Carmen Korn - Töchter einer neuen Zeit

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Töchter einer neuen Zeit (Jahrhundert-Tr...

4|15)

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 560

ISBN: 9783499272134

Termin: Juni 2017

  • Inhalt (Quelle: Klappentext)
    Einer neuen – einer friedlichen – Generation auf die Welt helfen, das ist Henny Godhusens Plan, als sie im Frühjahr 1919 die Hebammenausbildung an der Hamburger Frauenklinik Finkenau beginnt. Gerade einmal neunzehn Jahre ist sie alt, doch hinter ihr liegt bereits ein Weltkrieg. Jetzt herrscht endlich Frieden, und Henny verspürt eine große Sehnsucht nach Leben.
    Drei Frauen begleiten sie auf ihrem Weg: die rebellische Käthe, Ida, Tochter aus wohlhabendem Hause, und die junge Lehrerin Lina. So verschieden die Frauen sind, so eng ist ihre Freundschaft, auch wenn diese in den kommenden Jahrzehnten oft auf die Probe gestellt wird.


    Über die Autorin:
    Carmen Korn, geb. 1952, ist deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Sie lebt seit 40 Jahren auf der Uhlenhorst und befasst sich schon lange mit der Geschichte dieses Hamburger Viertels.


    Mein Leseeindruck:
    Die Autorin erzählt in diesem ersten Band ihrer Uhlenhorst-Trilogie die Geschichte der vier jungen Frauen Henny, Käthe, Ida und Lina. Die Handlung beginnt 1919, einige Monate nach dem Ende des 1. Weltkriegs, und geht bis 1948. Die Protagonistinnen kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, arbeiten in unterschiedlichen Berufen und leben in unterschiedlichen gesellschaftlichen Konstellationen. Eingebettet in die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit (Weimarer Republik, Inflation, Hitlers Aufstieg usw.) erleben sie Glück, Zweifel, Trauer, Freude - was das Leben eben ausmacht.


    In jedem Absatz wird aus Perspektive einer der vier jungen Frauen erzählt. Mich hat allerdings total gestört, dass die Absätze sehr kurz sind. Nach ungefähr ein bis zwei Seiten wird zur nächsten Figur/Szene gesprungen, so dass ich überhaupt keinen Bezug zu den einzelnen Personen herstellen konnte. So kurz ist meine Aufmerksamkeitsspanne nicht und auch meine Hoffnung, dass es mit fortschreitender Seitenzahl besser würde, hat sich nicht bestätigt. Durch dieses „Gespringe“ zwischen den einzelnen Personen blieben diese sehr farblos und es fehlte ihnen jegliche Tiefe. Ich musste auch nach 400 Seiten immer wieder überlegen, von wem denn jetzt eigentlich die Rede ist. :scratch:


    Dabei waren einige gute Figuren dabei, aus denen man aber viel, viel mehr hätte herausholen können. Zum Beispiel wird die Protagonistin Henny als sehr ehrgeizig beschrieben, sie will etwas schaffen als Hebamme in der Frauenklinik Finkenau. Es wird aber kaum darüber geschrieben, was sie an ihrer Arbeit so liebt und wie ihre Arbeit dort überhaupt aussieht. :-kDas wäre interessant gewesen, damit man einen Eindruck erhält, wie der Klinikalltag und die Arbeit der Ärzte und Hebammen damals aussah.


    Natürlich gab es für die Hauptpersonen einen Alltag, aber wenn davon erzählt wird, dann doch bitte über das Leben damals. :!: So hilft eine der Figuren den Wöchnerinnen nach der Geburt zu Hause – es wäre spannend gewesen, mehr über die Lebensumstände dieser Frauen zu erfahren. Stattdessen wird ständig über das verkorkste Liebesleben der reichen und verwöhnten Kaufmannstochter geschrieben :roll: , was mich überhaupt nicht interessiert hat und noch mehr nervte, als es in nahezu jedem ihrer Textabsätze wieder und wieder erwähnt wurde. Eine andere Romanfigur geht vorübergehend nach Costa Rica und mich hätte interessiert, was sie dort gemacht hat, wie z. B. die kaufmännische Arbeit in Übersee damals aussah. Das hätte für mich eher ein Bild der damaligen Zeit geschaffen. Eine andere Person macht Geld in Schallplatten, wie genau wird nicht geschrieben, aber dafür wird deren Gefühlsleben seitenweise durchgekaut. :roll:


    Dabei gab es durchaus etliche interessante historische Details, z. B. dass 1919 Lehrerinnen nicht heiraten durften, da sie sonst den Anspruch auf die Pension verloren. Diese interessanten Punkte machten aber ungefähr 10% des Buches aus, der Rest war Banales aus dem Gefühlsleben der Figuren, die abwechselnd glücklich, unglücklich, traurig, einsam, voller Selbstzweifel usw. waren. Ab und zu hat die Autorin versucht, die Figuren in die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse einzubinden, aber meist hatte das etwas sehr Künstliches an sich.


    Was beim Lesen immer wieder herausklang war die Liebe zu Hamburg und dem Viertel Uhlenhorst, daher mag das Buch für jemanden, der mit dieser Stadt verbunden ist, anders wirken. Ich empfand es jedoch wie eine TV-Soap, in der die Gefühlslagen der Figuren viel mehr im Vordergrund stehen als der historische Hintergrund. Schade, denn ich habe mir von dem Buch viel mehr versprochen. Vielleicht hat der Beiname Jahrhundert-Trilogie, der im Buchhandel, beim großen A und auch bei Wiki für die Reihe verwendet wird, bei mir zu große Erwartungen geweckt, die leider überhaupt nicht erfüllt wurden. Von mir gibt es enttäuschte :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Der Schluss wurde nochmal spannend und das Buch endet mit einem Cliffhanger – aber ich werde mir den nächsten Band dennoch sparen. :ergeben:

  • Ich hatte das Buch mal begonnen, es aber wegen der vielen schnellen Wechsel dann wieder weggelegt. Wenn ich Deine Rezi so lese, scheine ich nichts verpasst zu haben.

  • Ich hatte das Buch mal begonnen, es aber wegen der vielen schnellen Wechsel dann wieder weggelegt. Wenn ich Deine Rezi so lese, scheine ich nichts verpasst zu haben.

    Hast du auch nicht, leider. Da bin ich ja froh, dass nicht nur ich die schnellen Szenenwechsel als störend empfand. Ich habe mich darauf gefreut, die historisch sehr spannende Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts mal aus weiblicher Perspektive zu lesen, aber das war mir dann alles "zu weiblich" und gefühlsgeladen. :ergeben:

  • Hast du auch nicht, leider. Da bin ich ja froh, dass nicht nur ich die schnellen Szenenwechsel als störend empfand. Ich habe mich darauf gefreut, die historisch sehr spannende Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts mal aus weiblicher Perspektive zu lesen, aber das war mir dann alles "zu weiblich" und gefühlsgeladen. :ergeben:

    Aus weiblicher Sicht? Da empfehle ich Dir dieses Buch, das ich gerade mit Begeisterung gelesen habe: Margaret Forster: Ich warte darauf, dass etwas geschieht / Diary of An Ordinary Woman

  • Das ist wieder ein Buch, das zu polarisieren scheint.
    Ich stimme der Rezension von Studentine in zwei Dingen zu:
    - der Szenewechsel/Wechsel der Personen erfolgt viel zu schnell; das macht das Buch etwas zerfahren und man braucht mehr Konzentration.
    - das Buch erfüllt die Erwartungen, die man an einen historischen Roman knüpft, nur rudimentär. Wer seine Kenntnisse der deutschen Geschichte nach der Kaiserzeit auffrischen oder intensivieren will, wird hier nicht schlauer. Man geht zwar die Stationen Inflation, Machtergreifung, Kristallnacht, Bombardierung Hamburgs usw. mit den Protagonisten, aber thematisiert wird das Familienleben und die Gefühlswelt, nicht die Historie.
    Deshalb finde ich die Einordnung bei Amazon und hier im Rezensionsthread unter ‚historisch‘ etwas unglücklich gewählt.
    Ich vergleiche das Buch eher mit der Sturmzeit-Trilogie oder der Poenichen-Reihe, die auch nicht im historischen, sondern im Romanbereich rezensiert wurden, oder aktueller mit der Fermante-Trilogie, die ich allerdings (noch) nicht gelesen habe.
    Schauplatz der Geschichte eines Familienclans (einbezogen werden Geschwister, Arbeitskollegen, Freunde) ist Hamburg von den zwanziger Jahren an; bei der Sturmzeit-Trilogie ist Schauplatz Ostpreußen, Berlin, München im gleichen Zeitrahmen.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen; es bietet einen guten Einblick ins Leben der damaligen Bevölkerungsschichten und es zeigt, wie das Leben durch kleine Zufälle eine andere Wendung nehmen kann. Gewundert hat mich, dass außer der ‚großbürgerlichen‘ Ida alle Frauen arbeiten gehen und dieselben Kinderbetreuungsprobleme haben wie die Frauen heutzutage. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger und ich freute mich deshalb besonders, dass ich den Folgeband rechtzeitig in die Hände bekommen habe.
    Von mir gibts :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Deshalb finde ich die Einordnung bei Amazon und hier im Rezensionsthread unter ‚historisch‘ etwas unglücklich gewählt.
    Ich vergleiche das Buch eher mit der Sturmzeit-Trilogie oder der Poenichen-Reihe, die auch nicht im historischen, sondern im Romanbereich rezensiert wurden, oder aktueller mit der Fermante-Trilogie, die ich allerdings (noch) nicht gelesen habe.
    Schauplatz der Geschichte eines Familienclans (einbezogen werden Geschwister, Arbeitskollegen, Freunde) ist Hamburg von den zwanziger Jahren an; bei der Sturmzeit-Trilogie ist Schauplatz Ostpreußen, Berlin, München im gleichen Zeitrahmen.

    Wenn ich so länger darüber nachdenke :scratch: , stimme ich dir zu, dass die Einordnung in die Romane für dieses Buch besser zutreffen würde. Die Kategorie "historisch" weckt doch einige Erwartungen (war bei mir ja nicht anders), die nicht unbedingt erfüllt werden. Der Vergleich mit der Sturmzeit-Trilogie trifft es ganz gut. Ich hatte nur damals beim Erstellen der Rezension die Wolkenrath-Reihe von Elke Vesper im Hinterkopf, die auch im Bereich "historisch" zu finden war.
    Vielleicht ist es für die Admins, :winken:@Squirrel , ja kein Problem, das Buch in die Kategorie "Romane" zu verschieben, da es von der Einordnung besser dorthin passen würde.

  • Vielleicht ist es für die Admins, @Squirrel , ja kein Problem, das Buch in die Kategorie "Romane" zu verschieben, da es von der Einordnung besser dorthin passen würde.

    für mich ist das kein Problem, wenn Ihr Euch da einig seid :wink:

    viele Grüße vom Squirrel

     :study: Viet Thanh Nguyen - Der Sympathisant
     :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

     :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

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