Beiträge von Marie

    203. Ein Cover in einer Farbe, die ihr nicht mögt

    Ich mag Pink nicht, aber ich habe jetzt vergeblich in meinen Regalen nach einem Buch in dieser Farbe gesucht. Dann wurde ich mit Rosa und diesem knalligen Hellgrün (auf dem Bild hier sieht es wie türkis aus) fündig, die ich beide nicht mag. Und das ausgerechnet bei einem Buch, das ich sehr gern mag. :thumleft:


    Darum gehts:

    Wilde Minze wächst in dem stillgelegten Tunnel, in den die junge Lark ihren Bruder Termite täglich bringt. Termite liebt diesen Ort. Er kann nicht laufen und nicht sprechen, ist ganz auf fremde Hilfe angewiesen. Dennoch verstehen Lark und Termite sich blind, auf ganz wundersame, durchdringende Weise. In einem Tunnel ist auch Termites Vater gestorben, fern von der Südstaatenheimat, im Koreakrieg von 1950. Doch was ist mit Lola passiert, der schönen rothaarigen Mutter der beiden? Jayne Anne Phillips' meisterhafter Roman erzählt auf melodiöse, magische Weise von den Geheimnissen einer Familie aus der amerikanischen Provinz, deren Leben von Träumen und Scheitern geprägt ist. - Amazon

    202. Ein Cover, auf dem ein Rahmen zu sehen ist

    Darum gehts:

    Dieses Buch sprengt jeden Rahmen! Welches ist das teuerste Bild der Welt? Was war der spektakulärste Zufallsfund? - Als im Jahr 1990 ein amerikanisches Ehepaar beschloss, das angestaubte Blumenbild, das seit dreißig Jahren in seiner Wohnung hing, in ein Auktionshaus zu tragen, erwartete es bestenfalls ein paar Dollar. Was dann geschah, kam einem Wunder gleich: Der Auktionator erkannte in dem Bild einen echten van Gogh! Auktionsergebnis: 1,43 Millionen Dollar. Aber Nora und Stefan Koldehoffs Wem hat van Gogh sein Ohr geschenkt? enthält noch mehr. So erfährt man nicht nur, wer der am häufigsten beklaute Kunstsammler der Welt ist, welche Kunstwerke bis heute als verschollen gelten und bei welcher Höhe die Preisrekorde liegen. Hier steht auch, welche bürgerlichen Berufe berühmte Künstler ausübten, wer von ihnen Linkshänder war und welche Attentate auf Kunst verübt wurden. Etwa das eines Medizinstudenten, der auf Newmans Bild Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau? mit einem Rohr einhieb - aus Angst, wie er sagte. - Amazon


    Kein Buch, das man hintereinander weg liest, aber interessant und kurios, wenn man immer mal wieder hineinschaut.


    Ich hoffe, dass die Betonung nicht auf EIN Rahmen liegt. :-,

    Wir Menschen behandeln Schnecken bekanntlich sehr ungerecht. Die Nacktschnecken finden wir eklig, bekämpfen sie vor allem, wenn wir Gemüse und Salat im Garten hegen, mit Salz, Schneckenkorn und Bierfallen. Ganz zähe abgebrühte Leute zertreten sie sogar.

    Und dann die anderen, die netten mit den Häuschen. Die nimmt man vom Weg und setzt sie ins Gebüsch, damit sie nicht versehentlich zertreten werden. Denen kann man interessiert zusehen wie sie sich fortbewegen. Und nicht zuletzt dienen sie als wunderbares Symboltier für eins der neuen Lebensgefühle unserer Zeit, Entschleunigung genannt. Von dem, was man mit ihnen und Kräuterbutter macht, soll an dieser Stelle nicht die Rede sein.


    Elisabeth Tova Bailey adoptiert eine Schnecke als Haustier. Die Beobachtung des Tieres bringen sie dazu, sich mit dem Thema weiter zu befassen, und sie setzt sie zu sich und ihrem Zustand in Beziehung. Einerseits als Ablenkung von der Heimsuchung, mit der sie leben muss, andererseits als Ermutigung, denn auch der Langsame kommt irgendwann zum Ziel, wenn er nicht aufgibt.


