Melanie Metzenthin - Im Lautlosen

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Im Lautlosen

4.5|5)

Verlag: Tinte & Feder

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 524

ISBN: 9781542045964

Termin: Juli 2017

  • Klappentext:
    Hamburg, 1926: An der noch jungen Universität der Hansestadt gehören Richard und Paula zu den begabtesten Medizinstudenten ihres Jahrgangs. Sie beide verbindet mehr als nur die Leidenschaft für den Arztberuf – sie verlieben sich unsterblich ineinander. Als nach ihrer Heirat die Zwillinge Emilia und Georg geboren werden, ist ihr Glück komplett, auch wenn der kleine Georg gehörlos ist. Doch dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht und das Leben der jungen Familie ändert sich von Grund auf. Richard, der inzwischen als Psychiater in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn arbeitet, kann sich mit der menschenverachtenden Gesetzgebung der Nazis nicht arrangieren, von der auch sein gehörloser Sohn betroffen ist. Um seine Patienten vor der Euthanasie zu bewahren, erstellt er fortan falsche Gutachten. Damit nimmt er ein großes Wagnis auf sich, das nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht …


    Autorin:
    Dr. Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat sie einen ganz besonderen Einblick in die Psyche ihrer Patienten, zu denen sowohl Traumatisierte als auch Straftäter gehören.
    Bei der Entwicklung ihrer Romanfiguren greift sie gern auf ihre beruflichen Erfahrungen zurück.
    Unter dem Pseudonym "Antonia Fennek" schreibt sie Psychothriller.


    Allgemeines:
    Erscheinungsdatum: 11. Juli 2017
    Seitenanzahl: 524
    Verlag: Tinte & Feder


    Eigene Meinung:
    Aus der Sicht von Richard und Paula, die sich in einer Vorlesung kennen und lieben lernen, werden hier die Schrecken und die Skrupellosigkeit gerade in psychiatrischen Anstalten zur Zeit des zweiten Weltkrieges zum Thema. Durch die Erzählweise sind wir nah dran. Die Sicht wechselt zwischen Richard, der in einer psychiatrischen Anstalt eine Anstellung gefunden hat und sich mit Verständnis, Einfühlungsvermögen und Einsatz um seine Patienten kümmert und Paula, die es mit ihrem Wunsch Ärztin zu werden, zu der Zeit nicht leicht hat.
    Beide werden durch den Einfluss des Nationalsozialismus wissend oder unwissend zu Entscheidungen genötigt.
    Während das Thema der Leistungsbescheinigungen bei Patienten und die Rassenideologie natürlich stark präsent sind, schafft es Melanie Metzenthin aber auch noch andere Themen einzustreuen. So zeigt sie auf, was die Frau damals erdulden musste und findet auch Platz für das Schicksal der Juden.
    Das macht sie sehr geschickt und regt auch damit zum Nachdenken an.
    Im Nachwort macht sie noch deutlich, welche Personen existiert haben und wie sie die Romanfiguren in die Geschichte gesetzt hat.
    Der Titel passt übrigens sehr gut zum Buch, da es eben nicht nur die Mitläufer gab, sondern auch diejenigen, die versucht hatten ihr Möglichstes zu geben und Menschen zu retten.


    Fazit: Ein Buch was mich gut unterhalten hat. Gerade auch der Schwerpunkt zum „lebensunwertem Leben“ war interessant und konnte mich fesseln, so dass ich das Buch kaum weglegen konnte. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Sturm - Uwe Laub

