Akif Pirincci – Die Damalstür

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  • Renaissance eines Autors – Akif Pirinccis Abschied von der Handy-Generation


    „Die Damalstür“ heißt das neueste Werk des Bonner Autors Akif Pirincci, das sich als durch und durch gelungener, spannend geschriebener Kriminalroman darstellt, der in seiner Qualität nicht nur an „Feldidae I“ und „Der Rumpf“ erinnert, sondern diese beiden Romane sogar übertrumpft. Diese Leistung Pirinccis war umso verblüffender, als man von dem Autor zuvor einen nahezu unerträglichen, mit Comicstrips vergleichbaren Sprachstil gewöhnt war, zum Beispiel in seinen Romanen „Francis“ („Felidae II“) und „Cave Canem“. Auch der dramaturgische Aufbau dieser Werke war eher dünn. Daran änderte auch das 800-Seiten-Epos „Yin“ nichts, das 1997 erschien und nur den hartgesottensten Pirincci-Fans zuzumuten war. Es stimmt schon, wenn selbst renommierte Autoren wie Ephraim Kishon darüber stönen, dass der Markt für begeisterte Stammleser in Zeiten der Fun-, HipHop-, Nintendo- und Handy-Generation ein ausgetrockneter sei. Diese Zielgruppe versuchte Pirincci ab etwa 1993 mit einem Sprachstil zu erreichen, der eher an „Werner Beinhart“ erinnerte, denn an handwerklich souveräne, epische Erzählkunst. Ob der Versuch nun gescheitert ist oder ob der Autor seine überstrapazierte, metapherhörige Schreibweise selbst satt hatte; fest steht, dass sich Pirincci mit „Die Damalstür“ von Vorbildern dieser Art verabschiedet hat und zurückgekehrt ist – zu künstlerischer Qualität. Eine kreative Kernidee liegt, wie in allen Pirincci-Romanen, auch dem Roman „Die Damalstür“ zugrunde. Diese wird hier jedoch vom Autor auf so konsequente Weise umgesetzt, dass ein einzigartiger Plot entsteht, der die Spannung bis zum Schluss mühelos aufrecht erhält.
    Die etwas abstrus anmutende Handlung des Romans – es geht um Zeitreisen – wird am Ende genial einfach aufgeklärt. Während der Leser noch mit seinem Aha-Erlebnis beschäftigt ist, klingt der Horrorroman sanft und leise aus. Erst Suspense, dann künstlerischer Genuss. „Die Damalstür“ ist Pirinccis bisher bester und reifester Roman. Er ist auch ein religiöser Roman, handelt er doch vom Leben und vom Tod, von Abschied und vom Los-lassen-können an einer nicht mehr zu ändernden Vergangenheit. Solche Themen sind immer aktuell, auch in Zeiten der Handy-Generation.

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