Beiträge von Nungesser

    144. Stichwort "Wünsche" - Welches Buch fällt dir dazu ein?

    Pecolas Wunsch nach blauen Augen zieht sich durch das ganze Buch, die Handlung dreht sich darum, weshalb ein kleines Mädchen sich als hässlich empfindet und unbedingt die Welt mit anderen Augen sehen möchte.

    Es ist bestimmt 20-25 Jahre her, seit ich meinen letzten Agatha-Christie-Krimi gelesen habe. Eher durch Zufall - ich wollte mal wieder ein Buch auf englisch lesen, und Agatha Christie eignet sich für "Anfänger / Wiedereinsteiger" ganz gut - griff ich zu einer schicken Ausgabe von diesem Klassiker; durch mehrere Verfilmungen wohl eines ihrer bekanntesten Werke. Dass sich der Film mit Margaret Rutherford deutlich vom Buch unterscheidet, wurde bereits erwähnt. Aber tatsächlich spielt Miss Marple in der Geschichte einer eher zurückhaltende Rolle. An den entscheidenden Stellen taucht sie auf, die Ermittlungen werden aber von einer jüngeren Bekannten durchgeführt.

    Ein wunderbar nostalgisches Krimivergnügen. Blut und Gedärme sucht man hier vergebens, aber das einzige, was man bemängeln könnte, ist der etwas konstruiert wirkende Anfang.

    Ja, die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen, aber irgendwann wirkte die Geschichte doch arg konstruiert.

    Irgendwie geschieht am Ende alles ein bisschen schnell, und so einiges fand ich unlogisch oder zu sehr auf Zufall ausgerichtet. Dennoch war es ganz unterhaltsam und amüsant. Ganz nett für zwischendurch.

    Der Buchladen Lüthy Balmer Stocker im Zürcher Glattzentrum zieht vom Erdgeschoss in eine der oberen Verkaufsflächen und verkauft ein paar seiner Bücher, die wohl wie Blei in den Verkaufsregalen liegen und nicht in den zweiten Stock hochgetragen werden sollen, zu Schleuderpreisen (70-80% Rabatt)

    Meine Mittagspause war erfolgreich:

    Nathan Hill - Geister (dank Empfehlungen hier im BT)

    John Burnside - Wie alle anderen (wäre dann mein erster Burnside)

    Siegfried Lenz - Stadtgespräch (Hat hier im BT wohl noch niemand gelesen, bzw bewertet :scratch:)

    Toni Morrison - Die Herkunft der anderen

    Isländische Sagas

    Ja, da hast Du recht Marie . Bei einer Leserunde gewinnt man immer mehr Eindrücke zu einem Buch. Der Austausch beleuchtet den Inhalt aus allen Winkeln, und gerade bei so einem Erzählband beschäftigt man sich viel intensiver mit dem Gelesenen als als „Einzelkämpfer“. Umgekehrt könnte man aber auch vermuten, Ihr MLR-Teilnehmer habt Eure Leserunde bewertet, den Spass dabei und hätte jeder für sich gelesen, dann hätte mancher evtl ein bisschen weniger Sterne vergeben :wink:

    Autor: Swetlana Alexijewitsch
    Titel: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, übersetzt aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt
    Originaltitel: U wojny ne zenskoje lizo, erschien erstmals 1983
    Seiten: 359 Seiten
    Verlag: Suhrkamp
    ISBN: 9783518466056


    Die Autorin: (Verlagshomepage Suhrkamp)
    Swetlana Alexijewitsch, 1948 in der Ukraine geboren und in Weißrussland aufgewachsen, lebt heute in Minsk. Ihre Werke, in ihrer Heimat verboten, wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, 1998 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2013 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2015 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.


