Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Nungesser

    98. Ein Roman über das Leben auf dem Land

    Hier werden ausgiebig Landschaften, Orte, Familien, "Dorfgeschichten", etc beschrieben. Eben ausgiebige Schilderungen des Landlebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts...


    Jahrzehntelang durchstreifte Theodor Fontane nach Lust und Laune die Mark Brandenburg. Er ging zu den Leuten, besuchte Schlösser und Klöster, vergrub sich in die Historie und fand seine Heimat »reicher, als ich zu hoffen gewagt hatte«. Reich ist auch sein erzählerischer Ertrag: Die Grafschaft Ruppin, das Oderland, Havelland, Spreeland so wie einige märkische Schlösser beschrieb Fontane in einem fünf Bände starken Reisefeuilleton. Das Werk ist von ungebrochener Strahlkraft und eine Inspirationsquelle für alle Literaturfreunde, Regionalkundler und Schatzsucher. (Klappentext)

    „Die Islandglocke“ war letztes Jahr bei mir auch der Anlass, mich etwas näher mit den Sagas zu befassen. Wenn Dir jetzt auch danach ist, dann kann ich Dir diese Sammlung sehr empfehlen!

    Ist Deine Bibliothek hier im BT komplett gepflegt? Dann war das Dein erster Roman von Laxness? Er gehört mittlerweile zu meinen Lieblingautoren...

    Ich habe "Segen der Erde" vor vielleicht 20 Jahren gelesen und habe in Erinnerung, dass es mir bisschen zu sehr Richtung Blut und Boden ging.

    Ich hatte die Hoffnung, dass das vielleicht bei Hamsuns Frühwerk noch nicht so ausgeprägt wäre... :-?

    Da das Buch laut der Rezi von Nungesser eine eher trockene Lektüre ist, rechne ich jetzt aber ohnehin nicht damit, ein Jahreshighlight darin zu entdecken. :lol: Aber wer weiß? :lol:

    Blut und Boden passt schon irgendwie. Die konservativen Werte, Bodenständigkeit, harte Arbeit, etc werden halt glorifiziert, alles Moderne, Städtische wird abgelehnt. Schlecht ist das Buch nicht, aber es hatte nicht wirklich meinem Weltbild entsprochen. Wenn Du es aber nun liest Sarange , dann empfehle ich Dir dringendst im Anschluss Laxness "Sein eigener Herr" zu lesen. Das schrieb er quasi als Antwort auf Hamsuns verklärte, heroisierte Welt des bäuerlichen Lebens.

    Autor: Ismail Kadare
    Titel: Der Raub des königlichen Schlafs
    Seiten: 500 Seiten bei 17 Erzählungen
    Verlag: Fischer
    ISBN: 9783250600480


    Autor: (von der Verlags-Homepage)
    Ismail Kadare, Albaniens berühmtester Autor, wurde 1936 im südalbanischen Gjirokastra geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Tirana und Moskau. Seine Werke wurden in vierzig Sprachen übersetzt. 2005 erhielt Kadare den Man Booker International Prize. 2015 wurde er mit dem Jerusalem Prize ausgezeichnet. Er lebt heute in Tirana und Paris.


    Inhalt: (Klappentext)
    Die 17 Kurzgeschichten und Kurzromane, die in dieser Anthologie erstmals auf Deutsch erscheinen, bilden eine eigene Schönheitskonkurrenz: Schillernd, bunt und prächtig balancieren sie auf der Grenze zwischen Mythos und Wirklichkeit. Der albanische Meistererzähler erweist sich auch hier als Seismograph und Chronist des spannungsreichen Ineinanders der Völker und Kulturen auf dem Balkan. Kadare spürt dieser besonderen Atmosphäre nach und erfaßt sie in verschiedenen historischen Konstellationen: vor sozialistischer Kulisse, als Panorama des Osmanischen Reiches, im Spiegel der griechischen Antike. Ob mythologisch, grotesk oder tragikomisch - Kadares Erzählungen sind stets Geschichten von der Geschichtlichkeit des Menschen und immer wieder aufs Neue eine fesselnde Lektüre.


