Beiträge von Winfried Stanzick

    Nach ihren bemerkenswerten Erzählungen „Die Wahrheit über die Zukunft“ , mit denen Suhrkamp 2010 die argentinische Schriftstellerin Samanta Schweblin einem deutschen Publikum vorstellte, präsentiert der Verlag nun ihren ersten Roman, der in ihrer Heimat gefeiert wurde und nicht nur deshalb wohl in über 20 Ländern gleichzeitig erscheint.



    Es ist ein vom Umfang her dünner Roman, der es aber in Inhalt und Stil mit den Großen aufnehmen kann. Irgendwo im argentinischen Landesinneren trinkt ein wertvoller Zuchthengst , der vom Gut der Großgrundbesitzer Sotomayor ausgeliehen wurde, giftiges Wasser. Die Heldin des Romans namens Carla kümmert sich um das Tier, doch sie kann nicht vermeiden, dass ihr Sohn David mit dem giftigen Wasser in Berührung kommt. Das Pferd stirbt, der Sohn kann gerettet werden. Hilfreich ist dabei die „Frau im grünen Haus“, eine Heilerin, die mit Transmigration arbeitet, bei der der Geist den Körper verlässt, sich einen anderen sucht und der Körper wiederum von einem anderen Geist besetzt wird. So wird jedenfalls erklärt, warum sich das Kind nach der Vergiftung so verändert hat in seinem Wesen.



    Als viele Jahre später Amanda, eine Frau aus der Stadt, die mit ihrer Familie Urlaub macht, genau diesen David trifft, versucht sie herauszufinden, was damals geschehen ist:



    "'Als ich eine Entscheidung getroffen hatte, gab es kein Zurück mehr, und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien es mir der einzig mögliche Weg zu sein. Ich habe David auf den Arm genommen, und er weinte, vermutlich spürte er meine Angst. Dann verließ ich das Haus. Omar stand mit zwei Männern neben dem Pferd und diskutierte, wobei er sich unentwegt die Haare raufte. Zwei weitere Nachbarn sahen vom hinteren Teil der Koppel aus zu und mischten sich gelegentlich in das Gespräch ein, indem sie ihre Meinung quer über das Feld brüllten. Ich ging weg, ohne dass sie es bemerkten, und gelangte auf die Straße', sagt Carla und zeigt ans Ende meines Gartens, hinter das Tor. 'Dann ging ich zu dem grünen Haus.'"



    Als dann auch Amandas Tochter Nina mit dem pestizidverseuchten Wasser in Berührung kommt, wird die ganze Sache sehr verwirrend. Diese Verwirrung , die wohl bewusst von Samanta Schweblin über ihren Text gelegt wurde, durchzieht weite Teile des Buches und schmälern so die Qualität eines Buches, das spannend hätte sein können, spannend und kritisch.



    So aber habe ich es eher unsicher aus der Hand gelegt, bin mir aber sicher, dass das dritte Buch dieser Autorin, die derzeit in Berlin lebt, eine neue Chance verdient hat.

    Felix Parland ist erfolgreicher Architekt, der seinem Chef auch manchmal den Hintern rettet und lügen kann wie gedruckt, wenn es der Karriere nützt. Ihm fehlt nur noch die Beförderung. Doch als die entscheidend näher rückt und Felix seiner Traumfrau begegnet, geschieht das Unwahrscheinliche: Mitten in seiner Glückssträhne bricht er zusammen. In der Notaufnahme versteht Felix nicht viel von all dem medizinischen Fachchinesisch. Sicher ist nur: Er reagiert allergisch auf hochemotionale Situationen. Übersetzt für den Laien: Er hat eine überaus seltene Glücksallergie.
    Sein vorher nahezu perfektes Leben kommt nun in Unruhe. Wie soll er im Job Erfolg haben und mit seiner Traumfrau zusammen sein, ohne sich zu freuen? Er bekommt gegen diese Glücksallergie starke Medikamente, die ihn aber müde machen und antriebslos. Deshalb beschließt er, sich selbst absichtlich unglücklich zu machen.


    Zu Hilfe kommt ihm dabei, dass ihm bei einem wichtigen Bauprojekt eine Frau vor die Nase gesetzt wird, die auf eine Weise unsympathisch und bärbeißig ist, dass er schon bei ihrem Anblick schlechte Laune bekommt. Doch man ahnt schon bald, dass dies noch nicht alles war …


    „Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe“ ist ein wunderbarer Unterhaltungsroman aus der Frankfurter Verlagsanstalt, die ansonsten eher für schwerere Literatur bekannt ist. Ein Protagonist, der seine Geschichte in einem Blog selbst erzählt, versucht auf eine sehr sympathische Weise nicht nur seinen beruflichen Erfolg, sondern sein Liebes- und Lebensglück zu finden.


