Beiträge von dreamworx

    Nach außen scheint das Leben von Anna Neumann perfekt, denn sie hat nicht nur eine gutgeratene Familie, auch an Geld mangelt es nicht. Aber Anna ist unzufrieden und lässt sich auf eine Affäre ein, die ihr Kartenhaus zusammenstürzen und sie die Flucht nach Mallorca antreten lässt, um dort wieder zu sich zu kommen. Als sie ihren jungen Nachbarn Enric kennenlernt, der unheilbar an Mukoviszidose erkrankt ist, muss Anna schon bald erkennen, dass ihre eigenen Probleme nicht so wichtig sind. Enric stemmt sich gegen seine Krankheit und schaut mit so viel Optimismus in die Welt, dass Anna sich schon bald Hals über Kopf in den jungen Mann verliebt. Allerdings schleppt nicht nur Anna einige Altlasten mit sich herum, auch Enric hat eine Vergangenheit, die sich zwischen sie zu stellen droht…


    Eva-Maria Farohi hat mit „Mein Leben ist schön“ einen wunderschönen und anrührenden Roman vor der malerischen Kulisse Mallorcas vorgelegt, der den Leser schon mit den ersten Zeilen einfängt und in die Handlung hineinzieht. Die Liebe der Autorin zur spanischen Sonneninsel ist mit jedem Wort spürbar. Der flüssige und gefühlvolle Erzählstil lädt nicht nur zu einem gedanklichen Kurzurlaub ein, sondern gibt auch einem ernsten Thema eine Plattform, um sich damit auseinander zu setzen. Vor wunderschöner Kulisse zaubert Farohi nicht nur eine anrührende Liebesgeschichte, sondern gibt der Krankheit Mukoviszidose mit Enric ein Gesicht. Behutsam und empathisch verbindet die Autorin diese mit ihrer Handlung, gibt dem Leser Einblicke in Verlauf und Auswirkungen, die nicht nur den Kranken, sondern auch die Mitmenschen betreffen und zeichnet trotzdem ein positives Bild durch den mutigen Kampf ihres Protagonisten, der sein Schicksal angenommen hat und das Leben zu genießen weiß, wobei er alle mitreißt. Gerade in der heutigen Zeit sollte man sich selbst nicht zu wichtig nehmen, mehr Zeit für das Miteinander geben und ein Ohr für die leisen Zwischentöne im Umgang mit anderen haben.


    Die Charaktere sind wie aus dem Leben gegriffen, so dass der Leser sich sofort mit ihnen identifizieren kann, denn sie sind in ihren Eigenschaften sehr glaubhaft und authentisch. So folgt man ihnen gern, schließt sie bald ins Herz und nimmt Anteil an dem, was ihnen widerfährt. Anna wirkt auf den ersten Blick vom Glück verwöhnt, doch unterschwellig fühlt man ihre Unzufriedenheit. Auch wenn sie erst recht unsympathisch und verwöhnt rüberkommt, stellt sie sich dem von ihr verursachten Desaster. Im Verlauf der Geschichte wird sie feststellen, dass ihre Sorgen gegenüber anderen Dingen völlig verblassen. Enric ist ein schwerkranker Mann, der sein Schicksal angenommen hat, sich aber nicht hängen lässt, sondern den Kampf aufgenommen hat, um dem Leben alles abzugewinnen, was möglich ist. Er ist ein Optimist, verständnisvoll und hat immer ein offenes Ohr für andere. Sein Mut und seine positive Ausstrahlung leuchten wie ein Licht in dunkler Nacht und halten so manchem den Spiegel vor. Aber auch die Rollen von Protagonisten wie Jonas, Sebastian und Isabell in dieser Geschichte sind nicht zu unterschätzen.


    „Mein Leben ist schön“ ist ein wirklich gut gewählter Titel für ein Buch, das Mut macht, positive Lebensfreude ausstrahlt und gleichzeitig zur Selbstreflexion anregt. Eine gefühlvolle und gleichzeitig unterhaltsame Lektüre mit malerischem Hintergrund, die von Anfang bis Ende fesselt und im Gedächtnis bleibt. Einfach wunderschön, absolute Leseempfehlung!


    Zauberhafte :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    HINWEIS - Bitte immer mit kopieren - UND AUCH LESEN!!!

    Beim Weiterführen der Liste darauf achten, dass die Listenfunktion beibehalten wird! Dafür bitte die Editoren-Ansicht benutzen (NICHT die Quelltextansicht)! Listenziffern werden automatisch eingefügt, wenn sie beim kopieren nicht markiert werden! Dass die Liste richtig übernommen wurde, erkennt man daran, dass die korrekte Liste ein wenig nach rechts eingerückt ist, während die falsche Liste, die nicht automatisch nummeriert ist, einfach bündig am linken Rand erscheint.


    Bei den Leuten, welche noch Probleme haben, hier weiterlesen:


    Nur die Namen/Liste markieren - mit der linken Maustaste (dabei stellt sich nämlich heraus, wenn man oben in die Menüleiste schaut, dass statt "nummerierter Liste" nur die normale "Liste", welche eigentlich Punkte statt Zahlen ausgibt, für die Aufzählung markiert ist. Was beim Absenden dazu führt, dass man keine Zahlen mehr davor hat). Nach dem Markieren oben in der Menüleiste auf "Nummerierte Liste" drücken (so dass dieses ausgewählt ist statt der normalen). Absenden. Fertig!


    Und nehmt BITTE immer den letzten Post und nicht euren eigenen!


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    41. Yvonne80, aleXi.s - 1

    "Ein Duft muss die besten Augenblicke des Lebens wieder wachrufen." (K. Lagerfeld)

    2019 Köln. Die Holländerin Liv hat mit ihrem Sohn Thijs in Köln-Ehrenfeld eine neue Heimat gefunden, nachdem sie von ihrem Verlobten Hendrik sitzengelassen wurde. Dort eröffnet sie als gelernte Parfümeurin ihre eigene Duftboutique, in der sie neben ausgewählten Individualdüften auch Seminare anbietet. Als Liv dann erst einen recht unerfreulichen Zusammenstoß mit einer älteren Dame hat, die sie böse beschimpft, und auch noch ihre Parfümerie verwüstet wird, macht sie sich daran, den Dingen auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf ein altes Familiengeheimnis…

    40er Jahre Köln. Obwohl Nellie Voss ein gutes Näschen für Gerüche hat, arbeitet sie nur im Büro von 4711, um ihre Familie zu unterstützen, weil die Kneipe ihrer Mutter Ilka nicht so viel abwirft. Während das Naziregime und der Krieg das Leben immer schwerer macht, bekommt die streng katholisch erzogene Nellie die Chance, vom Chefparfümeur Luuk van Geeren gefördert zu werden. Der sympathische Mann ist nicht nur von ihrem Talent überzeugt, sondern hat auch ein Auge auf sie geworfen. Doch Nellie hat nur Augen für einen, doch der wird niemals ihr gehören…


    Teresa Simon hat mit „Die Lilienbraut“ einen wunderschönen und gefühlvollen historischen Roman vorgelegt, der diesmal nicht nur ein wahres Herz-, sondern vor allem auch ein gedankliches Dufterlebnis ist. Der flüssige, gefühlvolle und bildgewaltige Erzählstil katapultiert den Leser direkt in die Geschichte hinein, wo er zwischen zwei Handlungssträngen auf unterschiedlichen Zeitebenen wandelt. Mal findet man sich in der Gegenwart an Livs Seite wieder, schnuppert sich mit ihrer Hilfe durch das schöne Sortiment ihrer Parfümerie, während man die Kunden ein- und ausgehen sieht und Livs Gedanken- und Seelenwelt ausgiebig studieren kann. Zum anderen taucht man in die Zeit des Zweiten Weltkrieges ab, um Nellie aufgrund ihrer unglücklichen Liebe zur Seite zu stehen und mit ihr zu leiden. Dabei lässt Simon durch ihre akribische Recherche nicht nur Bilder des zerbombten Kölns vor dem inneren Auge des Lesers entstehen, sondern bringt auch die Widerstandsgruppe der Edelweisspiraten wieder in Erinnerung. Durch die wechselnden Perspektiven schraubt sich der Spannungslevel immer weiter in die Höhe bis zum finalen Schluss. Der Leser ist dauerhaft angehalten, den eingebrachten Wendungen zu folgen, um dem alten Familiengeheimnis nach und nach auf die Spur zu kommen. Zudem gibt die Autorin einen interessanten Einblick in die Welt der Düfte, die dem Leser alle Sinne vibrieren lassen während der Lektüre.


    Die Charaktere sind ausgesprochen lebendig entworfen und liebevoll in Szene gesetzt. Sie schleichen sich mit ihrem glaubwürdigen und authentischen Agieren schnell ins Herz des Lesers, der während der Lektüre das Gefühl hat, ihnen gegenüber zu sitzen und ihrer Geschichte zu lauschen. Mitfiebern und Mitfühlen ist hier auf jeden Fall Programm. Nellie ist eine warmherzige und freundliche Frau mit einem ausgeprägten Geruchssinn, die sich für andere engagiert und für diejenigen kämpft, die ihr am Herzen liegen. Freundin Greta wird immer wieder vom Schicksal gebeutelt, beweist aber einen Mut, der einem nur Respekt abverlangt. Liv hat ihr Leben selbst in die Hand genommen und sich einen Traum erfüllt. Doch muss sie erst einige Rätsel lösen, um endlich bei sich anzukommen. Söhnchen Thijs ist ihr ganzes Glück, aber in ihrem Herzen ist auch noch Platz für eine neue Liebe. Protagonisten wie Nouria, Martin, Jan und Lise spielen ebenfalls nicht unerhebliche Rollen in dieser Geschichte.