    :montag: Die Frauen vom Löwenhof: Agnetas Erbe - Corina Bomann

    :musik: Schwesterherz - Kristina Ohlsson

  • 1926 Hamburg. Paula und Richard lernen sich während ihres Medizinstudiums an der Universität kennen und verlieben sich ineinander. Obwohl Richard „nur“ der Sohn eines Tischlers ist und eigentlich nicht standesgemäß, heiraten die beiden und bekommen Zwillinge, Emilia und den gehörlosen Georg. So erlernt die Familie die Gebärdensprache, damit sie alle zwanglos miteinander kommunizieren können. Als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergreifen, ändert sich für die Familie alles. Richard, der als Psychiater arbeitet, ist absolut gegen die Nazis und deren menschenunwürdigen Ansichten, welche auch seinen gehörlosen Sohn Georg betreffen. Um so viele Menschen wie möglich vor dem Wahnsinn der Nazis zu retten, nutzt er seine Position als Arzt und stellt falsche Gutachten aus. Damit setzt er nicht nur sich selbst, sondern auch seiner Familie einer großen Gefahr aus, denn Richards Widersacher Dr. Krüger findet heraus, was Richard getan hat. Leider kostet ihn das seinen Job als Arzt und er wird zum Wehrdienst eingezogen. Doch Richard hat in seinem besten Freund Fritz einen Fürsprecher, der ihn vor der Front rettet und eine Versetzung zu ihm ins Lazarett nach Tripolis ermöglicht. Richard ist jetzt erst einmal aus der Schusslinie, doch Paula ist immer noch mit den Kindern in Hamburg und versucht, sich und die Kinder vor den Bomben zu schützen. Während all dem Kriegsgeschehen wird Georg schwer krank und wird ausgerechnet in das Krankenhaus eingeliefert, wo Dr. Krüger als Handlanger der Nazis das Zepter führt…


    Melanie Metzenthin hat mit ihrem Buch „Im Lautlosen“ einen sehr berührenden und spannenden Roman vor der schrecklichen Kulisse Nazideutschlands vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und ohne Schnörkel, mitreißend und fesselnd. In wechselnden Perspektiven erfährt der Leser mal aus der Sicht von Richard, mal aus der von Paula um die jeweilige Situation und die Geschehnisse und wird eingeweiht in ihr Denken und ihre Gefühle. Die damalige Zeit wird auf unheimliche Weise zum Leben erweckt und lässt einen erschauern ob dieser Unmenschlichkeit und Grausamkeit, ob diesem wirren Gedankengut, dass damals von den Nazis verbreitet wurde. Der Spannungsbogen zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und ständig ist der Leser auf der Hut vor der lauernden Gefahr, die unterschwellig immer spürbar ist und an den Nerven zerrt. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und ihre Handlung mit einem glaubhaften historischen Hintergrund versehen, der dem Leser die Möglichkeit gibt, einen Blick in die verstörende Vergangenheit zu gewähren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren erlebt man die Kriegswirren und Grausamkeiten mit und wird auch ein Teil der Familie von Richard und Paula.


    Die Charaktere sind sowohl lebendig als auch sehr realistisch gestaltet und liebevoll ausgearbeitet worden. Sie wirken sehr authentisch und einige von ihnen möchte man am liebsten persönlich kennenlernen. Richard ist ein sehr sympathischer Charakter, er ist ehrlich und seinen Prinzipien treu. Dafür nimmt er jede Gefahr in Kauf, solange er anderen Menschen helfen und sie retten kann. Paula ist ebenfalls sehr liebenswert, sie versucht, neben ihrer Familie auch andere zu schützen und setzt dafür viel aufs Spiel. Fritz ist ein offener und fröhlicher Mensch, der immer Optimismus versprüht und jede Minute des Lebens auskostet. Dabei ist er ein guter Freund und immer hilfsbereit. Der kleine Georg ist auch ein toller Protagonist. Obwohl gehörlos, wirkt er lebensfroh und lässt das Herz des Lesers höher schlagen, wenn er auf der Bildfläche erscheint.


    „Im Lautlosen“ ist ein sehr berührender und überzeugender Roman mit einer einzigartigen Familiengeschichte vor historischem Hintergrund, der nachdenklich macht und das Herz des Lesers anrührt. Absolute Leseempfehlung für eine fesselnde Handlung, die sehr gut umgesetzt wurde!


    Berührende :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: .

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2017: 245/ 98377 Seiten

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