Beiträge von Nungesser

    265. Welches Buch hast Du Dir als letztes gekauft und warum?

    Meine Schwiegereltern leben gegenüber von einer riesigen Bücher-Brocky, wo Taschenbücher lediglich 2 CHF kosten. Natürlich werde ich dort immer fündig. Beim letzten Mal habe ich eine neuwertige Ausgabe dieses Reiseberichtes gekauft, auch weil der Schrifststeller erst vor wenigen Wochen verstorben ist und ich noch nichts von ihm gelesen habe.


    Trinidad in den 40er Jahren. Der spätere Nobelpreisträger V.S. Naipaul war siebzehn und beherrscht von dem Wunsch, nach England zu gehen, um dort zu studieren. Ein junger Mann mit einem Nichts im Gepäck. Die Formlosigkeit des kolonialen Daseins konnte nur im Vorgang des Schreibens aufgehoben werden. Was wie eine Autobiographie anhebt, weitet sich zu einem halb fiktiven, halb dokumentarischen Lebensbuch, in dem sich persönliche Erfahrung mit weltgeschichtlichen und nationalen Ereignissen verbindet.

    260. Ein Titel, der eine Blume enthält

    Da passt ja prima meine aktuelle Lektüre! Leider nur noch ein paar Seiten zu lesen, aber klare 5 Sterne werden es wohl. Wirklich klasse geschrieben, unterhaltsam, keinerlei Längen...


    Die schwarze Dahlie (1987; Originaltitel The Black Dahlia) ist ein Roman von James Ellroy, der in Los Angeles zwischen 1947 und 1949 spielt und auf einer wahren Geschichte – dem Mord an Elizabeth Short – basiert.

    250. Ein Titel mit 7 Buchstaben

    Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Janki Meijer, aus der französischen Armee entflohen, mischt die Familie des Viehhändlers Solomon Meijer, der im Judendorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf.
    Wie sich die Geschichte dieser weit verzweigten jüdischen Familie bis ins Jahr 1945 entwickelt, erzählt Lewinsky mit einer solchen Gestaltungskraft, dass der Leser unweigerlich zu einem bangenden und hoffenden Teil der Familie wird. (Amazon)

    Diese Erzählung ist eine mir ganz neu erscheinende Mischung zwischen Roman, präzisen Beschreibungen (z.B. der Bauten, Bahnhöfe etc.), fast tagebuchähnlichen Bemerkungen und auch schwarz-weiß Photos sowie Skizzen, die das Realistische des Buches unterstreichen. Es liegt klar auf der Hand, dass Sebald viel recherchiert hat für dieses Buch. Diese Gründlichkeit mag erklären, dass er in seiner Schaffenskraft „nur“ 4/5 Romane geschrieben hat?!

    Gemäss unten verlinktem Interviewband ist eine ausgiebige Recherche für W.G. Sebald unabdingbar für ein gutes Buch. Idealerweise sei man zuvor 10 Jahre als Reporter tätig, bevor man Schriftsteller wird – Joseph Roth sei ein prima Vorbild hierfür.


    Insofern stellt Sebald auch an sich selbst den Anspruch, keine reine Fiktion zu schreiben, sondern eben «Prosabücher unbestimmter Art». Diese Vermischung zwischen Text und Fotos, die den Inhalt «belegen» sollen, der erdachten Handlung einerseits und der ausgiebigen, informationsreichen «Berieselung» andererseits, sind wirklich ungewöhnlich und begeistern vielleicht nicht Jeden. Sicherlich ist sein Schreibstil ohnehin gewöhnungsbedürftig. Mir gefallen seine Formulierungen und seine Wortwahl sehr, ich habe manche Seiten mehrmals gelesen. Aber, und das las ich in einigen Rezensionen über seine Bücher häufiger, seine Sprache klingt leicht veraltet, wie aus der Zeit gefallen.

    In den Interviews erklärte er sich so, dass er eben seit vielen Jahren im Ausland lebt, die deutsche Sprache nicht «aktiv» lebt, und er sich mangels Erfahrung an «Alltagsdeutsch» auch ausserstande sieht, Dialoge zu schreiben.


    Dafür also dieser kaum endende Informationsfluss, scheinbar wahllos diverse Themen streifend. Auch hier verstehe ich, dass dieses Episodenhafte ermüden kann, dass man den roten Faden vermisst und sich zwischendurch fragt, was denn die Diskussion über bspw die Architektur von der Festung Breendonk soll. (In einem Interview meinte Sebald übrigens, die Festung stünde exemplarisch für den Wahnwitz der kollektiven Bemühungen bizarre Projekte zu entwickeln: geometrisch detailliert, aber doch wahnsinnig du so vom Designer nicht erkannt.)


