Amy Hatvany - Das Licht zwischen den Wolken / Somewhere out there

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  • [i]Verlagstext:


    Manchmal nimmt die Welt einem alles. Doch die Liebe einer Mutter überwindet jedes Hindernis.

    Natalie ist fünfunddreißig, als sie erfährt, dass sie eine Schwester hat. Während sie selbst bei liebenden Adoptiveltern aufwuchs, wurde die damals vierjährige Brooke von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht und konnte nie verstehen, warum man sie von ihrer kleinen Schwester getrennt hatte. Doch es gibt eine Frage, auf die keine der beiden je eine Antwort erhalten hat: Warum hat ihre Mutter sie weggegeben? Gemeinsam machen sie sich auf die Suche, ohne zu ahnen, dass die Wahrheit ihr Leben für immer verändern wird.


    Mein Eindruck:

    Mein erstes Buch der Autorin. Mich hat besonders die Thematik in der Geschichte angesprochen und interessiert. Seine Kinder wegzugeben ist oft ja ein letzter Ausweg für eine Mutter, aus welchen Gründen auch immer. Oft ist es wohl so, dass es den Kindern dann wirklich besser geht, es ihnen an nichts fehlt, sie in eine neue Familie adoptiert werden. Doch wie ergeht es Kindern, besonders Geschwister, die nicht zusammen bleiben dürfen, die nicht zusammen in ein neues Umfeld kommen, zusammen Groß werden können? Amy Hatvany hat daraus eine gute Geschichte gedreht, die mich manchmal emotional sehr stark berührt hat, die mich am Ende dann doch etwas Ratlos zurück ließ.


    Die Geschichte oder viel mehr das Drama um Jennifer, Brooke und Natalie wird in abwechselnden Handlungssträngen erzählt. Am Anfang steht immer der Name der Person, welche gerade im Zentrum der Erzählung steht. Jennifer kommt man auf diesen Seiten besonders nahe, da ihr Part in der ich-Form erzählt wird. Dadurch hat man besonders zu ihrer Person eine feste Bindung.


    Jennifer ist eigentlich eine liebende Mutter. Leider hat sie in ihrem Leben einige Entscheidungen getroffen, die für ihr Dilemma eine gewichtige Rolle spielen. Auch ihre eigene Mutter trifft in gewisser Weise eine Schuld. Auf jeden Fall sitzt Jennifer mit ihren beiden Mädels auf der Straße. Es ist nicht immer leicht für Brooke und Natalie essbares aufzutreiben. Manchmal erbettelt sie etwas Geld oder Lebensmittel. Manchmal muss sie aber auch stehlen um die Mädels nicht verhungern zu lassen. Bei einer ihrer “Einkaufstouren” wird Jennifer dann erwischt. Die Mädchen kommen in staatliche Obhut und Jennifer muss ins Gefängnis, da es nicht ihr erstes Delikt ist. Aus Verzweiflung und um ihren Töchtern ein besseres Leben zu ermöglichen, willigt Jennifer schließlich ein und gibt die Beiden zur Adoption frei. Sie war davon überzeugt, dass die Mädchen nicht getrennt werden und zusammen aufwachsen würden. Die junge Frau verzweifelt an dieser Entscheidung schier, möchte am Liebsten sterben. Dieser Teil war schon sehr dramatisch zu lesen und sie tat mir von herzen leid. Dieser Teil der Geschichte spielt in einer Zeit, in der das Jugendamt noch anders agiert hat, als es wohl heute der Fall sein würde. Sicher bin ich mir da natürlich nicht. In jedem Fall fand ich es sehr dramatisch, besonders da Jennifer ihre Kinder nie mehr wieder sehen durfte, weil sie alle Rechte an ihnen abgegeben hat.


    Über Brooke und Natalie erfährt man auch, wie es ihnen ergangen ist. Besonders Brooke hat es schwer getroffen. Sie wurde nicht adoptiert, wurde von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht und musste schließlich im Kinderheim bleiben. Das hat mich echt schockiert. Vor allem, dass da von Seiten des Staates nie versucht wurde, sie wieder mit ihrer Mutter zusammen zu bringen. Ihre Betreuerin wusste, wie das Mädchen an ihrer Mutter hing und wie verzweifelt sie Tag für Tag, Monat für Monat auf die Rückkehr ihrer Mutter gehofft hatte. Das war echt schlimm und zeigt auch, dass auch der Staat nicht immer alles richtig macht. Vielleicht lag es aber wirklich an der Zeit. Doch auch nachdem das Mädchen erwachsen war, hatte es kein Anrecht auf Einblick ihrer Akte. Da blieb alles fest verschlossen. Auch über den Verbleib der Schwester konnte sie nichts in Erfahrung bringen. Dass aus Brooke eine verschlossene Erwachsene wurde, war keine Überraschung. Wird man von einer Familie in die nächste Abgeschoben und bekommt man keinen Rückhalt wenn es mal schwierig wird, ist das wohl ein Charakterzug der zum eigenen Schutz dient.


    Natalie hat es gut getroffen. Sie wurde in eine liebevolle Familie adoptiert. Sie hat aber auch erst als Teenager erfahren, dass ihre Eltern ihre leiblichen Eltern sind. Besonders die Mutter wollte mit allen Mitteln verhindern, dass Natalie davon erfährt. Am Schlimmsten war natürlich dann, dass Natalie zu dieser Zeit aber nicht erfuhr, dass sie noch eine ältere Schwester hat. Die Gründe für dieses Verschweigen liefert die Geschichte natürlich, sie machen mir die Adoptivmutter nicht wirklich sympathisch und ich konnte und kann dieses Vorgehen nicht verstehen. Dient zum Dramaeffekt der Geschichte und hat definitiv gewirkt.


    Eigentlich ist “Das Licht zwischen den Wolken” eine recht runde Sache. Der Schreibstil ist gut, die Charaktere passen zur Geschichte und die Schicksale aller drei Protagonisten gehen einem doch recht nahe. Mit dem Ende kann ich mich leider nicht recht anfreunden. Natürlich ist mir klar, dass es in Familiensachen nicht immer ein Happy End geben kann. Doch Jennifer wirkte auf mich immer als so verzweifelt wenn es um ihre Mädels ging, und mit den Jahren gewachsen an dem Drama. Die Autorin hatte aber ein anderes Ende für die Drei geplant, was natürlich ok ist, andererseits aber wieder Fragen offen ließ.

    Mein Fazit:

    Ein gut geschriebenes Familiendrama das zu Herzen geht, mit einigen Längen in den Erzählsträngen und einem Ende das mir persönlich dann doch nicht so recht zusagen will. Ich verlange kein Happy End, doch dieses Ende lässt dann doch wieder zu viele Fragen offen, vor allem wirft es auf Jennifer an sich ein schlechtes Licht und als grundschlechte Person oder unfähige Mutter hätte ich sie so nie in der Geschichte gesehen, dass die Autorin ein solches Ende wählen musste.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Inhalt:
    Natalie wuchs als Einzelkind bei Adoptiveltern auf. Sie hätte gerne einen Bruder oder eine Schwester gehabt, doch dieser Wunsch ging nie in Erfüllung. Dann erfährt sie dass sie eine Schwester hat.
    Brooke, vier Jahre älter. Diese hatte nicht das Glück adoptiert zu werden und hat eine harte Kindheit hinter sich. Nun würde Natalie jedoch auch gerne erfahren warum ihre leibliche Mutter sie weg gegeben hat und macht sich auf die Suche ohne zu ahnen was sie damit auslöst.


    Meine Meinung:
    Das Licht zwischen den Wolken machte mich auf Grund des Titels aber auch der Geschichte der Schwestern neugierig. Am Ende war ich fast vollkommen zufrieden.


    Es ist erschreckend wie das Schicksal von Natalie und auch Brooke seinen Lauf nahm. Etwas irritiert war ich das auch die Sicht von Jennifer, die Mutter, so gut beleuchtet wurde, aber es war genau der richtige Weg um Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen. So liest man die Chronologie der Ereignisse, die aber nur zum Teil der Reihenfolge nach erzählt wird. Hin und wieder musste ich mich zurecht finden ob die Mädchen nun in der Gegenwart oder in der Vergangenheit sind, aber das war wirklich nur sehr selten der Fall. Meistens konnte man es sehr gut unterscheiden.
    Als Leser begleitet man Jennifer, Natalie und Brooke im Wechsel.
    Bei Jennifer wurde angefangen als Mutter erzählt sie von ihrem Leben mit ihren Mädchen und auch die Beweggründe sie wegzugeben. Sehr außergewöhnlich und auch nicht immer leicht zu ertragen, doch Nahe an der Realität. Außerdem wird ihr Lebensweg in der richtigen Reihenfolge erzählt.
    Anders bei Brooke und Natalie. Sie lernt man als Erwachsene in der Gegenwart kennen, sie erzählen über ihre Vergangenheit durch ihre Erinnerungen. Das Leben der Beiden konnte unterschiedlicher nicht sein.
    Während Natalie adoptiert wurde und in behütenden Verhältnissen groß wurde, musste Brooke eine Pflegefamilie nach der anderen hinter sich lassen, die Zeit dazwischen verbrachte sie in einem staatlichen Heim. Ein schlimmes Schicksal, wenn man es so liest und man möchte hoffen das es nur Fiktion ist, doch ich befürchte es geht vielen Kinder so wie Brooke. Man kann gut verstehen warum sie so verkorkst ist. Wobei manche gewiss noch schlimmer dran sind.


    Am Ende läuft alles auf das Warum hinaus und ob es eine Familienzusammenführung geben kann und wird. Hier und da gab es Sachen die etwas unrealistisch waren, das hatte aber weniger mit der eigentlichen Geschichte zu tun und ist für mich deswegen nicht so wichtig, doch es ist mir aufgefallen weil es unrealistisch ist und das in einem Buch das sehr Realitätsnah geschrieben ist.


    Amy Hatvany hat hier eine schöne und rührende Familiengeschichte erzählt auf die es am Ende ankommt. Es war eine interessante und fesselnde Lektüre bei der die 512 Seiten kaum auffielen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Natalie




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