Beiträge von Nungesser

    Autor: Fernando Pessoa
    Titel: Ein anarchistischer Bankier, aus dem Portugiesischen von Reinold Werner
    Originaltitel: O Banqueiro Anarquista, erschien erstmals 1922
    Seiten: 56 Seiten + 20 Seiten Nachwort des Übersetzers
    Verlag: Fischer Taschenbuch
    ISBN: 9783596103065


    Der Autor:
    Fernando António Nogueira de Seabra Pessoa, 1888 in Lissabon geboren, gilt als einer der bedeutendsten modernen Dichter Portugals. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Durban, Südafrika, wo sein Stiefvater Konsul war. 1905, im Alter von 17 Jahren, kehrte er nach Lissabon zurück, wo er als Handelskorrespondent arbeitete und sich nebenher dem Schreiben widmete. Nur wenige seiner Schriften erschienen zu seinen Lebzeiten, er schrieb hauptsächlich für die Truhe. Sein Nachlass umfasst allerdings über 24.000 Manuskripte, darunter Lyrik, politische und soziologische Essays,...interessanterweise unter verschiedenen Heteronymen mit eigenen Biographien. Gemäss Wikipedia kann man 72 verschiedene Namen zählen, teils «nur» Pseudonyme, aber eben auch Heteronyme wie Ricardo Reis, Alberto Caeiro, und Álvaro de Campos, was bei der Entschlüsselung seines Nachlasses zu einer interessanten Komplexität führt. Pessoa starb am 30. November 1935 in Lissabon an den Folgen einer Leberzirrhose.

    Inhalt:

    Ein junger Mann fragt nach dem Abendessen sein Gegenüber, «einen grossen Händler und namhaften Schieber», nach seiner anarchistischen Gesinnung, die sein Gesprächspartner früher gehabt haben soll. Als dieser erwidert, dass er weiterhin überzeugter Anarchist sei, und das nicht nur auf dem Papier, sondern «lebt», ja ein Anarchist in Reinform ist, möchte man erfahren, weshalb die Konsequenz aus anarchistischen Verhalten sozusagen ein Bilderbuchkapitalist sein soll. Nur durch kleinere Rückfragen unterbrochen, erzählt der Bankier von seiner Gesinnung, den Rückschlägen in Untergrundorganisationen, und die Entwicklung der wahren anarchistischen Methode und seiner Zielsetzung im Leben.


    Meinung:
    Ein kurzes Stück, aber gehaltvoll. Durch die Form eigentlich einfach zu lesen: der Bankier spricht uns direkt an, fragt ob wir ihn verstehen, uns daran erinnern, was er vor wenigen Minuten erläutert hat, deutlich bemüht uns seinen Standpunkt klar zu machen. Aber inhaltlich ist es ein kluges, pointiertes Spiel mit der Logik, dem man gedanklich folgen muss. Gerade beim zweiten Lesen hatte es mir noch mehr Spass gemacht. Die Argumente kritisieren sowohl den Kapitalismus, als auch die Idee des Anarchismus.
    Das Nachwort des Übersetzers Reinold Werner bezieht sich weniger auf den Haupttext als vielmehr auf Fernando Pessoa, sein Leben, seine Heteronyme und seine Stücke. Auch interessant, und ich bin immer froh um Zusatzinformationen, aber diese rund 50 Seiten hätten auch einen Text zur verständlicheren Einordnung in die damalige Zeit verdient. 1922 erschienen, war es in Portugal eine turbulente Zeit. Die Lissabonner Blutnacht im Oktober 1921 war Folge von monarchistischen, republikanischen und anarcho-syndikalistischen Strukturen – von der ich bis vor wenigen Tagen ehrlich gesagt nie etwas gehört hatte. Aber der Text war Anlass mich wieder einmal mit Vergnügen in Sekundärliteratur zu vertiefen und unbedingt werde ich im neuen Jahr weitere Texte von Pessoa lesen.

