Rex Stout - Es klingelte an der Tür / Per Adresse Mörder X /The Doorbell Rang

  • Buchdetails

    Titel: Es klingelte an der Tür


    Band 79 der

    Verlag: Klett-Cotta

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 248

    ISBN: 9783608981117

    Termin: März 2017

  • Bewertung

    4 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

    80% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Es klingelte an der Tür"

    Rex Stout war einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Seine literarische Schöpfung, der Privatdetektiv Nero Wolfe, zählt bis heute zu den berühmtesten Figuren des Genres. Zusammen mit seinem Assistenten Archie Goodwin hat der Ermittler mit einer Passion für Orchideenzucht und Gourmetküche weltweit Millionen Leser in den Bann gezogen. Die Neuübersetzung der Krimireihe bietet nun dem deutschen Leser erstmals die Möglichkeit, die Kriminalromane in ihrer vollständigen literarischen Qualität zu entdecken. Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner hat die Nase voll vom amerikanischen Geheimdienst. Sie kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York. Doch wie soll der ihr helfen? Sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover. Ein Scheck über 100 000 Dollar überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen ...
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    Amethyst
    schwerfällig, konstruierte Handlung, am Schluss löst sich alles in Wohlgefallen auf

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  • Nero Wolfe alias William Conrad habe ich früher gern gesehen, diesen wohlbeleibten, orchideenliebenden Gourmet, der immer wieder die New Yorker Mordkommission düpierte, indem er Fälle auf seine unnachahmliche Weise deutlich schneller als diese löste. Nun wurde eines der Bücher dieser Reihe in einer neuen Übersetzung wieder herausgegeben und ich muss sagen, ja, auch das Lesen lohnt sich.
    In diesem Fall erhält er von einer sehr vermögenden Klientin den Auftrag, ihre Überwachung durch das FBI zu beenden. Dass sich das FBI von einem Privatdetektiv sicherlich nicht vorschreiben lässt, wen es überwachen darf und wen nicht, ist sowohl Wolfes Klientin klar wie auch ihm selbst. Seine Zweifel, diesen praktisch unlösbaren Auftrag anzunehmen, verschwinden, als ihm ein 100.000 $ Scheck als Vorschuss übergeben wird, den er in jedem Fall nicht zurückzahlen muss und die Aussicht, ein Honorar zu bekommen, dass er selbst festlegen darf, wenn er Erfolg hat. Wolfe nimmt an und beginnt mit der Arbeit in diesem offenbar aussichtlosen Fall ...
    Erzählt wird die Geschichte von Archie, dem Assistenten von Nero Wolfe, der für diesen die Aussenaufgaben übernimmt. Denn Wolfe ist bequem, er liebt gutes Essen und Trinken, seine Orchideen und das Lesen, während er sein Zuhause nur in seltenen Fällen verlässt. Ansonsten ist es aber wohl das typische Szenario der Krimis dieser Zeit, der 60er Jahre. Coole Männer, lässig eine Zigarette rauchend und schönen jungen Frauen hinterherblickend, die meist nur als schmückendes Beiwerk, Zeugin oder Klientin dienen. Dazu eine in gewisser Weise etwas umständliche Sprache, die mich jedoch immer wieder zum Grinsen brachte. "Als sie mich aus blauen Augen betrachtete, wies ich meine an, sämtliche Aspekte zu ignorieren, die für die anstehenden Aufgaben ohne Belang waren." Auch eventuelle Beleidigungen sind eher subtil, die ich stellenweise recht originell und amüsant finde: "Von der Grösse her war er eine Erdnuss, aber eine elegante." Überhaupt ist der gesamte Umgangsstil in diesem Privatdetektivmilieu ungewöhnlich gehoben: Es werden Bücher gelesen ;-) Diners serviert wie 'Täubchen à la Moscovite, Pilze Polonaise, Salade Béatrice und Soufflé Armenonville' und das wohl schlimmste Unmut ausdrückende Wort ist 'Pfui'. Der Fall selbst ist recht verworren, denn um das gewünschte Ziel zu erreichen, sind zahlreiche Umwege vonnöten, die sich erst nach und nach als zielführend erweisen. Wolfe löst diese Angelegenheit (wie auch eine Menge andere) durch reines Nachdenken, nachdem er durch seinen 'Aussendienstmitarbeiter' mit den entsprechenden Informationen versorgt wurde.
    Es ist ein ruhiger, stellenweise amüsanter Krimi ohne Blutvergießen und große Action, der zudem auch Gewicht auf das Drumherum der handelnden Personen legt. Ob die Neuübersetzung nun schlechter oder besser gelungen ist, kann ich nicht beurteilen. Gehe ich jedoch vom früheren Titel aus "Per Adresse Mörder X", ist der neue auf jeden Fall deutlich gelungener (im Original: "The Doorbell Rang"). Auch wenn es ein typischer Krimi seiner Zeit ist: Das Thema ist hochaktuell. Darf der Staat um der Sicherheit willen einfach Alles? Jede/n zu jeder Zeit und überall überwachen und abhören? Manche Probleme scheinen sich nie zu ändern...

