Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten / The Long Way to a Small, Angry Planet

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Der lange Weg zu einem kleinen zornigen ...

4.3|14)

Verlag: FISCHER Tor

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 544

ISBN: 9783596035687

Termin: Oktober 2016

  • Ein großartiges Buch über das Leben und wie wichtig Toleranz für das Zusammenleben ist ...


    Verlagsinfo


    Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.


    Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Koch, der einer aussterbenden Spezies angehört.


    Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.


    Meine Meinung


    Anfangs war ich zwar noch nicht so überzeugt, wahrscheinlich weil ich nicht so genau wusste, was da jetzt auf mich zukommt. Es geht nämlich nicht um ein abenteuerlich kriegerisches Weltraumspektakel, sondern beginnt eher gemächlich mit der Vorstellung der Crew, den Einblicken in die GU (Galaktische Union) und den Hintergründen, wie die verschiedenen Spezies in dieser fiktiven Zukunft überleben.
    Nachdem ich mich darauf eingelassen hatte, war ich sehr begeistert von den vielen Nuancen, die Becky Chambers hier wunderbar zu transportieren versteht. Denn der Titel ist hier Programm: es ist ein langer Weg, den die Charaktere zurücklegen müssen und dabei erfährt man viel über ihr (das) Leben und die verschiedenen Motive, die jeder von ihnen in sich trägt.


    Rosemary zum Beispiel begibt sich mit einer neuen Identität auf die Wayfarer, um dort mit einem neuen Job ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.
    Ashby Santoso, der Captain des Raumschiffs, ist ein großartiger und toleranter Mensch, der auch seine Geheimnisse hat, aber sich immer für seine Crew einsetzt. Das muss er auch, denn die unterschiedlichen Spezies, die sich bei ihm tummeln, stellen ihn oft vor eine Herausforderung.
    Die zwei Techniker Jenks und Kizzy sind der humorvolle Part, die immer einen witzigen Spruch auf den Lippen haben, Arbis Corbin ist dagegen die Spaßbremse, ein eher zurückgezogener, pedantischer Mensch, den keiner von ihnen so wirklich gut leiden kann.
    Die Pilotin Sissix ähnelt einer Echse und ihre Rasse hat außergewöhnliche Eigenheiten, die teilweise höchst seltsam scheinen und vielleicht auch Unerständnis hervorrufen können, aber auch ganz besonders berührend wirken.
    Dr. Koch ist, ja, der Koch der Crew und versiert in Heilung und Kräuterkunde, der ein sehr schweres Schicksal zu tragen hat - ebenso wie der Navigator Ohan, der ebenfalls aus einer sehr kuriosen Spezies entstammt.
    Und nicht zu vergessen die KI des Schiffes, Lovey, die mit einem eigenen Bewusstsein ausgestattet ist und ein besonders Verhältnis zu einem der Crewmitglieder entwickelt.


    Ihr seht, die Geschichte ist mit einer Fülle von fremdartigen Lebensarten gespickt, die man aber alle auf eine höchst anschauliche und unterhaltsame Art vor Augen geführt bekommt. Dabei schafft es die Autorin, jeden von ihnen auf besondere Weise darzustellen und zu zeigen wie es möglich ist, trotz unterschiedlicher Lebensauffassungen zusammenzuwachsen. Die intensive Arbeit auf der Wayfarer entwickelt ein symbiotisches Verhältnis und zeigt im Kleinen wie auch im großen Ganzen, wie mit Toleranz und Rücksichtnahme eine verständnisvolle Einheit möglich sein kann.


    "Die menschliche Besessenheit von "Glück" hatte er nie richtig verstanden.
    Kein Wesen konnte ständig glücklich sein, genauso wenig wie jemand dauerhaft
    im Zorn, in Langeweile oder in Trauer verharren konnte." S. 277


    Gerade diese Einblicke in andere Spezies durch die Rasse Mensch und andersherum zeigt, wie wichtig Akzeptanz ist, dabei hat mich ganz besonders ein Gespräch zwischen Dr. Koch und Rosemary über Schuld und Vertrauen berührt.


    "Die Erinnerungen griffen nach Dr. Koch und versuchten, ihn von seinem sicheren
    Beobachtungsposten wegzuziehen. Sie zerrten an ihm, flehten ihn an, nachzugeben.
    Doch das würde er nicht tun. Er war nicht der Gefangene dieser Erinnerungen.
    Er war ihr Wärter." S. 279


    Aber natürlich lernt man auch einige Hintergründe kennen, wie die Bündnisse in den Galaxien entstanden sind, wie sich der Handel und die Bündnisse entwickelt haben und wie die Arbeit der Wayfarer vonstatten geht, die auf ihrem Weg durchs All sozusagen "Zeittunnel graben", um ein schnelleres Fortbewegen zwischen den Planetensystemen zu gewährleisten. Dabei wird es manchmal auch ein bisschen technisch, wobei ich aber immer ganz gut mitgekommen bin.