    Allerdings wundere ich mich ein wenig über die beklagte Gefühlskälte im Roman. Sicherlich ist der Ich-Erzähler distanziert: er erzählt uns von lange zurück liegenden Treffen, bei denen ihm Austerlitz seine Recherchen und Erlebnisse schildert. Bei einem solchen Erzählaufbau (und ohne Dialoge) ist es tatsächlich schwieriger Emotionen zu vermitteln. Dennoch hat mich die Geschichte sehr angesprochen, womöglich mehr in dieser Form als durch direkt / offensichtlich adressierte Schicksalsbeschreibungen. Und tatsächlich bleiben die grossen Emotionen aus: Austerlitz wird bei seinen Recherchen und Erkenntnissen nicht glücklicher oder ein anderer, besserer (?) Mensch. Konsequent, dass der Roman ein wenig abrupt aufhört, auch wenn sich der Kreis etwas schliesst… Dennoch ist diese Lektüre eine für mich seltene Ausnahme, bei der das Buch nachwirkt und mit zeitlichem Abstand «gewinnt». Anfangs blieb ich etwas ratlos zurück, aber gedanklich liess mich das Buch nicht los und mir gefällt es nun noch besser als direkt nach dem Lesen.


    Ich habe den Eindruck, dass ich meine Gefühle zu dem Roman hier ein wenig unstrukturiert hinterlasse, aber auch nach Tagen kriege ich es nicht besser hin, will ich nicht dreimal soviel Text schreiben. Denn es gäbe noch soviel zum Roman selbst zu schreiben, als auch zu Parallelen zu Sebalds Leben und weiterer Sekundärliteratur.


    Daher möchte ich mit diesem Hinweis abschliessen:
    Der bereits erwähnte Interviewband enthält u.a. Gespräche zu «Austerlitz», in denen Sebald über den Sinn seiner Fotos spricht (Nahtstelle zwischen Leben und Tod), ob er sie selbst macht oder irgendwo findet (halb/halb), ob ein deutscher Autor über jüdische Biographien schreiben sollte (Austerlitz ist eine Verbindung aus zwei realen Vorbildern), weshalb er beim Thema Kindertransport auf Melodramatik verzichtet (es ginge sonst die ästhetische Authentizität verloren), und weshalb sein Protagonist überhaupt «Austerlitz» heisst (jeder denkt an die Stadt und die Schlacht Austerlitz, aber Fred Astaire wurde als Frederick Austerlitz geboren, dessen Vater hatte jüdische Wurzeln und stammt aus Österreich-Ungarn).

    244. Ein Buch, das du gerade liest

    Immer mal wieder lese ich derzeit auch in einem Gedichtband von Giosuè Carducci.


    Giosuè Carducci (1835-1907) war ein italienischer Dichter, Redner und Literaturhistoriker. Schon früh war Carducci mit kleinen literarhistorischen Arbeiten in Zeitschriften hervorgetreten, desgleichen mit einer lyrischen Sammlung: Rime (1857). Kräftiger kam die Eigenart des Dichters in den weiteren Sammlungen: Levia gravia (1868) und I Decennali, zum Ausdruck. Hier verrät er sich als ein Poet von ungewöhnlicher Kühnheit und Originalität des Gedankens. Der verneinende Geist, die rebellione, die forza vindice della ragione, wird darin mit schlagender Gewalt der Sprache als die treibende Kraft des Menschenlebens und der Weltgeschichte, als der Genius geistiger Unabhängigkeit und Schrankenlosigkeit, als Prinzip allen Fortschritts gefeiert. Seine Vorliebe für die altrömische Vergangenheit regte ihn auch dazu an, die Horazischen Odenstrophen in seinen Odi barbare (1880) und Nuove odi barbare zu erneuern. 1906 erhielt Carducci den Nobelpreis für Literatur. (Amazon)

    drawe , herzlichen Dank für das Angebot, aber den Jirgl darfst Du behalten. Ich dachte zunächst beim Blick ins Buch, diese Schreibe sei eine Phantasie-Orthographie des 23. Jahrhunderts (Amazon-Rezi), sozusagen nur für diesen Roman mal spasseshalber verwendet (über 500 Seiten so?).

    Aber wenn es tatsächlich es so ist, (wie ein anderer Amazon-Rezensent schrieb), dass sich Jirgls alle Bücher so lesen, als wenn ein Legastheniker den Text verfasst und der Verlag (immerhin dtv und Hanser) sich den Spass erlaubt, diese „Ergüsse“ nicht an die gängige Rechtschreibung anzupassen, dann streiche ich den Autoren komplett von meiner Leseliste...