    Inhalt: (Verlagshomepage Suhrkamp)
    Die weibliche Geschichte des Krieges
    »Ganze Züge voller Frauen gingen an die Front«, erinnert sich eine ehemalige Rotarmistin im Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch. »Es waren nicht mehr genug Männer da. Sie waren gefallen. Lagen unter der Erde oder waren in Gefangenschaft.« Die Frauen waren »bereit, für die Heimat zu sterben. So waren wir erzogen.« Sie waren nicht nur Ärztinnen und Krankenschwestern, sondern auch Fliegerinnen, weibliche Scharfschützen und Panzersoldaten. Und sie waren jung: »Ich war noch so klein, als ich an die Front ging«, erzählt eine ehemalige Scharfschützin, »dass ich im Krieg noch gewachsen bin.« Und sie waren für ihr Leben traumatisiert.
    Sie erzählen der Autorin vom Tod und vom Töten, von Blut, Dreck und Läusen, von Kriegsverbrechen, von Verwundungen, Schmerzen, Hunger und miserabler Ausrüstung – und wie man sie vergessen hat, als es nach dem Krieg darum ging, die »Helden« zu feiern.
    Das erschütternde Dokument einer ausgeblendeten Seite des Zweiten Weltkriegs: Rund eine Million Frauen haben in der Roten Armee gekämpft. Swetlana Alexijewitsch lässt sie zu Wort kommen.


    Meinung:
    Die Dokumentarliteratur von Swetlana Alexijewitsch ist vermutlich das Härteste, das Unerträglichste, was man lesen kann. Alexijewitschs Arbeit, Entsetzliches aufzuschreiben, «dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal zu setzen» (Begründung für die Preisvergabe), Zeitzeugen zu befragen und aus stundenlangen Gesprächen ein paar Sätze als Kondensat aufs Papier zu bringen, hat wirklich den Literaturnobelpreis verdient. Wohlfühllektüre zum Zeitvertreib kommt dabei nicht raus, und auch bei diesem, meinem zweiten Buch, das ich von ihr las, musste ich tagelang Pause machen und war nahe dran abzubrechen. Nicht etwa, weil sich die Aussagen der Soldatinnen, Ärztinnen, Mütter, Witwen, Köchinnen etc wiederholt hätten, oder es langweilig geworden wäre – im Gegenteil, es wurde schlimmer und schlimmer.
    Dabei ist die Collage wirklich vielstimmig: jahrelang hat Alexijewitsch Gespräche geführt, und die Aussagen in lose Kapitel gebündelt. Welche Motivation hatten die zumeist sehr jungen Mädchen, von der Schulbank in den Krieg zu ziehen. Wie war die Stimmung, und die Vorbereitung? Wie wurden sie im von Männern dominierten Militär empfangen? Wie eingesetzt? Welche Vorurteile gab es? Gleichberechtigung? Unterdrückung? Freundschaften, Liebschaften, Kontakt nach Hause? Überhaupt, wie wurden sie daheim wieder empfangen? Heldinnen hätte es gegeben, Auszeichnungen gab es auch vom Staat, aber in der Gesellschaft nach dem Sieg wurden sie geächtet.

    Ein Buch über den Krieg wollte Alexijewitsch nicht schreiben, sondern eine Geschichte über die Gefühle der Menschen im Krieg. Das ist ihr auch gelungen, und das empfand ich als intensiver als irgendeinen Antikriegsroman, den ich bislang las. Eine ganz, ganz große Leseempfehlung für Hartgesottene: da werden Gliedmaßen amputiert, Geliebte sterben in den Armen, Familien in ihren Häusern abgefackelt, Kleinkinder von der Mutterbrust gerissen und gegen Eisenpfosten geschlagen,... man liest viel über aufgestauten Hass, aber auch von Liebe und Vergebung. Die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle, abwechselnd hatte ich einen Kloß im Hals oder Tränen in den Augen.

    Bei meinem ersten Leseversuch vor ein paar Monaten bin ich gescheitert.

    Daran knüpfe ich etwas an. Ich habe zwar alle Kurzgeschichten gelesen, konnte aber zunehmend weniger damit anfangen. Lediglich die erste Erzählung "Sprung zum Sieg" fand ich auch in der Erzählform klasse, aber aber alle übrigen Stories waren "schräg". Ich kann nicht mal ausmachen, was mich gestört hat, denn formulieren kann der Autor, auch die Wortschöpfungen sind super. Dass die Protagonisten Aussenseiter sind, stört mich sonst auch nicht - sie werden zudem liebevoll von Saunders skizziert. Und doch fehlt mir bspw der Witz einer Lucia Berlin. Saunders Geschichten sind meist verstörend und deprimierend, aber weniger beklemmend und absurd wie bspw bei Kafka. Vielleicht waren auch meine Erwartungen zu hoch, oder ich muss die Geschichten auch mehrmals lesen.

    Und manchmal spielt er mit dem Leser; er verwehrt ihm die Eindeutigkeit und lässt ihm den Spielraum, eine Handlung weiter zu denken, anders zu denken oder zu drehen.

    Ja, dieses Undeutliche hat mich wohl am meisten gestört. Lauter Geschichten, bei denen ich dachte, was soll das denn? Dazu muss man vielleicht auch in der richtigen Stimmung sein...

    Schade, hatte ich keine Zeit an der MLR teilzunehmen; ab und zu hatte ich mal mitgelesen - es war ja eine sehr produktive Runde mit hilfreichem Gedankenaustausch. Prima hat es Euch allen so gut gefallen. Ich behalte mir mal seinen Lincoln-Roman auf der Merkliste, aber vermutlich nicht für dieses Jahr.

    Nach "Herbstfliegen" und "Die Familie Hardelot" habe ich nun eine dritte Geschichte von Irène Némirovsky gelesen, und bin einmal mehr begeistert. Nicht einmal 100 Seiten lang ist die Geschichte (dank des Nachworts der Übersetzerin Claudia Kalscheuer und Werbung umfasst das Buch 112 Seiten) - schade, denn ich hätte so gerne mehr von dieser unsympathischen Familie gelesen, und wie es nach diesem Abend mit ihnen weiterging. Eine dreiköpfige Familie, in der jeder sich selbst der nächste ist, auf Reichtum, Ruhm und Anerkennung durch "die höhere Gesellschaft" hofft - und das so humorvoll, entlarvend, ironisch dargestellt, dass es einfach eine kurzweilige Lektüre ist. Okay, die Geschichte ist ab der zweiten Hälfte etwas vorhersehbar, und der vermutlich spontane "Streich" auch etwas zu geglückt, aber unterhaltsam und bissig ist die Geschichte dennoch. Ein empfehlenswerte Geschichte, die man an einem sommerlichen nachmittag prima genießen kann.


    Ach ja: die französische Originalausgabe heisst "Le bal"

    133. Welches Buch hast du zuletzt deiner Wunschliste hinzugefügt?

    Dieses hier kam gestern dank Jean van der Vlugts Erwähnung in diesem Thread auf die Merkliste.


    Eine brillant erzählte Sittengeschichte des 17. Jahrhunderts von Aldous Huxley, dem Autor von »Schöne neue Welt«. 1634 wurde der gutaussehende und zügellose Priester Urbain Grandier verhört, gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er wurde für schuldig befunden, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, sowie ein ganzes Frauenkloster verführt und ins Unglück gestürzt zu haben. Huxley erzählt hier vom sensationellsten Fall von Massenbesessenheit und sexueller Hysteria im Mittelalter. Grandier selbst beteuerte stets seine Unschuld, aber noch vier Jahre nach seinem Tod wurden die Nonnen exorziert, um sie von ihren Dämonen zu befreien. »Die Phänomene von Loudun sowohl im Hinblick auf die Haßorgien und Schauprozesse unseres Jahrhunderts wie unter den Aspekten der tiefenpsychologischen Erkenntnis in ein theologisch wie philosophisch sine ira et studio entworfenes Bild der menschlichen Möglichkeiten einzuordnen, ist der im höchsten Grade produktive Sinn von Aldous Huxleys Studie.« (Christian E. Lewalter, DIE ZEIT)- Amazon

    129. Welches Buch hat dir im April am besten gefallen?

    Im zentralasiatischen nordöstlichen Kirgisien, irgendwo im Tal des Kukureuflusses, im Sommer des dritten Kriegsjahres 1943, hat sie sich abgespielt, »die schönste Liebesgeschichte der Welt« (Aragon). Said, der damals Fünfzehnjährige, der nicht wußte, wie Liebe sich zuträgt, erzählt sie mit großem Erstaunen.
    »Hier, in diesem hochmütigen Paris, das alles gesehen, alles gelesen, alles erlebt hat, merke ich plötzlich, daß mir Werther, Bérénice, Antonius und Kleopatra, Manon Lescaut, die Education sentimentale oder Dominique nichts bedeuten, weil ich Dshamilja gelesen habe«, schreibt Louis Aragon in seinem Vorwort.
    (Amazon)


    Ob jetzt die schönste Liebesgeschichte, oder einfach nur eine schöne Liebesgeschichte... es ist jedenfalls eine wunderbare Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat!

