Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Martin Hühn

    :-k Ich weiß ja nicht, ob Ihr Autoren hier nur für Euch selbst oder so vor Euch hinschreibt (nicht böse gemeint!!!), aber ich kapiere nichts.

    Wörter wie "Achtsamkeit", "Eigeninterview" oder ähnliches sind für mich Worthülsen. Irgendwann in den letzten Jahren sind sie entstanden, man hört sie hier und da, aber sie drücken für mich nichts aus. [-( So geht es mir mit etlichen Vokabeln, mit denen man sich um die eigene Befindlichkeit dreht.


    Aber lasst Euch von mir, einer maulenden Leserin, nicht Euren Spaß verderben. :)


    Ob "Achtsamkeit" und "Eigeninterview" Fachworte sind, die für das Schreiben eine Bedeutung haben, möchte ich nicht beurteilen. Eigentlich ging es im Thread jedenfalls um andere Fragen:

    Wer tatsächlich in einem inneren Monolog denkt, kann diesen „hören“ oder auch nicht. Und bei inneren Dialogen (also dem Durchdenken von Wörtlicher Rede) kann die Audioerfahrung fehlen, sie kann stets in der eigenen inneren Stimme ablaufen, ein einheitliches Repertoire von Fremdstimmen verwenden oder auch differenziertere für bestimmte Personen.

    Das sind Eigenheiten von Personen, also auch von Charakteren in Büchern und sollten sich folglich in der Darstellung der Figuren niederschlagen. Im Kern ging es darum, ob und inwieweit andere Autoren sie bereits berücksichtigen, ob das systematisch und gezielt oder eher intuitiv geschieht, welche Relevanz dem Beigemessen wird oder ob es ein dahingehendes Problembewusstsein vielleicht gar nicht gibt.
    Immerhin können Autorinnen und Autoren nicht in andere Köpfe schauen. Dass Menschen Unterschiedliche Dinge denken und meinen und unterschiedliche Emotionen haben oder dass sie dümmer, klüger, gebildeter oder auch selbstbezogener oder offener sein können, ist wohl allgemein im Bewusstsein angekommen und gehört zu Charakterprofilen dazu.
    Die Art und Weise, wie Denkprozesse sich gestalten, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, jemals ein Buch gelesen zu haben, bei dem die Gedankenwelt eines Charakters mehr oder weniger ausschließlich in Bildern funktioniert. Ich würde auch mutmaßen, dass diese Denkweise für Schriftsteller regelmäßig fremd sein muss, weil der Schreibprozess ein Denken in Sprache erfordert.
    Die Auswirkungen sind, wie gesagt, ganz praktischer Natur. Über den gleichen Gedanken müsste man für einen Charakter schreiben: "Klaus dachte: ´Der Typ ist aber Blöd´", für einen anderen hieße es "Das Gesicht von XY blitzte in Peters Geist auf und Peter sah sich selbst, wie er sich mit dem Finger an die Stirn tippte" oder aber auch: "Peter sah YX in Gedanken mit einer Narrenkappe auf dem Kopf".

    Das darzustellen, dürfte schwierig werden.

    Mehr oder weniger, würde ich sagen. Ein paar Mittel sehe ich da schon. Im einfachsten Fall kann man schreiben "In seinen Gedanken hörte er die Stimmen von x und y. ..." Das gleiche kann man für eigene Gedanken machen. Oder für jemanden, der nur visualisieren kann, beschreibt man eben nur Visualisierungen. Es in Kursiv zu setzen ist ja so oder so in der Schriftstellerei Usus (wenn auch nicht alternativlos).
    Was mich an der Fragestellung mehr bewegt hat, ist die Tatsache, dass ich das bei der Charaktererschaffung bisher überhaupt nicht bewusst berücksichtigt habe. Ich kenne Wortwahl, Bildungsstand und Satzbaupräferenzen meiner Charaktere und dazu ihre Meinungen und Emotionen. Aber WIE sie denken und dass es da überhaupt derartige Unterschiede gibt, das stand nicht auf dem Plan.

    Ich habe den Anfang der Probe gelesen und finde, dass es so weit für einen ersten Entwurf recht vielversprechend klingt. Es gibt aber auch - wie zu erwarten ist - einen Haufen Überarbeitungsbedarf. So lange du nur für dich selbst schreibst, kannst du das natürlich zurückstellen und erst angehen, wenn die Geschichte fertig ist, aber in Leseproben wäre es vorteilhafter, wenn du dich damit schon befasst hättest. Denn auch, wenn du deinen Gesamttext sicherlich nicht immer gleich überarbeiten willst, weil das den Schreibfluss stauen würde, solltest du bei Leseproben schon sicherstellen, dass sie in stilgeprüfter Form vorliegen, damit andere sie richtig würdigen können. Dann werden die Kritiken auch interessanter für dich, weil sie sich mehr auf deine Schwachpunkte beziehen und weniger auf etwas, das du vielleicht einfach nur noch nicht gemacht hast.

    Besonders aufgefallen sind mir:

    - Wortwiederholungen. Wind, Wind, Wind, wehte, wehte, wehte.

    - inhaltliche Wiederholungen.

    - unnötige Inhalte (z. B.

    Die letzten bewohnten Siedlungen befanden sich weiter unter im tieferen
    Flachland.

    ) Die Information wird da nicht benötigt, stört die Stimmung (und wird zudem später wiederholt).

    - zahlreiche Passivkonstruktionen mit "war".

