Beiträge von Jean van der Vlugt

    192. Ein Buch, dessen Autor einen Beruf als Nachnamen hat

    Von diesem 1953 in München geborenen Autor habe ich diesen Roman noch ungelesen im Regal. Als ich einmal auf der Suche nach interessanten deutschen Schriftstellern war, hat irgendwer Händler gelobt. Ich weiß aber weder, wer das war (oder wo ich davon hörte), noch ob explizit dieser Roman empfohlen wurde. Vielleicht habe ich "Wenn wir sterben" auch einfach mal preiswert irgendwo gefunden und mitgenommen. Die Geschichte klingt jedenfalls ganz interessant und ungewöhnlich. Und ich mag den Werbespruch, der vermutlich ein Zitat aus dem Roman darstellt: "Was ist der Mensch? Ein Haufen Fleisch, in Geld eingewickelt?"


    Klappentext (Q: Amazon): Charlotte erfüllt sich den größten Wunsch: Sie macht sich mit dem Kauf einer mittelständischen Firma selbständig. Christine, genannt Stine, und Bär helfen ihr dabei, doch letztlich sind die beiden Freundinnen Charlottes Ruin. Durch einen raffinierten Schachzug, eine böse Intrige, wird Stine Inhaberin der Firma. Kaum hat sie die Fabrik an sich gerissen, träumt sie einen anderen Traum: Ein Joint venture mit einem multinationalen Konzern soll ihr den Zugang zum Weltmarkt öffnen. Dabei trifft sie auf eine weitere beeindruckende Persönlichkeit, die Topmanagerin Milla: Ein neues Spiel beginnt. Im Mittelpunkt des neuen Romans von Ernst-Wilhelm Händler stehen vier Frauen, wichtige Führungskräfte der Industrie, alle mit Mitte Vierzig auf dem Höhepunkt und gleichzeitig am Scheideweg ihrer beruflichen Karriere angelangt. Poetisch beispielhaft zeigt Händler im Spannungsraum der vier Karrieren, wie die sich unaufhaltsam vollziehende Globalisierung unser aller Leben beeinflußt. Faszinierend die Beschreibung der Kräfte, die das Diesseits zusammenhalten: die sterile Macht der Banken, der Industrie, die sich selbst produziert, die Gier der Immobilienspekulanten, die diffuse Komplizenschaft von Kunst und Werbung - aber auch die Hoffnung auf Rettung durch Sprache. Es tobt ein erbitterter Kampf um das ökonomische Überleben, der selten sichtbar wird. Die Gesellschaft erzeugt nur noch jene Menschen,die das Funktionieren der Wirtschaft gewährleisten. Der Leser entscheidet, wer die größere Souveränität bewahrt: diejenigen, die bestimmen, oder diejenigen, über die bestimmt wird.

    190. Welches Buch hat dir im Juni am besten gefallen?

    Von den drei Cain-Romanen, die ich im Juni gelesen haben, gefiel mir dieser hier am besten, der unter dem Originaltitel "Galatea" 1954 erschienen ist, was schon in die Zeit seines Spätwerks fällt, das gemeinhin als "eher weniger gut" betrachtet wird.

    Was passieren kann, wenn sich Männer ihre Frauen so zurechtbiegen, wie sie sie mögen: als ergeben gemästete Dicke oder als durch Diät aus der Körperfülle herausgeschälte Schlanke.

    Aber die besseren Cains folgen im Juli!:lechz:

    Alle von mir gelesenen Cains hatten was, das mich begeistert hat, zuletzt erst die ganzen Hobo-Erlebnisse im "hellgrünen Falter". Aber die allgemein geschätzten Cain-Meisterwerke gehen da schon noch eine Latte drüber. Man prügele sich die Bilder aus der doofen Nicholson-Verfilmung aus dem Hirn und genieße den Ausbund an Niedertracht im "Postboten": Zwei extem auf sich selbst zurückgeworfene Existenzen in einer sinnlosen Welt, die nur mit Geld zu ertragen ist. Existenzialismus, bevor ihn Sartre und Camus auf die Menükarte gesetzt haben. Die neue Übersetzung von Alex Capus macht - so ohne Vergleich - einen guten Eindruck. Nur frage ich mich, ob jemand, der offensichtlich so gar kein Gespür für die Eigenheiten der noiren Hardboiled-Literatur hat, wie es sein herablassendes Nachwort beweist, der richtige Übersetzer für Cain ist.[-( Man sollte nicht überheblich über Zufälle herziehen, sondern lieber überlegen, was das Verwenden von Zufällen über den Wert menschlichen Strebens, so wie es Cain sieht, aussagt.

    Das rasante Buch bekommt sicher viereinhalb Sterne.:thumleft:

    189. Ein Buch, dessen Autorin einen Beruf als Nachnamen hat

    Wurde wegen des örtlichen Bezuges bei Erscheinen in der Buchhandlung meiner Kindheit im großen Stil im Schaufenster präsentiert. Ob es sich gut verkauft hat? Ich habe es noch nicht gelesen.


    Kurzbeschreibung (Q: Amazon): April 1945: Die 27-jährige Elsa Lewinsky ist alleine in der großbürgerlichen Wohnung ihrer Eltern im Berliner Westend zurückgeblieben und wartet auf das Kriegsende. Der Einmarsch der Russen steht kurz bevor, doch die Zukunft ist ungewiss. Elsa ist eine Einzelkämpferin, die trotz der Schrecken um sie herum mit Mut und Hoffnung nach vorne schaut. In lakonischem Stil und mit scharfer Beobachtungsgabe beschreibt Weber die alltäglich gewordenen Erfahrungen von Hunger, Angst, Vergewaltigung und der Auseinandersetzung mit den Alliierten im besiegten Berlin. Dabei entwirft sie ein präzise gezeichnetes Psychogramm der verschiedenen Typen und Charaktere, ohne jedoch zu werten.

    187. Ein Buch, dessen Autorin eine Ortsbezeichnung als Nachnamen hat

    Da kann ich noch mal auf diese Meisterin des Makabren und der erbarmungslosen Figurenzeichnung hinweisen. Wer die Schriftstellerin nur als Genreautorin von Gruselgeschichten "aburteilt", tut ihr unrecht: Nach genaueren Charakterstudien des modernen Menschen muss man meiner Meinung nach lange suchen!:pray: Ich las die deutsche Übersetzung des Kurzgeschichtenbandes unter dem Titel "Die Teufelsbraut", der in meiner Jahresbestenliste weit oben anzutreffen sein wird.:D


    Jackson ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Mississippi (und sorgt jetzt bei Johnny-Cash-Freunden hoffentlich für einen Ohrwurm am Morgen.):wink:

    eines vergessenen deutschen Schriftstellers

    Das müsste derselbe sein...?

    Das Buch liegt seit langem auf meinem SuB.

    Sieht so aus!:winken: Ja, wenigstens hat Aufbau Digital seine gesammelten Frank-Bücher 2014 bis 2016 als E-Book in die Läden gehievt. "Die Räuberbande" gibt es manchmal noch als Taschenbuch. Viel Lokalkolorit und Würzburger Mundart. Wer Jugendbandengeschichten mag, dem sollte die Räuberbande gefallen: Wie ein hohe Literatur gewordenes Burg Schreckenstein.:wink:

    186. Ein Buch, dessen Autor einen Vornamen als Nachnamen hat

    Großartiger Roman eines vergessenen deutschen Schriftstellers, außer vielleicht in Würzburg.


    Kurzbeschreibung (Q: Amazon): Würzburg 1899. Eine Schar vierzehnjähriger Lehrjungen hat sich unter dem Anführer Oskar, dem bleichen Kapitän, zu einer Räuberbande zusammengeschlossen. Die Abenteuerromantik der Romane von Karl May prägt ihr Denken. Irgendwann wollen sie Würzburg in Schutt und Asche legen, ein Hochseeboot kapern und damit in das Land ihrer Träume, nach Amerika in den Wilden Westen segeln. Dort glauben sie frei zu sein von Schule und Familie, von ihren Lehrherren, von all der Verständnislosigkeit und Heuchelei, die sie umgibt. Versammlungsort der Räuberbande ist ein unterirdischer Gang in den Weinbergen, wo gestohlene Weintrauben, Zigarren, eine Pistole und unzählige Hefte mit Räuber- und Indianergeschichten aufbewahrt sind, an deren Inhalt sich die Fantasie der Buben entzündet. Werden sie ihre Sehnsucht nach Abenteuern, nach Freiheit erfüllen können? Noch sitzen sie in ihrer Höhle beieinander und donnern gegen die Tyrannei dieser Welt. Leonhard Frank beschreibt das Ende der Kindheit anhand der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Jungs, ihre kleinen Jugendsünden, ihre fantastischen Ideen und Zukunftsträume ausgeliefert einer oft sadistischen Welt der Erziehungsberechtigten, streng und dienstbeflissen, ohne Verständnis für Flausen.

    Ralph Eugene Meatyard ist mein Lieblingsfotograf, der für seine sehr unheimlichen, gestellten Foto-Tableaux bekannt ist. All die alten Bildbände und Ausstellungskataloge sind natürlich inzwischen nur noch völlig überteuert zu bekommen. Deswegen habe ich gleich zugeschlagen, als ich sah, dass letztes Jahr ein neuer Ausstellungs-Bildband herausgekommen ist - zu moderatem Preis.:lechz:

    Jetzt spült mir Roger Deakins "Wilde Wälder" auch noch Künstler in die Wunschliste, zum einen die Malerin Mary Newcomb.

    Das ist auch eine sehr interessante Zugabe bei Deakin und Macfarlane. Man lernt so einige andere Kunstschaffende kennen.

    Nicht nur andere Autoren sondern auch Maler und Bildhauer.

    Ja, mir haben eigentlich schon die literarischen Anregungen gereicht gefallen!:lol: Neben Mary Newcomb und David Nash gab es da noch den Künstler Roger Ackling, der mit einer Lupe und gebündeltem Sonnenlicht langsam und gleichmäßig Linien in Treibholzstücke einbrennt. Wenn eine Wolke am Himmel ist, ist die Linie halt mal kurz unterbrochen. Auch schön!:thumleft: Aber manche dieser Sachen von David Nash sind wirklich beeindruckend schön! :pray:

    In Hollywood auf dem Weg zum Flughafen von Burbank, um nach New York zu fliegen und dort ein Engagement an der Met anzutreten, auch wenn ich dadurch bei der Filmproduktionsfirma vertragsbrüchig werde. (Das ist wahrscheinlich der Moment, den es in jedem Cain-Roman gibt, an dem man nicht weiterlesen mag, da danach ganz bestimmt alles den Bach runtergeht.8-[)