    „Die Lilienbraut“ verbindet auf wunderschöne Weise Vergangenheit mit Gegenwart und wird mit einem Festival an Düften untermalt. Sowohl alte Familiengeheimnisse, als auch der Krieg und die Liebe kommen in diesem Pageturner nicht zu kurz und lassen den Leser an den Seiten kleben, während sämtliche Sinne aufs Höchste angespannt sind. Simons Duftgeschichte ist einmalig, absolute Leseempfehlung – Chapeau, besser geht es nicht!!!


    Wunderbare :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Lockt keine Fliege hinterm Ofen hervor

    Das Leben der 30-jährigen Beti ist ein einziges Desaster, denn ihren Traum von einer Strandbar in Andalusien kann sie abhaken, da ihr Verlobter Will sie wegen einer anderen hat sitzenlassen, aber nicht ohne vorher noch ihr Konto leer zu plündern. Nun steht sie da in Spanien, ohne Geld, ohne Bar und ohne Mann. Da heißt es „Ärmel hochkrempeln und da Chaos beseitigen“. Deshalb nimmt Beti einen Job auf der Kirschfarm des recht eigenwilligen Antonio an. Wegen einer Wette muss Beti auch noch Flamencotanzen lernen, was ausgerechnet Antonio ihr beibringen soll. Aber unter der heißen Sonne Andalusiens sollte das doch nicht so schwierig sein, oder stellen die Gefühle Beti ein Bein?


    Jo Thomas hat mit „Ein Sommer voller Schmetterlinge“ einen recht seichten Liebesroman vorgelegt, der sämtliche Klischees bedient, die man sich nur vorstellen kann, aber leider auch mit 08/15-Charakteren, mit denen man als Leser so gar nicht warm wird und die Lektüre deshalb zu einer echten Qualveranstaltung werden lassen. Der zwar recht flüssige und eingängige Erzählstil kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine Geschichte regelrecht zusammengeschustert wurde, die weder Hand noch Fuß besitzt. Die recht farbenfrohen Landschaftsbeschreibungen Andalusiens lassen ein wenig Urlaubsstimmung aufkommen, doch reicht ein buntes Setting nicht aus, um gute Unterhaltung zu bieten, denn die Protagonisten machen mit ihrem Verhalten alles wieder zunichte. Eine Protagonistin, die im Alter von 30 noch so blauäugig durchs Leben geht und nichts auf die Reihe bekommt, grenzt schon fast an Körperverletzung. Noch schlimmer ist nur der spanische Kirschbauer, der sich von seiner Ex-Frau ausnehmen und von seiner Geliebten unter Druck setzen lässt, während er mit einer dritten feurig Flamenco tanzen will. Warum ausgerechnet Flamenco, ach ja richtig, die Handlung ist ja in Andalusien angesiedelt. Doch der gefühlsbetonte, von Zigeunern stammende Tanz dient hier wohl eher als Notnagel, um die Geschichte halbwegs zu retten, was aber leider auch nicht gelingt, denn auch der Flamenco ist nur ein ganz lahmer Eiertanz.


    Die Charaktere wurden oberflächlich auf einem Reißbrett entworfen, ihnen fehlt es an Seele und Wärme. Der Leser kann sich ein dauerhaftes Kopfschütteln bis hin zur Nackenstarre nicht verkneifen, so surreal und nahezu lebensuntüchtig wirken die Darsteller. Beti scheint das Pech an den Händen zu kleben, denn die Männer kann sie mit ihrer naiven Art nicht halten, sondern lässt sich sogar von ihnen ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Sie hat keine Ausbildung, kann sich nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten und träumt sich realitätsfern nach Wolkenkuckucksheim. Antonio ist auch so eine Witznummer, die man einem waschechten Spanier besser nicht präsentiert, denn das sind Machos, die sich von einer Frau nicht an der Nase herumführen lassen, wie es der arme Antonio tagtäglich erlebt. Anstatt mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen, grämt er sich und leidet unter schlechter Laune, weil er sein Leben nicht im Griff hat.


    „Ein Sommer voller Schmetterlinge“ ist eine unglaubwürdige und sehr seichte Urlaubslektüre. Mit einem Groschenroman wäre man wahrscheinlich besser bedient. Auf der ganzen Linie durchgefallen!


    Grottig für :bewertung1von5:

    Die Macht der Liebe

    Seit ihrer geplatzten Hochzeit vor 3 Jahren liest sich die 29-jährige Nora Bradford lieber durch sämtliche Werke der Bibliothek von Merryweather oder widmet sich ihrem Steckenpferd, der Ahnenforschung, als sich nochmals von der Liebe einwickeln zu lassen. Als sie gemeinsam mit ihrer Schwester Britt an einem Notfalltraining teilnimmt, trifft sie auf den ehemaligen Navy Seal John Truman Lawson, der sie schon bald um Hilfe bittet, ihm bei der Suche nach seiner leiblichen Mutter zu helfen. Je mehr Zeit Nora mit dem attraktiven John verbringt, umso mehr verfällt sie dem Mann. Doch leider ist dieser mit der sehr sympathischen Allie liiert. Auch wenn sich Nora nicht allzu große Hoffnungen macht, John für sich zu gewinnen, stellen sich auch bei ihm schon bald immer stärkere Gefühle für die Ahnenforscherin ein…


    Becky Wade hat mit „Und dann kamst du“ einen wunderschönen und tiefgründigen Liebesroman vorgelegt, der sich nach und nach wie ein Puzzle entfaltet und sich ganz unauffällig in das Leserherz schleicht. Der flüssige, etwas altbacken wirkende Erzählstil lädt den Leser mit viel Wärme und Witz ein, in die Handlung einzutauchen, um Nora, ihre Schwestern sowie John und Allie sowie deren Gedanken- und Gefühlswelt kennenzulernen. Mit unterschiedlichen Stilmitteln wie E-Mails, SMS. Briefen oder Chatprotokollen gewährt die Autorin dem Leser einen guten Einblick in das Leben ihrer Protagonisten und Teile ihrer Vergangenheit. Aber auch geschickt positionierte Überraschungsmomente und Wendungen halten den Spannungslevel innerhalb der Geschichte gleichbleibend hoch. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr natürlich und glaubwürdig dargestellt, so dass sich der Leser als Teil der Handlung fühlt und gespannt mitverfolgt, in welche Richtung sich alles entwickelt. Themen wie Identitätssuche, Adoption, Ahnenforschung oder eine unheilbare Krankheit werden innerhalb der Geschichte plausibel eingebunden und verhelfen dieser zu Abwechslungsreichtum. Auch der christliche Glaube spielt innerhalb der Handlung eine große Rolle, denn Werte wie Vertrauen, Hoffnung und Vergeben nehmen einen nicht unerheblichen Raum innerhalb der Geschichte ein.


    Die Charaktere sind mit ihren individuellen Eigenschaften sehr liebevoll in Szene gesetzt und wirken realistisch und authentisch. Der Leser fühlt sich ihnen schnell verbunden, kann mit ihnen hoffen, bangen und mitfühlen. Nora wirkt zwar etwas unscheinbar und altbacken, ist aber eine freundliche und offene Frau, die mit einem besonderen Witz gesegnet ist. Äußerlichkeiten sind ihr nicht wichtig, lieber bleibt sie im Hintergrund. Zu ihren Schwestern Willow und Britt hat sie ein herzliches Verhältnis, steckt ihre Nase aber lieber in Bücher als unter Menschen zu gehen. John ist ein sportlicher, ruhiger Mann, der schon durch seine Laufbahn als Ex-Navy-Seal ein gewisses Selbstbewusstsein innehat und sehr erfolgreich ist. Eine einschneidende Diagnose bringt ihn dazu, seiner Vergangenheit nachzuspüren und mehr über sich und seine Familie zu erfahren. Allie ist eine sympathische und liebenswerte Frau, die Herzlichkeit und Wärme ausstrahlt.


    „Und dann kamst du“ ist ein wunderschöner und facettenreicher Liebesroman mit Tiefgang, der eine breite Variation an Themen in sich vereint und auch mit einer guten Prise Humor punkten kann, so dass der Leser von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend gefesselt ist. Absolute Leseempfehlung für eine Lektüre, die ans Herz geht.


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    "Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern." (Aristoteles)


    1974. Schon von jeher war Kate aufgrund ihrer zurückhaltenden Art eine Außenseiterin, der es schwer viel, Freundschaften zu schmieden. Doch dann ändert die Begegnung zur quirligen Tully von einem Moment auf den anderen Kates Leben. Mit Tully hat sie jemanden gefunden, dem sie sich verbunden fühlt, und auch Tully scheint etwas in ihr zu sehen, das anderen bisher verborgen geblieben ist. Trotz ihrer Gegensätze ziehen sich die beiden an und werden schnell die engsten Freundinnen. Tully erhofft sich für ihr Leben eine erfolgreiche Berufskarriere als Reporterin, während Kate von Familie und Kindern träumt. Über Jahre hält ihre enge Freundschaft vielen Stürmen stand, aber dann kommt es zu einem Vertrauensbruch, der alles aufs Spiel setzt…


    Kristin Hannah hat mit „Das Mädchen aus der Firefly Lane“ einen wunderschönen und anrührenden Roman vorgelegt, der sich schnell ins Leserherz schleicht. Der flüssige, emotionale und farbenfrohe Schreibstil lässt den Leser schon bald gefesselt die Seiten umblättern und in die Welt von Tully und Kate eintauchen, um ihre Freundschaft von der ersten Begegnung an mitzuerleben und ihnen über Jahre ihres Lebens zu folgen, während in seinem Kopf der Soundtrack der Siebziger als musikalische Untermalung mitschwingt. Das Miterleben der jahrzehntelangen Freundschaft zwischen den beiden Frauen, die so viel miteinander teilen, aber doch so gegensätzlich sind, wie es nur möglich ist, macht beim Lesen nicht nur Spaß, sondern weckt auch alte Erinnerungen, die man mit eigenen Freunden teilt. Wechselnde Perspektiven ermöglichen einen guten Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistinnen, die einem schnell ans Herz wachsen. Die Autorin versteht es hervorragend, ihre Charaktere trotz ihrer Unterschiede aneinander zu binden und aufzuzeigen, dass wie wichtig Freundschaft ist und was sie aus macht, denn man kann zusammen eine Menge stemmen, sei es Freud oder Leid. Auch die Höhen und Tiefen sowie Meinungsverschiedenheiten aufgrund unterschiedlicher Ansichten sind glaubhaft dargestellt, so dass man sich als Leser gut in den diversen Situationen wiederfinden kann.


    Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt und mit glaubhaften Ecken und Kanten ausgestattet, was sie lebendig und realistisch wirken lässt und so dem Leser die Möglichkeit geben, sich ihnen verbunden zu fühlen. Das macht das Mitfühlen, Mitleiden und Mitfiebern leichter und die Lektüre zum Erlebnis. Kate ist eine zurückhaltende und eher scheue Person, die lieber im Hintergrund bleibt und nicht auffallen will. Sie lässt sich vieles gefallen und setzt sich oftmals nicht zur Wehr. Tully dagegen ist eine offene und extrovertierte Frau, immer ein Strahlen im Gesicht. Mit ihrer sonnigen Art weiß sie die Menschen zu bezaubern. Doch im Inneren kämpft Tully einen eigenen Kampf aus, lässt niemanden zu nahe an sich herankommen und ist sich nie sicher, ob sie wirklich ihrer selbst willen geliebt wird. Die Entwicklung und Veränderung von Kate und Tully über mehrere Jahrzehnte ist wunderbar intensiv mitzuerleben.


    „Das Mädchen aus der Firefly Lane“ ist ein emotionaler Roman über eine langjährig gewachsene Freundschaft, über tiefe Gefühle und eine schwere Prüfung, die Entscheidungen fordert. Absolute Leseempfehlung für eine wunderbar erzählte Geschichte.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    „Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen.“ (Dalai Lama)


    1720 Spanien. Da ihre Familie veramt ist, arbeitet die aus gutem Hause stammende Clara als Küchenhilfe im Haus des Herzogs von Castamar, wo sich aufgrund ihres Talents schon bald zur ersten Köchin aufsteigt. Den Gaumen des verwitweten Herzogs Don Diego verwöhnt sie mit ihren kulinarisch raffinierten Speisen und weckt in ihm die Neugier, Clara näher kennenzulernen. Aber da Clara und Don Diego aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen, ist ein Kontakt untereinander unmöglich. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, so wandern schon bald kleine Nachrichten und Notizen versteckt in Kochbüchern hin und her, um miteinander zu kommunizieren, ohne Aufsehen zu erregen. Allerdings bleibt ihr Geheimnis nicht lange unbemerkt und ist einigen ein Dorn im Auge, da sie um ihren eigenen Einfluss fürchten…


    Fernando J. Múnez hat mit „Die Köchin von Castamar“ einen wunderbaren historischen Roman vorgelegt, der zudem den Auftakt für seine Castamar-Dilogie bildet. Der flüssig-leichte, bildhafte und gefühlvolle Schreibstil lässt den Leser sofort in die Geschichte eintauchen, um sich als unsichtbarer Beobachter an Claras Fersen zu heften. Schon die Arbeit im Claras Küchenbereich als auch die Beschreibungen der einzelnen Speisen sowie die detaillierten Rezepte kitzeln die Sinne des Lesers und lassen ihn während der Lektüre wünschen, diese kosten zu dürfen. Gleichzeitig gibt der Autor dem Leser einen guten Einblick in das gesellschaftliche Leben und zeigt die Standesunterschiede auf, die es Clara und Don Diego unmöglich machen, miteinander zu verkehren. Die Handlung lebt zudem von den eingefädelten Intrigen, Lügen und der Boshaftigkeit einiger, die neidisch und eifersüchtig sind auf den Einfluss, den Clara gegenüber Don Diego zu gewinnen scheint und sie zu allerlei Dingen anstiftet, um dies zu unterbinden. Auch die Einbindung eines zweiten Handlungsstrangs ist interessant gestaltet, der zu allerlei Spekulationen über den Tod der Ehefrau von Don Diego führt. Der Spannungsbogen ist dauerhaft hoch angelegt und lässt den Leser regelrecht an den Seiten kleben bis zum offenen Schluss, so dass man den Nachfolgeband kaum erwarten kann.


    Die Charaktere wurden sehr detailliert ausgestaltet und lebendig in Szene gesetzt. Mit ihren individuellen Eigenschaften wirken sie menschlich und glaubwürdig, so dass der Leser sich gern an ihrer Seite aufhält. Clara ist eine sympathische Protagonistin, die sich sofort ins Leserherz schleicht mit ihren klaren Wertvorstellungen. Sie ist offen, ehrlich, fleißig und ein Improvisationstalent, das ihr Handwerk versteht und mit Liebe ausführt. Das schlägt sich auch in ihren Speisen wieder. Don Diego trauert noch immer um seine Ehefrau, während er sich um Normalität bemüht, um nicht als schwach zu gelten. Liebe geht bekanntlich durch den Magen und bei ihm wirken Claras Kochkünste sofort. Er ist standesmäßig zwar über Clara angesiedelt, hegt aber wohl weniger Standesdünkel als sein Umfeld. Don Enrique ist ein Mann mit verschiedenen Gesichtern, der zwar als enger Freund Don Diegos gilt, aber oftmals recht undurchsichtig wirkt, was seine Beweggründe angeht.


    „Die Köchin von Castamar“ ist ein sehr unterhaltsamer und spannender historischer Roman, der von der ersten Seite an zu fesseln weiß. Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein. Absolute Leseempfehlung!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Farblose Geschichte

    Die bekannte Jazzsängerin Lisa Winwood hat sich mit ihrem Pianisten und Ehemann John einen Traum erfüllt und sich ein Haus im Alten Land gekauft, nachdem sie ihre Karrieren in Kanada gemeinsam beendet haben, um dort ihren letzten Lebensabschnitt zu verbringen. Für Lisa ist es nach 40 Jahren auch eine Konfrontation mit ihrer Vergangenheit, denn in all den Jahren ist sie nicht in ihre deutsche Heimat zurückgekehrt und hat den Kontakt zu ihrer Familie die gesamte Zeit vermieden. Nun gestaltet sie mit ihrem Mann nicht nur einen Garten für ihre vor 40 Jahren geborene und verstorbene Tochter Ella, sondern versucht auch, den Graben zu ihrer Familie wieder zuzuschütten, indem sie nach ihrer Schwester sucht, um sich mit ihr auszusöhnen. Wird es Lisa gelingen, ihre Schwester und andere Verwandtschaft zu finden?


    Susanne Lieder hat mit „Ellas Garten“ einen Roman vorgelegt, der sich mit Themen wie Trauerbewältigung und dem Bruch innerhalb Familien auseinandersetzt. Der flüssige, leise und eindringliche Erzählstil nimmt den Leser schnell mit in die Geschichte hinein, wo er als Beobachtungsposten Lisa und ihren Mann John dabei begleitet, wie sie sich in ihrem neugewählten Wohnsitz einleben und ihr Leben, das immer und ausschließlich von Musik geprägt war, neu ausrichten, wobei der Garten eine besondere Stellung einnimmt. Neue Bekanntschaften erleichtern ihnen den Einstieg, wobei auch die Musik nicht zu kurz kommt. Vier Jahrzehnte lang hat es Lisa nicht geschafft, die Konfrontation mit der Familie zu suchen und so manches aufs Tablett zu bringen. Leider ist die Auflösung nicht gut gelungen, denn da die Handlung schon eher unaufgeregt erzählt wird, hätte hier ein gut durchdachter Spannungsbogen notgetan, um den Lesefluss konstant und interessant zu gestalten. So wirkt die Geschichte leider sehr langatmig, zäh und pathetisch, was dazu führt, dass schon bald Langeweile aufkommt und der Leser die Seite nur noch überfliegt. Ein wenig mehr Pep steht auch älteren Semestern gut zu Gesicht und hätte hier Wunder bewirkt.


    Die Charaktere sind zwar liebevoll gestaltet, wirken jedoch zu glatt poliert und durchgeplant. Ihnen fehlt neben etwas Impulsivität auch das gewisses Etwas, dass sie auszeichnet und unverkennbar macht, was den Leser anzieht und ihn dazu bringt, mit ihnen zu fiebern. Lisa ist eine freundliche und patente Frau, die mit ihrem Mann John eine Einheit bildet, zwischen die kein Blatt Papier passt. John liest seiner Frau jeden Wunsch von den Augen ab, seine eigenen Wünsche bleiben allerdings im Dunkeln. Freundin Harriet ist ein kleiner Lichtblick, da sie unkonventionell ist, leider aber nur kurz Unruhe in das Leben der beiden bringt. Auch die liebe neue Verwandtschaft zeichnet sich nicht durch besondere Charaktereigenschaften aus, wodurch sie austauschbar wirken.


    „Ellas Garten“ ist ein Roman über alte Narben und Lebensbrüche, der ein wenig mehr an Spannung und überraschenden Wendungen durchaus vertragen könnte. Die Erwartungen an eine interessante Geschichte werden hier leider nicht erfüllt. Schade!