    Meinung:
    Kadare gehört mit seinen Romanen seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsschriftstellern. Nun also ein Band mit 17 Kurzgeschichten auf ca 500 Seiten, wobei die Seitenzahlen stark schwanken, weshalb der Verlag auch bei den längeren Kurzgeschichten von Kurzromanen spricht. Die Erzählungen wurden zwischen 1983 und 2000 geschrieben, und teilweise erst nach dem Fall der Diktatur veröffentlicht. Bei folgenden fünf Geschichten habe ich den Originaltitel und das Erscheinungsjahr gefunden, ansonsten gibt es meines Erachtens keine «gleiche Sammlung» im albanischen Original:


    Der Blendferman („Qorrfermani“, 1984 geschrieben und 1991veröffentlicht)
    Der Adler („Shkaba“, 1995)
    Der Raub des königlichen Schlafs („Vjedhja e gjumit mbretëror“, 1999)
    Vor dem Spiegel einer Frau („Përballë pasqyrës së një gruaje “, 2001)
    Agamemnons Tochter („Vajza e Agamemnonit“, 2003)


    Die Geschichten sind äußerst abwechslungsreich, spielen in verschiedenen Zeitaltern und an sehr unterschiedlichen Orten. Persönlich haben mir gerade die längeren Erzählungen besser gefallen als die kurzen, aber empfehlenswert ist die Sammlung durchaus, erst recht wenn man das breite Spektrum des Schriftstellers kennenlernen möchte.
    Thematisch geht es meist um Unterdrückung, Macht und Opportunismus. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist «Der Blendferman»:
    Unglücke häufen sich, und Schuld daran ist der «Böse Blick». Der Sultan erlässt ein Dekret, wonach Menschen mit dem Bösen Blick auf verschiedene Art geblendet werden sollen. Das führt natürlich zu einer Denunziationswelle, in der kein Mensch mehr ruhig neben seinen Nachbarn wohnen kann. Viele zeigen sich auch selbst an, um eine «sanfte» Verblendungsmethode wählen zu können. Eine unglaublich eindringliche Erzählung, die aufzeigt, wie schnell Verunsicherung und Verrat entsteht, aber auch wie aus Mittätern Opfer werden. Für mich die beste Geschichte in der Sammlung!
    In der Erzählung «Die Kirche zur Heiligen Weisheit» trifft das Christentum auf das Islam als ein junger Architekt den Auftrag erhält, die Hagia Sophia in eine Moschee umzubauen.
    In der Parabel «Der Adler» fällt ein Mann in eine Art Parallelwelt, in der die «Gefallenen» des Diktators – aber das ist bereits Interpretationssache – dahinleben. Dieser Mann versucht, wieder zurück in die obere Welt, zu seiner Familie und seinem Beruf zu kommen. Eine Geschichte wie im Wahn, mit Magischem Realismus, Phantasie, und natürlich ausreichend Kritik auf Unterdrückung, nicht nur durch diktatorische Regimes, sondern auch das Verhalten der einzelnen Personen wird immer wieder thematisiert.
    Insgesamt, egal ob Parabel, Märchen, realistische moderne Schilderungen, oder auch historische, wie der Bau der Chinesischen Mauer – es sind auch häufig humorvolle Geschichten, die dennoch Kritik an den jeweiligen Systemen oder dem menschlichen Verhalten üben.
    Ich kann die Sammlung bedenkenlos weiterempfehlen, egal ob man Kadares Geschichten bereits kennt, oder ob man mal Literatur aus Albanien kennen lernen möchte.

    85. Der erste Teil einer Reihe mit mehr als 3 Bänden

    Der erste Teil der Romanreihe um den Pariser Kommissar Maigret. Der Kampa legt sie derzeit neu auf, sehr schick finde ich.

    Interpol kündigt Kommissar Maigret die Ankunft des europaweit gesuchten Betrügers Pietr der Lette an. Maigret erwartet ihn an der Gare du Nord, kann den vornehmen Herrn, auf den die Beschreibung zutrifft und der von Angestellten des Luxushotels Majestic abgeholt wird, jedoch nicht verfolgen: Auf der Zugtoilette wird nämlich ein Toter gefunden, der ebenfalls wie Pietr der Lette aussieht. Maigret muss sich entscheiden, welche der beiden Spuren die richtige ist ...
    Maigrets 1. Fall spielt an den Champs- Élysées und in Fécamp, einem kleinen Fischerort in der Normandie.
    (Klappentext)

    81. Das zweite Buch auf der 5. Seite deiner Wunschliste, sortiert nach Autorennachname

    Bei fast 1.600 Titeln auf der Wunschliste bin ich auf Seite 5 noch immer beim Buchstaben A.