    Wer sich diese Zumutung mal antun möchte, werfe beim grossen A mal einen Blick ins Buch - und nur deswegen poste ich heute ein Buch doppelt :-)

    239. Ein Cover, auf dem ein Mond zu sehen ist

    Ich biete ebenfalls einen Mond, der angeheult wird - allerdings nicht von Werwölfen, sondern von unglücklichen Menschen, die vom Kapitalismus, der Grossstadt, dem Moloch unterdrückt werden und verzweifelt auf der Suche nach Freiheit sind.

    236. Ein Titel, der das Wort "Wissen" enthält

    Die Idee ist eigentlich ganz nett: man gibt bei Google (oder einer anderen Suchmaschine im Internet) eine Floskel ein, und schaut, welche Antwort ausgegeben werden. Wer also schon immer wissen wollte, wie es bei Hempels unterm Sofa ausschaut, was nicht von schlechten Eltern ist, und was alles Bilder für die Götter sind - hier steht es! Jedenfalls die Suchergebnisse aus dem Jahr 2006.

    234. Ein Buch, das du empfohlen bekommen hast

    Vergangene Woche gleich zweimal.


    Dieses Buch ist ein unerschrockenes Statement im Namen der Opfer über den einsamen und verzweifelten Kampf von Carla del Ponte für Menschenrechte und für den Frieden. Im Oktober 2017 gab Carla del Ponte überraschend ihren Rücktritt als UNO-Sonderberichterstatterin von Syrien bekannt. Die frühere UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte wirft der internationalen Gemeinschaft im Syrienkonflikt kollektives Versagen vor. Gräueltaten, wie etwa jene der Terrororganisation IS, habe sie zuvor noch nie gesehen, nicht in Jugoslawien, nicht in Ruanda. (Amazon)

    233. Stichwort "Glück", welches Buch fällt dir dazu ein?

    Hans erhält für sieben Jahre harte Arbeit einen großen Klumpen Gold. Doch schwer lastet der Besitz auf seinen Schultern. Hans tauscht das Gold gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, bis er zum Schluss ganz ohne Besitz sein wahres Glück findet. (Amazon)

    232. Welches Buch steht am längsten auf deiner Wunschliste?

    Laut BT-Merkliste ist es dieses hier, ein Campus-Roman über die Uni Oxford. Es bleibt seit Jahren brav auf der Liste, bis ich mal eines der anderen Bücher des Autoren gelesen habe, die es bereits auf den SUB geschafft haben. Denn die Rezis und Bewertungen seiner Romane hier im BT sind nicht allzu begeisternd, und vielleicht gefällt mir sein Schreibstil ja ebenfalls nicht...

    Zitat

    In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre bin ich, teilweise zu Studienzwecken, teilweise aus anderen, mir selber nicht recht erfindlichen Gründen, von England aus wiederholt nach Belgien gefahren, manchmal bloß für ein, zwei Tage, manchmal für mehrere Wochen.

    Direkt nach dem ersten verschachtelten Satz habe ich wieder grosse Lust W.G. Sebald zu lesen. Zudem gibt es wieder diverse Bilder, die einen nahen, realen Bezug zum Geschilderten suggerieren. Da muss ich nicht mal mehr googeln, wie denn nun die sternförmige, zwölfeckige Architektur einer bestimmten Festung ausschaut. Auf den ersten 50 Seiten wird viel über Architektur gesprochen (finde ich immer interessant), aber auch ums Scheitern, wenn „unsere besten Pläne im Zuge ihrer Verwirklichung sich verkehrten in ihr genaues Gegenteil“.

    229. Ein Titel, der das Wort "Name" enthält

    Ganz weit oben auf meinem Merkzettel, nicht nur dieses Buch sondern alles von diesem Schrifsteller.

    Man schreibt das Jahr 1591, Istanbul ist vom Schnee bedeckt. Ein Toter spricht zu uns aus der Tiefe eines Brunnens. Er kennt seinen Mörder, und er kennt auch die Ursache für den Mord: ein Komplott gegen das gesamte Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur, seine Tradition. Darin verwickelt sind die Miniaturenmaler, die beauftragt sind, für den Sultan zehn Buchblätter zu malen, ein Liebender und der Mörder, der den Leser bis zum Schluß zum Narren hält. Ein spannender Roman, der, als historischer Krimi verkleidet, immer wieder auch auf die gegenwärtige Spannung zwischen Orient und Okzident verweist. (Amazon)

    225. Die Serie, die du zuletzt beendet hast

    Im Januar 2017 habe ich tatsächlich mal eine Serie zu Ende gelesen. Das kommt äusserst selten vor, aber diese Trilogie kann ich sehr empfehlen.

    Dieses hier ist übrigens der dritte, letzte und beste Teil um einen Jungen, der in der Kälte Islands einige Verluste erleiden muss!

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