Omar El Akkad - American War

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American War

4.2|8)

Verlag: S. Fischer

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783103973198

Termin: Juli 2017

  • Ab dem Jahre 2050 wandte sich der Planet gegen das Land und seine Bevölkerung. Durch den steigenden Meeresspiegel waren Teile der USA einfach untergegangen. Umweltkatastrophen waren keine Seltenheit und im Jahre 2074 brach der zweite amerikanische Bürgerkrieg aus, der 20 Jahre andauern sollte, und anschließend rafft eine Seuche Millionen von Menschen dahin. Über diese Zeit berichtet der Erzähler, der sein Berufsleben dem Studium dieser Ära gewidmet hat. Er erzählt die Geschichte einer Zerstörung, die in St. James, Louisiana begann.


    Omar El Akkad hat einen dystopischen Roman geschrieben, der von seiner Handlung her nicht besonders abwegig erscheint: Eine Weltmacht, die sich erneut entzweit und bis zum äußersten bekriegt. Das hat es alles schon gegeben und wenn wir nicht aufpassen, kann sich dieses leider auch wiederholen.


    Die Geschehnisse werden fast alle aus Sarat Chestnuts Perspektive geschildert. Diese Figur begleitet man in 5-6 Jahresschritten vom Kind bis zur erwachsenen Frau. So erfährt man, wie die verschiedenen Phasen des Krieges, der Zerstörung und der Seuche abliefen und wie diese die Menschen beeinflusst und deren Leben verändert haben. Sarat ist keine Sympathieträgerin per se. Viel mehr verdeutlicht sie die Auswirkungen des Krieges auf den Menschen und das auf eine knallharte Art und Weise.


    Der Roman ist ungeschönt und manches Mal ganz schon brutal. Es gibt Hunger, Flüchtlingslager, bombenwerfende Drohnen, Folter, Selbstmordattentäter - das ganze Spektrum an Grausamkeiten. Trotzdem wirkt nichts künstlich aufgebauscht. Ich hatte das Gefühl, das ich ein Individuum während dieser Zeit begleite und dessen Realität erlebe. In diesem Roman ist es Fiktion, da der Autor sich einen zweiten Bürgerkrieg erdacht hat, aber vieles aus diesem Buch gibt es genauso, an einem anderen Ort und vielleicht in einem anderen Kontext, aber es ist keine Fantasiehandlung, sondern erschreckend real.


    "American War" ist kein Roman, den man schnell nebenbei liest. Dafür ist die Thematik zu heftig. Ich bin beim Lesen des Öftern ins Stocken geraten. Ob das nun am Schreibstil des Autors oder an der Übersetzung lag, kann ich nicht beurteilen. Trotzdem ist es ein Buch über eine wichtige Thematik, die als Roman eher Zugang zu einer breiteren Masse von Lesern finden wird, als dieses als Sachbuch der Fall wäre.


    Fazit: Ein aufrüttelnder, brutaler Roman über den Zerfall einer einstigen Weltmacht, die Zerstörung der Bevölkerung und vielen grausamen Ereignissen, die bereits jetzt an anderen Orten der Welt stattfinden. Es ist eine Mahnung an uns Menschen, dass unsere Handlungen die Zukunft entscheidend prägen werden und wir daher sorgfältig damit umgehen müssen.

    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Übersetzer: Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
    •  :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: 
  • Eigenzitat aus amazon.de:


    Wenn man in den Medien die Stimmen der Klima-Veränderer-Vereigerer hört, dann hört sich dies gelegentlich so an, wie die Verkündigung bestimmter "religiöser Wahrheiten" - und wird auch ähnlich aggressiv verteidigt.


    Im Laufe des 21. Jahrhundert haben die meisten nördlichen Staaten der USA sich dem Klimaschutz verschrieben und darum unter anderen die Nutzung fossiler Brennstoffe untersagt. Aber das ölför-dernde Texas und einige der umliegenden Südstaaten wollen sich diesem speziellen Diktat des Nordens nicht beugen und so kommt es zu einem weiteren Sezessionskrieg, der zusammen mit den langsam versinkenden Küstengebieten die Landkarte der USA deutlich verändert. Und dafür sorgt, dass es innerhalb der USA viele Menschen gibt, die sich auf einmal in Auffanglagern wiederfinden, als sie vor dem Meer oder steigenden Flußpegeln fliehen müssen.


    Eine dieser Personen ist Sarat (eigentlich Sara T.), mit ihrer Schwester Dana, ihrem Bruder Jona und ihrer Mutter aus dem geliebten Zuhause in ein Flüchtlingsheim umsiedeln musste, wo sie durch ihre Größe und durch ihr burschikoses Auftreten schnell als Seltsamheit gesehen wird - und einem Rekrutierer der Südstaaten-Rebellen auffällt, der beginnt, die junge Frau zunehmend zu radikalisieren.


    Der Journalist Omar Al Akkad nimmt viele Elemente von Amerikas Krieg gegen den Terror auf und wendet diese in diesem Roman nach innen, so dass die US-Amerikaner auf einmal in Situationen sind, aus denen sonst die Flüchtlinge fliehen, die so gerne an ihren Grenzen abgewiesen werden. Und die humanitären Helfer - insbesondere aus China und dem mittlerweile vereinigten Afrika - verfolgen durch ihre Hilfen oft so ihre ganz eigenen Ziele, die nicht immer ausschließlich humanitär sein müssen.


    Der Wechsel zwischen Erzählung und fiktiven Dokumenten und Geschichtsbuchauszügen zum Krieg zwischen den Staaten, zwei biologischen Attacken und anderen Problemen brechen die Erzählung immer wieder auf - verdichten aber gleichzeitig auch das Bild einer sehr veränderten Welt. Sehr offensichtlich kritisiert dieser Roman des in der ganzen Welt herumgekommenen Autoren aktuelle Umstände. Trotzdem kann dieser Titel aber auch als eine dystopische Warnung gelesen werden. Auf jeden Fall zu empfehlen. :thumleft: 
     :montag:

  • Da gibt es doch schon eine Rezension zur deutschen Ausgabe, einsortiert bei Romane/Erzählungen, will ich meinen. [-X

    Robert Macfarlane "Karte der Wildnis" (109/303)

    Richard Flanagan "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (232/438)

    Ronald Chetwynd-Hayes (Hg.) "Gespenstergeschichten aus Wales" (66/140)


    Jahresbeste: Welch (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king: 
    Gelesen: 58 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Jodorowsky & Moebius "Der schwarze Incal" (17.5.)

  • Auf sehr intelligente Art und Weise wird hier eine dystopische Geschichte erzählt, wie sie realer, brutaler und beängstigender nicht sein könnte. In einer "verkehrten Welt" wird ein im föderalen Krieg zerissenes, mit unterschiedlichen Gruppierungen angereichertes Amerika geschildert, das stark an die aktuelle Lage im sogenannten Nahen Osten erinnert. Hier haben wir es mit gemäßigten und radikalisierten Rebellen zu tun, die in einem nicht zu gewinnenden Kampf gegen eine scheinbar vernünftige Militärmacht liegen. Angefeuert und manipuliert wird dieser Kampf durch Vertreter eines Reiches aus verschiedenen vereinigten Mittelmeerstaaten und arabischen Ländern mit ganz eigenen Interessen.
    Ungeschönt und am Beispiel der Stationen der Familie Chestnut einerseits und beim Lesen verschiedenster offizieller Dokumente und Bekanntmachungen erleben wir diese Welt hautnah. Dabei ist sie weit genug von unserer wirklichen Welt entfernt um als Dystopie zu gelten (wir befinden uns in den Jahren nach 2075) aber nah genug dran um deutliche Elemente unserer Gegenwart zu erkennen: ein in einem zweiten Sezessionskrieg gespaltenes Amerika, als einen Kriegsgrund eine wichtige fossile Energieressource, Flüchtlingsauffanglager, militärische Grenzkontrollen, Gefangenenlager à la Guantanamo, radikale Selbstmordattentäter usw.
    Dem Autor gelingt durch die Art der Erzählung zumindest bei mir eine schockierende Faszination zu erzeugen, eine Beklommenheit und gleichzeitig atemlose Spannung. Selten hat mich ein Buch so gepackt und gleichzeitig abgestossen. Die Charaktere sind grandios, perfide aus der Realität entliehen in eine Fiktion gesetzt, wo sie ihre Rolle genauso weiterspielen.
    Ein wirklich tolles Buch, welches mich nachhaltig beeindruckt hat. Meine ersten :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: für 2018.

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study: 

    61 Stunden - Lee Child

    London - Die Biografie - Peter Ackroyd


    :bewertung1von5: 2018: 19 :bewertung1von5:

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