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Swantje Oppermann - Blindes Misstrauen

  • Eine Welt ohne Internet, Smartphone oder der EC-Karte können sich die meisten garnicht vorstellen. Doch was wäre wenn das Internet immer mehr zur Gefahr wird? Wenn die Massen an Daten und Informationen uns schwächen anstatt zu stärken? Genau dies beschreibt die Welt in der Mav lebt sehr gut. Doch auch sie hat ihre Schwächen, denn viele tragen technische Kontaktlinsen die gerne zum Hacken genutzt werden. Lauert in ihnen die neue Gefahr?


    Mav ist durch und durch ein Teenager wie man ihn sich vorstellt. Nicht nur das sie dickköpfig und stur ist, nein, sie testet ab und an gerne ihre Grenzen. Und dies besteht meist aus dem Hacken ihrer Kontaktlinsen. Ihr bester Freund Ben scheint da genau das Gegenteil zu sein, er ist rechtschaffend und äußerst sportlich. Das letztere ermöglicht ihn auch seine Beinprothese welche er seit einem Unfall tragen muss.


    Leider konnte ich mich zeitweise in einige Charaktere nicht hineindenken bzw. verstand nicht warum sie so handelten. Darunter fallen z.B. Mav´s Eltern welche ihre Tochter in Berlin lassen während sie ihr abenteuerliches Leben in Kanada leben. Auch der Umstand das sich ihre Oma um sie kümmern soll aber lieber bei ihrer neuen Liebe ist, fand ich mehr als verantwortungslos.


    Die Story selbst fand ich sehr ansprechend, fand sie aber an vielen Ecken zu undurchdacht. Auch blieben am Ende viele Fragen offen, was mich dann schon sehr ärgerte.Gerade der Verbleib der Kontaktlinsen und zu was sie schließlich benutzt werden, hinterließ einen faden Beigeschmack. Hier hätte es besser gepasst mehrere Teile mit Mav als Hauptcharakter heraus zu bringen die die Geschichte erzählen.


    Die Schreibweise gefiel mir sehr gut, er war leicht aber verstand es auch an den richtigen Momenten einen Hauch Spannung hinzu zu geben. Auch wurde ein guter Schuss Humor mit in die Geschichte eingebaut. Denn es ist schon sehr unterhaltsam wenn über Dinge gesprochen wird, die wir so als ganz normal empfinden, wie z.B. Paintball.


    Die Ideen hinter dem Buch ist wirklich toll, hätte meiner Meinung nach aber noch mehr hergeben können. Eine Serie über diese Welt zu schreiben würde bestimmt eine Menge Anhang finden. Gerade der Umstand das das Internet in dieser Welt nicht mehr existiert macht sie für uns um so spannender.


    Man kann gespannt sein was sich die Autorin noch einfallen lässt.

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:
    Im Jahr 2031 denken die meisten Menschen über Themen wie die Gefahren der ständigen Vernetzung oder die Abhängigkeit von den sozialen Medien gar nicht mehr nach – zu selbstverständlich ist es, dass jeder Aspekt des Lebens vom digitalen Netzwerk gesteuert und dokumentiert wird. Buchstäblich alles läuft über dieses System: überall und jederzeit kann ich Informationen anfragen, Sachen bestellen, mich unterhalten lassen, ein Taxi rufen... Und das erfordert weder zwischenmenschliche Interaktion noch einen Computer oder ein Smartphone. Viele Menschen, wie auch die Protagonistin, tragen zum Beispiel Kontaktlinsen, die eine lückenlose Verbindung ermöglichen und Informationen direkt so einblenden, dass der User sie quasi als Untertitel des eigenen Alltags sieht. Datenschutz ist bestenfalls ein angestaubtes Konzept, das die Realität der letzten Jahrzehnte nicht überdauert hat.


    Und ohne das Netzwerk ist man nichts. Ohne den eigenen Account und den sogenannten "Safe", in dem alle persönlichen Daten gespeichert sind, kann man sich nicht mal ein Kaugummi kaufen oder telefonieren.


    Ich muss zugeben, ich würde mich nicht wundern, wenn wir noch vor dem Jahr 2031 einen technischen Stand erreichen, der die von Swantje Oppermann beschriebene Welt möglich macht. Ebenso wenig zweifele ich daran, dass ein Großteil der Menschen diese Technologie mit Begeisterung begrüßen würden, ohne ihren eigenen Umgang damit zu hinterfragen. Heute gibt es genug Leute, die sich nichts dabei denken, mit dem ganzen Internet zu teilen, dass sie gestern total besoffen waren (da freut sich der Chef) oder das Haus die nächsten zwei Wochen leersteht, weil sie in den Urlaub fahren (lieber Einbrecher, herzlich willkommen!). Und im Jahr 2031 werden genau diese Leute noch ganz andere Möglichkeiten haben, sich in Schwierigkeiten zu bringen.


    Lange Rede, kurzer Sinn: ich halte die Grundidee dieses Buches für sehr realistisch und plausibel, und gerade deswegen für sehr spannend. Das Thema wurde natürlich schon in anderen Büchern und Filmen aufgegriffen, aber die Autorin schmückt es mit interessanten Details und schafft es so, ihrer Version mehr Individualität und Originalität zu verleihen.


    Leider hatte ich so meine Schwierigkeiten mit Mav, der 16-jährigen Hauptfigur. Sie ist intelligent und das weiß sie auch, deswegen neigt sie dazu, mit den Augen zu rollen und schnippische Kommentare abzugeben, weil sie es ohnehin besser weiß als Lehrer, Polizisten, Freunde und überhaupt jeder. Zumindest kam ihr Verhalten bei mir so an!


    Natürlich, das muss ich zugeben, könnte man jetzt auch darauf hinweisen, dass Mav eben ein Teenager ist. Und natürlich, das muss ich ebenfalls zugeben, ist das ein berechtigter Einwand. Aber ich wurde einfach nicht warm mit ihr, denn oft fand ich ihr Benehmen und ihre Emotionen sehr selbstsüchtig. Manchmal machte ihr Verhalten für mich auch keinen Sinn – in einer Situation, in der 99% aller Menschen die Polizei rufen würden, wischt sie stattdessen ihre Fingerabdrücke ab und ergreift die Flucht, obwohl sie gar nichts getan hat.


    Mav ist überhaupt ein Teenager der eher rebellischen Sorte, ihr bester Freund Ben ist hingegen ein echter Musterknabe: brav, geduldig, sportlich. Er war mir zwar sympathisch, blieb für mich aber leider sehr blass. Mir fehlte einfach die spürbare Chemie zwischen den Beiden.


    Am interessantesten fand ich zwei Charaktere, die eine wichtige Rolle spielen, es dem Leser aber nicht leicht machen, herauszufinden, ob sie jetzt zur guten oder zur bösen Seite gehören. Da gibt es die ein oder andere interessante Wendung, die besonders im letzten Drittel die Spannung erhöht!


    Swantje Oppermann schreibt locker und ansprechend, weswegen ich das Buch auch trotz meiner Kritikpunkte immer noch unterhaltsam fand – und was hinter den mysteriösen Kontaktlinsen steckt, die im Zentrum dieses Buches stehen, das ist eine wirklich grandiose Idee! Allerdings fand ich die Auflösung am Ende nicht hundertprozentig logisch und schlüssig.


    Fazit:
    "Blindes Misstrauen" spielt in einer Zukunft, in der wir alle gläserne Menschen sind: immer und überall online, vernetzt, dokumentiert, kontrolliert (ob uns das jetzt bewusst ist oder nicht). Die 16-jährige Mav will eigentlich nichts weiter als ein neues Paar Kontaktlinsen, aber sie muss schnell feststellen, dass auf einmal irgendjemand hinter ihr her ist. Und es ist nicht einfach, zu flüchten, wenn man buchstäblich nichts tun kann, ohne digitale Fußabdrücke zu hinterlassen...


    Tolle Ideen, eine interessante Zukunftsvision, mehr als ein Hauch Sozialkritik – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen spannenden Jugendthriller.


    Leider konnte mich Mav, die Hautfigur, nicht vollends überzeugen, und manches fand ich auch nicht vollkommen glaubhaft oder schlüssig – aber im Großen und Ganzen war "Blindes Misstrauen" für mich ein Buch, das man vielleicht nicht unbedingt lesen muss, aber dennoch gut lesen kann.