    122. Welches Buch möchtest du als nächstes lesen?

    Diesmal werde ich mich kaum umentscheiden können. Da ich noch zehn Tage in Edinburgh Urlaub mache, und neben meiner aktuellen Lektüre nur dieses Buch hier mitgenommen habe, wird es wohl meine erste Lektüre von V.S. Naipaul werden:


    Trinidad in den 40er Jahren. Der spätere Nobelpreisträger V.S. Naipaul war siebzehn und beherrscht von dem Wunsch, nach England zu gehen, um dort zu studieren. Ein junger Mann mit einem Nichts im Gepäck. Die Formlosigkeit des kolonialen Daseins konnte nur im Vorgang des Schreibens aufgehoben werden. Was wie eine Autobiographie anhebt, weitet sich zu einem halb fiktiven, halb dokumentarischen Lebensbuch, in dem sich persönliche Erfahrung mit weltgeschichtlichen und nationalen Ereignissen verbindet. (Amazon)

    121. Ein Buch, das du gerade liest

    Eine erschütternde Zusammenstellung von Gesprächen mit russischen Soldatinnen des Zweiten Weltkriegs. Wie wohl immer bei Alexijewitsch harte Kost und nicht geeignet zum raschen Durchlesen. Aber gut!

    Carl Spitteler - Imago :bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Rezension

    Ein junger Mann kehrt nach Jahren in seine Heimatstadt zurück und findet seine grosse Liebe verheiratet vor. Er fühlt sich verraten und seine in seinen Vorstellungen idealisierte Traumfrau entspricht auch wenig der nun vorgefundenen Person. Ein Roman über Erwartungen, Hoffnungen und vor allem Psychoanalyse. Thematisch gar nicht mein Fall...


    Carl Spitteler - Erzähler, Denker, Redner :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Rezension

    Der Verlag Nagel & Kimche hat zum 100jährigen Jubiläum der Verleihung des Nobelpreises der Literatur an Carl Spitteler, eine sehr gelungene Werksübersicht des Schweizer Schriftstellers erstellt. Allerdings fand ich seine Novellen, Gedichte und Kurzgeschichten eher mau, interessanter waren die Texte zu seinen Reden und politische Ansichten. Daher zwar eine gute Ausgabe, um sich einen Überblick zu verschaffen, aber durchwachsen im "Lesevergnügen"


    Edzard Schaper - Taurische Spiele :bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Rezension

    In den Kriegswirren treffen zwei gegnerische Offiziere aufeinander, der eine hilft dem anderen sich zu verstecken, und dadurch ist ihr Schicksal miteinander verknüpft. Als eine schöne Frau auftritt, kommt Liebe und Eifersucht ins Spiel und die Handlung wird ziemlich vorhersehbar. Eher seichte Erzählung ohne nennenswerte Spannung oder Überraschung.


    Tschingis Aitmatow - Dshamilja :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: :arrow: Meinung

    Eine sehr schöne Geschichte, über die Liebe, das Leben, das Singen, die Natur,... Lebensfreude beim Lesen! Diese Novelle war eindeutig mein Highlight im sonst qualitativ mauen April...


    William Hjortsberg - Angel Heart :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: :arrow: Rezension

    Ein Privatdetektiv sucht im New York der 1950er Jahre nach einem ehemaligen Schlagersänger. Ritualmorde folgen seiner Spur durch ein Veteranenkrankenhaus, diversen Jazzclubs und okkulten Veranstaltungen. Wer den Film kennt, braucht das Buch nicht zu lesen: keine weiteren Überraschungen oder Erkenntnisse.

    Autor: William Reinhold Hjortsberg
    Titel: Angel Heart
    Originaltitel: Falling Angel, erschien erstmals 1978
    Seiten: 302 Seiten, unterteilt in 48 Kapitel
    Verlag: area Verlag (Heyne)
    ISBN: 9783899968392


    Der Autor:
    William Reinhold Hjortsberg, geboren 1941 in New York City und gestorben am 22. April 2017 in Montana, war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Sein vermutlich bekanntestes Werk ist «Falling Angel», welches 1987 mit Robert de Niro und Mickey Rourke in den Hauptrollen und unter Hjortsbergs Mitarbeit als Drehbuchautor als «Angel Heart» verfilmt wurde.