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    Facettenreiche Meerglasträume

    Die Einladung ihres Vaters kann die 34-jährige Amelie Ludwig nicht ausschlagen und reist mit ihm, ihrer jüngeren Schwester Nele und deren Freund Lars nach Lunenburg in die kanadische Provinz Nova Scotia. Amelie, die schon durch ihre heimliche und unerwiderte Liebe zu Lars und einem zurückliegenden Schicksalsschlag in einem absoluten Gefühlschaos steckt, trifft schon am ersten Tag in ihrem Ferienort nicht nur auf den charmanten Bootsbauer Callum und seinen Riesenhund Skipper, sondern begegnet in einem Café auch einem Mann, der als Doppelgänger ihres Vaters durchgehen könnte. Schon bald deckt sie zufällig mit Callums Hilfe ein altes Geheimnis ihres Vaters auf, was die Familie ganz schön durcheinander bringt. Amelies Wege kreuzen sich zudem immer wieder mit Callum, der nicht nur reges Interesse an ihr zeigt, sondern in ihr auch eine Seite zum Klingen bringt, die sie krampfhaft zu überhören sucht. Der Beschützerinstinkt und das plötzliche Interesse von Lars machen die Situation für Amelie auch nicht besser. Sie muss sich endlich ihrer eigenen Vergangenheit stellen und dem Ruf ihres Herzens eine Chance geben…


    Miriam Covi hat mit „Träume in Meeresgrün“ einen unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vorgelegt, der den Leser zu einer ereignisreichen Reise ins malerische Nova Scotia einlädt, um vor der herrlichen Kulisse nicht nur alte Geheimnisse ans Tageslicht zu fördern, sondern auch der Romantik freien Lauf zu lassen. Durch den flüssig-leichten und bildhaften Erzählstil findet sich der Leser mit den ersten Zeilen an Amelies Seite wieder, wobei er aus erster Hand einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt erhaschen kann. Amelies Leben ist seit 13 Jahren geprägt von Verlust und Schmerz, die ihr Leben zu bestimmen scheinen und aus dessen Teufelskreis sie kein Entkommen sieht, solange sie sich selbst nicht den Dingen stellt, um diese zu verarbeiten und einen Neuanfang ins Auge zu fassen. Die Einbindung der Urlauber in das örtliche Geschehen sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen werden von der Autorin in der Handlung gut miteinander verwoben, so dass alles sehr natürlich wirkt. Als Leser fällt man schon bei den farbenprächtigen Landschaftsbeschreibungen in den Urlaubsmodus, sieht die bunten Häuser und den Blick über den Atlantik sofort vor sich und möchte am liebsten sofort die Koffer packen, weil einen das Fernweh packt. Aber bei der Interaktion der Protagonisten ist der Leser mit einem schönen Kopfkino hautnah dabei.


    Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt und wurden mit glaubwürdigen Ecken und Kanten ausstaffiert, die sie realistisch und vor allem menschlich wirken lassen. Der Leser ist eingeladen, sich an ihre Fersen zu heften und eine ereignisreiche Reise mitzuerleben. Amelie ist eine zurückhaltende und sensible Frau, die nicht nur höchst unsicher, sondern für ihr Alter oftmals leider auch sehr naiv wirkt, was den Leser oftmals den Kopf schütteln lässt. Ihr mangelt es an Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen, vor allem ihrer Schwester gegenüber. Nele ist eine vorlaute Person, die alles für sich vereinnahmt, sich immer in den Vordergrund stellt und das Gefühl vermittelt, ihrer Schwester absichtlich wehtun zu wollen. Lars weiß nicht, was er will, mischt sich zu sehr in Amelies Leben ein, anstatt sich um seine eigenen Angelegenheiten und um Nele zu kümmern. Callum ist ein echter Typ, praktisch veranlagt, musikalisch, offen und vor allem charmant. Knuth ist ein liebenswerter Mann, der sich hingebungsvoll um seine demente Frau kümmert. Aber auch Protagonisten wie die Bewohner der Seniorenresidenz, Caféhausbesitzer Jimmy oder Skipper bringen Farbe in die Story.


    „Träume in Meeresgrün“ ist ein schöner Sommerroman, der neben herrlicher Urlaubsatmosphäre und farbenprächtiger Hintergrundkulisse so manches Geheimnis bereithält, aber auch einiges an Romantik zu bieten hat. Liebevoll erzählt und mit verdienter Leseempfehlung ausgestattet!


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    "Dein ist mein ganzes Herz, Du bist mein Reim auf Schmerz." (H.R. Kunze)

    Ende der 1920er Jahre Berlin. Da ihre Eltern bereits verstorben sind, sind Irma Weckmüller und ihre jüngere Schwester Martha auf sich allein gestellt. Irma bestreitet sie als Verkäuferin im Kaufhaus des Westens den Lebensunterhalt für sie beide. Dem jüdischen Arzt Erich Bragenheim begegnet Irma zum ersten Mal, als Martha ungewollt von ihrem Arbeitgeber schwanger wird und eine Abtreibung nicht mehr in Frage kommt. Zwischen Irma und Erich entspinnt sich nach und nach eine enge Liebesbeziehung, die die beiden mit einer Heirat krönen wollen. Doch dann wird das junge Glück durch die hässliche und zerstörerische Naziideologie jäh zerstört, denn eine Mischehe ist nicht erlaubt. Sie sind Anfeindungen ausgesetzt, sogar von Martha, die mit ihrem kleinen Sohn Max nichts anfangen kann und immer mehr Neid ihrer eigenen Schwester gegenüber entwickelt hat. Dann kommt der Tag, an dem Erich nach Theresienstadt deportiert wird und so die beiden Liebenden trennt, die sich nie wiedersehen werden. Nach Kriegsende versucht Irma alles in ihrer Macht stehende, um herauszufinden, was mit Erich passiert ist. Die Nachricht von seinem Tod hält sie nicht davon ab, ihn posthum noch heiraten zu wollen, dafür kämpft sie einen harten und einsamen Kampf….


    Anke Gebert hat mit „Wo du nicht bist“ einen emotional bewegenden und zugleich erschütternden Roman vorgelegt, der auf tatsächlichen Begebenheiten aus dem Leben der Irma Weckmüller beruht. Mit HIlfe eines einnehmenden empathischen und gefühlvollen Erzählstils lässt die Autorin den Leser am Leben von Irma und ihrer Schwester teilhaben. Doch während man Irma begleitet und auch die sich anbahnende Liebesbeziehung zu Dr. Bragenheim miterlebt, verändert sich der politische Ton im Hintergrund und lässt schon bald die hässliche Fratze des Nationalsozialismus gesellschaftlich drastisch auf ihr Leben Einfluss nehmen. Die Autorin ruft mit ihrer bildhaften Sprache Bilder des zerstörten Berlins vor dem inneren Auge des Lesers hervor, aber auch die Greueltaten der Nazis sowie das unangemessene und verachtende Verhalten der Bevölkerung nach dem Krieg, die immer noch kein Schuldempfinden besitzt. Irmas Kampf für eine Ehe mit dem Mann, den sie liebte, auch wenn dieser bereits tot ist, wird beeindruckend geschildert und zeugt von einer großen tiefgehenden Liebe bis über den Tod hinaus. Die Steine, die ihr dabei in den Weg gelegt werden, versetzen dem Leser selbst bei der Lektüre einen Stich ins Herz. Die ausnehmend gute Recherche der Autorin über ihre Hauptprotagonistin zieht sich durch die gesamte Geschichte und macht diese zu etwas Besonderem, denn sie lässt Irma Weckmüller wieder lebendig werden.


    Die Protagonisten sind mit sensibler Hand und viel Geschick in Szene gesetzt worden, lassen sie mit menschlichen Zügen lebendig und glaubhaft wirken, so dass der Leser die Möglichkeit hat, ihre Gefühls- und Gedankenwelt nachzuvollziehen und sich ihnen nahe zu fühlen. Irma ist eine bodenständige, starke und fleißige Frau mit Durchsetzungsvermögen. Sie verliert ihr Ziel nie aus den Augen und beweist eine Ausdauer, die man nur bewundernswert nennen kann. Erich ist ein ehrlicher, charmanter und vor allem hilfsbereiter Mann, der sich trotz Repressalien und Beschimpfungen seinen Patienten verschrieben hat. Martha ist eine egoistische Frau, die sich von der damaligen Ideologie einfangen lässt. Ihr Neid gegenüber ihrer älteren Schwester ist ungerecht und zeugt von Lieblosigkeit und Undank.


    „Wo du nicht bist“ ist ein Zeitzeugnis über das Leben der Irma Weckmüller und eine Liebe, die keine Chance hatte. Gerade die zurückhaltende Erzählweise lässt den Blick auf die Umstände zu, gegen die Irma ankämpfen musste. Es geht hier nicht um eine gefühlsduselige Kriegsromanze, sondern um die reale Betrachtung einer Liebe über den Tod hinaus, die allen Widrigkeiten zum Trotz Bestand hatte. Verdiente Leseempfehlung!


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    Mimis Weg in die Zukunft

    1911:Die Wanderfotografin Mimi Reventlow hat Laichingen nach dem Tod ihres Onkels Josef in Begleitung von Anton Schaufeler verlassen und nimmt mit ihrer Kamera die Schönheiten um sich herum auf, während Anton sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Da viele Menschen inzwischen selbst auf die Fotografie gekommen sind, gestalten sich die Möglichkeiten für Mimi immer schwieriger. Aber Anton fliegen die Ideen nur so zu, so dass sie während ihres Berlinaufenthaltes schon bald einen gutgehenden Postkartenhandel haben, der etwas Geld in die klamme Kasse spült. Die Aufträge für Mimi werden immer spärlicher, so dass sie sich überlegen muss, wie ihre Zukunft aussehen soll. Derweil hat Alexander Schubert in Stuttgart eine harte Zeit an der Kunsthochschule, doch in seinem Lehrer Mylo einen tatkräftigen und sehr einnehmenden Unterstützer. Mimis Bekannte Bernadette Furtwängler steht vor der Entscheidung, eine Vernunftehe mit ihrem Geschäftspartner Wolfram einzugehen. Doch dann kommt alles ganz anders…


    Petra Durst-Benning hat mit „Die Fotografin-Die Welt von morgen“ den dritten Band ihrer historischen Saga um die Fotografin Mimi Reventlow vorgelegt, der den Vorgängerromanen in historischer Recherche und spannender Unterhaltung in nichts nachsteht. Wer sich an die Buchreihe heranwagen möchte, dem sei empfohlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man der Geschichte so am besten folgen kann. Der flüssige und wunderbar bildhafte Erzählstil der Autorin lässt den Leser schon mit den ersten Zeilen in der Zeit zurückreisen, um sich Mimi und Anton auf ihrer Wanderschaft anzuschließen und dabei die Schwierigkeiten mitzuerleben, die vor allem Frauen damals hatten, selbst mit großem Talent ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Rollenbild der Frau war auch im 20. Jahrhundert noch lange von mangelnder Gleichberechtigung geprägt. Frauen gehörten an den Herd, hatten die Kinder zu versorgen oder dem Ehemann zur Seite zu stehen. Berufstätigkeit oder gar eine Selbständigkeit mit eigenem Unternehmen war undenkbar und bedurfte oftmals der Erlaubnis des Ehemannes. Gerade die Selbständigkeit Mimis und ihr Selbstbewusstsein werden von der Autorin in dieser Geschichte wunderbar herausgestellt, während sie ihre Handlung mit ihrer historischen Recherche exzellent verwebt. Der Spannungslevel zieht sich aufgrund der verschiedenen Handlungsschauplätze wunderbar gleichmäßig durch die Geschichte, endet aber am Schluss mit einem fiesen Cliffhanger, der den Leser spannungsgeladen dem nächsten Band entgegenfiebern lässt.


    Die Charaktere sind wunderbar lebendig und mit menschlichen Zügen versehen, die sie glaubhaft und vor allem authentisch wirken lassen. Der Leser kann gar nicht anders, als sich an ihre Fersen zu heften und gemeinsam mit ihnen zu hoffen, zu bangen und zu fiebern. Mimi ist eine sehr sympathische, mutige und starke Frau. Sie besitzt Selbstbewusstsein, lässt sich auch in schwierigen Situationen nicht hängen und schaut immer vertrauensvoll in die Zukunft. Zudem besitzt sie Mitgefühl und Empathie anderen gegenüber, was ihr einige Herzen öffnet. Anton ist ein heller Kopf, dem die Ideen nur so zufliegen und der seine Möglichkeiten gut zu nutzen weiß. Er geht Risiken ein, ohne die Nerven zu verlieren. Alexander wirkt erst noch etwas verunsichert, doch mit Hilfe seines Mentors Mylo gewinnt auch er immer mehr an Selbstbewusstsein und Sicherheit. Mylo ist ein undurchsichtiger und sehr vereinnahmender Mann, der seinen eigenen Vorteil sieht. Bernadette ist eine pragmatische Frau, die sich allerdings als schlechte Verliererin entpuppt. Aber auch die weiteren Darsteller wissen die Handlung mit ihren Auftritten zu beleben und spannend zu gestalten.


    „Die Fotografin-Die Welt von morgen“ ist wieder ein absoluter Pageturner aus der Feder von Durst-Benning. Sehr unterhaltsam, vielschichtig und mit ausgezeichneter Recherchearbeit versehen, hält die Geschichte den Leser in seinen Bann. Der nächste Teil wird sehnsüchtig erwartet! Absolute Leseempfehlung!!!


    Wunderbare :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Vom Schicksal gebeutelt braucht Amélie dringend eine Luftveränderung und reist kurzentschlossen nach Collioure an der französischen Côte Vermeille, um dort ihre Großmutter Isabelle zu besuchen, die in einem Seniorenheim residiert. Das ehemalige Haus ihrer Oma muss sie sich dummerweise mit dem Journalisten Benjamin teilen, der sich dort eingemietet hat. So entschließt sie sich, die im Erdgeschoss des Hauses untergebrachte alte Baguetterie zu ihrem Refugium zu machen und sich dort mit Backen und Experimentieren abzulenken. Als sie Oma Isabelle einen Besuch abstattet, händigt diese ihr ein altes Tagebuch aus. Amélie ist von der Geschichte ihrer Großmutter bald so fasziniert, dass sie dieser verspricht, sich auf Spurensuche nach deren alter Liebe zu machen. Dabei bekommt sie von Mitbewohner Benjamin nicht nur tatkräftige Unterstützung, sondern dieser lässt auch ihr Herz verräterisch flattern. Aber ist Amélie schon wieder bereit, sich auf die Liebe einzulassen?


    Silke Ziegler hat mit „Die Frauen von der Purpurküste-Isabelles Geheimnis“ einen unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vorgelegt, der Gegenwart und Vergangenheit auf sehr schöne Weise miteinander verbindet. Der flüssige und emotionale Erzählstil lässt den Leser sofort in die Geschichte eintauchen. Er darf nicht nur eine Reise an die malerische Purpurküste Frankreichs antreten, sondern auch Amélie und Isabelle sowie deren Gedanken- und Gefühlswelt kennenlernen und ihnen dabei ganz nahe kommen. Mit wechselnden Perspektiven lässt die Autorin nicht nur die Gegenwart um Amélie miterleben, sondern per Tagebucheinträge auch in die Vergangenheit von Isabelle reisen, um deren Geschichte als junge Frau während des Krieges zu erfahren. Durch dieses gut gesetzte Handlungskonstrukt wird der Spannungslevel innerhalb der Geschichte immer weiter gesteigert und dem Leser die Möglichkeit gegeben, mitzufiebern und gemeinsam mit den Protagonisten alte Geheimnisse aufzuspüren. Zusätzlich bekommt man als Leser ein tolles Kopfkino aufgrund der schönen Landschaftsbeschreibungen, denn die wirken neben der interessant gestalteten Geschichte wie ein Kurzurlaub für die Seele.


    Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und mit Leben versehen. Mit ihren individuellen Eigenschaften wirken sie glaubwürdig und authentisch, so dass der Leser sich sofort mit ihnen wohl fühlt und sie gerne während der Lektüre begleitet, um mit ihnen zu hoffen und zu fiebern. Amélie hat einen absoluten Tiefschlag erlitten, aus dem sie sich nur langsam und mühsam wieder an die Oberfläche hangelt. Sie wirkt zurückhaltend, freundlich und bestimmt. Vor allem aber ist sie sehr liebevoll im Umgang mit ihrer Großmutter. Isabelle ist eine liebe, warmherzige alte Dame, deren Erinnerung an die Vergangenheit sie nicht loslassen. Benjamin ist ein offener und ehrlicher Mann mit einer gesunden Neugier und einem Gespür für gute Geschichten. Zusätzliche Nebendarsteller untermalen die Geschichte und machen sie rundum gelungen.


    „Die Frauen von der Purpurküste-Isabelles Geheimnis“ verbindet auf wunderbare und geschickte Weise nicht nur Gegenwart und Vergangenheit miteinander, sondern es werden auch alte Schicksalsschläge verarbeitet, Geheimnisse aufgedeckt und ein wundes Herz für ein neues Glück vorbereitet. Sehr schöne Lektüre mit verdienter Leseempfehlung!


    Schöne Unterhaltung für :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Die 23-jährige Franzi Moosbrugger überlegt nicht lange, als ihr das Angebot vom Arbeitsamt für eine Stelle als Servicekraft auf der Nordseeinsel Spiekeroog hereinflattert, denn sie braucht dringend eine Luftveränderung und vor allem Abstand von ihrem sehr vereinnahmenden Freund, der ihr das Leben unerträglich macht. Schnell sind die Sachen gepackt und Franzi von Rosenheim auf dem Weg Richtung neue Erfahrungen. In Meta findet sie schnell eine warmherzige Vermieterin, in deren Domizil sie unterkommt und sich langsam einleben kann. Aber auch die Inselbewohner machen es ihr leicht, sich angekommen zu fühlen. Da ist nicht nur Metas Neffe Tamme, der sich schnell mit Franzi anfreundet. Auch Phililip mit seiner kleinen Tochter, die Franzi als Zufallsbekanntschaft von der Fähre her kennt, läuft ihr immer wieder über den Weg. Wird Spiekeroog für Franzi zur neuen Heimat?


    Jette Hansen hat mit „Inseltage“ den Auftakt für ihre Spiekeroog-Reihe vorgelegt, der den Leser mit seinem flüssigen und farbenfrohen Schreibstil nicht nur zu einer Reise an die wunderschöne Nordsee einlädt, sondern auch mit Protagonistin Franzi bekannt macht, deren Leben Kopf steht und der man einen Neuanfang regelrecht wünscht. Die Autorin stellt die Inselbewohner offen, freundlich und als nette Gemeinschaft dar, in der man sich schnell wohlfühlen kann. Die Geschichte beginnt recht hoffnungsvoll, schlägt aber schnell um, denn es werden so einige Klischees mehr als bedient. Eine Protagonistin, die erst recht scheu und zurückgezogen wirkt, um dann als völlig weltfremd und unfreundliche Angestellte aufzuwarten, ist nicht gerade das, was man sich als Leser wünscht. Auch die schnellen Liebesnummern sind einfach eher peinlich und rufen Kopfschütteln hervor, als dass man sie ernst nehmen könnte. Dass sich daraus eine Beziehung fürs Leben entwickeln soll, ist mehr als unglaubwürdig. Die Geschichte ist mehr als vorhersehbar, es fehlt an Spannungsmomenten und überraschenden Wendungen, um den Leser dauerhaft zu fesseln. So liest man eher quer und atmet auf, wenn das Ende erreicht ist.


    Die Charaktere sind bleiben an der Oberfläche, wirken bis auf wenige Ausnahmen blass und farblos. Sie strahlen wenig Sympathie aus und wachsen dem Leser so auch nicht ans Herz. Der bleibt eher auf Abstand und beobachtet das Geschehen aus der Ferne. Franzi wirkt zu Beginn eher ängstlich und schüchtern, doch schon bald entpuppt sie sich als recht unfreundliche, wenig einsichtige Frau, die einem nur noch auf die Nerven geht. Sie nimmt sich Dinge heraus, die so im wahren Leben gar nicht möglich sind und sie niemals damit durchkommen geschweige denn einen Job behalten würde. Philip ist Familienvater und stürzt sich Hals über Kopf in eine neue Beziehung, die den Namen gar nicht verdient hat. Auch er wirkt eher oberflächlich und wenig anziehend. Tamme ist ein Raubein, aber hat einen weichen Kern. Meta ist der einzige Lichtblick in dieser Geschichte, denn sie ist freundlich, warmherzig und liebevoll.


    „Inseltage“ verspricht viel und hält leider nur sehr wenig. Als Lückenfüller geht das Buch gerade noch durch, aber die 08/15- Geschichte bleibt nicht lange im Gedächtnis.


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    Süße Träume verlängern das Leben

    Torten sind die Spezialität der 60-jährigen Emilia Bäumle. Sie liebt das Backen und verwöhnt gern all ihre Lieben und Fremde dazu. Zu ihrem runden Geburtstag hat sie sich einen Besuch bei ihrer in Italien studierenden Tochter Julia verordnet. Doch die studiert gar nicht mehr, sondern hat sich mit ihrem Verlobten Francesco in dem kleinen verschlafenen Nest Piccolo Leone in Kalabrien niedergelassen, um dort eine Öko-Tourismus-Bude zu eröffnen, in der Verzicht vor Genuss steht. Emilia hat allerdings ihren eigenen Kopf und eröffnet kurzerhand eine eigene Bäckerei, um die Bewohner mit ihren leckeren Gaumenfreuden zu gewinnen, während sie dem Bürgermeister aufgrund der sündigen Kalorienbomben ein Dorn im Auge ist, weiß doch schließlich jeder, dass Fettleibigkeit und zu viel Zucker den Tod früher herbeieilen lässt. Doch Emilia lässt sich davon nicht stoppen…


    Tessa Hennig hat mit „Kann Gelato Sünde sein?“ wieder einmal einen unterhaltsamen sowie humorvollen Roman vorgelegt, dessen Lektüre für sehr kurzweilige Lesestunden sorgt. Der locker-leichte und mit viel Witz geprägte Erzählstil lässt den Leser schnell an Emilias Seite gleiten, um der rüstigen und umtriebigen Protagonistin bei ihren Unternehmungen über die Schulter zu schauen. Schon die Reise ins malerische Kalabrien prägt ein stimmungsvolles und farbenprächtiges Kopfkino gefolgt von den unsäglichen Köstlichkeiten, die Emilia in ihrer kleinen Bäckerei zaubert und einem den Mund wässerig macht. Die Idee, allen Einwohnern den Genuss zu verbieten, um ein möglichst hohes Lebensalter zu erreichen, ist einfallsreich, aber vom Gedanken her schon langweilig, denn wer möchte schon auf die Dinge verzichten, die das Leben erst lebenswert machen. Der Eifer des Bürgermeisters wird also schon allein dadurch torpediert, dass gerade die verbotenen Dinge am meisten Spaß machen. Das setzt die Autorin in ihrer Geschichte auch wunderbar in Szene, denn übermäßige Askese kann auch zum Tod führen. Da will man doch eher jeden Augenblick des Lebens unter südlicher Sonne mit allen Sinnen genießen, und genau dabei hilft Emilias Bäckerei auf jeden Fall.


    Die Charaktere sind liebevoll und lebendig in Szene gesetzt, sie wirken glaubwürdig menschlich in ihrem Verhalten und lassen den Leser sich sofort in ihrer Mitte wohlfühlen. Emilia ist eine patente und selbstbewusste Frau, die sich nichts vormachen lässt und ihren eigenen Kopf hat. Sie sagt, was sie denkt und hat dabei das Herz auf dem rechten Fleck. Widerstand stachelt sie nur noch mehr an, ihr Ding durchzuziehen. Der holländische Bestatter Arturo ist ein Genießer und großer Fan von Emilias Künsten. Gaspare ist eine Spaßbremse und ein Kotzbrocken, der mit Gewalt und Strafen seinen Willen durchsetzen will. Emilias Tochter Julia ist zu verliebt, um zu bemerken, dass die mit ihrem Freund gemeinsam gefasste Idee von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Ebenso überzeugen die Bewohner des kalabrischen Dorfes, die sich zu gern von Emilia verführen lassen.


    „Kann Gelato Sünde sein?“ überzeugt mit farbenfrohen Bildern, einer lustigen Story und der Tatsache, dass das Alter gar nicht so wichtig ist, wenn man seinen Träumen folgen und sie verwirklichen möchte. Gerade ein gesunder Kampfgeist mit einer ehrlichen und offenen Art können immer wieder sehr überzeugend sein. Eine schöne Italienreise mit Gaumenfreuden schenkt schöne Lesestunden, und dafür gibt es eine verdiente Leseempfehlung!


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    Mit ihren 110 Jahren ist May Rosevere geistig noch sehr rege, wenn es auch körperlich das eine oder andere Zipperlein gibt. Sie lebt im Cornwall’schen Dörfchen Pengelly und ihr erklärtes Ziel ist es, ihren 111. Geburtstag zu erleben. Das Geheimnis ihres hohen Alters ist die Verwertung von Erinnerungsstücken, die oftmals nicht einmal ihr selbst gehören. Als ihre jahrelange Erzfeindin und Nachbarin Julia von ihrer 33-jährigen Enkelin Emily Besuch bekommt, reift in May ein Plan, diese mit dem netten Witwer Andy aus der Nachbarschaft zu verkuppeln. Ganz uneigennützig ist die Sache allerdings nicht, denn May spekuliert auf den Inhalt alter Briefe, die Julias verstorbener Ehemann Don hinterlassen hat, um nicht nur ihre Lebenszeit zu verlängern, sondern vielleicht auch eine alte Schuld zu begleichen und einer neu gewonnenen Freundschaft eine Chance zu geben…


    Celia Anderson hat mit „Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ einen interessanten Debütroman vor der malerischen Kulisse Cornwalls vorgelegt, der nicht nur mit einem wunderschönen Setting, sondern auch mit einer außergewöhnlichen Idee zur eventuellen Lebensverlängerung zu unterhalten weiß. Der flüssige, bildhafte und einnehmende Schreibstil lässt den Leser schnell in der Geschichte versinken und in das Leben von May und den Bewohnern von Pengelly eintauchen, wobei auch die feinsinnig und farbenfroh geschilderten Beschreibungen von Cornwall ihr Übriges dazutun. Die besondere Stärke der Autorin liegt allerdings in der Darstellung ihrer Protagonisten. Mit wechselnden Perspektiven und tiefen Einblicken in Gedanken- und Gefühlswelten einzelner Personen verwächst der Leser schnell mit der Gemeinschaft und nimmt Anteil an unterschiedlichen Schicksalen. Auch die Idee des Leihoma-Projektes ist ein schöner Ansatz, den man vielleicht einmal selbst ausprobieren sollte, weil es die Menschen gerade in der heutigen Zeit näher zusammenrücken lässt und damit die Einsamkeit so mancher vertreibt. Das fiktive Mittel zur Lebensverlängerung, dessen sich May bedient, wäre zu schön, um wahr zu sein. Allerdings sind Mays Aktionen in dieser Hinsicht auch recht fragwürdig zu nennen, denn andere aus selbstsüchtigen Gründen um ihre Erinnerungen zu bringen, zeugt nicht gerade von Mitmenschlichkeit.


    Die Charaktere sind sehr divers angelegt, besitzen Ecken und Kanten, die glaubwürdig in Szene gesetzt wurden. Der Leser ist hier eher unsichtbarer Beobachter, doch als Mitglied der Gemeinschaft, der seine Sympathien gleichmäßig verteilen kann. May ist eine eigenwillige alte Dame, die ihr Leben mit Hilfe von anderen verlängert ohne Rücksicht auf Verluste. Das mag recht egoistisch klingen, trotzdem bekommt May im Verlauf der Handlung Gewissensbisse, was ihr gut zu Gesicht steht. Julia hat den Tod ihres Mannes noch nicht verwunden und hängt an alten Erinnerungen, die ihr nach und nach entschwinden, was sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Andy ist ein sympathischer Mann, der sich als Witwer rührend um Tochter Tamsin kümmert. Emily ist eine freundliche und verantwortungsbewusste Frau, die Schwierigkeiten damit hat, für sich die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber auch so manch anderer Bewohner spielt innerhalb der Handlung eine wichtige Rolle.


    „Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ ist eine fesselnde Geschichte über alte Schuld, den unbändigen Lebenswillen, Geheimnisse, das Miteinander, die Liebe und neue Freundschaften. Schön miteinander verwoben ergeben sie einen unwiderstehlichen Mix, der den Leser von Anfang bis Ende in den Bann zieht. Verdiente Leseempfehlung!


