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Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben / A Little Life

Ein wenig Leben

3.9 von 5 Sternen bei 37 Bewertungen

Verlag: Piper Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 960

ISBN: 9783492308700

Termin: September 2018

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  • Danke, Ihr alle!

    findo: das stimmt. Die Arbeit, bzw. das konzentrierte Arbeiten mag, wie eine Art Ventil, funktionieren. Wenn ich genau darüber nachdenke, finde ich es eher unwahrscheinlich, dass Jude so lange eine Führungsposition/Rolle, einnehmen konnte. In der Realität braucht es dafür ja eine Menge Fähigkeiten, die ausserhalb der Kernkompetenzen stehen. Ein bisschen hat mich das ganze an David Copperfield erinnert. Auch bei Dickens haben die Menschen, die in ihremfrühen Leben benachteiligt waren, später Vorteile. Das Problem ist nur, wie ja auch gut beschrieben, dass wirklich stark traumatisierte Menschen einen Kontrollverlust erleiden, der jederzeit eintreten kann. Ein Trigger reicht. Als Anwalt ist man sicherlich vielen Triggern ausgesetzt. Es wird ja auch beschrieben, dass es ihm nicht immer gelang bzw, dass es ihm viel Kraft gekostet hat, auch hier seine Versehrtheit zu kaschieren. Und am Ende wird ja auch viel weggesehen oder wohlwollend toleriert. Deswegen habe ich dieses Buch auch gerne gelesen, bei all dem Grauen wollte ich daran glauben, dass es so viele wohlwollende Menschen gibt. Es bleibt zu hoffen.

    :study:Über Liebe und Magie-John Burnside

    :study:Sprechen wir über Eulen und Diabetes- David Sedaris

    No two persons ever read the same book (Edmund Wilson)

  • Ja, das ist interessant - mir kam das gar nicht so abwegig vor. Ich kenne auch von mir dieses "krasse" Umschalten zwischen Arbeit und Freizeit. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass Jude zwar im Inneren so fühlt, wie es die Autorin beschreibt, aber dass ihm das in der Realität nicht anzumerken war und er diesbezüglich nichts nach aussen gelassen hat. Funktionieren ist alles - the show must go on. Bis zum Schluss.


    Ihr habt aber recht - es ist einen "Ticken" zuviel und wirklich realistisch zu sein - aber ich denke auch, gerade das ist es, was dazu führt, dass das Buch in Erinnerung bleibt.

  • ... aber ich denke auch, gerade das ist es, was dazu führt, dass das Buch in Erinnerung bleibt.

    Ja genau.Ich merke gerade , wie sehr mich das Buch beschäftigt. Es hätte sich auch echt gut in einer MLR getan, polarisierend mit viel Diskussionen:colors:.

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  • Wen es interessiert - hier ist der Link zu einem Artikel in der Zeit über die Autorin :wink:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Die dunkle Seite der Liebe


  • Da ich seit gestern an dem zweiten Buch, das hier in Deutschland als zweites erschienen ist, eigentlich aber das erste ist, der Autorin lese, habe ich das Rezensionsthread zu "Ein wenig Leben" noch mal durchgelesen. Denn ich glaube, obwohl ich noch nicht all zu weit in dem zweiten Roman "Das Volk der Bäume" vorgedrungen bin, dass es diesmal emotional genau so fördernd ist, wie auch "Ein wenig Leben". An das "Ein wenig Leben" erinnere ich mich immer noch sehr gerne, nicht weil es so super leicht und locker war, sondern weil es grandios in meinen Augen geschrieben wurde. Ich kann das Buch nicht vergessen. Und das ist nach meinem Ermessen ein deutliches Zeichen dafür, dass es gut war, oder dass es einen zutiefst bewegt hat.

    Wissen tue ich es nicht, aber ich glaube, dass es Menschen gibt, denen im Leben nur die schlimmsten Dinge passieren und wenn man denkt, es geht nicht mehr, setzt das Schicksal einem noch etwas drauf und die nächste Katastrophe naht. In sofern fand ich das schon glaubwürdig, wenn es auch selten passieren mag (zum Glück).

    da stimme ich dir gerne zu.:friends: Ich bin der Überzeugung, dass es Menschen gibt, bei denen ein Schicksalsschlag nach dem anderen zuschlägt. Deren Leben unterscheidet sich von dem der anderen. Die versuchen dennoch zu leben. Und zwar so gut es geht ein normales Leben zu führen. So wie es halt geht.

    Und wenn es die Arbeit ist, die die Lücke fühlt, dann ist es eben die Arbeit. Es entspricht vielleicht nicht der Norm im allgemeinen, aber die leben, überleben und machen weiter. ich fand die Geschichte glaubwürdig.

    Bin gespannt, was die Autorin beim "Das Volk der Bäume" auf Lager hat.

