Margaret Forster: Ich warte darauf, dass etwas geschieht / Diary of An Ordinary Woman

  • Buchdetails

    Titel: »Ich warte darauf, daß etwas geschieht«


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 592

    ISBN: 9783596172238

    Termin: Februar 2007

  • Bewertung

    3.4 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "»Ich warte darauf, daß etwas geschieht«"

    »Die Königin des Familienromans heißt Margaret Forster. Ein atemberaubender Roman, den ich Eintrag für Eintrag verschlungen habe wie ein echtes Tagebuch.« Brigitte Sie ist dreizehn Jahre alt, als sie beginnt, Tagebuch zu schreiben, und über neunzig, als sie mit dem Schreiben aufhört. Authentisch und anrührend hat Margaret Forster ein Frauenleben porträtiert, das trotz Kriegen und Krisen sich mit Eigensinn und Mut ein Stückchen Glück erobert. Ein Roman, so trickreich erzählt, dass die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt.
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  • Was für ein Lesevergnügen. Über Bücher von Margaret Forster bin ich schon häufiger gestolpert - Frauen scheinen ein großes Thema bei ihr zu sein. Dies nun ist mein erstes Buch, das ich von ihr gelesen habe. Vor zwei Tagen habe ich es beendet, doch ich schwelge gedanklich immer noch in der Geschichte.


    Aus dem Vorwort, geschrieben von der Autorin, erfahren wir, dass es um das Tagebuch einer Frau, Millicent King, geht. Sie hat es mit dreizehn Jahren begonnen. Heute ist sie über neunzig. Von dem Tagebuch hat Margaret Forster von Joanna King erfahren, deren Mann der Neffe der alten Frau ist. Nach einem Telefonat mit Millicent King erhält Forster ein paar Auszüge und ist hellauf begeistert. Sie besucht die alte Dame, die sich fragt, ob man mit ihrem gewöhnlichen Geschreibsel etwas anfangen kann.


    In den folgenden Wochen liest die Autorin alle Bücher in einem Zug, ohne sich Notizen zu machen. Nach dem Lesen ist sie sich sicher, dass sie sie herausgeben möchte:


    Zitat von Margaret Forster

    Eines muß ich sagen: An dieser Frau war nichts gewöhnlich. Ich frage mich sogar inzwischen, ob es überhaupt so etwas wie ein ganz gewöhnliches Leben gibt.

    In meinem Lesetagebuch habe ich so viel zu dem Buch geschrieben, dass ich nun überlegen muss, was ich hier schreibe, um nicht zu viel zu verraten. Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden, wenn ich einfach ein paar Passagen kopiere.


    Millicent beginnt ihr Tagebuch am 26. November 1914. Ihr Vater meinte zwar, sie müsse am 1. Januar beginnen, aber das sieht sie gar nicht ein. Auch meint ihr Vater, dass er nicht glaubt, dass sie es durchhalten würde, ein Tagebuch zu führen. Das traut er eher ihrer Schwester Matilda zu. Millicent weiß, dass Matilda ein Tagebuch führt - sie hat es nämlich gelesen. Was für sie gar nicht gut war, denn gut kommt sie bei der Schwester nicht weg. Weitere Geschwister von Millicent sind George, die Zwillinge Albert und Alfred und das Baby Michael.
    Ein Lieblingssatz von Millicent scheint zu sein: Das ist mir egal. Sie ist sehr auf sich bezogen, aber auch ehrgeizig. Ich könnte mir vorstellen, dass sie mal eine Frau wird die weiß, was sie will und es sich auch nimmt. Ihr Selbstmitleid ist sehr ausgeprägt: Seitenlang klagt sie in ihrem Tagebuch darüber, wie sehr sie sich wegen der Schwangerschaft ihrer Mutter ausgenutzt fühlt. Glücklicherweise brauche ich das nicht alles lesen, da die Autorin zwischenzeitlich eine kleine Zusammenfassung präsentiert.


    Gibt es auch einen sympahischen Zug an Millicent? Ja - sie liest sehr gerne. Schon auf den ersten Seiten sind acht Buchtitel aufgeführt. Ich notiere sie mir und werde sie als Liste am Ende anfügen.


    Die Familie lebt in London, der Vater scheint etwas mit der Herstellung oder dem Verkauf von Möbeln zu tun zu haben. Die Familie scheint recht wohlhabend zu sein. Millicent hängt an ihrem Vater und sie hat Angst, dass er noch eingezogen wird. Doch erst mal zieht Bruder George in den Krieg. Matilda tritt der Voluntary Aid Detachment bei, was der Vater sehr egoistisch findet. Schließlich wird sie zu Hause gebraucht.


    Gewöhnlich war an dieser Millicent oder ihrem Leben nichts. Sie will Lehrerin werden, was der Vater ihr nur zähneknirschend finanziert. Bruder George kommt kriegsgeschädigt wieder nach Hause. Mit Männern hat sie nichts am Hut. Sie möchte arbeiten und Geld verdienen. Zu Beginn des Jahres 1919 stirbt der Vater und Ernährer der Familie. Die Mutter war hilflos, glücklicherweise kam Tante J. und nahm das Heft in die Hand, sonst hätte es nicht mal eine Beerdigung gegeben.
    Auf dem Sparkonto des Vaters waren nur ein paar hundert Pfund und 80 Pfund auf dem Girokonto. Das Haus der Familie ist mit Hypotheken belastet. Nach Wochen des Suchens findet Millicent endich einen Job als Verkäuferin.