    Hannah Simon schreibt flüssig und flott: Man tut alles, hat man das Buch einmal begonnen, um lange Lesepausen zu vermeiden, um dem jungen Felix auf der Spur zu bleiben. Ein lustiges Buch, romantisch ohne Kitsch und sprachlich ein Genuss.

    Der vorliegende Roman des 1965 in Tel Aviv geborenen Yishai Sarid ist nach „Limassol“, ebenfalls bei kein & Aber sein zweiter, in seiner israelischen Heimat strak beachteter Roman. Sarid war als Nachrichtenoffizier der israelischen Armee tätig, hat dann Jura studiert und arbeitet als Rechtsanwalt in Tel Aviv.



    Die ich-erzählende Hauptfigur ist eine Naomi. Seit sie vor etwa fünfundzwanzig Jahren mit ihrem Sohn den Kibbuz und ihren Mann verlassen hat ( die Gründe dafür sind entscheidend, und werden erst im Laufe des Buches deutlich) leitet sie mit viel Herzblut und heiligem Ernst einen Kindergarten im Norden Israels. Sie ist stolz auf ihre Einrichtung und ihre Arbeit: „Mein Kindergarten ist der kultivierteste Ort in dieser Stadt... Er ist wichtiger als der Kulturpalast und das Museum zusammen, die Oper noch dazu genommen.“



    Beim Spazierengehen hat sie vor Jahren den Kindergarten entdeckt und damals eine sichtlich überforderte Kindergärtnerin über den Zaun hinweg beobachtet. Sie fragt, ob sie helfen könne, und lässt dann nicht locker.
    Später wird die ältere Kindergärtnerin aufhören und Naomi den Kindergarten übergeben inklusive Wohnrecht im selben Haus. Das Haus ist in wenig gutem Zustand, aber das stört Naomi nicht. Sein Eigentümer ein vor Jahren nach Amerika ausgewanderter Überlebender des Holocaust, schließt sie bei seinen Stippvisiten ebenfalls in Herz und verspricht Naomi lebenslanges Wohnrecht und Platz für die Kinder in der inzwischen hochbegehrten Immobilie.


    Doch dann stirbt er und hat offenbar kein entsprechendes Testament hinterlassen oder Naomi wurde betrogen. Ein von Erfolg und Selbstbewusstsein strotzender Architekt hat das Grundstück gekauft, will das Haus abreißen lassen und Nobelwohnungen bauen.
    „Ein Rechtsanwalt teilte mir mit, ... das Grundstück... gehöre jetzt einer Firma mit dem schönen Namen Via Maris GmbH, die die Immobilie aus dem Nachlass von Herschel Kaplan erworben habe. Via Maris verlangte von mir, das Grundstück zu räumen und innerhalb von dreißig Tagen auf dieses Schreiben zu reagieren.“



    Naomi beginnt um ihren Kindergarten zu kämpfen und auch um ihren Sohn Noam, der nach langer Zeit sich ihr langsam wieder öffnet und sich in einer Kindergartenhelferin verliebt hat. Die Eltern der Kinder reagieren auf die drohende Schließung mit wenig Verständnis.



    Der Roman ist ein intensiv erzähltes Porträt des gegenwärtigen Lebens in Tel Aviv. Geprägt von traumatisierten Vergangenheiten und bedrohlicher Gegenwart. Doch seine Figuren gegen die Hoffnung nicht auf. Sie stellen sich ihrem schweren Leben, öffnen sich langsam ihrem Glück und werden am Ende erschöpft, aber glücklich, nach einem gelungenen Kampf wissen, dass in Israel schon der nächste Tag neue Herausforderungen und Lebensbedrohungen bereithalten kann.

    Die Geschichte im neuen Roman von Peter Hoeg beginnt sehr ungewöhnlich und auch ziemlich unrealistisch. Doch dass es der Autor mit wahrscheinlicher Realität und Plausibilität seiner Figuren nicht so ernst nimmt, daran sollte man sich als Leser sehr schnell gewöhnen. Denn dieser Stil zieht sich durch das ganze Buch durch. Susan, die Ich-Erzählerin des Buches, von Beruf Experimentalphysikerin, ihr Mann Laban, ein Komponist und ihre siebzehnjährigen Zwillinge Thit und Harald haben sich während eines Aufenthaltes im Ausland strafbar gemacht und ihnen drohen harte Gefängnisstrafen.