    - Anflüge von "Adjektivitis". Fällt dir beispielsweise kein Wort ein, das allein für "heftiger Wind" steht?

    Schau dir am besten den Thread zur Manuskriptüberarbeitung hier im Autorenteil sehr ausführlich an.

    Das kann aber auch ganz schön gefährlich sein. Als Autor/in bestimmst Du das Geschehen, als Spielleiter im Rollenspiel gibst Du diese Entscheidung zumindest teilweise aus der Hand. Wenn Du da nicht permanent irgendwas vom Himmel fallen lassen willst, um Charaktere, die nicht machen, was Du erwartet hast, zu erschlagen, dann musst Du auf jede noch so dumme Idee eine Antwort haben, und Du glaubst nicht, auf wie dumme Ideen Deine Mitspieler kommen können.

    Ja, als Spielleitung hat man es immer mit dem Spagat zu tun, einen guten Plot gestalten zu müssen, derweil man ausgerechnet über die Handlungen der Hauptfiguren keine Kontrolle ausüben darf/sollte.
    Aber für irgendwas müssen ja auch die ganzen Spielhilfen gut sein (zum Beispiel die, die ich zum Gestalten verschiedener Abenteuergenres geschrieben habe). Denn ohne sein Handwerk zu lernen, kommt man auch im Fantasy-Rollenspiel nicht aus.

    Was du schreibst, klingt eher nach der Angst davor, anzufangen. Dranbleiben? Durchziehen? Das wird alles erst zur Frage, wenn du erst einmal schreibst, erlebt hast, was dir daran Freude bereitet (und dir vielleicht auch klarer wird, welche Ziele du realistischerweise anpeilen könntest). Wenn du dabei dann feststellst, dass du generell etwas für den Prozess übrig hast, dass du auch Ehrgeiz und Spaß daran haben kannst, die sich dabei ergebenden Schwierigkeiten zu besiegen und etwas über das Handwerk zu lernen, wirst du auch wissen, ob deine Motivation reicht, um das Projekt umzusetzen.

    Solltest du feststellen, dass das tatsächliche Ausführen eines Buches doch nichts für dich ist, wäre das auch kein Beinbruch. Du hattest (nehme ich mal an) alles in allem ein befriedigendes Erlebnis dabei, deiner Kreativität bei der Plotentwicklung ihren Lauf zu lassen und wenn nicht mehr daraus werden soll, dann eben nicht. Dann ist die Romanschreiberei vielleicht nichts für dich. Vielleicht wäre dann der Fantasy-Rollenspielbereich (als Spielleitung oder Abenteuerautorin) mehr etwas für dich. Da wird der Plot im gemeinsamen Spiel realisiert.
    Aber erst solltest du es einfach probieren.

    Autoren haben es nicht leicht, was die Themenwahl angeht, oder ? ^^

    Das würde ich nicht sagen. Man kann gerade in der Fantasy Elemente von allem nehmen, das einem für eine Geschichte angemessen erscheint. Wenn man ein Thema wählt, das Menschen und die Wurzeln ihrer Überzeugungen, ihrer Identität berührt, sollte man allerdings sorgfältig damit umgehen.

    Meine Bedenken bestehen hier darin, dass die Frage den Eindruck erweckt, als solle zum Ende des Buches einfach ein neues Fass aufgemacht werden, ohne ein dahinterstehendes Konzept. Was das Thema des Buches sein soll, wird nicht benannt. Dadurch ist es egal, auf was sich die Frage bezieht. "Soll ich am Ende böse Männer auftauchen lassen, die die Druidenfrauen unterdrücken?" hätte da ebenso gut (oder ebenso schlecht) stehen können. Ein Buch zu dem Thema würde ich begrüßen, eines, das nur zum Schluss mal eben zusammenhanglos fiese frauenunterdrückende Männer auftreten lassen soll, erweckt dagegen den Verdacht, es solle pauschal gegen Männer gehetzt werden.

    Also, generell kann man natürlich auch Romane über Religionen schreiben, die jemanden unterdrücken, auch in der Fantasy kann das ein Thema sein. Christliche gewaltsame Missionierung ist historisch nicht beispiellos und wenn du dich da auskennst, ist es möglich, solche Vorfälle als "Vorbild" für Geschehnisse in einem Roman zu verwenden. Es gäbe andere Beispiele von anderen Religionen, sogar vom Christentum, das selbst lange genug unterdrückt und wenn möglich zwangsmissioniert wurde. Ob in dein Setting nun eher als solche bezeichnete Christen reinpassen oder nicht, musst du selbst wissen, in der realen Welt gab es keine Begegnungen mit mystischen Zentauren.

    Deine Frage klingt allerdings, als solle diese Unterdrückung mehr oder weniger aus heiterem Himmel am Ende des Buches eingebaut werden, während zur eigentlichen Handlung nichts in deiner Beschreibung steht. Soll die Handlung erst am Ende einsetzen? Worum geht es? "Um Zentauren" ist keine Handlung, nicht einmal ein Leittthema. Bist du sicher, dass du dir generell genug Gedanken um den Inhalt gemacht hast, um eine Gliederung mit Anfang, Hauptteil, (dazugehörendem) Finale, mit Charakteren, die die Handlung tragen und mit Wendepunkten, die sich daraus ergeben und die nicht einfach nur neue Geschehnisse sind, die schicksalhaft auftauchen?

