Beiträge von utaechl

    zwei Autorinnen, drei Ermittler und reichlich Lokalkolorit


    Das Waiblinger Ermittlerteam trift auf den Friedrichshafener Kriminalkommissar und die Mordermittlungen führen dazu, dass man weit weg ist vom gemeinsamen Ermitteln. Ein interessanter Fall, ein überraschender Täter und zwei Autorinnen, die ihre Ermittler aufeinander los lassen. Eine gelungene Zusammenarbeit.


    Inhalt:

    Der Friedrichshafener Kriminalkommissar Surendra Sinha ist vom Dienst beurlaubt bei seinen Eltern in Waiblingen, als dort eine junge Studentin indischer Abstammung ermordet wird. Die Kommissare Malte Jacobsen und Melanie Brendel ermitteln und stellen schnell fest, dass Surendra sie persönlich kannte. Die Ermittlungen gegen ihn laufen an, als wenig später ein weiterer Mord geschieht, selbst wenn Melanie nicht wirklich an seine Schuld glaubt. Wird er seine Unschuld beweisen können, oder wird ihm ein alter Fall, bei dem er einen Fehler begangen hat, zum Verhängnis.


    Cover:

    Die geballte Faust passt zum Titel und Inhalt des Krimis. Sehr ausdrucksstark, auch wenn der regionale Bezug fehlt.


    Setting und Stil:

    Der Krimi spielt in Waiblingen, im schönen Remstal und ist mit reichlich Lokalkolorit ausgestattet. Auch wenn der ehemalige Hamburger Ermittler Malte schon mal mit einem Franzbrötchen belohnt wird, so herrscht ansonsten doch eher die für die Gegend spezifischen Köstlichkeiten und Bewohner vor. Die Zusammenarbeit der beiden Autorinnen ist hervorragend gelungen, beide können die Besonderheiten ihrer Ermittler unterbringen und sie im gemeinsamen Agieren glänzen lassen.

    Dadurch, dass Surendra und die beiden anderen eher auf gegensätzlichen Seiten wiederfinden, sind ihre Abschnitte oft getrennt, wobei die gemeinsame Zeit immer mehr wird. So folgen wir auch allen dreien bei ihren Ermittlungen und erfahren vieles über ihre privaten Hintergründe.


    Charaktere:

    Es fällt nicht schwer, Surendra Sinha ins Herz zu schließen, seine gelassene indische Art mit Sachen umzugehen und die Tatsache, dass er im Gegensatz zu Malte nur schwer aus der Haut fährt, macht ihn zu meinem Favoriten, auch wenn die Vorwürfe gegen ihn ziemlich schwer wiegen.

    Genau das Gegenteil ist Malte, der zumindest in diesem Fall alles daran setzt, Sympathiepunkte zu verschenken. Auch wenn man nachvollziehen kann, was ihn dazu bewegt, so ist es doch eher so, dass man ihm gerne einen gewaltigen Tritt in den Hintern versetzen möchte.

    Zwischen ihnen steht Melanie, die mit ihrem Bauchgefühl und ihren rationalen Einschätzungen ziemlich ins Schwarze trifft, was ihr im Endeffekt aber auch einigen Ärger einbringt.

    Insgesamt habe ich das Zusammenspiel des Trios sehr gerne verfolgt und hoffe, dass sie wieder aufeinander treffen werden.

    Der Fall, die Ermordeten und der bis zur letzten Sekunde unbekannte Täter sind eine angemessene Herausforderung für die Ermittler, die sie, ihre Vorgesetzten und die beteiligten Familien an die Grenze führt.


    Geschichte:

    Ein kleiner Fehler im Arbeitsleben, der sich rächt und Surendra zum möglichen Täter macht, anstatt es ihm zu ermöglichen, aktiv bei den Ermittlungen mitzuhelfen. Trotzdem kreuzen sich die Wege der Kommisare häufig und während die Spannung zwischen ihnen steigt, führen die Ermittlungen schließlich doch zum Ziel. Eine tolle Kriminalgeschichte, die viel Raum für die Ermittler lässt, ohne dass der Fall aus den Augen verloren geht.


    Fazit:

    Die Zusammenarbeit von Simone Dorra und Ingrid Zellner und ihren Ermittlern hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe, dass dies nicht das letzte Mal sein wird. Die Charaktere sind sehr gelungen und ich kann nur empfehlen, sich auch mit den anderen Büchern der Autorinnen zu beschäftigen. Ein spannender, außergewöhnlicher Fall erwartet die Liebhaber von Regionalkrimis, denen nebenbei noch das Remstal und seine Bewohner näher gebracht werden. Ein Krimi, den ich rundum empfehlen kann!

    eine ganz schön ungewöhnliche Geschichte


    Ein etwas anderes Kinderbuch mit lustigen Zeichnungen, einer abgefahrenen Geschichte, reichlich Ungewöhnlichkeiten und einem Dachs. Eine Mischung, die manchmal zu ungewöhnlich wird und wahrscheinlich nicht für alle Kinder und Eltern geeignet ist.


    Inhalt:


    Der zweite Band der Abenteuer mit Onkel Stan und Dan lässt sie Dr. P'Krall begegnen, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, alles Ungewöhnliche in der Welt auszumerzen. Da gerät er bei Onkel Stan an den Richtigen, der nur vor Ungewöhnlichkeit strotzt und Dan Dachs bleibt nichts anderes übrig, als ihn mit vielen Helfern vor dem Institut für Hochsicherheit und Heilung von Ungewöhnlichkeit zu erretten.


    Cover:

    Das sehr kindgerechte Cover zeigt die Hauptfiguren, einige der Helfer und den Zeichenstil, der bei den Illustrationen im Buch ebenfalls verwendet wird. Das Cover ist schön ungewöhnlich, fällt ins Auge und stimmt gut auf das Buch ein.

    Die Illustrationen greifen hervorragend den Inhalt auf und sind eine tolle Auflockerung der Texte.


    Setting und Stil:

    Die Welt, in der Stan und Dan leben ist in sich logisch, strotzt nur vor lustigen Charakteren und bietet Situationen, die zum Schmunzeln und Lachen sind, genau das Richtige für die Zielgruppe. Das Ungewöhnliche überwiegt und man fragt sich als Erwachsener, ob man seinen Kindern wirklich so viel Ungewöhnliches zumuten will, nicht dass sie auf falsche Gedanken kommen.

    Die Geschichte wird aus Dachs Dans Sicht erzählt.


    Charaktere:

    Die altbekannten Charaktere aus dem ersten Band tauchen wieder auf und es gibt natürlich auch viele neue Helfer und Begleiter. Man kann sich leicht mit ihnen identifizieren, ist sofort auf der Seite von Stan und Dan und kann den mehr oder weniger echten Doktor leicht als Bösewicht ausmachen.

    Eine gelungene Mischung aus Menschen und Tieren, die alle etwas schräg drauf zu sein scheinen.


    Geschichte:

    Eine relativ einfache Geschichte um die Rettung von Onkel Stan vor der Heilung der Ungewöhnlichkeit. Dachs Dan stellt sich dabei ganz geschickt an, entwickelt tolle Pläne und kann sie mit reichlich Hilfe auch umsetzen. Eine Geschichte, die Kinder definitiv zum mitfiebern anregt.


    Fazit:

    Mir hat das Kinderbuch gut gefallen, ab und an ist es mir dann doch ein bisschen zu schräg geworden und ich bin mir nicht sicher, ob es für alle Eltern und Kinder geeignet ist. Ich empfehle also, sich vorher eine Leseprobe anzuschauen, die Kinder mitentscheiden lassen, ob sie die Thematik interessiert und wenn das der Fall ist, dann erwarten sie einige lustige und spannende Lesestunden.

    Detailreiche Fantasy mit jugendlichem Helden


    Eine interessante Welt, ausführliche Beschreibungen, lebendige Charaktere und göttliche Einmischungen erwarten den Leser in Harry N. Bockmans empfehlenswerter Fantasytrilogie. Eine Geschichte, in der man sich verlieren kann und die sich Zeit nimmt, damit man Fins Abenteuer reichlich auskosten kann.


    Inhalt:

    Fin ist ein 14jähriger Waise, der nach unerklärlichen Ereignissen seine Heimatstadt an der Küste verlassen muss, um ins Landesinnere zu reisen. Es stellen sich reichlich Gefahren und Gegner in seinen Weg, doch die übernatürlichen Mächte scheinen es gut mit ihm zu meinen, denn wie sich herausstellt wird er zum Träger des Feuers und übernimmt eine gefährliche Rolle im Ränkespiel der Götter. Doch bis es soweit ist, liegt noch ein langer Weg vor ihm und seinen Freunden, die sich nach und nach seinem Abenteuer anschließen.


    Cover:

    Fin vor dem Herzen des Waldes mit einer flammenden Hand, auf seinem Pferd Zuxu, der ihm im zweiten Teil des Bandes zur Seite steht. Ein perfekt passendes Cover, das den Inhalt des Buches hervorragend aufnimmt. Die Haptik des Einbandes ist nicht so meine.

    Die Karten im Buch könnten die enthaltenen Informationen besser vermitteln. Dank der kleinen Schrift ist bei der Druckqualität nur schwer etwas zu erkennen.


    Setting und Stil:

    Harry N. Bockman hat wirklich ein Händchen dafür, eine lebendige, angefüllte Fantasy-Welt zu erschaffen. Detailreich erstehen Städte, Wälder, Minen und sonstige Handlungsorte vor den Augen des Lesers. Die Welt lebt und man merkt, wie viel Liebe in ihrer Entwicklung steckt. Dabei kann es natürlich dem einen oder anderen Leser auch etwas zu viel werden mit den Beschreibungen und der Detailverliebtheit. Mir hat es gefallen, es passt zu einem richtigen Fantasyepos.