    2019: Bücher: 137/Seiten: 56 872
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:
    Levy, Marc - Wer Schatten küsst

  • Inhalt

    Jude St. Francis ist ein begabter US-Amerikanischer Anwalt, der als Kind vernachlässigt und schwer sexuell missbraucht wurde. Obwohl sein Freund JB schon früh in ihrer Beziehung mit dem richtigen Instinkt feststellt, dass Jude auf körperliche Berührungen exakt wie ein Missbrauchsopfer reagiert, verbirgt Jude seine monströsen Erfahrungen lange vor seinen Freunden. Die Vier sind einander seit dem College eng verbunden. Willem, der vom Aufwachsen mit einem schwerbehinderten Bruder geprägt ist, hat Riesenerfolg als Schauspieler, JB lebt als Künstler und überwindet in harter Anstrengung seine Drogensucht. Malcolm stammt bereits aus reichem Elternhaus und wird ein weltweit anerkannter Architekt. Alle vier Freunde sind beruflich erfolgreich, in ihrer Branche berühmt und können gemeinsam über einen fast schon obszönen Reichtum verfügen. Für Jude scheint sich ein Leben in Armut, voller Scham und körperlicher Schmerzen zu einem nahezu märchenhaften Schicksal zu wenden, als das kinderloses Professoren-Ehepaar Harold und Julia ihn als Erwachsenen adoptiert. In Rückblenden wird Stück für Stück aufgeblättert, warum Jude sich in schwer vorstellbarer Grausamkeit immer wieder selbst verletzt. Er lebt die klassische Biografie eines Missbrauchsopfers, das sich als Erwachsener wieder in einer Missbrauchsbeziehung verstrickt, das immer wieder daran zweifelt, ob es wirklich liebenswert ist. Das verlassene Kind Jude muss sich zwingend immer wieder der Zuneigung anderer versichern und gefährdet gerade durch dieses Verhalten seine Beziehungen. Wenn seine Freunde aufhören würden ihn zu lieben, würde er auch daran die Schuld tragen, meint Jude, wie er sich an seinen Missbrauchserfahrungen schuldig fühlt. So machen sich seine Freunde ständig Vorwürfe, ob sie sich genug um Jude kümmern. Ihre Aktivitäten zu Judes Betreuung wirken - mit einem egoistischen Kern - gut gemeint und in der Sache höchst dilettantisch. Sein Arzt, mit dem er zugleich befreundet ist und der keine therapeutische Ausbildung hat, agiert reichlich fragwürdig als Judes Komplize darin, die Fassade zu wahren und einer Therapie mit Schwerpunkt Missbrauch aus dem Weg zu gehen.


    Zu dem Zeitpunkt, als die Leser Judes Vorgeschichte vollständig erfahren haben, sind die Männer Mitte 40 und wirken wie ewige Jugendliche, die sich weder über ihre sexuelle Orientierung noch über ihren Platz im Leben klar sind. Obwohl man als Leser zahlreichen Dialogen folgt, scheinen die Vier wenig miteinander zu sprechen. Einzig eine Betreuerin des jungen Jude hat wirklich mit ihm gesprochen – der Verlust Annas ist eine weitere Verletzung auf Judes katastrophalem Lebensweg.


    Fazit

    Hanya Yanagiharas wuchtiger und schonungsloser Bildungs- und Entwicklungsroman zerfällt für mich in einen professionell recherchierten Teil und einen Abschnitt, in dem Figuren der Gegenwart eigenartig laienhaft agieren. Die Darstellung eines Missbrauchsopfers mit all seinen Zwängen, Selbstverletzungen und Widersprüchen finde ich - verfasst von einem psychologischen Laien, der nicht beruflich Missbrauchsopfer betreut - außerordentlich treffend. Für einen Roman, der nicht die therapeutische Versorgung in den USA der 50er zum Thema hat, sondern in der Gegenwart spielt, agieren die befreundeten „Helfer“ meiner Ansicht nach höchst eigenartig. New York hat die höchste Therapeutendichte der Welt. Selbst wenn ein Teil davon nur mittelmäßig qualifiziert wäre (die Bezeichnung ist nicht geschützt), kann ich kaum glauben, dass gebildete Mitglieder der Oberschicht, für die Geld keine Rolle spielt, nicht früher auf die Idee kommen, ein zielgerichtetes Therapieangebot für Jude zu suchen, anstatt ihm verschämt Visitenkarten von irgendwelchen Therapeuten in die Tasche zu schieben. Das Buch kann berühren, es kann sich sicher auch in seinen Lesern festkrallen und sie lange nicht loslassen. Durch den für meinen Geschmack schwachen zweiten Teil und das laienhafte Herumtherapieren der Freunde vergibt der Roman allerdings seine Chancen. Bis auf die Rückblenden und Harolds Sicht der Dinge finde ich „Ein wenig Leben“ sprachlich recht einfach erzählt, mit vielen Dialogen und einigen Wortwiederholungen.