    Bücher über Tiere, die Menschen in schwierigen Situationen zur Seite stehen und ihnen Lebensmut schenken, gibt es stapelweise. Dass eine Schnecke dazu in der Lage ist, das ist das Neue an diesem Buch. Es beweist aber auch, dass nicht das Tier der Initiator ist, sondern dass der Mensch sich das Gegenüber sucht, das ihm Trost spendet. Und dass die Welt so groß und so vielfältig ist, dass für jeden etwas zu finden ist.

    du hast doch sicherlich auch "Abbitte" gelesen

    Ja, vor gefühlten 100 Jahren In Vor-Büchertreff-Zeiten, d.h. die Erinnerung an "Abbitte" ist mehr als vage. Um Dir antworten zu können, habe ich gerade den Rezensionsthread dazu gelesen, aber mehr als ein paar Details gibt mein Gedächtnis immer noch nicht her. Klar, McEwan ist kein Autor, dessen Bücher man schnell konsumiert, weil sich halt viel von der Handlung in den Köpfen der Figuren abspielt, das ist es aber, was mir gerade gefällt.

    sie will was, das sie in die Tasche stecken kann und unterwegs lesen

    Sie muss ja nicht den ganzen Schuber mitschleppen. Diese Ausgabe kenne ich nicht, aber die Anaconda-Ausgaben sind in allgemeinen gut zu händeln. Jedenfalls diejenigen, die ich besitze. Schöne Cover haben sie meistens auch. Und sind abwaschbar. (Eigene Erfahrungen mit Obst und Buch in einer Tasche :roll: )

    sonst werde ich währenddessen noch zum Elch

    Das wurde ich beinah auch, obwohl ich mich nicht zu den Atheisten rechne. :wuetend:


    Aber ich musste glücklicherweise durch, weil ich das Buch als Rezensionsexemplar bekommen hatte. Da hilft nur eins: Dicht bei der Protagonistin bleiben und bei ihren Nöten und Adams familiären Hintergrund so gut es geht auszublenden.


    Für mich ist "Kindeswohl" eins von McEwans besten. Andererseits wäre es beinah ein Wunder, wenn wir beide uns einig würden. :lol:

    201. Der alltägliche Familienwahnsinn

    Heute könnte ich jedes dritte Buch aus meinem Regal nehmen. Allerdings nicht die humorig-bonbonfarbenen Romane, sondern entweder normale Alltags- / Problemgeschichten oder Krimis. Leider müsste ich bei denen ziemlich oft spoilern, daher lieber dieses, einer der weniger bekannten Romane von Oates.


    Darum gehts:

    Die sechsköpfige Familie Mulvaney ist vom Glück begünstigt, beliebt und angesehen, ein All-American-Clan – bis zu dem Tag, an dem ein schreckliches Verbrechen den Zusammenhalt und alle Stärke der Mulvaneys fordert und sie vor eine Zerreißprobe stellt.
    An einem Valentinstag bricht das Unglück über die Mulvaneys herein: Die einzige Tochter der Familie, Marianne, soll vergewaltigt worden sein. Dieses Verbrechen, über das in der Stadt gemutmaßt und innerhalb der Familie geschwiegen wird, stellt alle auf die Probe und löst schließlich einen Nervenkrieg aus, der zum bislang undenkbaren Bruch in der Familie führt. Der jüngste Sohn Judd macht sich als Erwachsener auf die Suche nach der Wahrheit, wird so zum Chronisten der Familie Mulvaney und bringt eine erschreckende wie tragische Geschichte ans Licht. Erst siebzehn Jahre später gibt es Hoffnung auf Versöhnung.
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    Das eine:

    Bilodo, ein junger Postbote aus Montreal mit einer Vorliebe für Kalligraphie, geht seinem Beruf voller Leidenschaft nach: Heimlich öffnet er abends über Wasserdampf handgeschriebene Briefe und träumt sich in fremde Lebenswelten. Eines Tages stößt er auf die ungewöhnliche Korrespondenz zwischen Professor Grandpré und Ségolène, einer Lehrerin aus Guadeloupe, die sich Gedichte schicken. Bilodo verliebt sich in Ségolène. Als Grandpré bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ersinnt Bilodo einen waghalsigen Plan: Will er den Kontakt zu Ségolène nicht abreißen lassen, muss er in die Identität des anderen schlüpfen und lernen, wie man mit siebzehn Silben die Ewigkeit einfängt.


    Das andere:

    Bilodo, ein junger Briefträger aus Montreal, hat nach einem Unfall sein Erinnerungsvermögen eingebüßt. Als er aus dem Koma erwacht, sitzt Tanja an seinem Bett, die schüchterne Kellnerin aus seinem Lieblingslokal. Sie behauptet, seine Verlobte zu sein, doch Bilodo zweifelt daran. Erst als Tanja beschließt, ihm Haikus zu schreiben, die er seit jeher liebt, scheint sie sein Herz zu erobern – bis eines Tages die Erinnerung schlagartig wiederkehrt.