    Der Handlung folgen wir aus Fins Sicht und sind hautnah bei seinen Erlebnissen mit dabei. Das Buch ist in 33 große Kapitel eingeteilt. Der angenehme Schreibstil, die beschreibende Art und die zu den Personen passenden Dialoge garantieren den Lesespaß.


    Charaktere:

    Fin ist mit seinen 14 Jahren zu Anfang des Buches noch weit weg von dem heranwachsenden Mann, der er zum Ende hin werden wird. Das Buch beschreibt somit nicht nur seine Reise, sondern auch sein Erwachsenwerden, woran auch der Gott des Feuers maßgeblich beteiligt ist. Ihm zur Seite steht Zuxu, dem er im Wald begegnet und der einem sofort ans Herz wächst. Ein vorlauter Affe, der weit mehr über die Welt zu wissen scheint als Fin. Hinzu kommt noch ein junges Mädchen, das bei dem erzabbauenden Volk in den Bergen aufgewachsen ist. Ein tolles Team, dem so leicht niemand das Wasser reichen kann.

    Außerdem gibt es viele andere, detailliert ausgearbeitete Charaktere, die zum Teil nur sehr kurz Fins Weg begleiten und von denen wir, zumindest im ersten Buch, nichts weiter hören.

    Fins Gegenspielerin ist eine Göttin, die nichts lieber sehen würde, als wenn er seine Existenz beenden würde. Ein gefährliche Gegnerin mit mächtigen Verbündeten, gegen die ein normaler 14jähriger definitiv keine Chance hätte.


    Geschichte:

    Die Geschichte hätte vielleicht Möglichkeiten zur Kürzung gehabt. Einige Sackgassen, Irrwege und Nebenbegegnungen ziehen die Handlung in die Länge, während die Rahmenhandlung gezielt ihrem Weg folgt. Einiges hätte nicht unbedingt so detailreich sein müssen, aber der Stil des Buches ist halt wie er ist. Insgesamt wird gekonnt Fins Erwachsenwerden geschildert, wobei er natürlich nicht auf sich allein gestellt ist, sondern göttliche Hilfe hat. Gerade diese macht ihn zu etwas besonderem und es bleibt abzuwarten, wohin sein Weg in den nächsten Teilen führen wird.

    Die Wiedergeburt bedeutet für die Fantasy-Welt einen gewaltigen Umsturz, dessen Beginn man miterleben kann.


    Fazit:

    Harry N. Bockmans Fantasyroman ist eine lesenswerte Geschichte über das Erwachsenwerden, über göttliche Einmischungen, Freundschaft und einen Weg, der voller Gefahren ist. Dank des Detailreichtums verliert man sich schnell in den Seiten und taucht tief in die Handlung ein. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, die von mir genannte Kritikpunkte ändern daran nichts. Das Buch hat seinen eigenen Stil, der seine Liebhaber finden wird. Ich kann des Buch jedem jugendlichen Fantasyliebhaber empfehlen, der sich gerne auf viele Leseseiten stürzt. Natürlich ist das Buch auch für Erwachsene ein lohnenswerter Ausflug in die Fantasy. Ich freue mich auf den zweiten Teil und bin gespannt, wie der Hüter des Feuers weiter reifen wird.

    Ein großes Handelshaus im Wandel der Zeit


    Ein historischer Familienroman über ein Stettiner Handelshaus, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Auswirkungen der schwächer werdenden Hanse miterleben muss und sich mit einem mächtigen Gegner anlegt.


    Inhalt:

    Nach dem Tod des Patriarchen der Familie Loytz ringen dessen Söhne Michael und Stephan um die Führung eines der reichsten Handelshäuser Nordeuropas. Als wäre dies nicht genug, werben sie auch noch um dieselbe Frau. Und dann gibt es noch ihren Erzfeind Kurfürst Joachim von Brandenburg, den seine leeren Kassen besonders gefährlich machen.


    Cover:

    Das Cover passt perfekt zur Geschichte, ein Hanseschiff aus dem 15. Jahrhundert vor einer Karte, die Stettin und Umgebung zeigt.


    Setting und Stil:

    Axel S. Meyer gelingt es hervorragend die damalige Zeit samt Handlungsorten und deren Bewohnern in seinem Roman zum Leben zu erwecken. Die Geschichte spielt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der das Ende der Hanse immer näher rückt und dadurch auch Auswirkungen auf die Handelshäuser hat, die von ihr profitierten. Das Handelshaus Loytz ist so erfolgreich, dass sie ihr Geld unter anderem auch an den Kurfürsten von Bandenburg verleihen können. Damit geraten sie allerdings in die rücksichtslose Welt der Adeligen, die in einer ganz anderen Liga zu spielen scheinen.

    Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt, die sich in kleinere Kapitel gliedern. Man folgt unterschiedlichen Personen durch die Geschichte.


    Charaktere:

    Als Leser fühlt man sich sofort mit Stephan und Leni, deren Liebe keine Zukunft zu haben scheint, verbunden, während dessen Bruder Michael nicht wirklich viel Sympatisches vorzuweisen hat. Es gibt noch einen weiteren Sohn, der dank eines tragischen Zwischenfalls zum Schwarzen Schaf der Familie wurde. Eine schwierige Ausgangssituation, die das Überleben des Handelshauses nicht wirklich erleichtert. So müssen die Charaktere auch einiges durchleben und das Ende für sie ist ziemlich ungewiss.

    Ideal als Gegner eignen sich der Kurfürst und sein Umfeld, die ganz andere Mittel einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen.


    Geschichte:

    Das Handelshaus Loytz hat seinen Zenit erreicht und nach dem Tode des Patriarchen ist die Zukunft eher ungewiss. Das politische Klima ändert sich, die Feinde werden nicht weniger und das Handeln dafür umso schwerer. Hinzu kommen die internen Streitereien, so dass sich reichlich Stoff für einen historischen Roman ergibt. Es bringt Spaß mit der Familie die harte Zeit zu durchleben und so einen Einblick in den Alltag des 16. Jahrhunderts zu erhalten. Die Beschreibungen lassen einen leicht in die Handlung eintauchen und die fesselnden Ereignisse lassen den Leser auch bis zur letzten Seite nicht wieder los.


    Fazit:

    Auch Axel S. Meyers neuester historischer Roman hat mir sehr gut gefallen. Man begibt sich mit dem Buch in eine Zeit, über die ich noch gar nicht so viel gelesen habe, so dass es für mich doch viel Neues und Interessantes zu entdecken gab. Die Geschichte enthält alle Elemente, die man sich bei einer Familiengeschichte wünschen kann. Das Ende ist nicht so leicht zu verdauen, passt aber perfekt zur Geschichte. Es ist also ein historischer Roman, der mit seiner tiefgründigen Handlung das zeigt, was die damalige Zeit ausmachte. Eine Leseempfehlung für alle Historyfans und diejenigen, die mehr über die damalige Zeit erfahren wollen. Ein spannender und emotionaler Blick auf eine Zeit, über die es sich mehr zu erfahren lohnt.

    Die Geheimnisse der Menschheit wollen entdeckt werden


    Ein Abenteuerroman in der Tradition von Indiana Jones und Robert Langdon, in dem es um die halbe Welt geht und der sich in einigen Punkten nicht hinter den Vorbildern verstecken muss.


    Inhalt:

    Henrys Großvater ist Anfang der 1940er Jahre bei einem seiner Abenteuer verschollen. Nun macht sich sein Enkel auf, das gleiche Geheimnis zu lösen. Dabei wird er von seinem Erzfeind, der von einem skrupellosen Multimilliardär beauftragt wurde, verfolgt. Ihm zur Seite steht die Journalistin Charline, die daran interessiert ist, die Machenschaften des Multimilliardärs aufzudecken, und sein Assistent Isaac, sowie weitere Freunde, die ihm zur Seite stehen. Die Jagd nach König Salomons Geheimnis kann also beginnen.


    Cover:

    Das Titelbild erinnert an eine astrologische Tafel und stimmt gut auf den Abenteuerroman ein. Die Haptik des Umschlags ist aber so gar nichts für mich. Er fühlt sich sehr stumpf an und man sieht jeden Fingerabdruck. Die verwendete Schrift ist eher futuristisch als abenteuerlich.


    Setting und Stil:

    David Reimer gelingt es die Handlungsorte sehr toll zu beschreiben und man erkennt, dass er den aktuellen Forschungsstand mit einfließen lässt, um ihn dann natürlich mit seiner schriftstellerischen Freiheit zu erweitern. Die Jagd geht um die halbe Welt, es geht in Pyramiden, unter den Tempelberg, zu Schiffswracks, einem versteckten historischen Zug, bis tief in den Regenwald und Museen und Bibliotheken dürfen auch nicht fehlen. Dabei kommt es zu etlichen spannenden Begegnungen, die durchaus auch over-the-top ausgefallen sind. Manchmal scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen, so dass man als Leser sich wünscht, dass ihnen mehr Raum gegeben würde.

    Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Handlung weist kaum Sackgassen auf, die Charaktere könnten etwas mehr Tiefgang vertragen.


    Charaktere:

    Henry Hieronimus Voigt hat sich schon seinen Ruf als Abenteurer und Schatzsucher erarbeitet, als er dank eines Tagebuchs auf eine Spur stößt, die mit dem Verschwinden seines Großvaters zusammenhängt. Es bringt Spaß, ihn und seine Freunde auf den Abenteurern zu begleiten. Die Gruppe ist eine gelungene Mischung, über die man gerne noch mehr erfahren will.

    Sein Erzfeind Nickolas, der ihm immer wieder über den Weg läuft, ist anfangs der typische Gegner, der sich vom Geld seines Auftraggebers verführen lässt. Ein gefährliches Paar, dem man definitiv aus dem Weg gehen sollte.