    Da taucht wie aus heiterem Himmel ein Anwalt aus Dänemark auf und holt sie in einer geplanten Aktion zurück in die Heimat. Doch er hat das nicht umsonst getan. Sozusagen als Gegenleistung für die Befreiung von der Strafverfolgung soll Susan für ihn wichtige Informationen beschaffen, Es geht um eine geheime Gruppe des dänischen Staates, die sogenannte Zukunftskommission.


    Susan hat eine ganz wichtige Fähigkeit, die sie in der Vergangenheit schon oft der Polizei und anderen staatlichen Stellen gerne zur Verfügung gestellt hat. Wenn Menschen in ihre Nähe kommen, sie reden hören, mit ihr im Kontakt sind, bzw. Susan mit ihnen, dann werden sie völlig unfreiwillig total aufrichtig und erzählen die intimsten und die geheimsten Dinge aus ihrem Leben und ihren (Berufs)alltag.


    Doch nicht nur diese Begabung, die sie den „Susan-Effekt“ nennt, macht sie und ihre Familie so außergewöhnlich. Auch in vielerlei anderer Hinsicht ist ihre Familie einfach nicht „normal“. Susan ihr Ehemann und ihre beiden Kinder sind das, was man hochbegabt nennt. Ihre Dialoge sind weniger von Emotionen geprägt, als von kühler analytischer Sprache.


    Obwohl dem Leser bis zum Ende nicht wirklich deutlich wird, warum die Familie im Ausland (wo genau?) mit hohen Gefängnistrafen zu rechnen hat, beginnt er irgendwann zu respektieren, dass es Peter Hoeg darum wohl gar nicht geht und gibt sich mit begrenztem Genuss dieser schrägen Geschichte hin. Dass sie am Ende an Fahrt aufnimmt und sich auf ein spannendes Finale zubewegt, erhöht den Lesespass.


    Dennoch: sie bleibt seltsam, gespickt mit vielen wissenschaftlichen Denkansätzen, im Sprachstil für Peter Hoeg typisch. Unrealistische, schräge Menschen, an deren Schicksal man aber mit einer gewissen Sympathie Anteil nimmt.

    Schon 2011 in Frankreich erschienen, wird dieses schöne, kleine Bilderbuch nun in einer Reihe der ArsEdition herausgegeben, in der bisher etwa ein Dutzend Bilderbücher für kleine Entdecker mit schönen Schiebeeffekten erhältlich sind.
    In diesem Buch mit einfachen und plastischen Illustrationen von Nathalie Choux geht es um erste Fahrzeuge. Solche die hupen können, wie das Motorrad, das Fahrrad oder das Auto, der Bus, das Müllauto und die Polizei. Es geht um die Feuerwehr, die kommt, wenn es brennt und um Bagger und Laster, die große Steine heben und bewegen können. Und schließlich um Flugzeug, Boot und Zug, Fahrzeuge also, mit denen man unterwegs sein kann.


    Am Ende des in festem Karton gebundenen Buches sind sie alle noch einmal abgebildet, um die Kinder einzuladen, sie wiederzuerkennen und zu bezeichnen.


    Dieses schöne Bilderbuch fördert wie auch die anderen in der Reihe die Sprachentwicklung und Motorik (kleine Schieber können herausgezogen werden) und dient der Wortschatzerweiterung der Kinder ab 18 Monaten.

    Die 12-tägige Fahrt mit dem Hurtigrutenschiff von Bergen nach Kirkenes entlang der großartigen Küste Norwegens mit seinen kleinen Häfen und zauberhaften Fjorden, von schneebedeckten Bergen umgeben, ist eine der berühmtesten Kreuzfahrtstrecken in Europa. 2500 Seemeilen durch eine der beeindruckendsten Naturlandschaften Europas, mit exklusivem Service an Bord, ist diese Fahrt für viele Menschen eine Traumreise, die sie sich irgendwann einmal in ihrem Leben leisten wollen.


    Der vorliegende Reiseführer in handlichem Format mit Spiralbindung ist für eine solche Reise ein unentbehrlicher Begleiter an Bord und bei den vielen dort beschriebenen Landausflügen. Er zeigt mit zauberhaften Fotografien und dem gesamten Streckenplan unter anderem:


    • Alle angelaufenen Häfen, Städte und Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten, auch den etwas versteckten
    • Übersichtskarten mit dem Routenverlauf
    • Pläne der Häfen, Städte und Orte mit den Wegen zu den Sehenswürdigkeiten, die vom Anleger aus erreichbar sind
    • Vorstellung aller elf Hurtigrutenschiffe
    • Ausflugstipps mit Hinweisen zu Geschichte und Kultur, zu Land und Leuten
    • Reisetipps zum Bordalltag, zu Wetter und Kleidung



    Allen, die sich zum ersten oder auch wiederholten Mal für diese traumhafte Schiffsreise entscheiden, kann dieser handliche Reisebegleiter nur empfohlen werden.

    Fünf kleine Tiere, oft in der Verbindung zu ihrer Mutter abgebildet und beschrieben, können in diesem kleinen Bilderbuch für die Allerkleinsten betrachtet werden. Das ist ein kleines Lämmchen, das einen Freund zum Spielen sucht, ein Kätzchen, das sich an seine Mama kuschelt, ein Fohlen, das fröhlich in den warmen Stall zurückläuft, eine Hundewelpe mit Geschwistern in der Nähe der Mutter und ein Eselskind, das nach seiner Mama ruft.


    Durch einen einfachen Knopfdruck auf einen Button können die Kinder Originaltöne dieser Tiere produzieren, was sie sicher immer wieder tun werden und viel Spaß dabei haben.

    Es sind nicht nur die kleinen oder größeren Jungs, die wissen wollen „warum Toaster toasten, Flugzeuge fliegen und Wasser aus dem Hahn kommt.“ Auch Mädchen zeigen immer wieder ihr Interesse an Technik und wollen wissen, wie sie funktioniert.


    All diesen wissbegierigen Kindern ab dem Grundschulalter hilft dieses zuerst in England erschienene Buch auf die Sprünge. Mit einfachen, aber klaren technischen Zeichnungen illustriert, werden in verständlicher Sprache die Wirkungs- und funktionsweise erklärt von:
    Elektrizität, Solaranlagen, Türklingel, Föhn, Küchenmaschine, Pizzabringdienst, Mikrowelle, Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger, Nähmaschine, Post, Müll, Trinkwasser, Klospülung, Abwasser, Erdgas, Smartphone, Tablet, Toaster, Rauchmelder, 3-D-Drucker, Wetterbericht, Fernsehen, Rakete, Satellit, Auto, Flugzeug und Tauchboot.


    Das Buch ist eine wahre Fundgrube für alle technikaffinen Kinder. Aber auch ihre Eltern werden, nehmen sie dieses Buch zur Hand, die Erfahrung machen, dass sie noch eine Menge dazulernen können über die Technik der Geräte, die sie jeden Tag im Haus benutzen.

    Es sind immer mehr Menschen, die mit der Begleitung und Betreuung eines demenzkranken Angehörigen konfrontiert sind. Sie empfinden es meistens als extrem belastend.


    Viele Ratgeber versuchen, den betroffenen Angehörigen und Pflegenden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, doch oft hilft es am besten, zu erfahren und zu hören, dass es anderen Menschen ebenso geht. Dass mein Vater nicht der Einzige ist, der die Plastikblumen gießt. Und dass ich nicht die Einzige bin, die auszurasten droht, wenn die eigene Mutter zum zehnten Mal innerhalb kurzer Zeit dieselbe Frage stellt.


    Dieses Buch will dazu beitragen dass betroffenen Angehörige und Pflegende mehr voneinander erfahren. Es will einen Raum schaffen für all die kleinen und große Geschichten, die Menschen erleben, die Betroffene begleiten. Und das sind neben schmerzlichen Erfahrungen immer auch rührende, ja komische Geschichten, die spüren lassen, dass der Umgang mit Demenzkranken nicht nur eine Last, sondern, manchmal jedenfalls, auch eine Bereicherung sein kann.


    Ein hilfreiches Buch, das den heute Gesunden vielleicht auch ein Stück weit die Angst nehmen kann vor der Zeit, in der sie selbst vielleicht so weit sind ….

    Die Aussichten für jemand, der heute 55 Jahr und älter ist, in späteren Jahren an irgendeiner der vielen Formen von Demenz zu erkranken, steigen mit jedem weiteren Lebensjahr rasant. Entsprechend nimmt auch langsam die Angst bei vielen Menschen zu, später einmal an einer solchen Krankheit zu leiden, von der man dann gar nicht mehr mitbekommt und durch die man seiner Familie nur zur Last fällt.


    Viele Forschungen legen nahe, dass man durch geistige Tätigkeit diesem auch ohne Demenzerkrankung natürlichen Rückgangs der Intelligenzleistung zumindest teilweise vorbeugen kann.


    Das vorliegende Trainingsprogramm für insgesamt 30 Tage hat das Ziel, geistige Leistungsfähigkeit mit einem täglichen Training zu erhalten und zu steigern. Es geht dabei um Konzentration, Urteilsvermögen und schlussfolgerndes Denken.


    Die Aufgaben sind durchaus anspruchsvoll und nicht immer schnell und einfach zu lösen.


    Neben einer gesunden Ernährung, dem reiben von Sport, sozialen Kontakten und Spaß am Leben, sind solche Übungen zum Gehirntraining auf das Beste geeignet, die geistige Fitness zu erhalten und zu steigern.


    Man kann dieses Buch allein bearbeiten, aber auch zusammen mit einem Partner etwa. Spaß machen wird es so oder so.

    Insgesamt 21 der besten Weingüter des Bordeaux werden on diesem reich bebilderten Buch vorgestellt. Dreisprachig verfasst (deutsch, englisch, französisch) werden jeweils die verschiedenen Chateauxs mit ihrer Geschichte vorgestellt.


    Viele wunderbare Bilder geben einen Eindruck über den Luxus, der schon mit den Gerätschaften und den Räumlichkeiten beginnt, in denen dieses Edeltropfen heran reifen.


    Um Enttäuschungen vorzubeugen: obwohl es im Titel „… und ihre Weine“ heißt werden einzelnen Jahrgänge etwa und ihre Qualität nicht vorgestellt. Auch gibt der am Ende des Buches abgedruckte Index weder die Adressen noch evtll. Öffnungszeiten an. Ich nehme einmal an, dass diese Weingüter kein Interesse an Öffentlichkeit haben.


    Dennoch ein schönes Buch für alle Liebhaber wertvoller Bordeauxweine.

    Die belgische Schriftstellerin Genevieve Damas taucht in ihrem von dem Nobelpreisträger Jean-Marie Le Clezio entdeckten und protegierten Debütroman ein in die harte Welt einer Bauernfamilie. Der junge Schweinehirt Francois kann nicht lesen und nicht schreiben. Jeden Tag hütet er seine Tiere, wobei ihm ein zartes Ferkel mit seinen intelligenten Augen besonders angetan hat. Dort, bei seinen Lieblingsschweinen Oscar und Hyménée sucht der arme Junge Trost, weil die Menschen, hauptsächlich sein Vater und seine schon großen Brüder, das vorenthalten, was er eigentlich braucht.


    Seit seine Schwester Maryse, den Fluss überquert hat und nicht mehr wiederkam, ist er fast täglich den Schlägen seines Vaters ausgesetzt. Immer wieder warnen ihn Vater und Brüder, niemals über den Fluss hinauszugehen, dorthin wo „das Leben einen fortreißt und von wo man niemals als derselbe zurückkehrt.“


    Aber dann fasst er Vertrauen zu Roger, dem Dorfpfarrer, und zu Amélie, dem Mädchen mit dem roten Kleid. Von beiden erfährt er von dem Geheimnis der Buchstaben und lernt lesen. Er lernt die Welt der Bücher kennen und die erschütternde Wahrheit seiner Herkunft wird ihm sukzessive offenbar. Als er endlich weiß, was mit denen geschieht, die den Fluss überqueren, ist er selbst bereit. Er packt seine Sachen und macht sich auf den Weg.


    Genevieve Damas hat eine berührende und poetische Geschichte aufgeschrieben, die sie Francois selbst erzählen lässt. Die Verwandlung dieses Jungen von einem fast sprachlosen naiven Kind zu einem neugierigen und mutigen jungen Mann, ist große Sprachkunst. Ein poetischer und literarischer Schatz.


    Auf die Veröffentlichung ihres zweiten Romans Histoire d’un bonheur, Paris 2014, darf man gespannt sein. Hoffentlich nimmt sich nach dem Aus für den Graf Verlag ein anderer Verlag dieses Buches an.

    In insgesamt fünf Bildern wird in diesem schönen Bilderbuch für kleine Kinder zwischen 18 und 24 Monaten das Sprechen und Entdecken geübt. Mit einem Fingerdruck auf ein Button mit einem entsprechenden Bild können sie die einzelnen Seiten zum Tönen bringen.


    Abgebildet ist ein Bagger bei der Arbeit beim Abriss eines Hauses, Elektriker, die Dämmmaterial anbringen und Leitungen verlegen und dazu ihre Bohrmaschine benutzen, ein Betonmischer, der seinen flüssigen Baustoff ausleert, ein kleiner Minibagger mit Presslufthammer der den Straßenbelag aufreißt und ein Junge, der mit seinem Papa ein Bild aufhängen will und dazu einen Nagel in Wand klopft.


    Das Geräusch, das die Kinder per Knopfdruck aktivieren können, ist echt und nicht zu laut, ebenfalls nicht zu lang und damit werden Hörsinn und der Sehsinn gleichermaßen gut angesprochen.

    Von Salah Naoura sehr feinfühlig und in Versen aus dem Englische übertragen, ist hier ein wunderbares Bilderbuch anzuzeigen, das von einer Mäusemutter und ihrem Kind erzählt:
    „Deine Hand in meiner Hand,
    genauso soll es sein.
    Mit deiner Hand in meiner Hand
    Sind wir nie allein.“


    So beginnt das Buch, das ist sein Motto und Thema. Die Mutter und ihre Kind gehen durch die Welt, die Natur und die verschiedenen Jahreszeiten. Sie teilen schöne Momente und die kleinen und gro0en Wunder der Natur, eingedenk, dass die Zeit endlich ist:
    „Lass uns keine Zeit verliern,
    die Welt ist riesengroß.
    Du und ich und ich und du
    Ziehn gemeinsam los.“


    Eine zarte und einfühlsame Erinnerung an die Großen, die Zeit mit ihren Kleinen zu nutzen und mit ihnen zusammen die Welt und ihre Welt zu entdecken und zu teilen.


    Dass Eltern und Kinder wie die beiden im Buch sagen können:
    „So verging ein ganzes Jahr,
    vieles ist geschehn.
    Mit deiner Hand in meiner Hand
    War alles wunderschön.“

    Mit zauberhaften Bildern schildert der japanische Autor Kazua Iwamura eine lustige Mausfamilie bestehend aus Mama Maus, Papa Maus, Oma Maus, Opa Maus und insgesamt 10 Mäusegeschwistern. Hana Christen hat sie aus dem Japanischen übersetzt und Roe Pflock hat daraus wunderschöne Verse gedichtet, die das Vorlesen dieses Buches und das Betrachten der zauberhaften Bildern zu einem sprachlichen und phonetischen Erlebnis machen können.


    Auf dem Weg zu dem Platz, wo die Familie Maus ihr Picknick abhalten wird, begegnen sie in Feld und Wald zahlreichen anderen Tieren und vor allen Dingen auch Pflanzen. Sie staunen über ihre Spiegelbilder im Teich und versuchen in punkto Sprungtechnik den Fröschen nachzueifern. Nicht sehr erfolgreich.


    Und dann endlich:
    „Für die vielen leeren Mägen
    Ist das Picknick nun ein Segen.
    Alle schmausen höchst vergnüglich –
    Essen, Trinken schmeckt vorzüglich !“


    Ein wunderschönes Bilderbuch, in dem nicht nur die 10 Mäusegeschwister alles Mögliche entdecken können.

    In diesem Roman von Bettina Balaka geht es nur vordergründig um einen Hund, dessen Leben sie unter seinen verschiedenen Namen, die er bei seinen unterschiedlichen Besitzern hat, verfolgt.


    Natürlich werden Hundefreunde an diesem Buch ihre Freude haben, hat doch der Hund Berti, der auch unter den Namen Fekete, Robert Pattinson, Ricky, Zorro und Bagheera auftaucht, die Hunden oft zugesprochenen Fähigkeit, überall dort , wo er hinkommt, Spuren in den Herzen und in den Leben seiner Menschen zu hinterlassen, die er als kleiner Schatten ihres Glücks und Unglücks begleitet.


    „Unter Menschen“ handelt aber nicht nur von den Fähigkeiten dieses unglaublichen Hundes, sondern es ist ein Reigen zwischenmenschlicher Tragödien und Komödien.


    Das Buch ist geschickt komponiert, ironisch, witzig und unterhaltsamen, voller geistreicher Menschen(er)kenntnis und eine schöne Lektüre nicht nur für Hundefreunde, sondern auch für Menschensucher.

    In Buenos Aires macht sich eine Frau auf zum Abendessen mit ihren Freundinnen. Olga, Ema, Patricia und sie: Der dreißigste Dezember gehört ihnen und nur ihnen, schon seit Jahren. Auch wenn dieses Mal alles anders ist. Eine fehlt.


    Vier Frauen - vier Freundinnen. Ihr ganzes bisheriges Leben verbindet sie miteinander: eine gemeinsame Kindheit, in der sie stets wie Pech und Schwefel zusammenhielten, kleine Rebellionen während der Schulzeit, die erste Verliebtheit, Ehemänner, Kinder.


    Es sind einfache, fast banale Dinge, die ihnen all die Jahre hindurch widerfahren. Doch zwischen den Zeilen des Alltäglichen scheinen auch ihre Träume, Sorgen, Ängste und auch ihre kleinen Verrücktheiten durch. Immer dann, wenn die vier Frauen am wenigsten damit rechnen, zerbricht die Normalität in tausend Stücke und zum Vorschein kommt das Leben. Vielstimmig, bunt und immer überraschend.
    Mit leisem Humor und einem feinen Gespür für menschliche Nähe ergründet Ángela Pradelli das rätselhafte, bedingungslose Wesen von lebenslanger Freundschaft.


    Wie schon in „Das Haus des Vaters“ besingt Angela Pradelli die unbedeutenden Schönheit des Lebens
    Auch „Unter Freundinnen“ ist erneut ein sanftes und durch und durch poetisches Beispiel dafür, wie die erzählende Erinnerung an einen Menschen diesen in den Nachkommen lebendig hält, ihn achtet und wertschätzt. Dieser so gewonnene Schatz bereichert das Leben der Erzählerin und verwandelt ihre Trauer in Freude.



    Ein literarisches Kleinod.

    Paolo ist ein glücklicher Mann. Als erfolgreicher Wirtschaftsredakteur arbeitet er beim "Il Mattino". Verlobt ist er mit Giorgia, einer außergewöhnlich schönen Frau. Sein Leben ist geradezu perfekt. Doch dann - wegen eines überbuchten Fluges kann er eine Dienstreise nicht antreten - ertappt er Giorgia im Bett mit Alfonso, seinem Boss. Mit einem Schlag geht sein ganzes Leben in die Brüche.
    Die Frau ist weg, Job ist weg und Paolo komplett orientierungslos. Lediglich sein Freund Ciro steht treu an seiner Seite. Als Ciro ihm verrät, dass Giorgias und Alfonsos Affäre schon lange kein Geheimnis mehr ist, stürzt Paolo sich von einer Terrasse - und fällt auf das Dach eines Smart Cabrio.
    Als er wieder aus dem Krankenhaus kommt, entscheidet er, dass er sein Leben neu ordnen muss und erst mal einen neuen Job braucht. Doch keine der Wirtschaftszeitungen ist interessiert und so landet er schließlich beim "Macho Man", einem Männermagazin. Nach anfänglichem Widerstand sieht Paolo ein, dass er diesen Job nehmen muss, will er jemals wieder auf die Beine kommen - und er fügt sich in sein Schicksal.


    Sein erster Auftrag ist ein Artikel über das Thema "Frauen abschleppen". Er belegt einen Kurs und schreibt Artikel darüber – zunächst sehr widerwillig, doch sein Artikel kommt an. So gut, dass er eine dauerhafte Kolumne bekommt und die Leiterin des Kurses, Valeria für "Macho Man" engagiert wird und fortan mit ihm arbeitet.
    Langsam findet Paolo gefallen an seiner Arbeit, denn Valeria verspricht ihren Schülern, dass sie jede Frau in sieben Stunden erobern können. Und Paolo beschließt, Giorgia zurückzuerobern. Er wird Valerias Musterschüler, trainiert, stylt sich um und wird langsam tatsächlich der Mann, nachdem sich die Frauen umdrehen. Und endlich kommt die Gelegenheit, sein Können an Giorgia zu testen - und er gewinnt sie zurück - um am Ende festzustellen, dass er sie gar nicht mehr will...


    Ein wirklich amüsantes Buch. Die Handlung ist vorhersehbar, aber auch originell und vor allem sehr charmant geschrieben. Eine nette und leichte Sommerlektüre.

    Patrick Modiano, der 2014 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, was nur die überraschen konnte, die sein Werk nicht oder nur unzureichend kannten, ist ein Schriftsteller, der sich in seinen Büchern mit mehr oder weniger autobiographischem Hintergrund der von ihm perfektionierten Kunst des Erinnerns widmet. Immer wieder geht es um die Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich, in der unzähligen Juden um ihr Leben bangen mussten. Modiano, selbst jüdischer Abstammung, verfolgt ihre Spuren und kümmert sich in seinen Büchern auf diese Weise auch um seine eigenen Wurzeln. In dem Buch „Ein Stammbaum“ hat der zurückgezogen lebenden und die öffentlichkeitsscheue Schriftsteller schon 2007 seine Kindheirt beschrieben, eine Zeit, wie sie trostloser, einsamer und unglücklicher kaum hätte sein können. Seine Eltern leben in einer Welt, die mit ihren Sohn nichts zu tun hat. Es ist als gäbe es den kleinen Patrick gar nicht. Die Mutter ist permanent abwesend und kalt, der Vater ist von grausamer Härte und Lieblosigkeit. Ablehnung, Einsamkeit und Bindungslosigkeit- so sieht seine Kindheit und Jugend aus.


    Eher teilnahmslos bringt Modiano etwas Licht in die Dunkelheit seiner Herkunft. Erschütternd, das kein einziger Mensch auftaucht, der ihm mit Liebe oder Zuneigung begegnen würde. Umso erstaunlicher, wie sich sein Schaffen dennoch entwickeln konnte. Nicht ohne Grund endet „Ein Stammbaum“ mit der Veröffentlichung seines ersten Buches.


    Auch das hier vorliegende neue Buch „Damit du dich im Viertel nicht verirrst“ erinnerte mich wieder an Susanna Tamaros Lebensbericht „Ein jeder Engel ist schrecklich“, wo sie schreibt:
    „Weil ich mit dem Feind in mir lebe, mit dem Nebel, der Nacht, der Verwirrung. Weil ich den Schmerz sehe und nichts dagegen tun kann. Weil ich das Unvollkommene sehe, die Leere, das Scheitern, und deren Sinn nicht begreife. Weil ich allein bin, weil mir keiner zuhört, mich niemand an der Hand nimmt. Weil ich irgendwo in mir eine immense Harmonie und ein immenses Licht erahne, und ich mich von diesem Licht und dieser Harmonie entferne wie ein Schiff, das in See sticht. Was zu Anfang der Sinn jedes Atemzugs war, wird mit der Zeit zum Blinken eines Leuchtturms in der Ferne. Ich weine, weil ich Angst habe vor der Leere und der Einsamkeit, die mich erwarten.“


    Vorsichtig, unsicher tastend, immer wieder überprüfend und zweifelnd sucht er auch im neuen Buch nach Erinnerungen. Es hat den Anschein, als könne er ohne sie nicht überleben, als gäbe die stückweise Rekonstruktion er eigenen Kindheit und Jugend, bis zu dem Zeitpunkt, als er anfing zu schreiben über eben diese, seinem Leben einen Halt und eine Sicherheit ohne den er vergehen müsste, ohne die er sich als eigene Existenz sozusagen auflösen würde.


    Auch im neuen Buch sucht er in unzähligen Rückblenden die Zeit seiner Kindheit auf. Jean Daragne, ein einsam und alleinlebender Schriftsteller ist sein Alter Ego. Als Daragne eines Tages Besuch erhält von Gilles Ottolini und Chantal Grippay, die ihm ein von ihnen gefundenes Notizbuch zurückgeben, tut dieser das nicht selbstlos. Er erhofft sich von Daragne Informationen zu einem Kriminalfall, den er gerade in einem Buch bearbeitet. Doch der kann sich nicht erinnern und macht sich af die Suche nach Orten und Personen, die wichtig waren in seinem Leben als er etwa sieben Jahre alt war. Doch es bleibt bei nebulösen Andeutungen. Bis hin zu einer Flucht nach Rom, an der der kleine Jean Daragne mit Annie Astrand, einer Freundin seiner Mutter beteiligt ist.
    "Und ich schwöre dir, in Rom werden sie uns nie finden." Modiano lässt den Leser im Unklaren, was die Gefahr nun genau ist und wovor die beiden flüchten. Oft wird nur von Schatten gesprochen. Wie schon im „Stammbaum“ und in etlichen anderen Büchern beschriebt Modiano ein Leben, das sich selbst fremd ist: : "Dieses Kind, von vielen Jahrzehnten in so graue Ferne gerückt, dass ein Fremder aus ihm wurde, nun musste er sich's eingestehen, das war er."


    Wieder ist der unendliche Schmerz zu spüren über den Verlust der Kindheit, die traumatisierenden Erfahrung des Alleingelassenwerdens. Modiano schreibt dagegen an, als der einzigen Möglichkeit, die ihm zu bleiben scheint, will er sein Leben nicht verlieren. Er setzt so mit jedem Buch die Rekonstruktion seiner eigenen Geschichte aus Fragmenten zusammen.


    Wenn man als Leser für die eigene Lebensgeschichte, insbesondere für die Brüche und Abbrüche darin, genügend sensibel und offen ist, wird man auch in diesem Buch vieles finden, was einen tief berühren und öffnen kann.

    12 Frauen im Alter zwischen 32 und 79 Jahren werden in diesem außergewöhnlichen Buch porträtiert. Frauen, wie es sie wohl nur in der Schweiz gibt. Sie alle eint ihre zum Teil schon jahrzehntelange Tätigkeit als Hüttenwartin. Sehr pur, immer direkt und mit einer gehörigen Portion Humor erzählen sie von ihrem Leben mit Wind und Wetter, beschreiben immer wieder unterschiedlich und doch wieder ähnlich ihre große Freiheit drt oben am Berg und reden von der Demut, die er sie gelehrt hat.


    Porträts ganz eigenwilliger und beeindruckender Frauen haben die beiden Autorinnen durch ihre sensiblen Interviews und Fotografien geschaffen, die die Hüttenwartinnen durch einen Tourentipp ergänzt haben, der von ihrer Hütte seinen Anfang nimmt oder dort sein Ende findet.


    Ein ganz besonderes Buch für Liebhaber magischer Orte und außergewöhnlicher Menschen.