Beiträge von Squirrel

    So schlimm, bzw deutlich empfand ich das gar nicht. Ja, episodenhaft ist der Roman - aber das war nun mal das ursprüngliche Konzept der Auftragsarbeit.

    Natürlich ist das Episodenhafte das ursprüngliche Konzept. Das ist auch völlig in Ordnung und ich hatte sehr viel Spaß, genauso wie Du, bei diesen Kurzgeschichten am Anfang. Aber ich bin kein typischer Kurzgeschichtenliebhaber, wobei ich das auch gar nicht meinte mit meinem Anfangskommentar. Sondern ich denke viel mehr daran, wie Dickens eben versucht, aus den Episoden langsam eine zusammenhängende Geschichte zu formen. Dabei blieben manche Fäden unverknüpft, wie wir festgestellt haben, und das Ende ist zu plötzlich und zu sehr erzwungenes Happy End. Das ist Dickens später einfach nicht mehr passiert und hierin zeigt sich für mich seine damalige Unerfahrenheit. Nur das wollte ich damit ausdrücken und damit hast ja auch Du so ein paar Schwierigkeiten gehabt. Das ist auch ganz sicher Kritik auf sehr hohem Niveau, denn Dickens zeigt schon sehr viel von seinem Können, seiner Sprachgewalt, seiner Ironie, die wir beide so lieben. Nicht umsonst ist unser beider Liebling sein Spätwerk "Bleak House". :love:

    :huhu:


    Die weiteren Anmerkungen haben nicht mehr ergeben als wir selbst schon diskutiert haben: das Dickens irgendwann anfing, aus den einzelnen Geschichten eine komplette Geschichte zu formen, dass unser Sam das Bindeglied ist, eingeführt als "Antipode" zu Jingles. Dickens hatte wohl erkannt, dass ihn die einzelnen Slapstick-Geschichten nicht durch so viele Auflagen tragen wie er schreiben musste. Und Sam war die Idealfigur, um die naiven weltfremden Pickwickier in die Realität zurückzuholen. :wink: Außerdem war er eine Kombination aus Bindeglied zur Realität und Quelle der Satire und Karikatur mit seinen Sprüchen. :)


    Hier habe ich übrigens meine Rezi hinterlassen. :uups:

    Marie hat wie immer eine fantastische Rezension geschrieben, der ich nur komplett beipflichten kann. Sie hat es auf den Punkt gebracht besonders mit diesem Abschnitt:

    Nun kommt das eigentliche Thema zum Tragen, mit dem der Autor seine Leser durch alle seine Bücher hindurch begleitet: Die Frage von Schuld und Vergebung. Wie verhalten sich Schuld und Verantwortlichkeit zueinander, wie Schuld und Gewissen, wie Gewissen und Erinnerung? Ist Bestrafung ein wirksames Mittel, um der Schuld entgegen zu treten? Wird man nicht erst durch einen Vorsatz schuldig? Oder genügt eine Unaufmerksamkeit?

    Eine Flut von Anregungen, Fragen und Gedankenanstößen. Verkörpert von Michel, aber auch von Dravelle.

    Die Wendung in der Mitte zu diesem Thema hin hat mich komplett überrascht, die Fragen und Gedanken bleiben. Das Buch beschäftigte mich sehr lang und es wird wohl zu denen gehören, deren Inhalt und Gedanken ich noch in vielen Jahren präsent haben werde.


    Gleichzeitig geht es mir wie kaffeeelse : dies war mein erstes Buch von Chalandon, aber bestimmt nicht mein letztes. Er hat mich von seinem Können völlig überzeugt und wenn die anderen Bücher nur halb so gut wären wie dieses hier, dann lohnt sich das Lesen noch immer. Ein toller Autor, der ein schwieriges Thema in eine wunderbare, wenngleich düstere und traurige Geschichte gepackt hat.

