Hanya Yanigihara - Ein wenig Leben

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Ein wenig Leben

3.9|35)

Verlag: Piper Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 960

ISBN: 9783492308700

Termin: September 2018

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  • Autorin: Hanya Yanigihara
    Titel: Ein wenig Leben
    Seiten: 959
    ISBN:978-3-446-25471-8
    Verlag: Hanser Berlin


    Autorin:
    Hanya Yanagihara wurde 1974 geboren und ist eine amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Als Redakteurin arbeitet sie beim Stilmagazin T der New York Times. Mit ihrem Roman "Ein wenig Leben" gewann sie den Kirkus Prize und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize, des National Book Award und des Baileys Prize. Eine Verfilmung des Romans als TV-Serie ist in Vorbereitung.


    Handlung:
    Sie werden über dieses Buch sprechen wollen: "Ein wenig Leben" ist ein unvergleichlich mutiger Roman über Freundschaft als wahre Liebe. "Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. (Verlagstext)


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    Ich werde hier meine Leseeindrücke schreiben und hoffe, mit euch, die diesen urbanen Großstadtroman schon gelesen haben, darüber diskutieren zu können. Mache ich sonst nicht aber dieses Buch scheint ja diskussionswürdig zu sein und viele Emotionen auszulösen. Ich habe schon gehört, dass es diejenigen gibt, die den Roman lieben und davon berührt sind, so dass die Literatur, die unmittelbar danach gelesen wird, belanglos erscheint. Viele sind erschüttert und denken danach über ihr Leben, über bisherige Beziehungen und Freundschaften nach. Dann soll es diejenigen geben, die diese Geschichte für übertrieben und absurd halten. Ein Roman, der spaltet. Den man entweder liebt oder hasst. Ich bin gespannt, zu welcher Gruppe ich zählen werde.


    Meine Erfahrungen mit amerikanischer Literatur beschränken sich auf Jonathan Safran Foer, den ich von den ersten Eindrücken her als ähnlich einordne und auf Frank McCourt, wobei der eher irisch-amerikanisch ist. Ansonsten habe ich noch T.C. Boyle hier liegen und weiter fallen mir jetzt keine amerikanischen Schriftsteller ein, die ich kenne, die ich auf etwa den gleichen Niveau verorte.


    Ich versuche den Roman mir in Leseabschnitte von 50-100 Seiten pro Tag einzuteilen. Bei mir schwankt das ja sehr. Leserundenteilnehmer, die mich kennen, wissen das. Nach den Abschnitten werde ich jeweils kurz meine Eindrücke schildern.


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    Abschnitt 1: bis Seite 50


    Auf den ersten Seiten werden die vier Hauptprotagonisten vorgestellt. Allesamt leute des gehobenen New Yorker Bürgertums, deren Leben umeinander kreisen und trotz ihrer Nähe spürt man als Leser das Geheimnisvolle, was vor allem Jude umgibt. Er steht im Zentrum der Geschichte, was klar wird, wobei nichts aus seiner Sichtweise heraus erzählt wird. Abwechselnd wird der Alltag der Freunde aus JBs, Malcolms und Willems Sicht erzählt. JB ist Sohn einer haitianischen Einwanderfamilie. Den Vater kennt er nicht, der starb früh, die Mutter ist Lehrerin und wird aufgrund ihrer innovativen Methoden schnell angesehen und geehrt. Er selbst versucht sich als Künstler, hat aber bis jetzt kaum Erfolg. er versucht sich sogar als Rezeptionist einer kleinen einflussreichen Kunstzeitung, um über einen Kontakt zu einem Redakteur zum ersehnten Erfolg zu kommen. Bisher wenig erfolgreich. Jude dagegen hat es besser getroffen. Er arbeitet im Justizwesen, ist doch erfolgreich, doch umgibt ihn ein Geheimnis.