    Eine Empfehlung an die üblichen Vorgewarnten!


    Übrigens gibt es das Ganze auch als Theaterstück, bspw läuft es vom 30. Jan – 02. Feb 2019 in Berlin

    Von Orhan Pamuk las ich bislang "Schnee" (eines meiner All-Time-Favoriten) und "Blick aus meinem Fenster" - beides absolut hervorragende Bücher. Diesen Roman fand ich allerdings einigermassen enttäuschend. Die ersten 200 Seiten waren noch interessant zu lesen, aber danach zog sich die Geschichte ziemlich. Acht Jahre lang Sehnsucht, Abende an denen die kleinste Annäherung und Stimmungsschwankung seziert wird, Zigarettenkippen, Löffel, alle möglichen Alltagsgegenstände erhalten den Status von Berührungsreliquien und werden ausgiebig beschrieben. Kemals Obsession zu Füsun schadet seinem restlichen Leben, Beruf und Freundeskreis werden vernachlässigt - sein Leben richtet sich komplett seiner grossen Sehnsucht aus.

    Ehrlich gesagt konnte ich es nicht nachvollziehen, ich fand es übertrieben und so ganz unschuldig an der Misere war Kemal nun auch nicht. Ich fand beide Hauptpersonen unsympathisch, blass und die "grosse Liebe" nicht nachvollziehbar.

    Toll hingegen finde ich die Idee, das Buch bereits wie einen Museumsführer aufzubauen ("...den Badeanzug, den sie hier sehen", oder "die in dieser Vitrine ausgestellte Vase"). Überhaupt die Spielerei mit den Erzählebenen: Orhan Pamuk tritt mehrmals auf, viele andere "historische Persönlichkeiten" ebenso; im Anhang gibt es ein Register mit den fiktiven und eines mit historischen Personen. Mir gefiel vielmehr die Entwicklung der türkischen Gesellschaft über die Jahre, Änderungen im Verhalten, Wertvorstellungen, usw. Allerdings war das eher im Hintergrund, weil die liebestollen Gedanken Kemals zu seiner Traumfrau viel zu viel Raum einnehmen.

    Daher: ganz okay zu lesen, aber ich fand eher die Idee reizvoll und würde mir unbedingt das Museum anschauen, wenn ich mal nach Istanbul komme. Wäre natürlich schön, wenn es zu diesem Roman eine illustrierte Ausgabe geben würde.

    348. Dein letztes Buch in deinem virtuellem Regal, sortiert nach dem Vornamen des Autors

    Noch ungelesen. Da ich F. Scott Fitzgerald gerne lese, hatte ich mir diesen autobiographischen Roman seiner Frau geholt:


    Zelda Fitzgerald galt vielen Zeitgenossen als Verkörperung des typischen „flapper girls“. Nach einem ausschweifenden Leben an der Seite ihres Mannes, das sich zunehmend schwieriger gestaltete, erlitt sie 1930 einen ersten Nervenzusammenbruch. Sie verbrachte die letzten Jahre bis zu ihrem Tod überwiegend in psychiatrischen Kliniken. 1932 veröffentlichte sie den autobiographischen Roman Save Me the Waltz. (Wikipedia)

    347. Ein Buch, dessen Handlung in Frankreich spielt

    Der irisch-kanadische Schriftsteller Brian Moore schrieb 1989 diese Jagd nach einem Kriegsverbrecher, die an verschiedenen Orten in Frankreich spielt. Der Roman wurde auch 2003 mit Michael Caine in der Hauptrolle als „The Statement“ verfilmt.


    Eine Geschichte mit historischem Hintergrund:

    So wurde der Kriegsverbrecher Paul Touvier erst 1989 nach 43-jähriger Fahndung in einem Kloster bei Nizza verhaftet. Die ursprüngliche Begnadigung durch den Präsidenten (1971), die rechtskatholischen Kreise (Chevalier-de-Notre-Dame) , die kirchliche Untersuchungskommission und die ambitionierte Untersuchungsrichterin sind nur einige von vielen historischen Komponenten, die Brian Moore lose in seine Erzählung eingebunden hat.