    Es ist ja nun offenbar zu spät, um das Pseudonym in deinem Umfeld geheim zu halten, daher kann ich nicht erkennen, welchen Vorteil es haben sollte, "alles hinzuschmeißen" - wie auch immer sich das gestalten sollte. Es ist passiert und deiner Schilderung nach sicherlich ein schwerer Schlag für dich. Aber ich wüsste nicht, was es da hinzuschmeißen oder zu nutzen gäbe. Den größten Teil deiner potenziellen Leserinnen und Leser betrifft es ohnehin nicht, die kennen dich nicht persönlich. So wie ich es verstanden habe, kannst du nicht viel mehr tun als damit zu leben und dich innerlich für Reaktionen aus deinem Freundeskreis zu wappnen. Dafür wünsche ich dir viel Kraft.

    DAS EDIKT VON ÄREÌS

    So, liebe Bücherfreundinnen und Bücherfreunde,


    nach längerer Publikationspause gibt es endlich wieder einen Roman von mir.
    Diesmal geht es in den Bereich der New Adult Fantasy / High Fantasy.

    Kontext:
    Der Roman ist komplett unabhängig von meinen H´Veredychroniken. Er spielt in einem eigenen, sehr anderen Setting (dem Archipel Äreís), die nicht weniger Wunder bereithält.

    Ein weiterer Roman in der gleichen Welt, der Bezug auf die Geschehnisse in diesem Buch nimmt, der aber keine direkte Fortsetzung ist, wird noch erscheinen.

    Inhalt:

    Hausmeister Ruwind hat es nicht leicht, weil er Kindermädchen für einen erwachsenen Rechtswahrer spielen soll. Dabei muss er vorgeben, sein unfreiwilliger Schützling nähme die Gerüchte ernst, Bürgern des Inselmeeres würden ihre angeborenen Zauberkräfte geraubt. Die Dienstaufsicht ist schon vor Ort.

    Ruwind bemerkt, dass im Hintergrund ein Krieg der Nachbarstaaten seine Heimat bedroht und als sich Zusammenhänge mit den ursprünglich so unglaubwürdigen Gerüchten offenbaren, sucht er nach Wegen, das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Dabei ist er gezwungen, zwischen Standespersonen zu lavieren - die gesellschaftlich himmelweit über ihm rangieren - den Rat von Sklaven anzunehmen ‑ die weit unter ihm stehen ‑ und mit Geheimagenten zu verhandeln ‑ die ganz andere Interessen haben.


    Etwas mehr als der Klappentext verrät:

    Die Geschichte an sich ist einfach genug und ließ mit daher Raum, gesellschaftliche Konventionen unter die Lupe zu nehmen und ein paar ganz irdische Denkmuster durch ihre Verkehrung ans Licht zu bringen. Wenn das manchmal eine gewisse Komik mit sich bringt, war das durchaus so beabsichtigt. Es war mir ein Anliegen, deutlich mehr Nuancen zwischen Gut und Böse ins Spiel zu bringen, als das bei (im weiteren Sinne) mittelalterlich inspirierten Fantasy sonst häufig praktiziert wird.
    Keine Angst, man kann das für tiefschürfende eigene Gedanken nutzen, muss es aber nicht. Es ist und bleibt Fantasy und damit der Unterhaltung gewidmet.

    Format:
    Derzeit ist nur die elektronische Ausgabe verfügbar, eine Paperbackausgabe wird folgen. Ich gebe dann Bescheid.

    Sonst noch was?

    Ich weiß es nicht. Für Fragen bin ich offen. Immer raus damit!


    So allgemein formuliert halte ich es schlicht für falsch.

    Etablierte Verlage haben ihre Verlagsprogramme und müssen darin immer zum Teil auf bewährte Rezepte setzen. Es gibt da jedoch auch Platz für das Außergewöhnliche. Allerdings müssen Verlage überzeugt sein, dass ein Titel sich verkauft, bevor sie ihn nehmen (und vorher muss meist erst einmal ein Literaturagent davon überzeugt werden). Da kann durchaus etwasherausgefiltert werden, das einer dieser Instanzen zu suspekt war, das aber begeisterte Leserinnen und Leser gefunden hätte. Und sicherlich gibt es auch Dinge, die rasch aussortiert werden, weil sie Mittel verwenden, die meistens zu nichts gutem führen (aber eben nicht immer). Alles in allem ist auf soliden handwerklichen Grundlagen aufbauende kreative Arbeit aber das, von dem sich Verlage versprechen, es erfolgreich veröffentlichen zu können.
    Es gibt also Mechanismen im Verlagswesen, die Kreativität dämpfen. Aber wenn man auf der anderen Seite die Masse der Selfpublisher betrachtet, stellt man fest, dass ein erheblicher Anteil von ihnen miserable Ergebnisse erzielt, die, von massiven handwerklichen Fehlern abgesehen, auch nicht innovativ sind. Dazu kommt eine breite Masse, die etwas fertigstellt, das man zwar mit Interesse lesen kann und das einige besonders tolle Einfälle enthält, bei dem man aber wegen der noch vorhandenen Mängel einen gewissen Teil des Gehirns auf Durchzug stellen muss, um das Lesen zu genießen.Wie es auch im Alltag für viele Dinge kreative Lösungen gibt, diese aber oft nur als akzeptable Improvisation funktionieren aber nie gut sein werden, so ist auch nicht jeder kreative Ansatz in der Literatur eine Innovation (im Sinne einer Erfindung, die einwandfrei funktioniert).


    Unter verlagslosen Schreibern, die handwerklich etwas Robustes abliefern, gibt es ebenfalls welche, die Bücher nach Schema F schreiben, weil es ihnen so schön leicht fällt. Handwerklich wenigstens akzeptable aber besonders kreative Geister sind auch unter Selfpublishern die Ausnahme. Dennoch: Ja, Selfpublisher können sich frei kreativ austoben, wenn sie wollen. Sie werden nie durch Verlage darin behindert. Diese Tendenz gibt es und manchmal geht diese Saat auf.

    Die Hemmschuhe und Vorteile beider Wege liegen also in unterschiedlichen Bereichen. Im Prozess der Verlagsveröffentlichung geht kreatives Potenzial verloren, weil es Filtermechanismen gibt, in denen auch schon mal zu viel hängen bleibt. Bei Selfpublishern leidet dieses Potenzial an Defiziten bei grundlegenden schriftstellerischen Fertigkeiten (Man kann sich mehr auf die Kreativität einlassen, wenn man beherrscht, was man tut). Und auch das sind nur Tendenzen.

    ohne einen Grund dafür zu haben,

    ... Das wohl eher auch nicht. Irgend einen Grund gibt es immer. Das kann neben herausdrängenden Ideen aber auch schlicht die Erkenntnis sein, dass der Schreibprozess Freude macht und man darf auch nicht ganz vergessen, dass es zum Beruf Schriftsteller gehört, Geld mit der Tätigkeit zu verdienen und auch das kann ein Anstoß sein. Auch eine Motivation ist ein schlichtes: Man ist dazu verpflichtet. Schriftsteller können vertraglich gebunden sein, viel typischer ist das aber vielleicht in anderen Bereichen. Meine ersten Geschichten, die ich geschrieben habe, waren schlichte Schulhausaufgaben. Die waren (nach dem Maßstab von Schulaufgaben) gut bis sehr gut. Dennoch kann ich mich daran erinnern, die Arbeit daran manches Mal gehasst zu haben.
    Ich habe mich auch schon einmal dazu gezwungen, ein Gedicht zu schreiben und zwar aus keinem anderen Grund als dem, dass ich ohne Anlass miese Laune hatte und mich zu überhaupt nichts motivieren konnte. Da hatte ich tatsächlich vorher keinen Schimmer, was ich schreiben wollte und musste mir jeden kleinen Gedanken mühsam erarbeiten. Heute gefällt mir das Gedicht, ich finde es witzig und geistreich. Damals war mir das ziemlich egal.
    Wie weiter oben erwähnt habe ich auch naturwissenschaftliche Arbeiten verfasst. Das HAT auch beim Schreiben (meist) Spaß gemacht. Aber herausdrängende Gedanken wären darin fehl am Platze gewesen, denn die vertragen sich nicht gut mit der sauberen Darlegung und Diskussion wissenschaftlicher Resultate.
    Und bei meiner ganz freiwilligen, schriftstellerischen Tätigkeit im Unterhaltungsbereich ... Da gab es natürlich durchaus auch immer Ideen, Konzepte, Elemente von Geschichten, die sich angestaut hatten, vor allem zu Beginn meines ersten Buches. Aber danach stand eher im Mittelpunkt, diese Dinge gezielt zu entwickeln (ein Prozess, der sich sehr unterschiedlich gestalten kann - und auch diese Abwechslung ist ein schööner Motivationsbonus für die Schriftstellerei) und sie mir teilweise erst einmal anzueignen. Und das ist keineswegs eine Pflichtübung sondern gehört zum Schreiben dazu und es zu mögen, sich dafür zu begeistern, ist eine wichtige Motivation.

    Wie gesagt: Irgendeinen Grund gibt es eigentlich immer, der kann aber je nach Genre, Lebensabschnitt, allgemeiner Situation, Persönlichkeit und sogar nach Laune ziemlich verschieden ausfallen.

    einfach so sich an den Schreibtisch zu setzen und ohne nichts und gar nichts, anfangen zu schreiben, mit dem Gedanken dahinter: Ich schaue einfach mal, was dabei rauskommt, O:-) ist mir ehrlich gesagt noch nie in den Sinn gekommen.

    Wirklich? Hast du tatsächlich noch nie von Menschen gehört, die jeden Tag Tagebuch schreiben und dir gedacht, dass sich mancher von denen vielleicht erst dann irgendwelche Gedanken macht, wenn das Buch aufgeschlagen und der Stift schon in der Hand ist? Hast du noch nichts von Schreibübungen gehört, in denen einem Autor einfach Begriffe vorgesetzt wurden, zu denen er dann - in manchen Fällen zum Beispiel innerhalb einer Stunde - eine Geschichte verfassen "musste" (woran Autoren zu Trainingszwecken aber auch weil sie Spaß daran haben teilnehmen)? Ich glaube, wir hatten hier sogar bereits ein solches Beispiel.


    Es wurde von mehreren Autoren hier gesagt, dass ihnen das Schreiben gefällt (und ich vermute mal, dass das auch für alle gilt, die es nicht aufgeschrieben habe). Ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass das (und die Begründung dieser recht offensichtlichen Tatsache) bei vielen ein deutlich wichtigeres Motiv sein könnte als ein nicht zu bekämpfender, zwanghafter Gedanke?

    ich nicht, was daran eine Verallgemeinerung sein soll.


    Es gibt einen Auslöser, ein brennender Gedanke, der dazu drängt einen Roman oder eine Geschichte daraus zu machen.

    Mafalda beschreibt mehrere Beispiele, bei denen der Grundgedanke zum Buch keineswegs brannte oder herausdrängte, in denen die Frage eine Geschichte daraus zu machen eine Sache der Abwägung war und ist. Und sie schreibt ausdrücklich:

    Selbst für die Autor*innen selbst lässt sich die Frage nicht unbedingt für jedes Buch gleich beantworten.


    Die Frage dieses Threads lautet nicht, ob man für das Schreiben in irgend einem Stadium einen Gedanken haben muss, sondern, warum jemand schreibt. Deine Aussage war nicht nur, dass es einen anstoßenden Gedanken gibt (was auch kein Beitrag zum Thema wäre, denn einen auslösenden Gedanken benötigt man zu jeder einzelnen Lebenstätigkeit mit Ausnahme von Reflexen und dergleichen), sondern du hast die Eigenschaft, dass dieser Gedanke herausdränge und besonders wichtig sei zur Ursache erklärt.


    Mir ging und geht es lediglich darum, was einen dazu bringt, einen Stift in die Hand zu nehmen und anzufangen zu schreiben.

    Und genau diese Frage beantwortest du durch eine Verallgemeinerung. Du erklärst den Grundgedanken zum generellen Antrieb des Schreibens, nur, weil man in irgend einem Stadium einen haben muss. Dabei setzen sich Autoren aber durchaus auch einfach an ihren Schreibtisch und denken "Hey, ich habe so viel Lust zum Schreiben, mal gucken, was dabei rauskommt" oder sie halten ein Thema auf intellektueller Ebene für wichtig und arbeiten gegen die inneren Widerstände an, weil sie wissen, dass der Schreibprozess befriedigend sein wird.

    Deine Ausage zu Yaels Beitrag ist keine Zusammenfassung, denn sie spart fast alle darin enthaltenen Gedanken zur Frage des Antriebs aus. Und es vereinfacht diese Gedanken nicht, sondern streicht sie zugunsten der einzigen Aussage, die dich interessiert, weg.
    Yael schreibt von Inspiration, von der Beschäftigung mit Unheimlichem, mit Rätseln, mit Menschen mit Stärken und Schwächen und hebt den Umgang mit dem Thema "Freundschaft" besonders hervor und schreibt auch, dass bestimmte Themen nicht nur Interesse bedeuten, sondern mit Faszination verbunden sind. Yael benennt mehrere schriftstellerische Vorbilder, deren Qualitäten nachzueifern, zum eigenen Antrieb gehört.

    Fast alle hier kommentierenden Autorinnen und Autoren haben auch Motive beschrieben, die sich ganz und gar nicht als "es gibt einen herausdrängenden Gedanken und deswegen muss ich schreiben" zusammenfassen lassen. Wir hatten unter anderem: Familientradition, den Drang Rollenspiel auszuleben, die mit dem Schreiben verbundenen Sachthemen (sowohl die eigene Befassung damit als auch den Drang, sie anderen näher zu bringen), wir hatten immer wieder das Wissen um die Befriedigung, etwas zu schaffen, was andere beflügelt, wir hatten die schlichte Erkenntnis, dass der Schreibprozess an sich befriedigend ist, den Wunsch, dass etwas nicht vergessen werden soll und noch viel mehr.

    Meist fängt eine Geschichte bei mir mit einem Gedanken an, den ich weiterverfolge, wenn er mir keine Ruhe mehr lässt.

    mit dieser Feststellung kann ich wirklich was anfangen

    Es würde den Aussagen der verschiedenen Autoren gerechter, wenn du versuchen würdest, auch mit den vielen anderen Aspekten etwas anzufangen.

    Ich für meinen Teil werde jetzt tatsächlich zwei Gedanken weiterverfolgen, die mir keine Ruhe mehr lassen. Sie lauten: "Kaffeeeeeeeee!!!" und "Frühstück!".

    Wenn man den Begriff „Innere Stimme“ liest, denkt man vielleicht zuerst an sehr abstrakte bis metaphysische Dinge oder an Leute, die „Stimmen hören“ oder an das Klischee der Engelchen und Teufelchen auf der Schulter des Protagonisten. Hinter dem Begriff verbirgt sich aber auch etwas, das für die lebendige Darstellung einer Figur viel wichtiger sein könnte, weil sie die grundlegende Art wie jemand denkt betrifft.


    Denken kann verbal (in Wörtern und Sätzen) ablaufen, aber auch in Mustern oder über Visualisierungen ablaufen. Welche Methode jemand verwendet ist offenbar nicht nur situationsabhängig, nein, es gibt Menschen, die überhaupt nicht verbal oder visuell denken können und bei denen, die es vermögen, werden die Denkarten sehr unterschiedlich stark verwendet.

    Mehr noch: Wer tatsächlich in einem inneren Monolog denkt, kann diesen „hören“ oder auch nicht. Und bei inneren Dialogen (also dem Durchdenken von Wörtlicher Rede) kann die Audioerfahrung fehlen, sie kann stets in der eigenen inneren Stimme ablaufen, ein einheitliches Repertoire von Fremdstimmen verwenden oder auch differenziertere für bestimmte Personen.