    200. Welches Cover hat dir im Juni am wenigsten gefallen?

    Die Cover vieler Regionalkrimis sind, jedes für sich gesehen, nicht schlecht, aber in der Menge, wie sie sich inzwischen präsentieren, ähnlich und austauschbar.


    Darum gehts:

    In einer Herbstnacht wird der Vater der Polizistin Frida brutal niedergeschlagen und liegt seither im Koma. Ein Mordversuch? Sie kehrt in ihr Heimatdorf in der Elbmarsch zurück, auf den Obsthof ihrer Eltern, wo sie auf Kriminalhauptkommissar Haverkorn trifft. Beinahe zwanzig Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, seit dem Mord an Fridas bester Freundin Marit, der bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Frida fällt die Rückkehr ins Dorf schwer: die Herbststürme, die Abgeschiedenheit, das Landleben zwischen Deichen, Marsch und Reetdachhäusern. Ihre alte Schuld scheint sie hier zu erdrücken: dass sie Marits Mörder kennt, aber niemandem davon erzählte. - Amazon

    Klappentext:

    Dieses Buch porträtiert bekannte und weniger bekannte Frauen des Deutschen Widerstandes. Faszinierende Frauen, die es wagten, während der Nazidiktatur kritische Fragen zu stellen. Frauen, die sich mutig für die Rechte verfolgter Minderheiten einsetzten. Aber auch „stille Heldinnen“, die im Verborgenen wirkten und jüdische Mitbürger unter Einsatz ihres eigenen Lebens versteckten. Neben der Philosophin Edith Stein und der Widerstandskämpferin Corrie ten Boom porträtiert Elisabeth Stiefel die Lehrerin Elisabeth von Thadden, die Juden bei der Flucht ins Ausland half. Die Theologin Katharina Staritz setzte sich für jüdische Christen ein. Pfarrfrauen wie Elisabeth Goes, Gertrud Mörike und Johanna Stöffler nahmen in ihren Häusern Juden und andere Verfolgte auf. Gemeinsam war ihnen allen die Verankerung im christlichen Glauben, die ihr mutiges Handeln erst ermöglichte. – Amazon


    Zur Autorin

    Elisabeth Stiefel ist verheiratet, Mutter von vier Kindern und lebt mit ihrer Familie in Dettingen. Sie ist Autorin mehrerer Bücher mit Kurzbiographien über historische Persönlichkeiten, die ihr Umfeld durch den christlichen Glauben prägten.


    Im Einzelnen sind dies:

