Wahl der besten Bücher im BücherTreff

Beiträge von Mojoh

    Ok, nach dem ersten Lesen gebe ich euch mal spontan Recht - ich finde auch nichts positives, nicht mal ansatzweise. :(


    Außerdem muss ich definitiv nochmal lesen, bisher bin ich echt ratlos, was eigentlich der Inhalt ist. Aus den beiden ersten Geschichten konnte ich mir einen Reim machen, auch nach der ersten Lektüre hatte ich schon Ideen. Hier ist noch ganz große Leere, was ideen angeht ... mal drüber schlafen und dann nochmal lesen. :-k

    Stimmt, könnte ich mir auch vorstellen. Fragen wir doch einfach Mojoh :winken: , wie er das Ende mit dem Sockentotschläger fand.

    Ist mir gar nicht so speziell aufgefallen. Für mich war es eher nebenbei und nebensächlich ... ein typisches King Ende, nicht immer bis ins letzte Detail genau zu erklären oder nachzuvollziehen aber toll beschrieben. :wink:

    77. Ein Buch eines italienischen Autoren

    Mensch, alle nur italienischer Abstammung: Tomnino Benacquista, Mario Puzo, John Fante, Lorenzo Carcaterra ...

    Die anderen, die ich auch hatte sind alle schon ein- oder mehrmals genannt, da muss ich auf die Wunschliste zurückgreifen.

    Conor Schön, dass du wieder da bist und viel Kraft für die genannte Situation.


    taliesin Titel der deutschen Erzählung ist "Welpe" - ich fange heute abend an zu lesen und hoffe wie Farast auch auf eine "Erholung" nach den zwei sehr düsteren Erzählungen. Aber deine Worte lassen mich auch schon wieder eher anderes erwarten ... :wink:

    Mal sehen, Saunders lässt ja immer recht viel Spiel für Interpretationen und wir interpretieren jetzt einfach so lange, bis wir was positives finden ... :mrgreen:

    Ich kann viele eurer Gedankengänge nachvollziehen, aber frage mich immer, aus wessen Erlebensperspektive die verschiedenen Einschätzungen getroffen werden.

    Beispielsweise der Begriff Bosheit: Frage ich den Vater, so wird er ganz sicher nicht von Bosheit sprechen. Er würde vermutlich erklären aus welchen Gründen er es nicht geschafft hat, eine tiefere Bindung zu seinen Kindern aufzubauen, was die Gründe für seine obzessive Beschäftigung mit dem Gestell waren, für ihn das einzige zur Verfügung stehende Kommunikationsmittel, er wird versuchen die Unzulänglichkeiten seines Vaterseins zu erklären.

    Die Mutter, über die wir ja am wenigsten Wissen, könnte über ihre Trauer darüber sprechen, dass sie ihren Kindern auch einen liebevolleren, emotionaleren Vater gewünscht hätte, sich einen ebensolchen Ehemann, aber würde sie von Bosheit sprechen oder eher von Enttäuschung, Kaltherzigkeit und Kommunikationsarmut?

    Die Kinder ? Ein jedes würde aus seiner Perspektive das anmahnen, was es am schmerzlichsten vermisst hat, möglicherweise würde hier am ehesten noch Strenge, Geiz oder wirklich Bosheit als Beschreibung fallen.


    Und mit Begriffen wie Schuld, Vergebung etc. könnte man ähnlich verfahren. Und somit sind wir wieder an dem Punkt, dass jeder die Geschichte auf dem Hintergrund seines eigenen Erlebens liest und seine eigenen Bilder hineininterpretiert.

    73. Ein Buch eines Autors, den Du früher gern gelesen hast, heute aber nicht mehr

    Um nicht auch Hohlbein und Karl May zu nennen, bei denen es mir genauso geht, definiere ich "früher" mal was kurzfristiger und nenne Ursula Poznanski.

    Saeculum und Erebos waren für mich noch ganz fantastische Bücher, während sie danach in meinem Empfinden immer mehr nachließ und ich in der Hoffnung, dass sie ihre alte Form wiederfindet vieles gelesen und mich immer mehr gelangweilt habe. Ich werde es aber auch mit dem neuen Reihenstart wieder versuchen ... irgendwann. :wink:

    Ich habe keine Ahnung, was wo passiert ist, doch fände es traurig, wenn gerade Du Dich aus einem ärgerlichen Grund zu einem Rückzug gedrängt fühlst.

    Das sehe ich ganz genauso und dabei ist es grundsätzlich egal, um wen es sich handelt, in diesem Fall halt serjena .

    Niemand sollte bei einer sachlichen und auch kontroversen Diskussion die Ebenen verwechseln und es zu einem persönlichen Streit kommen lassen. Daher ist es immer schade, wenn sich jemand aufgrund einer Diskussion über Bücher zum Rückzug gedrängt fühlt. Aus einer Diskussion kann man sich ja zurückziehen, wenn man meint, alles gesagt zu haben, aber doch nicht aus dem ganzen Büchertreff. ?(


    Wenn es die gesundheitichen Probleme sein sollten - Gute Besserung ! :wink:

    Ich bleibe bei meinem Seelenbild: die "Stangenkreuze", die er neben dem Gestell einsetzt, also seine Kinder, sind genau so

    seelisch verkümmert wie er selber: harte, leblose "Stecken", von denen er keine Vergebung erwarten kann.

    Also wenn der Satz, ich zitiere "Wir zogen zu Hause aus, heirateten, bekamen selber Kinder und stellten fest, dass die Saat der Bosheit auch in uns aufging"

    nicht ironisch gemeint ist, dann könntest Du mit Deinem Seelenbild recht haben. Ich hoffe allerdings noch immer, dass dem nicht so ist.

    Ich hoffe auch inständig, dass du dich irrst, drawe aber man darf nicht vergessen, wer hier handelt. Der Vater sieht bzw. definiert seine Kinder als diese Kreuze, dh. allenfalls sieht er sie als harte, leblose Stecken.

    Aber möglich ist es natürlich, dass es sich um die besagte “Saat des Bösen“ handelt, die der Vater an seine Kinder weitergibt, die Gefühlskälte, das Nicht-Lieben oder Nicht-Verzeihen Können. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass die das von ihrer Mutter gelernt haben.


    Aber ist das nicht allzu menschlich, dass man, wenn man einmal mit einigem Aufwand sich eine Meinung gebildet hat, schwer von einer anderen zu überzeugen ist ?

    Was spricht denn gegen Deine Auffassung?

    Jeder von uns sieht das in dem Text, was er meint - entscheidend ist doch nur, dass wir dem

    Text dabei keine Gewalt antun.

    Neinnein, das war auch gar nicht als klagende Beschwerde gemeint, ich finde ja auch, dass nichts und vor allem niemand gegen meine Auffassung spricht. :wink:

    Und selbst wenn, ich bin da voll deiner Meinung, dass jeder die Geschichte für sich selbst interpretieren soll und muß - denn gerade da zeigt sich ja die Parallele, die wir schon in der ersten Geschichte erörtert haben: Bei so offenen Erzählungen sagt die Interpretation mindestens genauso viel über den Interpretierenden wie über die Geschichte aus.


    Achja und was diese Meinung angeht,

    Variante 2: Vater hat viel schlimmere, ungesagte Dinge getan.

    bin ich ganz klar auf dieser Seite: Der Vater hat es nämlich meines Erachtens offenbar zeitlebends nicht auf die Kette bekommen, eine persönliche Beziehung / Bindung zu seinen Kindern aufzubauen und bittet deshalb flehentlich um Verzeihung und Liebe.

    Ich für meinen Teil, obwohl ich wahrscheinlich nach außen hin als relativ lieber Mensch angesehen werde, muss zugeben - falls ich wirklich in meine Tiefen und Abgründe schaue - dass es tatsächlich auch Saat, und zuindest das, von Bösartigkeit in mir gibt. Ist Euch anscheinend nie passiert?

    Ich würde mal soweit gehen, zu behaupten, dass das jeder kennt. Sowohl, die Erkenntnis der eigenen ich nenne sie mal "Schattenseiten" als auch die Dinge, die man von seinen Eltern vererbt bekommen hat.


    Gibt es nicht auch eine Bibelstelle, die sinngemäß sagt, es kann das Gute nie ohne das Böse geben ?


    Aber ich würde auch nicht soweit gehen, zu sagen, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt. Ich glaube, dass Saunders aus dem Grunde so schwer zu übersetzen ist, weil er so offene Geschichten schreibt, die unendlichen Platz für Interpretationen lassen. Und gerade beim Übersetzen muß man sich ja früher oder später für eine Interpretation entscheiden, wenn man unser Erkenntnis von weiter oben berücksichtigt, dass ein einzelnes Wort so sinngebend für eine Geschichte sein kann.

    Ist es Saunders Intenion, dass wir als Leser es schaffen, hinter die Fassade/das Gestell zu blicken und herausfinden, wer dieser Mann gewesen sein könnte?

    Ich glaube genau das ist nicht seine Intention, die sehe ich einen Schritt vorher: Ich glaube Saunders möchte, dass wir VERSUCHEN herauszufinden, wer dieser Mann gewesen sein könnte, nicht dass wir es SCHAFFEN. Der Weg ist viel interessanter als das Ergebnis. Dafür ist die Geschichte zu offen gehalten, auch wenn wir aus Saunders Statement erfahren, dass er schon eine Vorstellung davon hatte, wie der Mensch hinter dem Gestell tickt und was seine Beweggründe sind.