    Hier also ein Roman von Jane Austen, von der ich noch gar nichts gelesen habe.

    Zwei grundverschiedene Schwestern, die rationale Elinor und die impulsive Marianne bereiten Mutter Dashwood erhebliche Sorgen. Nach dem Tod des Vaters sind sie alles andere als eine gute Partie, aber unverhofft mangelt es weder an Bewerbern noch an überraschenden Turbulenzen. (Amazon)

    79. Ein Buch, das Du vor ca. einem Jahr gelesen hast

    Heute vor einem Jahr las ich die Graphic Novel zu James Ellroys Meisterwerk.

    What's to Love: This gripping graphic novel adaptation of the highly acclaimed book by James Ellroy, The Black Dahlia, delves deeply into one of the most haunting unsolved crimes in American history. Award-winning filmmaker David Fincher (Gone Girl, Zodiac) and acclaimed storyteller Matz (The Killer) worked at length to preserve much of Ellroy's original dialogue while bringing the stark images of 1940s L.A. to full, living color with illustrator Miles Hyman. What It Is: LAPD investigators Bucky Bleichart and Lee Blanchard find themselves enthralled with the mysterious and brutal murder of a beautiful young woman, Elizabeth Short. Their obsession takes a dark turn as they delve into the underbelly of Hollywood and the heart of the dead woman's tortured and twisted past. It is a case that will test their mettle and their sanity. (Amazon)

    Ich bin auch noch da :winken:allerdings kam ich in den letzten paar Wochen kaum mehr zum Lesen. Daher pausiere ich bis auf weiteres den Dostojewski-Klassiker "Böse Geister". Am 03.03. bin ich nochmals Papa geworden, und Familienzuwachs + Dosto kriege ich nicht zusammen.

    Wenn es etwas ruhiger wird, werde ich mir etwas anderes für die Klassiker-Challenge aussuchen. Ich melde mich also nicht ab von der Challenge, werde aber ein paar Wochen pausieren.

    73. Welches Buch von Deiner Wunschliste hast Du als letztes gekauft?

    Bestellt habe ich es bereits. Nun muss es nur noch geliefert und bezahlt werden :uups: Aber ansonsten wüsste ich kein Buch, dass es in letzter Zeit von der WuLi auf den SUB geschafft hat. Ich konnte mich in den letzten Monaten bei meinen Einkäufen zurückhalten, und hatte lediglich bei offenen Bücherschränken und Flohmärkten zugegriffen.

    Aber dieses hier muss ich einfach haben, auch wenn ich noch bis Juni warten muss:

    John Dos Passos' "USA-Trilogie" ist in der amerikanischen Literatur einzigartig wegen ihrer epischen Gestaltung und panoramischen gesellschaftlichen Perspektive. In den Romanen, aus denen sie besteht - "Der 42. Breitengrad" (1930), "1919" (1932) und "Das große Geld" (1936) -, zeichnet Dos Passos mit sarkastischem Humor und scharfem Auge für soziale Fragen ein unvergessliches Kollektivporträt der USA. Dabei verbindet er das Leben seiner Charaktere und die Zeit, in der sie leben, auf eine raffinierte erzählerische Weise, die diese Trilogie zu einem der lesbarsten modernen Klassiker überhaupt gemacht hat. Seine Protagonisten erleben Kriege und Revolutionen, verzweifelte Liebesaffären, schwere Familienkrisen, öffentliche Triumphe und private Katastrophen vor Kulissen, die unter anderem die Schützengräben des Ersten Weltkriegs, das aufständische Mexiko, Hollywoodstudios in der Stummfilmära, Wall-Street-Büros und die von Tumulten erschütterten Straßen von Boston vor der Exekution von Sacco und Vanzetti umfassen.
    In seinem Vorwort schreibt Dos Passos: "USA, das ist ein Querschnitt durch einen Kontinent ... Vor allem aber ist es das gesprochene Wort der Menschen." Es ist die gewaltige Stimme Amerikas von der Industrialisierung bis zur Prohibition. Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl verschaffen ihr mit ihrer zeitgemäßen Übersetzung neues Gehör. (Amazon)

