Beiträge von cyphella

    ...oder auch "die Götter müssen verrückt sein"! Es ist schon erstaunlich, wie die Vorstellungswelt von damals war, aus unserer Sicht nur noch bedingt nachvollziehbar. Die Geschichten erscheinen, zumindest in der verkürzten Version, unlogisch und kindisch, aber fantasievoll und witzig zugleich. Allwissende Götter führen sich ständig gegenseitig hinters Licht, Raum und Zeit werden ausgehebelt, so manch Gott ist Opfer seiner Triebe und Impulsivität, aber unnötige Grausamkeit wird am Ende gerächt. Auf jeden Fall unterhaltsam.

    Guten Morgen!
    Winter is coming! Schneegestöber, lange Anfahrten und Krankenvertretung machen es mir gerade schwer, ordentlich viel zu lesen, deswegen hänge ich noch irgendwo auf Seite 320....Ich hoffe ich bekomme noch den Anschluss und lese auch immer wieder gerne quer hier, nur ausführliche Posts schaffe ich gerade nicht. Liebe Grüße!!! :winken:

    Was mir gerade einfällt, wenn ich an seine Physiognomie denke: kann es sein, dass er das Down-Syndrom hat?

    Das könnte sein :-k , auch seine kindliche Art...Allerdings kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Trisomie-Menschen damals so alt werden konnten.
    Später werden aber Inselbegabungen beschrieben, ich glaube, wir haben es mit einem Autisten zu tun (die ja auch eine andere Grunderkrankung haben können).
    Ist Canterbury eigentlich der Ort, wo "die Säulen der Erde" spielen? Das habe ich mal vor 20 Jahren gelesen, aber irgend etwas klingelt da bei mir...

    Drawe schrieb:

    Noch was finde ich erstaunlich: wie die Tante sich in der Auseinandersetzung mit den Murdstone vorbehaltlos
    auf die Seite des Kindes schlägt. Und schließlich das Kind fragt, wo es leben möchte. Das machen unsere
    Familiengerichte erst seit einigen Jahren....

    Ja, das fand ich auch erstaunlich. Und obwohl sie so verschroben und eingeschränkt ist in ihrem Männerbild, hat sie es doch hervorragend geschafft, die Situation richtig einzuschätzen. Sie scheint eine Menge Menschenkenntnis zu haben, denn Ihre Vorstellungen von Davids Mutter, den Murdstones als auch von Mr. Dick liegen ja nicht allzu sehr daneben....
    Das mit den Eseln ist allerdings sehr skurril. Insgesamt scheint es so zu sein, dass die Tante ein großes Herz hat, aber wenn man es einmal mit ihr verscherzt hat, dann ist Land unter :lol: .
    Dickens gewinnt gerade meine uneingeschränkte Sympathie: er scheint sich auf der Seite der Benachteiligten in seiner Zeit zu stellen, für die Kinder, Kranken, Frauen, Verrückten, Armen....und das mit ganz viel Humor

    Ähnlich wie David setze ich meine ganze Hoffnung auf die Tante. Sie wird sicherlich noch eine wichtige Rolle spielen. @drawehat es oben ja schon erwähnt: bereits im 8. Kapitel ruft uns Peggotty die alte Dame als potentielle Retterin ins Gedächtnis. Ich wünsche es ihm so sehr!
    Diese ganze Episode mit den Micawbers fand ich höchst wunderlich: wie Sie David los Vertrauten behandeln, ihn i mit reinziehen, im Positiven wie im Negativen, ihn integrieren aber auch irgendwie benutzen. Und sehr gestaunt habe ich auch über die historischen Facts mit dem Schuldnergefängnis 8-[ , irgendwie eigenwillig...

    Mich bringt er nicht zum Weinen, das schafft so leicht keiner. Überhaupt bei Romanen, da denk ich mir, ist doch alles nur erfunden (wenngleich mit realem Hintergrund, aber diese Figuren hat es so eben nie gegeben).Bei Sachbüchern ist das anders, das sind ja Tatsachen. Die Menschen litten ja wirklich und oft ganz schrecklich. "Die Ehre des Scharfrichters" musste ich beispielsweise abbrechen, das hat mich emotional zu sehr mitgenommen.

