Wahl der besten Bücher im BücherTreff

Beiträge von Singingturtle

    Also, ist es zu gewagt, zu behaupten, dass ich selbst das Gefühl hatte, dass der von mir außerordentlich verehrte Terry Pratchett im Tod von Granny Weatherwax nachdenkliche Gedanken über seine eigenene nur noch sehr kurze Lebenszeit verarbeitet hatte? Alle, denen ich jetzt zu nahe trete, bitte ich um Entschuldigung, doch was ich sagen möchte ist Folgendes:
    Die Art, wie Granny Weatherwax ihr Ableben vorbereitet, liest sich so geordnet, so innerlich ruhig und gar nicht nach inneren Kämpfen. Eher nach einer Art innerem Frieden, der nun alles in die Hand der nächsten Generationen geben kann. Ein beruhigtes Loslassen...
    Was wäre, wenn good old Terry Pratchett uns damit etwas signalisieren wollte? Über die Art zu trauern?
    Aber bitte, Interpretationen sind immer sehr subjektiv, diese ganz besonders.

    Endlich! Nach zwei Wochen Anmeldeproblemen konnte ich mich wieder einloggen, diesmal mit einem anderen Rechner, der erst einmal wieder "internetfit" gemacht werden musste. Drückt mir die Daumen, dass das weiterhin klappt, mein normaler Rechner schafft komischerweise die Anmeldung noch immer nicht.
    Sorry, wenn jemand in der Zwischenzeit versucht hat, mich zu erreichen.

    Voller Vorurteile über blutrünstige Leichenfunde oder dunkeldüstere Schilderungen in den nordischen Krimis ging ich an das Buch. Ein Arbeitskollege hatte es mir kredenzt. Und: nee, es ist erfreulich spannend. Genau das Richtige, bisher ohne Blut, um es in ferienhafter Stimmung am Strand oder unter einem schattigen Bäumchen zu lesen. Und: eine rätselhafte Geschichte nimmt langsam ihren Lauf. Sie hätte es sogar ein wenig schneller tun können.
    Zu empfehlen!

    Kegelberge - ein Beziehungsroman


    Mein erster Roman "Kegelberge" ist nach den markant hügelig geformten Bergen in China benannt worden, doch er spielt überwiegend in Köln und auch an der Nordsee zwischen 2007 und 2010. Aber das Motiv der Kegelberge verknüpft die Hauptfiguren thematisch miteinander. Die Figuren sind Suchende, sechs Menschen, die feststellen, dass sie in ihrem Leben noch nicht angekommen sind und nur dadurch, dass sie zusammenfinden, können sie ihr Leben bewegen. In den Kegelbergen passieren manchmal seltsame Dinge... Doch nicht alle Katastrophen lassen sich verhindern und: wer wird am Ende zusammenfinden?


    Nez hat das Leben als ewige Praktikantin satt, ebenso wie die Beziehung zu Lars, ihrem Lebenspartner, Arbeitskollegen und Konkurrenten um eine frei werdende Stelle in der Redaktion der Stadtzeitung. Sie muss sich von Lars trennen, bevor sie vierzig wird, denn mit vierzig, denkt sie, sei "alles vorbei". Der Abend ihrer Trennung mündet für Nez in einer Katastrophe, aus der sie mit Hilfe ihrer Freundin Constanze und deren Nachbarn Xie wieder herauszufinden sucht. Constanze selbst wandelt jedoch als überforderte Erzieherin in einem Jugendheim am Rande eines Nervenzusammenbruchs und ihr Nachbar Xie... der illegale "Küchenchinese", wird zum Herzen der Gruppe, gemeinsam mit Domenica, der polnischen Altenpflegerin und Geliebten von Nez´ Vater. Die Geschichte zeigt auf persönlicher Ebene, wie sich jede der Hauptfiguren mit ihrem eigenen Hintergrund und seinen Lebensträumen auseinandersetzen muss, und wie Menschen sich unerwartet trennen oder neu finden, und sich scheinbar Fremde zu einer kleinen Wahlfamilie zusammenschließen können. Wo wird die gemeinsame Reise unserer Freunde enden?


    Während des dreijährigen Schreibprozesses haben mich zwei Hauptgedanken angetrieben: Man gibt zu wenig Acht auf die Menschen, die man liebt, und: Lasst uns den wertvollen Augenblick erkennen, wenn wir ihn leben. Es ist am ehesten ein Beziehungsroman und ich möchte wirklich alle Lesefreundinnen erreichen, daher ist er in einer eher alltäglichen Sprache gehalten. Meinen Vorurteilen gemäß glaube ich, dass der Roman Frauen ab 30 am ehesten interessieren könnte, ohne dass ich ihn als "Frauenroman" betiteln möchte.


    Ich freue mich auf einen interessanten Austausch und legt euch wirklich schon einmal ein paar Tempos für die letzten Kapitel bereit. Auch ich musste bei jedem (ungelogen) Korrekturdurchgang noch ein paar Tränchen wegdrücken.
    :cry: (Trotzdem viel Freude, denn darauf kommt es an! :) )


    P.S.: Ich bedanke mich bei Christine Thomas für das schöne Cover.