    Als ich heute Morgen ein Youtubevideo zu dem Thema sah, war mir sofort klar, dass ich zwar manches davon schon intuitiv berücksichtigt haben dürfte, dass die bewusste Befassung damit, wie es mit der „Inneren Stimme“ der Charaktere aussieht und deren Aufnahme in Charakterprofile einen enormen Qualitätsgewinn erlauben müsste. Bei allen Hinweisen, was man über Charaktere wissen sollte (vom Aussehen über die Einstellung zu politischen Fragen und süßen Katzenvideos bis hin zur kompletten Lebensgeschichte wird einem da ja zu praktisch allem geraten) fehlt dieser Aspekt aber regelmäßig, obwohl er in allen Romanen, die direkte Einblicke in die Gedankenwelt von Charakteren erlauben eine Rolle spielen müsste und sich sicherlich oftmals auch indirekt widerspiegeln sollte.


    Wie sieht das bei euch aus? War euch das Ausmaß der Unterschiede im Bereich der inneren Stimme (im hier beschriebenen Sinne) bewusst und nehmt ihr sie bereits gezielt in Charakterprofile (sofern ihr welche erstellt – vielleicht wäre ein eigener Thread zu diesem übergeordneten Thema auch interessant) auf?

    Und ich glaube, dass man als Leser spürt, ob der Autor wirklich mit Herzblut und Leidenschaft geschrieben hat, oder ob er lediglich einem Trend folgt und Geschichten erzählt, weil er sie in seinen Augen so erzählen muss, damit sie für die Leser funktionieren.

    Das ist ein interessanter Gedanke. Ich kann mir mehrere sehr verschiedene Arten ausmalen, wie das zu verstehen ist und wo es überhaupt zum Problem werden könnte ...
    Für ganz fatal halte ich es, wenn Schreibanfänger versuchen, Genre, Trends und Schemata zu folgen, ohne sich in eine eigene Geschichte einzufinden, zu allererst herauszufinden, in welcher Art Geschichte eigentlich ihr eigenes Interesse liegt, wofür sie sich begeistern können. Jeder Autor ist zunächst sein eigener Leser und um die eigenen Stärken und die eigene Kreativität einzubringen, muss jeder zuerst versuchen, etwas zu schaffen, mit dem er sich selbst verwirklicht. Wer sich von Anfang an verbiegt, hat vermutlich wenig Chancen, ernsthaft im Autorenleben anzukommen. Und: Ja, den Versuch würden die meisten Leser bemerken und so würde sich der Versuch, etwas für eben diese Leser zu schreiben, ins Gegenteil verkehren.
    Allerdings bleiben viele Neulinge bei dem ersten Punkt stehen und versuchen danach nicht, auch zu lernen, wie sie auch für andere Leserinnen und Leser schreiben können. Denn auch da sollte man Herzblut und Leidenschaft für aufbringen, das muss kein Widerspruch sein, darf keiner sein (sofern man nicht für die persönliche Schublade schreibt). Damit, was, wie, warum bei wem wirken könnte, muss man sich früher oder später befassen (ohne allem gleich hinterherzurennen). Immerhin sind Bücher im Regelfall tatsächlich zu 99,99% für andere Personen geschrieben. Nun gut, letztlich läuft es darauf hinaus, Fehler und Schwächen zu erkennen, Stärken auszubauen und das Methodenrepertoire zu erweitern, also das eigene Schreiben zu verbessern. Wenn man sich dabei einigermaßen treu bleibt, gewinnt man dadurch nur, auch indem man den Genuss am eigenen Werk weiter steigern kann. Das muss der Leidenschaft wirklich keinen Abbruch tun.

    Eine etwas traurigere Entwicklung sehe ich bei Erfolgsautoren, die durch frühere Erfolge auf einen ganz bestimmten Typ von Geschichte festgelegt sind (worin sicherlich manche auch ihre Erfüllung finden). Aus dieser Ecke hört man ja immer wieder mal verhalten, dass jemand eigentlich gern was ganz anderes schriebe, das aber nicht darf. Bei diesen Autoren ist es oft aber auch nicht so, dass die Leser spüren, dass der Autor beim Schreiben angeödet (oder zumindest nicht begeistert) war, denn die Autoren können durch Schreiberfahrung und dadurch, dass sie tatsächlich genau liefern, was ihre Fans erwarten, oft alles ausgleichen.

    Soulprayer:


    Meine Charakterbeschreibungen zu Pen & Paper Rollenspiel sind immer mindestens(!) eine komplette A4-Seite lang, meist mehr und einmal hab ich sogar für einen fühlenden Roboter als Charakter ein ganzes Handbuch geschrieben! Inklusive Errorcodes und einem "Originalprodukt-Zertifikat" eines Herstellers! :lol: Plus natürlich noch die Vorgeschichte auf 2-3 DIN A4-Seiten.

    Es scheint, als sei ich hier nicht der Einzige, für den Charaktergestaltung ein besonderer Genuss ist (und nicht der Einzige, bei dem sich das im P+P -Rollenspiel entwickelt hat). Das ist übrigens einer der Punkte, bei denen die Schriftstellerei besonders punkten kann. Im Rollenspiel wird die weitere Charakterentwicklung mehr oder weniger stark durch die Zwänge von dritter Seite vorgegeben, bei Romanfiguren kann der ganze Charakterbogen gestaltet werden und wenn man das als Autor möchte, muss sich die Geschichte danach richten, statt umgekehrt.

    Die du jetzt aber mit deiner Art zerpflückt hast, und mir die Lust genommen hast, noch mal auf solche Fragen einzugehen. Ich empfand diese Unterhaltung jetzt eher als unangenehm.