    346. Ein Autor, dessen Nachname mit W beginnt

    Thomas Wolfe wurde noch nicht genannt? Dann mal schnell, bevor mir taliesin diesen Klassiker „wegschnappt“. Du kannst ja ein anderes Meisterwerk von Thomas Wolfe nehmen:winken:


    Inhalt gemäss Verlagshomepage:

    Einer der unvergänglichen Romane der Weltliteratur. In dem Porträt des jungen Eugene Gant, in der überbordenden Geschichte seiner Familie mit dem titanischen Vater, der allzu geschäftstüchtigen Mutter, der Schar ihrer Kinder, mit den Menschen der kleinen Stadt in North Carolina und ihren tragikomischen Verhältnissen versuchte Thomas Wolfe sehnsüchtig, hinter die Geheimnisse des Lebens zu kommen, in einem "geradezu wahnsinnigen Hunger, die gesamte menschliche Erfahrung zu verschlingen", wie er später notierte.

    341. Dein dritter Buchnachbar: welches Buch von seiner Wunschliste würdest Du ihm/ihr empfehlen?

    Meine dritte Buchnachbarin ist SiriNYC , die mir mit 131 Büchern auf der Wunschliste eine gute Auswahl gibt. Interessante Bücher sind darauf, die bei mir ebenfalls auf der Merkliste stehen, und die derzeit hier im BT öfter genannt werden (George Saunders, Tomas Espedal und Imre Kertész).

    Ich wähle ein Buch, welches ich auch noch nicht gelesen habe, das mich aber von Deiner Liste derzeit am meisten interessiert, und von dem ich gerne noch weitere Meinungen lesen möchte.

    Zur Erinnerung :wink:, darum gehts gemäss Amazon:


    Was geschieht, wenn einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, der selbst ein Muslim ist, sich in die christliche Bildwelt versenkt? Navid Kermani sieht staunend eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Wunder, unvernünftig und abgründig, zutiefst menschlich und göttlich: ein Christentum, von dem Christen in dieser Ernsthaftigkeit, Kühnheit und auch Begeisterung nur noch selten sprechen.
    Es ist ein Wagnis: Offenen Herzens, mit einer geradezu kindlichen Neugier steht Navid Kermani vor den großen und vor unbekannten Werken der christlichen Kunst. Und es wird zum Geschenk: Denn seine berückend geschriebenen Meditationen geben dem Christentum den Schrecken und die Schönheit zurück. Kermani hadert mit dem Kreuz, verliebt sich in den Blick der Maria, erlebt die orthodoxe Messe und ermisst die Größe des heiligen Franziskus. Er lehrt uns, in den Bildern alter Meister wie Botticelli, Caravaggio oder Rembrandt auch die Fragen unserer heutigen Existenz zu erkennen – mit klarem Blick für die wesentlichen Details und die untergründigen Bezüge auch zu entfernt scheinenden Welten, zur deutschen Literatur, zum mystischen Islam und selbst zur modernen Heilgymnastik. Seine poetische Schule des Sehens macht süchtig: süchtig nach diesem speziellen Blick auf das Christentum und sehnsüchtig danach, selbst so sehen zu können.

    340. Der erste Satz des zweiten Kapitels deines aktuellen Buches

    Zitat

    Die Geschehnisse und Zufälle, die meinem Leben einen anderen Verlauf geben sollten, nahmen einen Monat vorher ihren Anfang, nämlich am 27. April 1975, dem Tag, an dem ich zusammen mit Sibel in einem Schaufenster eine Handtasche der berühmten Marke Jenny Colon sah.

    Die letzten sechzig Seiten des Buchs. Mittlerweile hat die ursprüngliche Begeisterung nachgelassen. Die Erzählung zieht sich, vermutlich läuft es auf :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: hinaus.