    :study: Das Eis von Laline Paul

    :study: Der Zauberberg von Thomas Mann
    :musik: QUALITYLAND von Marc-Uwe Kling

  • Mit der Neuauflage des Romans "Per Adresse Mörder X" wird man in eine andere Zeit katapultiert.
    Die reiche Witwe Mrs. Brunner möchte erreichen, dass das FBI ihre Überwachung beendet. Dafür engagiert sie Nero Wolfe, der den Fall als aussichtslos ansieht. Aber der Scheck über 100 000$ lässt ihn umdenken und den Fall doch annehmen. Er schafft es auch mit allerhand Winkelzügen zu einer Lösung zu kommen.
    Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hier merkt man, das das Buch in den 60er Jahren geschrieben wurde. Der ruhige, bedächtige und etwas hochtrabende Schreibstil ist man nicht mehr gewöhnt. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt. Die Personen werden mit allen ihren Schrullen gut dargestellt. Das Katz- und Mausspiel zwischen FBI, Polizei und Privatdetektiv war kurzweilig zu lesen. Ich finde es gut, dass klassische Kriminalromane neu verlegt werden. Auch der Einband passt gut zum Buch.
    Das Buch ist allen Liebhabern von klassischen Krimis zu empfehlen.

    Sub: 5424:twisted: (Start 2021: 5421)

    gelesen 2021: 7

    gelesen 2020: 92 / 2 abgebrochen / 42592 Seiten

    gelesen 2019: 90 / 1 abgebrochen / 36631 Seiten

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten


    :montag: Susanne Mischke - Fürchte dich vor morgen

    :study:

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Der Privatdetektiv Nero Wolfe wird beauftragt, eine Klientin vor der Beschattung durch das FBI zu „retten“. Zeitgleich wird ein Journalist ermordet, bei dem die Spuren ebenfalls auf das FBI hindeuten. So steht Wolfe dem wohl grössten Gegener gegenüber, den die USA zu bieten haben: dem Staat.


    Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Nero Wolfes Assistenten Archie Goodwin erzählt. Wieso eigentlich Nero der grosse Held und berühmte Detektiv sein sollte, habe ich während der Lektüre nicht wirklich verstanden. Die ganze Arbeit wird im Grunde von Archie erledigt, während Nero zu Hause rumsitzt, seine Orchideen pflegt und Leute anblafft. Mehr Eigenschaften als „unfreundlich“ scheint Wolfe kaum aufzuweisen, auch Archie bleibt blass. Vom „bösen Gegner“ wird mehr gesprochen, als dass er tatsächlich auftaucht, und wenn, dann auch nur mit blassen, nichtssagenden Figuren.


    Die Handlung ist ziemlich verwirrend und ich muss zugeben, dass ich bis zum Schluss nur am Rande verstanden habe, worum es eigentlich geht. Viele Fragen wurden meines Erachtens nicht beantwortet. Oder habe ich die Antworten schlicht übersehen? Jedenfalls sollte das Buch mit grosser Konzentration gelesen werden, wer es nur so nebenher überfliegt, wird wohl die Hälfte der Handlung verpassen. Nachdem ich dann das Nachwort gelesen hatte, wurde mir immerhin einiges klarer, da der Autor seine Geschichte stark in das damals aktuelle Umfeld eingebunden hatte, was im Nachwort auch erklärt wird. Wer alles verstehen will, sollte sich daher vor der Lektüre am besten über die politische und allgemeine Situation der USA in der Mitte der 1960er schlau machen.


    Leider las sich der Krimi nicht nur komplex, sondern auch ziemlich zäh, sodass ich für das doch recht dünne Buch mit weniger als 250 Seiten etwa doppelt so lange brauchte, wie ich im Voraus erwartet hätte. Man sollte sich daher für die Lektüre nicht nur genügend Konzentration, sondern auch ausreichend Zeit einplanen.


    Als Fan von klassischen Krimis habe ich sehr auf das Buch vom mir bisher unbekannten Autoren Rex Stout gefreut, aber leider kann mich der Autor weder mit interessante Charakteren, spannenden Wendungen oder wenigstens aussergewöhnlichen Ermittlungsmethoden (der Mordfall wird schlussendlich durch einen einzigen Satz aufgelöst) locken. So hat mich der Krimi eher enttäuscht.



    Mein Fazit
    Recht zäh und ziemlich verwirrend.



    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Retrokrimi vom aller feinsten – Wow!
    Was bei dem Buch zuerst auffällt ist das geniale Cover im Leinenstil. Finde ich schon absolut überzeugend ohne auf den Inhalt einzugehen.
    Zum Inhalt:
    Die Witwe von Lloyd Brunner, Rachel hat ein Enthüllungsbuch über den amerikanischen Geheimdienst an ausgewählte Personen versendet. Ob die damit eine Freude hatten oder nicht, ist und war ihr egal. Die, die keine Freunde damit hatten, war das FBI. Rachel Brunner, ihre Familie, die Mitarbeiter und jeder der mit ihr Kontakt hatte und hat, wird seitdem vom FBI auf Schritt und Tritt überwacht, auch die Telefone sind angezapft. Ihre Mitarbeiter wurden befragt, zwar diskret aber trotzdem ausgehorcht. Da sie sich keinen Rat mehr weiß, sucht sie die Detektei von Nero Wolfe auf. Ein sehr großzügiger Scheck von über hunderttausend Dollar, ist doch auch ausschlaggebend, dass Wolfe und Goodwin ihre Finger in diesem Spiel haben.
    Gleichzeitig passiert aber auch ein Mord, der von der New Yorker Polizei nicht aufgeklärt werden kann. Es fehlen die Beweisstücke. Daher geht man davon aus, dass die Person vom FBI erschossen worden ist. Ein Spielchen der besonderen Art beginnt.
    Mein Fazit:
    Wow, ein Krimi vom aller feinsten. Es ist mein erstes Buch von Rex Stout, um ehrlich zu sagen ich habe gar nicht gewusst das er überhaupt existiert. Der sprachliche Stil ist hervorragend. Man liest fast jeden einzelnen Buchstaben, ist zwar übertrieben aber man genießt wirklich Zeile für Zeile. Die Vorstellung, dass es hier jetzt Aktion und Schnelligkeit , wie in den neuen Krimis gibt, weit gefehlt. Es ist alles mit Bedacht und Ruhe. Die Herangehensweise, an die Lösung der Probleme, war für mich schon beeindruckend. Alles wurde genau abgestimmt und führte unweigerlich zu Ziel.
    Der heimliche Herrscher ist meiner Meinung nach Archie Goodwin, der die Arbeit des berühmten Nero Wolfe ausführt. Wolf selber sitzt in seinem Büro, züchtet Orchideen, gibt Anweisungen und fasst die Ergebnisse zusammen. Ach ja, dass Essen darf nicht fehlen. Und hier wird geschlemmt vom aller feinsten.
    Das ist ein Krimi der alten Schule und ich kann dieses Lesevergnügen nur empfehlen.

    :lol::totlach: Jede Minute, die man lacht, verlängert das Leben um eine Stunde (chinesisches Sprichwort)

  • Meine Meinung:
    Diese Tür hat sich mir nicht geöffnet …


    Da Rex Stout einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts war, ist mir sein Name natürlich ein Begriff. Gelesen hatte ich bis dato allerdings noch nichts von ihm. Die Neuübersetzung dieses Krimis in einer wunderschönen Aufmachung bot sich also geradezu an, diesen Autor für mich zu entdecken. Der Klappentext macht auf jeden Fall Lust, sich in das Abenteuer zu stürzen.


    New York im Jahr 1965: Rachel Brunner ist reich und exzentrisch und sie hasst den amerikanischen Geheimdienst. Das erklärt auch, warum sie zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuches aufkauft und landesweit an wichtige Personen verschickt. Das wiederum stößt dem FBI sauer auf und sie lassen Rachel auf Schritt und Tritt überwachen. Ihre einzige Chance, dieser Überwachung zu entgehen, sieht sie darin Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler New Yorks, zu engagieren. Ein Scheck über 100.000 $ sollte überzeugend genug sein, sich mit dem FBI anzulegen. Und da Nero Wolfe kein Kostverächter ist, sagt er natürlich zu …


    Es war ein haptisches Vergnügen, diesen Roman lesen zu dürfen. Dieses etwas über 200 Seiten starke, in Leinen gebundene Buch mit dem dezenten blauen Cover ist ein echtes Schmuckstück. Inhaltlich hat es mich leider nicht überzeugen können. Ich mag verschrobene Ermittler. Es hat mich auch weniger gestört, dass Nero Wolfe ganz in seiner Orchideenzucht aufgeht oder Wert auf gutes Essen legt (was auch die über 100 Kilo Gewicht erklärt), geschweige denn, dass er Bücher liebt. Dass er aber so gar nicht in seinem Beruf aufgeht, das Haus niemals verlässt und die ganze Arbeit seinem Assistenten Archie Goodwin überlässt, das habe ich nicht so ganz nachvollziehen können. Archie Goodwin ist es auch, der den Fall aus seiner Perspektive schildert. Hier es sicherlich nicht von Vorteil, dass ich mit einem Buch in die Reihe eingestiegen bin, welches schon eher zu einem der Letzteren in der Reihenfolge gehört. Vielleicht hätte es mir die Protagonisten etwas zugänglicher gemacht, wenn ich sie von Anfang an hätte kennenlernen können.


    Da ich das Original nicht gelesen habe, kann ich leider nicht sagen, ob die Übersetzung gelungen ist oder nicht. Mir kam sie aber in manchen Situationen etwas holprig vor. Dies fiel mir besonders auf, wenn Nero ein paar Mal zu oft in unpassenden Momenten sein „Pfui“ von sich gibt.


    „Es klingelte an der Tür“ ist ein Krimi der ruhigeren Gangart. Quasi entschleunigt ob der fehlenden technischen Spielereien aus der heutigen Zeit. Computer oder Handys? Fehlanzeige. Aber auch damals wusste man sich zu helfen. Hier kann man herrlich eintauchen in den Pool der Nostalgie und sich wieder erinnern an die gute alte Telefonzelle oder die Schreibmaschine. Macht den Fall und die mir nicht ganz so sympathischen Protagonisten aber leider nicht interessanter. Ich habe lange an diesen wenigen Seiten gelesen und mich leider nur mäßig unterhalten gefühlt. Auch wenn die Romane von Rex Stout allesamt Klassiker sind und sich einer großen Fangemeinde erfreuen, so sagen mir die Krimis von Agatha Christie doch weitaus mehr zu. Von mir gibt es drei Sterne.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!"


    :love: :love: :love:

  • Das hat sich gelohnt





    Was für ein Fund! Das Abtauchen in einen Krimi-Klassiker hat sich in diesem Fall absolut gelohnt. Die Schreibweise von Rex Stout ist sicherlich anders. Sie stammt aus ihrer Zeit; und das muss man berücksichtigen. Dennoch hat dieser Fall seine ganz eigene Aktualität.


    Zunächst einmal zur Neuauflage selbst. Der Klett-Cotta Verlag hat bis jetzt drei alte Fälle von Rex Stout neu übersetzt und herausgegeben, wovon dieser Band der erste ist. Es ist nicht der erste Fall aus der Reihe um Nero Wolfe, aber der seinerzeit bekannteste und erfolgreichste. Das Buch wurde sehr liebevoll gestaltet, in einem handlichen Format, mit griffigem und hochwertigem Leineneinband, mit sehr gut lesbarer Schrifttype und liebevollen Illustrationen. Auch das Nachwort, sowie ein Auszug aus dem Nachlass von Rex Stout, haben das Bild vervollständigt. Die Neuübersetzung ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Conny Lösch hat es fertig gebracht, dem Amerikanischen Englisch der 60er Jahre Leben einzuhauchen, ohne flapsig zu wirken. Der sehr feine, hintersinnig ironische Humor von Rex Stout bleibt dabei erhalten.


    Es geht hier um nichts weniger als um das FBI und seine Ermittlungsmethoden – ein brandheißes Thema in den USA der 60er, kurz nach McCarthy und JFK. Nero Wolfe wird von einer reichen Klientin gebeten, die Verfolgung durch das FBI abzustellen. Die Dame hatte ein Enthüllungsbuch an einflussreiche Personen verschickt. Der Auftrag scheint aussichtslos – bis Nero Wolfe durch Zufall und durch gute Verbindungen auf einen ungelösten Mordfall stößt, in den das FBI verwickelt sein könnte. Hier setzt er an, und findet zu einer höchst ungewöhnlichen Lösung.


    Das Buch ist nun nicht nervenzerfetzend spannend – eher sehr untergründig. Erstens einmal muss man wissen, dass die eigentliche Arbeit von Nero Wolfes Assistenten erledigt wird. Ich habe mich sehr gefreut, Archie Goodwin wieder zu treffen. Ich selber kenne Nero Wolfe aus der Fernseh-Serie der 80er Jahre, und stelle wohlwollend fest, dass die Serie sehr eng am Original geblieben ist. Archie Goodwin ist sehr gutaussehend, und lässt keine Gelegenheit aus, um mit Klientinnen zu flirten, oder über seine Chancen nachzudenken. Nur er verlässt das Haus – Nero Wolfe interessiert sich für gutes Essen, und seine Orchideen, und lässt sich regelmäßig berichten. Die Methoden sind dabei noch sehr rudimentär – man muss das Radio laut drehen, falls man abgehört wird, und zum Telefonieren geht man in den Drugstore. Aber das ist eben zeittypisch.


    Der Spannungsbogen ist recht ungewöhnlich aufgebaut. Von der eigentlichen Klientin geht es zunächst zu diesem alten Mordfall. Archie trifft Leute, telefoniert heimlich, sichert Spuren, wird an geheime Orte zitiert. Nero Wolfe entwickelt einen Schlachtplan, doch von dem erfährt man als Leser erst ganz zum Schluss. Da habe ich allerdings sehr gelacht! Ein wirklich geniales Manöver, das Wolfe da veranstaltet! Es geht viel um polizeiinterne Machenschaften, und um die damals aufkommende Angst vor der Überwachung durch Geheimdienste. Insofern ist das Buch wieder hochaktuell. Die Methoden mögen sich geändert haben; manche Grundeinstellungen aber leider nicht.


    Die Sprache ist auch eher gewöhnungsbedürftig. Eher lange Sätze, Gespräche voller Andeutungen. Wie bereits angedeutet, von einer feinen Ironie durchzogen, die man am besten vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund versteht. Zeitlos ist allerdings Nero Wolfes unkonventionell-frecher Ton den Behörden gegenüber! Das Buch wirkt schon recht „amerikanisch“, doch lässt man sich ein, wird man mit einem immer noch aktuellen Porträt belohnt. Außerdem wird das Buch aus der Sicht von Archie Goodwin erzählt – was wiederum eine ganz eigene, ironische Distanz zur Handlung erschafft.


    Mehr möchte und kann ich zu dem Buch gar nicht sagen. Meine Empfehlung lautet: selber lesen! Und sich auf eine kleine Zeitreise gefasst machen.


    Meine Wertung:5/5

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)

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