    Das ist sehr schade. Gerade weil du geschrieben hast, dass es

    nichts endgültiges, es sind nur Überlegungen

    war ich davon ausgegangen, dass du an einer differenzierten Entgegnung zu deinen Vorstellungen interessiert sein müsstest.


    Martin, diese Nichtschriftstellerin, sprich ich, :) meinte nicht zusammenfassen zu können, was die Autoren generell antreibt

    Das mag ja sein, nichts desto weniger hast du genau so eine Zusammenfassung geliefert und Mutmaßungen über Hauptgründe angestellt. Es ist nichts verkehrt daran, das zu tun. Es ist nur eben genau das, worauf sich meine Antworten beziehen - die keineswegs irgendwelchen anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern vorschreiben, woher sie ihre Motivationen zu ziehen haben.

    Du stellst deinen eigenen Horizont als einzig wahren hin. Vielleicht denkst du mal ein bisschen darüber nach ...

    Kontext, liebe Divinia, Kontext! Ich habe auf einen Post einer Nichtschriftstellerin geantwortet, die meinte, zusammenfassen zu können, was Autoren generell hautpsächlich antreibt:


    das ist glaube ich der Hauptgrund

    Die Autoren müssen einfach diese Geschichten, die bei einem im Sinn sind, erzählen.

    Und da das (und einige andere Annahmen aus diesem Post) für mich grundverkehrt sind und auch für andere Autoren, von denen ich differenziertere Aussagen gehört habe ebenfalls, habe ich entsprechend geantwortet. Das hat nichts damit zu tun, dir irgendwelche Unaufrichtigkeit zu unterstellen. Wenn ich eine deiner Aussagen direkt hätte anzweifeln wollen, hätte ich es geschrieben. Wenn du meinst, dass nichts von meinen Ausführungen für dich Gültigkeit hat, dann ist das interessant.

    du muss mir schon nachsehen O:-)

    Da gibt es nichts zu entschuldigen. Ich halte das allerdings auch nicht für ein Missverständnis oder ein Problem des Ausdrucks, ich bin nur - als Autor - anderer Ansicht. Es gibt meines Dafürhaltens nach keine

    Geschichten, die heraus wollen

    , jedenfalls nicht im Zusammenhang mit der Schriftstellerei. Eine Geschichte, die es wert ist, in Romanform gebracht zu werden, muss zum größten Teil erst noch entwickelt werden. Das geschieht bei manchen Autoren mehr in der Vorbereitungsphase und bei manchen verstärkt während des Schreibens (und der Überarbeitung) aber es bleibt nie aus. Was bereits an kreativen Ideen existiert, reicht keineswegs für eine Geschichte (und man muss sich davor hüten, Ideen einfach wie sie kommen in einen Text zu packen). Deutlich wichtiger, als vor Geschichten und Ideen überzuquellen, ist die Fähigkeit, welche zu entwickeln.

    Ich nehme doch stark an, dass das Gefühlsleben, die Gedankenwelt, die Empfindungen des Autors mit in einer Geschichte einfließen.

    Das ist zweifellos der Fall. Aber überwiegend schreiben Autoren Dinge auf, die sie in diesem Moment nicht nachfühlen, die nicht ihre momentane Stimmung repräsentieren. Wenn ich müde bin, dürfen meine Texte nicht nach müdem Autor klingen, wenn ich mich den halben Tag über irgendwas geärgert habe, findet das keinen Eingang in die romantische Szene, die ich gerade schreibe usw. Wissen und gerade auch eigene Erfahrungen werden natürlich für die authentische Darstellung genutzt. Aber wenn du einen (narrativen) Text liest und den Eindruck gewinnst, einen Einblick in die Gefühlswelt des Autors zu gewinnen, dann hast du dich mit größter Wahrscheinlichkeit von einem Autor täuschen lassen, der einfach sein Handwerk versteht. Um es klar zu sagen: Freilich gehört es auch zum Schreiben, sich in die Geschichte einzufühlen und so werden auch die Geschehnisse und Emotionen einer Geschichte den Autor beim Schreiben beeinflussen. Aber dabei ist der Kausalzusammenhang (fast immer) genau andersherum, als in deiner Annahme.

    Aber in meinem Denken existieren einfach keine Geschichten, die zu Papier gebracht werden wollen, die mich dazu drängen...

    Das ist ein guter Grund, genau das für den Kernfaktor zu halten. Aber es gehört viel, viel, viel mehr dazu, sowohl Motivationen als auch Voraussetzungen, um etwas halbweg Passables zu Papier bringen zu können. Ohne zu viel auf die genauen Zahlen geben zu wollen ... Ein Buch zu schreiben besteht zu 1/4 aus Recherche, 1/4 Werbung und dergleichen, 1/4 Überarbeitung und allenfalls 1/4 Aufschreiben der Geschichte (wovon wieder höchstenfalls 1/4 aus herausdrängenden und/oder von derzeitigen Emotionen getriebenen Inhalten besteht. Nach diesem Zahlenspiel macht das, was du als Kernpunkt charakterisierst gerade 1/16 des Schreibprozesses aus, die übrigen 15/16 kommen darin nicht vor.

    Herausdrängende Geschichten, frei strömende Gefühle, etwas Besonderes, das Autoren gegeben ist ... Das ist romantisch und hebt Autoren auf einen recht hohen Sockel, es klingt schmeichelhaft (und für Autoren, die sich selbst nicht erklären können, was sie eigenlich zum Schreiben motiviert ist es ein einfaches Erklärungsmuster). Und sicherlich kommt auch von all dem tatsächlich etwas beim Schreiben vor. Aber es hat einen vergleichsweise geringen Stellenwert für die Motivation und ist auch für die Ergebnisse weniger entscheidend als man annehmen könnte.

    das ist glaube ich der Hauptgrund: Ihr habt Gedanken, die heraus wollen.

    Das würde ich nicht unterschreiben. Wenn ich Gedanken habe, die nach außen drängen, dann erzähle ich sie eben jemandem, poste sie bei Facebook, schreibe vielleicht sogar ein kurzes Gedicht oder mache mir eine Notiz.
    Was ich schreibe sind aber Bücher, Romane. Kein Gedanke, der herausdrängt trägt 500 Normseiten weit. Der überwiegende Teil jedes Buches wird in der Recherchephase und während des Schreibens erarbeitet, soweit es herausdrängende Gedanken gibt, müssen sie gebändigt (also oft genug ganz aus einer Romanhandlung rausgehalten) und in eine größere Form gebracht werden. Schlaue, kreative, herausdrängende Gedanken sind eine schöne Sache, aber sie kommen bei Menschen, die keinesfalls Bücher schreiben können nicht unbedingt seltener vor. Diejenigen, die sich für das Schreiben im Wesentlichen auf diese Ressource stützen, bleiben in aller Regel in einem frühen Stadium stecken.
    Und obwohl ein solcher Drang den Schreibprozess beflügeln kann, ist auch diese Aussage

    Es ist wunderbar, wenn man versteht, was der Autor meinte, was ihn bewegt hat, welche Gefühle, er dabei empfunden hat.

    irreführend. Besonders gelungene Passagen in Büchern sind nämlich keineswegs immer diejenigen, bei denen Autoren voll im "Flow" waren. Leserinnen und Leser können üblicherweise nicht erkennen, ob ein Abschnitt für einen Autor Ausdruck seiner momentanen Gefühlswelt war oder ob die wahre Grundemotion beispielsweise "Ärger, weil nichts beim ersten Anlauf zusammenpassen will" oder "ich pfeife so fröhlich Lieder, weil es mir gerade mühelos gelingt, den schrecklichen Leidensweg meiner Hauptfigur anschaulich zu machen" war.

    Damit will ich nun nicht sagen, dass Autoren mit herausstrebenden Gedanken nichts anzufangen wüssten oder dass sie sich nicht in ihre Charaktere und in die Handlung einfühlen sollten oder dass diese Faktoren die Freude am Schreiben nicht fördern könnten. Aber diese Aspekte treffen meiner Ansicht nach nicht den Kern der Sache.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Warum erzählt ihr so gern Geschichten?

    :-k Wie oben angekündigt, möchte ich mich nun dieser Kernfrage annähern, obgleich ich nicht behaupten kann, meine Motivation mit der nachfolgenden Erkläfung umfassend dargelegt zu haben ...

    Ein Buch zu schreiben lässt mich die Geschichte erleben wie beim Lesen (:study:), aber mit noch tieferem Eindringen in die dramaturgischen Zusammenhänge, die Welt und die Köpfe der Charaktere. Es ist automatisch eine Erzählung nach meinem Geschmack ... mehr oder weniger, denn wenn ich Fehler mache, kann man selbst den verfehlen, wie beim Kochen. Dadurch lässt sich der eigene Genuss aber weiter verfeinern.


    Mehr noch: Es ist befriedigend, etwas zu tun, das zwar jedes Mal wieder eine Herausforderung ist, bei dem ich aber selbst den Eindruck habe, dass ich es gut kann. Es ist befriedigend, etwas zu schaffen, das nicht so leicht wieder aus der Welt verschwindet.


    Außerdem: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“ (Albert Einstein zugeschriebenes Zitat)

    Und im Vergleich zur molekularbiologischen Forschung (meiner Tätigkeit vor dem Romanschreiben), stellen sich die Erfolge beim erzählerischen Schreiben mit Überlichtgeschwindigkeit ein, ob das Einstein nun gepasst hätte oder nicht. :D

    Das Schreiben von Romanen verbindet verschiedene kreative „Disziplinen“. Es gibt einen rollenspielerisch/schauspielerischen Aspekt beim Darstellen von Charakteren sowie kreativen Umgang mit (ausgedachten) Problemstellungen.


    Einen Roman zu schreiben spricht auch die Freude am Lernen (:bounce:) an:

    -        fachbezogene Einzelaspekte

    -        über Schreibtheorie und Praxis

    -        über Menschen und wie sie ticken und sich verhalten (weil es in jedem guten Buch um die geht).

    Es ist eine nachhaltige und befriedigende Art des Lernens, weil es Recherche und Reflexion der Inhalte verbindet und weil dabei alle Lernhinhalte verknüpft, statt stumpf auswendig gelernt werden.


    Im Übrigen ist auch der soziale Aspekt (:friends:) beim Schreiben zu nennen. Ein Buch entsteht nie komplett im leeren Raum, der Prozess beinhaltet immer den Austausch mit anderen. Vor allem gilt aber: Obwohl ein Text zuallererst mich selbst als Autor zufriedenstellen muss, geht es letztlich darum, für andere zu schreiben, ihr Leben zu bereichern.

    Es ist jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn es gelingt. O:-)

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