    Überhaupt ist der Schreibstil einnehmend und trotz vieler Details flüssig zu lesen. Es gibt keinen Durchhänger oder langatmige Stellen; es geht konstant und mit gutem Tempo voran, wobei jetzt nicht unbedingt große Spannungsmomente zu erwarten sind, aber dafür viele originelle, berührende und bedeutende Momente. Dafür gibts gegen Ende noch eine dramatische Wendung, die mir sehr nahe gegangen ist. Überhaupt sind mir all die Figuren total ans Herz gewachsen und ich hoffe sehr, dass mir der ein oder andere auch im zweiten Band aus der Reihe über den Weg laufen wird!


    Fazit: 4.5 Sterne


    © Aleshanee
    Weltenwanderer


    Wayfarers


    1 - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
    2 - Zwischen zwei Sternen (ET Januar 2018)
    3 - Im Original: Record of a Spaceborn

  • Inhalt: Wayfarer - Wandersmann, irgendwann in der Zukunft. Ein kleines Schiff, das seine besten Zeiten hinter sich hat, beherbergt eine kleine, überschaubare Mannschaft. Ihre Arbeit ist das öffnen von neuen Tunneln, die entfernte Teile der Galaxie miteinander vernetzen sollen. Und gerade diese Crew rund um Captain Ashby zieht einen großen Auftrag an Land: Erstmals soll ein Tunnel die übrige Galaxis mit dem Territorium der Toremi vernetzen. Doch bevor sie ihre Arbeit beginnen können, muss der Wayfarer den langen Weg zu eben jenem Planeten zurücklegen, der zum neuen Eingang werden soll.


    Meine Meinung: Ja, es ist eine lange Reise zu....wem nochmal?
    Eigentlich hätte mir der Titel schon sagen müssen, dass der Weg das Ziel ist und es nicht primär um den kleinen Planeten geht, den es zu erreichen gilt. Von diesem Punkt ausgehend kann ich eine ganze Menge Kritik anbringen, die möglicherweise mit meinen falschen Erwartungen zusammenhängen. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, warum dieser politische Strang mit den Toremis als Aufhänger verwendet wird. Das erinnert mich als Plot eher an Star Trek, wo die meisten Charaktere durch ihre Positionen zwangsläufig an politisches Geschehen geraten. Und bei der Crew vom Wayfarer ist das nicht ansatzweise der Fall. Das ist eine Truppe mit Angehörigen verschiedener Spezies, die sich gerade so viel für die großen Ereignisse interessiert, wie es sie selbst betrifft. Natürlich greift Ashby als Captain zu, als er oben erwähnten Auftrag bekommt, aber ziemlich schnell verflüchtigt sich der ursprüngliche Grund, der Aufhänger wieder in der Geschichte. Gewissensfragen und Bedenken werden dann - wie auch das spannungsmäßige Finale - auf wenigen Seiten am Ende abgehandelt.


    So viel zu Erwartung und Enttäuschung. Ich hatte dementsprechend selber einen langen Weg mit diesem Buch und war versucht abzubrechen, bis ich nicht gequälten zwei Dritteln eine Erleuchtung bekam: Man stelle sich die Geschichte als Serie vor, die einzelnen Kapitel als Folgen und schließlich macht das gesamte Konzept einen Sinn! Das Buch hat episodenhafte Abschnitte, die häufig einzelne Crewmitglieder oder Planetenbesuche in den Fokus stellen und dann in einem Kapitel komplett abhandeln. Dementsprechend ist das Figureninventar sehr groß, während es nur die Crew als kleinen Kern gibt. Auch die fehlende Spannungskurve im Ganzen ist einleuchtend, sowie die ständige "Was sollte das jetzt?"-Fragerei im Hinterkopf.


    Als ich nun endlich Konzept begriffen hatte und den Anspruch Chambers, Charaktere und Beziehungen zu fokussieren, war es schon etwas spät, um das Ruder herumzureißen - und das Finale hat dann auch nicht viel Positives beigetragen und soll vor allem auf den Nachfolger/Ableger hinarbeiten. Dabei sind die Charaktere an sich wirklich nett ausgearbeitet, auch wenn ich mir ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht hätte. Man mag fast alle auf Anhieb und das Bild wird auch nie getrübt. Viele Crewmitglieder sind darüber hinaus auch Menschen, sodass die Identifikation mit ihnen noch leichter fällt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, an denen geschickt Zweifel an der Sinnhaftigkeit gewisser menschlicher Gewohnheiten eröffnet werden, wenn Angehörige anderer Spezies sich darüber wundern oder aufregen.


    Fazit: Meine falsche Erwartungshaltung hat mich vermutlich vom Genuss von 250 Seiten guter Sci-Fi-Literatur abgehalten. Das Buch ist dennoch okay gewesen für mich und bestimmt lesenswert für viele andere. Das Ende kann man aber getrost vergessen. Manchmal sollte doch das Ziel etwas stärker das Ziel sein.

  • Wurde mir auf Twitter empfohlen und durch meine Neugier hat es sich um meinen SuB herumgeschlichen.
    Ich kann nur sagen: Ein großartiges Buch!
    So großartig, dass ich es nochmals als Print gekauft habe (las es als eBook) und meiner Mutter schenkte.
    Und noch zwei weitere Exemplare, um großartigen Menschen eine Freude zu machen.
    Das bestes Buch seit langer Zeit.

    Grüße
    Soulprayer
    ______
    Statistik 2018: Bücher: 6 <:~:> PR-Classic: 73 <:~:> ATLAN: 2 <:~:> Perry-Rhodan: 2960
    Perry Rhodan EA Aufholgjagd: akt. Stand: 520 / 2874 << 2015: 73 << 2016: 215 << 2017: 159

  • @Soulprayer, besorgst du dir auch gleich den zweiten Teil? Er beschäftigt sich zwas nur mit zwei Personen, aber dafür ist es sehr intensiv.

  • Nicht "gleich", aber auf jeden Fall bald.
    Und ich glaube diesmal sofort als Buch, dann kann ich es nach dem Lesen an meine Ma weitergeben :)

    Grüße
    Soulprayer
    ______
    Statistik 2018: Bücher: 6 <:~:> PR-Classic: 73 <:~:> ATLAN: 2 <:~:> Perry-Rhodan: 2960
    Perry Rhodan EA Aufholgjagd: akt. Stand: 520 / 2874 << 2015: 73 << 2016: 215 << 2017: 159

  • Ich bin lange um dieses Buch herumgeschlichen, hieß es doch, dass es hier weniger um ein Weltraumabenteuer geht, als vielmehr um die Beziehungen der Crewmitglieder untereinander. Zahlreiche positive Rezensionen haben mich dann aber doch dazu gebracht dieses Buch zu lesen. Und was soll ich sagen, es hat mir ausgesprochen gut gefallen.


    Die Story dreht sich tatsächlich in erster Linie um die Crewmitglieder des Raumschiffs Wayfarer. Aber die Crew ist überschaubar, denn sie besteht (wenn ich mich nicht verzählt habe) aus acht Mitgliedern plus der Schiffs-KI. Dennoch ist die gesamte Geschichte in eine "Rahmenhandlung" verpackt. Und diese Rahmenhandlung führt die Crew in unterschiedliche Situationen, die dazu führen, dass sie sich untereinander immer besser kennen- und schätzen lernt.


    Die Stärke des Buchs liegt aber auf der Ausarbeitung der Charaktere. Diese sind zum Teil so intensiv beschrieben, dass sie mir richtig ans Herz gewachsen sind. Es gab Momente in dem Buch, in denen ich mit ihnen mitlachen musste, aber auch Augenblicke, in denen mir die Augen feucht wurden. Das zeigt schon, mit welch einer Tiefe die Autorin die Charaktere ausgestattet hat.


    Gegen Ende des Buchs tritt diese "Rahmenhandlung" auf ein Finale zu, welches gravierende Auswirkungen auf die Crew und ihren Zusammenhalt hat. Auch dieses bringt die Autorin gekonnt rüber und verschafft der Geschichte ein zufriedenstellenden Abschluss. Vielleicht hätte über das gesamte Buch gesehen der Geschichte etwas mehr Ausgewogenheit zwischen der eigentlichen Handlung und der Ausgestaltung der Charaktere gut getan, aber ich kann mich dennoch nicht beschweren.


    Fazit: Dieses Buch ist für mich eine positive Überraschung und ich kann es allen Lesern ans Herz legen, die Geschichten mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren mögen.


    Von mir gibt es für dieses Buch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Ich lese eher selten Science Fiction und wenn, dann auf Empfehlung, so wie dieses hier.

    Der Schreibstil ist sehr gut, das Buch ist flüssig zu lesen, man fliegt nur so über die Zeilen.

    Die Crew der Wayfarer bestreitet ihren Lebensunterhalt damit, Tunnel durch den Raum zu bohren, um schneller von einem Ort zum anderen zu gelangen.

    Sie besteht aus dem Kapitän Ashby, der Pilotin Sissix, einer Aandrisk, dem/den Navigatoren Ohan, einem Sianatpaar, dem Koch, der Mechtech Kizzy, dem

    Comptech Jenks, dem Algaeisten Corbin, der für den Treibstoff sorgt, der Verwaltungsassistentin Rosmary, die neu zur Crew stößt, und der KI Lovey.

    Hauptthema sind die Charaktere, die dem Leser sorgsam und ausführlich nahegebracht werden. Jeder Spezies wird viel Zeit gewidmet, um ihre Denk-

    und Lebensweise sowie Persönlichkeit kennenzulernen und ihre teilweise erstaunliche Entwicklung zu verfolgen.


    Man "sieht" die Menschen auch durch die Augen anderer Spezies. Am abgefahrensten waren für mich die Toremi Ka.

    Es ist eine sehr intensive, emotionale Geschichte. Selten hat mir eine Story so oft ein Lächeln entlockt oder auch mal Tränen.

    Mich hat das Buch voll überzeugt und gehört ab sofort zu meinen Lieblingsbüchern.

    Irrlicht und Hexe (7. Hexenregel: Unterschätze nie die Kraft des Wortes - es hat eine besondere Kraft, es kann befreien, anstoßen und verändern, aber auch verletzen und zerstören)

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