Lindsay Jayne Ashford - Die Frau im Orient-Express / The Woman on the Orient Express

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Die Frau im Orient-Express

4.3|6)

Verlag: Tinte & Feder

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 384

ISBN: 9781477848289

Termin: März 2017

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  • Originaltitel: The Woman on the Orient Express


    Inhalt:
    Die gefeierte Krimiautorin Agatha Christie steigt heimlich und unter falschem Namen in den legendären Orient-Express, um nach Bagdad zu reisen. Sie steckt in einer Krise, will den Skandal um ihre Scheidung vergessen und möchte auf keinen Fall erkannt werden. Erst als sie im Zug die Archäologin Katharina und die junge Nancy kennenlernt, spürt sie, dass die Reise für sie zu einem Neuanfang werden könnte. Voller Abenteuerlust beschließt sie, Katharina bei ihrer Ausgrabung in Mesopotamien zu besuchen. Eine schicksalhafte Entscheidung, wie sich herausstellen wird …
    Ein biografischer Roman um eine der bekanntesten Figuren der englischen Literatur, der uns entführt in die Welt des Orients mit all seinen exotischen Gebräuchen, faszinierenden Widersprüchen und der jahrtausendealten Kultur.


    Die Autorin:
    Lindsay Ashford ist in Wolverhampton (Großbritannien) aufgewachsen. Sie hat am Queens‘ College in Cambridge als erste Frau in seiner 550-jährigen Geschichte ein Studium absolviert. Nach ihrem Abschluss in Kriminalwissenschaft hat Ashford als Reporterin für die BBC gearbeitet sowie als freie Journalistin für verschiedene nationale Zeitschriften und Zeitungen. Sie hat vier Kinder und lebt gegenwärtig in einem Haus mit Meerblick an der Westküste von Wales.


    Meinung:
    "Die Frau im Orient-Express" ist ein interessanter biografischer Roman, der auf jeden Fall neugierig darauf macht, die Bücher von Agatha Christie zu lesen. Sie wird hier als sympathische, zielstrebige Frau dargestellt, die sich nicht unterkriegen lässt und soweit ich nach einer kurzen Recherche feststellen konnte, ist ihr Leben hier, zumindest in Bezug auf die wichtigen Ereignisse, ziemlich treffend dargestellt; dies passt dazu, was die Autorin in ihrem Nachwort schreibt, und die Mischung aus Fiktion und Realität ist meiner Meinung nach gut gelungen. Die kreativen Freiheiten, die Ashford sich genommen hat, haben mich dabei nicht gestört.


    Nicht nur die berühmte Schriftstellerin, sondern auch Katharine Woolley, eine bekannte Zeichnerin und Nancy Nelson, eine erfundene Person, spielen in der Geschichte eine entscheidende Rolle und bekommen Kapitel, die sich mit ihrem Innenleben und ihren eigenen Tragödien befassen. Dabei hatten alle drei Frauen, aber auch die Nebenfiguren sowohl positive als auch negative Charaktereigenschaften. Dadurch waren sie glaubwürdige und mal mehr, mal weniger sympathische Protagonistinnen und der Autorin ist es gelungen, die Freundschaft zwischen ihnen realistisch darzustellen.
    Besonders mochte ich die Beschreibungen der Länder, die Christie bei ihrer Fahrt im Orient-Express durchquert und besucht, ebenso wie die Details, die die Handlung in das Jahr 1928 eingebettet und somit greifbarer und lebendig gemacht haben.


    Es gab eine Sache, die mich beim Lesen irritiert hat. Agatha Christie reist unter einem Pseudonym, um nicht sofort erkannt zu werden, sodass auch ihre beiden neuen Bekanntschaften zunächst nicht wissen, um wen es sich handelt. Dennoch wurde sie von der Narrative als "Agatha" bezeichnet, selbst wenn das jeweilige Kapitel sich mit den Gedanken der anderen beiden Frauen befasste. Das ist an sich nur eine eher unbedeutende Kleinigkeit, aber mich hat es gestört, da Katharine und Nancy den echten Namen gar nicht kennen konnten und ihn somit auch nicht benutzt hätten.
    Davon abgesehen hat mir das Buch aber sehr gefallen; der Schreibstil lässt sich gut lesen, die Protagonisten sind sympathisch und "Die Frau im Orient-Express" macht Lust darauf, mehr über Christie und ihre Bücher zu erfahren.
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    Herzlichen Dank an den Verlag, der mir das Buch über Netgalley zur Verfügung gestellt hat.

    Carpe Diem.
    :study: C.L. Wilson - Die Wellen singen

    2019 gelesen: 79 Bücher mit 29.941 Seiten

  • 1928. Die bekannte Schriftstellerin Agatha Christie entscheidet sich kurzfristig, eine Reise nach Bagdad mit dem Orient Express anzutreten, um am Hochzeitstermin ihres geschiedenen Mannes Archie mit seiner Geliebten außer Landes zu sein und die für sie persönlich größte Schmach in ihrem Leben hinter sich zu lassen. Für die Reise hat Agatha sich ein Inkognito gegeben und reist mit neuer Haarfarbe und Brille, um nicht erkannt zu werden. Gleich in den ersten Stunden im Zug lernt sie erst die Zeichnerin Katherine Woolley kennen, die auf dem Weg zu einer Ausgrabungsstätte in Ur ist, um dort die ausgegrabenen Fundstücke aufs Papier zu bringen. Mit ihr wird sich Agatha bis zur Ankunft die Kabine teilen. Auch eine andere Mitfahrerin erweckt ihre Aufmerksamkeit, denn als die junge Nancy Nelson mitten in der Nacht aus dem Zug springen will, rettet Agatha sie in letzter Minute und ab diesem Moment ist Nancy ein Teil des Frauentrios. Alle drei Frauen laufen insgeheim vor etwas davon und verkürzen sich die Reisezeit mit Besichtigungen, Ausflügen und Einkaufen. Erst nach und nach werden die Gründe für die Flucht der einzelnen Frauen ersichtlich.


    Lindsey Jayne Ashford hat mit ihrem Buch „Die Frau im Orient-Express“ einen unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, der einige autobiografische Züge enthält und als Hintergrund den luxuriösen Orient-Express sowie Ziele wie aus tausend und einer Nacht beinhaltet. Der Schreibstil ist flüssig und ohne Schnörkel. Der Leser wird schnell zum blinden Passagier auf einem legendären Zug und während die Reise durch viele verschiedene Länder und geheimnisvolle Städte geht, erfährt er von den Schicksalen, Sorgen und Gedanken der einzelnen Frauen, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf Agatha Christie liegt. Die Autorin hat über die bekannte Schriftstellerin und ihr Privatleben sehr gut recherchiert und dies innerhalb des Romans schön verpackt, so dass der Leser während der Lektüre immer mehr von ihr erfährt. Auch Katherine Woolley war eine recht bekannte Person ihrer Zeit, von deren Leben man ebenfalls einige Informationen erhält. Die Reisebeschreibung und die verschiedenen Ausflugsorte sind sehr schön beschrieben, sie geben der Handlung einen gelungenen Rahmen für das Kennenlernen und die gemeinsame Zeit der drei Frauen.


    Die Charaktere sind schön ausgestaltet und wirken sehr lebendig und authentisch. Agatha Christie ist eine sympathische Frau, die immer noch sehr unter der Scheidung, der Untreue und Gleichgültigkeit ihres Ex-Mannes Archie leidet. Sie wirkt oftmals unsicher und quält sich mit Gedanken, was sie hätte anders machen können. Dabei ist sie eigentlich eine gestandene Frau, die sich durch ihr schriftstellerisches Talent eine Karriere aufgebaut hat. Allerdings hat sie durch ihr plötzliches Verschwinden über 11 Tage nach dem Aufdecken der Affäre ihres Mannes auch für einiges Aufsehen in der Presse gesorgt, was ihr gar nicht recht war. Sie beginnt mit der Reise ihre Flucht in ein neues eigenständiges Leben. Katherine Woolley ist ebenfalls eine reale Persönlichkeit, eine recht extrovertierte Frau, die sich in einer Männerdomäne behaupten muss und kann. Sie bevormundet recht gern und alles muss nach ihrem Kopf gehen. Dabei macht sie das meist recht charmant, so dass die anderen gar nicht anders können, als sich von ihr gängeln zu lassen. Dabei hat sie selbst ein Geheimnis und Angst vor dem Schritt, der ihr bevorsteht. Nancy ist ein fiktiver Charakter, eine junge Frau, die erst sehr kurz verheiratet ist, sich aber schon von ihrem untreuen Ehemann getrennt hat und einen Liebhaber gefunden hat, der leider selbst Familie hat. Sie tritt eine Reise ins Ungewisse an und hofft, bei einer Verwandten Unterschlupf zu finden. Nancy wirkt noch sehr naiv und ängstlich, die Gesellschaft von Agatha und Katherine hilft ihr, etwas mehr aus sich herauszukommen und ihre missliche Lage für einige Zeit zu verdrängen.


    „Die Frau im Orient-Express“ ist ein sehr unterhaltsamer historischer Roman, der dem Leser Agatha Christie als Mensch sehr nah bringt und sich wunderbar wie ein toller Reisebericht mit Einblick in das Seelenleben der einzelnen Protagonistinnen lesen lässt. Absolute Leseempfehlung für ein Buch über verlorene Lieben, Freundschaft und die Suche nach sich selbst.


    Sehr unterhaltsame :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: .

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2018: 326/ 128525 Seiten

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