Mariana Leky - Was man von hier aus sehen kann

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Was man von hier aus sehen kann

4.4|36)

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783832198398

Termin: Mai 2018

  • Das Buch hat den Preis "Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhändler" bekommen. Nachzulesen z.B. hier und hier. Dass die Autorin während der Frankfurter Buchmesse auf dem Blauen Sofa interviewt wurde, habe ich auch von meiner Buchhändlerin erfahren, die im Publikum saß.


    Warum das Buch so erfolgreich ist, darüber kann man nur spekulieren: Vielleicht, weil die Zeit einfach reif ist für ein Buch mit einer positiven Grundstimmung, mit liebenswerten Figuren, die einander zugetan sind, mit Problemen, deren Alltäglichkeit keinem Leser fremd ist. Im Interview spricht die Autorin von der Geborgenheit, die Menschen einander geben, ein Thema, das schon in "Erste Hilfe" im Mittelpunkt steht.


    Auch mich hat das Buch bezaubert. Nicht unerwartet, weil ich die Schreibe der Autorin kannte. Lekys Bücher sind gegenwärtig der beste Beweis, dass eine Erzählung weniger von einer Handlung als von Personen getragen wird.


    Dass jemand stirbt, wenn Selma von einem Okapi träumt, ist klar. Ich betrachtete mir alle Figuren, die in Frage kommen könnten

    und war schockiert.


    Das Buch empfehle ich ganz laut. Auch wenn es schon ein Bestseller ist :thumleft::applause::thumleft:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • In unserer Zeitung wurde es auch vorletzte Woche besprochen und die Kritikerin schrieb in etwa "Wenn man es zu Ende gelesen hat möchte man am liebsten gleich wieder von vorne anfangen". So in etwa ging es mir und es ist seit langem das erste Buch, das ich nicht abgeben sondern ins Regal stellen werde. :applause:

  • Ich muss zugeben dass ich von der beschriebenen Handlung auf dem Buchrücken zunächst nicht so wirklich begeistert war. Eigentlich habe ich das Buch auch nur deswegen ausgeliehen weil es hier im BT in letzter Zeit so oft erwähnt wurde dass ich mir dachte ich könnte es ja doch einmal lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn ich ein wenig hin und her überlegen musste wieviele Sterne ich nun genau vergebe. Am Ende sinds aber doch 5 geworden. :)
    Die Charaktere sind einfach alle so speziell und liebevoll beschrieben, das gefiel mir besonders. Die Sprache ist ein wenig gewöhnungsbedürftig am Anfang, aber man gewöhnt sich daran und irgendwie passt es ja auch zu diesem Dorf das irgendwie ein wenig verzaubert wirkt.


    Beim Ende allerdings bin ich mir nicht sicher ob es wirklich positiv ist.


    Fazit: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir das Buch aufgrund des Klappentextes nicht gekauft hätte. Es hat mich da überhaupt nicht angesprochen. Nun habe ich es geliehen bekommen und der Buchbesitzer übergab es mir mit den Worten: "Ausprobieren und einlassen!"

    Nach den ersten Seiten war ich noch nicht so wirklich angetan. Der Schreibstil wirkte auf mich irgendwie unförmig. Mal abgehackt, mal übertrieben schnell und manchmal kam es bei mir konfus an.

    Und dann kam für mich die entscheidende Stelle schlechthin: Selma, der Optiker, Luise und Martin liegen vor dem Radio und der Optiker übersetzt Lieder aus dem Radio für die Kinder aus dem Englischens ins Deutsche. Das hat mich an eine Situation aus meiner Kindheit erinnert, als ich mit meinem Papa seine umfangreiche Kassettensammlung durchgehört haben. Und spätestens da hatte mich die Autorin dann gepackt. Diese kleine und für viele bestimmt unscheinbare Szene im Buch hat mir ein unheimlich warmes Gefühl gegeben - wie eine Decke oder ein paar warme Wollsocken. (By the way - hat vielleicht noch jemand versucht die übersetzten Titel zu erraten? Ich hab mich gekringelt dabei! :loool:)


    Mir hat gefallen wie alle Figuren miteinander in Beziehung stehen. Wie sie miteinander umgehen, miteinander reden. Ihre Eigenarten und Spleens - es ist für mich schlicht das Leben zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Zweifel ob der eigenen Ehe, unerfüllte Liebe, der Tod von nahen Angehörigen, neue Liebe, Krankheit, Tod. Alles, was das Leben ausmacht. Geschrieben in einer ganz charmanten Art, nicht nur mit Liebe sondern auch mit der richtigen Portion Humor.

    Auch von mir gibt es dafür :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:.

  • So, jetzt möchte ich auch noch kurz meinen Senf abgeben zu diesem wundervollen Buch. Über den Inhalt wurde genügend erzählt, aber hier noch ein paar kurze Informationen zur Autorin:

    Zitat von Amazon

    Mariana Leky wurde 1973 in Köln geboren und lebt heute in Berlin. Sie studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Im DuMont Buchverlag erschienen der Erzählungsband ›Liebesperlen‹ (DuMont Taschenbuch 2010) sowie die Romane ›Erste Hilfe‹ (2004) und ›Die Herrenausstatterin‹ (2010). Zuletzt erschien ›Bis der Arzt kommt. Geschichten aus der Sprechstunde‹ (DuMont Taschenbuch 2013).

    Mit ihren ersten Erzählungen gewann sie den Allegra Preis 2000. Für den 2001 bei DuMont erschienenen Erzählband ›Liebesperlen‹ wurde sie mit dem Niedersächsischen Literaturförderpreis und dem Stipendium des Landes Bayern ausgezeichnet. 2005 wurde sie für ihren Roman ›Erste Hilfe‹ mit dem Förderpreis für junge Künstler in der Sparte Dichtung/Schriftstellerei des Landes NRW ausgezeichnet.


    Eigentlich findet sich alles, was ich sagen könnte, schon in den Rezensionen all meiner Vorgänger, und ich könnte einfach nur schreiben "wundervolles Buch". Das reicht mir aber nicht. Deshalb habe ich mir ein paar Zitate aus deren Rezensionen rausgepickt um so meine Meinung zu sagen. :wink:

    Auf jeder Seite habe ich aufs neue gestaunt über die so ungewöhnliche Sprache der Autorin - wo nimmt sie nur all diese Bilder her, die noch niemand benutzt hat, diese Gedanken, diese Stimmung?

    Das habe ich mich beim Lesen auch immer wieder gefragt. Und gestaunt darüber, dass die Autorin es trotzdem schafft, die Geschichten dadurch nicht zu erschlagen. Ein Zuviel an Irgendetwas kann eine Erzählung ja auch absolut töten, aber hier nicht - hier sind es diese vielen bidlhaften Vergleiche, die einfach total Spaß machen beim Lesen. Auch ich hab oft genug laut gelacht oder still vor mich hin gegrinst :loool:


    Die Handlung des Romans ist schwer in Worte zu fassen. Es geht um Liebe, um Tod, um Familie, um das Leben. Doch Mariana Leky behandelt diese großen Themen auf eine ganz leise, unaufgeregte Art, völlig natürlich.

    Es gibt ja keine stringente Handlung - es sind Augenblicke, kurze Phasen aus drei Lebensabschnitten der Erzählerin. Und irgendwie kann man sowas kaum nacherzählen ohne zu viel zu verraten. Und packen kann man es auch nicht wirklich. Aber ich hab für mich gelernt, dass das für mich und meinen Lesegeschmack häufig ein Pluspunkt darstellt. Ich mag das einfach, auch wenn es eine Rezension oft erschwert. :)

    Dieses Buch ist wie eine Wundertüte, voller geheimnisvoller Dinge und Überraschungen, mit denen niemand rechnet. Denn eigentlich erzählt es die Geschichten der Menschen eines kleinen Dorfes im Westerwald, das von außen betrachtet wohl eher öde und langweilig wirkt. Doch die Menschen und deren Leben sind alles andere als öde und langweilig.

    Auf den Punkt gebracht mit der Wundertüte :applause:


    Nun könnte man meinen, was gibt es da schon groß zu berichten, aus einem kleinen Dorf im Westerwald, was vermutlich auch Luises Vater so sieht (sein Lieblingssatz: "Ihr müsst dringend mal ein bisschen mehr Welt hereinlassen."), denn er verschwindet eines Tages um zu reisen. Doch hier gibt es Alles, was es auch in der großen weiten Welt gibt: es wird gelebt, geliebt und gestorben, Glück und Drama, Freude und Leid.

    Was ja eigentlich völlig normal ist; nur denkt man nie drüber nach, dass ein kleines Dorf dasselbe Paket Leben umfasst wie eine Großstadt. Nur dass es oft sogar dichter ist, da sich in einem Dorf immer alle kennen - ob das nun gut oder nicht so gut ist.