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    Die 23-jährige Konditorin Bella ist bisher nicht umsonst ohne Freund durchs Leben gestakst. Ihr von Neurosen und Phobien gekennzeichnetes Dasein sowie ihre Tollpatschigkeit haben dauerhaft die Kontrolle über Bella übernommen, die nur durch ihre beste Freundin Jazz zeitweise durchbrochen wird. So gelingt es Jazz auch, Bella zu einem Trip auf die italienische Insel Ischia zu überreden, um mal rauszukommen aus dem Alltagstrott. Dort kreuzt Davide Bellas Weg und trifft ihr Herz bis ins Mark. Davide jedoch ist genau das, was Bella nicht ist: er hat vor nichts Angst, fordert das Schicksal geradezu heraus, um sich lebendig zu fühlen. Jazz hat alle Hände voll damit zu tun, Bella in Davides Leben zu schubsen, damit sie nicht nur die erste Liebe genießen kann, sondern endlich auch lernt, sich ihren Ängsten zu stellen…


    Ava Blum hat mit „Limonenküsse-Herzklopfen auf Italienisch“ einen unterhaltsamen und amüsanten Roman vorgelegt, der genügend italienisches Flair aussendet, um den Leser in einem Kurzurlaub zu wähnen. Der flüssig-leichte und farbenfrohe Erzählstil in der Ich-Perspektive lässt den Leser sofort mit Hauptprotagonistin Bella verwachsen und gibt ihm die Möglichkeit in ihre Gefühlswelt hineinzublicken. Manches, was man da sieht, lässt einem die Haare zu Berge stehen, aber auch Mitleid empfinden, denn gerade neurotische Macken kommen ja nicht von ungefähr und schränken gerade ihren Träger erheblich in seiner Bewegungsfreiheit ein. Doch die Autorin lässt Bella dies nicht allein durchstehen, dafür gibt es ja Freundin Jazz, die wie ein Fels in der Brandung wirkt. Vor dem Hintergrund eines wunderschön angelegten italienischen Inselsettings erlebt der Leser bei Meeresbrise und Dolce Vita Bellas Entwicklung hautnah mit, während sie sich todesmutig dem Leben stellt. Allerdings schüttelt man als Leser oftmals auch den Kopf über die diversen Aktivitäten, denen sich Davide aussetzt und Bella es ihm gleichtun will, nur um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen und nicht als Versagerin dazustehen. Man sollte so akzeptiert werden, wie man ist und sich nicht verstellen müssen. Der Spannungslevel innerhalb der Geschichte hat ein mittelmäßiges Niveau und bleibt bis zum Schluss beständig.


    Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt, wirken aber teilweise sehr überspitzt dargestellt. Sicherlich gibt es diese Menschen, deren Leben von Ängsten bestimmt wird oder die sich durch übermäßige Aktivitäten erst lebendig fühlen, doch wird dies hier etwas zu stark in den Fokus gerückt, wobei nicht ernsthaft zu erwarten ist, dass der eine durch sein Verhalten den anderen von seinen Marotten heilt. Der Leser tappt unsichtbar hinter ihnen her, staunt ungläubig über diverse Aktivitäten, die nicht gerade glaubwürdig wirken. Bella besitzt jede nur erdenkliche Angststörung, die es gibt. Das lässt sie natürlich unsicher wirken. Ihr plötzlich aufkommender Mut, Dinge auszuprobieren, nur der Liebe wegen, ist zu einfach und nicht wirklich realistisch, denn meist leiden diese Menschen seelisch und müssen jahrelang ärztlich betreut werden, um kleine Erfolgserlebnisse zu haben. Jazz ist eine Frau mit Herz und einer Engelsgeduld, solch eine Freundin wünscht sich jeder an seiner Seite. Davide hat selbst ein Geheimnis, dass ihn antreibt, an seine Grenzen zu gehen. Aber da gibt es auch noch Pietro, Guisi, Stefano, Rico und einige andere, die in der Handlung abwechslungsreiche Akzente setzen.


    „Limonenküsse-Herzklopfen auf Italienisch“ ist eine unterhaltsame Lektüre mit einer Prise Witz, die für eine kleine italienische Auszeit und kurzweilige Lesestunden sorgt. Ganz nett für Zwischendurch.


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    Die Einladung zum Abendessen an ihrem 10. Hochzeitstag weckt Hoffnung in der 35-jährigen Dreifachmutter und Hauptschullehrerin Anne, denn nach einem Trennungsjahr von Ehemann Alex könnte es vielleicht doch noch zur Versöhnung kommen. Doch dann macht Alex ihr mitten im Restaurant einen Strich durch die Rechnung, denn seine 10 Jahre jüngere Freundin Naomi bekommt ein Kind und deshalb muss die Scheidung her. Das gemeinsame Haus soll verkauft werden, so dass sich Anne neben ihrem Job und den drei Kindern auch noch um eine neue Wohnung in Köln kümmern muss. Von Männern hat sie die Nase erst einmal voll – eigentlich, denn Referendar Hannes taucht nachts in ihren Träumen auf, aber auch andere männliche Exemplare wecken Gefühle, die Anne lange vermisst hat…


    Christina Beuther hat mit „Konfetti im Herzen“ einen Roman vorgelegt, der sich mit Warmherzigkeit, Witz und Chaos das wahre Leben präsentiert und gerade deshalb den Leser sofort mitten ins Herz trifft. Der locker-flockige Erzählstil wirkt durch die Ich-Stil für den Leser wie ein gemeinsamer Schnack mit Anne auf der Couch, bei dem er ihren Schilderungen lauscht und ihre Gefühlsregungen dabei beobachtet. Die Autorin schubst den Leser in den Alltag einer alleinerziehenden, berufstätigen Mutter, die sich nicht nur dem eigenen Trennungsschmerz stellen, sondern auch den der Kinder mitauffangen muss, während sie versucht, dem Leben weiterhin Normalität zu geben. Angefangen bei den Problemen bei der Wohnungssuche, die mit mehreren Kindern ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint bis hin zu den eigenen Gefühlen, als Frau wieder wahrgenommen zu werden und das Flirten neu zu lernen, ist in dieser Geschichte alles vorhanden. Mit viel Einfühlungsvermögen und einer Prise Humor jagt man im Schnelldurchlauf durch Annes Leben und beobachtet dankbar, dass jede so ausweglose Lage mit guten Freunden immer besser zu ertragen ist. Einige überraschende Wendungen machen die Handlung abwechslungsreich und halten den Leser durchgehend bei der Stange.


    Die Charaktere sind wie aus dem realen Leben gegriffen, glaubhafte menschliche Ecken und Kanten überzeugen den Leser von Beginn an, lassen ihn sich mit Anne verbunden fühlen und ihre Emotionen gut nachvollziehen. Anne ist eine sympathische und offene Frau, die mit einigen Baustellen in ihrem Leben zu jonglieren hat. Sie ist eine liebevolle Mutter und gute Freundin, aber auch mit Leib und Seele eine Lehrerin, wie man sie sich für seine Kinder wünscht. Annes Freundin Melli ist immer da, wenn sie gebraucht wird und steht mit Rat und Tat zur Seite. Hannes ist ein attraktiver Kerl, der noch dazu sehr sympathisch rüberkommt. Alex ist ein Mann, der nur an sich denkt und glaubt, mit einer Entschuldigung sei es getan. Emma, Ben und Theo sind ein kleiner Chaoshaufen, aber sehr liebenswert und eine seelische Wohltat für Anna. Ebenso bereichern die weiteren Nebenprotagonisten mit ihren Auftritten den Handlungsverlauf.


    „Konfetti im Herzen“ ist ein Roman mit viel Liebe, Herz, Chaos und Gefühl, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt. Eine Geschichte wie aus dem normalen Alltag und gerade deshalb so unterhaltsam, denn es könnte jeden von uns ebenso treffen gemäß dem Motto „Du musst dir schon selbst Konfetti in dein Leben pusten …“ Verdiente Leseempfehlung!


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    2018. Nicht nur ihre Ehe mit dem Dirigenten Nils ist in die Brüche gegangen, auch ihren Beruf als Geigerin kann Hannah Leipold nicht mehr ausüben. All dies belastet sie so sehr, dass sie mit ihrem kleinen Sohn Max für ein Jahr nach Island zieht, um sich über ihr zukünftiges Leben klar zu werden. Auf dem Dachboden des gemieteten Häuschens findet sie eine alte Truhe, die mit einer blassen Malerei verziert ist, die an Hannahs Erinnerung kratzt. Durch ihre Vermieterin Freya lernt sie den wortkargen Jòn kennen, der in ihr eine Saite zum Klingen bringt. Die beiden treffen sich immer öfter bei Freya im Café, wo Hannah einen Job gefunden hat. Auch Jòn besitzt eine Truhe mit dieser seltsamen Malerei, die Hannah immer wieder an die alten Bilder ihrer Mutter erinnert…

    1978. Monika fährt mit ihren gutbetuchten Eltern für drei Sommerwochen zu Freunden nach Island, während ihr Verlobter lieber arbeitet. Ihre Eltern möchten zwar, dass Monika zukünftig das Familienunternehmen leitet, doch sie will lieber malen und hofft, doch noch ein Kunststudium machen zu können. Schon bald nach ihrer Ankunft trifft Monika auf den zurückhaltenden Fabrikarbeiter Kristjan und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch der junge Mann ist ihren Eltern ein Dorn im Auge, so spielen sie Schicksal für ihre Tochter.


    Karin Baldvinsson hat mit „Der Sommer der Islandtöchter“ einen sehr unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vorgelegt, der dem Leser von der ersten Seite an ein wunderbares Kopfkino beschert. Der Erzählstil ist locker-flüssig, farbenfroh und wartet mit einigem an Emotionen auf. Die Autorin lädt nicht nur auf eine Reise ins raue und bildhaft dargestellte Island ein, sondern beschenkt den Leser zusätzlich mit einer Geschichte, die sich über zwei Handlungsstränge verteilt. Durch die wechselnden Perspektiven lernt der Leser nicht nur Hannah und ihr Schicksal in der Gegenwart kennen, sondern erlebt auch Monikas ereignisreichen Islandsommer mit, der weitreichende Folgen für ihr gesamtes Leben haben soll. Durch die sich abwechselnden Zeitebenen steigert sich die Spannung immer weiter in die Höhe und lässt den Leser lange zappeln, bis die Geheimnisse sich endgültig entfaltet haben. Besonders sind auch die Schilderungen der isländischen Landschaft und ihrer Bewohner, die nie ihre Häuser abschließen, unendlich gastfreundlich sowie auch sehr neugierig und hilfsbereit sind, so dass man sich als Gast sofort bei ihnen wohl, aufgehoben und nicht alleingelassen fühlt.


    Die Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet, wandeln mit Ecken und Kanten sehr lebendig durch die Handlung. Der Leser fühlt sich sofort mit ihnen wohl und nimmt an ihren einzelnen Schicksalen Anteil, kann mit ihnen fiebern, bangen und hoffen. Hannah musste so einiges einstecken, vor allem der Abschied vom Geigenspiel setzt ihr seelisch sehr zu. Sie ist eine eher zurückhaltende und misstrauische Frau, liebt ihren Sohn über alles und fasst sich immer wieder ein Herz, um die Dinge voranzutreiben. Jòn verbirgt seine Wunden, indem er mundfaul und abweisend agiert, sich aber als talentierter Künstler entpuppt. Er ist hilfsbereit und sagt, was er denkt. Freya ist eine fröhliche und herzensgute Frau, die immer ein offenes Ohr hat. Monika ist als junge Frau rebellisch und eine Träumerin. Doch das Leben hat aus ihr eine verbitterte und in sich gekehrte Frau gemacht, die verlernt hat zu lieben. Aber auch Max, Kristjan, Magnus und Karitas haben gewichtige Rollen in dieser Handlung.


    „Der Sommer der Islandtöchter“ ist ein wunderbarer Roman, der angefüllt ist mit Tragik, Liebe, Selbstfindung und Geheimnissen, die sich endlich an die Oberfläche bahnen, um das Leben einiger zu verändern. Ein Buchgenuss der besonderen Art, der einen das hier und jetzt während der Lektüre vergessen lässt. Toll gemacht – absolute Leseempfehlung!


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    1850 Würzburg. Die 16-jährige Viviana Winkelmann stammt aus einer angesehenen Bankiersfamilie und wuchs wohlbehütet auf. Da stößt es der Familie sauer auf, dass sie von einem einfachen Handwerker nun ein Kind erwartet. Um Ruf und Ansehen besorgt, wird Viviana ihres Zuhauses verwiesen und findet notgedrungen im Armenviertel der Stadt einen Unterschlupf sowie eine Anstellung als Aushilfe in der Apothekes des Julisusspitals. Die Beobachtung der Ärzte bei deren Arbeit lässt in ihr den Wunsch aufkommen, selbst Medizin zu studieren. Aber ohne Abitur und als Frau ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Das will Viviana nicht akzeptieren und erhebt sich gegen diese Ungerechtigkeit…


    Claudia und Nadja Beinert haben mit „Das Juliusspital - Ärztin aus Leidenschaft" den einen unterhaltsamen ersten Band ihrer historischen Juliusspital-Saga vorgelegt, der im unterfränkischen Würzburg beheimatet ist. Der flüssige und mit fränkischem Dialekt eingefärbte Erzählstil lässt den Leser schnell eine Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts antreten und als unsichtbarer Schatten Vivianas Weg mitverfolgen. Mehrere wechselnde Perspektiven geben einen guten Rundumblick und lassen gleichzeitig Spannung innerhalb der Geschichte aufkommen. Das Autorenduo hat wieder einmal akribisch recherchiert und den historischen Hintergrund sowie das damalige praktizierte medizinische Wissen wunderbar in ihre Handlung mit eingepflegt und für den Leser anschaulich aufbereitet. Auch einige in der Geschichte aufgeführten Mediziner entstammen der Realität und haben zum Teil Weltruhm erlangt wie z.B. Professor Virchow. Ebenso wird in dieser Geschichte einmal mehr deutlich gemacht, wie das Leben der Frauen damals aussah und welche Rechte sie hatten. Die Möglichkeit eines Medizinstudiums blieb ihnen meist verwehrt, da dies als Männerdomäne galt und Frauen eher ein einfaches Gemüt und weniger Intelligenz bescheinigt wurde. Vivianas Aufbegehren und ihr Kampf gegen diese Ungerechtigkeit steht stellvertretend für die erste studierte Ärztin Dorothea Erxleben, die schon ein Jahrhundert früher diesen steinigen Weg gegangen ist, um Frauen diesbezüglich mehr Rechte einzuräumen.


    Die Charaktere sind liebevoll und lebendig ausgestaltet, wirken glaubwürdig und authentisch, so dass der Leser sich ihnen gerne anschließt und ihren Werdegang verfolgt. Aber Hauptprotagonistin Viviana sticht besonders hervor. Sie ist eine junge Frau mit dem Herz am rechten Fleck. Obwohl sich ihr Leben durch den Bruch mit ihren Eltern und als alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter von jetzt auf gleich ändert, zeigt sie sich nie resigniert. Im Gegenteil, sie gibt sich kämpferisch, krempelt die Ärmel hoch, ist interessiert, klug, engagiert und zeigt Mitgefühl. Sie besitzt einen unerschütterlichen Mut und eine Stärke, die einem nur Respekt abverlangen kann, denn sie ist ihrer Zeit meilenweit voraus. Durch Frauen wie sie haben wir es heute in einigen Dingen wesentlich leichter. Ebenfalls überzeugen die weiteren Darsteller innerhalb der Geschichte, die durch sie zusätzlich an Farbe und Lebendigkeit gewinnt.


    Mit „Das Juliusspital - Ärztin aus Leidenschaft" ist ein sehr guter Startschuss in die Spitalssaga gelungen, der mit einer engagierten und sehr sympathischen Hauptprotagonistin aufwartet, aber auch ausgezeichnete historische Hintergrundrecherche bietet. Sehr fesselnd erzählt und mit verdienter Leseempfehlung ausgestattet.


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    "Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will." (Henri Matisse)


    Gittas Einladung zum Geburtstagsbrunch wird zu einer traurigen Angelegenheit, als sie ihren Freundinnen Marit und Constanze erzählt, dass ihr Mann Ralf sich wegen einer anderen von ihr scheiden lassen will. Da die bisher gemeinsam bewohnte Villa mit großem Garten, den Gitta all die Jahre liebevoll gehegt und gepflegt hat, Ralf gehört, muss sie sich eine neue Bleibe suchen und auch ihr Gartenparadies zurücklassen. Marit und Constanze geben der Freundin nicht nur seelischen Halt, der Zufall will es auch, dass das Frauenkleeblatt eine Schrebergartenparzelle mit Laube in der Nähe des Teufelsbergs im Berliner Grunewald ergattert, in dem sie sich fortan gemeinsam austoben können. Schon bald wird gegraben und gepflanzt, was das Gartencenter hergibt und nebenbei lüften sie das Geheimnis der alten Laube…


    Ella Kordes alias Tania Krätschmar hat mit „Die Gartenschwestern“ einen sehr unterhaltsamen und warmherzigen Roman vorgelegt, der von Beginn an beim Lesen eine Wohlfühlatmosphäre verbreitet, so dass der Leser mit den ersten Worten regelrecht zwischen den Seiten abtaucht. Der eingängige flüssige und bildhafte Schreibstil sowie eine Handlung auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen lässt den Leser das Buch kaum aus der Hand legen. Dabei bedient sich die Autorin der wunderbaren Sprache der Blumen, die immer wieder wie ein Gleichnis die Situation der Frauen beschreibt und somit den Zusammenhang zur Gartenarbeit und dem Pflanzen herstellt. Die wechselnden Perspektiven lassen ihn zum einen an der Gegenwart von Gitta, Marit und Constanze teilhaben, zum anderen erfährt er von einer alten Geschichte nach Kriegsende 1945, in der Elisabeth auf der Flucht vor den Russen nach Berlin kommt und was sie dort erlebt. Geschickt miteinander verknüpft, schlängeln sich die beiden Handlungsstränge umeinander, folgen den Jahreszeiten mit den verschiedenartigen Pflanzmöglichkeiten und bilden dabei das Schicksal der vier Frauen ab. Der Spannungsbogen steigert sich dadurch ebenso und erschließt dem Leser nach und nach, gleich einem Puzzle, das Geheimnis der Laube.


    Die Charaktere sind mit Liebe zum Detail skizziert und mit menschlichen Zügen lebendig inszeniert. Sie wirken glaubwürdig und authentisch, was es dem Leser leicht macht, sich auf sie einzulassen und mit ihnen zu leiden, zu hoffen und zu fiebern. Gitta wird gerade vom Schicksal gebeutelt. Sie besitzt einen grünen Daumen, wenn ihre Phantasie bis dahin auch nur für Grün und Weiß im Garten reichte. Doch der Verlust ihres Pflanzenparadieses ist für sie fast schlimmer als der Abgang des Ehemannes. Zum einen wirkt sie wie ein Hausmütterchen, zum anderen doch recht unselbständig. Constanze ist überzeugte Singlefrau, kommt eher forsch und selbstbewusst daher, doch auch sie trifft mal Amors Pfeil. Marit ist die Bodenständige, die vermittelt und die goldene Mitte des Trios gibt. Elisabeth hat einiges erlebt und findet Glück sowie einen sicheren Hafen. Albert ist ein Goldstück mit großem Herzen. Aber auch andere Nebendarsteller machen die Geschichte mit ihren Auftritten kurzweilig und interessant.


    „Die Gartenschwestern“ ist ein wunderschöner, warmherziger und anrührender Roman über zwei Handlungsebenen, die sich perfekt ineinander fügen und die Seiten nur so dahinfliegen lassen, während man den Frauen auf Schritt und Tritt beim umgraben, pflanzen, ernten und gestalten folgt. Zauberhaft erzählt – dafür gibt es eine absolute Leseempfehlung!


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