Beiträge von cyphella

    Danke, Ihr alle!

    findo : das stimmt. Die Arbeit, bzw. das konzentrierte Arbeiten mag, wie eine Art Ventil, funktionieren. Wenn ich genau darüber nachdenke, finde ich es eher unwahrscheinlich, dass Jude so lange eine Führungsposition/Rolle, einnehmen konnte. In der Realität braucht es dafür ja eine Menge Fähigkeiten, die ausserhalb der Kernkompetenzen stehen. Ein bisschen hat mich das ganze an David Copperfield erinnert. Auch bei Dickens haben die Menschen, die in ihremfrühen Leben benachteiligt waren, später Vorteile. Das Problem ist nur, wie ja auch gut beschrieben, dass wirklich stark traumatisierte Menschen einen Kontrollverlust erleiden, der jederzeit eintreten kann. Ein Trigger reicht. Als Anwalt ist man sicherlich vielen Triggern ausgesetzt. Es wird ja auch beschrieben, dass es ihm nicht immer gelang bzw, dass es ihm viel Kraft gekostet hat, auch hier seine Versehrtheit zu kaschieren. Und am Ende wird ja auch viel weggesehen oder wohlwollend toleriert. Deswegen habe ich dieses Buch auch gerne gelesen, bei all dem Grauen wollte ich daran glauben, dass es so viele wohlwollende Menschen gibt. Es bleibt zu hoffen.

    Ich habe dieses Buch über die Weihnachtsferien gelesen, umgeben von meinen Freunden und meiner Familie. Der fröhliche Hintergrund hat mir geholfen, das Buch besser wegstecken zu können, umgekehrt hat das Buch unterstrichen, wie wichtig solche Tage sind, an denen man sich mit seinen Lieben trifft (klingt jetzt ein bisschen kitschig, aber so war es irgendwie).

    Ich bin auf Arbeit umgeben mit Menschen, die solche psychische Probleme haben, weswegen mich das Buch einerseits abgeschreckt hat (ich wollte in meiner Freizeit nicht auch noch in solche Abgründe gucken), andererseits aber natürlich auch interessiert hat.

    In der Literatur ist mir noch nie eine solch gelungene, weil glaubwürdige und erschöpfende Beschreibung der innerpsychischen, aber auch interpersonnellen Konflikte begegnet, die dann auch noch so fesselnd und berührend verpackt ist. Mir hat es tatsächlich viel geholfen, ein besseres Verständnis aufzubauen. Bei einigen Aspekten kamen allerdings doch Zweifel auf, zum Beispiel bei der Glaubwürdigkeit von Judes Geschichte (ja, einigen Menschen passieren tatsächlich die schlimmsten Dinge, aber hier fand ich es fast übertrieben). Außerdem hat mich schon sehr erstaunt, dass wirklich alle in seinem Umfeld so supererfolgreich wurden (ist das so in NY wenn man einmal im richtigen Kreis ist???). Und ich stelle es sehr in Frage, dass jemand tatsächlich derart beruflich fokussiert sein kann bei einer so ausgeprägten emotionalen Beeinträchtigung.

    Der Geschichte und dem „Lesevergnügen“ haben diese Kontraste und Überzeichnungen des Positiven sehr geholfen. Hätte ich mich nicht ab und zu in derNY- Kunstszene und den tollen Gebäuden erholen dürfen, den leckeren Kochsessions und gemütlichen Abenden wohlwollender Menschen beiwohnen dürfen,ich hätte jede Hoffnung verloren und das Buch in die Ecke geschmissen...:wink:

    344. Welches Buch hat dir im November am wenigsten gefallen?

    Ich lese bzw. höre immer wieder gerneFantasy-Bücher und mag abegefahrene Geschichten. Dies ist ist wortwörtlich eine abgefahrene Geschichte ( es geht um fahrende Städte), schnell und kurzweilig erzählt. Allerdings nimmt sich der Autor dann doch viel zu wenig Zeit, seine Figuren zu erklären und haut viele Logikfehler rein. Der Stil ist eher im Bereich Kinder/Jugendbuch anzusiedeln , dafür ist das Buch über weite Teile wiederum zu brutal. Vielleicht wird der Film stimmiger...:roll:

    Es ist ja wirklich sehr interessant, wie unterschiedlich die Meinungen sein können. Sie spiegeln ein bisschen mein eigenes Schwanken wieder, und genau deshalb komme ich zu dem Schluss , dass ich das Buch wirklich gemocht habe. es ist eben nicht schwarz-weiss.

    Zunächst einmal fand ich mich gut unterhalten, stellenweise war es echt witzig und hatte eben diesen typischen Hornby Charme.

    Außerdem bin ich erleichtert, dass die Story nie ins richtig Kitschige abdriftet. Es hat natürlich die Tendenz dazu (4 Leute die sehr unterschiedlich sind halten sich gegenseitig vom Suizid ab und werden so etwas wie eine Gang), aber dieser Faden wird nicht allzusehr gesponnen. Auch dass es am Ende nicht die Lösung gibt, die eine große Einsicht und nicht alle superglücklich sind, finde ich glaubhaft.

    Ab und zu habe ich mich geärgert, dass die Figuren so viele blinde Flecken haben und Offensichtliches nicht erkennen, oder wie oben beschrieben, sehr oberflächlich wirken- aber eigentlich ist ja genau das ihr Dilemma: Depression hat nun mal viel mit Stau, Stillstand und Einengung zu tun.

    Für mich ist es ein Buch, das in Erinnerung bleiben wird.