    Imre Kertész, Péter Esterházy, Ingo Schulze - Eine, zwei, noch eine Geschichte/n :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Rezension

    Dieser kleine Erzählband beinhaltet drei Texte, die das gleiche Thema behandeln – eine Zugfahrt von Budapest nach Wien – und Bezug aufeinander nehmen. Diese Intertextualität mit dem stets ähnlichen Aufbau, den unterschiedlichen Gedanken und Erfahrungen in einer ähnlichen Situation – das macht den Reiz dieses experimentellen Buches aus.


    Françoise Sagan - In einem Monat, in einem Jahr :bewertung1von5::bewertung1von5::arrow: Rezension

    Paris, Mitte der 1950er Jahre. Vier Frauen und fünf Männer der Pariser Mittelschicht treffen sich auf Parties, im Theater, im Restaurant, etc und verlieben sich untereinander in unglücklichen Liebesreigen. Ich fand es ziemlich oberflächlich, kaum amüsant, eher an eine Telenovela erinnernd.


    James Ellroy - Stiller Schrecken :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Rezension

    Der Serienmörder Plunkett sitzt im Gefängnis und schreibt seine Memoiren. Keine Analysen und keine Reue, sondern vielmehr Verherrlichung seiner Taten, eine Schilderung in seinem Bestreben, das Böse in Reinform zu werden. Spannend und nach der "Schwarzen Dahlie" mein zweites Buch von Ellroy, das ich begeistert gelesen habe.


    Istvan Örkeny - Minutennovellen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: :arrow: Meinung

    Knapp 70 Kurzgeschichten, die man jeweils innerhalb einer Minute gelesen hat. Kurz, aber gehaltvoll, und abwechslungsreich.

    Titel: Eine, zwei, noch eine Geschichte/n
    Seiten: 3 Geschichten auf 102 Seiten
    Verlag: Berlin Verlag
    ISBN: 9783827007872


    Die Autoren:

    Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 als 14-Jähriger nach Auschwitz und Buchenwald deportiert. Diese Erfahrung verarbeitete er u.a. in seinem wohl bekanntesten Werk "Roman eines Schicksallosen". 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis, er starb am 31. März 2016.


    Péter Esterházy, 1950 in Budapest geboren, entstammt einer ungarischen Adelsfamilie, die unter dem kommunistischen Regime enteignet und unterdrückt wurde. In seinem Hauptwerk «Harmonia Caelestis» thematisiert er die Entwicklung Ungarns und Verflechtung mit seiner Familie. Er erhielt u.a. den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur (1999) und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2004). Er starb am 14. Juli 2016.


    Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte in Jena klassische Philologie und arbeitete zunächst als Schauspieldramaturg und Journalist. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet er als freier Schriftsteller, und seine Werke wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt er für seinen zuletzt erschienenen Roman »Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst« den Rheingau Literaturpreis 2017.


    Inhalt und Meinung:
    Dieser kleine Erzählband beinhaltet drei Texte, die das gleiche Thema behandeln – eine Zugfahrt von Budapest nach Wien – und Bezug aufeinander nehmen.


    Die erste Geschichte «Protokoll» von Imre Kertész erschien erstmals 1991 unter dem Originaltitel «Jegyzōkönyv». Auf 27 Seiten erzählt Kertész von einer Reise, die er kurz zuvor unternommen hatte. Eine Zugfahrt von Budapest nach Wien möchte er unternehmen, erzählt, weshalb er reisen muss, wie er sich vorbereitet und welche Gedanken er beim Anblick der vorbeiziehenden Landschaften hat oder auch, welchen Eindruck er von seinen Mitreisenden hat. Plötzlich kommt die Zollkontrolle an der österreichisch-ungarischen Grenze; eigentlich nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur eine Formalität, aber Kertész führt zuviele Devisen mit sich. Rasch gerät er ins Visier der Behörde, woher kommt das Geld, was will er überhaupt im Ausland, weitere Fragen müssen abgeklärt werden. Kertész fühlt sich an frühere, totalitäre Zeiten erinnert.


    Die zweite Geschichte «Leben und Literatur» von Péter Esterházy erschien erstmals 1993 unter dem Originaltitel «Élet és irodalom». Auf 25 Seiten beschreibt Esterházy die gleiche Zugreise, die er in ein Jahr nach Kertész unternimmt. Der Aufbau der Geschichte ist ähnlich, ganz klar nimmt Esterházy Bezug auf den vorherigen Text, schaut auch aus dem Fenster, beobachtet die Menschen, kommt allerdings zu anderen Schlüssen und macht andere Beobachtungen. Seine Gedanken kreisen vielmehr um das Zusammenspiel und wechselseitigen Einfluss von Leben und Literatur.


    Die dritte Geschichte «Noch eine Geschichte» von Ingo Schulze erschien erstmals 2007. Auch hier der gleiche Aufbau. Wir erfahren, weshalb Schulze die Reise unternehmen möchte, seine Vorbereitungen und Gedanken – die Zeit ist aber eine denkbar andere. Europa ist zusammengewachsen. Der Blick aus dem Fenster, die Menschen im Abteil – kein Vergleich zu den Schilderungen von vor 20 Jahren. Auch die Boarder Control interessiert sich nicht für ihn…


    Ganz klar: die erste Geschichte empfand ich als die beste! Die bedrückende Schreibweise von Kertész, die Humor und hervorragende Beobachtungsgabe enthält, gefällt mir einfach, auch wenn es bei ihm thematisch stets um Auschwitz, Verfolgung und Unterdrückung zu gehen scheint. Die beiden nachfolgenden Geschichten beziehen ihren Reiz aus ihrer Anlehnung / Referenz auf die vorherige Geschichte. Diese Intertextualität mit dem stets ähnlichen Aufbau, den unterschiedlichen Gedanken und Erfahrungen in einer ähnlichen Situation – das macht den Reiz dieses experimentellen Buches aus. Rasch gelesen, bietet das Buch eine Menge Gesprächsstoff und Anstoss für weiterer Recherche. Eine Empfehlung an die üblichen Verdächtigen :wink:

    Nach einem Hinweis im wikipedia-Artikel zu Örkeny gibt es im Ungarischen insgesamt gesehen mindestens derer 400 !

    Knapp 70 dieser Minutennovellen sind in dieser Suhrkamp-Ausgabe enthalten. Schade, ich könnte gut und gerne täglich 2-3 dieser Geschichten lesen. Natürlich sind nicht alle Erzählungen gleich gut, aber die Auswahl ist gelungen und bieten eine gute Abwechslung - thematisch und auch von der Wirkung her. Persönlich fand ich die absurden Geschichten ganz gut, aber gerade die Novellen, in denen es um Kriege und Leid geht, fand ich wahnsinnig gut. Ich denke da bspw an das Kind, das seiner Mutter bei deren Hinrichtung zusieht oder der Soldatenfreund, der inmitten eines neu erdachten Lieds erschossen wird - und sein Reimen für immer unentschlüsselbar bleibt. Empfehlenswert, und zum immer wieder mal in die Hand nehmen.

    336. Welches Buch möchtest du als nächstes lesen?

    Sobald es endlich mal richtig kalt wird, werde ich wieder einen Jón Kalman Stefánsson lesen. Dieses hier liegt seit Monaten auf dem SUB.


    Wie nur erträgt man die langen dunklen Winter dicht am Polarkreis auf der Suche nach ein bisschen Leben und Liebe? Eine Frage, mit der sich auch die Bewohner eines kleinen 400-Seelen-Orts im äußersten Westen Islands konfrontiert sehen. Stets sind sie in Gefahr, in Kleinstadtlethargie zu verdämmern – und so müssen sie selbst dafür sorgen, dass ihre Tage aufregend werden. (Amazon)

    335. Ein Buch, das du gerade liest

    Von Fernando Pessoa wollte ich schon lange was lesen, und dieses Heftchen hat nur hundert Seiten. Geht prima zwischendurch, denn mein „Hauptbuch“ habe ich auf der Arbeit vergessen und kann es erst am Montag weiterlesen.


    Von einem Freund befragt, gibt »ein großer Händler und ehemaliger Schieber« Auskunft über seinen Aufstieg vom einfachen Arbeiter zum wohlhabenden Bankier. Aber auch über seine anarchistische Gesinnung, die er nie aufgegeben hat. Mit erstaunlich schlüssiger Logik legt er seinem fassungslosen Zuhörer dar, dass diesem Aufstieg eine anarchistische Methode zugrunde liegt: »Geld zu erwerben, es in so großer Menge zu erwerben, dass sein Einfluss nicht mehr spürbar werden konnte.«
    Der einzig logische Schluss kann denn auch nur lauten: Der wahre Anarchist muss Bankier werden, der wahre Bankier ist konsequenter Anarchist. (Amazon)

    Es wird nicht nur die Maigret-Fans (:winken: zu Nungesser ) freuen: Das gesamte Werk Georges Simenons wird nach und nach neu aufgelegt. Zum Teil neu übersetzt und mit neuem Cover. Die finde ich sehr geschmackvoll, aber der Preis ... :cry:

    Ja, das hatte ich schon bemerkt. Die Bücher sehen wirklich super aus.

    Allerdings versuche ich immer noch alle Ausgaben von Diogenes (Hardcover-Ausgaben von 2009) zu bekommen. Auch da habe ich erst die Hälfte, und ich möchte nicht die fehlenden Romane mit den Kampa-Ausgaben ergänzen (auch wegen des Preises). Aber Romane und vor allem Memoiren, Kurzgeschichten und sonstige Texte, die vorher noch nie veröffentlicht wurden, die werde ich mir zeitnah zulegen!

    dieses Buch, das von Leila2002 entdeckt worden ist, und von Nungesser mit fünf Sternen bewertet und rezensiert worden ist, muss auf meine WuLi. Hört sich nämlich sehr gut an. :thumleft:


    Kurzbeschreibung:


    James Ellroy legt in diesem Buch das schockierende Psychogramm eines Serienmörders vor. Marty Plunkett war ein seltsamer Junge: ein Träumer - hochbegabt und eigenbrötlerisch. Doch im Kopf dieses Jungen ging Schreckliches vor ... So unglaublich es auch scheinen mag: Nichts in diesem Buch über die verdunkelte Seele eines Killers ist der bloßen Phantasie entsprungen, denn das Buch basiert auf gründlichen Recherchen mehrerer authentischer Kriminalfälle.


    Hallo Emili , wirklich ein gutes Buch!

    Da Du allerdings die Passage mit den authentischen Kriminalfällen fett markiert hast, möchte ich kurz bemerken, dass dies wohl eher ein Vermarktungsspruch des Verlags ist. Ein Bezug zu diversen authentischen Fällen gibt es nicht direkt (okay, die Tate/LaBianca-Morde der Manson Family kommen vor, aber diese Morde begeht ja nicht Marty Plunkett). Vielmehr „kondensiert“ Ellroy die Verrücktheiten / Methoden mehrerer „echter“ Serientäter auf seine Protagonisten. Es ist also nicht so sehr ein halbdokumentarischer Roman, sondern durch den oben erwähnten Halbsatz versucht man, die unglaublichen Gewaltexzesse dem Leser gegenüber zu verteidigen, sozusagen: „doch, doch, so oder so ähnlich hat sich das auch schon mal zugetragen“.

    Das nur so als Ergänzung, falls es Dir wichtig sein sollte, Bezüge zu authentischen Kriminalfällen zu lesen - die sind kaum zu entdecken. Aber ansonsten schnell lesen!