    71. Gibt es eine Biografie, die Dich sehr interessiert?

    Frère Roger war eine der herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein Leben war durchdrungen vom Ruf zur Versöhnung der Christen. War er ein Prophet? Ein Freund der Armen? Ein charismatisches Vorbild der Jugend? Sabine Laplane gelingt mit ihrer einzigartigen Biografie das faszinierende Porträt des Gründers der Communauté von Taizé.
    Er war ein Mann der Widersprüche, ein Mensch des inneren Lebens, dem es darum ging, den Glauben seiner evangelischen Herkunft mit dem Geheimnis des katholischen Glaubens zu versöhnen. Wie kein anderer verkörpert Frère Roger den Aufruf zur Versöhnung der Christen, der in der zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts immer drängender wurde. Aber wer war Frère Roger eigentlich? Sabine Laplane ist es gelungen, einen neuen Blick auf den Lebensweg dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit zu werfen, von seinen Anfängen in der Schweiz bis zu seinem gewaltsamen Tod im Jahr 2005. Wer Frère Roger kennenlernen will, muss dieses Buch lesen. (Klappentext)

    68. Welches Buch würdest du gerne gemeinsam mit anderen lesen (Lesekreis, Leserunde u.ä.)?

    Leserunden finde ich eigentlich eine tolle Sache, auch wenn meine Lesezeit häufig arbeits- und familiär bedingt schwer planbar ist. So musste ich schon aus LR aussteigen, weil ich mit dem Lesen nicht hinterher kam, oder komme kaum dazu meine Gedanken aufzuschreiben.

    Aber ansonsten lese ich sehr gerne die Kommentare und Gedanken anderer, von mir aus können Sätze auch endlos seziert werden. Auch alle möglichen Abstraktionen, Herleitungen, Eindrücke, finde ich bereichernd.

    Heute wurden einige Bücher genannt, die ich für eine MLR spannend finde. Ungern möchte ich jetzt schon etwas für die nächste Dickens-MLR vorschlagen, die für mich bereits zur BT-Tradition gehört.

    Daher nehme ich diesen umfangreichen Schmöker, themenreich, über den man sich sicherlich ausführlich austauschen könnte.


    «‹Alles und noch mehr› könnte eine Beschreibung dieses Romans sein.» (Don DeLillo)Irgendwann in naher Zukunft machen sich die Insassen des Entziehungsheims Ennet-House und Studenten der Enfield Tennis Academy auf die Suche nach einer Kopie von «Unendlicher Spaß», einem Film, der angeblich so unterhaltsam ist, dass der berauschte Zuschauer am Ende verhungert und verdurstet. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die Sprachmächtigkeit, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, die scharfe Analyse sowie der Humor machen diesen kurz vor der Jahrtausendwende erschienenen Roman zum Meilenstein der internationalen Gegenwartsliteratur – ungeheuerlich, maßlos, bewusstseinsverändernd. (Klappentext)

    67. Ein Buch eines Autors (m/w), dessen Nachname aus 8 Buchstaben besteht

    Einer der Besten...

    Hier sein letztes, unvollendetes Werk:

    Seit zwanzig Jahren arbeitet Artur Paz Semedo bei der portugiesischen Waffenfabrik Belona. Er ist fasziniert von Waffen aller Art, besonders von historischen. Auch wenn diese Begeisterung naiv ist und jenseits politischer Überzeugungen liegt, geht seine Ehe mit der entschiedenen Pazifistin Felícia aufgrund dieser Leidenschaft in die Brüche. Erst nach der Lektüre eines Romans von André Malraux über den spanischen Bürgerkrieg wird Artur sich bewusst, welche politische Dimension der Handel mit Waffen hat. Unter einem Vorwand beginnt er in den Archiven seiner Firma zu recherchieren und macht erschütternde Entdeckungen. (Klappentext)

    Von Pitigrilli las ich bislang auch noch nichts. Eigentlich hatte ich von diesem italienischen Skandalautoren das Buch "Kokain" auf dem Merkzettel, aber jetzt habe ich eben dieses Werk zuerst gefunden.