    Über den Autor:
    Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und schloss das Studium 1979 mit der Promotion ab. Er gehört mittlerweile zu den bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in 29 Sprachen übersetzt. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayrischen Akademie der Schönen Künste. Im Sommersemester 2010 hatte er die Brüder-Grimm-Professur der Universität Kassel inne.
    Doch Rafik Schami schreibt nicht nur selbst, er gründete 2011 die Literaturreihe „Swallow Editions“ für Literatur aus den arabischen Ländern, mit der er jungen arabischen Autoren Übersetzungen und damit ein breiteres europäisches Publikum ermöglicht. Außerdem gründete er mit Freunden zusammen 2012 den Verein „Schams“ zur Förderung und Unterstützung von syrischen Kindern und Jugendlichen, bei dem er direkt Schulprojekte in Syrien fördert, aber auch die korrekte Verwendung der Spenden überwacht, wie er in einer Lesung selbst erzählte.
    (Quelle: Wikipedia, Amazon, dtv-Homepage des Autors)


    Buchinhalt:
    Der Klappentext lässt eine Kriminalgeschichte erwarten, doch sie bildet nur eine lose Klammer um die epische Geschichte zweier Clans aus Mala und die damit ebenso episch erzählte Geschichte Syriens der letzten 100 Jahre. Zentrales Bindeglied ist dabei die Liebesgeschichte zwischen Farid und Rana, die den verfeindeten Clans angehören.

    Der Roman in der verlinkten gebundenen Ausgabe umfasst 896 Seiten unterteilt in mehrere „Bücher“ (z.B. „Buch der Liebe“, „Buch der Einsamkeit“), die jeweils wieder in kleine Kapitel unterteilt sind. Diese „Bücher“ werden nicht zusammenhängend erzählt, sondern wechseln sich ab. Die Gesamtzahl von 304 durchlaufend numerierten Kapiteln weist deutlich darauf hin, dass viele Kapitel extrem kurz (manchmal nur eine Seite lang) sind, andere dagegen wieder länger.


    Meine Meinung:
    Nachdem ich den „zweiten Band der Barudi-Reihe“ geschenkt bekam, wollte ich zunächst diesen „ersten Band“ der Reihe lesen. Gleich vorweg: es handelt sich nicht wirklich um eine Reihe, denn lediglich Kommissar Barudi kommt in beiden Gechichten vor. Warum der Verlag diese beiden Bücher als Reihe ausgibt, erschließt sich mir nicht, denn der Kommissar hat in dem hier rezensierten Buch nur eine sehr kleine Nebenrolle am Anfang und verschwindet dann total aus der Geschichte.

    Ich liebe gut erzählte Familiengeschichten und ich liebe die Bücher von Rafik Schami. Es wundert also wohl niemanden, dass ich auch dieses Buch sehr gerne gelesen habe. Aber es fordert den Leser auf zwei Ebenen: zum einen muss man die beiden Großfamilien der Muschtaks und Schahins erst einmal genau kennenlernen, wobei die beiden Stammbäume (vorn und hinten im Buch jeweils einer) wirklich hilfreich sind. Und trotzdem dauert es recht lange, bis man die Zusammenhänge nicht mehr dauernd nachschlagen muss. Zum anderen muss man wirklich am Ball bleiben, am Stück lesen können, damit man den Faden nicht verliert. Schami erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern springt in Zeit und Raum vor und zurück und streut dabei viele kleine Nebengeschichten ein. Hat man nur wenig Zeit pro Tag, verliert man sich in diesen Nebengeschichten und verliert den Überblick. Das führt dann vermutlich dazu, dass man auch die Lust am Lesen verliert. Aber hat man die Zeit, am Buch zu bleiben, so setzen sich die Kleinteile nach und nach zu einem großen Bild zusammen. Das ist wie ein Puzzle: die Stammbäume sind der Rand und die Geschichte der beiden Clans die beiden Hauptbilder des Puzzles. Die vielen Geschichten drumherum bilden die Kleinteile, die aus Rand und den beiden Hauptmotiven erst das ganze Bild zusammensetzen und verbinden. Und dieses Bild beinhaltet dann auch sehr viele Informationen zur syrischen Geschichte, die mir sehr hilfreich waren beim Lesen des zweiten Bandes der Reihe.
    Wirklich sympathisch waren mir in dieser Geschichte nur wenige Personen. Nicht einmal der Protagonist Farid gehört dazu, denn er ist mir zu egoistisch und kindisch in seiner Beziehung zu Rana, die für mein Empfinden die Hauptlast der Beziehung trägt. Sie dagegen sowie Farids Mutter und dessen Halbbruder waren meine Lieblinge der Geschichte, denn sie tragen und formen ihr Schicksal selbst, so gut es nur geht. Farid dagegen lässt sich treiben mit wenig eigener Entschlusskraft, was ihm bei mir echte Sympathiepunkte gekostet hat. Aber das tut dieser und den anderen erzählten Geschichten keinen Abbruch. Mir haben sie einfach gut gefallen.

    Über den Autor:
    Charles John Huffam Dickens (1812 - 1870) war ein englischer Schriftsteller, dem Dank der Beliebtheit zahlreicher seiner Romane (Oliver Twist, David Copperfield, A Christmas Carol,...) eine grosse literaturgeschichtliche Bedeutung beigemessen wird.
    Dickens wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste im Alter von 12 Jahren die Schule verlassen und durch seine Arbeit die Familie ernähren, nachdem sein Vater im Schuldgefängnis landete. Früh arbeitete Dickens auch als Gerichtsstenograph und Protokollant im Parlament sowie als Journalist. Diese Erfahrungen prägten sein Leben und sein schriftstellerisches Werk. Armut und ihre Folgen sowie Gerichtsbarkeit und Rechtsmissbrauch wurden seine Themen und sind von Beginn an in seinen Romanen zu verfolgen.


    Buchinhalt:
    Der exzentrische Mr Samuel Pickwick schart in einem Klub drei nicht weniger skurrile Gestalten um sich: »Die Pickwickier«. Gemeinsam begeben sie sich im Jahr 1827 auf eine absurde Forschungsreise durch England, in deren Verlauf sie zahlreiche Turbulenzen, Intrigen und eine Verfolgungsjagd zu meistern haben. Für einen Teil der Gentlemen kommt es dabei zu folgenreichen Begegnungen.
    (Quelle: Amazon)


    Die von mir gelesene Penguin Classics Ausgabe umfasst 754 Seiten. Zusätzlich sind 26 Seiten mit Anmerkungen des Herausgebers vorangestellt, in deren Mitte er dankenswerter Weise darauf hinweist, dass man nun erst das Buch lesen sollte ehe man sich selbst durch seine Anmerkungen spoilert. Am Ende finden sich dann u.a. die Vorworte der Ausgaben von 1836, 1847 und 1867, das Originaltitelbild von Seymour, 2 Karten über die im Buch genannten Orte sowie 26 Seiten mit Fußnoten des Herausgebers, die sehr hilfreich für das Verständnis der Geschichte, der Zeit und mancher Zusammenhänge sind.
    Im Vergleich zu den von den anderen in unserer Minileserunde gelesenen Übersetzungen stellte sich heraus, dass diese auf einer späteren Ausgabe der „Pickwick Papers“ beruhen. Es gibt Unterschiede, da Dickens seinen Erstling mehrfach überarbeitete, glättete, leicht veränderte. Beim Kauf meiner Ausgabe war ich mir dessen nicht bewusst, bin aber froh, mit dieser Ausgabe das Original von 1836 gelesen zu haben.


    Meine Meinung:
    Ich wollte unbedingt Dickens großen Erstling lesen um zu schauen, wie viel sich von dem Giganten Dickens bereits in diesem Buch erkennen lässt. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Natürlich merkt man diesem Buch an, dass Dickens noch keine Erfahrung mit großen Romanen hatte. Dazu muss man auch wissen, dass die Pickwick Papers eine Auftragsarbeit waren, die er im jungen Alter von 24 Jahren wegen der guten Bezahlung annahm. Außerdem waren sie vom Konzept her nicht als Roman gedacht, sondern sollten im Ursprung einfach nur Sketche zu den Karikaturen des damals bekannten Seymour liefern. Doch fast sofort machte sich Dickens die Geschichte zu eigen und entwickelte „seine Pickwickier“ nach eigenem Gefühl. Die Herausgeber gaben ihm Rückendeckung dafür, zumal Seymour nach der ersten Ausgabe der ursprünglich auf 24 Teile ausgelegten Geschichte Selbstmord beging und sich der Schwerpunkt damit verlagerte. Ab dem 4. Teil der Pickwick Papers wurden die Bilder von Phiz gestaltet, der danach immer Dickens Romane ausgestaltete.


    Anfangs sind die Geschichten getragen durch die extreme Situationskomik, die durch die Naivität der Pickwickier hervorgerufen wird. Ein Slapstick reiht sich an den anderen und man kommt aus dem Grinsen nicht heraus. Aber das kann sehr schnell ermüdend werden. Doch die Pickwickier, die anfangs dem gerissenen Gauner Jingles aufsitzen, bekommen einen Counterpart zu diesem an die Seite gestellt: Samuel Weller, der in den Dienst von Samuel Pickwick tritt. Dieser liebenswerte Kerl trägt die Geschichte weiter und sorgt dafür, dass aus Klamauk eine echte Geschichte wird. Mit Sam als Sympathieträger beginnt Dickens auch, die bis dahin nebeneinander stehenden Episoden zu verknüpfen und dem Ganzen eine Art roten Faden und eine Entwicklung zu verleihen. Das gelingt ihm noch nicht so gut wie in seinen späteren Romanen, aber die Fähigkeit dazu ist bereits erkennbar.


    Klar erkennbar hat Dickens bereits in diesem Erstling das englische Rechtssystem mit seinen Auswüchsen sowie die Armut der breiten Masse und die häufige Hoffnungslosigkeit dieser Not zum Thema gemacht. Seine Kunst, Atmosphäre mit wenigen Worten zu kreieren, ist besonders in den Szenen im Schuldgefängnis „The Fleet“ schon wunderbar ausgeprägt. Auch der Wortwitz und die oft ironisch-sarkastische Ausdrucksweise, für die ich Dickens so liebe, finden sich bereits in den „Pickwick Papers“, wenn auch noch nicht auf dem gewohnt hohen Niveau. Aber das ist kritteln auf unfaire Weise, denn wie gesagt – es handelt sich hier um Dickens Erstlingsroman.


    Es finden sich in den „Pickwick Papers“ immer wieder Geschichten eingestreut, die nichts mit der Handlung zu tun haben. Sie haben alle einen „Gothic“-Charakter und ich denke, sie wurden für die damalige Leserschaft eingestreut; Gothic Novels waren damals ja beliebt. Aber auch die „Pickwickier“ selbst waren sehr schnell sehr beliebt und erzielten Auflagen von bis zu 40.000 Stück – eine immense Zahl für die damalige Zeit und ein Maß dafür, wie schnell Dickens berühmt wurde durch diese Geschichte, die er anfangs noch unter seinem Pseudonym „Boz“ verfasste.


    Mein Fazit:
    Auch wenn die Pickwick Papers nicht an die literarische Größe von Dickens späteren Romanen heranreichen, sind sie dennoch lesenswert für alle, die sich für den Autor interessieren und seinen Werdegang, seine Entwicklung kennenlernen möchten.

    Irgendeine falsche Bewegung muss ich gestern gemacht haben, jedenfalls schmerzt der Nacken wie irre. Mal schauen, wie es sich damit heute arbeiten lässt. Oder, wie eine Patientin meiner Mutter (Physiotherapeutin) einmal sagte: "Der Tod sendet seine Boten!". :lol:

    Makaber :twisted: Wärme hilft meistens. Bei Dir in Berlin gibt es doch bestimmt irgendwo eine Apotheke, die geöffnet hat. Schau doch mal nach einem Wärmepflaster :friends:

    47. Ein Buch über die indigenen Völker Amerikas

    Die Bücher und Autoren, die mir spontan einfielen, wurden alle schon genannt. Deshalb greife ich auf dieses Buch zurück, denn ein Teil der Geschichte dreht sich auch um die Ausbeutung der indigenen Völker im peruanischen Amazonasgebiet. Keine schöne Geschichte. [-(