    Schreibend und lesend die Welt verändern... das war immer mein Traum! Auf dem Lande (Saarland) aufgewachsen, war oft die einzige Möglichkeit, sich neue Welten zu eröffnen das Lesen und so ist es heute noch für mich, wenn ich einen tausend Seiten langen Wälzer aufschlage. Dieselbe Freude habe ich dann ebenfalls erlebt, als ich meinen ersten Roman geschrieben habe, bisher auch mein einziger (Kegelberge). Aber alles, was die großen Schriftsteller sagten, stimmt: man "lebt" mit seinen Figuren, man beginnt, sie zu lieben und als Teil der eigenen Umgebung wahrzunehmen. Schade eigentlich, wenn man mit dem Schreiben fertig ist...
    Hobbies:


    Tai Chi Chuan, Qi Gong, Waldspaziergänge, Gartenchillen, Harfe spielen, Konzerte aller Art besuchen, Katzen kuscheln, LESEN, LESEN und LESEN

    Ein hervorragendes Buch, das mit jeder Seite spannender wird. Bewundernswert: wie die Autorin es mit einem ganz einfachen erzählerischen Arrangement - psychologische Lebensbeichte vor einem Arzt mit wissenschaftlichem Interesse nach dem Muster der Sheherazade-Situation - schafft, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Figur Grace allein wird auf geschätzten 300 Seiten (nur die Grace-Handlung) so vielschichtig und auch interessant dargestellt, dass man immer weiterlesen könnte. Kaum Wiederholungen oder Längen, außer die notwendigen Inhaltsmotive, die immer wieder auftauchen, wie zum Beispiel Marys Kleidung oder die "roten brennenden Augen", die sie des Nachts verfolgen. Ein wenig Schade, dass die Figur des Dr. Jordan am Ende doch eher sang- und klanglos verschwindet, obwohl die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren so vielversprechend aufgebaut worden ist. Dass es zu keiner "einfachen" Lösung kommen konnte, wird spätestes klar, wenn man sich den Titel genauer anschaut: Bei einer einfachen Lösung hätte er zum Beispiel "Alias Mary" heißen können. So gibt das Buch viele interessante Denkanstöße und Fragen auf, wie bisher alle Atwood-Romane, die ich gelesen habe. Aber ich schließe mich den Vorrednern gerne an, dass "Die essbare Frau" das mit den meisten Längen ist und man vielleicht nicht gerade damit einsteigen sollte.

    Paloma würde ich nicht zum Tee einladen. Denn wie viele meiner Vorredner finde ich ,dass sie konstruiert wirkt. Ihre Worte könnte keine Dreizehnjährige so wählen, nicht mal eine Frühreife und Hochintelligente, denn einer realen Person würde die Lebenserfahrung einer Erwachsenen fehlen, die in Palomas Perspektive jedoch allzu deutlich zutage tritt.
    Anders die Concierge Renée. Sie wirkt trotz oder auch aufgrund ihrer psychischen Deformation, die sie dieses absurde Versteckspiel spielen lässt, geradezu liebenswert menschlich. Solche Menschen gibt es, sie hier in dieser Form zu Wort kommen zu lassen, ist spannend. Aber als psychologische Charakterstudie sollte man "Die Eleganz des Igels" trotzdem nicht lesen, es bleibt zu wenig Essenz.
    Besser ist der Blick auf die kleinen philosophischen Traktate: Die Philosophin schlägt hier gnadenlos zu.Vieles ist alltäglich und geht über philosophische Bauernweisheiten nicht hinaus. Anderes ist jedoch reizend und bereichert den Alltag des Lesenden. Beispiel: Die Momente der Einsamkeit, die man so sehr auskosten kann, wenn man dadurch ganz zu sich selbst findet und ein quasi-diebisches Vergnügen in der vollkommenen Gegenwart seiner selbst empfindet. Schöner Gedanke. Von diesen zwar nicht schwierigen Gedanken (eine einfachere Sprache hätten sie durchaus vielleicht noch "eleganter" ausdrücken können, aber auch sprachlich handelt es sich offensichtlich um einen Igel bei diesem Buch), aber sehr interessanten Alltagseinsichten gibt es im Buch eine große Menge.
    Daher werde ich es vielleicht sogar noch einmal lesen, ein "Badewannenbuch".

    Auch ich finde, dass es ein wertvolles Buch ist und durchaus einige Gedanken freisetzt: Zum Beispiel ist in diesem Staat ganz zu Beginn eine Demokratie, die mit einem gekonnten Staatsstreich geradezu weggewischt wird. Problemlos, was für Leser/innen, die mit mehreren Jahren Geschichteunterricht oder demokratischer Sozialisation ja schon eine unerwartete Katastrophe bedeutet. Die zweite Herausforderung ist die Frage: Was passiert, nachdem ein faschistoider Staatsstreich gekonnt abgewehrt worden ist und die "Übergangsregierung", der ungewollte Diktator Ash Gooregan - der so wenige Diktatoreneigenschaften zeigt, dass er einem bis ca. Seite 300 unendlich leidtut - eigentlich auch gerne abtreten würde? Wann ist eine Krise zuende und wieviel Diktatur ist "gut", um das Böse abzuwehren?
    Diese Frage wird im Buch an mehreren Stellen evident und regt auf angenehme, aber nicht aufdringliche Weise dazu an, auch Was-wäre-wenn-Gedanken weiterzuspinnen. Sie ist die Gretchenfrage jeder Demokratie und hier gut gezeigt. Was aber den Handlungsrahmen und die Komplexität begrenzt, ist die doch sehr geschlossene Bühne des Stadtstaates Ciena, was so in der Realität ja kaum vorkommen kann. So könnte man die Geschichte eher als ein kleines Exempel dafür sehen, wie unüberschaubar die dargestellte Situation in Wirklichkeit sein müsste. Neben dem politischen Tiefgang auch jede Menge Romantik für unser Herz. Tolles Buch (ein bisschen der langen Schlacht am Ende könnte man wegkürzen, ca. 100 Seiten weniger hättens für mich auch getan).