    Bei unseren Sachbuch-LR halte ich mich da ganz an @Squirrel. Mir gefällt, wie sie sich von den Ereignissen distanzieren, und auch mit grauenhaften Tatsachen gut umgehen kann.Distanz ist die beste Methode, glaube ich ...

    Ich glaube, bei mir sind es Bilder, Worte ( und außerhalb von Büchern Musik) die anrühren, deswegen gelingt es mir bei Sachbüchern besser mich zu distanzieren, während ich mich bei Romanen auch gerne fallen lasse. Dickens gelingt es besonders gut, in mir eine Saite anzuschlagen, dass auch mal die Tränen fließen. So was ist mir eigentlich sehr peinlich, aber das ist ja das Schöne an Büchern: man kann sich ganz zurückziehen....

    Seit ich Kinder habe, nehmen mich solche Geschichten furchtbar mit. Mensch, waren diese zwei Kapitel wieder emotional, wie David seit Mutter und Peggotty wiedersieht, diese Glückseligkeit...und über allem schwebt schon die Todesahnung, dann dieses Bild, wie sie ihn :cry: verabschiedet ....
    Immerhin lässt uns Dickens nicht allzu lange hängen, gleich in Kapitel 8 erfährt David das Schlimmste, diesmal zeigen alle etwas Taktgefühl und Rücksicht, was er ja auch ein bisschen genießt. Diese kindliche Ehrlichkeit fand ich ganz süß. Auch sehr süß fand ich Traddles, der David ausgerechnet Gerippe-Zeichnungen als Trost schenkt :wink: .
    Und dann der Besuch bei M. Omer : „ich kannte Ihrn Vater. Er war 5Fuss neuneinhalb Zoll hoch und liegt 25 Fuß tief in der Erde“ Rattattattat. :totlach: Das ist echt tiefschwarzer englischer Humor.Insgesamt scheint die Familie recht herzlich und fröhlich zu sein, womit David verständlicherweise nicht viel anfangen kann. Ich war sehr erleichtert, dass Peggotty ihn gleich in Empfang nehmen durfte und ein bisschen überrascht, dass Murdstone tatsächlich wohl in Trauer ist.
    Peggotty erzählt mit großer Zärtlichkeit von den letzten Tagen der Mutter, wieder nimmt mich die Sprache mit, die Bilder, die sie hervorbringt. Ich muss jetzt erstmal tief durchatmen.
    Habt ihr verstanden, woran sie gestorben ist? Kann ja eigentlich nur Schwindsucht oder etwas anderes infektiöses :-k sein, wenn der Kleine auch gestorben ist.
    Sorry meine Smileys platzieren sich häufig falsch, liegt am Tablet :uups:

    Hui, was für ein schönes Buch....ich habe schon lange keinen romantischen Roman mehr gelesen, aber das Warten hat sich gelohnt. Außerdem war das Buch eine perfekte Einstimmung auf Mein MLR David Copperfield ( zumindest waren die Passagen in London bestimmt von Dickens inspiriert).

    So, habe jetzt auch das 7. Kapitel gelesen, das mich emotional sehr mitgenommen hat. Ich finde es wunderbar beschrieben, wie hin- und hergerissen Copperfield ist angesichts des Streits zwischen Mell und Steerforth, die ihm beide bisher einen gewissen Schutz geboten haben, jeder auf seine Art und Weise. Mell eher mit dem Gefühl der Wärme und Geborgenheit, sei es durch die Musik, Steerforth eher im Sinne von wohlgesonnener Macht. Ich hatte das Gefühl, Steerforth weiß sehr wohl, dass er seine Position hart verteidigen muss und sich keine Schwäche erlauben darf. Macht bringt Verantwortung, ich finde, an einigen Stellen zeigt er diese auch. So verteilt er die Schätze schließlich unter den Kindern und behält sie nicht alleine (das wäre sicherlich auch zu offensichtlich eigennützig). Jedenfalls weiß er sehr gut, manipulativ zu handeln, ob es ihn deshalb gleich zu einem schlechten Menschen macht? Glaubt ihr übrigens, Traddler hat zufällig die schlechte Krabbe erwischt und ist aus Versehen krank geworden ?
    Wie oben erwähnt: wir werden sehen... :wink:
    vielleicht sind wir alle etwas verwirrt, weil Dickens bisher die Figuren wesentlich eindeutiger schwarz-weiß gezeichnet hat.

