Gusel Jachina - Suleika öffnet die Augen / Зулейха открывает глаза

Affiliate-Link

Suleika öffnet die Augen

4.5|9)

Verlag: Aufbau-Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 541

ISBN: 9783351036706

Termin: Februar 2017

  • 1930 Tatarstan. Die junge Suleika hat einen wohlhabenden älteren Bauern geheiratet, ist für ihn und seine Mutter allerdings nur eine billige Arbeitskraft und hat ein recht hartes Leben auf dem familieneigenen Hof. Ihr Ehemann Murtasa ist der örtlichen stalinistischen Politik ein Dorn im Auge, denn er widersetzt sich jeglichen Befehlen, wird sein Hof doch enteignet. Bei seinem Widerstand wird Murtasa vor Suleikas Augen erschossen und sie selbst mit vielen anderen Leidensgenossinnen und –genossen in die Taiga nach Sibirien deportiert. Während der Deportation entdeckt sie, dass sie ein Kind erwartet und muss sich nun in einer fremden Umgebung mitten im Nirgendwo ein neues Leben aufbauen für sich und das Kind. Doch sie ist nicht allein, andere Frauen mit ähnlichem Schicksal stehen vor der gleichen Situation. Unfreiwillig zusammengewürfelt müssen sie sich der Lage stellen und gründen sie eine Kolonie. Suleika, die bisher immer fremdbestimmt war, lernt nun, obwohl noch immer nicht frei, doch auch eigene Entscheidungen zu treffen.


    Gusel Jachina hat mit ihrem Buch „Suleika öffnet die Augen“ einen beeindruckenden Debütroman vorgelegt, der sich hauptsächlich mit der Thematik der Enteignung und Deportation in der ehemaligen UDSSR beschäftigt und dem Schicksal, das die Menschen, die nicht regimekonform waren, erleiden mussten, mit diesem Roman eine Bühne gegeben. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft, schnell zieht er den Leser in den Bann und lässt ihn an den Vorkommnissen der damaligen Zeit teilhaben. Dabei schildert die Autorin sehr anschaulich das harte Leben und die Gewalt ebenso wie die Folgen der Verbannung, kann sie doch aus dem Nähkästchen plaudern, da ihre eigenen Vorfahren diese noch Zeit erlebt haben.


    Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet und passend in Szene gesetzt. Sie wirken sehr kraftvoll, lebendig und authentisch. Suleika ist noch eine junge Frau, die allerdings schon so einiges im Leben ertragen musste. Ihr Ehemann behandelt sie lieblos und für ihre Schwiegermutter ist sie nur eine billige Arbeitskraft. Durch den gewaltsamen Tod ihres Ehemannes erfährt ihr Leben eine Wende, die Deportation nach Sibirien ist erneut fremdbestimmt, diesmal nicht durch die angeheiratete Familie, sondern durch Menschen, die sie gar nicht kennt. Jedoch ist Suleika diesmal ganz allein auf sich gestellt und hat die Möglichkeit, auch für sich und ihr Leben eigene Entscheidungen zu treffen. Dr. Wolf Karlowitsch ist ein Mann, der erst einmal nur für sich bleibt und das Geschehen beobachtet. Doch je länger er zusieht, umso mehr rumort es in ihm. Es dauert eine Weile, doch dann muss auch er erkennen, dass er sich einbringen muss in die Gesellschaft, damit sie funktioniert. Kommandant Ignatow ist zwar Kommunist mit Leib und Seele, der sich keinem Befehl widersetzt, doch ist er in erster Linie ein Mensch mit Empathie und Mitgefühl für seine Mitmenschen. Er versucht, sie zu unterstützen und zu helfen. Die Entwicklung der Charaktere in ihrer jeweiligen Lebenssituation ist während der Geschichte wunderbar zu beobachten. Auch die anderen Protagonisten bewirken mit ihren Episoden eine Verdichtung der Erzählatmosphäre.


    „Suleika öffnet die Augen“ ist ein sehr berührender historischer Roman über die vergangene Geschichte der ehemaligen UDSSR. Der Leser erhält Einblicke in die Thematik der Deportation und Enteignung aus den Erfahrungen der Autorin und ihrer eigenen Familie. Wer sich für diese geschichtlichen Hintergründe und eine gut erzählte Handlung interessiert, ist hier absolut gut aufgehoben. Absolute Leseempfehlung!


    Sehr eindringliche Geschichte mit :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: .

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2017: 245/ 98377 Seiten

  • Das Original heißt "Зулейха открывает глаза" und ist hier zu finden...


    Kleine Anmerkung: im Buch selbst steht "Зулейка..." und entspricht damit der deutschen Variante des Namens, das ist aber falsch.

    Das russische "x" kann als ch, wird aber manchmal auch als k oder kh transkribiert. Es kann sein, dass der Übersetzer sich hier für das deutsche, besser klingende "k" entschieden hat als ein Suleicha, was uns (noch) fremder erschien.


    (Das ist meine Lesart - ohne Gewähr.)

  • @tom leo, mit der Transkription habe ich überhaupt kein Problem :) , aber ich meinte den russischen Originaltitel. Hier schreibt der Verlag:

    Aufbau Verlag schrieb:

    Die Originalausgabe unter dem Titel
    Зулейка открывает глаза
    erschien 2015 bei AST, Moskau.

    Und das ist falsch und hat nichts mit der Transkription zu tun :wink: .

Anzeige