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Günther Weisenborn - Die einsame Herde

Die einsame Herde

4.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin

Bindung: Taschenbuch

ASIN: B004PLK09G

Termin: 1989

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  • Der Autor (nach Wikipedia, Klappentext und einer Biografie auf ticinARTE.ch): Der deutsche Schriftsteller, Dramaturg und Widerstandskämpfer Günther Weisenborn (der u.a. unter den Pseudonymen Christian Munk und Eberhard Foerster veröffentlichte) wurde am 10. Juli 1902 in Velbert im Rheinland als Kaufmannssohn geboren. Nach seinem Medizin- und Germanistikstudium in Köln und Bonn, einer aktiven Phase in der Wandervogelbewegung und Jobs als Theaterkritiker erlangte er deutschlandweite Aufmerksamkeit durch sein Antikriegsstück „U-Boot S4“, in dem er 1928 die Wiederaufrüstung anprangerte. 1930 emigrierte er nach Argentinien, wo er als Farmer und Postreiter arbeitete. 1931 kam sein Studentenroman „Barbaren“ heraus. Im selben Jahr verfasste er mit Bertolt Brecht eine Theaterfassung von Gorkis „Die Mutter“. Als seine Bücher unter den Nazis verboten wurden, war er wieder in Deutschland. 1936 ging er als Journalist nach New York, kehrte aber schon 1937 nach Berlin zurück, wo er sowohl als Journalist und als Dramaturg am Schiller-Theater tätig war, als sich auch in der Widerstandsorganisation "Rote Kapelle" betätigte. 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet, eingekerkert und 1943 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde später zu lebenslanger Haft abgemildert. 1945 wurde er von der Roten Armee aus dem Gefängnis befreit. Nach dem Krieg veröffentlichte er weiter Theaterstücke, Romane und Erinnerungen aus seiner Haft und der Widerstandszeit, war unter anderem Bürgermeister des bei Luckau gelegenen Ortes Langengrassau, gründete in Westberlin zusammen mit Karlheinz Martin das Hebbel-Theater, war von 1945 bis 1947 Mitherausgeber der satirischen Zeitschrift "Ulenspiegel" und war von 1951 bis 1953 Chefdramaturg der Hamburger Kammerspiele. In den 1950er- und 60er-Jahren unternahm er etliche Reisen nach Paris, Prag, Warschau, London, Moskau, Burma, China und Indien. Mit seiner Frau Joy und seinen Söhnen lebte er in Engelswies am Bodensee, in Hamburg und ab 1964 in Berlin nieder. Gleichzeitig träumte er vom Leben im Tessin, wo der am 26. März 1969 in Berlin-Charlottenburg gestorbene Weisenborn begraben liegt.


    Einige Werke:
    1929 "SOS oder die Arbeiter von Jersey" (Theaterstück)
    1934 "Die Neuberin" (Theaterstück)
    1935 "Das Mädchen von Fanö" (Roman)
    1937 "Die Furie" (Roman)
    1937 "Die einsame Herde" (Roman in Geschichten)
    1948 "Memorial" (Autobiografie)
    1965 "Der gespaltene Horizont. Niederschriften eines Außenseiters" (Erinnerungs- und Reisebuch)


    Klappentext (Ravensburger): Wochenlang schon sind sie unterwegs: fünf Männer und tausend Rinder. Quer durch die Pampa Argentiniens, über die endlose Steppe, durch Hitze und Dürre, durch Kälte und Nässe. Wochenlang schon.
    Abend für Abend sitzen die Männer am Lagerfeuer, braten Asado und trinken Mate. Um sie herum die wiederkäuende Herde, über ihnen am Himmel das Kreuz des Südens, leuchtend und klar.
    Und Abend für Abend erzählen sich die Männer Geschichten: wahre und unwahre Geschichten, abenteuerliche und unheimliche. Geschichten, in denen Freundschaft und Feindschaft,Liebe und Hass nicht nur Worte, sondern Erlebnisse sind, die Geschichte von der schwarzen Orchidee zum Beispiel oder von den zwei Männern im Urwaldkrieg, von den drei Tänzerinnen im Wasser oder von den brennenden Ölfeldern. Vor allem aber sind es Geschichten über Pferde, über „Fabel“ und „Rosita“, oder wie sie sonst heißen. Denn das Pferd ist das geachtetste Tier und das wichtigste Tier für einen Gaucho. Ohne Pferd ist er hilflos, der Pampa und der Herde ausgeliefert.
    Alle diese Erzählungen sind Geschichten gegen die Einsamkeit, denn Gauchos sind genauso einsam wie ihre Herde. Und es sind Geschichten gegen die Angst vor dem Morgen, wenn sie wieder aufbrechen müssen: fünf Männer und tausend Rinder. Noch sind sie nicht am Ziel ...