    Inhalt:
    New York, Mitte der 1950er Jahre: Privatdetektiv Harry Angel wird über einen Anwalt vom zwielichtigen Louis Cyphre beauftragt, einen seiner früheren Geschäftspartner, Johnny Favorite, ausfindig zu machen. Die Spur führt zunächst zu einem Hospital für Kriegsveteranen, und von dort durch Jazzclubs und Voodoo-Veranstaltungen, und zugleich in einen Strudel aus Ritualmorden und Teufelskult.


    Meinung:
    Den Film habe ich vor Jahren mehrmals gesehen, konnte ihn vermutlich schon mitsprechen. Von daher war mir die Handlung vor dem Lesen schon recht klar und es gab fast keine Überraschungen mehr, weil die Verfilmung doch recht nah am Buch ist. Allerdings habe ich den Roman trotzdem gerne gelesen und fühlte mich gut unterhalten; die Atmosphäre New Yorks in den 1950er Jahren mit den Jazzclubs und okkulten Veranstaltungen waren klasse beschrieben (im Film wird dieser Part nach New Orleans verlegt). Die rund 300 Seiten sind in 48 kurze Kapitel unterteilt, da kommt man beim Lesen kaum zur Ruhe, und alle paar Seiten wird auch jemand ermordet oder wenigstens zusammen geschlagen. Eine rasante Geschichte also, bei der man besser auch nicht innehält, ansonsten fallen doch diverse Logikfehler auf. Ein Meilenstein der Krimiunterhaltung ist der Roman sicherlich nicht – der Film allerdings schon. Für mich einer der seltenen Fälle, wo der Film tatsächlich besser als die Romanvorlage ist.

    Ich habe tatsächlich auch eines gefunden:

    Zitat von Stephen King

    »Erschreckend... als hätte Raymond Chandler DER EXORZIST geschrieben. Ich habe so etwas noch nicht gelesen.«

    Vermutlich wie alle Marketingaussagen etwas übertrieben, so dolle war es nun nicht...

    Autor: Edzard Schaper
    Titel: Taurische Spiele, erschien erstmals 1971
    Seiten: 192
    Verlag: Jakob Hegner
    ISBN: 9783776401899


    Der Autor:
    Edzard Schaper, 1908 in Ostrowo (Polen) geboren und 1984 in Bern (Schweiz) gestorben, war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Sein bewegtes Leben verbrachte er in Ostrowo, Hannover, Stuttgart, Cristiansø (Dänemark), in Tallinn (damals noch Reval), in Finnland, Schweden und schließlich in der Schweiz. Während der Nazizeit wurden seine Bücher verboten und er selbst war vom deutschen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Deshalb floh er während einiger Jahre durch Europa, nahm diverse Gelegenheitsjobs an (Kriegsberichterstatter, Übersetzer, Waldarbeiter, Sekretär...), bis er nach dem Krieg im Oberwallis eine Heimat fand und erfolgreich für Fernsehen und Radio tätig war.


    Inhalt: (Klappentext, gekürzt)
    Bei den schweren Kämpfen in Polen im Spätherbst 1914 kommt es zu einer abenteuerlichen Begegnung zwischen zwei jungen Offizieren, einem Russen baltischer Herkunft und einem in Gefangenschaft geratenen Österreicher. Zwischen den ehemaligen Feinden erwächst aus soldatischer Kameradschaft eine herzliche Freundschaft, ja sogar brüderliche Zuneigung. Beide sind verwundet, und es gelingt dem Balten, von Zufällen begünstigt, den Österreicher unter falschem Namen in ein Genesungslazarett auf der Krim zu schmuggeln. Doch hier wird eine junge Frau zum Wendepunkt ihres gemeinsamen Schicksals.


    Meinung:
    Bislang kannte ich von Edzard Schaper nur die beiden Kurzromane „Die Legende vom vierten König“ und „Das Christkind aus den Wäldern“, die mir aufgrund der etwas christlichen und durchaus positiven, ermutigenden Grundstimmung sehr gut gefielen: Helden, die ihr Schicksal tapfer annehmen, und auch in schwierigen Situationen humanistisch handeln.