    Das Cover und auch den Titel fand ich zunächst nicht unbedingt ansprechend. Vielleicht auch deshalb, weil ich mir wenig darunter vorstellen konnte. Jetzt kann ich sagen, dass dieses Buch auch schwer zu beschreiben ist, lesen oder hören lohnt sich aber unbedingt!

    Ohne die Begeisterung hier im BT hätte ich das Buch vermutlich auch nicht angerührt. Und wir beide hätten echt was verpasst, nicht wahr? :lol:


    Aber die Geschichte hat meiner Meinung nach kaum eine Handlung. Es passiert zwar etwas, das schon... aber zum Teil einfach nur ohne jeden Zusammenhang.

    Ist ja auch klar bei diesen Zeitsprüngen. Aber wie ich oben schon schrieb: ich mag das. Du leider nicht, weshalb Dir das Buch halt nicht so gut gefiel. Aber so sind wir Gott sei Dank nunmal, jeder mag was anderes. Das ist aber auch gut so, denn sonst wär es echt langweilig. :wink:


    Faszinierend fand ich auch den Kartoffelbrei der die unentschlossene Farbe von Marlies Unterhose hat.

    Da war mir mein Kopfkino doch ein wenig zuviel :-#


    Die Großmutter Selma ist für Luise der Dreh- und Angelpunkt das ganze Leben lang. Sie ist eine Erscheinung, die man sich sofort vorstellen kann, da sie Rudi Carrell ähnlich sehen soll. Selma philosophiert, reflektiert, hat scheinbar alles im Griff. Für mich stellt sie den Mittelpunkt im Roman dar.

    Bin ganz deiner Meinung - auch wenn Luise die Erzählerin ist, so ist Selma der Mittelpunkt aller Geschichten. Um sie dreht sich alles in der kleinen Welt des Dorfes, sie ist auch der Angelpunkt des Dorfes.


    Beim Ende allerdings bin ich mir nicht sicher ob es wirklich positiv ist.

    Diesen Gedankengang wie Du ihn im Spoiler beschreibst, hatte ich nun wieder gar nicht. Er ist nicht unschlüssig und durchaus möglich, aber gefühlt für mich nicht. Für mich geht Luise um wiederzukommen, zurückzukommen zu Frederik. :-k


    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir das Buch aufgrund des Klappentextes nicht gekauft hätte. Es hat mich da überhaupt nicht angesprochen. Nun habe ich es geliehen bekommen und der Buchbesitzer übergab es mir mit den Worten: "Ausprobieren und einlassen!"

    Der Buchbesitzer hat es gut gemacht - anders kann man dieses Buch nicht weitergeben. Ein Versuch zu beschreiben kann doch nur irgendwie schief gehen.:wink:


    Und dann kam für mich die entscheidende Stelle schlechthin: Selma, der Optiker, Luise und Martin liegen vor dem Radio und der Optiker übersetzt Lieder aus dem Radio für die Kinder aus dem Englischens ins Deutsche. Das hat mich an eine Situation aus meiner Kindheit erinnert, als ich mit meinem Papa seine umfangreiche Kassettensammlung durchgehört haben. Und spätestens da hatte mich die Autorin dann gepackt. Diese kleine und für viele bestimmt unscheinbare Szene im Buch hat mir ein unheimlich warmes Gefühl gegeben - wie eine Decke oder ein paar warme Wollsocken. (By the way - hat vielleicht noch jemand versucht die übersetzten Titel zu erraten? Ich hab mich gekringelt dabei! :loool: )

    Klar hab ich versucht, die Titel zu erraten :loool: Und ja: ich lag als Kind auch da und hab versucht, mir die Titel zu übersetzen. Das Ergebnis? naja, mal mehr, mal weniger korrekt :totlach: Aber eine wunderbare Szene im Buch, die auch schön die Beziehung zwischen den Vieren einfängt.


    Jetzt hab ich versucht, ein wenig meine Eindrücke einzufangen, aber ich kann es auch nur wie der Buchbesitzer weiter oben sagen: Anfangen und darauf einlassen - es ist ein wunderschönes Buch, dass sich irgendwie doch jeder näheren Beschreibung entzieht. Eine Wundertüte eben. :D

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Stephan Thome - Gott der Barbaren
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)