    Die Zusammensetzung passt, weist nicht zu viele Überraschungen auf und verdient vielleicht noch ein paar richtig schräge Gestalten.


    Geschichte:

    Die Geschichte hat mir bis kurz vor Ende sehr gut gefallen, dann nimmt sie eine Wendung, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre und es schwer macht, sich eine sinnvolle Fortsetzung vorzustellen. Aber da kann mich der Autor ja gerne vom Gegenteil überzeugen. Auch gibt es ein paar Entscheidungen seines vermissten Großvaters, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.

    Insgesamt ist es aber eine gute, spannende und unterhaltsame Abenteuergeschichte, der vielleicht etwas Finetuning gutgetan hätten. Trotzdem habe ich mitgefiebert, manchmal herzlich gelacht, mit den Charakteren gefühlt und eine gute Zeit mit dem Buch gehabt.


    Fazit:

    Der Beginn der Abenteuerserie rund um Henry Voigt hat mir gut gefallen. Es gilt spannende Geheimnisse rund um die Welt in bekannten Örtlichkeiten zu erforschen, dem Bösen immer einen Schritt voraus zu sein und, wenn dies nicht gelingt, zumindest lebend davon zu kommen. Also genau das, was man von einem Abenteuerroman erwartet. Fans der bekannten Vorbilder kann ich das Buch empfehlen und Lesern, die sich gerne in spinnwebverhangene Höhlen, schlangenreiche Gegenden und geschichtsträchtige Orte begeben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die bestimmt genauso gelingen wird.

    Spannender Politthriller


    Ein spannender und hochaktueller Thriller vor dem Hintergrund der Panama-Papers. Eine fesselnde Jagd rund um die Erde mit der Journalistin Lena Halberg. Lesenswert und zum Nachdenken anregend.


    Inhalt:

    Die Journalistin Lena Halberg stößt bei Recherchen auf den Banker Martin Kurkov. Sein Name taucht in den Panama-Papers auf, und wie es scheint, nutzt er sein Image als Kunstförderer, um im Hintergrund Regierungen zu manipulieren und noch weit schlimmere Geschäfte zu tätigen. Darin mitverwickelt scheint ein Cellist zu sein, den Kurkov seit seiner Jugend fördert. Lena setzt mit einigen Freunden die Nachforschungen fort und muss erfahren, dass ihr Gegner keinerlei Skrupel kennt.


    Cover:

    Sich überlagernde Zeitungsartikel und klar zu lesender Titel und Autor, wobei mir das Farbspiel beim Titel besonders gefällt. Passend zu dem Politthriller.


    Setting und Stil:

    Passend zur Thematik geht es rund um die Welt. Von Finnland, über Estland, Deutschland, Italien, Albanien bis nach Bolivien, Die jeweiligen Eigenheiten der Orte werden sehr gut beschrieben und man fühlt sich tatsächlich wie auf einer Weltreise. natürlich stehen dabei immer die Recherchen im Vordergrund, bzw. die Machenschaften des Bankers.

    Vier Hauptabschnitte, die sich an der Sonate für Violoncello und Klavier in d-Moll von Dmitri Schostakowitsch orientieren, mit 35 Kapitel, die uns die Sichtweisen wechselnder Hauptcharakteren präsentieren, treiben die rasante Jagd nach der Wahrheit voran.


    Charaktere:

    Lena Halberg ist eine erfahrene Journalistin, die hervorragende Kontakte hat und nicht loslässt, bis sie ein Thema hinreichend recherchiert hat. Unterstützt wird sie von Tom und Hawk, die jeweils mit ihren eigenen Möglichkeiten für neue Ansätze sorgen.

    Ihr Gegner Martin Kurkov ist es nicht gewohnt zu verlieren und kennt mit seinem skrupellosen Vorgehen keine Grenzen. Bisher hatte er damit auch Erfolg auf ganzer Linie, bis schließlich sein Imperium zu bröckeln beginnt.

    Der namensgebende Cellist darf natürlich auch nicht fehlen. Andrej Majinski weiß gar nicht so recht, wozu er benutzt wird und lebt eigentlich nur für seine Musik.

    Eine tolle Mischung, mit der man gerne mitfiebert.


    Geschichte:

    Ernest Nybørg gelingt es, die Geschichte rund um die Panama-Papers dem Leser durch die Sicht Lena Halbergs näher zu bringen. Er macht das fassbar, was wir sonst nur aus Zeitungen kennen. Neben der Handlung um Scheinfirmen, Riesenmengen Geld und erpressbare Staaten fügt er noch eine "Kleinigkeit" namens Undine hinzu. All dies endet in einem Politthriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.


    Fazit:

    Ein Politthriller, wie ich ihn liebe. Ein spannendes Thema, über das man nicht genug Hintergrundinformationen bekommen kann, ein tolles Duell zweier Kontrahenten und die eine oder andere überraschende Wendung, die mich in Staunen versetzt hat. Ein Buch, dass ich allen Fans des Genres rundum empfehlen kann. Auch für diejenigen, die etwas mehr hinter die Kulissen der Big Player schauen wollen und fesselnde Lesestunden lieben.

    Manchmal möchte man kein Schaf sein


    Auch der 3. Klara Frost Thriller konnte mich völlig überzeugen. Ein Pageturner, wie er im Buche steht mit einem Täter, der einem Schauer über den Rücken jagt.


    Inhalt:

    Ein guter Hirte und seine verirrten Schafe, die er zur Räson bringen muss. Ein Autor, der in seinem Werk fast wortwörtlich die Taten vorhersieht und eine Brutalität, die selbst den abgeklärtesten Polizisten erschüttert. Ein Schaf nach dem nächsten wird in Leipzig zum blutigen Opfer des Hirten und Kriminalhauptkommissarin Klara Frost läuft die Zeit davon, die Identität des Seelenhirten aufzudecken.


    Cover:

    Ich hätte auf dem Cover anstatt der Taube ein Schaf vermutet, aber das muss wohl entlaufen sein und so steht die Taube wohl für die himmlische Verbindung des Seelenhirten. Passt stilistisch zur Serie.


    Setting und Stil:

    Spannend finde ich, dass Elias Haller Auszüge aus dem Buch, in dem Dominik Israel die Taten vorweggenommen hat, als eigene Kapitel ins Buch integriert. Es geht um die Kardinalsünden, an denen sich der Täter orientiert. Sein Vorgehen wird schön bildlich beschrieben und ist nichts für schwache Nerven. Die Handlungsorte in Leipzig sind toll beschrieben und mit über 70 Kapiteln wird die Handlung durch abwechselnde Sichtweisen vorangetrieben.


    Charaktere:

    Klara Frost darf sich diesmal von ihrer besonders frostigen Seite zeigen, nachdem ihr mit Oliver Paulsen aka Oli P. ein Polizeianwärter an die Seite gestellt wird. Hinzu kommen weitere Schikanen von ihrem Vorgesetzten, die ihr die Arbeit auch nicht gerade erleichtern. Als wäre das nicht genug, wird sie auch noch durch seltsame Anrufe belästigt. Die Anrufer haben ihre Nummer auf einer Webseite mit einschlägigen Angeboten entdeckt. Es gibt also viel zu tun.

    Ihr Gegenspieler scheint etwas mit dem Autor Dominik Israel zu tun zu haben, da dieser in seinem letzten Buch fast buchstäblich den Ablauf der Serienmorde vorwegnimmt. Er gehört zu einer religiösen Gemeinschaft, die in den Mittelpunkt der Ermittlungen rückt.


    Geschichte:

    Der Täter scheint sich seine Schafe auszusuchen, da sie die Kardinalssünden begangen haben. Sein Vorgehen ist grausam und rücksichtslos. Ein Gegner, der Klara Frost aufs Äußerste fordert. Sie muss wie in den anderen Fällen wieder alles geben, um ihn zur Strecke zu bringen. Bis es allerdings soweit ist, geschieht einiges und eine Überraschung jagt die nächste. Es lohnt sich also, Klara auf ihrem Weg zu begleiten.


    Fazit:

    Mit dem dritten Teil der Klara Frost Reihe ist es Elias Haller noch einmal gelungen sich zu steigern. Der Fall ist extremer, die persönlichen Herausforderungen für Klara fast erdrückend und die neuen Charaktere eine tolle Ergänzung. Ein Komplettpaket, dass einen Thriller garantiert, den man nicht aus den Händen legen will. So ist es mir auch gegangen und ich habe das Buch verschlungen und nun heißt es wieder, auf den nächsten Fall für Klara Frost zu warten. Eine absolute Leseempfehlung für Thriller-Fans, die sich nicht von ziemlich heftigen und blutigen Mordfällen abschrecken lassen.

    Krimi auf den Spuren des Geschmacks


    Eine Kriminalgeschichte rund um einen neuen Geschmack, der die Begehrlichkeiten der unterschiedlichsten Interessenten weckt. Ein literarischer Ausflug zu den Köchen Nordafrikas, die mit ihren leckeren Gerichten die Welt bereichern. Eine tolle Mischung aus Kriminalgeschichte und Reise in afrikanische Geschmackswelten, auf die ich mich gerne eingelassen habe.


    Inhalt:

    August Lieblig ist auf der Suche nach seinem vermissten Vater nach einem Flugzeugabsturz in Nordafrika ebenfalls verschwunden. Ein Schweizer Lebensmittelkonzern, für den er arbeitet, heuert Privatermittler Calanda an, um ihn aufzuspüren. Dabei geht es nicht nur um August, sondern auch um einen neuen biotechnologisch erzeugten Geschmack, mit dem sich die Lebensmittelindustrie revolutionieren lässt. Eine spannende Jagd quer durch das Morgenland beginnt, bei der die Begegnung mit kulinarischen Köstlichkeiten der Region nicht fehlen dürfen.


    Cover:

    Eine tunnelartige Straße, heller Sonnenschein und mittig der Titel. Bei dem Inhalt des Buches würde ich mir etwas orientalischere Stimmung wünschen. So passt das Cover zwar zum Krimithema, sagt sonst aber nicht viel über den Inhalt aus.

    Am Ende des Buches ist leider nur ein Rezept abgedruckt, anstatt alle elf Rezepte dort zu verewigen. Natürlich gibt es den Verweis auf die Internetseite Florian Harms, bei der allerdings nicht garantiert ist, dass sie ewig Online sein wird. Die paar Seiten mehr hätten wahrlich nicht geschadet.


    Setting und Stil:

    Von der Schweiz aus geht es quer durch Nordafrika. Florian Harms gelingt es hervorragend, die jeweiligen Schauplätze dem Leser näher zu bringen. Man spürt, dass dem Autor die Region am Herzen liegt und die Liebe für Land, Leute und Küche springt sehr schnell über.

    Die Kriminalgeschichte ist glaubhaft, die Informationen über das menschliche Geschmacksempfinden, die historischen Begebenheiten und die landeseigene Küche sind spannend und werden gut vermittelt.

    Wechselnde Charaktere, denen sich in relativ langen Kapiteln reichlich Zeit zur Entwicklung gegeben wird, geben einen guten Überblick über die Handlung und die unterschiedlichen Interessen.


    Charaktere:

    August und Bernhard Lieblig teilen dasselbe Schicksal, sie stürzen über Nordafrika ab, wobei der Sohn auf der Spur des Vaters ist, die ihn quer durch die Region führt. Glaubhafte Charaktere auf der Spur der kulinarischen Kostbarkeiten und eines Geschmacks, der Begehrlichkeiten weckt.

    Auf ihre Fährte wird zusätzlich ein Privatermittler angesetzt. Calanda zeigt dabei die Interessen der anderen Seite in der Schweiz und Europa.

    Und natürlich gibt es noch eine geheimnisvolle Gruppierung, die etwas völlig anderes mit dem neuen Geschmack vorhat.


    Geschichte:

    Die Geschichte sollten für jeden interessant sein, der sich für Essen, Geschmäcker und die Funktion unserer Zunge interessieren. Neben der spannenden Handlung erfährt man vieles über die bereisten Länder und Städte. Eine tolle Mischung, der ich mich gerne gewidmet habe.


    Fazit:

    Florian Harms ist es mit seinem ersten Kriminalroman gelungen, seine Interesse für die Nordafrikanischen Länder, die islamische Welt, deren Menschen und kulinarischen Genüsse in eine packende, hochmoderne Handlung zu verpacken. Ein Buch für alle, die mit einem Krimi andere Regionen unseres Planeten nähergebracht bekommen wollen. Toll sind die beigefügten Rezepte, die man wirklich leicht nachkochen kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich konnte einiges dazulernen, Wissen über die Region auffrischen und wurde auch noch mit einer spannenden Geschichte belohnt. Empfehlenswert!

    Rachethriller par excellence


    Es ist schön, dass es noch Bücher gibt, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln und mitreißen. Tannenstein ist eines davon. Ein brutaler, roher, unter die Haut gehender Thriller um einen Ex-Polizisten, der nur auf Rache aus ist und ein Wanderer, der nur seinen Auftrag kennt.


    Inhalt:

    Elf Menschen werden in Tannenstein, nahe der tschechischen Grenze, getötet. Doch damit ist der Wanderer noch lange nicht am Ziel angelangt. Das Töten geht weiter und der einzige, der sich an seine Fersen heftet, ist der Ex-Polizist Alexander Born. Von Rache getrieben, da der Wanderer seine Freundin getötet hat, legt er sich mit der Russenmafia an. Die Spirale der Gewalt nimmt ihren Lauf und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.


    Cover:

    Der Titel dominiert und rahmt den Mann ein, der gerade einen Weg durch hügelige Landschaft beschreitet. Ob es der Wanderer ist, oder doch Alexander Born? Stimmungsvoll, passend und schön düster.


    Setting und Stil:

    Ein Thriller, in dem die Rache eine wichtige Rolle spielt. Ein schonungsloser Blick hinter die Kulissen der Russenmafia und ein Ex-Polizist der kaum aus dem Knast gekommen nur Rache im Sinn hat. Eine explosive Mischung, deren Geschichte hart, direkt und brutal erzählt wird. Für mich genau das richtige Buch, aber sich nicht für jeden. Ein Blick in die Leseprobe kann da sicher nicht schaden.

    Kurze Kapitel treiben die Geschichte voran, verschiedenen Sichtweisen geben uns Einblick in die Gedanken aller beteiligter Parteien. Die Sprache passt perfekt zu den Handlungen.


    Charaktere:

    Tannenstein ist ein Buch, bei dem es schwer ist, einen Lieblingscharakter zu finden. Bis auf einige Ausnahmen haben alle verschiedene Facetten und es ist nicht leicht Gut und Böse zu definieren. Entscheidend ist dabei, dass alles gut nachvollziehbar und passend ist, und es sich somit um lebende, fühlende Charaktere handelt.

    Der alles überschattende Gegenspieler findet sich in Form der Russenmafia, die ihre Fangarme in alle Richtungen ausstreckt und keinerlei Skrupel kennt. Perfekt repräsentiert durch ein Zwillings-Killerpärchen und ihren Chef, denen man als Leser einfach nur ein baldiges Ende wünscht.


    Geschichte:

    Tannenstein bildet den Rahmen für die Handlung, die uns in die Abgründe des Menschenhandels führt, in der Brutalität, Sex und Dominanzgehabe sich austoben können. Natürlich hat die Russenmafia noch andere Interessengebiete, gegen die Born auf seinem Rachefeldzug vorzugehen versucht.

    Der Wanderer und sein Plan laden zum Rätseln ein und es wird wohl keinen geben, der nicht durch die Handlung überrascht wird. Eine runde Geschichte, die erzählt werden musste und die definitiv gelesen werden sollte.


    Fazit:

    Tannenstein ist ein Thriller, der mich mitgerissen hat auf seinen irren Kampf gegen die Russenmafia. Ich habe mich gerne dem Rachefeldzug angeschlossen und mich der Gewalt gestellt, die mir präsentiert wurde. Für mich der beste Thriller seit langem. Als Leser sollte man allerdings nicht zu zartbesaitet sein, ansonsten möchte ich das Buch jedem ans Herz legen, dem das Vorgehen außerhalb der Gesetze nichts ausmacht.

    Fuchs und Elster ermitteln


    Ein faszinierender Mordfall, ein sich findendes Ermittlerteam und ein Hauch Steampunk. Ein gelungener Serienauftakt, bei dem man den zweiten Teil auf jeden Fall lesen muss.


    Inhalt:

    Elijah Fuchs wird als neuer Pfarrer in die Kleinstadt Bonpoint versetzt, in der seine Schwester als Polizistin arbeitet. Kaum angekommen darf er als Seelsorger bei Mordermittlungen mitwirken. Ein nicht gerade beliebter Mann wurde mit einem Federkiel erstochen und mit Tinte übergossen. Schnell wird Thea Elster verdächtigt, doch diese macht sich lieber selbst an die Ermittlungen, als zum Opferlamm zu werden. Wie gut, dass sie technisch begabt ist und sich um den mechanischen Arm des Pfarrers kümmern kann, der Beginn einer besonderen Zusammenarbeit.


    Cover:

    Mir gefällt das Cover sehr gut. Es passt zu Krimi und Steampunk, sieht edel aus und nimmt mit den Scherenschnitten des Ermittlerteams und der Feder die Thematik des Buches hervorragend auf. Die gewählte Schriftart gefällt mir ebenfalls sehr gut.


    Setting und Stil:

    Die Kleinstadt Bonpoint, in der Thea jeden zu kennen scheint, ist ein guter Handlungsort für die Kriminalgeschichte. Allerdings scheint sich dort die Steampunk-Era noch nicht ganz durchgesetzt zu haben, da es doch relativ wenig steamige Ereignisse gibt. Es geht vor allem um Elijahs mechanischen Arm. Da kann also in den nächsten Folgen ruhig noch mehr passieren, wenn es nach mir geht.

    Anja Stephan beschreibt ein realistisches Kleinstadtleben, die Charaktere haben reichlich Platz, die Stadt zu erkunden und es gibt noch vieles, was zu entdecken bleibt.

    Erzählt wird die Geschichte aus Elijahs und Theas Sicht, wobei Thea einen größeren Anteil hat und sie insgesamt auch die Hauptermittlerin ist, welche die richtigen Rückschlüsse zieht, während Elijah etwas durch seine Rolle als Pfarrer eingeschränkt ist.


    Charaktere:

    Mit Thea bin ich sofort warm geworden, genau wie mit Harriet, Elijahs Schwester. Ihre Sprache scheint mir etwas zu modern, womit ich mich aber schnell abgefunden habe. Mit Elijah habe ich da schon mehr Probleme gehabt. Er kommt neu in die Stadt und hängt halt eher von seiner Schwester und später Thea ab, die ihn mit in die Ermittlungen reinziehen und ihn als Pfarrer benutzen. Wenn man so will ist er eher der Watson zu Theas Sherlock. Ich hoffe, er wird in späteren Teilen noch seinen Weg finden, um die Handlung mehr zu tragen.


    Geschichte:

    Die Handlung hat es in sich, unzählige Verdächtige, ein Opfer, um den es niemand Leid ist und eine Mordwaffe, die spezieller kaum sein kann. Kein Wunder, dass da die Polizei alleine den Täter nicht finden kann. Da sich Fuchs und Elster noch nicht gefunden haben, gibt es noch nicht sehr viel Austausch miteinander und auch das Ende ist eher offen und wartet hoffentlich auf eine Klärung im zweiten Band.


    Fazit:

    Eine Studie in Tintenblau ist der gelungene Beginn eine Serie von Fällen für die Ermittler Fuchs und Elster. Mir haben viele Elemente gefallen, ich habe gerne mitgeraten und doch fehlen mir ein paar Kleinigkeiten, um alle meine Stirnfalten verschwinden zu lassen. Der Krimi hätte auch ohne Steampunk funktioniert und die Rollenverteilung ist dank der Titelunterschrift überraschend. Trotzdem habe ich gerne die Zeit in Bonpoint verbracht und werde auch genauso gerne wieder dahin zurückkehren.

    Seidenhandel und Kriegswirren


    Petra Schier entführt uns mit ihrem neuesten historischen Roman ins 17. Jahrhundert. Die Bewohner Rheinbachs versuchen ihrem normalen Leben nachzugehen. während die Kriegsparteien des Holländischen Krieges immer näher rücken. Eine lesenswerte Geschichte voller Liebe, starker Charaktere und dem genauen Blick auf das Leben in der damaligen Zeit.


    Inhalt:

    Madlen Thynen ist die geschäftstüchtige Tochter eines Tuchhändlers, die in unruhigen Kriegszeiten nicht nur die Geschäfte am Laufen halten, sondern herausfinden muss, für welchen der beiden Männer, die um sie werben, ihr Herz schlägt.


    Cover:

    Das Cover trifft Buchtitel und Handlung hervorragend. Im Hintergrund brennt die Stadt, während es im Vordergrund eine junge Frau eilig zu haben scheint. Stimmungsvoll und trotzdem völlig anders, als die bisherigen Titelbilder von Petra Schiers historischen Romanen.


    Hörbuch:

    Über 13 Stunden gelingt es Svenja Pages, den Zuhörer zu fesseln und mit ihrer angenehmen Stimme in die Welt Madlen Thynens zu entführen. Es fiel mir schwer, Pausen bei der ungekürzten Lesung einzulegen. Die unterschiedliche Stimmlage für Männerstimmen passt und lockert gut auf. Insgesamt eine Sprecherin, von der ich gerne mehr hören will.


    Setting und Stil:

    Petra Schier hat für ihren Roman die Zeit des Holländischen Krieg von 1672-78 gewählt und schafft es hervorragend, die damals herrschenden Bedingungen darzustellen und den Alltag der Menschen und die Wirren des Krieges vor den Augen des Lesers zum Leben zu erwecken. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mitfühlen, wie sich die doch kleine Welt der Madlen Thynen dank außerhalb ihres Einflussbereiches liegender Ereignisse dramatisch verändert. Nicht überraschend ist die Dreiecksbeziehung, bei der es aber zum Glück zum Ende hin genug spannende und überraschende Wendungen gibt, um mich zu fesseln.


    Charaktere:

    Madlen Thynen ist, wie bei Petra Schier üblich, eine starke und intelligente Frau, die nicht unbedingt dem typischen Frauenbild der Zeit entspricht. Dadurch ist es natürlich viel interessanter, ihrem Leben zu folgen und mitzubekommen, wie sich die Dreiecksbeziehung zwischen ihrer fürs Militär arbeitenden Jugendliebe Lucas Cuchenheim und ihrem Verlobten Peter von Werdt, bei dem sie ein unbeschwertes Leben führen könnte, entwickelt. Die beiden Männer sind schön unterschiedlich, die Liebesverwirrungen sind glaubhaft und nachvollziehbar und das Ende doch vorhersehbar.

    Neben den drei Hauptpersonen gibt es natürlich reichlich andere Bürger der Stadt, die einem schnell ans Herz wachsen und der Geschichte einen tollen Rahmen geben.


    Geschichte:

    Eine Stadt und ihre Bewohner, die zu Beginn noch sehr weit vom Kriegsgeschehen entfernt sind und die Kapitel für Kapitel immer weiter in den Strudel der Auseinandersetzung hineingezogen werden. Dazu eine Liebesgeschichte, deren Dramatik zum Kriegsverlauf passt. Eine tolle Steigerung der Emotionen, die in einem hervorragenden Höhepunkt endet.


    Fazit:

    Mir hat der neueste Roman Petra Schier wieder sehr gut gefallen, auch wenn die Ausgangssituation einer Frau zwischen zwei Männern mir doch sehr bekannt vorkommt. Zum Glück fängt der Rest der Geschichte diesen vorhersehbaren Ablauf genügend ab, so dass ich nie den Spaß am Lesen verlor. Spannend ist, dass der Krieg und seine Auswirkungen viel Raum bekommen. Sehr lesenswert und ein interessanter Ausflug ins 17. Jahrhundert, bei dem es eine junge, intelligente Frau nicht wirklich einfach hat.

    Ein Cozy-Krimi, der im herrlichen Irland spielt und von einer Frau handelt, die auf der Suche nach ihren familiären Wurzeln in einen Mord in einer Whiskey-Brennerei verwickelt wird. Ein spannendes und interessantes Thema hervorragend umgesetzt.


    Inhalt:
    Loreena Fallon besucht nach dem Tod ihres Vaters John Irland, um mehr über ihn und seine Verwandschaft herauszufinden. Die Suche in Badger's Burrow gestaltet sich schwierig, da niemand sich an ihn zu erinnern scheint. Als dann auch noch bei einer Veranstaltung der hiesigen Whiskey-Brennerei der Chef eines konkurrierenden Betriebes tot in einem Fass entdeckt wird, wird es richtig mysteriös. Denn bei ihm findet man die Visitenkarte ihres Vaters. Welchen Zusammenhang zwischen dem Mord und ihrem Whiskey-Laden in Deutschland könnte es geben. Sie beginnt mit der Unterstützung neuer Freunde nachzuforschen und stößt auf Geheimnisse, die man in dem kleinen Örtchen nicht vermutet hätte.


    Setting und Stil:
    Ivy Paul gelingt es hervorragend, Irland und seine Bewohner so zum Leben zu erwecken, dass man sich als Leser sofort heimisch fühlt. Dabei dürfen typischer Gerichte, die Abende im Pub und natürlich die Verkostung unterschiedlichster Whiskey-Varianten nicht fehlen. Man merkt, dass die Autorin weiß, worüber sie schreibt. Besonders hervorzuheben ist alles, was sich um Uisge Beatha, das Wasser des Lebens dreht. Man lernt viel über die Produktion, die verschiedenen Geschmacksrichtungen und den Genuss, für den ein guter Whiskey steht. So wie Ivy Paul die Idee zum Buch bei einem Glas Tullamore Dew gekommen ist, habe ich mir beim Lesen auch das eine oder andere Schlückchen Whiskey gegönnt, eine Mischung, die durchaus zu empfehlen ist.
    Der Krimi wird aus Loreenas Sicht erzählt, der wir als Beobachter über die Schulter schauen. Passend zum Genre wird sich genug Zeit genommen um Stimmungen einzufangen und Momente zu präsentieren, die weit mehr als nur die Krimihandlung enthalten.


    Charaktere:
    Loreena hatte es sich bestimmt leichter vorgestellt, mehr über die Vergangenheit ihres Vaters zu erfahren. Aber genau wie er darüber geschwiegen hat, scheint auch in Irland niemand etwas mit dem Namen Fallon anfangen zu können. Zum Glück hat sie als Whiskey-Händlerin auch so genug Gründe, Land und Leute kennen zu lernen. Dadurch wird sich die Vergangenheit sicher fast von alleine klären. Eine Frau, mit der man gerne Irland kennen lernt und in das Leben rund um den Whiskey eintaucht.
    Ihr zur Seite stehen Mae, bei der sie zur Untermiete wohnt und deren Sohn Brandon, der Polizist des Ortes. Die erstere ein absolutes Unikat und der zweite ein durchaus fähiger Ermittler, der Loreena unterstützt.
    Die beiden sind zwei typische Beispiele für die stimmungsvolle und gelungene Mischung interessanter Charaktere, die von älteren Dorfeinwohnern über Brennereimitarbeitern und Pastor bis zum Pubbesitzer führt.
    Wo es einen Mord gibt, darf der Täter nicht weit sein und tatsächlich ist es jemand, auf den ich kaum gekommen wäre.


    Geschichte:
    Eine Mischung aus Ahnenforschung, der Liebe zum Whiskey und zu Irland sowie interessanten Charaktere erwartet den Leser. Ein runde Sache, die mich gefesselt und berührt hat. Alle Aspekte stimmen und funktionieren, es gibt einiges Neues über Whiskey und seine Herstellung zu erfahren und man verbringt die Zeit mit einem Hauptcharakter, dem man gerne wieder über den Weg laufen will.
    Die Spannung kommt auch nicht zu kurz und so fällt es schwer, das Buch zur Seite zu legen.


    Fazit:
    Mir hat der Ausflug nach Irland sehr gut gefallen. Auf allen Bereichen konnte mich die Geschichte überzeugen und ich hoffe doch, dass Loreena noch einmal nach Irland zurückkehren wird. Die Autorin hat mit Irland und Whiskey genau die richtigen Themen gewählt, um mein Interesse zu erwecken und so kann ich auch jedem Fan des Landes und/oder des Getränkes dazu raten, sich ebenfalls von der Handlung faszinieren zu lassen. Ein Cozy-Krimi, der mir sehr viel Spaß bereitet hat.

    Zwei Göttinger Kommissare ermitteln im beschaulichen Eichsfeld auf einer Alpaka-Farm. Ein tolles Setting, reichlich Verdächtige und menschliche Tiefen, die es zu ergründen gilt. Ein Ausflug aufs Land, der sich lohnt.


    Inhalt:
    Kommissare Christian Heldt und Tomek Piotrowski sollen den Mord an Linda Becker aufklären. Sie arbeitet auf einer Alpaka-Farm und ist mit dem Sohn des Besitzers verlobt. Es ist seltsam, wie wenig Anteilnahme die Tat bei der Familie erzeugt. Man versucht schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen. Doch diese Rechnung haben sie ohne die Ermittler gemacht, die sich nun erst recht auf sie und ihr Umfeld konzentrieren. Und das, was sie entdecken, passt nicht wirklich zur idyllischen Umgebung und dem Leben im beschaulichen Eichsfeld.


    Setting und Stil:
    Die beiden Göttinger Ermittler werden nach Duderstadt entsandt, um die Ermittlungen im benachbarten Eichsfeld zu übernehmen. Spannend ist der Einblick ins Hofleben und den Umgang mit Alapkas. Dabei dürfen natürlich Tierschützer mit ihrer Meinung nicht fehlen, genau wie die Sicht des Tierarzts und natürlich die des Hofbesitzers, sowie die Zukunftspläne, die das Überleben der Tierzucht sichern sollen.
    Bildliche Beschreibungen von Land und Leuten erleichtern das Eintauchen in Buch und Handlung. Kurze Kapitel und wechselnde Sichtweisen geben dem Leser einen guten Überblick.


    Charaktere:
    Christian Heldt und Tomek Piotrowski sind ein tolles Ermittlerduo, mit dem ich gerne noch weitere Fälle lösen möchte. Ihre Ermittlungsmethoden sind stimmig und interessant, ihr Privatleben nimmt genau den richtigen Raum ein und es gibt sicherlich noch vieles, was man über sie erfahren kann.
    Die beiden stoßen auf eine Familie, bei der es hinter der Fassade ordentlich brodelt. Hinzu kommt ein Tierarzt, dessen Sympathiewerte eher gegen null tendieren. Dann mischen noch Tierschützer mit und schon hat man eine gelungene Mischung, unter der sich sicherlich der Täter finden lässt.


    Geschichte:
    Mir hat schon die Erwähnung von Alpakas genügt, um mich für den Krimi zu interessieren. Allerdings konnte ich nicht ahnen, wie viel mehr doch in den Seiten steckt. Es geht um eine Bauernfamilie, bei der Neid, Intrigen und Hass unter der Oberfläche brodeln. Linda kam mit neuen Ideen auf den Hof und verlobte sich schließlich mit dem Sohn des Bauern. Eine kleine Änderung mit großen Folgen. Und dieses Aufzudröseln ist nun den Kommissaren vorbehalten, mit denen sich hervorragend mit ermitteln lässt. Es warten einige Überraschungen und ich dürfte nicht der einzige sein, der bis zum Ende der falschen Fährte folgte.


    Fazit:
    Stallgeruch ist ein äußerst gelungener Erstlingskrimi, dem hoffentlich noch viele folgen werden. Dominik Kimyon konnte mich mit der Mischung aus interessanten Ermittlern, mysteriösen Verdächtigen und spannender Umgebung völlig überzeugen. Ich kann ihn jedem Krimileser ans Herz legen. Der Ausflug aufs Land lohnt sich, nicht nur wegen der possierlichen Alpakas.

    Der Sanktus darf zum dritten Mal beweisen, dass es für ihn in München kein unlösbares Verbrechen gibt. Diesmal hat er es mit einer Jack the Ripper-Kopie zu tun. Spannend, humorvoll und mit sehr viel Lokalkolorit. Definitiv zu empfehlen!


    Inhalt:
    Alfred Sanktjohanser wird von seiner Schwester Anna darum gebeten, sich um den Mord an ihrer Freundin zu kümmern. Diese scheint einem Täter zum Opfer gefallen zu sein, der sich an den Kanonischen Fünf von Jack the Ripper orientiert. Zusammen mit Kommissar Bichlmaier macht er sich auf die Jagd, scheint aber immer einen Schritt zu spät zu kommen.


    Setting und Stil:
    München zur Faschingszeit führt dazu, dass der Sanktus in reichlich unterhaltsame und manchmal ziemlich peinliche Situationen gerät. Es wird ausgiebig gefeiert, getrunken und den Frauen nachgestellt. Trotzdem bleibt noch genug Zeit, um sich mit der Mordserie zu befassen, die schon bald ganz München beschäftigt.
    Andreas Schröfl gelingt es hervorragend, die bayrische Seele zu Papier zu bringen. Der Dialekt darf nicht fehlen, die Charaktere sind so, wie man sich die Bewohner der bayrischen Hauptstadt vorstellt und man fühlt sich als Leser direkt vor Ort versetzt.
    Dabei sieht man vor allem dem Sanktus über die Schulter, erhält jedoch auch Einblick in die Gedankenwelt des Täters. Interessant sind die Beschreibungen der Morde an den Original-Ripper Opfern.


    Charaktere:
    Sich mit dem Sanktus zu identifizieren ist mir besonders leicht gefallen. Man muss ihn einfach mögen, wie er zwischen Privatleben und Ermittlerhobby hin- und herwandert. Humorvoll geht es zu, das Leben genießen ist eines seiner Ziele und die funktionierende Spürnase lässt ihn schließlich obsiegen. Ein toller Charakter, dessen Familie und Freunde gleichsam interessant sind.
    Die polizeiliche Unterstützung bekommt er durch den Bichlmaier, dem sich durch privaten Ermittlungen neue Ansatzpunkte für die Polizeiarbeit bietet.
    Ihr Gegner, der den Vergleich mit dem echten Ripper nicht scheuen muss, fordert sie aufs Äußerste. Immer einen Schritt voraus, bleibt den beiden nur zu reagieren und so darf man sich auf den fesselnden Showdown freuen und die Frage, ob die Kopie der "Kanonischen Fünf" vollendet wird oder nicht.


    Geschichte:
    Eine tolle Mischung aus spannendem Fall und interessantem Privatleben. Die Faschingszeit eignet sich perfekt, um sowohl für reichlich unterhaltsame und alkoholgeschwängerte Momente zu sorgen, als auch dem Täter ein Umfeld zu geben, in dem er seine Taten leichter ausüben kann. Eine ideale Umgebung, um in die Jack the Ripper Geschichte frischen Wind zu bringen.


    Fazit:
    Für mich war es der erste Sanktus-Krimi, trotzdem habe ich mich sofort zurecht gefunden. Eine tolle Grundidee, unterhaltsame und liebenswerte Charaktere, eine gehörige Portion Münchener Flair und schon hat man den perfekten Regionalkrimi. Ich kann ihn nur jedem Krimifan ans Herz legen. Der Ausflug nach München lohnt sich auf jeden Fall.

    Eine Vater-Sohn-Geschichte vor den Weiten des Weltraums. Ein Buch über kleine Entscheidungen und große Wirkung in einer zukünftigen Welt, in der das Leben nicht wirklich einfacher geworden ist.


    Inhalt:
    Der vierzehnjährige Ered erfährt, dass sein totgeglaubter Vater noch am Leben ist. Ohne seine Mutter zu informieren macht er sich auf den abenteuerlichen Weg zur Raumstation, um ihn zu treffen. Der kühne Plan geht auf, wobei er nicht nur seinen Vater, sondern gleich auch noch eine Schwester zurück erhält. Doch damit fängt das Abenteuer erst an, nachdem Ered erfährt, dass sein Vater Pläne verfolgt, mit denen er sich überhaupt nicht anfreunden kann. Es kommt zum Knall zwischen ihnen, der die wirklichen Mächte des Sonnensystems zum Handeln zwingt.


    Setting und Stil:
    J.H. Artschwager entführt uns in eine Welt 500 Jahre in der Zukunft. Sie erinnert stark an Endzeit-Szenarien, wobei hier allerdings noch genug High Tech zur Verfügung steht, wenn auch nicht für große Teile der menschlichen Bevölkerung. Das Leben ist hart, die Zukunftaussichten nicht wirklich rosig und die Chancen, aus diesem Trott auszubrechen, äußerst gering. Es geht um Rohstoffgewinnung, Einflussbereichssicherung und zwei galaktische Fraktionen, die der nächsten Auseinandersetzung entgegen fiebern.
    Eine glaubhafte Welt, in der man schnell erwachsen werden muss, die einen an Grenzen führt und zu Entscheidungen zwingt, die Leben oder Tod bedeuten können.
    Erzählt wird die Geschichte aus Ereds Sicht, dem der Leser als Beobachter ständig über die Schulter schaut.


    Charaktere:
    Ered hat mit seinen jungen Jahren schon einiges hinter sich. Dank des Verschwinden seines Vaters verlief sein Leben anders als geplant und nun sieht er die Chance, seine alten Wunschvorstellungen doch wieder erfüllt zu sehen. Wir erleben mit, wie er sich alleine aufmacht, seinen Vater und seine neue "Familie" trifft, seine Technikbegabung gefragt ist und im Endeffekt doch alles auf den Kopf gestellt wird. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, auf die man sich leicht einlassen kann.
    Sein Vater hat es gelernt zu überleben und für sich das Beste aus den sich ihm bietenden Möglichkeiten zu machen. Dabei hat er allerdings nicht mit Ereds Moralvorstellungen gerechnet, wahrscheinlich sein größter Fehler.
    Spannend ist die Begegnung mit Vanja, seiner "Schwester", die ihm gehörig den Kopf verdreht. Wobei dies definitiv nicht ihr einziges Talent ist.
    Neben diesen dreien gibt es noch eine spannende Mischung aus äußerst unterschiedlicher Charaktere, die alle perfekt in die extreme Lebenssituation abseits der großen Siedlungen passen.


    Geschichte:
    Was vielleicht als Dystopie beginnt verwandelt sich zum Ende hin in ein von Raumschlachten geprägtes Weltraumabenteuer. J.H. Artschwagers Geschichte ist deshalb schwer in eine der üblichen Unterkategorien der Science Fiction zu packen und steht deshalb eher für sich selbst, als für das zu enge Korsett der Erwartungshaltung des Lesers. Gerade die Mischung aus familiärem Leben und globalen, planetenvernichtenden Raumschiffflotten macht hier den Reiz aus.


    Fazit:
    Dem Autor ist es mit seinem Erstlingswerk gelungen, einen Science Fiction Roman zu schreiben, der sicherlich zu einigen Kontroversen führen kann. Diese haben wahrscheinlich hauptsächlich etwas mit falscher Erwartungshaltung zu tun. Mir hat er sehr gut gefallen, ich bin gerne mit Ered auf das Abenteuer seines Lebens gegangen, auch wenn ich nicht unbedingt mit all seinen Entscheidungen einverstanden war. Aber auch das macht ja einen gewissen Reiz aus. Ich kann es Fans des Genres nur ans Herz legen. Es ist eine tolle Geschichte in einer faszinierenden Welt, die gerne noch weiter erforscht werden kann.

    Ein schwieriges Kapitel in der österreichischen Geschichte ist Mittelpunkt dieses fesselnden und zum Nachdenken anregenden Krimis. Dorli und Lupos vierter Fall ist ein emotional mitreißender Ausflug in die Nachkriegszeit, deren Nachwirkungen nicht nur ein Bauernpaar das Leben kosten könnte.


    Inhalt:
    In einem niederösterreichischen Dorf wurde ein Bauernpaar ermordet. Verdächtige gibt es genug und Sandra, die Enkelin der Ermordeten, beauftragt Detektiv Lupo Schatz und Dorli Wiltzing der lieben Verwandschaft auf die Finger zu schauen. Es geht um Erpressung, Fremdunterbringung in den 50er Jahren und ein geheimnisvolles Russenkind.
    Als schließlich das Skelett eines Babys im Keller entdeckt wird, verdichten sich die Hinweise auf ein lang zurückliegendes Tatmotiv. Allerdings gibt es kaum noch jemand, der sich an die Zeit erinnern kann.


    Setting und Stil:
    Es könnte doch so idyllisch sein in einem Dorf in Niederösterreich. Doch wie so oft versteckt sich unter der schönen Fassade einiges, das besser nie zu Tage gefördert wird. Doch genau dies ist die Aufgabe unserer Detektive. Veronika A. Grager beschreibt hervorragend das Leben auf dem Gutshof und glänzt besonders in den Passagen, in denen es um die Vergangenheit der Familie geht. Die Fremdunterbringung von Kindern in der Nachkriegszeit war keine Seltenheit und die sich daraus ergebenden Probleme und Qualen für die Kinder leider auch nicht. All dies wurde stimmig und bewegend in die Handlung eingebaut und dürfte beim Leser doch für einiges Nachdenken sorgen.
    Kurze Unterabschnitte, wechselnde Sichtweisen und Handlungszeiten sorgen dafür, dass die Spannung hoch gehalten wird und der Leser sich immer mitten im Geschehen aufhält.


    Charaktere:
    Dorli Witzing und Lupo Schatz sind ein erfahrenes und eingespieltes Ermittlerteam. Sie werden zwar von den Ausmaßen des Falls ziemlich überrascht, ermitteln trotzdem souverän und erfolgreich, um ihrer Klientin das Erbe zu sichern. Es bringt einfach Spaß, ihr Zusammenspiel zu beobachten.
    Sie treffen auf eine ziemlich verkorkste Bauernfamilie, die ihnen die Ermittlungen nicht wirklich erleichtern. Jeder scheint ein Motiv zu haben, bis auf ihre Klientin.
    Als schließlich noch die Geschehnisse aus den 50er Jahren hinzukommen, beginnt die Suche nach Zeugen aus dieser Zeit, was zu der einen oder anderen spannenden Begegnung führt.
    Natürlich gibt es wie in jedem Krimi auch einen Täter, dessen Motivation gut nachvollziehbar ist.


    Geschichte:
    Wie im Nachwort nachzulesen hat sich die Autorin ausführlich mit dem Thema der Fremdunterbringung in Pflegefamilien beschäftigt. Dieses unrühmliche Kapitel der neueren österreichichen Geschichte wurde erst sehr spät aufgearbeitet und so passt es, dass in diesem Krimi die Bauernfamilie erst Jahre später von ihren Missetaten eingeholt wird. Dieser Bereich der Handlung macht den Krimi zu etwas Besonderem und hebt ihn weit über den Durchschnitt hinaus. Dies geschieht allerdings so, dass man eher nebenher mehr über die Zeitgeschichte erfährt.


    Fazit:
    Dieser spannende und ein ernstes Thema behandelnde Regionalkrimi dürfte nicht nur mich bewegt und nachdenklich zurücklassen. Es ist schon ein Wahnsinn, was Menschen immer wieder einfällt, und wie leicht doch Fehler auf allen Ebenen begangen werden können. Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach hervorragend, diese unrühmliche Thematik in ihren Krimi einzubinden und ihren Ermittlern eine neue Herausforderung zu stellen. Ich habe mich sowohl gerne mit den historischen Realitäten befasst, als auch bei den Ermittlungen des Falles mitgefiebert. Sauglück ist ein hervorragendes Beispiel, wie man Wissen perfekt in spannende Handlung verpackt. Ein Buch für Krimifans, die weit mehr als den 08/15 Fall bevorzugen.

    Ein gelungenes Krimidebüt, das sich um den Raub des Sophienschatzes 1977 in Dresden dreht.


    Inhalt:
    Kommissar Martin Singer und seine Kollegin Luisa Leuw werden zur Dresdner Villa von Professor Friedrich Buhbach gerufen. Er wurde morgens tot aufgefunden und schnell stellt sich heraus, dass es kein natürlich Tod sein kann. Zuerst geraten verständlicherweise seine Erben in Verdacht, doch als man sich mehr mit seiner Vergangenheit beschäftigt, entdeckt man seine Verstrickungen in den Raub des Sophienschatzes 1977. Spuren führen zu Stasi-Verflechtungen und als eine weitere Leiche entdeckt wird, gerät selbst Hauptkommissar Singer in Gefahr.


    Setting und Stil:
    Man merkt, dass Susanne Melde sich als Dresdnerin hervorragend vor Ort auskennt. Ihr gelingt es, die Liebe zur Stadt dem Leser mit stimmungsvollen Beschreibungen zu vermitteln. Mit dem Raub des Sophienschatzes aus dem Stadtmuseum hat sie sich einen spannenden Diebstahl in der DDR-Geschichte ausgewählt, um ihn zum Teil ihrer Handlung zu machen. Dieser teilweise ungeklärte Fall wird von ihr spannend in die Handlung mit eingewebt. Da mir die Geschichte nicht bekannt war, war es spannend mehr über die damaligen Geschehnisse zu erfahren.
    Kurze Kapitel und wechselnde Sichtweisen garantieren einen zugigen Handlungsverlauf.


    Charaktere:
    Einer meiner Hauptkritikpunkte an dem Krimi sind die beiden Ermittler. Dieser beziehen sich allerdings nicht auf ihre Ermittlungstätigkeit, sondern eher auf das Privatleben, dem relativ viel Raum gegeben wird für den ersten Auftritt der beiden. Hinzu kommt, dass Martin leichten Albinismus und Luisa ihren Geschmackssinn verloren hat. Meiner Meinung nach zu viel des Guten, insbesondere da die beiden Krankheiten nicht wirklich Einfluss auf die Handlung haben.
    Damit endet dann aber auch schon meine Kritik, die restlichen Charaktere sind glaubhaft, es gibt viele Überraschungen und es bringt Spaß, den Ermittlungen zu folgen.


    Geschichte:
    Was mit einem möglichen Familiendrama beginnt, weitet sich sehr schnell zu einer viel größeren und vielschichtigeren Geschichte. Den Ermittlern beim Verfolgen der unterschiedlichen Spuren zuzusehen, mitzuerleben, wie sie selbst in Gefahr geraten, und am Ende die glaubwürdige und rundum zufriedenstellende Lösung zu erfahren, hat mir sehr gut gefallen. Dies ist eine absolute Stärke des Buches, das uns lange im Ungewissen lässt, wer letztendlich für die Morde verantwortlich ist.


    Fazit:
    Der erste Dresden-Krimi von Susanne Melde hat mir gut gefallen. Der flüssige Schreibstil, die tollen Beschreibungen, eine fesselnde Handlung sind alles Pluspunkte, die nur leicht durch die etwas überzeichneten Ermittler eingetrübt werden. Ich kann den Krimi also jedem empfehlen, der gerne mehr über Dresdener Geschichte und den spannenden Fall rund um den Professor mit der fragwürdigen Vergangenheit erfahren will.

    Eine Gummiente in Marrakesch, das alleine reicht schon, um den Cozy Krimi ins Herz zu schließen. Ein spannender und humorvoller Fall an einem exotischen Ort. Ein schwäbischer Ermittler, vier Rentnerinnen und die Sphinx von Marrakesch.


    Inhalt:
    Der schwäbische Oberkommissar Schäfer reist in seinem vierten Fall nach Marrakesch, um sein Wissen an die dortige Polizei weiterzugeben. Im selben Flugzeug sitzen vier Rentnerinnen, die sich auf einen interessanten Urlaub freuen. Schäfer kommt kaum dazu sich einzuleben, da die weltberühmte Sphinx von Marrakesch verschwunden ist, nachdem sie erst kurz vorher wieder aufgetaucht war. Als schließlich eine der Renterinnen, Erna Bromstetter, verdächtigt wird, etwas mit dem Verschwinden der Statue zu tun zu haben, müssen Schäfer und sein junger marokkanischer Kollege Samir herausfinden, was wirklich hinter den Anschuldigungen steckt.