    Aber er ist sich auch darüber bewußt, wie unterschiedlich die Dinge interpretiert werden können. Ich hatte mich nach meinem ersten Lesen und nach dem überprüfenden Nachlesen ziemlich auf die Sucht-Biografie eingeschossen und merke jetzt bei jedem Interpretationsversuch, den ich hier lese bzw. den ich auch selber weiterhin versuche, dass ich automatisch überprüfe, ob er immernoch zu meiner Theorie passt. :wink: (Bisher war das so.)


    Aber ist das nicht allzu menschlich, dass man, wenn man einmal mit einigem Aufwand sich eine Meinung gebildet hat, schwer von einer anderen zu überzeugen ist ?


    Aber deinen Gedanken, SiriNYC , dass sich alles um das Gestell dreht und sich der Vater dahinter versteckt, bzw. dahinter in Unschärfe bleibt gehe ich absolut mit. Der eigentliche Protagonist bleibt ja aber der Vater, über den wir durch den Erzähler, durch das Gestell Informationen erhalten. Zweifache Übertragung, Übertragungsfehler (wie bei Stille Post) nicht ausgeschlossen, sondern erwünscht.

    Wobei der Erzähler sich ja relativ zurückhält mit Interpretationen über seinen Vater. Die Frage die ich mir als Leser außerdem stelle ist die nach der Beziehung zu seinen Kindern und somit auch zum Erzähler, wie gut kannten diese ihren Vater überhaupt oder hat er auch mit ihnen weitestgehend über das Gestell kommuniziert ?


    Dazu würde ja dann auch die Aussage von Marie passen:

    Besonders eigenartig: Dass sein Sohn nicht mehr über ihn sagt als die wenigen Sätze über seinen Kontrollzwang und seinen Geiz.

    Kleine Frage: Wie lautet der Satz „Saat der Bosheit“ denn im Original? Ich sehe es eigentlich wie Marie : Der Erzähler erkennt Züge in sich, die er beim Vater nicht mochte, aber dennoch übernommen hat. Nur empfinde ich „Saat der Bosheit“ als einen sehr negativ zugespitzten Ausdruck, ich würde es eher „Macke“ nennen:wink:.

    Zitat von George Saunders

    We left home, married, had children of our own, found the seeds of meanness blooming also within us.

    "meanness" bedeutet sowohl Gemeinheit/Niederträchtigkeit als auch Geiz/Knauserigkeit was für mich zwei total unterschiedliche Welten sind und beides durchaus denkbare Übersetzungen, die der Geschichte jeweils eine völlig andere Bedeutung geben.


    Wahnsinn, ein Wort kann eine ganze Geschichte so sehr verändern ...

    Achja, ich hatte vergessen, dass ich die Originalversion hier im Netz gefunden habe, mit einem interessanten Zusatz von Saunders selbst:

    Zitat von George Saunders in "Story" magazine

    In the contributor's notes in "Story" magazine, George Saunders writes, "For two years I'd been driving past a house like the one in the story, imagining the owner as a man more joyful and self-possessed and less self-conscious than myself. Then one day I got sick of him and invented his opposite, and there was the story."


    Übersetzung in etwa:

    In den Anmerkungen des Herausgebers sagt Saunders zu seiner Story:

    Zwei Jahre lang kam ich oft an einem ähnlichen Haus wie dem in der Geschichte vorbei. Ich stellte mir den Eigentümer vor als einen Mann der fröhlicher, selbstsicherer und weniger schüchtern als ich selbst war. EInes Tages hatte ich davon so die Schnauze voll, dass ich mir ihn als das komplette Gegenteil vorstellte und da hatte ich eine Geschichte.

    :lol:

    Es geht doch um das beste Buch 2018,nicht um die Rezension 2018.

    Ein Buch wird durch eine Rezensionnicht besser.

    Natürlich wird ein Buch durch eine Rezension nicht besser, aber ich verstehe den Büchertreff Leselieblinge Preis so:

    Es geht um das beste Buch 2018, welches hier im Forum eine Rolle spielt, diskutiert wurde etc. Und dazu gehört auch, dass es rezensiert wurde.

    Es ist ja die Auszeichnung des BT Forums und keine allgemeingültige.

    BTW: Ich habe gerade mal ein wenig recherchiert: The sticks bezeichnet wohl auch umgangssprachlich einen sehr abgelegenen Ort, sinngemäß den Ar*** der Welt.

    Interessant. Ich habe gesehen, dass umgangssprachlich to be up the pole auch >verrückt sein< oder auch >in der Tinte sitzen< bedeutet.

    Dann treiben wir das Übersetzungsspiel mal bis zum Ende: Es gibt noch mehr Bedeutungen ...


    Besonders interessant fand ich Nr. 5: a person of a specified kind - also eine eigenartige Person