    1. Elisabeth von Thadden, 1890 als Älteste von fünf Kindern in eine gut situierte Familie aus pommerschen Adel geboren, muss als 19-jährige nach dem Tod der Mutter ihre schulische Ausbildung unterbrechen, um das heimatliche Gut zu leiten. Im Sinne der Mutter führt sie ein offenes, gastliches und tolerantes Haus. Nach der zweiten Eheschließung des Vaters verlässt sie ihr Zuhause und arbeitet in verschiedenen sozialen Berufen. Weil ihr die Ausbildung zur Lehrerin versagt bleibt, gründet sie ihre eigene Schule in Heidelberg, ein Internat mit christlich-protestantischer Prägung, das aber auch jüdischen Mädchen offen steht. Von Schüler-Eltern denunziert zieht sie mit ihrer Schule zwar an den Starnberger See, kann aber die Schließung und Enteignung nicht verhindern. Zusammen mit Freunden hilft sie Juden bei Flucht und Ausreise, bis ein Spion in den Kreis eingeschleust wird. Elisabeth von Thadden flieht nach Frankreich, wird verhaftet und 1944 in Plötzensee hingerichtet.
    2. Edith Stein, 1891 als elftes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie geboren, erwirbt eine umfassende Schul- und Universitätsbildung, zuletzt promoviert sie in Philosophie. Sie konvertiert zum Katholizismus und arbeitet als Lehrerin. Ein Brief an den Vatikan wegen der Judenprogrome bleibt ohne Antwort. Sie tritt in den Karmel in Köln ein; dennoch wird sie als gebürtige Jüdin verfolgt und flieht in die Niederlande. Zusammen mit anderen Kirchenvertretern versucht sie, gegen die Deportationen der Juden zu verhandeln. Eine Weiterflucht in die Schweiz gelingt nicht; sie wird von der Gestapo verhaftet und 1942 in Auschwitz-Birkenau in die Gaskammer geschickt.
    3. Corrie ten Boom, 1892 geboren, wächst in Haarlem in einer Großfamilie auf. Der Vater ist Uhrmacher, und Corrie wird die erste diplomierte Uhrmacherin der Niederlande. Sie lässt sich zusätzlich als Religionslehrerin ausbilden. Zusammen mit ihrer Familie und einem Netzwerk aus Freunden gehört sie zum Kern einer Untergrundorganisation zur Rettung von Juden. Sie werden verraten, Corrie kommt nach Ravensbrück, wird aber Ende 1944 entlassen. Nach dem Krieg baut sie Zentren, an denen sich die Opfer erholen können und versucht, Opfer und Täter an einen Tisch zu bekommen. 1968 wird sie in Yad Vashem geehrt. 1977 zieht sie nach Kalifornien, wo sie 1983 stirbt.
    4. Katharine Staritz, 1903 in Breslau als Tochter eines Gymnasialprofessors geboren, studiert als eine der ersten Frauen evangelische Theologie und promoviert; eine Ordinierung oder Übernahme einer Pfarrei ist jedoch noch nicht möglich. Sie arbeitet an verschiedenen Stellen innerhalb der Kirche, u.a. unterrichtet sie Konvertiten und kommt dadurch mit Juden (die sich zunächst durch die Konversion das Überleben erhoffen) in Kontakt. In der „Kirchlichen Hilfsstelle für evangelische Nichtarier“ verhilft sie vielen zum Untertauchen und zur Flucht. Ohne Rückendeckung durch ihre Kirchenleitung geht sie in den Untergrund, wird verhaftet und in Ravensbrück interniert. Durch Eingabe einflussreicher Freunde kommt sie „probeweise“ frei und flieht. Nach dem Krieg ist sie die erste weibliche Pfarrerin (es herrscht Mangel an Männern), doch den Titel verleiht man ihr nicht; sie bleibt Vikarin. Sie stirbt 1953.


    Gemeinsam ist diesen Frauen vor allem, dass sie gebildeter waren als die meisten Frauen ihrer Zeit. Sie waren unverheiratet und besaßen eine starke Verbundenheit zu ihrem Glauben und ihrer Kirche. Was sie an schriftlichen Zeugnissen hinterlassen haben, beweist, dass sie vor allem ihren Glauben und das unerschütterliche Vertrauen zu Gott als Basis für ihren Mut und ihren Widerstand empfanden.


    Als letztes Kapitel stellt die Autorin die „Pfarrhauskette“ vor. Obwohl ich schon einige Bücher über die Zeit des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung gelesen habe, war dieser Begriff und das, was sich dahinter verbirgt, neu: Es geht um ein Netzwerk aus den Bewohnern evangelischer Pfarrhäuser, Angestellten kirchlicher Einrichtungen und deren Freunden. Sie versteckten Juden, ganze Familien oft, und sorgten, wenn Entdeckung drohte, dafür, dass ein neues Versteck gefunden wurde. Am Beispiel des jüdischen Ehepaares Max und Karoline Krakauer, das ab August 1943 bis zum Ende des Krieges in Süddeutschland auf der Flucht war, dabei insgesamt 52 Stationen „durchlief“, wird deutlich, was es hieß, ein solches, auf Vertrauen und Hoffnung aufgebautes Gefüge zusammen zu halten. Eine beinah unfassbare Leistung aller Beteiligten.


    Das Buch lässt sich gut lesen; die Kapitel sind kurz gehalten und die einzelnen Kurzbiographien durch Zeittafeln und Hinweise auf weiter führende Literatur ergänzt. Dass ein schmaler Band nur wenige Details aus den Viten schildern kann, ist klar, aber um neugierig zu werden und sich nach weiterer Literatur umzusehen, reicht es.

    Die fehlende Zeichensetzung irritiert mich schwer.

    Du weißt, dass ich in dieser Beziehung auch zur pingeligen Sorte gehöre. Doch bei diesem Buch hat es mich nach ein paar Seiten, ich ich zum Eingewöhnen brauchte, nicht mehr gestört, weil es einfach zur Ich-Erzählerin, ihrer Art des Erzählens und dem Handlungsumfeld gepasst hat.

    Ich warte jetzt ganz gespannt darauf, ob es mit Dir und diesem Buch klappt. Ansonsten ist sehr viel drin, was zu Deinen bevorzugten Lesegewohnheiten gehört: England (obwohl das Buch überall spielen könnte), Vergangenheit und einfache Leute. :wink:

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