    Der Roman in Geschichten „Die einsame Herde“ erschien unter dem Pseudonym Christian Munk 1937 mit dem Untertitel „Buch der wilden, blühenden Pampa“ zuerst beim Wilhelm Heyne Verlag Dresden, wo er bis 1939 mindestens vier Auflagen erlebte. 1983 brachte der Otto Maier Verlag Ravensburg den Roman in der „Ravensburger Junge Reihe“ zum ersten Mal nach dem Krieg wieder in Umlauf. Dieses Hardcover umfasst 208 Seiten einschließlich eines von Elisabeth Raabe zusammengestellten Anhangs, der einen Text über Günther Weisenborn und ein erklärendes Wortverzeichnis enthält. 1989 erschien im Ostberliner Kinderbuchverlag noch eine Ausgabe als Alex-Taschenbuch Nr. 139.


    Noch so ein vergessener Schriftsteller – aber was für ein toller! In diesem Buch - wie jedes gute Jugendbuch ist es kein Buch für die Jugend, sondern ein Buch, das auch für die Jugend geeignet is - erzählt Weisenborn auf Basis eigener Erfahrungen als Postreiter in Argentinien von einigen Gauchos, die eine riesige Rinderherde durch die Pampa Argentiniens treiben. Der harte Alltag als Viehtreiber wird rhythmisch unterbrochen durch die Geschichten, die sich sich abends am Lagerfeuer erzählen. Ihre Geschichten spiegeln ihren Alltag und sind gleichzeitig Rat und Linderung ihrer Sorgen. Erzählen von schweigsamen Männern, feurigen Frauen, von Neid und Hochmut, von harten Jobs auf Ölfeldern, in Schwefelminen oder als Orchideenjäger, von ungerechter Arbeit und großem Glück, das dem Tüchtigen hold ist. Und vor allem von alles überdauernder Freundschaft. Geschichtenerzählen wird so zu einem Lebenselexier und gerät fast schon in den Rang einer Gesprächstherapie: Indem man Erfahrungen und Gehörtes zu Geschichten macht, verarbeitet man die Welt, versteht sie besser und erträgt glückliche und vor allem schreckliche Zeiten besser. Jeder Ärger wird in die richtige Relation gerückt. Ein großer parabelhafter Reigen über menschliches Verhalten und den sozialen Umgang. Gleichzeitig ist das Buch von einer milden, aber allgegenwärtigen exotischen Sehnsucht durchwoben. Es singt geradezu ein Hohelied der Freiheit und der Eigenverantwortlichkeit. Ein Buch über das Leben von Wanderern, deren Heimat in Geschichten und in der Gemeinschaft liegt, nicht an einem Ort. Gezeigt wird, wie die Viehtreiber mit der unausweichlichen Einsamkeit ihrer großen Freiheit umgehen – und beleuchtet auch die Grenzen der Freiheit und die Grenzen des Stolzes. Ein großer Geschichtenschatz voll Weisheit und Demut, der jeden Wildwest-Romantiker und Pferdenarren mit Glück erfüllen sollte. Und überhaupt jeden denkenden und empfindsamen Menschen. :thumleft:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Emilio Salgari "Das Geheimnis des schwarzen Dschungels" (122/342)

    Lisa McInerney "Blutwunder" (50/333)


    Jahresbeste: Herbert Lieberman (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 74 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Olga Tokarczuk "Der Schrank" (23.11.)

  • Die westdeutsche Hardcover-Ausgabe, die 1983 - herausgegeben von Elisabeth Raabe - in der "Jungen Reihe" im Otto Maier Verlag Ravensburg erschienen ist.

    Emilio Salgari "Das Geheimnis des schwarzen Dschungels" (122/342)

    Lisa McInerney "Blutwunder" (50/333)


    Jahresbeste: Herbert Lieberman (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 74 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Olga Tokarczuk "Der Schrank" (23.11.)

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