    Endlich komme ich zum Schreiben, bin jetzt beim 7. Kapitel angekommen. Ich glaube auch, dass Steerforth uns noch beschäftigen wird, er kommt mir vor wie eine Spinne im Netz, und die Frage, ob Davy eine Schwester hat, hat bei mir alle Alarmglocken schrillen lassen. Ich glaube einfach, dass ein so ausführlich beschriebener Schönling an einer Schule in den wenigsten Geschichten gut besetzt ist. Und der Beschreibung schwingt etwas unheilvolles mit.
    An dieser Stelle finde ich Dickens wieder mal bewundernswert, seine Art, einerseits aus de Sicht des Kindes zu beschreiben und gleichzeitig als Erwachsenen-Erzähler eine erweiterte Draufsicht mit einzufügen, finde ich genial.

    Ich bin mit diesem (Hör)Buch nicht so richtig warm geworden und musste mehrere Male unterbrechen, weil mich das Zuhören dermassen ermüdet hat,dass ich fast nicht mehr weiterfahren konnte. An sich war das Thema (Umgang mit Kunst und Künstlern in diktatorischen Regimen) und die Annäherung an das Thema (das psychologische Porträt eines Künstlers) interessant...vielleicht hätte ich mich eher lesend mit dem Stoff auseinandersetzen sollen,für nebenher war es eher nichts.

    @drawe: Danke für den Link, dass Eihäute früher als Glücksbringer fungierten, habe ich bisher auch nicht gewusst.
    Ich habe jetzt auch das 1. Kapitel gelesen und möchte mir auch ein Kapitel pro Tag vornehmen.
    Mir kommt die Übersetzung ebenfalls gestelzt vor, aber ich denke, man wird sich daran gewöhnen.Mir gefällt das Kapitel ausgesprochen gut, insbesondere wie die Tante im Laufe des Geburtsverlaufs zunehmend die Contenance verliert und den armen Boten schüttelt :totlach: .

    Da mein soeben beendeter Roman so eine schöne grellorangene Schrift hat, habe ich mich nun doch auch dazu entschieden, mir eine Jahresaufgabe zu stellen. Der Farbkreis von Itten bietet doch einige Inspiration...
    Tyll und ich wurden nur so halb warm miteinander. Eigentlich bin ich großer Fan von Kehlmann, diesmal fand ich dieGeschichte sehr störrisch- vielleicht lag es auch an der Lesung von Ulrich Noethen, vielleicht einfach nur am unbequemen Stoff (30 jährigem Krieg). Ich habe viel gelernt über die Zeit, fand auch den angepassten Erzählstil stimmig, nur blieb mir der Tyll etwas unbestimmt, mal traumatisierten Kind, mal historische Figur, mal Spiegel, mal roter Faden- mir ist nicht so ganz klar, welche Rolle er für das Buch spielt, warum gerade er der Titelheld ist, warum gerade er zeitlich dorthin versetzt wurde....
    Vielleicht muss ich alles erst mal sacken lassen.

    Soeben beendet, leider ein bisschen enttäuscht. Eine Freundin liebt diese Bücher, ich finde das Cover und die Grundidee auch ansprechend- aber leider fand ich es todlangweilig, völlig unplausibel, und auch kein bisschen bissig oder schwarzhumorig :-? . Aber Krimis und ich werden selten sehr warm miteinander, vielleicht liegt es auch daran. Glücklicherweise hatte ich das Buch schnell durchgelesen, sonst wäre ich sauer wegen der vergeudeten Zeit...

Anzeige