    In den zwanziger Jahren von Moralisten ebenso wütend geschmäht wie von weltoffeneren Geistern enthusiastisch gefeiert, beweist Pitigrilli eine seltene literarische Qualität: ohne einschlägiges Vokabular und abgenutzte Bilder zu strapazieren, verströmen seine Bücher von der ersten bis zur letzten Seite kluge Sinnlichkeit und subtile Erotik.
    Auf meisterliche Weise, ebenso geistvoll wie herzerfrischend trivial, gleichermaßen menschlich einfühlsam wie beißend ironisch, zieht uns ein geborener Erzähler in den Bann seiner schillernden Figuren.
    In der Geschichte des Richters Pott, der, von seinem Berufsstand angewidert und von einer faszinierenden Frau verlockt, sein Glück als Zirkusclown sucht, verbindet Pitigrilli mit unvergleichlicher Leichtigkeit Tragik und Ironie zu einem Lese-Erlebnis, das immer wieder verblüffende Parallelen zum heutigen Zeitgeist aufblitzen läßt.
    (Klappentext)

    Auch hier bin ich ganz gespannt, von diesem jugoslawischen Schriftsteller habe ich noch nichts gelesen bisher. In den 70er/80er Jahren wurde er mit diversen Preisen ausgezeichnet. Ich starte mal mit diesem Frühwerk, welches im Dez 2019 von Hanser übrigens auch neu aufgelegt wurde.


    Eine Dachkammer in einem heruntergekommenen Mietshaus, in der man von fern die Züge pfeifen hört, Schabenkolonien, die geschäftig im Strohlager rascheln, Zigarettenqualm und Ofenruß: standesgemäß hausen hier Orpheus, der Dichter, und Igor, der Sterngucker, zwei wunderliche Freunde, die mit allen Mitteln versuchen, den Sternen näher und dem Ernst des Lebens ein wenig ferner zu sein. Und von allen Fragen des Lebens, auf die sie dort oben eine Antwort suchen, ist natürlich die nach der Liebe die wichtigste. Kis' erster Roman ist ein übermütiger Liebes- und Künstlerroman, eine Verklärung der Jugend, wie wir sie aus den frühen Filmen von Truffaut und Godard kennen. (Klappentext)

    58. Ein ziemlich unbekanntes Buch, das Dir gut gefallen hat

    Djamila von dem kirgisischen Autoren ist ja noch ziemlich bekannt, aber diese Erzählung hat mir noch viel besser gefallen.


    'Es war im Jahr 1924. Wo heute unser Kolchos liegt, war damals ein kleiner Ail von seßhaften armen Bauern. Ich war vierzehn Jahre alt. Im Herbst erschien im Ail ein fremder Bursche, der einen Soldatenmantel trug. Zuerst hieß es, der Fremde sei in der Armee Kommandeur gewesen, dann stellte sich heraus, dass es Düischen war. Er war in den AiI geschickt worden, um hier eine Schule zu gründen und die Kinder zu unterrichten. Zu jener Zeit waren Worte wie Schule und Unterricht ganz neue Begriffe...' So beginnt 'Der erste Lehrer', die Geschichte von Düischen, der selbst kaum lesen und schreiben kann, dessen einzige Ausbildung die Liebe zu seinen Schülern ist und der ihnen mit allem, was er weiß, die Welt erschließen will. Eine Geschichte, die - wie Ludwig Harig in der ZEIT schrieb - zeigt: so kann, so soll, so muss Schule sein. (Klappentext)

    Autor: Friedrich Christian Delius
    Titel: Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde, erschien erstmals 1994
    Seiten: 128 Seiten
    Verlag: Rowohlt
    ISBN: 9783499236594


    Der Autor: (von der Autoren-Homepage)
    Friedrich Christian Delius, geboren im Februar 1943 in Rom, aufgewachsen in Wehrda, Kreis Hünfeld, und Korbach in Hessen. Seit 1963 in Berlin, Studium an der Freien und Technischen Universität (Dr. phil. 1970). 1970 bis 1978 Lektor für Literatur in den Verlagen Klaus Wagenbach und Rotbuch. Prozesse, welche die Siemens AG (1972-76) und Helmut Horten (1979-82) gegen ihn führten, erfolgreich überstanden. Seit 1978 freier Schriftsteller, von 1978-80 in Beek bei Nijmegen/NL, von 1980-84 in Bielefeld. Seitdem lebt er wieder in Berlin (von 2001 bis 2013 in Rom und Berlin). Georg-Büchner-Preis 2011. Übersetzungen seiner Bücher in 18 Sprachen. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin.


