Beiträge von Jean van der Vlugt

    258. Eine Geschichte, in der viel im Dialekt gesprochen wird

    "Yardie" von Victor Headley ist der erste Teil einer Trilogie über Werdegang und Aufstieg eines jamaikanischen Drogenkuriers bis zum obersten Yardie-Drug Lord von London. (Yardie=jamaikanische Zuwanderer in Großbritannien). Eine präzise Schilderung des Gangster-Alltags und ein wirklich tolles Buch.


    Idris Elba hat daraus sein Regiedebüt gestrickt, das dieses Jahr beim Sundance Festival Premiere hatte und bestimmt bald auch in Deutschland startet.


    Die meisten Figuren des Romans sprechen jamaikanisches Englisch mit einer Vielzahl kreolischer Patois-Ausdrücke und Wendungen. Die Übersetzung von Jürgen Bürger setzt in den Dialogen auf eine etwas seltsame Slang-Kunstsprache, die "recht kreativ" mit dem Deutschen umgeht (aber, wenn man darüber nachdenkt, das recht geschickt macht). Man muss sich allerdings erst dran gewöhnen. Es ist ein wenig wie das Lesen von Lautschrift. Aus "Is like dem cyan wait fe kill someone" wird zum Beispiel "Als ob sies ganich eawatn könntn, iagendwen umzulegen."

    Ein Caper-Roman

    Jetzt muss ich mal blöd nachfragen, was das ist. Der Begriff sagt mir gar nichts und eine Internetsuche wirft eigentlich auch nur dies hier aus.

    Dabei geht es um die minutiöse Vorbereitung und Durchführung eines Verbrechens, meist eines Raubes oder Banküberfalls. Als Film gibt es da z.B. "Ocean's Eleven", "Vier im roten Kreis" oder "Thomas Crown ist nicht zu fassen", als Romane z.B. Dave Zeltsermans "28 Minuten", Eric Amblers "Topkapi" oder Steve Hamiltons "Der Mann aus dem Safe".

    255. Ein Thriller

    Die Mehrheit kommt ja heute mit Psychothrillern um die Ecke.:-s Aus der Mode sind wohl Polithriller (sowas wie Vasilis Vasilikos' "Z"), Agententhriller (sowas wie Eric Amblers "Anlass zur Unruhe" - Ambler ist sowieso großartig: Der Erfinder des Thrillers![-X), Caper-Thriller (sowas wie Richard Starks' "Keiner rennt für immer") oder reine Actionthriller (sowas wie Georges Arnauds "Lohn der Angst").


    Ich picke mir heute diesen ziemlich perfekten Thriller heraus, eine Mischung aus Polit-, Agenten-, Caper- und Actionthriller:wink:, angesiedelt in Uganda zur Zeit der schrecklichen Diktatur des Schlächters Idi Amin. Es geht um den Raub eines Güterzuges, der Unmengen wertvollen Kaffees geladen hat. Ein Caper-Roman, in dem minutiös die Vorbereitung und Durchführung des Verbrechens geschildert werden. Sehr unterhaltsam, spannend und überlebensgroß, dabei immer wieder unterbrochen von Einblicken in den realen Terror des Schreckensregimes – mit Überwachung, Folter, Vertreibung und Speichelleckerei. Die Helden – Piloten, Söldner und andere zwielichtige Gestalten - sind vom alten Draufgänger-Schlag, weltgewandte, leicht angekratzte Abenteurer im Stile eines Indiana Jones oder Allan Quatermain. Der Roman ist ein richtig dicker Tipp! :thumleft:

    254. Eine Geschichte, in der das Internet eine wichtige Rolle spielt

    Den Roman erwähnte ich vermutlich schon bei der letzten Internet-Frage. Aber er ist zu gut, um unerwähnt und ungelesen zu bleiben. In dieser Dystopie von 1975 spielt ein dem heutigen Internet vergleichbares oder identisches Computernetzwerk eine Rolle - und vor allem der Versuch, seiner alles umfassenden Macht zu entkommen.

    Total faszinierende,

    Und wieso hat Dir das am wenigsten gefallen? Dein Kommentar hört sich so positiv an!

    Das Cover ist ja gruselig, da bekäme ich Alpträume …!

    :-,Das Cover ist schon ein Eye Catcher, dieser Grusel-General, wie am Strand aus Matsch, Mandeln und Muscheln schön selbst geformt.:wink:

    Der Comic ist tatsächlich sehr faszinierend: Er macht vieles auf eine ganz neuartig wirkende Weise anders. Und der Zeichenstil ist klasse. Aber er hat keinen Schluss, noch nicht mal einen "offenen"!:shock: Ich hab schon geschaut, ob da Seiten fehlen. Man kann doch die Leser nicht heiß machen, und dann nicht liefern! Als wenn den Autoren die Lust vergangen wäre. Sehr schade!:wuetend:

    253. Welches Buch hat dir im August am wenigsten gefallen?

    Total faszinierende, abgedrehte, dennoch den Kern irgendwie treffende Geschichte aus den Jugoslawienkriegen. Sehr abenteuerlich erzählt, aus einer fantastisch verfremdeten Realität voller Horrorfilmschlenkern, mit erschreckenden Einblicken in kriegsversehrte Städte und Zustände. In schön zugeballertem s/w-Indie-Stil, der mir sehr gefällt. Leider im Grunde kein Ende! Was alles ziemlich ruiniert.

    252. Welches Buch hat dir im August am besten gefallen

    Wunderschöner Aquarell-Comic von der einstigen deutschen Comic-Hoffnung. Ein spirtueller Roadtrip durch Amerika. Ein Mann und seine Tochter gabeln am Straßenrand einen spirituellen Wanderer auf, den beinlosen Kriegsheimkehrer Bill, der auf der Suche nach einem Schamanen ist, der ihm seine Beine wieder zurückzugeben vermag. Der hippieske, melancholische Tonfall ist genau meine Kragenweite. Außergewöhnliche Literatur! Wie ein Aufruf, innezuhalten und die Dinge einmal genau anzuschauen. In dieser Prägnanz vielleicht nur als Comicroman möglich! :love:

    Eigentlich mag ich Oscar Wilde bzw. seine sprachlichen "Ergüsse" sehr gerne, aber hier, bei dem von Jean van der Vlugt s ausgewählten Zitat, regt sich in meinem Inneren kein Verstehen. Und das würde ich gerne ändern, bzw. erfahren, was es bei Anderen auslöst.

    Also ich habe das Zitat zwar nicht ausgewählt, aber gelikt. Ich mag es, weil es knapp, aber mit der nötigen Dramatik oder Schärfe zum Ausdruck bringt, dass man das, dem man sich zuwendet, schon durch die Zuwendung beeinflusst. Und ggf. abnutzt oder beschädigt. Was selbst in der Liebe zum Tragen kommt. Was vielleicht auch mit der Ungleichheit der Liebe zu tun hat, in der selten beide Partner (so es zwei sind) im selben Moment die selben oder vergleichbar intensive Gefühle hegen. Was Probleme verursachen kann: Manche zerstören Beziehungen durch (zuviel) Fürsorge, manche durch Tränen (vielleicht weniger um den anderen vergossen, als darüber, dass ein Zustand, der einem gefällt, nicht fortgeführt wird) oder eben durch "kaltes Blut".

    251. Eine Geschichte, die im Dschungel spielt

    Dschungel? Da nehme ich heute einmal "Lord Jim". Joseph Conrad kann man nicht genug in Erinnerung rufen! Der britische Seemann Jim, der sich im Dschungel Südostasiens "vor sich selbst" rehablitiert und eine "schuldlose" Schuld bewältigt, die er in seiner Heimat (im ersten Teil des Romans) auf sich geladen hat.

    250. Ein Titel mit 7 Buchstaben

    John Ridley ist ein immer noch nicht gehobener Geheimtipp der Spannungsliteratur. Hierzulande kennt man ihn höchstens als Autor der Vorlage zu Oliver Stones Neo-Noir-Verfilmung "U-Turn" mit Sean Penn. Ridleys Zweitling "L.A. Blues" (OT: Love is a Racket) ist eine böse, noire Geschichte unter abgewrackten Randexistenzen in Los Angeles. Erscheint manchen etwas zu lang. Nicht nur für Freunde von Elmore Leonard geeignet, sagen die üblichen Verdächtigen.

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