    Die Ausgangslage klingt ja schon mal vielversprechend: in den Kriegswirren treffen zwei gegnerische Offiziere aufeinander, der eine hilft dem anderen sich zu verstecken, und dadurch ist ihr Schicksal miteinander verknüpft und sie müssen sich überlegen, wie sie nach ihrer Genesung weiter machen wollen. Als eine schöne Frau auftritt, kommt Liebe und Eifersucht ins Spiel und die Handlung wird ziemlich vorhersehbar. Die Männerfreundschaft wird nun durch Misstrauen und Drohungen geprägt. Die ganze Erzählung verlor von da an ziemlich an Spannung und wurde nette Lektüre für nebenbei mit einem zusätzlich enttäuschendem platten Ende. Man hat sicher nichts verpasst, wenn man den Roman nicht kennt; aber dank der zuvor genannten beiden Kurzromane werde ich dem Autoren mit einem weiteren Buch nochmals eine Chance geben.

    Ach ja: «Taurische Spiele» - ich habe ewig im Internet gesucht, aber nichts Vernünftiges gefunden. Den Begriff «Tauris» kannte ich nur von Goethes «Iphigenie», und bezeichnet in diesem Roman die Halbinsel Krim, wohin es die beiden Helden verschlägt. Die erwähnten Spiele (Taurii ludi) fanden, gemäß Roman, im Jahre 186 v. Chr. statt, angeordnet durch Tarquinius Superbus, um die unterirdischen Götter (Hades) zu versöhnen. Und so gibt es ein Ziehen um die Seelen zwischen den unterirdischen Dämonen und den überirdischen Mächten (Liebe). Für mich war das Thema aber doch zu abstrakt und irgendwie nicht glaubwürdig / nachvollziehbar verarbeitet. Schade!

    Autor: Carl Spitteler
    Titel: Carl Spitteler: Erzähler, Denker, Redner...
    Seiten: 472
    Verlag: Nagel & Kimche
    ISBN: 9783312011223


    Der Autor:
    Carl Friedrich Georg Spitteler, geboren am 24. April 1845 in Liestal und am 29. Dezember 1924 in Luzern gestorben, war ein Schweizer Dichter und Schriftsteller. 1919 erhielt er für sein Versepos «Olympischer Frühling» den Literaturnobelpreis.


    Inhalt (Klappentext):
    2019 jährt sich die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an den Schweizer Autor Carl Spitteler zum hundertsten Mal – willkommener Anlass, an den vielseitigen Erzähler und seine noble Gesinnung zu erinnern und sich mit seinem vielseitigen Werk zu befassen. Anhand eines Querschnitts und kundiger Einleitungen machen die Herausgeber Stefanie Leuenberger, Philipp Theisohn und Peter von Matt das Denken und Wirken dieses herausragenden Mannes zugänglich und vergegenwärtigen ihn als streitbaren, vernunftbetonten Individualisten – Meilenstein der Schweizer Moderne von überraschender Aktualität.


    Meinung:
    Der Verlag Nagel & Kimche hat zum 100jährigen Jubiläum der Verleihung des Nobelpreises der Literatur an Carl Spitteler, eine sehr gelungene Werksübersicht des Schweizer Schriftstellers erstellt. Mehrere Kurzgeschichten, der Roman «Imago», über 40 Seiten Gedichte, bzw Auszüge aus seinen Versepen, ca 90 Seiten Reden (u.a. seine Rede zum hundertsten Geburtstag Gottfried Kellers, oder über den Gotthard, den Tunnel und die «Entweihung» der Alpen) und natürlich die politischen Texte, allen voran «Unser Schweizer Standpunkt», mit der er die Neutralität der Schweiz zum Ersten Weltkrieg begründete, und mithalf das vielsprachige Land zu einen. Eine wirklich sehr gute Sammlung, um einen umfassenden Überblick über Spittelers Werk zu bekommen, nachdem seine Texte heutzutage eher schwer erhältlich sind... Insofern: sehr empfehlenswert.
    Abzüge gibt es daher nicht etwa für die Aufmachung, sondern tatsächlich kann ich mit Spittelers Texten wenig anfangen. Die Kurzgeschichten war so lala, der Roman «Imago» war zäh, lediglich seine Reden und politischen Texte fand ich spannend. Diese Texte, sozusagen aus dem Feuilleton, zeigen einen interessanten, sympathischen Menschen, einen guten Beobachter, der intelligent formuliert. Aber um seine fiktionalen Texte mache ich zukünftig einen weiten Bogen.

    Ich las den Roman übrigens in diesem Sammelband, in dem auch diverse Erläuterungen enthalten sind, die die Erzählung in zeitlichen Kontext setzt - und generell Spittelers Bedeutung für die Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt.