John Niven - Straight White Male

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  • Autor - Titel:
    John Niven - Straight White Male


    Verlag: Heyne
    Bindung: E-Book
    Seiten: 305 (Angabe meines Readers)


    Inhalt:
    Kennedy Marr ist ein Autor der alten Schule. Irisch, zynisch bis zum Anschlag, ein Borderline-Alkoholiker und Sex-Süchtiger. Sein Mantra lautet: hart trinken, gut essen und jede Frau flachlegen, die bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mittlerweile als Drehbuchautor in L. A. ansässig, flucht er sich durch die kalifornische Literatur- und Filmszene. Doch sein verschwenderischer Lebensstil bringt ihn an den Rand des Bankrotts, bis sich unverhofft eine Lösung anbietet. In England wird er für einen hoch dotierten Literaturpreis vorgeschlagen. Um an das Geld zu kommen, gilt es allerdings, mehrere konfliktbeladene Auflagen zu erfüllen.
    (Q Amazon)


    Meinung:
    Kennedy Marr ist ein Charackter, den ich wohl so schnell nicht wieder vergessen werde. Er ist auf der einen Seite wahnsinnig unsympathisch, aber auf der anderen wohl genau der Typ Mensch der so mancher gern sein würde, zumindest was die männlichen Leser angeht. Er hat Geld, jede Menge junge Damen in seinem Leben, kann es sich leisten ein ziemliches Ekel zu sein und darf dennoch bei den Großen mitspielen. Kennedy Marr ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er hat jede Menge Erfolge mit seinen Büchern gefeiert und gehört in der Filmindustrie zu den erfolgreichsten seiner Kunst. Leider gehört zu diesem Job auch, dass er sich immer wieder mit selbstüberschätzenden Regisseuren und verwöhnten Schauspielern rumärgern muss. Hinzu kommen jede Menge gesellschaftliche Verpflichtungen, die gar nicht Kennedys Ding sind. Er ist lieber für sich allein, oder wenn schon in Gesellschaft, dann doch bitte mit der einen oder anderen Flasche Alkohol und einer oder gern auch mehreren Damen.
    Hier sind wir auch bei den Problemen, welche Kennedy hat. Seine größten Schwächen sind der Fusel und die Frauenwelt, und hiermit hat er wirklich mehr als nur ein mittelschweres Problem. Er ertränkt sich geradezu in den beiden Dingen.
    Kennedy weiß ziemlich genau warum er das tut und der Leser darf hier in die Gedankenwelt des Protagonisten eintauchen. Man könnte meinen, dass es reichlich gefühlsduselig wird, aber der Autor hat hier gute Arbeit geleistet und zeigt die eigentlichen Probleme Kennedys auf eine angenehme Art und Weise auf.
    Immer wieder erinnert sich Kennedy an vergangene Ereignisse und man bekommt als Leser einen tiefen Einblick. Man erkennt den eigentlich gebrochenen Mann. Ich glaube allerdings nicht, dass dieses Thema von jedem männlichen Leser gut aufgefasst wird. Ich denke man braucht schon etwas Alter, um den Gedankengängen Kennedys zu folgen und sie anzunehmen.


    Kennedy ist zu Beginn der Geschichte ein Charakter der extrem unsympathisch rüberkommt, doch nach und nach dem Leser sehr ans Herz wächst. Man kann sich als Leser sehr gut in ihn hineinversetzen. Er ist die Person die man auch gerne wäre, wenn auch ohne die vielen Probleme, welche er mit sich herumträgt. Eines der Probleme Kennedys wird allerdings erst zum Ende hin ersichtlich und nimmt auf den letzten Seiten des Buches etwas merkwürdige Formen an. An dieser Stelle dachte ich wirklich Niven übertreibt es gleich mit den Gefühlen und schießt über das Ziel hinaus. Doch gerade als man denkt, dass der Autor den Bogen nun doch noch überspannt, bekommt dieser die Kurve und "löst" das Problem auf eine sehr unterhaltsame Weise. Hätte Niven es so enden lassen, wie es sich auf den letzten Seiten androht, wäre ich doch etwas enttäuscht gewesen. Überhaupt schafft Niven die Balance zwischen Unterhaltung und Tragik im gesamten Buch sehr gut. Ich würde nur bemängeln, dass sich die Tragik im Verlauf des Lesens ab und an etwas eintönig anfühlt.


    Niven hat hier eine Geschichte mit einer Spur Tragik und jeder Menge Humor geschaffen. Es macht verdammt viel Spaß Kennedy Marr zu erleben und kennenzulernen. Der Autor schreibt nicht nur eine Geschichte um seine Figur, er nimmt auch das ganze Geschäft um das Schriftstellerleben auf die Schippe.
    Kennedy Marr ist der perfekte Charakter, um in solch einer Satire die Hauptrolle zu spielen.


    Fazit:
    Ich habe mich köstlich amüsiert. Das Buch ist unterhaltsam und witzig, dennoch regt es zum Nachdenken an und kommt mit jeder Menge literarischer Zitate daher.
    Durch den ausschweifenden Lebensstill und die damit verbundenen Probleme Marrs würde ich die Zielgruppe dieses Werks in männlichen Lesern im fortgeschrittenen Alter sehen. Ich denke, dass gerade diese sich gut in Kennedy Marr hineinversetzen können, auch wenn sie keine erfolgreichen Schriftsteller mit ständig wechselnden Bettgeschichten sind.
    Mir hat es jedenfalls verdammt viel Spaß gemacht und ein weiterer Niven kommt sicherlich in mein Regal.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Lebenskunst besteht zu neunzig Prozent aus der Fähigkeit, mit Menschen auszukommen, die man nicht leiden kann.
    Samuel Goldwyn


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