    P.S.: Inzwischen habe ich überlegt, warum mich einige Passagen des Romans schlicht gelangweilt haben. Die Beschreibung der Figuren, ihrer Beziehungen zueinander und der Ereignisse in Judes Jugend konnten mich fesseln und anrühren. Überflüssig fand ich reine Aufzählungen von Häusern, die gekauft, Reisen, die unternommen, Filmen und Bildern, die betrachtet wurden. Als Stilmittel wirken diese Aneinanderreihungen bei mir nicht, wenn sie nichts darüber erzählen, wie und wer eine Person ist. Eine Reise, ein Bild, eine Atmosphäre auf den Punkt bringen, fände ich wirkungsvoller. Am Ende bleibt der Eindruck, dass Jude (und der Leser) nur deshalb so lange leiden müssen, damit der Roman fast 1000 Seiten erreicht.


    (13.2.2017)


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    :study: -- Fuhrmann - Konstantinopel - Istanbul : Stadt der Sultane und Rebellen

    :study: -- Zorro Vela

    :musik:-- Bardugo - King of Scars


    - Buchdaten korrigieren

    - Reihen neu/ergänzen

    01. Buchtitel dt. (Jahr)--ISBN

    02. Buchtitel dt. (Jahr), Buchtitel engl.--ISBN

    1-3 (Jahr) (Sammelband)--ISBN

  • Am Ende bleibt der Eindruck, dass Jude (und der Leser) nur deshalb so lange leiden müssen, damit der Roman fast 1000 Seiten erreicht.

    so unterschiedlich kann man ein Buch empfinden. :D Ich hätte gut und gerne noch weitere 1000 Seiten von diesem Roman gelesen und hätte mich nicht gelangweilt, denn jede Seiten von "Ein wenig Leben" habe ich inhaliert. :wink:

    2019: Bücher: 137/Seiten: 56 872
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:
    Levy, Marc - Wer Schatten küsst

  • Ihr Lieben,


    könnte mir jemand vielleicht ein Foto von einer Seite des Buches machen, damit ich weiß, ob ich es lesen kann?
    Ich kann das Buch zwar auch hören, aber diesen Roman würde ich gern mit eigenen Augen lesen, aber ich habe die Befürchtung, dass aufgrund der hohen Seitenanzahl die Schrift klein oder gedrungen ist.

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:

    Cora Hunter - Sie finden dich nie

  • Du kannst das bei google books ausprobieren.

    Das TB ist 13x20cm

    das HC ist 15x22cm

    Yanagihara

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    :study: -- Zorro Vela

    :musik:-- Bardugo - King of Scars


    - Buchdaten korrigieren

    - Reihen neu/ergänzen

    01. Buchtitel dt. (Jahr)--ISBN

    02. Buchtitel dt. (Jahr), Buchtitel engl.--ISBN

    1-3 (Jahr) (Sammelband)--ISBN

  • könnte mir jemand vielleicht ein Foto von einer Seite des Buches machen, damit ich weiß, ob ich es lesen kann?

    leider kann ich dir nicht helfen, Tanni. Ich habe das Buch ausgeliehen gehabt. Aber die Schrift ist nicht all zu groß, wie du vermutet hast bei 1000 Seiten fällt die etwas kleiner aus. Schade, dass ich dir kein Bild machen kann.:friends: So groß wie beim Google books angezeigt wird, war die in meiner Erinnerung nicht.

    2019: Bücher: 137/Seiten: 56 872
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:
    Levy, Marc - Wer Schatten küsst

  • Gestern habe ich das Buch ausgelesen.

    Vor einiger Zeit habe ich einen Satz zu dem Buch gelesen, bei dem ich finde, dass er passender nicht sein könnte: Es ist ein wunderschönes, furchtbares Buch.


    Der Sprachstil ist einfach wunderbar und es ist wie ein Sog, die Rückblenden sind perfekt und immer passend in die Erzählung eingebaut. Andererseits ist es furchtbar, was man im Laufe des Buches über Jude erfährt und man leidet wirklich mit. Man möchte sich zu dem Buch austauschen, wissen, was andere Leser denken.


    Trotz der fast 1000 Seiten hat es sich nicht gezogen und man hat gar nicht gemerkt, dass das Buch so dick ist. Bevor ich das Buch gelesen habe, wusste ich auch nicht, was ich vom Cover halten soll. Nach dem Lesen finde ich es passend.


    Wenn man sich auf das Buch einlässt, entdeckt man meiner Meinung nach eines der besten, tragischsten Bücher der letzten Jahre.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Es ist egal, was du bist, hauptsache ist, es macht dich glücklich." (Farin Urlaub)

  • Wenn man sich auf das Buch einlässt, entdeckt man meiner Meinung nach eines der besten, tragischsten Bücher der letzten Jahre.

    bin ganz deiner Meinung. :friends:Mich hat der Roman auch nicht kalt gelassen und voll und ganz überzeugt, und es freut mich, dass es einen weiteren begeisterten Leser für die Geschichte gibt.

    2019: Bücher: 137/Seiten: 56 872
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:
    Levy, Marc - Wer Schatten küsst

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