    Setting und Stil:
    Ein Schwabe in Marokko zur Fortbildung der dortigen Polizei, bei der so einiges im Argen ist. Eine Gruppe rüstiger Rentnerinnen, die auf Kultururlaub das Land unsicher machen. Tolle Beschreibungen, stimmige Situationen, eine gehörige Portion Dialekt und eine durchgehen unterhaltsame und lockere Atmosphäre.
    Wechselnde Sichtweisen und kurze Kapitel treiben die Handlung abwechslungsreich voran.


    Charaktere:
    Oberinspektor Jürgen Schäfer muss man samt seines schwäbischen Dialekts einfach gern haben. Auf seine ruhige Art löst er souverän jeden Fall, selbst im weit entfernten Marrakesch. Er wird diesmal von dem jungen Polizisten Samir unterstützt, der im Gegensatz zu einem Teil seiner Kollegen seinen Beruf sehr ernst nimmt.
    Die vier Rentnerinnen sind eine tolle Truppe, die einigen Schwung in die Handlung bringen. Gleich zu Beginn ihres Urlaubs treffen sie auf ihren Fremdenführer Abu Rasul, durch den wir einen hervorragenden Einblick in das normale Leben des Landes erhalten.
    Eine tolle Mischung, mit der man durchaus noch länger seine Lesezeit verbringen könnte.


    Geschichte:
    Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Das trifft hier sowohl auf unseren Kommissar, als auch auf die Reisegruppe zu. Sie werden in ein spannendes und unterhaltsames Abenteuer verstrickt, das weitere Kreise zieht, als man annehmen könnte. 130 Seiten voller humorvoller Situationen, spannender Handlungswendungen und einem Kommissar, der wie ein Fels in der Brandung allen Widrigkeiten widersteht.


    Fazit:
    Für mich war es der erste Krimi der Reihe, trotzdem habe ich mich sofort zurechtgefunden. Die Charaktere sind einfach liebenswert und sie geraten sowohl in humorvolle als auch durchaus ernste Situationen. Mir hat besonders Jürgen Schäfers typisch schwäbische Art gefallen, mit der er an seine Arbeit herangeht und sich sich in neuer Umgebung dank vieler deutschsprachiger Einheimischer gut zurecht findet. Dank seiner Kürze sehr unterhaltsamer Lesespaß für zwischendurch. Empfehlenswert für alle Leser, die das Genre lieben und gerne mal einen ungewöhnlichen Handlungsort für sich entdecken wollen.

    Was wäre, wenn die echte Mona Lisa in Hamburg auftauchen würde? Genau dieser Frage geht man in diesem spannenden Krimi auf den Grund. Ein interessanter Ausflug in die Welt der Kunstsammler und zurück zum Diebstahl der Mona Lisa im Jahr 1911.


    Inhalt:
    Der Hamburger Kunstliebhaber Carl Werner Mackenbach wird tot in seiner Villa aufgefunden, die Tatwaffe, eine Kopie der Mona Lisa. Kommissar Unger und sein Team beginnen zu ermittelt und ihre Spur führt sie bis ins Jahr 1911, in dem das Gemälde aus dem Louvre gestohlen wurde. Hängt nun eine Fälschung im Museum, oder ist es doch das Original?


    Setting und Stil:
    Der Krimi beginnt im Jahr 1911 und dem spektakulären Kunstraub der Mona Lisa durch Vincenzo Peruggia. Die bekannte Handlung wird durch ein paar Aspekte erweitert und führt so in die Neuzeit nach Hamburg. Als Tatwaffe taucht das Gemälde wieder auf und im Verlauf des Krimis erfahren wir immer mehr über die Irrwege, die das Bild durch die Jahrzehnte zurückgelegt hat.
    In Hamburg kriegen wir Einblick in die sehr versteckt handelnde Kunstliebhaberszene. Dabei sehen wir vor allem Kommissar Unger über die Schulter und erhalten so Einblick in die komplizierten Ermittlungen im Umkreis der Familie.


    Charaktere:
    Kommissar Unger hat mir bis auf einen kleinen Aspekt sehr gut gefallen. Leider hat der ansonsten souverän auftretende Ermittler eine kleine Schwäche, wenn es um seine Mutter geht, die ihm nicht nur die Pausenstulle vorbereitet. Er wird unterstützt von einem immer größer werdenden Team. Dabei hat mir Monique besonders gut gefallen, eine Polizistin, die schon fast ihre eigene Geschichte verdient hätte.
    Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Kinder des Kunstsammlers, sowie dessen Haushälterin und ihre Zwillingsschwester. Eine tolle Mischung an Charakteren, die das Thema Original und Fälschung jeweils auf ihre eigene Art und Weise repräsentieren.


    Geschichte:
    Kay Jacobs ist es hervorragend gelungen, die allgemein bekannte Geschichte rund um den Kunstraub Anfang des 20. Jahrhunderts mit neuen Ideen anzureichern. Die Beschreibungen könnten direkt in eine Dokumentation umgewandelt werden. Der Weg durch die Jahrzehnte ist logisch und gut nachvollziehbar, wobei der auf der Rückseite angebrachte Brief normalerweise kaum über die Jahre ungelesen geblieben wäre.
    Das Schicksal des Bildes als Tatwaffe und die sich daraus ergebenden Ermittlungen sind spannend und bieten dem Leser eine gute Chance mitzurätseln. Dieses Rätseln endet erst auf den letzten Seiten mit einer gelungenen Überraschung.
    Besonders spannend finde ich das Spiel mit Original und Fälschung, dass sich auf allen Ebenen wiederfindet. Außerdem spielt Phosphor eine bemerkenswerte Rolle, die mir so bisher noch nicht klar war.


    Fazit:
    Mir hat es äußerst gut gefallen, wie Kay Jacobs Geschichte und Gegenwart verknüpft hat. Dabei ist ein toller Krimi entstanden, der bis auf einige kleine Ungereimtheiten hervorragend unterhält und fesselt. Ein Buch für historisch Interessierte, für Krimileser, die auf knifflige Personenkonstellationen stehen.

    Kommissar Nettelbeck ermittelt zum fünften Mal. Wieder wartet ein spannender und unterhaltsamer Fall auf ihn, der ihn nicht nur in die Investmentwelt, sondern auch in die omanische Botschaft führt. Ein Berlinkrimi, der es in sich hat.


    Inhalt:
    Der Berliner Kommissar Martin Nettelbeck freut sich vor allem auf eines, den anstehenden Familienurlaub in Westafrika. Doch kurz vor Abflug wird die Leiche eines Callgirls gefunden, das den Abend mit einem omanischen Militärattaché verbracht hat. Da er Spezialist ist für Fälle, in die Diplomaten verwickelt sind, rückt der Abflug für ihn jedoch in weite Ferne. Umso wichtiger, schnell und effektiv zu ermitteln. Ein Plan der aufgehen könnte, wäre da nicht Maximilian Hollweg, ein Investor, dem nachgestellt wird und ein Schlagerstar, dessen Comeback anders verläuft als erwartet.


    Setting und Stil:
    Berlin als Hintergrund für diesen Krimi passt natürlich perfekt. Diplomaten, Botschaften, Investoren und alternde Schlagersänger fühlen sich in ihren Straßen sicher wohl. Auch der Fall des verstorbenen Callgirls erfüllt die Klischees. Dank der sehr kurzen Kapitel, den ständig wechselnden Ansichten und dem mitreißenden und fesselnden Schreibstils konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Etwas ungünstig empfinde ich es, dass man schon sehr früh die Pläne des Täters kennt, man also eher als allwissender Leser der Handlung folgt.


    Charaktere:
    Kommissar Martin Nettelbeck ist wirklich nicht zu beneiden. Sein Urlaub verschiebt sich, die Familie muss ohne ihn los und dann hat er noch einen Fall übertragen bekommen, bei dem es kaum Erfolgschancen gibt. Eine ziemlich frustrierende Situation, die er trotzdem höchst professionell zusammen mit seinem Kollegen Wilbert Täubner löst. Ein Ermittlerteam, das ich sofort ins Herz geschlossen habe.
    Ihnen gegenüber stehen eine stattliche Zahl eher unangenehmer Charaktere, die durch die unterschiedlichen Handlungsstränge in den Fall verwickelt werden. Es gibt nur zwei Lichtblicke, mit denen man mitfiebert und das sind Hollwegs persönlicher Assistent Jens Todsen und das Kindermädchen des Omanischen Botschafters.


    Geschichte:
    Es gelingt Rainer Wittkamp hervorragend die verschiedenen Handlungsstränge zu einer Einheit zusammenzufügen. Auch wenn man als Leser von Anfang an Einblick in die Gedankenwelten aller Mitwirkenden hat, sind die einzelnen Geschichten spannend und durchaus mit humorigen Elementen bestückt. Dazu gehört nicht nur der Schlagersong "Curry Love", das Liebeslied an die Currywurst. Es geschieht so viel, dass man als Leser nicht wirklich durchschnaufen kann. Rasant geht es voran, trotzdem bleibt den Ermittlern noch Zeit fürs Privatleben. Insgesamt eine runde Sache, die mir gut gefallen hat.


    Fazit:
    Hyänengesang ist der gelungene fünfte Band der Serie, der mit einer unterhaltsamen Mischung unterschiedlichster Charaktere und Erzählstränge überzeugen kann. Als Leser sollte man allerdings den allwissenden Blick auf die Handlung mögen, ansonsten kann ich das Buch jedem Krimileser empfehlen.