Charles Ferdinand Ramuz - Farinet oder das falsche Geld / Farinet ou la fausse monnaie

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  • Autor: Charles Ferdinand Ramuz
    Titel: Farinet oder das falsche Geld, aus dem Französischen übersetzt von Hanno Helbling
    Originaltitel: Farinet ou la fause monnaie, erschien erstmals 1932
    Seiten: 184 Seiten, unterteilt in 19 Kapitel
    Verlag: Limmatverlag
    ISBN: 9783857917752


    Der Autor: (von der Verlags-Homepage)

    Zitat von Charles Ferdinand Ramuz

    Ich bin 1878 zur Welt gekommen, aber sagen Sie es nicht. Ich bin als Schweizer zur Welt gekommen, aber sagen Sie es nicht. Sagen Sie, dass ich im Pays-de-Vaud zur Welt gekommen bin, einem alten savoyischen Land – das heißt dem Languedoc, dem französischen Sprachraum zugehörig –, und an den Ufern der Rhone, unweit ihrer Quelle. Ich habe Altphilologie studiert; sagen sie es nicht. Sagen Sie, dass ich bestrebt war, kein Altphilologe zu sein, was ich im Grunde nicht bin, sondern ein Enkel von Winzern und Bauern, und es war mein Wunsch, ihnen Ausdruck zu geben. Doch ausdrücken heißt erweitern. Mein tiefstes Bedürfnis ist es, zu erweitern ... Ich bin ganz jung nach Paris gekommen; in Paris und wegen Paris habe ich mich kennen gelernt. Während zwölf Jahren habe ich jedes Jahr wenigstens einige Monate in Paris verbracht; und die Reisen von Paris heim und von daheim nach Paris sind meine einzigen Reisen geblieben! (Außer jener, die ich aus Religion unternommen habe, der Rhone nach bis ans Meer, mein Meer.)

    Ramuz war mit Mitteilungen über seine Person äusserst sparsam. In seinem Tagebuch, das er vor der Veröffentlichung überarbeitete, findet man nur wenige Hinweise auf sein Privatleben. Sein umfangreicher Briefwechsel gibt nur Aufschluss über seine literarischen Projekte und über das kulturelle Leben der damaligen Westschweiz.
    Ramuz wurde am 24. September 1878 in Lausanne geboren; sein Vater hatte ein Kolonialwarengeschäft und war später Weinhändler. Nach dem Collège classique besuchte Ramuz das Gymnasium und liess sich 1896 in der philosophischen Fakultät einschreiben. Ein Aufenthalt in Karlsruhe hinterliess wenig Erinnerungen, dafür den Entschluss, Dichter zu werden. Nicht ohne Schwierigkeiten erhielt er vom Vater die Erlaubnis, seine Studien in Paris fortzusetzen, um eine Doktorarbeit über den Dichter Maurice de Guérin zu schreiben. Daraus wurde nichts, dafür fand er sich in Paris als Dichter. Mehr als zehn Jahre verbrachte er – mit längeren Unterbrüchen – in Paris. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die Malerin Cécile Cellier. Im Krieg lernte er Igor Strawinsky kennen; aus ihrer Zusammenarbeit entstand die «Histoire du Soldat».
    Von 1926 an veröffentlichte der Pariser Verlag Grasset seine Werke. 1936 erhielt er den Grossen Preis der Schweizer Schillerstiftung. Ramuz starb am 23. Mai 1947 in Pully bei Lausanne.


    Charles Ferdinand Ramuz ist übrigens auf der aktuellen 200 CHF-Note abgebildet (Achte Serie von 1995)
    Nach ihm ist zudem der Grand Prix C.-F. Ramuz benannt, einem Literaturpreis, der alle fünf Jahre an herausragende französischsprachige Schweizer Schriftsteller vergeben wird.


    Inhalt: (Amazon)
    Ein schlichtes Holzkreuz schmückt Farinets Grab in Saillon, das am Rande des Kirchenbezirks liegt, wie es sich gehört für einen, der seine individuelle Freiheit höher schätzte als Staat und Gesetz. Als der junge Mann im abgelegenen Tal mit der Geldfälscherei begann, ging es ihm nicht um persönliche Bereicherung, er wollte geben, schenken, Freude bereiten. Dieses Angebot nahmen die Leute gerne an, sie hielten Farinets Gold sowieso für echter als das der Regierung. Von Männern geschätzt, von Frauen verehrt, fand er Unterschlupf vor der Staatsgewalt, bis er von seiner Freundin aus Enttäuschung verraten wurde. Er hat etwas Anarchisches, dieser Farinet, wie ihn Ramuz beschreibt. Ein Verführer ist er, einer, der keine Grenzen anerkennen mag, der mit Bick auf die Berge ausruft: 'Aber, was ist Freiheit? … Freiheit ist: zu tun, was man will, wie man’s will, wann man Lust hat.' Heute ziert Farinet die 'Bank'-Noten alternativer Tauschkreise, während Ramuz auf dem echten Geld abgebildet ist.


    Meinung:
    Mein vierter Roman von Charles Ferdinand Ramuz, und irgendwie werden sie immer besser! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich mittlerweile an seinen Schreibstil gewöhnt habe, denn etwas gewöhnungsbedürftig ist seine Sprache schon. Seine Texte sind lyrisch, verliebt in Naturbeschreibungen, immer mal wieder hält der Erzähler inne, schweift seinen Blick entlang der Berge und macht den Leser darauf aufmerksam, wie klein die Menschen, die Gemeinde im Vergleich zu den Naturmächten ist, wie austauschbar die einzelnen Personen, wie zeitlos und wiederkehrend die Geschichten sind.
    Nun greift Ramuz die Geschichte des Walliser Geldfälschers Joseph-Samuel Farinet auf, und erzählt nicht nur von dessen Flucht durch die Schweizer Bergwelt (vor den unbeliebten Feldjägern anderer Gemeinden), sondern erzählt auch von einer unglücklichen Liebesbeziehung: Joséphine hilft dem Flüchtigen immer wieder, hofft auf ein gemeinsames Leben, irgendwo wo die fremden Feldjäger nicht hinkommen, und scheitert zwangsweise an dieser aussichtslosen Liebe ähnlich wie Farinet mit seinem Freiheitsdrang.
    Eine gelungene Erzählung, die ich sicherlich nochmals lesen werde – vermutlich, wenn ich mal wieder in die schöne Bergregion um Saxon komme.

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