    Inhalt: (Klappentext)
    Bern im Sommer 1954. Deutschland steht im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft gegen Ungarn. Im Rundfunk dröhnt die legendäre Reportage Herbert Zimmermanns. In einem kleinen hessischen Dorf erlebt ein elfjähriger Pfarrerssohn den Sonntag, der sein Leben verändern wird.


    Meinung:
    Friedrich Christian Delius Erzählungen behandeln häufig Themen der jüngeren deutschen Geschichte. Sei es bei «Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus» die Teilung Deutschland, bei «Die Birnen von Ribbeck» die Wiedervereinigung, bei «Mogadischu Fensterplatz» die «Landshut»-Entführung, usw, usf. Da darf eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte natürlich nicht fehlen: der Sieg bei der Fußball-WM 1954.
    Dabei ist dieser kurze Roman in erster Linie ein Buch über eine Vater-Sohn-Beziehung, über das Erwachsen werden, über das Leben in der hessischen Provinz Mitte der 1950er Jahre – und nicht so sehr ein Fussballroman. Wer den WM-Sieg als Motiv erwartet, wird sicherlich von der Geschichte enttäuscht sein.

    Die Geschichte enthält so einige Parallelen zu Delius’ Lebenslauf: der Pfarrerssohn, aufgewachsen in der hessischen Provinz, introvertiert, nachdenklich und durch Stottern und Blutphobie ist eher nicht Mittelpunkt der dörflichen Jugend. Der Vater hingegen ist durch seine Sprachgewalt und symbolgeladenen Gestik sowohl in der Familie als auch innerhalb seiner Kirchengemeinde eine autoritäre Figur. Häusliche Regeln werden still ertragen. Sonntagskleidung, Mittagsruhe, Tischgebet, richtiges Verhalten in der Kirche, richtiges Beschmieren des Brotes, die richtige Lautstärke beim Radio hören – vieles mag dem Leser bekannt vorkommen. Und doch erscheint es dem Protagonisten wie Unterdrückung. An ein Auflehnen gegen die väterliche Autorität ist nicht zu denken, das mahnende Kruzifix überall. Der Alltag und die Sprache drehen sich um Religion, Tagesrituale und bieten wenig Raum für Alternativen.
    Und dann sozusagen ein Erweckungserlebnis: der Junge alleine am Radio, weil die Familie sich nicht für Fußball interessiert, lauscht den Kommentaren Herbert Zimmermanns. Nahezu lästerlich wird immer wieder gerettet, gerettet, gerettet, der «Fußballgott» hilft, der Aussenseiter vollbringt das «Wunder», nicht nur sprachlich eine Befreiung für den Jungen. Plötzlich sind die Zwänge vergessen. Es gibt noch mehr da draußen, auch wenn Bern weit weg ist, aber heute war er Teil des Erfolgs!

    Für mich mit den «Birnen von Ribbeck» das beste Buch von Delius. Ein kurzer Roman, der die Atmosphäre der Nachkriegsjahre sehr gut einfängt, der alleine durch die Sprache mit vielen religiösen Motiven erst einen Zwang beschreibt, und anschließend so befreiend wirkt.

    Peter Hase ist ja auch noch einigermaßen bekannt. Vor ca einem Jahr gab es den wieder im Kino... Hier sind recht viele Geschichten enthalten. Meinem Junior haben aber nur wenige gefallen. Sie alle spielen im "gleichen Universum", aber die wenigsten bauen aufeinander auf. Teilweise ist Peter Hase gar nicht dabei, sondern irgendwelche anderen Tiere des Waldes. Das hatte meinen Sohn etwas gestört. Zeichnungen waren auch enthalten, aber nur etwa eine pro Kapitel und nicht auf jeder Seite. Allerdings gibt es die Geschichten ja auch einzeln und ein halbes Dutzend Illustratoren haben sich auch schon daran gewagt. Da könnt Ihr Euch den schönsten Zeichenstil heraussuchen :wink: