Carlos Ruiz Zafón - Das Labyrinth der Lichter / El laberinto de los espíritus

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Das Labyrinth der Lichter

4.4|23)

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 944

ISBN: 9783596032518

Termin: Februar 2018

  • Klappentext:
    Packend, rasant und voller Magie - der neue Zafón!
    Carlos Ruiz Zafón, Autor des Weltbestsellers ›Der Schatten des Windes‹, ist zurück! Mit seinen Romanen rund um den Friedhof der Vergessenen Bücher schuf der spanische Bestsellerautor eine der faszinierendsten Erzählwelten aller Zeiten. Die Verheißung, die mit ›Der Schatten des Windes‹ begann, findet mit seinem neuen großen Roman ›Das Labyrinth der Lichter‹ ihre Vollendung.
    Spanien in den bleiernen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie ›Das Labyrinth der Lichter‹, das Alicia auf schmerzliche Weise an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt.
    Meisterlich verknüpft Carlos Ruiz Zafón die Erzählfäden seiner Weltbestseller ›Der Schatten des Windes‹, ›Das Spiel des Engels‹ und ›Der Gefangene des Himmels‹ zu einem spannenden Finale.
    (von der S.Fischer-Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Carlos Ruiz Zafón begeistert mit seinen Barcelona-Romanen um den Friedhof der Vergessenen Bücher ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. ›Der Schatten des Windes‹, ›Das Spiel des Engels‹ und ›Der Gefangene des Himmels‹ waren allesamt internationale Bestseller. Auch ›Marina‹, der Roman, den er kurz vor den großen Barcelona-Romanen schuf, stand wochenlang auf den Bestsellerlisten. Seine ersten Erfolge feierte Carlos Ruiz Zafón mit den drei phantastischen Schauerromanen ›Der Fürst des Nebels‹, ›Mitternachtspalast‹ und ›Der dunkle Wächter‹. Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und teilt seine Zeit heute zwischen Barcelona und Los Angeles. (von der S.Fischer-Verlagsseite kopiert)


    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: El laberinto de los espíritus
    Erstmals erschienen 2016 bei Editorial Planeta S.A., Barcelona
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    In Versatzstücken aufgebaut, die zu je unterschiedlichen Zeiten angesiedelt sind, und aus jeweils anderen Perspektiven erzählen
    Schwarz-weiß Fotos u.a. aus dem alten Barcelona am Beginn der Kapitel
    Zeitrahmen von 1938 bis 1992
    Mit Inhaltsverzeichnis, Bildnachweis und Dank 944 Seiten


    Persönliche Meinung:
    Da schreibt einer drei komplexe Romane mit ineinander verschachtelten Handlungen, einer Vielzahl an Personen und auf verschiedenen Zeitebenen ablaufend, an deren Enden jeweils ein paar lose Fäden hängen – und dann schreibt er einen vierten Roman, komplex, verschachtelt, mit neuen und den altbekannten Figuren, nimmt die Fäden auf und verwebt sie endgültig.


    "Eine Geschichte hat weder Anfang noch Ende, nur Eingangstüren." (S.874) Damit erklärt Zafón, warum seiner Meinung nach die Romane der Tetralogie unabhängig voneinander und von der Reihenfolge gelesen werden können.
    Im Interview, das man auf der Verlagsseite nachlesen kann, erklärt er: "Ich hatte nie vor, Fortsetzungen zu schreiben. Jeder Band versteht sich als ein unabhängiger Eingang zum Friedhof der Vergessenen Bücher. Wo immer man beginnt, durch welche der vier Türen man auch tritt, wird man eine eigene Welt vorfinden. Ich wollte zwar viele Genres zusammenführen, aber in jedem Band steht eines besonders im Vordergrund: Im Schatten des Windes ist es der Coming-of-age-Roman, im Spiel des Engels der Schauerroman, im Gefangenen des Himmels der Abenteuerroman und im Labyrinth der Lichter der Spannungsroman."


    Hier ist also der Spannungsroman. Tatsächlich, das Buch ist so fesselnd wie ein Krimi mit den genretypischen Motiven: Die Überlegungen und Schlussfolgerungen der Ermittler, die Suche nach dem entführten Opfer und die Jagd nach dem Täter. Der Weg zur Lösung des Rätsels ist mit brutaler Gewalt und Leichen gepflastert, und der Leser darf sich nie sicher sein, dass die Figur, die er lieb gewonnen hat, überlebt. Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, und die wenigsten Personen sind so, wie sie scheinen. Man darf mit einer Menge Wendungen und Überraschungen rechnen. Alles ist anders als man es sich gedacht hat, auch dem, was man aus den Vorgängerbänden kennt, ist nicht länger zu trauen.
    Mit Alicia hat der Autor eine Figur eingeführt und zur Hauptperson gemacht, die man noch nicht kannte - denkt man. Aber sie war schon einmal da, wenn auch nur durch eine einzige Handlung, die man jetzt erst zuordnen kann und die direkt zu "Der Gefangene des Himmels" führt. Solche winzigen Verweise sind es, die mich zweifeln lassen, ob es sinnvoll ist, diesen Band zu lesen ohne die Vorgänger zu kennen.
    Alicia ist eine Protagonistin, wie man sie aus Spionageromanen und Agententhrillern kennt: unerschrocken, distanziert, einsam und zurückhaltend, zugleich von einer Emotionalität, die sie vor allen versteckt, auch vor sich selbst. Dass sie an einer Verletzung aus dem Krieg leidet und furchtbare Schmerzen hat, macht sie zwar mitunter schwach, aber nicht hilflos. Durch den Krieg ist ihr Leben mit dem Fermins verbunden; weil sie auf den Fall um Mauricio Valls angesetzt ist, nähert sie sich dem Schicksal, das die Familie Sempere erduldet hat.


    Auf der Strecke bleiben das Zauberhafte und Fantastische. Wären nicht ab und zu Szenen, die sich um den Friedhof der Vergessenen Bücher drehen, und träten nicht die bekannten Personen auf, könnte man das Buch für einen auf der historisch realen Ebene angesiedelten Thriller halten, in dem es auch um das Franco-Regime geht, was inhaltlich wieder zu Band drei führt.
    Damit ist aber nichts gegen die Qualität dieses Buches als Spannungsroman und gleichzeitig historisches Werk gesagt. Denn wie bereits bei den anderen Bänden folgt man der Handlung atemlos und wird gebannt von dem, was passiert, wie die Personen sich zueinander entwickeln und von den verschlungenen Pfaden zur Aufklärung der Geheimnisse.


    Wenn eigentlich alles gesagt und geklärt ist, gehts trotzdem weiter: "….den geneigten Leser zu bitten, uns zum Abschluss der Geschichte zu folgen und uns bei der Suche nach dem Schwierigsten zu helfen, für einen armen, in seinem eigenen Labyrinth gefangenen Erzähler: Die Ausgangstür." (S.874)
    Was danach folge, ist eine kleine Abschlussgeschichte, die zurück zum "Schatten des Windes" und Julián Carax führt. Vielleicht gönnt Zafón sich damit ein leises Verhallen des packenden Stoffs, mit dem er seine Leser seit 2001 mitreißend unterhält.


    Ein spannungsreicher, würdiger und exzellent geschriebener Abschluss der aufregenden Tetralogie, der nicht ganz die Faszination der ersten drei Bände erreicht.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Ein spannungsreicher, würdiger und exzellent geschriebener Abschluss der aufregenden Tetralogie, der nicht ganz die Faszination der ersten drei Bände erreicht.

    Den Autor kenne ich zwar nicht, hab mich mal ein bisschen umgesehen und als Band 4 ist hier im BT dieses Buch aufgeführt - ist wohl ein Irrtum, oder :-k 
    Und "Das Labyrinth der Lichter" ist in der Serie nicht aufgelistet :scratch:

    ☆¸.•*¨*•☆ ☆¸.•*¨*•☆ La vie est belle ☆¸.•*¨*•☆☆¸.•*¨*•☆

  • @Marie, das hatte ich gesehen, aber das Buch ist als Band 4 in der Serie erwähnt. Somit ist "Das Labyrinth der Lichter" Band 5. Das hat mich irritiert, weil es ja eine Tetralogie ist :wink:


    @Jessy1963, wir haben hier nur eine klitzekleine Buchhandlung, in die ich nur sehr selten gehe 8) Der Autor sagte mir bisher überhaupt nichts, bis ich ein paar Mal hier über seinen Namen gestolpert bin :)

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  • Das kann ich kaum glauben :shock: Du kennst echt Zafòn nicht ?Seinem "Der Schatten des Windes" (geniales Buch übrigens :thumleft: ) konnte damals vor etlichen Jahren keiner in den Buchhandlungen entgehen. :loool: Die waren einfach mal überall. :lol: 

    Hatte nicht Joschka Fischer als Gast bei Elke Heidenreichs "Lesen!" das Buch vorgestellt?


    Ich habe es damals gelesen, aber kann mich an wirklich rein gar nichts mehr erinnern. Gibt's das.
    Die anderen Bände kenne ich gar nicht. Aber nach der schönen Rezi habe ich Lust darauf bekommen.
    Was denkst Du, @Marie, empfiehlt es sich "Im Schatten des Windes" dann auch noch einmal zu lesen?

  • Hatte nicht Joschka Fischer als Gast bei Elke Heidenreichs "Lesen!" das Buch vorgestellt?

    Keine Ahnung, muss ja schon ewig her sein. ich schaue solche Sendungen auch sehr selten. :uups:


    Ich habe es damals gelesen, aber kann mich an wirklich rein gar nichts mehr erinnern. Gibt's das.

    Ja, das gibt es, habe ich auch manchmal :loool: Ich hatte es erst im letzten Jahr gelesen daher ist es mir noch recht frisch im Gedächtnis. Demnächst will ich "Das Spiel des Engels" von ihm lesen.

  • Somit ist "Das Labyrinth der Lichter" Band 5

    Nein, das ist eindeutig der 4. Band. "Der Fürst des Parnass" ist ein nachgeschriebene Buch, das auch von der historischen Zeit her nicht zu den anderen gehört. Es werden lediglich einige Motive verwendet, die später in der Serie eine Rolle spielen.
    Andererseits versteht man einige Dinge besser, wenn man "Der Schatten des Windes" gelesen hat. Ich empfehle Dir das Buch ausdrücklich. Und ganz laut. :lechz: 

    Hatte nicht Joschka Fischer als Gast bei Elke Heidenreichs "Lesen!" das Buch vorgestellt?

    Ja. Zumindest wird er auf dem Rücken meiner Ausgabe zitiert. Wenn ich jetzt nicht so randvoll mit dieser Geschichte wäre, würde ich "Der Schatten des Windes" gern nochmal lesen. Überhaupt würde ich gern alle Vorgänger nochmal lesen auf dem Hintergrund, den die Auflösung liefert. Vor allem könnte ich auf die Stellen achten, die sich durch den 4. Band als Täuschung oder Lüge entpuppen.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Meine Meinung zum Original "El laberinto de los espiritus".
    @Marie hat schon sehr gut ausgedrückt, was ich auch denke.
    Ergänzend wollte ich noch erwähnen, dass ich mich vor Zafons sprachliches Können verneige. Kein anderer kann mit Worten Atmosphären erzeugen, die so greifbar werden. Ich liebe seine abgefahrenen Beschreibungen, wobei sie mir in diesem Werk teilweise zu viel wurden. Manchmal ist weniger mehr, sonst geht die Besonderheit verloren.
    Es ist mir auch nie passiert, dass ich, während des Lesens, so oft die Wertung eines Buches geändert habe.
    Unterm Strich bleibt es aber ein großartiges Werk und wie @Marie schon erwähnte, ein würdiger Abschluss dieser Serie.
    Gefallen haben mir, der historische Hintergrund, die Figuren, die sehr gut charakterisiert sind und natürlich die Wanderungen durch Zafons Barcelona.
    Auf die Abschlussgeschichte hätte ich persönlich verzichten können, die kam mir ein wenig schnell "dahingeschrieben" vor, um noch schnell "der Schatten des Windes" einbinden zu können.
    Auch ich würde empfehlen, die Vorgänger zu lesen, bevor man dieses Buch in die Hand nimmt. I.Ü. habe ich nach 100 Seiten die Lektüre abgebrochen und habe sie ein zweites Mal gelesen, weil ich einiges nicht mehr so präsent hatte.
    Witziger weise hat das Original keinen Dank und keine Inhaltsangabe.
    Die Wertung fällt mir nicht leicht.
    Teilweise war ich der Meinung, 5 Sterne würden nicht ausreichen, um dieses Buch zu werten, und teilweise war ich verzweifelt, da ich als großer Zafon-Fan keins seiner Werke mit weniger bewerten wollte.
    Es sind dann doch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: geworden und eine kleine Träne, weil ich den Friedhof der vergessenen Bücher sehr vermissen werde.
    Und eine große Empfehlung an alle, die Zafons Barcelona so sehr lieben wie ich.

    Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.
    Heinrich Heine

  • Der vierte Eingang zum Friedhof der Vergessenen Bücher
     :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: 
    'Das Labyrinth der Lichter' ist der vierte Band der Reihe 'Der Friedhof der vergessenen Bücher', nach 'Der Schatten des Windes', 'Das Spiel des Engels' und 'Der Gefangene des Himmels'. Aber wie Carlos Ruiz Zafón in einem Interview mit dem Fischer-Verlag erklärte:


    "Jeder Band versteht sich als ein unabhängiger Eingang zum Friedhof der Vergessenen Bücher. Wo immer man beginnt, durch welche der vier Türen man auch tritt, wird man eine eigene Welt vorfinden."


    Da dieses Buch tatsächlich mein erstes des Autors war, ich also vollkommen ohne Vorwissen und Vorbereitung in diese zauberhafte Welt stolperte, kann ich guten Gewissens bezeugen: ja, man kann 'Das Labyrinth der Lichter' wirklich als eigenständiges Werk lesen - und lieben! -, aber man fühlt sich manchmal wie Alice, die kopfüber und unversehens ins Kaninchenloch stürzt. Mir schwirrte oft der Kopf, mir war ganz schwindlig vor lauter Namen und Orten und Entwicklungen und Andeutungen, und dennoch wollte ich immer weiterlesen und weiterlesen. Im Rückblick fällt es mir schwer zu glauben, dass dieser Wälzer stolze 944 Seiten auf die Waage bringt, denn die Geschichte wurde mir niemals langweilig und ich habe sie in nur fünf Tagen verschlungen... Und mir die anderen Bücher der Reihe schon gekauft, da ich jetzt unbedingt alle der möglichen Türen und Welten erkunden will. Dennoch ist es ein Buch zum Mitdenken, denn zum nebenher Konsumieren ohne Sinn und Verstand ist es viel zu schade.


    Es ist schwer, in Worte zu fassen, was die Magie dieses Buches ausmacht, denn die ist vielfältig und wandelbar. Mal ist es ein bedrückender und dennoch faszinierender Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen zur Zeit des Franco-Regimes in Spanien, dann wieder ein überschwänglicher Lobgesang auf die Literatur oder ein spannender historischer Kriminalfall. Aber die Sprache, die ist immer ein Gedicht und die Atmosphäre eine Offenbarung - auch oder gerade dann, wenn die Grenzen zwischen Traum und Albtraum zerfließen und die sprachliche Schönheit das Düstere oder sogar Morbide beschreibt.


    Man könnte das Buch auf jeder beliebigen Seite aufschlagen und würde dort immer eine zitierwürdige Stelle finden. Ich werde jetzt mal die Probe aufs Exempel statuieren:


    "Da erschütterte eine neue Explosion das Gebäude, und das Buch fiel ins Leere. Alicia schaute über den Rand hinaus und sah es in den Abgrund flattern. Der Widerschein der Flammen auf den Wolken warf Lichtbündel herunter, die sich in die Finsternis ergossen. Ungläubig kniff Alicia die Augen zusammen. Wenn der Anblick sie nicht trog, war das Buch zuoberst auf einer riesigen Spirale gelandet, die sich um ein unendliches Labyrinth aus Gängen, Passagen, Bögen und Galerien wand, das an eine große Kathedrale erinnerte. Aber im Gegensatz zu den Kathedralen, die sie kannte, bestand diese nicht aus Steinen. Sie bestand aus Büchern."


    Der Autor schont seine Charaktere nicht. Auch denen, die einem ans Leserherz wachsen, passieren furchtbare Dinge, oder sie begehen sogar selber grausame Taten. Aber die Gewalt wird in meinen Augen nie zum Selbstzweck, und die andere Seite der Medaille ist der großartige Humor, der mich mehr als einmal laut zum Lachen brachte.


    Man erreicht nie den Punkt, wo man zweifelsfrei behaupten könnte, einen Charakter wirklich bis ins Letzte zu kennen, denn sie sind alle so komplex und zwiespältig, wie Menschen nun einmal sind. Und das ist auch gut so, obwohl es manchmal geradezu wehtut, machtlos zusehen zu müssen, wie sich einer davon ins Unglück stürzt...


    Es geht immer mal wieder um die Liebe, wenn auch nicht immer die romantische, und das wird meines Erachtens niemals kitschig - gerade weil die berührendsten Szenen oft die sind, die ohne große Gesten auskommen. Und auch hier gehen Glück und Leid mehr als einmal Hand in Hand, so wie ich ohnehin den Eindruck hatte, dass bei Carlos Ruiz Zafón alles immer auch sein Gegenteil enthält.


    Das Ende ist in meinen Augen ein Geniestreich, mit dem der Autor ein Stück weit die vierte Wand durchbricht. 'Das Labyrinth der Lichter' enthält quasi seine eigene Entstehungsgeschichte.


    Fazit:
    'Das Labyrinth der Lichter' ist so ein Buch, das ich am liebsten sofort wieder vergessen würde. Nicht etwa, weil es schlecht wäre, ganz im Gegenteil - ich wünschte, ich könnte es noch einmal zum ersten Mal lesen, um die Schönheit der Sprache, die wunderbaren Charaktere und die unglaublich vielschichtige Handlung neu und mit unverstelltem Blick zu entdecken.


    Es ist Teil einer vierbändigen Reihe, dern Bände man aber alle auch einzeln lesen kann, und ich werde mich jetzt daran machen, auch die anderen drei Bände zu lesen. Carlos Ruiz Zafón hatte sich schon nach wenigen Seiten einen Ehrenplatz in der Liste meiner Lieblingsautoren verdient.

  • Kaum erschienen und schon gelesen, wow. Bei mir liegt es jetzt erst mal. Ich warte auf einen günstigen Zeitpunkt, da ich alle vier Teile lesen möchte. Eure Rezis werde ich daher erst später lesen.

  • Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Endlich wieder ein Buch von Carlos Ruiz Zafón. Ich habe die vorherigen Teile gelesen, aber man kann es wohl auch ohne Vorkenntnisse lesen. Da es jedoch eine Weile zurücklag, dass ich die anderen Bände gelesen hatte, hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Ich dachte mir auch manchmal es wäre besser gewesen, wenn ich diese doch nochmal gelesen hätte. Einzelne Namen ließen vage Erinnerungen aufblitzen, aber klare Bilder sind leider nach so langer Zeit nicht mehr vorhanden gewesen. Die Hauptfiguren waren mir natürlich noch im Gedächtnis, allerdings nicht mehr so deutlich, daher vertraute ich darauf, dass es sich dann doch sicher mit Hilfe des Autors zu einem klaren Bild fügen würde.
    Der Schreibstil von Zafón war einfach wieder wunderbar poetisch und grandios. Seine Formulierungen entzücken mich jedes Mal aufs neue.
    Die Hauptprotagonistin Alicia ist ein eigentümlicher, verschlossener und nachdenklicher Charakter. Sie lässt kaum jemanden an sich heran. Sie wirkte auf mich ziemlich düster, aber das trifft auch auf 75% des Romans zu.
    Die Geschichte ist vielschichtig und besteht aus vielen kleinen Puzzleteilen, die nacheinander ans Licht kommen. Welch ein Netz sich im Hintergrund verbarg ist wirklich verblüffend und wie der Autor alles miteinander verbindet einfach grandios. Es war interessant überraschend, dass Zafón teils brutale Szenen mit eingebaut hatte, die man so von ihm gar nicht kennt.
    Leider schweift Zafón doch des Öfteren ein wenig ab und ich hätte mir gewünscht, dass er sich manches Mal kürzer gefasst hätte. Getreu dem Motto: Weniger ist manchmal mehr. Der Roman erhält dadurch seine Längen und zeitweise wurde es sogar richtig langweilig und ich musste mich regelrecht zum Lesen überwinden. Nach knapp 600 Seiten war ich dann gar nicht mehr an der Auflösung interessiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Roman von Carlos Ruiz Zafón abbrechen würde, aber ich habe mich dann doch dazu entschlossen. Wenn man ein Buch fast vier Monate versucht zu lesen, sollte man sich eingestehen, dass es besser ist es aufzugeben. Vielleicht war es auch gerade nicht die rechte Zeit für mich, um diesen Roman zu lesen, aber eigentlich hatte ich mich sehr darauf gefreut. Ich denke man hätte die Geschichte auch auf 600 Seiten erzählen können, wenn man es kompakter gehalten hätte.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5:

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