    Näher wird erst einmal nicht darauf eingegangen und die Spannung schon einmal angesetzt. Was ist das nun, dieses geheimnis? Worin besteht es? Sicher bin ich nur, dass es etwas Schlimmes sein muss. Mehr weiß ich auch aus anderen Rezensionen bewusst nicht. Willem, sein bester Freund beschreibt jedoch eine von Judes Schmerzattaken sehr intensiv und eindrücklich, dass es einem als Leser schon jetzt unter die Haut geht. Willem scheint Jude am nächsten zu stehen, wobei alle drei Freunde Jude respekt- und liebevoll begegnen. Malcom macht irgendetwas im Finanzwesen und hat Eltern, die ihn wenig beachten. Selbst jetzt, obwohl er eine Wohnung in deren Haus benutzt. Seine Schwester wird von dem Vater mehr geliebt, selbst Jude ist angesehener als Malcom in dessen Familie.


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    Mehr als die Vorstellung der Figuren und einen Einblick, vor allem in JBs Künstlerleben, passiert erst einmal nicht. Trotzdem habe ich vom Stil her das Gefühl, einen großartig geschriebenen Roman vorliegen zu haben. Hier ist wieder die Sache mit dem Stil. Eine schöne Sprache nützt nichts, wenn die Geschichte nicht packt. Ich habe das Gefühl, nur langsam einzutauchen und mit den Figuren warm zu werden. Gut, der Roman ist entsprechend umfangreich also kann das auch gut sein. Ich schätze aber. dass ich noch ca. 150 Seiten zu kämpfen habe und dann wirklich im Fluss der Geschichte bin. Ist bei mir bei solchen großen Geschichten meist der Fall. Von der Dimension her kann es aber Yanigihara durchaus mit Safran Foer aufnehmen, finde ich.


    Das merkt man schon auf den ersten Seiten. Ich merke aber auch, wie mein Lesetempo langsamer ist als sonst üblich. Was mich einerseits ärgert, andererseits vielleicht auch ein gewollter Effekt ist von der Autorin. Wenn die Geschichte noch viel Stoff zum Nachdenken geben wird, dann wird es notwendig sein, das Lesetempo langsam zu halten. Den ersten Gedanken könnte man ja schon über den Sinn eines Künstlerlebens ohne Erfolg führen oder über die Beständigkeit von Freundschaften in sich ständig wandelnden und gestressten Metropolen. Auch über das Merkmal der Geschichte, dass im Grunde die Figuren auf dem selben gesellschaftlichen Level sind, lässt sich diskutieren. Wir sehen hier das gehobene amerikanische Bürgertum. Keine Extreme nach Oben und Unten, nichts durchlässiges. Amerikanischer Traum existiert nicht. Realität, über die Undurchlässigkeit der Schichten. Eben JB, der versucht, in Künstlerkreise aufzusteigen aber so seine Probleme hat.


    Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Sorry, für die unsteten Gedanken. Muss mir vielleicht eine Parallellektüre suchen, um den Kopf zwischendurch freizubekommen aber da bin ich mir unschlüssig.
    Morgen geht's auf jeden Fall weiter mit Yanigihara.

  • Abschnitt 2: Seite 50-100

    Ich glaube langsam, dass es mir gelingen wird, die Abschnitte auch einmal so einzuhalten. Nicht, wie bei den Leserunden, in denen ich anderen davonrenne. Hier muss ich mich, im Gegenteil, darauf konzentrieren, auch wirklich die fünfzig Seiten zu lesen und nicht nach zwanzig irgendwie aufzuhören, nur weil das handlungstechnisch ein logischer Abschnitt wäre, der erst einmal zu verdauen ist. Heute widerum habe ich es geschafft. Nochmal, die Leseabschnitte teile ich mir so ein, rein von der Logik her hätten diese andere Seitenzahlen, wären kürzer oder länger. Je nach Handlung.