    20. Mai - der Krieg ist aus.


    Die Mutter heiratet wieder. Das gibt Millicent die Möglichkeit, sich weiter als Lehrerin ausbilden zu lassen. Tom, mit dem sie schon eine Weile befreundet ist, schickt ihr Blumen zum Valentinstag. Doch Millicent denkt nicht an Romanzen, sie stürzt sich ins Studium und schneidet als Beste beim Examen ab. Sie wird an eine Grundschule in Surrey berufen, die lose Beziehung zu Tom scheint einzuschlafen.


    Anfang September 1923 verbringt Millicent eine Woche Urlaub in Paris und wurde aus der Bahn geworfen. Wieder zurück, ist sie mit allem unzufrieden: mit der Schule, ihrer Wohnung, ihrer Stadt. Ohne anregende Kontakte kann sie sich über ihre Unabhängigkeit nicht freuen.


    Der Stiefvater stirbt überraschend an einem Herzinfarkt. Millicents Befürchtung, nach Hause zurückkehren zu müssen, bewahrheitet sich nicht. Die Familie ist finanziell abgesichert.


    Matthew Taylor, den sie bei Schwester Tilda kennenlernt, liegt ihr in den Ohren, in den Journalismus zu wechseln. So könnte sie für seine Zeitung arbeiten, was sie vehement ablehnt. Schließlich hat sie sich zur Lehrerin ausbilden lassen, was teuer genug war. Doch der Lehrerberuf gab ihr keine Freude mehr, obwohl sie gut darin war. So kündigte sie dann doch. Aber was für eine Enttäuschung, als sie bei Matthew beginnt. Ein runtergekommener, stinkender Raum über einem von Italienern geführten Café. Ein zweiter Stuhl muss erst herbeigeschafft werden. Millicentet arbeitet nun als Redaktionsassistentin, liest Manuskripte und kreuzt grammatikalische Fehler an und kürzt die Texte.
    Einen ersten Streit gibt es zwischen den beiden, als Millicent Matthew nach dem Sinn der Zeitung fragt. Sie könne keine Arbeit machen, wenn sie nicht den Sinn darin erkennen kann. Die Auseinandersetzung und das Geständnis Matthews, dass er wünsche, Millicent würde ihn heiraten, ließ alles zerbrechen.


    Durch eine Zeitungsanzeige findet Millicent einen Job als Lehrerin im Ausland. Sie soll die Tochter Francesca von Mr. Russo unterrichten und lebt nun in einer Villa in der Nähe von Rom mit einem herrlichen Blick über das weite Land.


    Hier ende ich einfach mal. In diesem Stil begleiten wir Millicent durch ihr Leben, wie es hätte sein können, denn die Autorin hat für dieses Buch einen Trick angewandt, den ihr selbst entdecken solltet und der erst am Ende des Buches in einem Nachwort verraten wird.
    Millicent lernt Männer kennen, die sie gerne heiraten möchten - obwohl sie selbst nichts von der Ehe hält. Sie möchte etwas Sinnvolles tun, wird Sozialarbeiterin (dieser Beruf ist gerade erst im Entstehen und nicht jede Gemeinde möchte dafür Geld ausgeben) und Sanitätsfahrerin im Zweiten Weltkrieg, in dem sie so einige Familienmitglieder verliert. Sie bekommt keine eigenen Kinder, muss aber trotzdem für Jahre die Mutterrolle übernehmen. Und wird auch in Friedenszeiten und im gesetzten Alter noch einmal politisch tätig.


    Nein, ein gewöhnliches Leben war dies wirklich nicht. Einzig der Buchtitel ist unglücklich gewählt. Denn Millicent war keine Frau, die darauf gewartet hat, dass etwas geschieht. Im Gegenteil: Sie hat ihr Leben immer in die eigene Hand genommen.


    Nach diesem Buch bin ich noch neugieriger auf mehr von Margaret Forster. Ich habe mir schon einige Bücher von ihr angeschafft und denke, dass die nicht lange warten brauchen, bis ich sie lese.


    Apropos lesen. Millicent hat ja auch gerne gelesen. Hier mal die Bücher und Autoren, die ich in diesem Buch entdeckt habe:


    H. G. Wells: Kipps
    Charles Dickens: Eine Geschichte aus zwei Städten
    Jane Austen: Stolz und Vorurteil
    Harriet Beecher Stowe: Onkel Toms Hütte
    Ethel M. Dell: The Way of an Eagle
    Henry Fielding: Tom Jones
    Charles Dickens: Oliver -twist
    Richard D. Blackmore: Das Tal der Verfemten
    Der geheime Garten
    Heim zur Erde
    Virginia Woolf: Mrs. Dalloway
    Katherne Mansfield
    Der Wind weht
    Shakespeare: King Lear
    A. J. Cronin: Zitadelle
    Elizabeth Bowen
    So grün war mein Tal
    Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead
    C. P. Snow: Die Lehrer
    Anthony Powell: Eine Frage der Erziehung
    John Hersey: Hiroshima
    Vera Brittain: Testament einer Jugend
    Iris Mudoch: Unter dem Netz
    Doris Lessing: Martha Quest
    J. R. R. Tolkien: Herr der Ringe

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