Michal Viewegh - Engel des letzten Tages / Andéle vsedního dne

  • Jophaniel, Hachamel, Nith Haia und die junge Auszubildende Ilmuth – diese vier Engel auf den Brücken von Prag haben eine wichtige Mission: Sie sollen Menschen, die in Kürze sterben werden, eine letzte Freude machen. Diese himmlischen Wesen tragen keine Flügel, neigen zum Zynismus und sind doch fest davon überzeugt, dass jedes Promille menschlichen Glücks schon ein großer Erfolg ist....(Klappentext)


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    Auf nur 126 Seiten eröffnet sich dem Leser ein unglaublich tiefsinniger, trauriger, aber auch witziger Roman über das Leben und den Tod. Vor allem über das Leben, dass erst durch den Tod an Bedeutung gewinnt und welches wir an uns oft nur so vorüberziehen lassen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Ein Buch, welches uns lehrt auch die kleinen Dinge zu schätzen und nichts als selbstverständlich hinzunehmen. Ein Buch das nachallt und zum Nachdenken anregt.
    Dies alles schafft der Autor indem er vier Engel nach Prag reisen lässt, um zwei Menschen vor ihrem Tod noch einmal glücklich zu machen.


    Hachamel - der Chef dieser Truppe; nimmt die Todesfälle manchmal viel zu persönlich und verträgt angeblich den Klimawechsel nicht immer gut. Er ist der Älteste und Ruhigste unter ihnen.


    Nith-Haiah - der Zweitälteste; hat eine Schwäche für Fernsehserien und liebt es daher Menschen mit Berühmtheiten zu vergleichen, aus Serien zu zitieren, oder einfach Situationen aus diesen zu vergleichen.


    Jophaniel - sarkastisch und zynisch; glaubt nicht immer an Gott, zumindest zweifelt er an den Logistikfähigkeiten des Arbeitgebers und ist mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden. (dieser Engel war von Anfang an mein Lieblingsengel ^^)


    Ilmuth - das weibliche Engelsexemplar unter ihnen und das Nesthäkchen, wenn man das bei jahrhundert alten Engeln so sagen kann. Dieser Einsatz in Prag ist ihr erster und sie ist quasi noch in Ausbildung.


    Bis auf Ilmuth kommt jeder Engel zu Wort und mit ihnen besucht der Leser die beiden Todeskandidaten, aber auch deren Angehörigen. Denn die Aufgabe der Engel ist nicht nur das kurzfristige Glück der "Klienten", sondern auch die Hinterbliebenen. Denen wird geholfen mit dem Verlust besser zurecht zu kommen.


    Und dann wäre da noch Ester - eine junge Witwe, die noch in der frischen Trauerphase steckt, nachdem ihr Mann an Krebs gestorben ist. Eine Ärztin mit leicht morbidem Humor, welche versucht wieder ins Leben zurückzukehren. Wie sich im Verlauf der Geschichte herausstellt ist sie auch auf gewisse Art ein Engel.


    Scheinbar haben die lebenden Protagonisten so gar nichts miteinander zu tun oder gemeinsam und doch ist ihr Schicksal eng miteinander verbunden. Wie eng erfährt der Leser erst während des Lesens.


    Der Schreibstil ist flüssig, schnörkellos und nüchtern. Wer also ein esoterisch angehauchtes Engelbuch erwartet liegt komplett falsch.
    In diesem Roman geht es aber nicht nur um das Leben und Sterben, sondern vor allem um die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Hoffnung, um die kleinen Dinge des Lebens, die oft schöner sind als die großen, wenn man sie nur bewusster betrachten und beachten würde.
    Dabei kommt der Humor nicht zu kurz. Dieser wird immer an den richtigen Stellen eingebracht und lockert die Geschichte auch etwas auf.


    Fazit:
    Ein Buch wie das Leben selbst - tiefsinnig, traurig, skurril, aber auch zum Schmunzeln und Lachen.
    Es regt zum Nachdenken über das Leben an und über die großen und kleinen Dinge die es bereithält.
    Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung!
    In diesem Sinn - CARPE DIEM!

    Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
    :twisted:

  • Für das Original hab ich nur den Hörbuch-Download gefunden, der leider nicht angezeigt wird :-k


    @Ambermoon die Anführungszeichen bei den Buchtiteln darfst Du ruhig weglassen, die werden nicht benötigt. :wink:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Uwe Wittstock - Marseille 1940

    :study: Edmund de Waal - Der Hase mit den Bernsteinaugen


  • Zumindest über den Autor habe ich hier was gefunden und hier.


    Michal Viewegh, geboren 1962 in Prag, arbeitete nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium als Nachtwächter und studierte anschließend Tschechisch und Pädagogik. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Prag, wo er ein Bestsellerautor ist.


    Das Buch wurde außerdem verfilmt (französisch).

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • @Squirrel
    Hihi, danke für die Info. Merke ich mir gleich für meine nächsten Rezis. :uups:


    @Marie
    Dieses Buch habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit im Regal meiner Tante gefunden. Meine Oma mütterlicherseits kommt aus Böhmen und da ich gerade eine literarische Weltreise unternehme, dachte ich mir, dass es langsam Zeit wird auch mal ein Buch eines Tschechen zu lesen :) Dieser Autor ist in Tschechien sehr bekannt und meine Tante hat alle Bücher von ihm. Dies war das Einzige im Regal in deutscher Ausgabe, aber die anderen werde ich mir auch noch zulegen, da mir sein Stil wirklich gut gefällt.

    Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
    :twisted: