogelwelt von Auschwitz 191 S **** Eine im Kern authentische Geschichte, oder wie ein SS-Offizier in Auschwitz die Order bekommt, ornithologische Studien auf dem Terrain zu machen. Grotesk, wie dieser an der « Gefährdung » von Menschen vorbeilebt und sich fixieren kann auf Vögelchen...

    HINWEIS - Bitte immer mitkopieren - UND AUCH LESEN!!!


    Beim Weiterführen der Liste darauf achten, dass die Listenfunktion beibehalten wird! Dafür bitte die Editoren-Ansicht benutzen (NICHT die Quelltextansicht)! Listenziffern werden automatisch eingefügt, wenn sie beim kopieren nicht markiert werden! Dass die Liste richtig übernommen wurde, erkennt man daran, dass die korrekte Liste ein wenig nach rechts eingerückt ist, während die falsche Liste, die nicht automatisch nummeriert ist, einfach bündig am linken Rand erscheint.


    Bei den Leuten, welche noch Probleme haben, hier weiterlesen:


    Nur die Namen/Liste markieren - mit der linken Maustaste (dabei stellt sich nämlich heraus, wenn man oben in die Menüleiste schaut, dass statt "nummerierter Liste" nur die normale "Liste", welche eigentlich Punkte statt Zahlen ausgibt, für die Aufzählung markiert ist. Was beim Absenden dazu führt, dass man keine Zahlen mehr davor hat). Nach dem Markieren oben in der Menüleiste auf "Nummerierte Liste" drücken (so dass dieses ausgewählt ist statt der normalen). Absenden. Fertig!


    Und nehmt BITTE immer den letzten Post und nicht euren eigenen!


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