    Hier geht es zuerst um Willem und dessen Arbeit als Hilfslehrer in einer integrativen Schule. Dieser abschnitt ist sehr berührend und hat mich emotional an der richtigen Stelle gepackt. Was musste ich schlucken. Auch die Geschichte über seinen behinderten Bruder, und wie dessen Eltern mit ihrem Schicksal umgegangen sind, hat mich geschüttelt. So kalte emotionslose Eltern wünscht man wirklich niemanden, wobei es dafür eine Erklärung gibt, die Willem aber erst später im leben gefunden hat. Diese Geschichte erfährt man quasi in der Rückschau. Noch mehr zu schreiben, würde bedeuten, zu spoilern. Will ich hier aber nicht.


    Es geht weiter mit der Beschreibung von Malcoms Arbeit, der in einem erfolgreichen großem Architektur-Büro arbeitet, dessen Senior-Chef nicht in den Ruhestand treten will. Den Senior-Chef fürchten offenbar alle, weil er für seinen Charakter wohl sehr streng zu sein scheint aber auch, weil ihre Arbeiten scheinbar nicht genügen. Das lässt einem nachdenken über den eigenen Beruf. Irgendwie. Bin ich glücklich, mit dem, was ich mache? Mit meiner arbeit an sich? Mit der firma, für die ich arbeite? Warum, ja? Warum, nicht? Ich kann zumindest diese Fragen, zum Gück, für mich positiv beantworten.


    Schließlich gilt es wieder um die doch recht intensive Freundschaftsbeziheung zwischen Jude und Willem, die doch enger zu sein scheint als die zu den anderen. Und ritzt Jude sich etwas? Was muss dieser Mennsch für Gedanken, ja, erlebt haben, um sich so etwas anzutun?

  • Ich lese den Roman zur Zeit auch und bin momentan bei 57 % . Mitten im Kapitel musste ich das Lesen unterbrechen, da mich der Inhalt derart aufgewühlt hat, dass ich es keine Sekunde länger ertragen hätte, weiter zu lesen. Der Roman ist sehr, sehr gut geschrieben und hat viel Aussage, aber es gibt Stellen, die ich kaum ertragen habe, und ich fürchte, dass die zweite Hälfte des Buches noch sehr viel schlimmer werden wird. Wie soll ich das aushalten? Ich weiß es nicht. Augenblicklich habe ich direkt Angst, weiter zu lesen, obwohl ich es zu Ende lesen will. So viel ist schon passiert, und dabei habe ich die erste Hälfte des Buches erst knapp hinter mir. Die Sprache ist wunderschön, und es ist zugleich schön und schmerzhaft zu erleben, wie sich die Freundschaft zwischen den vier Männern weiter entwickelt und verändert. Das Buch hat meine Emotionen angesprochen und aufgewühlt wie schon lange keines mehr, und es gibt Stellen, da habe ich nur noch Tränen in den Augen gehabt. In dieser Intensität ist mir das während des Lesens schon lange nicht mehr passiert. Momentan bereitet mir das Buch Bauchschmerzen. Das, was Jude erlebt, ist nichts, wonach ich einfach so zum Tagesgeschäft übergehen kann, zu sehr arbeitet es in mir.

    Ich lese gerade:

    "Stadt azs Wind und Knochen" von Fran Wilde

  • Momentan bin ich bei 76 % . Zum Glück gab es zwischendurch eine "glückliche" - weil mit ganz eigenen Problemen belastete - Phase für Jude, bevor es dann richtig schlimm wurde, sonst hätte ich wirklich nicht weiterlesen können. Aber eine Nacht über das schlafen zu können, was da vor einem ausgebreitet wurde, habe ich gebraucht. Um Kraft zu sammeln für das, was da noch kommt. Ich werde wieder eine Nacht Abstand dazwischen schieben, bevor ich mich dem letzten Viertel widme.


    Der Stil, die Wortwahl, ist so beschaffen, dass ich einfach immer weiter lesen will, aber das, was sie transportiert, ist so grausam, dass doch zwischendurch Pausen nötig sind - jedenfalls für mich.


    Die Freundschaften zwischen den Männern mit all ihren Verwerfungen und Brüchen und verheilten Wunden sind so realistisch, so wunderbar. Ich liebe jeden Einzelnen von ihnen, wie sie sich dem Leben stellen, Verletzungen erleiden, weitermachen, Höhenflüge erleben und trotz Berühmtheit so menschlcih bleiben, mit all ihren Fehlern und Schwächen und all den Missverständnissen und dem Unausgesprochenen, das es zwischen ihnen gibt. Wie sie dann lernen, sich zu öffnen, und sogar Jude über seine Vergangenheit zu reden lernt. Dass er es nach so vielen Jahrzehnten schafft, wenn auch nur bruchstückhaft, hat mich sehr berührt, denn ich kann nachfühlen, wie er empfindet und warum er so empfindet, wie er empfindet. Hanya Yanagihara macht es mir als Leserin verständlich.

    Ich lese gerade:

    "Stadt azs Wind und Knochen" von Fran Wilde

  • Ich hänge mich mal hier an und erzähle über mein Empfinden bei "Ein wenig Leben".


    Hanya Yanagiharas “Ein wenig Leben” ist seit seinem Erscheinen in aller Munde. Gerade bei so gehypten Büchern bin ich immer etwas zurückhaltend und skeptisch. So zog auch der dicke Wälzer nicht direkt nach Erscheinen als Hardcover bei mir ein, sondern erst später als Taschenbuch. Nun ja Taschenbuch ist etwas untertrieben bei dem Format. 960 Seiten und eindeutig Broschur bei der Größe.


    Die Skepsis blieb noch auf den ersten Seiten. Ist es wirklich das richtige Buch für mich. Denn gerade JB störte mich gewaltig mit seiner exzentrischen Art. Was JB an Ego zu viel hat, hat Malcolm zu wenig. Dann sind da noch das Landei Willem, der Schauspieler sein möchte und der introvertierte Jude. Willem mit seiner Geschichte hat mich eingenommen, eine sympathische und empathische Figur. Auch Jude mag ich, auch wenn er schwer zugänglich ist, aber der Gute hat eindeutig Probleme, schwerwiegende Probleme. Irgendwas ist in seiner Vergangenheit passiert und ich hoffe, dass Yanagihara es auf den nächsten 830 Seiten noch auflöst.


    Gerade muss ich schmunzeln, denn wie auch John Boyne in “Cyril Avery”, erzählt Yanagihara hier ein ganzes Leben der vier Freunde.


    Der erste von sechs Teilen hat mir schon mal gut gefallen und ich hab schon einen kleinen Einblick in die Psyche und Lebensweise der vier bekommen und bin schon gespannt wie es mit JB, Malcolm, Willem und vor allem mit Jude weiter geht. Und vor allem, ob JB sich etwas mehr zurücknimmt. Denn er ist auf eine andere Weise anstrengend als Jude. Aber auch sehr reizvoll ist. Denn er ist ein Charakter an dem man sich abarbeiten kann.


    Die vier sind einfach sehr unterschiedlich. JB ist exzentrisch und ichbezogen. Willem hingegen empathisch und ein Kümmerer. Malcolm sucht noch seinen Platz, im Job wie im Privaten. Zurückhaltend, aber auch jemand der sich um seine Freunde sorgt, da er der einzige ist, der genügend Geld verdient und auch hat. Dann ist da noch Jude, introvertiert, ruhig und eindeutig mit psychischen und physischen Problemen behaftet. Vom Gefühl her dreht sich alles um ihn. Er ist für mich der Mittelpunkt der Handlung und die anderen kreisen wie Planeten um die Sonne.


    So genug erzählt nun begebe ich mal wieder zu den vier Freunden nach New York.

    Liebe Grüße von der buechereule :winken:

    Im Lesesessel

    Kein Schiff trägt uns besser in ferne Länder als ein Buch!
    (Emily Dickinson)


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